Wenn wir schon mal bei absoluter Fachlektüre sind, der “Große Dicke” von Daniel Rühlemanns Kräutergärtnerei sucht auch seinesgleichen: In keinem mir bekannten Buch findet man soviel Information über Aussehen, Geschmack, Anwendung und Anbau von auch den allerseltensten Heil- und Duftkräutern. Wer eine bessere Internetleitung als wir hat, kann das wundervoll illustrierte Mammutwerk sogar kostenlos runterladen. Fast alle vorgestellten Pflanzen können nach der Frostperiode bestellt werden, auch Samen bekommt man in reicher Auswahl. Schon das Stöbern im Online-Shop macht ungeheuer viel Spaß. Und wer dann eine Pachoulipflanze, Vetiver, Myrrhe, Zitronenmyrte, Granatapfel und zig Basilikumsorten sein eigen nennen darf, kommt dem Wesen und den Anforderungen von Duft- und Heilpflanzen ein gutes Stück näher, auch wenn nur ein Balkon oder gar Fensterbrett zur Verfügung steht. Wer in der Nähe von Bremen wohnt (hallo D.K.!!!) muss unbedingt mal hinfahren, es werden auch spannende Seminare angeboten. Im Blog der Rühlemanns kann man viel Lesenswertes aus dem Alltag in der Gärtnerei erfahren und auch immer wieder kleine nützliche Videos anschauen. Einer der letzten Beiträge zeigt 20 Lavendelarten, ein Fotomosaik aus wirklich sehr unterschiedlich aussehenden Pflanzen, die uns mit unserem wichtigsten Öl versorgen.
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Ätherische Öle in der Psychiatrie – ein gelungener Kongress
Am vergangenen Freitag, den 15. Oktober, trafen sich über 100 Gäste und viele engagierte Referentinnen und Referenten zu einem Erfahrungs- und Wissensaustausch über den Einsatz von ätherischen Ölen im psychiatrischen Bereich. Gastgeber war ein aromaerfahrenes Team der Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel, Initiatorin war die Aromatherapeutin Regula Rudolf von Rohr. Sie kann auf viele Jahre der therapeutischen Erfahrung mit den natürlichen Essenzen zurück blicken und sie hat volle Rückendeckung durch die zuständige Ärzteschaft.
Auch Christoph Cassidy, Leiter Pflege und Qualität der UPK Basel ist vom Nutzen von Aromatherapie und Aromapflege in seinem Hause überzeugt.
Jean-Claude Richard von Farfalla begann den Tag mit ungewollt kritischen Worten und Prognosen. In seinem wunderbar anschaulichen Vortrag ‘Warum “Bio” auch bei Duftstoffen logisch ist’ zeigte er auf, was die moderne Landwirtschaft seit fünfzig Jahren mit ihren immer noch circa 500 Pestiziden anrichtet (circa 300 wurden – zumindest in der EU – verboten). Lebensmittel werden aber nur auf circa 200 dieser Giftstoffe kontrolliert (was wir wohl alles mit essen???). Ätherische Öle können diese gesundheitsschädigenden Moleküle – beides sind fettlösliche Substanzen – in ungünstigen Mengen enthalten, darum ist es wirklich ein Muss, für die Aromapflege bio-LOGISCH einzukaufen. Mal abgesehen davon, dass man mit diesem Verhalten die mühselige, rückenschindende Arbeit der Kleinerzeuger unterstützt, keine moderne Sklavenarbeit subventioniert und vieles mehr.
Destruktive, nicht nachhaltige Erntetechniken aus Wildsammlung, unkontrollierter Handel, Schmuggel sowie Betrug machen den Vertrieb von ätherischen Ölen zunehmend aufwändiger. Südfranzösischer Lavendel ist derzeit auch noch durch zwei Krankheiten stark bedroht, selbst die harten Chemiekeulen wollen nicht mehr recht helfen. Das ist einer der weiteren hohen Preise, den man bei extensiver Monokultur zahlen muss. Das blaue Duftwunder kommt heute zunehmend aus östlichen Ländern: Bulgarien und die Ukraine produzieren auf je 3000 Hektar bereits jeweils 40 Tonnen des beliebten Öles, China bewirtschaftet immerhin schon 1300 Hektar, um sich mit 30 Tonnen am Welthandel zu beteiligen. Lavandin wird übrigens zwanzig mal mehr produziert als Lavendel und 90 Prozent davon gehen an Duft-Riesen wie Procter & Gamble, Unilever, Colgate, Henkel usw.
Jean-Claude Richard zeigte wunderschöne Fotos von den Bioprojekten an diversen noch sehr abgelegenen Orten, vor allem vom ersten Bio-Dorf Europas Correns, in dem neben Wein und Oliven auch viele Felder mit aromatischen Kräutern für ein besonderes Mikroklima sorgen. Weil das malerische Dorf zudem von einer Hügelkette umgeben ist, hofft man, dass diese fast abgeschlossene Region von den schrecklichen Lavendelkrankheiten verschont bleibt. Der erfahrene und passionierte Aroma-Mann berichtete schmunzelnd, dass jeder Besuch dort in Süd-Frankreich mindestens eine Woche vorher angemeldet werden muss, da ein sehr prominentes Schauspieler-Paar im Dorf ein Schloss erworben hat und Angst vor Paparazzi hat.
Ein aufrüttelnder Exkurs ging am Schluss seines Vortrags noch in die Welt der künstlichen Aromen, welche uns und vor allen den jungen Menschen regelrecht den Appetit verderben, ohne dass es aber so recht bewusst wird. Echtes Erdbeer- oder Vanillearoma wird heutzutage oft als schwach oder unecht empfunden, da die Labor-Duftstoffe meistens viel intensiver duften. Erstaunliche Zahlen waren zu vernehmen: 1000 Tonnen echten Vanillearomas stehen derzeit 13000 Tonnen synthetischem Vanillearomas gegenüber. Was diese frankensteinschen Riechstoffe mit uns, unserem Verhalten und unseren Gehirnwindungen macht, sollte wohl besser verschwiegen werden, wenn es denn je erforscht werden wird….

Im nächsten Vortrag beschrieb die Pflegefachfrau Regula Rudolf von Rohr ihre Tätigkeiten und Erfahrungen mit kranken Menschen. Sie wird als Aromatherapeutin bezahlt, darf also auf Anweisung der betreuenden Ärzte intensiver als “nur” aromapflegerisch arbeiten. Sie hat ursprünglich ihre Arbeit bei Martin Henglein erlernt, diese dann im Laufe der Jahre an die Bedürfnisse dieser sensiblen Patientengruppe angepasst. An den Universitären Psychiatrischen Kliniken gibt es also beide Arbeitsfelder: Aromatherapie und Aromapflege, welche Hand in Hand gehen.
Es folgte ein erfrischend-lustiger Bericht über zahlreiche Versuche und Irrtümer aus dem Arbeitsfeld der psychiatrischen Gesundheits-und Krankenschwester Claudia Arbeithuber aus Linz in Österreich. Sie betonte immer wieder die Notwendigkeit von unglaublich geringen
Dosierungen, oft nur 1 Tropfen eines ätherischen Öles auf 100 ml fetten Öles. Denn psychiatrische PatientInnen sind meistens ungemein sensibel und reagieren oft übermäßig auf Reizüberflutung. So muss auch zunächst mit Berührungen sehr bewusst umgegangen werden und es darf zunächst allenfalls den Körperbereich mit Ölen behandelt werden, den die Kranken als angenehm empfinden. Düfte in minimalen Mengen und sanfte Streichungen haben dann oft bemerkenswerte Wirkungen. Uns wurde der Fall einer jungen Frau ausführlich vorgestellt, die sich extrem selbst verletzte und über die Jahre mit selbst gewählten und teilweise eher hoch dosierten ätherischen Ölen aus diesem Teufelskreis entkommen konnte.
Die Münchener Fachkrankenschwester und Wundexpertin Monika Volkmann berichtete in ihrem Vortrag ‘Osmologische Aroma-WundPflege’ (OAWP) über viele Besonderheiten bei der Wundversorgung mit ätherischen Ölen, zusammen mit oder auch ganz ohne die hochmodernen Produkte zur Behandlung von Wunden. Die Kombination beider Verfahren kann sowohl in der Lokalantiseptik, in der Pflege von Wunden als auch in der Pflege der Wundumgebung bestehen. Im psychiatrischen Bereich wird man oft mit Sebstverletzungwunden konfrontiert: mit Schneiden, Kratzen, Ritzen, Stechen, Kopfschlagen, Trichotillomanie, Beißen, Zerkauen, Verbrühungen, Verbrennungen und vielem mehr. Dadurch spüren die Erkrankten sich oft besser, eine Verstärkung des psychischen Drucks kann erfolgen, die (verstärkte) Aufmerksamkeit der Umgebung wird gefordert.
Für die Lokalantiseptik haben sich folgende 100 % naturreine ätherische Öle seit circa 15 Jahren im klinischen Bereich bestens bewährt: Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Thymian (Thymus vulgaris CT Linalool) und Niaouli (Melaleuca quinquenervia). Sie können mit Ringerlösung verschüttelt werden (250 ml RL + 10 – 20 gtt*), einer Grundmischung aus den genannten oder ähnlichen ätherischen Ölen zugefügt werden oder 2 – 3-prozentig mit hochprozentigem Alkohol zu einem Wundspray in einer Sprühflasche vermischt werden. Die Wundumgebung kann mit 0,5 – 3%igen Mischungen je nach Indikation und Häufigkeit gepflegt werden, das ist insbesondere nötig, wenn Wundnähte oder die Verbände aus Kunststoff hergestellt sind. Bei oberflächlichen akuten Wunden nimmt Frau Volkmann 2 – 3%ige Mischungen als Auflage oder Einreibung.
- 4 gtt Citrus paradisii (Grapefruit)
- 2 gtt Citrus bergamia (Bergamotte)
- 2 gtt Citrus reticulata (Mandarine)
- 1 gtt Anthemis nobilis (Kamille römisch)
- 1 gtt Vanilla planifolia (alkoholischer Vanilleextrakt)
Seit diesem Zeitpunkt arbeiten auf zwanzig Stationen Pflegende, welche eine spezifische interne Schulung zur Aromapflege absolviert haben. Wir konnten an einigen Ergebnissen einer Literaturrecherche, die zur Evidenz der Aromapflege erarbeitet wurde, teilhaben (im Bild v.l.n.r. Franziska Rabenschlag, Sylvie Schumacher und Ursula Niemi).
Es folgte dann mein Beitrag über wissenschaftliche Arbeiten mit und über demenziell veränderte Menschen, die vom Einsatz ätherischer Öle profitierten. Die drei A’s dieser Erkrankungsgruppe (Aggression, Agitation, Angst) können insbesondere mit den ätherischen Ölen von Melisse (Melissa officinalis), Lavendel (Lavandula angustifolia), Rosmarin (Rosmarinus officinalis) und unterschiedlichen Salbeiarten gut beeinflusst werden. Auch erkrankte Gehirnzellen, reagierten in zahlreichen Studien auf ätherische Öle wie Lavendelsalbei (Salvia lavandulifolia) sehr positiv, dieses Öl wirkt zumindest in Laborstudien wie die modernen Anti-Alzheimer-Medikamente, so genannte Acetylcholinesteraseinhibitoren. Ich schrieb vergangenes Jahr einen Fachbuchbeitrag zum Thema und berichtete auch hier davon. Spannend finde ich, dass allererste Ausfallerscheinungen bei der Alzheimer’schen Erkrankung mit einem “Schrumpfen” der Riechkolben (verarbeitet Riechprozesse) im Gehirn und auch des Hippocampus (verarbeitet Gerüche und auch Erinnerungen) einhergeht. Ob ein bewussteres Riechen (an Nahrung, Blumen, ätherischen Ölen etc) einer Erkrankung vorbeugen kann oder ihr Fortschreiten eventuell zumindest verlangsamen kann?
Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt begeisterte wieder durch seinen spannenden Beitrag über die fremde-ferne Welt der Riechorgane. Das ist nicht mehr nur die Nase, sondern wichtige Erkenntnisse liegen nun zur Riecharbeit des Nervus trigeminus (Drillingsnerv) vor und man weiß nun, dass die Haut auch Riechfunktionen erfüllt. Sogar das Herzgewebe kann sogar so etwas wie Riechen! Unzählige Zeitungsartikel über seine Forschungsergebnisse können hier nachgelesen werden, einige Radio- und Fernsehbeiträge befinden sich hier (viele Links sind allerdings nicht mehr aktiv).arbeitsheft aromatherapie
Endlich ist es da, das Werk, das mich ein gutes Jahr auf Trab gehalten hat: Arbeitsheft Aromatherapie (für portofreie Lieferung über Amazon darf über diesen Link bestellt werden, ich erhalte dann einen knappen Euro Provision
, das A4-Heft hat 113 Seiten inklusive des Registers und kostet 24.95 Euro). Ich hoffe, dass es vielen Lernenden der Aromatherapie helfen kann, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen. Ich hatte zwar nur 60 Seiten Platz, um Rätsel, Fragen und andere verspielte Formen des Wissensabfragens/Lernens zu entwerfen, doch ich denke, viele wichtige Themen konnte ich unterbringen.
Natürlich sind auch Fragen zu Duftchemie enthalten, teilweise comic-haft und auf alle Fälle gut verständlich gefragt und im Antwortenteil erklärt.
Nicht viele, jedoch etliche erläuternde Fotos sind im Heft verteilt.
Hier kann selbst ein (Fast-)Blinder auf einen Blick sehen, dass Citronella-Öl anders zusammengesetzt ist, als das zigmal teurere Melissenöl. Auch wenn sich die Diagramme auf den ersten Blick ähnlich sehen, so enthält Melisse einen Inhaltsstoff, der wunderbar bei der Behandlung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen hilft. Dieser ist im Citronella-Gras oder in Apothekersprache missverständlich “Melisse indisch” genannt nicht oder kaum enthalten (dafür ein antibakteriell wirksamer Monoterpenol, auch nicht schlecht!).
In vielen Zeitschriften (und Köpfen) werden der australische und der neuseeländische Teebaum (Manuka) verwechselt oder gleichgesetzt. Sie sind vom Gattungsnamen und Aussehen und auch von den Inhaltsstoffen und der Haltbarkeit sehr unterschiedlich, auch wenn beide kraftvolle Alliierte beim Kampf gegen schlimmste Bakterien wie MRSA sein können – durch Aromatogramme und einige wissenschaftliche Studien zweifelsfrei belegt.
Bei dieser Rosenfrage wird erläutert, dass es auch einen grundsätzlichen erheblichen Unterschied zwischen destillierten Rosenölen und Rosenabsolues gibt – das Herstellungsverfahren bestimmt die Zusammensetzung und damit oft auch therapeutische Schwerpunkte.
Bevor die 40 Seiten mit Erklärungen und Antworten starten, finden “Lehrlinge” der Aromatherapie noch etliche Fragen aus den Abschlussprüfungen meiner Kurse – in Form eines Kreuzworträtsels. Hallo, Ihr Ehemaligen, einige der Fragen werden euch noch im Gedächtnis sein!!! Sie können beim Vorbereiten und auch beim Auffrischen alten Wissens helfen. Ich würde mich freuen, wenn die zunächst recht kleine Auflage ganz schnell verkauft werden würde! An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Betreuerinnen im Verlag – Frau Mensing und Frau Marquardt – bedanken, dazu ganz besonders bei Stefanie Teichert, die diese als Word-Datei schier unübersichtliche Wüste aus Buchstaben und Zahlen einfach super lektoriert hat. Und wer Fehler findet (kein Buch ist fehlerfrei!), sollte sie nicht behalten, sondern uns gerne mitteilen.
aromatherapie bei facebook
Pausen müssen sein und so erfuhr ich beim Zeitungslesen, dass der ‘Social Platform’ Facebook in den nächsten Jahren immer mehr Bedeutung zukommen wird. Man wird – zumindest als kleine Firma – immer weniger ohne solche Netzwerke auskommen können, so die Presse. Also habe ich mein vor sich hin dümpelndes Konto mal etwas aufgepeppt und eine Seite namens ‘Aromatherapie’ hinzugefügt. Wenn sich hundert ‘Fans’ zeigen, bekommt sie sogar eine spezielle Adresse bei Facebook. Ich habe bereits gut zwei Dutzend Fotos hochgeladen, so dass diese Seite einen aufklärenden Lernaspekt erhält. Menschen ohne Geld für ein gutes Aromatherapie-Buch oder mit Abneigung gegen das altmodisch erscheinende Lesen können hier dennoch wertvolle Informationen abholen. Das Fotoalbum ist über diesen Link zugänglich, man muss sich aber mal wieder anmelden (ich weiß, ätzend, doch so wird einem Missbrauch zumindest etwas vorgebeugt). Gerne lese ich in den jeweiligen Kommentare-Feldern über eure Erfahrungen mit dem einen oder anderen Öl, ich freue mich auch über Foto-Beiträge zum Fotoalbum und über Infos über besondere Erfahrungen mit verschiedenen Düften. Die eigentliche Aromatherapie-Seite liegt hier (oder das Stichwort Aromatherapie im Suchfeld eingeben, ich bin die an der dicken Kupferdestille und nicht die Band namens Aromatherapie).
PS Danke an die 12 ersten ganz schnellen ‘Fans’!
Kamillenblüten unter der Lupe
Hier hatte ich im Juli über die besonderen, zusammengesetzten Blüten der Kamille geschrieben. Bei Bayern Alpha gibt es eine schöne Diashow, die meinen Text gut ergänzt. Es wird wunderbar der Aufbau der unterschiedlichen Blütenanteile gezeigt – das was man mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Hier reinschauen und unter “Erstaunliches unter der Lupe” die elf Fotos und Skizzen bestaunen! Auf diesen Seiten gibt es noch viel Wissenswertes über viele Heilpflanzen.
Danke an Beatrice, sie hat dieses passende Gedicht erhalten und weiter gegeben:
Heilpflanze 2010: Gewürznelke
Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim (genannt Paracelsus) hat das bei uns gut etablierte Gewürz aus der Familie der Myrtengewächse mit dem Zungenbrechernamen Syzygium aromaticum (L.) Merr & Perry zur Heilpflanze des Jahres 2010 gekürt. Somit werden nun auch mal ihre medizinischen Eigenschaften ins Bewusstsein gerückt, die bislang hauptsächlich Zahnärzte zu würdigen wussten. Darum ist der Duft dieser exotischen Blütenknospen in unseren Breiten leider auch oft negativ besetzt. Es wird also Zeit, andere ihrer Tugenden kennen zu lernen.
Der aus dem griechischen stammende wissenschaftliche “Vorname” bezieht sich auf die Worte syn (zusammen) und zygon (Joch), damit beschreiben Botaniker die haubenartig-spitz zusammengewachsenen Blütenblätter, siehe Zeichnung unten, Detail ganz links oben. Der deutsche Name Nelke kommt von Nagel, da die getrockneten Blütenknospen an Nägel erinnern. Mehr zu den Namen dieses faszinierenden Baumes, der von den Molukken stammt, auf den tollen Gewürzseiten von Gernold Katzer.
Der einstige wissenschaftliche Name Eugenia erzählt von der traditionellen Anwendung der leicht angetrockneten Blütenknospen des großen Baumes aus den Molukken. Eu kommt von „gut, wohl“ und die Wortfamilie genia/genus umfasst Wörter wie Gattung, Geschlecht, Geburt und Erbinformation. Das Menschengeschlecht kann nur fortbestehen, wenn es gute Geburten gibt, diese fördert bis heute das ätherische Öl der Gewürznelke. Ein anderer alter Name ist: Caryophyllus aromaticus.
Der ganze Baum ist aromatisch bis zu den Wurzelspitzen. Im deutschsprachigen Handel befinden sich meistens ‘nur’ zwei leicht unterschiedliche Öle: aus den Nelkenknospen und aus den Blättern. Haupt-Exporteur ist heutzutage Sansibar, die Insel hat sich auf die Produktion des weltweit verwendetetn Gewürzes spezialisiert.
Nelkenknospenöl (meine folgenden Infos und Rezepte beziehen sich darauf) duftet durch einen Anteil von bis zu einem Viertel an aromatischen Estern (u. a. Eugenylactetat) besonders fein und blumig. Nelkenblätteröl duftet etwas stechender, ist auch preiswerter, jedoch weniger gut verträglich. Sowohl Knospen- als auch Blätteröl wirken durch einen hohen Gehalt des Phenols Eugenol (bis 90%) stark antibakteriell, jedoch auch stark hautreizend, deshalb ist es wichtig, auf eine starke Verdünnung achten. Der Anteil an β-Caryophyllen kann beim beim Knospenöl circa 15 Prozent ausmachen, dieses Sesquiterpen verleiht dem Öl entzündungshemmende und antiallergische Eigenschaften, es hilft, ein aus den Fugen geratenes Immunssystem zu regulieren. Viele Insekten mögen diesen Duft gar nicht und werden in die Flucht getrieben, so dass Nelkenöl zu den insektifugen Mitteln zählt, traditionell spikt der Metzger damit Zitronen um Fliegen zu vertreiben.
Die Ergiebigkeit bei der Destillation der Nelkenknospen ist ungewöhnlich hoch (15-18%), aus circa 50 kg erhält man circa 1 Liter Öl (aus den Blättern kann man circa 2 Prozent destillieren). Dennoch wird es oft mit dem billigeren Blätter- oder Stieleöl verschnitten. Synthetisches Eugenol und Isoeugenol ist laut Maria Lis-Balchin, einer bekannte britische Aromaforscherin, zu teuer, um damit zu fälschen und zu strecken.
Bekannt ist die Anwendung dieser fast pfeffrig duftenden Öle in der Zahnheilkunde, da sie – nicht nur – im Mund sehr anästhetisch wirken. Nelkenknospenöl wirkt stark schmerzlindernd und erwärmend bei rheumatischen Schmerzen und verhärteter Muskulatur. Auch bei Bronchitis, Fieber, Erkältung und Halsschmerzen und vor allen Dingen bei Mandelentzündungen wird es gerne verwendet. In selbst hergestellten Mundwässern wird der Duft/Geschmack, der gleichzeitig Bakterien reduziert, geschätzt.
Nelkenknospen- und Nelkenblätteröl wirken anregend und stärkend auf die Gebärmuttermuskulatur. Darum dürfen beide Öle in der Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen und unter fachlicher Anleitung verwendet werden. In Aromatherapie erfahrene Hebammen nutzen diese Wirkung jedoch gerne zur Einleitung einer verzögerten Geburt – als Gewürznelkentampons und/oder in einem ‘Wehencocktail’. Bei vielen Geburten gibt es den Zeitpunkt, wo Gebärende für diesen schmerzhemmenden Kick und die damit verbundene seelische Unterstützung wirklich dankbar sind.
Ätherische Gewürznelkenöle müssen immer stark verdünnt angewendet werden, da sie stark haut- und schleimhautreizend sind und sollten streng genommen nur von gut geschulten oder zumindest in Aromatherapie erfahrenen Menschen verwendet werden.
Gewürznelkenöl ist ein generell kräftigendes und stimulierendes Öl, das bei physischer und psychischer Erschöpfung sehr gut einsetzbar ist.
Rezept für eine Grundmischung zur Prophylaxe von Heuschnupfenbeschwerden, ab sofort anzuwenden, damit im Frühling die Tränen-schnief-Saison besser überstanden wird (auch für Kinder ab 3 Jahre, dann Ätherisch-Öl-Anteil halbieren):
- 4 ml (80 Tropfen) Cedrus atlantica oder C. deodara, Atlaszeder oder Himalajazeder
- 4 ml (80 Tropfen) Cupressus sempervirens, Zypresse
- 1 ml (20 Tropfen) Citrus limon, Zitronenschale
- 0,5 ml (10 Tropfen) Myrtus communis Ct. alpha-Pinen, Myrte Anden
- 0,5 ml (10 Tropfen) Syzygium aromaticum, Gewürznelke
Gut in 10-ml-Braunglasfläschchen mischen. Von dieser Grundmischung jeden oder jeden zweiten Tag ein wenig in unterchiedlichen Anwendungen verwenden: 5 Tr. in der Duftlampe, zwei bis drei Tropfen auf feuchtem Handtuch auf der Heizung, 6 bis 8 Tropfen in etwas Honig oder Sahne (Obers) vermischt in der Badewanne, 30 Tr. in 50 ml Wodka als Raumspray oder Decolleté-Spray (indirekt in die Nähe von Kragen, Schal etc sprühen), 5 Tropfen in etwas Honig oder Sahne (Obers) vermischt in 5 l Fußbad, 5 Tr. in 10 ml Jojobaöl auf Pulsgegend am Handgelenk.
Ganz vereinzelt findet man übrigens ein Absolue der Gartennelke auf dem Markt, meistens jedoch sind Nelkendüfte synthetischer Herkunft.
Wie ich kürzlich hier berichtete, spricht der Bestandteil Eugenol Sensoren im menschlichen Darm an, so dass vermehrt der “Happylizer” Serotonin ausgeschieden wird. Ist doch eine tolle Erfindung, in der dunklen Jahreszeit Gebäck und auch herzhafte Gerichte (zB Rotkohl, Braten) mit dem Nelkengewürz abzuschmecken, so dass die Stimmung steigt.
PS Viele (der ausgezeichneten circa 400) Botanik-Zeichnungen findet ihr im Köhler’s Atlas der Medizinal-Pflanzen und auch auf der Seite von Thomas Schöpke. Da sie so alt sind (1887 erschienen), dass sie ohne Copyright belegt sind, könnt ihr sie zur Illustration eurer Unterlagen verwenden. Zeichnung: Köhler’s Atlas der Medizinal-Pflanzen
Schmerzlindernde Öle

Ich bin innerhalb von 24 Stunden zweimal nach Studien befragt worden, die sich mit ätherischen Ölen bei Schmerzen befassen. Welche Art von Schmerzen, musste ich zurück fragen, denn Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Wie die Mindmap-Übersicht oben zeigt (drauf klicken, dann wird sie etwas größer), haben sich für die unterschiedlichen bereiche von Schmerzen unterschiedliche Öle bewährt.
Bei Schmerzen am Skelett, von rheumatischen Beschwerden, Wachstumsschmerzen bis zu unfallbedingten “blauen Flecken” sind als erstes die fetten Mazerate Johanniskrautöl und Mohnblütenöl zu erwähnen, eines von beiden sollte als Grundlage für eine schmerzlindernde Einreibung/Auflage verwendet werden. Meistens wird Olivenöl zum Ausziehen verwendet und dieses enthält schmerzlindernde Substanzen die dem Grundmolekül des bekannten Schmerzmittels Ibuprofen ähneln (die wissenschaftliche Studie dazu liefere ich nach, wenn ich etwas Zeit habe).
Gut studiert und dokumentiert sind folgende ätherische Öle und/oder ihre Hauptinhaltsstoffe bei Schmerzen:
- Gewürznelke, Syzygium aromaticum [Eugenol und Methylsalicylat]
- Wintergrün, Gaultheria procumbens/fragrantissima [Methylsalicylat]
- Pfefferminze, Mentha piperita [Menthol und Menthon]
- Lorbeer, Laurus nobilis (in einer Tierstudie ähnlich schmerzlindernd wie injiziertes Morphin)
Die Schmerzstudie des Schmerzspezialisten und Buchautoren der Uni Kiel Hartmut Göbel ist mittlerweile hinreichend bekannt, sie weist eine ähnliche Wirkung bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp von 10%-iger Pfefferminze wie jeweils 1000mg Aspirin oder Paracetamol nach.
Darmschmerzen wurden inzwischen von mehreren Wissenschaftlern untersucht, beispielsweise bei Reizdarm, hier wirkt eine Kombination von Kümmel- (Carum carvi) und Pfefferminzeöl in dünndarmlöslichen Kapseln besonders gut (das Öl pur schlucken bringt nicht sehr viel, da es im Magen verdaut/abgebaut wird, es soll aber erst etwas weiter ‘unten’ wirken).
Eine Studie, die von PhysiotherapeutInnen dokumentiert wurde, belegt dass folgende standardisierte Ölekombination sehr gute Effekte bei Sportverletzungen (Knie- und Gelenkverletzungen, die Physiotherapie benötigten) aufweist:
- Birke, Betula alba (Wintergrün wirkt fast identisch, da es mehr oder weniger die gleiche Zusammensetzung hat)
- Cajeput, Melaleuca leucadendron
- Römische Kamille, Chamaemelum nobile
- Kampfer, Cinnamomum camphora (ich würde eher Rosmarin Ct. Borneon, enthält Kampfer, nehmen)
- Zitrone, Citrus limonum
- Gewürznelke, Syzygium aromaticum
- Eukalyptus, Eucalyptus globulus
- Zypresse, Cupressus sempervirens
- Menthol wurde ergänzend hinzugegeben
The effects of the application of Dermasport plus Solution Cryo in physiotherapy
M. Le Faou, T. Beghe, E. Bourguignon, S. Dei Tos, T. Dupre, M. Saunier, J. Scaravelli. The International Journal of Aromatherapy (2005) 15, 123–128
















