
Als ich vor vielen Jahren las, dass der Herzinfarkt zu den entzündlichen Erkrankungen zählt, war ich unglaublich erstaunt. Habe ich doch mal in grauer Vorzeit in meiner Ausbildung zur Schwesternhelferin zur Kenntnis genommen, dass es sich um eine rein mechanische Problematik handelt: Blutklumpen verstopft Blutgefäß > Minderversorgung > Exitus. So in der Art zumindest. Nun liest man seit einiger Zeit, dass Entzündungen als Auslöser von Depressionen ernsthaft diskutiert werden. Man kann eine Studie von 2008 zu dieser Thema hier (klick!) gratis runterladen (sonst kosten Studien meistens ab 30 Euro/Dollar aufwärts). Somit wäre beispielsweise die starke Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen – eben auch wegen der entzündungshemmenden Wirkung – nachvollziehbar (nachzulesen in der aktuellen Zeitschrift für Phytotherapie S1 2013, die ich gestern erhielt).
Das bringt mich zu Erklärungsmodellen, warum Aromatherapie überhaupt wirkt, was also ätherische Öle im Körper alles regulieren und korrigieren können. So dass bereits eine oder ein paar wenige Behandlungen mit ätherischen Ölen deutlich spürbare Effekte auf die gesamte Befindlichkeit und auch auf einzelne Symptome haben können. Mal ganz abgesehen vom starken Gefühl des Wohlbefindens, welches durch Streichungen, Massagen und Einreibungen mit den duften Pflanzenhelfern ausgelöst und gesteigert werden kann, wenn die richtigen Öle und die richtige Dosierung gewählt wurden.
Fast alle ätherischen Öle wirken mehr oder weniger ausgeprägt entzündungshemmend und helfen uns, krankmachenden Entzündungen einfach durch die tägliche Aromapflege und Aromaernährung zu begegnen. Insbesondere, wenn wir unser Leben mit entzündungsfördernen Potpourries ‘bereichern’ wie gehärtete Fette, Synthetik-Kosmetik, Stress, heiß gebratenes Fleisch, Abgase, (viele) chemische Medikamente, frittierte Speisen, Farbstoff-Naschereien und -Getränke, Wohngifte etc. Auf der zellulären Ebene zeigen ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe folgende Wirkungen:
- sie wirken entzündungshemmend durch Beeinflussung von Entzündungsmediatoren wie Histamin, Prostaglandinen und/oder Leukotrienen
- sie beeinflussen den Spannungszustand von menschlichen Zellmembranen und können dadurch als Kalziumantagonist wirken
- sie besitzen einen Counterirritant-Effekt, wirken also schmerzlindernd
- sie beeinflussen GABA-Rezeptoren und können dadurch die Stimmung, Ängste, Antrieb regulieren
- sie beeinflussen den Neurotransmitter Acetylcholin und wirken hemmend auf die Acetylcholinesterase, genau so wie moderne Anti-Demenzmedikamente
- sie beeinflussen den Dopaminstoffwechsel und können somit beispielsweise begleitend bei Parkinson-Erkrankung oder bei schweren prämenstruellen Beschwerden eingesetzt werden
- sie beeinflussen 5-HT3-Rezeptoren und können daher antiemetisch wirken, d.h. Übelkeit und Brechreiz verringern
- sie beeinflussen beta-2-Rezeptoren im Lungengewebe, so dass spastisch-obstruktive Atemwegserkrankungen gelindert werden können
Nun kann jede(r) seine Schlüsse ziehen in Anbetracht der Tatsache, dass viele Inhaltsstoffe zumindest in kleinen Anteilen in sehr vielen ätherischen Ölen enthalten sind, sie also Vielstoffgemische sind. Richtig, die meisten ätherischen Öle können viele Beschwerden und viele Befindlichkeitsstörungen gleichzeitig regulieren helfen. Nun gibt es jedoch noch andere Bereiche der Wirkungen. Ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe können die Zellmembranen vieler pathogener/ krankheitsauslösender) Bakterienarten verändern indem
- die Durchlässigkeit der Zellmembranen erhöht und somit gestört wird
- die Zellmembranen erstarren und ihre Funktionen einzubüßen kann
- Mesosomen (Einstülpungen) gebildet werden können
- Strukturen im Zytoplasma verloren gehen
- Kaliumionen verloren gehen
Und auch das ist noch nicht alles, denn auch Pilze und Viren können durch ätherische Öle das Fürchten lernen. Dazu kommen noch unspezifische Regulationsmechanismen, welche man nicht einzelnen Prozessen zuordnen kann. Beispielsweise können ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe:
- den im Speichel messbaren Cortisolgehalt verringern, der Mensch fühlt und zeigt weniger Stress-Symptome
- die Polysacharid-Ketten, aus denen zäher Bronchialschleim besteht, können “aufgeknackt” werden, die Zilien (Häarchen in der Luftröhre) können effektiver arbeiten und den dünnflüssigeren Schleim besser in Richtung Rachen abtransportieren
- Makrophagen werden “zur Arbeit gerufen”, Zytokine und Defensin werden aktiviert, also arbeitet das Immunsystem effektiver
- durch unspezifische antioxidative Prozesse degenerative Prozesse im Körper aufhalten
- durch selektive antitumorale Wirkung den Körper vor Krebserkrankungen schützen
Das ist nur ein kleiner Einblick in die medizinische Welt der ätherischen Öle. Es soll jedoch noch reichlich Menschen geben, die meinen, dass wir nur mit Placebos arbeiten, dass das alles Glaubenssache sei, dass Aromatherapie und Aromapflege in den Bereich der Esoterik gehören. Als ob die vielen (hunderte? tausende? zehntausende?) Wissenschaftler, die sich jeden Tag mit obigen und noch mehr Themen beschäftigen, ihr gutes Geld mit kristallkugel-lesendem Mumpitz verdienen würden.
Ich bin dann mal weg, es ist St. Patrick’s Day Weekend (einschließlich Montag), der höchste Feiertag des Jahres, der Frühling schreitet ununterbrochen fort, ich genieße das supersonnige Irland in seiner grün-bunten Pracht in vollen Zügen, ab morgen in Dublin. Im oberen Abschnitt sind genügend Links zu ganzen Studien oder wenigstens kleinen Zusammenfassungen, so dass Ihr und Sie ausreichend Material zum Nachlesen habt!





















