deo ohne aluminium und parabene selber machen


Ich habe mir kürzlich die Zeit genommen, das riesige Deodorant-Regal in einer Filiale einer bekannten deutschen Drogeriemarkt-Kette zu durchforsten (schon beschämend, was unsere „Zivilisation“ allein auf diesem kosmetischen Sektor anzubieten hat). Es ging darum, Produkte zu finden, die einerseits frei von Aluminiumsalzen sind und auch dem Gehalt von Parabenen wollte ich auf die Spur kommen. Letztere verschwinden derzeit aus der französischen Kosmetik, ja sie werden geradezu angeprangert (die Werbung unten links besagt: Es steckt soviel Liebe in diesem Topf, dass noch niemals Platz für Parabene oder Konservierungstoffe darin war [schmunzel]). Im Jahr 2004 wurden diese recht gut verträglichen und beliebten Konservierungsstoffe im kranken Gewebe von Brustkrebspatientinnen gefunden, sie können hormonartig wirken. Da nicht sein kann was nicht sein darf kamen aber bald – vor allem von kosmetisch orientierter Industrieseite – Entwarnungen. Auch das deutsche Institut für Risikobewertung, das gerne Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen auf die Gefahrenliste stellt, sieht keinen Handlungsbedarf. In Frankreich scheinen die Konsumentinnen das anders zu sehen, mir ist jedenfalls aufgefallen, dass die weltweit bekannteste Marke sogar explizit damit wirbt, dass diese Stoffe nicht in einem ihrer Produkte enthalten sind.

Egal wie frau persönlich die Gefahr durch solche Abkömmlinge eines Duftstoffes einschätzt, sie sollte sich jedoch mal Gedanken machen, was Antiperspirants mit 24-, 36- oder gar 72-Stunden-Wirkung an ihrem Körper anrichten. Ein für viele kleine und fettlösliche Moleküle gut aufnahmebereites Gewebe (reichlich Poren und Öffnungen der Schweißdrüsen und Haare/Haarkanäle, die den Weg nach innen ebnen, egal ob sie vorhanden sind ob abrasiert werden) wird tagtäglich mit künstlichen Duftstoffen traktiert. Viele davon, die teilweise verbotenen Moschusketone, reichern sich fleißig im Brustgewebe an und sind nicht zu knapp in der Muttermilch nachweisbar. Zudem verschließen die typischen Deowirkstoffe wie diverse Aluminiumsalze diesen Weg nach außen, sie unterbinden also ein wichtiges Entgiftungsprinzip des Körpers. Hier bitte mal nachdenken: Das was raus soll/muss, darf nicht ausreichend raus und das was nicht reingehört, wird tagtäglich nachgeliefert.

Ein drittes Problem steckt in eher hochpreisigen Deos (und Gesichtscremes): Triclosan, streng genommen ein Medikament zur Mikrobennabwehr. Es erhöht vermutlich die Resistenz bestimmter Bakterien gegen einige Antibiotika. Es ist übrigens auch in Funktionswäsche, Teppichen, Handdesinfektionsmittel etc enthalten. Alles in allem sind moderne Deos also ungünstige Chemiecocktails ausgerechnet an extrem sensiblen Stellen unseres Körpers. Die unmittelbare Nähe zum sehr empfindlichen Brustgewebe, das durch seine gute Durchblutung und seinen hohen Anteil an Körperfett, besonders anfällig für „molekulare Angriffe“ zu sein scheint, sollte Frauen wirklich mal zum Reflektieren bringen, ob wir uns dem „Hygieneterror“ so ganz mit Haut und Haaren beugen sollten. Natürlich soll niemand schweißeln oder gar stinken und ab und zu mal ein 24-Stunden-Deo zu benutzen ist sicher nicht allzu schädlich. Niemand möchte oder sollte beim Bewerbungsgespräch vor sich hin müffeln. Doch muss es wirklich dauernd, immer, ständig sein? Keine Pause zum „Durchatmen“ für das empfindliche Gewebe? Wenigstens sollten die Überreste abends aus den Achseln gewaschen werden, damit diese Hautpartie nachts zur Ruhe kommt. Und ab und zu, vielleicht am Wochenende oder im Winter, sollten wir uns „chemiefreie“ Deos gönnen. Vielleicht wäre ein häufigerer Einsatz von Wasser und Seife (und Waschlappen) auch nicht schlecht, gerade heutzutage, wo es fast überall gut zugängliche Bäder/Waschmöglichkeiten gibt, ist ja streng genommen so eine Deo-Versiegelung gar nicht nötig. Die in den letzten zehn Jahren wirklich erschreckend hochgeschnellte Zahl an Brustkrebserkrankungen gibt jedenfalls mir sehr zu denken.

Der Winter könnte also eine gute Zeit zu sein, mal ein selbst gemachtes Deo auszuprobieren. Allerdings muss frau sich auf zwei bis drei Wochen einer stärkeren „Entgiftung“ einstellen, also ist eventuell öfters waschen angesagt, es kann ein regelrechter Entzug stattfinden. Zudem stoppt es nicht die Transpiration, also feucht wird es schon. Nur die den Geruch produzierenden Bakterien werden eliminiert oder zumindest sehr in ihrer Arbeit eingeschränkt. Möglicherweise wird sich die Nase dennoch etwas rümpfen, denn sie hat ja den eigenen Körpergeruch immer durch eine „chemische Brille“ wahrgenommen. Die schnellste und einfachste Methode ist die Herstellung eines Sprays. Einfach in einer 50-Flasche mit Sprühaufsatz folgende Zutaten verschütteln:

  • 25 ml Rosenhydrolat (oder ein anderes Hydrolat wie Melisse, sehr zusammenziehend auf die Poren wirkt Hamameliswasser, hier [ohne Alkohol] oder hier [mit etwas Alkohol] erhältlich)
  • 25 ml Wodka
  • 1 knapper Teelöffel Natriumbicarbonat (Backnatron) [basischer pH]
  • oder 1 Messerspitze Zitronensäurepulver oder 1 Esslöffel Apfelessig (saurer pH)
  • 5 Tropfen Zedrat- oder Zitronenöl oder 3 Tropfen Zitronenmyrte
  • 5 Tropfen Rosengeranien- oder Lavendelöl
  • 3 Tropfen Zypressen- oder Salbeiöl (letzteres in thujonarmer Qualität)
  • 2 Tropfen Patchouli- oder Zedernöl

Mit der folgenden umkomplizierten Rezeptur erhält man eine Deocreme, die immer mit einem kleinen Spatel aus dem Gefäß entnommen werden sollte.

Sheabutter und Kakaobutter vorsichtig zusammenschmelzen, ab und zu mit sehr sauberem Löffel/Spatel umrühren. Das geht gut auf der Heizung oder in einem sehr sauberen (Marmeladen/Senf)Schraubglas im warmen (nicht heißen) Wasserbad.

Die pulverigen Zutaten gleichmäßig in dieses gelbliche Ölgemisch einrühren. Es bekommt zunächst eine wunderbar sahnige Konsistenz, wird dann jedoch fester. Nach kurzer Abkühlung mit den obigen (oder anderen) ätherischen Ölen beduften, gut umrühren und in ein schönes Glasgefäß füllen. Ich habe für ein feines Luxusgefühl statt Rosengeranie oder Lavendel 1 Tropfen des kostbaren und seltenen Magnolienblütenöles (Magnolia alba, Florame) und 5 Tropfen Vanilleessenz (Farfalla) rein gegeben und alles in drei kleine 10-g-Gefäße gefüllt, so habe ich neben dem Rest im großen Schraubglas (für mich) noch kleine Mitbringsel. Übrigens: Bei Verwendung von Zitrusölen keine billigen Kunststoffgefäße verwenden, sie können durch die Zitrusterpene angegriffen werden. Einige Infos zu Kakaobutter und Sheabutter sowie Bestellmöglichkeiten befinden sich auf meiner kleinen Öle-Shopseite.

Recetas de la Aromaterapia para hacer desodorantes naturales

(traducion de Andrea Berndl del Blog Cosmetica natural casera

Algunos de los ingredientes peligrosos que se encuentran en desodorantes son el Aluminium Clorohydrate, Triclosan y Nitroalmizcles y almizcles policíclicos (lee mas en Ingredientes toxicos en cosmeticos en este blog). Una forma de evitar que nos exponemos dia tras dia a ellos, es recurrir a la aromaterapia y la cosmetica casera.

La aroma terapeuta, escritora y fundadora de AiDA (Instituto Internacional de Enseñanza de Aromaterapia) Eliane Zimmermann ha publicado en su libro „Aromatherapie für Sie“* (=Aromaterapia para ella) dos recetas interesantes para hacer desodorantes naturales. Ha sido tan amable de permitir la publicacion de estas recetas en este blog:

1. Desodorante natural en Spray

  • 25ml Agua floral de Rosas
  • 25ml Wodka
  • 1 cucharadita Bicarbonato de Sodio
  • 5 gotas Aceite esencial de Geranio (Pelargonium graveolens)
  • 5 gotas Aceite esencial de Lavanda (Lavanda angustifolia)
  • 3 gotas Aceite esencial de Mirto-Limón (Backhousia citriodora)
  • 2 gotas Aceite esencial de cedro (Cedrus atlantica)

Mezclar todos los ingredientes en un bote de spray de 50ml y agitar.
El Bicarbonato de sodio se podria sustituir por 1/2 cucharadita de acido citrico.

2. Crema de desodorante natural

  • 20g Manteca de karité
  • 15g Manteca de cacao
  • 1 Cucharra sopera Almidon de maiz
  • 1 Cucharra sopera Bicarbonato de Sodio

Fundir las mantecas con cuidado en baño maria, introducir el almidon y el bicarbonato y remover. Cuando se haya enfriado un poquito, introducir los aceites esenciales de la receta nº 1 (u otros) mezclar y envasar en un bote.

Cogiendo la crema con una espatula a la hora de usarla, se conserva mas tiempo.
* „Aromatherapie für Sie“ de Eliane Zimmermann, pagina 58. ©2012 TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage Stutgart GmbH & Co.KG

Susanne Fischer-Rizzi im Video


Wer Aromatherapie-Pionierin und Mitgründerin von Primavera Susanne Fischer-Rizzi mal vorlesen hören und sehen möchte, kann über den Link bei Waltraud einen Eindruck von der Autorin und von ihrer aktuellen Leidenschaft WILDNISWISSEN bekommen. Ich besitze dieses wertvolle Buch seit geraumer Zeit und habe es bereits in meinem anderen Blog empfohlen. Und Susanne davon informiert, sie hat sich sehr darüber gefreut, dass ihre „alte“ Schülerin sie noch so würdigt.
An dieser Stelle noch eine kleine Erinnerung an alle neueren BLOGGERINNEN: Denkt daran, euer Blog ab und zu auf eure Festplatte zu speichern, das geht ganz flott und ergibt eine kleine Datei mit circa 1 MB. Es wäre schade, wenn die schönen Inhalte eurer Werke durch ein persönliches oder global-elektronisches Missgeschick verloren gehen würden. Wie es geht, hatte ich hier bereits einmal ausführlich beschrieben.

Video zur Destillation von Lavandin


Ich bin auf Reisen, zur Zeit in der Nähe von Basel, das Wetter ist hier auch nicht besser als zur Zeit zu Hause in Irland. Wer Lust auf ein bisschen Sommer-Lavendelduft-Flair hat, kann sich das Lehrvideo des ACHS (Australasian College of Health Sciences, diese renommierte Schule lehrt unter anderem Aromatherapie) zur Destillation von Lavandin (Lavandula x intermedia) anschauen. Es besteht aus zwei Teilen und Robert Seidel führt in 18 Minuten (in englischer Sprache) durch die wesentlichen Aspekte einer traditionellen Destillation auf der Sherwood Lavender Farm in Sherwood Oregon.

Wer es noch südlicher mag, kann sich nach Florida „beamen“ und ein kurzes Filmchen über einen Ylang Ylang Baum mit seinen bezaubernden grünlich-gelben Blüten zu Gemüte führen, viel Spaß:

die rolle von ätherischen ölen bei resistenten bakterien


Adnane_Remmal_EPO

Der marokkanische Pharmazeut Professor Adnane Remmal gewann dieser Tage (15. Juni 2017) den European Inventor Award 2017, ihm wurden nach seiner Nominierung mehr als 119 000 Online-Stimmen gegeben. Die Verleihungs-Zeremonie im Arsenale di Venezia wurde vom Präsidenten des Europäischen Patentamtes EPO Benoît Battistelli und Carlo Calenda, dem italienischen Minister für Wirtschaftliche Entwicklung eröffnet, circa 600 Gäste vieler Branchen aus Politik, Business, Geistiges Eigentum und Wissenschaft waren anwesend.

So neu ist seine Arbeit für Insider zwar nicht, doch er hat es geschafft, eine clevere Kombination aus (nicht mehr wirklich wirksamem) Antibiotika und Inhaltsstoffen aus ätherischen Ölen wie Carvacrol und und einem Inhaltsstoff aus dem Eukalyptus zu patentieren und zu vermarkten (vermutlich handelt es sich um 1,8-Cineol, da diese Leitsubstanz der Eukalyptusblätter schon seit Längerem als so genannter Penetrationsverstäker genutzt wird) . Sein Patent EP1879655 (B1) lautet „Pharmaceutical composition comprising an anti-bacterial agent and an active ingredient selected from carveol, carvacrol, alpha-ionone, beta-ionone, and thymol“: es ist hier nachzulesen, ein kurzes englischsprachiges, hübsch anzuschauendes Video kann bei Youtube angeschaut werden.

„Adnane Remmal’s Innovation bietet ein neues Werkzeug im Kampf gegen die wachsende Bedrohung durch antibiotika-resistente Mikroben“ sagte der Präsident des EPO. „Seine Arbeit zeigt, dass traditionelle Antibiotika und natürliche ätherische Öle zum Zweck der besseren Wirksamkeit kombiniert werden können. Durch seine Arbeit hilft Remmal auch, die pharmazeutische Entwicklung in seinem Heimatland Marokko vorwärts zu bringen.“

Der engagierte Forscher selbst sagt: „Auch bevor ich ein Wissenschaftler wurde, war ich davon überzeugt, dass aromatische Pflanzen pharmazeutisch aktive Inhaltsstoffe enthalten“. Seit der Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verwendete der Pharmakologe ätherische Öle von marokkanischen Pflanzen, um die antibakterielle Wirkung von Antibiotika zu verstärken. Bereits 2014 erhielt der an der Sidi Mohamed Ben Abdellah Universität in Fez arbeitende Forscher ein Europäisches Patent für sein Antibiotika-Verstärker-Mittel, dass sich derzeit in letzten Phase erforderlicher klinischer Experimente (an Menschen) befindet. Es wird erwartet, dass das Medikament Ende 2017 auf dem (marokkanischen) Markt erhältlich sein wird [ob sich die Pharma-Riesen in anderen Ländern sich dieses viel versprechende Geschäft weg nehmen lassen, sei noch dahin gestellt :-/ ].

Mit der Mischung aus Antibiotika und natürlichen Ätherische-Öle-Bestandteilen wird eine Behandlungsmöglichkeit geschaffen, die stärker ist als die Summe der einzelnen Bestandteile. „Dieser Mix ist auch etwas, dass die zähesten Mikroben der Welt bislang noch nicht gesehen haben – stark genug um multiresistente Keime los zu werden, welche derzeit für 700 000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich sind“ so die Pressemeldung des Europäischen Patentamtes. Das (oder auch mehrere neue) Mittel sollen recht preiswert werden, denn die natürlichen Inhaltsstoffe sind bekannt und gut verfügbar, sie sind auch bereits gut untersucht. (Quellen: englischsprachige Pressemeldung des EPO und französischsprachiger Beitrag in Capital), danke Anne-Laure für den Hinweis auf dieses wichtige Thema!). Inzwischen ist der deutschsprachige Text des EPO wieder verfügbar, den Film habe ich nun auch auf deutsch gefunden.

Ganz neu ist das Thema – wie erwähnt – nicht, die damals 17-jährige Schülerin Ute Runkel hatte 2002 diese Synergie bereits vor vielen Jahren systematisch erforscht – zusammen mit Apothekerin Dorle Hamm aus Karlsruhe im Rahmen einer ‚Jugend forscht‘-Arbeit. Utes bemerkenswertes Werk kann hier runterladen werden [Achtung, man muss, wie dort unterhalb des Artikels erklärt, die nur fehlerhaft verlinkbare Adresse im Browser-Fenster korrigieren].

Ich erläuterte das Thema der synergistischen Zusammenarbeit von ätherischem Öl und Antibiotikum bzw nicht-antibiotischen Inhaltsstoffen von ätherischen Ölen bereits einmal in diesem Blogbeitrag. Beide Substanzen bilden eine hervorragende Synergie, Professor Adnane Remmal betont, dass Antibiotika wie ein Schlüssel wirken. „Sie machen die Tür vom Schloss auf. Wenn der Schlüssel nach einer Genmutation nicht mehr zum Schloss passt, wirken Antibiotika nicht mehr, der Keim ist resistent gegen das Gift. Ätherische Öle sind dagegen keine Schlüssel, die die Zellen aufmachen, sondern große Hammer, die die Türe kaputt machen.“

Wirklich prima, dass dieses Thema ein wenig mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit tritt, denn wir alle könnten irgendwann an einer lebensbedrohlichen Infektion leiden, und dieses Wissen dringend benötigen.

Ich empfehle darum seit Jahren, im Fall einer (drohenden) schweren bakteriellen Infektion, ätherische Öle zusammen mit einer antibiotischen Behandlung einzusetzen und auch bereits VOR dem Gang ins Krankenhaus anzuwenden, idealerweise als Einreibung eine Woche vorher und als Riechstift oder duftende Kompresse auf dem Kopfkissen oder direkt am Bett (um die Bettnachbarn nicht zu belästigen, sonst freilich auch als Raumspray). Perfekt wäre es, mit diese Maßnahme mit der rechtzeitigen Einnahme von inzwischen erhältlichen Oreganokapseln, zu ergänzen. Sie sind von Fairvital, dem belgischen Anbieter Pranarom und der britischen Nahrungsergänzungsmittel-Firma Higher Nature erhältlich, sie gehören definitiv zu den Mitteln, die ich für den Fall der Fälle immer im Haus habe. Foto A. Remmal: EPO

IN EIGENER SACHE Die Duft-Erlebnis-Wochen-Termine für 2018 stehen nun, die ersten Anmeldungen sind bereits eingetroffen, nicht zuletzt wegen eines schönen Artikels, der letzte Woche in diversen Tageszeitungen und auch in Spiegel Online über unsere Gegend und auch über unsere Arbeit erschienen ist. Ein herzliches Danke an Autorin Brigitte Geiselhart! Auch im aktuellen Magazin der Fluggesellschaft Swiss [#154 Juni 2017] ist unsere Arbeit Teil eines schönen Berichtes über Cork, die zweitgrößte Stadt der Grünen Insel, 65 km von unserer Gäste-Unterkunft entfernt, welche (in den Sommermonaten) nun endlich direkt von Zürich angeflogen wird. Ab Seite 16 hier im Artikel des Bordmagazins der Swiss kann über Südwest-Irland geträumt und studiert werden, auf Seite 32 stehen die „Meet-the-local-Tipps“ meines Mannes. Auch ein dicker Dank an Gero Günther und Peter Neusser für diesen hervorragenden Artikel!

Aromatherapie-Wochen_Termine_2018_Eliane_Zimmermann

Details zu Inhalten, Preise, Anreisemöglichkeiten etc kommen im Spätsommer. Je nach Datum und Veranstaltung kosten diese Wochen ab 850 € (ohne Vollpension) jedoch inklusive 7 Übernachtungen, 7 Mal Frühstück, Transfers zu den Exkursionen bzw. Wanderzielen, Eintritte, bei manchen Wochen Bootsfahrten, Rohstoffe und Gefäße bei den Aromatherapie-Wochen; oder etwas mehr als 1000 € zusätzlich inklusive reichhaltige Picknickboxen für das Mittagessen sowie fünf Dreigänge-Abendessen; wir nehmen ab sofort unverbindliche Platzreservierungen an und auch Gutscheine zum Verschenken einer Veranstaltung sind zu haben: duftreisen [ät] aromapraxis [punkt] de (bitte korrekt schreiben, Spamschutz).

Weil WordPress offenbar nicht mehr ermöglicht, Fotos, die groß hochgeladen wurden, durch Anklicken zu vergrößern, hier die Tabelle im offenen Format.

2018 AiDA Aromatherapy & Wanderlust
Datum Veranstaltungen 2018 :: in Bantry, Glengarriff und Adrigole, West Cork in Südwest-Irland
28.04. – 05.05.2018 Irland Wandern 1 :: Wandern und Erleben an Irlands Atlantikküste :: mit Markus Bäuchle und Team
05. – 12.05. 2018 Aromatherapie 1 :: Kräuterwandern & Hausapotheken-Workshop :: mit Markus Bäuchle und Team
12. – 19.05. 2018 Garten-Reise 1 :: Die besonderen Gärten an Irlands Atlantikküste :: mit Eliane Zimmermann und Team
19. – 26.05. 2018 Irland Wandern 2 :: Wandern und Erleben an Irlands Atlantikküste :: mit Markus Bäuchle und Team
26.05. – 02.06.2018 Natur-Retreat 1 ::  Erden und Zentrieren in der Stille der irischen Berge :: mit Markus Bäuchle und Team
02. – 09.06.2018 Aromatherapie 2 :: ‘Happy Düfte’ und Osmologie :: mit Christine Lamontain und mit Eliane Zimmermann
09. – 16.06.2018 Irland Wandern 3 ::  Wandern und Erleben an Irlands Atlantikküste :: mit Markus Bäuchle und Team
16. – 23.06.2018 Garten-Reise 2 :: Die besonderen Gärten an Irlands Atlantikküste :: mit Eliane Zimmermann und Team
16. – 23.06.2018 Berg-Wandern 1 :: Die Naturferien für geübte Wanderer :: mit Markus Bäuchle und Team
30.06. – 07.07.2018 Irland Wandern 4 :: Wandern und Erleben an Irlands Atlantikküste :: mit Markus Bäuchle und Team
07.– 14.07.2018 Garten-Reise 3 :: Die besonderen Gärten an Irlands Atlantikküste :: mit Eliane Zimmermann und Team
07.– 14.07.2018 Natur-Retreat 2 ::  Erden und Zentrieren in der Stille der irischen Berge :: mit Markus Bäuchle und Team
14.  – 21.07.2018 Aromatherapie 3:: Kräuterwandern & Hausapotheken-Workshop :: mit Eliane Zimmermann
21.– 28.07.2018 Irland Wandern 5 ::  Wandern und Erleben an Irlands Atlantikküste :: mit Markus Bäuchle und Team
28.07. – 04.08.2018 Aktiv-Ferien 1 :: Unterwegs in Irland zu Fuß, mit Fahrrad und Kajak :: mit Markus Bäuchle und Team
11.  – 18.08.2018 Irland Wandern 6 :: Wandern und Erleben an Irlands Atlantikküste :: mit Markus Bäuchle und Team
18. – 25.08.2018 Aromatherapie 4 :: Hydrolate und Öle für Kinder und sensible Menschen, Destillation :: mit Eliane Zimmermann
25.08. – 01.09.2018 Natur-Retreat 3 ::  Erden und Zentrieren in der Stille der irischen Berge :: mit Markus Bäuchle und Team
01.  – 08.09.2018 Aktiv-Ferien 2 :: Unterwegs in Irland zu Fuß, mit Fahrrad und Kajak :: mit Markus Bäuchle und Team
01.– 08.09.2018 Berg-Wandern 2 :: Die Naturferien für geübte Wanderer :: mit Markus Bäuchle und Team
08. – 15.09.2018 Irland Wandern 7 ::  Wandern und Erleben an Irlands Atlantikküste :: mit Markus Bäuchle und Team
Mehr Infos auf www.irland-wandern.de und http://www.blog.aromapraxis.de

 

die französische „schule“ der aromatherapie & viele missverständnisse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

René Liardet in Sault

In den letzten Jahren hören wir immer wieder von der „französischen Schule der Aromatherapie“: Es wird gerne behauptet, sie lehre die einzig richtige Anwendung von ätherischen Ölen. In jüngster Vergangenheit werden auch hämische Rufe laut – vor allem auf Facebook (sowohl im deutschsprachigen Bereich als auch in den USA), dass die „etwas dümmlichen“ VertreterInnen der „deutsch-englischen Schule der Aromatherapie“ ja überhaupt keine Ahnung vom wahren Umgang mit ätherischen Ölen hätten.

Ich möchte etwas Aufklärung in diesen verwirrenden Bereich bringen, denn seit Anfang der neunziger Jahre bin ich mit beiden Richtungen gut vertraut. Zwar erhielt ich mein Diplom in Aromatherapie im Mai 1990 vom College von Shirley Price (SPICA) – also von einer „englischen Schule“, doch weitere Kurse brachten mich mit dem französischen Umgang mit ätherischen Ölen in Kontakt. Spannende Informationen von Martin Henglein, der nicht nur einen englischen, sondern auch ein französischen aromatischen Hintergrund hat und viele Gespräche mit Inge Andres, die damals (ab 1985) die kleine aber sehr feine Firma La Balance in Leutkirch hatte, machten mich auf den Ursprung der medizinischen Disziplin Aromatherapie neugierig. Inge lernte ihre „aromatische Kunst“ in Frankreich, gab Kurse im Allgäu und organisierte wundervolle Duftreisen in die Provence. Ihr wundervolles Buch Die ganzheitliche Duftberatung (klick!) gibt es schon lange nur noch antiquarisch (auch die zweite Auflage war damals bald vergriffen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Laien lernen, Thymian mit der Sichel zu schneiden, für Destillateurin Marie-Claire in der Drome

In der Provence, besser im Département Alpes-de-Haute-Provence, durfte ich in frühen Jahren meines „Handwerks“ an Erntetagen und Destillationen teilnehmen. Gespräche mit Bauern über ihre harte Arbeit, lehrten mich hohen Respekt vor ihnen, den eigentlichen ProduzentInnen im Feld und an der Destille. Ich erinnere mich noch sehr gut an das enttäuschte Gesicht von uns bienenzerstochenen Erntehelfern, dass nach einem ganzen heißen Nachmittag des mühsamen Schneidens von Bio-Thymian, nur circa ein halber Liter ätherisches Öl gewonnen worden war. Wer mein Fachbuch hat, kennt einen dieser Bauern, Monsieur René aus Sault und unser geerntetes Thymiankraut von Seite 24, oben seht ihr die Farbversion, die auch in die 6. Neuauflage meines Fachbuches wandern wird. [Monsieur Renés Sohn Guillaume von hat inzwischen die Firma Aroma’plantes (klick!) ausgebaut, man kann dort wundervolle Bio-Produkte online bestellen – also direkt vom Erzeuger und somit einen kleinen Familienbetrieb, der seit 1978 im biologischen Anbau tätig ist, unterstützen].

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im September 1995 auf dem 3. Schweizer Aromatreffen „Aspekte der Französischen Aromatherapie“ in Zürich, organisiert von Martin Henglein und Veroma

Irgendwann in dieser Zeit, Mitte der neunziger Jahre, leistete ich mir das entsetzlich teure Buch von Pierre Franchomme, Dr. Daniel Pénoël und Roger Jollois L’Aromathérapie exactement (klick! ich staunte nicht schlecht, dass so ein Paperback damals weit über 100 DM gekostet hatte!!!). Dieses Werk war die „Bibel“ aller Menschen, die sich jenseits der eher kosmetisch und vor allem der esoterisch orientierten Aromatherapie informieren wollten – sogar für KollegInnen, die kaum französisch lesen konnten! (Ich machte damals meine Heilpraktiker-Ausbildung und war ganz heiß auf medizinische Fakten rund um die Naturdüfte).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im August 2006

Dieses Fachbuch ist ein eher trocken und dennoch abwechslungsreich zusammengestelltes Werk vor allem über pharmakologische Wirkungen von ätherischen Ölen, mit „leckeren“ Fotos von kranken Menschen, Röntgenbildern, mit spannenden Tabellen, Grafiken, Fallbeispielen und einem riesigen wissenschaftlichen Quellenverzeichnis. Erstmals lernten wird daraus Details über Chemotypen, Gaschromatogramme wurden erläutert, reichlich chemische Formeln der wichtigen Inhaltsstoffe konnten studiert werden, und auch die fantastischen Wirkungen vieler Öle gegen Mikroorganismen wurden ausführlich vorgestellt. Also alles sehr pharmazeutisch-medizinisch orientiert, sowas gab es damals in keinem deutschsprachigen Buch in dieser Ausführlichkeit.

Erstmals waren die wichtigsten Inhaltsstoffe von circa 270 ätherischen Ölen auf fast 100 Seiten aufgelistet, dazu kompakt und übersichtlich die wichtigsten Eigenschaften, Indikationen und ggfs. auch Kontraindikationen. Eine Fundgrube, in der ich viel geschmökert habe und die ich auch heute noch öfters zu Rate ziehe! Als ich 1994 anfing, an meinem eigenen Fachbuch zu arbeiten, waren diese Informationen mein großes Vorbild, ich erhielt von einigen deutschsprachigen Öleanbietern ordnerweise Gaschromatogramme mit den Analysen der bekanntesten ätherischen Öle und trug möglichst viele Erkenntnisse aus französischen und englischsprachigen Quellen zu meinen eigenen Erfahrungen mit ätherischen Ölen zusammen. Es versteht sich von selbst, dass Dr. Pénoël ein Exemplar bekam!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Jean Valnet

Die Art der Anwendungen dieses französischen Arztes und seiner Wissenschaftler-Co-Autoren, und auch vom Arzt Jean Valnet (1920-1995), der mit seinem ins Deutsche übersetzte Buch Aromatherapie recht bekannt wurde, begründeten die neuere „Schule der französischen Aromatherapie“. Es handelt sich nicht um eine Schule im Sinne des Wortes, sondern dieser Begriff wird zur Abgrenzung von den englischsprachigen Empfehlungen verwendet. Ätherische Öle wurden und werden gemäß den allermeisten seriösen englischsprachigen Schulen und Büchern nur äußerlich angewendet und in niedrigen Dosierungen um maximal 3% eingesetzt. Die guten Ausbildungen umfassen circa 300 Stunden (und mehr!), will man Mitglied eines ernst zu nehmenden Berufsverbandes werden, beispielsweise bei der IFA oder der ISPA. Man erneuert seine Mitgliedschaft durch jährliche Fortbildungspunkte, die nachgewiesen werden müssen. Als Mitglied bekommt man Anspruch auf eine gute Haftpflichtversicherung und kann sich bewerben als Leistungsanbieter im britischen Gesundheitssystem NHS, so dass PatientInnen kostenlose Behandlungen buchen können. Die englischsprachige Richtung wurde von der Österreicherin Margerite Maury (1885-1968) gestartet, sie war Krankenschwester und Ehefrau eines homöopathisch arbeitenden Arztes. Die deutsche Übersetzung ihres Buches Die Geheimnisse der Aromatherapie gibt es nur noch antiquarisch. Nachzulesen sind diese Entwicklungen anhand von konkreten Pionieren auch auf meiner Website (klick!).

Ärzte und Pharmakologen in Frankreich und Belgien dagegen werden viel ausführlicher in den Themenbereichen des Franchomme-Pénoël-Buches und ähnlicher Bücher geschult, das Curriculum ist wissenschaftlich orientiert und sehr anspruchsvoll. Medizinische Anwendungen bilden den Mittelpunkt. So ist es kein Wunder, dass ätherische Öle bei klar diagnostizierten Beschwerden und sogar Krankheiten eingesetzt werden, teilweise mit bei uns als „toxisch“ deklarierten Ölen und oft auch in recht hohen Dosierungen. In manchen Fällen werden auch kaum oder unverdünnte Öle eingesetzt. Dahingegen dürfen in Frankreich etliche ätherische Öle, die man im deutschsprachigen Raum bei jedem Anbieter findet, nur auf Rezept verkauft werden, oder verdünnt, dazu gehören Salbei (Salvia officinalis) und Ysop (Hyssopus officinalis).

Einige Vertreter der „französischsprachigen Schule“ der Aromatherapie (Aromathérapie médicale):

  • Pierre Franchomme, Pharmazeut, Frankreich Kurse Videos
  • Dr. Daniel Pénoël, Arzt, Frankreich Schule
  • Dr. Dominique Baudoux,Pharmazeut, Belgien Schule Firma
  • Dr. Jean-Michel Beghin, Arzt, Frankreich und Belgien Schule
  • Philippe Mailhebiau, Frankreich, Infos
  • Dr. Kurt Schnaubelt, Chemiker, San Rafael/USA, Schule Blog Firma

Gattefossé_Buchseite_xsPassend zur französischen Richtung der Aromatherapie wiederhole ich an dieser Stelle nochmals die oft falsch zitierte Story vom Chemiker, Parfümeur und Destillateur René Maurice Gattefossé, der seine Hand bei einem Chemieunfall verbrannte. Er soll sie in einem Pott Lavendelöl „gelöscht“ und gekühlt haben, woraufhin sein Schmerzen verschwunden sein sollen und die Heilung einsetzte. Mit diesem „Wunder“ habe er die Aromatherapie „wiederentdeckt“. Wer lesen kann ist immer eindeutig im Vorteil 😉 und so finden wir auf Seite seines ins Deutsche übersetzten Buches Gattefossés Aromatherapie die korrekte Version dieses Mythos. Der Pionier der „neuzeitlichen“ Aromatherapie (seit den 70er-Jahren) Robert Tisserand – der die Übersetzung von Gattefossés französischsprachigem Buch „Aromathérapie“ (1937) ins Englische (1993) vornahm und kommentierte – weist darauf hin, dass sich sich die Sache völlig anders verhielt. Der genaue Wortlaut ist auf seiner Blog-Seite nachzulesen. Demnach war Gattefossé, dessen Körper wegen einer Chemikalienexplosion im Jahr 1910 (oder nur die Arme? „after a laboratory explosion covered me with burning substances“) richtig brannte, ins Freie gestürzt und sich auf einem Rasen gewälzt, um die Flammen zu löschen. Danach entwickelte sich an beiden Händen ein Wundbrand (der durch das Bakterium Clostridium perfringens ausgelöst wird – es kommt beispielsweise im Boden vor). Seinerzeit verstarben noch ein Viertel der infizierten Menschen an der sich sehr rasch ausbreitenden Gangrän, zumindest war sie ein Grund zur Amputation der befallenen Gliedmaßen in den Kriegen vor dem zweiten Weltkrieg.
Gattefossé vermerkte in seinem Buch, dass „nur eine Spülung mit Lavendelöl“ die übliche Gasbildung im Gewebe stoppte. Es hatte sich bereits begleitend zur gefährlichen Infektion ein übermäßiges Schwitzen entwickelt, doch am nächsten Tag setzte die Heilung ein. Und nur dank des Lavendelöles konnte er weitere Pioniere wie Jean Valnet und Marguerite Maury in dieser duftenden Wissenschaft unterrichten, deren Bücher in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Aromatherapy-Boom in Großbritannien auslösten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wundervolle bewegte Bilder aus der frühen Jahren von Monsieur Gattefossé und der Aromatherapie kann man übrigens in diesem dreiteiligen Film auf Youtube anschauen. Das Ernten von Lavendel wurde 1907 schon gefilmt! Viele alte Fotos aus einem (seinen?) Fotoalbum sind zu sehen. Er ist viel gereist um gute ätherische Öle zu finden. Ein wirklich wertvolles Zeitdokument für alle, die sich mit der Entwicklung dieses duften Berufes beschäftigen möchten!

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Dieses 2500 qm große Feld mit Bio-Pfefferminze-Pflanzen ergibt 2500 Kilo geerntetes Kraut und ergibt, wenn alles gejätet, geerntet, destilliert und abgefüllt ist, 10 Kilo ätherisches Öl (12 Liter) und gerade mal 100 Euro! Die vielen Bio-Pflanzen müssen davor gekauft oder vermehrt werden und in das urbar gemacht Feld gepflanzt werden.

Und damit spanne ich den Bogen zur aktuellen Zeit. Es wird also neuerdings, wie eingangs erwähnt, behauptet, dass nur die französische „Schule der Aromatherapie“ wirklich wirksam sei. Leider behaupten das nicht ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen, sondern fast ausschließlich Menschen, die in irgendwelchen Schnell-Lehrgängen oder gar nach Infoabenden à la Plastikschüssel, Aloe vera-Wundermittel, Küchenmaschine und Nahrungsergänzung „Aromatherapie“ glauben „erlernt“ zu haben. Sie blicken in den allermeisten Fällen nicht auf einen pflegerischen oder gar medizinischen Hintergrund, sondern gehen allerlei unterschiedlichen Berufen nach und möchten sich mit Hilfe der nun zu Nahrungsergänzungs- und Lifestylemitteln ‚modernisierten‘ ätherischen Öle Geld dazu verdienen.

Sie haben jedoch oft keinerlei Vorstellungen von physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper. Sie können mit der Pharmakologie der ätherischen Öle nichts anfangen, verwechseln recht harmlose Monoterpenole mit den heftig wirksamen Phenolen. Stattdessen erfinden Sie immer neue kuriose Attribute zu den Ölen wie ‚Kamphoride‘ (sollen in Lemongrass, Myrte und Citronella enthalten sein). Sie haben auch wenig Vorstellung davon, wie viel Pflanzenmaterial sich in einem einzigen Tropfen ätherischen Öles befindet, denn Pflanzen hegen und pflegen, sie zu ernten und schließlich zu destillieren gehört in den wenigstens Fällen zu deren „Ausbildungen“. Sie sind stattdessen felsenfest davon überzeugt, „viel hilft viel“, „ist ja alles Natur“, „Natur schadet nicht“, „laut der französischen Schule wird es ja auch so gemacht“. Der Umsatz, der Gewinn und das Bilden von lukrativen „Schneeball-MitmacherInnen“ stehen im Vordergrund, ähnlich wie bei vielen modischen Nahrungsergänzungsmittel-Firmen.

Eine Kollegin musste beispielsweise mit ansehen, wie aus gut gemeinter Unkenntnis einer Brustkrebs-Patientin empfohlen wurde, mehrere Tropfen unverdünntes Pfefferminzeöl auf die bestrahlte Haut zu geben (es ergab sich eine schlimme Strahlendermatitis, der behandelnde Arzt schlug die Hände über dem Kopf zusammen). Eine naturheilkundlich interessierte Ärztin wandte sich an mich, weil ihr empfohlen wurde, bei Kopfschmerzen jeweils einen Tropfen Pfefferminze ins Auge zu geben, das Öl würde über den Sehnerv zum Kopfschmerz gelangen und diesen dann ausschalten (sie rief nicht etwa an, weil ihre Augen höllisch brannten, sondern weil ihr Kopfschmerz einfach nicht weg ging). Einem Elternteil wurde – durchaus sicher nett gemeint – empfohlen, dass das Kind mit Krupphusten mit einigen Tropfen Wintergrünöl inhalieren solle (wer findet die zwei Fehler??!!!), ein anderes Elternteil bekam den Tipp, bei den Wachstumsschmerzen des Kindes einfach einige Tröpfchen reines Zimtrindenöl auf die Schienbeine einzureiben. Auf fest sitzende Zecken solle reines Pfefferminzeöl gegeben werden. Das sind nur einige Beispiele, die an mich heran getragen wurden.

Arglose, vermeintlich in „französischer Aromatherapie“ „geschulte“ Personen geben solche Empfehlungen meistens wohlmeinend an Menschen mit Beschwerden ab, gerne auch mal mit Hinweisen auf die „böse Pharmaindustrie“, man könne viel besser mit ätherischen Ölen helfen (was bei nicht-akuten Beschwerden sicher auch häufig stimmt!). Noch arglosere Kunden fallen darauf rein und erleiden in nicht wenigen Fällen schwere Hautreizungen. Diese werden manchmal, gerne wieder mit Hinweis auf die „französische Aromatherapie“, vorausgesagt: Die betreffende Person solle sich dann freuen, Rötungen und Blasen seien willkommene Zeichen der Entgiftung. Zu diesem Thema hat sich eine Mitarbeiterin auf Robert Tisserands hervorragender Seite ausführlich geäußert (auf englisch).

Also, mein Fazit ist: JEDE der beiden Richtungen – hochprozentige Anwendung oder Verdünnung wie Kosmetika – haben jeweils ihre Berechtigung. Medizinisch gut geschulte, erfahrene und professionell versicherte Menschen wie ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen können in vielen Fällen durch kurzzeitige und hoch dosierte Anwendungen bei akuten Beschwerden viel erreichen. Die hoch dosierte und regelmäßige innere Anwendung (beispielsweise in Kapseln) sollte auch diesem Berufsfeld vorbehalten werden. Oder zumindest unter Aufsicht und Verantwortung eines Mediziners.

Zur Begleitung bei chronischen Beschwerden oder von Begleitumständen von „schulmedizinisch“ notwendigen Maßnahmen und auch zur Krankenpflege, haben sich 0,5-3%ige Verdünnungen von ätherischen Ölen über die letzten 30-40 Jahre bestens bewährt. Werden Speisen und Getränke mit ätherischen Ölen zubereitet, sollte das nach den zwei bewährten Kochbüchern Duftküche und Aromaküche erfolgen und immer so verdünnt, wie es die Natur uns zeigt: Beispielsweise statt der abgeriebenen Schale einer Zitrone gibt man 2 Tropfen Zitronenöl in den Kuchenteig, statt mehrerer Stängel Basilikum gibt man 0,5%ig in Olivenöl verdünntes Basilikumöl an den Tomatensalat. Wenn also BefürworterInnen jeder Richtung entsprechend ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Umfeld ätherische Öle behutsam, verantwortungsvoll und nachhaltig einsetzen würden, gäbe es weniger Grabenkämpfe und Platzhirsch-Getue in unserer duften Branche, dazu vielleicht weniger Allergien bzw Sensibilisierungen und allen Beteiligten wäre (wirklich) geholfen. 🙂

Wieviel ml Melissenöl stecken in diesem Feld?

Hier wird in muskelzehrender Arbeit Bio-Melisse geerntet

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Und aus dem Inhalt dieses Sackes werden 5 ml Kamillenöl destilliert

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

zitronenöl enthält KEIN vitamin C


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZitrusschalenfrüchte stammen ursprünglich aus Asien. Die Öle daraus werden in der Regel durch Raspeln/Pressen, Wässern, Zentrifugierung gewonnen. Das weiß mittlerweile auch jede DuftanfängerIn. Gute Zitrusschalenöle enthalten Furocumarine, diese verstärken die Lichtausbeute im Menschen bzw auf seiner Haut. Das führt bei nicht sachgemäßer Anwendung (Auftragen vor Sonnenbad oder Solariumbesuch) zu Pigmentflecken oder gar zu schlimmen Verbrennungen (Berloque Dermatitis), insbesondere wenn sie mit Mineralölen gemischt sind. Auch das weiß mittlerweile fast jede DuftanfängerIn.

Jedoch können genau diese ganz besonderen minoritären Inhaltsstoffe (also nur circa 1 Prozent oder gar weniger) auch die Lichtausbeute im Winter beeinflussen, erfahrungsgemäß zumindest (leider habe ich dazu noch keine Studien gefunden). Damit wird ihre stark stimmungsaufhellende Wirkung erklärt, insbesondere bei SAD (Seasonal Affective Disorder), der Lichtmangel-Depression.

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Lieferung, Waschen, Reiben von Zitrusfrüchten, Zentrifugieren von Orangenöl in Brasilien

Beide Öle also, die sehr lichtempfindlich machen, wirken auch antidepressiv (vorausgesetzt sie bleiben naturbelassen, also weder durch Natronlauge furocumarinfrei [FCF] gemacht noch durch Nachdestillation): Bergamotte (Citrus x bergamia Risso u. Poit.), das ist eine enge Verwandte der Zitrone und heißt darum auf englisch bergamot lemon und Limette (Citrus aurantiifolia (Christm.) Swingle.

Leider geistert neuerdings wieder der alte Fehler durch die Ätherische-Öle-Welt, dass Zitronenschalenöl angeblich Vitamin C, also L-(+)-Ascorbinsäure, enthält (allerdings ist im Labor hergestellte isolierte Ascorbinsäure nicht hundertprozentig identisch mit dem natürlich vorkommenden Vitamin C). Auf gewissen Verkaufsveranstaltungen und Videos von Ätherische-Öle-Anbietern wird das jedoch gerne behauptet und dann ständig weiter gebetet. Ätherische Öle enthalten jedoch – wenn überhaupt – nur Spürchen von freien Säuren, denn diese sind wasserlöslich, sie können gar nicht in relevanten Mengen in den fettöslichen /lipophilen ätherischen Ölen enthalten sein. Ascorbinsäure=Vitamin C kann also aufgrund der chemischen Eigenschaften NICHT im naturbelassenen Zitronenduft im Fläschchen enthalten sein.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFlavonoide, diese Jungbrunnen- und Reparatur-Moleküle sind dagegen in Fruchtfleisch UND Schale, damit auch im ätherischen Öl, welches durch Raspeln/Pressung gewonnen wird, enthalten. Es handelt sich um polymethoxylierte Flavone, sie geben den mechanisch gewonnenen Zitrusölen ihre schönen Farben, die wichtigsten Vertreter sind Nobiletin, Tangeritin, Sinensetin und Tetra-O -methylscutellarein*.

Die Zusammensetzung eines typischen Zitronenschalenöles:

Monoterpene

  • 64 % D-(+)-Limonen
  • 15 % β-Pinen
  • 10,5 % γ-Terpinen
  • 2,9 % α-Pinen
  • 0,7 % α-Thujen
  • 1,9 % β-Myrcen
  • Camphen
  • trans-Ocimen
  • Sabinen

Sesquiterpene

  • β-Caryophyllen
  • 0,35 % β-Bisabolen

Monoterpenole

  • Geraniol
  • Nerol
  • Linalool
  • Terpineol-4
  • 0,05 % α-Terpineol

Aldehyde

  • 0,82 % Geranial
  • 0,48 % Neral
  • Citronellal
  • Nonanal, Octanal, Decanal

Monoterpenester

  • 0,27 % Nerylacetat
  • 0,25 % Geranylacetat
  • Citronellylacetat

Andere

  • 1,5 % Cumarine und Furocumarine, z.B.
    0,6 % Bergapten, 0,2 % Bergamottin
  • (farblose) Carotinoide, polymethoxylierte Flavone

insgesamt circa 100 unterschiedliche Moleküle

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie Urahnin der heute bekannten Zitrone ist übrigens die größere Ur-Zitrone oder Zedrat (Citrus medica), die als Medizinalpflanze ein hohes Ansehen genoss. Das ätherische Öle daraus riecht himmlisch zitronig, es wird nur von wenigen Anbietern verkauft. Ich habe in Brasilien Zedratfrüchte geerntet, die groß wie Honigmelonen waren, ihre Schale ist oft zerfurcht und superdick, es ist so gut wie kein Fruchtfleisch mit Saft enthalten. Das zur Weihnachtszeit beliebte Zitronat wird aus diesen dicken, wochenlang in Salzlake eingelegten Fruchtschalen hergestellt.

Auf diesem kleinen Video vom großen italienischen Zitrusöl- und Zitrussafthersteller Fratelli Indelicato (klick!) kann man das Abraspeln der Schalen gut sehen. Auch auf Wikipedia findet man Interessantes zur alten Medizinalzitrone.

* laut Prof. Dr. Elisabeth Stahl-Biskup, Universität Hamburg: ‚Die Chemische Extravaganz der Zitrusfrüchte‘ in Forum Essenzia, Heft Nr. 26 (2004); für Mitglieder von Forum Essenzia gibt es dieses hervorragende Heft als E-Paper, als „echte“Ausgabe ist es leider vergriffen.

heuschnupfen: JETZT vorsorgen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFast jedes Jahr im Herbst erinnere ich meine LeserInnen an die Vorzüge der wunderbar samtig-holzig duftenden Öle der beiden echten Zedernarten. Die Himalaya-Zeder [Cedrus deodara (Roxb. ex D.Don) G.Don.] ist eine enge Verwandte der Atlas-Zeder [Cedrus atlantica (Endl.) Manetti ex Carrière]. Diese Methusalems unter den Bäumen können weit über 1000 Jahre alt werden – es sind auch einzelne Prachtexemplare mit über 2000 Jahren bekannt – zudem ist die majestätisch wirkende Zeder einer der ganz großen und unübersehbaren Bäume. Ich nenne beide sehr ähnlichen Öle die „Stark-wie-ein-Löwe-Öle“. Zedern sind übrigens mit den Kiefern, Fichten, Tannen und Lärchen verwandt, doch anders als bei jenen, werden nicht die Nadeln sondern die Holzstückchen destilliert, so dass es von besonderen Sesquiterpenen und deren Abkömmlingen geprägt wird.
Zedernöl wirkt stabiliserend und kräftigend, sowohl körperlich als auch im seelischen Bereich. Es stimuliert die Aktivität der Lymphgefässe, wirkt der Steinbildung entgegen und wird wegen seiner lipolytischen („fettauflösend“) Fähigkeiten Cellulitemischungen beigegeben.
Verblüffende Erfolge erzielt man mit einer rechtzeitig begonnenen Anti-Heuschnupfen-Maßnahme: Acht bis zehn Wochen vor Beginn der Pollenflugsaison verwendet man mehrmals täglich ein Dekolleté-Spray und fast alle Benutzer berichteten bislang von deutlich weniger Juckreiz, Schniefen und Augenbrennen. Es wird wie ein Raumspray, jedoch in Kopfnähe, versprüht, so dass man etwas davon einatmet.
In der Psycho-Aromatherapie hat das fast ewig haltbare Öl mit dem Thema „Präsenz im Hier und Jetzt“ zu tun, es unterstützt große und kleine Menschen, die sich mickrig und fehl am Platz fühlen. Es ist auch ein wertvoller Begleiter bei jeder Art von Wechsel und Neubeginn: Umzug, Schulwechsel, Partnerschaft, Beruf, Schwangerschaft. Der Inhaltsstoff Atlanton ist ein Sesquiterpenketon und kann nicht als schädigend bezeichnend werden, somit ist die Anwendung in der Schwangerschaft – im Gegensatz zu dem, was in vielen Büchern zu lesen ist – kein Problem. Die veralteten Warnungen kamen durch eine Verwechslung mit den amerikanischen „Zedern“ (Red Cedar) zustande, die vereinzelt neurotoxisch wirken können.

Ein Rezeptbeispiel, da bereits sehr viele Heuschnupfengeplagte überzeugen konnte:
50 ml Wodka
20 Tropfen Zypressenöl
10 Tropfen Zedernholzöl
2 Tropfen Melissenöl
Alles in einer Sprühflasche aus lichtgeschütztem Glas (Apotheke) gut verschütteln, vor jedem Versprühen immer wieder gut schütteln, da kein Emulgator die Mischung stören soll. Mehrmals täglich um sich herum versprühen, etwas davon einatmen und/oder auf die Haut geben. Diese Ölmischung kann freilich auch mit einen guten fetten Öl hergestellt werden und als Körperöl verwendet werden.

wissenschaftler belegen und warnen


Es geht weiter mit der Zusammenfassung der vielen wundervollen und hochkarätigen Vorträge, die auf der Botanica2016 in Brighton zu hören waren.

1_valerie_edwards_jones_xsDie den Insidern unserer Branche bekannte Professorin für Mikrobiologie Valerie Edwards-Jones (Universität Manchester, GB) eröffnete den Samstag-Vormittag. Sie ist Spezialistin für resistente Mikroorganismen, ein Thema, das jedes Jahr bedrohlicher wird. Seit 1987 gab es keine Neuentdeckungen mehr auf dem Feld der Antibiotika, allenfalls nur Modifikationen der bekannten Mittel. Sie erinnerte daran, dass der Entdecker des ersten Antibiotikums (Penicillin 1928) Sir Alexander Fleming (1818-1955) kurz nachdem er 1945 dafür den Nobelpreis erhielt warnte: „The time may come when penicillin can be bought by anyone in the shops. Then there is the danger that the ignorant man may easily underdose himself and by exposing his microbes to non-lethal quantities of the drug make them resistant.“ („Es könnte die Zeit kommen, in der Penicillin für jedermann in den Geschäften erhältlich sein wird. Dann besteht die Gefahr, dass der ungebildete Mensch es unterdosiert anwenden wird und somit seine Mikroben nicht-tödlichen Mengen des Medikamentes aussetzt und sie dadurch resistent macht.“) [Seine Rede zur Verleihung des Preises ist hier runterzuladen]

Val Edwards-Jones geht davon aus, dass wenn nicht ganz bald hoch wirksame neue bakterienhemmende Mittel entdeckt werden, sehr viele medizinische Errungenschaften wie Transplantationen und Krebstherapien nicht mehr möglich sein werden, denn diese konnten nur so erfolgreich werden, weil sie unter dem Schutz von Antibiotika stattfanden. Sie berichtet, dass die momentane Situation bereits fatal sei („dire“) und dass sie deswegen nach neuen Wegen suche, sie sei ein bisschen ein „Hippie“ und würde jenseits der abgetretenen Wege denken. Darum beschäftige sie sich seit vielen Jahren mit ätherischen Ölen, über deren antimikrobielle Wirksamkeit sie bereits zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht hat. Sie arbeitet an einer Kampagne, die folgende Ziele hat:

  • Das Wissen zu diesem Themenbereich zu vertiefen und die mikrobiellen Resistenzen besser zu verstehen
  • Erhalten und verwalten der Wirkung der existierenden Behandlungsmöglichkeiten
  • Die Entwicklung neuer Antibiotika, der Diagnosen und neuer Behandlungsansätze fördern

Sie hatte sich bereits ausführlich mit den vielfältigen antimikrobiellen Wirkungen von Teebaumöl beschäftigt, doch kam sie nicht weiter, da die Finanzierung nicht ausgebaut werden konnte, man benötigt circa 1 Million Pfund (Dollar, Euro etc), um ein schlüssiges Experiment bis zur Veröffentlichung durchzuführen. Ähnlich wie manche andere Wissenschaftler erwähnt sie, dass Einzelstoffe aus Teebaumöl toxischer wirken als das gesamte ätherische Öl. Aus ihrer Erfahrung

  • wirken Mischungen besser als Einzelöle
  • wirken Dämpfe der ätherischen Öle in vielen Fällen genau so gut wie direkt aufgetragene Öle

Sie führte beispielsweise 2009 eine Studie zur erfolgreichen keim-sanierenden Raumbeduftung mit Lemongrass- und Rosengeranienöl durch [Vapour-phase activities of essential oils against antibiotic sensitive and resistant bacteria including MRSA, diese Arbeit kann hier kostenlos herunter geladen werden]. Demnächst erscheint dazu als eine Art Neuauflage die Studie ‚Reducing airborne bacteriae in a hospital burns unit using essential oil vapours‘. Interessant fand ich ihre zusammenfassende Feststellung, dass der intensiv mit ätherischen Ölen beduftete Raum ganz drei Monate brauchte, um wieder in dem ursprünglichen verkeimten Zustand zu sein. Was wir jedoch eher nicht tun: Sie lässt die Beduftungsmaßnahmen mehr oder weniger nonstop laufen, die Geräte werden nur ausgestellt, wenn die PatientInnen mit den Gerüchen ganz und gar nicht klar kommen. Ähnliche Erfahrungen hat sie auch bereits aus Gewächshäusern, wo auf diese Weise die Tomatenfäule unterbunden werden konnte.

Sie erläuterte auch kurz ihre MRSA-Arbeit von 2004, die ich bereits in meinem Fachbuch und im Kapitel über Studien im Aromapflege Handbuch erläuterte, die verwendeten Öle waren Lavendel, Patchouli, Teebaum, Rosengeranie und Grapefruitkern-Extrakt [The effect of essential oils on methicillin-resistant Staphylococcus aureus using a dressing model].

1_sandy_vanvuurenDie nächste Sprecherin Sandy van Vuuren ist Professorin der Pharmazie an der Universität Witwatersrand in Südafrika. Auch sie präsentierte antiinfektiöse Eigenschaften von ätherischen Ölen, vor allem in Kombination miteinander. Sie unterscheidet dabei synergistische und additive Effekte, sowie nicht-interaktive und antagonistische Wirkungen. Da sie unglaublich viele komplexe Grafiken schnell aufeinander folgend zeigte, war ich etwas überfordert, doch zwei wichtige Dinge habe ich notiert:

  • Der Haupt-Inhaltsstoff (Leitsubstanz) eines ätherischen Öles ist NICHT immer für die Hauptwirkung verantwortlich, das hat ihr Team ausgiebig nachgewiesen.
  • Einige Trägeröle verstärken die therapeutische Wirkung von ätherischen Ölen, besonders bei Infektionen der Haut, beispielsweise Aloe vera-Öl, Calendulaöl (Ringelblume), Johanniskrautöl, Aprikosenkernöl, Jojobaöl (Wachs) und insbesondere Avocadoöl. Die ätherischen Öle von Patchouli (Pogostemon cablin), Melisse (Melissa officinalis) und Ylang Ylang (Cananga odorata) wirkten in diesem dermatologischen Bereich besonders gut.

Sandy van Vuuren stellte noch etliche südafrikanische Pflanzen vor, vor allem Lippia javanica (Fever tea) mit 62% Linalool und Artemisia afra, eine lokale „Allheilpflanze“, die unserem Wermut sehr ähnlich ist, die bei Erkältungen, Husten und Magenbeschwerden eingesetzt wird. Ihr Team hat herausgefunden, dass diese Artemisia-Art gut zur Ergänzung mit Tetracyclinen (Breitband-Antibiotikum) geeignet ist, jedoch die Wirkung von Amphotericin B (Antimykotikum) aufhebt.

1_Takae_Ebihara.jpgÜber die sensationellen Erkenntnisse der folgenden Wissenschaftlerin, Takae Ebihara aus Japan, berichtete ich bereits in den Urzeiten dieser meiner Blog-Seite (2009). Sie ist Ärztin und Professorin für Geriatrische Medizin an der Tohoku Universität in Tokyo. Ich schrieb damals über die Vorsorge vor Lungenentzündungen (Aspirations-Pneumonie) bei sehr alten Menschen mit Schluckstörungen (teils aufgrund von neurologischen Ausfallserscheinungen), freilich nicht ahnend, dass ich vor einigen Tagen – nach dieser Konferenz in Brighton – nach Deutschland fliegen musste, um die sterblichen Überreste meines Vaters beizusetzen, der sehr alt an Lungenentzündung gestorben war, kein Antibiotikum hatte mehr helfen können. Insofern berührte mich das Kennenlernen dieser engagierten Wissenschaftlerin ganz besonders. Capsaicin, Pfefferöl und Pfefferminzeöl (bzw. Menthol) helfen, beispielsweise vor dem Essen  sanft dosiert in Form eines Gelatine-Puddings eingenommen, den Schluckreflex dahin gehend zu stimulieren, dass er wieder zuverlässiger arbeitet. Menthol stimuliert die TRPM8-Rezeptoren, das haben einige von uns bereits bei Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt gelernt. Die „Reizung“ mit Pfefferöl, das in der destillierten Form keinerlei Scharfstoffe enthält, wird auch für Kinder mit Schluckstörungen empfohlen. Man hat eine Art Duft-Schmuck entwickelt, der um den Hals der alten Bewohner gehängt wird, der duftende „Kettenanhänger“ sondert die hilfreichen Duftmoleküle kontinuierlich ab.

Lavendel und Grapefruit verhalfen alten Menschen im international standardisierten ‚Timed up and go test‘ (TUG), sich koordinierter zu bewegen und somit weniger sturzgefährdet zu sein, damit können fatale Brüche wie des Oberschenkelhalses vermieden bzw reduziert werden. Bei der anschließenden Frage-Runde der begeisterten Zuhörer, fragte jemand, ob sie diese sensationellen (und doch so einfachen) Anwendungen bereits weit in Japan verbreiten konnte. Als sie dies – sehr bescheiden – verneinte, und sagte: „I struggled to spread my method in Japan“ (ich kämpfe [dafür], meine Methode in Japan zu verbreiten), sagte die fragende Person laut und anerkennend „You are a pioneer!“ (Sie sind ein Pionier!)

Der Psychologe Dr. Mark Moss von der Northumbria University (GB) sprach vor der Mittagspause über Rosmarinöl und das prospektive Gedächtnis, ich schrieb über seine Arbeiten im Mai dieses Jahres (hier). Vor ihm berichtete der französische Kinderarzt Luc Marlier über den Einfluss von Gerüchen auf das Wohlbefinden und die Überlebensrate von früh geborenen Babys. Er zeigte einen Videoclip in dem wir  erkennen konnten, dass ein Frühchen eindeutig auf einen schlechten Geruch reagieren kann (Buttersäure), dem das Kind für 10 Sekunden (auf einem Wattestäbchen wenige cm vor der Nase) exponiert war. Der Gesichtausdruck zeigte Missempfinden, vielleicht sogar Entsetzen, jedenfalls Unruhe. Ganz anders reagiert das winzige Menschlein, wenn es einen Hauch echter Vanille zu schnuppern bekommt. Entspannung der Gesichtszüge und kleine Schmatzerchen sind die nonverbale Sprache. Leider bekommen hospitalisierte Babies täglich, ggfs über wochenlang, einen erschreckenden Cocktail an chemischen, teils stechenden Gerüchen, zugemutet. Dahingegen konnte beobachtet werden, dass ein zarter Wohlgeruch die Gefahr der Atemaussetzer (Apnoe) deutlich reduzieren kann. Ganz ohne die üblichen Gaben an Koffein/Theophyllin. Da ich letztes Jahr darüber in der Neuauflage meines Fachbuches geschrieben habe, möchte ich hier noch nicht allzu viel verraten (leider verzögert sich die Fertigstellung immer noch).

botanica2016 – ein erster rundgang


Gut vier wissensreiche Tage auf der sensationellen Aromatherapie- und Phytotherapie-Konferenz Botanica2016 im wunderschönen Seebad Brighton (keine Stunde südlich von London) liegen hinter mir. Anschließend wurde ich noch zu einer Gin-Destillation bei Bombay Sapphire in der Nähe von London eingeladen, ein Drink voll mit aromatischen Kräutern, Wurzeln und Fruchtschalen.

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Das berühmte Pier von Brighton, die schöne Stadt mit einer Art Taj Mahal, einer fast französisch anmutenden Strand-Promenade, mit einem gläsernen Fahrstuhl „in den Himmel“, wurde einst das „London am Meer“ genannt

Ich habe 48 voll geschriebene Seiten vor mir, muss die vielen Themen und Erkenntnisse erst einmal sortieren. Die Gespräche mit etlichen der engagierten KollegInnen aus 46 Ländern waren hoch inspirierend. Es waren insgesamt fast 400 Menschen dort, 25 Sprecher berichteten uns von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. 12 BewerberInnen für ein „Stipendium“ konnten angenommen werden und konnten kostenlos an der großen Veranstaltung auf dem sehr sympathischen Campus der Universität Sussex teilnehmen. Auch konnten wieder VertreterInnen von drei kleinen Destillationsbetrieben aufgrund vorher eingesammelter großzügiger Spenden anreisen und sowohl ihre wertvolle Arbeit als auch ihre Düfte vorstellen.

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Brighton: Geheime Gärten, Häuser und Mauern aus Feuerstein und Sinn für Humor

Was mir in der englischsprachen Aromatherapie-Welt sehr gut gefällt, ist dass die Pflanzen fast immer im Mittelpunkt stehen. Im deutschsprachigen Bereich schleicht sich leider immer mehr ein allopathisches Denken ein, man will die schnelle Lösung gegen eine Krankheit oder gegen einen Zustand, man besteht auf konkrete Rezepturen, Tropfen aus braunen Fläschchen werden abgezählt und angewendet. Die Pflanze(n), von der der entsprechende Duftstoff gewonnen wird, interessiert oft nicht besonders, man hat sich selten ausführlich damit befasst, man weiß sehr häufig gar nicht, ob das verwendete ätherische Öl von einem Baum, aus Blüten oder aus Zweigen destilliert wird. [Freilich gibt es Ausnahmen!]

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Rhiannon Lewis

Veranstalterin und Gastgeberin Rhiannon Lewis, sie ist Herausgeberin des International Journal of Aromatherapy und betreibt eine Schule für Klinische Aromatherapie im Süden Frankreichs, betont regelmäßig, dass mit dieser Veranstaltung, die zum dritten Mal statt fand, die Pflanzen gefeiert und geehrt werden sollen. So hat sie viele international anerkannte ReferentInnen eingeladen, die dieses Thema aus unterschiedlichen Disziplinen vertiefen und beleuchten. Rhiannon betonte ganz zu Beginn der Konferenz, an diesen drei Tagen gehe es nicht um’s Ego. Ich finde es spannend, wie gut das Miteinander und das immer sehr bescheidene Auftreten aller Beteiligten einmal wieder funktioniert hat.

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Shirley Price

Und so ehrte Rhiannon gleich zu Beginn ihre „alten“ Lehrer Shirley und Len Price, die sicherlich zu den herausragendsten, engagiertesten und prägendsten Persönlichkeiten unserer Branche gehören. Fit wie eine Libelle erzählte Shirley dann aus ihrem langen Leben: Wie sie nach einer Zeit als Koch-Lehrerin und Friseurin aufgrund der schweren Arthritis ihrer Mutter zu den heilenden Düften kam. Es gab standing ovations (alle standen zum Beifall auf). Ich selbst machte übrigens mein Diplom ihrer Schule SPICA im Jahr 1990, lernte sie erst etwas später persönlich kennen und durfte vor einigen Jahren für ihr und Len’s Fachbuch einen Abschnitt über deutschsprachige Aromatherapie beitragen.

Der Freitag Vormittag widmete sich in eindrücklicher und teils sehr bewegender Weise den Heilpflanzen. Die sympathische Phytotherapeutin Alex Laird eröffnete diese Reihe von Vorträgen, sie hat die gemeinnützige Organisation Living Medicine mit gegründet, um Menschen aufzuzeigen, wie sie täglich Pflanzen als Nahrung verwenden können und möglichst oft als Medizin. Die engagierte Phytotherapeutin mit wissenschaftlichem Hintergrund ist gerade auf dem Weg, eine Art „Garten der Kulturen“ in London zu verwirklichen, wo Menschen möglichst preiswert oder gar kostenfrei lernen können, wie sie die Vielfalt der Pflanzenwelt nutzen und schützen können.

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Website mit sehr ästhetischen Fotos von AS Apothecary

Die nächste Vortragende war die lokale Destillateurin Amanda Saurin von AS Apothecary, die den anschaulichsten Vortrag über das, was wir uns jeden Tag mit chemischer „Kosmetik“ antun, den ich je hörte, hielt. Sie ließ einfach 21 Personen auf die Bühne kommen, diese repräsentierten die 21 Produkte, die sich jeder Mensch jeden Morgen auf die Haut gibt: Duschgel, Zahnpasta, Lippenstift, Haargel, Deo etc. Jeder bekam eine Liste der Inhaltsstoffe von jeweils einem wohl bekannte Beauty- und Pflege-Produkt eines großen Kosmetikkonzerns in die Hand und auf ein Kommando wurden diese INCI-Wörter laut vorgelesen. Dieser grauenhafte Wortsalat stand für die vielen Moleküle, mit denen unser Körper sich NUR in einem Bereich auseinander setzen muss (von Waschmitteln, Nahrungsmittel-Zusatzstoffen und anderen Chemikalien ganz zu schweigen). Nach diesen zwei Minuten brauchte die sympathische Amanda nicht mehr viel zu erklären! Sie erinnerte uns jedoch daran, dass wir heutzutage ein Leben durch die Linse und durch den Bildschirm leben, wir sind ziel-orientiert und leben zu wenig im Moment. Wir müssen uns wieder mit der Natur verbinden und vor allem in die Kraft der Pflanzen vertrauen lernen. Auch appellierte sie an die Verwendung von lokal und in kleinen Mengen erzeugte Heilpflanzen, denn „wenn Produkte durch eine Maschine entworfen und produziert werden, sind sie für eine Maschine gedacht. Wenn du Produkte mit den Händen erschaffst, dann sind sie hilfreich für menschliche Wesen. Setze dich gegen die Uniformität von Produkten und Menschen ein, traue dich, anders zu sein!“ Ihre sehr ästhetische Website und erst recht ihre traumhafte Galerie bei Instagram untermauern diesen den Natur ehrenden und individuellen Manufaktur-Gedanken, die künstlerischen Fotos werden von zwei Fotografinnen beigesteuert, beispielsweise hier von einer Rosendestillation.

Die nächste Vortragende kam nicht „live“ sondern in Form eines Videos und erklärte warum. Jane Bucke, die zweite „Grande Dame“ der Aromatherapie steht nicht mehr für Veranstaltungen der Aromatherapie-Welt zur Verfügung, sie möchte nur noch leben und vor allem für ihre Enkel da sein. Ihr Vortrag „lessons learnt“ beschreibt ihren Weg, ihre Fehler, ihre Herausforderungen, ihre Forschungen und ihre Pionierarbeit in Sachen klinischer Forschung mit ätherischen Ölen. Jane hat ihre Schule R J Buckle sowie die Rechte an ihrer hilfreichen Anwendungs-Technik für ätherische Öle bei ganz fragilen PatientInnen namens M-Technique im März 2016 verkauft, beides wird nun von ihrer langjährigen Dozentin Carol Scheidel geleitet und organisiert. Ein bisschen traurig und wehmütig betrachtete ich die letzte originelle Szene der Videobotschaft, in der Jane auf einer Art Kinderkarussel sitzt und davon reitet.

Wir bekamen vor der Teepause ein kurzes bewegendes Video der deutsch-französischen Phytotherapeutin Julia Graves zu sehen, sie hatte auf der vergangenen Botanica2o14 über die katastrophalen Nach-Erdbeben-Zustände auf Haiti berichtet und wie sie und ihr Team völlig unbürokratisch regelmäßig dort eine „Busch-Sprechstunde“ abhalten. Inzwischen hat sich die Situation sogar verschärft, so dass es immer schwieriger wird, die nach der 2014-Konferenz großzügig gespendeten ätherischen Öle, Pflanzenheilmittel und Fläschchen überhaupt an den Ort des Geschehens zu bringen. Als Weißer ist man dort nicht mehr sicher, so dass Julias gut instruierte dunkelhäutige Mitarbeiter die dringend NOT-wendige Hilfsarbeit irgendwie fortführen. Einige meiner LeserInnen sind meinem Spendenaufruf von vor zwei Jahren wohl gefolgt und so wurde uns auf einer Folie gedankt: „Eliane Zimmermann und ihre Studentinnen“ stand drauf. Hier steht mein Artikel von 2014 über die Arbeit von Julia Graves zum Nachlesen und Erinnern.

Die Gründerin der vielleicht bekanntesten Aromatherapie-Schule der USA, Andrea Butje von Aromahead, präsentierte im Folgenden drei engagierte kleinere Destillateure, denn es ging bereits in den vergangenen Konferenzen insbesondere darum, diesen kleinen Manufakturen eine Chance zu geben, bekannter zu werden. Und freilich auch damit die VerwenderInnen der Öle und Hydrolate die Möglichkeit erhalten, an sehr authentische und genuine ätherische Öle und an unverfälsche Hydrolate – ohne dass die ätherischen Öle abgezogen werden – zu kommen. Alle drei bekamen die Reise nach Brighton gesponsert und all drei waren überaus sympathische und bescheidene Persönlichkeiten. Zunächst sprach Claire Licher von PhiBee Aromatics aus Sedona im heißen Süden der USA. Ihr Mann Max ist nicht nur Botaniker und Farmer, sondern auch passionierter Pflanzen-Fotograf, und so bekamen wir einen wundervollen Rundgang durch den Alltag der beiden, sie destillierten bereits 80 unterschiedliche Pflanzen. Allein sieben unterschiedliche Wacholder-Öle konnte man an Claires Stand schnuppern (viele zederartige Bäume gehören der Gattung der Wacholder an). Die beiden haben eine Lizenz der lokalen Forstbehörden, ressourcenschonend wild wachsende Pflanzen zu sammeln und zu verarbeiten.

Die nächste Vortragende Janina Soronsen von Wild Herbs of Crete (auf Kreta) hat sehr eindrucksvoll an die Verwendung von wild gesammelten Heilpflanzen appelliert, mir sind ihre unter die Haut gehenden Worte noch sehr lebendig im Gedächtnis. Sie zeigte eine eintönige Landschaft mit unendlich vielen geklonten und zum Bald-Wegwerfen gezogenen Lavandin-Pflanzen in Süd-Frankreich und stellte dafür die Landschaft vor, in der sie und ihr Mann Babis die hier und da sowie dick und gesund wachsenden Heilkräuter sammelt. Diese Massen-Monokulturen versklaven die Pflanzen, sie können nicht mehr miteinander kommunizieren und sich helfen, brauchen darum viel Chemie , um sie in diesen „Intensivstationen“ einigermaßen lebendig zu halten und für eine viel zu kurze Lebensspanne hoch produktiv. Sie dürfen ausschließlich für menschliche Bedürfnisse leben und nicht für sich selbst. Und der Mensch bemerkt in de meisten Fällen noch nicht einmal, dass dieser Raubbau an der Natur schon bald  (oder schon jetzt) zu einer erschreckenden Verarmung von Vielfalt führt, auch klimatische Veränderungen hat er zu verantworten und laut Janina sogar psychische Störungen.

Auch diese engagierte Pflanzen-Liebhaberin appellierte daran, sich gegen die Eintönigkeit und Uniformität Massen-„Heilmitteln“ einzusetzen, Pflanzen nicht millionenfach zu klonen, sie zu achten und zu ehren, ihnen Raum zu geben sich zu entfalten, Heilmittel von kleinen Produzenten zu verwenden. Janina Sorensen: „Wir müssen mehr über Pflanzen-Ethik nachdenken, denn sie sind eine Lebensform, mit der wir diesen Planeten teilen! Wir müssen uns aktiv für Pflanzen einsetzen und für ihr Recht, wild und frei zu wachsen, kämpfen! Wir sind NICHTS ohne Pflanzen“ Ihr kleiner Webshop ist nicht mit den letzten technischen Schnickschnacks ausgestattet, doch es lohnt sich, mal rein zu schauen, man wird mit einzigartigen ätherischen Ölen belohnt. Vor allem bekommt man bei Janina und Babis das seltene, dopaminerg wirkende ätherische Öl des Mönchspfeffer PMS, Menopausen-Symptome, Restless legs etc) und das sensationell adstringierend wirksame Öl der Zweiges des Mastix-Strauchs (bei Krampfadern, Hämorrhoiden, Zahnfleischproblemen etc).

frankincense_tree_by_boswellness

Weihrauchbaum in Somalia, aus dem Film über Boswellness

Bei der letzten Referentin des Freitags Jamie Garvey und ihrem somalischen Ehemann Mahadi Ibrahim von Boswellness in den USA geht es vor allem um mehr Verantwortung und fairere Bezahlung der Ärmsten unter den Armen im Weihrauch- und-Myrrhe-Business in Somalia. Die lokale Bevölkerung wird für die mühsame Arbeit des Sammelns der Harztränen dieser Bäume schlecht behandelt und bezahlt, dadurch sind die Bäume immer mehr gefährdet. Denn sie werden regelrecht ausgeblutet, um etwas mehr Gewinn zu bringen. Die jungen Destillateure klären die somalischen Sammler auf, die Bäume ihrer Region wieder wie deren Ahnen zu achten, sie nur behutsam anzuzapfen, damit auch spätere Generationen noch davon leben können. Jamie und Mahadi sind die ersten, die in der USA eine biozertifiziertes Weihrauchöl- und Hydrolat anbieten, auch wenn Weihrauch- und Myrrhebäume nicht tauglich für Plantagenanbau sind, sie können so gut wie nicht umgepflanzt werden (das ist sicher auch gut so und macht beide Öle so wertvoll!). Das junge Team, es arbeitet bereits mit einigen Wissenschaftlern zusammen, sieht sich als Brücke zwischen den eigentlichen Bewahrern dieser somalischen Kostbarkeiten und dem Handel mit diesen hoch wichtigen ätherischen Ölen, beide beherbergen ein unglaublich wichtiges Potenzial wie die Reduktion von Tumoren; die Leute von Boswellness suchen noch mehr Unterstützer und Investoren, sie würden gerne auch direkt in Somalia eine Destille aufbauen. Bäume in Somalia, die Ernte und der Hintergrund der kleinen Firma ist auf einem sympathischen kleinen Video zu sehen.

PS. Ich werde noch mehr über die zwei weiteren Tage der Konferenz berichten.

dufte interviews für einsteigerInnen


Doris_Karadar_Welt-im-WandelWer gerne mal ein ansprechendes Interview über grundsätzlich zu beachtende Dinge bei der Aromatherapie und Aromapflege anschauen möchte, wird seine Freude mit Doris Karadar haben. Die langjährige Gründerin und Inhaberin eines gut gehenden großen Reformhauses in Süd-Tirol gehört wie ich zu den „alten Hasen“ unserer duften Materie, sie hat bereits eigene schwere gesundheitliche Katastrophen erfolgreich naturheilkundlich behandeln können und sprüht nun nur so vor Lebensfreude. Zum 32-Minuten-Video „Welt-im-Wandel“ mit Wulfing von Rohr, dem ich auch schon einmal begegnet bin, geht es hier, zu Doris‘ Website geht es hier.

Anja_Ahl_NDR_Video.jpgEine weitere sehr engagierte Bekannte, die Heilpraktikerin und Krankenpflegende Anja Ahl aus Hamburg, darf in der NDR-Sendung ‚Visite‘ auch kurz etwas zur korrekten Anwendung von ätherischen Öle berichten. Klar, dass so ein Beitrag im Mainstream-Fernsehen erstmal mit Befragungen startet: „Man muss halt dran glauben…“ Danach berichtet jedoch der Berliner Professor und Arzt für Naturheilkunde Dr. Andreas Michalsen zur studienbelegten Wirkung von Pfefferminzeöl. Das 7-Minuten-Video ist leider nicht mehr verfügbar [„Das mit diesem Video verbundene YouTube-Konto wurde aufgrund mehrerer Meldungen Dritter über Urheberrechtsverletzungen gekündigt. Das tut uns leid.“] Zu Anjas Website geht es hier. Prima, ihr zwei Damen, gut gemacht!