wintergrün und methylsalicylat


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieWintergrünöl [aus Gaultheria fragrantissima Wall. und aus Gaultheria procumbens L.] ist ein wirksames Schmerzmittel. Wintergrünöl besteht fast nur aus Methylsalicylat. Methylsalicylat ist in vielen Schmerzsalben enthalten. Und doch gibt es einen Unterschied in der Anwendung. Erstens benötigt natürliches Methylsalicylat keine (mindestens) drei Prozent an Trägerstoffen. Diese oft chlorierten Moleküle können bei sehr empfindlichen Menschen zu Unverträglichkeiten führen. Zweitens besteht natürliches Wintergrünöl aus einigen weiteren Inhaltsstoffen, welche auch eine Anti-Schmerz-Wirkung aufweisen, so dass man dieses therapeutischste aller üblicherweise erhältlichen ätherischen Öle nicht sehr hoch dosieren muss:

  • Alpha-Pinen 0,40%
    Myrcen 0,20%
    delta-3-Caren 0,90%
    Limonen 0,50%
    Methylsalicylat 97,40%
    3,7-Guaiaden 0,10%
    delta-Cadinen 0,30%

Man SOLL ES GAR NICHT HOCH dosieren, man darf sich als medizinischer Laie immer im Verdünnungsbereich um 1 Prozent bewegen, denn Methylsalicylat kann sehr leicht durch die Haut eindringen und sich im Körper anreichern. Dennoch wird eine großzügige Anwendung des unverdünnten Öles immer wieder von zwei us-amerikanischen Ätherisch-Öl-“Konzernen”, die auch in Europa immer mehr Fuß fassen, empfohlen und verharmlost. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieLange Jahre schreckten us-amerikanische Warnungen bezüglich Methylsalicylat in Wintergrünöl AromatherapeutInnen vom Gebrauch dieses nützlichen Öles ab. 14 g Wintergrünöl – innerlich – können bereits tödlich wirken, für ein Kind wirken geschluckte 4 ml tödlich. Die IFRA (International Fragrance Research Association) lehnt es für die Parfümherstellung ab. Dennoch ist es für den menschlichen Konsum zugelassen. Der medizinisch-frische Geschmack und Geruch von Wintergrün ist in den USA fast omnipräsent. Fast allen Zahnpastamarken, dazu Mundwässern, Softgetränken (beispielsweise Root Beer, Foto links), Kaugummis und viele anderen Süßigkeiten verleiht Wintergrün den typischen Geschmack. Man könnte sagen, dass diese Geschmacksnote der europäischen Vorliebe für Menthol in Zahnpasten, Mundwässern, Kaugummis, Zigaretten und vielen anderen Dingen entspricht. Meistens wird das süßlich-frische Aroma den Produkte in synthetischer Form beigemischt. So dass es viele dokumentierte Vergiftungsfälle gibt, in denen eine Überdosierung von Methylsalicylat eine Rolle spielt. Wintergreen_poisoning_Arielle_NewmanInsbesondere wenn immer wieder über 40% der Körperoberfläche mit diesem starken Wirkstoff bedeckt sind (beispielsweise durch regelmäßige und großzügige Anwendung einer Salbe), besteht Vergiftungsgefahr. 2007 erlangte die 17-jährige us-amerikanische Sportlerin Arielle Newman traurige Schlagzeilen, weil sie an einer Überdosis einer bekannten Schmerzsalbe verstarb. Man muss bedenken, dass 1 Teelöffel (5 ml) Wintergrünöl einer Menge von circa 7000 mg Salicylat entspricht oder circa 21,5 Aspirintabletten (Quelle). Oder praktischer: In einem 10-ml-Fläschchen an ätherischem Wintergrünöl befinden sich circa 43 Aspirintabletten (laut Gabriel Mojay). Der Wirkstoff Methylsalicylat liegt übrigens in der frischen Pflanze so nicht vor, er entsteht erst durch Antrocknen der Blättchen und anschließender Wasserdampfdestillation aus dem Molekül Gaultherin. Umso erstaunter war ich, als ich sah, wie einfach man in einer deutschen Apotheke eine 50 ml-Flasche kaufen kann (für nur gut 7 Euro, siehe Foto ganz oben), damit könnte man also mindestens 10 Kinder oder 5 Erwachsene umbringen. Aber bei in normaler äußerlicher Dosierung harmlosen Ätherisch-Öl-Inhaltsstoffen wie Methyleugenol, der 2%-ig in Rosenöl vorkommen kann, spricht der Gesetzgeber Verkaufsverbote aus, so dass 2004 alle Naturkosmetikfirmen ihre Rezepturen ändern mussten. Man kann immer seltener so ein ursprüngliches fein-würzig duftendes Rosenöl kaufen, zumindest wenn es als Kosmetikum deklariert wird. Als ob man jeden Tag eine Tasse davon trinken würde… Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNun aber endlich zur guten Nachricht: Wendet man Wintergrünöl in einer in der Aromatherapie üblichen Verdünnung von 0,5-1 Prozent bei akuten Schmerzzuständen an, hat man damit eines der schmerzstillendsten Öle überhaupt zur Verfügung. Es ist aus der natürlichen Therapie von Fibromyalgie (Weichteilrheumatismus) kaum noch weg zu denken. Denn es hat gleichzeitig eine seelisch entspannende Komponente, die bei dieser Erkrankung, welche durch psychogene Faktoren verstärkt wird, für die ganzheitliche Therapie wichtig ist. Auch aus der Seniorenpflege ist dieses Öl nicht wegzudenken. Denn es kann bei vielen altersbedingten “Zipperlein” schnelle Hilfe geben. Man mischt in diesem Fall beispielsweise 10 ml Johanniskrautmazerat mit 1-2 Tropfen Wintergrünöl, 1-2 Tropfen Lavendel und 1-2 Tropfen Cajeput (je nach Empfindlichkeit des älteren Menschen). Hier bei Feeling (klick!) kann man Wintergrünöl pur bestellen. Wer nicht mischen mag oder kann und eine perfekte Mischung sucht, kann die feine “Gelenkeinreibung” von Primavera hier (klick!) bestellen. Handelsübliche (nicht-bio) Apotheken-Präparate sind mit fünf bis sogar dreissig Prozent deutlich höher dosiert und wirken aufgrund ihres Counter-Irritant-Effektes: die Haut wird gereizt und stark durchblutet und es kommt zu einer verminderten Wahrnehmung der Schmerzen. Aspirin und ähnliche Medikamente mit Acetylsalicylsäure haben eine stark schleimhautschädigende Wirkung, so dass sie für viele Menschen nicht magenverträglich sind. Sie können auch nicht durch die Haut aufgenommen werden. Die kleine Methylgruppe am Molekül macht den Unterschied. Dadurch, dass sie das Molekül um ein C-Atom und um drei H-Atome „bereichert“, wird es fettlöslicher und kann dann von der Haut resorbiert werden. Enzyme in der Haut können diese Methylgruppe wieder abspalten, so dass die schmerzlindernde Salicylsäure in Aktion treten kann. Ich habe bereits hier (klick!) ausführlich über das Öl berichtet. Vergiftungserscheinungen wegen einer zu hohen (vor allem inneren) Aufnahme: Verwirrtheit, Erbrechen, schnelle Atmung, Fieber, hoher Blutdruck, epilepsie-artige Krämpfe, Koma. Mehr dazu im MSD Manual – Handbuch Gesundheit.

Vielen Dank für diesen Hinweis vom Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Erwin Häringer: Kampf gegen Windmühlenflügel: ein Teelöffel fasst maximal 2,5 ml und ich benutze kein Puppengeschirr! Die Acetgruppe ist für die Thrombozytenaggregation zuständig, nicht die Salicylsäure, die in den Arachidonsäurezyklus eingreift und irreversibel bindet und die Schutzfaktoren für Magenschleimhaut etc. (wie beispielsweise Prostaglandin E2 etc.) hemmt; so kommt es zu etwa 6000 fatalen Magendarmblutungen allein in Deutschland! Danke, dass Du in Deinem Blog auf die Unterschiede hingewiesen hast. Die Quelle drugs.com sollte den toxikologischen Teil überarbeiten! Übrigens: ASS ist lipophil und in Alkohol und Ether (und heißem Wasser!) löslich. Toxikologische Mythen gleichen einem Blumenstrauß: von Zeit zu Zeit neu ordnen. Dr. Erwin Häringer, München

Blog_Anzeige_Termine2015

ätherische öle für kinder und babys


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieWelche ätherische Öle darf ich wie und wann und wie viel bei meinem Kind anwenden? Darf ich ätherische Öle überhaupt bei Babys anwenden, was sind die Ausnahmen, worauf muss ich achten? Solche Fragen begegnen uns “Alten Hasen” der Duftheilkunde wöchentlich (wenn nicht sogar täglich). Klar, frisch gebackene Eltern oder solche, die ihre etwas größeren Kinder nicht (mehr) mit unnötigen Chemikalien bei “banalen Infekten” bombardieren möchten, werden fast nirgendwo seriös aufgeklärt. Und in der Schule lernt man auch heutzutage nicht, wie man seine Seele und seinen Körper vor Krankheit und Keimen sinnvoll und natürlich schützen kann.

Seitdem es das wunderbare (allerdings mehr hautpflegerisch orientierte) Buch der engagierten Naturkosmetik-Pionierin Martina Gebhard ‘Natürliche Hautpflege für Babys und Kinder’ nicht mehr gibt (doch antiquarisch für 1 Cent hier, klick!), fiel es mir immer schwer, ein kompetentes Buch zu empfehlen. Ja, es gibt das wundervolles Buch über Wickel und Kompressen Bärenstarke Wickel (klick!), in dem sich Ursula Uhlemayr auch mit ätherischen Ölen beschäftigt. Es gibt auch ein sehr preiswertes Büchlein, das mir nicht gut gefällt (optisch und inhaltlich), es gibt allerlei Schrott unter anderem für den Kindle-Reader, es gab mal die Übersetzung des sehr guten aber sehr trocken gestalteten Buches von Jane Dye ‘Aromatherapie für Mutter und Kind‘ (jetzt nur noch antiquarisch ab 65 Cent, klick!), es gibt auch ein feines Buch auf englisch von den mehrfachen Müttern Shirley und Penny Price Aromatherapy for Babies and Children, doch der entsprechende deutschsprachige Markt war bislang trocken wie ein Fata Morgana in der Wüste.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDiese Lücke ist vor zwei Wochen gefüllt worden, von einer österreichischen Mutter und Großmutter, die sich zudem noch bestens mit ätherischen Ölen, Hydrolaten und Heilkräutern auskennt. Ingrid Kleindienst-John hat es geschafft, ein interessantes, überaus ästhetisches und verantwortungsvolles Buch für Kinder und Eltern zusammenzustellen: SOS Hustenzwerg (klick! Freya Verlag, 240 Seiten, knapp 20 Euro).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieEs sind fünf dufte Märchen enthalten, viele Empfehlungen aus Kindermund, Heilpflanzenbeschreibungen, massenweise Rezepte – auch für Tees, Sirups, Kompressen etc – und auch sinnvolle Warnungen. Weniger ist mehr, daran erinnert die Autorin, denn gerade in ihrer Heimat geht ein gefährlicher Ätherische-Öle-Wahn umher mit Empfehlungen von unverdünnten hautreizenden ätherischen Ölen auf der Kinderhaut und mit fürchterlichen Innere-Anwendungen-Ratschlägen (angeblich) für das Immunsystem der Kleinen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieSelbst bei den “gefährlichen Kinderkrankheiten” wie Windpocken, Mumps und Scharlach hat die Autorin gute Begleitempfehlungen parat. Bei Warzen, Läusen und Stechmücken braucht man keine dubiosen Tipps mehr im Internet googlen, bei Schulsorgen und Pubertäts-Erscheinungen wird man in diesem Buch fündig, bei Schnupfen und Heiserkeit muss man nicht gleich zum Arzt.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAuch an eine Intimwaschlotion und an eine Parfümidee für die heranwachsende Tochter hat die kreative Autorin gedacht. Diese Rezeptesammlung gehört in jeden Haushalt von Eltern, die selbstverantwortlich handeln möchten und ihren Kindern echte gesundheitsfördernde und die Seele unterstützende Hilfe zukommen lassen möchten.

Manche nord-deutsche LeserIn mag sich über vereinzelte typisch österreichische Wörter wundern wie Federpennal, Jause oder sekkieren, ich finde jedoch, diese Spuren von Lokalkolorit tragen nur zur Authentizität der Autorin bei. Auch wenn meine Kinder aus dieser Zielgruppe inzwischen herausgewachsen sind, bin ich restlos begeistert, gute Arbeit Ingrid! Es bleibt keine Frage offen, die Eltern zur Unterstützung ihrer leidenden, kränklichen oder gar kranken Lieblinge stellen könnten. [Ganz klar, bei schwerwiegenden oder mysteriösen Erkrankungen muss ein verantwortungsvoller Arzt oder eine Heilpraktikerin konsultiert werden.]

lavendel-kapseln bei adhs


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieHilft Lavendelöl, wenn innerlich eingenommen, bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätstörung (ADHS)? Dieser Frage ging der Arzt und Psychologe Helmut Niederhofer vom Sächsischen Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie nach. Er verabreichte einem 13-jährigen Jungen, der seit sieben Jahren von diesem “Zappelphilipp-Syndrom” geplagt wurde, Lavendelöl. Dreimal täglich schluckte der Teenager also jeweils eine der in jeder Apotheke erhältlichen Lasea-Kapseln [erhältlich auch bei Doc Morris (klick!) oder bei Amazon (klick!)]. Die relativ hohe Dosierung erfolgte aufgrund der Stärke der Symptome und weil das Produkt in niedrigen Dosierungen keinerlei Nebenwirkungen aufweist. Zuvor war er mit Methylphenidat (Ritalin) behandelt worden, dieses sollte abgesetzt werden, doch die Zappel-Symptome traten wieder auf.

Der Junge wurde vier Wochen ohne Medikation beobachtet, dann nahm er vier Wochen lang pro Tag 240mg des speziell aufbereiteten Lavendelöles in Kapseln ein, anschließend nahm er vier Wochen lang ein Placebo ein. Seine Anzeichen von Unaufmerksamkeit reduzierten sich in der Lavendelphase von 19 auf 11 Punkte auf der verwendeten Skala [Rating Scales nach Du Paul], die Verwendung des Placebo ergab 16 Punkte, die Anzahl der Punkte bei der Hyperaktivität verringerte sich von 20 auf 12 (Placebo 16).

Der behandelnde Arzt sagt abschließend, dass es sich vermutlich um die erste placebokontrollierte Einzelfallbeobachtung von Lavendelöl bei ADHS handelt. Die deutlich geringere Reduktion der Symptome als bei der Gabe von Psychostimulanzien spreche für weitere systematischen Studien in diesem Bereich, auch wenn bei Nicht-Psychostimulanzien wie Desipramin (trizyklisches Antidepressivum) die Erfolge ähnlich gut aussehen. Helmut Niederhofer. Lavendel könnte einige Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung verbessern. Z Phytother 2014; 35(05): 230-231 Andere Artikel über Lasea  sind hier (Posttraumatische Störungen) und hier (Angststörungen) nachzulesen. Einige Überlegungen zur Ähnlichkeit zwischen dem Ritalin-Molekül und dem Zitrusöle-Inhaltsstoff Methylanthranilat sind hier nachzulesen.

primavera-fortbildung im allgäu


Sabine NachbauerZwischen all den Berichten zur internationalen Aromatherapie-Konferenz in Dublin nimmt uns Aromafachfrau Sabine Nachbauer heute mit auf die 7. Primavera Fachakademie, welche am 18. Oktober in Oy-Mittelberg im Allgäu stattfand. Sabine Nachbauer

≈≈≈ Herr Dr. med. Erwin Häringer läutete den Konferenztag mit einem Bericht über das Riechvermögen im Alter ein, er sprach über Riechstörungen und deren Prävention. Wir werden immer älter, 2010 waren 25 Prozent der Bevölkerung in der EU 60 Jahre. 2050 werden mehr als 36 Prozent der Menschen deutlich über 60 Jahre sein. Mit Riechstörungen sind auch zahlreiche internistische Erkrankungen assoziiert z.B. Leber- und Nieren-Erkrankungen. Da in der Zukunft die chronischen Erkrankungen zunehmen werden (auch die vaskuläre Demenz), sind Riechübungen sehr wichtig. Nicht einfaches Schnüffeln, sondern kräftiges Einatmen!!! [Demnächst wird hier im Blog ein detaillierter Artikel über Aromapflege im höheren Alter zu lesen sein.]

≈≈≈ Es folgte ein sehr erfrischender und voller Elan gehaltener Vortrag von Frau Dipl. med. Heike Gerlach. Sie schreibt unter anderem Artikel für ein Brustkrebs-Magazin namens Mama Mia und sprach über das Thema ‘Senioren Wellness – Sinnvolle und sinnliche Rituale bei Isolation, Trauer und Einsamkeit’. Sie beschrieb zunächst die Hypothesen, Bedenken und die Besonderheiten, die ein alter Mensch hat, wenn er in eine Pflegeeinrichtung kommt. Bei diesen Menschen herrschen vor allem Gefühle von Isolation, Trauer, Einsamkeit, daher möchte Frau Gerlach das Glückspotential des Menschen verstärken! Positives Verhalten stärken, Ressourcen schaffen und fördern. Senioren-Wellness dient der Lebenszufriedenheitskompetenz, es braucht sinnvolle und sinnliche Rituale, vor allem Berührungen! Ein sehr schönes Zitat von Dr. Donald B. Adrell, des wohl bekanntesten Begründers der Wellnessbewegung in den USA: Wahre Wellness drückt sich in einer überschwänglichen Lebensbegeisterung aus, sie beruht auf einer täglichen neuen Freude über die eigenen Existenz, das eigene Schaffen und Wirken und die Benutzung seines Körpers, seiner Sinne und seines Verstandes. Auch die Macht der Berührung (Massage) stellt Frau Gerlach in den Vordergrund, wobei es allerdings nicht darum geht, einen alten Menschen mit Atemwegsproblemen auf eine Massageliege zu drapieren. Fuß- Beinmassagen im Sitzen, wo die Füße zuerst in einer Klangschale baden…….. Frau Gerlach beschreibt einen Körper, der auch alt sein darf, sehr schön: “Unsere Haut ist wie ein schimmerndes Seidentuch, mit Tausenden von Sinneszellen bestickt, durchwebt von Nerven und Gefäßen, gepolstert mit Fasern und Gewebe, durchtränkt von kostbaren Flüssigkeiten.” Den ersten Teil des Satzes möchte auch Frau Ruth von Braunschweig anschließend gleich aufnehmen. Sabine Nachbauer

≈≈≈ Ruth von Braunschweig kam, um das Thema “Aromapflege für ein starkes Haut-Immunsystem im fortgeschrittenen Alter” zu erläutern. Sie lobt die Aromapflege und Aromakosmetik gerade für reife Haut. Was ihr immer ein kleiner Dorn im Auge ist, sind die zahlreichen Warnhinweise und Nebenwirkungen in diverser Literatur. Was versteht man eigentlich unter einer Nebenwirkung? Eine Nebenwirkung ist eigentlich nur eine Wirkung, die NEBEN der erwarteten Wirkung auftritt. Diese kann positiv oder aber auch negativ sein. Ruth von Braunschweig hat zu den diversen Schlagwörtern „allergisierend“, „krebserregend“, „toxisch“, „hepatoxisch“ und „neurotoxisch“ einige Beispiele aus dem Leitfaden der Phytotherapie herausgeschrieben und somit gezeigt, dass es mit diesen Begriffen zu Fehlinterpretationen, Falschaussagen oder aber auch Halbwahrheiten kommt, da synthetische und naturidentische Stoffe auf die natürlichen Vielstoffgemische (ätherische Öle) übertragen werden. Man muss die Aromapflege etwas differenzierter betrachten. Wie Paracelsus schon sagte: „Die Dosis macht das Gift“ (verkürzt wiedergegeben). Ruth von Braunschweig erläuterte die Bedeutung der Aromapflege für die verschiedenen Schichten unserer Haut: die einzigartige Hülle, der Hydrolipidmantel (der Bodyguard), die Hautflora und die Hornschichtbarriere der Epidermis. Sie wies darauf hin, dass wir mit einer Aromapflege über die Haut sowohl die Seele als auch unser Immunsystem pflegen. Das Immunsystem ist ein „fühlendes“ System, denn es ist auf das Engste mit dem Gehirn vernetzt, da es sich stammesgeschichtlich aus ihm entwickelt hat. Wir haben mit der Aromapflege eine wunderbare Möglichkeit, die Haut, das Immunsystem und die Seele zu pflegen, zu stärken und damit mehr Lebensqualität zu gewinnen!

≈≈≈ Maria Theresa Riedl, Heilpraktikerin und Autorin des Buches „Geschenke aus dem Rosengarten“ hat in ihrem eigenen Garten circa 300 verschiedenen Rosen gepflanzt. Sie erzählte über die Rosen und Rosenprodukte wie das Rosenhydrolat und das Rosenöl. Frau Riedl stellte noch einige Beispiele und Rezepte vor und diverse Menschen, die zu ihr in die Praxis kamen. Sabine Nachbauer≈≈≈ Nach der Pause kam die Sporttherapeutin Traudle Matthis, um uns ordentlich aus dem genussvollen Mittagstief zu holen. Mit einen kleine Sportprogramm für alle circa 300 Anwesenden. Mit „Locker vom Hocker“ – Kraft und Balancetraining in der Sturzprävention, berichtete sie von ihrer täglichen Arbeit. Altern muss nicht gleich Pflegebedürftigkeit bedeuten, sondern es geht vielmehr darum, dass Prävention ein sehr großes Thema in den Pflegeeinrichtungen sein soll. Ein ganz toller Satz von Frau Matthis: “Was nicht eingesetzt wird, wird automatisch abgebaut!” Die Menschen müssen aktiviert werden zu Selbständigkeit, damit sie nicht ihre Leistungsfähigkeit verlieren und sich dadurch womöglich zurückziehen. Diverse Tätigkeiten, die die Bewohner noch selbst ausführen könnten, sollten nicht von den Mitarbeitern in den Einrichtungen übernommen werden. Überforderung sollte man jedoch vermeiden. Frau Matthis zeigt den Menschen einfach, wie sie ihr Gleichgewicht halten  und wie sie Krafttraining in der Sturzprävention durchführen können: Mit kleinen Hanteln und Gewichtsmanschetten an den Beinen können ältere Menschen ihre Muskeln auch im Sitzen noch bewegen. Frau Mattis spricht in ihrer Arbeit ganz bewusst auch alle fünf Sinne als sogenanntes Genusstraining an. Riechen, Tasten, Schmecken und Sehen ist ebenso ein wichtiger Teil ihrer Arbeit mit den Senioren. Ihr Fazit: Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben! (Cicely Saunders)

≈≈≈ Petra Retterath hat die ganz tolle Einrichtung für unteranderem Demenzkranke Menschen vorgestellt. Die Villa am Buttermarkt, das ist eine Senioreneinrichtung in Adenau (westlich von Koblenz), in der circa 100 Menschen in verschiedenen Hausgemeinschaften zusammen leben. In diesem Haus gibt es drei spezialisierte Lebenswelten für Menschen mit Demenz. „Das Dorf“: Dort leben dementiell veränderte Menschen, die aber noch sehr aktiv sind. „Auf dem Lande“: Hier leben Menschen, deren Krankheitsbild schon fortgeschritten ist und die deutlich mehr Unterstützung benötigen. „Die Sinneswelt“: hier sind Menschen deren Demenz, sehr weit fortgeschritten ist (Pflegestufte 3 und 3+), die ihre letzte Lebensphase in einer Wohngemeinschaft leben. Frau Retterath erzählte über die Anwendung der Aromapflege und wie die Düfte den Bewohnern präsentiert werden. Jeder Bewohner hat an seinem Bett eine Thermoduftsein und seine ganz individuelle Aromapflege. Mitarbeiter mischen sowohl mit den Angehörigen als auch mit den Bewohnern verschiedene Ölmischungen, die sie zur Handmassage einsetzen. Auch individuelle Natur-Parfüms werden gemischt. In der Sinneswelt werden den Bewohnern aromatisierte Speisen und Getränke gereicht, da die älteren Menschen die Aromen sehr mögen und so wieder mehr Appetit haben. So essen sie besser und auch ihre Getränkeaufnahme steigert sind. Zum Abschluss ihres tollen Vortragens haben alle circa 300 Anwesenden ein selbstgebasteltes Präsent mit einer selbstgemachten Rosenpraline darin als Geschenk bekommen, (hhhmmm, die Praline war fein!, das Präsent war nicht von den Bewohnern hergestellt worden). Ein feines Rezept für Zimt – Orangen Waffeln (circa 20 Stk.):
150g Zucker
250g Butter
5 Eier
500ml Milch
500g Vollkornmehl
7 Tr. Zimt Orange (Würzessenz von Vegaroma)
1 El Vanillezucker (selbst hergestellt) Alle Zutaten nach und nach gut miteinander verrühren, in einem Waffeleisen bis zur gewünschten Bräunung abbacken, entweder mit Zimtzucker oder mit Zimt-Orangesahne servieren. Guten Appetit! Sabine Nachbauer≈≈≈ Frau Marita Richau berichtete über “Ätherische Öle während der Wandlungsphase im Sterbeprozess”. Der Sterbeprozess läuft in fünf Wandlungsphasen ab und ist mit einer Geburt vergleichbar. Die Seele geht in die vier Urstoffe/Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft/Äther über. Eine gute Anamnese und/oder Biographie des Menschen ist hierbei sehr wichtig, denn mit diesen Hintergrundinformationen kann man den sterbenden Menschen mit seinen Lieblings-Düften begleiten. Ein sehr bewegender Satz von Frau Richau war: “Wie der Mensch gelebt hat, so stirbt er auch.”

≈≈≈ Auch Andrea Kolditz aus dem Haus Martineum, Evang. Seniorenzentrum in Essen-Steele, berichtete über den Weg zur duftenden Altenpflege. Dieses Haus verfügt über eine beachtliche Schatzkammer an ätherischen Ölen sowie fetten Ölen, das gezeigte Foto des Aromaschrankes war sehr beeindruckend. In der Adventszeit schmückt der duftende Adventskalender von Primavera das Haus: Jeder Wohnbereich bekommt sowohl einen Kalender als auch eine von den Mitarbeitern erstellte Mappe mit einer Beschreibung der enthaltenen 23 ätherischen Öle/Duftmischungen. Dazu kommen Gedichte und Geschichten für die Adventszeit, damit die Therapeuten jeden Tag im Advent ein „duftendes Event“ bieten können. Im Haus Martineum wird mit Hydrolaten als sanfte Helfer gearbeitet, da viele Bewohner im psychischen und emotionalen Bereich Unterstützung benötigen und sich diese auch oft wünschen. Beispiel eines Dekolleté-Spray bei Anspannung und Ängsten: 100 ml Nerolihydrolat mit 6 Tr. Bergamotte 6 Tr. Petit Grain 6 Tr. Orange 1 Tr. Neroli in einer Sprühflasche gut verschütteln. Diverse Aromabäder, Waschungen und Einreibungen werden im Haus Martineum durchgeführt, als Einzugsritual im Gehörlosenbereich gibt es ein Rosenbad. Selbst eine spezielle Mundpflege aus Kokosöl, Vanille und Kakao wird den Bewohnern mit Demenz angeboten: 30 ml Kokosöl bio wird mit 8 Tr. Vanilleextrakt und 6 Tr. Kakaoextrakt vermischt. Dieses Haus konnte auch sehr erfolgreich die Aromapflege bei MRSA oder ESBL anwenden. Bei einer Bewohnerin, die über 2 Jahre immer wieder erfolglos wegen MRSA behandelt wurde, konnte in Absprachen mit einem Arzt einen Abstrich vom Nasen-Rachenraum genommen werden. Anschließend wurde ein Aromatogramm in einem Labor in Karlsruhe gemacht. Eine Apotheke in Karlsruhe bekam das Ergebnis der ausgetesteten ätherischen Öle und erstellte für den Arzt einen Behandlungsvorschlag. Die Bewohnerin erhielt nun zur erneuten Antibiose auch Aromapflegeprodukte für ihre tägliche Waschung, Nasenpflege, Mundpflege, Körperöl und zur Innerlichen Einnahme. Tatsächlich war die Bewohnerin nach dieser aromatischen Behandlung wieder frei von MRSA-Bakterien. Frau Kolditz erwähnte auch noch die erfreuliche und immer häufiger vorkommende Bitte der Ärzte an ihre Patienten, doch etwas aus der Aromapflege auszuprobieren und anzuwenden. Die Mitarbeiter erhalten auch fast immer die benötigte Unterschrift für eine individuelle Aromapflege für die Bewohner.

≈≈≈ Der letzte Vortrag wurde von der Erotherapeutin Susann Bille-Pietsch gehalten: “Gedächtnistraining mit Zitronen-Glücksschweinen, Minzzucker und Johanniskrautöl-Massage”. Sie referierte über ihre tägliche Arbeit als Ergotherapeutin in einem Alten- und Pflegeheim. Auch hier wird sehr viel mit der Veranschaulichung von Pflanzenmaterial gearbeitet, es werden Geschichten zu Früchten oder Pflanzen erzählt. Gedächtnistraining, in dem alle Sinne angesprochen werden und Gruppentherapie-Sitzungen, in der die Kompetenzen und die Erweiterung von Motivation und Kommunikation erarbeitet werden, gehören zum Programm. Die Gruppentherapie ist freiwillig und nach dem Interesse und Befinden der Bewohner abgestimmt. Frau Bille-Pietsch stellt den Bewohner verschiedene Pflanzen auf eine sehr kreative Weise vor, immer auch in Bezug zu der Biografie der Bewohner. Es gibt verschiedenen Themen, mit den jeweiligen Duftpflanzen wird liebevoll dekoriert, es wird etwas gebacken oder gebastelt und auch etwas zu Trinken daraus für die Bewohner gemixt. Sabine NachbauerDas Zitronen-Glücksschwein: In einer Kreismitte werden auf einem grünen Chiffontuch die Zitronen ausgebreitet. Es werden nun Fragen an die Bewohner gestellt wie “Wo kommt die Zitrone her? Welche Hausmittel mit Zitrone kennen Sie? Nennen Sie Wirkungen der Zitrone?” Die Bewohner bekommen einen Tropfen ätherisches Zitronenöl auf einen Riechstreifen zum Riechen angeboten. Ganz toll fand ich, dass dieser Nachmittag am „19.04.2011 am Tag des Glückes“ statt fand, denn da wurden Glücksschweine nach der Idee von Margret Ohnjec mit den Bewohnern gebastelt. Auch ein Zitronenkuchen wurde gebacken. Material für ein Zitronen-Glücksschwein: • Zitronen • Zahnstocher für die Beine • Nelken für die Augen • gut erhaltenen Lorbeerblätter für die Ohren • 1-Cent Stücke kommen ins Maul • 1 kleines Messer. Anusathi Thumm moderierte die ganze Fachakademie und bekam dafür so ein hübsches Zitronenglücksschwein geschenkt. 2. Beispiel: Ein Pfefferminzstrauß wird den Bewohnern auf einem rosa Chiffontuch präsentiert, daran können sie riechen. Es werden Wirkungen und Anwendung besprochen, wo kommt die Pfefferminze her oder welche Pfefferminz-Hausmittel kennen Sie? Die Bewohner verfügen über unterschiedliches Wissen zu diesen Fragen und antworten entsprechend. Auch wird den Bewohnern Minzzucker in Eistee gereicht, ohne dass die Zutaten verraten werden, das sollen die Bewohner selbst herausschmecken. Mein ganz persönliches Fazit aus dieser 7. Primavera Fachakademie: Ich persönlich finde, dass in all den Häusern, die vorgestellt wurden, sehr viel mit und für die Bewohner gemacht wird, damit der letzte Weg noch so angenehm, würdig und schön wie möglich gestaltet wird. Als ich so all die Vorträge gehört hatte, dachte ich mir, dass ich hoffentlich auch einmal in so einer schönen,  duftenden und liebenswürdigen Umgebung meinen Lebensabend verbringen mag, kann aber auch darf! Primavera_Öle2015Es wurden auch neue Düfte und in 500 ml-Flaschen abgefüllte Aromapflege-Öle für den Klinik und Pflegebereich vorgestellt, diese werden ab Mitte November für Heilpraktiker, Apotheken, Kliniken und Krankenhausapotheken bei Primavera erhältlich sein. Ab 2015 werden wahrscheinlich die Aromapflege-Produkte auch für den kleinen Händler käuflich zu erwerben sein. Wir haben vorab schon mal die Probefläschchen geschenkt bekommen. Das Hautstärkungsöl Bio unterstützt, stärkt und regeneriert die Schutz und Barrierefunktion der Haut. Mit Nachtkerzen Öl, Rose Lavendel fein, Niauli und Rosengeranie. Das Muskel- und Gelenkmassageöl Bio dient zur speziellen Pflege bei strapazierten Muskeln und Gelenken. Mit Johanniskrautöl, Wacholder, Rosmarin Campher, Wintergrün, Das Entspannungsöl Bio ist für die spezielle entspannende Pflege für die Haut und Sinne konzipiert worden. Das Atem Aktiv-Öl Bio zur speziellen Pflege der Haut während der Erkältungszeit enthält Johanniskrautöl, Rosmarin Cineol, Latschenkiefer, Zeder und Weihrauch arabisch. Das Wegbegleitungsöl, eine Duftkomposition, ist geeignet für die Begleitung im Sterbeprozess und/oder in emotional schwierigen Situationen. Rose, Ho-Blätter, Lavendel und Bergamotte. Für 2015 wurden ganzheitliche Primavera Mundpflegeprodukte angekündigt. Sabine NachbauerAm 1. September war Primavera in neue Hände gegeben worden: Die neuen Geschäftsführer Uta Landt und Lutz Scheinost konnten sich erstmals auf dieser Konferenz einem breiteren Publikum vorstellen. Frau Landt verantwortete vor ihrem Umzug aus dem Norden in den Allgäu das internationale Marketing und den Unternehmensbereich International Business für die zertifizierte Naturkosmetik-Marke lavera. Herr Scheinost verfügt über eine langjährige Erfahrung als Kaufmännischer Geschäftsführer in namhaften Familienunternehmen des Groß- und Einzelhandels und der Konsumgüterbranche (hier gehts zur Pressemeldung von Primavera). Die 8. Primavera Fachakademie wird übrigens am 17. Oktober 2015 wieder in Oy-Mittelberg im Allgäu stattfinden. [© alle Fotos: Sabine Nachbauer]

Sabine und ich freuen uns über diese E-Mail: “Ein großes *DANKESCHÖN* an Sie beide! Ihnen Frau Nachbauer für den wirklich toll geschriebenen Bericht unserer Fachakademie. Das macht richtig Spaß zu Lesen! Und danke auch Ihnen Frau Zimmermann, dass sie den Beitrag so prompt gebloggt haben. Wir PRIMAVERA´s haben uns alle sehr gefreut! Mit herzlichen Grüßen Alexandra Haug”

inhalierstifte für jung und alt


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieUnterwegs praktisch inhalieren? Düfte für ganz kleine Menschen oder für für Personen mit Einschränkungen? Nase verstopft, Konzentration futsch? Dafür sind Inhalierstifte aus Kunststoff sehr praktisch. Im englischsprachigen Bereich sind sie seit vielen Jahren insbesondere in der Pflege von Schwerstkranken und demenziell veränderten Menschen nicht mehr wegzudenken. Sie heißen dort aroma stick. Man füllt einfach – je nach ätherischen Öl – drei bis zehn Tropfen auf das tamponähnliche Vlies, macht den Deckel fest zu und kann das praktische Teil überall hin mitnehmen. Zum Schnuppern wie beim Lippenstift die Schutzhülse abnehmen und tief einatmen (nicht in die Nase stecken!). Da ich ganz oft nach Bezugsadressen gefragt werde, hier eine Zusammenstellung:

In Österreich kenne ich eine Bezugsquelle:

Feeling (klick!), das Dreierset (weiße Stifte) kostet 4,80 Euro. Hier lohnt sich die Bestellung, wenn man die seltenen und so überaus wohlriechenden CO2-Extrakte diverser Duftpflanzen kennen lernen möchte (Flieder, Kaffee, Ingwer, Lindenblüte, Basilikum etc). Und auch sonst alles, was die Aromapflege und Aromatherapie schön macht.

In Deutschland kenne ich eine Bezugsquelle:

Sabine Nachbauer Inhalierstifte (klick!) bietet neun unterschiedliche Farben und Großpackungen (für Kliniken etc). Warum nicht die entspannenden Düfte in blau oder grün verpacken und anregende Nuancen in rot, lila, rosa oder gelb? Ein Stift kostet 1,50 Euro, der Zehnerpack 14 Euro (auch in gemischten Farben) Sabine wohnt zwar in Österreich, doch sie arbeitet jeden Tag in ihrem Duft-Studio (klick!) in Lindau und kann somit sowohl die deutsche Post als auch die österreichische Post mit entsprechenden Portogebühren bedienen.

In der Schweiz kenne ich auch zwei Bezugsadressen:

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIn ihrem Online-Shop Allerlei Praktisches (klick!) bietet Margarete Fieguth-Jacot (klick!) aus Biel (nicht nur) Inhalierstifte in sieben Farben an, das Stück kostet 1 Schweizer Franken. Margarete ist offizielle Vertreterin von Aroma-Zone in der Schweiz, so dass man auch viele andere Dinge dieser französischen Firma ohne Zoll-Dramen bei ihr bestellen kann. Aus bürokratisch-steuerlichen Gründen (durch Umwandlung in eine Schweizer GmbH) darf Margarete übrigens keine Kunden in der EU mehr beliefern.

Mit Florentia (klick!) hat sich die schon sehr lange als Aromafachfrau tätige Sibylle Broggi-Läubli (klick!) aus Bern bereits 1996 einen Namen für handverlesene ätherische Öle und Zubehör gemacht. Nun führt sie auch Inhalationsstifte für 1 chFR das Stück. Die Bestellung lohnt sich bei ihr, wenn man einige sehr “exotische” ätherische Öle kennen lernen möchte. Sie hat ein traumhaftes Neroliöl, das über Orangenblätter destilliert wurde (höherer Ester-Gehalt), sie hat das bronchien-erweiternde Bischofskraut (Ammi visnaga) und auch das mega-seltene Kaffirlimetten-Petit Grain-Öl (es duftet ähnlich wie Lemongras). Und sie hat – yeah – mein geliebtes Zitronenmyrtenöl (Backhousia). Auch die drei immer seltener erhältlichen Öle von Eucalyptus staigeriana, destillierter Magnolienblüte und der super-feinen roten Myrte sind bei ihr erhältlich.

Die britische Krankenschwester Jacqui Stringer stellte auf der Aromatherapie-Konferenz Botanica2012 eine kleine Studie zum Gebrauch von Inhalierstiften bei Krebspatienten vor, sie wurde in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlicht: Stringer J, Donald G. Aromasticks in cancer care: an innovation not to be sniffed at. Complement Ther Clin Pract. 2011 May;17(2):116-21

Wer kennt noch mehr Bezugsadressen für selbst zu befüllende Inhalierstifte? Jaaa, danke für die Info Martina und Dieter: die Rührwerkstatt (klick!) in der Nähe von Graz (Steiermark) liefert auch Inhalierstifte.

aromatherapie für die ärmsten der armen


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Julia und Jinpa bei der Arbeit in Haiti (© Fotos Julia Hoffman-Graves)

Aromatherapie-Einsatz in einem Krisengebiet. Mein achter Beitrag zu Vorträgen, die auf der inspirierenden Konferenz Aromatherapie-Botanica2014 zu hören waren, ist fast nicht in Worte zu fassen. Ähnlich wie bei den Worten und beim berührenden Video der südafrikanischen Krankenschwester Linda-Anne O’Flaherty, gab es auf dem Vortrag von Julia Hoffman Graves ‘standing ovations’. Die engagierte deutsche Phytotherapeutin und Buchautorin, die in Frankreich lebt, bekam aus erster Hand mit, wie es um die Gesundheit der ohnehin sehr, sehr armen Bevölkerung in Haiti stand, nachdem im Januar 2010 ein verheerendes Erdbeben über 300.000 Menschen getötet hatte. 300.000 Menschen wurden darüber hinaus teils schwer verletzt, eine Million Menschen wurden obdachlos, das Wasser war größtenteils verseucht.

Julia_Graves_Jinpa_Haiti

Julia, Jinpa und geduldig wartende Menschen auf Haiti

Sie überlegte quasi nur rasch, dass ätherische Öle und homöopathische Globuli besser in ihr Fluggepäck passen würden, als große Mengen der von ihr üblicherweise verwendeten getrockneten Heilkräuter und Tinkturen, Aromatherapie ist sozusagen eine sehr kompakte Version der traditionellen Phytotherapie. Sie fragte im Bekannten- und Freundeskreis nach überflüssigen, unbenutzten und ungeliebten ätherischen und fetten Ölen sowie Homöopathika, packte ihre Siebensachen und flog nach Haiti, um rasch und unbürokratisch Erste Hilfe zu leisten. Was sie bei ihrer ersten Anreise vorfand, war ein unvorstellbares Chaos aus Nichts, Schmutz und Leid. Selbst ein Tisch, um ihre Sprechstunde abzuhalten, stand zunächst nicht zur Verfügung.

Sie ließ uns in ihrem Vortrag an diesem Vakuum nach der grausamen Naturkatastrophe mit Hilfe einer Diashow teilhaben. Sie schilderte in wenigen Worten, wie sie mit wenigen Tropfen ätherischer Öle große Erfolge verzeichnen konnte. Seitdem hat sie zweimal im Jahr jeweils drei Wochen lang, tausende von Tütchen mit aromatischen Kräutern und Fläschchen mit Ätherisch-Öl-Mischungen ausgegeben.

Julia_Graves_Botanica2014Mit Hilfe von lokalen Freiwilligen, die übersetzten, Wartenummern an Menschen in endlosen Warteschlangen verteilten, Öle nach Julias Anweisung mischten und abfüllten und die sie auch sonst tatkräftig unterstützten, konnte man circa 300 Menschen pro Tag behandeln. Ihre Initiative ‘Naturopathic Relief Clinic for Haitian Earth Quake Survivors’ konnte bis heute 18.000 verarmten und Not leidenden Menschen helfen. Sie schilderte das ganze Unternehmen als ‘zufällige Feldstudie’ und war selbst erstaunt, wie ätherische Öle, teilweise in kleinsten Mengen, Infektionen mit Mikroorganismen und Parasiten reduzieren konnten. Ja, dass sogar die Gesundheit der Bevölkerung stabilisiert werden konnte, vermutlich durch eine erfolgreiche Modulierung des Immunsystems der betroffenen Menschen.

Über 50 Prozent der Bevölkerung in Haiti sind Jugendliche und Kinder. Demzufolge zählten die Jüngsten (samt ihren Müttern) zu den häufigsten Besuchern der Heilpflanzen-Sprechstunde. Aber auch verwaiste Kinder kamen und mussten behandelt werden. Eine der schlimmsten Plagen speziell in dieser jungen Altersgruppe sind Würmer, so dass Tee aus Wermutblättern (Artemisia absinthum) verteilt wurde und der trotz des immens bitteren Geschmacks gut angenommen wurde, auch Gemeiner Beifuss (Artemisia vulgaris) und Einjähriger Beifuss (Artemisia annua) als Droge (getrocknetes Kraut) oder Tinktur kamen zum Einsatz. Bei Kindern, die vermutlich ihre Eltern verloren hatten, so dass keine konstante Gabe der Heilkräuter gewährleistet war, wurde das homöopathische Präparat Cina (Artemisia maritima) verabreicht. Die Zuckerkügelchen waren auch von Vorteil, wenn sauberes Wasser für die Zubereitungen nicht zur Verfügung stand – was oft der Fall war.

An ätherischen Ölen wählte Julia die Mittel aus, die möglichst breitgefächert wirken und preiswert zu bekommen waren: Lavendel, Teebaum, Eukalyptus und Zitrone. Sie wurden in lokal erhältlichem Baumwollsamenöl verdünnt (10 Tropfen auf 30 ml), in Fläschchen gegeben, an die Bevölkerung verteilt und für allerlei Beschwerden eingesetzt: Hautverletzungen, Geschwüre, Juckreiz (beispielsweise am After wegen der Würmer), vaginaler Ausfluss, Ohrenschmerzen und vereiterte Augen. Mit einem Tropfen der Mischung wurde auch die tägliche Flasche mit Trinkwasser “gereinigt”.

Bei der dritten und vierten Reise nach Haiti waren Julia und ihr Team mit einer kniffligen Situation konfrontiert, denn UNO-Soldaten aus Nepal hatten die Cholera ins geplagte Land importiert. Um Vorsorge gegen Ansteckungen zu betreiben, wurde das Trinken des lokalen Zitronensaftes empfohlen und ätherisches Zitronenöl verteilt. 2-3 Tropfen Zitronenöl entkeimten offenbar 6 Kubikmeter der heran gekarrten Wasserkanister, so dass es in der Region rund um Julias Sprechstunden keine Cholerausbrüche gab. Für diesen Bereich sowie bei Lungenbeschwerden verwendete das Team auch Thymiankraut, Thymianöl und Nelkenknospenöl. Sie schilderte einige regelrechte Wunderheilungen und wie dankbar die Bevölkerung auf die helfenden Menschen, auf die Kräuter und die Öle reagierte, man empfand das Team als von Gott gesendete Helfer.

Nach diesem bewegenden Vortrag war es zunächst mucksmäuschenstill im Saal, dann kam stehender tosender Applaus, hier und da flossen Tränen und jemand stand auf und rief in den Saal: Wir müssen helfen! Julia, mach’ eine Facebook-Seite auf! Worauf Julia erwiderte, dass sie ihre Zeit lieber mit dem Helfen von Not leidenden Menschen verbringt als im Internet. Sie will auch ein Einpersonen-Hilfsunternehmen (mit ein paar Helfern) bleiben, damit kein Cent an Hilfsgeldern durch Bürokratie verloren geht. In der folgenden Pause wurden dann hinter den Kulissen “Rädchen gedreht” und anschließend erfuhren wir im Publikum, dass alle ausstellenden Firmen im Foyer ihre Tester und restlichen Öle nach dem Ende der Dreitage-Konferenz für Julia zusammen packen würden. So dass sie wieder pflanzliche Heilmittel auf ihrer nächste Reise nach Haiti im Gepäck haben wird.

Graves_Julia_CoverVielleicht gibt es LeserInnen meines Blogs, die auch ätherische und fette Öle besitzen, die sie nicht so mögen oder von denen sie schlicht zu viel gekauft haben, Julia kann solche Spenden bestens gebrauchen. Also ab damit in ein Päckchen und zur Post! Sie und ihr Team haben derzeit ausreichend Zitronenöl, Teebaumöl, Eukalyptusöl und Lavendelöl. Sie schrieb mir, dass sie sehr gerne Nadelöle (Fichte, Tanne, Kiefer) mitnehmen würde und sie benötigt dringend kleine Fläschchen, so eine Art Probenfläschchen (gerne nur circa 1 cm hoch), diese möchte sie mit unverdünnten Ölen an die Bevölkerung ausgeben, wenn Trinkwasser zu dekontaminieren ist. Auch stehen einige Kunststoffflaschen (ätherisch-öl-beständig) auf ihrer Wunschliste, damit sie die Öle, die sie derzeit in größeren Aluflaschen (mit Explosivzeichen) hat, aufteilen kann und sicherer im Flugzeug transportieren kann. Geldspenden sind freilich auch sehr, sehr willkommen, der Paypal-Knopf (Stichwort Haiti-Hilfe) und sonstige Infos sind auf ihrer Haiti-Hilfs-Website (klick!) zu finden. Für Menschen, die ihr homöopatische Mittel zukommen lassen möchten, gibt es hier (klick!) eine Wunschliste an Mitteln, die auf Haiti am meisten benötigt werden. Die (hoffentlich zahlreichen!) Spendenpäckchen werden am besten nach New York geschickt an:
Michelle LaDue
c/o Bradley Grossmann
455 West 23rd Street, Suite 1E
New York, NY, 10011
USA

Julia hat übrigens ein wundervolles Buch geschrieben, auf englisch, über die Signatur der Pflanzen: The Language of Plants (klick!). Und hier ist die Adresse für Sachspenden, die man lieber innerhalb Europas verschicken möchte (statt an oben stehende Adresse in die USA):
Julia Graves
Peyrissaguet
19370 Chamberet
Frankreich

echte und falsche hydrolate


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieEchte Hydrolate und falsche Hydrolate. Mit dieser kleinen Provokation begann der hervorragende Vortrag des britisch-libanesischen Phytotherapeuten, Destillateurs und Osteopathen Joe Nasr auf der Konferenz Botanica2014 in Dublin Anfang September. Unter “falschen Hydrolaten” meint der Experte nicht nur die Apothekenzubereitungen ‘destilliertes Wasser mit ätherischem Öl’, sondern auch Hydrolate als Nebenprodukt der Ätherisch-Öl-Gewinnung. In denen also ein höchstmöglicher Anteil an ätherischem Öl abgeschöpft wurde, so dass die Haltbarkeit verringert und der Gewinn maximiert wird. Auch werden diese meistens in Edelstahldestillen produziert, welche im Gegensatz zu Kupferdestillen für eine reduzierte Haltbarkeit sorgen können. Joe provozierte weiter: “Welches Essen schmeckt besser? Bei deiner Mutter oder das Essen aus einer Großküche?” Er räumte ein, dass manche Mütter nicht gut kochen können, doch wollte er in dieser Analogie aufzeigen, dass echte Hydrolate, denen nichts weg genommen wird, die in Kupferapparaturen destilliert werden und die in Kleinbetrieben hergestellt werden, oft wesentlich mehr Heilkraft besitzen als Pflanzenwässer aus industrieller Produktion (bei denen auch viele unerwünschte Wildkräuter und evtl. Insekten mit destilliert werden). Für die perfekte Hydrolate-Destillation empfiehlt er Destillen, die nicht mehr als 200 Liter fassen, ideal zur Herstellung von echten Hydrolaten findet er 50-Liter-Destillen. Wenn möglich aus Kupfer, dieses Metall reduziert im Gegensatz zu Edelstahl stechende, schwefelige Noten (die zu frische Hydrolate manchmal stinken lassen), Kupfer leitet die Hitze besser und gleichmäßiger, ermöglicht feinere Düfte und mindert durch freie Kupferionen den Bakterienbefall. Auch meint Joe, dass Wasserdestillation, wie sie ohnehin bei fast allen Blüten wie Rose, Neroli, Ylang Ylang und Kamille durchgeführt wird, der Wasserdampfdestillation vorzuziehen ist. Frische Kräuter sind für ihn ein Muss, er versucht, getrocknete Kräuter (so genannte Drogen) zur Herstellung echter Hydrolate zu vermeiden. Aus einem Kilo Pflanzenmaterial gewinnt er in seinem kleinen Familienbetrieb Avicenna, der sich in Wales befindet, 200 bis 500 ml echtes Hydrolat. Wenn dieses aus seinen Destillen kommt, ist es nicht heiß, eher um 25 bis 30 Grad. Wie in meinem Buch über Hydrolate (klick!) betont, weist auch Joe auf die Milde von Hydrolaten hin, sie enthalten so gut wie keine ENE, also potenziell hautreizende (und oxidierende) Monoterpene, sondern verträgliche Mengen an ON und AL, also Ketone und Aldehyde. Und freilich hautfreundliche und antioxidativ wirksame Pflanzensäuren. Er empfiehlt die Einnahme von 10 bis 15 ml echter Hydrolate jeweils drei- bis viermal täglich. Besonders empfehlenswert sei das Mischen in Wasser, welches langsam, schluckweise getrunken wird. Leider verkauft Joe Nasr seine feinen Produkte, zu denen auch einige Tinkturen gehören, nur an Angehörige von Heilberufen (zu denen in Großbritannien auch AromatherapeutInnen gehören). Doch wer englisch lesen kann, findet sehr informative Artikel auf seiner Website (klick!). [© drei Fotos rechts: Joe Nasr] Wer mit dem Gedanken spielt, nächstes Jahr Autorin Eliane Zimmermann zu treffen, einen deutschsprachigen aromatischen Lern-Urlaub am Meer zu verbringen und die schönsten Abschnitte des Wild Atlantic Way in Südwest-Irland kennenzulernen (die längste Küstenstraße der Welt: 2.500 km), kann auf unten stehende Anzeige klicken. Die ersten Anmeldungen sind am Anrollen, die Flüge sind derzeit noch billiger als so manche Bahnreise, unser schönes neues Gästehaus mit Swimmingpool ‘Ballylickey House & Chalets’ kann hier (klick!) besichtigt werden. Begleitpersonen willkommen, deutschsprachige Kinderbetreuung möglich, hochwertiges und frisches Essen (teilweise bio) selbstverständlich. AiDA Aromatherapy Eliane Zimmermann Termine 2015

geruchssinn als indikator für ein langes oder kurzes rest-leben


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieWer über einen intakten Geruchssinn verfügt, hat (ab Mitte 50) noch lange zu leben. So in etwa lautet das Fazit einer größeren Studie, die von Dr. Jayant Pinto von der Universität Chicago an über 3000 Menschen durchgeführt hat. Der erste Durchlauf der Untersuchung erfolgte in den Jahren 2005 bis 2006. 39 Prozent der 3005 Probanden zwischen 57 und 85 Jahren, die fünf Gerüche nicht identifizieren konnten, waren beim zweiten Durchlauf des Experiments – 2010-2011 – verstorben; demgegenüber starben “nur” 19 Prozent der StudienteilnehmerInnen, welche den Riechtest bestanden hatten, innerhalb dieser fünf Jahre.

Für den Riechtest mussten folgende Gerüche in dieser Schwierigkeitsreihenfolge identifiziert werden: Pfefferminze, Fisch, Orange, Rose und Leder. Das Umfrageteam arbeitete mit den Sniffin’ Sticks, die von NeurologInnen zur Identifizierung von ersten Symptomen von Morbus Alzeimer und Parkinson als Diagnosemittel verwendet werden. Dieses interessante Experiment zeigte dass:

  • Fast 78 Prozent der TeilnehmerInnen normal riechen konnten: 45,5 Prozent von ihnen konnten alle fünf der fünf Gerüche korrekt identifizieren, 29 Prozent aus dieser Gruppe konnte vier der fünf Riechstoffe benennen.
  • Fast 20 Prozent der Probanden wurden als “hyposmisch” eingestuft (“Schwachriecher”): Sie identifizierten zwei oder drei der fünf Gerüche.
  • Die restlichen TeilnehmerInnen, also 3,5 Prozent, waren Anosmiker: Sie konnten nur einen der fünf Gerüche erkennen (2,4 Prozent) oder gar keinen (1,1 Prozent). In dieser Gruppe befanden sich erwartungsgemäß die ältesten Probanden (25 Prozent der 85-jährigen) und in dieser Gruppe gab es die verhältnismäßig hohe Sterblichkeit von knapp 40 Prozent.

Studienleiter Prof. Pinto sagt dazu: “Der Geruchssinn ist der am meisten unterschätzte und am wenigsten geschätzte menschliche Sinn —bis er entschwunden ist.” Das Forschungsteam, das aus BiopsychologInnen, ÄrztInnen, SoziologInnen und StatistikerInnen besteht, hat dazu folgende Hypothese aufgestellt: Der Riechnerv ist der einzige Hirnnerv, der direkt der Umgebung/Umwelt ausgesetzt ist. Er könnte als Eingangspforte für Umweltverschmutzung, Toxine, Krankheitskeime oder andere Substanzen dienen, welchen das Zentrale Nervensystem ausgesetzt ist.
Die das Experiment verantwortliche Psychologin Prof. Martha K. McClintock, die sich in ihrer ganzen Karriere mit dem Geruchssinn und der Kommunikation durch Pheromone befasst hat, kommentiert die Ergebnisse folgendermaßen: “Die Geruchsorgane enthalten Stammzellen, die sich selbst regenerieren können. So könnte ein Verlust in der Fähigkeit zu riechen ein Indiz dafür sein, dass die Fähigkeit des Körpers, seine wichtigen Ressourcen zu regenerieren, am abnehmen ist. Somit könnte dieser Verfall ein Indikator für die Sterblichkeit sein. Der evolutionär gesehen uralte Geruchssinn könnte einen wesentlichen Mechanismus, der für Langlebigkeit verantwortlich ist, aufzeigen.”

Die gesamte Studie, die am 1. Oktober 2014 veröffentlicht wurde, kann hier nachgelesen werden. Interessante Infos zum Riechen und zu einem Riechstifte-Baukausten gibt es auf der Website von der Uni Dresden nachzulesen. Deren engagierter Riechforscher Prof. Dr. Thomas Hummel trug zur Studie bei.

PS zur Erläuterung: Etliche neurodegenenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Parkinson kündigen sich mit dem Schrumpfen des Hippocampus an, dem Teil des Limbischen Systems, der Riechen und Erinnerungen verarbeitet, beide Funktionen verschwinden nach und nach. Mit dem Eintritt einer solchen Erkrankung wäre eine verkürzte Rest-Lebenszeit eingeläutet. Menschen, die ihr Essen nicht mehr riechen können, essen Verdorbenes oder Unverträgliches oder essen zu wenig, da der Appetit fehlt, auch das könnte ein möglicher Faktor der Verkürzung des Rest-Lebens gegenüber riechenden Menschen sein. Menschen, die Gefahren wie Rauch, Feuer und Abgase nicht mehr riechen können, könnten eher einem Unfall zum Opfer fallen. Menschen, die nicht mehr riechen können, werden öfter depressiv als Riechende, sie verlieren öfter die Freude und das Interesse am Genuss und am Leben, auch das könnte ein Risikofaktor sein.

ätherische Öle als helfer bei demenz und vergesslichkeit


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie Pharmakognostikerin* Nicolette Perry, die wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse über ätherische Öle präsentierte, war einer der wichtigsten Gründe, warum ich trotz anderer Verpflichtungen noch kurz entschlossen zur Botanica2014-Konferenz nach Dublin fuhr. Sie ist die Hälfte eines engagierten Forscherinnen-Duos, deren Arbeiten ich hier und in meinen Büchern bereits öfters erwähnte. Als ich 2009 für meinen recht umfangreichen Beitrag für ‘Das Praktische Handbuch der Demenz‘ eine Woche in Klausur ging, um wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema zu studieren, kamen mit immer wieder die zwei Namen unter: Elaine und Nicolette Perry (witzigerweise ist mir beim Zitieren in meinem Fachbuch in irgendeiner Auflage ein Tippfehler untergekommen, ich hatte der Tochter den Nachnamen ‘Nicolette’ gegeben, so dass ich ich mal einem Abschreiber auf die Spur kam, der meine falsche Quellenangabe ungeprüft übernommen hatte).

Die Mutter Elaine Perry ist eine engagierte Neurowissenschaftlerin, die vor ihrem Ruhestand ausgiebig über Demenzen (Alzheimer, Lewy-Körper und gefäßbedingte Demenzformen) forschte, auch Morbus Parkinson, Schizophrenie, Depressionen, Autismus und das Älterwerden beschäftigten sie an der Universität Newcastle in Großbritannien. Insbesondere die Rolle des Acetylcholin, einem Botenstoff nicht nur in unserem Gehirn, war ein wichtiger Aspekt ihrer Forschungen. So kommt es, dass man viele Studien über diesen Themenbereich von ihr nachlesen kann. Unter den ätherischen Ölen findet man bei ihren viel versprechenden Erkenntnissen immer wieder den spanischen Lavendelsalbei (Salvia lavandulifolia) und den ganz normalen Gartensalbei (Salvia officinalis).

Logo_Nicolette_Perry_Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Die Tochter Nicolette Perry – ich war überrascht wie jung sie ist – befasst sich mit der Chemie der Heilpflanzen und insbesondere mit ihrer Wirkung auf das ZNS (Zentrale Nervensystem). Ihre Leidenschaft übt sie unter anderem in einer führenden Position in einem Botanischen Garten, dem Dilston Physic Garden aus. Sie brachte Material für mindestens drei Vorträge zur Konferenz mit und dementsprechend dicht gepackt war ihr lebendiger Vortrag. Man spürt ihre Liebe zur Natur – trotzdem oder gerade deswegen ist die Chemie ein wichtiger Teil von all diesen faszinierenden Prozessen in Pflanze und Mensch. Diese Verbindung drückt sich in einem originellen Logo aus, das auf der ersten Folie ihres Vortrags ihr Motto symbolisierte.

Sie klärte zunächst, warum Pflanzen überhaupt ätherische Öle bilden, dann zeigte sie auf, wo diese pflanzlichen Signalstoffe in unserem Nervensystem andocken und somit Effekte auslösen können. Sie nennt die Signal- und Duftstoffe ‘Botanic Brain Booster’ (BBB, Botanische Gehirnverstärker, ganz ähnlich wie ein Artikel von mir mal überschrieben war: Dünger für die grauen Zellen (klick!).

Nicolette Perry erläuterte in diesem Zusammenhang sehr viele Studien über Lavendel- und Kamille-blau-Öl, auch zeigte sie einige wichtige Neuro-Effekte auf, die an Menschen untersucht worden sind:

  • anxiolytisch (angstlösend): Linalool und Rosmarinsäure (in einigen Hydrolaten, nicht in ätherischen Ölen)
  • analgetisch (schmerzlösend): Citronellal, Linalool, Menthol
  • kognitiv verstärkend (konzentrationsfördernd): Menthol
  • antidepressiv: Rosmarinsäure
  • antikonvulsiv (Krämpfen entgegenwirkend, krampfmindernd): Borneol und 1,8-Cineol (Eucalyptol)
  • stimuliert die neurologischen “Autobahnen”: Menthol

Ziele der duftenden Signalstoffe aus “unseren” Duftpflanzen können menschliche Zellen sein, die folgende Stoffe produzieren, welche wiederum von folgenden Inhaltsstoffen von ätherischen Ölen “angeheizt” werden können:

  • Serotonin, zuständig für gute Stimmung und Wohlbefinden
  • Dopamin, zuständig für Interesse, Aktivitat und Vergnügen: 1,8-Cineol und Terpinen
  • Acetylcholin/Cholinesterase, zuständig für Aufmerksamkeit und Lernen: 1,8-Cineol und Pinen
  • Noradrenalin, zuständig für Reaktion und Erregung
  • Enkephaline, zuständig für Schmerz und Loslassen/Wohlbefinden
  • Cannabinoide, zuständig für Wohlbefinden: Caryophyllen und Thujon
  • Gaba (gamma-Aminobuttersäure), zuständig für Entspannung und Beruhigung: Menthol, Pinen, Thujon
  • Oxytocin, zuständig für soziale Interaktion und Bindung

Linalool beeinflusst zudem die elektrischen Ströme an den Nervenzellen (bzw. deren Membranen). Und warum zeigen ätherische Öle so vielfältige Wirkungen? Klar, wie im Beitrag über den Vortrag von Marco Valussi über Vielstoffgemische (klick!) bereits erwähnt: Sie bestehen aus vielen – 40 bis zu 800 – Inhaltsstoffen. In Molekülen ausgedrückt nannte sie eine Zahl, die ich nicht so recht visualisieren kann: In einem Tropfen eines ätherischen Öles befinden sich 40.000 Millionen Millionen Millionen Moleküle. Egal, ziemlich viele! Und da in einem ätherischen Öl oft (fast) alle der oben genannten Inhaltsstoffe enthalten sein können, können sie uns in vielerlei Hinsicht unterstützen. Das ist bestes aromatisches Wohlbefinden mit wissenschaftlicher Bestätigung!  *laienhaft ausgedrückt ist sie eine Apothekerin ohne Apotheke, die also in der Forschung tätig ist.

jasminöl bei knötchen in der brust


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieMogra (Jasminum sambac) ist ein exzellentes Absolue (durch Lösungsmittel extrahiertes “ätherisches Öl”) bei einer Neigung zu Knötchen in der Brust, berichtete auf der Aromatherapie-Konferenz Botanica2014 (klick!) die temperamentvolle Ayurveda-Fachfrau aus Australien Farida Irani. “Knötchen” in der Brust meint nicht bösartigen Brustkrebs, sondern kleine (gutartige jedoch oft schmerzhafte) Verhärtungen, Zysten, die so genannte Mastopathie, verursacht durch hormonelles Ungleichgewicht. Da ich vor einigen Tagen zwei Fotos meiner Jasmin sambac-Pflanze auf Facebook gepostet hatte und unglaublich viele “Likes” bekam (so viel mehr Zustimmung als hier auf meinem guten alten Blog ;-) ), würdige ich diese wundervoll duftende Pflanze auch hier. Frau Irani sprüht nur so vor Leben und man kam gar nicht dazu, alles aufzuschreiben, beispielsweise was sie bei den Defiziten von Vata empfiehlt (Kreuzkümmel, Davana, Tulsi/Heiliges Basilikum). Bei mangelndem Pitta müssen Blütendüfte her, vor allem das Absolue aus Kewda (Schraubenbaum, Pandanus odoratissimus, hier beim “Gewürzepapst Gernot Katzer (klick!) findet man klasse Infos über dieses Gewürz).  Bei einem Mangel an Kapha empfiehlt sich vor allem Gewürznelke, Cardamom und wieder Tulsi (eines der wichtigen indischen Alleskönner-Öle). Für Menschen, die keine ätherischen Öle vertragen, empfahl sie das Mazerat von Brahmi (Bacopa monnieri) in Sesamöl. Dieses fette Öl gibt sie auch allen Menschen mit, die sich einer Bestrahlungstherapie unterziehen müssen. Für Frauen, die unbedingt schwanger werden wollen, der Klapperstorch jedoch ausbleibt, empfiehlt sie Davanaöl (klick! Artemisia pallens, es duftet wunderbar fruchtig-süßlich und etwas nach Whiskey! und bestimmt den Duft der Granatapfelserie einer großen deutschen anthroposophischen Kosmetikfirma mit dem Anfangsbuchstaben W). Bei diversen Tumoren gibt sie Ashwagandha (klick!), ein ganz wichtiges Stärkungsmittel in der traditionellen indischen Medizin. Es hilft bei Schwächezuständen, bei seelischen Durchhängern und laut einigen Studien schützt es Nervenzellen vor noch mehr degenerativem Zerfall wie bei Morbus Alzheimer. Sie gibt es auch Menschen die an Fibromyalgie leiden (Weichteilrheumatismus mit psychischen Krisen). Auch Safran-Attar (in Sandelholzöl hinein destilliert) empfiehlt sie bei Krebs. Bei Angstzuständen empfiehlt Frau Irani das ätherische Öl von Curcuma longa, einem Verwandten der Gelbwurz, die das Currygewürz gelb färbt. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZurück zum Jasmin-Absolue, das seine rote Farbe vom Indol-Anteil erhält. Das ist der Fäkal-Riechstoff, der speziell weißen Blüten, welche Nachtinsekten anziehen, einen manchmal eher unangenehmen Unterton gibt. Im Gewächshaus hinter unserem Seminarhaus konnten das viele TeilnehmerInnen meiner Kurse bestätigen (dort blüht immer noch Jasminum officinalis). Als tausende von Blüten geöffnet waren, war der schwere Duft/Geruch rund ums Gewächshaus kaum auszuhalten. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDieser Riechstoff (Stinkstoff?) macht – in raffinierten Spuren eingesetzt – Parfüms für uns Menschen ziemlich unwiderstehlich. Kein Wunder, er ist ein Bestandteil unseres Gehirnstoffwechsels. Als ich diese Tatsache vor einigen Jahren in einem Fachbuch fand, war ich doch etwas erstaunt, dass sich dieses anrüchige Molekül sowohl “da unten” als auch in unserem Kopf befindet. Und dort für Wohlbefinden sorgt. So ist es kein Wunder dass Frau Irani Jasmin sambac-Absolue (klick!) bei depressiven Zuständen und Ängsten empfiehlt. Anscheinend reguliert es unseren aus der Balance geratenen “Happylizer”-Stoffwechsel (also die Botenstoffe, die für Wohlbefinden sorgen sollen). Sie empfiehlt, Ätherische-Öle-Mischungen für die Seele auch immer rund um den Bauchnabel einzureiben, dem Zentrum unserer Ausgeglichenheit und Balance. Sie rät zudem dazu, diesen schweren Duft auch als Deo einzusetzen, als kühlende Gesichtspflege und sogar bei Geschwüren. Sie schloss ihr unglaubliches Feuerwerk an Tipps und Rezepturen mit obigem Spruch von Paramahansa Yogananda und überreichte der Gastgeberin Rhiannon Harris (klick!) als Zeichen des Dankes und der Anerkennung einen großen Schal (eher eine Stola). Frau Irani hat es übrigens geschafft, in ihrer Heimat Australien eine staatliche Anerkennung für ihre Kurse in Ayurvedischer Aromatherapie zu erhalten. Dazu mehr auf ihrer Website Subtle Energies (klick!). Die gesammelten Vorträge dieser Konferenz kann man bis zum 30. September mit 25 Euro Ermäßigung hier (klick!) als Download-Datei erwerben (75 Euro statt 100 Euro).