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Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch habe derzeit wirklich viel zu tun, auch wenn unser Gästehaus mehr oder weniger fertig ist und die aktuellen Gäste unserer derzeitigen fast sonnigen Wanderwoche happy sind. Einer der wirklich schönen Aspekte von “viel Arbeit” in meinem Beruf ist das Testen von neuer Naturkosmetik. Und so bekam ich kürzlich “einige” neue Produkte von Farfalla zum Ausprobieren.

Die “wenigen” Tübchen und Fläschchen erforderten allerdings erst einmal akrobatische Body-Building-Übungen, um sie im Koffer von Zürich über München nach Glengarriff zu befördern. Nun freue ich mich wie eine Schneekönigin über diese “dufte Bescherung” und werde in den kommenden Wochen schmieren, kneten, rollen und feine Düfte versprühen. Am liebsten würde ich freilich gleich ALLE Packungen (vor allem jene mit Frangipani-Duft) aufreißen und auftragen, doch es handelt sich nunmal um hochwertigste Naturkosmetik und sie hält nicht ewig nach dem Öffnen.

Das Cellulite-Gel Silhouette Miracle (34,50 Euro) mit dem praktischen und sich sehr angenehm anfühlenden Massageaufsatz gefällt mir bereits ausgesprochen gut, denn erstens riecht es nicht so eigenartig wie ein bislang bei mir im Einsatz gewesenes Bio-Cellulitegel, vielmehr duftet es frisch-zart und klebt nicht (was ich absolut nicht leiden kann). Xanthan-haltige Produkte tun das gerne, wenn man das essbare Pulver, das mit Flüssigkeit zu Gel wird, nicht mit Fingerspitzengefühl dosiert. Zweitens zieht Silhouette Miracle in wenigen Sekunden ein, was mir persönlich wichtig ist, da ich nicht minutenlang mit gegelter Haut aufs Ankleiden warten mag. Ergänzend zum Gel kann frau die unschönen Dellen auf die Behandlung mit einem passenden Duschgel (9,90 Euro) und einem hautglättenden Body Scrub (Peeling, 19.80 Euro) vorbereiten und nach der kurzen Roll-Massage mit einer straffenden Bodylotion (26,90 Euro) nachbearbeiten, wenn die Haut zu Trockenheit neigt. Zum Ausprobieren und für die Reise gibt es ein praktisches Baumwolltäschchen (9,90 Euro; endlich mal kein Plastik-Set!) mit Minigrößen und einer Probe des wunderbaren relativ neuen Farfalla-Duftes Anima gefüllt (schade, dass ich diesen zarten Duft nicht über diesen Blog-Text wehen lassen kann…). Ein dicker Dank geht nach Uster!


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyVor einigen Jahren mussten wir Pflanzenöl-Spezialistinnen völlig umdenken. Lernten wir früher, dass Kokosfett ungesund ist und den Cholesterinspiegel ungünstig beeinflusst, gibt es inzwischen dank moderner Erkenntnisse und Produktionsmethoden eine Flut von neuem Wissen und auch das wohlschmeckende naturbelassene Produkt auf dem deutschsprachigen Markt (beispielsweise hier und in vielen Bioläden).

Zu den wirklich sensationellen Hinweisen gehören Beobachtungen an Menschen mit demenziellen Veränderungen: Durch eine regelmäßige Zufuhr dieses leckeren Fettes (schmeckt und riecht fast wie der Schokoriegel Bounty), demenzielle Verhaltensauffälligkeiten verschwinden oder zumindest weniger werden. Kinderärztin Mary Newport hat sich mit dem Thema beschäftigen müssen, weil ihr Mann an Alzheimer erkrankt ist und die Medikamente nach einiger Zeit nicht mehr richtig anschlugen. Durch das tägliche Verspeisen von gut 30 g nativem Kokosfett haben sich viele Symptome verbessert und er konnte auf beeindruckende Weise den Uhr-Zeichnung-Test nach gut einem Monat wieder meistern (mit dem Zeichnen der Ziffern in der korrekten Reihenfolge und am richtigen Platz des Uhrkreises wird heutzutage das Fortschreiten der Krankheit untersucht). In einer amerikanischen Dokumentation kann man das gut sehen und man bekommt (in sehr klarem Englisch) erklärt, dass die mittellangen Fettsäuren-Ketten im Kokosfett den Gehirnmetabolismus günstig beeinflussen. Mary Newport hat inzwischen ein Buch zum Thema geschrieben, einen zusammenfassenden Artikel (von 2008) kann man hier runterladen.

Die schützende und regenerierende Wirkung des schneeweißen Fettes wirkt sich auch in einer sehr positiven Verlangsamung der zerstörerischen Beschwerden bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Multipler Sklerose aus. Was auch noch nicht sehr bekannt ist, dass dieses bei europäischer Raumtemperatur feste Öl antiviral wirkt. Zudem ist es ein eher kühlendes Körperpflegeöl, das bei entzündlichen Hautveränderungen, wie sie bei Neurodermitis vorliegen, sehr pflegend und beruhigend wirkt, dabei jedoch gar kein fettendes Hautgefühl hinterlässt. Und man muss nicht die kompletten Kalorien dieses Fettes anrechnen, dass es bei der Verstoffwechselung ganz andere Wege geht als andere Öle und zudem dabei recht viel Energie benötigt, so dass es sogar zu den Schlankmacher-Fetten gezählt wird.

Ich benutze das Fett zum Anbraten von Fleisch in Hühnercurries, zum Ausbacken von Pfannkuchen, zum Zaubern von salzigen schmalzartigen Brotaufstrichen (zB mit Kräutern und gerösteten Zwiebeln), zum Herstellen von pralinenartigen Kugeln mit geriebenen Nüssen, Mandeln, Kakaostückchen und Trockenfrüchten (Rezeptidee hier), zum “Würzen” von Süßspeisen oder einfach so zum Naschen. Leider ist das wirklich hochwertige Kokosfett nicht gerade billig, doch bei der häuslich-privaten Betreuung von oben genannten PatientInnen sollte es unbedingt auf dem Speiseplan stehen.

PS Durch Wasserdampf schonend desodoriertes Kokosfett darf immer noch das Siegel nativ und bio tragen, sollte also von der Wirkstoffseite – insbesondere der besonderen Fettsäure namens Laurinsäure – nicht allzu stark beeinträchtigt werden (wer weiß mehr?).


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyPassend zum Artikel über Mazerate gibt es heute zwei Rezeptideen, die sowohl zur Schönheitspflege als auch für die feine Küche verwendet werden können. Zudem sind sie schöne Geschenkideen. Kaffeemazerat für Cellulite-Massagen 250 g Bio-Kaffeebohnen (ungemahlen) in einem schönen Schraubglas mit soviel  nativem Sesamöl (ungeröstet) übergießen, dass die Bohnen ganz bedeckt sind. Jeden Tag vorsichtig schwenken und nach zwei Wochen die Bohnen mit einer Schaumkelle entnehmen und wegwerfen (oder zerstampfen, in 10 Liter Wasser einige Tage ziehen lassen und als Spritzmittel gegen Läuse im Garten verwenden).
Eine prima durchblutungsfördernde und “entschlackende” Anti-Cellulite-Rezeptur kann auch mit dem wundervollen CO2-Extrakt aus Kaffeebohnen in Sekundenschnelle hergestellt werden.

Wer empfindliche Haut hat, sollte die Tropfenanzahl halbieren (und peinlich genau darauf achten, dass das Orangenöl nicht älter als 1 Jahr nach Öffnen ist und auch das destillierte Ingweröl sollte nicht älter als zwei Jahre nach Öffnen sein). Jeden Tag ein- oder zweimal auf die (feuchte) Haut der betroffenen Stellen einmassieren. Vorher Trockenbürsten erhöht den straffenden Effekt beträchtlich, da der “reinigende” Lymphfluss angeregt wird. Wer kein Centella-Mazerat bestellen möchte, kann freilich jedes gute fette Pflanzenöl für diese Rezeptur verwenden. Centella hat einen reparierende Einfluss auf beschädigtes Bindegewebe und ist ein mächtiges Anti-Ageing-Kraut. Es wird in herkömmlichen Narbensalben verarbeitet und befindet sich auch im oral einzunehmenden Mittel gegen juckende Hauausschläge Ekzevowen.

Wer gerne Kakao trinkt, kann sich eine Prise (mit Zahnstocher entnehmen und das Getränk damit umrühren) des Kaffeebohnenextraktes in den warmen Kakao geben oder vorab das Kakaopulver aromatisieren - auch mit Orangenöl köstlich. (Kakao möglichst aus Fairtrade, es werden zu viele afrikanische Kinder für die Schoko-Industrie entführt und versklavt, um den Hunger des Westens nach Kakao und Schokolade zu stillen, der Film dazu ist hier zu finden). Der Kaffeebohnenextrakt passt auch prima zu Schlagsahne (Schlagobers) und um Torten sowie Tiramisu fast koffeinfrei zu aromatisieren.

Vanillemazerat für Massagemischungen und zum Kochen:

  • 2 kleine oder eine große Vanillestange(n) (kbA) klein schneiden und in
  • 100 g nativem Kokosfett oder in 100 ml Sesamöl ausziehen.

Es können bereits ausgekratzte, für Süßspeisen “ausgeschlachtete” Stangen verwendet werden. Nach circa 14 Tagen die Stangenstückchen (mit peinlich sauberer Gabel) entfernen, eventuell noch in Kompott oder Apfelmus auskochen. Dieses Hautpflegeöl ist sehr reichhaltig und sollte nur auf feuchter Haut dünn aufgetragen werden. Da es eine eher kühlende Wirkung hat und zudem sehr wohltuend und ausgleichend für die verstimmte Seele wirkt, ist es ein gutes Mittel bei Neurodermitis. Zudem kann es appetitregulierend wirken, da der Inhaltsstoff Vanillin, ein aromatisches Aldehyd, vermutlich das Belohnungszentrum im Gehirn anspricht; es wirkt innerlich (durch Süßigkeiten) und auch äußerlich aufgetragen beispielsweise in Form eines speziellen Abnehm-Pflasters (ich hatte 2009 bereits hier darüber geschrieben).

Dieser Vanilleauszug kann tropfenweise zum Abrunden von Kuchen, Süßspeisen, Zuckerguss, Kompott etc verwendet werden.

PS Nach Veröffentlichung des Artikel über Mazerate in Facebook kam ein Einwand zum Ausdruck ‘köcheln’, den ich bislang offenbar falsch verwendet habe. Ich meine damit langsames und schonendes Simmern, also keinesfalls kochen im Sinne von 100 Grad oder mehr, vielmehr weit unter dieser Temperatur, welche hochwertige Öle zerstört. Der korrekte Ausdruck war mir nicht geläufig, er heißt ‘digerieren‘.


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch bin immer wieder überrascht, wie beim Blog-Schreiben ein Thema zum nächsten führen kann bzw. dass ich durch meine Texte manchmal Fragen entstehen lasse. Zur Frage nach Veilchenmazerat sind die gleichen Regeln zu beachten wie bei vielen anderen Mazeraten; doch zunächst eine Begriffsklärung:

Mazerate sind fette Pflanzenöle, in denen Pflanzen eingelegt beziehungsweise „ausgezogen“ worden sind und die somit mit ihren fettlöslichen Wirkstoffen angereichert sind. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn man relativ große Moleküle lösen möchte, welche bei der Wasser(damp)destillation nicht in das ätherische Öl übergehen, da sie nicht flüchtig sind.
Diese Art der Extraktion kann grundsätzlich von Laien vorgenommen werden, vorausgesetzt es wird peinlich sauber und aufmerksam gearbeitet, so dass das Endprodukt lange hält und ein größtmögliches Wirkungsspektrum enthält.

Da sowohl das Auszugsmedium – das fette Pflanzenöl – als auch das auszuziehende Pflanzenmaterial nicht standardisiert sind, also je nach Ort des Wachstums und Wetterverhältnissen sehr unterschiedlich sein können, benötigt man etwas Fingerspitzengefühl. Drei Grundregeln sind zu beachten:

  1. Man nimmt soviel Pflanzenöl, so dass die auszuziehenden Pflanzenteile komplett bedeckt sind. Es darf nichts aus der Öloberfläche heraus schauen, da es sonst unter der Einwirkung des Sauerstoffs zu unerwünschten Fäulnis- und sogar Schimmelvorgängen kommen kann.
  2. Die Pflanzen müssen zwar frisch und sauber sein, jedoch möglichst trocken. Also wird nur bei trockenem Wetter geerntet und nicht zu früh im Morgen(tau). Wenn möglich, Erde, Steinchen und Schmutz nur durch Schütteln, Abbürsten oder Abpinseln entfernen. Muss gewaschen werden, auf sorgfältiges Trocknen achten.
  3. Der Ansatz muss mindestens einmal täglich bewegt werden, so dass sich Pflanzen und Öl neu durchmischen.

Manche Pflanzen können nach einer gewissen Trocknungszeit eingelegt werden, manche sollten so frisch wie möglich sein. Manche Pflanzen(teile) sollten zerkleinert werden, manche kann man ganz direkt frisch vom Feld/Garten nehmen. Nach der Mazerationszeit von zwischen zwei und sechs Wochen werden die festen Bestandteile abgefiltert, beispielsweise durch ein feines Gazetuch, eine Babywindel aus Stoff oder ein Stück breiter Mullbinde.
Traditionell entstehen diese Auszüge mit Hilfe von starkem sommerlichem Sonnenlicht, dieses kann jedoch das Öl unnötig schnell angreifen, so dass das Mazerat nicht lange hält. Darum nimmt man grundsätzlich stabile Pflanzenöle wie Olivenöl oder Kokosfett, da beide keinen nennenswerten Anteil an oxidationsanfälligen mehrfachen Doppelbindungen in ihren Fettsäuren aufweisen, also weitestgehend aus einfach ungesättigter Ölsäure (Olivenöl) oder Laurinsäure (Kokosfett) bestehen. Der Nachteil ist, dass beide, wenn sie eine hochwertige Qualität aufweisen, jeweils eine starken Eigenduft besitzen.
Natives Sonnenblumenöl ist recht unstabil, Canolaöl (Raps) gehört je nach Qualität auch zu den nicht so ganz stabilen Ölen, Sesamöl enthält zwar genügend mehrfach ungesättigte Fettsäuren, enthält jedoch gleichzeitig etliche selbst erhaltende Antioxidanzien.
Neuerdings wird empfohlen, Mazerate ohne Sonnenlicht auszuziehen, also im Dunkeln. Manche können auch durch einige Stunden währendes schonendes Köcheln hergestellt werden.
Ein wundervolles Buch zum Thema, das mich seit über 20 Jahren inspiriert, ist “Medizin der Erde” von Susanne Fischer-Rizzi. Sie hat es liebevoll zusammengestellt, bevor sie zur Pionierin der Aromatherapie wurde, es ist also inzwischen ein Klassiker.
Im nächsten Beitrag stelle ich einige Rezeptideen für sehr einfach herzustellende Mazerate vor.


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyVeilchen und Iris sorgen gerne für Verwirrung bei Aroma-NovizInnen. Veilchenduft wird aus Iriswurzeln gewonnen und Veilchenblätter-Absolue duftet weder nach Veilchenblüte noch nach Iriswurzel. Das Absolue aus den herzförmigen Blättern duftet eher schwer erdig-grasig-grün. Es wird nur hoch verdünnt eingesetzt, dann entfaltet der Duft seine stimmungsaufhellende und gar erotisierende Wirkung am besten. Wer derzeit stark duftende Veilchen im Garten oder in der Umgebung hat, kann sogar ein Mazerat wagen, die Blüten also in Sesamöl oder Kokosfett einlegen.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyMan kann Veilchenblüten hervorragend kandieren und zur Deko auf Süßspeisen verwenden. Sie machen auch “einfach so” eine gute Figur in einem frühlingsfrischen Salat. Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyZwei wundervolle Bücher zum Thema Blütenküche wurden von zwei Kennerinnen verfasst. Das kleine aber sehr informative Büchlein von Ursel Bühring passt zum schmaleren Budget: Blütenküche (für mehr Infos auf fett gedruckte Wörter klicken!) Martina Kabitzsch hat ein traumhaftes, ja opulentes Werk zusammengestellt: Von Blüten und Blythen – Der Garten bittet zu Tisch (29,90 Euro), sie gibt auch reichlich und wertvolle Tipps zum Anbau, da sie für ihre Manufaktur für Essbare Blütenprodukte in der Nähe von Berlin vielerlei Blumen anbaut: Von Blythen Manufaktur, wo am kommenden Sonntag  der Tag der offenen Tür statt finden wird (hier hatte ich das Buch schon ausführlicher vorgestellt).

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyAn Straßenrändern und in eher halbschattigen, feuchten Gartenecken geht es momentan ganz viele Veilchen, man muss sich allerdings bücken, um in den Genuss des überaus feinen Duftes zu kommen und auch Stellen auswählen, die nicht zu den Hunde-Gassi-Autobahnen zählen. Die winzige Blüte offenbart ihre malerische Perfektion erst bei sehr nahem Betrachten oder gar eine Vergrößerung am Bildschirm.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Frühlings-Geburstagskindern kann man edles fertig gekauftes Veilchenkonfekt oder Veilchensirup verschenken und wenn das nicht genug ist auch Veilchenpastillen lutschen…Oder sich mit einer weitestgehend natürlichen Parfümkomposition von Florascent umgeben: Aromatica Violetta. Etliche Veilchenarten duften übrigens nicht, Viola odorata ist die Duftkönigin unter den unscheinbaren blauen Mini-Blüten.

Babys die Schmerzen und wundes Zahnfleisch in der Zahnungsphase haben, bekommen übrigens von aufmerksamen Eltern oft ein Kettchen mit  einer “Veilchenwurzel” umgehängt, beim daran Kauen und Beißen entsteht ein kühlender zarter Schleim, der die Beschwerden besser lindert als das Nagen an Holzbauklötzen, Schnullern und Plastikspielzeug. Diese Ketten werden jedoch aus Iriswurzeln hergestellt.


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDer Kommentar-Artikel von Christine vom Olfaktorischen Duft-Gespräch ist zu schade (und zu traurig), als dass er im unterem Feld verschwunden wäre. Sie schreibt:

Das Andreaskreuz wird bald verschwunden sein und dann sieht es so aus, wie es Monika Volkmann in ihrem Blog zeigt. Die Einstufung und Kennzeichnung nach GHS (Global Harmonisiertes System) basiert auf den intrinsischen Eigenschaften der betrachteten Stoffe und Gemische. Die CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) regelt inhaltlich Einstufung, Kennzeichnung und Verpackungsanforderungen und bis 2015 müssen auch Gemische so gekennzeichnet sein ( wie die Stoffe jetzt schon).
Sas Andreaskreuz mit den Kennbuchstaben Xn (Gesundheitsschädlich) u. Xi (Reizend) wird entfallen.

Stattdessen kommt: „Gesundheitsgefahr“ ( der schwarze Oberkörper mit der“ inneren Explosion“ im roten auf der Spitze stehenden Quadrat); “Ausrufezeichen“ (schwarzes Ausrufezeichen im roten auf der Spitze stehenden Quadrat) und die „Gasflasche“ neu hinzu.

Sowie die Signalwörter „GEFAHR“ für die schwerwiegenden Gefahrenkategorien und „ACHTUNG“ für die weniger schwerwiegenden Gefahrenkategorien.
Das Orange ist zwar weg, sieht jedoch nicht wirklich besser aus.

Der Lieferant eines Stoffes oder Gemisches ist für diese Kennzeichnung verantwortlich. D.h., wenn die ätherischen Öle „losgeschickt“ werden, müssten sie alle so gekennzeichnet sein. Sie werden grundsätzlich als chemische Substanz mit entsprechenden Eigenschaften behandelt. Im ehrwürdigen Gildemeister/Hoffmann spricht man auch schon von chemischen Stoffen, denn die Ätherisch-Öl-Pflanze hat beispielsweise durch die Destillation eine „Bearbeitung“ erfahren, mehr oder weniger chemische Reaktionen. Würde aus dem gleichen Pflanzenmaterial eine Infusion hergestellt (Teeaufguß) hätte sie keine Kennzeichnung.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyUrsprünglich und grundsätzlich müssen alle ätherischen Öle als „gefährlich gekennzeichnet“ werden. Auf ihrem Weg zum Verbraucher beispielsweise als Arzneimittel, als ein Kosmetikum, als Lebensmittelaroma oder als Futtermittelzusatz, entfällt die Pflicht zu diesen Warnhinweisen, sie müssen dann “nur” nach ihrem neuen „Outfit“ gekennzeichnet werden. Lediglich ätherische Öle, die für die Raumbeduftung bestimmt sind – welche also ein so genannter Bedarfsgegenstand sind, wie über zwei Jahrzente lang deklariert – bleiben „gefährlich chemisch“ und behalten die Sicherheits- und Warnhinweise.
Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch glaube, da ätherische Öle nicht als unveränderte Naturstoffe betrachtet werden (wie Heil- oder Wildkräuter) und die Erforschung ihrer Einzelstoffe so umfassend ist, sind sie gesetzlich zum chemischen Stoff bzw. Gemisch geworden. Durch ihren bestimmungsgemäßen Verwendungszweck (Absicht der Verwendung) fallen sie dann unter die entsprechenden Gesetze mit deren Regelungen. Zu der ganzen Kennzeichnungsgeschichte ist über das für die CLP-Verordnung zuständige Umweltbundesamt (Publikationen) und die BAuA (REACH-Help desk) etwas zu finden. Teil 2 dieses Artikels ist hier nachzulesen.


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch bekam dieser Tage das Angebot, für eine große und bunte Website zu werben, wo Retortendüfte Raumbeduftungsmöglichkeiten in allen Farben, Varianten und Preiskategorien angeboten werden. Mir wurde wieder einmal bewusst, was für ein riesiger Markt inzwischen entstanden ist. Parallel dazu kam die Anfrage einer besorgten Person, die von ihrer Heilpraktikerin ein ätherisches Öl für ihr spezielles Gesundheitsproblem empfohlen bekommen hatte. Sie fragte dann bei mir besorgt nach (bin ich denn Aroma-Pedia???? ;-) ), wo sie denn dieses Öl ohne das Andreaskreuz bekommen könnte. Deswegen muss ich hier mal klar darstellen, warum dieses lästige Zeichen – zumindest auf naturreinen ätherischen Ölen – keine Sorge bereiten sollte. Und ich hoffe, dass diese Person nicht ihr empfohlenes “Aroma-Öl” ohne Andreaskreuz kaufen wird, denn dann wird es höchstwahrscheinlich nicht geeignet sein, um ihr gesundheitliches Problem zu korrigieren, vielmehr könnte es ihr dann sogar schaden. Oder sie erwischt bereits ein ganz neues Öl, denn viele Ölefirmen deklarieren seit Kurzem einen Teil ihrer ätherischen Öle als Kosmetika und brauchen dann das Andreaskreuz nicht mehr aufzudrucken. Auch wenn der Inhalt der Gleiche geblieben sein wird. Zitrusöle werden allerdings vermutlich mit dem orangefarbenen Warnhinweis gebrandmarkt etikettiert verbleiben, da sie, würden sie per Umdeklarierung zum Kosmetikum mutieren, ohne Furocumarine daher kommen müssten und gerade diese Stoffe machen die stark stimmungsaufhellende Wirkung dieser Ätherisch-Öl-Gruppe aus.

Ich weiß gar nicht mehr, wann das fatale Zeichen, das wir als Warnung auf Maler- und Lackiererzubehör und auf heftigen Putzmitteln kennenlernten, für die Etiketten ätherischer Öle Pflicht wurde. Ich war alarmiert und ging davon aus, dass der Verkauf einbrechen würde. Denn aufmerksame Kunden werden davon verunsichert. Öleanbieter hatten immense Kosten zu tragen, weil die Etiketten neu designt werden mussten und bei nicht allzu farbigen Etiketten musste eine zusätzliche Farbe in der Druckerei mit finanziert werden. Doch insgesamt lief alles ganz gut ab, ich weiß jedoch freilich nicht, ob die synthetischen Aromaöle (dieser Name bezeichnet meistens Duftlampenöle aus der Retorte) nicht Aufwind bekamen und seitdem besser verkaufbar sind. Denn ein Duftkompositeur kann in seinem Labor eben die Stoffe, die in einem naturreinen Öl zur Andreaskreuz-Pflicht führen, einfach weg lassen und vermeintlich harmlose Nuancen nach Belieben hinzufügen. Je fruchtiger und quietschiger es duftet, desto besser.

Das Andreaskreuz mit dem Xn wurde gemäß der global geltenden Gefahrstoff-Verordnung für fast alle ätherische Öle eingeführt, da sie mehr als 10 Prozent flüchtiger Monoterpene enthalten. Es signalisiert, wie auch der Text dazu, dass wenn man diese Produkte (in größeren Mengen) verschluckt, sie die Lunge reizen können. [Demnächst wird ein noch harscherer Warnsatz Pflicht.] Es handelt sich nicht um per se  giftige, sondern um stark flüchtige Inhaltsstoffe, die aus winzigen Molekülen bestehen (und bei falscher Anwendung Schäden verursachen können). Es wird bei dieser Kennzeichnung nicht unterschieden, ob es sich um einen chemischen und auch in winzigen Mengen toxischen Stoff handelt oder um natürlich und in ganz vielen Lebensmittel vorkommende Moleküle.

Auch Zitronen und Orangen müssten vermutlich diesen Aufkleber tragen, wenn die Vorschriften konsequent wären, denn die Schalen enthalten u.U. mehr als 10% dieser flüchtigen Monoterpene. Auch Tomaten, Aprikosen, Kirschen, Sellerie, Zwiebeln, Knoblauch, Bärlauch etc enthalten diese flüchtigen Moleküle namens Monoterpene. Interessant ist, dass eines dieser Monoterpene (Limonen) sogar antitumoral wirkt, wie in etlichen wissenschaftlichen Arbeiten Studien nachgewiesen werden konnte. Diese Moleküle sind sind also bei korrekter Anwendung sogar ur-gesund (nur nicht zum Trinken geeignet, wie auch Kochsalz nicht zum Auslöffeln geeignet ist.)

Ich habe dieses Thema bereits beschrieben, beispielsweise hier  und hier (auf gefettete Wörter klicken!). Wer wirklich verlässliche Öle kaufen möchte, kann Firmennamen hier direkt über den aktiven Link anschauen! Ich kenne alle aufgeführten Firmengründer und/oder Geschäftsführer (oder entscheidende MitarbeiterInnen) persönlich. Diese Liste bedeutet natürlich nicht, dass es nicht noch andere zuverlässige Firmen gäbe, ich kann nicht alle kennen!

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