das füllhorn von der botanica2012


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch bin gestern Abend aus Dublin zurück gekommen. Was soll ich sagen, dieser Aromatherapie- und Phytotherapie-Kongress im altehrwürdigen Trinity College (der ganze grüne Bereich – er ist ummauert und nachts nur am Portier vorbei zu besuchen – mit allen angrenzenden Gebäuden im abfotografierten Poster) war überwältigend und unglaublich reich an Eindrücken, Begegnungen und Neuigkeiten. Leider dauert die Reparatur des kaputten Trackpads meines MacBooks länger als erwartet und ich stelle mich saublöd an, an einem anderen Umfeld zu arbeiten, so dass ich mich heute eher kurz fassen muss (sorry an alle die auf Mails etc warten).

Jedoch wegen der lieben Nachfragen und des Daumendrückens gleich vorab: Mein Vortrag ist wohl  – trotz Nervosität ob der richtigen Aussprache von Fachtermini wie ‘benzodiacepines’ (die darf man im Englischen auch abkürzen in ‘benzos’) und ‘linalyl acetate’ – gut angekommen und war trotz dritten Tages gut besucht. Anusati (meine liebe “Uralt-Kollegin” von Primavera) hörte sogar, dass manche nicht so gut des Englischen mächtigen Besucherinnen froh waren, endlich mal einen langsam und recht deutlich gesprochenen Vortrag genießen konnten. Denn manche Präsentationen waren ein rasend schnelles Feuerwerk von super-dichten, teilweise sehr neuen Infos und es fiel sogar mir manchmal schwer, zu folgen (manche in kuriosen englischen Dialekten).

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEs waren 250 BesucherInnen (weitestgehend Frauen) aus 32 Ländern da!!!! Insbesondere Asien war sehr auffällig gut vertreten. (Im Bild die schon etwas leer gewordene Abschlussveranstaltung). Und die Präsentationen liefen – wie beim Brezelbacken – Schlag auf Schlag mit im Nu verfliegenden Pausen, voller Gespräche und Schnupper-Delikatessen. Deutschsprechend habe ich nur wenige Menschen getroffen, aus Deutschland selbst nur Anusati und Fred Wollner. Das fand ich sehr schade, denn wer weiß, wann man wieder ein so hochkarätiges Zusammentreffen von ExpertInnen aus fast aller Welt  in so gut erreichbarer Nähe treffen wird.

Wir ReferentInnen und “Botschafterinnen” (zur Betreuung der nicht-irischen Gäste bereits im Vorfeld) starteten am Vor-Nachmittag mit einem geführten Besuch des wundervollen Botanischen Gartens Glasnevin, er war einst zusammen mit London (Kew) und Edinburgh die “Zentrale” der wissenschaftlichen Botanik weltweit. So sahen wir traumhafte Herbarien und Buchwälzer von Anno Tobak, liebevoll zusammengetragen, beschriftet und gestaltet. Vielen von uns liefen wirklich Schauer über den Rücken ob des Engagements der frühen Pflanzenjäger(innen), die keine Mühen scheuten, wochen- oder jahrelang unterwegs zu sein, um die botanischen Fäden, die Welt zusammenhalten, zu erkunden und nach Europa bzw Großbritannien zu bringen. Es gab so viele Aaaaaahs und Oooooohs und wow’s… Danach wurde beim “Gravedigger” (Totengräber), der möglicherweise ältesten Kneipe (Pub) direkt am größten Friedhof Irlands Glasnevin ein Guinness (oder ähnliches) genossen und später beim irlandweit bekannten Bewleys, einem theaterähnlichen Kaffeehaus, ein gemeinsames Abendessen genossen. So war die Gruppe beim “richtigen” Start am nächsten Morgen schön zusammengewachsen und  bereits erste Freundschaften wurden geknüpft.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyAm Samstag Abend fand ein hervorragend orchestriertes Gala-Dinner in Hogwarts dem großen Speisesaal des circa 400 Jahre alten Colleges statt, mit traumhafter à capella vorgetragenem provencalischem Gesang der Freundinnen von Veranstalterin Rhiannon Harris (im Foto von hinten) sowie einer irischen Band, die traditionelle Musik präsentierte und nach einigen Runden Wein die wohl knapp 200 Gäste auch zum irischen Tanz animierte (ein herrliches Chaos).

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyZu den Vorträgen werde ich wohl eine Serie von Artikeln machen (müssen ;-) ), so viel Material habe ich mitgebracht; ich muss es jedoch erst nochmals sichten, die Essenz davon heraus destillieren und auch tonnenwiese Fotos bearbeiten. Ich musste natürlich diverse Goodies einkaufen, es waren so wunderbare Firmen mit teilweise super-seltenen ätherischen Ölen vertreten. Meine größte Investition ging an Tunupa, einem kleinen Familienunternehmen aus Süd-Brasilien, das sich der Erhaltung der Artenvielfalt und der Herstellung von ganz besonderen einheimischen ätherischen Ölen verschrieben hat. Neun Raritäten habe ich von ihnen erstanden, davon acht mir völlig unbekannt, dazu ein mir auch nicht vertrautes fettes Öl aus einer Dipteryx-Art (mit Tonka verwandt, aus dem man auch fettes Öl gewinnen kann). Dazu Rosalina, das ist ein Verwandter von Teebaum (Melaleuca ericifolia), von Aromatic Adventures und Dr. Wendy’s, einer sehr engagierten Krankenpflegenden mit Doktortitel aus Neuseeland, die sich auf Mucositis spezialisert hat. Das sind die schweren Schleimhautschäden vor allem im Mund- und Speiseröhrenbereich, die bei diversen Chemotherapien bei Krebserkrankungen den Menschen das Leben noch schwerer machen. Doch dazu demnächst mehr.

MRSA, ätherische öle und noch mehr themen


…hatte ich aus Versehen aus der Themenliste hier in der rechten Spalte ausgeblendet, diese sind jetzt wieder sicht- und auffindbar, wichtig vor allem für Menschen in Pflegeberufen, wenn sie mit ätherischen Ölen arbeiten möchten. Wer darüber hinaus bestimmte Themengebiete sucht, kann sein Stichwort in das weiße Feld darüber eingeben, vielleicht habe ich ja bereits etwas zum Wunschthema geschrieben (Wünsche für zukünftige Beiträge nehme ich auch gerne entgegen). Danke übrigens für die tolle Teilnahme an der jüngsten Umfrage, 108 Menschen haben sich (bislang) beteiligt, schauen Sie doch mal auf “view results”, um sich selbst ein Bild zu machen. Da unsere Leitung heute sehr gut gelaunt war, habe ich auch die zwei Seiten über die AiDA-Duftreisen aktualisiert und besser illustriert: Botanik-Kurs und Preise. Vielleicht überlegen Sie, sich auf den knapp 2-Stunden-Hüpfer in den bald überschwänglich blühenden Westen zu begeben – das subtropisch bepflanzte Botanik-Paradies befindet sich übrigens nicht nördlicher als Dortmund (auf den meisten Landkarten wird die Erdkrümmung nicht visualisiert, doch schauen Sie doch mal auf einen Globus ;-) ) [Abbildung Landkarte: wiki commons, Stefan040780]

Süßer Jasminduft



Offiziell darf man bei einem Umzug nach Irland bestimmte Pflanzen wohl nicht ins Land bringen (es handelt sich aber vermutlich um bewusstseinverändernde Drogen-Pflanzen). Mein Jasminum sambac musste vor neuen Jahren aber auf alle mit auf die Reise gehen. “Versteckt” in einem Küchenschrank im Umzugswagen. Die Packer hatten vollstes Verständnis für mich, als ich mich nicht von einigen Pflanzen trennen wollte und verhalfen meinen grünen Freunden zu einem guten Plätzchen zwischen dem Mobiliar.
Und nun wächst und wächst dieser pflegeleichte Jasmin jedes Jahr ein Stück mehr, inzwischen hat er über zwei Meter lange Ranken und sie wären auch noch viel länger, würden nicht die sechs Wellensittiche (zeitweise auch mehr), die mit ihm unser unbeheiztes Gewächshaus sommers wie winters teilen, nicht ständig an den festen rundlichen Blättern und den leicht holzigen Ranken knabbern. Und jedes Jahr grüßt er mit unzähligen süß-blumig-schwül duftenden weißen Blüten. Heute ging es los, fast als Ablösung unserer drei Manukastäucher, die nun ihre letzten paar Blütchen zur Sonne recken. Eine unglaubliche olfaktorische Pracht, noch viel schöner als das entsprechende ätherische Öl, welches ja auch schon klasse ist. Die Pflanze hatte ich vor über 10 Jahren bei Rühlemanns bestellt (wo sonst!!!).

Körbchen mit wertvollem Rhizom



Das ist auch ein Körbchen voller Blüten.


Es ist die Blüte der fast 2 Meter hohen Alantstaude Inula. Möglicherweise Inula helenium, aber so genau weiß ich das nicht mehr, vielleicht auch Inula graveolens, sie sehen zum Verwechseln ähnlich, habe ich mir sagen lassen.


Alant ist mit der Sonnenblume verwandt, das sieht man.


Das ätherische Öl wird aus dem dicken Rhizom destilliert. Wenn man in die frische Wurzel beißt, duftet sie wie Irisöl, doch Alantöl duftet irgendwie grün-grasig-erdig. Es ist eines der besten Mittel bei völlig verschleimten Nebenhöhlen und Bronchien und sowohl für Inhalationen als auch für Salben gut geeignet. Neuere Studien von der Cork University hier in Irland lassen auf eine gute Wirksamkeit gegen MRSA (Krankenhauskeim) hoffen. Allerdings ist es ganz selten erhältich und wenn, dann sehr teuer!

PS Google hat mir eben beim Abschicken dieses Posts die folgende sicherlich automatisch übersetzte Anzeige eingespielt: Aromatherapy Mundgebrauch.

Chemisch abgesonderte ätherischen öle. Wissenschaftlich vorgerückt.

Ein Korb voller Blüten



Warum heißen die Korbblütler Korbblütengewächse? Weil sie ein “Korb” voller Blüten sind! Das Gelbe oder Braune in der Mitte sind die winzigen Blütchen, wie auf dem oberen Foto zu erkennen. Warum hießen sie auf lateinisch Compositae? Weil die “zusammengesetzt” sind: aus Röhrenblüten in der Mitte und Zungenblüten am Rand. Schön kann man diese Besonderheit, die dem Auge nicht zugänglich ist, hier auf einer Diashow von Bayern Alpha betrachten (unter ‘Erstaunliches unter der Lupe’). Und warum lautet ihr neuer wissenschaftlicher Name Asteráceae? “Aster” heißt Sonne oder Stern. Ja, sie sehen aus wie kleine Sterne oder große Sonnen. Wer gehört zur Familie? Richtig: die etwas frostempfindliche römische Kamille (Chamaemelum nobile, früher Anthemis nobilis) vom Bild, sie fängt in meinem Garten überall zu blühen an, sie ist hier ein “Unkraut”. Ihr gummibärchenartig fruchtig duftendes Kraut schmeichelt der Seele, das ätherische Öl daraus ist eines der wichtigsten Mittel gegen Angst und andere seelische “Verspannungen”.
Die römische Kamille kann bei empfindlichen Menschen aufgrund der Spuren bestimmter Sesquiterpenlactone namens Anthecotulide allergische Reaktionen verursachen. Was die Echte Kamille oder Blaue Kamille, (Chamomilla recutita) wenn sie in Reinform vorliegt, so gut wie niemals macht. Leider wird sie oft mit ihren zahlreichen reizenden Cousinen vermischt, in minderwertigen Ölen und in Discounter-Tees sowieso. Die ätherischen Öle beider Kamillen gehören zu den sehr hochpreisigen Ölen, d. h. ein Milliliter (circa 20 Tropfen) kann 15 Euro und mehr kosten.


Zur Familie gehören ferner der grüne Blattsalat und viele andere Salatarten, Sonnenblumen, Ringelblumen, Arnika, Gänseblümchen, Artischocke, Alant, Topinambur, Chicoree, Wegwarte, Löwenzahn und ganz viele Pflanzen, die wir tagtäglich um uns herum haben.

Schade…



…dass man den Duft von Rhododendron fragrantissimum nicht als natürliches ätherisches Öl erwerben kann. Heute war ich nach einigen Stunden Chemie-Theorie mit meinen Kursteilnehmerinnen in Derreen Garden, wo unglaublich viele duftenden Rhododendren und ihre engen Verwandten, Duftazaleen in voller Blüte stehen. Einfach nur traumhaft.

Michelia doltsopa



Heute war ich auf der Blumeninsel Garinish Island hier im Hafen von Glengarriff. Ungewöhnlich spät im Jahr war der Baum Michelia doltsopa noch voller Blüten. Sie duften normalerweise recht stark nach Zitronenschale, Vanille und einem Hauch Gewürznelke. Der mit den Magn olien eng verwandte Baum scheint aber unter dem strengen Winter gelitten zu haben, die oberen Blätter hingen, die meisten Blüten waren sehr fleckig und der Duft nur ganz schwach. Aus der nahen Verwandten Michelia alba wird ein feines und kostbares Blütenöl destilliert.

Das Wunderwerk Pflanze – Seminar in Konstanz


Ich werde immer wieder gefragt, ob ich neben meinen zwei Jahre dauernden Ausbildungs-Kursen nicht auch kleinere Veranstaltungen anbiete. Selten, antworte ich dann meistens, doch Ende Juni (26. bis 28. Juni 2009) wird es in Konstanz die Gelegenheit geben, viele ätherische Öle und mich kennen zu lernen. Und vor allem die wunderschönen Pflanzen, die diese faszinierende Tätigkeit erst ermöglichen. Neben reichlich theoretischem Wissen zur Botanik der Duftpflanzen und wichtigen Regeln zur gesundheitsfördernden Anwendung der ätherischen Öle werden die TeilnehmerInnen viele neue Erkenntnisse über das “geheime Leben” der Pflanzen mitnehmen. Dazu viele Ideen und Rezepte, wie ätherische Öle sowohl in der Krankenpflege als auch bei Alltagswehwehchen der Familie und bei Schönheitssorgen eingesetzt werden können. Konstanz und seine traumhaften Blumeninseln im Sommer sind dafür einer der besten Orte in ganz Deutschland!

Der Titel und die Ausschreibung des Drei-Tage-Kurses lautet: “Wunderwerk Pflanze: Warum sie duftet, wie sie uns gut tut und wie sie unsere Gesundheit schützen kann. Teil 1: Pflanzenduft und Duftpflanzen – Botanik, einst verpönte und heute immer noch fesselnde Wissenschaft

Kaum zu glauben, dass im Europa des 18. Jahrhunderts Botanik eine Modeerscheinung war, deren wissenschaftliche Seite nur der Männerwelt vorbehalten war. Frauen durften nur zensierte und umgeschriebene Botanik-Literatur studieren, Pflanzen sammeln und Blümchen malen. In dieser Zeit der Weltumsegler und Entdeckungen entstanden die wissenschaftlichen Namen der Pflanzen und sie wurden auch in größtenteils noch heute gültige Familien unterteilt. Tauchen Sie mit kurzweiligen Geschichten in diese einst verbotene Welt, gehen Sie den lateinischen Namen auf den Grund und begreifen Sie die Wirkweise von ätherischen Ölen auf Mensch und Mikroorganismen. Durch ein Verständnis der faszinierenden Lebensvorgänge in Duftpflanzen können wertvolle Schlüsse auf die therapeutischen Eigenschaften von ätherischen Ölen gezogen werden und sie gesundheitsfördernd in den Alltag einbezogen werden. Gleichzeitig wird verständlich, dass “naturidentische” Duftstoffe niemals mit den Wunderwerken der Natur identisch sein können, so dass Sie in diesen drei Tagen eine im besten Sinne ganzheitliche Heilkunde kennen lernen werden. Kursgebühr 345,- Euro inkl. Kursunterlagen, Infos und Anmeldung bei Doris Ilg-Hewelt vom Aromainstitut am See Telefon +49-(0)7531-17414
Teil 2 dieses Kurses heißt “Freundliche Moleküle – die faszinierende Chemie der ätherischen Öle – interaktiv und verständlich erklärt” und wird vom 16. bis 18. April 2010 auch in Konstanz stattfinden. 

Diese zwei Bilder zeigen die Original-Enzyklopädie, mit welcher die erste irische Botanikerin Ellen Hutchins, die von 1785 hier in der Nähe geboren wurde und bis 1815 wenige Kilometer von hier lebte, die Pflanzennamen studierte. Nach dieser emsigen Pflanzenbestimmerin wurden einige Pflanzen benannt.