harmlose kosmetik und der tunnelblick


Robert Tisserand hat mir die freundliche Erlaubnis gegeben, einen hervorragenden Text von seinem Blog zu übersetzen. Seit 1969 ist er der „Aromatherapie-Papst“ der Neuzeit. Der unermüdliche Kämpfer, der englisch und französisch spricht, schrieb einige Klassiker über den Einsatz von ätherischen Ölen (die nicht mehr in deutscher Sprache aufgelegt wurden) und er arbeitet auch daran, hartnäckige Vorurteile und Fehlinformationen über ätherische Öle auszumerzen. Vor zehn Jahren verließ er Großbritannien, um in die USA überzusiedeln. Sein folgender Aufruf gegen so manchen modernen Tunnelblick hat mir gut gefallen. Ich übersetze ihn etwas frei und zusammenfassend, da er sehr lang ist, Leserinnen, die des Englischen mächtig sind, sollten Tunnel vision im Original lesen.

Verbraucher sollten einen vernünftigen und sensiblen Schutz vor Schaden von denen, die Verbraucherprodukte regulieren, erwarten können. Besonders verletzliche Gruppen wie Kinder und schwangere Frauen mögen sogar eine spezielle Berücksichtung benötigen. Darum klingt es wie eine gute Idee, wenn Kosmetika komplett frei von jeglichen Karzinogenen (krebsauslösenden Stoffen) und Teratogenen („embryo-schädigend“) wären. Aber ist das realistisch? Ist mehr Gesetzgebung notwendig?

Ein Problem liegt im Wort „komplett“. Wenn du jedes einzelne Molekül einer toxischen Substanz vermeiden möchtet, musst du entweder in einer Blase leben oder aufhören zu essen, zu trinken und zu atmen. Spuren von Cyaniden befinden sich beispielsweise in Lebensmitteln und Getränken – natürlicherweise und auch fabrikgemacht. Das bedeutet nicht, dass es okay wäre, sie in größeren Mengen zu konsumieren; doch die Giftigkeit dieser Produkte wird durch Beschränkung auf eine limitierte Höchstmenge die sich auf ppm (parts per million) beläuft, kontrolliert. Das gleiche gilt für Schwermetalle und auch für fast alle anderen Toxine.

Warum nicht null Toleranz? Gut, in vielen Fällen ist beides unrealistisch und unnötig. Alle giftigen Substanzen werden heutzutage mit NOAEL klassifiziert (no-adverse-effect-levels/keine-nachteiligen-effekte-level), auch Karzinogene. NOAELs werden in Tierversuchen festgestellt und festgelegt und dann auf das Hundertfache, Fünfhundertfache oder Tausendfache hochgerechnet. Diese mathematischen Ausflüge sind manchmal etwas beliebig und enden dann in zuviel Schutz und nicht in zuwenig Schutz.

Im US-Staat Colorado wird zur Zeit ein „Null-Toleranz-Gesetz“ diskutiert und angestrebt, wenn es in Kraft treten würde, wäre beispielsweise jede auch noch so kleine Menge an Acetaldehyd in Pflegeprodukten verboten. Dein Körper produziert Acetaldehyd immer nachdem du Alkohol trinkst, denn es ist der Haupt-Metabolit (Abbaustoff) von Branntwein. Chronischer Alkoholismus kann zu Krebs führen mit Acetaldehyd als einem der hauptverdächtigen Auslöser. Acetaldehyd ist auch ein Spuren-Bestandteil von Äpfeln, Bananen, Heidelbeeren, Kirschen, Zitrusfrüchten, Preiselbeeren, Trauben, Oliven, Passionsfrüchten (Maracujá), Pfirsichen, Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren, Karotten, Sellerie, Gurken, Knoblauch, Zwiebeln, Erbsen, Kartoffeln und Tomaten. Also „tschüss“ zu Fruchtextrakten in Kosmetika.

Wenn du eine Erdbeere nur als etwas betrachtet, das Acetaldehyd enthält (Tunnelblick), dann wird plötzlich alles, von dem du dachtest, dass es gut für dich wäre, zu etwas Schlechtem für dich. Aber (Problem Nummer zwei): Früchte enthalten eine Fülle von Antioxidanzien und Antimutagenen („gegen krebsartige Veränderungen“), welche die Toxizität der Spuren von Acetaldehyd, die enthalten sein können, mehr als aufheben können.

Ja, auch „tschüss“ zu  Rosenöl (destilliert) und „byebye“ zu Rosenabsolue. War nett, euch kennenzulernen! Und mach’s gut Muskatnussöl, Muskatblütenöl, Myrtenöl, Basilikumöl, Tulsiöl, Citronellöl, Ho-Blätteröl (Ct. Linalool) und viele andere nicht so verbreitete Öle. Nicht weil sie Acetaldehyd enthalten, sondern weil sie Methyleugenol (ME) enthalten. ME wird wird gelegentlich in Spuren in Rosmarinöl, Gewürznelkenöl, Ysopöl, Teebaumöl, Canangaöl (Wildform von Ylang Ylang), Mastixöl, Cassizimtöl, Zimtblätteröl, Bohnenkrautöl, Pfefferöl (schwarz) und auch wieder in vielen nicht so bekannten Ölen gefunden. Hast du kürzlich frisches Basilkum gegessen oder gar Pesto? Dann hast du ME gegessen! Aber weder Basilikum noch Pesto sind Karzinogene, weil sie auch Antimutagene und Antikarzinogene enthalten, welche jedem toxischen Effekt von ME entgegenwirken. Ich sage das nicht nur so, es wurde bewiesen. Das gleiche gilt für Tulsiöl – um ein Beispiel herauszugreifen – es ist nicht nur nicht karzinogen, es wirkt sogar antikarzinogen. Der hoheGehalt an Geraniol in Rosenöl (destilliert) wirkt mit ziemlicher Sicherheit  schützend wegen seiner antikarzinogenen Wirkung.

Macht das einen Unterschied? Nicht wenn du einen Tunnelblick hast.

Drei US-amerikanische [von Robert genannte] „Umweltgruppen“ üben derzeit lautstarken Druck aus und spannen ihre politischen Muskeln. Überall wo diese Leute hinschauen, finden sie gefährliche Toxine und – du darfst raten – wenn du sie suchst wirst du sie auch finden. Und wenn dein Blick derart eng wird, dass du nur noch Toxine sehen kannst, und dazu auch noch die armen Fötusse und Kinder, von denen du überzeugt bist,  diese dadurch geschädigt werden, dann wird es schwierig zurückzutreten und dir das Große Ganze anzuschauen. Diese „Umweltgruppen“ scheinen nicht einzusehen, dass das Auffinden einer bestimmten Substanz im menschlichen Gewebe nicht automatisch bedeutet, dass der Träger dieses Gewebes geschädigt worden wäre.

Die Erfassung von Risiken hat viele Facetten (Problem Nummer drei) aber es geht dabei grundsätzlich darum zu entscheiden, ob ein bestimmter Kontakt mit einer Substanz gefährlich oder nicht gefährlich ist und auch wo die Schwelle (der Menge) liegt.Die Erfassung von Risiken hat nichts mit Panikmache zu tun, es geht auch nicht darum, die Leute wegen „Chemikalien“ aufzuwiegeln und es sollte auch nicht darum gehen, eine pauschale und vorsorgliche Gesetzgebung zu implementieren. Es sollte vielmehr darum gehen, Sicherheit herzustellen, indem alle relevanten Aspekte eines Problems angeschaut werden und dann die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Ich stimme mit vielen Kampagnen dieser Umweltgruppen überein. Es ist jedoch eine Schande, dass sie dieselbe „ein-Inhaltsstoff-Ansicht“ über ätherische Öle angenommen haben, welche die EU-Gesetzgebung infiziert hat.

Wenn du in Colorado lebst und mit meiner Meinung übereinstimmst, solltest du agieren. Wenn du nicht in Colorado lebst, bleibe wachsam, denn es ist noch mehr davon in Vorbereitung.

[Und wir armen EU-Bürger haben schon etliche dieser Einschränkungen über uns ergehen lassen müssen, beispielsweise die Fast-Entfernung von Rosenöl aus Rosen-Naturkosmetik….] Translation with kind permission of Robert Tisserand, thank you!

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Ein Kommentar zu “harmlose kosmetik und der tunnelblick

  1. Danke Eliane und Herr Tisserad für die tollen Gedanken!!!

    Ja bei manchen Menschen ist der Tellerrand auch gleichzeitig das Ende ihres Horizonts 😦 echt schade!!

    Liebe Grüße
    Sabine

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