geruchssinn als indikator für ein langes oder kurzes rest-leben


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieWer über einen intakten Geruchssinn verfügt, hat (ab Mitte 50) noch lange zu leben. So in etwa lautet das Fazit einer größeren Studie, die von Dr. Jayant Pinto von der Universität Chicago an über 3000 Menschen durchgeführt hat. Der erste Durchlauf der Untersuchung erfolgte in den Jahren 2005 bis 2006. 39 Prozent der 3005 Probanden zwischen 57 und 85 Jahren, die fünf Gerüche nicht identifizieren konnten, waren beim zweiten Durchlauf des Experiments – 2010-2011 – verstorben; demgegenüber starben „nur“ 19 Prozent der StudienteilnehmerInnen, welche den Riechtest bestanden hatten, innerhalb dieser fünf Jahre.

Für den Riechtest mussten folgende Gerüche in dieser Schwierigkeitsreihenfolge identifiziert werden: Pfefferminze, Fisch, Orange, Rose und Leder. Das Umfrageteam arbeitete mit den Sniffin‘ Sticks, die von NeurologInnen zur Identifizierung von ersten Symptomen von Morbus Alzeimer und Parkinson als Diagnosemittel verwendet werden. Dieses interessante Experiment zeigte dass:

  • Fast 78 Prozent der TeilnehmerInnen normal riechen konnten: 45,5 Prozent von ihnen konnten alle fünf der fünf Gerüche korrekt identifizieren, 29 Prozent aus dieser Gruppe konnte vier der fünf Riechstoffe benennen.
  • Fast 20 Prozent der Probanden wurden als “hyposmisch” eingestuft („Schwachriecher“): Sie identifizierten zwei oder drei der fünf Gerüche.
  • Die restlichen TeilnehmerInnen, also 3,5 Prozent, waren Anosmiker: Sie konnten nur einen der fünf Gerüche erkennen (2,4 Prozent) oder gar keinen (1,1 Prozent). In dieser Gruppe befanden sich erwartungsgemäß die ältesten Probanden (25 Prozent der 85-jährigen) und in dieser Gruppe gab es die verhältnismäßig hohe Sterblichkeit von knapp 40 Prozent.

Studienleiter Prof. Pinto sagt dazu: „Der Geruchssinn ist der am meisten unterschätzte und am wenigsten geschätzte menschliche Sinn —bis er entschwunden ist.” Das Forschungsteam, das aus BiopsychologInnen, ÄrztInnen, SoziologInnen und StatistikerInnen besteht, hat dazu folgende Hypothese aufgestellt: Der Riechnerv ist der einzige Hirnnerv, der direkt der Umgebung/Umwelt ausgesetzt ist. Er könnte als Eingangspforte für Umweltverschmutzung, Toxine, Krankheitskeime oder andere Substanzen dienen, welchen das Zentrale Nervensystem ausgesetzt ist.
Die für das Experiment verantwortliche Psychologin Prof. Martha K. McClintock, die sich in ihrer ganzen Karriere mit dem Geruchssinn und der Kommunikation durch Pheromone befasst hat, kommentiert die Ergebnisse folgendermaßen: „Die Geruchsorgane enthalten Stammzellen, die sich selbst regenerieren können. So könnte ein Verlust in der Fähigkeit zu riechen ein Indiz dafür sein, dass die Fähigkeit des Körpers, seine wichtigen Ressourcen zu regenerieren, am abnehmen ist. Somit könnte dieser Verfall ein Indikator für die Sterblichkeit sein. Der evolutionär gesehen uralte Geruchssinn könnte einen wesentlichen Mechanismus, der für Langlebigkeit verantwortlich ist, aufzeigen.“

Die gesamte Studie, die am 1. Oktober 2014 veröffentlicht wurde, kann hier nachgelesen werden. Interessante Infos zum Riechen und zu einem Riechstifte-Baukausten gibt es auf der Website von der Uni Dresden nachzulesen. Deren engagierter Riechforscher Prof. Dr. Thomas Hummel trug zur Studie bei.

PS zur Erläuterung: Etliche neurodegenenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Parkinson kündigen sich mit dem Schrumpfen des Hippocampus an, dem Teil des Limbischen Systems, der Riechen und Erinnerungen verarbeitet, beide Funktionen verschwinden nach und nach. Mit dem Eintritt einer solchen Erkrankung wäre eine verkürzte Rest-Lebenszeit eingeläutet. Menschen, die ihr Essen nicht mehr riechen können, essen Verdorbenes oder Unverträgliches oder essen zu wenig, da der Appetit fehlt, auch das könnte ein möglicher Faktor der Verkürzung des Rest-Lebens gegenüber riechenden Menschen sein. Menschen, die Gefahren wie Rauch, Feuer und Abgase nicht mehr riechen können, könnten eher einem Unfall zum Opfer fallen. Menschen, die nicht mehr riechen können, werden öfter depressiv als Riechende, sie verlieren öfter die Freude und das Interesse am Genuss und am Leben, auch das könnte ein Risikofaktor sein.

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9 Kommentare zu “geruchssinn als indikator für ein langes oder kurzes rest-leben

  1. Liebe Frau Zimmermann,
    leider ist der Link zur Studie nicht zu öffnen.

    Danke für den Artikel und liebe Grüße aus Hamburg

    • danke für die meldung, er war zwar richtig eingefügt, wollte aber nicht so wie ich wollte, nun müsste es klappen!

  2. Das ist doch spannend, oder? Ich finde es so toll, der Geruchssinn (noch) Forschungsthema ist. Und die Erkenntnisse aus dieser Studie sind durchaus weiterer Forschungen würdig!
    Vielleicht hilft es auch, dass wieder mehr Menschen bei der Einschätzung von Haltbarkeiten auf ihre Nase hören und nicht nur auf das MHD. Ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt, aber ich finde es sehr wichtig (Stichwort Eigenverantwortung)!
    Eliane, Dir vielen Dank, dass Du immer wieder auch die Forschung ins Spiel bringst!

    Liebe Grüße
    Susanne

    • Ernsthaft? Ich kann mir vorstellen, dass man ähnliche Ergebnisse erhält, wenn man die Hörfähigkeit untersucht. Je älter der Proband, desto schlechter ist sein Hörvermögen und je wahrscheinlicher ist sein baldiges Ableben.
      Wenn 25% der über 85jährigen Anosmiker sind, warum geben wir uns dann in den Seniorenheimen so viel Mühe mit der Aromapflege?
      Ich sehe diese Studie kritisch und hoffe nicht, dass ich Ihnen mit meiner Meinung auf den Schlips getreten bin. Ich wollte Sie nicht persönlich kritisieren.

      • Hallo Goodrun,
        danke für Ihren Kommentar auf meinem Blog, ich freue mich, wenn überhaupt mal mehr als 5 Menschen ihre Meinung auf meinem Blog schreiben, ich fühle mich ganz und gar nicht auf den Schlips getreten! Ich finde diese Studie nur hoch-interessant, weil ich nach 30 Jahren Aromatherapie weiß, wie wichtig der Geruchssinn für uns Menschen ist. Etliche neurodegenenerative Erkrankungen kündigen sich mit dem Schrumpfen des Hippocampus an, der Riechen und Erinnerungen verarbeitet, damit wäre eine verkürzte Rest-Lebenszeit eingeläutet. Menschen, die ihr Essen nicht mehr riechen können, essen Verdorbenes oder Unverträgliches oder zu wenig, da der Appetit fehlt, auch ein möglicher Faktor der Verkürzungen gegenüber Riechern.
        Da man inzwischen weiß, dass sehr viele Organe bzw. Körperzellen auf Geruchsreize reagieren können, also sozusagen riechen können, macht es fast nichts, wenn man Anosmiker behandelt, die Geruchsinformation wird dennoch vom Körper verarbeitet. Vielleicht mit weniger Genuss aber sie kommt an. Also weiter so, egal was den jeweiligen Menschen noch an Lebenszeit vergönnt ist!

  3. Hallo, Eliane,
    Danke für den Kommentar. Dass Aromatherapie auch bei Anosmotikern wirkt war auch mein erster Gedanke beim Lesen von Goodruns Beitrag. Ich weiß leider nicht mehr, wo ich es gelesen habe. „Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis“???

  4. Liebe Eliane,
    ich sage Dir ein dankeschön für diesen tollen Bericht. Ich freue mich tagtäglich über meine „gute Nase“ – so oder so -. Ob es nun der Duft der Gartenerde, der Blüten- und Kräuterdüfte, der Duft nach einem Regenschauer …. etc. sind. Auch schlechte Düfte entgehen mir nicht. Ich hoffe, dass mir mein Geruchssinn noch recht lange erhalten bleibt.
    Herzliche Grüße
    Bastelfee Alberte

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