verdünnung, haltbarkeit und verantwortung im umgang mit ätherischen ölen


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDurch die unschönen Meldungen über einen bekannten Versandhandels-Riesen, der mir – dank eurer Unterstützung und Mini-Provisionen – ein regelmäßiges kleines Taschengeld für das Blogschreiben ermöglicht, bin ich in eine Zwickmühle geraten*. Mir ist spätestens vor einem Jahr, seitdem wir das geplante gigantische Käfig-Lachsprojekt in unserer Bucht zu bekämpfen versuchen, klar geworden, dass wir diesem weltumspannenden menschen- und tierverachtenden Moloch kaum noch entkommen können. Selbst ein bekanntes “Naturschutzsiegel” ist in diesen Korruptionssumpf eingebunden. Fast jedes Produkt in Supermärkten ist betroffen: Fleisch sowieso, Wasser und Getränke immer mehr, Fertiggerichte, Süßigkeiten, auch Kosmetika, Putzmittel und so vieles andere sind so gut wie nicht mehr aus ethisch korrekter Herkunft erhältlich. Noch nie gab es so viele Sklaven, also ausgebeutete und geschundene Menschen, wie heutzutage – weltweit und leider auch in mitten unter uns.** Seit einigen Jahren langt eine dieser geldgierigen expandierenden krakenartigen Riesenfirmen zunehmend auch in der deutschsprachigen Ätherische-Öle-Welt kräftig zu. (Nicht nur) mir kommt es so vor, dass sogar die Denkfähigkeit potenzieller Anwender/innen auf eine erschreckende Art vernebelt wird.

Auf mehr oder weniger großen Veranstaltungen sowie per direkte Ansprache durch Distributor/innen werden Unterstützer/innen für dieses System angeworben. Mal mehr und mal weniger penetrant, immer wieder mit Heilsversprechungen und Dosierungsempfehlungen, die langjährig geschulten und erfahrenen Personen die Haare zu Berge stehen lassen. Es wurde beispielsweise schon empfohlen, bei Kopfschmerzen einfach jeweils einen Tropfen des “besonders reinen” Pfefferminzeöles in jedes Auge zu geben, über den Sehnerv werde genau die Stelle des Kopfschmerzes erreicht und so werde der Schmerz dann behoben. Auch bemerkenswert fand ich die Schilderung einer Behandlung, in der man einem Kind mit Schienbein-Schmerzen einige Tropfen Zimtöl eingerieben habe, worauf es angeblich keinerlei Beschwerden mehr hatte. Derzeit sind anscheinend noch einige andere Öle im Trend, die gut seien, um sie IN die Augen zu geben.

Die fachliche Kompetenz der vortragenden und beratenden Personen lässt immer wieder zu wünschen übrig: Es war beispielsweise zu hören, dass ein bestimmtes Öl die Photosynthese der Haut fördere (Photosynthese ist nur Pflanzen aufgrund ihres Gehaltes an Chlorophyll möglich). Manche lernwillige Menschen sind vielleicht auch beeindruckt von der eindrucksvoll klingenden Behauptung, Monoterpene und Sesquiterpene in ätherischen Ölen könnten falsch geschriebene Informationen in der zellulären Erinnerung (DNA) umprogrammieren. Die geäußerte Überzeugung, bis auf Zitrusöle seien alle ätherischen Öle extrem lange oder gar unbegrenzt haltbar, ist nicht nur falsch, sie kann sogar zu schweren Hautreizungen führen, sollten oxidierte Öle auf der Haut von Kund/innen angewendet werden.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieKein Wunder also, dass sich sehr regelmäßig verunsicherte Menschen an mich wenden (und auch an Kolleg/innen). Sie möchten wissen, was es mit den Vergleichen auf sich hat, welche gerne im Zusammenhang mit Verkaufsveranstaltungen geäußert werden: Die beworbenen ätherischen Öle seien reiner als die Öle der Firma XY (es werden dann konkrete Firmennamen genannt). Irritierte Menschen erkundigen sich, wie die fast immer angepriesene “besondere” Destillationsmethode aussehen mag, sie soll für die extreme Reinheit sorgen. Warum diese hochgelobten Öle in therapeutischer Qualität angeboten werden und andere ätherische Öle deutschsprachiger Firmen nicht [diese Aussage ist nach deutscher Rechtsprechung ohnehin nicht rechtens]. Warum auf den Ölen anderer Firmen diese gefährlich anmutenden Gefahrenzeichen aufgedruckt seien, auf den beworbenen Flaschen jedoch nicht (die “braven” deutschsprachigen Firmen richten sich nach den aktuell geltenden Gesetzen). Auch ob es wahr sei, dass die etablierten und renommierten Ölefirmen minderwertige Waren anbieten würden, welche für die Behandlung nicht geeignet seien, will so mancher Öle-Interessent wissen. Der Slogan, Geld zu verdienen und gleichzeitig Gutes zu tun, erscheint diesen fragenden Menschen reizvoll, doch verursacht er bei ihnen gleichzeitig ein mehr oder weniger ausgeprägtes Magengrummeln. Und so wenden sie sich regelmäßig und immer häufiger an uns “alte Hasen”. Ich erwidere gerne, dass schon alleine die Tatsache, dass man sich die Mühe macht, uns anzuschreiben, ein Hinweis sei, dass das Thema STINKT. Dass das verspürte Unbehagen durchaus seinen Grund hat (sonst würde man sich nicht die Mühe machen).

Unsere Branche hat es in gut 25 Jahren leider versäumt, viele der engagierten, hilfsbereiten und ehrlichen Menschen, die gerne mit den duften Helferchen arbeiten und Geld verdienen möchten, zu ernähren. Kaum jemand kann sich in Deutschland und Österreich als Aromaexpert/in oder als Aromapraktiker/in hauptberuflich selbstständig machen. In der Schweiz ist es auch nicht viel leichter. Niemand kann mehr selbst hergestellte Naturdüfte-Kosmetik verkaufen, Menschen auf dem Weg zur Genesung von Krankheiten aromatisch zu begleiten ist zu einer juristischen Gratwanderung geworden. Selbst unter uns Dozent/innen gibt es ganz wenige, die unabhängig, also ganz ohne kontinuierliche Unterstützung von Ölefirmen, sich und ihre Familie ernähren können/konnten. Veraltete Gesetze für die Praxis und immer mehr Restriktionen rund um die Beratung sowie den Verkauf von natürlichen ätherischen Ölen erlauben in vielen Fällen nur nebenberufliches “Aromatisieren”. Eher muss ein Auftreten unter dem “Deckmantel” der Kosmetikerin und des Wellness-Masseurs in Betracht gezogen werden.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIn diese Lücke tritt nun seit einigen Jahren besagte welteroberungsfreudige Großfirma (inzwischen ergänzt durch eine abgespaltene Konkurrenzfirma) mit einer fast bewundernswerten Dreistheit. Da wird fleißig vom Heilen auch schlimmster Krankheiten gesprochen, da werden Mengen für die Behandlung empfohlen, die uns “altmodischen” Aromamenschen eine Gästehaut allein bei der Vorstellung verursacht. Es werden Assoziationen zu christlichen Schriften und Wunderheilungen hergestellt: Jedem sei ja bekannt, dass bereits Jesus kranke Menschen salbte und mit duftenden Ölen heilte. Die ganz speziellen Öle dieser Firmen seien etwas ganz Besonderes, darum sei der Preis über einem Mehrfachen der bekannten deutschsprachigen Firmen absolut gerechtfertigt. Ein Marketingexperte kann zu dieser gelungenen Maßnahme nur gratulieren: Höchste Qualität durch marktunübliche, ja extrem hohe Preise zu suggerieren ist ein genialer Schachzug. Und wenn dann 5 ml (100 Tropfen und mehr) unverdünntes Öl (Oregano, Pfefferminze, Thymian Ct. Thymol, Wintergrün, also keine babyzarten Öle) pro Behandlung auf die Haut der Klienten gegeben werden, kann man zumindest der Gründer der Firma reich werden. Hautreaktionen wie Rötungen und Blasen werden als Erfolg umgedeutet, als eine Art Reinigungseffekt, der helfen solle, Altlasten loszuwerden.***

Was angesichts der hochgelobten angeblichen Super-Qualität und Reinheit jedoch nicht erwähnt wird, ist dass mit dem Anbau dieser Ätherische-Öle-Pflanzen keine (kleinen) Familienbetriebe unterstützt werden, wie es viele der deutschsprachigen Firmen mit viel Hingabe praktizieren. Viel mehr Öle als nötig haben zudem unnötig lange Transportwege hinter sich, sie kommen oft von jenseits des Ozeans. Doch wir haben in Mittel- und Süd-Europa großartige Zitrus-Nadel- und Kräuteröle zur Verfügung, meistens aus behutsam praktiziertem und unabhängig zertifiziertem biologischem Anbau (kbA). Seriöse deutschsprachige Firmen haben zudem sehr hohe Standards bei ihren Qualitätskontrollen, diese Selbstverständlichkeit hängt nur niemand an die große Glocke. Bei der Vermarktung von Anwendungen mit Mengen wie beispielsweise 5 ml unverdünnter ätherischer Öle auf der Haut von ahnungslosen Kund/innen, müssen freilich riesige Plantagen im Spiel sein, auch um den Expansionsdrang der Firma zu befriedigen. Wer schon einmal destilliert hat, weiß welche riesigen Mengen an Pflanzenmaterial in wenigen Tropfen ätherischen Öles stecken. Ein verschwenderischer Umgang mit den kostbaren Pflanzendüften zeichnet meiner Meinung nach eine Haltung aus, die nicht zur Naturheilkunde passt und schon gar nicht zur ganzheitlichen und ehrlichen Arbeit mit (Hilfe suchenden) Menschen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieÜbrigens sind auch die besten ätherischen Öle dieser Welt nicht vor Oxidationsschäden sicher und bergen somit – bei unsachgemäßer Anwendung – ein hautreizendes Potenzial. Egal wie sorgfältig die entsprechenden Duftpflanzen angebaut wurden oder mit welchen WunderDestillen sie gewonnen wurden. Die angebliche ungewöhnliche Haltbarkeit wird jedoch gerne angeführt, um die hohen Preise dieser Öle zu begründen (der Transport aus Übersee mit Zwischenstop in einem europäischen “Lager” sowie die Zollgebühren werden nicht erwähnt). Bei ätherischen Ölen gilt jedoch nach wie vor: Teebaum (Melaleuca alternifolia) ist nur 6-9 Monate nach dem Öffnen “haltbar”. “Haltbarkeit” ist bei ätherischen Ölen eine sehr relative Angabe, damit ist meistens die Verträglichkeit auf empfindlicher Haut und in vernünftiger Verdünnung umschrieben. Beispielsweise verändert der wunderbare antibakteriell wirksame Hauptinhaltsstoff Terpinen-4-ol seine Molekülkonfiguration unter Einfluss von Sauerstoff und bestimmten Wellenlängen des Lichtes und kann dann im ungünstigen Fall zu sehr hautreizenden Peroxiden wie Ascaridol “mutieren”. Selbst mit Lavendelöl muss man umsichtig umgehen, dieses Öl kann leider auch schnell oxidieren und nach einem guten Jahr empfindliche Haut reizen. Nadelöle oxidieren auch mit Vorliebe, wenn sie unter Einfluss von Sauerstoff kommen, genau so Eukalyptusöle, beide Duftgruppen sind auch nur circa anderthalb Jahre  auf der Haut benutzbar. Lemongrass und ähnlich duftende Öle wie Litsea, Zitronenmyrte und Zitronenverbene verwende ich ein Jahr nach Öffnen nicht mehr auf der Haut von Kund/innen, ich verwende sie dann lieber nur noch zur Raumbeduftung. Das enthaltene Citral kann bei empfindlicher und zu Allergien neigender Haut ernsthafte Probleme verursachen. DasThema ‘Haltbarkeit’ hat also wirklich NICHTS mit der angeblichen Reinheit oder einer exorbitant guten und schier unbezahlbaren Qualität zu tun, sondern hängt mit der Reaktion einiger Inhaltsstoffe der Öle mit Sauerstoff und Licht zusammen. Wenn man die Öle benutzt, kommt nunmal Sauerstoff in die Fläschchen, egal wie rein der Inhalt ist. Im Gegenteil, je reiner und naturbelassener, desto empfindlicher können sie sein. Nicht umsonst wird oft der Vergleich mit teuren Weinen gezogen: Diese würde man auch nicht unbegrenzt aufbewahren, nachdem sie einmal geöffnet worden sind. Naturreine und hochwertige Produkte zeichnen sich – anders als Industrie-Massenware – im Allgemeinen durch eine begrenzte Lebensdauer aus.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich sehe mal wieder dunkle Wolken am Naturdüfte-Horizont und es macht mich unglaublich traurig, dass nun durch die oben genannten Behauptungen und Praktiken Gefahren für die Gesundheit von gutgläubigen kranken Menschen lauern. Zwei Jahrzehnte lang haben wir Dozent/innen und Autor/innen den Menschen versucht klar zu machen, dass selbst eine dreiprozentige Verdünnung für manche Patient/innen zu hoch sein kann. Wir haben vielmehr in den letzten Jahren mit 2- und 1-prozentigen Verdünnungen erfreuliche Erfahrungen gemacht (denn diese entsprechen mehr dem Vorkommen der ätherischen Öle in den Pflanzen, also bereits haut- und magenfreundlich “verpackt”). Mir graut vor der Vorstellung, dass solche brachialen Anwendungen durch medizinische Laien und minimal geschulte “Expert/innen” gar einen Todesfall verursachen könnten, beispielsweise durch einen anaphylaktischen Schock  (ich weiß, dieser kann selbstverständlich auch bei zarten Behandlungen durch gut geschulte Personen auftreten, genau so wie bei der Anwendung von Kosmetika oder bei Verzehr von bestimmten Speisen). Zudem drohen “im Falle eines Ernstfalles” noch mehr Restriktionen von Seiten der Gesetzgeber, schnell kann dann der freie Verkauf von unseren duften Naturhelfern der Vergangenheit angehören. Und die engagierte Arbeit von unzähligen Pflegenden wäre in ernsthafter Gefahr.

Ich würde hier nicht darüber schreiben, wenn sich die Anfragen in letzter Zeit nicht gehäuft hätten (auch bei einigen Kolleg/innen, die wir uns das nahende aromatische Unwetter mit großer Sorge anschauen). Ich habe lange gezögert, dies zu tun. Doch die geköderten und verunsicherten Menschen sollten eine Möglichkeit bekommen, sich über eine sichere Form der Anwendung und über transparente und ethisch handelnde Firmen informieren zu können. Ich habe hier allerdings ganz bewusst keine Namen genannt und werde sie auch NICHT nennen (“alte Hasen” der Aromabranche wissen warum). Wer sich über eine sichere und menschen- sowie pflanzenfreundliche Anwendung von ätherischen Ölen informieren möchte, kann dies auf dieser Seite des österreichischen Vereines ÖGwA (klick!) tun. Zudem sollte bei der Arbeit mit anderen Menschen immer der gesunde Menschenverstand beteiligt sein: Eine Körpereinreibung mit dem Inhalt vieler großer Körbe gefüllt mit Kräutern (das entspricht der Anwendung von mehreren Millilitern unverdünnter ätherischer Öle) kann nicht gesundheitsförderlich sein! Mal abgesehen von den Behandler/innen, die bei einer erfolgreichen Praxis dieser Art ständig mit unverantwortlichen Mengen an ätherischen Ölen konfrontiert sind.

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie* Für alle, die meine Arbeit weiterhin ohne den ‘Versandhausriesen’ unterstützen möchten: Bücher können – seit Jahren – selbstverständlich auch über die beiden anderen Bücher-Links hier in der rechten Spalte bestellt werden, und mir wird eine kleine Provision gutgeschrieben; hochwertige Naturkosmetika, Naturtextilien-Mode, Öko-Putzmittel, gesunde Haushaltstextilien und andere umweltfreundliche Produkte können bei Waschbär und Hess Natur bezogen werden, deren Logos sich auch seit Langem in der rechten Spalte befinden. Einfach drauf klicken, bestellen, die Software weiß, von wo der Auftrag kommt und ich bekomme meine “Miniprovision”. ;-) Bei aller Kritik sollte jedoch auch berücksichtigt werden, dass Amazon sehr vielen ‘kleinen’ Händler/innen, die beispielsweise mit ätherischen Ölen und Naturkosmetik handeln, wie beispielsweise Alles Natur Pur, ein gewerbliches ‘Zuhause’ bietet. Zudem hat die Firma bereits erste Schritte zur Besserung eingeleitet.

** Wer erfahren möchte, wie viele Sklaven – also reale Menschen wie du und ich, jedoch wegen unseres Konsumverhaltens geknechtet – man durch sein Konsumverhalten beschäftigt, kann dies mit Hilfe der Website Slaveryfootprint ausrechnen lassen. Aber Achtung, das Ergebnis kann auch bei sehr bewusstem Konsumverhalten schockierend ausfallen und unglücklich machen.

*** Ich kenne und schätze selbstverständlich das (gewünschte) Phänomen der Erstverschlimmerung, auch habe ich in meiner Heilpraktikerausbildung gelernt, dass in der Naturheilkunde manchmal “verletzt” werden muss, um die Selbstheilungskräfte anzuregen (beispielsweise beim Quaddeln). Ich weiß auch, dass man manche ätherische Öle (in bestimmten Situationen) durchaus in höherer Dosierung als üblicherweise empfohlen, einsetzen kann. Doch was ich im privaten Umfeld und mit meiner Familie mache und machen darf, entspricht nicht dem ethischen Verhaltenskodex der gewerblich ausgeübten Arbeit mit ätherischen Ölen. Entsprechend geschulte Ärzte und Ärztinnen setzen ätherische Öle in hohen Dosierungen ein (hauptsächlich in Frankreich), jedoch verfügen sie über entsprechende Erfahrungen und wissen um Gegenmaßnahmen, sollte eine unerwünschte Reaktion vorkommen, zudem sind sie haftpflichtversichert (wie übrigens auch die seriösen Aromatherapeut/innen in Großbritannien, die sich verpflichten, mit einer Verdünnung von maximal 3 Prozent zu behandeln. Und um es abschließend klarzustellen: Ich spreche mich in keinster Weise gegen die Qualität der betreffenden ätherischen Öle aus!

patchouliöl – das beste mittel bei hautproblemen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch recherchiere gerade für einen Artikel für eine japanische Fachzeitschrift, die Redaktion wünscht sich ganz viele Informationen über eines meiner Lieblingsöle. Der unscheinbare tropische Strauch mit den brennesselartigen Blättern stand Pate für mein Firmenlogo: Patchouli, Pogostemon cablin (Benth.). Dieser Name beinhaltet das griechischen Wörter pogos für Bart und stemon für Faden/Staublatt (welche leicht behaart wie viele Teile der Pflanze sind). Es gibt bis zu knapp 100 Arten in dieser Gattung der Lippenblütengewächse, sie wird auf englisch zu den “East Indian mints” gezählt (Indische Minze). Der Name Patchouli kommt aus dem Tamil (Sprache u.a. in Sri Lanka) und bedeutet grün (pachchai) und Blatt (ilai).

Die gezahnten etwas behaarten Blätter werden getrocknet und fermentiert und zu einem dunkelbraunen, im Alter sehr zähflüssigen Öl destilliert. Aufgrund des recht deutlichen Duftes – manche empfinden ihn sogar als penetranten Gestank – findet dieses bestens haltbare und babymilde Öl leider nie den Weg in Pflegeeinrichtungen. In bester Qualität, gut gereift und verdünnt kann man jedoch viele Duftfacetten riechen: blumig, süß, balsamisch. Mit Lavendel (und Vanille) gemischt ist es ein hervorragendes und preiswertes Hautheilungsöl, das fast nie seine Wirkung verfehlt.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

In der Hippiezeit der 1968-Bewegung war dieser Duft (meistens in synthetischer Form) ein riechbarer Protest gegen das Establishment und das Spießertum. Das Thema Abgrenzung spiegelte sich in diesem “Abwehr-Parfüm” wider, auch bei Hautkrankheiten schreit oft die Seele nach Abgrenzung. Das sanfte Patchouliöl kann dabei eine wertvolle Unterstützung sein. Auch auf anderen Gebieten steht einem dieses gutmütige Öl erfolgreich zur Seite: In einer recht neuen japanischen Studie wurde die Empfindlichkeit diverser Grippeviren-Stämme auf einen methanolischen Extrakt von Patchouliblättern untersucht. Der Hauptinhaltsstoff (auch des ätherischen Öles), ein Sesquiterpenalkohol, hat 99,8% der H1N1-Viren den Garaus gemacht (in vitro= Labortests). [Kiyohara H, Ichino C, Kawamura Y, Nagai T, Sato N, Yamada H. Patchouli alcohol: in vitro direct anti-influenza virus sesquiterpene in Pogostemon cablin Benth. J Nat Med. 2012 Jan;66(1):55-61.] Dieses Öl sollte viel mehr eingesetzt werden!

Übrigens rochen vor gut 100 Jahren edle Kaschmir- und andere Wollerzeugnisse immer nach Patchouli, es ist eines der wirksamsten Mottenabschreckungsmittel. Irgendwann wurde dieser Duft dann mit “exotisch, edel und teuer” assoziiert (und auch Billiges damit “aufgewertet”). Zur Abschreckung der gefräßigen Larven, die demnächst wieder auf Beutezug gehen werden, kann man die getrockneten Blätter einfach im Schrank verteilen oder Stoffsäckchen nähen und mit Lavendelblüten und Patchouliblättern füllen. Es gibt sie in guter Qualität beispielsweise von Berk als Räucherware zu kaufen. Die Pflanze gibt es auch im Blumentopf bei Rühlemanns zu bestellen, sie braucht ein sehr warmes Plätzchen im Haus und im Sommer sollte sie draußen stehen dürfen und muss oft gegossen werden. Hier noch eine aktuelle Anekdote: Demnächst erscheint eine He-Man-Figur namens Stinkor, das ist eine Spielzeugfigur des Spielzeugherstellers Mattel. Diese skunk-ähnliche Kreatur wird nach Patchouli riechen….

juniperus virginiana, die edle virginiazeder


 

 

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannDas zederholzartig duftende ätherische Öl der Bleistiftzeder (oder Virginiazeder oder Rote Zeder, Juniperus virginiana) ist nicht so bekannt wie das Öl aus den Holzstückchen der Atlaszeder (Cedrus atlantica). Oder es ist nur indirekt bekannt, da es zum Verfälschen und Strecken des echten (teureren) Zedernöles verwendet wird.

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermanEs besteht fast ausschließlich aus Sesquiterpenen (Cedren) und Sesquiterpenolen (Cedrol) und gehört somit zu den besonders hautmilden oder gar bei Hautrötungen entzündungswidrig wirksamen Ölen. Wie viele andere Holzöle wirkt es regulierend und stabilisierend auf chronische Prozesse und aufbauend nach langen Krankheiten und Erschöpfungszuständen. Auch bei Haarausfall und juckenden Kopfhauterkrankungen ist es einen Versuch wert.

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermanEs ist ein idealer Zusatz in Mischungen, welche “schwere Beine” entstauen helfen sollen, da es den Lymphfluss sanft ankurbelt. Auch hilft das Öl, das Bindegewebe zu entlasten (was beispielsweise bei Entschlackungskuren nützlich ist). Auch können damit Krampfadern und geschwollene Hämorrhoiden gepflegt werden.

  • 40 ml Jojobaöl
  • 10 ml Calophyllum inophyllum-Öl
  • 10 Tropfen Citrus limon, Zitronenschale
  • 5 Tropfen Juniperus virginiana, Virginiazeder
  • 5 Tropfen Cupressus sempervirens, Zypresse
  • evtl 5 Tropfen Mentha piperita, Pfefferminze (besonders im Sommer)

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermanIm Botanischen Garten der wunderschönen englischen Universitätsstadt Oxford lernte ich vor einigen Tagen, dass aus diesem Wacholderbaum ein Wirkstoff gewonnen wird, der in der Chemotherapie gegen bestimmte Tumore eingesetzt wird. Holzstückchen und Kleiderbügel gegen Motten werden meistens aus diesem “Zedern”holz angefertigt oder aus der nahen Verwandten Thuja. Virginiazedernöl ist ein gutes Fixativ für herb-holzig duftende Naturparfums und es ist – bei korrekter Lagerung – sozusagen ewig haltbar.

The essential oil of the red cedar (Juniperus virginiana) consists mainly of sesquiterpenes which means it is an excellent oil in mixtures to treat swollen legs, hemoroids and inflamed skin conditions. Furthermore the tree contains a molecule which is used to manufacture a medication against certain tumors. 

aroma-chemie für dödels und blondinen [teil 3] :D


Nun haben wir bereits gelernt, wie Kohlenstoff seine Bindungen eingeht. Er kann übrigens auch unter sich bleiben, also alle vier Gliedmaßen ausschließlich mit seinesgleichen beschäftigen, also einen Haufen oder eine Kugel oder ein Gitter nur aus Kohlenstoff bilden. Das nennt der Mensch dann Diamant (superharter Edelstein). Oder in einem anderen Fall Graphit (Bleistiftmine). Auch der Ruß von Kamin und Kerze ist so ein Kohlenstoff-Clübchen. Aber wir wollen es ja lieber duftend haben, weiter geht’s.

AiDA AromatherapyKohlenstoff bildet auch gerne Fünfergrüppchen, diese spielen für die belebte Natur und für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. In diesem Fall kommt etwas Gymnastik auf seine Arme und Beine hinzu, denn er bildet in dieser Fünferkette so genannte Doppelbindungen. Zwei seiner Arme verbinden sich mit zwei Armen des kettennächsten Kohlenstoffs. Die restlichen Arme und Beine greifen jedoch zum bewährten Wasserstoff H, wie wir es in der letzten Lektion gelernt haben. AiDA AromatherapyDiese Fünferkette aus Kohlenstoffatomen ist ein spezielles Molekül, das auf den Namen Isopren getauft wurde. Es heißt weltweit so, allenfalls mal mit geringen Abweichungen wie einem Akzent. Ein unter Chemikern ganz berühmter “Ahne” ist der Entdecker der ‘Isoprenregel’ Otto Wallach (1847-1931). Er bekam 1910 den Nobelpreis für Chemie für seine Erkenntnisse im Bereich der organischen Chemie, mit denen erstmalig Qualitätsstandards in der Parfümindustrie möglich wurden. Vieles von dem, was wir heute zum Thema ätherische Öle wissen, haben wir ihm zu verdanken. Natürlich singen auch die Hersteller von synthetischen Düften ein hohes Lied auf seine Forschungsergebnisse.

Diese speziell “zusammengestrickten” Fünferpakete aus Kohlenstoff mit einer Doppelbindung mittendrin sind die Ausgangs-Sets für viele dem Menschen wichtigen größere Moleküle (hoffentlich ist Ihnen noch die Fünferreihe aus dem Einmaleins geläufig!!!!). Zweimal fünf ergibt, ja richtig, zehn und hat in dieser speziellen Konfiguration irgendwann einmal den Namen Monoterpen (auch einfach nur Terpen) erhalten. Weltweit und überall. Monoterpene sind Riechstoffe und werden von der Natur als Lock- und Abwehrstoffe, als antimikrobielle “Kampfstoffe” und als Antioxidanzien eingesetzt. Neuerdings gibt es immer mehr wissenschaftliche Arbeiten, die auch eine antikanzerogene Wirkung belegen, also sind es Stoffe, die Krebs verhindern oder zumindest mindern können). AiDA AromatherapyEs handelt sich um fettlösliche (lipophil) und wasserabstoßende (hydrophob) Moleküle, die den Fetten bzw. Fettsäuren zwar in der Struktur ähnlich sind, aber eben nicht ölig sind.

Der Name Terpen stammt vom Terpentin, das der Maler und Anstreicher benutzt, es ist das destillierte Harz vieler Nadelbäume (anders als Tannennadel oder Kiefernnadelöl in unseren Koffern, welche aus den Nadeln der jeweiligen Bäume destilliert werden). Wenn unsere terpen-reichen ätherischen Öle oxidieren, also alt werden, riechen sie zunehmend nach Terpentin. Sollte also Ihr Zitronen-, Orangen-, Weißtannen- oder Fichtennadelöl irgendwie ans Maler- und Lackierergeschäft erinnern und kaum noch fruchtig oder waldig, gehört es nicht mehr auf Haut und Schleimhaut. Leider sind in natura die Ketten nicht so schön übersichtlich kettig aufgebaut, sondern man muss sie sich im dreidimensionalen Bereich und zudem verschlungen vorstellen, aber grundsätzlich kann man sie auch folgendermaßen visualisieren (und mit Tomaten oder Kastanien so nachbauen):AiDA AromatherapyDie schlauen Isopreneinheiten können aber noch mehr als sich nur zu “verdoppeln”: Fünf mal drei ist fünfzehn und heißt dann in der Fachsprache Sesquiterpen. Es sind also 15 Kohlenstoffatome und drei Doppelbindungen in dieser Kette zu verzeichnen. Alle freien Bindungsmöglichkeiten darüber hinaus sind mit “einarmigen” Wasserstöffchen besetzt. Das ist dann schon ein recht dickes-fettes-schweres Molekül und lässt sich nicht mehr so gerne per Wasserdampf aus den Duftpflanzen raus jagen. Darum kommt es in ätherischen Ölen fast immer nur in Spuren vor, selten in großen Mengen. Viermal fünf, also eine solche Zwanzigerkette, gar ist schon fast unmöglich aus dem Grünzeug mit Hilfe von Wasserdampf zu extrahieren, es heißt Diterpen und ist in unserer Duftwelt schon eine Rarität.

Aus weiterer Multiplikation erstellt die Natur Steroide her, welche die Grundsubstanzen für unsere Geschlechtshormone und auch für die Stresshormone darstellen, sie enthalten dreissig (+/-) Kohlenstoffatome. Und wenn wir unsere Fünfermultiplikation noch weiter betreiben, kommen wir zu den Carotinoiden bzw. auf Vitamin A mit 40 Kohlenstoffatomen in der Kette, pflanzliche Farbstoffe, die genau wie die Monoterpene zu den wichtigen Sekundären Pflanzenstoffen zählen (SPS) und die genauso fettlöslich sind.

AiDA AromatherapyInsgesamt sind über 8.000 Terpene bekannt und circa 30.000 terpenartige (terpenoide) Verbindungen. Man kann als Aromainteressent erahnen, wie wichtig und grundlegend unsere Zehnerkettchen für den Weiterbau zu anderen Substanzen sind. Vielleicht hat die Natur sie deshalb (oft) so unwiderstehlich duftend gemacht, damit wir uns magisch von ihnen angezogen fühlen. Und wie gut, dass wir uns in diesem Kurs (fast) nur mit Zehnergruppen beschäftigen müssen, davon sind auch nur einige wenige für die Duft-Chemie relevant. Für heute gilt: Dritter Lernsatz der Aroma-Chemie: Kohlenstoffketten mit 10 Kohlenstoffatomen und (mindestens) zwei Doppelbindungen heißen Monoterpene. Diese wirken antimikrobiell, antioxidativ, schmerzlindernd und einige davon gegen Krebsgeschwüre. Anders als die oben abgebildete Bausteinkette handelt es sich um verzweigte Moleküle im 3-D-Raum, wie das Beispiel Limonén rechts zeigt (Betonung auf der letzten Silbe!). Davon bald mehr.

dufte schule – wertvolle bereicherung für ein humaneres lernen


Des öfteren wurden in meinen Kursen Facharbeiten zum Themenbereich “Duftes Lernen und Leben mit Kindern” angefertigt. Jedes mal war die Resonanz, dass alle Kinder über eine olfaktorische Bereicherung ihrer Welt begeistert waren. Aber leider manchmal Eltern und/oder ErzieherInnen vorurteilsbeladen, skeptisch und sogar abweisend waren. Wie viel schöner ist die Textaufgabe mit den 10 Zitronen und den 17 Äpfeln, wenn über den Fragen ein feiner Zitrusduft schwebt! Wie viel besser geht es der Grundschullehrerin, wenn sie einer unruhigen Klasse ein paar Tropfen Lavendelöl in der elektrischen Duftlampe kredenzen kann und die Kids kommen – auch zu ihrem eigenen Vorteil – zur Ruhe. Geschichtsunterricht kann mit höhlenartig-erdigen Mischungen aus Vetiver und Patchouli untermauert werden, Geographisches lässt sich besser merken, wenn es nach Indien (Ingwer, Zimt, Kardamom) duftet und die Beschreibung des englischen Königs kann mit Pfefferminze (After Eight, Bratensoße with Peppermint) anschaulicher gestaltet werden. Wie viel schöner wäre Schule, wenn dieses einfach zu handhabende Medium mehr eingesetzt werden könnte! Jeder, der (Bio-)Zitrusfrüchte essen darf bzw. keine Allergien dagegen hat, jeder der an Blumen im Garten schnuppern kann und darf, ohne zu niesen, jeder der Kräuter in Tees und Speisen konsumieren kann, kann davon profitieren. Denn natürliche Öle (höchster Qualität) sind bestens verträglich, wenn sie in vernünftiger Dosierung und frisch eingesetzt werden (mehr dazu weiter unten).

Axel Meyer ist einer der engagierten Pioniere auf diesem Gebiet, das Projekt “Dufte Schule” seiner Firma wurde bereits öfters in der deutschsprachigen Presse beschrieben. Kürzlich erschien sein Buch zum Projekt: Dufte Schule, Kösel Verlag, 16,95 Euro. Ein schönes Geburtstagsgeschenk oder Schulanfangs-Geschenk für Kinder und Eltern, eventuell mit dem passenden Öleset von Taoasis.

Übrigens sollte bei Beduftungsmaßnahmen auf sehr hochwertige und naturreine ätherische Öle geachtet werden, möglichst in Lebenmittelqualität, so wird die Allergiegefahr minimiert. Die Öle sollten nicht länger als ein gutes halbes Jahr nach Öffnen der Fläschchen für diesen Zweck verwendet werden und die Duftlampen/Duftsteine/Diffusoren sollten regelmäßig gründlich gereinigt werden. Probleme mit allergischen Erscheinungen treten erfahrungsgemäß vor allem bei billigen (zB von stark gespritzten Zitrusfrüchten und Kräutern), gepantschten, überalterten und synthetischen (“naturidentischen”) Düften auf.

Kollegin Tina Böhm aus Nord-Deutschland hat mich in diesem Zusammenhang auf einen interessanten Artikel aufmerksam gemacht, in dem über eine erschütternde Studie von 2008 berichtet wird: Drei von vier Kindern sind heutzutage nicht in der Lage, die vier Grundgeschmacks-Arten zu identifizieren. Beim Riechen sieht es nicht besser aus.

orangenöl als lösungsmittel


Beim Ausmisten sind zwei alte Lieblings-Geschirrtuch-Aufhängungsvorrichtungen wieder aufgetaucht. Noch so, wie wir sie vor über 10 Jahren aus der alten Küche entfernt hatten: Die Rückseite war noch mit dickem schaumstoffartigem doppelseitigem Klebeband versehen (das natürlich nicht mehr klebte). Alles Ziehen und mit Messer Kratzen half nichts, das Zeug ging nicht mehr ab. Ich weichte das die schmierige Masse einfach circa 20 Minuten mit 2-3 ml (altem) Orangenöl ein und konnte die schmierige Substanz dann einfach mit dem Messer abnehmen. Mit etwas (altem) Zitronenöl nachpoliert (riecht besser als altes Orangenöl) und die Teile hängen nun wie neu in der Küche!

Umgekehrt ist das eine Lektion in Sachen Sicherheit: Orangenöl löst so genannte Thermoplasten, also eine bestimmte Art von Kunststoff (vermutlich nicht nur diese). CD-Hüllen fallen in diese Kategorie, Kühlschrankschubladen und auch viele Essensverpackungen und Kunststoffgeschirre.

  • Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS)
  • Celluloid (altes Filmmaterial)
  • Polyamide (PA)
  • Polylactat (PLA)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polycarbonat (PC)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polystyrol (PS)
  • Polyetheretherketon (PEEK)
  • Polyvinylchlorid (PVC)

Mit Hilfe der auf den meisten modernen Kunststoffverpackungen aufgebrachten Recycling-Codes kann man sich als Laie ein klein wenig durch den Kunststoffdschungel orientieren.

Zitrusöl also nie pur auf diese Gegenstände geben. Selbst in unseren üblichen Verdünnungen von circa 1 bis 3 Prozent haben wir schon Auflösungserscheinungen bei Quarkpackungen u.ä. beobachtet. Also leckere und gesunde Aroma-Speisen nur in Glas- oder Porzellangefäßen anrühren.

Und im klinischen Bereich Öle in der Nähe von Kunststoffgerätschaften (chirurgische Fäden, Intubierungsmaßnahmen, Inhalationsgeräte etc) nur einsetzen, wenn sicher ist, dass diese die Öle vertragen (es gibt Gefäße und Laborgeräte, die keine Probleme mit ätherischen Ölen haben). Bei der Mundpflege auch berücksichtigen, dass Gebisse aus Kunststoff sind! Es ist leider viel zu wenig bekannt, welche Arten von Kunststoff sich mit welchen Ölen vertragen. Als Richtlinie für Laien kann man jedoch sagen, dass Öle mit einem Anteil an über 10 -15 Prozent Monoterpenen Auflösungserscheinungen verursachen können. Also sind beispielsweise Inhalationen (in Kunststoffgeräten/-gefäßen) mit Rosen- oder Manukaöl sinnvoller als mit Fichtennadel-, Orangen- oder Teebaumöl.

wie flohminze einst die welt eroberte


Man sagt, ohne den Gebrauch von Flohminze oder Pennyroyal (Mentha pulegium) hätten die Engländer nicht ihre Triumphe als Weltumsegler und Kolonialmacht erlangen können. Das Geheimnis der erfolgreichen Seefahrer bestand in zwei heutzutage recht trivial erscheinenden Lösungen für folgende Probleme: 1. Wie kommen Matrosen und Kapitän ohne gesundheitliche Schäden durch Skorbut ans Ziel? 2. Wie kommt man möglichst weit mit möglichst frischen Süßwasservorräten?

Ersteres wurde vor allem durch Kapitän James Cook bis zum – im wahrsten Sinnes des Wortes – bitteren Ende ausprobiert und durchexerziert. Er hatte offenbar die Intuition, ascorbinsäurehaltige Pflanzen ausfindig zu machen und seiner Mannschaft deren Verzehr zu verordnen. Berüchtigt geworden sind seine schier unerträglichen “Kräuterspeisen”, sie führten sogar zu Meutereien.

Zweiteres soll durch das Einlegen von Flohminzeblättern in die mit Trinkwasservorräten gefüllten Fässer möglich geworden sein. So kam das unscheinbare lecker nach Minze duftende Wildkraut zum adligen Namen Pennyroyal, die königliche “Münze”. Flohminze enthält große Mengen des Monoterpenketons Pulegon, und kann so, in großen Mengen genossen, neurotoxisch und abortiv wirken, nicht nur auf Flöhe. Das gilt insbesondere für den Genuss des ätherisches Öles, das darum selten erhältlich ist. Es wirkt, in winzigen Mengen auf den Unterbauch einmassiert, menstruationsfördernd.

Die abgebildete Minze wächst wild in unserer Nachbarschaft, vom Aussehen und ihrem Lieblingsstandort in nassem Grund ist es sicherlich eine Wasser- oder Bachminze (Mentha aquatica hier mit dem Falter Zygaena trifolii, dem Sumpfhornklee-Widderchen), doch im Duft hat sich deutlich das Ketonige, leicht Muffige eingeschlichen, darum vermute ich, dass es sich um eine natürliche Kreuzung mit der Flohminze handelt.

PS. Da ich hier kein öffentlich-rechtliches Wikipedia betreibe, würde ich mich sehr freuen, wenn ich einige mehr meiner regelmäßigen LeserInnen kennen lernen würde. Blogschreiben ist als Medium zum Austausch erfunden worden; von den 300 bis 400 Besuchen dieser Seite pro Tag weiß ich nur von circa 30 Menschen, dass sie hier regelmäßig mitlesen. Wer seid ihr anderen? Berichtet doch mal von euren Erfahrungen mit einem ätherischen Öl oder mit der Aromapflege im Allgemeinen. Welche Themen interessieren euch? Wo macht ihr eure Ausbildungen, welche Bücher über ätherische Öle faszinieren euch? Von welcher Ölefirma seid ihr begeistert? Welche DozentInnen inspirieren und überzeugen euch? Ich möchte auch etwas von euch lernen!

aromatherapie bei schnittwunden


“Die meisten Unfälle passieren im häuslichen Bereich” kann man immer wieder lesen. Stürze von Leitern und Stühlen, Verbrennungen beim Kochen und Handwerkeln sowie Schnittwunden in Küche und Garten gehören sicherlich zu den unfallträchtigsten Meisterleistungen des Menschen. Gestern Abend hat es eine meiner Fingerkuppen erwischt. Beim Unkrautjäten ohne schützende Handschuhe, in einem Gartenbereich, der von unseren Vorgängern vermutlich als Müllhalde verwendet wurde, wie selbst heutzutage bei unzuverlässiger Müllabfuhr im ländlichen Irland noch üblich. Eine Glasscherbe schnitt mir also ein rechtes Stückchen einer Fingerspitze ab. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es fürchterlich blutete und sofort das schmerzende Pochen einsetzte.

In solchen misslichen Situationen freue ich mich immer wie eine Schneekönigin, dass ich ätherische Öle zur Hand habe. Höchstens  zwei Minuten nach Beträufeln der Wunde mit einigen Tropfen Cistrosenöl (Cistus ladanifer, circa 47% alpha-Pinen, 5% Viridiflorol) pur aufgetragen stoppte die Blutung fast komplett. Von Pochen war bald auch fast nichts mehr zu spüren. Heute früh beim Aufstehen habe ich mich aus Versehen leicht auf die Wunde gestützt, so dass sie ganz leicht blutete, noch zwei Tropfen Pfefferminzeöl (Mentha piperita, 45- 50% Menthol, circa 15% Menthon) sowie ein schützendes Pflaster drauf und die Sache ist erst einmal erledigt.

Für die Hausapotheke bitte dran denken, die Öle immer von bester Qualität und für solche direkten Hautanwendungen auch stets “frisch” zur Verfügung zu haben. In diesem Falle sollte das Pfefferminzeöl maximal anderthalb Jahre alt sein und das Cistrosenöl maximal ein Jahr (da es zu circa 60 Prozent aus oxidationsanfälligen Monoterpenen besteht).

Das stark duftende Öl, welches aus den harzig-klebrigen Zweigen dieser hitzeliebenden Mittelmeer-Pflanze gewonnen wird (die nicht mit der Rose verwandt ist), hat eine stark blutstillende und zusammenziehende Wirkung (in Frankreich “la suture aromatique” genannt, die “aromatische Naht”), es kann auch bei übermäßigen Monatsblutungen (3%-ig in Traubenkern- oder Mandelöl verdünnt) auf Tampons gegeben werden. Innerlich eingenommenes Cistrosenhydrolat (circa 10-20 Tropfen auf etwas Wasser oder Saft, 3x täglich, Geschmack sehr gewöhnungsbedürftig) kann bei derartigen chronischen Beschwerden, beispielsweise im Klimakterium, auch kurmäßig drei Wochen lang eingenommen werden. Pfefferminzeöl (nicht zu verwechseln mit “Japanischem Minzeöl” aus Mentha arvensis) hat eine stark epithelisierende, also wundheilende Wirkung. Es brennt übrigens kein bisschen aus Schnittwunden.

Immortelle als “göttlicher” Anti-Ageing-Star


Es sieht so aus, als bekäme eines “unserer” eher therapeutisch eingesetzten ätherischen Öl kosmetischen Modestatus. Das stark würzig-maggi-curry-artig duftende Öl aus Helichrysum italicum (Helios=Sonne, Chrysum=Gold), genannt Immortelle (die Unsterbliche) oder Katzenpfötchen, wird von einer weltbekannte Kosmetikfirma, die auch natürliche Substanzen einsetzt, als “ein Tresor/Schatz der Langlebigkeit bezeichnet. Die Blüten (im Foto die Knospen, gestern fotografiert) sollen die Synthese von Kollagen aktivieren und damit die Konturen neu designen sowie den Teint zum Leuchten bringen. Man beruft sich auf Tests an fast 50 zufriedenen Frauen sowie In-vitro-Tests. Interessant finde ich, dass man den strengen Duft des Öles in dieses Luxuscreme nicht wahrnehmen kann. Eine andere Kosmetikfirma bewirbt die Beauty-Talente des kleinen gelben Strohblümchens vor allem mit der Stärkung des Bindegewebes.

In der klinisch orientierten Aromapflege kennen wird das Öl als mächtiges Mittel gegen Hämatome (“blaue Flecken”), es ist grundsätzlich ein bewährter wertvoller Helfer bei kleinen häuslichen Unfällen, vor allem wenn es mit Cistrosen- und Lavendelöl gemischt wird:

Grundmischung “Unfallhelfer”:

  • 4 ml Lavandula angustifolia
  • 3 ml Helichrysum italicum
  • 3 ml Cistus ladanifer

Nach stumpfen oder blutenden Verletzungen einige (3-5) Tropfen von dieser Mischung pur auf die betroffenen Stellen geben, wenn nötig alle 15 Minuten wiederholen, bis die Blutung gestillt ist oder andere Hilfe eingetroffen ist, bei frischen Prellungen stündlich wiederholen und je nach Schwere einige Tage 3-4 Mal täglich auftragen. Bitte daran denken, dass bei der Anwendung unverdünnter ätherischer Öle diese von höchstmöglicher Qualität sein müssen, nicht viel länger als ein Jahr nach Öffnen der Fläschchen auf der (empfindlichen) Haut angewendet werden sollten und möglichst auch aus kontrolliert biologischem Anbau stammen sollten.

Die besondere Wirkung des Öles wird vor allem den seltenen Diketonen, das sind Sesquiterpenketone mit zwei “ketonigen” funktionellen Gruppen (Ketogruppen), die Italidione, zugeschrieben. Aufgrund dieser Wirkungen wird das Öl in der französichen Aromatherapie gerne als “Super-Arnika” bezeichnet, beide Pflanzen sind übrigens auch eng miteinander verwandt, sie sind beide Korbblütengewächse (Asteraceae, früher Compositae). Auch in zarten Mischungen nach seelischen Verletzungen ist dieses kostbare Öl eine wertvolle Unterstützung. Es wird dann nur in Spuren in fein duftende Mischungen mit beispielsweise Mandarine rot, Petit Grain, Rose, Kamille römisch gegeben.

PS Vielen Dank an Agita, ich wollte es geschrieben haben, vergaß es dann: das Immortelle-Öl für diese Luxus-Kosmetik-Firma wird von Albrecht von Keyserlingk auf über 500 Hektar auf Korsika angebaut und destilliert. Seine Firma liefert auch das besondere Rosmarin Ct. Verbenon und die Korsische Kiefer (Pinus nigra ssp. laricio), besondere Öle, die nur bei wenigen deutschsprachigen Firmen erhältlich sind. Und hier auf Wunsch einer Leserin eine Übersetzung ins Portugiesische:

Parece que um dos óleos etéreos que nós usamos para fins terapêuticos vai ganhar o status de uma moda cosmética. O óleo de Helichrysum italicum (hélios = sol, Chrysum = ouro) com o nome de “imortal” ou “patinha de gato”, que tem um forte cheiro de maggi-curry recebeu de uma produtora mundial de cosméticos (L’Occitane) que usa também substancias naturais, a designação de “tesouro da longevidade. Diz-se que suas flores activam a síntese de colágeno formando novos contornos e aumentando a luminosidade da tez. Se referem a testes com perto de 50 mulheres satisfeitas assim como que a testes in-vitro. Considero interessante que o cheiro forte do óleo não se sente nesse creme de luxo. Outra produtora de cosméticos baseia sua propaganda sobre os talentos de beleza da florzinha amarela, em primeiro lugar sobre o fortalecimento do tecido conjuntivo.
Nas aplicações clinicas da aromaterapia conhecemos o óleo como um forte remédio contra hematomas (“manchas azuis”); em principio é um remédio comprovado para pequenos acidentes domiciliares, principalmente quando é misturado com óleos cistrose e de alfazema.

Mistura “Pronto Socorro” (Recurso para acidentes)

  • 4 ml Lavandula angustifólia (Lavandula)
  • 3 ml Helichrysum italicum  (Imortal)
  • 3 ml Cistus ladanifer (Cistrose)

Em caso de lesões embotadas ou sangrentas aplicar algumas gotas (3-5) desta mistura nos lugares afetados, se necessário repetir de 15 em 15 minutos, até estancar aa hemorragia ou outra ajuda haja chegado, em caso de contusões recentes repetir de hora em hora, e dependendo da gravidade repetir as aplicações 3 a 4 vezes por dia.
Favor sempre lembrar que aplicando óleos etéreos concentrados estes devem ter a melhor qualidade possível,  não devem ser aplicadas a pele (sensível) muito mais de um ano depois de  abrir o frasquinho e, se possível, devem provir de uma cultura biológica garantida.
O efeito especial do óleo se atribui aos raros dicetonas, que são cetonas sesquiterpenas com dois grupos funcionais (grupos cetonicos) – os italidionos. Em virtude destes efeitos o óleo se chama tambem “Super –Arnika” na terapia aromática francesa ; as duas plantas tem um alto grau de parentesco, as duas são calatidiflores (Asteraceae, na terminologia ântica Compositae). Misturas finas deste óleo precioso servem bem no tratamento de “lesões psíquicas”. Nestes casos este óleo se usa em misturas com outros óleos essenciais como por exemplo o óleo de casca de tangerina, o óleo de folhas de laranja, óleo de rosas e/ou óleo da camomila romana (Chamaemelum nobile).

salben rühren


Meistens füllen wir Laien Cremes und Salben, die wir für den Hausgebrauch herstellen, in kleine Glas- oder Kunststoff-Tiegel. Hygienischer ist es jedoch allemal, wenn man Tuben verwendet. So kontaminieren die Finger das kostbare Produkt bei jeder Entnahme nur geringfügig. Im Kurs wurde der Ablauf und vor allem das Zukneifen der Aluminiumtuben geübt.

Eine Gruppe machte eine pflegende Nasensalbe, die zweite Gruppe befasste sich mit einer Lippensalbe, die antiviral wirkt (mit Melissenöl und Calophyllumöl).

Calophyllumöl wird zusammen mit anderen fetten Ölen erwärmt.

Sheabutter wird vorsichtig geschmolzen, sie verleiht den Salben eine fest-schmierbare Konsistenz, zudem wirkt sie enorm pflegend bei trockenen und rauen Hautsstellen.

Das Eingießen des Öles war etwas fummelig, zu Hause arbeitet man besser mit Bechergläsern mit Ausgießer, die Öle erwärmt man eher im Wasserbad (bei großen Mengen dauert das allerdings “ewig”).

Kniffelig ist das Zusammendrücken der Enden der Tuben, zuerst “fädelt” man die zusammengedrückte Tubenseite in einen der Schlitze ein, dann knickt man das ganze nochmals und nochmals. Dicht und sauber!

Schönes zum Ausprobieren zu Hause.

Nach drei Tagen Kurs waren die Nasen ziemlich überfordert!

PS Tuben in Kleinmengen erhält man beispielsweise bei Duft und Schönheit (München, Sendlinger Straße oder per Online-Bestellung), größere Mengen gibt es dort, wo es auch ein riesiges Sortiment an Flaschen und Cremedosen gibt: Rosa Heinz