wintergrün und methylsalicylat


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieWintergrünöl [aus Gaultheria fragrantissima Wall. und aus Gaultheria procumbens L.] ist ein wirksames Schmerzmittel. Wintergrünöl besteht fast nur aus Methylsalicylat. Methylsalicylat ist in vielen Schmerzsalben enthalten. Und doch gibt es einen Unterschied in der Anwendung. Erstens benötigt natürliches Methylsalicylat keine (mindestens) drei Prozent an Trägerstoffen. Diese oft chlorierten Moleküle können bei sehr empfindlichen Menschen zu Unverträglichkeiten führen. Zweitens besteht natürliches Wintergrünöl aus einigen weiteren Inhaltsstoffen, welche auch eine Anti-Schmerz-Wirkung aufweisen, so dass man dieses therapeutischste aller üblicherweise erhältlichen ätherischen Öle nicht sehr hoch dosieren muss:

  • Alpha-Pinen 0,40%
    Myrcen 0,20%
    delta-3-Caren 0,90%
    Limonen 0,50%
    Methylsalicylat 97,40%
    3,7-Guaiaden 0,10%
    delta-Cadinen 0,30%

Man SOLL ES GAR NICHT HOCH dosieren, man darf sich als medizinischer Laie immer im Verdünnungsbereich um 1 Prozent bewegen, denn Methylsalicylat kann sehr leicht durch die Haut eindringen und sich im Körper anreichern. Dennoch wird eine großzügige Anwendung des unverdünnten Öles immer wieder von zwei us-amerikanischen Ätherisch-Öl-„Konzernen“, die auch in Europa immer mehr Fuß fassen, empfohlen und verharmlost. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieLange Jahre schreckten us-amerikanische Warnungen bezüglich Methylsalicylat in Wintergrünöl AromatherapeutInnen vom Gebrauch dieses nützlichen Öles ab. 14 g Wintergrünöl – innerlich – können bereits tödlich wirken, für ein Kind wirken geschluckte 4 ml tödlich. Die IFRA (International Fragrance Research Association) lehnt es für die Parfümherstellung ab. Dennoch ist es für den menschlichen Konsum zugelassen. Der medizinisch-frische Geschmack und Geruch von Wintergrün ist in den USA fast omnipräsent. Fast allen Zahnpastamarken, dazu Mundwässern, Softgetränken (beispielsweise Root Beer, Foto links), Kaugummis und viele anderen Süßigkeiten verleiht Wintergrün den typischen Geschmack. Man könnte sagen, dass diese Geschmacksnote der europäischen Vorliebe für Menthol in Zahnpasten, Mundwässern, Kaugummis, Zigaretten und vielen anderen Dingen entspricht. Meistens wird das süßlich-frische Aroma den Produkte in synthetischer Form beigemischt. So dass es viele dokumentierte Vergiftungsfälle gibt, in denen eine Überdosierung von Methylsalicylat eine Rolle spielt. Wintergreen_poisoning_Arielle_NewmanInsbesondere wenn immer wieder über 40% der Körperoberfläche mit diesem starken Wirkstoff bedeckt sind (beispielsweise durch regelmäßige und großzügige Anwendung einer Salbe), besteht Vergiftungsgefahr. 2007 erlangte die 17-jährige us-amerikanische Sportlerin Arielle Newman traurige Schlagzeilen, weil sie an einer Überdosis einer bekannten Schmerzsalbe verstarb. Man muss bedenken, dass 1 Teelöffel (5 ml) Wintergrünöl einer Menge von circa 7000 mg Salicylat entspricht oder circa 21,5 Aspirintabletten (Quelle). Oder praktischer: In einem 10-ml-Fläschchen an ätherischem Wintergrünöl befinden sich circa 43 Aspirintabletten (laut Gabriel Mojay). Der Wirkstoff Methylsalicylat liegt übrigens in der frischen Pflanze so nicht vor, er entsteht erst durch Antrocknen der Blättchen und anschließender Wasserdampfdestillation aus dem Molekül Gaultherin. Umso erstaunter war ich, als ich sah, wie einfach man in einer deutschen Apotheke eine 50 ml-Flasche kaufen kann (für nur gut 7 Euro, siehe Foto ganz oben), damit könnte man also mindestens 10 Kinder oder 5 Erwachsene umbringen. Aber bei in normaler äußerlicher Dosierung harmlosen Ätherisch-Öl-Inhaltsstoffen wie Methyleugenol, der 2%-ig in Rosenöl vorkommen kann, spricht der Gesetzgeber Verkaufsverbote aus, so dass 2004 alle Naturkosmetikfirmen ihre Rezepturen ändern mussten. Man kann immer seltener so ein ursprüngliches fein-würzig duftendes Rosenöl kaufen, zumindest wenn es als Kosmetikum deklariert wird. Als ob man jeden Tag eine Tasse davon trinken würde… Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNun aber endlich zur guten Nachricht: Wendet man Wintergrünöl in einer in der Aromatherapie üblichen Verdünnung von 0,5-1 Prozent bei akuten Schmerzzuständen an, hat man damit eines der schmerzstillendsten Öle überhaupt zur Verfügung. Es ist aus der natürlichen Therapie von Fibromyalgie (Weichteilrheumatismus) kaum noch weg zu denken. Denn es hat gleichzeitig eine seelisch entspannende Komponente, die bei dieser Erkrankung, welche durch psychogene Faktoren verstärkt wird, für die ganzheitliche Therapie wichtig ist. Auch aus der Seniorenpflege ist dieses Öl nicht wegzudenken. Denn es kann bei vielen altersbedingten „Zipperlein“ schnelle Hilfe geben. Man mischt in diesem Fall beispielsweise 10 ml Johanniskrautmazerat mit 1-2 Tropfen Wintergrünöl, 1-2 Tropfen Lavendel und 1-2 Tropfen Cajeput (je nach Empfindlichkeit des älteren Menschen). Hier bei Feeling (klick!) kann man Wintergrünöl pur bestellen. Wer nicht mischen mag oder kann und eine perfekte Mischung sucht, kann die feine „Gelenkeinreibung“ von Primavera hier (klick!) bestellen. Handelsübliche (nicht-bio) Apotheken-Präparate sind mit fünf bis sogar dreissig Prozent deutlich höher dosiert und wirken aufgrund ihres Counter-Irritant-Effektes: die Haut wird gereizt und stark durchblutet und es kommt zu einer verminderten Wahrnehmung der Schmerzen. Aspirin und ähnliche Medikamente mit Acetylsalicylsäure haben eine stark schleimhautschädigende Wirkung, so dass sie für viele Menschen nicht magenverträglich sind. Sie können auch nicht durch die Haut aufgenommen werden. Die kleine Methylgruppe am Molekül macht den Unterschied. Dadurch, dass sie das Molekül um ein C-Atom und um drei H-Atome „bereichert“, wird es fettlöslicher und kann dann von der Haut resorbiert werden. Enzyme in der Haut können diese Methylgruppe wieder abspalten, so dass die schmerzlindernde Salicylsäure in Aktion treten kann. Ich habe bereits hier (klick!) ausführlich über das Öl berichtet. Vergiftungserscheinungen wegen einer zu hohen (vor allem inneren) Aufnahme: Verwirrtheit, Erbrechen, schnelle Atmung, Fieber, hoher Blutdruck, epilepsie-artige Krämpfe, Koma. Mehr dazu im MSD Manual – Handbuch Gesundheit.

Vielen Dank für diesen Hinweis vom Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Erwin Häringer: Kampf gegen Windmühlenflügel: ein Teelöffel fasst maximal 2,5 ml und ich benutze kein Puppengeschirr! Die Acetgruppe ist für die Thrombozytenaggregation zuständig, nicht die Salicylsäure, die in den Arachidonsäurezyklus eingreift und irreversibel bindet und die Schutzfaktoren für Magenschleimhaut etc. (wie beispielsweise Prostaglandin E2 etc.) hemmt; so kommt es zu etwa 6000 fatalen Magendarmblutungen allein in Deutschland! Danke, dass Du in Deinem Blog auf die Unterschiede hingewiesen hast. Die Quelle drugs.com sollte den toxikologischen Teil überarbeiten! Übrigens: ASS ist lipophil und in Alkohol und Ether (und heißem Wasser!) löslich. Toxikologische Mythen gleichen einem Blumenstrauß: von Zeit zu Zeit neu ordnen. Dr. Erwin Häringer, München

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wenn ein arzt, ein apotheker und ein pharmazeutischer chemiker sich zusammentun… (teil 2)


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieHat ein sehr großer Verlag ein unstrukturiertes Manuskript in einen noch unübersichtlicheren Wälzer mit lieblosem Layout gepackt, gelang es einem kleinen Verlag, den umfangreichen Text für die zweite Auflage zu sortieren, zu ergänzen, zu aktualisieren und auch auszumisten. Die Rede ist vom Fachbuch Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis der Herausgeber Dr. Wolfgang Steflitsch (Facharzt für Lungenheilkunde in Wien), Dietmar Wolz (Bahnhof Apotheke Kempten) und Univ.-Prof. i. R. Mag. pharm Dr. Gerhard Buchbauer (Uni Wien), erschienen im Frühsommer dieses Jahres und bereits hier in Teil 1 kurz von mir vorgestellt.

Eines gleich vorweg: Es st ein ungewöhnlich umfassendes Werk, es ist ein Buch für Fortgeschrittene (oder ambitionierte EinsteigerInnen), und es ist sicherlich der vielseitigste Text zur Aromatherapie, den wir im deutschsprachigen Gebiet derzeit finden können (wenn wir vom etwas schlankeren Fachbuch von Dietrich Wabner und Christine Beier absehen). Wieder einmal muss ich sagen: Es gibt keine Entschuldigung mehr, wenn jemand behauptet, es gäbe keine seriösen wissenschaftlichen Grundlagen für die Arbeit mit ätherischen Ölen. Wer das noch behauptet oder gar in großen Publikumsmedien schreibt, dem gehört dieser 1,7kg schwere Wälzer um die Ohren gehauen. Blättern wir mal durch die 861 Seiten.

Teil A: Allgemeines zur Aromatherapie.
Anders als in der ersten Auflage, die durch eine unzusammenhängende Sammlung von Texten unterschiedlicher AutorInnen geprägt war, steigen wir in eine ordentlich formulierte Beleuchtung der Begriffsbestimmungen ein: Was sind Phytotherapie und Phytotherapeutika, was zeichnet ätherische Öle aus, warum können diese duftenden Mittel auch als Phytotherapeutika bezeichnet werden, wer darf in Deutschland, Österreich und in der Schweiz damit arbeiten. Dazu erfährt man in ein paar Abschnitten die Einordnung von Duftpflanzen in ihr botanisches Umfeld. Der Wirkmechanismus der ätherischen Öle wird erläutert, wir gewinnen einen Überblick über die Qualitätsansprüche und über ökonomische Aspekte. Auch wird ein heikles Thema diskutiert, nämlich dass immer wieder zu lesen ist (insbesondere in Internet-Texten), man könne einen Duft durch einen anderen ersetzen, beispielsweise Neroli durch Jasmin oder Ylang Ylang oder das ätherische Öl eines Mitglieds einer Pflanzenfamilie durch einen anderen Duft aus dieser Familie [etwa Pfefferminze durch Patchouli??!!]. Das erste Kapitel wird abgerundet durch eine kleine Reise ins menschliche Gehirn, genauer gesagt zu den vielfältigen anatomischen Strukturen, die mit der Verarbeitung von Geruchsempfindungen befasst sind.
Es folgt eine kurze Betrachtung von Gerhard Buchbauer* über wissenschaftliche Aspekte der Aromatherapie, leider wesentlich knapper als in der ersten Auflage, stattdessen ergänzt durch Prof. i. R. Dr. Eberhard Teuscher (Uni Greifswald) mit den von seiner Arbeitsgruppe in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts identifizierten Wirkungsmechanismen der ätherischen Öle an der Zellmembran und – besonders gut zusammengefasst – auf verschiedene Zelltypen.
Das vierte Kapitel von Mag. pharm. Dr. Eva Heuberger (ex Uni Wien) wurde nur unwesentlich verändert von der ersten Auflage übernommen. Da ihre Abhandlung über die Wirksamkeit von Riechstoffen auf das körperliche Befinden und auf das Verhalten zwar sehr spannend ist, jedoch auch lang und eher etwas trocken zu lesen ist, erfreut man sich spätestens ab diesen Seiten am übersichtlicheren zweispaltigen und zweifarbigen Layout des Buches, die feingliedrig-schlanke Typografie lässt sich prima lesen. Nun fällt auch wohltuend auf, dass die Quellenhinweise sich immer jeweils hinter den Abschnitten befinden, also immer gut zur Hand sind sind, sollte man sich dafür interessieren.
Texte aus der ersten Auflage, die unter anderem von Dr. Maria Liz-Balchin und von mir verfasst worden waren, sind an dieser Stelle nicht mehr zu finden.
Im nächsten Kapitel beschäftigt sich der Herausgeber Wolfgang Steflitsch mit den Reaktionen des Zentralnervensystems auf ätherische Öle und danach ganz kurz mit Resorption und Elimination nach Auftragen auf die Haut. Es folgt seine jeweils knappe Abhandlung über eine Studie von 1999, welche die Unbedenklichkeit von ätherischen Ölen in einer Duftlampe nachweist (mit Kerze und korrekt gehandhabt). An dieser Stelle wird wie auch an anderer Stelle nicht die Originalstudie als Beleg aufgeführt, sondern Sekundärliteratur. Im folgenden Abschnitt schreibt er einige kritische Anmerkungen zu klinischen Studien mit ätherischen Ölen. Abschließend unter ‚Lehren für die Zukunft‘ heißt es leider: „Im Rahmen pharmakologischer Studien sollte Tierversuchen wie auch Untersuchungen in isolierten Geweben von Tieren mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden“. Zudem ist von ‚jüngerer Zeit‘ die Rede, wo ein Artikel von Michael Kirk-Smith von 1996 erwähnt wird.

Teil B: Indikationen.
Nun können wir von Seite 59 bis 373 – nach medizinischen Fachgebieten gegliedert – nachschlagen: von Dermatologie und Geriatrie über Intensiv- und Palliativmedizin bis zu Psychiatrie und Schmerzmanagement. Jedes Gebiet wird eingeleitet mit einer Definition aus dem MSD-Manual sowie mit Angaben, wie in diesem Bereich konventionell therapiert wird, gefolgt von aromatherapeutischen Erläuterungen und Empfehlungen. Die meisten Bereiche werden von Wolfgang Steflitsch erläutert und mit Listen von zu empfehlenden ätherischen Ölen ergänzt. Andere Autoren sind Rainer Frühsammer bei ‚Dermatologie‘, Ingeborg Stadelmann bei ‚Schwangerschaft, Geburtshilfe und Säugling‘, Gerda und Karl Dorfinger bei ‚Infektiologie und Immunologie‘ sowie Eveline Löseke bei ‚Schmerzen‘.

Anders als in der ersten Auflage kann man sich nun wunderbar übersichtlich von Gebiet zu Gebiet bewegen, auch sind dieses Mal meistens die Quellen der zitierten Autoren angegeben. Wissenschaftliche Belege sind bei gut untersuchten ätherischen Ölen reichlich nachzulesen. Einige Rezepturen für die jeweiligen Gebiete runden fast immer das besprochene Gebiet ab.

Im Abschnitt 2.4 über Demenz und ätherische Öle, ein Thema mit dem ich mich recht gut auskenne, springt mir allerdings wie in der ersten Auflage ins Auge, dass Nicolette Perry, eine britische Wissenschaftlerin die sich seit vielen Jahren umfassend mit diesem Themenbereich beschäftigt, mit ihrem Vornamen statt ihrem Nachnamen als Quelle angegeben ist. An dieser Stelle fällt mir auch auf, dass (zu lange) Listen mit bis zu 32 Ölen, wie bei ‚Angstzuständen‘ empfohlen, den Pflegenden unter den LeserInnen, welche Menschen mit ätherischen Ölen begleiten möchten, nicht besonders gut weiter helfen werden. Knappe bewährte Empfehlungen einer erfahrenen Person – wie beispielsweise im umfangreichen Abschnitt von Ingeborg Stadelmann – wären möglicherweise hilfreicher für diese Zielgruppe.
Das nicht minder ausführliche Kapitel über Mikroorganismen dürfte alle verantwortlichen Pflegenden erfreuen, da reichlich wissenschaftliche Evidenz über das enorme Potenzial von ätherischen Ölen in diesem Bereich nachzulesen ist. Zwar werden auch viele ätherische Öle aufgeführt, die so gut wie niemand kennt, doch vielleicht tragen diese zu einer größeren Vielfalt in der Begegnung mit den immer aggressiveren und resistenten Mikroben bei.
Im Kapitel 10 über Onkologie verwundert mich der Satz, dass randomisierte und kontrollierte Studien bei schwerkranken Patienten nicht vertretbar sein sollen, wenn man bedenkt, wie zahlreich die Belege sowohl über die antitumorale Wirkung von ätherischen Ölen sind [im Buch wird der kaum gebräuchliche Begriff ‚antitumorös‘ verwendet]. Auch gibt es einige sehr vielversprechende Studien zur Verbesserung der psychische Befindlichkeit von Menschen mit Ängsten, sicherlich ein dankbares Thema in der Onkologie. Bis auf ein Öl (Lemongras) werden einige eher exotische, bei uns nicht erhältliche ätherische Öle in einer Tabelle ‚Ätherische Öle mit nachweisbar antitumoröser Wirkung‘ vorgestellt. Es werden im Laufe des Kapitels noch einige kleine Studien vorgestellt, allerdings nur von 1995 bis 2002, es gab jedoch in den letzten 10 Jahren zahlreiche wirklich erfolgsversprechende Untersuchungen (hauptsächlich an Gewebekulturen). Bei einer beschriebenen Studie, an der 69 Personen teilnahmen, soll es einen ‚klinischen Benefit‘ für 81 Patienten gegeben haben. Weiter unten liest man dann, dass sich 81 Prozent der Patienten nach aromatherapeutischen Anwendungen besser fühlten. In diesem Kapitel lesen wir auch von einer Untersuchung, die besser bei ‚Dermatologie‘ untergebracht worden wäre, denn es handelt sich um eine randomisierte Doppelblindstudie an Patienten mit Alopecia areata. Im Buch wird jedoch behauptet, die 86 TeilnehmerInnen litten an Haarausfall unter einer Chemotherapie. Das ist leider nicht korrekt, auch wenn man die teilweise ermutigenden Ergebnisse möglicherweise auf solche Nebenwirkungen der Krebsbehandlung übertragen könnte.

Das Kapitel über Atemwegserkrankungen ist in dieser Neuauflage erwartungsgemäß sehr ausführlich gehalten – Herausgeber Dr. Steflitsch ist Facharzt für Lungenheilkunde – und reflektiert auch sehr gut, dass in diesem Gebiet die meisten ätherischen Öle sehr erfolgreich einsetzbar sind.
Dagegen erscheint mir das Kapitel über Psychiatrie nach wie vor etwas „zusammengeschustert“, an etlichen Stellen erkenne ich den Wortlaut einer bekannten britischen Kollegin, die jedoch im Umfeld nicht genannt wird. Die mir inzwischen selbst seltsam vorkommenden Empfehlungen bei „Mutter- und Vaterproblematik“ entstammen aus meiner eigenen Feder. Sehr positiv fällt in diesem Kapitel die Betrachtung der Belastungssituationen der Pflegenden im institutionellen Bereich auf, sie leiden immer häufiger unter Stress- und Burnout-Symptomen. Für diese gibt es zwei ganze Seiten mit Auflistungen von hilfreichen ätherischen Ölen und vier Rezeptvorschläge.
Das Kapitel über ätherische Öle bei Schmerzen ist erfreulicherweise tüchtig angewachsen, denn ähnlich wie bei den Atemwegserkrankungen haben wir wertvolle (schmerzlindernde) Helfer unter den natürlichen Duftstoffen.  Viele wissenschaftliche Arbeiten untermauern das Thema (leider werden Schmerzstudien meistens an Tieren vorgenommen).

Teil C:  Aromatherapie und Aromapflege in der Praxis.
Dieser 70 Seiten lange Abschnitt lässt vierzehn erfahrene PraktikerInnen zu Wort kommen, jede[r] berichtet einige Seiten lang über sein/ihr Hauptgebiet wie Altenpflege, Hospizarbeit, Palliativpflege, Psychiatrie. Es werden praktische Hintergründe wie Dosierung, Wickelanwendungen (in zwei unterschiedlichen Abschnitten von zwei unterschiedlichen Autorinnen), Massagen, fette Öle als Trägersubstanzen sowie die Vorzüge und Grenzen von Fertigprodukten erläutert, so dass KollegInnen in ähnlichen Arbeitsbereichen reichlich Inspiration vorfinden werden. Auch die juristischen Hintergründe und Vorsichtsmaßnahmen wie Verträglichkeitstests werden erläutert.
Der Text über Einreibungen und Massagen passt meiner Meinung nach allerdings nicht zum sehr klar und sachlich verfassten Rest des Buches: Neben etlichen Tippfehlern und falsch geschriebenen Namen von Pflanzen finden wir darin Ausdrücke wie „Sesamöl -eines der ältesten Edelöle“, „Johannisblüten, die das Sonnenlicht speichern“, „Orange vermittelt Lebensfreude“ und „Rosmarin richtet den Rücken auf“. Sicherlich nicht so ganz ideal, wenn man ÄrztInnen und ApothekerInnen als Hauptleserschaft gewinnen möchte, was mit dem großen Rest des Buches sicherlich gut gelingen wird. Es wird auch vor dem Chemotyp Thymian Thujanol gewarnt, als läge eine Verwechslung mit dem Monoterpenketon Thujon vor (Thujanol ist jedoch ein gut verträglicher Monoterpenol); eventuell wäre an dieser Stelle eine Warnung vor Wintergrünöl angebracht, da es neuerdings gerne als Schmerzöl für Kinder angepriesen wird.
Das nächste Kapitel von Biologin und Heilpraktikerin Ruth von Braunschweig über fette Öle liest sich wieder hervorragend und die darauf folgende Aufklärung von Ingeborg Stadelmann über die Kunst des richtigen und erfolgreichen Dosierens ist ein wunderbar nachvollziehbarer Leitfaden für EinsteigerInnen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieEin besonderer Leckerbissen bei der Lektüre dieses Buches war für mich die Entdeckung einer noch nie da gewesenen fast 5-seitigen Tabelle über das Tropfengewicht von ätherischen Ölen. Seit Jahren zweifelte ich die alte Behauptung (die ich im Übrigen der Einheitlichkeit halber auch immer noch lehre!), dass 20 bis 25 Tropfen einem Milliliter ätherischen Öles entsprechen. Beim Abfüllen von über 100 Ölen in 2 ml-Fläschchen für meine Reisesets passten jedoch oft wesentlich mehr Tropfen als 40 oder 50 in die schmalen Phiolen. Gerlinde Engelhardt von der Bahnhof-Apotheke Kempten hat sich die Mühe gemacht und anhand von deren Tropfern das tatsächliche Gewicht ermittelt. So ist nun endlich meine Vermutung, dass 30 oder gar mehr Tropfen (mit den heute üblichen Tropfern auf den braunen Fläschchen) ein Milliliter ergeben, bestätigt. Einige Beispiele:

  • 46 Tropfen Cassiazimt (Cinnamomum cassia/aromaticum)
  • 44 Tropfen Weihrauch arabisch (Boswellia carteri)
  • 44 Tropfen Manuka (Leptospermum scoparium)
  • 41 Tropfen Zitronenverbene (Lippia citriodora/Aloysia citriodora)
  • 39 Tropfen Thymian Ct. Linalool (Thymus vulgaris Ct. Linalool)
  • 36 Tropfen Riesentanne (Abies grandis)
  • 34 Tropfen Salbei lavendelblättrig (Salvia lavandulifolia)
  • 33 Tropfen Weihrauchöl indisch (Boswellia serrata)
  • 33 Tropfen Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • 31 Tropfen Thymian Ct. Geraniol (Thymus vulgaris Ct. Geraniol)
  • 30 Tropfen Sandelholz (Santalum album)
  • 30 Tropfen Lemongras ost-indisch (Cymbopogon flexuosus)
  • 29 Tropfen Nelkenknospe (Syzygium aromaticum)
  • 27 Tropfen Limette (Citrus x aurantiifolia)
  • 25 Tropfen Estragon (Artemisia vulgaris)
  • 23 Tropfen Bergamottminze (Mentha x piperita var. citrata)

Beruhigend ist angesichts dieser Zahlen, dass unsere vermeintlich 2%-igen Dosierungen reichlich darunter liegen, dass die meisten von uns mit extrem gut verträglichen Mischungen arbeiten und dass bei kleinen Fehlern beim Zählen der Tropfen (in Rezepturen übrigens oft mit gtt bezeichnet, wie hier bereits einmal erläutert) mit keinerlei negativen Konsequenzen zu rechnen ist (wenn man hochqualitative und frische Öle verwendet).

Teil D: Steckbriefe.
Die Seiten 459 bis 734 sind mit ausführlichen, übersichtlichen und bebilderten Ätherisch-Öl-Monografien (Steckbriefe) gefüllt, von Seite 742 bis Seite 773 werden fette Öle auf diese Weise vorgestellt, nachdem der Fachmann Martin Späth ausführlich auf Qualitätskriterien eingeht. Der umfangreiche und wichtige Abschnitt mit diesen Ätherisch-Öl-Pflanzensteckbriefen ist gegenüber der alten Auflage neu hinzu gekommen (in der ersten Auflage befand sich im letzten teil des Buches ein kurioses und lieblos gestaltetes Sammelsurium aus Tabellen, Studien, Fotos, Adressen und „Sonstigem“).
Apotheker Dietmar Wolz und seine Kollegin Gerlinde Engelhardt erläutern im Vorfeld, dass im Ph. Eur. 7.4 (Europäisches Arzneibuch/Pharmakopöe) 32 ätherische Öle monografiert sind. Viele dieser Beschreibungen sind für verantwortungsvolle Anbieter und Praktizierende nicht ausreichend, im vorliegenden Buch werden darum die Monografien der Bahnhof-Apotheke (BA) aufgeführt. Insbesondere in den Abschnitten ‚Wissenswertes‘ konnte ich spannende Details zur Gewinnung, Verwechslung und zur Verfälschung von manchen Ölen dazu lernen oder bestätigt bekommen. Beispielsweise den so wichtigen Hinweis, dass Cumarine (im Bodensatz von Zitrusölen) als natürliche Antioxidanzien wirken und daher im Fläschchen bleiben sollten. Wir finden wertvolle Details zur Haltbarkeit und Lagerung, wie man sie in keinem deutschsprachigen Buch findet. An einigen Stellen wird das Namenswirrwarr aufgeklärt, beispielsweise bei Cajeput (Melaleuca leucadendra liefert ein Öl mit dem Hauptinhaltsstoff Methyleugenol, wir verwenden Melaleuca cajuputi Powell, auch Melaleuca leucadendra var. cajuputi L.). Der Unterschied zwischen Immortelle (Helichrysum italicum) und Currykraut (Helichrysum stoechas) wird aufgeklärt. Bei Lavandin wird über die unterschiedlichen Handelsqualitäten aufgeklärt. Dass der Unterschied zwischen Linaloeholzöl (bis 86% Monoterpenole, kaum Ester) und Linaloefrüchteöl (bis 48% Linalylacetat) so erheblich ist, war mir bislang nicht bekannt. Genauso wenig wie die korrekte Chemotypenbezeichnung beim spanischen Rosmarin mit dem Schwerpunkt Campher, diesen darf man nicht Ct. Borneon nennen und auch nicht ‚Kampfer‘, allenfalls Bornan-2-on.

Die übersichtlichen und ausführlichen Analysen der Inhaltsstoffe enthalten auch die oft für die psychische Wirkung interessanten „Spurenstoffe“, die meist unter 1 Prozent im jeweiligen Öl enthalten sind. Für KosmetikrührerInnen und AllergikerInnen mag die Auflistung der sensibilisierenden deklarationspflichtigen Stoffe von großem Interesse sein. Für Lernende der Aromatherapie und für DozentInnen ist es hilfreich, dass beispielsweise die Inhaltsstoffe „ähnlicher“ Öle wie Pfefferminze und Ackerminze, Nanaminze und Krauseminze, Rose (damascena und gallica) und Zimtöle  tabellarisch gegenüber gestellt werden. Die Wirkweisen eines jeden Öles werden unterschieden in ‚Wissenschaftliche Nachweise‘ und ‚Aus der Erfahrungsheilkunde‘ jeweils mit zahlreichen Verweisen zu den entsprechenden erläuternden Abschnitten im Buch.

Eine Ätherisch-Öl-Monografie fehlt meiner Meinung nach im pharmazeutisch-medizinischen Umfeld dieses Buches: Wintergrün (Gaultheria fragrantissima/procumbens). Denn dazu gibt es immer wieder viele Fragen, Missverständnisse und leider auch gravierende Falsch-Empfehlungen („pur und reichlich bei Schmerzen einreiben – enthält ja gut verträgliche Ester“). Zwar wurde es unter dem Haupt-Inhaltsstoff Methylsalicylat (13.1.2.2) von Bob Harris ausführlich erläutert, doch der Steckbrief des gesamten Öles wäre sicherlich hilfreich.

Vor den Monografien wird ausführlich auf die juristischen Hintergründe des In-Verkehrbringens von ätherischen Ölen eingegangen (ätherische Öle in Fertigarzneimitteln, ätherische Öle in Rezepturarzneimitteln, ätherische Öle in Medizinprodukten, ätherische Öle in Kosmetika, ätherische Öle als Bedarfsgegenstände, ätherische Öle als Lebensmittel). Jeder der sich mit den mittlerweile schier unübersichtlichen Gesetzen rund um ätherische Öle beschäftigen muss, wird hier fündig. Auch die Prüfmethoden werden sehr detailliert beschrieben.

Teil E: Rechtliche Rahmenbedingungen für die Aromatherapie in Österreich, Deutschland und der Schweiz
Ab Seite 779 erläutern vier Fachleute (darunter zwei Juristen) Möglichkeiten und Grenzen der Ausübung von therapeutischen und pflegerischen Tätigkeiten mit ätherischen Ölen. Auch das komplizierte und sich ständig verändernde europäische Kosmetikrecht wird beleuchtet (am 11. Juli 2013 trat die neue Kosmetik-Verordnung in Kraft). Es folgen schließlich drei Seiten mit Adressen, Kurzvorstellungen der dreissig beitragenden AutorInnen (plus sieben Beitragenden mit Rezepturen), ein vorbildliches Register mit deutschen und lateinischen Namen, einzigartig differenziert nach Studien, Rezepturen und Kontraindikationen sowie darauf folgend ein Sachregister.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieBleibt noch anzumerken, dass ich einige Übersetzungsfehlerchen gefunden habe, Beispiel: auf Seite 299 ist die Rede von Aromasticks, das sind keine Holzstäbchen, wie im Text zu lesen ist, sondern es handelt sich um die in der englischsprachigen Aromatherapie inzwischen sehr breitflächig eingesetzten Kunststoff-Inhalationsstifte, die man hier (Deutschland und Österreich) oder hier (Schweiz) bestellen kann. Auf Seite 501 wird im Zusammenhang von Cistrose ‚Rock rose‘ von den Bachblüten genannt, bei den Bachblüten wird jedoch nicht die Cistrose eingesetzt (sondern die rock rose mit dem wissenschaftlichen Namen Helianthemum nummularium, das Gelbe Sonnenröschen). Mehr editorische Sorgfalt seitens des ärztlichen Herausgebers – insbesondere in den Abschnitten mit wissenschaftlichen Arbeiten wie oben an einigen Beispielen illustriert – würde dem ansonsten hervorragenden Werk noch mehr Glaubwürdigkeit verleihen.

Jetzt aber genug der Rezension! Ich möchte nun nach so ausführlicher, wochenlanger Beschäftigung mit diesem Opus Magnum dem Team vom Stadelmann Verlag nochmals gratulieren! Der Lektorin gebührt ein ganz besonderes Lob! Ich wünsche mir, dass dieser HOCHkarätige Wälzer alle HOCHnasigen Zweifler therapieren kann und davon überzeugen, dass die klinische Arbeit mit ätherischen Ölen nicht nur wünschenswert und wohltuend für kranke Menschen ist, sondern dass es auch ausreichend Evidenz gibt, um die Öle sicher und ohne Angst vor Haftungsprozessen anwenden zu können – und dabei gleichzeitig ärmer an unerwünschten Nebenwirkungen. Die Arbeit mit ätherischen Ölen ist wertvoll und belegbar effizient – zudem oft preiswerter als Mittel der herkömmlichen Patientenversorgung. Die Anwendung von ätherischen Ölen kann möglicherweise vielen Menschen, beispielsweise wenn sie mit resistenten Keimen infiziert sind und wegen nicht mehr wirksamen Antibiotika vom Tode bedroht, das Leben retten. Die Arbeit mit ätherischen Ölen darf nicht von nörgelnden Nicht-Kennern mit unsachlichen Vorurteilen behaftet werden und ins Abseits geschoben werden (oder gar mit dem abwertenden Stempel ‚Esoterik‘ versehen werden). Dieses Werk sollte bei der Aufklärung helfen und Besserwissern in die Hand gedrückt werden: FRAGEN SIE DEN ARZT UND APOTHEKER (die beide wesentlich für die Inhalte dieses umfangreichen ‚Beipackzettels‘ in Buchform zuständig waren).

Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis (klick!) kostet knapp 95 Euro und kann portofrei bestellt werden (wie wäre es mit einem Eintrag im Wunschzettel? 😉 ). Wer sich erst einmal ein Bild machen möchte, kann dies mit der kostenlosen Leseprobe (klick!) machen. Als zusätzlichen Hinweis möchte der Stadelmann Verlag anmerken dass Ergänzungen zum Buch sowie aktualisierte und zusätzliche Adressen zum Thema hier (klick) zu finden sind und man im Verlag dankbar für weitere Hinweise ist.

Wer hat dieses Buch bereits (gelesen)? Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Eindrücke mit mir teilen würdet!

* Gerhard Buchbauer hat mir seine korrekte Berufsbezeichnung in einer E-Mail erläutert: Er sei nicht Pharmakologe, wie in meiner ursprünglichen Überschrift geschrieben, sondern pharmazeutischer Chemiker, also wenn man so will ein ausgebildeter Apotheker ohne Kammerprüfung und daher auch ohne Apothekenpraxis. In Österreich werden  Apotheker in den vier Teildisziplinen ausgebildet: pharmazeutische Chemie, Pharmakognosie (in Deutschland pharmazeutische Biologie, was laut Herrn Buchbauer weniger gut sei, als die altbekannte Arzneipflanzenkunde), pharmazeutische Technologie und Pharmakologie, aber eben zum Magister/Magistra der Pharmazie und nicht zum Pharmakologen.

kann man düfte sehen?


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieWas blüht denn da? Was riiiiecht denn da so eigenartig? Igitt, das mieft! Unterhosen, Socken, Schmutzwäschebeutel! So oder so ähnlich sind meistens die Reaktionen auf den sicht- und fühlbaren (klebrigen) Duft einer Salbeiart, die uns mit einem der stimmungshebendsten ätherischen Öle beliefert.

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Die Rede ist von Salvia sclarea, dem Muskateller-Salbei. Fotografiert heute in der Schweiz, also spricht man korrekter von DIE Muskateller-Salbei. In Österreich wiederum, genauer gesagt im Joanneum in Graz in der Steiermark, hat man vor 10 Jahren genau untersucht, aufgrund welcher Anbaufaktoren und Destillationszeiten die Zusammensetzung dieses eigenwillig riechenden Öles so stark variieren. Der Gehalt an Linalylacetat (auch der Hauptinhaltsstoff in Lavendelöl, circa 35 Prozent) ist jedenfalls am höchsten (circa 70 Prozent), wenn die Blüten und weniger das Kraut destilliert werden. Die Blütendestillation bringt auch den höchsten Ertrag an ätherischem Öl. Die zart-lila blühenden Rispen sind wirklich ziemlich klebrig und für das bloße Auge sichtbar besetzt mit der deutlich (und fast verblüffend) den Menstruationszyklus regulierenden Duftsubstanz. Laut dem Grazer Forschungsbericht (klick!) schwanken die Inhaltsstoffe wie folgt:

  • Linalylacetat: 16.7 – 69.7%
  • Germacren D: 2.2 – 31.2%
  • Beta-Caryophyllen: 1.2 – 10.7%
  • Bicyclogermacren: 0.6 – 9.1%
  • Linalool: 0.6 – 8.9%)
  • Alpha-Copaen: 0.5 – 6.1%
  • transA/B-Sclareoloxid: 0.5 – 5.7%
  • Sclareol: 1.6 – 6.9%

Letzterer ist der Diterpenol (mit 20 C-Atomen), der vor allem für die hormon-modulierende Eigenschaft des Öles verantwortlich gemacht wird. Er kann bei zu kurzer Destillation auch gar nicht im Öl enthalten sein. Ob es der Stoff ist, der bei manchen Menschen, die gleichzeitig Alkohol trinken, zu einem stärkeren Rausch führt, ist nicht bekannt. In Anbetracht der obigen Bandbreiten an Inhaltsstoffen heißt es bei diesem Öl noch mehr als bei anderen Ölen: Auf gute Qualität achten und Duftvergleiche anstellen.

Lesen Sie bei Christine Lamontain (klick!) ergänzende Betrachtungen zu diesem kontrovers empfundenen Duft, auch ihre Makro-Fotos sind wunderbar gelungen.

entzündungshemmung mit hilfe von ätherischen ölen


Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Als ich vor vielen Jahren las, dass der Herzinfarkt zu den entzündlichen Erkrankungen zählt, war ich unglaublich erstaunt. Habe ich doch mal in grauer Vorzeit in meiner Ausbildung zur Schwesternhelferin zur Kenntnis genommen, dass es sich um eine rein mechanische Problematik handelt: Blutklumpen verstopft Blutgefäß > Minderversorgung > Exitus. So in der Art zumindest. Nun liest man seit einiger Zeit, dass Entzündungen als Auslöser von Depressionen ernsthaft diskutiert werden. Man kann eine Studie von 2008 zu dieser Thema hier (klick!) gratis runterladen (sonst kosten Studien meistens ab 30 Euro/Dollar aufwärts). Somit wäre beispielsweise die starke Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen – eben auch wegen der entzündungshemmenden Wirkung – nachvollziehbar (nachzulesen in der aktuellen Zeitschrift für Phytotherapie S1 2013, die ich gestern erhielt).

Das bringt mich zu Erklärungsmodellen, warum Aromatherapie überhaupt wirkt, was also ätherische Öle im Körper alles regulieren und korrigieren können. So dass bereits eine oder ein paar wenige Behandlungen mit ätherischen Ölen deutlich spürbare Effekte auf die gesamte Befindlichkeit und auch auf einzelne Symptome haben können. Mal ganz abgesehen vom starken Gefühl des Wohlbefindens, welches durch Streichungen, Massagen und Einreibungen mit den duften Pflanzenhelfern ausgelöst und gesteigert werden kann, wenn die richtigen Öle und die richtige Dosierung gewählt wurden.

Fast alle ätherischen Öle wirken mehr oder weniger ausgeprägt entzündungshemmend und helfen uns, krankmachenden Entzündungen einfach durch die tägliche Aromapflege und Aromaernährung zu begegnen. Insbesondere, wenn wir unser Leben mit entzündungsfördernen Potpourries ‚bereichern‘ wie gehärtete Fette, Synthetik-Kosmetik, Stress, heiß gebratenes Fleisch, Abgase, (viele) chemische Medikamente, frittierte Speisen, Farbstoff-Naschereien und -Getränke, Wohngifte etc.  Auf der zellulären Ebene zeigen ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe folgende Wirkungen:

  • sie wirken entzündungshemmend durch Beeinflussung von Entzündungsmediatoren wie Histamin, Prostaglandinen und/oder Leukotrienen
  • sie beeinflussen den Spannungszustand von menschlichen Zellmembranen und können dadurch als Kalziumantagonist wirken
  • sie besitzen einen Counterirritant-Effekt, wirken also schmerzlindernd
  • sie beeinflussen GABA-Rezeptoren und können dadurch die Stimmung, Ängste, Antrieb regulieren
  • sie beeinflussen den Neurotransmitter Acetylcholin und wirken hemmend auf die Acetylcholinesterase, genau so wie moderne Anti-Demenzmedikamente
  • sie beeinflussen den Dopaminstoffwechsel und können somit beispielsweise begleitend bei Parkinson-Erkrankung oder bei schweren prämenstruellen Beschwerden eingesetzt werden
  • sie beeinflussen 5-HT3-Rezeptoren und können daher antiemetisch wirken, d.h. Übelkeit und Brechreiz verringern
  • sie beeinflussen beta-2-Rezeptoren im Lungengewebe, so dass spastisch-obstruktive Atemwegserkrankungen gelindert werden können

Nun kann jede(r) seine Schlüsse ziehen in Anbetracht der Tatsache, dass viele Inhaltsstoffe zumindest in kleinen Anteilen in sehr vielen ätherischen Ölen enthalten sind, sie also Vielstoffgemische sind. Richtig, die meisten ätherischen Öle können viele Beschwerden und viele Befindlichkeitsstörungen gleichzeitig regulieren helfen. Nun gibt es jedoch noch andere Bereiche der Wirkungen. Ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe können die Zellmembranen vieler pathogener/ krankheitsauslösender) Bakterienarten verändern indem

  • die Durchlässigkeit der Zellmembranen erhöht und somit gestört wird
  • die Zellmembranen erstarren und ihre Funktionen einzubüßen kann
  • Mesosomen (Einstülpungen) gebildet werden können
  • Strukturen im  Zytoplasma verloren gehen
  • Kaliumionen verloren gehen

Und auch das ist noch nicht alles, denn auch Pilze und Viren können durch ätherische Öle das Fürchten lernen. Dazu kommen noch unspezifische Regulationsmechanismen, welche man nicht einzelnen Prozessen zuordnen kann. Beispielsweise können ätherische Öle oder einzelne ihrer Inhaltsstoffe:

  • den im Speichel messbaren Cortisolgehalt verringern, der Mensch fühlt und zeigt weniger Stress-Symptome
  • die Polysacharid-Ketten, aus denen zäher Bronchialschleim besteht, können „aufgeknackt“ werden, die Zilien (Häarchen in der Luftröhre) können effektiver arbeiten und den dünnflüssigeren Schleim besser in Richtung Rachen abtransportieren
  • Makrophagen werden „zur Arbeit gerufen“, Zytokine und Defensin werden aktiviert, also arbeitet das Immunsystem effektiver
  • durch unspezifische antioxidative Prozesse degenerative Prozesse im Körper aufhalten
  • durch selektive antitumorale Wirkung den Körper vor Krebserkrankungen schützen

Das ist nur ein kleiner Einblick in die medizinische Welt der ätherischen Öle. Es soll jedoch noch reichlich Menschen geben, die meinen, dass wir nur mit Placebos arbeiten, dass das alles Glaubenssache sei, dass Aromatherapie und Aromapflege in den Bereich der Esoterik gehören. Als ob die vielen (hunderte? tausende? zehntausende?) Wissenschaftler, die sich jeden Tag mit obigen und noch mehr Themen beschäftigen, ihr gutes Geld mit kristallkugel-lesendem Mumpitz verdienen würden.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch bin dann mal weg, es ist St. Patrick’s Day Weekend (einschließlich Montag), der höchste Feiertag des Jahres, der Frühling schreitet ununterbrochen fort, ich genieße das supersonnige Irland in seiner grün-bunten Pracht in vollen Zügen, ab morgen in Dublin. Im oberen Abschnitt sind genügend Links zu ganzen Studien oder wenigstens kleinen Zusammenfassungen, so dass Ihr und Sie ausreichend Material zum Nachlesen habt!

die zweiklassen-gesellschaft der duftstoffe


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDiese „Petition“ hat viele Reaktionen, Fragen und Unsicherheiten hervor gerufen. „Petition“ in Anführungsstrichen, weil es sich um eine simple Online-Unterschriftenliste handelt. Das Wort Petition ist irreführend verwendet worden, denn dieses suggeriert eine Eingabe an offizielle Behörden/Regierungsstellen. Da ich, wie erwähnt, die Anfrage aus verlässlicher Quelle erhielt, habe ich das nicht hinterfragt, Monika Volkmann ist jedoch dem Impressum mal auf den Grund gegangen. Ich finde es dennoch okay, Dr. Dietrich Wabner mit seinem Verein N.O.R.A. International eine kleine Unterstützung in Form einer Unterschriftenliste zukommen zu lassen, denn er ist einer der wenigen Aroma-Leute, der sich für den Erhalt von „bedrohten“ ätherischen Ölen einsetzt und der – gegen Windmühlen kämpfend – auch bemüht ist, diesem bürokratischen Unsinn die Stirn zu bieten. Es scheint jedoch nicht möglich, selbst für einen zweifachen Doktor und Chemiker, die Eurokraten und nicht in dieser Materie beheimateten Schutzwächter davon zu überzeugen, dass synthetische, also menschengemachte Moleküle anders beschaffen sind, als ihre kopierten Vorbilder (nicht Ebenbilder) aus der Natur.

Dazu eine kleine Fantasiereise: Stellen Sie sich einen Teppich vor, weich und wuschelig, das Etikett sagt „100 Prozent Wolle“. Dann schauen Sie unter den Teppich und sehen ein feinmaschiges Netz, das eindeutig aus Nylon/Plastik ist, es trägt die Wollfasern und gibt dem Teppich Zusammenhalt und Haltbarkeit, ist hauchdünn, ist fast nicht vorhanden, macht nur 1 Prozent des Teppichgewichtes aus. Doch der eigentliche, der sichtbare Teppich besteht aus reiner Wolle. So ähnlich verhält es sich mit synthetischem Geraniol, Citral, Linalylacetat, Menthol. Wir riechen diese auch in billigen Aromaölen, doch die geschulte Nase schaut automatisch auch unter den Teppich, sie erkennt sofort, da sticht etwas, da fehlt etwas, das ist nicht rund. Was die Laiennase auf den ersten Blick Schnupperer nicht merkt, erkennt jedoch ein anderer Teil des komplexen Systems Mensch und sagt „Halt! Hier stimmt etwas nicht, hier ist etwas drin, was nicht rein gehört“ und löst beispielsweise einen Niesattacke aus oder rote Hautpusteln. Geschieht der Kontakt mit dem Chemiegeruch zu oft, kann sich auch das Immunsystem empören und löst dann irgendwann schlimmere Symptome aus, eben eine Allergie. Das kann selbstverständlich auch mit Naturdüften passieren wie mit allem, was uns im Leben so begegnet auch.

Der Chemiker sagt stolz: „Ach, dieses eine Prozent („im Teppich“ oder „im Aromaöl“) kann man wirklich vernachlässigen, es hat mit dem tollen von mir geschaffenen Duftmolekül eigentlich nichts zu tun, es dient lediglich als Trägersubstanz.“ Je billiger so ein „Parfümöl“ oder „Aromaöl“, desto größer ist dieses „Trägernetz“ und desto wahrscheinlich ist es, dass es aus chlorierten Substanzen besteht. Wer jemals im Schwimmbad, in der Sauna, in öffentlichen Toiletten penetranten Chlorgeruch wahrgenommen hat, weiß was ich meine. Diese ach so minimalen Anteile an chlorierten Substanzen scheinen insbesondere für ungewollte Reaktionen wie Kopfschmerzen, Unverträglichkeiten und sogar Allergie verantwortlich zu sein. Eigentlich muss man entsprechenden Immunsystemen nun geradezu gratulieren, dass sie auf sowas überhaupt noch reagieren, und dankbar sein, dass sie Alarm schlagen. So degeneriert und dumm ist der menschliche Körper auch heute nicht, dass er nicht bemerkt: „Da stimmt etwas nicht, da muss ich mich wehren, da ist Gift mit im Spiel.“

Die natürlichen „Zwillinge“ kommen nicht nur ohne Chlor aus, sie sind auch eingebettet in ein Meer von anderen Inhaltsstoffen im jeweiligen Öl. Ein schönes Beispiel ist ein hochwertiges Öl der Gewürznelkenknospe. Es enthält zwar reichlich das potenziell hautreizenden, durchblutungsfördernden und anregenden Phenols Eugenol (bis zu 80%), doch in den verbleibenden 20 bis 30 Prozent finden wir auch andere Goodies, welche entkrampfen/entspannen (bis 22% Eugenylacetat), entzündungshemmend wirken (13% beta-Caryophyllen) und schmerzlindernd wirken (Methylsalicylat). Eugenol an sich hat nicht nur negative Eigenschaften, wie so gerne behauptet wird, sondern wirkt als Breitbandmittel stark keimtötend und auch schmerzlindernd. Man muss also die ganze Symphonie der Inhaltsstoffe betrachten und nicht nur einen einzelnen schrillen und schrägen Flötenton, der im Gesamtkonzert vielleicht gerade das i-Tüpfelchen ausmacht, jeder Klassik-Konzertgänger weiß das.

Doch das heute geltende Paradigma will uns mit erschreckend roher Gewalt und gesetzlichen Vorschriften wirklich ins Gehirn einhämmern, dass wir mit ganzheitlichem Denken und Betrachten falsch liegen, dass wir Einzelstoffe anzuerkennen haben, dass diese einfach und schnell und billig von Menschenhand herzustellen seien (gerne als „naturidentisch“ bezeichnet). Und dass viele Naturstoffe unvollkommen, schlecht, böse, fehlerbehaftet seien. Darum sind, aus Kosmetikgesetzgeber-Sicht und zugespritzt gesagt, Fenchel und Anis, Basilikum und Estragon, Zimt und Rose, „böse Pflanzen“, denn sie produzieren „gefährliche Stoffe“, welche hautschädigend und leberschädigend (durch die Haut???) wirken. Die wissenschaftlichen Experimente, die zu diesen Erkenntnissen führten, werden jedoch einerseits oft mit menschengemachten Laborduftstoffen an (Nage-)Tieren mit anders arbeitendem Stoffwechselsystem gemacht. Dazu werden diese Tiere damit zwangsernährt, obwohl Rose, Fenchel, Basilikum vielleicht nicht zu ihrem Beute- und Nahrungsschema gehören und ihr Metabolismus nicht jahrtausende Jahre lang Zeit hatte, sich auf den Abbau dieser Pflanzeninhaltsstoffe einzustellen. Diesen Tieren wird zudem das Fell wegrasiert, bevor sie mit den fraglichen Substanzen eingeschmiert werden (wer sich als Mensch rasiert, wird sich an diesen Stellen nicht anschließend mit scharfen und reizenden Kosmetika einreiben, weil das Rasieren immer Mikroverletzungen zur Folge hat). Und damit man wirklich nachweisen kann, wie gefährlich diese „Pflanzenstoffe“ (aus dem Labor, hm) sind, werden sie hoch/überdosiert und über lange Zeiträume an den Tieren verwendet. Wenn ein menschliches „Versuchskaninchen“ wochenlang ausschließlich mit Heu gefüttert werden würde, könnte man beweisen, dass Heu unverdaulich ist, zu Giftgasen in den Eingeweiden führt und schließlich zum Tod durch Darmverschluss.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Der Faktor Mensch wird dabei völlig vernachlässigt: Dass der Mensch recht schnell „die Nase voll“ hat von einem Duft, dass er vergesslich ist, selbst wenn er sich jeden Tag mit etwas einschmieren wollte, dass ihm nach kurzer Zeit penetrante Überdosierungen stinken, dass er einen komplexeren Stoffwechsel als ein Meerschweinchen hat, dass er Kleidung trägt, die das Kosmetikum abreibt, dass er Milch trinkt, die zu viel gegessene Duftstoffe emulgiert und resorbieren helfen kann, dass er andere und viel mehr Auswahl an Dingen isst, die mit dem Duftstoff interagieren werden…. all das, also das „wahre Leben“, findet im Labor nicht statt. Wie sollte es auch! Dazu kommt, dass beispielsweise Rosen- und Lavendelöl aus jeweils einigen hundert Inhaltsstoffen bestehen! Dies kann und will man nicht separat untersuchen. Und diese kann oder will man nicht herstellen, um ein „naturidentisches“ Aromaöl auf den Markt zu bringen (man könnte es – technisch gesehen – zu 99,5% herstellen, doch dann wäre das billige Aromaöl vermutlich viel teurer als seine natürliche Variante).

Und weil man an technische und vor allem an preisliche Grenzen stößt, reduziert man beispielsweise Lavendelöl auf drei „böse Inhaltsstoffe“ (Linalool, Linalylacetat, Geraniol), die kunstvoll zusammengemischt sicherlich fast wie Lavendelöl riechen würden) und will den naiven Verbrauchern suggerieren, dass man sie vor diesen negativen Komponenten schützt. Damit zurück zur Petition und zur Kosmetikverordnung: Bei einigen, wie diesen Lavendelstoffen, schreibt man „nur“ die Deklaration vor (was für Allergiker natürlich hilfreich beim Einkauf ist), obwohl laut Duftstoffe-Fachmann Erich Schmidt  bei etlichen der gebranntmarkten deklarierungspflichtigen Stoffe nachgewiesen werden konnte, dass sie nicht allergener wirken als tausend andere Dinge des täglichen Lebens. Bei anderen Naturdüften wie Rosenöl muss verdünnt werden, damit der eine „böse Stoff“ (Methyleugenol) kaum noch im Kosmetikum enthalten ist, bei anderen muss verdünnt werden, um bestimmte Gefahrenhinweise auf dem Etikett zu vermeiden (ich hatte hier eine Liste zusammengetragen). Man kann als Laie wirklich nicht mehr mitkommen, Öle-Firmen müssen Anwälte anheuern.

Volkmar Heitmann hat mir und euch netterweise den Link zu diesem „behördlichen Duftkrimi“ geschickt, hier kann er gelesen werden (auf englisch und ellenlang, die meisten EU-Bürger haben somit keinen Zugang zu diesem „Meinungspapier“ (opinion), ich wüsste zu gerne, wer die am Anfang namentlich aufgeführten Meinungsgeber sind bzw. für wen sie arbeiten. Für solche Recherchen bedürfte es eines eigens eingerichteten und bezahlten Arbeitsplatzes. Hallo Ätherische-Öle-Firmen, hat jemand da draußen Zeit und Kapazitäten dafür frei?! Immerhin wird ganz demokratisch auch eine Meinungsseite für die EU-Bürger eingerichtet, wenn man sich also durch diesen englisch verfassten Fachtext gewühlt haben sollte, kann man seine Meinung auch kundgeben. (Selbst mir mit Fließend-Englisch-Fähigkeiten graut vor dieser Seite).

Ich war jedenfalls vergangene Woche – sehr schön passend zum Thema – zweimal mehr oder weniger freiwillig mit Chemieduftbomben konfrontiert. Einmal stand der Wäscheständer mit zu trocknender Wäsche im Schlafzimmer, sie war mit „eben mal ganz schnell“ gekauftem Waschmittel („mit ätherischen Ölen“) gewaschen worden, weil das Biowaschmittel leer war. Kaum zu glauben, was für Emissionen da im Zimmer umher waberten, sie lösten ein starkes Irritation im Sinne von „Achtung, Störung, hier stimmt etwas nicht, weg laufen!“ aus. Beim zweiten Mal führte der Besuch des Schweden-Kaufhauses bzw. zum Glück erst ganz am Ende die Kerzenabteilung, zu einem über 24 Stunden währendem leisen Kopfschmerz. Auf diesen beiden Produkten würde ich gerne die neue Etikettenvorschrift sehen: Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein. Aber diese ist für solche Produkte, die man unter Umständen tagelang und wochenlang einatmet, nicht vorgesehen. Ein typisches Beispiel für den Zwei-Klassen-Duft.

PS Ähnlich wie beim Beispiel „100 Prozent Wolle“ des Teppichs verhält es sich übrigens mit sehr vielen Kleidungsstücken und sonstigen Textilien aus „100% Baumwolle“, diese bestehen immer öfter aus einigen Prozenten an anderen Stoffen.

abkürzungsdschungel von siegeln


Ich bin derzeit in Wien und werde hier immer wieder nach Qualitätssiegeln zu ätherischen Ölen befragt. Vor allem das oft angepriesene Siegel der AFNOR sorgt für Verwirrung, es soll einen allerhöchsten Qualitätstandard garantieren. Es ist jedoch „nur“ ein Industriesiegel, ähnlich den DIN- und ISO-Zertifizierungen. Erstere regelt unter anderem die Zusammensetzung eines ätherischen Öles, nicht jedoch seine ganzheitliche Qualität. Schon gar nicht werden die Abläufe überprüft, die von Anbau bis zur Abfüllung erforderlich sind, damit ein wirklich hochwertiges und genuines Öl angeboten werden kann. Ein kleiner Überblick (auf Bild klicken zum Vergrößern):

AiDA Aromatherapy International

Über das relativ neue und sehr strenge Siegel NaTrue kann man hier ein PDF runterladen und die Liste der Mitglieder hier einsehen.

aromatherapie bei colitis: kunzea ambigua


AiDA AromatherapyIch hatte in meinem Online-Magazin (Nr. 17 | 2006) bereits über ein hoffnungsvolles ätherisches Öl geschrieben, dessen (relative) Bekanntheit in Europa den Erfolgsberichten des französischen Arztes Dr. Daniel Pénoël zu verdanken ist. Die Weiße Honigmyrte [Kunzea ambigua (Smith) Druce, Tick bush, White cloud] wächst in den kühleren Küstengegenden Südost-Australiens (im Süden von New South Wales, Victoria und Tasmanien) und ist sowohl mit Teebaum als auch mit Manuka verwandt. Der Duft des Öles liegt auch irgendwo dazwischen, etwas medizinisch-eukalyptisch, krautig mit subtilen blumig-fruchtigen Untertönen. Der engagierte Arzt hatte dieses Öl 2006 auf einer Tagung von Forum Essenzia vorgestellt.

Die ganz stark antioxidative Wirkung des kleinen Baumes oder großen Strauches mit den „puscheligen“ weißen Blüten (Oktober bis Dezember) wurde von einem Farmer namens John Hood entdeckt, der einen alten Stacheldrahtzaun von 1958 auf seinem Land hatte. Das Metall war teilweise kein bisschen verrostet (wir bekamen Fotos davon zu sehen), genau an den Stellen, wo diese Kunzea-Bäume (bis 4 Meter) drüber wuchsen. Mit dem ätherischen Öl wurde der Farmer seine langjährige Sinusitis los. Dr. Pénoël hat selbst einige Jahre in Australien gelebt und dort etliche besondere ätherische Öle kennen und schätzen gelernt.

Durch einen hohen Anteil an Sesquiterpenen wirkt es deutlich antiphlogistisch (entzündungshemmend), es hat sich auch bei der Linderung von akuten rheumatischen Schmerzen bewährt. Für Grippe-Symptome und Schmerzen allgemein sowie bei Angst und Frustration setzt Pénoël es mit Begeisterung ein.


An antimikrobieller Wirkung erwähnte er Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Pseudomonas und Candida albicans, die wichtigsten Inhaltsstoffe sind folgende:

  • 39% beider Pinene (Monoterpene)
  • 16% 1,8-Cineol (Monoterpenoxid)
  • 11% Globulol (Sesquiterpenalkohol)
  • 4% Bicyclogermacrol (Sesquiterpenalkohol)

AiDA AromatherapyLetztere betrachtet Dr.  Pénoël als eine sehr wichtige Sesquiterpenverbindung. Insgesamt hat man circa 300 Bestandteile im ätherischen Öl gefunden. Er zeigte ganz neue Fotos von einer jungen Patientin, welche seit 15 Jahren an Morbus Crohn (eine unheilbare chronisch-entzündliche Erkrankung des Darmes) gelitten hatte, sie nimmt das Öl in Kapseln ein (6 Tr. in Basisöl, 3 x tägl. = 18 Tr). Er berichtet, dass er selber über die sehr schnelle Linderung erstaunt war –nicht nur der Darmbeschwerden, sondern auch der kalten steifen Gelenke. Auch ihre psychische Labilität auf Grund einer schon länger vorhandenen Bulimie hatte sich enorm gewandelt. Pénoël schilderte amüsiert in seinem unnachahmlichen Hand-Fuß-Deutsch, dass sie sich in kürzester Zeit von superschlapp auf ein ausgezeichnetes Joggingvermögen hocharbeiten konnte. Des weiteren ist es ein wichtiges Öl bei der Behandlung von HNO-Erkrankungen, also vor allem Erkältungssymptome. Der australische Aromatherapeut Marc Webb berichtet auch über gute Erfolge bei  Ekzemen, Gürtelrose, Verstauchungen, Zerrungen und Hämatomen.

Der englische Name Tick Bush bezieht sich auf Beobachtungen von Weidevieh, dass sich gerne unter große Kunzeasträucher legt, um sich vor Zecken zu schützen (tick=Zecke). Das Öl hat auch eine ähnliche mückenabweisende Wirkung (auf Aedes aegypti L.) wie Citronellaöl, wie eine Studie aus dem Jahr 2009 zeigen konnte. Beide Öle werden jedoch nicht für Gegenden empfohlen, wo lebensbedrohliche Krankheiten durch Mücken übertragen werden. Das ätherische Öl ist über die (französisch/englische) Website seines französischen „Entdeckers“ erhältlich und auch bei Ronald Reike (klick zum bestellen!)

PS. Ich wurde letzte Woche wieder einmal gefragt, wo es preiswerte Tester-Sets mit den wichtigsten ätherischen Ölen gibt, oder auch aromatische Hausapotheken. Seit gestern bzw. diesen Monat (März 2011) gibt es die zwei Grundsets von Wadi (Dr. Dietrich Wabner) zu einem unschlagbaren Sonderpreis: 24 wichtige ätherische Öle für 105 Euro (auch getrennt erhältlich). Auch eine absolute Besonderheit, das exotisch-schwer-würzig duftende Song of Salomon-Öl ist preisreduziert, ich benutze es gerne als Winterparfüm. Foto Ölekästen: Wadi

Petit Grain Clementier – stimmungsaufhellendes Öl


Mit dieser Überschrift plante ich den heutigen Text und fotografierte die gut sichtbaren Duftbehälter in den Clementinenblättern.

Das seltene Petit Grain-Öl aus dem Grünzeug des Clementinenbaumes duftet fein und hat stark stimmungsaufhellende Wirkung, unter anderem durch den Gehirn-Power-Stoff Methylanthranilat, eine kleine aber feine Stickstoffverbindung. Momentan kann man die Blätter kostenlos bekommen, Viele Früchtehändler schmeißen sie weg. Man kann sie zerdrücken, so dass der Duft freigesetzt wird, und auf die Heizung legen, ein Gratis-Raumduft sozusagen.

Dann fotografierte ich diese wunderschönen Früchte. Und aß einige. Sprich: schälte, gab die Fruchtstückchen in den Mund, schälte, gab wieder Fruchtstückchen auf die Zunge, schälte und aß die dritte wirklich leckere Clementine (ich habe sie nicht in Bio-Qualität gefunden).

Dann fielen mir die Gifte auf Zitrusschalen ein, diese habe ich ja vermutlich auf die Frucht weiter gegeben. Die sehr unaufällige Verpackung mit kaum lesbarem „Etikett“ hatte ich schon weg geschmissen und holte sie aus dem Mülleimer wieder raus.

Dort entdeckte ich ein mir gänzlich unbekanntes Wort (sonst bin ich recht fit im Etiketten-Übersetzen): Imazilil. Was sich da so schamhaft fast versteckt ist ein „wunderbarer“ Stoff:

Von der amerikanischen Umweltbehörde EPA wird Imazalil als wahrscheinlich krebserregend eingestuft, weil im Tierversuch Adenome der Leber sowie Adenome kombiniert mit Karzinomen aufgetreten waren….schützt Imazalil Zitrusfrüchte vor Schimmelbildung. …Soweit sie der EU-Vermarktungsnorm unterliegen, müssen mit Imazalil behandelte Zitrusfrüchte gekennzeichnet werden. In Deutschland ist Imazalil ausschließlich zur Beizung von Getreidesaatgut zugelassen. Imazalil – INN Enilconazol – ist ein systemisches Fungizid aus der Gruppe der Imidazole… In der Tiermedizin wird Imazalil unter dem Markennamen Imaverol ad us. vet. als Breitspektrumantimykotikum gegen Pilzerkrankungen der Haut (Dermatomykosen) und der Nase, bei Vögeln auch gegen Luftsackmykose eingesetzt. Quelle: Wikipedia

Na klasse, sowas dürfen Kinder und Allergiker schälen, auf Händchen und Gesicht verschmieren und essen. Eine Clementine nach der anderen. Keiner warnt davor. Das Etikett können sie nicht lesen oder interpretieren (ich auch nur mit meiner gestern neu erstandenen Brille). Vielleicht sollte ich ein Säckchen Schalen trocknen und aufheben, falls mal wieder ein Fußpilzausbruch bei den Kids zu bekämpfen ist…. Oder ich lege Schalen in sämtliche Schuhe – zur Vorsorge….

Aber grundsätzlich kann das bewusste Einatmen von Mandarinen- oder Clementinenduft (auch während des Schälens) dunkle Winterstimmung etwas aufhellen. Nur eben ohne Beigaben aus dem Giftlabor.

Analysen zu ätherischen Ölen


In meinen Kursen wird Wert darauf gelegt, dass die zukünftigen AromapraktikerInnen ihre Pflegeentscheidungen nicht nur intuitiv tätigen können, sondern auch anhand der Inhaltsstoffe des zu verwendeten Öles bestimmen können, ob es für diese oder jene Zielgruppe geeignet ist. Auch können solche Inhaltsstoffe-Analysen hilfreich beim Herstellen von pflegenden Mischungen sein, beispielsweise um zu entscheiden, ob ich die Verwendung eines bestimmten Thymian Ct. Thymol verantworten kann oder nicht, da je nach Menge dieses Stoffes die Mischung hautreizend werden könnte oder weniger. Und ob für die Anwendung bei einem Duftstoffallergiker dieses oder jenes Öl besser in Frage kommen könnte. Auch ob für eine stark psychisch aufhellende Anwendung überhaupt der wertvolle Inhaltsstoff Methylanthranilat in einer der Zutaten enthalten ist.

Leider ist die Verfügbarkeit solcher Analysen noch Mangelware im deutschsprachigen Raum und Listen wie in meinem Fachbuch stellen nur zufällige Momentaufnahmen bzw. idealtypische Zusammensetzungen dar. Besser ist es, zu genau dem Öl, welches ich verwenden werde, die jeweilige Analyse zur Verfügung zu haben. Sei es durch einen (eventuell kostenpflichtigen) Zugang zur Analysen-Datenbank des jeweiligen Lieferanten, sei es durch eine Art Beispackzettel. Dr. Albrecht von Keyserlingk hat genau diese Forderung einst auf einem Aromatherapie-Kongress geäußert: „Jedem Öleverbraucher sollte die Kenntnis über die Inhaltsstoffe des eingesetzten Öles ermöglicht werden.

Erstmalig sah ich nun diese wichtige Hilfe bei bio-zertifizierten (Ecocert und/oder AB) ätherischen Ölen der französischen Firma Nature et Decouvertes. Ein aromatischer Traum von mir ist bei dieser Firma in Erfüllung gegangen. Bliebe zu wünschen übrig, dass sich eine deutschsprachige Firma der professionellen AnwenderInnen erbarmt und diese gute Idee übernimmt!