teebaumöl, das sanfte kraftpaket


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAnfang der neunziger Jahres des vergangenen Jahrhunderts kam das Teebaumöl in die deutsche Aromatherapie-Szene, mit ihm einige Bücher, welche die Besonderheiten dieses ungewöhnlichen ätherischen Öles erläuterten (siehe ganz unten). Einige Bücher wurden aus dem Englischen übersetzt, andere von deutschen AutorInnen recherchiert und zusammen gestellt. Alle sind inzwischen aus den Regalen der Bücherläden verschwunden, vermutlich weil das Wissen um dieses Tausendsassa-Öl inzwischen zum Allgemeinwissen gehört, man möchte es im Falle von Infektionen nicht mehr missen.

Der Geruch, den die fein gefiederten Blättchen dieses australischen Baumes absondern, ist allerdings selten ein Duftlampen-Duft, meine KursteilnehmerInnen hier in Irland haben auch immer die Möglichkeit, einen echten Tea tree-Tee zu trinken, der allerdings nicht wirklich zu den großen Genüssen zählt. Aber wie man früher so schön sagte: Wirklich wirksame Medizin muss/darf nicht schmecken.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDer Name dieses bis zu sieben Meter hohen Baumes stammt vom in England und Australien sehr bekannten Botaniker Sir Joseph Banks (1742-1820), der um 1770 mit dem legendären Weltenumsegler Captain Cook unterwegs war und bei Ureinwohnern sah, dass sie ein teeartiges Getränk aus den zarten Zweigen machten. Nach Banks sind übrigens etliche Pflanzen benannt, unter ihm als Direktor wurde Kew Gardens bei London zum führenden Botanischen Garten weltweit. Wer so pflanzenbücherbesessen wie ich ist und englischsprachige Lektüre mag, wird sich köstlich amüsieren über ein kleines Büchlein: Sex, Botany, and Empire: The Story of Carl Linnaeus and Joseph Banks von Patricia Fara. Mindestens genau so eine schöne Zeitreise in die damalige Zeit, als Botanik noch Pornografie war und Staubgefäße zählen nur Männern vorbehalten war (bei der puscheligen Teebaum-Blüte vermutlich besonders erotisch!!! 😉 ), bietet die deutsche Übersetzung eines spannenden Romans, der leider vergriffen ist, jedoch noch antiquarisch erhältlich ist: Die Pflanzenmalerin von Martin Davies. Doch zurück zum Teebaum, der Stoff für zahlreiche Bücher bieten würde.

phenol

Phenol (Benzenol)

1925 bewies der australische Chemiker Arthur de Ramon Penfold (1890–1980), dass unverdünntes Teebaumöl 11 bis 13 Mal stärker antiseptisch wirkt als das damals fast überall verwendete Desinfektionsmittel Karbolsäure (Phenol, synthetisch). Anders als dieses scharfe Antiseptikum, das die Haut stark angreift, hatte Teebaum nicht diese schädigende Wirkung und wurde so zum beliebtesten Haushalts-Desinfektionsmittel Australiens. Das Öl wurde besonders wichtig, um Wunden im zweiten Weltkrieg zu behandeln. Es war gar so hoch angesehen, dass angeblich Menschen, die in der Teebaumöl-Produktion arbeiteten, vom Militärdienst frei gestellt wurden, bis wieder genügend Reserven davon produziert waren, so dass jeder australische Soldat in seinem Erste-Hilfe-Set ein Röhrchen Teebaumöl dabei hatte.

Das Öl aus den Zweigen dieses wunderschön cremeweiß-pfeifenputzerähnlichen blühenden Baumes namens Melaleuca alternifolia besteht aus circa 20 Inhaltsstoffen (gezählt bei einer 99,26%-Analyse, „Minis“ mit Anteilen weit unter 0,1% können freilich auch noch vorhanden sein). Jedes einzelne dieser Moleküle sind für sich genommen gar nicht so besonders. Doch das Zusammenspiel dieser natürlichen Bausteine ergibt eine seltene Kombination aus BREITBAND-WIRKUNG bei unterschiedlichsten Infektionen und doch gleichzeitig großer MILDE. Das einzige „Problem“ bei Teebaumölen ist ihre recht kurze Haltbarkeit bzw Verträglichkeit. Bei sehr empfindlicher Haut kann ein unsachgemäß gelagertes Teebaumöl bereits nach 6-9 Monaten hautreizend wirken. Von robuster, gesunder Haut kann es auch viel länger vertragen werden.

Die relativ kurze Haltbarkeit hat zum einem mit einem eher geringen Anteil an stabilisierend wirksamen Sesquiterpenen (meistens circa 4%) und Sesquiterpenolen (meistens unter 2%) zu tun. Andererseits findet durch Wärme, Licht und Sauerstoff im Teebaumöl ein chemischer Prozess statt, in dem sich Moleküle im Öl von bestens verträglich zu hautreizend verändern. Im eher realitätsfernen Experiment bei sehr ungünstiger Lagerung (hell, warm, zu kalt, unverschlossen) – kann das Öl innerhalb von wenigen Wochen stark oxidieren, es können aggressive Peroxide, Hydroperoxide und Endoperoxide aus den Monoterpenen, die im Öl enthalten sind, entstehen, u.a. hyperämisierendes (hautrötendes) Ascaridol, welches zu ernsthaften Dermatiden und Allergien führen kann (es reagiert in isolierter Form mit organischen Säuren, der weibliche Genitalbereich befindet sich im sauren pH-Bereich, also Achtung!). Jedoch keine Sorge, im lichtgeschützten dunklen Fläschchen und bei weder zu kalten noch zu warmen Temperaturen hält Teebaumöl ein gutes Jahr oder gar mehr.

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Umwandlung von Terpineol-4 zu Ascaridol

Dermatologen entdeckten ferner, dass der natürlicher- und frischerweise niedrige Gehalt an p-Cymen im Laufe der Zeit von 3 auf 11,5 Prozent steigen kann. Dieses Molekül wirkt in kleinen Mengen deutlich schmerzlindernd und zart durchblutungsanregend (Counterirritant Effect), schon eine etwas erhöhte Menge kann bei sehr feiner und empfindlicher Haut zu (leichten) Reizungen führen. Es beschädigt jedoch besonders die Zellwand von Bakterien auf eine Weise, dass antibiotische Stoffe (natürlich oder synthetisch) den Krankheitskeim schädigen können (ich berichtete hier über dieses neu entdeckte Phänomen). Umgekehrt schrumpfte der Gehalt an Alpha- und Gamma-Terpinen sowie an Terpinolen auf die Hälfte der ursprünglichen Konzentration. Das ist im Buch Dermatologie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend von B. M. Hausen (Dermatol. Klinik Buxtehude), Seiten 154-156 nachzulesen und in der Arbeit: Hausen BM, Reichling J, Harkenthal M. Degradation products of monoterpenes are the sensitizing agents in tea tree oil. Am J Contact Dermat. 1999 Jun;10(2):68-77.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie Autoren dieser Arbeit betonen ausdrücklich „Während frisch destilliertes Teebaumöl selten zu Hautveränderungen führt, induziert autoxidiertes Öl eine Kontaktallergie„. Ich kenne übrigens jemanden, der ein bei einem Discounter gekauftes Teebaumöl hat gaschromatographisch untersuchen lassen, es kam leider bereits oxidiert aus der sehr preiswerten Flasche. Geht man also behutsam mit diesem Öl um, sorgt der Inhaltsstoff Terpineol-4 (oder Terpinen-4-ol, ein Monoterpenol) für eine hervorragende antiseptische Wirkung, ohne auch nur im geringsten reizend zu wirken.

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Thymol

Wir kennen bei den üblicherweise verwendeten ätherischen Ölen noch eine zweite Gruppe von Inhaltsstoffen, die über eine ausgeprägte Breitband-Wirkung bei Infektionen verfügt: die Monoterpenphenole (meistens einfach Phenole genannt, diese sind ähnlich, jedoch nicht identisch mit dem oben erwähnten Phenol, welches korrekt ein Benzenol ist). Doch diese können bereits in kleinen Mengen hautreizend und vor allem schleimhautreizend wirken. In isolierter und synthetischer Form allerdings wesentlich schlimmer, als eingebettet in das Zusammenspiel mit anderen Molekülen. Bei manchen Anwendungen ist die heftige Wirkung okay und man nimmt vielleicht sogar minimale Reizungen in Kauf, beispielsweise bei einem hartnäckigen Fußpilz. Man muss ätherische Öle, die diese Inhaltsstoffe enthalten, sehr verantwortungsvoll verdünnen. In einem französischen Buch über Aromatherapie wurde die Hautanwendung nur für die Fußsohlen als zumutbar betrachtet (Philippe Mailhebiau: La nouvelle aromathérapie). Die ätherischen Öle folgender Pflanzen sind Beispiele für Öle, die von Natur aus reich an Phenolen sind :

  • Thymian Ct. Thymol (Thymus vulgaris)
  • Thymian Ct. Carvacrol (Thymus vulgaris)
  • Spanischer Thymian (Thymus zygis)
  • Quendel (Thymus serpyllum)
  • Oregano (Origanum vulgare)
  • Spanischer Oregano (Corydothymus capitatus)
  • Bohnenkraut (Satureja montana)
  • Gewürznelkenknospe und -blätter
  • Tulsi (Ocimum sanctum)
  • Piment und Bay (Pimenta dioica und P. racemosa)                       ABER
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durch Klicken wird diese Vergleichs-Tabelle von Teebaumöl-Analysen größer!

Teebaumöl aus Melaleuca alternifolia enthält keine Phenole, darum ist ein frisches Teebaumöl bereits bei Kleinkindern anwendbar, freilich in den dem Alter des Kindes angepassten Verdünnungen von circa 1 Prozent. Es gibt allerdings einen Öleanbieter, dessen Teebaumöl angeblich einen erheblichen Anteil an Phenolen haben soll (35-70% Monoterpene, 25-40% Phenolalkohole, 2-8% Alkohole, 8-20% Sesquiterpene, 5-18% Sesquiterpene, 1-5% Sesquiterpenole, siehe Tabelle ganz rechts). Sollte das angebotene Öl tatsächlich so zusammen gesetzt sein, würde es sich nicht um ein naturreines, frisches ätherisches Öl aus Melaleuca alternifolia handeln, es würden dann nicht die üblichen Empfehlungen gelten und es wäre möglicherweise auch nicht so hautverträglich wie normalerweise erhältliche hochqualitativen Teebaumöle.

Ich gehe jedoch davon aus, dass diese Behauptung nicht wahr ist, denn die Konkurrenz schläft nicht und es passiert jedem Ätherische-Öle-Anbieter, dass die Mitbewerber mal das eine oder andere Produkt buchstäblich unter die Lupe nehmen. Es wäre viel zu riskant, ein derart verfremdetes „Teebaumöl“ auf den Markt zu bringen. Ich vermute vielmehr, dass man mit dieser „neuartigen Inhaltsstoffe-Analyse“ für Teebaumöl versucht, passend zu machen, was nicht passt, und dieses wirklich unglaublich potente Öl in eine von diesem Anbieter erfundene/verwendete Skala zu pressen. Diese Zahlen-Skala soll das Qualitäts- und Heilungspotenzial von ätherischen Ölen auf einen Blick erkennbar machen, besonders hoch angepriesene ätherische Öle enthalten in diesem System Phenole. Im Prinzip eine prima Sache! Macht man beispielsweise auch bei Lebensmitteln*.

Laut diesem Öle-Anbieter, der stets extrem hohe Dosierungen empfiehlt, hat das Teebaumöl auf der firmeneigenen Skala 100 von 100 Punkten. An die Spitze dieser in der Branche nicht anerkannten Bewertungsskala kommt Teebaum allerdings nur, wenn man ihm einen hohen Anteil an nachweislich nicht vorhandenen Phenolen andichtet. Ebenso wie Wintergrünöl und Majoranöl Phenole enthalten sollen. Dichtung und Wahrheit: Kommerziell funktioniert diese Marketing-Prosa bestens, auch oder weil sie auf völlig falschen Grundannahmen basiert.

Quelle, Infos zur Tabelle: ATTIA, Australian Tea Tree Industry Association  http://www.teatree.org.au/
ISO http://www.iso.org/iso/iso_catalogue/catalogue_tc/catalogue_detail.htm?csnumber=37033

  • Die Teebaumöle dieser Tabelle stammen von sieben renommierten Anbietern aus Deutschland, USA, Frankreich, Brasilien. „Öl 3“ bezeichnet Mittelwerte eines Labors, das mehrere Teebaumöle analysiert hat.
  • Die grünen Zeilen enthalten Monoterpenole (Monoterpen-Alkohole), die blauen Zeilen enthalten Monoterpene (C10-Kohlenstoffketten ohne funktionelle Gruppe), die orangefarbenen Zeilen enthalten Sesquiterpene (C15-Kohlenstoffketten ohne funktionelle Gruppe), die grauen Zeilen enthalten Sesquiterpenole (Sesquiterpen-Alkohole), die gelbe Zeile enthält das Monoterpen-Oxid 1,8-Cineol (=Eukalyptol).
  • In der rechten weißen Spalte befinden sich die Angaben einer Repräsentantin des erwähnten Anbieters, der Phenole in seinem Teebaum haben soll. Diese Angaben weichen sowohl von den international geforderten Inhaltsstoffemengen ab als auch vom Durchschnitt aller von mir durchgesehenen GC-Analysen von unterschiedlichsten Teebaumölen.
  • Sp bedeutet Spuren.
  • Das Zeichen :: bedeutet, dass 2-3 minoritäre Inhaltsstoffe nicht aufgelistet sind.
  • Das Zeichen ::: bedeutet, dass mehr als 5 minoritäre Inhaltsstoffe nicht aufgelistet sind, die in den anderen Analysen nicht aufgeführt sind.
  • Die beiden Öleanbieter, unter denen in der letzten, weißen Spalte eine Zahl steht, stellten annähernd 100%-Analysen zur Verfügung.
  • Viridifloren wird in den USA oft Leden genannt.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZum Vertiefen des Wissens rund um Teebaumöle im weitesten Sinne hier noch ein Link der Universität Hamburg zu einer Dissertation (Doktorarbeit) über unterschiedliche Melaleuca- und andere Teebaumöle von Frank Christoph, sie lautet: „Chemische Zusammensetzung und antimikrobielle Eigenschaften der ätherischen Öle von Leptospermum scoparium J. R. et G. Forst. und anderer Teebaumöle der Gattungen Kunzea, Leptospermum und Melaleuca unter besonderer Berücksichtigung von Handelsölen“

Nachfolgend liste ich meine uralten Bücher zum Thema auf, falls jemand antiquarische Schätze sammeln möchte, bei den beiden schönen Büchlein von Ruth von Braunschweig tut es mir richtig Leid, dass sie vom Markt verschwunden sind:

* indem man beispielsweise den ORAC-Wert (Oxygen Radical Absorbance Capacity) angibt, der anzeigt, wie stark antioxidativ ein ‚Superfood‘ wirken soll (z.B. Kurkuma 127068, Hagebutten 96150, Gojibeeren 3290, Quelle).

heuschnupfen: JETZT vorsorgen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFast jedes Jahr im Herbst erinnere ich meine LeserInnen an die Vorzüge der wunderbar samtig-holzig duftenden Öle der beiden echten Zedernarten. Die Himalaya-Zeder [Cedrus deodara (Roxb. ex D.Don) G.Don.] ist eine enge Verwandte der Atlas-Zeder [Cedrus atlantica (Endl.) Manetti ex Carrière]. Diese Methusalems unter den Bäumen können weit über 1000 Jahre alt werden – es sind auch einzelne Prachtexemplare mit über 2000 Jahren bekannt – zudem ist die majestätisch wirkende Zeder einer der ganz großen und unübersehbaren Bäume. Ich nenne beide sehr ähnlichen Öle die „Stark-wie-ein-Löwe-Öle“. Zedern sind übrigens mit den Kiefern, Fichten, Tannen und Lärchen verwandt, doch anders als bei jenen, werden nicht die Nadeln sondern die Holzstückchen destilliert, so dass es von besonderen Sesquiterpenen und deren Abkömmlingen geprägt wird.
Zedernöl wirkt stabiliserend und kräftigend, sowohl körperlich als auch im seelischen Bereich. Es stimuliert die Aktivität der Lymphgefässe, wirkt der Steinbildung entgegen und wird wegen seiner lipolytischen („fettauflösend“) Fähigkeiten Cellulitemischungen beigegeben.
Verblüffende Erfolge erzielt man mit einer rechtzeitig begonnenen Anti-Heuschnupfen-Maßnahme: Acht bis zehn Wochen vor Beginn der Pollenflugsaison verwendet man mehrmals täglich ein Dekolleté-Spray und fast alle Benutzer berichteten bislang von deutlich weniger Juckreiz, Schniefen und Augenbrennen. Es wird wie ein Raumspray, jedoch in Kopfnähe, versprüht, so dass man etwas davon einatmet.
In der Psycho-Aromatherapie hat das fast ewig haltbare Öl mit dem Thema „Präsenz im Hier und Jetzt“ zu tun, es unterstützt große und kleine Menschen, die sich mickrig und fehl am Platz fühlen. Es ist auch ein wertvoller Begleiter bei jeder Art von Wechsel und Neubeginn: Umzug, Schulwechsel, Partnerschaft, Beruf, Schwangerschaft. Der Inhaltsstoff Atlanton ist ein Sesquiterpenketon und kann nicht als schädigend bezeichnend werden, somit ist die Anwendung in der Schwangerschaft – im Gegensatz zu dem, was in vielen Büchern zu lesen ist – kein Problem. Die veralteten Warnungen kamen durch eine Verwechslung mit den amerikanischen „Zedern“ (Red Cedar) zustande, die vereinzelt neurotoxisch wirken können.

Ein Rezeptbeispiel, da bereits sehr viele Heuschnupfengeplagte überzeugen konnte:
50 ml Wodka
20 Tropfen Zypressenöl
10 Tropfen Zedernholzöl
2 Tropfen Melissenöl
Alles in einer Sprühflasche aus lichtgeschütztem Glas (Apotheke) gut verschütteln, vor jedem Versprühen immer wieder gut schütteln, da kein Emulgator die Mischung stören soll. Mehrmals täglich um sich herum versprühen, etwas davon einatmen und/oder auf die Haut geben. Diese Ölmischung kann freilich auch mit einen guten fetten Öl hergestellt werden und als Körperöl verwendet werden.

nebenwirkungen von ätherischen ölen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieKönnen ätherische Öle Schaden anrichten? In diese Richtung gehen viele Diskussionen in Internetgruppen. Es gibt die verrücktesten Behauptungen, Missverständnisse und Verwirrungen. Die einen verdünnen bis zur Unkenntlichkeit während die anderen immer forscher mit unverdünnten, teils sehr hautreizenden Mengen um sich werfen. Die einen warnen oft und heftig über den Gebrauch von ätherischen Ölen, die anderen meinen „ist doch alles Natur“ und man könne bedenkenlos und ohne viel Schulung heilend unterwegs sein. Da ich in Vorbereitung auf die komplett zu renovierende Neuauflage meines Kursbuches vielerlei (Fach-)Texte lese, übrigens auch in französisch und englisch (wo derzeit ähnliche Diskussionen stattfinden), stelle ich fest, dass 99 Prozent aller Gefahrenhinweise auf die INNERE Verwendung von ätherischen Ölen zurück zu führen sind.

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Tabelle zur Toxikologie von ätherischen Ölen im Buch „Essential Oil Safety von Robert Tisserand und Rodney Young“

Auch botanische Missverständnisse kursieren gerne im Internet, beispielsweise vor einigen Tagen die Fragestellung von Robert Tisserand in seinem hervoragenden Blog (klick!), ob Bergamotteöl für Kinder gefährlich werden könne, da es schwere Krämpfe auslösen könne (das behaupten zwei in den USA anerkannte verbraucherschutz-orientierte Websites). Bei echtem Bergamotteöl, das über ein Drittel krampflösendes Linalylacetat enthält (wie Lavendelöl), ist keine Gefahr zu befürchten. In der englischen (Gärtner-)Sprache jedoch wird die Indianernessel ‚bergamot‘ genannt, diese wunderschöne Pflanze, vor allem Monarda fistulosa, gibt es in einem Chemotypen der reichlich Carvacrol enthält. Das Öl dieser ‚bergamot‘ kann also Kindern durchaus gefährlich werden.

Nach gründlichem Durchlesen des ausführlichen Kapitels über Toxikologie im fast 800 Seiten starken Wälzer Essential Oil Safety von Robert Tisserand und Rodney Young ist mir nochmals klar geworden, dass der überwiegende Teil der Warnungen aufgrund von Tierexperimenten zustande gekommen ist, mit völlig überzogenen Dosierungen, teilweise mit synthetischen Isolaten. Für viele Warnungen bezüglich Wechselwirkungen mit Medikamenten wurden vorwiegend tierische Gewebeproben für die Experimente verwendet und dann auf Wirkungen auf den lebenden Menschen geschlossen. Viele dieser „negativen Erkenntnisse“ entstanden im Zusammenhang mit „heftigen“ Medikamenten wie Antidepressiva, Immunsuppressiva, Blutdrucksenkern etc.

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Detail aus einer Tabelle im Buch „Essential Oil Safety von Robert Tisserand und Rodney Young“

So komme ich immer wieder zu den gleichen Schlussfolgerungen:

  • Wenn ätherische Öle aus seriöser Quelle verwendet werden, verringert sich das Potenzial von unerwünschten Nebenwirkungen.
  • Wenn qualitativ hochwertige ätherische Öle verdünnt werden, wie von allen seriösen KollegInnen und AutorInnen empfohlen (zwischen 0,5 und 5 Prozent; in Ausnahmefällen 10 Prozent wie beim Kopfschmerz-Roll-on oder tropfenweise pure Anwendung bei akuten Verletzungen), sind unerwünschte Nebenwirkungen bei grundsätzlich gesunden Menschen so gut wie ausgeschlossen (klar, es gibt Menschen, die so empfindlich sind, dass sie auch von etwas zu viel Kochsalz, von frischem Brot, von Ananas  etc Schäden davon tragen).
  • Wenn bei vielen ätherischen Ölen die relativ kurze „Haltbarkeit“ berücksichtigt wird, verringert sich das Potenzial von unerwünschten Nebenwirkungen, insbesondere bezüglich der Hautreizung und des Allergiepotenzials. Die „Haltbarkeit“ kann leider nicht absolut betrachtet werden, leicht oxidierte Öle können empfindliche Haut stark reizen, stark oxidierte Öle werden von robusten Naturen manchmal gar nicht zur Kenntnis genommen. Eine Übersicht und eine Tabelle zur Haltbarkeit kann hier (klick!) nachgelesen werden.
  • Wenn bei Kleinkindern bestimmte Öle vermieden werden (vor allem Pfefferminze und cineolhaltige Öle von Billigfirmen) und so genannte Erkältungsöle NUR auf den Rücken und auf die Füße (nicht jedoch in Nasennähe auf Brust und im Gesicht) aufgetragen werden, kann man auch bei dieser empfindlichen Gruppe unerwünschte Nebenwirkungen fast ausschließen.
  • Wenn schwangere Frauen „immer der Nase nach gehen“ (denn ihr Riechsinn ist in dieser Zeit extrem alert) und ätherische Öle nur ÄUSSERLICH und 1-2%ig verdünnt anwenden, ist keinerlei Schädigung ihres Babys zu befürchten. Sie dürften sonst nicht im Restaurant/Kantine essen gehen (mit Hexan gewonnene „Speiseöle“, hormonbelastete Fleischprodukte, Farbstoffe, Aromastoffe etc), sie dürften keine herkömmlichen Parfüms/Kosmetika anwende (hormonähnliche Phtalate, synthetische Duftstoffe etc), sie dürften keine Nicht-Bio-Kleidung tragen (gefährliche Farbstoffe, Agrargifte-Rückstände in Billig-Baumwolle, elektrostatische Effekte in Sythetikstoffen etc), sie dürften keinen Joghurt mit Zimt und kein Rotkraut mit Nelke mehr essen. Die Gefahrenmeldungen in Büchern beziehen sich IMMER auf Erkenntnisse durch fehlerhafte und INNERE Anwendungen (beispielsweise zu Abtreibungszwecken). Hier kann detailliert über ätherische Öle in der Schwangerschaft nachgelesen werden.
  • Wenn Menschen mit Neigung zu Krämpfen des Nervensystems/Epilepsie nur mit ketonarmen ätherischen Ölen behandelt werden, sollten keine Krämpfe vorkommen. Viele ätherische Öle wirken sogar Krämpfen entgegen (Lavendel, Mandarine, Orange, Bergamotteminze, Basilikum, Majoran, Fenchel etc) sodass bei korrekter Verdünnung eher positive Effekte zu erwarten sind. Zur Aromatherapie bei Epilepsie kann hier (klick!) nachgelesen werden.
  • Wenn Menschen, die stark in ihren Organismus eingreifende Medikamente nehmen müssen (Betablocker, Blutverdünner, Antidepressiva, Cholesterinsenker, Krebs-Behandlung etc), sind die oben stehenden Hinweise besonders zu berücksichtigen. Bei ÄUSSERER Anwendung und Verdünnungen unter 3 Prozent sind selbst bei Menschen, die Blutverdünner verwenden, keine unerwünschten Nebenwirkungen zu befürchten. Bei Unsicherheit kann heutzutage jeder Laie den Quick-Wert kontrollieren.
  • Wenn bei der Einnahme von ätherischen Ölen berücksichtigt wird, in welcher winzigen Menge die Duftstoffe in der Originalpflanze vorliegen und ob wir sie täglich oder nur im Krankheitsfalle zu uns nehmen würden, gibt es – vorausgesetzt die Qualität stimmt – auch in diesem Bereich nichts zu befürchten. Also kann von Bio-Zitrusölen 1 Tropfen täglich verspeist/getrunken werden (Hauptinhaltsstoff Limonen, dieses essen/trinken wir auch in Orangensaft, Cola-Getränken, Tomaten, Aprikosen, Orangenmarmelade, Dill, Kümmel, Pfeffer, Koriander etc), 1-2 Tropfen von Vanille- und Kakao-Extrakt sind auch täglich möglich. Tonkaextrakt, Pfeffer- , Ingwer-, Basilikum-, Thymian-, Zimt- und Nelkenöl sollten nicht täglich eingenommen werden, doch das regelt der Appetit vermutlich von selbst. Andere Öle (Bohnenkraut, Salbei) nur gelegentlich und/oder zu Krankheits-Anlässen wenn man sich gut auskennt oder exakt nach den zwei hervorragenden Kochbüchern Duftküche (klick!) von Maria Kettenring und Aromaküche (klick!) von Sabine Hönig und Ursula Kutschera. Vor genau einem Jahr habe ich zum Thema „Einnahme von ätherischen Ölen“ eine Erläuterung und eine Übersichtstabelle zusammengestellt, diese können hier (klick!) nachgelesen werden.

Auf ein gesundes und leckeres NEUES JAHR!

Übrigens sind die Pflanzen dieses neuen Jahres (alle drei sind Ätherisch-Öl-Pflanzen!):

ZWIEBEL, Heilpflanze des Jahres 2015, gewählt vom Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V, hier (klick!) gibt es Informationen dazu

JOHANNISKRAUT, Arzneipflanze des Jahres 2015, gewählt vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“, der Universität Würzburg, hier (klick!) gibt es Informationen dazu

SALBEI, Duftpflanze des Jahres 2015, gewählt von The Scented Drop, hier (klick!) gibt es Informationen dazu, bis Ende Juni kann ein Projekt über diese wertvolle einheimische Heilpflanze eingereicht werden, Infos zu hier.

von zedern und cedars


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIn der englischsprachigen Welt werden sehr viele Bäume, welche Nadeln und Zapfen tragen, einfach ‚cedar‘ genannt. Diese umgangssprachlich unkorrekte Benennung völlig unterschiedlicher Pflanzen – bei einigen ist das ätherische Öl sogar mit einer nicht unerheblichen Toxizität belastet – hat schon für manche Verwirrung gesorgt. ‚Red cedar‘ ist der Lieferant von den „Zedernklötzchen“ für den Kleider- und Küchenschrank, von schönem Fassadenholz  und auch des ätherischen Thuja-Öles (Thuja occidentalis und Thuja plicata). Das ätherische Öl der Virginia-Zeder stammt von einer Wacholderart (Juniperus virginiana), es enthält ganz andere Inhaltsstoffe als das gebräuchlichere ätherische Öl der Atlaszeder und ist übrigens nicht gefährlich, wie manchmal behauptet wird. Die Texas-Zeder (Juniperus mexicana) ist auch eine Wacholderart.

Für die Erleichterung von allergischen Symptomen werden die ätherischen Öle der echten Zedern Cedrus atlantica (Atlaszeder) und von Cedrus deodara (Himalajazeder) eingesetzt. Letzteres findet in seiner indischen Heimat durch seine enorm, spasmolytische Wirkung ein hilfreiches Einsatzgebiet bei erhöhtem Blutdruck und bei psychischen Störungen. Beide Zedernöle sind wunderbare Helfer nach schweren Zeiten und bei allgemeiner Abwehrschwäche (bezüglich des Immunsystems und bezüglich der Widrigkeiten des Lebens).

Kürzlich besuchten wir mit einer Duft-Erlebniswoche-Gruppe die enorm duftenden Reste einer über hundertjährigen Atlaszeder, die von einem der 12 Stürme, die Irland im Winter geplagt hatten, umgehauen wurde. Jemand hatte die Jahresringe gezählt und Weltereignisse wie die beiden Weltkriege auf die Schnittstelle aufgetragen. Die Gruppe sammelte die aromatischen Sägespäne, um ganz oft dran zu schnuppern, um Kraft zu tanken und um eventuell ein Hydrolat daraus zu destillieren. Es wurde gespürt, wie dieser Baum stärkt, stabilisiert und ungeahnte Kräfte wecken kann.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Das sind die ErLEBnisse, die man als Dozent in keinem noch so schönen Unterrichtsraum dieser Welt vermitteln kann. Die mich so froh machen, dass ich oft draußen mit und bei den Pflanzen – unseren ‚Ölelieferanten‘ – von ihren besonderen Eigenschaften erzählen kann. Ich bin dankbar, dass die KursteilnehmerInnen diese selbst erfahrenen und erspürten besonderen Erlebnisse mit nach Hause nehmen können, dass sie das Gelernte verinnerlichen können, ohne von Lernblockaden geplagt zu werden. Das ist ganzheitliches Lernen und Be-Greifen im besten Sinne!

Über die Umweltproblematik bei der Verwendung von Holzölen hatte ich bereits hier geschrieben, über die Zeder die keine Zeder ist, kann man hier nachlesen.

Der Sommer hat mit der kürzesten Nacht des Jahres bereits seinen Zenit überschritten, die letzte Dufterlebnis-Woche wird bald stattfinden (ab 12.7.), die Termine für nächstes Jahr sind hier (klick!) nachzulesen.

herz-, haut,-blutzellen: alle können riechen


Theobroma cacao Eliane Zimmermann Aida AromatherapyFast unbemerkt ist die vor einigen Wochen erschienene Pressemitteilung der TU München (TUM) an den meisten von uns vorbei gegangen: Forscher haben herausgefunden, dass sogar Blutzellen „riechen“ können. Sie sind also mit so genannten Chemorezeptoren ausgestattet, welche auf Riechstoffe reagieren können.

Wie Prof. Peter Schieberle, Leiter des TUM-Lehrstuhls für Lebensmittelchemie und Direktor der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA; Leibniz-Institut) erläuterte, ging die Wissenschaft bisher davon aus, dass nur die Nase über Geruchsrezeptoren verfügt. Dass sich olfaktorische Rezeptoren auch auf anderen als den Riechzellen befinden, war somit laut Prof. Schieberle eine Überraschung.

TeilnehmerInnen von diversen Aromatherapie-Kongressen wissen allerdings seit vielen Jahren – dank der Aufklärungsarbeit von Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt, dass man an der Uni Bochum bereits andere Zellen und deren Rezeptoren identifizieren konnte, welche auf Geruchsreize reagieren. Vor gut zehn Jahren wurden von seinem Team Spermien als riechende „Wesen“ erkannt, einige Zeit später berichtete er von auf Geruchsmoleküle reagierende Herz- und Hautzellen. Hier (klick!) kann man in einem älteren Blog-Eintrag mehr dazu lesen, hier geht es zu seinem Buch (klick!).

Laut der Ende April 2013 veröffentlichten Pressemeldung der Arbeitsgruppe um Dr. Dietmar Krautwurst (TUM) „können Blutimmunzellen bestimmte Lebensmittelinhaltsstoffe erkennen. Der Begriff ‘riechen‘ bleibt aber dem Organ Nase vorbehalten, auch wenn es sich hier um die gleichen Rezeptoren handelt. Im Falle der Blutzellen sprechen wir von Chemorezeption.“  Primärzellen aus menschlichen Blutproben können von Duftmolekülen, die für ein bestimmtes Aroma verantwortlich sind, angelockt werden. Schieberle erläuterte ein Experiment, bei dem die Forscher einen duftenden Lockstoff auf der einen Seite einer unterteilten Multiwell-Platte und Blutzellen auf der anderen Seite aufbrachten. Die Blutzellen bewegten sich in Richtung des Geruchs.

„Es ist noch nicht geklärt, ob die Geruchsmoleküle im Körperinneren auf dieselbe Weise wie in der Nase wirken“, erklärte er. „Aber das würden wir gerne herausfinden.“ Schieberles Arbeitsgruppe arbeitet auf einem Gebiet, das sie „Sensomics“ nennen. Hierbei erforschen sie insbesondere, auf welche Weise Mund und Nase die Schlüsselsubstanzen für Aroma, Geschmack und Beschaffenheit von Nahrungsmitteln wahrnehmen, vor allem von wohlschmeckenden Nahrungsmitteln wie Schokolade und Röstkaffee.

Wer englisch lesen kann, sollte sich ich diesen Artikel über Sensomics auf der Zunge zergehen lassen, in dem zusammengefasst wird, wie die Arbeitsgruppe von Prof.  Schieberle die Geruchsmoleküle von Schokolade bzw. Kakao zerlegt hat. Sie fanden darunter ‚appetitliche Düfte‘ wie Isovaleriansäure (2- and 3-methylbutanoic acids), welche schwitzig und ranzig riecht,  Dimethyltrisulfid, welches schwefelig nach gekochtem Kohl riecht und eine Komponente , die an Kartoffelchips erinnert (2-ethyl-3,5-dimethylpyrazine). Diese und andere Geruchsstoffe zusammen identifiziert unser Gehirn dann als „lecker-schokoladig-appetitlich-haben-will“ (insbesondere wenn dann noch der neurotransmitter-artige Botenstoff Vanillin ins Spiel kommt).

Die Reaktion von Zellen des menschlichen Immunsystems auf Riechstoffe wirft vielleicht bald ein ganz neues Licht auf die Entstehung von Allergien. Vielleicht „schmeckt“ unserem Immunsystem so einiges, das uns die Industrie auftischt, ganz und gar nicht. Umgekehrt werden möglicherweise die hervorragenden Wirkungen einiger ätherischer Öle wie Atlaszeder (Cedrus atlantica) und Zypresse (Cupressus sempervirens) auf ein völlig überreiztes und überfordertes Immunsystem besser erklärbar.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDeren Moleküle sind uns menschlichen Wesen seit „ewigen Zeiten“ vertraut, sie „schmecken“ uns, wir können sie gut leiden, sie duften für uns und helfen uns.  Auch der therapeutische Effekt von Einreibungen und Massagen mit natürlichen ätherischen Ölen erscheint in Anbetracht der neuen Forschungsergebnisse in einem anderem Licht: Wenn Haut- und Blutzellen „riechen“ können, geben sie vermutlich (im Idealfall) wertvolle Heilungsimpulse in unseren gesamten Körper. Im besten Sinne sind Aromatherapie und Aromapflege also ein Bestandteil der Regulativen Medizin. Umso wichtiger erscheint es nun, dass wir uns möglichst NIE – oder zumindest nicht täglich – mit synthetischen Duftmolekülen umgeben und schon gar nicht unsere Haut damit be-LÄSTigen (was passiert mit der unverdaulichen LAST? wird sie irgendwo gelagert, kapselt sie sich ein? entwickelt sie ein Eigenleben, bewirkt sie Tumore?). Denn immer mehr zeichnet sich ab, dass Riechstoffe nichts anderes als Botenstoffe sind (vor einigen Jahren berichtete Ruth von Braunschweig bereits, dass Vanillin der Lockstoff einer südamerikanischen Wanze sei). Wer weiß, welche irritierenden Botschaften von menschengemachten Molekülen ausgehen mögen? Wie sehr sie uns runter ziehen können, wie sie Alarmsignale in unserem Körper verbreiten. Wie sehr sie traurig, ja depressiv machen können? Also lieber (und sicherheitshalber) in Wohlfühldüften aus der Natur schwelgen, unsere Nase zeigt den Weg.

tipps zum hingehen, nachdenken und lernen


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieVielen Dank an alle Mitmacherinnen des Makrofoto-Rätsels, es hat mir viel Spaß gemacht, eure Assoziationen und Vermutungen zu lesen. Wer das Büchlein (knapp 60 Seiten und wie eine Zeitschrift gebunden) von Katerina Svoboda mit diesen wie aus einer anderen Welt anmutenden Makrofotos von Duftpflanzen-Organen bestellen möchte: Ich habe endlich die Adresse der tschechischen Verlegerin bekommen, welche die Restbestände des Buches (circa 40 Euro) vertreibt:  Marie Noe von One Woman Publishing kann perfekt englisch, ihre E-Mail-Adresse lautet owp at owp.cz (bitte die Leerzeichen rausnehmen und das at durch @ ersetzen, das ist Spamschutz).

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieAn alle Österreicher und Süddeutschen, die es noch nicht mitbekommen haben: Am kommenden Samstag 24. November findet wieder der inzwischen traditionelle (6.) Tag des ätherischen Öles statt – veranstaltet vom  aromaFORUM Österreich – gemeinnütziger, firmenunabhängiger Verein in Linz. Viele tolle ReferentInnen und Düfte, Düfte, Düfte (von den unterschiedlichsten Firmen) zum Kennenlernen, Vergleichen, Ausprobieren, Kaufen sowie viele Möglichkeiten zum Austausch mit Gleichgesinnten. Und zum Ausprobieren von leckeren Köstlichkeiten, die mit ätherischen Ölen zubereitet wurden.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDie Verwendung von ätherischen Ölen in Kosmetik soll noch mehr eingeschränkt werden, über 100 Öle bzw. ihre Bestandteile sollen deklariert werden (zurück zum Umkarton mit ellenlangem Beipackzettel?). Um AllergikerInnen zu schützen, sollen bestimmte Naturdüfte nur noch in 0,01-prozentig zur Beduftung eingesetzt werden (also eigentlich gar nicht ;-( ). Nachzulesen hier (klick!), danke Volkmar von Duftleben für diese Info. Allen Nicht-AllergikerInnen – das ist immer noch der größere Teil der allgemeinen Bevölkerung – soll dann im Umkehrschluss die Verwendung der antioxidativen, antientzündlichen und vermutlich gar antitumoralen Eigenschaften vieler ätherischer Öle verwehrt sein. Das nenne ich kosmetisch-naturheilkundlichen Totalitarismus. Und man kann als Bürger nichts dagegen tun, traurig. Aber immerhin kann man gemäß der immer wichtigeren Devise etwas tun: selber machen! Manche Produkte können wirklich im Handumdrehen und ohne viele Zutaten hergestellt werden, wie die Schüttelsalbe (oder auch Schüttelcreme und wie auch Deodorants. Wer es perfekt und so samtig-luftig-zart wie von den edelsten Herstellern mag, kann sich bei Heike Käser und ihrer Rührküche inspirieren lassen und nach wundervollen Rezepturen umschauen. Ihr Buch Naturkosmetik selbermachen ist eine wundervolle Fundgrube! Einfacher aber mit wundervollen Verpackungsideen zum Basteln ist Schönheit aus der Natur, auch wie man Feine Seifen und Badeöle macht, ist nicht schwer zu lernen und macht zudem noch viel Spaß, kann geradezu süchtig machen. Bei Deos und Badeölen hat man auch nicht das Problem, dass die Haltbarkeit so kurz ist wie bei Cremes und Körperlotionen (wegen des mehr oder weniger ausgeprägten Anteils an Wasser, das die Keime anzieht).

Eliane Zimmermann Informationen über angstlösende Wirkung von LavendelölMeine engagierte Leserin Bastelfee hat dieser Tage eine teilweise ärgerliche Fernsehsendung im WDR gesehen, in der über die Lavendelölkapseln Lasea hergezogen wurde (hier geht’s zur Zusammenfassung). Ich stimme den Kritikern zu, dass die derzeit in vielen Publikationen geschaltete Werbung für Lasea, die quasi impliziert, dass die lila Kapseln die Angst vor Arbeitslosigkeit nehmen, ziemlich missraten ist. Insbesondere in Gelsenkirchen und im Ruhrgebiet allgemein, wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist, regt man sich über eine solche fast zynische Reklame auf. Doch deswegen die Wirksamkeit des recht gut wissenschaftlich untersuchten Medikamentes (mehrere Doppelblindstudien) schlecht zu reden, halte ich für sehr fragwürdig. Über die Studie, die dieses Jahr veröffentlicht wurde, habe ich hier (klick!) geschrieben.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieWer eine wirklich unermüdlich engagierte und erfahrene Pflegefachfrau zum Thema ätherische Öle in der Krankenpflege erleben möchte, wer von ihr lernen möchte, wie man onkologischen PatientInnen, insbesondere Kindern mit Krebserkrankungen, mit ätherischen Ölen das Leben leichter machen kann, wer hören möchte, wie jemand Honig (Medihoney) und frische Aloe vera-Blätter im klinischen Bereich einsetzt, sollte unbedingt bei der Pionierin Gisela Blaser in die Schule gehen. Sie war es, die Frauen mit Brustkrebs und den bestrahlungsbedingten Verbrennungen, Narben und entsprechenden Verstümmelungen die erfolgreiche Vor- und Nachsorge mit Niaouli- und Sanddornöl ermöglicht (und bekannt gemacht) hat. Eine einmalige Gelegenheit dazu bietet sich bei dieser ihrer Kooperation mit Sabrina Herber bzw. ihrer Schule Vivere ab Ende Januar 2013.

allergiesymptome mit ätherischen ölen lindern


Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy InternationalEinen Tag nachdem ich den Beitrag über Haymax (das natürliche Mittelchen als physikalische Pollenbarriere) geschrieben hatte, war ein Mann bei uns zu Gast, dessen Augen rot waren und immer röter wurden. Plötzlich tunkte er ein Papiertaschentuch in sein Trinkglas mit Wasser und wusch mehrmals die Augen damit aus. Seine Heuschnupfenbeschwerden seien schlimmer denn je, erläuterte er auf meine zunächst zögerliche Art, ihn nach dem Grund des Schniefens zu befragen. Ich riet ihm, für den Herbst eine aromatische Heuschnupfenprophylaxe mit Atlaszeder (Cedrus atlantica) und Zypresse (Cupressus sempervirens) vorzunehmen. Nun sind Männer nicht allzu oft schnell für Naturheilmittel zu begeistern, er wollte jedoch sofort wissen, worum es sich handelt, sein Leidensdruck war riesengroß.

Ich gab ihm einen Tropfen Zypressenöl und einen Bruchteil eines Tropfen Himalajazeder (Cedrus deodara) auf seine Handinnenfläche, er sollte beides verreiben und daran riechen, ob er mit diesen beiden eher herben Düften überhaupt klar käme. [Ich persönlich mag den etwas zarteren Duft der Himalajazeder lieber, die Wirkung ist dem Öl der Atlaszeder erfahrungsgemäß gleichzusetzen.] Unser Gast fand den Duft klasse und nach einigen Minuten fragte er irritiert, ob das auch sofort helfen könne. Ich erklärte ihm, dass die langjährige Erfahrung gezeigt habe (leider sind mir keine wissenschaftlichen Studien dazu bekannt), dass es einige Wochen braucht, bis die Sesquiterpen- und Diterpenverbindungen in beiden Ölen das hyperaktive Immunsystem davon „überzeugen“ können, nicht mehr so hysterisch auf Pollen und andere grundsätzlich harmlose Stoffe (also Allergene) zu reagieren. Dann jedoch meistens mit viel Erfolg.

Nein, meinte er, es habe jetzt bereits gewirkt, ihm ginge es nun deutlich besser. Er konnte jedenfalls nach circa 10 Minuten aufhören, die schmerzenden und triefenden Augen mit kühlem Wasser zu besänftigen. Er war völlig überrascht und begeistert. Und dann rückte er raus, dass er am nächsten Tag zu einer kleinen Hämorrhiden-Operation antreten sollte, ob es sein könne, das sein schmerzender Allerwertester auch von der Inhalation dieser zwei Düfte profitiert habe, er könne nun viel besser sitzen.

Hm, dachte ich bei mir, normalerweise würde ich sagen „Nein“. Ich schloss auch einen Placeboeffekt aus, denn der Mann hatte nun wirklich null Ahnung von Aromatherapie, wusste nicht, dass Zypresse eines der wichtigsten Öle bei Hämorrhiden ist und Zeder durchaus auch passend ist und er war zudem vollgepumpt mit Antihistaminika und Cortison. Die reine Inhalation eines Öles hilft nach meiner Erfahrung nicht bei solchen lokalen, eher mechanischen Symptomen (wunde, ausgeleierte und vermutlich dadurch entzündete Blutgefäße). Doch irgendwie waren diese beiden Düfte Volltreffer für dieses Individuum und so kann offenbar auch eine Wirkung eintreten, welche fast im homöopathischen Bereich stattfindet. Ich war genau so verblüfft wie dieser Mann und er ist freudestrahlend losgezogen, um die Öle für sich zu kaufen.

Ein vergleichbares Feedback hatte ich kürzlich von einem Gast in der Wanderwoche meines Mannes. Diese Frau fragte bei ihrer geplanten Anmeldung im Herbst 2011 nach, wie im Frühsommer der Pollenflug in unserer Region sei, sie könne bei starker Pollenlast ansonsten nicht zum Wandern kommen. Mein Mann weiß natürlich, dass ich diesbezüglich eine „Zaubermischung“ auf der aromatischen Palette habe, wir teilten sie der Frau mit und sie setzte den Tipp tatsächlich um. Und teilte mir kürzlich begeistert mit, wie winzig ihre Beschwerden im Vergleich zu früher geworden seien und dass sie unsere Wanderwoche auch diesbezüglich sehr genossen habe.

Kleine Hilfe, riesige Wirkung. Dazu geringere Chemikalienlast auf dem Körper der Betroffenen. Studien zur entzündungshemmenden und anti-allergenen Wirkung der Himalaja-Zeder: Shinde UA, Phadke AS, Nair AM, Mungantiwar AA, Dikshit VJ, Saraf MN. Membrane stabilizing activity — a possible mechanism of action for the anti-inflammatory activity of Cedrus deodara wood oil. Fitoterapia 1999(70;3):251–257 und Shinde UA, Kulkarni KR, Phadke AS, Nair AM, Mungantiwar AA, Dikshit VJ, Saraf MN. Mast cell stabilizing and lipoxygenase inhibitory activity of Cedrus deodara (Roxb.) Loud. wood oil. Indian J Exp Biol. 1999 Mar;37(3):258-61

PS Mehr zu Aromapflege bei Heuschnupfen, dazu Rezeptideen gibt es hier (klick!) und hier (klick!).

natürliche vorsorge vor heuschnupfensymptomen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEigenartig, da lehrt (und lernt) man in Deutschland und in Österreich pausenlos, dass man keine medizinischen Versprechen oder gar Andeutungen machen darf, wenn man mit ätherischen Ölen arbeitet. Schließlich sind wir in Europa und da gilt einerseits die Europäische Kosmetikverordnung (neuer Stand vom 6. Juli 2012 hier runterzuladen), die im Laufe der letzten Jahre immer strenger geworden ist. Andererseits muss man sich den Paragraphen, die das Arzneimittelgesetz ausmachen, beugen und keine Produkte herstellen, welche an Medikamente auch nur erinnern. Und schon gar nicht mit medizinischen Aussagen auf dem Etikett.

Heute bekam ich das britische Produkt Haymax gegen Heuschnupfen (hayfever), das aus nichts anderem besteht als Sonnenblumenöl mit etwas Bienenwachs und Lavendel. Es kostet knapp 10 Euro für 5 ml. Sowohl auf der Dose als auf dem Umkarton steht eben dieser medizinische Begriff. Zwar fehlt das Wörtchen „gegen“ doch die Suggestionswirkung mit den Wörtern „Heuschnupfen“ und „stoppt den Pollen“ ist sehr deutlich. Der Hersteller, dessen Produkt man in vielen britischen Läden, auch in bekannten Supermarktketten, kaufen kann, schreibt auf den Umkarton „Heuschnupfen? Niesen? STOP den Pollen“. Auf deren Website wird auf eine kleine Studie der The National Pollen and Aerobiology Research Unit (NPARU) an der Universität von Worcester hingewiesen:

“….die Anwendung von HayMax™ im unteren Bereich und am Rand der Nasenöffnungen bindet signifikant mehr Pollen als eine ungeschützte Nasenöffnung.“

Wäre so ein Marketing im deutschsprachigen Bereich möglich, weiß jemand mehr? Da Großbritannien bekanntlich zu Europa und zur EU gehört, müsste doch so etwas auch auf dem Kontinent machbar sein! Was wird auf der Insel anders gemacht (außer dass die komplementär-therapeutischen Berufe nicht stark geknebelt werden)?!

Wie schön wäre es, wenn man mehr solcher Produkte mit unseren wunderbar wirksamen ätherischen Ölen bekannt machen dürfte! Die sehr effektive Mischung aus Zeder, Zypresse (mehr Info: auf rote/blaue gefettete Begriffe klicken!) und einigen anderen Ölen rechtzeitig vor der Heuschnupfensaison würde geradezu danach rufen, da sie sooo vielen Menschen das Leid im Frühling verringern würde. Das Pfefferminze-Roll-on würde so unendlich vielen Menschen den häufigen Griff zu leberschädigenden Schmerzmitteln ersparen, die Niaouli-Sanddornmischung würde bei vielen KrebspatientInnen die unnötigen Verbrennungen samt möglichen infektiösen Folgen verringern helfen. Doch das alles darf nicht auf die Etiketten der Ölefläschchen gedruckt werden, selbst damit „gebastelt“ werden darf auch nicht (nur für den Privatbedarf, zum Glück!!!!).

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Wer zumindest seine Lieben mit selbst gemachten gesundheitsstabilisierenden Mitteln versorgen möchte und wer in der Hochsaison der Heilpflanzen „in der Hexenküche“ werkeln möchte, kann übrigens im schönen Shop von Evelyn Deutsch zu sehr fairen Preisen die (leeren) Roll-ons für Kopfschmerzzubereitungen, Tuben, Teetüten, Rührgläser, Duftglasflaschen mit Bambusstäben, Roll-ons für „alzheimerfreie“ Deodorants, Lippenpflegestifthülsen, Cremetiegel aus Glas oder aus Kunststoff und vieles mehr bestellen. Zusätzlich kann man dort alle klinisch bewährten Aromapflegeprodukte von Evelyn Deutsch erhalten sowie sämtliche Produkte von Farfalla. Da sich Evelyn’s Firma mehr oder weniger auf der deutsch-österreichischen Grenze befindet, ist auch das Porto innerhalb Deutschlands und innerhalb Österreich fair gestaltet (4,50 Euro pro Lieferung, ab 100 Euro portofrei).

mathe für wissenschaftler (und gegen verbraucher)


Kaum von uns bemerkt, ziehen dunkle Wolken am Lavendelhimmel auf. Mal abgesehen von den zwei Krankheitserregern, die derzeit über die violetten Felder herziehen (ich habe im Oktober 2010 schon darüber berichtet), ist eine Kampagne zugange, die die Gefährlichkeit und die Neigung zur schnellen Oxidation von Lavendelöl unter das naive Volk die Verbraucher bringen will.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Ich bin an meinem blinden Glauben an die Unfehlbarkeit der Mathematik vor zig Jahren schier verzweifelt. Es sei das logischste Fach und absolut unbestechlich. Vor lauter Ehrfurcht habe ich mir nie die Mühe gemacht, Mathe zu beherrschen und bin seitdem auf meinen Rollstuhl Taschenrechner angewiesen. Doch wenn ich mir von Robert Tisserand mal die Rechenkünste der Ärztin Swati Sharma, die für ein in den USA bekanntes Gesundheits- und Verbraucherschutz-Blog schreibt, erklären lasse (auf dem wunderbaren englischsprachigen Blog Aromaconnection), frage ich mich allen Ernstes, wieso sie und auch andere Öle-Kritiker zu dem Schluss kommen, dass von acht getesteten ätherischen Ölen Lavendelöl das größte Potenzial für Allergien birgt. Mal abgesehen von den Zahlen bzw. haarsträubenden Verdünnungen, finde ich es äußerst kurios, dass „die Gefährlichkeit von ätherischen Ölen“, an Dermatologie-PatientInnen getestet wird, also an Menschen, die meistens bereits zu Hautproblemen neigen (denn sonst wären sie keine Dermatologie-PatientInnen, Akutpatienten werden für solche Studien sicherlich nicht heran gezogen). Ich übersetze mal Robert’s Rechnen-Nachhilfe:

Japanische Forscher testeten sechs ätherische Öle, ein Absolue und zwei Bestandteile von ätherischen Ölen. Am meisten unerwünschte Nebeneffekte waren durch 5%-iges Ylang Ylang-Öl zu verzeichnen, gefolgt von Rosengeranie (20%-ig) und Lavendel (auch 20%-ig). Die anderen Duftstoffe wurden zu Vergleichen herangezogen, obwohl sie nur 5- oder gar 2%-ig verdünnt untersucht wurden. So kann man keine Vergleiche über das relative Risiko anstellen. Je höher die Düfte konzentriert waren, desto höher die negativen Reaktionen. Bei den japanischen Versuchspersonen bestand der „Verdacht auf kosmetische Dermatitis“ – das ist eine Hoch-Risiko-Gruppe.

Wenn man bedenkt, dass das Lavendelöl 20%-ig und an einer Hochrisiko-Gruppe getestet wurde (Patch-Test), und dass nur 1,4% (21 von 1.483) Patienten eine negative Reaktion aufwiesen, bedeutet das, dass Lavendelöl kein relevantes Allergen ist. Andere Forschungen präsentierten Lavendelöl als ein Niedrig-Risiko-Öl. Als 50 Freiweillige mit dem unverdünnten Öl getestet wurden, gab es keinerlei Reaktionen (Meneghini et al 1971). Ähnlich gab es bei 25 Freiwilligen, die mit 10%-igem Lavendelöl getestet wurden, keine Reaktionen (Opdyke 1976 p451). In einer polnischen Studie mit 200 Dermatitis-Patienten zeigte kein Teilnehmer Reaktionen auf 2%-iges Lavendelöl (Rudzki et al 1976). In einer dänischen Studie reagierten zwei von von 217 Dermatitis-Patienten (0.9%) positiv auf 2%-iges Lavendelöl (Veien et al 2004). Bei einer Konzentration von 1%-igem Lavendelöl entstanden keine Reaktionen bei 273 Dermatitis-Patienten (Meneghini et al 1971). Wenn man also diese Zahlen zusammen zählt, reagierten zwei der 690 Dermatitis-Patienten (0,3%) auf Lavendelöl, wenn es 1- oder 2%-ig aufgetragen wurde.  …

Über einen Zeitraum von 15 Jahren (1986-2000) sind nur 5 Fälle einer Lavendelölallergie weltweit beschrieben worden (Brandão 1986, De Groot 1996, Keane et al 2000, Schaller & Korting 1995, Selvaag et al 1995), drei Personen davon waren Allergiker gegen verschiedene Allergene. Das steht im Gegensatz zu Millionen von Fläschchen mit unverdünntem Lavendelöl, das pro Jahr an Konsumenten verkauft wird, dazu noch Millionen Kosmetik-Produkte mit Lavendelöl.  …  Lavendel ist nicht nur ein Niedrig-Risiko-Allergen, sondern es besitzt sogar anti-allergische Wirksamkeit, wenn es äußerlich aufgetragen wird. Denn es unterbindet die Freisetzung von Histamin in Mastzellen (Kim et al 1999). In den meisten Fällen von Allergien wurde vermutlich oxidiertes Lavendelöl eingesetzt, das frische Öl wirkt dagegen anti-allergisch und sogar mittelmäßig antioxidativ (Wei and Shibamoto 2007). (Die Quellen stehen im Originalbeitrag von Robert Tisserand)

die zweiklassen-gesellschaft der duftstoffe


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDiese „Petition“ hat viele Reaktionen, Fragen und Unsicherheiten hervor gerufen. „Petition“ in Anführungsstrichen, weil es sich um eine simple Online-Unterschriftenliste handelt. Das Wort Petition ist irreführend verwendet worden, denn dieses suggeriert eine Eingabe an offizielle Behörden/Regierungsstellen. Da ich, wie erwähnt, die Anfrage aus verlässlicher Quelle erhielt, habe ich das nicht hinterfragt, Monika Volkmann ist jedoch dem Impressum mal auf den Grund gegangen. Ich finde es dennoch okay, Dr. Dietrich Wabner mit seinem Verein N.O.R.A. International eine kleine Unterstützung in Form einer Unterschriftenliste zukommen zu lassen, denn er ist einer der wenigen Aroma-Leute, der sich für den Erhalt von „bedrohten“ ätherischen Ölen einsetzt und der – gegen Windmühlen kämpfend – auch bemüht ist, diesem bürokratischen Unsinn die Stirn zu bieten. Es scheint jedoch nicht möglich, selbst für einen zweifachen Doktor und Chemiker, die Eurokraten und nicht in dieser Materie beheimateten Schutzwächter davon zu überzeugen, dass synthetische, also menschengemachte Moleküle anders beschaffen sind, als ihre kopierten Vorbilder (nicht Ebenbilder) aus der Natur.

Dazu eine kleine Fantasiereise: Stellen Sie sich einen Teppich vor, weich und wuschelig, das Etikett sagt „100 Prozent Wolle“. Dann schauen Sie unter den Teppich und sehen ein feinmaschiges Netz, das eindeutig aus Nylon/Plastik ist, es trägt die Wollfasern und gibt dem Teppich Zusammenhalt und Haltbarkeit, ist hauchdünn, ist fast nicht vorhanden, macht nur 1 Prozent des Teppichgewichtes aus. Doch der eigentliche, der sichtbare Teppich besteht aus reiner Wolle. So ähnlich verhält es sich mit synthetischem Geraniol, Citral, Linalylacetat, Menthol. Wir riechen diese auch in billigen Aromaölen, doch die geschulte Nase schaut automatisch auch unter den Teppich, sie erkennt sofort, da sticht etwas, da fehlt etwas, das ist nicht rund. Was die Laiennase auf den ersten Blick Schnupperer nicht merkt, erkennt jedoch ein anderer Teil des komplexen Systems Mensch und sagt „Halt! Hier stimmt etwas nicht, hier ist etwas drin, was nicht rein gehört“ und löst beispielsweise einen Niesattacke aus oder rote Hautpusteln. Geschieht der Kontakt mit dem Chemiegeruch zu oft, kann sich auch das Immunsystem empören und löst dann irgendwann schlimmere Symptome aus, eben eine Allergie. Das kann selbstverständlich auch mit Naturdüften passieren wie mit allem, was uns im Leben so begegnet auch.

Der Chemiker sagt stolz: „Ach, dieses eine Prozent („im Teppich“ oder „im Aromaöl“) kann man wirklich vernachlässigen, es hat mit dem tollen von mir geschaffenen Duftmolekül eigentlich nichts zu tun, es dient lediglich als Trägersubstanz.“ Je billiger so ein „Parfümöl“ oder „Aromaöl“, desto größer ist dieses „Trägernetz“ und desto wahrscheinlich ist es, dass es aus chlorierten Substanzen besteht. Wer jemals im Schwimmbad, in der Sauna, in öffentlichen Toiletten penetranten Chlorgeruch wahrgenommen hat, weiß was ich meine. Diese ach so minimalen Anteile an chlorierten Substanzen scheinen insbesondere für ungewollte Reaktionen wie Kopfschmerzen, Unverträglichkeiten und sogar Allergie verantwortlich zu sein. Eigentlich muss man entsprechenden Immunsystemen nun geradezu gratulieren, dass sie auf sowas überhaupt noch reagieren, und dankbar sein, dass sie Alarm schlagen. So degeneriert und dumm ist der menschliche Körper auch heute nicht, dass er nicht bemerkt: „Da stimmt etwas nicht, da muss ich mich wehren, da ist Gift mit im Spiel.“

Die natürlichen „Zwillinge“ kommen nicht nur ohne Chlor aus, sie sind auch eingebettet in ein Meer von anderen Inhaltsstoffen im jeweiligen Öl. Ein schönes Beispiel ist ein hochwertiges Öl der Gewürznelkenknospe. Es enthält zwar reichlich das potenziell hautreizenden, durchblutungsfördernden und anregenden Phenols Eugenol (bis zu 80%), doch in den verbleibenden 20 bis 30 Prozent finden wir auch andere Goodies, welche entkrampfen/entspannen (bis 22% Eugenylacetat), entzündungshemmend wirken (13% beta-Caryophyllen) und schmerzlindernd wirken (Methylsalicylat). Eugenol an sich hat nicht nur negative Eigenschaften, wie so gerne behauptet wird, sondern wirkt als Breitbandmittel stark keimtötend und auch schmerzlindernd. Man muss also die ganze Symphonie der Inhaltsstoffe betrachten und nicht nur einen einzelnen schrillen und schrägen Flötenton, der im Gesamtkonzert vielleicht gerade das i-Tüpfelchen ausmacht, jeder Klassik-Konzertgänger weiß das.

Doch das heute geltende Paradigma will uns mit erschreckend roher Gewalt und gesetzlichen Vorschriften wirklich ins Gehirn einhämmern, dass wir mit ganzheitlichem Denken und Betrachten falsch liegen, dass wir Einzelstoffe anzuerkennen haben, dass diese einfach und schnell und billig von Menschenhand herzustellen seien (gerne als „naturidentisch“ bezeichnet). Und dass viele Naturstoffe unvollkommen, schlecht, böse, fehlerbehaftet seien. Darum sind, aus Kosmetikgesetzgeber-Sicht und zugespritzt gesagt, Fenchel und Anis, Basilikum und Estragon, Zimt und Rose, „böse Pflanzen“, denn sie produzieren „gefährliche Stoffe“, welche hautschädigend und leberschädigend (durch die Haut???) wirken. Die wissenschaftlichen Experimente, die zu diesen Erkenntnissen führten, werden jedoch einerseits oft mit menschengemachten Laborduftstoffen an (Nage-)Tieren mit anders arbeitendem Stoffwechselsystem gemacht. Dazu werden diese Tiere damit zwangsernährt, obwohl Rose, Fenchel, Basilikum vielleicht nicht zu ihrem Beute- und Nahrungsschema gehören und ihr Metabolismus nicht jahrtausende Jahre lang Zeit hatte, sich auf den Abbau dieser Pflanzeninhaltsstoffe einzustellen. Diesen Tieren wird zudem das Fell wegrasiert, bevor sie mit den fraglichen Substanzen eingeschmiert werden (wer sich als Mensch rasiert, wird sich an diesen Stellen nicht anschließend mit scharfen und reizenden Kosmetika einreiben, weil das Rasieren immer Mikroverletzungen zur Folge hat). Und damit man wirklich nachweisen kann, wie gefährlich diese „Pflanzenstoffe“ (aus dem Labor, hm) sind, werden sie hoch/überdosiert und über lange Zeiträume an den Tieren verwendet. Wenn ein menschliches „Versuchskaninchen“ wochenlang ausschließlich mit Heu gefüttert werden würde, könnte man beweisen, dass Heu unverdaulich ist, zu Giftgasen in den Eingeweiden führt und schließlich zum Tod durch Darmverschluss.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Der Faktor Mensch wird dabei völlig vernachlässigt: Dass der Mensch recht schnell „die Nase voll“ hat von einem Duft, dass er vergesslich ist, selbst wenn er sich jeden Tag mit etwas einschmieren wollte, dass ihm nach kurzer Zeit penetrante Überdosierungen stinken, dass er einen komplexeren Stoffwechsel als ein Meerschweinchen hat, dass er Kleidung trägt, die das Kosmetikum abreibt, dass er Milch trinkt, die zu viel gegessene Duftstoffe emulgiert und resorbieren helfen kann, dass er andere und viel mehr Auswahl an Dingen isst, die mit dem Duftstoff interagieren werden…. all das, also das „wahre Leben“, findet im Labor nicht statt. Wie sollte es auch! Dazu kommt, dass beispielsweise Rosen- und Lavendelöl aus jeweils einigen hundert Inhaltsstoffen bestehen! Dies kann und will man nicht separat untersuchen. Und diese kann oder will man nicht herstellen, um ein „naturidentisches“ Aromaöl auf den Markt zu bringen (man könnte es – technisch gesehen – zu 99,5% herstellen, doch dann wäre das billige Aromaöl vermutlich viel teurer als seine natürliche Variante).

Und weil man an technische und vor allem an preisliche Grenzen stößt, reduziert man beispielsweise Lavendelöl auf drei „böse Inhaltsstoffe“ (Linalool, Linalylacetat, Geraniol), die kunstvoll zusammengemischt sicherlich fast wie Lavendelöl riechen würden) und will den naiven Verbrauchern suggerieren, dass man sie vor diesen negativen Komponenten schützt. Damit zurück zur Petition und zur Kosmetikverordnung: Bei einigen, wie diesen Lavendelstoffen, schreibt man „nur“ die Deklaration vor (was für Allergiker natürlich hilfreich beim Einkauf ist), obwohl laut Duftstoffe-Fachmann Erich Schmidt  bei etlichen der gebranntmarkten deklarierungspflichtigen Stoffe nachgewiesen werden konnte, dass sie nicht allergener wirken als tausend andere Dinge des täglichen Lebens. Bei anderen Naturdüften wie Rosenöl muss verdünnt werden, damit der eine „böse Stoff“ (Methyleugenol) kaum noch im Kosmetikum enthalten ist, bei anderen muss verdünnt werden, um bestimmte Gefahrenhinweise auf dem Etikett zu vermeiden (ich hatte hier eine Liste zusammengetragen). Man kann als Laie wirklich nicht mehr mitkommen, Öle-Firmen müssen Anwälte anheuern.

Volkmar Heitmann hat mir und euch netterweise den Link zu diesem „behördlichen Duftkrimi“ geschickt, hier kann er gelesen werden (auf englisch und ellenlang, die meisten EU-Bürger haben somit keinen Zugang zu diesem „Meinungspapier“ (opinion), ich wüsste zu gerne, wer die am Anfang namentlich aufgeführten Meinungsgeber sind bzw. für wen sie arbeiten. Für solche Recherchen bedürfte es eines eigens eingerichteten und bezahlten Arbeitsplatzes. Hallo Ätherische-Öle-Firmen, hat jemand da draußen Zeit und Kapazitäten dafür frei?! Immerhin wird ganz demokratisch auch eine Meinungsseite für die EU-Bürger eingerichtet, wenn man sich also durch diesen englisch verfassten Fachtext gewühlt haben sollte, kann man seine Meinung auch kundgeben. (Selbst mir mit Fließend-Englisch-Fähigkeiten graut vor dieser Seite).

Ich war jedenfalls vergangene Woche – sehr schön passend zum Thema – zweimal mehr oder weniger freiwillig mit Chemieduftbomben konfrontiert. Einmal stand der Wäscheständer mit zu trocknender Wäsche im Schlafzimmer, sie war mit „eben mal ganz schnell“ gekauftem Waschmittel („mit ätherischen Ölen“) gewaschen worden, weil das Biowaschmittel leer war. Kaum zu glauben, was für Emissionen da im Zimmer umher waberten, sie lösten ein starkes Irritation im Sinne von „Achtung, Störung, hier stimmt etwas nicht, weg laufen!“ aus. Beim zweiten Mal führte der Besuch des Schweden-Kaufhauses bzw. zum Glück erst ganz am Ende die Kerzenabteilung, zu einem über 24 Stunden währendem leisen Kopfschmerz. Auf diesen beiden Produkten würde ich gerne die neue Etikettenvorschrift sehen: Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein. Aber diese ist für solche Produkte, die man unter Umständen tagelang und wochenlang einatmet, nicht vorgesehen. Ein typisches Beispiel für den Zwei-Klassen-Duft.

PS Ähnlich wie beim Beispiel „100 Prozent Wolle“ des Teppichs verhält es sich übrigens mit sehr vielen Kleidungsstücken und sonstigen Textilien aus „100% Baumwolle“, diese bestehen immer öfter aus einigen Prozenten an anderen Stoffen.