studien zur verringerung von übelkeit mit hilfe von ätherischen ölen


Schule für Aromatherapie Eliane ZimmermannIch bin auf Seminarreise, von München über Dresden haben mich die ätherischen Öle derzeit fast an die französische Grenze nahe des Saarlandes geführt. Mehrfach kamen mir in letzter Zeit Anfragen nach Hilfen bei Übelkeit unter. Sei es als die schreckliche Nebenwirkung von Krebsbehandlungen, als Linderung nach chirurgischen Eingriffen oder auch bei Migräne.

Pfefferminze- und Ingweröl wirken optimal gegen die Übelkeit nach der Narkose oder auch bei starker Medikation (beispielsweise 50 ml Pfefferminzehydrolat und/oder etwas Wodka mit 8 Tropfen Pfefferminzeöl und 2 Tropfen Ingweröl verschütteln und in der Nähe des Gesichtsbereiches zum Einatmen versprühen (nicht in der Nähe der Augen!). Oder Pfefferminze- mit Zitronenöl verwenden, diese Mischung erfrischt und klärt den benebelten Geist, sie ist auch gut als Handspray zu verwenden. Auch das stark krampflösende Basilikumöl kann helfen, eventuell auch mit Zitrone oder Limette gemischt. Man gibt ein bis zwei Tropfen ätherisches Öl auf ein Papiertaschentuch oder Vlies, optimal wäre in der Pflege von verwirrten und sehr kranken Menschen auch der Aromastick (Abbildung oben). Dieser ist aus der englischsprachigen Palliativpflege nicht mehr wegzudenken. Ich weiß allerdings momentan nicht, wo man ihn im deutschsprachigen Gebiet erwerben kann. Auch ein regelmäßige Besprühen des Gesichts-/Nasenbereiches mit Pfefferminzehydrolat kann hilfreich sein.

Es gibt etliche wissenschaftliche Studien zu ätherischen Ölen (und Kräuteranwendungen) bei Übelkeit, die neueste ist von letztem Jahr und aus Malaysia. Sie ist ein Review, also eine Übersichtsarbeit über vorhandene Studien. Darin werden fünf Studien vorgestellt, welche 328 Patienten umfassten, diese erfüllten die Kriterien von seriösen wissenschaftlichen Arbeiten. Die Inhalation von Pfefferminze- und Ingweröl reduzierten Vorkommen und Stärke von Übelkeit und reduzierten antiemetische (Medikamente gegen Übelkeit) Maßnahmen. Lua PL, Zakaria NS. A Brief Review of Current Scientific Evidence Involving Aromatherapy Use for Nausea and Vomiting. J Altern Complem Med 2012, 18(6): 534-40 

Auch in 2012 wurde eine Studie aus den USA veröffentlicht, in der eine Mischung aus ätherischen Ölen bei Übelkeit angewendet wurde: Ingwer, Spearmint, Pfefferminze und Cardamom; Isopropylalkohol wurde als Placebo verwendet. 1151 Personen wurden erfasst, davon entwickelten 303 Personen postoperative Übelkeit. Nach Inhalation der Ölmischung und des Ingweröles alleine zeigten sich signifikante Verbesserungen, jedoch nicht nach Einatmen des Alkohols. Hunt R, Dienemann J, Norton HJ, Hartley W, Hudgens A, Stern T, Divine G. Aromatherapy as Treatment for Postoperative Nausea: A Randomized Trial. Anesth Analg. 2012 Mar 5

eine etwas andere bohne: tonka


Aromatherapie-Kurse Eliane ZimmermannIch verwende Tonkaabsolue (Dipteryx odorata, bei meinen Lieblingsfirmen extrahiert mit Trinkalkohol=Ethanol) das ganze Jahr über, doch in der Adventszeit kommt man nicht drumherum, über diesen traumhaft vanillig-karamelligen Duft zu schreiben. Nachdem dieses fast verbotene Gewürz (der wichtigste Inhaltsstoff verursacht bei Ratten bereits in kleinen Mengen extreme Blutgerinnungsstörungen, jedoch NICHT beim Menschen, wie man inzwischen weiß) wieder in Leckereien verarbeitet wird (ich schrieb hier darüber), kann man mit besserem Gewissen die Anwendung in selbst gemachtem Weihnachtsgebäck empfehlen. Mit viel Freude las ich kürzlich im wunder-wunder-wunderschönen Backbuch Die wunderbare Welt von Fräulein Klein einer inspierenden Bloggerin, dass auch die junge Generation von dieser zauberhaften und stimmungsaufhellenden Zutat weiß.Fräulein_Klein

Noch vor dem zweiten Weltkrieg gehörte die Tonkabohne in die (weihnachtliche) Küche – genau wie die Muskatnuss. Ein Stollen ohne dieses waldmeisterartig schmeckende Gewürz war wie Glühwein ohne Zimt und Nelke. Eine Prise der schrumpeligen südamerikanischen Samen sorgt für tolle vanilleähnliche Würze und wirkt gegen den Dezember-Blues. Tabak wird seit uralten Zeiten damit aromatisiert, der berühmte deutsche Entdecker und Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 -1859) berichtete, dass man in Caracas (Venezuela) die Wäsche damit beduftete. Der bis zu 25 Meter hohe, robinienartige Tonkabaum [Dipteryx odorata (Aubl.) Willd.] wächst im feuchtwarmen, gemäßigten Klima des nördlichen Amazonas in Brasilien, Guayana und Venezuela. Er kommt auch in Nigeria vor und ist ein Verwandter von Erbse und Bohne, gehört also in die Familie der Fabaceae (Hülsenfruchtgewächse).
Wenn die Früchte reif sind, werden sie 24 Stunden in Alkohol (z.B. Rum) eingelegt und anschließend getrocknet. Ich wollte mal von einer deutsch-brasilianischen Freundin einige der sehr keimwilligen Samen per Post geschickt bekommen, um sie in meinem durchaus mild temperierten Duftgarten (oder im Gewächshaus) zu ziehen, doch sie ließ mich wissen, dass es sehr streng verboten sei, keimfähige Ware außer Landes zu bringen!
Nach dem alkoholischen Vollbad werden die braunen Samen fermentiert und werden schwarz, dann steigt der Cumaringehalt auf circa 10 Prozent. Dieser Stoff liegt als 2-O-(β-D-Glucosyl)cumarsäure in der Pflanze gylcosidisch gebunden vor, also sozusagen an ein Zuckermolekül gekettet. Dieses Glykosid wird während des Trockungs-und Welkprozesses unter dem Einfluss einer Glukosidase gespalten und die freie Cumarsäure zyklisiert anschließend zum Lactonring des Cumarins. Cumarin (2H-1-Benzopyran-2-on) ist ein zyklisches Lacton und wurde bereits 1822 aus den Tonkabohnen isoliert. Es ist in kleinen Spuren in diversen Lebensmitteln (Aprikosen/Marillen, Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen) und heimischen Kräutern (Salbei, Dill, Kamille) und auch im Lavendel (-Absolue) enthalten [Loew D, Koch E: Cumarine – Differenzierte Risikobetrachtung mit dem Beispiel eines pflanzlichen Arzneimittels. Zeitschrift für Phytotherapie 2008; 29: 28–36].

Eliane Zimmermann AromatherapieWährend der Fermentation entwickelt sich also der köstliche Cumarinduft nach Waldmeister und gemähten Almwiesen. Wer Tonkabohnen besitzt, kann das weißliche auskristallisierte Cumarin in den “Falten” erkennen. Doch dieser Stoff, ein Phenolabkömmling, welcher vom portugiesischen volkstümlichen Namen der Bohne ‘Cumarú’ abgeleitet wurde, war den Gesetzgebern schon sehr früh ein Dorn im Auge und wurde lange Zeit in Lebensmitteln verboten. Er kann – zumindest im Tierexperiment und sicherlich bei Überdosierung in synthetisch-isolierter Form, bei kontinuierlicher Anwendung Leberschäden bis hin zu Leberkrebs verursachen. Ein ähnliches Problem wie die derzeit immer wieder angeprangerten Zimtsterne mit chinesischem Zimt, der auch Cumarin enthält (dazu gibt es seit September eine aktualisierte Stellungnahme vom BfR).
Das witterungsbeständige rotbraune Holz wird übrigens als Cumaru gehandelt und im Schiff- und Terrassenbau eingesetzt. In Brasilien wird die gemahlene Bohne als Hausmedizin bei Darmkoliken und Menstruationsschmerzen eingesetzt, Indianer aus der Region der Tonkabäume verwenden den alkoholischen Extrakt bei Migräne undMagenschmerzen. In der deutschen Aromatherapie werden schmerz- und krampflindernde Mischungen mit etwas Tonkaextrakt angereichert, insbesondere bei der Behandlung von “aussichtslosen” Krankheiten, um gleichzeitig die Stimmung der Betroffenen etwas aufzuheitern.
Doch zurück zum Weihnachtsgebäck: eine Prise Tonkabohne (sie wird wie eine Muskatnuss auf feiner Reibe gerieben) oder drei bis fünf Tropfen alkoholischer Tonkaextrakt pro 2,5-kg-Stollen darf man getrost als ungefährlich betrachten. Wenn man zu hoch dosiert, schmeckt’s bitter, die Pflanze sagt uns also selbst, wie hoch man gehen darf. Alle Rezepte, in denen (künstliches) Bittermandelaroma vorkommt, können von Tonkaextrakt profitieren, Mohn-, Kokos- und Nusszubereitungen auch. Wer noch das (vergriffene) schöne Buch von Monika Werner “Ätherische Öle” aus dem G&U-Verlag hat, findet ein Stollenrezept auf Seite 168 und 169. Sie beschreibt darin so nett, wie sie jedes Jahr bei Herrn Trautner, einem Konditor in München, ihren ganz besonderen Weihnachtsstollen kaufte, bis er sein Geschäft altersbedingt aufgab und ihr, nachdem sie all ihren Charme spielen ließ, das Rezept übergab. TonkagewürzSie bekam dazu ein mit einem Pulver gefülltes Glas, welches das Geheimnis seines besonderen Stollens enthielt: geriebene Tonkabohne. Das vergessene Gewürz, das auch zum Aromatisieren von feinen Tomatensoßen geeignet ist, war damals so gut wie nicht erhältlich. Heute bekommt man oft preiswerte Tonkabohnen zum Räuchern, diese sind aber nicht unbedingt zum Verzehr geeignet (jedoch als Talisman im Geldbeutel, sie sollen nach brasilianischem Volkglauben dafür sorgen, dass das Geld nie ausgeht). Besser, man kauft sie bei einem Gewürzhändler oder bestellt sie hier. Tonkaextrakt ist in den letzten Jahren sehr teuer geworden, man kann ihn auch kinderleicht selbst herstellen (noch ist Zeit, um so ein Geschenk herzustellen):

  • 50 ml hochprozentiger Alkohol (Rum, Wodka oder ganz geschmacksneutral: Bio-Ethanol)
  • 4-5 Tonkabohnen, evtl leicht angestoßen

in ein Braunglas (Apotheke) geben und drei bis vier Wochen ziehen lassen, danach durch Kaffeefilter seihen, pronto.

PS Hier noch eine wichtige Erläuterung zur häufig gestellten Frage nach Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten von Dr. Erwin Häringer, Arzt für Naturheilkunde in München: Das 7 Dihydroxy-cumarin hat keine Interaktion mit anderen gerinnungshindernden Medikamenten (Marcumar, Warfarin etc.); beim Nagetier und Hund entstehen unter epoxidbildung reaktive Aldehyde, die bei diesen Tieren und nur bei ihnen! leberschädigend wirken. Abbildungen dazu im guten Artikel von Loew in der Zeitschrift für Phytotherapie (siehe Link oben). Danke!

PPS Sabrina hat auch über Tonka & Co geschrieben, vor allem über ihre Kuschelzucker-Rezeptur, hmmmm, hier geht’s zum Artikel.

die fotos – die auflösung


Elane Zimmermann_Aromatherapie_KurseVielen Dank für die vielen Sprüche, Empfindungen, Eindrücke (für die Vergrößerung der Tabelle auf das Bild klicken!)! Ich denke, das erste Bild – übrigens mein Favorit – hat die passendsten Assoziationen bekommen.

Es ist Salvia sclarea, der Muskatellersalbei (in der Schweiz ein weibliches Kraut: die Muskatellersalbei). Das ätherische Öl ist auf der körperlichen Ebene ein(e) wichtiger Helfer(in) bei Menstruationsschmerzen und -Unregelmäßigkeiten, zudem macht es fröhlich, entspannt, fördert die Kreativität, ja es wirkt bei manchen Menschen sogar stark euphorisierend, wie Tisserand in einem Buch warnt. Ich assoziiere mit diesem Bild immer ganz viele ganz helle Comic-Stimmchen, sowas wie Außerirdische, die sich tierisch und ganz lautstark auf einem Jahrmarkt vergnügen.

Foto B zeigt unser Allrounder-Öl, der Helfer für alle Lebenslagen, der Retter in der Not: Lavandula angustifolia, der Lavendel. Die feinen Haare, die auf diesem durch ein Spezialmikroskop aufgenommenem Foto (die anderen Bilder natürlich auch, es sind freilich keine herkömmlichen Makrofotos) fast bedrohlich aussehen, haben zu einigen Irritationen geführt. Jedoch auch das schützende Element des Lavendel wurde mehrfach erwähnt, und die Ruhe und das Zuhause passend zu diese Duft. Auch das schlafende Dornröschen passt gut und natürlich die Schutzfunktion. Der Begriff ‘Symbiose’ drückt vielleicht aus, dass dieses Öl sich mit allen und allem verträgt.

Foto C gibt es im Buch auch in einer Variation, wo die Hülle intakt ist, die Duftmoleküle geschützt und gut verpackt sind. Es handelt sich um Origanum vulgare, Oregano. Etliche Kommentare kann man gut in die Richtung interpretieren, dass es sich um ein mächtiges Öl handelt, es schützt und stärkt, es ist sogar ein wertvoller Kämpfer bei schweren Infektionen (Eiter und Schimmel/Pilzbefall). Es wirkt wärmend, durchblutungsfördernd und anregend (Kaffeebohnen…).

Foto D hat durch die intensive Färbung etwas für Irritation gesorgt, das sehr grüne Heilkraut ist jedoch oft zwischen all dem Grün rötlich, burgund, weinrot gefärbt. Es gibt Kraft, Mut und stärkt Hirn und Konzentrationsfähigkeit (und Fantasie und Entscheidungsfähigkeit). Es handelt sich um Mentha piperita, Pfefferminze. Sicherlich manchmal (bei Überdosierung) wie ein Nashorn, das einem schnell mal die Empfindlichkeit unserer Haut zeigt. Die ersten vier Motive zeigen übrigens recht enge Verwandte, alles Mitglieder der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae).

Foto E wurde öfters mit Geborgenheit, Stärkung und Struktur assoziiert. Auch mit Leckereien und Naschwerk. Es zeigt Zingiber officinale, den stark wärmenden Ingwer, der eine beliebte Zutat für edle Süßwaren ist, der zur ayurvedischen Küche gehört, der in der Erde wächst (Rhizom) und der wegen seiner Schärfe vorsichtig dosiert werden muss, sollte das Öl aus CO2-Extraktion stammen (destillierte Ingwer-Öle sind hautfreundlich, die Scharfstoffe gehen nicht mit Hilfe des Wasserdampfes über in das Öl). In einem alten Buch wurde er, wenn ich mich recht erinnere, zur Vorbeugung von Osteoporose zugeordnet.

Übrigens: da die Adresse der Dame, die das Buch verkauft, nicht zu bekommen ist, werde ich Frau Svoboda bitten, ob die gewünschten Bücher bei ihr direkt bestellt werden können. Ich gebe Bescheid, wenn die Antwort positiv ausfüllt.

unterschätztes ätherisches öl: koriandersamen


Eliane Zimmermann Eliane ZimmermannSowohl in großen Teilen der asiatischen als auch der mexikanischen Küche ist das Kraut des Koriander eine wichtige geschmackliche und dekorative Ergänzung zahlreicher Speisen. Es heißt auch Arabische Petersilie oder Cilantro (nicht wirklich korrekt jedoch weltweit gebräuchlich) und wie bei dem gebräuchlicheren Gewürzkraut können auch die Wurzeln und Samen eingesetzt werden. Der eher abschätzige Name “Wanzenkraut” bezieht sich auf den oft als eigenartig bis ekelerregend-abstoßend empfundenen Duft der Blätter, koris im wissenschaftlichen Namen heißt sogar ‘Wanze’. Die Tierchen riechen anscheinend wie das Kraut und umgekehrt (unter den heute herrschenden Bedingungen hat kaum noch jemand Kontakt mit (Bett-)Wanzen….). Möglicherweise besitzen wir Menschen einen (genetisch verankerten) Abwehrmechanismus auf diesen Insektengeruch, so dass uns die ähnlich gestalteten Duftmoleküle im Korianderkraut in eine Art Alarmzustand versetzen.

In der Aromatherapie haben wir zwei sehr unterschiedliche Düfte zur Verfügung: Einerseits das sehr stechend riechende Öl aus den Blättern dieses Krautes aus der Familie der Apiaceae (Doldenblütengewächse), es enthält vorwiegend aromatische (‘phenolische’) Aldehyde und kann somit hautreizend wirken. Andererseits das ätherische Öl aus den kleinen kugeligen Samen (korrekt: Früchte), es erinnert im Duft eher an Lavendel, da es sogar mehr als jenes reichlich Linalool (75%) enthält. Es wird noch viel zu wenig in der Aromapflege eingesetzt, ja es wird richtig gehend unterschätzt. Dabei ist es relativ preiswert, die Gewinnung zerstört keine wertvollen pflanzlichen Ressourcen, denn das wärmeliebende Heil- und Küchenkraut wächst reichlich und dankbar und es gibt sogar etliche wissenschaftliche Studien zu Wirkungen jenseits der hauptsächlich bekannten carminativen Wirkungen (blähungswidrig).

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEine vor einem Jahr veröffentliche In vitro-Studie aus Portugal konnte zeigen, dass das ätherische Öl aus Coriandrum sativum gegen etliche gram-negative und gram-positive Bakterien einsetzbar ist. Insbesondere dem gefürchteten MRSA kann das Öl zusetzen, aber auch Bakterien, die durch Lebensmittel zu Vergiftungen führen können. Es wirkte lediglich nicht gegen Bacillus cereus und Enterococcus faecalis. Interessant für die ganzheitlich denkenden und pflegenden Menschen ist die Erkenntnis, dass das komplette Öl besser wirkte als der Haupt-Inhaltsstoff Linalool (der im Labor meistens in synthetischer Form vorliegt).

Die per Durchflusszytometrie mit Propidiumiodid vorgenommene Untersuchung der betroffenen bakteriellen Zellmembranen zeigte, dass diese unter Einfluss des ätherischen Öles ihre Zellatmung einstellten. Die elektrische Spannung der Membran (das so genannte Potenzial) war genauso gestört wie die Transporterfunktionen. Domingues F & al: Coriander (Coriandrum sativum L.) essential oil: its antibacterial activity and mode of action evaluated by flow cytometry. The Journal of Medical Microbiology

In einer im März 2011 veröffentlichten brasilianischen In vitro-Studie konnte gezeigt werden, dass Korianderöl eine deutliche Wirkung gegen Candida albicans-Befall in der Mundhöhle aufweist. Es zeigte die beste Wirkung im Vergleich zu den ätherischen Ölen von Allium tuberosum (Knoblauch), Cymbopogon martini (Palmarosa), Cymbopogon winterianus (Java-Citronella) und Santolina chamaecyparissus (Heiligenkraut). Furletti VF & al. Action of Coriandrum sativum L. Essential Oil upon Oral Candida albicans Biofilm Formation. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Vol 2011

Die Zeitschrift für Phytotherapie widmete den Schwerpunkt ihrer ersten Ausgabe 2012 dieser vernachlässigten Heilpflanze, darin wird unter anderem berichtet über die Wirkungen von Koriandersamen gegen

  • MRSA (methycillinresistenter Staphylococcus aureus)
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Bacillus subtilis
  • Salmonella typhosa
  • Campylobacter jejuni
  • Mycobacterium avium
  • β-hämolysierende Streptokokken
  • Staphylococcus aureus

Korianderöl kann auch gegen pathogene (krankmachende) Pilze eingesetzt werden, im Fall von Candida albicans “hemmte das Öl die Biofilm-Bildung durch den fakultativ pathogenen Hefepilz genauso wirksam wie Nystatin und Fluconazol.” Weitere Pilze, welche das Öl gar nicht leiden können sind beispielsweise

  • Aspergillus aegypticus
  • Penicillium cyclopium
  • Penicillium interdigitatum
  • Trichoderma viride
  • Epidermophyton interdigitale
  • Microsporum canis

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIn der aktuellen (Sonder-)Ausgabe der Zeitschrift für Phytotherapie wird von einer Studie berichtet, in welcher es bei 1200 Personen mit Kontaktallergien eine 5%-ige Mischung des ätherischen Öles mit Vaseline (!!!)  zu keiner allergischen Reaktion kam, was aufgrund der 75% Linalool im Öl hätte erwartet werden können, wenn man der aktuellen vorgeschriebenen Deklaration auf Kosmetika glauben würde. (Es wird für Kosmetika die Linalool enthalten gefordert, dass Linalool als Allergen aufgelistet wird.) Bei 40 Probanden wurde 1%-iges Korianderöl im okklusiven Patchtest untersucht und es kam auch nicht zu Unverträglichkeitsreaktionen. Das süßlich-holzig duftende und äußerst verträgliche Öl wird also für Anwendungen bei folgenden Indikationen empfohlen:

Casetti F, Wölfle U, Augustin M, Frank U, Schempp C: Einsatz von Korianderöl in der Dermatologie. Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33 (Suppl. 1). Eine weitere neue Studie aus der Universitäts-Hautklinik Freiburg befasst sich der antimikrobiellen Wirkung von Korianderöl: Casetti F, Bartelke S, Biehler K, Augustin M, Schempp CM, Frank U (2011) Antimicrobial activity against bacteria with dermatological relevance and skin tolerance of the essential oil from Coriandrum sativum L. fruits. Phytother Res 25: 2011 Aug 4., auch ein Artikel der Forscher um Professor Dr. Christoph Schempp vom letzten Jahr zeigt die Heilmöglichkeiten mit diesem Öl auf: Schempp CM, Wölfle U, Rispens JA, Schaette R (2011) Koriander (Coriandrum sativum L.) – ein heilkräftiger und antimikrobiell wirksamer mediterraner Doldenblütler. Der Merkurstab 64 (4):339-345.

Besonders fein duftend finde ich eine Rarität, die durch CO2-Extraktion gewonnen wird, manchmal wird sie bei Feeling angeboten, derzeit befindet sich “nur” das destillierte Korianderöl (Klick auf gefettetes Wort!) im Web-Shop, nachfragen lohnt sich jedoch, da es auch als feines, antioxidativ wirksames Gewürz in der Aromaküche eingesetzt werden kann. Bei der nächsten Amazonbestellung kann auch das feine Korianderöl von Taoasis mitbestellt werden (danke für die kleinen Provisionen an all die engagierten BestellerInnen der letzten Wochen!!! :-) )

Es ist also an der Zeit, diesem wohltätigen “Lavendel auf der Familie der Sellerie-Fenchel-Kümmelgewächsefamilie” mehr Beachtung zu schenken!

erfahrungsbericht über die sanierung von mrsa bei geistig ‘behinderten’ menschen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch hatte die Teilnehmerin einer meiner Aromachemie-Fortbildungen, Pascale Dimmer, gebeten, mal über die Anti-MRSA-Aktivitäten in ‘ihrem’ Wohnheim in Luxemburg zu berichten. Denn ihre Wünsche, Versuche, Fehlschläge, Enttäuschungen, ihre Beharrlichkeit – all das kann anderen Pflegenden Mut machen, im Sinne ihrer PatientInnen und Heimbewohner zu handeln und beharrlich zu kämpfen. Für die Nicht-Pflegenden: MRSA ist einer der ‘Krankenhaus-Keime, die sich zunehmend vor allem in Pflegeinstitutionen breit machen und gegen die es  kaum noch oder in manchen Fällen keine wirksamen Antibiotika (mehr) gibt. Bislang kann nur ein intaktes Immunsystem davor bewahren und und – wie viele wissenschaftliche Arbeiten zeigen konnten – etliche ätherische Öle. Die folgenden Informationen sollte sich auch jeder Privatmensch merken, der vielleicht mal überraschend ins Krankenhaus muss oder zu einem geplanten blutigen Einsatz wie einer Zahnextraktion oder der vorsorglichen chirurgischen Entfernung von Hautaufälligkeiten.

“Ich arbeite seit fast acht Jahren in einem Wohnheim mit fünfzehn geistig schwer behinderten Menschen.

Sobald unsere Leute ins hiesige Krankenhaus mussten, wurden sie vor und nach dem Aufenthalt auf MRSA kontrolliert. Vor ungefähr zwei Jahren wurden alle, Bewohner und Personal, getestet und fünf waren dann positiv. Alle Betroffene wurden mit der Schulmedizin behandelt , die erste Dekontamination blieb bei allen erfolglos. Weitere Dekontaminationen folgten, bei den einen erfolglos, bei den andern nach mehreren Versuchen mit Erfolg. Da unsere Bewohner systematisch getestet wurden, sobald sie einen Krankenhausaufenthalt hatten, bemerkten wir, dass einige oft längere Zeit MRSA frei waren und dann waren sie wieder kontaminiert. Ein Teufelskreis!
Dann musste einer unserer MRSA Patienten an der Hüfte operiert werden, durfte aber natürlich nicht und die Dekontaminationen begannen wieder – erfolglos!
Dazu muss ich sagen, dass unsere Leute nicht isoliert werden. Sie sind hier im Wohnheim zu Hause und ihr Immunsystem ist nicht denselben Strapazen ausgesetzt wie im Krankenhaus. Natürlich wollte ich von Anfang versuchen, den Bewohnern mit der Aromatherapie zu helfen, traute mich jedoch erst nicht, erhielt dann später die Erlaubnis unserer Ärztin.
Zu diesem Zeitpunkt waren nicht alle in unserem Team von der Aromatherapie überzeugt und ich kann nicht beschwören, ob die Dekontamination mit den Ölen ernsthaft durchgeführt wurde. Hinzu kam, dass ich viel zu niedrig dosierte und einfach die falschen Öle benutzte. Auf jeden Fall gelang mir die Sanierung damals nicht. Dann wurde sogar ein Aromatogramm für den betroffenen Bewohner gemacht. Doch mir war es danach nicht mehr möglich, damit zu arbeiten, da der Bewohner dringend operiert werden musste, er kam ins Krankenhaus, wurde dort isoliert und dann mit der Schulmedizin saniert.

Dann letztes Jahr im Juli, begannen wir erneut mit den Dekontaminationen. Drei unserer Bewohner waren MRSA positiv ! Dieses Mal sollte die Schulmedezin nicht eingesetzt werden! Wir wurden von unserer Ärztin und Hygienefachkraft unterstützt!
27.07.2011. Drei Bewohner sind im Rachen, in der Nase und auf der Haut MRSA positiv. Wir benutzten ein 3% Duschgel (1x tgl), 2% Körperöl (2x tgl), 2% Nasenöl (3x tgl) sowie Mundspray (3x tgl) und Raumbeduftung.
Diese Mischungen setzte ich ohne Überprüfung durch ein Aromatogramm, mehr oder weniger aus dem Buch von Professor Wabner ein. Es erfolgten drei Wochen Dekontamination, dann eine Woche Pause mit Kontrollen. Danach war eine unserer Bewohner saniert und blieb es, bis sie leider im November gestorben ist.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy
2.09.2011. Eine zweite Mischung wurde versucht, noch immer wurde kein Aromatogramm gemacht. Nach drei Wochen war der zweite Bewohner auf der Haut negativ, blieb aber in der Nase und im Rachen positiv. Die dritte Person blieb überall positiv.
4.10.2011. Weitere drei Wochen Dekontamination mit derselben Mischung, immer noch ohne Aromatogramm. Der zweite Bewohner blieb auf der Haut negativ, Nase und Rachen positiv. Die dritte Bewohnerin blieb komplett positiv. JETZT WURDE EIN AROMATOGRAMM GEMACHT !!
12.11.2011. Neue Mischungen wurden mit Hilfe von Aromatogrammen gemacht. Die Abstriche drei Wochen später liessen uns alle vor Freude tanzen. Der zweite Bewohner war saniert! Die dritte Bewohnerin leider noch immer komplett positiv, sogar in den Ohren !
19.12.2011. Erneute Dekontamination mit derselben Mischung (nach erneutem Aromatogramm). Der zweite Bewohner wurde nur mit 1% Mischungen, während die dritte Bewohnerin nun mit 5% Mischungen behandelt wurde. Doch auch dieser Versuch bleibt bei ihr erfolglos.
Nun habe ich ihr anhand des neuen Aromatogramms eine leicht veränderte Mischung zusammengestellt. Zusätzlich wenden wir eine 50% Fussohlenmischung an.
Die Ohrenmischung bringen wir mit Ohrenstäbchen soweit wie möglich in den Gehörgang ein*, und reiben zusätzlich noch die ganze Ohrmuschel und hinter den Ohren ein. Wir können die Mischung nicht ins Ohr machen, da ihr Trommelfell nicht mehr intakt ist. Am 20. Februar werden die Abstriche gemacht. Unsere Hygienefachkraft hat den zweiten Bewohner als saniert erklärt und brachte uns ein grosses Lob entgegen.
Auch vom Krankenhaus kam ein grosses Lob. Den sanierten Bewohner behandeln wir trotzdem noch weiter mit, um sein Immunsystem zu unterstützen. Wir alle sind, nach diesem Erfolg, sehr motiviert, weiter mit den Ölen zu arbeiten. Ich selbst habe während diesen vergangenen Monaten viel dazu gelernt, vor allem dass man nicht die Geduld verliert.
Wir haben mit Manuka, Teebaum, Niaouli, Thymian thymol*, Oregano*, Zimtrinde*, Koriander und Bergbohnenkraut* gearbeitet, sowie Zitrusdüfte in der Duftlampe angewendet. Ich kann gerne die Rezepturen schicken aber dies ist wohl sinnlos. Richtig Erfolg hat man nur, wenn man mit den Aromatogrammen arbeitet.
Ich hoffe abschließend, dass ich anderen Pflegekräfte Mut machen kann, sich einfach durchzusetzen und vor allem Geduld zu haben. Ich muss hinzufügen, dass ich und meine Mitarbeiter uns glücklich schätzen können, dass wir mit einer Ärztin zusammenarbeiten können, die uns so gut unterstützt und vertraut. Ohne sie wäre dies alles nicht möglich gewesen. Drückt uns die Daumen , dass wir Ende Februar einen ganz grossen Freudentanz machen können, nämlich wenn auch die letzte Bewohnerin MRSA negativ wäre!”
Pascale Dimmer aus Luxemburg

*Anmerkung: diese Art der Anwendung und diese ätherischen Öle nur unter Verantwortung eine(r) Mediziner(in) vornehmen!

ätherische öle als winterliche stimmungsaufheller


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEs ist Herbst, es ist kalt, es ist feucht. Viel zu früh wird es dunkel. Und mein Griff in den Gewürz- und Teeschrank weist in Richtung Glücksmoleküle. Nach vielen Monaten trinke ich wieder Earl Grey Tee, der mit dem stimmungsaufhellenden Bergamotteöl angereichert wird. Er ist ganz einfach selbst herzustellen: In eine Packung mit preiswertem Bio-Schwarztee (lose oder als Teebeutel) gibt man ein Stück zusammengefaltetes Küchenpapier, auf das man je nach Geschmack zwei bis drei Tropfen Bio-Bergamotteöl getropft hat, lässt es mindestens eine Woche ziehen, ab und zu schütteln oder umschichten kann nicht schaden. Die besonders stimmungsaufhellenden Furocumarine werden ja inzwischen nach und nach aus dem Öl genommen (wenn das Öl als Kosmetikum deklariert ist), also auf unverfälschte Ware (zur Raumbeduftung oder als Lebensmittel) achten. Diese Stoffe verstärken sozusagen die Lichtintensität, das kann gut für die Stimmung sein, kann jedoch auf der Haut für unerwünschte Bräunungen (Pigmentstörungen, Verbrennungen) sorgen, wenn sie zu viel und in Kombination mit bestimmten UV-Strahlen einwirken.

Ich schmunzelte über mich, als ich mich zum wiederholten Mal beim Griff zur Muskatnuss ertappte. Die arme braune ‘Knolle’, musste monatelang einsam und allein im dunklen Schrank verbringen, der Appetit darauf war komplett verschwunden. Nun sind aber die amphetamin-ähnlichen Inhaltsstoffe wieder gefragt, ganz instinktiv und nasengesteuert. Das ätherische Öl dieser Frucht (oder aus dem umhüllenden Macis) hat, in der Duftlampe benutzt, eine anregende Wirkung auf das ZNS (Zentralnervensystem), was zur Förderung der Konzentration, der Kreativität und des Ideenflusses führen kann. Es ist allerdings nur in sehr geringer Dosierung und nur für gesunde Erwachsene geeignet (obwohl der Wirkstoff in Cola-Getränken enthalten war oder noch sein kann). Hier weist die Nase auch den Weg, ein Hauch zu viel und Muskatöl (und auch als Gewürz im Essen) wird bitter und ekelhaft.

Ein verbotenes ätherisches Öl stammt aus den roten Narbenschenkeln einer im Herbst blühenden Krokusart (Crocus sativus L.): Safranöl. Die mühsame Ernte in Spanien (Consuegra in der La Mancha bei Toledo) und im Wallis (beim Örtchen namens Mund) ist sicherlich seit Kurzem beendet. Iran liefert jedoch den Großteil der Jahresernte, circa 85 Prozent. Auch die Türkei und Afghanistan sind Produzenten  des gerne und reichlich verfälschten “Goldes” der Gewürzbasare.

Immer früh am Morgen geht’s auf die Felder, in gebückter Haltung, die Blüten sind zart. Anschließend werden – teilweise in Heimarbeit – drei Fäden pro Blüte gezupft. Eine professionelle Zupferin schafft circa 10 bis 15 Gramm pro Stunde. Aus 200 000 Blüten wird gerade mal ein Kilo des Paella-Gewürzes gewonnen, es hat auf dem Weltmarkt einen Preis von bis zu 1500 US-Dollar. Das besondere Aroma entwickelt sich erst während des folgenden Trocknungsprozesses. So ist es kein Wunder, dass ein Gramm circa 10 Euro im Geschäft kosten wird. Diese Kostbarkeit wurde früher übrigens verwendet, um Gewänder von buddhistischen Mönchen mit dem unverwechselbar-leuchtenden Gelb zu färben.

Der Wirkstoff Safranal, ein Monoterpen-Aldehyd, ist für das Aroma verantwortlich. Ihm werden krampflösende Eigenschaften zugeschrieben, da er als Agonist (fördernd) auf die GABA-A-Rezeptoren wirkt. Ganz ähnlich wie mit Myristicin im Muskatöl hängt es mal wieder von der Dosis ab: Eine kleine Menge wirkt lösend und stimmungsaufhellend, zu viel wirkt schädigend. Vermutlich wird ähnlich wie bei Johanniskrautextrakten die Wiederaufnahme von bestimmten Neurotransmittern (Dopamin und Serotonin) gefördert.

In Tierversuchen und auch bei Experimenten mit Menschen konnte eine vielversprechende antidepressive Wirkung von Safranextrakten nachgewiesen werden. Also “Safran macht den Kuchen gel’ ” singen und ab und zu damit würzen!

Wer mehr zu diesem kostbaren Gewürz nachlesen möchte, dem sei dringend das Buch Gold in der Küche von der “Aromatherapie-Päpstin” Susanne Fischer-Rizzi ans Herz gelegt. Sie gibt auch immer wieder mal Seminare zum goldenen Thema.

PS Ich möchte an dieser Stelle allen UnterstützerInnen danken, für die reichlichen Bestellungen meines neuen Buches (und sonstiger Dinge)!

Ätherische Öle zum essen


Heute mal etwas Leichtes: der neue Rosenjoghurt von Andechser. In der Welt der synthetischen Lebensmittelaromen hebt sich diese Köstlichkeit mit Demeter-Siegel wohltuend von der Masse ab.

Mit einem Tropfen Bio-Rosenöl auf 1 kg Joghurt oder einigen Spritzern guten Rosenhydrolates können Sie natürlich so eine Köstlichkeit im Handumdrehen auch selbst herstellen. Dazu einige Tropfen eines guten natürlichen Vanilleextraktes und etwas Agavensirup und jedes Süßmäulchen wird entzückt sein.

Wussten Sie, dass Sie vermutlich täglich ätherische Öle essen und oder trinken? Diese befinden sich in unterschiedlichen Anteilen in Zwiebeln, Knoblauch und Schnittlauch, in Tomaten und Aprikosen (Marillen), in Sellerie und Ingwer, in Kirschen und Zitrusfrüchten und in Pfeffer, Basilikum, Zimt, Lorbeer, Dill, Petersilie, Fenchel, Thymian und allen bekannten Küchenkräutern und -Gewürzen und sogar in Kaffee und etlichen Limonaden sowie Colagetränken. Die wichtigsten Bestandteile von ätherischen Ölen sind Terpene und Phenolderivate, sie werden zu den Sekundären Pflanzenstoffen (SPS) gezählt und sollten täglich in winzigen Mengen aufgenommen werden. Viele dieser fein duftenden Moleküle wirken in Laborversuchen vorsorglich gegen Krebserkrankungen oder gar bremsend auf Tumore. Zu diesem Thema hat der bekannte Ernährungsforscher Dr. Bernhard Watzl diverse Artikel und (unter anderem) ein hoch interessantes Buch geschrieben: Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln. Foto Joghurt: Andechser

kyphi – die uralte und beruhigende räuchermischung


Auch wenn es jetzt noch sehr sommerlich sein kann, die ungemütlichen Herbst- und Winterabende kommen bestimmt. Ich werde immer wieder nach einer Rezeptur der traumhaft süß-lecker duftenden und beruhigend wirkenden altägyptischen Räuchermischung Kyphi gefragt (auf englisch mehr hier). Da sie eine zeitlang ziehen und reifen sollte, wäre in diesen Wochen ein guter Zeitpunkt, mit dem Mischen anzufangen. Eine Variante mit der “feuchten Methode” lautet: Man mische

  • 200 g Rosinen
  • 3-4 Esslöffel Rotwein
  • 3 Teelöffel sanft geschmolzenen Honigs
  • falls vorhanden circa zwei bis drei Teelöffel klein gehackter Bienenwaben
  • 200 g guter Weihrauch/Olibanum (Boswellia)
  • 100 g Mastixharz (Pistacia lentiscus, Abbildung oben)
  • 100 g Benzoeharz (Styrax tonkinensis oder Styrax benzoin)
  • 25 g Myrrhe (Commiphora myrrha)
  • 50 g getrocknete Wacholderbeeren (Juniperus communis)
  • 15 g Kardamomkapseln
  • 15 g getrocknete Ingwerwurzel
  • 25 g getrocknete Koriandersamen
  • 1 Röllchen Zimtrinde (oder einige Rindenstückchen)

Rosinen in einem Mörser mit dem Rotwein zerstampfen und verrühren, über Nacht ziehen lassen. In einer Schüssel mit dem Honig und den Wabenstückchen vorsichtig vermischen. Die Harze im Mörser gut zerkleinern, in die Schüssel mit den feuchten Zutaten geben und gut unterrühren. Die Gewürze einzeln mörsern und hinzufügen.

Die krümelige Masse auf einem sehr sauberen Küchentuch/alte Stoffwindel o.ä. gut ausbreiten, mit zweitem Tuch abdecken und einige Tage an einem dunklen, warmen Platz aufbewahren. Wenn die Mixtur einigermaßen trocken ist, in einen luftdichten und dunklen Behälter geben, vorzugsweise aus Glas. Vor der ersten Räucherung (1/2 Teelöffel davon auf etwas glühender Kohle) mindestens einen Monat reifen lassen.

erfrischende “aromatherapie”


Seit Wochen haben wir hier in Südwest-Irland fast Mallorca-Wetter, es ist sonnig, hell, sehr warm und der Tiefbrunnen hat genauso Probleme wie die fast leeren Regenfässer. Die trockene Kehle auch. Genau die richtige Jahreszeit, um meiner ehemaligen “Sucht” zu frönen, nämlich ab und zu eine gute Cola zu schlürfen. Ja, das mache ich! Ist doch fast “Aromatherapie” ;-) , schaut selbst die Geschmackstoffe an (die je nach Rezeptur minimal variieren sein können). Kleine Sünden müssen auch mal sein, vor allem wenn frau wildkrautjätend-pausierend aufs Meer schauen darf….

  • 3,50 Milliliter Orangenöl
  • 3,00 Milliliter Wasser
  • 2,75 Milliliter Limettenöl
  • 1,25 Milliliter Zimtkassienöl
  • 1,00 Milliliter Zitronenöl
  • 1,00 Milliliter Muskatnussöl
  • 0,25 Milliliter Korianderöl
  • 0,25 Milliliter Neroliöl
  • 0,25 Milliliter Lavendelöl

Das sind einige der Zutaten für das Konzentrat, das mit Wasser aufgegossen wird. Wer es genauer wissen will, kann sich über die Rezeptur von Open Cola informieren. Der “Süchtigstoff” soll aus dem Muskatöl stammen, genau wie das Küchengewürz kann es reichlich amphetaminartige Moleküle (Myristicin) enthalten, die nach mehr schreien und aufputschend wirken (nicht auf den Blutdurck/Kreislauf sondern auf das ZNS [Zentrale Nervensystem]), vor allem Kinder sind anfällig für diesen Kick. Ich durfte das braune Gebräu als Kind so gut wie niemals trinken, das Verbot kippte allerdings in der Studentenzeit dann ins Gegenteil um.

Der “Mantel” um die Muskatnuss heißt Macis oder Muskatblüte, hat jedoch mit den eigentlichen winzigen weißen und blumig-muskatig duftenden Blüten dieses Baumes nichts zu tun, es gibt auch Öl daraus und auch das milder schmeckende pulverisierte Gewürz. Auf den wundervollen Gewürzseiten von Gernot Katzer befinden sich ganz viele interesante Informationen und Fotos zu diesem Exoten, der jahrelang als Ausgangsstoff für die Herstellung für die Droge “Extasy”  verwendet wurde.

Bessere Körperhaltung und sichereres Schlucken durch ätherische Öle



Die neue Ausgabe vom International Journal of Clinical Aromatherapy * – übrigens eine der besten Lektüren für wissenschaftlich untermauerte Anwendung von ätherischen Ölen – ist kürzlich erschienen und darin fand ich einen spannenden Artikel über Reha-Maßnahmen bei Menschen, die einen Hirnschlag erlitten haben.
Berichtet wird beispielsweise über zwei betroffene Senioren (Mann 86 und Frau 88), die beide Probleme im erschlafften unteren Kopf-/Gesichtsbereich hatten: Hämatome im Mund und damit verbundene Schwierigkeiten bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, gestörte Zungenkoordination, Sprachstörungen. Nach fünf bzw. acht sanften Massagen mit 2%-igem Mandarinen- und Lavendelöl (Citrus reticulata und Lavandula angustifolia) in Mandelöl hatten beide wieder eine wesentlich bessere Kontrolle über die betroffenen Körperfunktionen. Bei einer 46-jährigen Frau mit ähnlichen Problemen und die ständig in der Gefahr stand, ihre dünnflüssigen Mahlzeiten zu aspirieren verhalfen fünf Gesichts-Behandlungen mit Lavendel und Bergamotte (Lavandula angustifolia und Citrus bergamia) und eine Behandlung mit Lavendel und Rosmarin (Lavandula angustifolia und Rosmarinus officinalis) zu einer normalen Nahrungsaufnahme und deutlicherem Sprechvermögen. Die Autorin Paula Mullins beschreibt weitere erfolgreichen Reha-Maßnahmen. Sie erwähnt zudem einige Studien, beispielsweise die Erkenntnis, dass Menthol (Hauptwirkstoff in Pfefferminze- und Ackerminzeölen, Mentha piperita und Mentha arvensis, in dieser Studie in synthetischer, ‘naturidentischer’ Form verwendet) ähnlich wie kaltes destilliertes Wasser den Schluckreflex deutlich verbesserte. Diese Maßnahme empfehlen die japanischen Wissenschaftler bei PatientInnen mit Dysphagie, also bei Schluckproblemen. Denn bei ständigem Verschlucken bzw. durch das Gelangen von Speisestückchen und Speichel in die Luftröhre ist eine große Gefahr von Lungenentzündungen gegeben, die somit reduziert werden könnte. Die Wissenschaftler empfehlen den Betroffenen, vor den Mahlzeiten eine mentholhaltige Pastille zu lutschen (Bonbon, Dragee etc) [Ebihara T, Ebihara S, Watando A, Okazaki T, Asada M, Ohrui T, Yamaya M, Arai H. Effects of menthol on the triggering of the swallowing reflex in elderly patients with dysphagia. Br J Clin Pharmacol 62(3): 369-371]
Dieses Jahr veröffentliche ein Team um dieselben Wissenschaftler eine kleine Beobachtungsstudie an 17 älteren Personen (78 Jahre +/- 6) ohne neurologische Störungen, dass das Riechen von Pfeffer- und Lavendelduft die Stabilität ihrer Körperhaltung bei geschlossenen Augen verbesserte (nicht aber bei geöffneten Augen) [Freeman S, Ebihara S, Ebihara T, Niu K, Kohzuki M, Arai H, Butler JP. Olfactory stimuli and enhanced postural stability in older adults. Gait Posture. 2009 Jun;29(4):658-60]. Denkbar wären also unterschiedliche Pflegemaßnahmen mit Lavendelöl bei PatientInnen, deren Haltung und Körperkoordination aufgrund von neurologischen Vorfällen gestört sind.

* PS Wer mehr über die Fachzeitschrift IJCA lesen möchte, findet hier ein Interview in englischer Sprache mit der Herausgeberin Rhiannon Harris. Sie ist die Ehefrau von Bob Harris, der eine große (kostenpflichtige) Datenbank von wissenschaftlichen Studien über die Wirkungen von ätherischen Ölen führt.