ätherische öle in der schwangerschaft


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDa ich immer wieder zum Thema ‚Ätherische Öle in der Schwangerschaft‘ angeschrieben werde, überarbeite ich heute mal einen alten Artikel, denn ich bin sehr zeitknapp, also derzeit vergraben im Endspurt meiner Fachbuch-Neuauflage.

In seriösen Büchern über Aromatherapie muss meistens mehr gewarnt werden als im realen Leben tatsächlich nötig wäre. Als Autorin kenne ich ja nur wenige meiner Leserinnen und kann nicht ahnen, ob unbekannte Leserinnen beispielsweise einen Hang zum Übertreiben haben wie “was, nur zwei Tropfen, das ist doch alles Natur, ich nehme mal 10 Tropfen“. Auch der neue Trend zur Anwendung von unverantwortlich großen Mengen an unverdünnten Ölen kann zu Problemen führen. Drogeriemarkt-Düften kann man auch nicht ansehen, ob sie wirklich so naturrein sind, wie es der Anschein erwecken soll. Darum veröffentlichen wir AutorInnen möglichst niedrige Rezepturen und sprechen auch Warnungen vor bestimmten Ölen aus. Im Einzelfall und bei Bedarf würden wir möglicherweise dennoch „gefährliche“ Öle einsetzen oder auch höher dosieren.

Die Nase einer schwangeren Frau ist meistens extrem sensibel, manchmal ist sie schon durch Allerweltsgerüche so gereizt, dass der betreffenden Frau oft schlecht wird. Meine Erfahrung ist, dass schwangere Frauen sehr gut “der Nase nach” gehen können und ein sehr genaues Gespür haben, welche Öle sie wann und in welchen Mengen einsetzen können. Das überfeine Näschen hat die Natur der Ur-Frau mit gegeben, damit sie ihr Kleines vor schlechter Nahrung und potenziell giftigen Kräutern und Beeren bewahrt.

Die fürchterlich klingenden Warnungen über Aromatherapie in der Schwangerschaft kommen aus alten Büchern, in denen vor allem die Einnahme von synthetischen und isolierten Duftmolekülen bewertet worden war. Denn so wie manche Kräuter sind auch ätherische Öle immer wieder zur Beendigung von unerwünschten Schwangerschaften eingesetzt worden. Doch Aromapflege mit physiologisch verdünnten Ölen, also im ein- und zweiprozentigen Bereich, stellt für eine gesunde Schwangere und ihr Baby keinerlei Bedrohung dar.

Der mit Billigöl angemachte Salat, die schreiend-beduftete Billigkosmetik, das Herumstehen an der Tankstelle, das Lackieren von Möbeln etc bergen eher ein Gefahrenpotenzial.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIm Folgenden zeige ich ein paar grundsätzliche Hinweise zum Gebrauch von ätherischen Ölen in dieser Zeit, in der frau ein anderes – hochempfindliches – Lebewesen schützen muss. Die Anlagen des werdenden Menschen entstehen vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon), anschließend wachsen und verfeinern sich die angelegten Organe und Körperteile; in diesen nun folgenden beiden Dritteln geht es im Wesentlichen um das Wachstum. Somit sind besonders in den ersten zwölf bis fünfzehn Wochen der Schwangerschaft toxische Substanzen sowie alle Öle zu meiden, die stark durchblutungsfördernd und somit blutungsauslösend oder gar krampfartige Erscheinungen auslösend wirken könnten. Insbesondere sind sehr empfindliche Frauen und solche mit bereits unglücklich verlaufenen Schwangerschaften von diese Warnhinweisen betroffen, gesunde Frauen können bei entsprechender Indikation und betreut durch eine sachkundige Hebamme auch die folgenden Öle verwenden.

  • Achillea millefolium, Schafgarbe (wegen des Kampfergehaltes, der einen starken Einfluss auf das Nervensystem hat und durchblutungsfördernd wirkt)
  • Cinnamomum zeylanicum cort & fol, Zimtblätter und Zimtrinde aus Sri Lanka
  • Cinnamomum aromaticum, Cassiazimt aus China (wegen der extrem starken Durchblutungsförderung)
  • Foeniculum vulgare, Fenchel (wegen der leicht östrogenähnlichen Wirkung)
  • Melaleuca viridiflora, Niaouli (weges des den Hormonhaushalt regulierenden Inhaltsstoffes Viridiflorol)
  • Pimpinella anisum, Anis (wegen der leicht östrogenähnlichen Wirkung)
  • Aloysia triphylla/Lippia citriodora (wegen der bei manchen Frauen wehenauslösenden Wirkung)
  • Salvia officinalis, Salbei (wegen der leicht östrogenähnlichen Wirkung und des manchmal hohen Gehaltes an Thujon und Kampfer, die einen starken Einfluss auf das Nervensystem haben, eingenommenes Thujon kann abortiv wirken)
  • Ocimum basilicum, Basilikum (wegen des bei manchen Ölen hohen Gehaltes an Methylchavicol, welches einen starken Einfluss auf das Nervensystem hat und auch die Leber [nur in verrückter Dosierung] schädigen kann)

Auch sollten vor allem empfindliche Frauen in dieser Zeit mit den Ölen anderer Lippenblütler wie Thymian, Oregano, Bohnenkraut vorsichtig sein. Selbstverständlich müssen während der ganzen Schwangerschaft alle ätherischen Öle vermieden werden, die bestimmte Monoterpenketone enthalten, da diese das Nervensystem des Kleinen überstrapazieren können und bei Fehlanwendung abortiv wirken können.

  • Hyssopus officinalis, Ysop
  • Salvia officinalis, Salbei
  • Lavandula stoechas, Schopflavendel
  • Thuja occidentalis, Thuja/Lebensbaum
  • Mentha pulegium, Flohminze
  • Cinnamomum camphora, Kampfer
  • Rosmarinus officinalis Ct. Borneon, Rosmarin

Auch die seltenen Öle mit Sabinylacetatgehalt sind nicht erlaubt, da dieser Inhaltsstoff zu den wenigen Estern gehört, die (embryo-) toxisch wirken, z.B. Salvia lavandulifolia (Lavendelsalbei) und Juniperus sabina (Sade, eine Wacholderart). Methylsalicylat-haltige Öle müssen auch gemieden werden (Betula lenta, Birke; Gaultheria fragrantissima, Wintergrün und Syzygium aromaticum, Gewürznelke).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Nur in Ausnahmefällen und unter Aufsicht einer in Aromatherapie erfahrenen Person sollten stark phenolhaltige Öle (z.B. Oregano, Bohnenkraut, Thymian Ct. Carvacrol und Ct. Thymol, Bay, Tulsi und Gewürznelke) verwendet werden. Stark 1,8-Cineol-haltige Öle sollten nur im Bedarfsfall (z. B. Erkältung) und sparsam in Inhalationen oder Brustsalben verwendet werden (Eucalyptus globulus, Myrtus communis Ct. Cineol, Rosmarinus officinalis Ct. Cineol). Auch mentholhaltige Öle (Mentha piperita, Mentha arvensis) nur wenig und nur wirklich bei Bedarf. Aber immer daran denken: die Nase mit entscheiden lassen!!!

Umgekehrt, welche Öle kann eine schwangere Frau “einfach so” zum Wohlfühlen, Entspannen, und Loslassen verwenden oder auch bei Schnupfen, Rückenschmerzen, Krampfadern? Neben allen Ölen die ihr gut tun und die maximal 1-prozentig verdünnt werden (beispielsweise 2 Tropfen auf 10 ml Mandelöl) sind die Klassiker sicherlich:

  • Lavandula angustifolia, Echter Lavendel (nicht zu verwechseln mit oft kampferhaltigem billigem Lavandin)
  • Mentha citrata, Bergamottminze
  • CItrus reticulata, Mandarine und andere Zitrusschalenöle
  • Rosa damascena, Rose
  • Bursera delpechiana, Linaloeholz und Linaloefrüchte
  • Cinnamomum camphora Ct. Linalool, Ho-Blätter
  • Citrus aurantium flos, Neroli
  • Citrus aurantium fol, Petit Grain
  • Eucalyptus staigeriana, Zitronenduftender Eukalyptus
  • Myrtus communis Ct. Myrtenylacetat, Nordafrikanische Myrte
  • Backhousia citriodora, Zitronenmyrte
  • Santalum album, Sandelholz
  • Boswellia sacra, Weihrauch
  • Pogostemon cablin, Patchouli
  • alle Blütendüfte (in Maßen!)

dazu die drei fein-lecker duftenden alkoholischen Extrakte:

  • Vanilla planifolia, Vanille
  • Styrax tonkinensis, Benzoeharz
  • Dipteryx odorata, Tonkabohne

Säuglinge sollten bis zur Ausbildung einer Brustmuskulatur, die abhusten kann, also bis das Kind flott krabbelt und sich hochzieht, nur von gut geschulten Menschen mit über 0,5%-igen ätherischen Ölen behandelt werden. Pflegende und reinigende Öle mit kosmetischen Verdünnungen sind bei gesunden Kindern möglich, beispielsweise 100 ml Mandelöl mit 5 Tropfen Rosenöl. Fast jedes Öl wirkt zumindest leicht sekretolytisch (schleimlösend), das könnte einem noch passiv herum liegenden Säugling gefährlich werden, sofern er sich nicht selbst umdrehen kann und zuverlässig abhusten kann. Nur Fachleute können beurteilen, welche Inhaltsstoffe bedenklich sein können, kaum jemand ahnt beispielsweise, dass selbst im babyfreundlichen Mandarinenöl der eher scharfe Inhaltsstoff Thymol enthalten ist, wenn auch unter einem Prozent.

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