schatzkästchen und duftorgel


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieEigentlich wollte ich schon längst einen “richtigen” Artikel schreiben, doch es kam immer etwas dazwischen, er liegt jetzt angefangen im Archiv. Dann wollte ich euch kurz ein wunderbares Buch vorstellen, für das ich einen großen Beitrag über wissenschaftliche Studien verfasst habe und das demnächst erscheinen wird – ich kann es kaum erwarten. Dessen Cover sollte ich eigentlich schon längst bekommen haben, um es euch zu zeigen. Aber auch bei der Buchherstellung kommt erfahrungsgemäß meistens etwas dazwischen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieSo zeige ich euch nur ein paar Bilderchen eines schwer verstaubten Schatzkästchens, das mir in den Tiefen unseres gut gekühlten Gartenschuppens “über den Weg gelaufen” ist. Ich bekam einst (circa 1986/87) von einer Wiesbadener Nachbarin einen mysteriösen Attachékoffer angeboten. Den hätte ein Bekannter ihr gegeben, da der Inhalt “zu alt” sei.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDer wäre doch ‘was für mich. Beim Öffnen kam mir eine riesige Duftwolke entgegen. Das Schatzkästchen war offensichtlich sowas wie der Vertreterkoffer eines Parfüm-Rohstoffe-Fachmannes gewesen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieAuch heute noch hat das geöffnete Teil alle Räume rund um unsere Veranda beduftet. Vor allem die diversen Galbanum-Fläschchen stechen zusammen mit einigen synthetischen Aldehyden deutlich raus.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieBesonders gefreut hatte ich mich über die größeren Mengen an Iriswurzel-Concréte, doch leider hat diese weiße kristallartige Substanz als erstes ihren Duft ab- und aufgegeben. Besonders gut und intensiv duften immer noch die Fläschchen mit Veilchenblätter-Absolue.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieFür jeden Duft gibt es ein Datenblatt, so erfährt man, welche Rohstoffe natürlichen Ursprungs ist, welche Düfte der Fantasie ihrer menschlichen Schöpfer entsprungen sind und welche Rohstoffe eine Mischung aus beidem sind. Ich habe übrigens ein nettes Interview auf der Duft-Community-Seite Osmoz mit dem Parfümeur Bertrand Duchaufour gefunden, der mal für die Herstellerfirma dieser Düfte gearbeitet hat.

Mit dieser Kiste kann ich mir ganz gut ein olfaktorisches Bild davon machen, wie lange bestimmte ätherische Öle haltbar sind bzw. gut riechen. Denn das Wort ‘Haltbarkeit’ ist sehr relativ zu betrachten. ‘Leicht oxidiert’ bedeutet nicht zwangsläufig ‘schlecht geworden’, sondern kann bei einem ätherischen Öl sogar bedeuten, dass die schmerzlindernde und keimtötende Wirkung erhöht ist. Jedoch geht dieser Wandlungsprozess meistens mit einer Verschlechterung der Hautverträglichkeit einher. Darum gebe ich in meinen Büchern lieber eine kurze Haltbarkeit von ätherischen Ölen an (beispielsweise Teebaum circa ein halbes Jahr nach Öffnen, Mandarine circa ein dreiviertel Jahr nach Öffnen), damit die Verträglichkeit auch auf empfindlichster Haut noch gewährleistet ist.

frühe duftblüten mit erhebender wirkung: osmanthus und skimmia


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIm dschungelartigen Park hinter unserem Gäste- und Seminarhaus blühen zwei unscheinbare Sträucher, deren betörender Duft nur bei näherer Betrachtung (und Beriechung) in die Nase springt, doch kein Mensch bemerkt sie derzeit, niemand vermutet trotz Frühlingsatmosphäre solche Naturparfüms im Februar-Garten. Der Osmanthusstrauch (Osmanthus fragrans) liefert ein natürliches Tee-Aroma für aprikosige und pfirsichartige Noten. Er kommt ursprünglich vermutlich aus China. [Die farbig hervor gehobenen Wörter sind übrigens aktive Links, welche zu mehr Informationen oder Bezugsquellen führen - für die LeserInnen, die immer mal wieder nachfragen ;-) ]

LeffingwellDer Namensbestandteil ‘Osm‘ hat mit ‘Riechen’ zu tun (Osmologie, die Lehre des Riechens) und ‘anthus‘ bedeutet ‘Blüte’, es handelt sich also um den “Duftblüten-Strauch” (bei uns hier in Irland gibt es fast nur die Art Osmanthus delavayi, sie hält etwas Frost aus, die anderen Arten brauchen sehr viel Sommer-Wärme, können beispielsweise am Bodensee wachsen). Dieses Pflanzenparfüm, das aus Dutzenden von Duftmolekülen besteht, gehört zur Grundausstattung der (konventionellen) Parfümherstellung. Kürzlich habe ich die links abgebildete Analyse des Duftes bei der Parfüm-Rohstoffe-Seite Leffingwell gefunden, sie zeigt uns beispielhaft, wie komplex Blütendüfte sind, mit wie vielen Inhaltsstoffen wir in der Aromatherapie zu tun haben. Absolues sind aufgrund des Gewinnungsverfahrens komplexer zusammengesetzt als Destillate, denn auch größere Moleküle werden aus dem Pflanzenmaterial gelöst. Ganze Orchester an fein duftenden Inhaltsstoffen beglücken also unser Nase, die ‘Mini-Moleküle’, die unter einem Prozent vertreten sind, haben höchstwahrscheinlich eine starke Wirkung auf die Psyche, sind sie doch oft Lockstoffe, welche die Insekten betören. Die Anteile unseres “Insektengehirnes” verstehen diese Sprache durchaus noch.

Ich liebe den fruchtigen Duft des kostbaren Absolues des Osmanthus ganz besonders, denn – wie ich erst als Erwachsene entdeckte – lieferte er eines der prägenden Aromen meiner Kindheit in Brasilien. Ich suchte Schatten und spielte unter so einem sehr großen und ausladenden Baum mit meinen Geschwistern, den ich rückblickend eher als eine riesige breitkronige Eiche oder Kastanie einschätzen würde. Das Absolue ist eine psychoaromatische Rarität, das stimmungsaufhellend wirkt, der Fantasie Flügel verleihen kann, Leichtigkeit vermittelt und irgendwie eine Prise farbenfrohen Schillerns in Mischungen hineinzaubern kann. Der ungewöhnliche Duft passt hervorragend zu Vanille, Tonka und fruchtigen Zitrusnoten wie Grapefruit und Mandarine. Interessanterweise besteht Osmanthus-Duft aus circa einem Viertel Ionon, das ist das prägende Molekül des destillierten Irisduftes, der schillernde Regenbogen schwingt also deutlich mit. Zudem weist das auf eine antitumorale Wirkung hin. Auch der so gut verträgliche  stimmungsregulierende und antibakteriell wirksame ‘Lavendelalhohol’ Linalool macht circa 25 Prozent des Duftes aus.

Das Motto dieses Öles in der Psycho-Aromatherapie kann lauten: Ich wandle fröhlich, unbeschwert und inspiriert auf kreativen Pfaden. Bei Maienfelser erhält man übrigens ein Osmanthusblütenwasser (Hydrolat) und bei Oshadhi gibt es ein wundervolles Attar of Osmanthus (Osmanthusblüten in Sandelholzöl hinein destilliert), das ich bereits seit circa 20 Jahren besitze, es ist sozusagen “ewig” haltbar. In dieser Baumschule kann man übrigens eine Pflanze bestellen, Samen gibt es hier.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDer zweite “unauffällige” momentane Blüher hier in Südwest-Irland ist der Skimmiastrauch (Skimmia japonica) aus der Familie der Zitrusgewächse (Rutaceae), dessen weiße Blüten ‘maiglöckiger’ duften als Maiglöckchen-Blüten. Das ätherische Öl wird allerdings aus den Blättern des im Himalaja beheimateten Strauches (Skimmia laureola)  gewonnen, es duftet eigenartig grün-harzig-minimal-zitrusartig und ist meines Wissens nach nur bei Maienfelser erhältlich. Es enthält gut 55 Prozent Linalylacetat (der entkrampfend wirkende Monoterpen-Ester aus Lavendel), dazu 17% zweier unterschiedlicher Geijeren-Verbindungen, 2,5% Geranylacetat 2% Geraniol sowie etwas Nerol und Citronellol (hier ist eine GC-Analyse zu finden). Das seltene Öl könnte also für antibakteriell wirksame Maßnahmen eingesetzt werden. Den Strauch haben übrigens viele Menschen im Kübel an der Haustür stehen oder wegen der giftroten Beeren auch im Wohnzimmer, allerdings braucht man dafür je ein männliches und ein weibliches Exemplar, da die Pflanze zweihäusig ist. (Abbildung Tabelle links: Leffingwell)

PS Vielen Dank übrigens für die vielen Kommentare und E-Mails zum Beitrag über den ethischen Umgang mit ätherischen Ölen. Da möglicherweise seitens der Eurokraten noch mehr Naturdüfte als Allergene als jetzt schon eingestuft oder gar verboten werden sollen, ist eine risikoarme Verdünnung von ätherischen Ölen (unter 3 Prozent) wichtiger denn je!

eine etwas andere bohne: tonka


Aromatherapie-Kurse Eliane ZimmermannIch verwende Tonkaabsolue (Dipteryx odorata, bei meinen Lieblingsfirmen extrahiert mit Trinkalkohol=Ethanol) das ganze Jahr über, doch in der Adventszeit kommt man nicht drumherum, über diesen traumhaft vanillig-karamelligen Duft zu schreiben. Nachdem dieses fast verbotene Gewürz (der wichtigste Inhaltsstoff verursacht bei Ratten bereits in kleinen Mengen extreme Blutgerinnungsstörungen, jedoch NICHT beim Menschen, wie man inzwischen weiß) wieder in Leckereien verarbeitet wird (ich schrieb hier darüber), kann man mit besserem Gewissen die Anwendung in selbst gemachtem Weihnachtsgebäck empfehlen. Mit viel Freude las ich kürzlich im wunder-wunder-wunderschönen Backbuch Die wunderbare Welt von Fräulein Klein einer inspierenden Bloggerin, dass auch die junge Generation von dieser zauberhaften und stimmungsaufhellenden Zutat weiß.Fräulein_Klein

Noch vor dem zweiten Weltkrieg gehörte die Tonkabohne in die (weihnachtliche) Küche – genau wie die Muskatnuss. Ein Stollen ohne dieses waldmeisterartig schmeckende Gewürz war wie Glühwein ohne Zimt und Nelke. Eine Prise der schrumpeligen südamerikanischen Samen sorgt für tolle vanilleähnliche Würze und wirkt gegen den Dezember-Blues. Tabak wird seit uralten Zeiten damit aromatisiert, der berühmte deutsche Entdecker und Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 -1859) berichtete, dass man in Caracas (Venezuela) die Wäsche damit beduftete. Der bis zu 25 Meter hohe, robinienartige Tonkabaum [Dipteryx odorata (Aubl.) Willd.] wächst im feuchtwarmen, gemäßigten Klima des nördlichen Amazonas in Brasilien, Guayana und Venezuela. Er kommt auch in Nigeria vor und ist ein Verwandter von Erbse und Bohne, gehört also in die Familie der Fabaceae (Hülsenfruchtgewächse).
Wenn die Früchte reif sind, werden sie 24 Stunden in Alkohol (z.B. Rum) eingelegt und anschließend getrocknet. Ich wollte mal von einer deutsch-brasilianischen Freundin einige der sehr keimwilligen Samen per Post geschickt bekommen, um sie in meinem durchaus mild temperierten Duftgarten (oder im Gewächshaus) zu ziehen, doch sie ließ mich wissen, dass es sehr streng verboten sei, keimfähige Ware außer Landes zu bringen!
Nach dem alkoholischen Vollbad werden die braunen Samen fermentiert und werden schwarz, dann steigt der Cumaringehalt auf circa 10 Prozent. Dieser Stoff liegt als 2-O-(β-D-Glucosyl)cumarsäure in der Pflanze gylcosidisch gebunden vor, also sozusagen an ein Zuckermolekül gekettet. Dieses Glykosid wird während des Trockungs-und Welkprozesses unter dem Einfluss einer Glukosidase gespalten und die freie Cumarsäure zyklisiert anschließend zum Lactonring des Cumarins. Cumarin (2H-1-Benzopyran-2-on) ist ein zyklisches Lacton und wurde bereits 1822 aus den Tonkabohnen isoliert. Es ist in kleinen Spuren in diversen Lebensmitteln (Aprikosen/Marillen, Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen) und heimischen Kräutern (Salbei, Dill, Kamille) und auch im Lavendel (-Absolue) enthalten [Loew D, Koch E: Cumarine – Differenzierte Risikobetrachtung mit dem Beispiel eines pflanzlichen Arzneimittels. Zeitschrift für Phytotherapie 2008; 29: 28–36].

Eliane Zimmermann AromatherapieWährend der Fermentation entwickelt sich also der köstliche Cumarinduft nach Waldmeister und gemähten Almwiesen. Wer Tonkabohnen besitzt, kann das weißliche auskristallisierte Cumarin in den “Falten” erkennen. Doch dieser Stoff, ein Phenolabkömmling, welcher vom portugiesischen volkstümlichen Namen der Bohne ‘Cumarú’ abgeleitet wurde, war den Gesetzgebern schon sehr früh ein Dorn im Auge und wurde lange Zeit in Lebensmitteln verboten. Er kann – zumindest im Tierexperiment und sicherlich bei Überdosierung in synthetisch-isolierter Form, bei kontinuierlicher Anwendung Leberschäden bis hin zu Leberkrebs verursachen. Ein ähnliches Problem wie die derzeit immer wieder angeprangerten Zimtsterne mit chinesischem Zimt, der auch Cumarin enthält (dazu gibt es seit September eine aktualisierte Stellungnahme vom BfR).
Das witterungsbeständige rotbraune Holz wird übrigens als Cumaru gehandelt und im Schiff- und Terrassenbau eingesetzt. In Brasilien wird die gemahlene Bohne als Hausmedizin bei Darmkoliken und Menstruationsschmerzen eingesetzt, Indianer aus der Region der Tonkabäume verwenden den alkoholischen Extrakt bei Migräne undMagenschmerzen. In der deutschen Aromatherapie werden schmerz- und krampflindernde Mischungen mit etwas Tonkaextrakt angereichert, insbesondere bei der Behandlung von “aussichtslosen” Krankheiten, um gleichzeitig die Stimmung der Betroffenen etwas aufzuheitern.
Doch zurück zum Weihnachtsgebäck: eine Prise Tonkabohne (sie wird wie eine Muskatnuss auf feiner Reibe gerieben) oder drei bis fünf Tropfen alkoholischer Tonkaextrakt pro 2,5-kg-Stollen darf man getrost als ungefährlich betrachten. Wenn man zu hoch dosiert, schmeckt’s bitter, die Pflanze sagt uns also selbst, wie hoch man gehen darf. Alle Rezepte, in denen (künstliches) Bittermandelaroma vorkommt, können von Tonkaextrakt profitieren, Mohn-, Kokos- und Nusszubereitungen auch. Wer noch das (vergriffene) schöne Buch von Monika Werner “Ätherische Öle” aus dem G&U-Verlag hat, findet ein Stollenrezept auf Seite 168 und 169. Sie beschreibt darin so nett, wie sie jedes Jahr bei Herrn Trautner, einem Konditor in München, ihren ganz besonderen Weihnachtsstollen kaufte, bis er sein Geschäft altersbedingt aufgab und ihr, nachdem sie all ihren Charme spielen ließ, das Rezept übergab. TonkagewürzSie bekam dazu ein mit einem Pulver gefülltes Glas, welches das Geheimnis seines besonderen Stollens enthielt: geriebene Tonkabohne. Das vergessene Gewürz, das auch zum Aromatisieren von feinen Tomatensoßen geeignet ist, war damals so gut wie nicht erhältlich. Heute bekommt man oft preiswerte Tonkabohnen zum Räuchern, diese sind aber nicht unbedingt zum Verzehr geeignet (jedoch als Talisman im Geldbeutel, sie sollen nach brasilianischem Volkglauben dafür sorgen, dass das Geld nie ausgeht). Besser, man kauft sie bei einem Gewürzhändler oder bestellt sie hier. Tonkaextrakt ist in den letzten Jahren sehr teuer geworden, man kann ihn auch kinderleicht selbst herstellen (noch ist Zeit, um so ein Geschenk herzustellen):

  • 50 ml hochprozentiger Alkohol (Rum, Wodka oder ganz geschmacksneutral: Bio-Ethanol)
  • 4-5 Tonkabohnen, evtl leicht angestoßen

in ein Braunglas (Apotheke) geben und drei bis vier Wochen ziehen lassen, danach durch Kaffeefilter seihen, pronto.

PS Hier noch eine wichtige Erläuterung zur häufig gestellten Frage nach Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten von Dr. Erwin Häringer, Arzt für Naturheilkunde in München: Das 7 Dihydroxy-cumarin hat keine Interaktion mit anderen gerinnungshindernden Medikamenten (Marcumar, Warfarin etc.); beim Nagetier und Hund entstehen unter epoxidbildung reaktive Aldehyde, die bei diesen Tieren und nur bei ihnen! leberschädigend wirken. Abbildungen dazu im guten Artikel von Loew in der Zeitschrift für Phytotherapie (siehe Link oben). Danke!

PPS Sabrina hat auch über Tonka & Co geschrieben, vor allem über ihre Kuschelzucker-Rezeptur, hmmmm, hier geht’s zum Artikel.

schweben auf adlers schwingen


psychoaromatherapie bei eliane zimmermannFür die Kursteilnehmerinnen in Prag hatte ich drei unscheinbare Stückchen eines dunkel-gefleckten Holzes, vielleicht 20 Gramm schwer, im Gepäck. Da ich kurz vor der Reise Holzstückchen rund um unseren Kamin zusammen gekehrt hatte, musste ich schmunzeln: Diese Holzstückchen hätte jeder andere mit in den Feuerholz-Korb gegeben.
Dann wären jedoch viele zig Euro mit verbrannt. Vielleicht wäre nur ein eigenartiger Duft aus unserem geschlossenen Bollerofen entwichen. Denn es handelt sich um Adlerholz, Aquilaria malaccensis Lam. [früher: Aquilaria agallocha Roxb.], dessen beste Qualitäten einen höheren Grammpreis als Gold erzielen (aktueller Goldpreis: 43,65 Euro pro Gramm). Das ätherische Öl ist nur bei gut sortierten Firmen erhältlich, inzwischen meistens verdünnt. Das daumennagelgroße Fläschchen hat mich vor Jahren bereits ein kleines Vermögen (circa 70 Euro) gekostet!
Dieses auch unter dem geheimnisvoll klingenden Namen Oud bekannte ätherische Öl ist sicherlich auch der ungewöhnlichste Duft, den wir für die Aromatherapie zur Verfügung haben. Gleichzeitig ist es eines der teuersten ätherischen Öle der Welt: 1 ml kostet je nach Firma 70 Euro und mehr. In der Bibel wird diese Pflanze unter oft unter dem Namen Aloeholz oder Aloth (Agarwood) als Kostbarkeit erwähnt.
Der begehrte Duftstoff kann nur gewonnen werden, wenn dieser bis zu 40 Meter hohe Tropenbaum aus der Familie der Seidelbastgewächse (Thymelaeaceae) von bestimmten Pilzarten (u. a. Aspergillus niger) befallen wird und wenn anschließend über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte entsprechende Abwehr- und/oder Heilungs-Reaktionen im Holz stattfinden, die zur Absonderung dieses schweren rauchig-erdigen Duftstoffes führen. Spezialisierte Duftstoffjäger dringen immer tiefer in die Regenwälder Vietnams, Kambodschas, Koreas oder von Laos ein, um infizierte Bäume zu finden. Dabei werden auch (noch) nicht-infizierte Bäume zerstört, da man den Befall nicht unbedingt von außen sieht.
Da das heiß begehrte Agarwood sowohl für die Herstellung von hochwertigem japanischen Räucherwerk unentbehrlich ist als auch – bis zur Erfindung des pharmazeutischen Produktes – als hoch wirksames pflanzliches „Viagra“ galt, muss Aquilaria malaccensis und auch etliche andere Aquilaria-Arten als fast ausgerottet eingestuft werden. Ausführliche Informationen dazu (in englisch) von Cropwatch (klick!) vom britischen Nachhaltigkeitsspezialisten Tony Burfield.

Die Aufzucht der Bäume in Plantagen (klick!) und die Infektion durch Menschenhand haben noch nicht zu befriedigendem Ersatz geführt, der Faktor Zeit kann eben nicht beschleunigt werden. Zudem kann man die Bäume nicht “einfach so” mit dem Pilz “impfen”, nur 10 Prozent der Bäume erzeugen diese harzartige Substanz. Das “Impfen” kann man auf diesem nicht sehr guten Filmchen sehen.
Aus den Holzstückchen von infizierten und gereiften Bäumen wird mit Wasser eine Maische gebildet und diese dann – oft vor Ort mitten im Wald – destilliert.
psycho-aromatherapie-kurse bei eliane zimmermannWenige ätherische Öle berühren Menschen so tief wie dieser Duft. Er hat so viele Facetten wie Inhaltsstoffe, die meisten davon im Einprozent-Bereich oder gar weniger. Die Beschreibungen reichen von verbrannt, modrig, erdig über pudrig, balsamisch, warm-einhüllend. Ich habe ihn in meinem zweiten Buch “Das Zugang-zur-Tiefe-der-Seele-Öl” genannt. Man kann genau so in die Tiefen seiner Seele abtauchen wie auch zu Höhenflügen ansetzen – wie ein Adler. Überblick und Durchblick durch Abstand. Ich erlebte es einmal und fand es erschütternd wie eine meiner frühen Kursteilnehmerinnen in der Sekunde des ersten Schnupperns an diesem Duft in Tränen ausbrach. Nach einer Räucherung mit “Eaglewood” passieren in Träumen oft seltsame oder wenigstens auffällige Dinge. Euphorie und Hochgefühle (Fliegen wie ein Adler) ergreifen manche Menschen, je nachdem, in welchem Seelenzustand sie sich gerade befinden.
Schon auf Grund des hohen Preises ist Adlerholz kein Alltagsöl, es wird wohl auch kaum für die körperlichen Indikationen wie Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt werden. Es schenkt einem vielmehr eine kleine Auszeit aus dem Alltagstrott, es führt in einen Besinnungsmoment auf das Wesentliche und kann als Verwöhnöl für sich oder seine(n) Liebste(n) das sprichwörtliche Hohe Lied der Liebe olfaktorisch untermalen. Dafür verdünnt man es maximal 0,5-prozentig und mischt es mit feinen Lieblingsölen wie Champaca, Jasmin oder Vanille in Jojobaöl. Oder ganz biblisch mit Myrrhe, Weihrauch und Rose sowie jeweils einer Spur Kalmuswurzel und Cassiazimt. Eine solch biblisch inspirierte Mischung kann man in Deutschland als Körperöl oder auch pur für die Räucherlampe bei Professor Wabner’s Ätherische-Öle-Firma Wadi erwerben. Bei Feeling gibt es das erschwingliche Oud-Attar (klick!) mit oder ohne Jojobaöl (ab 9,50 Euro, Attar bedeutet, dass das Öl gegen Ende des Destillationsvorgangs in bereit gestelltem Sandelholzöl aufgefangen und gebunden wird, eine wunderschöne samtige Kombination entsteht, sie ist nicht so erschlagend-schwer wie das reine Adlerholzöl).
In Japan, dem recht westlich orientierten Land im fernen Osten, hat die Räucher-Zeremonie des Duft-Lauschens noch einen hohen Stellenwert: Kodo. Sie ist ohne Adlerholzduft nicht denkbar. Die abgebildeten Räucherstäbchen japanischen Traditionsmanufaktur Shoyeido duften deutlich nach Oud und laden zur Achtsamkeit und Sparsamkeit ein: Das Päckchen hat mich mal fast 60 DM gekostet! Aber sie sind es wert, man benötigt ohnehin nur wenige Zentimeter für einen wundervollen Duft im Zimmer.
Wer englisch lesen kann, sollte sich auf folgenden zwei Websites die Artikel über die Hintergründe der Gewinnung von Adlerholz lesen: Trygve Harris, ein Fachfrau für erlesene ätherische Öle aus New York berichtet über eine Reise in die Adlerholz-Wälder und zeigt auch sehr informative Fotos (und hier geht es um die Gefährdung des Baumes). Düfte-Experte und Indienreisender Christopher McMahon vermittelt auf seiner sehr informationsreichen Website auch wichtige Infos über Oud.
PS. Kenner werden mir Recht geben, dass die japanische Traditionsfirma Shoyeido exzellente Räucherstäbchen liefert, eigentlich müsste man ein neues Wort für diese edle Räucherware erfinden, denn sie hat rein gar nicht mit den weithin erhältlichen chemikalienbeladenen Riechglimmstengeln zu tun. Zum Ausprobieren und Genießen des edlen Oud-Duftes gibt es bei mir 5 oder 10 Minuten feinsten Rauch von Shoyeido’s “Emerald-Awareness” (Smaragd-Bewusstheit), er duftet waldig-moosig-würzig-herb. Meistens ist mir jedoch der Duft zu schwer, meine Luxus-Belohungs-Stäbchen, die bislang wirklich fast jedem Besucher sehr, sehr gefallen haben, duften pudrig-süß, minimal vanillig-zimtig, warm-würzig, sie heißen “Amethyst-Balance” (beide Röllchen kosten je circa 7 Euro inklusive eine kleinen Stäbchenhalters). Es gibt auch ein Probierset für 3,50 Euro, in dem noch drei weitere Düfte enthalten sind (Diamant, Rubin und Saphir). Ähnlich lecker-zart-süßlich duftet auch Kyonishiki, das Herbstlaub in Kyoto, die Rolle kostet ‘nur’ circa 3,50 Euro, sie eignen sich hervorragend für die tägliche Prise von Duftwölkchen.

chiasamen, das omega-3-paket


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyHier in Irland ist es gelungen, ein Genehmigungsverfahren für die Samen einer mittelamerikanischen Salbeiart für Nahrungszwecke durchzuboxen (Infos auf deutsch bei  Topfruits, auf englisch hier, auf den gefetteten Link klicken!). Salvia hispanica, eine Verwandte von unserem Salbei und auch von Lavendel, Minze und Melisse, wird Chia oder Chian (=ölig) genannt, sie versorgt seit Urzeiten die lokale Bevölkerung mit hochwertigen Fettsäuren, lebenswichtigen Aminosäuren und antioxidativ wirksamen Mikronährstoffen. Zudem können die winzigen Samen ein Vielfaches ihres Eigengewichtes an Flüssigkeit/Wasser binden und so ein Polysaccharid-Gel aus Faser- und Ballaststoffen bilden, das eine zu schnelle Verdauung von Kohlehydraten im Magen verhindert und die Verdauung sanft fördert (ohne die piksigen Spitzen und Kanten des Leinsamens, ist also für empfindliche Därme bekömmlicher). Der Blutzuckerspiegel fährt nicht mehr Achterbahn, Heißhungerattacken werden reguliert und der Körper kann lang anhaltend mit Energie versorgt werden. Zusammen mit einer leckeren Tasse kalten oder heißen (ungeräucherten) Matetees, der das Hungergefühl sehr deutlich dämpft, kann man sich mit dieser Kombination einen halben Tag lang satt fühlen und eventuell der Bikinifigur näher kommen.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDie Samen aus den Blüten der circa ein Meter hohen, krautigen Salbeiart enthalten knapp 40 Prozent eines fetten Öles, das ein hervorragendes Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren enthält. Es eignet sich hervorragend für luxuriöse Nachtpflege-Produkte. Chiasamenöl ist zwar noch eine Rarität in Deutschland, wird jedoch immer öfter als Alternative zu den zweifelhaften Fischölkapseln (vergiftete Lachse aus Farmen, extreme lokale und globale Meeresverschmutzung, unnachhaltige und tierquälerische Aquakulturen etc, ausführlicher Artikel von Marta auf ihrem Blog Aromaoase) angeboten. Leider ist das Öl, wie auch Leinsamenöl, nur sehr kurz haltbar (je nach Hersteller und Abfüllungsart wenige Wochen bis ein halbes Jahr) und sollte darum in Kapseln erworben werden (im Reformhaus). Es schmeckt und riecht dann äußerst unangenehm tranig.

Besser ist, man genießt die anderen Vorteile der Pflanze und streut die viel länger haltbaren und völlig unaufdringlich schmeckenden und prima zu schluckenden Mini-Samen (circa 1mm) ins Müsli, in den Joghurt, in selbst gebackenes Brot etc. Zwei Esslöffel versorgen uns neben anderen wertvollen Stoffen (beispielsweise mit 205 mg Kalzium) mit circa 5.2 g Omega-3-Fettsäuren und mit 1.7 g Omega-6-Fettsäuren, also ideal für Menschen mit Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität, Immunproblemen, Fertilitätsstörungen und vor allem mit undefinierbaren Hautproblemen. Auch Menschen mit rheumatischen Schmerzen können von regelmäßigen Omega-3-Kuren profitieren. Chiasaat ist bei Topfruits in mehreren Packungsgrößen erhältlich (auf den gefetteten Link klicken!)

PS Am kommenden Wochenende findet in Baden bei Wien der Aromapflege-Kongress von der VaGA statt!

das absolue der mimose


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDa es heute bei vielen von Ihnen/euch närrisch zugeht und bei Karnevalsumzügen (früher zumindest) entzückende Mimosensträußchen zwischen die Kamellen geworfen worden sind, heute ein paar Eindrücke frisch aus Spanien.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyLeserin Alberte K. hat mit diesen so wundervoll duftenden Puschelblütchen Gelee gekocht und mir die Fotos zum Zeigen im Blog überlassen, vielen Dank!

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Die bis zu 5 Meter hohen Bäume sind streng genommen keine Mimosen sondern Akazien (Acacia dealbata L.), sie sind mit Erbsen, Bohnen und Gartenwicken verwandt (Familie der Fabaceae) und sowohl wind- als auch frostempfindlich. Hier im Südwesten-Irlands hat der Eis-Winter 2010/2011 viele Bäume niedergemetzelt, einer hier in der Nähe wurde dann noch fürchterlich beschnitten, so dass er erst in diesen Tagen anfängt sehr verhalten zu blühen. Zwei Bäume im Park unseres in 10 Tagen zu beziehenden Gästehauses haben den Jahrhundertfrost nicht überlebt, es könnte aber sein dass sie nach einiger Zeit wieder ausschlagen, diese Bäume sind sehr schnittfreundlich und vital.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Der Duft wird mit Lösungsmitteln (Hexan) extrahiert und wird dann eine mehr oder weniger zähe Paste, die mit Alkohol verdünnt werden muss, damit sich der traumhafte Duft gut entfalten kann. Das Absolue enthält ein Palmitinsäure-Aldheyd, dazu Anisaldehyd, Acetophenon und Methylacetophenon. Also eher ungewöhnliche Verbindungen. Es wirkt stark auf die Psyche und gehört zu den absoluten Wohlfühl- und Stimmungsaufhellerdüften. Insbesondere für Menschen die eher ‘dünnhäutig’ sind, die nicht mit Kritik umgehen können und die zart besaitet sind fühlen sich zu diesem pudrig-einhüllenden Duft hingezogen. Der Duft ist auch aus Acacia decurrens erhältlich, und es gibt den ähnlichen Akazien-Duft aus Acacia farnesiana von Farfalla und Maienfelser. Bei Primavera gibt es eine 15-prozentige Verdünnung in Ethanol (Trinkalkohol), die man noch weiter verdünnen kann und wundervoll als Parfüm verwenden kann. Wer sich diesen Frühjahresgruß als (fast) Naturparfüm gönnen möchte, kann sich den traumhaften Duft von Florascent Mimosa gönnen.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Die echte Mimose übrigens, bei der sich auf jede Berührung die zarten gefiederten Blättchen schließen, ist kein Baum, sondern ein südamerikanischer, wuchernder Halbstrauch, blüht violett und enthält für den Menschen giftige Inhaltsstoffe. In meiner Kindheit in Süd-Brasilien bin ich oft diesem kuriosen Unkraut begegnet und habe gerne damit gespielt “wer kann in einer Minute die meisten Blättchen schließen?” etc). Auf Wikipedia kann man in einem Video sehen, wie die Blätter reagieren, in vielen Botanischen Gärten ist das zart aussehende Pflänzchen life zu bewundern.

absolues vs. destillierte ätherische öle


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyZum Irisöl-Text kam die Frage nach den Kosten der unterschiedlichen Irisöle auf. Wie auch bei Rosenölen ist das durch Lösungsmittel hergestellte “Öl” (korrekt bezeichnet man es als Absolue oder englisch Absolute) preiswerter, da die Ausbeute wesentlich höher sein kann. Diese toxischen Lösungsmittel muss man sich ähnlich wie Nagellackentferner vorstellen, sie lösen nicht nur die Duftmoleküle aus der Pflanze, sondern auch Farbstoffe, Blütenwachse und andere größere Moleküle. Sie werden nach dem Extraktionsprozess abgedampft (da sie sehr flüchtig sind, geht das recht einfach), es können je nach Anbieter Rückstände davon im Öl sein. Das üblicherweise verwendete Mittel ist Hexan, mit dem auch Billig-Speiseöle gewonnen werden. Wenn man Hexanrückstände gänzlich aus seinem Leben verbannen wollte, dürfte man nicht mehr außerhäusig essen gehen, denn es kann nicht nur in Fritten enthalten sein, sondern auch in Salatsoßen und sonstigen Speisen, die mit “neutral schmeckenden” Ölen zubereitet werden.

Für die destillierte Variante des Irisöles werden die knolligen “Wurzeln” (korrekt: Rhizome; an denen hängen wiederum die feinen Wurzeln) zunächst per Hand supervorsichtig und fein geschält und anschließend mehrere Jahre lange getrocknet. Dabei fermentieren sie und erst so entwickelt sich der typisch-pudrige Duft. Während dieses mindestens drei Jahre währenden Umwandlungsprozesses (ähnlich wie bei Kraut, das zu Sauerkraut wird) kann immer auch ein Teil der Ernte kaputt gehen. In dieser Zeit verdient der Landwirt kein Geld mit seiner wertvollen Ware. Aus 100 Kilo der getrockneten Iriswurzeln können anschließend keine 100 g ätherisches Öl destilliert werden, da zunächst ein butterartiges Produkt gewonnen wird, dem durch Ausfrieren und durch Zugabe von Branntwein die Pflanzenwachse entzogen werden(Foto oben). Nach diesem langjährigen und aufwändigen Prozess darf man nicht verwundert sein, dass 1 Milliliter dieses in hoher Verdünnung wunderbar blumig-pudrig-holzig-süß duftende Öl mehr als 150 Euro kostet. Übrigens hat mein erstes Fläschchen vor Urzeiten genau 240 DM gekostet, das sind ‘nur’ 120 Euro! Nicht wundern, das pure Destillat duftet nicht besonders, es MUSS verdünnt werden, nicht nur um Geld zu sparen, sondern zur Entwicklung des feinen Duftes.

Die oft nicht so pudrig duftenden Absolues (beispielsweise bei Feeling) sind deutlich preiswerter, deren Duft ist jedoch meistens nicht vergleichbar mit dem ätherischen Öl (Ausnahmen bestätigen die Regel! auch die richtige Verdünnung spielt eine Rolle bei der Duftentfaltung). Es gibt auch noch Extrakte, die durch Kohlendioxid hergestellt sind, sie sind ab 10 Euro erhältlich (eher flach duftend; bis 25 Euro, wenn die duftprägenden “Puder-Moleküle” Irone in höherer Konzentration enthalten sind), beispielsweise bei Maienfelser und bei Ronald Reike. Irisöle sind übrigens ein typisches Fixativ für Naturparfums.

iris germanica var. florentina: kostbarer duft


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyGenau am Tag, als die erste Irisblüte im AiDA-Garten die Sonne anblinzelte, kam eine Anfrage bezüglich der verwirrenden Namensgebungen des ätherischen Öles der Iris (mal Iris germanica, mal Iris florentina, mal Iris germanica var. florentina, mal Iris pallida). Auch wollte meine Buchleserin wissen, ob die körperliche Wirkung jener des Rosenöles gleichzusetzen sei und warum in manchen Büchern das hochgiftige Naphtalin als Inhaltsstoff angegeben sei.

Eigentlich habe ich momentan gar keine Zeit, Fragen zu beantworten, doch da Iris mein Lieblings-Duft ist, habe ich mal in meinen Botanik-Büchern geforscht und herausgefunden, dass die Antwort nicht eindeutig ist. Es scheint so, dass Iris florentina eine Unterart der Iris germanica ist (Florentiner Schwertlilie), also korrekt Iris germanica var. florentina geschrieben wird. In meinem seriösesten Nachschlagewerk von der Royal Horticultural Society wird Iris florentina gar nicht aufgeführt. In Wikipedia wird sie als Synonym zu Iris pallida geführt.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDie sehr geschätzte Apothekerin und Autorin des wundervollen Buches “Iris” (Abbildung, gibt es leider nur noch antiquarisch) Christina Kiehs-Glos beschreibt sie allerdings mit Berufung auf Dr. Erny-Rodmann vom Botanischen Garten der Uni Basel als unterschiedliche Arten:

“Iris germanica, Iris florentina und Iris pallida zeichnen sich durch den rhizomartigen Wurzelstock aus, die Ausbildung des Bartes auf den Hängeblättern und den hohen Wuchs. Alle drei gehören daher zur Barbata-Elatior-Gruppe, den hohen Bartiris-Arten.”

Feststeht, dass es unzählige Iris germanica-Hybriden und -Züchtungen gibt, dann also immer ein dritter Name dazugeschrieben wird. Iris pallida könnte laut Christina Kiehs-Glos die “Ur-Mutter” dieser Iris-Gruppe sein. Ihre unscheinbaren Rhizome (Abbildung unten) duften alle, vor allem nach Fermentation. Irisöl wird zwar als ‘Blütenduft’ bezeichnet, ist jedoch ein aus dem knolligen Rhizom gewonnener Duft. Man kann dieses erdige Element neben dem pudrig-blumigen Anteil auch gut riechen. Der Duftstoff Ionon (oder Jonon) wird auch Veilchenduft genannt, auf ihn reagieren Prostatakrebszellen mit Rückzug (zumindest im Laborversuch) – ich habe es an anderer Stelle hier beschrieben. Geraniol in Rosenöl hat jedoch auch antitumorale Eigenschaften.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDie körperliche Wirkung von (destilliertem) Irisöl ist anders als die Wirkung von Rosenöl. Während Rosenöl vor allem aus Monoterpenalkoholen und dem duftprägenden Phenylethanol besteht, ist Irisöl fast nur aus Sesquiterpen-Verbindungen zusammengesetzt. Rose wirkt stark schmerzlindernd (vor allem wenn man das Absolue einsetzt), ausgleichend bis leicht belebend und antibakteriell, Iris wirkt eher auf chronische Probleme, leicht entzündungswidrig, erdend-beruhigend, schleimlösend. Auf der seelischen Ebene sind sie möglicherweise vergleichbar einzusetzen, beide gelten als stark spirituell einzustimmende Düfte und werden darum gerne in der Sterbebegleitung angeboten.

Botanische Namen werden oft nicht korrekt aufgeschrieben, meine Bücher sind da keine Ausnahme. Es gibt ständig Änderungen (alle 5 Jahre), es gibt viele Synonyme, weder wir Autoren noch bei den Ölefirmen kann man immer auf dem Laufenden sein. Es müsste beispielsweise immer Mentha x piperita für Pfefferminze heißen und Rosa x damascena für Rose, das ist jedoch für uns botanische Laien zu umständlich. Auch Lavandula hybrida ist übrigens nicht korrekt.

Zu guter Letzt: Ich habe noch nie gelesen, dass Irisöl Naphtalin enthalten soll (hat jemand bereits davon gelesen? wenn ja, wo?) Jedenfalls sicherlich nicht in einem seriösen Buch. Aromatherapeuten und -Pflegende im deutschsprachigen Raum setzen nur das (extrem teure) Destillat der Iriswurzel ein. Vielleicht enthält das nicht besonders fein riechende, jedoch viel preisgünstigere Absolue bei Billigfirmen diesen mottenabwehrenden Giftstoff als Lösungsmittel???? Kann ich mir jedoch nicht vorstellen. Man sollte und kann das destillierte Irisöl circa 1%-ig dosieren, dann duftet es unglaublich fein-pudrig nach Veilchen. Manche Firmen (Farfalla, Neumond, Primavera) verkaufen es in dieser Verdünnung mit Alkohol, das ist dann bezahlbar. Ansonsten kostet 1 ml (circa 22 Tropfen) beim Marktführer fast 170 Euro!

Sabrina hat in ihrem neuen Vivere-Shop eine wundervolle Mischung aus einem besonderen Lavendel, Mandarine, Vanille und einer Prise Irisöl, das ist derzeit mein Lieblings-Abendöl zum Einschlummern. Ich benütze selten kommerzielle Parfums, doch ein sehr ungewöhnlicher Herrenduft hat es mir vor einigen Jahren angetan, er duftet zunächst interessant holzig und nach Atlaszeder, dann entwickelt sich eine wunderbar pudrige Note nach Iris- und Vanille/Ambratönen: Es ist Dior Homme, meiner Meinung nach eines der Parfüms, die wirklich den Namen verdienen und aus dem Einheitsbrei von “Männerdüften” heraus leuchten, eben mit der ‘Göttin des Regenbogens’, der Iris.

PS Die erste Abbildung aus meinem Garten zeigt eine Iris reticulata; die Bartiris blüht auch im frühlingsmilden Irland erst im Mai und Juni! Übrigens habe ich eben drei antiquarische Exemplare vom wunderschön samtig illustrierten Buch Iris von Hermann Hesse entdeckt, wahre Bücherfreaks, die ein poetisch-spirituelles Märchen schätzen, sollten es sich zulegen! Ich habe seinerzeit, als ich in einem Buchladen arbeitete, einige Original-Zeichnungen von Peter Dorn anschauen dürfen, einfach wundervoll!

hydrolat }{ piment


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDies ist eine Rarität unter den Raritäten, die ich nur kurz hier vorstelle, weil wir sie hier bei AiDA destilliert haben. Der Grund für diese Auswahl war die recht hohe Ergiebigkeit. Piment’beeren’ sind derzeit aktuell, da sie in klassische Lebkuchen-Gewürzmischungen gehört. Meistens kennt man das karibische Gewürz, wenn es denn überhaupt bekannt ist, als Nelkenpfeffer (englisch: allspice), in Jamaika gehört es in bestimmte Fleischgerichte. Dort lernte ich die würzigen Blätter dieses kleinen immergrünen Baumes kennen, sie duften ähnlich wie die kugeligen Früchte würzig-pfeffrig-nelkig, insgesamt scheint der Duft einen ganzen Gewürzeladen zu enthalten. Auf dem Foto kann man erkennen, dass wir die runden Körnchen mit dem Mörser und mit einer elektrischen Kaffeemühle zerkleinert haben, meine Kupferdestille wurde schön altmodisch mit einer Roggenmehlpampe abgedichtet.Wir hatten nach dem zweitägigen Separieren von Hydrolat und Öl sogar knapp 10 ml ätherisches Pimentöl.

  • Pimenta dioica [syn. P. officinalis] (Myrtaceae, Myrtengewächse)

Herstellung: Destillation der getrockneten unreifen Früchte (“Beeren”)

pH-Wert: unbekannt

Geruch/Geschmack: zart nach Gewürznelke mit pfeffrigem Hintergrund

Inhaltsstoffe im lipophilen Anteil: unbekannt

Körperliche Wirkung und äußerliche Anwendung: bei Blähungen und schwacher Verdauungsarbeit innerlich eingenommen, als Grundlage für ein haarwuchsförderndes Haarwasser (1:1 mit Wodka, dazu 1-2 Prozent Atlaszedernöl und Ylang-Ylang-Öl)

Seelische Wirkung und Einnahme: immunmodulatorisch und vorbeugend in der Erkältungszeit, stärkend nach Infekten; in der Aromaküche zum Gurkeneinmachen, zum Kochen von Rotkraut, für deftige Fleischgerichte

19. Merksatz zu Hydrolaten: Schöne Informationen zum heimischen Destillieren findet man bei Heike Käser: Olionatura und auch auf ihrer Hydrolateseite; Heike beschreibt anhand des in jeder Apotheke erhältlichen ‘Rosenwassers’ (auch derzeit sehr aktuell um Marzipan selbst herzustellen), wie dieses im Deutschen Arzneibuch (DAB) definiert wird:

»Aqua Rosae« (DAB 6) beschreibt die Herstellung eines Rosenwassers aus 0,0033 Teilen Oleum Rosae verum, 0,0187 Teilen Oleum Rosae artific. und 99,9780 Teilen Aqua conservata – dies ist eine Mischung aus echtem und künstlichem ätherischen Rosenöl in (mit PHB-Methyl- und Propylestern) konserviertem Wasser. Letzteres (Oleum Rosae artific.) wird definiert als »künstliches Rosenöl aus Aromaextrakten, naturidentischen und künstlichen Aromastoffen, u. a. Geranium-, Muskatellersalbei-, synthetischem Citronellöl und synthetischem Geraniol«.

Über Hydrolate allgemein kann man auch auf Elisabeth Schmidt’s wunderschöner Seite Phytomontana schmökern.

PS. Diese Serie über Hydrolate erscheint demnächst in ausführlicherer Form als E-Book.