die zweiklassen-gesellschaft der duftstoffe


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDiese “Petition” hat viele Reaktionen, Fragen und Unsicherheiten hervor gerufen. “Petition” in Anführungsstrichen, weil es sich um eine simple Online-Unterschriftenliste handelt. Das Wort Petition ist irreführend verwendet worden, denn dieses suggeriert eine Eingabe an offizielle Behörden/Regierungsstellen. Da ich, wie erwähnt, die Anfrage aus verlässlicher Quelle erhielt, habe ich das nicht hinterfragt, Monika Volkmann ist jedoch dem Impressum mal auf den Grund gegangen. Ich finde es dennoch okay, Dr. Dietrich Wabner mit seinem Verein N.O.R.A. International eine kleine Unterstützung in Form einer Unterschriftenliste zukommen zu lassen, denn er ist einer der wenigen Aroma-Leute, der sich für den Erhalt von “bedrohten” ätherischen Ölen einsetzt und der – gegen Windmühlen kämpfend – auch bemüht ist, diesem bürokratischen Unsinn die Stirn zu bieten. Es scheint jedoch nicht möglich, selbst für einen zweifachen Doktor und Chemiker, die Eurokraten und nicht in dieser Materie beheimateten Schutzwächter davon zu überzeugen, dass synthetische, also menschengemachte Moleküle anders beschaffen sind, als ihre kopierten Vorbilder (nicht Ebenbilder) aus der Natur.

Dazu eine kleine Fantasiereise: Stellen Sie sich einen Teppich vor, weich und wuschelig, das Etikett sagt “100 Prozent Wolle”. Dann schauen Sie unter den Teppich und sehen ein feinmaschiges Netz, das eindeutig aus Nylon/Plastik ist, es trägt die Wollfasern und gibt dem Teppich Zusammenhalt und Haltbarkeit, ist hauchdünn, ist fast nicht vorhanden, macht nur 1 Prozent des Teppichgewichtes aus. Doch der eigentliche, der sichtbare Teppich besteht aus reiner Wolle. So ähnlich verhält es sich mit synthetischem Geraniol, Citral, Linalylacetat, Menthol. Wir riechen diese auch in billigen Aromaölen, doch die geschulte Nase schaut automatisch auch unter den Teppich, sie erkennt sofort, da sticht etwas, da fehlt etwas, das ist nicht rund. Was die Laiennase auf den ersten Blick Schnupperer nicht merkt, erkennt jedoch ein anderer Teil des komplexen Systems Mensch und sagt “Halt! Hier stimmt etwas nicht, hier ist etwas drin, was nicht rein gehört” und löst beispielsweise einen Niesattacke aus oder rote Hautpusteln. Geschieht der Kontakt mit dem Chemiegeruch zu oft, kann sich auch das Immunsystem empören und löst dann irgendwann schlimmere Symptome aus, eben eine Allergie. Das kann selbstverständlich auch mit Naturdüften passieren wie mit allem, was uns im Leben so begegnet auch.

Der Chemiker sagt stolz: “Ach, dieses eine Prozent (“im Teppich” oder “im Aromaöl”) kann man wirklich vernachlässigen, es hat mit dem tollen von mir geschaffenen Duftmolekül eigentlich nichts zu tun, es dient lediglich als Trägersubstanz.” Je billiger so ein “Parfümöl” oder “Aromaöl”, desto größer ist dieses “Trägernetz” und desto wahrscheinlich ist es, dass es aus chlorierten Substanzen besteht. Wer jemals im Schwimmbad, in der Sauna, in öffentlichen Toiletten penetranten Chlorgeruch wahrgenommen hat, weiß was ich meine. Diese ach so minimalen Anteile an chlorierten Substanzen scheinen insbesondere für ungewollte Reaktionen wie Kopfschmerzen, Unverträglichkeiten und sogar Allergie verantwortlich zu sein. Eigentlich muss man entsprechenden Immunsystemen nun geradezu gratulieren, dass sie auf sowas überhaupt noch reagieren, und dankbar sein, dass sie Alarm schlagen. So degeneriert und blöd ist der menschliche Körper auch heute nicht, dass er nicht bemerkt: “Da stimmt etwas nicht, da muss ich mich wehren, da ist Gift mit im Spiel.”

Die natürlichen “Zwillinge” kommen nicht nur ohne Chlor aus, sie sind auch eingebettet in ein Meer von andere Inhaltsstoffen im jeweiligen Öl. Ein schönes Beispiel ist ein hochwertiges Öl der Gewürznelkenknospe. Es enthält zwar reichlich das potenziell hautreizenden, durchblutungsfördernden und anregenden Phenols Eugenol (bis zu 80%), doch in den verbleibenden 20 bis 30 Prozent finden wir auch andere Goodies, welche entkrampfen/entspannen (bis 22% Eugenylacetat), entzündungshemmend wirken (13% beta-Caryophyllen) und schmerzlindernd wirken (Methylsalicylat). Eugenol an sich hat nicht nur negative Eigenschaften, wie so gerne behauptet wird, sondern wirkt als Breitbandmittel stark keimtötend und auch schmerzlindernd. Man muss also die ganze Symphonie der Inhaltsstoffe betrachten und nicht nur einen einzelnen schrillen und schrägen Flötenton, der im Gesamtkonzert vielleicht gerade das i-Tüpfelchen ausmacht, jeder Klassik-Konzertgänger weiß das.

Doch das heute geltende Paradigma will uns mit erschreckend roher Gewalt und gesetzlichen Vorschriften wirklich ins Gehirn einhämmern, dass wir mit ganzheitlichem Denken und Betrachten falsch liegen, dass wir Einzelstoffe anzuerkennen haben, dass diese einfach und schnell und billig von Menschenhand herzustellen seien (gerne als “naturidentisch” bezeichnet). Und dass viele Naturstoffe unvollkommen, schlecht, böse, fehlerbehaftet seien. Darum sind, aus Kosmetikgesetzgeber-Sicht und zugespritzt gesagt, Fenchel und Anis, Basilikum und Estragon, Zimt und Rose, “böse Pflanzen”, denn sie produzieren “gefährliche Stoffe”, welche hautschädigend und leberschädigend (durch die Haut???) wirken. Die wissenschaftlichen Experimente, die zu diesen Erkenntnissen führten, werden jedoch einerseits oft mit menschengemachten Laborduftstoffen an (Nage-)Tieren mit anders arbeitendem Stoffwechselsystem gemacht. Dazu werden diese Tiere damit zwangsernährt, obwohl Rose, Fenchel, Basilikum vielleicht nicht zu ihrem Beute- und Nahrungsschema gehören und ihr Metabolismus nicht jahrtausende Jahre lang Zeit hatte, sich auf den Abbau dieser Pflanzeninhaltsstoffe einzustellen. Diesen Tieren wird zudem das Fell wegrasiert, bevor sie mit den fraglichen Substanzen eingeschmiert werden (wer sich als Mensch rasiert, wird sich an diesen Stellen nicht anschließend mit scharfen und reizenden Kosmetika einreiben, weil das Rasieren immer Mikroverletzungen zur Folge hat). Und damit man wirklich nachweisen kann, wie gefährlich diese “Pflanzenstoffe” (aus dem Labor, hm) sind, werden sie hoch/überdosiert und über lange Zeiträume an den Tieren verwendet. Wenn ein menschliches “Versuchskaninchen” wochenlang ausschließlich mit Heu gefüttert werden würde, könnte man beweisen, dass Heu unverdaulich ist, zu Giftgasen in den Eingeweiden führt und schließlich zum Tod durch Darmverschluss.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Der Faktor Mensch wird dabei völlig vernachlässigt: Dass der Mensch recht schnell “die Nase voll” hat von einem Duft, dass er vergesslich ist, selbst wenn er sich jeden Tag mit etwas einschmieren wollte, dass ihm nach kurzer Zeit penetrante Überdosierungen stinken, dass er einen komplexeren Stoffwechsel als ein Meerschweinchen hat, dass er Kleidung trägt, die das Kosmetikum abreibt, dass er Milch trinkt, die zu viel gegessene Duftstoffe emulgiert und resorbieren helfen kann, dass er andere und viel mehr Auswahl an Dingen isst, die mit dem Duftstoff interagieren werden…. all das, also das “wahre Leben”, findet im Labor nicht statt. Wie sollte es auch! Dazu kommt, dass beispielsweise Rosen- und Lavendelöl aus jeweils einigen hundert Inhaltsstoffen bestehen! Dies kann und will man nicht separat untersuchen. Und diese kann oder will man nicht herstellen, um ein ”naturidentisches” Aromaöl auf den Markt zu bringen (man könnte es – technisch gesehen – zu 99,5% herstellen, doch dann wäre das billige Aromaöl vermutlich viel teurer als seine natürliche Variante).

Und weil man an technische und vor allem an preisliche Grenzen stößt, reduziert man beispielsweise Lavendelöl auf drei “böse Inhaltsstoffe” (Linalool, Linalylacetat, Geraniol), die kunstvoll zusammengemischt sicherlich fast wie Lavendelöl riechen würden) und will den naiven Verbrauchern suggerieren, dass man sie vor diesen negativen Komponenten schützt. Damit zurück zur Petition und zur Kosmetikverordnung: Bei einigen, wie diesen Lavendelstoffen, schreibt man “nur” die Deklaration vor (was für Allergiker natürlich hilfreich beim Einkauf ist), obwohl laut Duftstoffe-Fachmann Erich Schmidt  bei etlichen der gebranntmarkten deklarierungspflichtigen Stoffe nachgewiesen werden konnte, dass sie nicht allergener wirken als tausend andere Dinge des täglichen Lebens. Bei anderen Naturdüften wie Rosenöl muss verdünnt werden, damit der eine “böse Stoff” (Methyleugenol) kaum noch im Kosmetikum enthalten ist, bei anderen muss verdünnt werden, um bestimmte Gefahrenhinweise auf dem Etikett zu vermeiden (ich hatte hier eine Liste zusammengetragen). Man kann als Laie wirklich nicht mehr mitkommen, Öle-Firmen müssen Anwälte anheuern.

Volkmar Heitmann hat mir und euch netterweise den Link zu diesem “behördlichen Duftkrimi” geschickt, hier kann er gelesen werden (auf englisch und ellenlang, die meisten EU-Bürger haben somit keinen Zugang zu diesem “Meinungspapier” (opinion), ich wüsste zu gerne, wer die am Anfang namentlich aufgeführten Meinungsgeber sind bzw. für wen sie arbeiten. Für solche Recherchen bedürfte es eines eigens eingerichteten und bezahlten Arbeitsplatzes. Hallo Ätherische-Öle-Firmen, hat jemand da draußen Zeit und Kapazitäten dafür frei?! Immerhin wird ganz demokratisch auch eine Meinungsseite für die EU-Bürger eingerichtet, wenn man sich also durch diesen englisch verfassten Fachtext gewühlt haben sollte, kann man seine Meinung auch kundgeben. (Selbst mir mit Fließend-Englisch-Fähigkeiten graut vor dieser Seite).

Ich war jedenfalls vergangene Woche – sehr schön passend zum Thema – zweimal mehr oder weniger freiwillig mit Chemieduftbomben konfrontiert. Einmal stand der Wäscheständer mit zu trocknender Wäsche im Schlafzimmer, sie war mit “eben mal ganz schnell” gekauftem Waschmittel (“mit ätherischen Ölen”) gewaschen worden, weil das Biowaschmittel leer war. Kaum zu glauben, was für Emissionen da im Zimmer umher waberten, sie lösten ein starkes Irritation im Sinne von “Achtung, Störung, hier stimmt etwas nicht, weg laufen!” aus. Beim zweiten Mal führte der Besuch des Schweden-Kaufhauses bzw. zum Glück erst ganz am Ende die Kerzenabteilung, zu einem über 24 Stunden währendem leisen Kopfschmerz. Auf diesen beiden Produkten würde ich gerne die neue Etikettenvorschrift sehen: Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein. Aber diese ist für solche Produkte, die man unter Umständen tagelang und wochenlang einatmet, nicht vorgesehen. Ein typisches Beispiel für den Zwei-Klassen-Duft.

PS Ähnlich wie beim Beispiel “100 Prozent Wolle” des Teppichs verhält es sich übrigens mit sehr vielen Kleidungsstücken und sonstigen Textilien aus “100% Baumwolle”, diese bestehen immer öfter aus einigen Prozenten an anderen Stoffen.

wie mache ich ein naturparfüm – ein workshop


Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Mein Kollege Volkmar Heitmann bat mich, ein bisschen die Werbetrommel für einen ganz besonderen Naturparfüm-Workshop im wunderschönen Ort Inzlingen ganz in der Nähe von Basel zu rühren (ich habe dort im Schlösschen geheiratet). Volkmar schreibt:

Ein befreundeter Parfümeur hält im kommenden April einen Workshop zum Thema Naturparfüm. Da ich weiß, dass das wirklich tolle Seminare sind, rühre ich gern ein wenig die Werbetrommel für die Veranstaltung. Ich habe keinerlei finanzielle Interessen an dem Workshop, würde aber gern selbst daran teilnehmen, kann’s aber leider nicht, weil ich dann schon verplant bin.

Der in Insider-Kreisen bekannte Parfümeur Stephen V. Dowthwaite hält vom 28. April 2012 bis 01. Mai 2012 einen 4-tägigen Workshop über “Ein neues Verständnis zum individuellen Naturparfüm”. Stephen V. Dowthwaite ist neben Edmond Roudnitska und Paul Jellinek einer der Pioniere der modernen Parfümentwicklung und ein herausragender Lehrer für Parfümeure. Er lebt normalerweise in Bangkok und ist unter anderem Berater des thailändischen Ätherische-Öle-Projekts von Thai-China Flavours and Fragrances. Mindestens 300 Parfums, die derzeit auf dem Markt sind, stammen aus seiner “Küche”. Details und Anmeldung zum Workshop können hier kostenlos runterladen werden. Wer lernen möchte, wie seine eigenen Mischungen aus ätherischen Ölen nicht mehr nur “therapeutisch” riechen, sondern Düfte zum Verlieben werden, sollte sich das mal näher anschauen.

Die Kursgebühr scheint auf den ersten Blick “nicht ohne” – doch bitte bedenken: Wenn man aber die Kosten pro Tag betrachtet (4-Tage-Seminar mit Verpflegung), kommt man wieder in preislich sehr gemäßigte Regionen. Nicht zu vergessen: Ein Workshop wie dieser findet nur alle Jubeljahre so dicht vor der Haustür statt. Und vielleicht ergibt sich aus einem Hobby mal ein wunderschöner Beruf, dass man beispielsweise mit seinen Kunden zusammen ein “therapeutisches Parfüm” entwirft oder der Klientin einen Traumduft, hunderprozentig auf ihre Stimmungslage und Konstitution, komponiert.

safran gegen menstruations- und erektionsbeschwerden


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyJa, das ätherische Öl von Safran fällt unter das Betäubungsgesetz und ist somit nicht erhältlich (wäre es überhaupt bezahlbar???). Jetzt muss ich jedoch nochmals drüber schreiben, denn gestern brachte mir der Postbote – passend zum vorherigen Text – mehr spannende Informationen darüber. In der aktuellen Zeitschrift für Phytotherapie ist ein Bericht über eine doppelblinde und randomisierte Cross-Over-Studie mit einem Alkoholextrakt aus Safranfäden (cross-over bedeutet, dass die Probanden sowohl das Scheinmedikament als auch das ‘richtige’ Medikament nehmen [aber nicht wissen, welches sie gerade verwenden], randomisiert bedeutet, dass die Probanden ganz zufällig ausgewählt werden).

35 College-Studentinnen zwischen 21 und 35 Jahren nahmen teil, sie waren dem Duft des Safranextraktes bzw. des Placebos jeweils 20 Minuten ausgesetzt. Direkt danach und zwei Stunden später wurden die Werte von Cortisol (Stresshormon), Testosteron und Estradiol (Geschlechtshormone) im Blut gemessen und auch die Stimmung anhand einer genormten Skala bestimmt. Auch wenn die Studie etliche Fragen offen lässt, konnte belegt werden, dass eingeatmeter Safrangeruch bzw. die flüchtigen Moleküle aus den Safranfäden, auch unter der bewusst wahrzunehmenden Geruchsschwelle, neuroendokrinologische Wirkungen auslösen (das Nerven- und das Drüsensystem betreffend). Prämenstruelle Störungen und schmerzhafte Perioden können damit reguliert werden. Wer englisch lesen kann, findet eine iranische Vorgängerstudie, allerdings mit eingenommenem Safran-Pulver durchgeführt, zum download hier. Wie die Wirkung von Safran gegen Depressionen untersucht wurde (2008), ist hier (auf englisch) nachzulesen. Einer der Autoren konnte ferner nachweisen, dass 30 mg pro Tag Safran bei 46 Patienten seiner Untersuchung eine Anti-Alzheimer-Wirkung aufweist – durch eine cholinerge Wirkung, d.h. Acetylcholin, das für das Kurzzeitgedächtnis wichtig ist, und bei Morbus Alzheimer nicht genügend zur Verfügung steht, bleibt dem Patienten mehr/länger erhalten.

Nicht zuletzt konnte kürzlich die traditionelle Anwendung von der Wissenschaft bestätigt werden, dass Safran ein Aphrodisiakum sei: 200 mg Safranpulver, nur 10 Tage eingenommen, zeigte bei den zwanzig Probanden eine signifikante Reduktion von Erektionsstörungen.

PS Sabrina hat mich daran erinnert, dass es auch Safran-Attar gibt. Die Kombination mit Sandelholzöl, das auch eine nachgewiesene neurotrope (auf die Psyche) Wirkung hat, könnte sogar eine ideale Ergänzung sein. Meines ist von Farfalla, ist jedoch im neuen Katalog nicht mehr enthalten, bei Maienfelser ist es im Katalog aufgeführt, jedoch nicht im Webshop.

In several studies it could be shown that the herb saffron (the stamens of Crocus sativus) are efficient against premenstrual disorders and menstrual pain, against mild forms of depression, Alzheimer dementia and against erectile dysfunctions; you can read about it here and here and here.

wie wirken ätherische öle?


Cananga odorata

Ich finde es immer wieder spannend, mich mit der Wirkweise von natürlichen Düften zu beschäftigen. Und mit dem Geruchssinn des Menschen, der auf geradezu unheimliche Weise auf duftende Moleküle reagieren kann. Dennoch werden beide, das Riechen und diese Duftstoffe, von der Forschung nicht sonderlich ernst genommen. Um so erhebender ist das Gefühl, wenn ich neue Studien dazu ausgraben kann!

Ich habe immer wieder mal sehr bewusst sehr intensiv von Gerüchen geträumt. Stellt sich nicht nur mir die Frage: Kann sich das menschliche Gehirn überhaupt Düfte  vorstellen, sie sozusagen derart denken, dass Impulse der Nervenzellen ausgelöst werden, die auch beim Riechen von echten Duftmolekülen entstehen? Produzieren die Neuronen dann tatsächlich elektrische Signale, die mit modernen bildgebenden Verfahren sichtbar werden? Erst neuerdings unterstützen immer mehr Wissenschaftler die Idee, dass da draußen tatsächlich Menschen mit einer “mentalen Nase” herum laufen. Ich denke mal, dass ich dazu gehöre, ich kann mir Duftmischungen sozusagen im Kopf vorstellen. Ob sie frisch oder dumpf duften, ob die Einzeldüfte zusammenpassen, ob sie zur betreffenden Person passen. Über dieses Thema unterrichtet uns eine hoch interessante Dissertation (Doktorarbeit), von Heike Astrid Weitz, letztes Jahr an der Technischen Universität Dresden angefertigt: Mentale Geruchsvorstellungen im Schlaf. Wer von euch kann sich an Träume mit deutlichem Geruchserleben erinnern?

Auch letztes Jahr wurde eine bahnbrechende Erkenntnis publiziert, welche belegt, dass ätherische Öle nicht nur antibakteriell wirken, indem sie die Biester abtöten, sondern indem sie auch ihre Kommunikationsprozesse untereinander empfindlich durcheinander bringen können. Wie wenn eine Armee, die gerade auf Angriffskurs ist, durch laute Musik und bunte Laserprojektionen am Himmel von ihrem Ziel abgelenkt wird. Somit gibt es nun erste Erklärungsansätze, warum Mischungen mit Ölen, die nicht primär antiseptisch wirken (im Sinne von Keime abtöten), dennoch beim Kampf gegen Infektionen hilfreich sein können.

Vor zwei Wochen fand in Heidelberg eine Tagung statt, auf der neueste Erkenntnisse über die Wechselwirkung von Emotionen und Geruch vorgestellt wurden. An der Ruhr-Universität Bochum forscht das Team von Bettina Pause intensiv zu diesem Thema:

So konnte mit verschiedenen psychophysiologischen Methoden erstmals gezeigt werden, dass bei sozial Ängstlichen eine Hyperreaktivität in Reaktion auf chemosensorische Angstsignale [Duftstoffe im Schweiß] und auf chemische Aggressionssignale besteht. Ebenfalls unter dem Einfluss verschiedener Chemosignale, welche entweder während Angst auslösenden Situationen oder sportlicher Betätigung gewonnen wurden, veränderte sich die Risikobereitschaft von Probanden, die diese Chemosignale präsentiert bekamen.

Spannend finde ich auch eine neue Diplomarbeit (Uni Wien), die eine Untersuchung am Grad der Anspannung von Frauen, die gerade ihre Monatsblutung haben, vorstellt. Es wurde genau untersucht, wie die “verblindeten” Frauen (sie atmeten während des Experimentes Luft aus Atemmasken ein) auf eine selbst durchgeführte Unterbaucheinreibung mit neutralem fetten Öl und mit verdünntem Ylang Ylang-Öl (Abbildung Ylangblüte, Priscila Botelho) reagierten: Über die Wirkung von und mit ätherischen Ölen bedufteten Massageölen auf die Befindlichkeit der Frau von Sabanija Alvin.

Über die bereits belegten Erkenntnisse, dass ätherische Öle unterschiedliche Strukturen der bakteriellen und den menschlichen Zellmembranen beeinflussen und somit für die einen zerstörerische und für die zweiten gesundheitsfördernde Maßnahmen einleiten, habe ich schon an anderer Stelle geschrieben (beispielsweise hier und hier (einfach das Wort ‘Zellmembran’ in das Blog-Suchfeld hier oben rechts eingeben).

Und derer Erkenntnisse liegen so unendlich viele in der weiten Welt des Web! Man muss sie nur lesen! Und davon erzählen. Und somit die grandiosen und gesundheitsfördernden Anwendungsmöglichkeiten von ätherischen Ölen “unters Volk” bringen. Ich jedenfalls werde in den kommenden zwei Wochen über die obigen Themen und über vieles mehr in Deutschland referieren. Zwar geht es offiziell um “Chemie der ätherischen Öle” und um “Botanik der Ätherisch-Öl-Pflanzen”, doch an diesen Zweitage- und Dreitage-Seminaren geht es genau um obige Themen, die freilich das Duftmolekül im Zentrum haben, denn so funktioniert die Welt der Wissenschaft: Der Wirkstoff und seine Effekte auf den Menschen wollen erklärt werden. Natürlich bewirken die Öle darüber hinaus noch vieles, vieles mehr, vor allem mit unseren Emotionen, doch das ist Thema eines ganz anderen Kurses! Also, wer noch kurzentschlossen dabei sein möchte, kann dies entweder am traumhaften Bodensee oder am idyllischen Ammersee (bei München):

  • Botanik - Das Wunderwerk Pflanze

Warum sie duftet, wie sie uns gut tut und wie sie unsere Gesundheit schützen kann

8.-10. Juli 2010, Ort: Konstanz, Infos: Doris Ilg-Hewelt, Aroma-Institut am See

  • Duft-Tanz der Moleküle

Die faszinierende Welt der Duftbausteine – Aroma-Chemie einfach und interaktiv

16. und 17. Juli 2011, Ort: Raisting am Ammersee (bei München), Infos: Neumond

aromapflege bei intubierten patientInnen


AiDA AromatherapyOb Aromapflege und Aromatherapie bei Menschen mit Trachealkanüle Sinn macht und überhaupt funktioniert? Diese Frage erreicht mich immer wieder. Leider wird sie anscheinend in Crashkursen für MitarbeiterInnen von Kliniken und Hospizen oft nicht angesprochen (und/oder die Lehrenden wissen keine Antwort), dabei ist sie für Anwendungen von natürlichen ätherischen Ölen von fundamentaler Bedeutung. Oft werden nur zwei Tage Grundkurs bewilligt und bezahlt, das ist natürlich extrem knapp, um eine verantwortungsvolle und für die Patienten möglichst effektive Aromapflege anwenden zu können. Man muss sich als Aromapflegende(r) der zwei Hauptwege der Duftmoleküle bewusst sein:
  • Duftmoleküle docken an die Riechschleimhaut an und werden anschließend in digitale Informationen umgewandelt. Diese beeinflussen das Gehirn, vor allem im emotionalen und erinnerungstechnischen Bereich. Dieser Aspekt findet bei intubierten und anosmischen Patienten nicht oder kaum statt (siehe Trigeminus weiter unten im Text).
  • Duftmoleküle sind fettlöslich und meistens klein genug, um die Haut zu durchdringen. Sie “hangeln” sich entlang der lipidartigen Zellmembranen bis zu den kleinsten Blutkapillaren, kursieren dann im Blutstrom und entfalten je nach Eigenschaften systemische Wirkungen (schmerzlindernd, blutdrucksenkend, angstlösend, beruhigend, durchblutungsfördernd etc).
Lesen Sie dazu auch eine Studie von Prof. Buchbauer und sowie ähnliche Infos hier:  Insofern wären bei intubierten Patienten eine kleine Handmassage oder andere direkte Anwendungen wie Waschungen mit ätherischen Ölen sinnvoller.
Jedoch: wie man inzwischen weiß, riechen viele (oder vielleicht alle?) Körperzellen, allerdings ohne über das Großhirn verschaltet zu werden. Der Duft kann also nicht bewusst wahrgenommen werden. Von Herzzellen und Prostatazellen weiß man definitiv (Uni Bochum), dass sie mit Riechrezeptoren ausgestattet sind, insofern mag sogar “nur” Raumbeduftung bei intubierten Patienten einen Effekt haben, das ist meines Wissens nach jedoch noch nicht untersucht.
Auch der Trigeminus-Nerv kann bestimmte Duftmoleküle “riechen”, also erkennen und Reaktionen darauf auslösen, so dass auch mit diesem Riechsystem eine Möglichkeit zur sinnvollen Aromapflege gegeben ist.  Zusammenfassend hier die wesentlichen Informationen (anklicken zur Vergrößerung):
AiDA Aromatherapy

wie die nase minimale riechreize verstärken kann


Im Institut für molekulare Physiologie der Uni Heidelberg werden Signalwege zwischen den Nervenzellen von Säugetieren untersucht. Vor noch nicht langer Zeit stellte sich das Team um Prof. Dr. Stephan Frings die Frage, wie die Nase oder vielmehr die Riechrezeptoren mit sehr schwachen Riechreizen umgehen. Werden diese wirklich registriert? Verhaltenstudien zeigen, dass Menschen durchaus auf Gerüche reagieren (können), die sie unterhalb der Riechschwelle umduften. Moderne Marketingmaßnahmen

Die Zilien (Riechsinneshäarchen) in unserer Riechschleimhaut sammeln für diesen Zweck während ihrer Ruhephasen mit Hilfe von spezialisierten Einweiß-Komplexen Chloridionen und entlassen diese schlagartig beim Auftreten eines Riechreizes. Die Chlorströme, welche nun durch Kanäle aus wiederum spezialisierten Eiweißbausteinen wandern, verstärken die Wahrnehmungsfähigkeit der Riech”antennen” und lösen durch eine Umkehr der elektrischen Ladung einen (elektrischen) Strom aus. So dass auch ganz schwache Düfte wahrgenommen werden können.

Somit haben die Mehrheit der Anwender von ätherischen Ölen eine wissenschaftliche Erklärung, dass ihre starken Verdünnungen von 2 Prozent und oft deutlich darunter, tatsächlich eine physiologische Wirkung haben. Und dass die Anwendung von unverdünnten Ölen nicht nur eine (teure) Ressourcenverschwendung ist und unnötige Gefahren von Hautreizungen birgt, sondern schlicht nicht nötig ist.

Das offizielle englischsprachige Abstract der Studie ist hier nachzulesen, eine gute deutschsprachige Zusammenfassung gibt es bei Netdoktor, ein kostenloser Fachartikel der (früheren) Erkenntnisse des Teams von Prof. Frings kann hier runtergeladen werden. Vielen Dank an Ursula von Natur & Geist für den Tipp zu diesen Infos!

aromatherapie wirkt auch bei anosmie


Ich werde immer wieder gefragt, ob aromatherapeutische Maßnahmen überhaupt wirken, wenn jemand nicht (mehr) riechen kann oder im Krankenhaus liegt und beatmet (intubiert) wird. Die Antwort lautet eindeutig JA! Denn die Arbeit mit ätherischen Ölen basiert auf (mindestens) zweierlei Art und Weise:

  • Duftmoleküle (auch synthetische) sind flüchtig [winzig] und fettlöslich, sie docken an die Zilien der Riechzellen in der Riechschleimhaut an und werden in elektrische Impulse umgewandelt (analoges Prinzip, siehe Grafik unten: unterer Bereich). Diese elektrischen Informationen werden durch die zwei Riechkolben und den paarigen Riechnerv (Nervus olfactorius) in das Innere des Gehirns geleitet, vor allem ins Limbische System (digitale Verarbeitung). Einige Duftmoleküle können auch die Blut-Hirn-Schranke direkt passieren, dafür muss aber dieser Bereich des Nervensystem in Ordnung sein.
  • Duftmoleküle (auch synthetische) werden von fast allen hautbedeckten Körperoberflächen resorbiert, vor allem wo sich Haare, Talgdrüsen und Schweißdrüsen tummeln. Sie werden von feinsten Blutkapillaren aufgenommen und docken je nach Molekülstruktur an unterschiedlichste Rezeptoren (Empfangseinrichtungen, Abb. rechts) an. Dadurch werden unterschiedlichste pharmakologische Wirkungen ausgelöst. Diese funktionieren jedoch durch hedonische Wertungen (igitt, den Geruch mag ich nicht ≠ hm, dieser Duft erinnert mich an meine Lieblingstante) nicht bei allen Menschen gleich. Aber grundsätzlich kann man sagen, dass der Duftstoff Methylsalicylat bei fast allen Menschen schmerzlindernd wirkt, dass der Duftstoff Linalylacetat bei fast allen Menschen stimmungsaufhellend und entkrampfend wirkt, dass Menthol bei fast allen Menschen den schmerzenden Darm beruhigt.
  • Der Trigeminus-Nerv “riecht” auch bestimmte Substanzen (Menthol, Rauch, Ammoniak, Menthol, Barrique(geschmack im Wein) etc, nach neuesten Erkenntnissen sind auch unterschiedlichste Zellen (Haut, Herz, Spermien) fähig, so etwas wie Riechen auszuüben (ohne über das Großhirn verarbeitet zu werden).

Wenn der Riechnerv durchtrennt oder extrem beschädigt ist, funktioniert die erste Wirkungsvariante nicht. Doch da der lebende Mensch über einen lebenden Hautstoffwechsel verfügt, sind die anderen Varianten aktiv. Aromatherapie-Anwendungen außer dem reinen Riechen (Massagen, Einreibungen, Aufnahme durch Schleimhäute [Inhalation, Mundspülungen, Zäpfchen]) funktionieren also bestens.

Anosmie als Folge von Antibiotika-Einnahme oder Schädeltraumata kann immer wieder durch tiefes und bewusstes Einatmen von Basilikumöl günstig beeinflusst werden, warum das so ist, weiß man nicht (möglicherweise durch die ZNS-Wirkung des Hauptwirkstoffes Methylchavicol). Die Betroffenen sollten also dreimal täglich etwas Basilikumöl auf ein Stückchen Watte, Küchenkrepp oder auf ein hölzernes Umrührstäbchen vom Macchiato-Lieferanten geben und sich beim “Riechen” vorstellen, wie die grüne Pflanze aussieht, wie früher Tomaten mit Basilikum geschmeckt haben, wie in Italien die Basilikumsträucher wachsen etc… Abb. Riechnerv: Gray’s Anatomy

PS vom Arzt Dr. Dr. Erwin Häringer: Bei Anosmie hilft Riechtraining: Kurze Zeit intensive Gerüche tief !! einatmen, nicht „schnüffeln“; (Neurology of Olfaction, Hawkes & Doty, 2009). Die Kombination von D2- Rezeptoren stimulierendem ätherischen Öl von Agnus castus (Mönchspfeffer) plus die Einnahme eines phytotherapeutischen Präparates plus Gabe von Zinkacetat und (kurzzeitige) Verwendung von inhalierbaren Cortison (Mometason) in Kombination mit 1,8-Cineol (oral, in dünndarmlöslichen Kapseln) bringt tatsächlich etwas. Die alleinige Verwendung von Cortison und Zink bringt leider wenig. Literatur im obigen sehr empfehlenswerten Buch; bei der medizinisch wissenschaftlichen Abteilung der Firma Bionorica (Neumarkt) und bei Casella-med (Köln). Auch die Arbeitsgruppen HNO in Dresden und Freiburg helfen gerne weiter. (Prof. Dr. Uwe Jürgens, Bonn; Prof. Dr. Hummel, Dresden).

unterschwellige gerüche – belastung oder wohlgefühl?


Ich habe gestern mit einer Kollegin über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch “Emissionen” am Arbeitsplatz diskutiert. Insbesondere ging es um Krankheitsgerüche, Desinfektionsdüfte und Todesausdünstungen in Heil- und Pflegeinstitutionen. Da inzwischen wissenschaftlich erwiesen ist, dass die menschliche Nase in der Lage ist, Angstschweiß von Sportschweiß zu unterscheiden, nehme ich einfach mal an, dass dieses unterschätzte Organ (und das Nervensystem dahinter) auch die unterschiedlichen Ausdünstungsbotschaften von PatientInnen erkennen kann. Wenn sich diese Riechstoffe noch mit Wolken von Reinigungsgiften und Sprühmedikamenten vermischen, entstehen vermutlich “neuro-explosive” Informationen vor allem für die Mitarbeiter von pflegenden Einrichtungen. Sie sind denen tagtäglich ausgeliefert und vielleicht obendrein auch noch Machtkämpfchen, Sparmaßnahmen und Arbeitplatzverlust-Ängsten. Alles zusammen ein idealer Mix für erhebliche Stress-Symptome oder gar Burnout. PatientInnen selbst und auch die BesucherInnen werden freilich auch mit diesen unterschwelligen Duftbotschaften umnebelt.

Nun bin ich neugierig geworden und wende mich in einer kleinen Umfrage an MitarbeiterInnen in Spitälern, Kliniken, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Hospizen, jedoch auch BesucherInnen können mit abstimmen. Nehmen Sie die Gerüche Ihrer Station oder Ihres Hauses überhaupt noch wahr? Fühlen Sie sich durch sie in Ihrer Befindlichkeit gestört? Klicken Sie bitte eines oder mehrere die kleinen Kästchen an und drücken Sie auf “vote” (abstimmen). Sie können auch die Zeile darunter anklicken, um die Anzahl der Abstimmenden und die Ergebnisse anzuschauen. Natürlich können Sie Ihre Erlebnisse auch gerne im Kommentare-Feld schildern. Vielen Dank schon mal für die rege Teilnahme!

PS, insbesondere an Margit: Bei Feeling gibt es ein Produkt namens Absorber, soweit ich informiert bin, ein natürliches Produkt, das Gerüche absorbiert/schluckt/bindet; es ist den Duftsprays zugesetzt und diese wirken hervorragend duftneutralisierend (natürlich darf man keine Wunder erwarten, etwa im Fäkalienraum).

Ätherische Öle in der Psychiatrie – ein gelungener Kongress


Am vergangenen Freitag, den 15. Oktober, trafen sich über 100 Gäste und viele engagierte Referentinnen und Referenten zu einem Erfahrungs- und Wissensaustausch über den Einsatz von ätherischen Ölen im psychiatrischen Bereich. Gastgeber war ein aromaerfahrenes Team der Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel, Initiatorin war die Aromatherapeutin Regula Rudolf von Rohr. Sie kann auf viele Jahre der therapeutischen Erfahrung mit den natürlichen Essenzen zurück blicken und sie hat volle Rückendeckung durch die zuständige Ärzteschaft.

Auch Christoph Cassidy, Leiter Pflege und Qualität der UPK Basel ist vom Nutzen von Aromatherapie und Aromapflege in seinem Hause überzeugt.

Jean-Claude Richard von Farfalla begann den Tag mit ungewollt kritischen Worten und Prognosen. In seinem wunderbar anschaulichen Vortrag ‘Warum “Bio” auch bei Duftstoffen logisch ist’ zeigte er auf, was die moderne Landwirtschaft seit fünfzig Jahren mit ihren immer noch circa 500 Pestiziden anrichtet (circa 300 wurden – zumindest in der EU – verboten). Lebensmittel werden aber nur auf circa 200 dieser Giftstoffe kontrolliert (was wir wohl alles mit essen???). Ätherische Öle können diese gesundheitsschädigenden Moleküle – beides sind fettlösliche Substanzen – in ungünstigen Mengen enthalten, darum ist es wirklich ein Muss, für die Aromapflege bio-LOGISCH einzukaufen. Mal abgesehen davon, dass man mit diesem Verhalten die mühselige, rückenschindende Arbeit der Kleinerzeuger unterstützt, keine moderne Sklavenarbeit subventioniert und vieles mehr.

Destruktive, nicht nachhaltige Erntetechniken aus Wildsammlung, unkontrollierter Handel, Schmuggel sowie Betrug machen den Vertrieb von ätherischen Ölen zunehmend aufwändiger. Südfranzösischer Lavendel ist derzeit auch noch durch zwei Krankheiten stark bedroht, selbst die harten Chemiekeulen wollen nicht mehr recht helfen. Das ist einer der weiteren hohen Preise, den man bei extensiver Monokultur zahlen muss. Das blaue Duftwunder kommt heute zunehmend aus östlichen Ländern: Bulgarien und die Ukraine produzieren auf je 3000 Hektar bereits jeweils 40 Tonnen des beliebten Öles, China bewirtschaftet immerhin schon 1300 Hektar, um sich mit 30 Tonnen am Welthandel zu beteiligen. Lavandin wird übrigens zwanzig mal mehr produziert als Lavendel und 90 Prozent davon gehen an Duft-Riesen wie Procter & Gamble, Unilever, Colgate, Henkel usw.

Jean-Claude Richard zeigte wunderschöne Fotos von den Bioprojekten an diversen noch sehr abgelegenen Orten, vor allem vom ersten Bio-Dorf Europas Correns, in dem neben Wein und Oliven auch viele Felder mit aromatischen Kräutern für ein besonderes Mikroklima sorgen. Weil das malerische Dorf zudem von einer Hügelkette umgeben ist, hofft man, dass diese fast abgeschlossene Region von den schrecklichen Lavendelkrankheiten verschont bleibt. Der erfahrene und passionierte Aroma-Mann berichtete schmunzelnd, dass jeder Besuch dort in Süd-Frankreich mindestens eine Woche vorher angemeldet werden muss, da ein sehr prominentes Schauspieler-Paar im Dorf ein Schloss erworben hat und Angst vor Paparazzi hat.

Ein aufrüttelnder Exkurs ging am Schluss seines Vortrags noch in die Welt der künstlichen Aromen, welche uns und vor allen den jungen Menschen regelrecht den Appetit verderben, ohne dass es aber so recht bewusst wird. Echtes Erdbeer- oder Vanillearoma wird heutzutage oft als schwach oder unecht empfunden, da die Labor-Duftstoffe meistens viel intensiver duften. Erstaunliche Zahlen waren zu vernehmen: 1000 Tonnen echten Vanillearomas stehen derzeit 13000 Tonnen synthetischem Vanillearomas gegenüber. Was diese frankensteinschen Riechstoffe mit uns, unserem Verhalten und unseren Gehirnwindungen macht, sollte wohl besser verschwiegen werden, wenn es denn je erforscht werden wird….

Im nächsten Vortrag beschrieb die Pflegefachfrau Regula Rudolf von Rohr ihre Tätigkeiten und Erfahrungen mit kranken Menschen. Sie wird als Aromatherapeutin bezahlt, darf also auf Anweisung der betreuenden Ärzte intensiver als “nur” aromapflegerisch arbeiten. Sie hat ursprünglich ihre Arbeit bei Martin Henglein erlernt, diese dann im Laufe der Jahre an die Bedürfnisse dieser sensiblen Patientengruppe angepasst. An den Universitären Psychiatrischen Kliniken gibt es also beide Arbeitsfelder: Aromatherapie und Aromapflege, welche Hand in Hand gehen.

Es folgte ein erfrischend-lustiger Bericht über zahlreiche Versuche und Irrtümer aus dem Arbeitsfeld der psychiatrischen Gesundheits-und Krankenschwester Claudia Arbeithuber aus Linz in Österreich. Sie betonte immer wieder die Notwendigkeit von unglaublich geringen Dosierungen, oft nur 1 Tropfen eines ätherischen Öles auf 100 ml fetten Öles. Denn psychiatrische PatientInnen sind meistens ungemein sensibel und reagieren oft übermäßig auf Reizüberflutung. So muss auch zunächst mit Berührungen sehr bewusst umgegangen werden und es darf zunächst allenfalls den Körperbereich mit Ölen behandelt werden, den die Kranken als angenehm empfinden. Düfte in minimalen Mengen und sanfte Streichungen haben dann oft bemerkenswerte Wirkungen. Uns wurde der Fall einer jungen Frau ausführlich vorgestellt, die sich extrem selbst verletzte und über die Jahre mit selbst gewählten und teilweise eher hoch dosierten ätherischen Ölen aus diesem Teufelskreis entkommen konnte.

Die Münchener Fachkrankenschwester und Wundexpertin Monika Volkmann berichtete in ihrem Vortrag ‘Osmologische Aroma-WundPflege’ (OAWP) über viele Besonderheiten bei der Wundversorgung mit ätherischen Ölen, zusammen mit oder auch ganz ohne die hochmodernen Produkte zur Behandlung von Wunden. Die Kombination beider Verfahren kann sowohl in der Lokalantiseptik, in der Pflege von Wunden als auch in der Pflege der Wundumgebung bestehen. Im psychiatrischen Bereich wird man oft mit Sebstverletzungwunden konfrontiert: mit Schneiden, Kratzen, Ritzen, Stechen, Kopfschlagen, Trichotillomanie, Beißen, Zerkauen, Verbrühungen, Verbrennungen und vielem mehr. Dadurch spüren die Erkrankten sich oft besser, eine Verstärkung des psychischen Drucks kann erfolgen, die (verstärkte) Aufmerksamkeit der Umgebung wird gefordert.

Für die Lokalantiseptik haben sich folgende 100 % naturreine ätherische Öle seit circa 15 Jahren im klinischen Bereich bestens bewährt: Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Thymian (Thymus vulgaris CT Linalool) und Niaouli (Melaleuca quinquenervia). Sie können mit Ringerlösung verschüttelt werden (250 ml  RL + 10 – 20 gtt*), einer Grundmischung aus den genannten oder ähnlichen ätherischen Ölen zugefügt werden oder 2 – 3-prozentig mit hochprozentigem Alkohol zu einem Wundspray in einer Sprühflasche vermischt werden. Die Wundumgebung kann mit 0,5 – 3%igen Mischungen je nach Indikation und Häufigkeit gepflegt werden, das ist insbesondere nötig, wenn Wundnähte oder die Verbände aus Kunststoff hergestellt sind. Bei oberflächlichen akuten Wunden nimmt Frau Volkmann 2 – 3%ige Mischungen als Auflage oder Einreibung.

Oft verweigern die PatientInnen diese Art der Versorgung, dann können als alternativer Ablauf sogenannte Osmologische Arbeitsmischungen mit breiter Akzeptanz angeboten werden. Von der folgenden Mischung wird beispielsweise ein Tropfen auf ein Stückchen Zellstoff gegeben und dem/der PatientIn angeboten:
  • 4 gtt Citrus paradisii (Grapefruit)
  • 2 gtt Citrus bergamia (Bergamotte)
  • 2 gtt Citrus reticulata (Mandarine)
  • 1 gtt Anthemis nobilis (Kamille römisch)
  • 1 gtt Vanilla planifolia (alkoholischer Vanilleextrakt)
Man kann diese Grundmischung auch 0,5 %ig in Mandelöl (Prunus amygdalis dulcis) einarbeiten oder für eine Teilkörpermassage 6 gtt auf 30 ml Trägeröl einarbeiten.
Weitere zahlreiche Erfahrungsberichte wurden von Pflegefachleuten vorgetragen: Das Team von den Psychiatrischen Kliniken in Basel konnte 2006 ein Aromapflege-Konzept einführen und 2007 als allgemein akzeptierten Standard  in der Klinik verankern.
Seit diesem Zeitpunkt arbeiten auf zwanzig Stationen Pflegende, welche eine spezifische interne Schulung zur Aromapflege absolviert haben. Wir konnten an einigen Ergebnissen einer Literaturrecherche, die zur Evidenz der Aromapflege erarbeitet wurde, teilhaben (im Bild v.l.n.r. Franziska Rabenschlag, Sylvie Schumacher und Ursula Niemi).
Nach der Mittagspause berichtete Jürgen Ott (links) von der bekannten Clienis Privatklinik Schlössli über seine Arbeit auf der 60+-Abteilung, wo die Aromapflege eine ergänzendes Pflegeangebot für die siebzehn Behandlungsplätze darstellt. Die Aromapflegeverantwortlichen Christine Kleindienst (Mitte) und Roland Kaiser (rechts) von der PTA (Psychotherapeutische Abteilung) der UPK Basel fassten auch jeweils kurz ihre Erfahrungen auf dem psychiatrischen Sektor zusammen.
Es folgte dann mein Beitrag über wissenschaftliche Arbeiten mit und über demenziell veränderte Menschen, die vom Einsatz ätherischer Öle profitierten. Die drei A’s dieser Erkrankungsgruppe (Aggression, Agitation, Angst) können insbesondere mit den ätherischen Ölen von Melisse (Melissa officinalis), Lavendel (Lavandula angustifolia), Rosmarin (Rosmarinus officinalis) und unterschiedlichen Salbeiarten gut beeinflusst werden. Auch erkrankte Gehirnzellen, reagierten in zahlreichen Studien auf ätherische Öle wie Lavendelsalbei (Salvia lavandulifolia) sehr positiv, dieses Öl wirkt zumindest in Laborstudien wie die modernen Anti-Alzheimer-Medikamente, so genannte Acetylcholinesteraseinhibitoren. Ich schrieb vergangenes Jahr einen Fachbuchbeitrag zum Thema und berichtete auch hier davon. Spannend finde ich, dass allererste Ausfallerscheinungen bei der Alzheimer’schen Erkrankung mit einem “Schrumpfen” der Riechkolben (verarbeitet Riechprozesse) im Gehirn und auch des Hippocampus (verarbeitet Gerüche und auch Erinnerungen) einhergeht. Ob ein bewussteres Riechen (an Nahrung, Blumen, ätherischen Ölen etc) einer Erkrankung vorbeugen kann oder ihr Fortschreiten eventuell zumindest verlangsamen kann?
Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt begeisterte wieder durch seinen spannenden Beitrag über die fremde-ferne Welt der Riechorgane. Das ist nicht mehr nur die Nase, sondern wichtige Erkenntnisse liegen nun zur Riecharbeit des Nervus trigeminus (Drillingsnerv) vor und man weiß nun, dass die Haut auch Riechfunktionen erfüllt. Sogar das Herzgewebe kann sogar so etwas wie Riechen! Unzählige Zeitungsartikel über seine Forschungsergebnisse können hier nachgelesen werden, einige Radio- und Fernsehbeiträge befinden sich hier (viele Links sind allerdings nicht mehr aktiv).
Den fulminanten Abschluss dieses bunten Füllhornes an aromatischen Erfahrungen und Berichten bildete die Übersicht ‘Aromapflege aus dem Blickwinkel der modernen Wissenschaften’ von Ruth von Braunschweig (Foto unten rechts, Eliane Zimmermann links). Auch sie betonte die Rolle der Haut als “fühlendes Organ”, welches einen direkten Draht zum Limbischen System hat und damit wieder mit dem Vorgang des Riechens vernetzt ist. Das Prinzip der Vernetzung, inzwischen auch in der Quantenphysik zu Hause, zog sich wie ein roter Faden durch ihre Ausführungen: “Die Welt ist nicht mechanistisch oder materiell erfassbar. Alles hängt mit allem zusammen. Das Ganze bildet eine dynamische Einheit.
Neben vielfältigen Informationen nahmen alle TeilnehmerInnen eine ausführliche Mappe mit Texten zu den einzelnen Beiträgen mit nach Hause. Es war ein gelungener Tag, ein professionell gestalteter Kongress, ein Fach-Event, der hoffentlich bald die Runde in vielen Kliniken und Pflegeinstitutionen machen wird!
Fotos: Universitäre Pschiatrische Kliniken Basel/Claudette Lang.             *gtt Tropfen

düfte hinterlassen spuren im gehirn


Diese Woche ist ein interessanter Bericht in Spiegel Online über die Experimente mit dem Geruchssinn nachzulesen. Beispielsweise bewerteten Probanden einen gemeinhin als Wohlgeruch empfundenen Duftmix nach einem langweilig-frustrierenden Computerspiel als negativ, eine Miefkomposition wirkte nach einem amüsanten Spiel dagegen positiv. Aber lest selbst, wirklich interessant, wie man dem Riechen immer mehr auf die Spur kommt!