holzöle aus atlaszeder und ihren „verwandten“


Dieser Tage lief mir beim vormittäglichen Aufräumen eine beträchtliche Menge eines fast 10 Jahre alten Zedernholzöles über die rechte Hand. Meine angebrochene 500ml-Flasche war nicht richtig verschlossen, ich hatte das Öl einst in riesigen Mengen in die Haus-Isolierung aus echter Schafwolle gesprüht. Ich wischte und schmierte und wusch, doch der schwere Duft hatte sich sofort in sämtlichen Hautporen „verewigt“. Im Laufe des Nachmittags wurde ich ungemein bleischwer müde… das war wohl die Wirkung dieses „erdenden“ ätherischen Öles.

Beim Lehren und Abfragen von botanischem Grundwissen stolpern wir DozentInnen immer wieder mal über Verwirrungen bezüglich der Familienzugehörigkeit diverser Zedern (und der dazugehörigen „Zedern“öle). Zudem gibt es manchmal Verwirrung, denn wenn wir von Nadelölen sprechen, meinen wir meistens die Kieferngewächse als Sammelbegriff. Das wunderbar holzig-balsamische ätherische Öl aus der Atlaszeder, die auch zu den Kieferngewächsen/Pinaceae gehört, ist jedoch fast immer ein Holzöl, denn es wird aus den zerkleinerten Holzstückchen aus Stämmen und Ästen destilliert. Wie bei allen Holzölen besteht bei der Gewinnung die Gefahr der Ausrottung der jeweiligen Spezies bzw. des unnachhaltigen Umgangs mit der Natur. Die südfranzösische Atlaszeder gehört bereits zu den bedrohten Arten, wie Tony Burfield in Cropwatch beschreibt.

Ich finde, es ist eine zweifelhafte Art der Gewissensberuhigung, wenn man nun auf nordafrikanische Zedern zurückgreift und munter weiter verschwendet. Ähnlich verhält es sich mit Rosenholzöl und Sandelholzöl, in beiden Fällen wird meistens der Baum gefällt/abgetötet. Im Fall von Sandelholz muss der Baum sogar extrem sorgfältig „gehoben“ werden (früher mit der Hilfe von Elefanten), da sich das wertvolle ätherische Öl auch in den Wurzeln befindet. Wenn man nun als vermeintlicher Umweltschützer reichlich Rosenholzöl statt aus Aniba rosaeodora aus anderen, ähnlich duftenden Amazonasbäumen wie Ocotea verwendet und statt im „Echten Sandelholzöl“ nun in Amyrisöl oder kaledonisch-australischen Sandelholzölen schwelgt, sollte man an die nächsten Generationen denken. So gierig wie die heutige Industrie und Wirtschaft agiert, ist denkbar, dass auch diese „alternativen“ Ressourchen bald ausgeschöpft sind.

Ich meine, dass man nicht unbedingt gänzlich auf die knappen Öle verzichten muss, wenn man sie aus verantwortungsvoll handelnder Quelle erhalten kann. Rosenholzöl kann sowohl einigermaßen baumschonend aus dicken Ästen, als auch (in nicht ganz so wundervoll duftender Qualität) aus den Blättern des Amazonas-Riesen gewonnen werden, zudem vermutlich auch in kleinen Mengen aus Abfällen der Möbelindustrie (eine brasilianische Expertin vor Ort zweifelt diese Aussage jedoch an). Auf Atlaszedernöl kann man in der anspruchsvollen Therapiearbeit fast nicht verzichten, man sollte es jedoch sparsam einsetzen, der schwere Duft verlangt ohnehin eine hohe Verdünnung. Ich verzichte inzwischen fast gänzlich auf Sandelholzöl, verwende es nur für ganz ausgewählte Beschwerden und/oder Menschen. Gleiches sollte für den „Ersatz“ aus Neu-Kaledonien und Australien gelten.

Nun zum Lernen. Folgende ätherische Öle werden aus dem Holz der jeweiligen Pflanze destilliert (es gibt ganz selten auch Nadelöle aus Cedrus und den nordamerikanischen Juniperus-Arten):

  • Adlerholz (oder Oud oder Ut), Aquilaria malacchensis oder A. agallocha
  • Amyris, Amyris balsamifera
  • Atlaszeder, Cedrus atlantica
  • Blaue Zypresse, Callitris intratropica
  • Dacrydium/Harzeibe, Dacrydium pierrei
  • Himalajazeder, Cedrus deodara (Foto links)
  • Libanonzeder, Cedrus libani (extrem selten, extrem gefährdet)
  • Linaloe, Bursera delpechiana (geleg. auch Öl aus Früchten)
  • Mexikozeder, Juniperus mexicana
  • Muschelzypresse/Hinoki, Chamaecyparis obtusa
  • Rosenholz Brasilien, Aniba rosaeodora var. amazonica (Foto rechts: Sigrun Scherneck)
  • Rosenholz Peru, Ocotea caudata, O. cernua
  • Sandelholz, Santalum album
  • Virginiazeder, Juniperus virginiana (Bleistift-Zeder, keine Zeder!)
  • Palo Santo, Bursera graveolens (Foto ganz oben)

Weitere Sandelholzöle:

  • Eucarya spicatum, Fusanus spicatus (Australisches Sandelholz)
  • Osyris tenuifolia (Ostafrikanisches Sandelholz)
  • Pterocarpus santolinus (Roter Sandelbaum)
  • Santalum austrocaledonicum (‚Sandelholz Südsee‘, aus Neukaledonien und Vanuatu)
  • Santalum spicatum (Westaustralisches Sandelholz)
  • Santalum yassi (Fidschi Sandelholz)

Viel Verwirrung herrschte in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren über „Zedernöle“, Zedernöl wird in Büchern aus dieser Zeit meistens als giftig oder zumindest gefährlich bezeichnet. Das lag daran, dass im englischen Sprachgebrauch erstens viele Nadelbäume umgangsprachlich als ‚Cedar‘ bezeichnet werden (ähnlich wie wir fälschlicherweise Tannenzapfen zu Kiefernzapfen sagen). Ganz speziell die Thuja, ein Zypressengewächs, wird ‚Red cedar‘ genannt (fast alle Anti-Motten-Holzstückchen und auch gut haltbare Gartengegenstände werden daraus gefertigt). Ätherisches Thujaöl wird meistens aus den aromatisch-apfelartig duftenden Zweigen dieser großen Bäume destilliert und enthält einen sehr hohen Anteil an neurotoxisch wirksamen Thujon.

Anders die meisten der oben genannten Holzöle, die jeweils interessante Mischungen aus unterschiedlichen Sesquiterpenverbindungen enthalten. Sie wirken dadurch alle mehr oder weniger entzündungshemmend und regulierend auf das Immunsystem. Zudem stark stabilisierend auf chronische Zustände und wie eingangs berichtet, beruhigend, erdend, zentrierend. Auch wirken die meisten Holzöle insektenabweisend, so dass sie – bereits in kleinen Mengen –  eine wertvolle Ergänzung für sommerliche Abwehrmischungen sind.

Auf der Duftreise zu den Botanik-Kursen hier in Irland führen unsere Exkursionen zu einigen ganz besonderen Exemplaren von Dacrydium-Bäumen, zu Callitrisbäumen, zu einem uralten Bonsai einer Muschelzypresse und zur oben abgebildeten Himalayazeder (begleitet von den jeweiligen Öle-Fläschchen).

PS. Es gibt ein „neues Rosenholzöl“ von Tisserand, das aus den Samen eines nepalesischen Strauches namens Zanthoxylum armatum gewonnen wird.

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5 Kommentare zu “holzöle aus atlaszeder und ihren „verwandten“

  1. hi eliane,
    als ich las von der bleiernen müdigkeit nach deiner zedernholz“hautpflege“, mußt ich lächeln. mir passierte sowas vor jahren mal mit nem unbehandelten naturwollteppich, unter den ich zwecks mottenabwehr ne menge lavendelblüten streute. das durfte dann so nicht in meinem wohnzimmer bleiben, weil ich dort dann immer seeehr entspannt war 🙂

    einen schafwollpullover fürs haus find ich sehr interessant. macht sich das zedernholz im haus auch beruhigend bemerkbar?
    grüssles vom hunsrück
    eliane

  2. Sehr interessant, liebe Eliane, was Du da in deinem Post geschrieben hast! Das Adler-Holz nehmen wir z.B. gerne zum Räuchern – es ist schon was ganz besonderes, finde ich.
    Meinst Du die Menschheit denkt um? Nein, ich glaube nicht, wenn ich mir die ständige Fehlentwicklung im globalen System anschaue…..aber hofffen darf man und für sich selbst es praktizieren, nicht wahr?
    HG
    Birgit

    P.S. Rühlemans war für mich schon immer der „Kräuter-Guru“ und ich habe viele Pflänzchen schon seit 10 Jahren immer noch verläßlich in meinem Garten sitzen.

  3. Erich Keller – -beschreibt in : Der Welt der Düfte über
    ROSENHOLZ – Aniba rosaedora…..
    .Anmerkungen:
     Aufgrund der starken Dezimierung des Baumes wird LINALOE HOLZ oder HO-BLÄTTERÖL empfohle

    HO- Blätteröl ist demnach vor zu ziehen….

    Grüße aus Bregenz
    Saluto Susanne

  4. liebe eliane,
    es scheint sandelholz in der luft zu schweben…..
    aufgrund des blitzeises in berlin, bin ich mit den öffentlichen verkehrsmitteln zu einer verabredung gefahren. in der u-bahn roch ein mann (sehr gut!) nach feinem sandelholz. eine wohltat, neben all den künstlichen gerüchen.

    liebe grüße und bis bald (es flattern täglich anmeldungen rein und die spannung steigt!!)

    natascha

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