Diese Männer tragen den Sack aus gutem Grund zusammen. Er ist schwer und recht unhandlich. Er ist gefüllt mit Kamillenblüten und -Kraut. Dieses wuchs auf einem Acker, der respektvoll gepflegt und gejätet wurde und nicht der Einfachheit halber mit Agrargiften gedüngt und insektenfrei gemacht wurde. Die zarten Pflänzchen wurden mit Rosenscheren behutsam von Hand geschnitten. Nach der Destillation wird der Landwirt ätherisches Kamillenöl in seiner Destillationsblase vorfinden. Wie viel Öl wird es sein? Wie viele Aroma-Massagen werden nach Abfüllen in braune Glasfläschchen mit diesem Öl durchgeführt werden können, was meint ihr?
Archiv der Kategorie: Blüten-Öl
frühe duftblüten mit erhebender wirkung: osmanthus und skimmia
Im dschungelartigen Park hinter unserem Gäste- und Seminarhaus blühen zwei unscheinbare Sträucher, deren betörender Duft nur bei näherer Betrachtung (und Beriechung) in die Nase springt, doch kein Mensch bemerkt sie derzeit, niemand vermutet trotz Frühlingsatmosphäre solche Naturparfüms im Februar-Garten. Der Osmanthusstrauch (Osmanthus fragrans) liefert ein natürliches Tee-Aroma für aprikosige und pfirsichartige Noten. Er kommt ursprünglich vermutlich aus China. [Die farbig hervor gehobenen Wörter sind übrigens aktive Links, welche zu mehr Informationen oder Bezugsquellen führen - für die LeserInnen, die immer mal wieder nachfragen
]
Der Namensbestandteil ‘Osm‘ hat mit ‘Riechen’ zu tun (Osmologie, die Lehre des Riechens) und ‘anthus‘ bedeutet ‘Blüte’, es handelt sich also um den “Duftblüten-Strauch” (bei uns hier in Irland gibt es fast nur die Art Osmanthus delavayi, sie hält etwas Frost aus, die anderen Arten brauchen sehr viel Sommer-Wärme, können beispielsweise am Bodensee wachsen). Dieses Pflanzenparfüm, das aus Dutzenden von Duftmolekülen besteht, gehört zur Grundausstattung der (konventionellen) Parfümherstellung. Kürzlich habe ich die links abgebildete Analyse des Duftes bei der Parfüm-Rohstoffe-Seite Leffingwell gefunden, sie zeigt uns beispielhaft, wie komplex Blütendüfte sind, mit wie vielen Inhaltsstoffen wir in der Aromatherapie zu tun haben. Absolues sind aufgrund des Gewinnungsverfahrens komplexer zusammengesetzt als Destillate, denn auch größere Moleküle werden aus dem Pflanzenmaterial gelöst. Ganze Orchester an fein duftenden Inhaltsstoffen beglücken also unser Nase, die ‘Mini-Moleküle’, die unter einem Prozent vertreten sind, haben höchstwahrscheinlich eine starke Wirkung auf die Psyche, sind sie doch oft Lockstoffe, welche die Insekten betören. Die Anteile unseres “Insektengehirnes” verstehen diese Sprache durchaus noch.
Ich liebe den fruchtigen Duft des kostbaren Absolues des Osmanthus ganz besonders, denn – wie ich erst als Erwachsene entdeckte – lieferte er eines der prägenden Aromen meiner Kindheit in Brasilien. Ich suchte Schatten und spielte unter so einem sehr großen und ausladenden Baum mit meinen Geschwistern, den ich rückblickend eher als eine riesige breitkronige Eiche oder Kastanie einschätzen würde. Das Absolue ist eine psychoaromatische Rarität, das stimmungsaufhellend wirkt, der Fantasie Flügel verleihen kann, Leichtigkeit vermittelt und irgendwie eine Prise farbenfrohen Schillerns in Mischungen hineinzaubern kann. Der ungewöhnliche Duft passt hervorragend zu Vanille, Tonka und fruchtigen Zitrusnoten wie Grapefruit und Mandarine. Interessanterweise besteht Osmanthus-Duft aus circa einem Viertel Ionon, das ist das prägende Molekül des destillierten Irisduftes, der schillernde Regenbogen schwingt also deutlich mit. Zudem weist das auf eine antitumorale Wirkung hin. Auch der so gut verträgliche stimmungsregulierende und antibakteriell wirksame ‘Lavendelalhohol’ Linalool macht circa 25 Prozent des Duftes aus.
Das Motto dieses Öles in der Psycho-Aromatherapie kann lauten: Ich wandle fröhlich, unbeschwert und inspiriert auf kreativen Pfaden. Bei Maienfelser erhält man übrigens ein Osmanthusblütenwasser (Hydrolat) und bei Oshadhi gibt es ein wundervolles Attar of Osmanthus (Osmanthusblüten in Sandelholzöl hinein destilliert), das ich bereits seit circa 20 Jahren besitze, es ist sozusagen “ewig” haltbar. In dieser Baumschule kann man übrigens eine Pflanze bestellen, Samen gibt es hier.
Der zweite “unauffällige” momentane Blüher hier in Südwest-Irland ist der Skimmiastrauch (Skimmia japonica) aus der Familie der Zitrusgewächse (Rutaceae), dessen weiße Blüten ‘maiglöckiger’ duften als Maiglöckchen-Blüten. Das ätherische Öl wird allerdings aus den Blättern des im Himalaja beheimateten Strauches (Skimmia laureola) gewonnen, es duftet eigenartig grün-harzig-minimal-zitrusartig und ist meines Wissens nach nur bei Maienfelser erhältlich. Es enthält gut 55 Prozent Linalylacetat (der entkrampfend wirkende Monoterpen-Ester aus Lavendel), dazu 17% zweier unterschiedlicher Geijeren-Verbindungen, 2,5% Geranylacetat 2% Geraniol sowie etwas Nerol und Citronellol (hier ist eine GC-Analyse zu finden). Das seltene Öl könnte also für antibakteriell wirksame Maßnahmen eingesetzt werden. Den Strauch haben übrigens viele Menschen im Kübel an der Haustür stehen oder wegen der giftroten Beeren auch im Wohnzimmer, allerdings braucht man dafür je ein männliches und ein weibliches Exemplar, da die Pflanze zweihäusig ist. (Abbildung Tabelle links: Leffingwell)
PS Vielen Dank übrigens für die vielen Kommentare und E-Mails zum Beitrag über den ethischen Umgang mit ätherischen Ölen. Da möglicherweise seitens der Eurokraten noch mehr Naturdüfte als Allergene als jetzt schon eingestuft oder gar verboten werden sollen, ist eine risikoarme Verdünnung von ätherischen Ölen (unter 3 Prozent) wichtiger denn je!
iris im buch: geschenktipp #5
Ein Geschenk, das immer gut ankommt, ist ein beduftetes Buch (tja, mal etwas das nicht mit dem Kindle geht
). Man tropft etwas ätherisches Öl auf ein paar Streifen Küchenpapier oder Papiertaschentuch und legt sie so zusammengefaltet an einige Stellen in ein passendes Buch, so dass keine Öleflecken auf dem Papier entstehen. In eine Plastiktüte gut einwickeln und mindestens eine Woche ziehen lassen. Lasst sich für’s kleine Budget auch prima mit Briefpapier machen oder – noch preiswerter und doch effektiv – mit einem Packen buntem Kopierpapier, eventuell in allen Farben des Regenbogens. Ich habe mit dem bedufteten Buch Iris, das ist ein wunderschönes spirituelles Märchen von Hermann Hesse, immer wieder erstaunte Komplimente bekommen. Die Original-Zeichnungen von Peter Dorn in der handgeschriebenen Ausgabe vom Silberschnur Verlag hatte ich vor fast 25 Jahren life gesehen, auf matten Packpapier pastellig gezeichnet sahen sie umwerfend aus, in der gedruckten Version geht natürlich etwas vom Zauber verloren. Doch es fragte schon mal jemand ungläubig: ich bilde mir ein, diese schöne Iriszeichnung duftet…. Das in Alkohol gelöste Irisöl von Primavera ist für diesen Zweck besonders geeignet: es ist erschwinglich, bereits verdünnt und damit nicht färbend und fein-pudrig-holzig-veilchenartig duftend. Ein Tupfer Vanille würde auch noch zum Buch passen (Vorsicht, Papier gut einschlagen, sonst Fleckengefahr, aufpassen auch bei den preiswerteren und nicht so fein duftenden Iris-Absolues). Zitrus- und Nadelöle sind für beduftete Papiere nicht gut geeignet, da sie nach Oxidation, die in so feinen Öleschichten recht schnell erfolgt, unangenehm terpentinig riechen werden.
provence-lavendel in akuter gefahr
Nach dem 1. Aromatherapie-in-der-Psychiatrie-Kongress in Basel, vor ziemlich genau zwei Jahren, fasste ich den Bericht (klick!) von Jean-Claude Richard (Farfalla) zusammen, dass in der Provence die Lavendelproduktion am kollabieren sei, dass eine Krankheit das “blaue Wunder” bedrohe, dass Lavendelöl sich stark verteuern werde.
Kürzlich wurde die erschreckende Verschlechterung dieser (noch lokal wütenden) ökologischen Katastrophe in einem sehr guten Artikel in der Zeitung Die Welt (klick!) zusammengefasst. Die blau-lilafarbenen Felder des beliebten Lippenblütengewächses werden durch eine bakterielle Krankheit bedroht, welche durch winzig kleine Zikaden übertragen wird (Stolbur-Phytoplasma). Durch die Attacke der Mikroben bilden die Pflanzen nur kleine Blüten und verdörren. Das trockene Wetter der letzten Jahre verstärkte das Aufkommen der Krankheit, die im Jahr 2000 erstmals auftrat. Vielerorts mussten deshalb gesamte Bestände vernichtet werden. Danach kann jedoch nicht neu gepflanzt werden, vielmehr müssen 5 Jahre vergehen, bevor an eine Rekultivierung des Bodens mit Lavendel zu denken ist. Man rechnet mit einer weiteren Verschlimmerung der Situation, der Preis für echtes Lavendelöl ist bereits um 30 Prozent angestiegen, Tendenz steigend. Man kann keine Insektizide versprühen, da diese die bestäubenden Bienen töten würden, diese wiederum sorgten bislang für weiteres Einkommen in der kargen Region, sie produzierten reichlich des bekannten Lavendelhonigs.
Zwischen 2005 und 2010 sind auf diese Weise 50 Prozent der Anbauflächen verschwunden, 2005 wurden noch 85 Tonnen ätherisches Öl produziert, inzwischen sind es unter 30 Tonnen. Bulgarien rüstet indessen auf und produzierte im vergangenen Jahr 45 Tonnen Lavendelöl, die Ukraine und China erreichen inzwischen bereits 15 Tonnen pro Jahr.
Leider muss man befürchten, dass dies wieder eine Lektion in Sachen “gierige Plantagen-Landwirtschaft” ist. Diese extrem art-ungerechte Art der Pflanzenkultivierung erfordert reichlichen Einsatz durch Chemikalien zum Wachsen und zum Abwehren von Beikräutern sowie von unerwünschten “Viechern”, sie schwächt die Pflanzen, fördert Resistenzen auf vielerlei Art, welche dann zu verstärkten Bemühungen mit Pestiziden führen können. Irgendwann “freut sich der Dritte”: Irgendein Mikroorganismus nutzt die Immunlücke bei den Gewächsen und labt sich daran. Die grenzenlose Gier, der Erde immer mehr als möglich abzupressen, fordert ihren Tribut.
Vielleicht sollten wir in milden Gegenden Mitteleuropas Kooperativen gründen und lokalen Lavendel destillieren, er wächst vielerorts so schön, ich habe auf der derzeitigen Reise ganz viel wunderschönen Lavendel gesehen, er wird meistens gar nicht geerntet. In Österreich gibt es jedenfalls bereits ein solches Projekt, das Projekt Berglavendel. Und vielleicht sollten wir uns angesichts dieser traurigen Lektion besinnen, auch unsere Nahrungsmittel nicht von billig produzierenden Plantagengiganten zu kaufen, sondern kleine regionale Lebensmittelerzeuger zu unterstützen. Denn BIO ist einfach LOGISCH, so tut es der Erde gut, so tut es uns gut, so tut es den Tieren und Insekten gut. Der Mensch kann ohne Lavendelöl leben, doch ohne Obst und Gemüse wird er nicht weit kommen.
Tausend Dank übrigens an all die lieben und wohlwollenden LeserInnen, die meinen letzten Blogeintrag zum 20-Jahre-Schuljubiläum so nett gewürdigt haben! Auch ansonsten stille Mitleserinnen haben sich ein Herz genommen und etwas geschrieben, das ist des Bloggers Ansporn, genau so noch besser weiter zu machen!
lasea lavendelölkapseln behaupten sich bei posttraumatischen störungen
Es gibt sie doch: Wissenschaftliche Ätherisch Öl-Studien mit und an Menschen! Ich sortiere derzeit meine Berge von wissenschaftlichen Arbeiten zu ätherischen Ölen. Die vorläufige Tabelle mit Studien, welche die antitumorale Wirkung von ätherischen Ölen und/oder ihren Inhaltsstoffen belegen, hat mich selbst überrascht, sie enthält mehr als das Doppelte von dem was ich erwartet hatte. Als wissenschaftlicher Laie und ohne Finanzierung durch eine Firma oder ein Institut, ist es mir (bislang) gelungen, über 120 Studien zusammen zu tragen. Sie wurden alle in renommierten und anerkannten Fachzeitschriften veröffentlicht. Ich erwarte noch mehr, denn ich habe noch gar nicht in den Tiefen meines Archivs gewühlt!
Nun möchte ich auch dem ständigen Vorwurf begegnen, es gäbe ja noch keine Doppelblind-Studien mit und an Menschen, darum sei die Aromapflege/Aromatherapie so unseriös! Auch hier bin ich wieder überrascht, was mein Laien-Archiv hergibt. Auch wenn es ein aufwändigeres Suchen nach der Nadel im Heuhaufen ist als bei den Anti-Krebs-Studien (bei diesem Thema gibt es bereits viel Klarheit), so bin ich auch auf diesem Gebiet bereits bei weit über 100 Studien angelangt. Viele davon sind wirklich so wie ein Wissenschaftler es sich wünscht: randomisiert, doppelblind und kontrolliert - alles gleichzeitig. Viele allerdings auch nur das eine oder das andere – oder nur Einzelfall-Beschreibungen. Und selbst wenn kein nennenswertes Ergebnis nachzulesen ist, findet man immerhin schwarz auf weiß belegt, dass die Naturduftstoffe zumindest keine unerwünschten Nebenwirkung haben – oft von Vorgesetzten von engagierten Pflegenden befürchtet. Alle wissenschaftlichen Arbeiten gemeinsam betrachtet zeigen – trotz immer wieder zu findender Unzulänglichkeiten – das so überaus wichtige und wertvolle Potenzial der Arbeit mit natürlichen ätherischen Ölen.
Eine der ganz wichtigen Studien mit Lavendelöl ist kürzlich – passend zur beginnenden Lavendelblüte – veröffentlicht worden: Lasea ist in einer Phase II-Untersuchung an 50 weiblichen und männlichen Patienten als Medizin bei posttraumatischen Belastungsstörungen identifiziert worden. Die betroffenen Menschen litten an Unruhezuständen (96%), depressiver Verstimmung (98%), Schlafstörungen (92%) oder Ängsten (72%). Die Verbesserungsrate nach 6 Wochen Einnahme einer Lasea-Lavendelölkapsel (80mg) pro Tag betrug: 62 Prozent bei den Unruhezuständen, 57 Prozent bei den depressiven Verstimmungen, 51 Prozent bei den Schlafstörungen und 62 Prozent bei den Ängsten. Somit können diese in jeder deutschen Apotheke erhältlichen Kapseln auch bei Neurasthenie genommen werden, das ist ein extremer Belastungs- und Erschöpfungszustand (im Prinzip ein Burnout). Bei manchen Menschen führt diese Anwendung von Lavendelöl zu milden bis moderaten Magenproblemen wie Aufstoßen. [Uehleke B, Schaper S, Dienel A, Schlaefke S, Stange R. Phase II trial on the effects of Silexan in patients with neurasthenia, post-traumatic stress disorder or somatization disorder. Phytomedicine. 2012 Jun 15;19(8-9):665-71]
Ich persönlich kenne dieses “Aufstoßen von ganzen Lavendelfeldern” auch, es störte mich jedoch nicht besonders und nachdem ich die Kapsel erst einige Minuten vor dem Schlafen einnahm, hat sich das Thema erledigt.
Mein Artikel zur Einführung dieses Medikamentes im Februar 2010 ist übrigens der meist besuchte und meist kommentierte Text dieses Blogs, er ist hier (klick!) nachzulesen. Die dort aufgelisteten Preise beziehen sich auf die unverbindlichen Preisempfehlungen, bei Versandapotheken wie hier (klick!) und sogar bei Amazon (klick!) können die Preise deutlich geringer sein, die Produkte werden oft auch portofrei geliefert, zumindest bei der ersten Bestellung und ab 20 Euro.
paraffine in destilliertem rosenöl
Ich bin noch auf Reisen und möchte dennoch eine Frage beantworten, die immer wieder mal gestellt wird. Im Fachbuch Aromatherapie – Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis von Prof. Dr. Dietrich Wabner stünde geschrieben, dass in natürlichem (destilliertem) Rosenöl Mineralöl enthalten sei. Das steht nicht im Buch! Herr Wabner führt lediglich die (natürlichen) Paraffine bei der Inhaltsstoffe-Liste auf, die tatsächlich im Öl enthalten sind und zumindest früher ein wichtiges Indiz für die Authenzität des Öles sind. Denn bei Kühlschranktemperaturen flocken diese Pflanzenwachse aus und das Öl ‘geliert’. Das haben die Duft-Fälscher inzwischen jedoch auch bemerkt und reichern ihre Synthetiköle mit irgendwelchen billigen Paraffinen an, so dass diese auch bei kalten Temperaturen wackelpudding-artig werden.
Paraffin ist das alte Wort für Gemische aus Alkanen und ein Sammelbegriff für Ketten aus gesättigten Kohlenwasserstoffen (mit der die Summenformel CnH2n+2). Die Übersetzung lautet parum affinis und bedeutet “wenig reaktionsfähig”, also chemisch träge (weil keine Doppelbindungen enthalten sind). Im Gegensatz zu den hoch reaktionsfreudigen Alkenen (die früher Olefine hießen und die Summenformel CnH2n), welche mit ihren vielen Doppelbindung immer auf der Suche nach Reaktionspartnern sind. Monoterpene und Sesquiterpene gehören zu den Alkenen. Es gibt Paraffine in Pflanzen (beispielsweise auch für hochwertige Kerzen eingesetzt), die meisten Paraffine begegnen uns jedoch in billiger Kosmetik (also in fast allen Cremes) und auch im technischen Bereich als Schmier- und Korrosionsschutzmittel.
Einige wundervolle Rosenöle und Mischungen damit kann man im Shop von Professor Wabner (anklicken) kaufen, er kennt seine bulgarischen Lieferanten persönlich, sein Rosenwasser ist eines der aromatischsten Hydrolate, die man weit und breit erwerben kann.
mazerate – ölauszüge mit heilwirkung
Ich bin immer wieder überrascht, wie beim Blog-Schreiben ein Thema zum nächsten führen kann bzw. dass ich durch meine Texte manchmal Fragen entstehen lasse. Zur Frage nach Veilchenmazerat sind die gleichen Regeln zu beachten wie bei vielen anderen Mazeraten; doch zunächst eine Begriffsklärung:
Mazerate sind fette Pflanzenöle, in denen Pflanzen eingelegt beziehungsweise „ausgezogen“ worden sind und die somit mit ihren fettlöslichen Wirkstoffen angereichert sind. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn man relativ große Moleküle lösen möchte, welche bei der Wasser(damp)destillation nicht in das ätherische Öl übergehen, da sie nicht flüchtig sind.
Diese Art der Extraktion kann grundsätzlich von Laien vorgenommen werden, vorausgesetzt es wird peinlich sauber und aufmerksam gearbeitet, so dass das Endprodukt lange hält und ein größtmögliches Wirkungsspektrum enthält.
Da sowohl das Auszugsmedium – das fette Pflanzenöl – als auch das auszuziehende Pflanzenmaterial nicht standardisiert sind, also je nach Ort des Wachstums und Wetterverhältnissen sehr unterschiedlich sein können, benötigt man etwas Fingerspitzengefühl. Drei Grundregeln sind zu beachten:
- Man nimmt soviel Pflanzenöl, so dass die auszuziehenden Pflanzenteile komplett bedeckt sind. Es darf nichts aus der Öloberfläche heraus schauen, da es sonst unter der Einwirkung des Sauerstoffs zu unerwünschten Fäulnis- und sogar Schimmelvorgängen kommen kann.
- Die Pflanzen müssen zwar frisch und sauber sein, jedoch möglichst trocken. Also wird nur bei trockenem Wetter geerntet und nicht zu früh im Morgen(tau). Wenn möglich, Erde, Steinchen und Schmutz nur durch Schütteln, Abbürsten oder Abpinseln entfernen. Muss gewaschen werden, auf sorgfältiges Trocknen achten.
- Der Ansatz muss mindestens einmal täglich bewegt werden, so dass sich Pflanzen und Öl neu durchmischen.
Manche Pflanzen können nach einer gewissen Trocknungszeit eingelegt werden, manche sollten so frisch wie möglich sein. Manche Pflanzen(teile) sollten zerkleinert werden, manche kann man ganz direkt frisch vom Feld/Garten nehmen. Nach der Mazerationszeit von zwischen zwei und sechs Wochen werden die festen Bestandteile abgefiltert, beispielsweise durch ein feines Gazetuch, eine Babywindel aus Stoff oder ein Stück breiter Mullbinde.
Traditionell entstehen diese Auszüge mit Hilfe von starkem sommerlichem Sonnenlicht, dieses kann jedoch das Öl unnötig schnell angreifen, so dass das Mazerat nicht lange hält. Darum nimmt man grundsätzlich stabile Pflanzenöle wie Olivenöl oder Kokosfett, da beide keinen nennenswerten Anteil an oxidationsanfälligen mehrfachen Doppelbindungen in ihren Fettsäuren aufweisen, also weitestgehend aus einfach ungesättigter Ölsäure (Olivenöl) oder Laurinsäure (Kokosfett) bestehen. Der Nachteil ist, dass beide, wenn sie eine hochwertige Qualität aufweisen, jeweils eine starken Eigenduft besitzen.
Natives Sonnenblumenöl ist recht unstabil, Canolaöl (Raps) gehört je nach Qualität auch zu den nicht so ganz stabilen Ölen, Sesamöl enthält zwar genügend mehrfach ungesättigte Fettsäuren, enthält jedoch gleichzeitig etliche selbst erhaltende Antioxidanzien.
Neuerdings wird empfohlen, Mazerate ohne Sonnenlicht auszuziehen, also im Dunkeln. Manche können auch durch einige Stunden währendes schonendes Köcheln hergestellt werden.
Ein wundervolles Buch zum Thema, das mich seit über 20 Jahren inspiriert, ist “Medizin der Erde” von Susanne Fischer-Rizzi. Sie hat es liebevoll zusammengestellt, bevor sie zur Pionierin der Aromatherapie wurde, es ist also inzwischen ein Klassiker.
Im nächsten Beitrag stelle ich einige Rezeptideen für sehr einfach herzustellende Mazerate vor.
veilchenduft in aromatherapie und küche
Veilchen und Iris sorgen gerne für Verwirrung bei Aroma-NovizInnen. Veilchenduft wird aus Iriswurzeln gewonnen und Veilchenblätter-Absolue duftet weder nach Veilchenblüte noch nach Iriswurzel. Das Absolue aus den herzförmigen Blättern duftet eher schwer erdig-grasig-grün. Es wird nur hoch verdünnt eingesetzt, dann entfaltet der Duft seine stimmungsaufhellende und gar erotisierende Wirkung am besten. Wer derzeit stark duftende Veilchen im Garten oder in der Umgebung hat, kann sogar ein Mazerat wagen, die Blüten also in Sesamöl oder Kokosfett einlegen.
Man kann Veilchenblüten hervorragend kandieren und zur Deko auf Süßspeisen verwenden. Sie machen auch “einfach so” eine gute Figur in einem frühlingsfrischen Salat.
Zwei wundervolle Bücher zum Thema Blütenküche wurden von zwei Kennerinnen verfasst. Das kleine aber sehr informative Büchlein von Ursel Bühring passt zum schmaleren Budget: Blütenküche (für mehr Infos auf fett gedruckte Wörter klicken!) Martina Kabitzsch hat ein traumhaftes, ja opulentes Werk zusammengestellt: Von Blüten und Blythen – Der Garten bittet zu Tisch (29,90 Euro), sie gibt auch reichlich und wertvolle Tipps zum Anbau, da sie für ihre Manufaktur für Essbare Blütenprodukte in der Nähe von Berlin vielerlei Blumen anbaut: Von Blythen Manufaktur, wo am kommenden Sonntag der Tag der offenen Tür statt finden wird (hier hatte ich das Buch schon ausführlicher vorgestellt).
An Straßenrändern und in eher halbschattigen, feuchten Gartenecken geht es momentan ganz viele Veilchen, man muss sich allerdings bücken, um in den Genuss des überaus feinen Duftes zu kommen und auch Stellen auswählen, die nicht zu den Hunde-Gassi-Autobahnen zählen. Die winzige Blüte offenbart ihre malerische Perfektion erst bei sehr nahem Betrachten oder gar eine Vergrößerung am Bildschirm.

Frühlings-Geburstagskindern kann man edles fertig gekauftes Veilchenkonfekt oder Veilchensirup verschenken und wenn das nicht genug ist auch Veilchenpastillen lutschen…Oder sich mit einer weitestgehend natürlichen Parfümkomposition von Florascent umgeben: Aromatica Violetta. Etliche Veilchenarten duften übrigens nicht, Viola odorata ist die Duftkönigin unter den unscheinbaren blauen Mini-Blüten.
Babys die Schmerzen und wundes Zahnfleisch in der Zahnungsphase haben, bekommen übrigens von aufmerksamen Eltern oft ein Kettchen mit einer “Veilchenwurzel” umgehängt, beim daran Kauen und Beißen entsteht ein kühlender zarter Schleim, der die Beschwerden besser lindert als das Nagen an Holzbauklötzen, Schnullern und Plastikspielzeug. Diese Ketten werden jedoch aus Iriswurzeln hergestellt.
das absolue der mimose
Da es heute bei vielen von Ihnen/euch närrisch zugeht und bei Karnevalsumzügen (früher zumindest) entzückende Mimosensträußchen zwischen die Kamellen geworfen worden sind, heute ein paar Eindrücke frisch aus Spanien.
Leserin Alberte K. hat mit diesen so wundervoll duftenden Puschelblütchen Gelee gekocht und mir die Fotos zum Zeigen im Blog überlassen, vielen Dank!

Die bis zu 5 Meter hohen Bäume sind streng genommen keine Mimosen sondern Akazien (Acacia dealbata L.), sie sind mit Erbsen, Bohnen und Gartenwicken verwandt (Familie der Fabaceae) und sowohl wind- als auch frostempfindlich. Hier im Südwesten-Irlands hat der Eis-Winter 2010/2011 viele Bäume niedergemetzelt, einer hier in der Nähe wurde dann noch fürchterlich beschnitten, so dass er erst in diesen Tagen anfängt sehr verhalten zu blühen. Zwei Bäume im Park unseres in 10 Tagen zu beziehenden Gästehauses haben den Jahrhundertfrost nicht überlebt, es könnte aber sein dass sie nach einiger Zeit wieder ausschlagen, diese Bäume sind sehr schnittfreundlich und vital.
Der Duft wird mit Lösungsmitteln (Hexan) extrahiert und wird dann eine mehr oder weniger zähe Paste, die mit Alkohol verdünnt werden muss, damit sich der traumhafte Duft gut entfalten kann. Das Absolue enthält ein Palmitinsäure-Aldheyd, dazu Anisaldehyd, Acetophenon und Methylacetophenon. Also eher ungewöhnliche Verbindungen. Es wirkt stark auf die Psyche und gehört zu den absoluten Wohlfühl- und Stimmungsaufhellerdüften. Insbesondere für Menschen die eher ‘dünnhäutig’ sind, die nicht mit Kritik umgehen können und die zart besaitet sind fühlen sich zu diesem pudrig-einhüllenden Duft hingezogen. Der Duft ist auch aus Acacia decurrens erhältlich, und es gibt den ähnlichen Akazien-Duft aus Acacia farnesiana von Farfalla und Maienfelser. Bei Primavera gibt es eine 15-prozentige Verdünnung in Ethanol (Trinkalkohol), die man noch weiter verdünnen kann und wundervoll als Parfüm verwenden kann. Wer sich diesen Frühjahresgruß als (fast) Naturparfüm gönnen möchte, kann sich den traumhaften Duft von Florascent Mimosa gönnen.
Die echte Mimose übrigens, bei der sich auf jede Berührung die zarten gefiederten Blättchen schließen, ist kein Baum, sondern ein südamerikanischer, wuchernder Halbstrauch, blüht violett und enthält für den Menschen giftige Inhaltsstoffe. In meiner Kindheit in Süd-Brasilien bin ich oft diesem kuriosen Unkraut begegnet und habe gerne damit gespielt “wer kann in einer Minute die meisten Blättchen schließen?” etc). Auf Wikipedia kann man in einem Video sehen, wie die Blätter reagieren, in vielen Botanischen Gärten ist das zart aussehende Pflänzchen life zu bewundern.
iris germanica var. florentina: kostbarer duft
Genau am Tag, als die erste Irisblüte im AiDA-Garten die Sonne anblinzelte, kam eine Anfrage bezüglich der verwirrenden Namensgebungen des ätherischen Öles der Iris (mal Iris germanica, mal Iris florentina, mal Iris germanica var. florentina, mal Iris pallida). Auch wollte meine Buchleserin wissen, ob die körperliche Wirkung jener des Rosenöles gleichzusetzen sei und warum in manchen Büchern das hochgiftige Naphtalin als Inhaltsstoff angegeben sei.
Eigentlich habe ich momentan gar keine Zeit, Fragen zu beantworten, doch da Iris mein Lieblings-Duft ist, habe ich mal in meinen Botanik-Büchern geforscht und herausgefunden, dass die Antwort nicht eindeutig ist. Es scheint so, dass Iris florentina eine Unterart der Iris germanica ist (Florentiner Schwertlilie), also korrekt Iris germanica var. florentina geschrieben wird. In meinem seriösesten Nachschlagewerk von der Royal Horticultural Society wird Iris florentina gar nicht aufgeführt. In Wikipedia wird sie als Synonym zu Iris pallida geführt.
Die sehr geschätzte Apothekerin und Autorin des wundervollen Buches “Iris” (Abbildung, gibt es leider nur noch antiquarisch) Christina Kiehs-Glos beschreibt sie allerdings mit Berufung auf Dr. Erny-Rodmann vom Botanischen Garten der Uni Basel als unterschiedliche Arten:
“Iris germanica, Iris florentina und Iris pallida zeichnen sich durch den rhizomartigen Wurzelstock aus, die Ausbildung des Bartes auf den Hängeblättern und den hohen Wuchs. Alle drei gehören daher zur Barbata-Elatior-Gruppe, den hohen Bartiris-Arten.”
Feststeht, dass es unzählige Iris germanica-Hybriden und -Züchtungen gibt, dann also immer ein dritter Name dazugeschrieben wird. Iris pallida könnte laut Christina Kiehs-Glos die “Ur-Mutter” dieser Iris-Gruppe sein. Ihre unscheinbaren Rhizome (Abbildung unten) duften alle, vor allem nach Fermentation. Irisöl wird zwar als ‘Blütenduft’ bezeichnet, ist jedoch ein aus dem knolligen Rhizom gewonnener Duft. Man kann dieses erdige Element neben dem pudrig-blumigen Anteil auch gut riechen. Der Duftstoff Ionon (oder Jonon) wird auch Veilchenduft genannt, auf ihn reagieren Prostatakrebszellen mit Rückzug (zumindest im Laborversuch) – ich habe es an anderer Stelle hier beschrieben. Geraniol in Rosenöl hat jedoch auch antitumorale Eigenschaften.
Die körperliche Wirkung von (destilliertem) Irisöl ist anders als die Wirkung von Rosenöl. Während Rosenöl vor allem aus Monoterpenalkoholen und dem duftprägenden Phenylethanol besteht, ist Irisöl fast nur aus Sesquiterpen-Verbindungen zusammengesetzt. Rose wirkt stark schmerzlindernd (vor allem wenn man das Absolue einsetzt), ausgleichend bis leicht belebend und antibakteriell, Iris wirkt eher auf chronische Probleme, leicht entzündungswidrig, erdend-beruhigend, schleimlösend. Auf der seelischen Ebene sind sie möglicherweise vergleichbar einzusetzen, beide gelten als stark spirituell einzustimmende Düfte und werden darum gerne in der Sterbebegleitung angeboten.
Botanische Namen werden oft nicht korrekt aufgeschrieben, meine Bücher sind da keine Ausnahme. Es gibt ständig Änderungen (alle 5 Jahre), es gibt viele Synonyme, weder wir Autoren noch bei den Ölefirmen kann man immer auf dem Laufenden sein. Es müsste beispielsweise immer Mentha x piperita für Pfefferminze heißen und Rosa x damascena für Rose, das ist jedoch für uns botanische Laien zu umständlich. Auch Lavandula hybrida ist übrigens nicht korrekt.
Zu guter Letzt: Ich habe noch nie gelesen, dass Irisöl Naphtalin enthalten soll (hat jemand bereits davon gelesen? wenn ja, wo?) Jedenfalls sicherlich nicht in einem seriösen Buch. Aromatherapeuten und -Pflegende im deutschsprachigen Raum setzen nur das (extrem teure) Destillat der Iriswurzel ein. Vielleicht enthält das nicht besonders fein riechende, jedoch viel preisgünstigere Absolue bei Billigfirmen diesen mottenabwehrenden Giftstoff als Lösungsmittel???? Kann ich mir jedoch nicht vorstellen. Man sollte und kann das destillierte Irisöl circa 1%-ig dosieren, dann duftet es unglaublich fein-pudrig nach Veilchen. Manche Firmen (Farfalla, Neumond, Primavera) verkaufen es in dieser Verdünnung mit Alkohol, das ist dann bezahlbar. Ansonsten kostet 1 ml (circa 22 Tropfen) beim Marktführer fast 170 Euro!
Sabrina hat in ihrem neuen Vivere-Shop eine wundervolle Mischung aus einem besonderen Lavendel, Mandarine, Vanille und einer Prise Irisöl, das ist derzeit mein Lieblings-Abendöl zum Einschlummern. Ich benütze selten kommerzielle Parfums, doch ein sehr ungewöhnlicher Herrenduft hat es mir vor einigen Jahren angetan, er duftet zunächst interessant holzig und nach Atlaszeder, dann entwickelt sich eine wunderbar pudrige Note nach Iris- und Vanille/Ambratönen: Es ist Dior Homme, meiner Meinung nach eines der Parfüms, die wirklich den Namen verdienen und aus dem Einheitsbrei von “Männerdüften” heraus leuchten, eben mit der ‘Göttin des Regenbogens’, der Iris.
PS Die erste Abbildung aus meinem Garten zeigt eine Iris reticulata; die Bartiris blüht auch im frühlingsmilden Irland erst im Mai und Juni! Übrigens habe ich eben drei antiquarische Exemplare vom wunderschön samtig illustrierten Buch Iris von Hermann Hesse entdeckt, wahre Bücherfreaks, die ein poetisch-spirituelles Märchen schätzen, sollten es sich zulegen! Ich habe seinerzeit, als ich in einem Buchladen arbeitete, einige Original-Zeichnungen von Peter Dorn anschauen dürfen, einfach wundervoll!

