ätherisches öl bei scabies/krätze


Ich bin in Wien und habe zwei Tage lang, rund 14 Stunden, nur über Studien mit und über ätherische Ölen vorgetragen. Ich hätte viel mehr Zeit gebraucht, um noch einige bemerkenswerte Fundstücke aus meinen zahlreichen Ordnern voller wissenschaftlicher Texte auch nur kurz vorzustellen. Nach getaner Arbeit fragte ich mich einmal wieder, warum so oft behauptet wird, dass es keine oder kaum Studien gäbe. Zufällig fiel mir dann bei der Suche nach einem Lied auf YouTube noch ein Beitrag aus dem ZDF aus Volle Kanne vor die Linse, wo die Aromatherapie sehr eigenartig dargestellt wurde. Es wurde beispielsweise behauptet, dass Aromatherapeuten die schmerzenden Stellen mit Moxa behandeln (lokale Räucherung und Erwärmung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin). Und natürlich war die Rede davon, dass es kaum wissenschaftliche Nachweise gibt (siehe dazu mein Buchbeitrag [klick!] über 100 und mehr wissenschaftliche Arbeiten an und mit Menschen). Als ob alle die zahlreichen Wissenschaftler, die sich mit Wirkungen von ätherischen Ölen und deren Bestandteilen, hirnlose Hobbykellerbastler wären! Alleine hier in Wien wurde und wird tüchtig an einigen Ölen geforscht.

Hier in Wien gab es vor und nach 1900 einige ganz wichtige Pioniere der Medizin und der Psychoanalyse, deren Geschichte und Biografien mich schon lange beschäftigen. Bereits als Zwanzigjährige las ich begeistert das Buch Das Jahrhundert der Chirurgen von Jürgen Thorwald, es wurde 1956 veröffentlicht. Einer der Wegbereiter war Ferdinand von Hebra (1816-1880), dem aufgrund seiner unehelichen Herkunft fast verwehrt wurde, ein berühmter Mediziner zu werden. Als junger Medizinstudent „durfte“ er in der unterprivilegierten Abteilung Dienst schieben, dort, wo die an Krätze Erkrankten sich tummelten. Er machte Selbstversuche mit dieser damals weit verbreiteten Krankheit der Haut, die durch Parasiten (Milben, Sarcoptes scabiei var hominis) ausgelöst wird. Heute sind diese Viecher bzw.ihre Ausscheidungen für viele Allergieprobleme zuständig. Er wusste zu berichten: „setzte ich mir eine […] lebende Milbe an die Innenfläche des Mittelfingers der linken Hand und in Verlauf von 8 Tagen, während welcher Zeit ein bedeutendes, über den ganzen Rücken verbreitetes Jucken mich plagte, erschienen beinahe an beiden Händen zugleich die ersten Krätzblüthen. Um mich genau von dem Gange der Krankheit zu belehren, wandte ich zwei Monate hindurch keine Mittel zur Heilung derselben an„. Durch seine Unerschrockenheit und seinen Forschergeist wurde er zum Begründer der Dermatologie, welche es zu seiner Zeit noch nicht gab, Internisten betreuten die Hautkranken. Er war auch der Erfinder des Wasserbettes um Wundliegen (Decubitus) bei Bettlägerigen vorzubeugen. Auf dem Wissenschaftskalender der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem ORF ist mehr über ihn nachzulesen.

Um die Klammer zwischen Wien, Ferdinand von Hebra und den ätherischen Ölen zu schließen, möchte ich kurz eine Frage beantworten, die mir in letzter Zeit häufiger gestellt wurde (doch mehr als Allergien?). Gibt es ein ätherisches Öl, das bei Krätze hilft? Im Jahr 2004 wurde eine kleine australische In vitro-Studie veröffentlicht, wonach der Nachweis erbracht werden konnte, dass Teebaumöl und auch sein wichtiger Inhaltsstoff Terpineol-4 die winzigen unappetitlichen Sauger zumindest auf der Petrischale dosisabhängig eliminieren konnte. Die Forscher betonen, dass mit dem Öl ein wirkungsvoller Ansatz gefunden werden könne, da die Parasiten immer resistenter gegen die gängigen Mittel wie Lindan (Jacutin) werden [Acaricidal activity of Melaleuca alternifolia (tea tree) oil: in vitro sensitivity of sarcoptes scabiei var hominis to terpinen-4-ol. Walton SF, McKinnon M, Pizzutto S, Dougall A, Williams E, Currie BJ. Arch Dermatol. 2004 May;140(5):563-6].

Für die Behandlung der Hautkranheit, die sich in juckenden Krusten äußerst, können also Salben auf wohltuenden nativen fetten Ölen und Sheabutter gerührt werden, mit hautregenerierenden Ölen wie Lavendel, Benzoe, Weihrauch, Rose, Rosengeranie etc angereichert werden und durch Teebaum- und Neemöl sowie etwas Pfefferminzeöl gegen den Juckreiz ergänzt werden. Da zumindest der isolierte Duftstoff Benzylbenzoat (Ester des Benzylalkohols) auch als Therapeutikum im Handel ist (Antiscabiosum; 10 % für Kinder, 25 % für Erwachsene), wäre es auch denkbar (bei Nicht-Allergikern, da dieser Duftstoff zu den angeblichen 26 Allergenen zählt), die zwei Öle zur Mischung zu geben, die davon viel enthalten können: Ylang Ylang (Cananga odorata, bis 12%) und Jasmin-Absolue (Jasminum grandiflorum, bis 13%). Gegen den schlimmen Juckreiz kann zwischendrin Pfefferminzhydrolat gesprüht werden oder ein Gemisch aus je einem Teil Rosen-, Teebaum- und Pfefferminzhydrolat), eventuell durch verschütteltes Lavendelöl und etwas Pfefferminzeöl verstärkt. Bettzeug, Matrazen und Teppiche sollten mit Neemspray entseucht werden, solche für den Menschen (auch für Kinder) gut verträgliche Sprays sind heutzutage in Bioläden und auch Bettengeschäften erhältlich.

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8 Kommentare zu “ätherisches öl bei scabies/krätze

  1. Hallo Eliane,

    nun sitze ich hier und muss mich doch tatsächlich kratzen…die Macht der Gedanken……

    Wäre es möglich dich zu erreichen, mich plagen zwei drei Fragen?

    Liebe Grüße
    Sabrina

  2. Wie immer – ein sehr interessanter Beitrag!!!

    Diese Viecher sind echt krauslich und lästig und leider immer wieder mal zu finden (Leider!!!!)
    Wäre schön, wenn wir bei uns im KH solche Ölemischungen auch benutzen dürften – aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend.

    Ich bin eine treue Leserin dieses Wahnsinnsblogs und bin heute doch endlich mal über meinen Schattengesprungen.

    Danke!

  3. Hallo Eliane,
    dann hast Du in Wien ja eine arbeitsintensive Zeit.
    (aber ich nehme mal an, nicht nur in Wien 🙂 )
    Zu der Moxa-Behandlung – ist ja ein Witz, was alles unter Aromatherapie verbucht wird. Ich werde mir den Link mal anschauen.
    In meiner Phytotherapie-Ausbildung haben wir eine Moxa-Behandlung ausprobiert, das war schon sehr interessant. Ich habe Moxa im Garten, eine dieser Artemisien, Die Blätter duften so herb-erfrischend – einfach wunderbar.

    (und ich freue mich auf den Juli in Irland)

    LG Heidi

  4. Hallo Eliane,

    mich graust wenn ich an die Biester denke!! Aber Neemöl ist die beste Waffe für das Viehzeug! Ich verwende das ziemlich stinkende Öl immer wenn meine Pflanzen von Parasiten befallen wurden! Es hat noch nie seine Wirkung verfehlt!

    P.S der Link mit dem Wissenschaftskalender funktioniert bei mir nicht!

    Maschgra Maschgra Rollolo!!!
    Sabine

  5. Hallo Eliane,
    endlich habe ich es geschafft!

    Das ist sehr interessant, dass es doch schon so viel Studien gibt. Gerade hier wird ja immer wieder behauptet, dass nix erwiesen ist.

    Schade dass wir im Juli ausgerechnet in Deutschland weilen.

    Aber vielleicht kann ich Dich ja vorher mal besuchen.

    liebe Grüsse
    Ilka

  6. Hallo Eliane,
    Meine kleine hatte vor einem Jahr 2 Stellen mit juckenden Dellwarzen ihr rührte ich eine Salbe mit Neemöl und anderen Ölen und Fetten und verschiedenen Ätherischen Ölen. Diese Salbe 1-2x täglich aufgetragen hat suuuuuper geholfen auch einer Bekannten deren Tochter diese Dellwarzen hatte gab ich die Salbe und auch sie berichtete mir von einem Sehr guten Erfolg damit.

    Nun zu meiner frage riecht dieses Spray mit Neemöl für die Betten nicht unangenehm ?
    Und noch eine andere Frage was für ätherische Ätherische Öle gibt es alles gegen Candida innerlich wie auch äußerlich ?

    Liebe Grüße Elisabeth

  7. Liebe Eliane,

    danke mal wieder für diese vielen wissenswerten Informationen!!!!

    In einem Buch über Manuka habe ich gelesen, das diese Öl auch bei Krätze erfolgreich eingesetzt werde kann.
    2 Teil Manuka mit 10 Teilen Jojoba mischen und auf die betroffenen Hautstellen auftragen.

    Duftende Grüße
    Kordula

  8. Ich habe das Buch von Jürgen Thorwald mit den Aufzeichnungen seines Großvaters sogar zwei Mal gelesen, weil es mich so fasziniert hat. Vor zwei Jahren hatte ich selbst das Glück, für die Recherchen eines meiner Bücher den Ärzten im Operationssaal zuzusehen.

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