MRSA – empfindlich gegenüber manchen ätherischen ölen


Eine der modernen Plagen im Bereich der institutionellen Pflege und Betreuung sind Mikroorganismen, die es geschafft haben, sich gegen neuzeitliche Pharmawaffen zu immunisieren. Unter diesen resistenten Keimen ist MRSA sicherlich der derzeit „prominenteste“.

Vor zwei Monaten machte eine Pressemeldung in Großbritannien die Runde, dass ein spezielles Thymianöl in einer Studie sensationelle Ergebnisse ergeben hat. In der Fachzeitschrift Essential Oil Therapeutics von Bob Harris war die Studie der Universität Brighton unter Dr. Jonathan Caplin bereits in Ausgabe 3/2009 nachzulesen. Sie wurde von der bekannten Aromabuch-Autorin Maggie Tisserand (Das Geheimnis wohlriechender Essenzen) initiiert.

Die antibakterielle Wirkung wurde in vitro verglichen zwischen einer Ätherisch-Öl-Mischung („Oil B“) aus vier Züchtungen eines noch nicht so bekannten Thymians Thymus zygis Loefl L. (Joch-Thymian), der in Großbritannien angebaut wird, und einem ätherischen Öl von Thymus vulgaris (Chemotyp Linalool). Untersucht wurde die Reaktion von Stämmen eines methycillin-empfindlichen Staphylococcus aureus (MSSA) und eines epidemisch methycillin-resistenten Staphylococcus aureus (eMRSA).

Die Besonderheit am britischen Thymian-Öl ist ein geringer Gehalt an hautreizenden Phenolen wie Thymol, dafür ein recht hoher Gehalt des Monoterpenols Terpineol-4 (vergleichbar dem ätherischen Öl von Teebaum (Melaleuca alternifolia) sowie Linalool, alpha-Terpinen und Thymol. Das seltene Thymianöl zeigte ein gutes In vitro-Potenzial, um einen Befall von MRSA zu behandeln. [J. L. Caplin, I.Allan, G. W. Hanlon. Enhancing the in vitro activity of Thymus essential oils against Staphylococcus aureus by blending oils from specific cultivars. International Journal of Essential Oil Therapeutics (2009) 3, 35-39] (Abbildung oben Wiki Commons Xemendura, Abbildung unten Wiki Commons Carlosblh).

In einer weiteren (portgiesischen) Studie konnte gezeigt werden, dass Thymus zygis ssp. sylvestris, der  einer von circa 200 Thymianarten ist und wildwachsend auf der iberischen Halbinsel vorkommt, eine starke pilzhemmende Wirkung hat ohne zytotoxisch, also hautschädigend, zu sein. Seine Zusammensetzung: Carvacrol (25.0%), Thymol (23.8%), Geranylacetat/Geraniol (20.8% and 19.8%) und Linalool (30.0%). [M.J. Gonçalves, M.T. Cruz, C. Cavaleiro, M.C. Lopes and L. Salgueiro. Chemical, antifungal and cytotoxic evaluation of the essential oil of Thymus zygis subsp. sylvestris. Industrial Crops and Products, Volume 32, Issue 1, July 2010, Pages 70-75]

In einer der „Bibeln“ für Pharmazeuten „Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis“ (Rudolf Hänsel, Konstantin Keller, Hermann Hager, Horst Rimpler) wird dieses ätherische Öl übrigens als leberschützend bewertet, ganz anders als wir AromatherapeutInnen immer eingetrichtert bekommen, wenn es sich um Öle mit einem recht hohen Thymol-Gehalt handelt.

Bleibt abschließend mal wieder zu hoffen, dass mit Hilfe eines ätherischen Öles einige mehr Menschen am Leben bleiben dürfen, denn MRSA tötet nachweislich viele Tausend Menschen pro Jahr, man spricht von bis zu 40.000 in allein in Deutschland (ein prominentes Opfer war der verstorbene Sohn Guilaume des Schaupielers Gérard Dépardieu), wie in der ZDF-Sendung Mittagsmagazin nachzuschauen ist:

Wer mehr über diesen heimtückischen Keim lernen möchte, kann sich diese Dokumentation von Arte anschauen:


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4 Kommentare zu “MRSA – empfindlich gegenüber manchen ätherischen ölen

  1. Ich finde das toll, denn im Pflegeberuf habe ich immer wieder mit resistenten Keimen zu tun.
    Schön ist, dass die Natur immer noch stärker ist als jeder Pharmakonzern, und ich würde mir wünschen, dass wir alle wieder ein wenig umdenken, nicht so rasch zu Antibiotika greifen, sondern erst einmal auf natürliche Art und Weise unseren Körper unterstützen gesund zu werden.
    Die ätherischen Öle bieten hierzu geradezu eine Fülle an Möglichkeiten, und wer es einmal selbst erlebt, wie sie wirken, ist vollends davon überzeugt, dass die beste Apotheke, die der Mutter Natur ist!

  2. Hej Eliane,

    nein, ich kann MRSA in der Liste auch nicht sehen.

    Danke für den Bericht – kommt gerade recht, denn bei uns wurden die Duftbrunnen abgeschafft, weil das Wasser zu viel Keime enthält (es wurde leider aus Faulheit/Unwissenheit/wasweißich nicht täglich gewechselt) und nun ist die Aromapflege mal wieder ganz down :grummel:

    Knuddel
    Gaby

  3. ich hoffe auch, dass man (im krankenhaus) einsichtiger
    wird. ich habe es grade miterlebt, wie der freund einer freundin gestorben ist an MRSA. allerdings war wirklich niemand zugänglich für ein experiment mit aromaölen. schade. lg gitte

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