auch darmkrebszellen reagieren auf riechmoleküle


RUB Duftforschung - neue Riechrezeptoren in menschlichen Hautzellen

Prof. Dr. Hatt ist regelmäßig ein spannend vortragender Gast auf Aromatherapie-Konferenzen, hier schnuppert sich durch Düfte

Regelmäßig hören wir von neuen Erkenntnissen vom kreativen Team von Zellphysiologen rund um Professor Hanns Hatt. Zusammen mit Dr. Lea Weber ging es um Darmkrebszellen, welche durch die Begegnung mit dem Riechstoff des Lisgusterstrauches anfangen zu schrumpfen (viele haben den Liguster zu Hause als Hecke, alle Harry Potter-Fans wissen, dass er im Ligusterweg 4 wohnt 😉 ) [im Dezember 2016 ging es hier um die Entdeckung dieses Teams von Wissenschaftlern, dass Caspaicin das Wachstum von Bruskrebszellen dämpft]. Die aktuelle Pressemeldung der Ruhr-Universität Bochum:

RIECHREZEPTOREN
Neue Angriffsziele in Darmkrebszellen entdeckt

Diese Ergebnisse aus der Riechforschung könnten zu einem weiteren Therapieansatz verhelfen.
Das Wachstum von Darmkrebszellen lässt sich mit dem Duftstoff Troenan bremsen. Das berichten Forscher um Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt und Dr. Lea Weber von der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift „PLOS One“. Die Wissenschaftler entdeckten in Tumorzellen aus dem Enddarm den Riechrezeptor OR51B4. Sie analysierten, welcher Duftstoff den Rezeptor aktiviert und wie sich die Aktivierung auf die Zellen auswirkt.

Das Team vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie kooperierte für die Studie mit der Abteilung für Molekulare Gastroenterologische Onkologie der Ruhr-Universität, die Prof. Dr. Stephan Hahn leitet. Die erforderlichen Gensequenzierungen führte das Team vom Cologne Center for Genomics durch.

Ligusterblüte_xs

Die Blüte von Ligustrum vulgare

Blütenduft aktiviert Rezeptor
Riechrezeptoren wurden bereits in verschiedenen gesunden Geweben und Krebsgeweben nachgewiesen. Nun fanden die Bochumer Forscher den Rezeptor OR51B4 in großen Mengen in Darmkrebszellen. Sie identifizierten das Molekül Troenan als Aktivator für OR51B4. Es duftet nach Liguster, einer Strauchpflanze, die häufig als Hecke genutzt wird.

Im nächsten Schritt behandelten die Wissenschaftler Krebszellen der Zelllinie HCT116 und Tumorgewebeproben von Patienten mit Troenan. Das Ergebnis: Die Zellen wuchsen nicht mehr so schnell und bewegten sich langsamer als zuvor – ein Hindernis für die Bildung von Metastasen. Außerdem starben durch die Troenan-Behandlung vermehrt Krebszellen ab. In weiterführenden Experimenten mit Mäusen, die den menschlichen Tumor ausbildeten, konnten die Duftwirkungen inzwischen bestätigt werden.

Potenzieller Ansatz für Therapie
Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung, an der mehr als sechs Prozent aller Deutschen im Laufe ihres Lebens leiden. Bei dem in der vorliegenden Studie verwendeten Material handelte es sich um kolorektale Tumoren, die 95 Prozent der bösartigen Darmtumoren ausmachen und die häufigste Ursache für Todesfälle durch Darmkrebs sind. Die Heilungschancen, wenn Ärzte einen solchen Tumor chirurgisch entfernen, liegen bei 50 Prozent. Sie hängen entscheidend vom Krankheitsstadium ab, in dem der Darmkrebs entdeckt wird. Eine gezielte pharmakologische Behandlung gibt es bisher nicht, nur die allgemeine Chemotherapie.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Ergebnisse einen neuen Ansatz für die Darmkrebstherapie ermöglichen könnten“, sagt Hanns Hatt. Die Tumoren seien häufig vom inneren Hohlraum des Darms zu erreichen. „Daher ist denkbar, dass eine orale oder rektale Aufnahme den Duftstoff Troenan in den wirksamen Konzentrationen direkt an den Tumor bringen würde. Hierzu sind allerdings noch klinische Studien mit Patienten notwendig“, so Hatt weiter.

Die Originalveröffentlichung vom 8. März 2017 in PLOS One: Lea Weber, Klaudia Al-Refae, Juliane Ebbert, Peter Jägers, Janine Altmüller, Christian Becker, Stephan Hahn, Günter Gisselmann, Hanns Hatt: Activation of odorant receptor in colorectal cancer cells leads to inhibition of cell proliferation and apoptosis (hier kann sie gelesen und runtergeladen werden). Abbildung Prof. Hatt: Ruhr-Universität, Abbildung Liguster: Andrew Butko

ätherische öle bei vermindertem speichelfluss wegen karzinombehandlung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIn einer kleinen randomisierten, kontrollierten Studie bei Patienten die an differenzierten Schilddrüsenkarzinomen litten, konnte gezeigt werden, dass die Inhalation mit einer Mischung aus Zitronenschalenöl (destilliert) und Ingweröl den gestörten Speichelfluss anregen konnte. Somit konnte sich die Ernährungssituation der Patienten verbessern.

Es handelte sich um 71 japanische PatientInnen, die Probleme mit dem Speichelfluss nach der der Entfernung der Schilddrüse und der danach üblicherweise folgenden Radiojodtherapie (RJT/RIT) hatten. Diese unangenehme bis sehr schmerzhafte Folge der Behandlung tritt bei 11 bis 67 Prozent der erkrankten und behandelten Menschen auf (Sialadenitis).

Die zufällig ausgewählten PatientInnen wurden zwischen Juni 2014 und März 2016 rekrutiert und dann in zwei Gruppen eingeteilt (35 bzw 36 Personen;25 Frauen, 10 Männer). Statistisch gesehen erkranken mehr Frauen als Männer an diesen Tumoren der Schilddrüse (in drei von vier Fällen erwischt es Frauen), die jedoch insgesamt sehr gute Heilungschancen haben. Allerdings erwartete man für 2016 Neudiagnosen bei 64.300 Menschen allein in den USA (warum schreiben die japanischen Forscher nicht über Erkrankungen in ihrem Land, in dem Teile aufgrund des Nuklearunglücks von Fukushima radioaktiv verseucht sind?…).

Die aktive Gruppe (Alter: 35-78 Jahre) inhalierte das Ätherisch-Öl-Gemisch 14 Tage lang für 10 Minuten jeweils vor den Mahlzeiten. Die Kontrollgruppe inhalierte Wasser (Alter 30-86 Jahre;30 Frauen, 6 Männer). Die Aktivität und Effektivität der Ohrspeicheldrüsen und der Unterkieferspeicheldrüsen wurde vor und nach den Interventionen ermittelt, diese verbesserte sich bei der „Duftgruppe“ signifikant (𝑃 < 0,05). Die Autoren dieses Experiments, was nicht sehr befriedigend beschrieben ist (man erfährt nicht, ob jeweils mit 1 ml Zitronenöl und 0,5 ml Ingweröl oder nur einem Teil davon inhaliert wurde), diskutieren am Ende ihrer Arbeit, dass auch Pfefferöl die gewünschten Ergebnisse liefern könnte.

Dennoch meine ich, erhalten wir durch diese kleineStudie eine nützliche Anregung, welche die bereits durchgeführte Anwendung von Zitronensaft zur Anregung des Speichelflusses, ergänzen könnte. Die Arbeit: Nakayama M, Okizaki A, Takahashi K. A Randomized Controlled Trial for the Effectiveness of Aromatherapy in Decreasing Salivary Gland Damage following Radioactive Iodine Therapy for Differentiated Thyroid Cancer. Biomed Res Int. 2016;2016:9509810 ; sie kann hier (klick) kostenlos runter geladen werden.

PS. Heute sind 1500 Abonnenten dieser Informations-Seite erreicht, und noch ein ‚like‘ fehlt zur Zahl 4500 auf meiner Aromatherapie-Facebook-Seite. Vielen Dank für die vielen treuen LeserInnen und ein ganz besonderer Dank geht an die Personen, die auch ab und zu kommentieren und meine Arbeit mit Tipps, Adressen und Erfahrungen ergänzen (dann stehe ich nicht so alleine da!).

aromapflege – effektiv und wohltuend


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZwei wertvolle Bücher über den Einsatz von naturbelassenen ätherischen Ölen in der Pflege und Begleitung von leicht erkrankten oder schwer kranken Menschen sind 2015 und 1016 erschienen:

Ich werde gelegentlich gefragt, welches denn „das Bessere“ Buch sei. Wie so oft, kann man diese Frage nicht beantworten. Denn beide Bücher sind von renommierten und wirklich sehr erfahrenen KollegInnen zusammengestellt worden. Ich möchte an dieser Stelle eher auf einige Unterschiede und auch auf Gemeinsamkeiten eingehen, so dass jeder für sein individuelles Interesse und für ihren beruflichen Schwerpunkt eine Entscheidung fällen kann.

Als erstes fällt auf, dass das Buch von Ingeborg Stadelmann handlich, biegsam mit einem eher femininen Look in Lila und Aquarellfarben ausgestattet ist (mit angenehm abgerundeten Ecken), das Buch der beiden Männer sieht etwas mehr nach Fachbuch aus, ist dick, schwer, mit festem Einband ausgestattet, die Grundfarbe ist ein gesund aussehendes Frühlingsgrün, dazu ein Foto eines Braunglasfläschchens und einer tropfenden Pipette.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas Inhaltsverzeichnis von Ingeborg Stadelmann ist sechs Seiten lang, das vom Team Wabner-Theierl ist auf einer Seite zusammen gefasst, der jeweilige Kapiteleinstieg auf zwei ganz in dunkelgrün und hellgrün gehaltenen Seiten listet dann die Themen des jeweils folgenden Kapitels auf. Die Sortierung der einzelnen Kapitel bzw. Abschnitte erfolgt nach Pflegegebieten bzw medizinischen Bereichen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIm Buch von Ingeborg Stadelmann sind über siebzig ätherische Öle ganz kurz (zwei bis vier Zeilen) vorgestellt,…

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie…das männliche Autorenteam hat 11 wichtige pflegerelevante ätherische Öle recht ausführlich, inklusive der Inhaltsstoffe des jeweiligen Öles, auf jeweils circa einer Buchseite vorgestellt.

Beide Bücher enthalten jeweils einen kurzen, jedoch völlig ausreichenden Einsteig in die Welt der ätherischen Öle: Gewinnung, Qualität, Verdünnungen, Chemie, wissenschaftliche Situation, juristische Hintergründe, Haltbarkeit, Anwendungsmöglichkeiten, Vorsichtsmaßnahmen, Riechsinn u.v.m., also alles, um loslegen zu können, ohne andere Bücher (der Autoren) zu Rate ziehen zu müssen. Etliche fette Öle und Hydrolate sind bei Ingeborg Stadelmann mit mindestens vier Zeilen beschrieben, sie beschreibt auch andere Rohstoffe wie Bienenwachs und Wollwachs. Bei Dietrich Wabner und Stefan Theierl werden fette Öle und Hydrolate auf einer Doppelseite eher kurz abgehandelt. Es fällt auf, dass sich viele Hinweise in den Einstiegskapiteln und auch später zahlreiche Anwendungsempfehlungen im Buch auf die in der Bahnhof-Apotheke Kempten erhältliche Stadelmann®-Aromamischungen beziehen.

Bei Dietrich Wabner und Stefan Theierl wird ausführlich auf die Implementierung der Aromapflege und auf klinische Standards samt gesetzlichen Hintergründen eingegangen (arbeits- und standesrechliche Aspekte). Die Arbeitsteilung zwischen Pflegenden und Ärzten wird angesprochen und der Einsatz von ätherischen Ölen im ganzen Versorgungsspektrum von Pflegeberufen wird erläutert. Es ist darum aufgrund dieser wertvollen Informationen für mich nicht nachvollziehbar, warum der Buchtitel nicht „Klinikhandbuch Aromapflege“ lautet, denn „Aromatherapie“ darf im beschrieben Kontext, also in Pflegeinstitutionen nur von Ärzten und HeilpraktikerInnen durchgeführt werden, das ist im deutschsprachigen Gebiet noch die Ausnahme.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Wabner & Theierl Seiten 146 und 147 (Neurodermitis und Schuppenflechte)

Im Klinikhandbuch Aromatherapie geht es auf Seite 87 dann so richtig los mit Lösungen für die unterschiedlichsten Indikationen, angefangen mit dem Bereich der Chirurgie und einer entstauenden Rezeptur bei Analprolaps. Operationsbegleitung, Maßnahmen im Aufwachraum und die Nachbehandlung von chirurgischen Eingriffen sind meines Erachtens nach überaus wichtige Gebiete einer institutionellen Aromapflege, da das Wohlergehen der leicht oder traumatisierten PatientInnen im „steril“ und befremdlich riechender Umgebung mit einfachen Maßnahmen stark gefördert werden.

Das Problem im Pflegealltag ist jedoch zunehmend – vor allem in Deutschland und in Österreich, weniger in der Schweiz, dass immer seltener Mischungen durch Pflegende hergestellt werden dürfen, vielmehr sind die jeweiligen Krankenhaus- oder Heim-Apotheken nun fast immer dafür zuständig. Ich höre oft von den „Kämpfen“ an der Überzeugungsfront, von kaum überwindbaren Widerständen der stark engagierten Pflegenden, die ihren Schützlingen Gutes zukommen lassen möchten, und die durch immer restriktivere Gesetze an ihrem Idealismus verzweifeln. Ganzheitliche und individuelle Pflege wird immer mehr an den Rand gedrängt.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Ingeborg Stadelmann Seiten 146 und 147 (Schuppenflechte und Juckreiz)

Dieses Dilemma kann viel einfacher gelöst werden, wenn auf hochwertige Fertigmischungen zurück gegriffen wird. Das ist das wiederum die Stärke vom Ingeborg Stadelmanns Buch: Sie stellt ab Seite 75 für unzählige Indikationen die zahlreichen von ihr entwickelten Stadelmann®-Aromamischungen vor und gibt hier und da noch zusätzliche Tipps mit einzelnen Hydrolaten, Heilwolle, Quarkanwendungen, Heilkräuteraufgüsse, Ernährungsveränderung etc. und beschreibt auch Mischungen für so genannte „Rezepturarzneimittel“, die also vom Arzt rezeptiert werden und in einer Apotheke hergestellt werden müssen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Ingeborg Stadelmann Seite 296 und 297 (Anregen des Lymphflusses)

Mein Fazit: Der ganz grundsätzliche Unterschied dieser beiden hervorragenden Bücher ist also, dass Pflegende, die nicht selbst mischen wollen oder dürfen (oder es sich noch nicht zutrauen), im Buch von Ingeborg Stadelmann genaueste Hinweise für die Anwendungsbereiche der inzwischen so zahlreichen und qualitativ sehr hoch stehenden Stadelmann®-Aromamischungen nachschlagen können und diese dann (hoffentlich) relativ unkompliziert in ihrem Pflegebereich einführen können.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Wabner & Theierl Seiten 336 und 337 (Anregen des Lymphflusses)

Mit dem Buch von Dietrich Wabner und Stefan Theierl wiederum kann auf über 600 dosierte Rezeptideen für mehr als 250 Einzelindikationen mit den eigenen vorhandenen (oder noch anzuschaffenden ätherischen Ölen) zurück gegriffen werden. Die Dosierungen bewegen sich im absolut sicheren und verträglichen Bereich, sind also sanft und zart duftend [oft weniger als 20 Tropfen ätherisches Öl auf 50 ml Basisöl, gelegentlich, wie bei „Restless Legs“ oder „schmerzhaftem Stuhlgang“ deutlich höher, jedoch immer noch im sicheren Bereich, wenn man bedenkt, dass durch moderne Tropfeinsätze über 30 Tropfen ein Milliliter ätherisches Öl ergeben, ich habe hier (klick!) darüber geschrieben und Beispiele aufgelistet]. Laut Vorwort sind alle vorgestellten Rezepturen in der Praxis des Klinikalltags erprobt. Dieses Buch hilft also Aromapflege-Fachkräften, die durch engagierte, geschulte und manchmal auch mutige Vorgesetzte grünes Licht erhalten, entweder selbst auf Station zu mischen (das ist in Deutschland offiziell nicht mehr erlaubt) oder durch einen guten Kontakt zur jeweiligen Apotheke passend zu ihrem „Fall“ zugeschnittene Rezepturen herstellen zu lassen. Wenn man es nicht weiß, ahnt man beim Schmökern in diesem Buch nicht, dass Herr Wabner eine eigene Ätherische-Öle-Firma namens Wadi (klick!) betreibt und übrigens auch ganz hervorragende Pflegemischungen sowie therapeutische Mixturen (eher für den Privatbereich) anbietet.Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas Buch von Dietrich Wabner und Stefan Theierl ist vom Platzverbrauch etwas großzügiger gestaltet, die Zeilen sind also etwas lockerer und lesefreundlich zweispaltig umbrochen. Das Buch von Ingeborg Stadelmann mag für manche LeserIn eine Brille erfordern, ist jedoch durch kalligrafische Symbole, Fotos, farbig unterlegte Kästen, Trennungslinien und gut strukturierte Überschriften trotz allem sehr augenfreundlich. Ich könnte mich nicht zwischen beiden Werken entscheiden und bin froh, dass ich auf beide Nachschlagewerke zurück greifen kann!

Wo gibt es sonst noch hochwertige Aromapflege-Produkte (alle gemischt aus ätherischen und fetten Ölen aus [von neutraler/unabhängiger Stelle zertifiziertem] biologischem Anbau, keine Mineralölprodukte)?

Aromapflege Evelyn Deutsch (klick!)

Feeling (klick!)

Jophiel (klick!)

Neumond und Neumond-Flyer (klick!)

Primavera Aromapflege (neu!) und Primavera Aroma Health Care (klick!)

aromapflege bei riechenden tumoren


Eukalyptusblüte

Eukalyptusblüten: Die Deckel einiger Kapseln öffnen sich

Kann man in der Palliativmedizin etwas gegen den üblen Geruch, den zerfallende Tumore abgeben, unternehmen? Gestern und heute lief mir diese Frage über den Weg, darum hole ich diesen sieben Jahre alten Blog-Artikel hoch. Betroffene, Angehörige und vor allem Pflegende leiden sehr unter Tumorgerüchen und fühlen sich gar abgestoßen. Die Belastung ist enorm, denn Geruchsekel gehört zu den ältesten Emotionen, die den Menschen vor Gefahren, vor Tod, Verwesung, gefährlichem Zerfall durch Mikroorganismen sollen. Der Mensch, der sowas riechen muss, ist ständig in Abwehrstress, das Unbewusste befindet sich im Alarm-Bereitschafts-Modus. Neben einer oder zwei breitflächigen Schalen mit Kaffeebohnen, die den Geruch ein wenig absorbieren und neutralisieren, könnte man eine ähnliche Mischung wie das unten beschriebene Fertigprodukt herstellen (lassen).

Diese Frage nach der Linderung von Tumorgerüchen wurde nämlich bereits wissenschaftlich beleuchtet, als sich vor circa 15 Jahren auch ein Team von Wissenschaftlern rund um PD Dr. Dr. Patrick Warnke von der Universität Kiel und der Bond University In Australien (Robina, Queensland) damit beschäftigten. Sie kreierten und testeten eine Ätherisch-Öl-Mischung namens Kielmix®. (Leider ist das Produkt nicht mehr auf der australischen hersteller-Seite gelistet, es scheint gänzlich aus dem Internet verschwunden).

Diese Mischung wurde von Medizinern auf stinkende Krebstumore gegeben. Die Idee war zunächst, einfach die Gerüche zu reduzieren, indem die Ausbreitung der Zerfallsbakterien eingedämmt werden sollte. Die erfreuliche Nebenwirkung war, dass die Wunden begannen, Zeichen von Heilung zu zeigen, der Bakterienbefall ging wirklich zurück (auch MRSA) und dass sogar bei einigen Patienten das Tumorwachstum sich verlangsamte. Kielmix® enthält laut Herstellerfirma:

  • Eukalyptusöl 136mg
  • Teebaumöl 131mg
  • Lemongrassöl 86mg
  • Zitronenöl 71mg
  • Gewürznelkenöl 73mg
  • Thymianöl 26mg
  • Ethanol (Weingeist) 347mg

Es wäre mit etwas mehr gesundem Menschenverstand und vor allem mit mehr Aufgeschlossenheit so einfach, in der heutigen Zeit einfach ein paar Labore zu bemühen, um diese Rezepturen und Fallbeschreibungen zu verifizieren, die Mischungen ggfs. den betreffenden Umständen anzupassen, sie beispielsweise mit Jojobaöl und Johanniskrautöl anzufertigen. So könnte man den betroffenen MENSCHEN wirklich helfen, ihre ohnehin oft höllenmäßig empfundene Situation besser zu ertragen. Welcher Mensch ist schon gerne pflegebedürftig und muss sich obendrein auch noch für eklige Ausdünstungen schämen… Die obigen ätherischen Öle sind übrigens allesamt preiswert, selbst wenn sie von hervorragender Quelle stammen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Lemongrass in Brasilien

[Stephan T. Becker, Eugene Sherry, Sureshan Sivananthan, Harald Essig, Jörg Wiltfang, Ingo N. Springer, Joachim Bredée, Patrick H. Warnke. Behandlung fötider Tumorulzerationen mit ätherischen Ölen (KIELMIX®) in der Palliativmedizin · Zeitschrift für Phytotherapie 06/2006] Probeheft dieser Fachzeitschrift aus dem Hippokrates Verlag: MVS Medizinverlage Stuttgart. Ein kleiner Bericht aus der renommierten Onkologie-Fachzeitschrift ‚Journal of Clinical Oncology‘ ist hier (in englischer Sprache) nachzulesen. Der gesamte Artikel in deutscher Sprache ist für knapp 30 britische Pfund hier online zu bestellen und runterzuladen.

Inzwischen haben Prof. Warnke und sein Team auch eine Reihe von ätherischen Ölen gegen diverse krankenhausübliche und antibiotikaresistente Bakterien- und Hefestämme durchgetestet und für eine preiswerte, effektive und „vielversprechende Kraft“ befunden. Sie testen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian (weiß ?), Lavendel, Zitrone, Lemongrass, Zimt, Grapefruit, Nelkenknospe, Sandelholz, Pfefferminze, Kunzea und Salbei  [Warnke PH, Becker ST, Podschun R, Sivananthan S, Springer IN, Russo P A, Wiltfang, J, Fickenscher H, Sherry E (2009). The battle against multi-resistant strains: Renaissance of antimicrobial essential oils as a promising force to fight hospital-acquired infections. Journal of craniomaxillofacial surgery, 37(7), 392-397

PS Wer ein kritisches, jedoch sehr lesenswertes  Buch eines Gynäkologen lesen möchte: Wirtschaftfaktor Brustkrebs von Prof. Dr. Franz Fischl der seine Ordination nach etlichen Jahren an der Uni Mainz in Wien (am AKH) hat.

schlafen auf der intensivstation


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNach dem vorherigen Artikel über verbesserten Schlaf für Pflegende, die im Schichtdienst arbeiten, bekam ich die Info über eine erst kürzlich veröffentlichte Studie, in der man sich mit dem Schlaf von PatientInnen auf einer Intensivstation beschäftigte. Danke, liebe Heike; für diese ergänzende Arbeit.

Es überrascht sicher niemanden, dass Menschen, die ein gesundheitliches Trauma durchmachen, möglicherweise mit dem Tod ringen müssen, von Ängsten geplagt sind und schwere Schmerzen durchleiden, nicht an erholsamen Schlaf denken können. Dazu die Medikamente, die Schläuche, die Elektroden, die piependen und blinkende Apparate, das Kommen und Gehen der Betreuer.

So wurde in diesem türkischen Experiment geschaut, wie 60 HerzpatientInnen auf Lavendelöl reagieren. Die Schlafqualität wurde nach zwei standardisierten und anerkannten Skalen bewertet [Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und Beck Anxiety Inventory (BAI) scale]. 15 Tage lang bekam die Hälfte der vorher informierten TeilnehmerInnen 2%ig verdünntes Lavendelöl zum Einatmen. Die Kontrollgruppe bekam kein Lavendelöl zu riechen. Nach diesen zwei Wochen wurde in beiden Gruppen die Schlafqualität wieder bewertet.

Die Lavendelgruppe zeigte signifikant bessere Ergebnisse (p < 0·05), was die Qualität des Schlafes und auch was die Stärke der Angstsymptome anbelangte. Die Autoren schließen daraus, das diese nicht-invasive und kostengünstige Maßnahme für die Intensivpflege-Betreuung von HerzpatientInnen sinnvoll ist, denn sie kann von den Pflegenden selbstständig vorgenommen werden und ist einfach anwendbar.
[Karadag E, Samancioglu S, Ozden D, Bakir E. Effects of aromatherapy on sleep quality and anxiety of patients. Nurs Crit Care. 2017 Mar;22(2):105-112]

glas_aluminium_inhalierstift_blau_xsWenn jemand diese hilfreiche Anwendung ausprobieren möchte, bitte darauf achten, dass Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) eingesetzt wird, denn billigerer Lavandin kann relativ viel Campher (Kampfer oder Bornan-2-on) enthalten, dieser aktiviert und macht wach. Nur das ätherische Öl aus der Lavandin-Züchtung Lavandula × intermedia Super kommt dem Echten Lavendel in der beruhigend wirksamen Zusammensetzung recht nahe. Idealerweise gibt man 1-2 Tropfen des Lavendelöles auf einen Tupfer, der in der Nähe der Nase des Patienten gelegt wird, oder – zunächst teurer jedoch langfristig preisgünstiger, weil wochenlang benutzbar – auf einen Inhalier-Stick, wie sie inzwischen von mehreren Anbietern erhältlich sind, auch schöner und hygienischer aus Glas (in der Schweiz bei Florentia und für Österreich und Deutschland bei Sabine Nachbauer). Der beruhigend und angstlindernd wirksame Inhaltsstoff Linalylacetat ist auch reichlich in folgenden ätherischen Ölen enthalten:

  • Mentha x citrata, Bergamottminze: 34–63 % Linalylacetat
  • Citrus x bergamia, Bergamotte: 35% Linalylacetat
  • Salvia sclarea, Muskatellersalbei: 75% Linalylacetat
  • Lavandula × intermedia Super: +/- 35% Linalylacetat
  • Citrus x aurantium flos, Neroli: 3-16 % Linalylacetat
  • Citrus x aurantium fol, Petit Grain: 50-70 % Linalylacetat
  • Bursera delpechiana, Linaloe-Früchte: 22% Linalylacetat (und fast die doppelte Menge im sehr seltenen Öl aus den Samen und Samenhülsen)

Abbildung Inhalierstifte: Sabine Nachbauer

schlafqualität bei pflegenden in schichtarbeit


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch spreche und verstehe zwar zum Glück etliche Sprachen, aber mit meinen Koreanisch-Kenntnissen hapert es doch ziemlich 🙂 Ich habe eine viel versprechende Studie von Ende 2016 genau in dieser Sprache vorliegen, doch kann ich nur die englischsprachige Zusammenfassung (Abstract) lesen. Vielleicht können sich Pflegende daraus dennoch eine kleine Inspiration holen.

Es ging in dieser kleinen Arbeit mit  60 gesunden TeilnehmerInnen darum, ob das Einatmen von ätherischen Ölen die Schlafqualität von Krankenpflegenden, die in Schichtarbeit arbeiten, verbessern kann. Die Hälfte der TeilnehmerInnen atmeten 3 Minuten vor dem Schlafengehen einen Duft ein, circa 10 cm von ihrer Nase entfernt. Dann wurden sie gebeten zu Bett zu gehen und einen Aromastone (auch ‚Thermo-Duftstein‘ * mit Duft) circa 30 cm von ihrem Kopf laufen zu lassen. Das sind aus Keramik oder Porzellan angefertigte Gefäße oder steinartige, kugelige kleine Geräte, die leicht erwärmt werden (durch Strom) und völlig ohne Geräusche arbeiten. Leider werden in der englischen Zusammenfassung nicht die Öle genannt, es handelt sich jedoch vermutlich um Lavendelöl, da es sowohl bei den Suchkriterien aufgelistet ist als auch bei den Quellen genannt wird. Im Text war noch die römische Kamille und die Bitterorange zu finden, danke für’s aufmerksame „Lesen“, liebe Frauke!

Viermal wurde die Qualität des Schlafes der TeilnehmerInnen erfasst: vor der Studie, sowie an den Tagen 1, 2 und 3 während der Studie, gemessen nach anerkannten international bekannten Skalen (Perceived QOS und Verran & Synder-Halpern [VSH]), die Anzahl der Wachwerde-Vorkommnisse wurde mit einem nicht-invasivem Gerät gezählt (Aktigraph).

Vor dem Experiment waren keine signifikanten Unterschiede zwischen der „Duftgruppe“ und der Kontrollgruppe feststellbar, nach dem dritten Tag des Experimentes war eine signifikante Verbesserung der Qualität des Schlafes bei TeilnehmerInnen der „Duftgruppe“ zu verzeichnen (VSH: F=6.39, p =.002). Das Autorenteam schließt daraus, dass das Einatmen von ätherischen Ölen den Schlaf von schichtarbeitenden Menschen im Pflegebereich verbessern kann. [Kim W, Hur MH. Inhalation Effects of Aroma Essential Oil on Quality of Sleep for Shift Nurses after Night Work. J Korean Acad Nurs. 2016 Dec;46(6):769-779]

Thermo-Duftsteine gibt es von folgenden Anbietern für zwischen 22 und 50 Euro, einfach anklicken!

Feeling

Farfalla

Neumond

Taoasis

FRAGE: Ist unter meinen LeserInnen jemand, der/die koreanisch lesen und verstehen kann, so dass wir etwas über die verwendeten Öle erfahren können? Der volle Text dieser Studie kann hier nachgelesen werden, eben auf koreanisch!

destillation und ergiebigkeit


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIch habe in den letzten Monaten einige Pflanzen destilliert, vor allem für Schauzwecke. Um den KursteilnehmerInnen mal zu zeigen, wie es funktioniert und dass man auch aus mehreren voll gefüllten Tassen mit Heil- und Duftkräutern manchmal keinen ganzen Tropfen an ätherischem Öl gewinnen kann.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieWer selbst pflanzt, hütet, jätet, biologisch schützt (beispielsweise eine miefende Brennesseljauche ansetzt und regelmäßig einsetzt), erntet, mörsert oder schneidet und destilliert, weiß für immer, wie kostbar ein einziges Tröpflein ätherisches Öl ist! Und welche große Menge an Heilpflanze in diesem Tropfen steckt! Oder würde jemand eine Portion Tee aus dieser Menge Kraut aufbrühen? Oder eine Inhalation daraus machen? Oder einen blutstillenden Umschlag?

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAuch als „alter Hase“ staunte ich nicht schlecht darüber, wie extrem stark und „geraniolig“ das Hydrolat aus meiner riesigen Rosengeranie (Pelargonium graveolens) roch. Ich hatte sie im Garten unseres Gästehauses und Schulgeländes ausgegraben, um ihr zu Hause ein neues Plätzchen zu geben. Sie war zunächst etwas beleidigt, und rollte viele ihrer Blätter zusammen. Diese sehr stark duftenden, fast trockenen Blätter „jagte“ ich einige Sekunden durch meinen Thermomix (besser noch wäre ein behutsames schneiden mit einem sehr scharfen Messer).

Destillation_GlasdestilleEs passten dann circa 25 Gramm Trockenkraut und dazu zwei klein geschnittene frische Blätter in das Destillationsgefäß meines ‚Hydrolati‘. Dann köchelte und brodelte es im bis 500 Grad feuerfesten Erlenmeyerkolben, und wie immer war ich fürchterlich aufgeregt, als die ersten Tröpfchen Hydrolat aus dem gläsernen Röhrchen heraus tropften. Ich habe mir übrigens bewusst eine kleine gläserne Destille zugelegt, damit KursteilnehmerInnen genau zuschauen können, wie Destillation funktioniert. Meine viel größere Kupferdestille ist für Hydrolate sinnvoller, da diese länger haltbar sind als die aus gläserner Produktion. Aber man sieht eben nicht viel des aufregenden alchemistischen Vorgangs und es dauert auch viel zu lange.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDiese praktische Heimdestille mit mundgeblasenen Teilen namens HYDROLATI kann nach einem Seminar bei der „Heilpflanzen-Hebamme“ Barbara Kircher-Storch (klick!) erworben werden (circa 200 € inkl. Schutzbrille, Siedesteinchen, Kupferstück).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieMeine knapp 200 ml Rosengeranienhydrolat – destilliert aus einem ganzen Thermomix-Behälter voller Kraut – enthielten circa 1,5 Tropfen ätherisches Öl!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieBei einer Lavendeldestillation kam zwecks längerer Haltbarkeit des Hydrolats ein Stück Kupfermatte mit ins Wasser. Beide Hydrolate duften so ungleich viel besser als ihre gekauften gleichnamigen Hydrolate, egal von welcher Firma. Bei Lavendel kann man es sich nur in der heimischen Destillation leisten, das Heilkraut gut zu rebeln, dass keinerlei Zweige und Blättchen mit dabei sind. Auf diese Weise erreicht man ein recht blumig, fast süß duftendes Hydrolat. Sobald „Grünzeug“ dabei ist, wird der Duft herber und enttäuscht dann viele KäuferInnen, weil er kaum an Lavendelöl erinnert.

Zudem muss bedacht werden, dass Lavendelhydrolat kaum den duftgebenden Ester Linalylacetat enthält. Denn dieser wird bei der Destillation aufgespalten in Linalool und Essigsäure. Die milden Pflanzensäuren machen Hydrolate so hautfreundlich, zudem haltbarer als der entsprechende Tee und mild antiseptisch sowie juckreizstillend („Hydrolate“ aus dem Espressokocher sind bei guter Kühlung nur zwei oder drei Tage haltbar, da sie sowas wie starker Tee sind, es fehlen Säuren, ätherische Öle und sicher noch manche andere Inhaltsstoffe, die bei der Destillation übergehen und entstehen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAnders als anderslautende Behauptungen enthalten ätherische Öle aus Rosengeranie (Pelargonium graveolens) übrigens so gut wie keine Monoterpenaldehyde! Ich habe mal neun Gaschromatogramm-Analysen von sieben unterschiedlichen seriösen, größtenteils Bio-Öle-Anbietern verglichen. Ätherische Öle aus Pelargonium asperum können einen winzigen Anteil (< 1%) an diesen zitronig duftenden Bestandteilen enthalten. Bei Analysen 1 und 9 gab es keine Angabe über den wissenschaftlichen Namen des untersuchten Rosengeranienöles.                Foto Tropfen: Antje Wendel

zitronenöl enthält KEIN vitamin C


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZitrusschalenfrüchte stammen ursprünglich aus Asien. Die Öle daraus werden in der Regel durch Raspeln/Pressen, Wässern, Zentrifugierung gewonnen. Das weiß mittlerweile auch jede DuftanfängerIn. Gute Zitrusschalenöle enthalten Furocumarine, diese verstärken die Lichtausbeute im Menschen bzw auf seiner Haut. Das führt bei nicht sachgemäßer Anwendung (Auftragen vor Sonnenbad oder Solariumbesuch) zu Pigmentflecken oder gar zu schlimmen Verbrennungen (Berloque Dermatitis), insbesondere wenn sie mit Mineralölen gemischt sind. Auch das weiß mittlerweile fast jede DuftanfängerIn.

Jedoch können genau diese ganz besonderen minoritären Inhaltsstoffe (also nur circa 1 Prozent oder gar weniger) auch die Lichtausbeute im Winter beeinflussen, erfahrungsgemäß zumindest (leider habe ich dazu noch keine Studien gefunden). Damit wird ihre stark stimmungsaufhellende Wirkung erklärt, insbesondere bei SAD (Seasonal Affective Disorder), der Lichtmangel-Depression.

Orangenölherst_Collage_xs

Lieferung, Waschen, Reiben von Zitrusfrüchten, Zentrifugieren von Orangenöl in Brasilien

Beide Öle also, die sehr lichtempfindlich machen, wirken auch antidepressiv (vorausgesetzt sie bleiben naturbelassen, also weder durch Natronlauge furocumarinfrei [FCF] gemacht noch durch Nachdestillation): Bergamotte (Citrus x bergamia Risso u. Poit.), das ist eine enge Verwandte der Zitrone und heißt darum auf englisch bergamot lemon und Limette (Citrus aurantiifolia (Christm.) Swingle.

Leider geistert neuerdings wieder der alte Fehler durch die Ätherische-Öle-Welt, dass Zitronenschalenöl angeblich Vitamin C, also L-(+)-Ascorbinsäure, enthält (allerdings ist im Labor hergestellte isolierte Ascorbinsäure nicht hundertprozentig identisch mit dem natürlich vorkommenden Vitamin C). Auf gewissen Verkaufsveranstaltungen und Videos von Ätherische-Öle-Anbietern wird das jedoch gerne behauptet und dann ständig weiter gebetet. Ätherische Öle enthalten jedoch – wenn überhaupt – nur Spürchen von freien Säuren, denn diese sind wasserlöslich, sie können gar nicht in relevanten Mengen in den fettöslichen /lipophilen ätherischen Ölen enthalten sein. Ascorbinsäure=Vitamin C kann also aufgrund der chemischen Eigenschaften NICHT im naturbelassenen Zitronenduft im Fläschchen enthalten sein.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFlavonoide, diese Jungbrunnen- und Reparatur-Moleküle sind dagegen in Fruchtfleisch UND Schale, damit auch im ätherischen Öl, welches durch Raspeln/Pressung gewonnen wird, enthalten. Es handelt sich um polymethoxylierte Flavone, sie geben den mechanisch gewonnenen Zitrusölen ihre schönen Farben, die wichtigsten Vertreter sind Nobiletin, Tangeritin, Sinensetin und Tetra-O -methylscutellarein*.

Die Zusammensetzung eines typischen Zitronenschalenöles:

Monoterpene

  • 64 % D-(+)-Limonen
  • 15 % β-Pinen
  • 10,5 % γ-Terpinen
  • 2,9 % α-Pinen
  • 0,7 % α-Thujen
  • 1,9 % β-Myrcen
  • Camphen
  • trans-Ocimen
  • Sabinen

Sesquiterpene

  • β-Caryophyllen
  • 0,35 % β-Bisabolen

Monoterpenole

  • Geraniol
  • Nerol
  • Linalool
  • Terpineol-4
  • 0,05 % α-Terpineol

Aldehyde

  • 0,82 % Geranial
  • 0,48 % Neral
  • Citronellal
  • Nonanal, Octanal, Decanal

Monoterpenester

  • 0,27 % Nerylacetat
  • 0,25 % Geranylacetat
  • Citronellylacetat

Andere

  • 1,5 % Cumarine und Furocumarine, z.B.
    0,6 % Bergapten, 0,2 % Bergamottin
  • (farblose) Carotinoide, polymethoxylierte Flavone

insgesamt circa 100 unterschiedliche Moleküle

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie Urahnin der heute bekannten Zitrone ist übrigens die größere Ur-Zitrone oder Zedrat (Citrus medica), die als Medizinalpflanze ein hohes Ansehen genoss. Das ätherische Öle daraus riecht himmlisch zitronig, es wird nur von wenigen Anbietern verkauft. Ich habe in Brasilien Zedratfrüchte geerntet, die groß wie Honigmelonen waren, ihre Schale ist oft zerfurcht und superdick, es ist so gut wie kein Fruchtfleisch mit Saft enthalten. Das zur Weihnachtszeit beliebte Zitronat wird aus diesen dicken, wochenlang in Salzlake eingelegten Fruchtschalen hergestellt.

Auf diesem kleinen Video vom großen italienischen Zitrusöl- und Zitrussafthersteller Fratelli Indelicato (klick!) kann man das Abraspeln der Schalen gut sehen. Auch auf Wikipedia findet man Interessantes zur alten Medizinalzitrone.

* laut Prof. Dr. Elisabeth Stahl-Biskup, Universität Hamburg: ‚Die Chemische Extravaganz der Zitrusfrüchte‘ in Forum Essenzia, Heft Nr. 26 (2004); für Mitglieder von Forum Essenzia gibt es dieses hervorragende Heft als E-Paper, als „echte“Ausgabe ist es leider vergriffen.

aqua aromatica – die welt der hydrolate


hydrolate_kongress_illertissen2017Am 1. und 2. Juli 2017 findet der erste internationale Kongress über Hydrolate „Aqua Aromatica – Die Wiederentdeckung der Pflanzenwässer“ in Illertissen bei Ulm statt. Diese zwei Tage widmen sich – zum ersten Mal – ganz den Pflanzenwässern. Es wird mitten in den Pflanzen bei der Staudengärtnerei Gaissmayer im „Museum der Gartenkultur“ getagt. Ausgewählte Hydrolate-Hersteller und -Verarbeiter werden einen kleinen Markt mit Produkten bester Qualität bestücken. Ausserdem wird es eine sinnliche Führung zum Thema Pflanzenwässer durch die Staudengärtnerei Gaissmayer angeboten werden.
Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIch hätte auch an diesem wunderschönen Ort an einem ganz besonderen Event dabei sein sollen, bekam bereits ganz früh eine Einladung, doch war ich für dieses Wochenende bereits belegt. Es wird jedoch meine wundervolle Kollegin Ann Harman aus dem Westen der USA anreisen, ich berichtete hier bereits öfters über ihre Pionier-Arbeit rund um die Hydrolate. Wer ihre engagierte Forschungsarbeit unterstützen möchte und im Gegenzug Zugang zu fast 100 Analysen von Hydrolaten erhält, kann diese beim Circle H Institute tun. Ihr Buch kann man auf Annies Website Botannicals bestellen.
Pflanzenwässer werden schon seit dem Altertum in Küche, Kosmetik und Heilkunde verwendet. Am Kongress werden die Themen Heilkunde, Pflege, Aromatherapie, Kulinarik, Geschichte und Olfaktorik im Zusammenhang mit Pflanzenwässern in Vorträgen und Workshops von verschiedenen Seiten her beleuchtet.
Dieses innovative Symposium organisiert von Kailo, dem Bildungsnetzwerk für nachhaltige Entwicklung, Gesundheit & Bewusstsein, in Kooperation mit Arven, der Schule für Heilpflanzenkunde, Aromatherapie und Wildniswissen von Susanne Fischer-Rizzi. Die Platzzahl für diese Tagung ist beschränkt.
Es wird  deshalb eine frühzeitige Anmeldung empfohlen. Wer nicht warten kann, dem sei Susannes umfangreiches Werk für lange Winterabende ans Herz gelegt: Das große Buch der Pflanzenwässer (klick!) Susannes nächster Kurs zum Thema Hydrolate findet am 6/8 Oktober 2017 statt (Warteliste), sie bietet jedes Jahr zwei Kurse an, Infos auf ihrer Seite.
Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieBegleitend zum Kongress wird die Ausstellung „Opus mulierum – Die vergessene Kunst der Frauen“ gezeigt, diese wird derzeit  Diese Ausstellung stellt Frauen aus vier Jahrtausenden vor, die in den Bereichen Alchemie, Heilkunde, Kosmetik und Parfümherstellung wirkten. Vielfach haben sie Pionierarbeit an der Destille und bei der Verarbeitung von Heilpflanzen geleistet. „Opus mulierum“ ist das Werk der (Haus)Frauen, denn die praktischen Erfahrungen aus dem Haushalt beim Kochen, Töpfern, Brotbacken, Bierbrauen usw. wurden von ihnen für alchemistische Zwecke verwendet.Die Ausstellung nimmt Sie mit nach Zypern, wo die ältesten bekannten Destillen gefunden wurden, Sie gelangen auf der Reise in die Vergangenheit bis nach Ägypten, Byzanz, Italien und begegnen kaum bekannten Frauenbiographien aus Thüringen, Sachsen und dem Allgäu. Wohlgerüchte, Heilkunst und Schönheit finden sich dabei in vielerlei Form.

Ein Kreis von 13 heute lebenden kräuterkundigen Frauen hat intensiv geforscht und Material zusammengetragen um die Geschichten und Werke der historischen Frauen bekannt zu machen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieKürzlich ist passend zu diesem Themenbereich die „Schule der Destillierkunst “ gegründet worden. Susanne Fischer-Rizzi und ihr Team möchten damit fundierte  Informationen über das Destillieren und die Destillen weitergeben. In letzter Zeit passieren immer wieder mal Unfälle durch die unsachgemäße Handhabung von Destillen. Es gibt zur Zeit zudem einige nicht ungefährliche Glasdestillen im Handel. Deshalb bietet diese Schule eine kleine Glasdestille an, die sogenannte „Wanderdestille“.
Sie wurde nach Angaben des Alchemielehrers Manfred Junius konzipiert, und ist absolut sicher und sehr pflegeleicht, inzwischen konnte sie sich seit 3 Jahrzehnten bewähren. Sie kann nach dem 2-tägigen Kurs erworben werden. Susanne Fischer-Rizzi hat damit alle 70 Hydrolate aus ihrem schönen Hydrolate-Buch  destilliert. In Kürze wird es dazu eine Website geben, am besten ab und zu hier in diesen Text schauen, ich werde den Link einfügen, wenn die Seite steht.
Sofort und noch mehr Infos zu Hydrolaten gewünscht?! 😉
  • Hier auf dem Blog kann man den 24-teiligen Adventskalender-Beitrag nachlesen vom Dezember 2011, ich bin sozusagen als Erste mit den duften Pflanzenwässern ins Rennen gegangen. Einfach rechts unten bei den Kategorien das Wort ‚Hydrolate‘ anklicken, dann kommt eine Beitrag unter dem anderen. Daraus wurde zunächst ein E-Book und dann ein „richtiges“ Buch mit 12 heraus trennbaren Karten: Hydrolate – Die vergessene Dimension der Aromatherapie und Aromapflege (klick!), auch bei Feeling (klick!) zu bestellen.
  • Ganz kurz auf mein E-Book folgte Ingrid Kleindienst-John, die bereits „ewig“ destilliert: Hydrolate – Dufte Helfer aus dem Pflanzenreich (klick!).

© Abb Tropfen: Antje Wendel

DAS kräuterbuch – gratis


Iruhlemanns_covern einer Welt, in der es oft „nur um’s Geld“ geht, in der Bücher mit  erschreckend viel Desinformation verkauft werden und in der das Internet immer öfter unzuverlässige Antworten gibt, ja in dieser Welt gibt es auch Goldgruben. Völlig kostenlos stellt uns einer der deutschsprachigen Duft- und Heilkräuterpioniere (und sein Team) wieder einen unglaublich ausführlichen Katalog vor. Daniel Rühlemann schenkt uns 372 Seiten (fast 75 MB) vollgepackt mit intensiv bebilderten Informationen rund um duftende und heilende Gewächse vor, vom kleinsten „Mauerblümchen“ bis zu stattlichen Sträuchern, von A wie Agastache bis Z wie Zypressenkraut. Alles ist wundervoll in Szene gesetzt, traumhafte Fotos zeigen uns die Welt der Pflanzen, sogar Bilder von frisch aufgegangenen Sämlingen sind vorhanden, damit wir lernen können, gewünschte von eher ungewünschten selbst aufgegangenen grünen Besuchern  im Kräuterbeet zu unterscheiden. Zahlreiche Rezepte machen Appetit, kleine Geschichten rund um diese duftende Welt unterhalten machen Lust auf einen eigenen Kräutergarten. Oder wenigstens einen Kräuterbalkon. Auch ein Plätzchen auf dem Fensterbrett kann in eine Mini-Duftoase verwandelt werden.

Denn für jede Pflanze bzw. deren Samen gibt es genaueste Informationen über Höhe, Breite, Frostbeständigkeit und noch viel mehr. Und die Auswahl ist mittlerweile beachtlich: erstaunliche 39 Arten und Sorten Lavendel sind erhältlich, es kann aus 31 „Minzen“ (es gibt auch etliche Pflanzen, die nicht zur Gattung Mentha gehören und dennoch stark minzig/mentholig duften) gewählt werden, und die Qual der Wahl hat, wer aus 68 Arten und Sorten Basilikum bestellen darf! Insgesamt gibt es 890 Arten Pflanzen und 822 Sorten Saatgut, neuerdings auch sortiert nach Art des Duftes: grasig, stinkig, rosig, veilchen-artig, curry-ähnlich etc, so dass nach Duftvorlieben oder -Abneigungen gewählt werden kann.

ruhlemanns_themenReichlich Informationen rund um Teegetränke, auch fertige Mischungen dazu, spannende Infos für Räucherfreunde gegeben, etliche Besonderheiten aus der Traditionellen Chinesischen Medizin wie Moxa-Kraut lernt man kennen, ungewöhnliche „Geschmacks-Ersatzpflanzen“ wie Pilzkraut machen neugierig. Auch Anti-Katzen-Wühlen-im-Garten-Planzen fehlen nicht. So genannte Jungbrunnen-Pflanzen (Yams, Jiagulan etc) und „reinigende“ sowie die Gehirntätigkeit verbessernde Ayurvedagewächse wie Centella, Bacopa und Ashvaganda sind in diesem extrem umfangreichen Sortiment auch enthalten.

Der Katalog und viel mehr Informationen befindet sich hier. Der dazu gehörige Blog informiert regelmäßig passend zur Jahreszeit über allerlei Pflanzen und Abläufe, auch Rezepte wie für vielfältige Smoothies können nachgelesen werden. Je nach Pflanze sind Samen oder Jungpflänzchen oder auch beides bestellbar. Wer in Nord-Deutsclnad wohnt (Raum Bremen) kann sich auch die Pflanzen abholen und bekommt 10% Rabatt. Momentan findet freilich aufgrund der Temperaturen kein Versand/Verkauf statt (ab März), aber ein freier Sonntag und lange Winterabende laden zum Schwelgen dieses einzigartigen Werkes ein! Also auf die Tasten drücken und ran an die Lektüre! Und auf einen Grünen Daumen hoffen! 😉

Noch eine wertvolle Ergänzung der treuen Leserin und Kommentatorin Bastelfee, danke!: „Ja – Suchtgefahr. Die kann ich bestätigen. Empfehlen möchte ich Euch den Kräutertag 2017 am 18. Juni 2017. Der Kräutertag ist sehr interessant und umfangreich. Er ist ein großes Fest für alle Sinne mit vielen Ausstellern rund um Kräuter, den Kräutergarten und der Küche mit viel Selbstgemachtem etc. Die Jahreszeit ist gut gewählt, denn die Firma Rühlemann’s befindet sich ziemlich nördlich. Auch die Newsletter ist empfehlenswert. Hier nun ein Link zum Kräutertag: http://www.kraeuter-und-duftpflanzen.de/Kraeutertag-2017 Nehmt Euch Zeit und genießt den schönen Tag. Ein freundliches Ambiente erwartet Euch.“