Teebaum – gut studiertes Allzweckmittel


Was steht heute an? Es nieselt hier im Paradies und ich müsste einen Artikel über Aromatherapie in der Palliativpflege fertig stellen. Doch es steht noch der Umzug der Pflanzenkübel von draußen in die frisch gebaute, gestern vom Schreiner frei gegebene Veranda an. Meine Jungs haben sie schon längst längst als Skaterbahn (11 m lang) und Kickplatz eingeweiht! Doch Teebaum, Olivenbaum, Zitronenbaum und die vielen Aloes sollen auch dort einziehen!
Der Teebaum, auch Teatree oder Melaleuca alternifolia, kann zwar mit den irischen Wintertemperaturen auskommen, wir haben selten unter 3 Grad Celsius, doch sicher ist sicher. Zudem tut die Kälte seiner Frisur nicht gut, er startet dann immer ganz zerzaust ins Frühjahr und er muss muss doch fit sein, wenn im April der erste Kurs hier startet. Sein höchster Zweig reicht jetzt genau bis zu meinen Augen und überall dort, wo ich ihn beherzt beschnitten hatte, um in Kursen Teebaum-Tee vorzuführen (schmeckt grauslich!), wächst er besonders dicht und gift-grün.
Was diesem Myrtengewächs mit seinen Cousinen und Cousins gemeinsam ist: Sie sind extrem durstig. Mein erster Teebaum reagierte mit sofortigem Blätterfall und baldigem Ableben, als ich mal auf Reisen war und mein Mann ihn vergaß – obwohl ich die Pflanze genau deswegen sogar ins Schlafzimmer geschleppt hatte, damit er auch ja dran denkt!!!
Kaum eine Heilpflanze ist von Wissenschaftlern so durchleuchtet worden wie dieser australische „Ureinwohner“. Aufgrund des drohenden Verbotes von Teebaumöl in Deutschland suchten engagierte Teebaumexperten wie Prof. Dietrich Wabner und Tony Burfield seriöse Studien raus, um EU-Politiker von der Unbedenklichkeit des Teebaumöles zu überzeugen. Sie kamen auf ganze 199 wissenschaftliche Papiere zum Thema.
Als medizinischer Laie kann man wohl ruhig davon ausgehen, dass ein seit Jahrtausenden erfolgreiches Therapeutikum, dass so mit drohenden Verboten konfrontiert ist, sicherlich sehr wirksam ist!
Doch es gibt, wie gesagt, auch genügend „scientific evidence“, also wissenschaftliche Beweise. Man weiß beispielsweise recht genau, was an der Zellmembran von Staphylokokken und Pseudomonas-Bakterien passiert, wenn sie mit dem Öl in Berührung kommen. Ihre sie schützende und deren Innenleben regulierende Zellmembran gerät durcheinander.
In einer erst kürzlich veröffentlichten Studie konnte man wiederum zeigen, dass Bakterien bei ständigem Kontakt mit Teebaumöl (in geringen Konzentrationen) zwar nur leichte aber immerhin Resistenzen aufbauen [Changes in antibiotic susceptibility in staphylococci habituated to sub-lethal concentrations of tea tree oil (Melaleuca alternifolia). McMahon MA, Tunney MM, Moore JE, Blair IS, Gilpin DF, McDowell DA. Letters of Applied Microbiology 2008 Oct;47(4):263-8
Das bestärkt die ständige Betonung von Phytotherapie-KollegInnen und mir, dass man ätherische Öle möglichst nicht prophylaktisch anwenden sollte und auch nicht über viele Wochen.
Ein kleine Beobachtungsstudie konnte zeigen, dass bei einem Kind Warzen nach 12-tägiger Anwendung mit dem Öl komplett verschwanden [Successful topical treatment of hand warts in a paediatric patient with tea tree oil (Melaleuca alternifolia). Millar BC, Moore JE. Complement Ther Clin Pract. 2008 Nov;14(4):225-7
Das Öl wurde auch studiert bei der erfolgreichen Bekämpfung von Läusen und Milben. [An investigation and comparison of the bioactivity of selected essential oils on human lice and house dust mites. Williamson EM, Priestley CM, Burgess IF. Fitoterapia 2007 Dec;78(7-8):521-5]
Weil ich von engagierten Krankenschwestern immer wieder die Klage zu hören bekomme, dass verantwortliche Ärzte und Pflegedienstleitungen Beweise für die Verträglichkeit von aromatherapeutischen Anwendungen verlangen: Es gibt einen so genannten „Review“ über die Toxikologie von Teebaumöl. Die mit Teebaum erfahreren Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: „that adverse events are minor, self-limiting and occasional“, das Öl hat also nur minimale, begrenzte und gelegentliche (unerwünschte) Nebenwirkungen [A review of the toxicity of Melaleuca alternifolia (tea tree) oil. Hammer KA, Carson CF, Riley TV, Nielsen JB. Food and chemical toxicology 2006 May;44(5):616-25]
Wie wir inzwischen wissen, reagiert es extrem schnell mit dem Sauerstoff der Luft und bildet dann für die Haut mehr oder weniger hautreizende und allergen wirksame Peroxide. Das lässt sich verhindern, indem man kein Discounter-Öl kauft, sondern verlässliche Qualitäten in kleinen Fläschchen, die bald aufgebraucht werden (würde eigentlich jemand auf die Idee kommen, Wurst wochenlang aufzuheben und dann nach Verzehr mit durchschlagenden Folgen die miese Verträglichkeit von Wurst anprangern???). Wenn wir das also wirklich peinlich genau beachten, haben wir mit Teebaumöl ein Erste-Hilfe-Produkt für viele missliche Lebenslagen an der Hand: kleine blutende Verletzungen, Halsschmerzen, Warzen, Lippenbläschen, Genital- und Fußpilz, Akne und vieles mehr.

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