ätherische öle als carrier für unerwünschte moleküle


Monika Werner und Ruth von Braunschweig haben es erstmals in der Laienliteratur so deutlich beschrieben (Seite 7 von ‚Praxis Aromatherapie‚): „Aufgrund ihrer Carrier-Funktion können sie andere Stoffe >huckepack< mitnehmen, also auch unerwünschte Moleküle in die Zelle transportieren. Das kann eine allergische Abwehrreaktion auslösen. Daher sollte die gleichzeitige Anwendung ätherischer Öle mit Stoffen vermieden werden, die nicht in die Zellen eindringen dürfen, v. a. mit Hautpflegeprodukten und medizinischen Salben aus Mineralölbasis.“

Ich habe in meinem Fachbuch auf Seite 150 (3./4. Auflage) Ähnliches beschrieben: Ätherische Öle oder einzelne ihrer Bestandteile wie 1,8-Cineol, Menthol oder Nerolidol werden in der Pharmazie gezielt eingesetzt, um fettlösliche Stoffe (wie beispielsweise in Hormonpflastern) in die tiefen Schichten der Haut und dann in die Blutgefäße einzuschleusen.

Nun höre ich manchmal von besserwisserischen Diskussionen auf manchen Klinikstationen, dass ätherische Öle NIE mit Mineralölen vermischt eingesetzt werden dürfen. Vielleicht sollte man das Thema etwas differenzierter betrachten. Natürlich wäre es besser, wenn man hochwertige und native Öle für Kranken- und Schönheitspflege verwenden dürfte und würde. Manchmal geht es aber (noch) nicht. Sollte ein möglichst reines Mineralölprodukt zur Verfügung stehen, würde ich das nicht militant ablehnen (auch wenn ich das weder auf meiner Haut noch auf der meiner KlientInnen haben möchte, doch manchmal erfordern es die [finanziellen] Umstände). Vielmehr ist es ganz wichtig zu beachten, dass Produkte auf Basis von Mineralölen, welche Wirkstoffe (Cortison, Vitamine, synthetische Duftstoffe, synthetische Farbstoffe, synthetische Konservierungsmittel, Hormone und toxische/allergene/umstrittene Substanzen wie auf der Karikatur [zum Vergrößern anklicken]) enthalten, NIEMALS mit ätherischen Ölen vermischt auf die Haut aufgetragen werden.

Denn die oberste Hautschicht (das Stratum corneum) wird erstens durch einige ätherische Öle durchlässiger, zweitens werden einige oder Teile dieser unerwünchten Beiprodukte in Hautschichten eingeschleust, in denen sie nichts zu suchen haben. Und nicht von den Herstellerfirmen vorgesehen sind. Hautprobleme sind so vorprogrammiert. Im öffentlichen Bereich muss heutzutage noch sehr aufgepasst werden, denn solche Kombi-Negativreaktionen werden durch Nicht-Verstehen der Carrier-Eigenschaften von Duftmolekülen meistens den ätherischen Ölen zugeschrieben. So nach dem Motto: „Mobilat, Voltarensalbe, Fenistilgel, Canesten etc haben noch nie solche Rötungen verursacht, seit es mit ätherischem öl vermischt ist, macht es Probleme.“ Also wird dem Öl die Schuld an der Hautreizung/Allergie gegeben. Wir Laien können nicht beurteilen, welches ätherische Öl, welche seiner Bestandteile, mit welchen Pharmasubstanzen reagieren können. Und zu was sie sich ggfs. zusammenfügen können. Und was es dann in unserem Körper anrichten kann.

Auch wenn in Frauenzeitschriften immer wieder zu lesen ist, dass man  herkömmliche Kosmetikprodukte mit ätherischen Ölen anreichern kann („einfach einige Tropfen Rosenöl in die Ni…eamilch geben“), würde ich auch in diesem Bereich dringen davon abraten. Es werden hunderte bedenkliche oder gar gefährliche Substanzen in der Kosmetikbranche verarbeitet, überraschend viele stammen aus dem Technik- und KFZ-Bereich. Wenn wir uns also mit solchen Produkten pflegen und sie vertragen, sollten wir sie jedoch dort lassen, wo der Hersteller sie vorgesehen hat, nämlich AUF der Haut. Vermischt mit ätherischen Ölen würden wir schlimmstenfalls bedenkliche Stoffe in die Tiefen einschleusen. Und riskieren so das Thema des vorherigen Beitrages.

PS: Die Sprüche in den einzelnen Kästen der Cabrio-Lady sind leider traurige Realität: Sodium(Natrium)-laureth-Sulphat alias 1,4-Dioxan wurde nicht nur im Vietnamkrieg als Bestandteil von ‚Agent Orange‚ zum Entlauben von Bäumen eingesetzt und wird heute noch reichlich in Kosmetik eingesetzt, traurigerweise vor allem in Babykosmetik, schauen Sie doch mal auf Ihre Etiketten! Einige PEGs sind klassische Flüssigkeiten für’s Auto, der Trockengefühl-Stoff Aluminium in Deos steht im Verdacht, sich im Gehirn anzulagern und eine Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Erkrankung zu spielen, zudem verschließt er eine Stelle am Körper, die genau das Gegenteil zur Aufgabe hat: das Abgeben und „Entgiften“. Mineralöle werden reichlich zum Schmieren von technischen Geräten verarbeitet und etliche Stoffe scheinen durch ihre östrogenartige Bindungsmöglichkeiten für Unfruchtbarkeit verantwortlich zu sein. Schauen Sie auf die INCI-Deklaration Ihrer Kosmetik und informieren Sie sich in Zeitschriften und im Internet, beispielsweise bei Zeitenschrift.

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5 Kommentare zu “ätherische öle als carrier für unerwünschte moleküle

  1. Hallo Eliane,

    Vielen Dank für den ganz tollen Beitrag!!
    Du sprichst mir bei dem Thema wirklich aus der Seele!
    Denn genau aus den von Dir geschriebenen Gründen stelle ich meine gesamte Kosmetik schon lange selbst her, denn da weiß ich ganz genau was drinn ist!
    Wenn man die INCI-Deklaration mal übersetzt kann einem wirklich schlecht werden bei all der Chemie!!!
    Selbst meine Zahnpflege ist Natur Pur und ohne Chemische Zusätze. Man bedenke wie oft wir die Zähne putzen und bei jedem mal wird doch etwas von dieser „Chemiebombe“ geschluckt!!

    Die Frage ob man nicht die ÄÖ in die gekaufte Creme tropfen kann, habe ich auch schon gestellt bekommen, und ich habe es damals schon ganz entschieden abgelehnt, wegen dem „Huckepack“ der Molekühle!

    Die für mich schmerzliche Erfahrung mit einem Deo der Aluminium enthält habe ich auch schon gemacht, die verstopfen die Schweißdrüsen und das verursachte bei länger Anwendung des Deo´s richtige Achselschmerzen.

    Schöne Grüße
    Sabine

  2. Hallo Frau Zimmermann,

    sehr guter und interessanter Artikel!!!

    Deshalb wird die Beduftung von „konventioneller“ Kosmetik ja auch mit synthetischen Parfummischungen gemacht und nicht mit ätherischen Ölen. Ätherische Öle in gekaufte Produkte zu mischen, sollte man grundsätzlich unterlassen.

    Die Risikobewertung und die Belastungstest der Produkte sind ja für eine bestimmte Rezeptur gemacht. Mischt man etwas dazu sind die Veränderungen nicht abzusehen. Deshalb lieber gleich zu Naturkosmetik greifen.

    Vielleicht könnten Sie auch mal einen Beitrag zum Thema Nanotechnologie in Naturkosmetik/konventioneller Kosmetik machen. Das passt zwar nicht ganz zu“Aromatherapie“ ist jedoch ein sehr wichtiges Thema.

    VG Christian

  3. Hallo Eliane,

    wen ich das so lese kommen mir diese 5-Minuten Suppen in den Sinn… rate mal was der Grundstoff dieser tollen Produkte der Lebensmittelindustrie ist. Na? Reste der Mineralölgewinnung. Gaaaaannnzz lecker. Und wenn die da schon so hemmungslos sind, möchte ich nicht wissen, was in den TOLLEN Kosmetikprodukten so alles schön versteckt drinsteckt.

    Allerbeste Grüsse Doris

  4. Liebe Eliane,

    die Karikatur ist echt klasse.

    Zu diesen unerwünschten Molekülen gibt es auch einen lesenswerten Bericht von Marie Carrasquedo in der Zeitschrift Forum Essenzia 10. 96.

    Duftende Grüße
    Kordula

  5. Liebe Eliane,

    vielen Dank für diesen interessanten und soooo wichtigen Beitrag. Die Karikatur werde ich meinen FreundInnen weiterleiten. Finde ich sehr anschaulich.

    Schönes Wochenende wünscht Ihnen

    Sandra Bergers

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