ätherische öle in der palliativpflege – eine deutsche studie


Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Können ätherische Öle das Befinden von Patient/innen mit Tumorerkrankungen beeinflussen? Um das zu untersuchen, schaute sich eine Gruppe von deutschen Forschern aus der J. W. Goethe Universität in Frankfurt/Main (Working Group Integrative Oncology), aus der Universität Jena und aus der Klinik für HNO-Erkrankungen, Kopf-Hals-Chirurgie Nordhausen an, ob Stimulationen mit ätherischen Ölen überhaupt physiologische Reaktionen hervor rufen können.

Das wurde zwar an der Uni Wien bereits eingehend untersucht und mit positiven Antworten ausgewertet, jedoch wurden die Riechimpulse meines Wissens nach nur (oder vorwiegend) an gesunden Freiwilligen untersucht. Prof. Dr. Buchbauer, Dr. Eva Heuberger und Tapanee Hongratanaworakit waren auf diesem Gebiet bereits sehr aktiv, hier kann eine Liste solcher und anderer Publikationen eingesehen werden. Man kann eine spannende diesbezügliche Arbeit, sogar doppelblind, also ohne Riechimpulse durchgeführt, herunterladen: Autonomic and Emotional Responses after Transdermal Absorption of Sweet Orange Oil in Humans. Prof. Dr. Buchbauer ist Mitherausgeber des umfassenden Fachbuches Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis, ansonsten gibt es zahlreiche englischsprachige Texte von ihm (dieses dicke Fachbuch habe ich 2013 hier ausführlich rezensiert).

In der neuen randomisierten, kontrollierten Studie wurden sowohl gesunde Probanden (10 Personen = Kontrollgruppe), als auch Palliativpatient/innen mit (15 Personen) und ohne Bewusstsein (5 Personen) angeschaut. Sie rochen entweder Zitronenöl oder Lavendelöl oder als Kontrolle Wasser. Als physiologische Parameter überwachte man die Atem- und Herzfrequenz, die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff, den systolischen und den diastolischen Blutdruck.

Gesunde Testpersonen reagierten auf Zitronenöl mit einer signifikanten Steigerung der Atemfrequenz, der Herzfrequenz und des diastolischen Blutdrucks, während Lavendelöl bei ihnen eine signifikante Reduktion der Atemfrequenz auslöste. Bei den anderen Parametern war kein signifikanter Unterschied messbar.

Patient/innen mit und ohne Bewusstsein reagierten dagegen bei allen Parametern mit Steigerungen bei Zitronenöl und Verminderung bei Lavendelöl. Lediglich bei der Sättigung des Blutes mit Sauerstoff erfolgte keine signifikante Veränderung. Ob jemand aus der Patientengruppe bei Bewusstsein war oder nicht: Es konnte kein signifikanter Unterschied in den Reaktionen gemessen werden. Beim Kontrollstimulus (Wasser) konnten keine signifikanten Reaktionen gemessen werden. Alle Reaktionen waren sehr kurz und konnten nur während des Stimulus gemessen werden.

Die Forscher schließen aus diesem kleinen Experiment, dass gesunde Probanden anders reagieren als Palliativpatient/innen, egal ob sie bei Bewusstsein sind oder nicht.

Goepfert M, Liebl P, Herth N, Ciarlo G, Buentzel J, Huebner J. Aroma oil therapy in palliative care: a pilot study with physiological parameters in conscious as well as unconscious patients. J Cancer Res Clin Oncol. 2017 Jun 20

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