das traurige ABC – aluminium, brust und carzinome


Eliane Zimmermann Rezepte für selbst gemachte DeosIn der englischen Universität Reading (aus der auch etliche Ätherische-Öle-Studien stammen) forscht eine Frau, die der Kosmetikindustrie sicherlich ein Dorn im Auge ist. Insbesondere der Deodorant-Industrie. Philippa Darbre untersucht hormonähnliche Moleküle, die sich in unzähligen Alltagsgegenständen befinden – von Babyfläschchen bis zu Käseverpackungen – und deren Wirkungen auf die Entstehung und das Wachstum von Tumoren. Sie bemerkte per einfacher Beobachtung, die auch jeder Laie, jede Frau, machen kann, dass Brustkrebs überproportional oft in den achselnahen Regionen (‘Quadranten’) entsteht. Statistisch gesehen müssten diese Tumore fröhlich rundum in der Brust mit ihrem fetthaltigen Gewebe sprießen, tun sie aber nicht. Die wissenschaftliche Begründung, dass sich diese achselnahen, äußeren Quadranten durch besonders dichtes Gewebe, das reich an Lymphbahnen und Milchdrüsen ist, auszeichnen, genügte der Wissenschaftlerin nicht. Insbesondere als sie herausfand, dass in der 30er Jahren Krebs an diesen Stellen eine Häufigkeit von 30 Prozent aufwies und heutzutage bis zu 60 Prozent. Ob dieses nahezu verdoppelte Aufkommen der schrecklichen Krankheit an der Zusammensetzung von Kosmetika liegt und somit vermeidbar wäre? Vermeidung von angeblich sozial unverträglicher Geruchsbildung durch Opferung der Gesundheit? Und das in ‘westlichen’ Ländern, wo es ÜBERALL Waschbecken, Seife und sogar Handtücher gibt – kostenlos!

Philippa Darbre hat Deodorants, insbesondere Antitranspirants (Antiperspirants) im Verdacht. Und jeder Mensch (leider bekommen inzwischen auch Männer Brustkrebs) kann sich selbst seine/ihre Gedanken zu diesem Thema machen und einfach den gesunden Menschenverstand bemühen: Was macht ein Antiperspirant mit 24-, 36- oder gar 72-Stunden-Wirkung an meinem Körper? Ein für viele kleine Moleküle gut aufnahmebereites Gewebe (reichlich Poren und Öffnungen der Schweißdrüsen und Haare/Haarkanäle, die den Weg nach innen ebnen, egal ob sie vorhanden sind ob abrasiert werden) wird tagtäglich mit künstlichen Duftstoffen, Konservierungsstoffen und anderen schillernden Molekülen aus den Laboren dieser Welt traktiert. Viele dieser Substanzen, beispielsweise die teilweise verbotenen Moschusketone, reichern sich dann fleißig im Brustgewebe an (und sind nicht zu knapp in der Muttermilch nachweisbar). Zudem verschließen die typischen Deowirkstoffe wie diverse Aluminiumsalze diesen Weg nach außen, sie unterbinden also ein wichtiges Entgiftungsprinzip des Körpers. Hier bitte mal nachdenken: An diesen Körperstellen soll und muss etwas raus, wird jedoch daran gehindert. Dazu wird ein Cocktail an Chemikalien tagtäglich nachgeliefert, die wirklich nicht dort reingehören (ich schrieb in meinem zweimeist besuchten Blogeintrag [klick!] bereits darüber und biete darin Alternativen).

Die engagierte Wissenschaftlerin konzentrierte sich in ihren Studien auf den circa 25%-ig in den allermeisten Deos enthaltenen Stoff Aluminiumhydroxychlorid (Aluminium Chlorohydrat). Beim Auftragen des Deo reagiert der Wirkstoff mit den Hautzellen, er denaturiert darin enthaltene Eiweiße: Das Aluminium bindet an die Hautzellen und verändert diese dahingehend, dass die Schweißdrüsen dicht machen. Juhu, Ende mit dem lästigen Schwitzen! Dummerweise kann Aluminium ganz ungehindert die Haut durchdringen und ziemlich schnell in Blutbahnen und zu Organen unterwegs sein. Andres beim Essen oder Trinken: Wenn Aluminium über belastete Nahrungsmittel aufgenommen wird, bleibt nur relativ wenig davon im Organismus, weil der Magen-Darm-Trakt recht gut unbrauchbare Fremdkörper erkennen und dann durchzuschleusen kann. Frau Darbre zeigte dies mit einem Dauer-Bad (entsprechend einem monatelangen Gebrauch eines Deos) von gesunden Brustzellen einerseits in Wasser und andererseits in einer Nährlösung mit Aluminiumhydroxychlorid. Diese zweite Gruppe von Zellen verändert sich erschreckend. Und schlimmer noch: Es ist hoch wahrscheinlich dass Aluminiumverbindungen die Tumorzellen zum Wandern anregen, sprich die Metastasenbildung fördern. All das hat der Medizinjournalist Bert Ehgartner im Labor von Philippa Darbre beobachten dürfen und in seinem hervorragenden Blog-Eintrag (klick!) beschrieben – ein Auszug aus seinem neuen Buch Dirty Little Secret – Die Akte Aluminium (klick!). Kürzlich gab es übrigens von Frau Darbres Team eine Aktualisierung zur viel kritisierten Studie zum Parabengehalt von Brustkrebszellen, insbesondere der Konservierungstoff N-Propylparaben wurde überproportional oft in Tumorzellen aus der Nähe der Achselhöhlen identifiziert. Die Kosmetikindustrie wird nun wieder eine Weile damit beschäftigt sein, diese Erkenntnisse als Blödsinn abzustempeln.

Was lernen wir daraus?

  • Öfters mal waschen anstatt dauernd zu sprühen und zu rollen.
  • Öfters mal kein oder ein selbstgemachtes Deo verwenden.
  • Deos von seriösen Naturkosmetikherstellern verwenden.
  • Deos eher auf die Kleidung als auf die Haut sprühen.
  • Lieber Naturkleidung als Synthetikfasern direkt and er Haut tragen. Wollunterwäsche nimmt nur sehr langsam Gerüche an und kann sogar durch Lüften entmüffelt werden.
  • Auf Deopackungen nach dem Wort ‘Aluminium-xxx’ fahnden und diese links liegen lassen.
  • Nur an heißen ‘Kampftagen’ solche Deos einsetzen und dann die Haut wieder erholen lassen.
  • Lernen dazu zu stehen, dass Gesundheit vorgeht und dass ein kleiner Schweißgeruch-Unfall nichts Schlimmes ist (solange man sich regelmäßig wäscht…)

Hier mal wieder ein Rezept für ein schnell gemachtes Sprühdeo (muss geschüttelt werden und kurz angetrocknet werden, bevor man sich anzieht, also bitte eine Extraminute bei der Morgentoilette einplanen!) In eine 50-ml-Sprühflasche geben wir:

  • 25 ml Rosenhydrolat (enthält – wenn es ein natürliches Produkt aus der Rosendestillation ist – unter anderem gut verträglichen und bakterienvermindernden Phenylethanol, dazu Citronellol, Geraniol und Nerol, welche nachgewiesenermaßen präventiv und antitumoral wirken)
  • oder ein anderes Hydrolat wie Salbei-, Zypresse- oder Nerolihydrolat
  • 25 ml Wodka (40% Alkohol; wird auch bakterienhemmend und hilft beim Verdunsten nach dem Auftragen)
  • 1-2 Messerspitzen Natron (=Natriumhydrogencarbonat; für ein paar Cents aus dem Backregal im Supermarkt erhältlich, sprudelt zunächst etwas bei Kontakt mit Wasser/Hydrolat)
  • 15 Tropfen Limetten-, Bergamotte- oder Zitronenöl oder anderer Zitrusöle, diese sind reich an Limonen, welches nachgewiesenermaßen präventiv und antitumoral wirkt (jedoch nicht im Solarium benutzen)
  • je 2 Tropfen natürliches Lavendel-, Rosengeranien- und Bergamotteminzeöl, möglichst aus zertifiziertem k.b. Anbau; oder andere ätherische Öle, die reich an Monoterpenolen wie Linalool, Geraniol, Terpineol etc sind (Rose, Petit Grain, Neroli, Palmarosa etc), diese wirken laut etlichen Studien antitumoral
  • 2-3 Tropfen Salbei- oder Zypressenöl, wirken schweißregulierend
  • nach Wunsch noch 5 Tropfen Vanille- und/oder Tonka-Alkoholextrakt, duften lecker und wirken appetitregulierend und stimmungsaufhellend
  • bei sehr trockener oder empfindlicher Haut können einige Tropfen Bio-Jojobaöl zugefügt werden

Eliane Zimmermann Naturdeo-RezepteVon den unzähligen Natur-Deos die ich bereits ausprobiert habe, hat mich bislang ‘Daily Pleasure’ von Farfalla am meisten überzeugt – im fein-frischen Duft und in der Wirkung. Es hält etwas länger frisch als die bei vielen Naturdeos üblichen drei bis vier Stunden – und nach dieser Zeit garantiere ich für einen Wasserhahn, der Ihnen hundertprozentig irgendwo über den Weg läuft! Von den knapp 12 Euros, die dieses Produkt kostet, darf man sich übrigens nicht irritieren lassen, die Flasche ist nicht – wie fast alle anderen Deoflaschen – größtenteils mit Treibgas gefüllt, sondern bis zum Schluss ist der gesamte kostbare Inhalt benutzbar. Und man kann sie anschließend wunderbar für eigene Raum- und Körpersprays recyclen.

PS. Bei Wadi – Professor Dietrich Wabner – gibt es in der Weihnachtsaktion (bis Ende Dezember) das alkoholfreie Bio-Rosenhydrolat aus Bulgarien zu einem unschlagbar günstigen Preis (zB 1 Liter 24 Euro)

die schüttelsalbe


AiDA Aromatherapy Eliane Zimmermann

Ich gehöre ja nicht zu den geduldigen Zeitgenossen. Und Nein Sagen fällt mir schwer (obwohl ich kürzlich ein Angebot eines kurzen super bezahlten Vortrages in Japan abgesagt habe: einen gaaaanzen Tag im Flieger sitzen – 40 Minuten reden - einen gaaaanzen Tag im Flieger sitzen). So kam dieser Tage die Bitte nach einer Zaubersalbe bei einem seit Jahren vorkommenden Hautproblem. Immer bei größeren Temperatur-Umschwüngen wird die Haut an einigen Stellen, vor allem der Hände, bräunlich, extrem schmerzempfindlich, platzt eventuell sogar auf. Ich war schon fast auf dem Weg nach Prag. Also schnell eine Schüttelsalbe gemacht.

aromasalbe selbermachen AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannIn einer gut schließenden Creme/salbendose naturbelassene Sheabutter (Bezugsquelle hier klicken!), zwei erbsengroße Tupfer Aloe vera-Gel und drei Spritzer Rosenhydrolat schmelzen – wir heizen tagsüber nicht, also machte ich es geschwind im Wasserbad, auf dem Heizkörper ginge es noch schneller. Mit Jojobaöl und Rosa mosqueta-Öl (Wildrose) auffüllen (circa 1/3 der Gesamtmenge). Gut schütteln, vorher Deckel gut drauf schrauben!!!! Sonst gibt es Flugsalbe! Ans Beschriften denken!

naturkosmetik selber machen eliane zimmermann

Ätherische Öle hinzufügen, wichtig erschienen mir vor allem Karottensamen (hallo Christine!!! klick für mehr Infos über die Wilde Möhre), Patchouli und Rose (für undefinierbare Hautprobleme fast immer erfolgreich):

  • 3 gtt Daucus carota, Karottensamen
  • 3 gtt Pogostemon cablin, Patchouli
  • 1 gt Rosa damascena, Rose türkisch destilliert
  • 1 gt. Lavandula angustifolia, Lavendel
  • 1 gt. Helichrysum italicum, Immortelle

Das ganze hat keine 10 Minuten gedauert, schneller als in die Apotheke fahren ist das allemal. Und möglicherweise effektiver, das wird sich aber noch zeigen.

PS Die Abkürzungen gt und gtt kommen aus der alten Apotheker-Rezeptursprache und beziehen sich auf den lateinischen Begriff gutta (Einzahl) und guttae (Mehrzahl). Handschriftlich und mit alten Bleilettern wurden die beiden tt als so genannte Ligatur geschrieben/gesetzt, wie ein einziger Buchstabe. Wenn Rezepturen zum Herstellen von Medikamenten notiert wurden – vor noch gar nicht so langer Zeit gab es keine oder kaum Fertigmedikamente – wurden sie schnell und einfach statt des oft wiederkehrenden langen Wortes ‘Tropfen’ aufgeschrieben.

PPS: Eine Variation dieser Salbe ist bei Christine entstanden: hier klicken.

studien mit ätherischen ölen bei candida und anderen pilzinfektionen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyNach meinem Artikel über die Vorbeugung von Mukositis bei Bestrahlungstherapien, welcher Gegenstand eines wunderbaren Vortrages auf der Botanica2012-Konferenz in Dublin war, habe ich heute meine Aufzeichnungen gesichtet und berichte euch von weiteren Erkenntnissen, die man auf dieser internationalen Versammlung von Aromatherapie-Fachleuten erfahren durfte (die Konferenz-Proceedings sind immer noch in Arbeit, da die Veranstalterin in der Zwischenzeit in den USA unterrichtete und derzeit in Japan weilt; sobald diese zu erwerben sind, gebe ich Bescheid).

Kaum jemandem in Europa ist bekannt, das die japanische Aromatherapie-Szene sehr groß und aktiv ist, die Forschung mit ätherischen Ölen ist sehr weit fortgeschritten im Land der aufgehenden Sonne. In diesem Bereich sind jedoch die Sprachbarrieren noch größer als bei der oft fehlenden Übersetzung von englischsprachigen Texten ins Deutsche. Da ich ab und zu etwas für die renommierte japanische Fachzeitschrift Aromatopia schreibe und dann Belegexemplare geschickt bekomme, erhalte ich eine winzige Ahnung davon, welche hochkarätigen Autoren über die anspruchsvollsten Themen berichten. Leider sind es auch für mich weitestgehend nur unendlich viele Seiten voll mit Hieroglyphen.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyUmso schöner war es, dass die Forscherin Naho Maruyama von der Teikyo University (Institute of Medical Mycology) nach Dublin kam und einen überaus dichten und ausführlichen Vortrag über die neuesten Erkenntnisse bezüglich der Anti-Pilz-Wirkung von ätherischen Öle berichtete. Ihr in Japan auch sehr bekannter Kollege, der Forscher Shigeru Abe war zwar angekündigt, konnte jedoch nicht kommen, es wurde zudem berichtet, dass einer der ganz großen und überaus engagierten Ätherisch-Öl-Forscher Japans, Dr. Shigeharu Inoue, am 19. Mai 2012 im Alter von 81 Jahren verstorben ist.

Fünf Sätze, die Frau Maruyama sagte, fand ich bemerkenswert:

  1. Ätherische Öle wirken aus der Sicht ihres Forschungsteams stärker antimykotisch (gegen Pilze) als antibakteriell.
  2. Ätherische Öle sind aufgrund ihres niedrigen Molekulargewichts oft wirksamer als herkömmliche antimykotische Medikamente/Salben, deren Moleküle zu groß sind, um beispielsweise gut in das Nagelbett und in die Tiefen der (Fuß)Nägel einzudringen. In manchen Fällen sei eine Kombination aus beiden Ansätzen sinnvoll.
  3. Ätherische Öle können verhindern, dass der Pilz sich vom Entwicklungsstadium der Hefe in das fadenförmige, sich unkontrolliert ausbreitende Stadium der Mycelien übergeht. Oft muss man sich mit diesem “In-Schach-Halten” der Pilzinfektion zufrieden geben, oft ist die Infektion nicht wirklich zu heilen. [Wer sich mit dem "Liebesleben" der Pilze und Hefen beschäftigen möchte, kann dies hier und hier tun, das ist eine Wissenschaft für sich.]
  4. In hohen Konzentrationen wirken ätherische Öle antimykotisch, in niedrigeren Konzentrationen wirken sie gegen das Mycelienwachstum (leider wurden diese Mengen nicht spezifiziert).
  5. Ätherische Öle wirken in Kombination mit Wärme besonders effektiv gegen pathogene Pilze, beispielsweise in einem 20-minütigem Fußbad (bis zu 42 Grad C). Die Durchblutung wird angeregt und die Penetration der Öle wird verstärkt.

Allerdings verwendet man an der Universität von Naho Maruyama 32 Tropfen in einem Fußbad, das sind Mengen, die man hierzulande auch bei der Verwendung von sanften Ölen nicht einsetzen würde (allenfalls im Privatbereich). Sie setzen dort Palmarosa (Cymbopogon martinii), Rosengeranie (Pelargonium asperum) und Teebaum (Melaleuca alternifolia) zu gleichen Teilen ein. Mit dieser einmal pro Tag vorgenommenen Anwendung kann man laut Frau Maryama den Fußpilz in vier Tagen loswerden.

Bemerkenswert fand ich auch die Art, wie in ihrem Labor (manche) Aromatogramme hergestellt werden: Man arbeitet mit dem reinen “Dampf” der ätherischen Öle, diese berühren also die Pilzekolonien gar nicht, sondern werden durch die flüchtigen Moleküle in Schach gehalten. Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDie Studien wurden mit Fuß-und Nagelpilz (Trichophyton rubrum und T. mentagrophytes) sowie mit Vaginal- und anderen die Schleimhäute befallenden Pilzen (Candida albicans) vorgenommen. Sowohl Pelargonium asperum (Foto oben) als auch der Hauptinhaltsstoff Geraniol zeigte einen sehr guten antimykotischen Effekt. Im Falle von oralem und vaginalem Pilzbefall ergab sich bei Studien mit Mäusen, dass das vorherige Gurgeln bzw. Waschen mit den ätherischen Ölen (oder der Ölemischung) eine deutlichere positive Wirkung hat als nur das Einschmieren einer Ölemischung.

Zudem betonte die Forscherin, dass der antiinflammatorische Effekt (Hemmung der Entzündung) von ätherischen Ölen nicht unterschätzt werden sollte, dieser hilft in der Praxis immer, dass sich das von den Mikroben infizierte und geschädigte Gewebe regeneriert. Man hat sich bei diesen Untersuchungen auf die Aktivitäten der neutrophilen Granulozyten (weiße Blutkörperchen, Teile des Immunsystems) konzentriert, diese siedeln sich an von Keimen befallenes Gewebe und helfen diese abzuwehren. Sie können in ihrem Abwehrkampf jedoch auch zu übermäßigen Entzündungsreaktionen führen. Folgende ätherische Öle hatten einen positiven Effekt auf Entzündungen, die durch das Zytokin  TNF-alpha ausgelöst werden (in absteigender Reihenfolge, also die oberen wirkten bereits in kleinen Mengen – in vitro)

  • Lemongras (Cymbopogon citratus)
  • Rosengeranie (Pelargonium asperum)
  • Spearmint (Mentha spicata)
  • Thymian (Thymus vulgaris) [Chemotyp nicht angegeben, vermutl. Thymol)
  • Patchouli (Pogostemon cablin)
  • Deutsche Kamille (Matricaria recutita)
  • Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Teebaum (Melaleuca alternifolia)
  • Eukalyptus (vermutl. Eucalyptus globulus)

Für alle Details kann man folgende drei Studien dieser Forschergruppe kostenlos runterladen:

  • Maruyama N, Takizawa T, Ishibashi H, Hisajima T, Inouye S, Yamaguchi H, Abe S. Protective activity of geranium oil and its component, geraniol, in combination with vaginal washing against vaginal candidiasis in mice. Biol Pharm Bull. 2008 Aug;31(8):1501-6
  • Abe S, Maruyama N, Hayama K, Inouye S, Oshima H, Yamaguchi H. Suppression of neutrophil recruitment in mice by geranium essential oil. Mediators Inflamm. v.13(1); Feb 2004
  • Abe S, Maruyama N, Hayama K, Ishibashi H, Inouye S, Oshima H, Yamaguchi H. Suppression of tumor necrosis factor-alpha-induced neutrophil adherence responses by essential oils. Mediators Inflamm. 2003 December; 12(6): 323–328

vorbeugung von mukositis bei bestrahlung & chemo


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyAchtzig bis hundert Prozent aller PatientInnen, die Bestrahlungen aufgrund von Tumorerkrankungen im Kopf- und Halsbereich erhalten müssen, müssen mit einer mehr oder weniger ausgeprägten, schmerzhaften oralen Mukositis rechnen. Das ist eine Entzündung der Mundschleimhaut (auf englisch RIM= radiation induced mucositis). Ausgedehnte Schäden bis hin zum anderen Ende des Verdauungstraktes sind leider auch stete Begleiter bei vielen Krebsmedikamenten. Die Folgen einer oralen Mucositis können sein:

  • Geschwüre im Mundinnenraum sowie an Zunge und Lippen
  • Schmerzen, teilweise so stark, dass keine Nahrungsaufnahme mehr möglich ist
  • Veränderung des Geschmackssinnes
  • dadurch Nährstoffmangel sowie Gewichtsabnahme und schlechtere Prognose für Heilungschance
  • Sprachstörungen

Dr. Wendy Maddocks-Jennings ist eine Krankenpflegende mit Doktorgrad in Gesundheitswissenschaften aus Neuseeland. Sie hat eine kleine randomisierte, placebo-kontrollierte Studie an 26 PatientInnen durchgeführt, um zu zeigen, dass Vorsorge mit einer Mischung aus ätherischen Ölen die schweren Schäden deutlich reduzieren kann. Die Teilnehmer der Studie

  • durchliefen jeweils eine Radiotherapie im Kopfbereich (insgesamt 20 bis 25 Bestrahlungen, 5x wöchentlich)
  • waren in der Lage zu gurgeln
  • waren in der Lage ein Tagebuch zu führen
  • waren in der Lage, ihre Zustimmung zur Teilnahme zu geben

Es wurde nach ätherischen Ölen gesucht welche

  • Schutz vor Bestrahlungsschäden bieten können (insbesondere solche, die Viridifloren und/oder Viridiflorol enthalten)
  • schmerzlindernd wirken
  • antiinflammatorisch wirken
  • nicht-toxisch sind

Man wählte die zwei in Neuseeland heimischen ätherischen Öle vom Manuka- und vom Kanukabaum (Leptospermum scoparium   [Abbildung oben] und Kunzea ericoides), mischte sie 1: 1 und verschüttelte pro Anwendung 5 Tropfen davon in 15 bis 30 ml warmen Leitungswassers. Damit wurde 5 Mal täglich gegurgelt. Die gleiche Mischung wurde zum Einnehmen zubereitet. Die Kontrollgruppe wurde mit einer Mischung aus sterilem Wasser und warmem Leitungswasser behandelt. Der Verlauf der Behandlungen wurde anhand folgender Werte protokolliert:

  • objektive Bewertung der Mukositis durch medizinisches Fachpersonal auf einer Skala von 0 bis 5
  • 5 Mal täglich wurde die Schmerzintensität auf einer Skala von 0 bis 10 festgehalten
  • einmal wöchentlich wurde das Körpergewicht notiert
  • die Lebensqualität (englisch: QOL=quality of life) wurde subjektiv bewertet auf einer Skala von 0 bis 10

Von den anfänglich 26 PatientInnen konnten 19 den ganzen Durchlauf der Studie durchführen. Diese kleine Pilotstudie bewirkte eine signifikant verzögerte Entwicklung einer Mukositis (p=0,05). Dr. Maddocks-Jennings rief am Ende ihres Vortrages auf der Botanica2012-Konferenz in Dublin auf, diese Studie nachzumachen und größere Patientengruppen mit mindestens 60 PatientInnen zu betreuen, Kontakt mit ihr ist über ihre Website möglich. Die komplette Studie kann man freilich auch käuflich erwerben (hier für $ 31,50).

Sie empfiehlt auch ausdrücklich den Einsatz von Hydrolaten, insbesondere von Manuka, Teebaum und Agonis fragrans (Fragonia), idealerweise als Eiswürfelchen eingefroren zum Lutschen. Im persönlichen Gespräch diskutierten wir noch den ergänzenden Einsatz von verdünntem Sanddornfruchtfleischöl, welches sie auch hervorragend für diesen Zweck findet, es ist in Neuseeland allerdings weder heimisch noch leicht und preiswert erhältlich (dafür ist es ein heimisches Gewächs in Nord- und Osteuropa, das auch einen idealen Strahlenschutz ergibt).

Übrigens kann man ein Sonderheft (Doppelausgabe) des International Journal of Clinical Aromatherapy mit vielen Vorträgen, welche auf der Botanica2012 in Dublin gehalten wurden, hier bestellen (35 Euro, in englischer Sprache). Mein Vortrag über Lasea ist auch darin enthalten, ferner ein Super-Beitrag der japanischen Wissenschaftlerin Naho Maruyama über ätherische Öle bei oberflächlichen Pilzinfektionen (insbesondere Rosengeranie), über “Aromasticks” bei der Nachbetreuung von chirurgischen Eingriffen, ein prima Artikel über neue Erkenntnisse bei der Hydrolategewinnung von Fachfrau Ann Harman, zwei Berichte über Komplementäre Krebstherapien und aromatische Palliativpflege, ein Bericht von Gabriel Mojay über ätherische Öle bei Menstruationsproblemen und Klimakteriumsbeschwerden sowie einige mehr.

unterschätztes ätherisches öl: koriandersamen


Eliane Zimmermann Eliane ZimmermannSowohl in großen Teilen der asiatischen als auch der mexikanischen Küche ist das Kraut des Koriander eine wichtige geschmackliche und dekorative Ergänzung zahlreicher Speisen. Es heißt auch Arabische Petersilie oder Cilantro (nicht wirklich korrekt jedoch weltweit gebräuchlich) und wie bei dem gebräuchlicheren Gewürzkraut können auch die Wurzeln und Samen eingesetzt werden. Der eher abschätzige Name “Wanzenkraut” bezieht sich auf den oft als eigenartig bis ekelerregend-abstoßend empfundenen Duft der Blätter, koris im wissenschaftlichen Namen heißt sogar ‘Wanze’. Die Tierchen riechen anscheinend wie das Kraut und umgekehrt (unter den heute herrschenden Bedingungen hat kaum noch jemand Kontakt mit (Bett-)Wanzen….). Möglicherweise besitzen wir Menschen einen (genetisch verankerten) Abwehrmechanismus auf diesen Insektengeruch, so dass uns die ähnlich gestalteten Duftmoleküle im Korianderkraut in eine Art Alarmzustand versetzen.

In der Aromatherapie haben wir zwei sehr unterschiedliche Düfte zur Verfügung: Einerseits das sehr stechend riechende Öl aus den Blättern dieses Krautes aus der Familie der Apiaceae (Doldenblütengewächse), es enthält vorwiegend aromatische (‘phenolische’) Aldehyde und kann somit hautreizend wirken. Andererseits das ätherische Öl aus den kleinen kugeligen Samen (korrekt: Früchte), es erinnert im Duft eher an Lavendel, da es sogar mehr als jenes reichlich Linalool (75%) enthält. Es wird noch viel zu wenig in der Aromapflege eingesetzt, ja es wird richtig gehend unterschätzt. Dabei ist es relativ preiswert, die Gewinnung zerstört keine wertvollen pflanzlichen Ressourcen, denn das wärmeliebende Heil- und Küchenkraut wächst reichlich und dankbar und es gibt sogar etliche wissenschaftliche Studien zu Wirkungen jenseits der hauptsächlich bekannten carminativen Wirkungen (blähungswidrig).

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEine vor einem Jahr veröffentliche In vitro-Studie aus Portugal konnte zeigen, dass das ätherische Öl aus Coriandrum sativum gegen etliche gram-negative und gram-positive Bakterien einsetzbar ist. Insbesondere dem gefürchteten MRSA kann das Öl zusetzen, aber auch Bakterien, die durch Lebensmittel zu Vergiftungen führen können. Es wirkte lediglich nicht gegen Bacillus cereus und Enterococcus faecalis. Interessant für die ganzheitlich denkenden und pflegenden Menschen ist die Erkenntnis, dass das komplette Öl besser wirkte als der Haupt-Inhaltsstoff Linalool (der im Labor meistens in synthetischer Form vorliegt).

Die per Durchflusszytometrie mit Propidiumiodid vorgenommene Untersuchung der betroffenen bakteriellen Zellmembranen zeigte, dass diese unter Einfluss des ätherischen Öles ihre Zellatmung einstellten. Die elektrische Spannung der Membran (das so genannte Potenzial) war genauso gestört wie die Transporterfunktionen. Domingues F & al: Coriander (Coriandrum sativum L.) essential oil: its antibacterial activity and mode of action evaluated by flow cytometry. The Journal of Medical Microbiology

In einer im März 2011 veröffentlichten brasilianischen In vitro-Studie konnte gezeigt werden, dass Korianderöl eine deutliche Wirkung gegen Candida albicans-Befall in der Mundhöhle aufweist. Es zeigte die beste Wirkung im Vergleich zu den ätherischen Ölen von Allium tuberosum (Knoblauch), Cymbopogon martini (Palmarosa), Cymbopogon winterianus (Java-Citronella) und Santolina chamaecyparissus (Heiligenkraut). Furletti VF & al. Action of Coriandrum sativum L. Essential Oil upon Oral Candida albicans Biofilm Formation. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Vol 2011

Die Zeitschrift für Phytotherapie widmete den Schwerpunkt ihrer ersten Ausgabe 2012 dieser vernachlässigten Heilpflanze, darin wird unter anderem berichtet über die Wirkungen von Koriandersamen gegen

  • MRSA (methycillinresistenter Staphylococcus aureus)
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Bacillus subtilis
  • Salmonella typhosa
  • Campylobacter jejuni
  • Mycobacterium avium
  • β-hämolysierende Streptokokken
  • Staphylococcus aureus

Korianderöl kann auch gegen pathogene (krankmachende) Pilze eingesetzt werden, im Fall von Candida albicans “hemmte das Öl die Biofilm-Bildung durch den fakultativ pathogenen Hefepilz genauso wirksam wie Nystatin und Fluconazol.” Weitere Pilze, welche das Öl gar nicht leiden können sind beispielsweise

  • Aspergillus aegypticus
  • Penicillium cyclopium
  • Penicillium interdigitatum
  • Trichoderma viride
  • Epidermophyton interdigitale
  • Microsporum canis

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIn der aktuellen (Sonder-)Ausgabe der Zeitschrift für Phytotherapie wird von einer Studie berichtet, in welcher es bei 1200 Personen mit Kontaktallergien eine 5%-ige Mischung des ätherischen Öles mit Vaseline (!!!)  zu keiner allergischen Reaktion kam, was aufgrund der 75% Linalool im Öl hätte erwartet werden können, wenn man der aktuellen vorgeschriebenen Deklaration auf Kosmetika glauben würde. (Es wird für Kosmetika die Linalool enthalten gefordert, dass Linalool als Allergen aufgelistet wird.) Bei 40 Probanden wurde 1%-iges Korianderöl im okklusiven Patchtest untersucht und es kam auch nicht zu Unverträglichkeitsreaktionen. Das süßlich-holzig duftende und äußerst verträgliche Öl wird also für Anwendungen bei folgenden Indikationen empfohlen:

Casetti F, Wölfle U, Augustin M, Frank U, Schempp C: Einsatz von Korianderöl in der Dermatologie. Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33 (Suppl. 1). Eine weitere neue Studie aus der Universitäts-Hautklinik Freiburg befasst sich der antimikrobiellen Wirkung von Korianderöl: Casetti F, Bartelke S, Biehler K, Augustin M, Schempp CM, Frank U (2011) Antimicrobial activity against bacteria with dermatological relevance and skin tolerance of the essential oil from Coriandrum sativum L. fruits. Phytother Res 25: 2011 Aug 4., auch ein Artikel der Forscher um Professor Dr. Christoph Schempp vom letzten Jahr zeigt die Heilmöglichkeiten mit diesem Öl auf: Schempp CM, Wölfle U, Rispens JA, Schaette R (2011) Koriander (Coriandrum sativum L.) – ein heilkräftiger und antimikrobiell wirksamer mediterraner Doldenblütler. Der Merkurstab 64 (4):339-345.

Besonders fein duftend finde ich eine Rarität, die durch CO2-Extraktion gewonnen wird, manchmal wird sie bei Feeling angeboten, derzeit befindet sich “nur” das destillierte Korianderöl (Klick auf gefettetes Wort!) im Web-Shop, nachfragen lohnt sich jedoch, da es auch als feines, antioxidativ wirksames Gewürz in der Aromaküche eingesetzt werden kann. Bei der nächsten Amazonbestellung kann auch das feine Korianderöl von Taoasis mitbestellt werden (danke für die kleinen Provisionen an all die engagierten BestellerInnen der letzten Wochen!!! :-) )

Es ist also an der Zeit, diesem wohltätigen “Lavendel auf der Familie der Sellerie-Fenchel-Kümmelgewächsefamilie” mehr Beachtung zu schenken!

chiasamen, das omega-3-paket


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyHier in Irland ist es gelungen, ein Genehmigungsverfahren für die Samen einer mittelamerikanischen Salbeiart für Nahrungszwecke durchzuboxen (Infos auf deutsch bei  Topfruits, auf englisch hier, auf den gefetteten Link klicken!). Salvia hispanica, eine Verwandte von unserem Salbei und auch von Lavendel, Minze und Melisse, wird Chia oder Chian (=ölig) genannt, sie versorgt seit Urzeiten die lokale Bevölkerung mit hochwertigen Fettsäuren, lebenswichtigen Aminosäuren und antioxidativ wirksamen Mikronährstoffen. Zudem können die winzigen Samen ein Vielfaches ihres Eigengewichtes an Flüssigkeit/Wasser binden und so ein Polysaccharid-Gel aus Faser- und Ballaststoffen bilden, das eine zu schnelle Verdauung von Kohlehydraten im Magen verhindert und die Verdauung sanft fördert (ohne die piksigen Spitzen und Kanten des Leinsamens, ist also für empfindliche Därme bekömmlicher). Der Blutzuckerspiegel fährt nicht mehr Achterbahn, Heißhungerattacken werden reguliert und der Körper kann lang anhaltend mit Energie versorgt werden. Zusammen mit einer leckeren Tasse kalten oder heißen (ungeräucherten) Matetees, der das Hungergefühl sehr deutlich dämpft, kann man sich mit dieser Kombination einen halben Tag lang satt fühlen und eventuell der Bikinifigur näher kommen.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDie Samen aus den Blüten der circa ein Meter hohen, krautigen Salbeiart enthalten knapp 40 Prozent eines fetten Öles, das ein hervorragendes Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren enthält. Es eignet sich hervorragend für luxuriöse Nachtpflege-Produkte. Chiasamenöl ist zwar noch eine Rarität in Deutschland, wird jedoch immer öfter als Alternative zu den zweifelhaften Fischölkapseln (vergiftete Lachse aus Farmen, extreme lokale und globale Meeresverschmutzung, unnachhaltige und tierquälerische Aquakulturen etc, ausführlicher Artikel von Marta auf ihrem Blog Aromaoase) angeboten. Leider ist das Öl, wie auch Leinsamenöl, nur sehr kurz haltbar (je nach Hersteller und Abfüllungsart wenige Wochen bis ein halbes Jahr) und sollte darum in Kapseln erworben werden (im Reformhaus). Es schmeckt und riecht dann äußerst unangenehm tranig.

Besser ist, man genießt die anderen Vorteile der Pflanze und streut die viel länger haltbaren und völlig unaufdringlich schmeckenden und prima zu schluckenden Mini-Samen (circa 1mm) ins Müsli, in den Joghurt, in selbst gebackenes Brot etc. Zwei Esslöffel versorgen uns neben anderen wertvollen Stoffen (beispielsweise mit 205 mg Kalzium) mit circa 5.2 g Omega-3-Fettsäuren und mit 1.7 g Omega-6-Fettsäuren, also ideal für Menschen mit Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität, Immunproblemen, Fertilitätsstörungen und vor allem mit undefinierbaren Hautproblemen. Auch Menschen mit rheumatischen Schmerzen können von regelmäßigen Omega-3-Kuren profitieren. Chiasaat ist bei Topfruits in mehreren Packungsgrößen erhältlich (auf den gefetteten Link klicken!)

PS Am kommenden Wochenende findet in Baden bei Wien der Aromapflege-Kongress von der VaGA statt!

patchouliöl – das beste mittel bei hautproblemen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch recherchiere gerade für einen Artikel für eine japanische Fachzeitschrift, die Redaktion wünscht sich ganz viele Informationen über eines meiner Lieblingsöle. Der unscheinbare tropische Strauch mit den brennesselartigen Blättern stand Pate für mein Firmenlogo: Patchouli, Pogostemon cablin (Benth.). Dieser Name beinhaltet das griechischen Wörter pogos für Bart und stemon für Faden/Staublatt (welche leicht behaart wie viele Teile der Pflanze sind). Es gibt bis zu knapp 100 Arten in dieser Gattung der Lippenblütengewächse, sie wird auf englisch zu den “East Indian mints” gezählt (Indische Minze). Der Name Patchouli kommt aus dem Tamil (Sprache u.a. in Sri Lanka) und bedeutet grün (pachchai) und Blatt (ilai).

Die gezahnten etwas behaarten Blätter werden getrocknet und fermentiert und zu einem dunkelbraunen, im Alter sehr zähflüssigen Öl destilliert. Aufgrund des recht deutlichen Duftes – manche empfinden ihn sogar als penetranten Gestank – findet dieses bestens haltbare und babymilde Öl leider nie den Weg in Pflegeeinrichtungen. In bester Qualität, gut gereift und verdünnt kann man jedoch viele Duftfacetten riechen: blumig, süß, balsamisch. Mit Lavendel (und Vanille) gemischt ist es ein hervorragendes und preiswertes Hautheilungsöl, das fast nie seine Wirkung verfehlt.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

In der Hippiezeit der 1968-Bewegung war dieser Duft (meistens in synthetischer Form) ein riechbarer Protest gegen das Establishment und das Spießertum. Das Thema Abgrenzung spiegelte sich in diesem “Abwehr-Parfüm” wider, auch bei Hautkrankheiten schreit oft die Seele nach Abgrenzung. Das sanfte Patchouliöl kann dabei eine wertvolle Unterstützung sein. Auch auf anderen Gebieten steht einem dieses gutmütige Öl erfolgreich zur Seite: In einer recht neuen japanischen Studie wurde die Empfindlichkeit diverser Grippeviren-Stämme auf einen methanolischen Extrakt von Patchouliblättern untersucht. Der Hauptinhaltsstoff (auch des ätherischen Öles), ein Sesquiterpenalkohol, hat 99,8% der H1N1-Viren den Garaus gemacht (in vitro= Labortests). [Kiyohara H, Ichino C, Kawamura Y, Nagai T, Sato N, Yamada H. Patchouli alcohol: in vitro direct anti-influenza virus sesquiterpene in Pogostemon cablin Benth. J Nat Med. 2012 Jan;66(1):55-61.] Dieses Öl sollte viel mehr eingesetzt werden!

Übrigens rochen vor gut 100 Jahren edle Kaschmir- und andere Wollerzeugnisse immer nach Patchouli, es ist eines der wirksamsten Mottenabschreckungsmittel. Irgendwann wurde dieser Duft dann mit “exotisch, edel und teuer” assoziiert (und auch Billiges damit “aufgewertet”). Zur Abschreckung der gefräßigen Larven, die demnächst wieder auf Beutezug gehen werden, kann man die getrockneten Blätter einfach im Schrank verteilen oder Stoffsäckchen nähen und mit Lavendelblüten und Patchouliblättern füllen. Es gibt sie in guter Qualität beispielsweise von Berk als Räucherware zu kaufen. Die Pflanze gibt es auch im Blumentopf bei Rühlemanns zu bestellen, sie braucht ein sehr warmes Plätzchen im Haus und im Sommer sollte sie draußen stehen dürfen und muss oft gegossen werden. Hier noch eine aktuelle Anekdote: Demnächst erscheint eine He-Man-Figur namens Stinkor, das ist eine Spielzeugfigur des Spielzeugherstellers Mattel. Diese skunk-ähnliche Kreatur wird nach Patchouli riechen….

styraxöl für die süße inhalation


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyInsbesondere Kinder, jedoch auch ältere Menschen mit angegriffenen Atemwegen, mögen oder vertragen Inhalationen und Brusteinreibungen mit den typischen eukalyptusriechenden Ölen nicht. Eine wohlduftende Alternative ist ein Tröpfchen des leicht marzipanartig duftenden Styraxöles, gewonnen aus dem großen Amerikanischen Amber-Baum Liquidambar stryraciflua (in meinem Kursbuch hat sich dieser Fehler, Liquidamber mit E zu schreiben, bis in die 5. Auflage durchgeschlichen). Ein kleinerer naher Verwandter aus der Türkei heißt Liquidambar orientalis. Beide gehören zur Familie der Hamamelisgewächse (wie auch die Zaubernuss). Die wunderschönen herbstbunten Blätter werden von Laien meistens für Ahornblätter gehalten – er ziert im mittleren Europa oft Parks und Gärten.

Auch wenn die zerriebenen Blätter fein duften können, das ätherische Öl wird aus dem Harz destilliert und enthält alpha-Pinen, Sabinen, Terpineol-4 (Hauptinhaltsstoff von Teebaumöl), dazu verschiedene aromatische Alkohole, Ester und Säuren. Spuren des aromatischen Aldehyds Vanillin untermalen das leicht süßliche Aroma, das deutlich, jedoch nicht unangenehm an ‘Maler und Lackierer’ oder Füllerpatronen erinnert. Das Öl wirkt antibakteriell, schleimlösend und krampflösend. Es ist ein wundervoller Inhaltsstoff für Hautsalben, wenn undefinierbare Entzündungen, Geschwüre und Schuppungen plagen und wenn Hämorrhoiden drücken. In Brustsalben 1%-ig eingearbeitet, lindert es Husten und Kurzatmigkeit bei Bronchtis. Auch Einreibungen neben der Nase zur Linderung von Nebenhöhlenbeschwerden damit können hilfreich sein. Zudem sorgen die vielen verschiedenen phenolischen Verbindungen für eine Aufhellung von trüber Stimmung.

Ich finde es eigenartig, dass ich in einschlägigen Datenbanken keine Hinweise auf wissenschaftliche Studien zu diesem Öl finde, seine Wirkungshinweise beruhen auf der traditionellen Erfahrungsmedizin. Wichtig ist es übrigens, auf destillierte Qualität zu achten, denn Extrakte (Resinoide, eher dunkel und extrem klebrig) können reizende Stoffe enthalten. Dennoch sollte Menschen mit ausgeprägter Neigung zu Allergien vorsichtig mit dem Öl sein.

PS. Eine der ‘Nordlicht-Aromafachfrauen’, Tina Böhm, wird sich ab sofort nicht nur politisch für die gesundheitsfördernde Arbeit mit ätherischen Ölen einsetzen, sie informiert auch im lokalen Radio Leinehertz 106,5 Hannover darüber, beispielsweise in der Sendung am kommenden Montag 28.11. von 17 bis 18 Uhr.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

American Sweet Gum essential oil distilled from Liquidambar styraciflua is an effective and sweetish (even slightly marzipan-like) smelling help in inhalations against bronchial complaints. It is a good alternative for very sensitive patients like small children and elderly people who don’t like pungent eucalyptus-like smells. It can be added to self made ointments against ulcers and different kinds of skin ailments. As it contains many aromatic (phenolic) molecules it also has a good uplifting action.