märchenhafte düfte und ein duftmärchen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Vom Grau ins duftende Naturparadies: Primavera in Oy-Mittelberg

Es war einmal… Wie eingetaucht in ein ganz persönliches Märchen fühlte ich mich, als ich im „Zauber-Palast“ von Primavera ankam. Durch ein riesiges hellgrünes Portal fährt man eine Anderswelt, in dieser Jahreszeit von dicken Nebelschwaden umwabert (es sollen gelegentlich im Hintergrund Berge zu sehen sein 😉 ). Die großzügigen und hellen Räume sind voller feinster Naturdüfte sowie schönster Dekorationen: Glas, Licht, Spiegel, Feng Shui-Elemente befinden sich sogar an den Deckenlampen. Zwischen schönen Treffen mit „alten“ WeggefährtInnen, ehemaligen SchülerInnen und inspirierenden LehrerInnen wurde ich immer wieder in meinen eigenen aromatischen Werdegang katapultiert. Ja, es war einmal kurz nach Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Ich war eine recht frisch gebackene Studiumsabsolventin und jobbte in einem kleinen Esoterik-Laden in Wiesbaden, um die Inhaber, Eltern von einem schwerstbehinderten Kind, etwas zu entlasten. Dort gab es Düfte in kleinen Fläschchen. Ich kannte bis dahin entweder Parfüms (spannend und verlockend) oder Räucherstäbchen und Räucherkegel (zu rauchig, allenfalls für Weihnachten) und war fasziniert von der Möglichkeit, naturreine Raumbeduftung damit hinzubekommen. DAS Buch von Robert Tisserand erschien bald in deutscher Übersetzung – die Bibel der frühen AromaenthusiastInnen. Ich konnte es kaum fassen, dass etwas so Simples und Immaterielles wie ‚Duft‘ vielfältige Heilwirkungen haben soll. Im Ladensortiment folgten Schlag auf Schlag Bücher von vielen deutschen Autoren. Die wichtigsten waren und blieben sicherlich das Mammutwerk von der Primavera-Gründerin Susanne Fischer-Rizzi (welches damals in den ersten Auflagen wunderbar originell illustriert war) „Himmlische Düfte“ und das Buch vom Inhaber der damaligen Öle-Firma Aradia sowie Erfinder des archetypischen Duftkreises Martin Henglein „Die heilende Kraft der Wohlgerüche und Essenzen„. Ich liebe meine beiden Ur-Bücher immer noch heiß und innig, entsprechend sehen sie aus!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Das Herz aus Filz – eine große Gemeinschaftsarbeit von vielen Filzerinnen

Da die mysteriösen Öle im Esoterik-Laden nicht sonderlich vertrauenserweckend wirkten (und sich nicht gut verkaufen ließen), fragte ich die Inhaberin, ob wir nicht Primavera-Öle ins Sortiment nehmen könnten, ich hatte sie irgendwo gesehen. Doch sie verneinte vehement: Zu teuer und außerdem müsse man an einer Schulung teilnehmen, um sie verkaufen zu dürfen. Das wurmte mich und so fragte ich nach einigen Tagen schüchtern nach, ob ich nicht zur Schulung dürfe, quasi unter dem Vorwand, dass wir uns sehr für den Verkauf dieser ätherischen Öle interessieren. Sie gab mir nach einigen Bedenken die Genehmigung, wenn ich alle Kosten für den weiten Weg nach Hamburg und die Übernachtung übernehmen würde, dort fand die nächste Veranstaltung statt. Am Vorabend der Reise beschloss sie plötzlich, doch mitzukommen. Wundersam für mich war, dass sie bereits beim Betreten des eher unscheinbaren Gebäudes verkündete: „Diese Düfte nehmen wir ins Sortiment“. Unnötig zu sagen, dass sie in den nächsten Monaten und Jahren kaum mit dem Nachbestellen nachkam, so sehr hatte sich der Umsatz von ätherischen Ölen in ihrem kleinen Laden vervielfacht.

Es war der Beginn einer „Karriere“, die als Hobby anfing, dazu eine Haupt-Ausbildung und nicht mehr zählbare Fortbildungen mit sich brachte. Dazu waren viele wertvolle internationale Begegnungen und Besichtigungen, kleine „Wunderheilungen“, und vor allem die Leidenschaft für das Erklären und Beschreiben dieses so wichtigen, effektiven und doch so vernachlässigten Zweiges der Phytotherapie Begleiterscheinungen auf diesem Weg. All dies ging mir durch den Kopf, als ich durch das Naturparadies in Oy-Mittelberg wandelte.

Für die Firmengründer muss diese Entwicklung von einem Wenige-Fläschen-Anbieter zu einer ausgewachsenen großen Firma mit fast 200 MitarbeiterInnen und einem Firmengebäude, das nach ökologischen und Feng-Shui-Kriterien erbaut wurde, auch märchenhaft vorkommen. Diese Liebe zur Sache, die Achtung der Erde und der ProduzentInnen in Nah und Fern war in den Begrüßungsworten von Ute Leube und Kurt Nübling auch gut zu spüren. So manches Tränchen wurde gar gesichtet, nachdem ein kleiner Filmbeitrag aus Bhutan die 8. Primavera Fachakademie eingeläutet hatte. Kurt war mehrfach dort (ursprünglich auf Empfehlung von Heinrich Harrer, dem berühmten Bergsteiger und Autor von ‚Sieben Jahre in Tibet‚), und berichtete, wie er den Gedanken von nachhaltiger und respektvoller Landwirtschaft (und Wirtschaft) in dieses wundervolle kleine Land transportieren konnte. Bhutan arbeitet seit vergangenem Jahr am Plan, bis 2020 ein pestizidfreies Bio-Land zu sein. Über Kurts Vision, seine Begegnung mit dem König von Bhutan und die dortigen Projekte erzählt er auch in diesem kleinen Film und auf diesem kleinen Werbespot (klick!). In Bhutan spricht man übrigens nicht vom Bruttosozialprodukt (= Bruttonationaleinkommen), sondern vom Bruttosozialglück, das Wohlbefinden des Volkes gilt somit als relevanter als wirtschaftliche Erfolgszahlen.

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Ute Leube, Mitgründerin von Primavera, Eliane Zimmermann und Dr. Erwin Häringer, Arzt für Allgemeinmedizin in München und engagierter Kenner der Aromatherapie

Ich hatte die Ehre, den Kongresstag mit dem Thema „Duft und Psyche – ätherische Öle für das Wohlbefinden“ zu eröffnen. In einem Potpourri aus Erkenntnissen, Fragestellungen und kleinen Provokationen erinnerte ich daran, dass ätherische Öle flüchtige Signalstoffe in der Pflanzen- und Insektenwelt sind. Wir Menschen wiederum sind mit Rezeptoren ausgestattet, welche viele dieser Signale und Informationen „verstehen“ können. Beispielsweise enthalten alle Zitrusöle und fast alle Blüten-Absolues N-Methylanthranilat: Dieses Ester-Molekül enthält Stickstoff und sieht dem Anti-ADHS-Medikament Ritalin (Methylphenidat) verblüffend ähnlich. Denkbar wäre also, dass insbesondere die ätherischen Öle aus der Mandarinenschale und aus den Mandarinenblättern (Mandarinen-Petit Grain, 50% N-Methylanthranilat), welche wunderbar beruhigend und entkrampfend auf (kleine) Menschen wirken, wirksam bei Hyperaktivität und entsprechenden motorischen Störungen eingesetzt werden könnten (ich habe diese Überlegungen hier einmal aufgeschrieben). Im menschlichen Gehirn ist Anthranilsäure bei Stoffwechselprozessen von Neuro-Botenstoffen beteiligt, warum sollte also diese gebundene Anthranilsäure aus unseren Duftfläschchen nicht auf die Sprünge helfen, wenn solche Abläufe unserer Nervenzellen nicht so fließen wie sie sollten?

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Anusati Thumm führte durch den abwechslungsreichen Tag, hier mit Referentin Christine Lamontain

In den folgenden Referaten ging es um ähnliche Themen: Christine Lamontain berichtete über Gerüche am Arbeitsplatz, insbesondere im Pflegebereich, wo unausgesprochener Ekel, eine angeborene Basis-Emotion, für Mobbing, Burnout und andere schlimme Ärgernisse sorgen kann. Mit bewusster Selbst-Pflege und feinen Naturdüften kann wertvolle Hilfe sowohl für PatientInnen, BewohnerInnen, BesucherInnen und nicht zuletzt für Beschäftigte geschaffen werden. Heilpraktikerin und Krankenschwester Sabine Maucker berichtete von zahlreichen Ölen und Ölemischungen, die sie in ihrer Praxis in Süd-Deutschland für kleine und erwachsene Menschen mit ADHS verwendet. Marion Keller-Hanischdörfer erzählte von zwei spannenden Klassenzimmer-Projekten: eines mit Zitrus- und anderen Ölen, eines mit der neuen Duftmischung von Primavera namens ‚Leichter lernen‘ (u. a. aus Grapefruit, Zitrone und Orange, Öl, Roll-on und Raumspray, klick!) durchgeführt worden sind. Immerhin sind in einem der Projekte 87,5 Prozent der Schüler im Klassenraum ruhiger geworden.

Zeit zum Auftanken: Selbst das bunte Mittagessen und alle Snacks passten zum nachhaltigen und ökologischen Konzept der Primavera-Leitung, die feinen und farbenfrohen Leckereien wurden vom Cateringteam der Speisgirls aus Kempten zusammengestellt, das Zwetschgen-Tiramisu war der Hammer!!!!

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Der neue konzentrationsfördernde Zitrusmix von Primavera

Die Sozialpädagogin Petra Kiesel berichtete von ihrer Arbeit mit Sucht- und Onkologie-Patienten, auch sie betonte die Wichtigkeit der Selbstfürsorge und wie mit angenehmen Düften verschlossene (seelische) Türen geöffnet werden können. Sie betonte, dass ätherische Öle zum Ankern von erwünschten psychischen Zuständen wertvolle Werkzeuge sein können. Diplom-Pädagogin Eva Maria Anslinger las ein Referat über die wundersamen Fähigkeiten unseres Geruchssinnes vor – sie beleuchtete das Riechen in den unterschiedlichen Phasen des Menschseins, vom Fötus, der im aromatisierten Lebenswasser schwimmt, bis zum demenziell veränderten älteren Menschen, dem mit Hilfe von Düften schöne Momente des Lebens zurück gebracht werden können. Anschließend verriet Gesundheits- und Krankenschwester Claudia Arbeithuber aus Österreich in ihrer Präsentation viele bewährte Rezepte, die sie bei Depressionen, Angst und Traumatisierung entwickelt hat – teilweise zusammen mit ihren PatientInnen aus der Psychiatrie.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Barbara Rütting

Die Abschlussrunde des bunten Tages gestaltete die inzwischen bereits 88-jährige Schauspielerin, Autorin und Ex-Politikerin der Grünen Barbara Rütting. Lebendig, humorvoll und erfrischend frech verriet sie uns viele kleine Tricks von A bis Z: ‚Was mir immer wieder auf die Beine hilft‘, sie stammen aus ihrem gleichnamigen Buch. Die fast lebenslange Vegetarierin konnte durch entsprechende Ernährung ihre geerbten Rheuma-Symptome gut in den Griff kriegen, sie berichtete auch von Höhen und Tiefen ihrer Umstellung auf vegane Ernährung vor einigen Jahren. Wenn man diesen zierlichen Wirbelwind life erleben darf, weiß man, warum ihre Biografie ‚Durchs Leben getobt‚ heißt! Sie hat für viele herzhafte Lachsalven gesorgt.

Als ich wieder Zuhause ankam, zückte ich mein vergilbtes und wie verkocht aussehendes Kochbuch von ihr aus dem Regal und musste schmunzeln: Es ist von 1986 und damit nur ein wenig älter als meine Arbeit mit naturreinen Düften. Damals übte ich bereits gesundes und tierfreies Kochen und war begeistert von den einfachen und abwechslungsreichen Rezepten von Frau Rütting (allerdings wurde das Buch ziemlich hässlich, um nicht zu sagen unappetitlich, layoutet, schade!).

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Die großzügige und verführerische Einkaufswelt von Primavera

Leider gab es keine Zeit, die duftende Erlebniswelt ausgiebig zu erkunden, ich konnte nur mal eben kurz ein paar Mitbringsel für meine Familie erstehen (hmmmm, der grapefruitige Duftmix namens Frühlingserwachen, nach einer Woche sind die 5 ml bereits aufgebraucht!!!). Wer mal im schönen Allgäu rund um Kempten vorbei kommt, sollte unbedingt im Laden vorbeischauen, montags bis samstags ist bis 18 Uhr geöffnet (Infos hier).

Fotos: Primavera Laden und Airspray Leichter Lernen: © Primavera; Ute Leube & Erwin Häringer: © Christine Lamontain; die anderen Motive: © Eliane Zimmermann

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3 Kommentare zu “märchenhafte düfte und ein duftmärchen

  1. Oh Eliane, was muss das toll gewesen sein. Hab schon von Conny einen Bericht bekommen. Klasse. – und so viel nette, engagierte Fachleute. Da geht mir das Herz auf.
    LG Heidi

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