aromapflege und palliativ care


Schule für Aromatherapie Eliane ZimmermannIm britischen Palliave Care-Bereich ist es unvorstellbar, Menschen ohne ätherische Öle zu begleiten. Es ist vielleicht eines der wichtigsten, dankbarsten und effektivsten Gebiete der Aromatherapie. Nicht nur kann man mit schönen Naturdüften die meistens angsterfüllten und belastenden Momente von Menschen mit der schrecklichen Diagnose “unheilbar!” lindern. Letztendlich wird damit ein Todesurteil von Seiten der Ärzte ausgesprochen, oft mit genauen Zeitangaben. Tatsächlich können ätherische Öle diese Zeitangaben verändern, also verlängern, wie in einigen Beobachtungsstudien beschrieben wurde. Auch Pflegende können berichten, dass es immer wieder vorkommt, das Menschen aus dem Hospiz entlassen werden müssen, weil der Tod doch nicht bevor steht, wie ursprünglich vorgesehen angenommen, sie konnten sich mit Hilfe einer gut eingesetzten ganzheitlichen Pflege erholen und wieder heim gehen.

Dieser tage wurde ich von jemanden gefragt, welche Öle ich im Palliative Care-Bereich einsetzen würde, hätte ich nur 10 Fläschchen zur Auswahl. Sie hat das eher seltene “Problem”, dass sie “zu viele” Freiheiten bei der von ihr eingesetzten Aromapflege hat und dazu neigt, zu viele Öle zu bestellen. Ich schlug folgende Öle vor, auch wenn ich nicht weiß, welche speziellen Betreuungssituationen in ihrem konkreten Fall zu berücksichtigen sind. Ihr Anliegen ist, insbesondere bei Unruhe, Ängsten und Schmerzen effektiv helfen zu können.

  1. Lavendel fein (Lavandula angustifolia) bei Unruhe, Angst und Schmerzen
  2. Mandarine (Citrus reticulata) bei Unruhe, Angst, Aggression, Wut
  3. Petit Grain [evtl. mit Neroli] (Citrus aurantium) bei Angst, Alpträumen, Unruhe, Konzentrationsproblemen, Infektionen der Atemwege (bei bereits sehr geschwächten Menschen), Infektionen der Haut
  4. Kamille römisch (Chamaemelum nobile/Anthemis nobilis) bei tief sitzenden Ängsten, bei heftigen psychischen Reaktionen auf die Diagnose, Alpträumen, Verlust-Ängsten, Gefühl der Verlorenheit und des Ausgeliefertseins, zum Loslassen bei starken Schmerzen
  5. Lorbeer (Laurus nobilis) bei starken Schmerzen, bei Infektionen, bei Verwirrtheit, zur seelischen Stabilisierung
  6. Cajeput (Melaleuca leucadendron) bei Schmerzen und Infektionen/Verschleimung der Atemwege
  7. Rose (Rosa damascena) bei Schmerzen, Entzündungen (insbesondere der Schleimhäute), Angst, Unruhe, spirituellen/religiösen Krisen, zur Sterbebegleitung
  8. Weihrauch (Boswellia sacra/carterii) bei Schmerzen, Entzündungen, Angst, Unruhe, spirituellen/religiösen Krisen, zur Sterbebegleitung
  9. Manuka (Leptospermum scoparium) und/oder Teebaum (Melaleuca alternifolia) bei allen infektiösen Prozessen, bei MRSA, bei Schwellungen der Schleimhäute, zur Vorsorge und lindernd bei Radiotherapie-Schäden, gleichzeitig psychisch stabiliserend und erdend)
  10. Pfefferminze (Mentha piperita) bei Übelkeit, Schluckstörungen, Gewichtsabnahme, Kopfschmerzen, Verschleimung der Atemwege (bei noch nicht extrem geschwächten Menschen), Konzentrationsstörungen, Schwäche/Müdigkeit, auch zur Vorsorge bei Radiotherapie-Schäden

Ohne also die genauen Umstände zu kennen, wären diese ätherische Öle meine erste Wahl, um Menschen im Palliativ Care-Bereich zu begleiten und versorgen. Freilich gehören noch Rosen- und Melissenhydrolat dazu, auch Sanddornfruchtfleischöl und Calophyllumöl sowie ein gutes Aloe vera-Produkt sind meiner Ansicht nach unentbehrlich. Viele andere Öle könnten freilich auch zum individuellen Einsatz kommen. In meinem umfangreichen Beitrag zum Aromapflege-Handbuch (klick!) habe ich viele Studien zu diesem Themenbereich aufgelistet. Wer das Buch Heilpflanzen in der Pflege (klick!) von Ursel Bühring und Annegret Sonn noch nicht kennt, kann auch daraus wertvolle Informationen ziehen, es ist letzten Monat in der 2. Auflage erschienen. Schade, dass Annegret diese Frucht ihrer unermüdlichen Kräuterarbeit nicht mehr erleben (klick!) darf.

primavera akademie – lesend lernen


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch bin ja derzeit mit einer lustigen Truppe von schnuppernden Menschen durch die grün-pinkfarbene Natur Südwest-Irlands unterwegs, in der Mittags-Pause erreichte mich ein Überraschungs-Päckchen: das dicke Buch “Primavera-Akademie – Fachbuch der Aromatherapie Band III, Ausgewählte Arbeiten von Primavera Aroma ExpertInnen”. Juhu, wie schön, welch spannende Themen, so eine Vielfalt von Duftanwendungen und Erfahrungen!

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieFür viele meiner Blog-LeserInnen dürften die ausführlich vorgestellten Gebiete “Aromapflege bei demenziell veränderten Menschen”, “Aromapflege in der Palliativmedizin” und “Aromapflege bei Menschen mit Behinderungen” besonders interessant sein. Selbst der Einsatz ätherischer Öle in der Logopädie wird thematisiert und eine Studie über den Einsatz von angstlindernden Ölen bei der gastroenterologischen Endoskopie wird vorgestellt.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieGlückwunsch an alle engagierte AutorInnen für dieses Kompendium voller Rezepturen, Ideen, innovativen Anwendungsbereichen! Und ein besonderer Dank geht an Anusati für ihre unermüdliche Duft-Arbeit!

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch kann es kaum erwarten, die vielen Beiträge in Ruhe zu studieren! Auch “alte Häsinnen” lernen nie aus. Zu bestellen ist das wertvolle Stück für 29 Euro im Online-Shop von Primavera (klick!) oder unter dieser E-Mail-Adresse (klick), es hat 172 A4-Seiten und ist in schwarzweiß gedruckt.

frage an die pflegenden unter euch


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch weiß, ich bin derzeit kaum zu lesen. Zuerst Vorbereitungen, dann lange Reisen mit Seminaren, dann Nachbereitungen und ab morgen Saison-Start hier am Meer, die ersten Gäste für die Mai-Dufterlebnis-Woche sind bereits angereist. Sechs Tage voller Gartenbesuche und Blütenfeuerwerke sowie eine Whiskey-Destillation (‘das Wasser des Lebens’) erwarten uns. Zum Abschluss darf jede Teilnehmerin ein Naturparfum mit ihren olfaktorischen Eindrücken kreieren. Ich bin soooo gespannt! Morgen früh aber darf ich erst einmal eine Truppe englisch sprechender Kreuzfahrt-Passagiere über die schöne Garteninsel Garinish Island führen, wo nun gaaaanz besondere Rhododendren blühen. Hoffentlich auch noch die wunderschöne weiße Duftmagnolie Magnolia doltsopa, hier oben im Header zu sehen. Darum heute “nur” eine dringende Frage von Christine Lamontain (klick!), es wäre klasse, wenn ihr jemand weiter helfen könnte:

Wer kann mir bitte bei der Beantwortung folgenden Fragen helfen bzw. Infos geben? Jeder noch so kleine Hinweis oder Gedanke ist sehr willkommen auch eigene Erfahrungen.

Darum geht es:
Aromapflege ist grundsätzlich “patienten- bzw. bewohnerzentriert, d.h., dass Wohl dieser Personengruppen ist das Ziel der Aromapflege.
Im Kontext der betrieblichen Gesundheitsförderung ist das Zusammenspiel von Aromapflege und Pflegepersonen ebenfalls von relevanter Bedeutung.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieFragen:
1. Wer kennt bzw. praktiziert “personen-zentrierte” Aromapflege, d.h., wo werden bewußt und gezielt die Pflegepersonen miteinbezogen, also Anwendung der Aromapflege zum Wohl der Pflegenden und der Pflegeempfangenden?
2. Wie ist die Berücksichtigung von olfaktorischen “Stressölen” bei Pflegepersonen, obwohl sie für die Patienten/Bewohner nach der Aroma-Anamnese optimal sind?
3. Spielt der Faktor Wohlgeruch (angenehm für die Pflegeperson) eine ausschlaggebende Rolle bei der Auswahl der angewendeten ÄÖ/Mischungen?
4. Wie wird in der Praxis damit umgegangen, wenn z. B.; Lavendel oder Rosengeranie von den Pflegenden abgelehnt wird?

Über Eure Unterstützung würde ich mich sehr freuen. (Geht auch über Chat.) Herzlichen DANK! :-) Christine

studien gibts nicht? na dann mal lesen!


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch bin nach einer Flugannullierung (wegen Mega-Sturm Mittwoch Abend) und einigen “Irrfahrten” nun in Uster in der Schweiz angekommen, um mein beliebtes “Tanzende Moleküle”-Seminar am Wochenende zu halten. Morgen wird auch eeeendlich die Neuauflage des Buches erscheinen, für das ich einen recht großen Beitrag über klinische Studien mit ätherischen Ölen zusammengestellt habe: Aromapflege-Handbuch von Evelyn Deutsch, Bärbl Buchmayr und Marlene Eberle.

Als ich den Auftrag bekam, “etwas über Studien” beizutragen, dachte ich, dass das schnell gemacht sein wird, denn ich habe zwar hunderte von Studien mit ätherischen Ölen und Mikroorganismen vorliegen, auch Tierstudien habe ich nicht wenige in meiner Datenbank. Doch spontan fielen mir circa 20 Studien mit und an Menschen ein, einige erfüllten noch nicht einmal das Kriterium, maximal 10 Jahre alt zu sein. Niemand war dann nach entsprechenden Recherchen mehr überrascht als ich: Plötzlich hatte ich 40, dann 50, dann 60 Studien vorliegen. Viele davon zwar nicht wirkliche Knüller in den Augen von strengen Wissenschaftlern, also oft entweder nicht doppelblind durchgeführt, oder nicht randomisiert oder mit ganz wenigen Teilnehmer/innen, doch einige sind wirklich hochkarätig. Mich packte dann ein Jagdfieber und wirkliche Faszination, ich dachte an all die verzweifelten Pflegenden, die für ihre Vorgesetzten “Beweise” für ihre Bemühungen, Aromapflege in ihren Kliniken und Pflegeheimen zu etablieren, liefern müssen (irgendwie auch verständlich). Irgendwann ergab meine Jagd 85 Studien und dann konnte ich nicht anders als die 100er-Zielgerade anzusteuern. Nachdem unsere Assistentin das fertige Manuskript Korrektur gelesen hatte, fragte sie sehr verwundert: “Warum erfährt eigentlich der Normalverbraucher nichts von dieser Art der Therapie, die ja doch ganz gut wissenschaftlich untersucht zu sein scheint?”

Wenn ich mich recht erinnere, habe ich nach Fertigstellung dieser Sammlung über 8000 Menschen gezählt, die an den diversen Studien mit ätherischen Ölen teilgenommen haben. Mir kam der Gedanke, dass wenn man jemanden diese Recherchen machen ließe, der/die für diese Arbeit monatelang bezahlt werden würde, würde man auf noch viel mehr und vielleicht sogar auf noch bessere Arbeiten stoßen. Denn jede Studie kostet Geld, für uns Nicht-Wissenschaftler zwischen 30 und 50 Dollar/Euro, manchmal auch mehr, gelegentlich sind sie kostenlos erhältlich (dann oft wegen methodischer oder anderer Fehler).

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

In diesem Buchbeitrag sind nun also gut 50 Seiten mit über 100 Studien an und mit Menschen zu finden, nach pflegerelevanten Indikationen und Daten tabellarisch geordnet:

  • Ätherische Öle zur Beeinflussung der seelischen Befindlichkeit
  • Ätherische Öle im klinischen Umfeld (Wundversorgung, Krebsbehandlung, Palliativpflege)
  • Ätherische Öle zur Behandlung von Infektionen
  • Ätherische Öle bei demenziell veränderten Menschen
  • Ätherische Öle zur Beeinflussung von kognitiven Fähigkeiten
  • Ätherische Öle zur Behandlung von Beschwerden und Untersuchungen im Verdauungstrakt
  • Ätherische Öle zur Behandlung von Erkrankungen im HNO-Bereich
  • Ätherische Öle zur Beeinflussung und Behandlung von Schmerzen
  • Ätherische Öle zur Behandlung von spezifischen Problemen von Frauen
  • Ätherische Öle zur Behandlung von spezifischen Problemen von Kindern
  • Ätherische Öle zur Behandlung von Hautkrankheiten

Dazu auf den insgesamt über 300 Seiten mit geballtem Aromapflege-Wissen:

  • Grundlagenwissen Aromapflege
  • die wichtigsten Anwendungsformen in Wort und Bild erklärt
  • Organisation der Aromapflege mit Vorlagen und Beispielen
  • gesetzliche Grundlagen für den Einsatz der Aromapflege im Stationsalltag
  • über 20 spannende Erfahrungsberichte aus dem Pflegealltag in Österreich und Deutschland
  • zahlreiche Fachbeiträge zu wichtigen Themen wie: Bakterizide/bakteriostatische Wirkung ätherischer Öle von Prof. Dr. Gerhard Buchbauer, Synthetische Duftstoffe versus natürliche Duftstoffe von Mag. Dr. Iris Stappen, Das Aromatogramm und der Reihenverdünnungstest von Dr. Gerda Dorfinger, Aromapflege und Evidence based Nursing von Mag. Dr. Dorothea Gross, u.v.m
  • Hautgesundheit und biologische Hautpflege
  • ausführliche Beschreibung pflegerelevanter ätherischer Öle, fetter Pflanzenöle und Hydrolate

Übrigens: Das Aromapflegehandbuch wurde nach den strengen Vorgaben des Österreichischen Umweltzeichens für schadstoffarme Druckprodukte (UZ 24) hergestellt. Diese Zertifizierung garantiert umweltfreundliche und ressourcenschonende Materialien und Produktionsweisen. Weiters wurden für das Aromapflegehandbuch nur Druckfarben auf Pflanzenölbasis ohne Mineralöle und für die Druckveredelung mittels Inline-Lackierung nur Ökolacke auf Wasserbasis ohne Lösungsmittel verwendet.

Hier (klick) kann man kostenlos online im Buch blättern, für 34,90 Euro ist es auf der Website von Evelyn Deutsch (klick) portofrei zu bestellen. Nächste Woche halte ich in ihrer Schule in Wien ein zweitägiges Seminar über Wissenschaftliche Studien mit ätherischen Ölen, es ist auch für nächstes Jahr eingeplant. Vielleicht sieht man sich.

rosmarin erhöht die gedächtnisleistung


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieHeute wird eine neue britische Studie (klick) an 66 gesunden Erwachsenen vorgestellt: Rosmarinöl wurde als Raumbeduftung per Aromastream vorgenommen,  Erinnerungsvermögen und  Gedächtnisleistungen können auf diese Weise  bis zu 75 Prozent gesteigert werden. Nur durch das Einatmen des ätherischen Öls erhöht sich die Plasmakonzentration von 1,8-Cineol (Eukalyptol), einem der Haupt-Inhaltsstoffe dieses Öles. Die Forscher Jemma McCready und Dr. Marc Moss von der Northumbria University in Newcastle (Großbritannien) empfehlen, dass ätherisches Rosmarinöl in Situationen eingesetzt werden könnte, wo gesunden Menschen starke Gedächtnisleistungen abverlangt werden. Als Laie könnte man folgern, dass der Einsatz dieses Öles höchstwahrscheinlich auch Menschen mit demenziellen Veränderungen helfen könnte, doch diese Vermutung muss von den Wissenschaftlern erst in einer anderen Studie verifiziert werden.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapiePS. Das Feld mit bio/respektvoll gepflanzter Pfefferminze vom letzten Blog-Eintrag ergibt übrigens 10 kg oder 12 l feinstes Pfefferminzeöl, bei Weltmarktpreisen von teilweise nur 9 Dollar pro Kilo (!) kann man fast verstehen, warum viele Firmen lieber zu chinesischen Minzeölen greifen, denn der Ertrag des abgebildeten Feldes ist offiziell keine 100 Euro wert. Wenn man an die viele Arbeit denkt, die in diesem Feld und in der Nachbearbeitung steckt, und an die Nicht-Wertschätzung eines so wertvollen ätherischen Öles, kommen einem fast die Tränen. Die Antwort zum Sack Kamillenpflanzen von diesem Text stand ja eine zeitlang für einige LeserInnen sichtbar im Foto (beim Mouse-over), es stecken 5 ml, also ein halbes normales Braunglasfläschchen mit ätherischem Kamillenöl, in diesem Sack. Dafür würden sich viele Menschen nicht einmal bücken.

auch preiswerte öle machen arbeit


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieNachdem die PC-User trotz meiner bewusst vorgenommenen Abänderung des Fotonamens die alte Bildbezeichnung sehen konnten (auf meinem Apple-Mac geht das nicht), gibt’s heute noch das Nachbarfeld zum raten. Neben der Kamille (dort wo links oben im Feld die Menschen ernten) wuchsen seinerzeit die Pfeffer- und die Bergamotteminze (das mit den strohfarbenen Blüten sind Angelikastauden). SchülerInnen von mir haben die Pfefferminzestecklinge hergestellt, im nächsten Jahr konnte die nächste Gruppe sie einsetzen und irgendwann später wieder eine andere Gruppe hat bei der Ernte geholfen und die Destillation beobachtet. Wenn die 2500 Quadratmeter abgeerntet und die 2500 kg Minzekraut destilliert sind: Was schätzt ihr, wie viel bestes Bio-Öl aus Mentha piperita wird abzufüllen sein? (Kein Dreisatz am Abend!).

von der kunst, kostbarkeiten zu würdigen: viel pflanze ergibt wenig ätherisches öl


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDiese Männer tragen den Sack aus gutem Grund zusammen. Er ist schwer und recht unhandlich. Er ist gefüllt mit Kamillenblüten und -Kraut. Dieses wuchs auf einem Acker, der respektvoll gepflegt und gejätet wurde und nicht der Einfachheit halber mit Agrargiften gedüngt und insektenfrei gemacht wurde. Die zarten Pflänzchen wurden mit Rosenscheren behutsam von Hand geschnitten. Nach der Destillation wird der Landwirt ätherisches Kamillenöl in seiner Destillationsblase vorfinden. Wie viel Öl wird es sein? Wie viele Aroma-Massagen werden nach Abfüllen in braune Glasfläschchen mit diesem Öl durchgeführt werden können, was meint ihr?

flug- und andere ängste


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieImmer wieder werde ich gefragt, ob es ätherische Öle gibt, welche ängstlichen Flugreisenden zu mehr Entspannung und Gelassenheit verhelfen können. Insbesondere Menschen, die an meinen Kursen hier am Meer teilnehmen möchten, wollen sich darüber informieren. Als sehr hilfreich hat sich die wundervolle Zusammenführung der drei Orangenbaum-Öle gezeigt: Orangenschale, Orangenblätter und unreife Früchtchen (Petit Grain) und freilich die Blüten (Neroli). Man mische also:

  • 4 ml Orangenöl (oder Bitterorange oder Blutorange oder Apfelsine, Citrus aurantium fruct)
  • 1 ml Petit Grain (circa 20 Tropfen, Citrus aurantium fol)
  • 3-5 Tropfen Neroli (Citrus aurantium flos)

in einer 5-ml-Braunglasflasche und inhaliere jeweils 1-2 Tropfen dieser Grundmischung mehrmals an den Tagen vor dem Flug (am bequemsten mit Hilfe eines Papiertaschentuches oder Kunststoff-Inhalierstiftes). Denkbar ist auch am Vorabend ein Bad mit 2 Esslöffeln Honig, in den 5 Tropfen dieser Mischung gegeben werden. 5 Tropfen davon in circa 10 g nativem Kokosfett als Körpereinreibung können auch wunderbar helfen (oder etwas davon als Fußeinreibung).Die drei Öle enthalten den psychisch aktiven und lockernd wirksamen Ester Methylanthranilat. Wer sehr unter diesen und anderen Ängsten leidet, sollte 1-2 Tropfen römische Kamille in diese Mischung geben, dieses kostbare, ganz besonders zusammengesetzte ätherische Öl, wird stark anxiolytisch=angstlindernd. Wer dann zu mir über den Kanal angeflogen kommt, kann dieses zarte und doch megastarke Pflänzchen bestaunen, es wächst überall als “Unkraut” sogar durch dickste Asphalt-Spalten! Und es wird immer übersehen, doch wer einmal dran gerochen hat, ist dem Kräutlein und seinem gummibärchenartigem Duft schnell verfallen.

Die Idee zur obigen Mischung stammt übrigens als “Orange komplett” von Prof. Dr. Dietrich Wabner, der sich dachte, man sollte alle duftenden Teiles des Orangenbaumes in einer Flasche vereinen. Sie eignet sich auch hervorragend, um hyperaktive Kinder/Erwachsene zu beruhigen, um von der Arbeitswelt gestresste Menschen wieder auf die Beine zu kriegen, um Trauernden etwas der Bodenlosigkeit zu nehmen, um Depressive zu begleiten, um Anhänger der südländischen Lebensweise zu beschenken.

Eliane Zimmermann So wunderschön sonnig-heiter sieht es gerade im Moment in meiner super-sonnigen Umgebung aus (das ist das Ess- und Wohnzimmerfenster unseres Seminar- und Gästehauses). Wer noch plant, zu den Duft-Erlebnis-Wochen am Meer zu kommen: Es ist noch ein Platz frei in der Woche vom  25. Mai bis 1. Juni 2013: Happydüfte – Öle die dem Gefühlsleben gut tun (passend zum oben beschriebenen Thema!), in der Naturparfüm-, Alte-Gärten- und Blütenrausch-Woche Anfang Mai, wo hier wirklich fast alle subtropischen Pflanzenwunder um die Wetter blühen, sind noch mehrere Plätze frei (die beiden Juni- und Juli-Wochen sind ausgebucht). Wer unser geräumiges Gäste- und Seminarhaus Ardnagashel House für einen Urlaub mit Familie und Freunden im geräumigen im historischen Ardnagashel Estate und am Ellen Hutchins Arboretum mieten möchte, kann sich hier (klick!) Räume und Ausblicke anschauen. Ardnagashel House liegt direkt am Meer in einer geschützten Bucht in der Bantry Bay (ab 700 € pro Woche für bis zu 12 Personen).

schatzkästchen und duftorgel


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieEigentlich wollte ich schon längst einen “richtigen” Artikel schreiben, doch es kam immer etwas dazwischen, er liegt jetzt angefangen im Archiv. Dann wollte ich euch kurz ein wunderbares Buch vorstellen, für das ich einen großen Beitrag über wissenschaftliche Studien verfasst habe und das demnächst erscheinen wird – ich kann es kaum erwarten. Dessen Cover sollte ich eigentlich schon längst bekommen haben, um es euch zu zeigen. Aber auch bei der Buchherstellung kommt erfahrungsgemäß meistens etwas dazwischen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieSo zeige ich euch nur ein paar Bilderchen eines schwer verstaubten Schatzkästchens, das mir in den Tiefen unseres gut gekühlten Gartenschuppens “über den Weg gelaufen” ist. Ich bekam einst (circa 1986/87) von einer Wiesbadener Nachbarin einen mysteriösen Attachékoffer angeboten. Den hätte ein Bekannter ihr gegeben, da der Inhalt “zu alt” sei.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDer wäre doch ‘was für mich. Beim Öffnen kam mir eine riesige Duftwolke entgegen. Das Schatzkästchen war offensichtlich sowas wie der Vertreterkoffer eines Parfüm-Rohstoffe-Fachmannes gewesen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieAuch heute noch hat das geöffnete Teil alle Räume rund um unsere Veranda beduftet. Vor allem die diversen Galbanum-Fläschchen stechen zusammen mit einigen synthetischen Aldehyden deutlich raus.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieBesonders gefreut hatte ich mich über die größeren Mengen an Iriswurzel-Concréte, doch leider hat diese weiße kristallartige Substanz als erstes ihren Duft ab- und aufgegeben. Besonders gut und intensiv duften immer noch die Fläschchen mit Veilchenblätter-Absolue.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieFür jeden Duft gibt es ein Datenblatt, so erfährt man, welche Rohstoffe natürlichen Ursprungs ist, welche Düfte der Fantasie ihrer menschlichen Schöpfer entsprungen sind und welche Rohstoffe eine Mischung aus beidem sind. Ich habe übrigens ein nettes Interview auf der Duft-Community-Seite Osmoz mit dem Parfümeur Bertrand Duchaufour gefunden, der mal für die Herstellerfirma dieser Düfte gearbeitet hat.

Mit dieser Kiste kann ich mir ganz gut ein olfaktorisches Bild davon machen, wie lange bestimmte ätherische Öle haltbar sind bzw. gut riechen. Denn das Wort ‘Haltbarkeit’ ist sehr relativ zu betrachten. ‘Leicht oxidiert’ bedeutet nicht zwangsläufig ‘schlecht geworden’, sondern kann bei einem ätherischen Öl sogar bedeuten, dass die schmerzlindernde und keimtötende Wirkung erhöht ist. Jedoch geht dieser Wandlungsprozess meistens mit einer Verschlechterung der Hautverträglichkeit einher. Darum gebe ich in meinen Büchern lieber eine kurze Haltbarkeit von ätherischen Ölen an (beispielsweise Teebaum circa ein halbes Jahr nach Öffnen, Mandarine circa ein dreiviertel Jahr nach Öffnen), damit die Verträglichkeit auch auf empfindlichster Haut noch gewährleistet ist.

entzündungshemmung mit hilfe von ätherischen ölen


Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Als ich vor vielen Jahren las, dass der Herzinfarkt zu den entzündlichen Erkrankungen zählt, war ich unglaublich erstaunt. Habe ich doch mal in grauer Vorzeit in meiner Ausbildung zur Schwesternhelferin zur Kenntnis genommen, dass es sich um eine rein mechanische Problematik handelt: Blutklumpen verstopft Blutgefäß > Minderversorgung > Exitus. So in der Art zumindest. Nun liest man seit einiger Zeit, dass Entzündungen als Auslöser von Depressionen ernsthaft diskutiert werden. Man kann eine Studie von 2008 zu dieser Thema hier (klick!) gratis runterladen (sonst kosten Studien meistens ab 30 Euro/Dollar aufwärts). Somit wäre beispielsweise die starke Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen – eben auch wegen der entzündungshemmenden Wirkung – nachvollziehbar (nachzulesen in der aktuellen Zeitschrift für Phytotherapie S1 2013, die ich gestern erhielt).

Das bringt mich zu Erklärungsmodellen, warum Aromatherapie überhaupt wirkt, was also ätherische Öle im Körper alles regulieren und korrigieren können. So dass bereits eine oder ein paar wenige Behandlungen mit ätherischen Ölen deutlich spürbare Effekte auf die gesamte Befindlichkeit und auch auf einzelne Symptome haben können. Mal ganz abgesehen vom starken Gefühl des Wohlbefindens, welches durch Streichungen, Massagen und Einreibungen mit den duften Pflanzenhelfern ausgelöst und gesteigert werden kann, wenn die richtigen Öle und die richtige Dosierung gewählt wurden.

Fast alle ätherischen Öle wirken mehr oder weniger ausgeprägt entzündungshemmend und helfen uns, krankmachenden Entzündungen einfach durch die tägliche Aromapflege und Aromaernährung zu begegnen. Insbesondere, wenn wir unser Leben mit entzündungsfördernen Potpourries ‘bereichern’ wie gehärtete Fette, Synthetik-Kosmetik, Stress, heiß gebratenes Fleisch, Abgase, (viele) chemische Medikamente, frittierte Speisen, Farbstoff-Naschereien und -Getränke, Wohngifte etc.  Auf der zellulären Ebene zeigen ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe folgende Wirkungen:

  • sie wirken entzündungshemmend durch Beeinflussung von Entzündungsmediatoren wie Histamin, Prostaglandinen und/oder Leukotrienen
  • sie beeinflussen den Spannungszustand von menschlichen Zellmembranen und können dadurch als Kalziumantagonist wirken
  • sie besitzen einen Counterirritant-Effekt, wirken also schmerzlindernd
  • sie beeinflussen GABA-Rezeptoren und können dadurch die Stimmung, Ängste, Antrieb regulieren
  • sie beeinflussen den Neurotransmitter Acetylcholin und wirken hemmend auf die Acetylcholinesterase, genau so wie moderne Anti-Demenzmedikamente
  • sie beeinflussen den Dopaminstoffwechsel und können somit beispielsweise begleitend bei Parkinson-Erkrankung oder bei schweren prämenstruellen Beschwerden eingesetzt werden
  • sie beeinflussen 5-HT3-Rezeptoren und können daher antiemetisch wirken, d.h. Übelkeit und Brechreiz verringern
  • sie beeinflussen beta-2-Rezeptoren im Lungengewebe, so dass spastisch-obstruktive Atemwegserkrankungen gelindert werden können

Nun kann jede(r) seine Schlüsse ziehen in Anbetracht der Tatsache, dass viele Inhaltsstoffe zumindest in kleinen Anteilen in sehr vielen ätherischen Ölen enthalten sind, sie also Vielstoffgemische sind. Richtig, die meisten ätherischen Öle können viele Beschwerden und viele Befindlichkeitsstörungen gleichzeitig regulieren helfen. Nun gibt es jedoch noch andere Bereiche der Wirkungen. Ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe können die Zellmembranen vieler pathogener/ krankheitsauslösender) Bakterienarten verändern indem

  • die Durchlässigkeit der Zellmembranen erhöht und somit gestört wird
  • die Zellmembranen erstarren und ihre Funktionen einzubüßen kann
  • Mesosomen (Einstülpungen) gebildet werden können
  • Strukturen im  Zytoplasma verloren gehen
  • Kaliumionen verloren gehen

Und auch das ist noch nicht alles, denn auch Pilze und Viren können durch ätherische Öle das Fürchten lernen. Dazu kommen noch unspezifische Regulationsmechanismen, welche man nicht einzelnen Prozessen zuordnen kann. Beispielsweise können ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe:

  • den im Speichel messbaren Cortisolgehalt verringern, der Mensch fühlt und zeigt weniger Stress-Symptome
  • die Polysacharid-Ketten, aus denen zäher Bronchialschleim besteht, können “aufgeknackt” werden, die Zilien (Häarchen in der Luftröhre) können effektiver arbeiten und den dünnflüssigeren Schleim besser in Richtung Rachen abtransportieren
  • Makrophagen werden “zur Arbeit gerufen”, Zytokine und Defensin werden aktiviert, also arbeitet das Immunsystem effektiver
  • durch unspezifische antioxidative Prozesse degenerative Prozesse im Körper aufhalten
  • durch selektive antitumorale Wirkung den Körper vor Krebserkrankungen schützen

Das ist nur ein kleiner Einblick in die medizinische Welt der ätherischen Öle. Es soll jedoch noch reichlich Menschen geben, die meinen, dass wir nur mit Placebos arbeiten, dass das alles Glaubenssache sei, dass Aromatherapie und Aromapflege in den Bereich der Esoterik gehören. Als ob die vielen (hunderte? tausende? zehntausende?) Wissenschaftler, die sich jeden Tag mit obigen und noch mehr Themen beschäftigen, ihr gutes Geld mit kristallkugel-lesendem Mumpitz verdienen würden.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch bin dann mal weg, es ist St. Patrick’s Day Weekend (einschließlich Montag), der höchste Feiertag des Jahres, der Frühling schreitet ununterbrochen fort, ich genieße das supersonnige Irland in seiner grün-bunten Pracht in vollen Zügen, ab morgen in Dublin. Im oberen Abschnitt sind genügend Links zu ganzen Studien oder wenigstens kleinen Zusammenfassungen, so dass Ihr und Sie ausreichend Material zum Nachlesen habt!