studien mit ätherischen ölen an kindern (1)


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIm Gegensatz zu Tier- und Mikroben-Studien sind wissenschaftliche Arbeiten an und mit Kindern – dazu noch mit ätherischen Ölen – fast nicht existent. In westlichen Ländern lassen die Ethik-Kommissionen diese allenfalls gelegentlich zu. Viele der Erkenntnisse, die an Erwachsenen im klassischen pharmazeutischen Bereich gewonnen wurden, werden dann sozusagen runter gerechnet, insbesondere auf das Gewicht der Kinder. Führen also beispielsweise 250 mg einer Substanz bei einem Erwachsenen (70 Kilo) zur erwünschten Wirkung, dividiert man die Dosis, so dass entsprechende Altersklassen für Kinder ermittelt werden können. Kritiker halten diese Betrachtung als nicht seriös, in den vergangenen Jahren wurde auch die kleinere Körperoberfläche als Faktor hinzu gezogen.

Gelegentlich hört man auch als Laie, dass pharmazeutische Experimente an freiwilligen erwachsenen Probanden –nun ja – nicht so ganz erfreulich verlaufen sind. Risiken können auch durch jahrelange Voruntersuchungen in vitro und auch an Tieren nicht ausgeschlossen werden. Somit ist verständlich, dass man mit Kindern wirklich kein Risiko eingehen kann.

Andere Länder, andere Sitten und somit auch andere ethische Betrachtungen und Zulassungsverfahren. So lesen wir in zwei neueren nicht-europäischen Studien, in denen ätherische Öle – als Teil der traditionellen Medizin (Lavendel) oder bekannt als Lebensmittel (Orangenschale) – Kindern gut helfen konnten.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIn einer randomisierten, prospektiven und kontrollierten Studie aus dem Iran wurden 48 Kinder nach einer Tonsillektomie (Entfernung der Gaumenmandeln) nur mit Acetaminophen (Paracetamol) behandelt oder zusätzlich mit Lavendelöl-Inhalationen. Die Kinder waren 6 bis 12 Jahre alt und wurden für diese Arbeit in zwei gleich große Gruppen eingeteilt. Bei den „Lavendelkindern“ zeigte sich eine statistisch signifikante Verringerung  der Einnahme des Schmerzmittels während der drei postoperativen Tagen. Lavendelöl zeigte jedoch keinen Effekt bezüglich der Schmerzintensität und bei der Anzahl des nächtlichen Wach-Werdens. [Soltani R, Soheilipour S, Hajhashemi V, Asghari G, Bagheri M, Molavi M. Evaluation of the effect of aromatherapy with lavender essential oil on post-tonsillectomy pain in pediatric patients: A randomized controlled trial. Int J Pediatr Otorhinolaryngol. 2013 Aug 8. pii: S0165-5876(13)00347-9]

In einer anderen aktuellen iranischen randomisierten und kontrollierten Studie (Crossover) wurden Speichelkortisol und Herzschlagrate von 30 Kindern, welche sich zahnärztlichen Behandlungen unterziehen mussten, untersucht. Es waren 10 Jungs und 20 Mädchen, alle zwischen 6 und 9 Jahren, die zur Vorsorgeuntersuchung  und zur Versiegelung der Zähne kamen. Eine Sitzung erfolgte unter dem Einfluss von Orangenschalenduft (aus einem Vernebler), die andere ohne. Die statistische Auswertung der Kortisolwerte und der Pulsraten deuteten auf einen angstmindernden Effekt von Orangenöl. Die Studie kann hier (klick!) nachgelesen werden.

Eine us-amerikanische Studie von 2007 berichtet von Duftvorlieben von 87 Schulkindern beiderlei Geschlechts und zweier unterschiedlicher Rassen [Fitzgerald M, Culbert T, Finkelstein M, Green M, Johnson A, Chen S. The effect of gender and ethnicity on children’s attitudes and preferences for essential oils: a pilot study. Explore (NY). 2007 Jul-Aug;3(4):378-85]:

  • Weibliche Kinder fühlen sich bevorzugt zufrieden/glücklich (happy), wenn sie Orangenduft riechen (p = .043).
  • Weibliche latino-amerikanische Kinder finden Orangenduft eher beruhigend (56.2%) als weiße amerikanische Kinder (18.5%).
  • Mehr männliche latino-amerikanische Kinder (65.2%) beschreiben Pfefferminzduft  als energetisierend als  männliche weiße amerikanische Kinder (30%).
  • Manche Kinder beschreiben bestimmte (bevorzugte) Düfte eher als „sie machen mich glücklich“ (72.6%), andere Kinder beschreiben bestimmte (bevorzugte) Düfte als „mein Lieblingsduft“ (64.3%).
  • Weibliche Kinder fühlen sich mit Spearmint-Duft energetischer (p = .055).
  • Latino-amerikanische Kinder bevorzugen Spearmint-Duft gegenüber weißen amerikanischen Kindern (p = .075)
  • Alle männlichen Kinder fühlten sich energetischer wenn sie Ingwer-Duft rochen (p = .091).
  • Ingwer und Lavendel waren die am wenigsten gemochten Düfte.

In einer älteren us-amerikanischen Studie an 42 Kindern wurden einzunehmende dünndarmlöslichen Kapeln, welche mit ätherischem Pfefferminzöl gefüllt waren, bei schmerzhaften Reizdarmsymptomen (IBS) untersucht. Nach zwei Behandlungs-Wochen war die Intensität der Schmerzen von 75% der kleinen Patienten reduziert [Kline RM, Kline JJ, Di Palma J, Barbero GJ. Enteric-coated, pH-dependent peppermint oil capsules for the treatment of irritable bowel syndrome in children. J Pediatr. 2001 Jan;138(1):125-8].

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4 Kommentare zu “studien mit ätherischen ölen an kindern (1)

  1. Was würden wir nur machen, wenn wir Dich nicht hätten und Deine unermüdliche Suche nach Studien und die Mühe, die Du Dir machst, sie dann noch für uns als „Kompakt-Paket“ zu posten.
    Danke

  2. Habe drei Jahre lang als Volksschullehrerin mit ätherischen Ölen“gearbeitet“, die besten Erfolge damit erzielt . Noch heute sprechen die Schulabgängerin davon ‚wie gut ihnen das tat‘. Dank an all die liebenden Pflanzen.

  3. Danke, Eliane, diese sehr interessanten Studien würden glatt an mir (uns) vorbeirutschen, wenn Du sie nicht finden und bekannt machen würdest. Spannend wäre noch zu wissen, was liegt im Hintergrund, dass die eine Gruppe den Duft eher beruhigender werlebt bzw. energetisierender. Vielleicht liegen uralte kulturelle „Erfahrungen“ und Erlebniswelten dahinter o. ä. Vielleicht hätte ein Ethnologe eine Idee…
    Herzliche Grüße
    Christine

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