ätherische öle als arzneimittel


Bei einem meiner regelmäßigen Telefonate mit Prof. Dr. Wabner erwähnte er kürzlich ein Thema, das mal wieder an uns allen vorbei gerauscht ist. Das Deutsche Arzneibuch (DAB) wird immer mehr vom Ph Eur., der Europäischen Pharmakopoe, die in Straßburg ausgeheckt wird, abgelöst. Das heißt im Klartext, dass deutsche Vorschriften bezüglich was ein Arzneimittel ist und was nicht, immer mehr europäischen Definitionen und Regulationen weichen werden. (Wer sich mal in die Sprachungetüme des deutschen Arzneimittelgesetzes AMG einlesen möchte, kann sich hier vergnügen).

Laut Dr. Wabner lief Ende Januar 2009 eine Frist ab, in der allerlei Mittel – auch ätherische Öle – relativ einfach und kostengünstig als Arzneimittel für das Ph Eur. registriert werden konnten. Nach dieser Frist, also derzeit, kostet so eine Registrierung circa 15.000 Euro pro Mittel. In der Ph Eur. sind ätherische Öle als Arzneimittel vorgesehen, so Dr. Wabner. Es gibt dafür drei Definitionen (stark vereinfacht wiedergegeben):

  • Arzneimittel sind alle Stoffe/Rezepturen, die als solche angemeldet sind. Ferner sind
  • Arzneimittel alle Stoffe, die medizinisch angewendet werden. Auch sind
  • Arzneimittel alle Stoffe, die in der Literatur als mit medizinischem Nutzen beschrieben sind.

Die zweite und dritte Definition trifft eindeutig zu. Ob ätherische Öle somit in naher Zukunft in den Hoheitsbereich von Apotheken kommen werden oder als freiverkäufliche Arzneimittel in Drogeriemärkten und Discountern verkauft werden dürfen, entzieht sich derzeit meiner Kenntnis. Auf Abfüller und Vertreiber von ätherischen Ölen werden vermutlich so oder so noch strengere Anforderungen zukommen als sie ohnehin schon bestehen. Wer den Nerv hat und englisch versteht, kann sich in diesem Index mal anschauen, welche ätherischen Öle bereits aufgeführt sind, hier sind Erläuterungen zur PhEur. nachzulesen.

Nun habe ich ja kürzlich berichtet, dass Primavera angefangen hat, ätherische Öle als Kosmetika zu deklarieren. Clever gedacht! Doch die europäische Kosmetikverordnung ist sehr streng und man brütet an immer mehr Verboten. Da ein guter Anteil aller ätherischen Öle, die wir auf dem deutsch/schweizerisch/österreichischen Markt haben, kleine Mengen an Methyleugenol enthalten, dieses aber aufgrund eines angeblichen Krebsverdachtes (überzogene und realitätsfremde Tierversuche) nur noch in „homöopathischen Mengen“ in Ölen enthalten sein darf, müssen alle diese Öle (Rose, Basilikum, Lorbeer, Fenchel, Anis, Sternanis, Piment, Muskatnuss, Myrte, Zimt und viele mehr) chemisch oder per Nachdestillationen/Fraktionierung von dem „Teufelszeug“ befreit werden.

Auch darf Kosmetik keine Furocumarine enthalten (Hautkrebs-Verdacht, siehe aber genau das Gegenteil zeigende Studie), das bedeutet dass alle Zitrusöle mehr oder weniger verändert werden müssen. Als Beispiel nannte Dr. Wabner Zitronenöl: Es darf 1 ppm (parts per Million) an Furocumarinen enthalten. Gutes Zitronenöl enthält jedoch über 13.000 ppm und gilt damit in seiner naturbelassenen Form bei den Eurokraten auch als Teufelszeug. Das Wort „naturbelassen“ ist also von Gesetzes wegen immer weniger möglich.

Ein weiterer beliebter Trick ist auch nicht mehr gesetzeskonform: das Wickeletikett, zumindest wenn die gesetzlich vorgeschriebenen Warnzeichen und Warnsätze im Inneren versteckt sind. Diese müssen sich außen befinden und auf den ersten Blick erkennbar sein. Neuerdings müssen die 26 angeblichen Allergene nicht nur kommentarlos aufgelistet werden, sondern sie müssen eingeleitet werden mit „xx-öl mit folgenden Allergenen“. Schöne neue Welt! Und ohne Jurastudium haste ohnehin verloren, ja, mich frustriert diese Über-Regulierung zutiefst. Und wer reguliert und kontrolliert beispielsweise Frittenbuden und Restaurants, wo hochgradig oxidierte und gesundheitsschädliche Fette, die man schon von weitem riechen kann, zu innerlichen Einnahme verkauft werden?

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9 Kommentare zu “ätherische öle als arzneimittel

  1. Ja macht doch nichts…..sozusagen,…denn es gibt ja nun auch jede Menge ätherische Öle, die als Lebensmittel deklariert sind und nicht in diese neuen Regelungen fallen,………,oder?!! Mit dem selben Orange süß und Zimtblätter als Kaffeearoma mit der Empfehlung pur in die Tasse (wässrige Lösung, lt Prof Wabner ist soetwas, genauso wie in Tee direkt ja „Unsinn“, denn ÄÖ sind ja lipophil, wie wir wissen und nicht wasserlöslich…), die andererseits mühsam mit diesen neuen Regelungen gekennzeichnet sein müssen.
    Oder ist in Primavera Orange süß, farfalla orange, Reike-orange etwa das Öl einer neuartigen Züchtung drin?

    Für meinen Kurs wusste ich kürzlich nicht genau, wie ich den Leuten diese ganzen Kennzeichnungangelegenheiten erklären sollte, was denn nun auf der Flasche stehen soll, damit man als Laie weiss, aha…die kann ich kaufen.
    Prof Wabner erklärte mir, es kommt immer darauf an, als WAS eine Ölfirma ihr Produkt deklariert!
    Für Neueinsteiger ist das alles aber sehr verwirrend. Denn allein die hier in Apotheken weit vertretene Firma Phytopharma ist der Ansicht, sich an keinerlei vorgegebenen EU-weiten Deklarationspflichten halten zu müssen, da ihre Öle und Hydrolate sowieso therapeutisch die Besten seien, wie mir Herr Olesko, der Geschäftsführer einmal am Telefon versicherte. Nicht mal die Apotheker, die diese Produkte verkaufen, finden es wichtig, sie meinen, wenn man als Konsument das kauft, wisse man ja, was man damit vorhat. Abgesehen davon, dass ihre Tinkturen ganz okay sind, stehen nicht mal die botanischen Bezeichnungen drauf.
    Eine meine Teilnehmerinnen arbeitet bei einer Gesundheitsprodukte-Firma, die Öle selbst importieren und abfüllen und jedesmal fragt sie mich, wie man denn nun die Deklaration richtig macht auf den Etiketten…….
    Hast recht, es ist frustrierend.
    Am besten, man bleibt bei den guten alten Ölen der Firmen, die wir schon lange kennen. Wahrscheinlich werden sich all diese Bestimmungen mit der Zeit auch auf die Preisgestaltung auswirken.
    Puh, etwas lang schon wieder…….:-(
    lG marta

  2. Liebe Eliane,

    du hast Recht, es gibt keine Proteste aus dem Volk, weil es einfach keiner versteht. Ich hab auch grad meinen dritten Kaffee um meine Gehirnzellen geschmeidiger zu kriegen und deinen Beitrag in Gänze zu erfassen.

    Ich finde es wichtig, das wir zu viel Leute wie möglich informieren, daher wollte ich fragen, ob ich diesen Beitrag sowohl in meinem Blog als auch in meinem Newsletter weitergeben darf (mit Hinweis auf dich natürlich).

    Als ich dreist meine Apothekerin ob der Apothekenpflicht oder sogar Verschreibungspflicht von ätherischen Ölen ansprach, meinte sie, sie könne selbst noch nichts Genaues sagen, es würde sich aber „Einiges“ ändern.

    Der Versuch, einen bestimmten Chemotyp zu bekommen, verlief sogar ziemlich unglücklich. Hier bekam ich zu hören, das Chemotypen künstliche Konstrukte und unsinnig seien, weil Apothekenöle ja alle genormt seien (und nur diese sollte der Verbraucher kaufen) und die Wirkung nicht vom Chemotyp abhänge, sonst hätte sie im Studium ja was von dieser sonderbaren Unterteilung gehört.

    Ich bekam sogar den Analysezettel zum Öl, wo mir ausdrücklich gesagt wurde, dass diese Zettel definitiv nicht für den Verbraucher gedacht seien und sie bei mir nur eine Ausnahme machen würde.

    Da kommt was auf uns zu. Öle selbst zu destillieren ist ja leider auch nicht erlaubt.

    In welchen Ländern greift diese Regelung eingentlich nicht? Muss die passionierte Kräuterhexe wieder auf die Schweiz ausweichen?

    Lieben Gruß

    Gaby

  3. Liebe Elaine,

    wenn ich richtig informiert bin, läuft dagegen eine EU-Petition (nicht zu verwechseln mit der kürzlich beendeten deutschen Petiton gegen das Heilkräuterverbot).

    Ich weiß aber nicht, wie lange die Frist dafür läuft. Vielleicht ist einer von Euch findiger?

    http://www.gopetition.com/petition/39757/sign.html

    Hier ist die deutsche Übersetzung:

    http://gaia-health.com/articles301/000315-german.shtml

    Ich hoffe, die Resonanz ist genauso hoch und schnell wie bei der letzten Petition!

    Herzliche Grüße
    Martina Quast

  4. Liebe Eliane
    Das hört sich alles furchtbar an! Wo soll es alles enden?
    Wird man demnächst auch Tees in der Apotheke kaufen müssen wegen ihre natürliches ätherischen Öles?
    …oder wie wir machen es wie Gaby: ab in die Schweiz.
    Liebe Grüße
    Irene

  5. Das Thema ist wirklich an mir vorbei gerauscht. Ich danke Dir für Deinen Information. Ich bin beeindruckt, wo Du die ganzen Infos herzauberst. Liebe Grüße aus Norddeutschland, Tina

  6. Liebe Eliane,

    vielen Dank für diesen Beitrag. ..und alle anderen ja auch! Ja, sehr frustrierend. Vielen Dank, dass du uns auf dem Laufenden hälst! Du bist eine super wertvolle Informationsquelle. Wo ist dein Spendenkonto ? 😉

    Sei herzlich gegrüßt

    Karen

  7. Nach dieser Definition von Arzneimitteln muß man im Zusammenhang mit der abgelaufenen Petition wirklich um Kamille und Co. ( http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,728471,00.html ) bangen.
    Nach EU-Richtlinie 2004/24/EG Punkt 31 sind (zuweilen) auch frische Pflanzen (getrocknete in jedem Fall) Pflanzenstoffe und somit im Falle von der Kamille Arneimittel, nicht nur als Präparat. Es besteht in ihrem Falle zwar schon eine 15 jährige Tradition in der EU, aber spätestens, wenn es sich herumspricht, daß es durch sie zur Abstoßung eines Organs bei Organtransplantierten kommen kann, muß der Fall neu aufgerollt werden.
    Auch für den Bezug von TCM-Kräuter etc., also für alle außereuropäischen Heilpflanzen, sehe ich bei dieser Definition von Arneimittel und Pflanzenstoffen Probleme.

    Arzneimittel = Stoff, der ….= Pflanzenstoff = Pflanze

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