die zweiklassen-gesellschaft der duftstoffe


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDiese “Petition” hat viele Reaktionen, Fragen und Unsicherheiten hervor gerufen. “Petition” in Anführungsstrichen, weil es sich um eine simple Online-Unterschriftenliste handelt. Das Wort Petition ist irreführend verwendet worden, denn dieses suggeriert eine Eingabe an offizielle Behörden/Regierungsstellen. Da ich, wie erwähnt, die Anfrage aus verlässlicher Quelle erhielt, habe ich das nicht hinterfragt, Monika Volkmann ist jedoch dem Impressum mal auf den Grund gegangen. Ich finde es dennoch okay, Dr. Dietrich Wabner mit seinem Verein N.O.R.A. International eine kleine Unterstützung in Form einer Unterschriftenliste zukommen zu lassen, denn er ist einer der wenigen Aroma-Leute, der sich für den Erhalt von “bedrohten” ätherischen Ölen einsetzt und der – gegen Windmühlen kämpfend – auch bemüht ist, diesem bürokratischen Unsinn die Stirn zu bieten. Es scheint jedoch nicht möglich, selbst für einen zweifachen Doktor und Chemiker, die Eurokraten und nicht in dieser Materie beheimateten Schutzwächter davon zu überzeugen, dass synthetische, also menschengemachte Moleküle anders beschaffen sind, als ihre kopierten Vorbilder (nicht Ebenbilder) aus der Natur.

Dazu eine kleine Fantasiereise: Stellen Sie sich einen Teppich vor, weich und wuschelig, das Etikett sagt “100 Prozent Wolle”. Dann schauen Sie unter den Teppich und sehen ein feinmaschiges Netz, das eindeutig aus Nylon/Plastik ist, es trägt die Wollfasern und gibt dem Teppich Zusammenhalt und Haltbarkeit, ist hauchdünn, ist fast nicht vorhanden, macht nur 1 Prozent des Teppichgewichtes aus. Doch der eigentliche, der sichtbare Teppich besteht aus reiner Wolle. So ähnlich verhält es sich mit synthetischem Geraniol, Citral, Linalylacetat, Menthol. Wir riechen diese auch in billigen Aromaölen, doch die geschulte Nase schaut automatisch auch unter den Teppich, sie erkennt sofort, da sticht etwas, da fehlt etwas, das ist nicht rund. Was die Laiennase auf den ersten Blick Schnupperer nicht merkt, erkennt jedoch ein anderer Teil des komplexen Systems Mensch und sagt “Halt! Hier stimmt etwas nicht, hier ist etwas drin, was nicht rein gehört” und löst beispielsweise einen Niesattacke aus oder rote Hautpusteln. Geschieht der Kontakt mit dem Chemiegeruch zu oft, kann sich auch das Immunsystem empören und löst dann irgendwann schlimmere Symptome aus, eben eine Allergie. Das kann selbstverständlich auch mit Naturdüften passieren wie mit allem, was uns im Leben so begegnet auch.

Der Chemiker sagt stolz: “Ach, dieses eine Prozent (“im Teppich” oder “im Aromaöl”) kann man wirklich vernachlässigen, es hat mit dem tollen von mir geschaffenen Duftmolekül eigentlich nichts zu tun, es dient lediglich als Trägersubstanz.” Je billiger so ein “Parfümöl” oder “Aromaöl”, desto größer ist dieses “Trägernetz” und desto wahrscheinlich ist es, dass es aus chlorierten Substanzen besteht. Wer jemals im Schwimmbad, in der Sauna, in öffentlichen Toiletten penetranten Chlorgeruch wahrgenommen hat, weiß was ich meine. Diese ach so minimalen Anteile an chlorierten Substanzen scheinen insbesondere für ungewollte Reaktionen wie Kopfschmerzen, Unverträglichkeiten und sogar Allergie verantwortlich zu sein. Eigentlich muss man entsprechenden Immunsystemen nun geradezu gratulieren, dass sie auf sowas überhaupt noch reagieren, und dankbar sein, dass sie Alarm schlagen. So degeneriert und blöd ist der menschliche Körper auch heute nicht, dass er nicht bemerkt: “Da stimmt etwas nicht, da muss ich mich wehren, da ist Gift mit im Spiel.”

Die natürlichen “Zwillinge” kommen nicht nur ohne Chlor aus, sie sind auch eingebettet in ein Meer von andere Inhaltsstoffen im jeweiligen Öl. Ein schönes Beispiel ist ein hochwertiges Öl der Gewürznelkenknospe. Es enthält zwar reichlich das potenziell hautreizenden, durchblutungsfördernden und anregenden Phenols Eugenol (bis zu 80%), doch in den verbleibenden 20 bis 30 Prozent finden wir auch andere Goodies, welche entkrampfen/entspannen (bis 22% Eugenylacetat), entzündungshemmend wirken (13% beta-Caryophyllen) und schmerzlindernd wirken (Methylsalicylat). Eugenol an sich hat nicht nur negative Eigenschaften, wie so gerne behauptet wird, sondern wirkt als Breitbandmittel stark keimtötend und auch schmerzlindernd. Man muss also die ganze Symphonie der Inhaltsstoffe betrachten und nicht nur einen einzelnen schrillen und schrägen Flötenton, der im Gesamtkonzert vielleicht gerade das i-Tüpfelchen ausmacht, jeder Klassik-Konzertgänger weiß das.

Doch das heute geltende Paradigma will uns mit erschreckend roher Gewalt und gesetzlichen Vorschriften wirklich ins Gehirn einhämmern, dass wir mit ganzheitlichem Denken und Betrachten falsch liegen, dass wir Einzelstoffe anzuerkennen haben, dass diese einfach und schnell und billig von Menschenhand herzustellen seien (gerne als “naturidentisch” bezeichnet). Und dass viele Naturstoffe unvollkommen, schlecht, böse, fehlerbehaftet seien. Darum sind, aus Kosmetikgesetzgeber-Sicht und zugespritzt gesagt, Fenchel und Anis, Basilikum und Estragon, Zimt und Rose, “böse Pflanzen”, denn sie produzieren “gefährliche Stoffe”, welche hautschädigend und leberschädigend (durch die Haut???) wirken. Die wissenschaftlichen Experimente, die zu diesen Erkenntnissen führten, werden jedoch einerseits oft mit menschengemachten Laborduftstoffen an (Nage-)Tieren mit anders arbeitendem Stoffwechselsystem gemacht. Dazu werden diese Tiere damit zwangsernährt, obwohl Rose, Fenchel, Basilikum vielleicht nicht zu ihrem Beute- und Nahrungsschema gehören und ihr Metabolismus nicht jahrtausende Jahre lang Zeit hatte, sich auf den Abbau dieser Pflanzeninhaltsstoffe einzustellen. Diesen Tieren wird zudem das Fell wegrasiert, bevor sie mit den fraglichen Substanzen eingeschmiert werden (wer sich als Mensch rasiert, wird sich an diesen Stellen nicht anschließend mit scharfen und reizenden Kosmetika einreiben, weil das Rasieren immer Mikroverletzungen zur Folge hat). Und damit man wirklich nachweisen kann, wie gefährlich diese “Pflanzenstoffe” (aus dem Labor, hm) sind, werden sie hoch/überdosiert und über lange Zeiträume an den Tieren verwendet. Wenn ein menschliches “Versuchskaninchen” wochenlang ausschließlich mit Heu gefüttert werden würde, könnte man beweisen, dass Heu unverdaulich ist, zu Giftgasen in den Eingeweiden führt und schließlich zum Tod durch Darmverschluss.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Der Faktor Mensch wird dabei völlig vernachlässigt: Dass der Mensch recht schnell “die Nase voll” hat von einem Duft, dass er vergesslich ist, selbst wenn er sich jeden Tag mit etwas einschmieren wollte, dass ihm nach kurzer Zeit penetrante Überdosierungen stinken, dass er einen komplexeren Stoffwechsel als ein Meerschweinchen hat, dass er Kleidung trägt, die das Kosmetikum abreibt, dass er Milch trinkt, die zu viel gegessene Duftstoffe emulgiert und resorbieren helfen kann, dass er andere und viel mehr Auswahl an Dingen isst, die mit dem Duftstoff interagieren werden…. all das, also das “wahre Leben”, findet im Labor nicht statt. Wie sollte es auch! Dazu kommt, dass beispielsweise Rosen- und Lavendelöl aus jeweils einigen hundert Inhaltsstoffen bestehen! Dies kann und will man nicht separat untersuchen. Und diese kann oder will man nicht herstellen, um ein ”naturidentisches” Aromaöl auf den Markt zu bringen (man könnte es – technisch gesehen – zu 99,5% herstellen, doch dann wäre das billige Aromaöl vermutlich viel teurer als seine natürliche Variante).

Und weil man an technische und vor allem an preisliche Grenzen stößt, reduziert man beispielsweise Lavendelöl auf drei “böse Inhaltsstoffe” (Linalool, Linalylacetat, Geraniol), die kunstvoll zusammengemischt sicherlich fast wie Lavendelöl riechen würden) und will den naiven Verbrauchern suggerieren, dass man sie vor diesen negativen Komponenten schützt. Damit zurück zur Petition und zur Kosmetikverordnung: Bei einigen, wie diesen Lavendelstoffen, schreibt man “nur” die Deklaration vor (was für Allergiker natürlich hilfreich beim Einkauf ist), obwohl laut Duftstoffe-Fachmann Erich Schmidt  bei etlichen der gebranntmarkten deklarierungspflichtigen Stoffe nachgewiesen werden konnte, dass sie nicht allergener wirken als tausend andere Dinge des täglichen Lebens. Bei anderen Naturdüften wie Rosenöl muss verdünnt werden, damit der eine “böse Stoff” (Methyleugenol) kaum noch im Kosmetikum enthalten ist, bei anderen muss verdünnt werden, um bestimmte Gefahrenhinweise auf dem Etikett zu vermeiden (ich hatte hier eine Liste zusammengetragen). Man kann als Laie wirklich nicht mehr mitkommen, Öle-Firmen müssen Anwälte anheuern.

Volkmar Heitmann hat mir und euch netterweise den Link zu diesem “behördlichen Duftkrimi” geschickt, hier kann er gelesen werden (auf englisch und ellenlang, die meisten EU-Bürger haben somit keinen Zugang zu diesem “Meinungspapier” (opinion), ich wüsste zu gerne, wer die am Anfang namentlich aufgeführten Meinungsgeber sind bzw. für wen sie arbeiten. Für solche Recherchen bedürfte es eines eigens eingerichteten und bezahlten Arbeitsplatzes. Hallo Ätherische-Öle-Firmen, hat jemand da draußen Zeit und Kapazitäten dafür frei?! Immerhin wird ganz demokratisch auch eine Meinungsseite für die EU-Bürger eingerichtet, wenn man sich also durch diesen englisch verfassten Fachtext gewühlt haben sollte, kann man seine Meinung auch kundgeben. (Selbst mir mit Fließend-Englisch-Fähigkeiten graut vor dieser Seite).

Ich war jedenfalls vergangene Woche – sehr schön passend zum Thema – zweimal mehr oder weniger freiwillig mit Chemieduftbomben konfrontiert. Einmal stand der Wäscheständer mit zu trocknender Wäsche im Schlafzimmer, sie war mit “eben mal ganz schnell” gekauftem Waschmittel (“mit ätherischen Ölen”) gewaschen worden, weil das Biowaschmittel leer war. Kaum zu glauben, was für Emissionen da im Zimmer umher waberten, sie lösten ein starkes Irritation im Sinne von “Achtung, Störung, hier stimmt etwas nicht, weg laufen!” aus. Beim zweiten Mal führte der Besuch des Schweden-Kaufhauses bzw. zum Glück erst ganz am Ende die Kerzenabteilung, zu einem über 24 Stunden währendem leisen Kopfschmerz. Auf diesen beiden Produkten würde ich gerne die neue Etikettenvorschrift sehen: Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein. Aber diese ist für solche Produkte, die man unter Umständen tagelang und wochenlang einatmet, nicht vorgesehen. Ein typisches Beispiel für den Zwei-Klassen-Duft.

PS Ähnlich wie beim Beispiel “100 Prozent Wolle” des Teppichs verhält es sich übrigens mit sehr vielen Kleidungsstücken und sonstigen Textilien aus “100% Baumwolle”, diese bestehen immer öfter aus einigen Prozenten an anderen Stoffen.

(zwangs-)verdünnungen von ätherischen ölen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapySeit einigen Jahren haben wir uns daran gewöhnt, dass auf den meisten Ätherische-Öle-Fläschchen das Gefahrensymbol Xn (Andreaskreuz) aufgedruckt ist. Wir kannten es bis zu dieser Vorschrift als Erkennungsmerkmal für giftige Chemikalien, etwa aus der Welt der Baumärkte (Lösungsmittel, Pinselreiniger, Kleber etc). Alle ätherischen Öle (und andere “Chemikalien”), welche über 10 Prozent Kohlenwasserstoffe enthalten, müssen entsprechend der Gefahrstoffverordnung mit diesem international gültigen Zeichen gekennzeichnet werden.
AromatherapieDa ein Großteil der ätherischen Öle mit einen hohen Anteil an Monoterpenen ausgestattet ist, gilt für sie die aufgedruckte (aufkleben nicht gestattet) Kennzeichnungspflicht mit dem Symbol (Größe und Farbe sind vorgeschrieben), verbunden mit einem ausgeschriebenen Gefahrenhinweis und dem aufgeklebten erhabenen Dreieck, das von sehbeeinträchtigten/blinden Menschen ertastet werden kann. Es ist schon irgendwie zynisch, dass ein Produkt, dass (bei korrekter Anwendung) die Gesundheit so wundervoll fördern kann (antibakteriell, kortisonartig-schmerzlindernd etc), als gesundheitschädigend gekennzeichnet werden muss. Ob demnächst auch Zwiebeln, Knoblauch, Meerretich & Co. den Aufdruck tragen müssen? Oder gar aus der Küche verschwinden müssen, denn sie können schwere Reizungen verursachen.
AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannNeben inhaltlichen Qualitätskontrollen, die für de Endverbraucher sicherstellen, dass er hochwertige und ehrliche Öle kauft, machen diese Vorschriften einen erheblichen Anteil am Preis des ätherischen Öles aus (öfters Etiketten neu und mit Zusatzfarbe drucken, sich ständig informieren, Anwälte bezahlen etc). Dazu kommen bei ‘Bio-Ölen’ die hohen Kosten für die zusätzlichen jährlichen Kontrollen und Siegel. Letztendlich ist das Billigste im Fläschchen das ätherische Öl. Davon erhalten diejenigen Personen, die auf dem Feld arbeiten, sich bücken und krummlegen beim Vermehren, Pflanzen, Jäten, Ernten und Destillieren nur einen verschwindend geringen Anteil.
Um die Symbole “ätzend” und “giftig” umgehen zu können, steht es den Lieferanten frei, bestimmte Inhaltsstoffe durch Verdünnen ihrer Öle, in den zulässigen, nicht mehr kennzeichnungspflichtigen Bereich zu bringen. Firmen, die eher gut geschulte Fachpersonen beliefern, verzichten unter Umständen lieber auf das Verdünnen, um den Therapeuten die Freiheit zu lassen, das pure Öl so zu verdünnen, wie sie es für die jeweiligen Patienten für erforderlich halten. Firmen, die den breiten Markt bedienen, möchten vermutlich nicht durch Totenkopf & Co. verschrecken und setzen die Vorschriften um, verdünnen also. Beim deutschen Marktführer Primavera sieht es derzeit so aus:

  • Anissamen (Pimpinella anisum): 24% in Weingeist/in ethanol (ethyl alcohol)
  • Eisenkraut Grasse (Aloysia triphylla): 10% in Cymbopogon citratus
  • Basilikum (Ocimum basilicum): 10% in Weingeist/in ethanol
  • Estragon (Artemisia dracunculus): 12% in Weingeist/in ethanol
  • Fenchel (Foeniculum vulgare): 19% in Weingeist/in ethanol
  • Frangipani (Plumeria alba): 20% in Weingeist/in ethanol
  • Ginster (Spartium junceum): 15% in Weingeist/in ethanol
  • Iris (Iris pallida): 95%, 5% Champaca
  • Iris (Iris pallida): 1% in Weingeist/in ethanol
  • Lorbeer (Laurus nobilis): 30% in Weingeist/in ethanol
  • Magnolienblüte (Michelia alba): 15% in Weingeist/in ethanol
  • Melisse: 30%, 70% in Lavandula
  • Mimose (Acacia dealbata): 15% in Weingeist/in ethanol
  • Moschuskörner (Hibiscus abelmoschatus): 15% in Weingeist/in ethanol
  • Neroli (Citrus aurantium flower): 10% in Weingeist/in ethanol
  • Osmanthus (Osmanthus fragrans): 5% in Weingeist/in ethanol
  • Oud (Aquilaria malaccensis): 5% in Weingeist/in ethanol
  • Rose (Rosa damascena from different countries) bulgarisch, indisch, persisch, türkisch, türkisch bio: 10% in Weingeist/in ethanol
  • Thymian Thymol (Thymus vulgaris): 19% in Weingeist/in ethanol
  • Tuberose (Polianthes tuberosa): 5% in Weingeist/in ethanol
  • Veilchenblätter (Viola odorata leaves): 13% in Weingeist/in ethanol
  • Zimtblätter (Cinnamomum zeylanicum leaves): 6% in Weingeist/in ethanol
  • Zimtrinde (Cinnamomum zeylanicum bark): 60% in Weingeist/in ethanol

Etliche Öle werden aus Kosteneinspargründen verdünnt, vor allem die blumigen Düfte (Champaca, Frangipani, Ginster, Iris, Magnolienblüte, Mimose, Neroli, Osmanthus, Tuberose, Veilchenblätter), auch Moschuskörner und Oud sowie “Eisenkraut” und Melisse wären pur unnötig teuer. Bei Anis, Fenchel, Basilikum, Estragon geht es um die angeblich lebertoxischen phenolischen Verbindungen, vor denen die VerbraucherInnen geschützt werden sollen, genau so in Lorbeer und Rose, deren “gefährlicher” Inhaltsstoff Methyleugenol angeblich die Konsumenten schädigen kann (ja, pures Rosenöl ist dem Gesetzgeber in naturkosmetischen Produkten zu gefährlich!). Zimtblätteröl enthält eine Spur Safrol, vor dieser phenolischen Verbindung muss geschützt werden. Bohnenkraut, Oregano und Thymian Thymol müssen aufgrund ihres Anteils an Thymol und Carvacrol verdünnt werden (oder erstere werden sogar ganz aus dem Programm genommen), ähnlich hautreizend wirkt Cinnamal (Zimtaldehyd) in Zimtrindenöl.
Für Kenner ist es interessant, dass potenziell hautreizende Öle wie Bay, Nelke und Tulsi (Heiliges Basilikum) nicht verdünnt angeboten werden müssen. Auch ein Öl, mit dem man bei grob übertriebener Einnahme (circa 5 ml) jemanden töten könnte, wird bislang nicht reguliert. Ein anderes, das abortiv wirkt, kann man gerade jetzt öfters auf Weihnachts(floh)märkten kaufen.

European (and worldwide) regulations are becoming stricter every year, so many essential oils have to carry symbols which appear frightening to the consumer who isn’t educated in aromatherapy. If companies choose to avoid the symbols for ‘irritant’ and ‘toxic’ they have to dilute the essential oils which contain thymole, carvacrole, safrole, methyleugenol (rose!) and methylchavicol. Most absolutes from flowers are diluted for price reasons as are the essential oils of agarwood and ambrette. Some of the most toxic oils though – one can kill after the ingestion of 5 ml, the other can be abortive – are still freely available without any warnings.

PS Monika Volkmann hat in ihrem Blog auf eine gute Sendung (auch per Internet) zum Thema MRSA – resistente ‘Klinikkeime’ – aufmerksam gemacht, damit sollte sich wirklich jeder beschäftigen, denn man weiß nie, ob bzw. wann man in eine Klinik kommen könnte. Und man sollte wissen, dass die Gefahr durch bestimmte ätherische Öle deutlich eingedämmt werden kann (siehe dazu in der rechten Spalte die Liste der Kategorien, ich habe bereits öfters darüber geschrieben). Die auf MRSA-Opfer spezialisierte Anwaltskanzlei informiert über die rechtlichen Aspekte auf ihrer Website.

ätherische öle bei epilepsie


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch habe in den letzten Wochen mehrere Anfragen zum Thema Epilepsie bekommen und staune, dass ich in fast drei Jahren des Blogschreibens bislang noch nichts dazu zusammengefasst habe. Vielleicht liegt es daran, dass meine Erfahrungen nach fast 25 Jahren der Arbeit mit ätherischen Ölen erfreulicherweise der Zahl NULL entsprechen! Ich habe noch nie einen Zwischenfall dieser Art gehabt, nehme allerdings von Anbeginn nur allerreinste Öle in vernünftiger Verdünnung (maximal 3 Prozent). Zudem verwende ich niemals ätherische Öle, die grundsätzlich als bedenklich gelten, bei fremden Menschen (Thuja, Flohminze etc). Salbei verwende ich nur in thujonarmer Qualiät (thujonfrei würde auch das Fehlen von Vorteilen der Monoterpenketone bedeuten, weniger schleimlösend, weniger wundheilend etc).

Es ist im Gegenteil so, dass viele ätherische Öle, vor allem solche die Linalylacetat, Terpineol-4 und Linalool enthalten, krampflösend wirken können, Prof. Buchbauer bzw. sein Team in Wien haben bereits entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse dazu erbracht.
Es gibt in der Literatur Abschreibe-Fehler, die von Erkenntnissen aus der Parfüm- und Pharmaindustrie stammen, beispielsweise zu Fenchel: Der “gefährliche” Fenchel ist der Bitterfenchel (Foeniculum vulgare var. amara), ich kenne jedoch keine Ölefirma, die daraus ein ätherisches Öl anbietet. Zudem müssen Buchautor/Innen immer ein wenig zuviel warnen, denn wir kennen ja unsere Leser nicht und wissen nicht, ob sie den Unterschied zwischen Pfeffer- und Flohminze, zwischen Salbei aus Südfrankreich und aus Dalmatien kennen, ob sie nicht zum nächsten Drogeriemarkt rennen und dort zweifelhafte Öle kaufen und gleich einnehmen (weil es ist ja alles nur Natur). Oder ob sie nach der neumodischen Anwendung 100 Tropfen puren Öles auf die Haut von fremden Menschen geben…
Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch habe sehr wohl drei Erfahrungsberichte von Fehlanwendungen mit Salbei erhalten. Einmal bekam ein Hund (gut medikamentös eingestellter Epileptiker) nach einer Duftlampenanwendung mit vielen, wirklich vielen Tropfen Salbeiöl unbekannter Herkunft zweimal einen Krampfanfall. Jemand anderes hatte eine Frühjahreskur mit Salbeiöl unternommen: am ersten Tag einen Tropfen eingenommen, am zweiten Tag zwei Tropfen, am dritten Tag drei Tropfen etc. (bis zum zehnten Tag mit 10 Tropfen und dann wieder rückwärts). Es kam zu einem Klinikaufenthalt wegen Verdacht auf Vergiftung. Klar,  die im Öl enthaltenen Monoterpenketone wirken neurotonisch (leicht stimulierend-anregend auf das Nervensystem, laut Studien sogar hilfreich bei demenziell veränderten Menschen) und einige der  Monoterpenketone wirken bei grober  Überdosierung/Falschanwendung neurotoxisch (nur ein Buchstabe Unterschied zur giftigen Wirkung!, Pulegon, Thujon, Pinocamphon/Isopinocamphon und bei empfindlichen Menschen auch Borneon=Kampfer). Zudem können es sich diese eher selten gehäuft auftretenden Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen für einige Tage in der Leber gemütlich machen, so dass ein kumulativer Effekt entstehen kann. Eine liebe Kollegin hat sich mit einigen Litern täglich ihres Lieblingstees mit Salbei zumindest in Richtung Schwindel gebracht. Durch die neurotoxische Wirkung können Falschanwendungen auch fatal auf einen Embryo/Fötus wirken, dessen sich bildendes Nervensystem davon überfordert wird (führt ggfs. zu abortiver Wirkung).
Die relative Toxizität hängt von vielen Faktoren ab, vom Zustand der Leber, vom Körpergewicht der betreffenden Person, von der Zusammensetzung des Öles, von der Menge und von der Art der Anwendung. Man kann nur immer wieder betonen, dass ätherische Öle nicht in Mengen eingenommen werden dürfen, die nicht der Nahrung entsprechen. Wenn man sich also bewusst macht, dass in einem einzigen Tropfen Salbeiöl circa eine Einkaufstüte voller Salbeiblätter steckt, wird man NIEMALS drei oder vier oder gar zehn Tropfen davon einnehmen. Selbst als Fan der italienischen Küche, der gerne Gnocchi mit in Butter gebratenen Salbeiblättern isst oder mit Salbei gefüllter Saltimbocca. Dabei handelt es sich immer um die Einnahme eines Bruchteiles von Tropfen! Ein Tropfen Zitronenöl in der Süßspeise oder im Getränk (pro 500 g bzw. 1 Liter), vorverdünnte Gewürz- und Kräuteröle (5-6 Tropfen auf 30 ml Sirup oder Olivenöl, davon wenige Tropfen) sind eher eine gesundheitsfördernde Maßnahme, vor allem wenn man aufgehört hat, mit frischen Kräutern zu kochen. Und eine korrekt ausgeführte Aromamassage, ein aromatisches Fußbad, eine Inhalation mit nur einem Tropfen eines natürlichen und hochwertigen ätherischen Öles werden bei nicht gebrechlichen, nicht hypersensiblen oder sehr kleinen Menschen (erst ab 4 oder 5 Jahre) keinen Schaden anrichten.
Some essential oils containing monoterpenones might be neurotoxic instead of neurotonic (just one letter from beneficial to fatal) if used in the wrong way. Taken in the wrong amounts and even swallowing them might prove dangerous to people with epilepsy, especially if the origin of the oil is dubious. We book authors have to warn much more than is really necessary as we don’t know where our readers have their oils from or what they actually do with them. It isn’t dangerous to apply even ‘toxic’ oils like a sage-oil of high quality (low in thujone) externally and well diluted (3-4 drops in 10 ml carrier oil), i.e. for a few days if you have a cold. I wouldn’t recommend though to use thuja, hyssop and pennyroyal oils. Some essential oils containing monoterpenol-4, linalool and linalylacetate can even prevent seizures as Prof. Dr. Buchbauer and his team from the University of Vienna could show – at least on animal experiments .

sanfte alternative zu ritalin: methylanthranilat in zitrusölen


Beim Recherchieren für ein Kapitel in meinem demnächst fertig zu seienden Buchmanuskript musste ich mich eingehender mit der modernen und weit verbreiteten Droge namens Methylphenidat beschäftigen. Noch nie gehört? Der Stoff wird heute – zumindest in den USA – von jedem vierten Studenten eingepfiffen, um dem Leistungsdruck und Prüfungsstress standhalten zu können. Das Zeug sei nichts anderes als Kokain, nur in geringerer Dosierung, sagt der Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Uni-Klinik Göttingen Gerald Hüther. Trotzdem ist es unter dem Namen Ritalin (und Concerta und Medikinet) in jeder Apotheke erhältlich – zumindest wenn man ein entsprechendes Rezept vorlegt. Der Professor sagt weiter:

In den Siebzigern nahm man LSD, um dem Muff der Nachkriegszeit zu entkommen. In den Achtzigern nahm man Kokain, um sich trotz Pershing-II-Raketen gut zu fühlen. In den Neunzigern nahm man freitags Ecstasy-Pillen, um bis montags zu tanzen. Es waren Spaßdrogen, mit denen die Jugend gegen die Erwartungen der Gesellschaft rebellierte. Heute nehmen Studenten Ritalin, weil es ihnen hilft, sich den Erwartungen der Gesellschaft anzupassen. Sie sind die erste Generation, die eine Vernunftdroge konsumiert. Eine traurige Droge, ein Armutszeugnis. Quelle. Zeit Online

Nun sind es nicht nur Studenten, also junge Erwachsene, die sich zunehmend dieser Wohlstandsdroge zuwenden, sondern viele K(leink)inder können den modernen Schulalltag nur bestehen, wenn sie damit schön gleichmäßig gedopt werden. Freilich will ich den wohl überlegten Einsatz eines pharmazeutischen Hilfsmittels nicht leichtfertig kritisieren, ich weiß von Fällen, in denen hyperaktiven und aufmerksamkeitsgestörten Kindern nicht mehr anders geholfen werden kann/konnte. Schlimm ist es, wenn sich die betreffenden kleinen (und großen) Menschen schon selbst auf den Geist gehen, denn sie spüren oft, dass etwas nicht in Ordnung mit ihnen ist.

Ich kritisiere vielmehr den leichtfertigen Umgang mit der machtvollen Droge, die nicht frei von gravierenden Nebenwirkungen ist – bis hin zu Selbstmordgedanken. Ich meine, dass in “leichten Fällen”, wo das Verhalten “nur” anstrengend und nicht bedrohlich ist, andere Maßnahmen ausprobiert werden sollten. Und damit bin ich bei den Düften angekommen, ich hatte über dieses Thema hier bereits einmal geschrieben. Die zwei schier unaussprechlichen Stoffe in allen Zitrusschalenölen, in Zitrusblättern und Zitrusblüten, aber auch in vielen Blütenabsolues, heißen Methylanthranilat und Dimethylanthranilat. Zweiteres ist dem Methylphenidat chemisch sehr ähnlich. Wie auch die in höchster Verdünnung betörend duftenden Stinkstoffe Indol und Skatol, die sich in manchen Blüten-Absolues befinden. Auch zu unserer körpereigenen “Happy-Droge” Serotonin besteht eine gewissen strukturelle Verwandtschaft. So lässt sich chemisch begründen, warum wir Aromafachleute Rat suchenden Eltern und Lehrern fast immer Zitrusöle für hyperaktive und ähnlich auffällige Kinder empfehlen. Kinder suchen diese Öle ohnehin fast immer “freiwillig” aus, sie fühlen sich meistens zu diesen Düften hingezogen. Wir beobachten immer wieder eine verblüffende Wirkung auf Stimmung und Verhalten der kids. Einer meiner Kursteilnehmer gab die Geschichte zum besten, dass ihn seine Frau nach langen Arbeitstagen manchmal aufforderte: “Du Peter, tu doch mal das ‘Schalt-die-Kinder-aus-Öl’ in die Duftlampe!” Viele garantiert naturreine Zitrusöle – die auch in unserer Küche zum Einsatz kommen – finden Sie auf meinen drei Shopseiten zum Thema (durch Bestellungen über diese Links entlohnen Sie die Lektüre dieser Artikel, ohne dass Ihnen Mehrkosten am Produkt selbst entstehen).

Diese Düfte, in feuerfreien Duftgeräten zu Hause und eventuell auch in Klassenzimmer/Kindergärten eingesetzt, können sehr stark zum Wohlbefinden sowohl der Pädagogen und Eltern als auch der Kleinen und Teenager beitragen. Wer sich in einer duften Umgebung wohl fühlt, lernt besser, wenn seine entsprechenden “Lern-Hormone” noch angekurbelt werden, umso besser. Auch in einer psychiatrischen Klinik können Zitrusdüfte adjuvant (ergänzend) zur herkömlichen Therapie eingesetzt werden. Die Schweizer Krankenschwester und Aromatherapeutin Regula von Rohr hat beste Erfolge zu verzeichnen:

Wenn ich mir überlege, welche Düfte ich am breitesten einsetze und am meisten gebrauche, dann sind das sicherlich die Zitrusdüfte. Die haben bei allen psychischen Erkrankungen die mir hier in der Klinik begegnen, die höchste Akzeptanz mit der jeweilig längsten Anwendungsdauer. Das heisst, egal welche Grunderkrankung jemand mitbringt, die Zitrusdüfte sind bei mindestens acht  von zehn PatientInnen bei der persönlichen Auswahl dabei und sie werden am längsten angewendet.

In den vergangenen Jahren sind hunderte von Schülern und Schülerinnen in dem einzigartigen Projekt „Dufte Schule“ beobachtet worden, in dem deren Verhalten und Schulergebnisse mit und ohne ätherische Öle verglichen worden sind. Es gibt ein Buch dazu und das praktische Ätherische-Öle-Set Dufte Schule.

Einige Duftgeräte ohne offenes Feuer, die also im Umgang mit Kindern (und anderen bewegungsintensiven oder schwer berechenbaren Personengruppen) empfehlenswerter als Kerzenmodelle sind:

  • Flash-Duftlampe von Primavera, gleichzeitig eine wunderschöne Lampe mit tollem Licht, in verschiedenen Farben
  • Aromastream von Feeling, eine Art Ventilator mit austauschbarem Duftvlies, das einige Male in der Maschine waschbar ist (gibt es auch bei anderen Firmen)
  • Alabasterlampen wie von Aromatao sind ein Traum für den dickeren Geldbeutel (oder als Geburtstagsgeschenk)
  • Thermoduftsteine gibt es in vielen unterschiedlichen Ausführungen, wie beispielsweise von Neumond und von Taoasis
  • Vernebler, auch Diffuseure genannt, welche die Öle überhaupt nicht erhitzen, sind aus Sicht der ätherischen Öle die schonendste Möglichkeit, hier noch ein schönes und preisgünstiges Modell von Farfalla
  • Duftbrunnen mit Vernebler-Effekt gibt es beispielsweise bei Neumond
  • Beduftungsobjekt, das per Kaltdiffusion arbeitet, für große Räume bis zu 60 qm (Schule, Kindergarten, (Zahn)Arztpraxis, Konferenzraum etc)
  • Auto-Duftgeräte werden an den Zigarettenanzünder angeschlossen, so dass natürliche konzentrationsfördernde Düfte für eine gute Fahrt sorgen (und nebenbei werden unangenehme Gerüche neutralisiert)

Übrigens dient Methylanthranilat als Vogel-Abwehrstoff auf Felder, Golfplätzen, Mülldeponien, Dächern etc eingesetzt werden. Es schadet den Tieren nicht, sondern sie werden durch die Duft-Sprühstöße regelrecht abgestoßen, sie meiden diese Plätze nach einigen wenigen Anwendungen.

Eine natürlich beduftete Umwelt ist nicht gefährlich, obwohl die Presse und bestimmte Verbände chemische Duftbausteine, die bedenkliche Trägerstoffe enthalten, gerne mit natürlichen Riechstoffen gleich setzen. Das entspricht absolut nicht der Wahrheit, wie seriöse Chemiker, die sich mit Düften wirklich auskennen, bestätigen können. Hier ein Hinweis zu der Initiative, die kürzlich von Axel Meyer ins Leben gerufen worden ist: ICH WILL NATURDUFT. Machen Sie mit beim kleinen Fragebogen und unterstützen Sie damit die Kampagne gegen die vielen Duft-Verbote In meine Raumluft kommt nur Naturduft!

PS Im Ärzteblatt ist über eine Studie zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei ADHS zu lesen.

homöopathie und ätherische öle


Diese Überschrift führt gerne zu hartnäckigen Diskussionen, starren Wort-Gefechten, religionsartigen Glaubensäußerungen. Ich hatte unter “Ein perfektes Paar” bereits vor über zwei Jahren darüber geschrieben. Da ich mir heute den wunderbaren Artikel über “Hahnemann und das Riechen” des Arztes für Naturheilkunde Dr. Erwin Häringer* zum wiederholten Male zu Gemüte führte, dachte ich, dass dieses Thema einen erneuten Eintrag wert sein könnte.

Samuel Hahnemann (1755-1843), der Begründer der Homöopathie lebte in einer Zeit, in der das Spüren, Beobachten und ganzheitliche Be-Greifen einer Sache oder eines Zustandes noch mit viel Sorgfalt betrieben wurde. Es gab damals noch kein Wissen um Bakterien oder gar Viren, es gab nur eher steinzeitliche Operationsmethoden, es gab kein elektrisches Licht und kein hochauflösendes Mikroskop. Es war jedoch eine Zeit, die kurz vor dem Ausbruch des noch heute gültigen stark materialistisch orientierten Weltbildes stand. Hahnemann war zwar studierter Arzt, jedoch gehörte er auch den Freimauern an (was sich damals wie heute keineswegs ausschloss!), war also sehr spirituell/religiös orientiert. Sein Vorgänger als Vorstand der Leipziger Loge war ein großer Verfechter von Düften und Räucherungen und dürfte den späteren Vater der Homöopathie in diese Richtung beeinflusst haben. Die Methode des Riechens an hochgradig verdünnten Substanzen entstand in dieser Zeit (1813/14). Zehn Jahre später findet man sogar das ‘R’ auf manchen seiner Verordnungen, man weiß heute, dass es nicht die Abkürzung für “Rezeptur/Recipe” bedeutet, sondern zum Riechen auffordert. Ob durch diesen kleinen Buchstaben das Missverständnis vieler klassischer Homöopathen entstanden ist, dass (manche) Riechstoffe schädlich für die erfolgreiche homöopathische Behandlung sein könnten? Zumindest deutet er darauf hin, dass der ganzheitlich arbeitende Mediziner das Riechen damals für wichtig, heilsam, therapeutisch befand.

Vielleicht ist das Riechen von Naturdüften sogar eine wertvolle Ergänzung zur homöopathischen Behandlung, Aromatherapie als eine Art Verdünnungsmedizin???? Möglicherweise muss man nur die synthetischen Riechstoffe wie menthollastige Labor-Minzen und standardisierte Kamillentinkturen zu den Antidoten der Kügelchen-Therapie zählen. Die meisten von uns AromatherapeutInnen und AromaexpertInnen jedenfalls haben hervorragende Erfahrungen mit der Kombination beider Therapieformen. Vorausgesetzt, wirklich genuine ätherische Öle werden sinnvoll verdünnt eingesetzt und nur perkutan oder inhalativ verabreicht (für die innere Einahme von ätherischen Ölen scheinen tatsächlich andere Regeln zu gelten). Ich zitiere den modernen Arzt Dr. Häringer mit Praxis in München:

Ätherische Öle und Kosmetika bewirken im Allgemeinen keine Antidotierung; interessanterweise triff das auch für Zigaretten und Alkohol in Maßen zu. Die häufige unkritische Ablehnung der Aromatherapie durch Homöopathen ist unseres Erachtens nicht gerechtfertigt, da bis auf wenige Ausnahmen keine Wirkungsabschwächung stattfindet. Hier hilft nur die konsequente Arzneimittelprüfung.

Solange die Aromatherapie als echte Osmologie** betrieben wird, besteht keine Schwierigkeit in der Kombination mit homöopathischen Mitteln. Anders ist es jedoch bei der in Frankreich und Italien Verbreitung der oralen Anwendung von ätherischen Ölen. Hier sollte ein zeitlicher Abstand gewahrt werden.”

* in einem alten Forum Essenzia-Heft
** wie sie beispielsweise von Martin Henglein gelehrt wird und von seiner Schülerin Myrtha Gächter praktiziert wird

harmlose kosmetik und der tunnelblick


Robert Tisserand hat mir die freundliche Erlaubnis gegeben, einen hervorragenden Text von seinem Blog zu übersetzen. Seit 1969 ist er der “Aromatherapie-Papst” der Neuzeit. Der unermüdliche Kämpfer, der englisch und französisch spricht, schrieb einige Klassiker über den Einsatz von ätherischen Ölen (die nicht mehr in deutscher Sprache aufgelegt wurden) und er arbeitet auch daran, hartnäckige Vorurteile und Fehlinformationen über ätherische Öle auszumerzen. Vor zehn Jahren verließ er Großbritannien, um in die USA überzusiedeln. Sein folgender Aufruf gegen so manchen modernen Tunnelblick hat mir gut gefallen. Ich übersetze ihn etwas frei und zusammenfassend, da er sehr lang ist, Leserinnen, die des Englischen mächtig sind, sollten Tunnel vision im Original lesen.

Verbraucher sollten einen vernünftigen und sensiblen Schutz vor Schaden von denen, die Verbraucherprodukte regulieren, erwarten können. Besonders verletzliche Gruppen wie Kinder und schwangere Frauen mögen sogar eine spezielle Berücksichtung benötigen. Darum klingt es wie eine gute Idee, wenn Kosmetika komplett frei von jeglichen Karzinogenen (krebsauslösenden Stoffen) und Teratogenen (“embryo-schädigend”) wären. Aber ist das realistisch? Ist mehr Gesetzgebung notwendig?

Ein Problem liegt im Wort “komplett”. Wenn du jedes einzelne Molekül einer toxischen Substanz vermeiden möchtet, musst du entweder in einer Blase leben oder aufhören zu essen, zu trinken und zu atmen. Spuren von Cyaniden befinden sich beispielsweise in Lebensmitteln und Getränken – natürlicherweise und auch fabrikgemacht. Das bedeutet nicht, dass es okay wäre, sie in größeren Mengen zu konsumieren; doch die Giftigkeit dieser Produkte wird durch Beschränkung auf eine limitierte Höchstmenge die sich auf ppm (parts per million) beläuft, kontrolliert. Das gleiche gilt für Schwermetalle und auch für fast alle anderen Toxine.

Warum nicht null Toleranz? Gut, in vielen Fällen ist beides unrealistisch und unnötig. Alle giftigen Substanzen werden heutzutage mit NOAEL klassifiziert (no-adverse-effect-levels/keine-nachteiligen-effekte-level), auch Karzinogene. NOAELs werden in Tierversuchen festgestellt und festgelegt und dann auf das Hundertfache, Fünfhundertfache oder Tausendfache hochgerechnet. Diese mathematischen Ausflüge sind manchmal etwas beliebig und enden dann in zuviel Schutz und nicht in zuwenig Schutz.

Im US-Staat Colorado wird zur Zeit ein “Null-Toleranz-Gesetz” diskutiert und angestrebt, wenn es in Kraft treten würde, wäre beispielsweise jede auch noch so kleine Menge an Acetaldehyd in Pflegeprodukten verboten. Dein Körper produziert Acetaldehyd immer nachdem du Alkohol trinkst, denn es ist der Haupt-Metabolit (Abbaustoff) von Branntwein. Chronischer Alkoholismus kann zu Krebs führen mit Acetaldehyd als einem der hauptverdächtigen Auslöser. Acetaldehyd ist auch ein Spuren-Bestandteil von Äpfeln, Bananen, Heidelbeeren, Kirschen, Zitrusfrüchten, Preiselbeeren, Trauben, Oliven, Passionsfrüchten (Maracujá), Pfirsichen, Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren, Karotten, Sellerie, Gurken, Knoblauch, Zwiebeln, Erbsen, Kartoffeln und Tomaten. Also “tschüss” zu Fruchtextrakten in Kosmetika.

Wenn du eine Erdbeere nur als etwas betrachtet, das Acetaldehyd enthält (Tunnelblick), dann wird plötzlich alles, von dem du dachtest, dass es gut für dich wäre, zu etwas Schlechtem für dich. Aber (Problem Nummer zwei): Früchte enthalten eine Fülle von Antioxidanzien und Antimutagenen (“gegen krebsartige Veränderungen”), welche die Toxizität der Spuren von Acetaldehyd, die enthalten sein können, mehr als aufheben können.

Ja, auch “tschüss” zu  Rosenöl (destilliert) und “byebye” zu Rosenabsolue. War nett, euch kennenzulernen! Und mach’s gut Muskatnussöl, Muskatblütenöl, Myrtenöl, Basilikumöl, Tulsiöl, Citronellöl, Ho-Blätteröl (Ct. Linalool) und viele andere nicht so verbreitete Öle. Nicht weil sie Acetaldehyd enthalten, sondern weil sie Methyleugenol (ME) enthalten. ME wird wird gelegentlich in Spuren in Rosmarinöl, Gewürznelkenöl, Ysopöl, Teebaumöl, Canangaöl (Wildform von Ylang Ylang), Mastixöl, Cassizimtöl, Zimtblätteröl, Bohnenkrautöl, Pfefferöl (schwarz) und auch wieder in vielen nicht so bekannten Ölen gefunden. Hast du kürzlich frisches Basilkum gegessen oder gar Pesto? Dann hast du ME gegessen! Aber weder Basilikum noch Pesto sind Karzinogene, weil sie auch Antimutagene und Antikarzinogene enthalten, welche jedem toxischen Effekt von ME entgegenwirken. Ich sage das nicht nur so, es wurde bewiesen. Das gleiche gilt für Tulsiöl – um ein Beispiel herauszugreifen – es ist nicht nur nicht karzinogen, es wirkt sogar antikarzinogen. Der hoheGehalt an Geraniol in Rosenöl (destilliert) wirkt mit ziemlicher Sicherheit  schützend wegen seiner antikarzinogenen Wirkung.

Macht das einen Unterschied? Nicht wenn du einen Tunnelblick hast.

Drei US-amerikanische [von Robert genannte] “Umweltgruppen” üben derzeit lautstarken Druck aus und spannen ihre politischen Muskeln. Überall wo diese Leute hinschauen, finden sie gefährliche Toxine und – du darfst raten – wenn du sie suchst wirst du sie auch finden. Und wenn dein Blick derart eng wird, dass du nur noch Toxine sehen kannst, und dazu auch noch die armen Fötusse und Kinder, von denen du überzeugt bist,  diese dadurch geschädigt werden, dann wird es schwierig zurückzutreten und dir das Große Ganze anzuschauen. Diese “Umweltgruppen” scheinen nicht einzusehen, dass das Auffinden einer bestimmten Substanz im menschlichen Gewebe nicht automatisch bedeutet, dass der Träger dieses Gewebes geschädigt worden wäre.

Die Erfassung von Risiken hat viele Facetten (Problem Nummer drei) aber es geht dabei grundsätzlich darum zu entscheiden, ob ein bestimmter Kontakt mit einer Substanz gefährlich oder nicht gefährlich ist und auch wo die Schwelle (der Menge) liegt.Die Erfassung von Risiken hat nichts mit Panikmache zu tun, es geht auch nicht darum, die Leute wegen “Chemikalien” aufzuwiegeln und es sollte auch nicht darum gehen, eine pauschale und vorsorgliche Gesetzgebung zu implementieren. Es sollte vielmehr darum gehen, Sicherheit herzustellen, indem alle relevanten Aspekte eines Problems angeschaut werden und dann die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Ich stimme mit vielen Kampagnen dieser Umweltgruppen überein. Es ist jedoch eine Schande, dass sie dieselbe “ein-Inhaltsstoff-Ansicht” über ätherische Öle angenommen haben, welche die EU-Gesetzgebung infiziert hat.

Wenn du in Colorado lebst und mit meiner Meinung übereinstimmst, solltest du agieren. Wenn du nicht in Colorado lebst, bleibe wachsam, denn es ist noch mehr davon in Vorbereitung.

[Und wir armen EU-Bürger haben schon etliche dieser Einschränkungen über uns ergehen lassen müssen, beispielsweise die Fast-Entfernung von Rosenöl aus Rosen-Naturkosmetik....] Translation with kind permission of Robert Tisserand, thank you!

orangenöl als lösungsmittel


Beim Ausmisten sind zwei alte Lieblings-Geschirrtuch-Aufhängungsvorrichtungen wieder aufgetaucht. Noch so, wie wir sie vor über 10 Jahren aus der alten Küche entfernt hatten: Die Rückseite war noch mit dickem schaumstoffartigem doppelseitigem Klebeband versehen (das natürlich nicht mehr klebte). Alles Ziehen und mit Messer Kratzen half nichts, das Zeug ging nicht mehr ab. Ich weichte das die schmierige Masse einfach circa 20 Minuten mit 2-3 ml (altem) Orangenöl ein und konnte die schmierige Substanz dann einfach mit dem Messer abnehmen. Mit etwas (altem) Zitronenöl nachpoliert (riecht besser als altes Orangenöl) und die Teile hängen nun wie neu in der Küche!

Umgekehrt ist das eine Lektion in Sachen Sicherheit: Orangenöl löst so genannte Thermoplasten, also eine bestimmte Art von Kunststoff (vermutlich nicht nur diese). CD-Hüllen fallen in diese Kategorie, Kühlschrankschubladen und auch viele Essensverpackungen und Kunststoffgeschirre.

  • Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS)
  • Celluloid (altes Filmmaterial)
  • Polyamide (PA)
  • Polylactat (PLA)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polycarbonat (PC)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polystyrol (PS)
  • Polyetheretherketon (PEEK)
  • Polyvinylchlorid (PVC)

Mit Hilfe der auf den meisten modernen Kunststoffverpackungen aufgebrachten Recycling-Codes kann man sich als Laie ein klein wenig durch den Kunststoffdschungel orientieren.

Zitrusöl also nie pur auf diese Gegenstände geben. Selbst in unseren üblichen Verdünnungen von circa 1 bis 3 Prozent haben wir schon Auflösungserscheinungen bei Quarkpackungen u.ä. beobachtet. Also leckere und gesunde Aroma-Speisen nur in Glas- oder Porzellangefäßen anrühren.

Und im klinischen Bereich Öle in der Nähe von Kunststoffgerätschaften (chirurgische Fäden, Intubierungsmaßnahmen, Inhalationsgeräte etc) nur einsetzen, wenn sicher ist, dass diese die Öle vertragen (es gibt Gefäße und Laborgeräte, die keine Probleme mit ätherischen Ölen haben). Bei der Mundpflege auch berücksichtigen, dass Gebisse aus Kunststoff sind! Es ist leider viel zu wenig bekannt, welche Arten von Kunststoff sich mit welchen Ölen vertragen. Als Richtlinie für Laien kann man jedoch sagen, dass Öle mit einem Anteil an über 10 -15 Prozent Monoterpenen Auflösungserscheinungen verursachen können. Also sind beispielsweise Inhalationen (in Kunststoffgeräten/-gefäßen) mit Rosen- oder Manukaöl sinnvoller als mit Fichtennadel-, Orangen- oder Teebaumöl.

Rosmarin ist Heilpflanze des Jahres 2011


In der Aromatherapie schätzen wir die einzigartige Kombination der Inhaltsstoffe des ätherischen Rosmarinöles aus Kampfer und Eukalyptol: Kaum ein Öl hilft besser bei niedrigem Blutdruck, Antriebslosigkeit und blockiertem Denkvermögen, es kann sogar Menschen mit demenziellen Symptomen zu Momenten mit mehr Klarheit verhelfen. Im spanischen Chemotyp (Ct. Borneon/Kampfer), das billigsten und am weitesten verbreitete Rosmarinöl, kann circa ein Drittel an Kampfer enthalten sein. Im verträglicheren Ct. Cineol/Eukalyptol beträgt der Kampfergehalt circa 10 Prozent.

Die selten erhältliche Spezialität Ct. Verbenon aus Korsika enthält fast keinen Kampfer und keine 10 Prozent Eukalyptol und ist darum am ehesten für die empfindlichen Anwendergruppen geeignet: Schulkinder, Schwangere und Epileptiker, aber nur nach der Beratung durch eine aromakundige Person. Zudem ist dieses Öl ein hervorragendes leberregenerierendes Mittel, beispielsweise zur Frühjahreskur oder nach der feuchtfröhlichen Partysaison. Alle drei Chemotypen sind effektive Mittel zur Einreibung bei Muskel- und Gelenkschmerzen, das kampferige Öl auch vorbeugend gegen Muskelkater und zum Warmwerden vor sportlichen Aktivitäten.

Für alle, denen das Öl zu stark ist, kann ich einen morgendlichen Rosmarintee (evtl. mit Honig) zur Kreislaufanregung empfehlen: einfach einige der nadelartigen Blättchen mit kochend heißem Wasser überbrühen, zudecken, 10 Minuten ziehen lassen, trinken – und ab geht die Post! Oder 10 Tropfen Rosmarinöl in ein Glas Honig geben, gut umrühren und damit andere Kräutertees kreislaufanregend süßen. Alle diese Maßnahmen sind für Menschen mit hohem Blutdruck nur gelegentlich geeignet.

Im Juni wurde dieses bei mir heckenartig wachsende Kraut (bis zu 1,5o m hoch, in Irland ist es zudem komplett winterhart) zur Heilpflanze des Jahres 2011 gekürt. Das Jahr der Gewürznelke neigt sich somit seinem Ende zu…Der offzielle Pressetext zum Rosmarin:

Der Rosmarin (Rosmarinus officinalis) ist der frisch gekürte Inhaber des Titels „Heilpflanze des Jahres 2011“. Ausgewählt wurde der Rosmarin durch eine Jury des Vereins „NHV Theophrastus“, welcher sich insbesondere für die Verbreitung traditionell naturheilkundlichen Wissens engagiert.

Dabei schätzen die Jurymitglieder insbesondere die große Anwendungsbreite des Rosmarins im medizinischen und kosmetischen Bereich. „Durch seine natürliche, aktivierende und tonisierende Wirkung ist Rosmarin für eine immer älter werdende Bevölkerung ebenso hilfreich wie auch für jüngere Patienten mit Erschöpfungs- und Ermüdungszeichen“, begründet ein Jurymitglied die Wahl. Außerdem wirkt er durchblutungsfördernd und krampflösend, bringt den Kreislauf in Schwung und stärkt Herz und Verdauung. Auch in der Küche ist Rosmarin in der Lage, durch gezielten Einsatz als Gewürz seine wertvollen gesundheitsfördernden und herausragenden aromatischen Eigenschaften zu entfalten.

Die öffentliche Bekanntmachung erfolgte am 8. Juni anlässlich des vom Sächsischen Landeskuratorium Ländlicher Raum e.V. veranstalteten Heilkräuter-Fachsymposiums im Kloster St. Marienstern in der Lausitz. Maria Vogel, mehr bei NHV Theophrastus

wie flohminze einst die welt eroberte


Man sagt, ohne den Gebrauch von Flohminze oder Pennyroyal (Mentha pulegium) hätten die Engländer nicht ihre Triumphe als Weltumsegler und Kolonialmacht erlangen können. Das Geheimnis der erfolgreichen Seefahrer bestand in zwei heutzutage recht trivial erscheinenden Lösungen für folgende Probleme: 1. Wie kommen Matrosen und Kapitän ohne gesundheitliche Schäden durch Skorbut ans Ziel? 2. Wie kommt man möglichst weit mit möglichst frischen Süßwasservorräten?

Ersteres wurde vor allem durch Kapitän James Cook bis zum – im wahrsten Sinnes des Wortes – bitteren Ende ausprobiert und durchexerziert. Er hatte offenbar die Intuition, ascorbinsäurehaltige Pflanzen ausfindig zu machen und seiner Mannschaft deren Verzehr zu verordnen. Berüchtigt geworden sind seine schier unerträglichen “Kräuterspeisen”, sie führten sogar zu Meutereien.

Zweiteres soll durch das Einlegen von Flohminzeblättern in die mit Trinkwasservorräten gefüllten Fässer möglich geworden sein. So kam das unscheinbare lecker nach Minze duftende Wildkraut zum adligen Namen Pennyroyal, die königliche “Münze”. Flohminze enthält große Mengen des Monoterpenketons Pulegon, und kann so, in großen Mengen genossen, neurotoxisch und abortiv wirken, nicht nur auf Flöhe. Das gilt insbesondere für den Genuss des ätherisches Öles, das darum selten erhältlich ist. Es wirkt, in winzigen Mengen auf den Unterbauch einmassiert, menstruationsfördernd.

Die abgebildete Minze wächst wild in unserer Nachbarschaft, vom Aussehen und ihrem Lieblingsstandort in nassem Grund ist es sicherlich eine Wasser- oder Bachminze (Mentha aquatica hier mit dem Falter Zygaena trifolii, dem Sumpfhornklee-Widderchen), doch im Duft hat sich deutlich das Ketonige, leicht Muffige eingeschlichen, darum vermute ich, dass es sich um eine natürliche Kreuzung mit der Flohminze handelt.

PS. Da ich hier kein öffentlich-rechtliches Wikipedia betreibe, würde ich mich sehr freuen, wenn ich einige mehr meiner regelmäßigen LeserInnen kennen lernen würde. Blogschreiben ist als Medium zum Austausch erfunden worden; von den 300 bis 400 Besuchen dieser Seite pro Tag weiß ich nur von circa 30 Menschen, dass sie hier regelmäßig mitlesen. Wer seid ihr anderen? Berichtet doch mal von euren Erfahrungen mit einem ätherischen Öl oder mit der Aromapflege im Allgemeinen. Welche Themen interessieren euch? Wo macht ihr eure Ausbildungen, welche Bücher über ätherische Öle faszinieren euch? Von welcher Ölefirma seid ihr begeistert? Welche DozentInnen inspirieren und überzeugen euch? Ich möchte auch etwas von euch lernen!

salbei – wertvolle deutsche heilpflanze


Wir schweifen gerne in die Ferne, wenn es um “Wunderpflanzen” geht, die besondere Krankheitssymptome kurieren können und “für und gegen alles gut sind”. Ein bekanntes Beispiel ist das Teebaumöl aus Australien, das in seinen Boomzeiten sogar in Nordrhein-Westfalen kurzzeitig verboten war, weil die vielen anpreisenden Texte in der Literatur es in den Verdacht brachten, es sei ein Medikament und nicht ein “Aromaöl für die Duftlampe” (ein Schelm der Böses dabei denkt ;-) )

In Deutschland (und natürlich auch in der Schweiz und in Österreich) wächst eine fein duftende Heilpflanze, deren Inhaltsstoffe tatsächlich bei sehr vielen gesundheitlichen Misständen helfen kann: Salvia officinalis, der oder die Salbei (beides ist möglich). Die Ernte auf über 40 Hektar der lila blühenden Schönheit erfolgte in den letzten Wochen in Freital bei Dresden. Die Traditionsfirma Bombastus verarbeitet einen Großteil davon zu Tee, darüber hinaus werden circa 20 andere Produkte mit dem fein duftenden Extrakt hergestellt. Einen Artikel dazu kann man kostenlos auf der Seite der Bombastus Werke runterladen. Wem die Firma mit den tollen Produkten – viele davon enthalten ätherische Öle – noch nicht vertraut ist, sollte sich das Produkteverzeichnis anschauen. Eine 8-seitige Dokumentation anlässlich der Ehrung zur Heilpflanze des Jahres 2003 ist beim Verein NHV Theophrastus erschienen und unter dem Dokumentennamen “Die Natur ist der Arzt ( “salbei_8_seiter.pdf” – mit Anführungstrichen in die Suchmaschine eingeben, sehr seltsamer Link) als Download erhältlich, unter anderem vom Salbei-Forscher Carl Heinz Brieskorn.

Um das reine ätherische Öl anzuwenden, muss man gut geschult sein, da es je nach Herkunft und Erntezeitpunkt einen gesundheitsgefährdenden Anteil an Thujonen enthalten kann, diese wirken je nach Dosierung von neurotonisch (“gedächtnisanregend”) bis zu neurotoxisch (giftig für das Nervensystem, Epilepsie auslösend). Mit geprüften Fertigprodukten wie oben erwähnt, ist man jedoch auf der sicheren Seite, wenn man sie nach Vorschrift anwendet.