myrtenöle und ihre chemotypen


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Myrtenblüte (Myrtus communis L.)

Myrte (Myrtus communis L.) ist ein Mittelmeer-Strauch, der kleine weiße puschelige Blüten trägt. Er kann nicht mit dem in der heißen trockenen Wüstengegend Somalias beheimateten kargen Baum namens Myrrhe verwechselt werden (ich schrieb im vorherigen Blog-Beitrag (klick!) über das Myrrhe-Harz).

Je nachdem wo die auch Brautmyrte genannte Pflanze wächst und wie sie nach der Ernte verarbeitet wird, wird das nach der Wasserdampf-Destillation entstehende ätherische Öl unterschiedlich duften und sogar unterschiedlich gefärbt sein. Anders als die sehr medizinisch duftenden Anti-Erkältungsöle wie Eukalyptus, Cajeput und Ravintsara enthalten Myrtenöle meistens Spuren von Butyraten, das sind Ester der Buttersäure, die den Ölen fein-fruchtig duftende Untertöne verleihen. Diese an Ananasduft erinnernden Duftmoleküle sind auch in diversen Obstsorten enthalten: Äpfel, Bananen, Birnen, Erdbeeren u.v.a. Butyrate tragen auch zum feinen Duft des teuren ätherischen Öles der Römischen Kamille bei und tragen zur ungewöhnlich angstlösenden und entspannenden Wirkung bei.

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Myrtenstrauch

In der TÜRKEI werden die Myrtenzweige nach dem Beschneiden der auch gut als immergrüne Hecke wachsenden Gewächse sofort destilliert. Das Ergebnis ist ein frisch-medizinisch duftendes ätherisches Öl, das an Eukalyptus und Cajeput erinnert, jedoch durch seinen geringeren Gehalt an Eukalyptol (Fachbegriff 1,8-Cineol) milder ist. Das farblose oder ganz wenig gelbliche Öl eignet sich gut für Hals-Nasen-Ohren-Probleme von empfindlichen Menschen wie Kindern ab circa zwei Jahren und auch für sehr empfindliche Senioren oder Menschen mit allerlei Beeinträchtigungen.

Monoterpene

  • 24,5 % α-Pinen
  • 3 % andere Monoterpene

Sesquiterpene

  • 0,8 % β-Caryophyllen

Monoterpenole

  • 9,5 % Linalool
  • 4 % α-Terpineol und andere Monoterpenole

Monoterpen-Ester

  • 4,6 % Myrtenylacetat
  • 3 % andere Monoterpen-Ester

Oxide

  • 43,7 % 1,8-Cineol

Quelle: Primavera Life (Myrte türkisch), hier (klick!) erhältlich, ein ähnliches Öl auch in Bioqualität ist bei Maienfelser erhältlich.

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Myrtenzweig

In NORD-AFRIKA (Tunesien, Marokko) werden die Myrtenzweige nach dem Schneiden traditionell angetrocknet, so intensiviert sich das Aroma des destillierten ätherischen Öles, der ‚medizinische‘ Duft wird verringert und der Gehalt an entspannungsfördernden Monoterpen-Estern ist erhöht. Der Anteil an 1,8-Cineol ist immer noch hoch genug, um bei Hals-Nasen-Ohren-Beschwerden hilfreich zu sein, zusätzlich sorgt der erhöhte Anteil an Estern für Entspannung und besseren Schlaf. Dieses Öl ist optimal für die Behandlung von sehr empfindlichen Menschen geeignet. Leider ist dieser fein duftende Chemotyp des leicht rötlich bis zart dunkel-orangefarben gefärbten Myrtenöles nicht sehr häufig erhältlich, bei Feeling (klick!) und bei Neumond (klick!) bin ich fündig geworden, Farfalla (klick!) hat ein ähnliches Öl aus Frankreich.

Idealerweise setzt man die türkische Myrte tagsüber ein, denn das Öl fördert einen klaren Kopf und hilft auch bei Konzentrationsproblemen, die nord-afrikanische Myrte wäre der perfekte Begleiter für das Schlafzimmer, da sie nicht nur beim Durchatmen hilft, sondern auch unruhige und ungeduldige PatientInnen in Morpheus‘ Arme schicken kann.

Monoterpene

  • 27,6 % Limonen
  • 19,8 % α-Pinen

Sesquiterpene

  • 0,8 % β-Elemen
  • 0,4 % β-Caryophyllen

Monoterpenole

  • 3,2 % α-Terpineol
  • 2,1 % Linalool 1,2 % Myrtenol

Monoterpenester

  • 19,2 % Myrtenylacetat
  • 2,4 % Geranylacetat

Oxide

  • 15,9 % 1,8-Cineol

Quelle: Primavera Life (Myrte marokkanisch)

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Myrtendestillation in Peru

Eine Rarität, die es nur bei Primavera gibt, ist das Myrtenöl aus PERU. Der deutsche Marktführer unterstützt dieses Projekt seit Jahren. Die Myrtenpflanze entwickelt durch die extreme Höhenluft ganz andere Inhaltsstoffe und einen komplett anderen Duft. Ihr Anteil an schmerzlinderndem Pinen ist sehr hoch, so dass dieses Öl prima in Schmerzzubereitungen verarbeitet werden kann. Ich mag es in winziger Konzentration in Raumdüften auf Grapefruit- oder Orangenölbasis, sie bekommen durch diese Rarität das „gewisse Etwas“.

Monoterpene

  • 63,7 % α-Pinen
  • 6,8 % β-Pinen

Sesquiterpene

  • 0,4 % α-Selinen
  • 0,3 % β-Caryophyllen

Monoterpenole

  • 5 % Linalool

Oxide

  • 9,8 % 1,8-Cineol

Andere

  • 0,3 % Ethyl-2-methylbutyrat

Quelle: Primavera Life (Myrte Anden, hier [klick!] erhältlich)

Mein Lieblings-Raum- und Autospray

  • 50 ml Wodka
  • 20 Tropfen Grapefruitöl
  • 20 Tropfen Orangenöl
  • 1-2 Tropfen Myrte Anden
  • 1-2 Tropfen Gewürznelkenöl (oder Zimtblätter)

In einer Braunglas-Sprühflasche vermischen und vor jeder Anwendung gut durchschütteln.

Myrtenhydrolat ist in der englischsprachigen Duftwelt für die Behandlung von Konjunktivitis (Augen-Bindehautentzündung) bekannter als Rosenhydrolat, es ist in alkoholfreier Qualität bei Maienfelser (klick!) und in der Bahnhof-Apotheke (klick!) bestellbar, letzteres steril abgefüllt und mit dem hygienischen Sterilfilter ausgestattet, so dass es auch für entzündete Augen von Säuglingen eingesetzt werden kann.

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Luma apiculata (Myrtus luma, Amomyrtus luma)

Es gibt viele Dutzend Myrtenarten, manche tragen jedoch inzwischen andere botanische Namen. Während der Duftwochen, die hier bei mir in Irland stattfinden (für Infos hier klicken!), führen uns unsere Wege nicht nur zu einer in unserer Region überall wuchernden chilenischen Andenmyrte namens Luma apiculata (deren schwarzrote Früchte wir im Frühwinter essen können und deren zimtfarbenes eisenhartes Holz gelegentlich in unserem Kamin landet)…

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Myrtus lechleriana

…sondern auch zur bereits im April/Mai bezaubernd blühenden und duftenden Myrtus lechleriana (Miq.) Sealy, die auch aus Chile stammt.

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Myrtus obcordata (Lophomyrtus obcordata)

Auch die neuseeländische Myrtus obcordata (Raoul) Hook. f., die hübsche herzchen-förmige Blätter hat, kann bestaunt werden.

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Myrtus bullata (Lophomyrtus bullata)

Besonders witzig sieht Myrtus bullata Salisb. mit ihren ‚verbeulten‘ Blättern aus, auch sie stammt aus Neuseeland.

Ugni_Beeren_CollageNoch eine ganz enge Verwandte steht bei uns im Garten und liefert uns derzeit ausgesprochen lecker nach Erdbeeren schmeckende Früchte: die Chilenische Guave, früher Myrtus ugni genannt, heute heißt sie Ugni molinae Turcz. Sie war die Lieblingsfrucht von Königin Victoria und ist gelegentlich unter dem Namen Tazziberry zu finden.

Die wundervoll duftende ‚Zitronenmyrte‘ (Backhousia citriodora F.Muell.) ist übrigens keine Myrte, der deutsche Name ist irreführend, ich habe sie hier (klick!) vorgestellt. Wer sich noch mehr mit der riesigen Familie der echten Myrten beschäftigen möchte, wird auf der Seite des engagierten Sammlers Jens Rathke fündig: myrtus-communis.de

Foto Peru: © Monika Volkmann

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