die französische „schule“ der aromatherapie & viele missverständnisse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

René Liardet in Sault

In den letzten Jahren hören wir immer wieder von der „französischen Schule der Aromatherapie“: Es wird gerne behauptet, sie lehre die einzig richtige Anwendung von ätherischen Ölen. In jüngster Vergangenheit werden auch hämische Rufe laut – vor allem auf Facebook (sowohl im deutschsprachigen Bereich als auch in den USA), dass die „etwas dümmlichen“ VertreterInnen der „deutsch-englischen Schule der Aromatherapie“ ja überhaupt keine Ahnung vom wahren Umgang mit ätherischen Ölen hätten.

Ich möchte etwas Aufklärung in diesen verwirrenden Bereich bringen, denn seit Anfang der neunziger Jahre bin ich mit beiden Richtungen gut vertraut. Zwar erhielt ich mein Diplom in Aromatherapie im Mai 1990 vom College von Shirley Price (SPICA) – also von einer „englischen Schule“, doch weitere Kurse brachten mich mit dem französischen Umgang mit ätherischen Ölen in Kontakt. Spannende Informationen von Martin Henglein, der nicht nur einen englischen, sondern auch ein französischen aromatischen Hintergrund hat und viele Gespräche mit Inge Andres, die damals (ab 1985) die kleine aber sehr feine Firma La Balance in Leutkirch hatte, machten mich auf den Ursprung der medizinischen Disziplin Aromatherapie neugierig. Inge lernte ihre „aromatische Kunst“ in Frankreich, gab Kurse im Allgäu und organisierte wundervolle Duftreisen in die Provence. Ihr wundervolles Buch Die ganzheitliche Duftberatung (klick!) gibt es schon lange nur noch antiquarisch (auch die zweite Auflage war damals bald vergriffen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Laien lernen, Thymian mit der Sichel zu schneiden, für Destillateurin Marie-Claire in der Drome

In der Provence, besser im Département Alpes-de-Haute-Provence, durfte ich in frühen Jahren meines „Handwerks“ an Erntetagen und Destillationen teilnehmen. Gespräche mit Bauern über ihre harte Arbeit, lehrten mich hohen Respekt vor ihnen, den eigentlichen ProduzentInnen im Feld und an der Destille. Ich erinnere mich noch sehr gut an das enttäuschte Gesicht von uns bienenzerstochenen Erntehelfern, dass nach einem ganzen heißen Nachmittag des mühsamen Schneidens von Bio-Thymian, nur circa ein halber Liter ätherisches Öl gewonnen worden war. Wer mein Fachbuch hat, kennt einen dieser Bauern, Monsieur René aus Sault und unser geerntetes Thymiankraut von Seite 24, oben seht ihr die Farbversion, die auch in die 6. Neuauflage meines Fachbuches wandern wird. [Monsieur Renés Sohn Guillaume von hat inzwischen die Firma Aroma’plantes (klick!) ausgebaut, man kann dort wundervolle Bio-Produkte online bestellen – also direkt vom Erzeuger und somit einen kleinen Familienbetrieb, der seit 1978 im biologischen Anbau tätig ist, unterstützen].

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Dr. Daniel Pénoël im September 1995 auf dem 3. Schweizer Aromatreffen „Aspekte der Französischen Aromatherapie“ in Zürich, organisiert von Martin Henglein und Veroma

Irgendwann in dieser Zeit, Mitte der neunziger Jahre, leistete ich mir das entsetzlich teure Buch von Pierre Franchomme, Dr. Daniel Pénoël und Roger Jollois L’Aromathérapie exactement (klick! ich staunte nicht schlecht, dass so ein Paperback damals weit über 100 DM gekostet hatte!!!). Dieses Werk war die „Bibel“ aller Menschen, die sich jenseits der eher kosmetisch und vor allem der esoterisch orientierten Aromatherapie informieren wollten – sogar für KollegInnen, die kaum französisch lesen konnten! (Ich machte damals meine Heilpraktiker-Ausbildung und war ganz heiß auf medizinische Fakten rund um die Naturdüfte).

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Dr. Daniel Pénoël im August 2006

Dieses Fachbuch ist ein eher trocken und dennoch abwechslungsreich zusammengestelltes Werk vor allem über pharmakologische Wirkungen von ätherischen Ölen, mit „leckeren“ Fotos von kranken Menschen, Röntgenbildern, mit spannenden Tabellen, Grafiken, Fallbeispielen und einem riesigen wissenschaftlichen Quellenverzeichnis. Erstmals lernten wird daraus Details über Chemotypen, Gaschromatogramme wurden erläutert, reichlich chemische Formeln der wichtigen Inhaltsstoffe konnten studiert werden, und auch die fantastischen Wirkungen vieler Öle gegen Mikroorganismen wurden ausführlich vorgestellt. Also alles sehr pharmazeutisch-medizinisch orientiert, sowas gab es damals in keinem deutschsprachigen Buch in dieser Ausführlichkeit.

Erstmals waren die wichtigsten Inhaltsstoffe von circa 270 ätherischen Ölen auf fast 100 Seiten aufgelistet, dazu kompakt und übersichtlich die wichtigsten Eigenschaften, Indikationen und ggfs. auch Kontraindikationen. Eine Fundgrube, in der ich viel geschmökert habe und die ich auch heute noch öfters zu Rate ziehe! Als ich 1994 anfing, an meinem eigenen Fachbuch zu arbeiten, waren diese Informationen mein großes Vorbild, ich erhielt von einigen deutschsprachigen Öleanbietern ordnerweise Gaschromatogramme mit den Analysen der bekanntesten ätherischen Öle und trug möglichst viele Erkenntnisse aus französischen und englischsprachigen Quellen zu meinen eigenen Erfahrungen mit ätherischen Ölen zusammen. Es versteht sich von selbst, dass Dr. Pénoël ein Exemplar bekam!

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Dr. Jean Valnet

Die Art der Anwendungen dieses französischen Arztes und seiner Wissenschaftler-Co-Autoren, und auch vom Arzt Jean Valnet (1920-1995), der mit seinem ins Deutsche übersetzte Buch Aromatherapie recht bekannt wurde, begründeten die neuere „Schule der französischen Aromatherapie“. Es handelt sich nicht um eine Schule im Sinne des Wortes, sondern dieser Begriff wird zur Abgrenzung von den englischsprachigen Empfehlungen verwendet. Ätherische Öle wurden und werden gemäß den allermeisten seriösen englischsprachigen Schulen und Büchern nur äußerlich angewendet und in niedrigen Dosierungen um maximal 3% eingesetzt. Die guten Ausbildungen umfassen circa 300 Stunden (und mehr!), will man Mitglied eines ernst zu nehmenden Berufsverbandes werden, beispielsweise bei der IFA oder der ISPA. Man erneuert seine Mitgliedschaft durch jährliche Fortbildungspunkte, die nachgewiesen werden müssen. Als Mitglied bekommt man Anspruch auf eine gute Haftpflichtversicherung und kann sich bewerben als Leistungsanbieter im britischen Gesundheitssystem NHS, so dass PatientInnen kostenlose Behandlungen buchen können. Die englischsprachige Richtung wurde von der Österreicherin Margerite Maury (1885-1968) gestartet, sie war Krankenschwester und Ehefrau eines homöopathisch arbeitenden Arztes. Die deutsche Übersetzung ihres Buches Die Geheimnisse der Aromatherapie gibt es nur noch antiquarisch. Nachzulesen sind diese Entwicklungen anhand von konkreten Pionieren auch auf meiner Website (klick!).

Ärzte und Pharmakologen in Frankreich und Belgien dagegen werden viel ausführlicher in den Themenbereichen des Franchomme-Pénoël-Buches und ähnlicher Bücher geschult, das Curriculum ist wissenschaftlich orientiert und sehr anspruchsvoll. Medizinische Anwendungen bilden den Mittelpunkt. So ist es kein Wunder, dass ätherische Öle bei klar diagnostizierten Beschwerden und sogar Krankheiten eingesetzt werden, teilweise mit bei uns als „toxisch“ deklarierten Ölen und oft auch in recht hohen Dosierungen. In manchen Fällen werden auch kaum oder unverdünnte Öle eingesetzt. Dahingegen dürfen in Frankreich etliche ätherische Öle, die man im deutschsprachigen Raum bei jedem Anbieter findet, nur auf Rezept verkauft werden, oder verdünnt, dazu gehören Salbei (Salvia officinalis) und Ysop (Hyssopus officinalis).

Einige Vertreter der „französischsprachigen Schule“ der Aromatherapie (Aromathérapie médicale):

  • Pierre Franchomme, Pharmazeut, Frankreich Kurse Videos
  • Dr. Daniel Pénoël, Arzt, Frankreich Schule
  • Dr. Dominique Baudoux,Pharmazeut, Belgien Schule Firma
  • Dr. Jean-Michel Beghin, Arzt, Frankreich und Belgien Schule
  • Philippe Mailhebiau, Frankreich, Infos
  • Dr. Kurt Schnaubelt, Chemiker, San Rafael/USA, Schule Blog Firma

Gattefossé_Buchseite_xsPassend zur französischen Richtung der Aromatherapie wiederhole ich an dieser Stelle nochmals die oft falsch zitierte Story vom Chemiker, Parfümeur und Destillateur René Maurice Gattefossé, der seine Hand bei einem Chemieunfall verbrannte. Er soll sie in einem Pott Lavendelöl „gelöscht“ und gekühlt haben, woraufhin sein Schmerzen verschwunden sein sollen und die Heilung einsetzte. Mit diesem „Wunder“ habe er die Aromatherapie „wiederentdeckt“. Wer lesen kann ist immer eindeutig im Vorteil 😉 und so finden wir auf Seite seines ins Deutsche übersetzten Buches Gattefossés Aromatherapie die korrekte Version dieses Mythos. Der Pionier der „neuzeitlichen“ Aromatherapie (seit den 70er-Jahren) Robert Tisserand – der die Übersetzung von Gattefossés französischsprachigem Buch „Aromathérapie“ (1937) ins Englische (1993) vornahm und kommentierte – weist darauf hin, dass sich sich die Sache völlig anders verhielt. Der genaue Wortlaut ist auf seiner Blog-Seite nachzulesen. Demnach war Gattefossé, dessen Körper wegen einer Chemikalienexplosion im Jahr 1910 (oder nur die Arme? „after a laboratory explosion covered me with burning substances“) richtig brannte, ins Freie gestürzt und sich auf einem Rasen gewälzt, um die Flammen zu löschen. Danach entwickelte sich an beiden Händen ein Wundbrand (der durch das Bakterium Clostridium perfringens ausgelöst wird – es kommt beispielsweise im Boden vor). Seinerzeit verstarben noch ein Viertel der infizierten Menschen an der sich sehr rasch ausbreitenden Gangrän, zumindest war sie ein Grund zur Amputation der befallenen Gliedmaßen in den Kriegen vor dem zweiten Weltkrieg.
Gattefossé vermerkte in seinem Buch, dass „nur eine Spülung mit Lavendelöl“ die übliche Gasbildung im Gewebe stoppte. Es hatte sich bereits begleitend zur gefährlichen Infektion ein übermäßiges Schwitzen entwickelt, doch am nächsten Tag setzte die Heilung ein. Und nur dank des Lavendelöles konnte er weitere Pioniere wie Jean Valnet und Marguerite Maury in dieser duftenden Wissenschaft unterrichten, deren Bücher in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Aromatherapy-Boom in Großbritannien auslösten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wundervolle bewegte Bilder aus der frühen Jahren von Monsieur Gattefossé und der Aromatherapie kann man übrigens in diesem dreiteiligen Film auf Youtube anschauen. Das Ernten von Lavendel wurde 1907 schon gefilmt! Viele alte Fotos aus einem (seinen?) Fotoalbum sind zu sehen. Er ist viel gereist um gute ätherische Öle zu finden. Ein wirklich wertvolles Zeitdokument für alle, die sich mit der Entwicklung dieses duften Berufes beschäftigen möchten!

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Dieses 2500 qm große Feld mit Bio-Pfefferminze-Pflanzen ergibt 2500 Kilo geerntetes Kraut und ergibt, wenn alles gejätet, geerntet, destilliert und abgefüllt ist, 10 Kilo ätherisches Öl (12 Liter) und gerade mal 100 Euro! Die vielen Bio-Pflanzen müssen davor gekauft oder vermehrt werden und in das urbar gemacht Feld gepflanzt werden.

Und damit spanne ich den Bogen zur aktuellen Zeit. Es wird also neuerdings, wie eingangs erwähnt, behauptet, dass nur die französische „Schule der Aromatherapie“ wirklich wirksam sei. Leider behaupten das nicht ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen, sondern fast ausschließlich Menschen, die in irgendwelchen Schnell-Lehrgängen oder gar nach Infoabenden à la Plastikschüssel, Aloe vera-Wundermittel, Küchenmaschine und Nahrungsergänzung „Aromatherapie“ glauben „erlernt“ zu haben. Sie blicken in den allermeisten Fällen nicht auf einen pflegerischen oder gar medizinischen Hintergrund, sondern gehen allerlei unterschiedlichen Berufen nach und möchten sich mit Hilfe der nun zu Nahrungsergänzungs- und Lifestylemitteln ‚modernisierten‘ ätherischen Öle Geld dazu verdienen.

Sie haben jedoch oft keinerlei Vorstellungen von physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper. Sie können mit der Pharmakologie der ätherischen Öle nichts anfangen, verwechseln recht harmlose Monoterpenole mit den heftig wirksamen Phenolen. Stattdessen erfinden Sie immer neue kuriose Attribute zu den Ölen wie ‚Kamphoride‘ (sollen in Lemongrass, Myrte und Citronella enthalten sein). Sie haben auch wenig Vorstellung davon, wie viel Pflanzenmaterial sich in einem einzigen Tropfen ätherischen Öles befindet, denn Pflanzen hegen und pflegen, sie zu ernten und schließlich zu destillieren gehört in den wenigstens Fällen zu deren „Ausbildungen“. Sie sind stattdessen felsenfest davon überzeugt, „viel hilft viel“, „ist ja alles Natur“, „Natur schadet nicht“, „laut der französischen Schule wird es ja auch so gemacht“. Der Umsatz, der Gewinn und das Bilden von lukrativen „Schneeball-MitmacherInnen“ stehen im Vordergrund, ähnlich wie bei vielen modischen Nahrungsergänzungsmittel-Firmen.

Eine Kollegin musste beispielsweise mit ansehen, wie aus gut gemeinter Unkenntnis einer Brustkrebs-Patientin empfohlen wurde, mehrere Tropfen unverdünntes Pfefferminzeöl auf die bestrahlte Haut zu geben (es ergab sich eine schlimme Strahlendermatitis, der behandelnde Arzt schlug die Hände über dem Kopf zusammen). Eine naturheilkundlich interessierte Ärztin wandte sich an mich, weil ihr empfohlen wurde, bei Kopfschmerzen jeweils einen Tropfen Pfefferminze ins Auge zu geben, das Öl würde über den Sehnerv zum Kopfschmerz gelangen und diesen dann ausschalten (sie rief nicht etwa an, weil ihre Augen höllisch brannten, sondern weil ihr Kopfschmerz einfach nicht weg ging). Einem Elternteil wurde – durchaus sicher nett gemeint – empfohlen, dass das Kind mit Krupphusten mit einigen Tropfen Wintergrünöl inhalieren solle (wer findet die zwei Fehler??!!!), ein anderes Elternteil bekam den Tipp, bei den Wachstumsschmerzen des Kindes einfach einige Tröpfchen reines Zimtrindenöl auf die Schienbeine einzureiben. Auf fest sitzende Zecken solle reines Pfefferminzeöl gegeben werden. Das sind nur einige Beispiele, die an mich heran getragen wurden.

Arglose, vermeintlich in „französischer Aromatherapie“ „geschulte“ Personen geben solche Empfehlungen meistens wohlmeinend an Menschen mit Beschwerden ab, gerne auch mal mit Hinweisen auf die „böse Pharmaindustrie“, man könne viel besser mit ätherischen Ölen helfen (was bei nicht-akuten Beschwerden sicher auch häufig stimmt!). Noch arglosere Kunden fallen darauf rein und erleiden in nicht wenigen Fällen schwere Hautreizungen. Diese werden manchmal, gerne wieder mit Hinweis auf die „französische Aromatherapie“, vorausgesagt: Die betreffende Person solle sich dann freuen, Rötungen und Blasen seien willkommene Zeichen der Entgiftung. Zu diesem Thema hat sich eine Mitarbeiterin auf Robert Tisserands hervorragender Seite ausführlich geäußert (auf englisch).

Also, mein Fazit ist: JEDE der beiden Richtungen – hochprozentige Anwendung oder Verdünnung wie Kosmetika – haben jeweils ihre Berechtigung. Medizinisch gut geschulte, erfahrene und professionell versicherte Menschen wie ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen können in vielen Fällen durch kurzzeitige und hoch dosierte Anwendungen bei akuten Beschwerden viel erreichen. Die hoch dosierte und regelmäßige innere Anwendung (beispielsweise in Kapseln) sollte auch diesem Berufsfeld vorbehalten werden. Oder zumindest unter Aufsicht und Verantwortung eines Mediziners.

Zur Begleitung bei chronischen Beschwerden oder von Begleitumständen von „schulmedizinisch“ notwendigen Maßnahmen und auch zur Krankenpflege, haben sich 0,5-3%ige Verdünnungen von ätherischen Ölen über die letzten 30-40 Jahre bestens bewährt. Werden Speisen und Getränke mit ätherischen Ölen zubereitet, sollte das nach den zwei bewährten Kochbüchern Duftküche und Aromaküche erfolgen und immer so verdünnt, wie es die Natur uns zeigt: Beispielsweise statt der abgeriebenen Schale einer Zitrone gibt man 2 Tropfen Zitronenöl in den Kuchenteig, statt mehrerer Stängel Basilikum gibt man 0,5%ig in Olivenöl verdünntes Basilikumöl an den Tomatensalat. Wenn also BefürworterInnen jeder Richtung entsprechend ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Umfeld ätherische Öle behutsam, verantwortungsvoll und nachhaltig einsetzen würden, gäbe es weniger Grabenkämpfe und Platzhirsch-Getue in unserer duften Branche, dazu vielleicht weniger Allergien bzw Sensibilisierungen und allen Beteiligten wäre (wirklich) geholfen. 🙂

Wieviel ml Melissenöl stecken in diesem Feld?

Hier wird in muskelzehrender Arbeit Bio-Melisse geerntet

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Und aus dem Inhalt dieses Sackes werden 5 ml Kamillenöl destilliert

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ätherische öle bei vermindertem speichelfluss wegen karzinombehandlung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIn einer kleinen randomisierten, kontrollierten Studie bei Patienten die an differenzierten Schilddrüsenkarzinomen litten, konnte gezeigt werden, dass die Inhalation mit einer Mischung aus Zitronenschalenöl (destilliert) und Ingweröl den gestörten Speichelfluss anregen konnte. Somit konnte sich die Ernährungssituation der Patienten verbessern.

Es handelte sich um 71 japanische PatientInnen, die Probleme mit dem Speichelfluss nach der der Entfernung der Schilddrüse und der danach üblicherweise folgenden Radiojodtherapie (RJT/RIT) hatten. Diese unangenehme bis sehr schmerzhafte Folge der Behandlung tritt bei 11 bis 67 Prozent der erkrankten und behandelten Menschen auf (Sialadenitis).

Die zufällig ausgewählten PatientInnen wurden zwischen Juni 2014 und März 2016 rekrutiert und dann in zwei Gruppen eingeteilt (35 bzw 36 Personen;25 Frauen, 10 Männer). Statistisch gesehen erkranken mehr Frauen als Männer an diesen Tumoren der Schilddrüse (in drei von vier Fällen erwischt es Frauen), die jedoch insgesamt sehr gute Heilungschancen haben. Allerdings erwartete man für 2016 Neudiagnosen bei 64.300 Menschen allein in den USA (warum schreiben die japanischen Forscher nicht über Erkrankungen in ihrem Land, in dem Teile aufgrund des Nuklearunglücks von Fukushima radioaktiv verseucht sind?…).

Die aktive Gruppe (Alter: 35-78 Jahre) inhalierte das Ätherisch-Öl-Gemisch 14 Tage lang für 10 Minuten jeweils vor den Mahlzeiten. Die Kontrollgruppe inhalierte Wasser (Alter 30-86 Jahre;30 Frauen, 6 Männer). Die Aktivität und Effektivität der Ohrspeicheldrüsen und der Unterkieferspeicheldrüsen wurde vor und nach den Interventionen ermittelt, diese verbesserte sich bei der „Duftgruppe“ signifikant (𝑃 < 0,05). Die Autoren dieses Experiments, was nicht sehr befriedigend beschrieben ist (man erfährt nicht, ob jeweils mit 1 ml Zitronenöl und 0,5 ml Ingweröl oder nur einem Teil davon inhaliert wurde), diskutieren am Ende ihrer Arbeit, dass auch Pfefferöl die gewünschten Ergebnisse liefern könnte.

Dennoch meine ich, erhalten wir durch diese kleineStudie eine nützliche Anregung, welche die bereits durchgeführte Anwendung von Zitronensaft zur Anregung des Speichelflusses, ergänzen könnte. Die Arbeit: Nakayama M, Okizaki A, Takahashi K. A Randomized Controlled Trial for the Effectiveness of Aromatherapy in Decreasing Salivary Gland Damage following Radioactive Iodine Therapy for Differentiated Thyroid Cancer. Biomed Res Int. 2016;2016:9509810 ; sie kann hier (klick) kostenlos runter geladen werden.

PS. Heute sind 1500 Abonnenten dieser Informations-Seite erreicht, und noch ein ‚like‘ fehlt zur Zahl 4500 auf meiner Aromatherapie-Facebook-Seite. Vielen Dank für die vielen treuen LeserInnen und ein ganz besonderer Dank geht an die Personen, die auch ab und zu kommentieren und meine Arbeit mit Tipps, Adressen und Erfahrungen ergänzen (dann stehe ich nicht so alleine da!).

heuschnupfen: JETZT vorsorgen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFast jedes Jahr im Herbst erinnere ich meine LeserInnen an die Vorzüge der wunderbar samtig-holzig duftenden Öle der beiden echten Zedernarten. Die Himalaya-Zeder [Cedrus deodara (Roxb. ex D.Don) G.Don.] ist eine enge Verwandte der Atlas-Zeder [Cedrus atlantica (Endl.) Manetti ex Carrière]. Diese Methusalems unter den Bäumen können weit über 1000 Jahre alt werden – es sind auch einzelne Prachtexemplare mit über 2000 Jahren bekannt – zudem ist die majestätisch wirkende Zeder einer der ganz großen und unübersehbaren Bäume. Ich nenne beide sehr ähnlichen Öle die „Stark-wie-ein-Löwe-Öle“. Zedern sind übrigens mit den Kiefern, Fichten, Tannen und Lärchen verwandt, doch anders als bei jenen, werden nicht die Nadeln sondern die Holzstückchen destilliert, so dass es von besonderen Sesquiterpenen und deren Abkömmlingen geprägt wird.
Zedernöl wirkt stabiliserend und kräftigend, sowohl körperlich als auch im seelischen Bereich. Es stimuliert die Aktivität der Lymphgefässe, wirkt der Steinbildung entgegen und wird wegen seiner lipolytischen („fettauflösend“) Fähigkeiten Cellulitemischungen beigegeben.
Verblüffende Erfolge erzielt man mit einer rechtzeitig begonnenen Anti-Heuschnupfen-Maßnahme: Acht bis zehn Wochen vor Beginn der Pollenflugsaison verwendet man mehrmals täglich ein Dekolleté-Spray und fast alle Benutzer berichteten bislang von deutlich weniger Juckreiz, Schniefen und Augenbrennen. Es wird wie ein Raumspray, jedoch in Kopfnähe, versprüht, so dass man etwas davon einatmet.
In der Psycho-Aromatherapie hat das fast ewig haltbare Öl mit dem Thema „Präsenz im Hier und Jetzt“ zu tun, es unterstützt große und kleine Menschen, die sich mickrig und fehl am Platz fühlen. Es ist auch ein wertvoller Begleiter bei jeder Art von Wechsel und Neubeginn: Umzug, Schulwechsel, Partnerschaft, Beruf, Schwangerschaft. Der Inhaltsstoff Atlanton ist ein Sesquiterpenketon und kann nicht als schädigend bezeichnend werden, somit ist die Anwendung in der Schwangerschaft – im Gegensatz zu dem, was in vielen Büchern zu lesen ist – kein Problem. Die veralteten Warnungen kamen durch eine Verwechslung mit den amerikanischen „Zedern“ (Red Cedar) zustande, die vereinzelt neurotoxisch wirken können.

Ein Rezeptbeispiel, da bereits sehr viele Heuschnupfengeplagte überzeugen konnte:
50 ml Wodka
20 Tropfen Zypressenöl
10 Tropfen Zedernholzöl
2 Tropfen Melissenöl
Alles in einer Sprühflasche aus lichtgeschütztem Glas (Apotheke) gut verschütteln, vor jedem Versprühen immer wieder gut schütteln, da kein Emulgator die Mischung stören soll. Mehrmals täglich um sich herum versprühen, etwas davon einatmen und/oder auf die Haut geben. Diese Ölmischung kann freilich auch mit einen guten fetten Öl hergestellt werden und als Körperöl verwendet werden.

insektenschutz für groß und klein


Insekt_Mücke_xsIch stellte dieser Tage verwundert fest, dass ich hier noch keinen Beitrag über ätherische Öle geschrieben habe, die diverse Insekten auf natürliche Weise (einigermaßen) vertreiben können. Dabei schreibe ich die relevanten Öle so oft an das Flipchart, in meinen Kursen ist das ein regelmäßig wiederkehrendes Thema! Also hole ich dieses Versäumnis heute nach, denn im verregneten Kontinental-Sommer haben die Biester Hochsaison und Hilfe ist gefragt!

Nun muss man wissen, dass Insekten wie auch viele Pflanzen sich mit Hilfe von ätherischen Ölen bzw. deren einzelnen Molekülen „unterhalten“. Pflanzen rufen mit flüchtigen Riechstoffen „alliierte“ Insekten bei Schädlingsbefall zu Hilfe, sie können auch mit Hilfe dieser Riechstoffe Feinde verscheuchen. Sie können sogar sich selbst bzw. Teile von sich selbst warnen, wie letztes Jahr am Beispiel  der Maispflanze festgestellt werden konnte. Mit dem frei gesetzten Stinkstoff Indol, der in Jasmin-Absolue und in zahlreichen anderen Blütendüften vorkommt, „benachrichtigt“ eine frisch angeknabberte Maispflanze ihre „unteren Etagen“, also tiefer gelegene Blätter, die dann ihren Abwehr-Stoffwechsel aktivieren [ein Artikel dazu ist hier (klick!) nachzulesen].

Insekten wiederum sind in der Lage, viele uns aus ätherischen Ölen bekannte Duftmoleküle zu bauen und sie als „Sprache“ untereinander einzusetzen.

  • Bienen beispielsweise stellen Geraniol, Citral (auch in Rosen- und Lemongrassöl enthalten) und andere Terpene her und verwenden sie als Markierungs-Pheromone.
  • Der Sterzelduft von Bienen besteht aus trans-Farnesol (auch in Ylang Ylang, römischer Kamille und Rosenöl enthalten und in Äpfeln, Erdbeere, Heidelbeeren, Trauben, Pilzen, Spinat, Tee, Tomaten).
  • Blattläuse stellen trans-beta-Farnesen als Alarm-Pheromon her (auch in Schafgarbenöl enthalten).
  • Die Wanze Eurygaster integriceps stellt Vanillin als Sexuallockstoff her (in Vanille-, Benzoe- und Toluextrakt sowie in Styraxöl enthalten) [mehr dieser Beispiele werden im Spätherbst 2017 in der stark erweiterten 6. Auflage meines Fachbuches ‚Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe‘ nachzulesen sein]

Und wer im Duftchemie-Unterricht aufgepasst hat 😉 weiß, dass alle diese Moleküle bei uns Menschen nachweisbare körperliche und seelische Prozesse steuern können. Ich stehe wieder einmal staunend vor diesen modernen Erkenntnissen und bewundere den Kreislauf, das Ganz-Sein, die Zusammenhänge in der Natur. Wir Menschen haben also noch Spuren der Pflanzen- und Insektenvergangenheit in uns! Zumindest sind wir mit den entsprechenden Rezeptoren ausgestattet.

Aber nun zurück zum Vertreibungsmittel, das kleine stechende und beißende und saugende Monster abstoßen und irritieren soll. Aufgrund der obigen Erkenntnisse kann man sich unschwer vorstellen, dass wir den lästigen und bisweilen sogar gefährlichen Plagetierchen mit einem Riechstoffcocktail vorgaukeln können, dass sie selbst von einer Schar von Feinden umzingelt sind, so dass sie schnellstmöglich „die Fliege“ machen, uns also in Ruhe lassen. Diverse Stechmücken können einige unserer ätherischen Öle so gar nicht leiden, ganz vorne auf der Liste stehen:

  • Citronella (Cymbopogon nardus und C. winterianus, insektifuger Inhaltsstoff: Citronellal)
  • Zitroneneukalyptus (Eucalyptus citriodora, insektifuger Inhaltsstoff: Citronellal)
  • Rosengeranie (Pelargonium asperum und P. graveolens, insektifuge Inhaltsstoffe: Geranial/Geraniol)
  • Atlas-Zeder, Himalaya-Zeder (insektifuge Inhaltsstoffe: Gemisch aus Sesquiterpenen und Sesquiterpenolen)
  • Katzenminze (Nepeta cataria, insektifuge Inhaltsstoffe: Nepetalacton und andere Lactone)

Doch durch die Zugabe von einigen anderen Ölen, die anscheinend auch nicht sonderlich beliebt beim summenden Völkchen ist, können wir die Wirkung unserer Abwehr“waffe“ verstärken. Durch Patchouliöl können wir unsere Haut schützen, was insbesondere bei Zubereitungen für Kinder wichtig ist, denn einige der insektifugen Inhaltsstoffe können minimal hautreizend wirken, insbesondere wenn die Fläschchen älter als 6-9 Monate nach erstem Anbrechen sind und auf erhitzter Haut verwendet werden:

  • Lavandin (Lavandula x Intermedia Super, besser noch Lavandula x intermedia Abrial, Lavandula x intermedia Grosso und Lavandula x intermedia Reydovan, diese enthalten mehr Campher [Bornan-2-on] als insektifugen Inhaltsstoff)
  • Patchouli (Pogostemon cablin, insektifuge Inhaltsstoffe: Gemisch aus Sesquiterpenen und Sesquiterpenolen)
  • Teebaum (Melaleuca alternifolia, insektifuge Inhaltsstoffe, nicht gesichert: Gemisch aus Monoterpenen und Sesquiterpenolen wie Globulol und Viridoflorol)
  • Gewürznelkenknospe (Syzygium aromaticum, insektifuger Inhaltsstoff: Eugenol)
  • Eukalyptus (Eucalyptus globulus, insektifuge Inhaltsstoffe: Mix aus 1,8-Cineol und einigen Monoterpen-Ketonen)

Das Ganze mit nativem Kokosfett, das reich an Laurinsäure ist, anzureichern, ist insbesondere in Zecken-Gebieten hilfreich, denn diese schmecken viel lieber die auf unserer Haut befindliche Buttersäure als die Laurinsäure! Bei den anderen fetten Ölen bitte unbedingt darauf achten, dass sie einigermaßen oxidationsstabil sind, also dass die fein auf die Haut aufgetragene Schicht in Wärme und Sonne nicht zu schnell ranzig wird. Von den bekannteren Ölen sind dies Jojobaöl (korrekt: Jojobawachs) und Olivenöl. Zwei deutlich insektenvertreibende fette Öle  müssen an dieser Stellen noch erwähnt werden:

  • Neem (Azadirachta indica): es  riecht nicht so toll, wäre jedoch als kleine Zugabe auch noch denkbar, es ist bekannt durch die starke Wirkung gegen Milben und Kopfläuse
  • Andiroba (Carapa guaianensis): ein enger Verwandter von Neem mit ähnlicher Wirkung

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieVor einigen Jahren konnte wissenschaftlich bestätigt werden, dass ein weiterer Bestandteil im zitronig duftenden Öl des Zitroneneukalyptus zur Abwehr von Mücken/Stech-Insekten eingesetzt werden kann. Man hat den Stoff identifiziert, der für diese starke Wirkung verantwortlich ist, er wird inzwischen fleißigst aus dem Pflanzenmaterial des schnell nachwachsenden hitzeliebenden Baumes isoliert und für hoch wirksame Anti-Insekten-Mittel eingesetzt. Der „Zauberstoff“, der sogar gegen Malaria-Mücken in den Tropen erfolgreich getestet wurde (mindestens 5 Stunden mit 98 Prozent Sicherheit) heißt p-Menthan-3,8-diol (oder para-menthane-diol, PMD), er wird durch einen kleinen chemischen Eingriff aus dem Haupt-Inhaltsstoff der Zitroneneukalyptusblätter (Citronellal) gewonnen und inzwischen vermehrt isoliert angeboten, um in natürliche Insektenschutzmittel eingearbeitet zu werden. In etlichen Studien konnte er sogar gegen Deet bestehen, eines der schärften (und toxischsten) Insektenschutzmittel. Und die noch bessere Nachricht: sogar Zecken finden das Zeug widerlich (zumindest für einige Stunden)! Bereits eingearbeitet wurde dieser Stoff in das in das Mückenstop-Spray von Taoasis und in das praktische Mückenstop-Tuch für unterwegs.

Ein Selbermach-Rezeptbeispiel für knapp 3%-ig verdünnten ätherischen Ölen, also für Erwachsene und Jugendliche könnte folgendermaßen aussehen:

  • 30 ml Jojobawachs
  • 20 g Kokosfett
  • 15 Tropfen Citronella und/oder Zitroneneukalyptus
  • 5 Tropfen Rosengeranie
  • 5 Tropfen Atlaszeder
  • 5 Tropfen Lavandin
  • 3 Tropfen Teebaum oder Eukalyptus oder Gewürznelkenknospe

Kokosfett ggfs im Wasserbad sehr sanft schmelzen, mit den Ölen vermischen und in Braunglasflasche, am besten mit Pumpmechanismus, füllen. Bei sommerlichen Temperaturen bleibt dieser Mix flüssig. Für Babies und Kleinkinder die Menge der ätherischen Öle halbieren! Wer den Duftmix ähnlich aber als Fertigprodukt mag, kann sich bei Feeling den ‚Insektenschutz‚ (klick!) bestellen, er ist auch als Körper- und Raumspray erhältlich. Nach Stichen und Bissen helfen Bio-Aloe vera-Gel (ohne schädliche Synthetik-Verdicker oder Konservierungsstoffe), Lavendelöl, Pfefferminzeöl und diverse Hydrolate wie Rosenhydrolat, das leicht juckreizstillend/anästhetisierend wirkt.

Zum faszinierenden Thema der Pflanzen-Unterhaltung möchte ich gerne drei wundervolle Bücher empfehlen, vielleicht als Urlaubs-Lektüre?!

PS Wer mehr Infos und wissenschaftliche Arbeiten zum Eukalyptus-Wirkstoff p-Menthan-3,8-diol sucht, kann sie sich entweder g00glen oder in meinem früheren Artikel zum Thema (klick!) aufgelistet finden. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich zu meinen Blog-Beiträgen nicht noch zusätzliche Informationen recherchieren kann. Das Suchfeld hier rechts oben ist gut dazu geeignet, in den bislang circa 650 Beiträgen, die ich seit 2008 verfasse, wirklich sehr viele Antworten auf die am meisten gefragten Fragen zu geben. Einfach einige Stichwörter, die interessieren eingeben, es kommt fast immer etwas dazu!

dufte interviews für einsteigerInnen


Doris_Karadar_Welt-im-WandelWer gerne mal ein ansprechendes Interview über grundsätzlich zu beachtende Dinge bei der Aromatherapie und Aromapflege anschauen möchte, wird seine Freude mit Doris Karadar haben. Die langjährige Gründerin und Inhaberin eines gut gehenden großen Reformhauses in Süd-Tirol gehört wie ich zu den „alten Hasen“ unserer duften Materie, sie hat bereits eigene schwere gesundheitliche Katastrophen erfolgreich naturheilkundlich behandeln können und sprüht nun nur so vor Lebensfreude. Zum 32-Minuten-Video „Welt-im-Wandel“ mit Wulfing von Rohr, dem ich auch schon einmal begegnet bin, geht es hier, zu Doris‘ Website geht es hier.

Anja_Ahl_NDR_Video.jpgEine weitere sehr engagierte Bekannte, die Heilpraktikerin und Krankenpflegende Anja Ahl aus Hamburg, darf in der NDR-Sendung ‚Visite‘ auch kurz etwas zur korrekten Anwendung von ätherischen Öle berichten. Klar, dass so ein Beitrag im Mainstream-Fernsehen erstmal mit Befragungen startet: „Man muss halt dran glauben…“ Danach berichtet jedoch der Berliner Professor und Arzt für Naturheilkunde Dr. Andreas Michalsen zur studienbelegten Wirkung von Pfefferminzeöl. Das 7-Minuten-Video ist leider nicht mehr verfügbar [„Das mit diesem Video verbundene YouTube-Konto wurde aufgrund mehrerer Meldungen Dritter über Urheberrechtsverletzungen gekündigt. Das tut uns leid.“] Zu Anjas Website geht es hier. Prima, ihr zwei Damen, gut gemacht!

innovative inhalation von naturdüften


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIch bin noch nicht durch mit den vielen feinen Dingen, die sich in der „fliegenden Wundertüte“, also in meinem Koffer, nach meiner langen Seminare-Reise befanden. Heute zeige ich euch eine unglaublich moderne und praktische Form der Riechstoff-Aufnahme. Ich habe den Aspiraclip® inzwischen ausführlich getestet habe, denn ich bin geflogen und Zug gefahren, musste mich konzentrieren und hatte sogar eine fette klimaanlage-bedingte Erkältung. Es handelt sich um einen sehr kleinen, ganz weichen hufeisenförmigen Halb-Ring aus farblosem Silikon, den man sich an den Eingang der Nasenöffnungen hängt, er zwickt kein bisschen und bleibt dennoch gut dort befestigt.

aspira_clip_websiteDas Foto auf der Website der jungen innovativen Firma, die 2015 in Berlin-Brandenburg gegründet wurde, zeigt wie es geht, ein kleiner Film erläutert die Anwendungsmöglichkeiten. An beiden Endes des „Hufeisens“ ist das Silikon röhrenförmig, in beiden Öffnungen befinden sich jeweils ein winziger Zellstoff“tampon“, der mit den ätherischen Ölen Eukalyptus und Pfefferminze getränkt ist. Laut Firmen-Website enthält der Mini-Inhalator  ein Gemisch aus 20% Eukalyptusöl (Ph. Eur. 7.0) und 80% Pfefferminzöl (Ph. Eur 7.5). Der kleine Clip wird in einem transparenten Döschen geliefert, nach erstmaligem Öffnen kann man 21 Tage lang damit inhalieren, je nach Bedarf bis zu 2 Stunden täglich.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieMeine Erkenntnis ist: Bei meiner häufig mehr oder weniger verstopften Nase (chronische Tendenz zur Sinusitis), wirkt der von mir als eher zu zart empfundene Duft leicht befreiend. Nach einer längeren Zeit der Anwendung (ab 15 Minuten) macht er meinen Kopf klar, was bei Arbeiten, die Konzentration erfordern, sehr hilfreich sein kann. Einer meiner Probanden fand den cleveren Clip auch beim nächtlichen Arbeiten als gute Unterstützung. Mein jüngster Sohn klagt auch oft über eine verstopfte Nase, er fand den Clip nicht hilfreich, weil zu schwach. Ich habe für mich selbst zu einem verstärkenden Trick gegriffen und habe die zwei Zellstoffteile aus den Röhrchen gedrückt, und alle paar Tage mit Lieblings-Bio-Ölen nachgeladen, beispielsweise mit Ravintsaraöl. Auch jeweils einen Tropfen meines Pfefferminz-Roll-Ons (Bio-Pfefferminzeöl zehnprozentig in fast reinem Äthanol) hatte ich unterwegs mal rein gefüllt, diese Anwendung empfand ich als prima erfrischend in öffentlichen miefigen Verkehrsmitteln. Und so wirkte das Teilchen auch etwas überzeugender, als ich eine mega-verschnupfte Nase hatte. Auf meinem Foto sind Mentholkristalle zu sehen, dieser Inhaltsstoff aus echtem Mentha piperita-Öl (knapp 50 Prozent) wirkt konzentrationsfördernd und bei manchen Menschen anregend, so dass ich das Produkt abends vorm Einschlafen nicht unbedingt empfehlen würde, zumindest muss man drauf achten, ob man dennoch gut schlafen kann.

Mein Fazit ist: Ein geniales, innovatives und praktisches Produkt mit dem Qualitätsversprechen ‚Made in Germany‘ (also kein billiger China-Kram)! Man hätte selbst drauf kommen können 😉 ! Bei heftigem Schnupfen mag der Mini-Inhalator nicht stark genug sein, doch das wird sicher individuell sehr unterschiedlich empfunden. Bei häufigen Sinusitis-Beschwerden kann er ein prima Begleiter sein. Ich würde es begrüßen, wenn man als Profi auch unbeduftete Aspiraclips bekommen könnte, um diese mit Bio-Ölen seiner Wahl befüllen zu können, denkbar wäre beispielsweise auch eine Variante mit Bio-Vanilleextrakt und Bio-Mandarinenöl, die sicherlich ein Knaller bei Unruhe und Einschlafstörungen wäre. Ein Mix aus Basilkum und Rosengeranie würde sicherlich stark beanspruchte und gestresste Menschen aus ihrem Hamsterrad befreien helfen. Ich würde den leeren Clip nach einigen Tagen jeweils für ein paar Stunden in hochprozentigem Alkohol einlegen, um ihn zu desinfizieren und ihn dann mit neuen Füllungen bestücken. Mit so einer Müllverringerungs-Strategie würde ich mich besser fühlen, anstatt das kleine Ding alle drei Wochen wegwerfen zu müssen.

Der Aspiraclip® ist in jeder Apotheke erhältlich, aber auch beim großen Versand-Buchhändler (klick!) und kostet circa 10 Euro.

palliativpflege mit wärme, düften und mehr


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieVor gut vier Jahren, im Januar 2012, habe ich hier ein wundervolles und nützliches Buch für Pflegende, die im Bereich der komplementären, ganzheitlichen Palliativpflege tätig sind, vorgestellt. Der Haken war nur: Das Buch ist für uns nicht so gut zu lesen, da die engagierte Verfasserin Niederländerin ist. Ich wurde gefragt, ob es eine Übersetzung gibt, und ich musste leider verneinen. Irgendwann schrieb mir Toke Bezuijen, die liebenswerte Autorin, die eine Duft-Erlebniswoche hier bei mir in Irland besucht hatte, dass sie diesen Kraftakt begonnen hatte. Denn die heimatsprachliche Auflage hat sie im Eigenverlag gestaltet (viel Arbeit, viel Zeit, kein Einkommen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieVor einigen Tagen flatterte der wunderbar gelungene Schmetterling nun zu mir, wieder ein Kraftakt, noch mehr Arbeit, noch mehr Zeit, wieder kein Einkommen. Doch herausgekommen ist eine Version, die meiner Meinung noch schöner und übersichtlicher als die niederländische Ausgabe geworden ist. Ich finde, dieses Werk ist eine „Bibel“ für Menschen, die Patient/innen in sehr schmerzhaften und angsterfüllten Phasen pflegen müssen und möchten. Der Titel „Berührt werden durch äußere Anwendungen“ zeigt den Ursprung in der anthroposophischen Medizin und Pflege, in der Toke zu Hause ist. Seit 1978 kombiniert die engagierte Pflegefachfrau ihre Liebe zur Natur mit ihrem Einsatz für menschenwürdige Pflege. Sie wurde an der bekannten Ita Wegman Klinik ausgebildet, ist in den Niederlanden eine der Pionierinnen der anthroposophischen Krankenpflege und arbeitete 18 Jahre in der Eltern- und Kindersprechstunde einer therapeutischen Einrichtung. Sie liebt es, Kinder wie auch Erwachsene mit wärmenden und wohltuenden Wickeln, Kompressen, Einreibungen in schweren Zeiten zu verwöhnen. Darum entwirft sie auch naturbelassene Wickel-Materialien und verkauft sie in ihrem Shop Wikkelfee.nl.

Toke empfiehlt vor allem viele bekannte Fertig-Produkte (mit und ohne ätherische Öle), beispielsweise von Dr. Hauschka und Weleda, als Heil- und Pflegemittel. So kann auch in Pflege-Institutionen, in den das Selber-Mischen mit ätherischen Ölen (noch) nicht erwünscht oder durchsetzbar ist, mit schönen Düften und wirksamen Pflegemöglichkeiten gepflegt werden. Dieses onkologische Pflegekonzept sieht eine höchstmögliche Betreuung der krebskranken Menschen vor, sie sollen berührt werden, sie sollen sich soweit es geht kuschelig und warm fühlen, angenommen, bestens betreut, ernst genommen. Ihnen wird mit Achtung begegnet.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas sehr handliche Buch hat 130 Seiten, ist angenehm zweispaltig gestaltet und mit zart-pastelligen Hintergrund-Illustrationen versehen, die Kapitel werden mit ansprechenden Pflanzenfoto eröffnet. Es beginnt mit einem sehr schönen Vorwort des Oberarztes der Onkologischen Tagesklinik Arlesheim (früher Ita Wegman Klinik) Maurice Orange MSc Clinical Oncology. Die nächsten 20 Seiten widmen sich der Geschichte der äußeren Anwendungen im Speziellen und der Anthroposophischen Pflege im Allgemeinen.

Im zweiten Kapitel beschreibt Toke die Misteltherapie und ihr besonderes Verhältnis bei Tumorerkrankungen. Auf Seite 32 folgt eine Exkursion in die Arbeit mit Wärme: so wichtig, so wohltuend, so sehr vergessen in der Welt der technologisierten Fließband-Medizin. Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Haut und mit dem Kokon-Feeling von Wärme und Umhülltwerden, welches so wichtig für die Heilung ist. Ab Seite 49 geht es „auf die Reise“: So fühlen sich PatientInnen während der beHANDlungen, manche dösen oder schlafen gar („Tempelschlaf“), sie schalten ihren Kopf ab, vergessen ihre Ängste und Sorgen, kommen ein Stück entlasteter wieder im Alltag an. Toke empfiehlt, Sie mit einer Tasse Tee oder einem Glas Wasser willkommen zu heißen, sie werden buchstäblich ent-wickelt, bekommen mit diesen Äußeren Anwendungen die Chance, sich aus ihrem krankmachenden Geschehen raus-zu-entwickeln.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAb Kapitel 6 werden die Phasen einer Krebserkrankung erläutert und unterschiedliche Ansätze vorgestellt, wie in Würde und Achtung begleitet werden kann. In der Schockphase nach der Diagnose begegnet man dem Menschen anders als einige Wochen oder Monate später. Sollten alle Behandlungsansätze nicht anschlagen, kann in der palliativen Phase (‚einen Mantel umlegen‘) immer noch genügend getan werden, damit der betroffene Mensch seinen Abschied vorbereiten kann und sich noch so wohl in seiner Haut fühlen kann wie möglich.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieBemerkenswert finde ich das 7. Kapitel, in dem Toke sich auch um die Angehörigen kümmert. Das ist möglicherweise sogar der wichtigste Teil der Palliativpflege, denn die Erkrankten können sich oft eher mit ihrem Weg versöhnen als die Familie. Danach, auf Seite 68, startet der Repertorium-Teil des Buches, den übrigens die deutsche Pflegefachfrau Gisela Blaser begleitet hat: Das sind übersichtliche seitenfüllende Tabellen für alle vorher erwähnten Phasen der Krebserkrankung mit klaren Anweisungen und Dosierungsempfehlungen. Mir gefällt, dass Toke ihr Buch so knapp wie möglich und doch so ausführlich wie nötig geschrieben hat. Sie schließt ihr Werk mit einem Zitat des Künstlers Joseph Beuys: „die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt„. Sie versteht seine Worte so, dass Mysterien (kleine Wunder) in der Öffentlichkeit stattfinden, wir uns jedoch nicht getrauen, sie als Mysterien anzuerkennen.

http://www.lenmedhealth.com/news/entry/international-nurses-day-2015Toke schreibt, dass es an der Zeit ist, in der Pflege vieles zu ändern. Getreu dem Motto des International Nurses Day 2015: „Nurses: a force for change. Care effective, Cost effective, improving Health and Wellbeing“ (Krankenpflegende – eine Kraft die Veränderung bewirken kann. Effektiv in der Pflege, kosteneffektiv und sowohl Gesundheit als auch Wohlbefinden verbessernd). Ich wünsche diesem ästhetischen Buch, dass es eine ganz große Verbreitung findet, dass möglichst viele von den wunderbaren Anwendungen umgesetzt werden können, dass sterbende Menschen in Frieden und von Düften und Wärme umhüllt gehen dürfen und dass vielleicht jemand zu Toke sagen wird (wie ich es auf einem meiner Kurse vernahm): „Bei dir haben es die Menschen gut, zu dir möchte ich zum Sterben kommen!“

Das wichtige Werk kann bei Amazon (klick!) für knapp 33 Euro bestellt werden. Auch direkt im Verlag ist es erhältlich, vor allem für InteressentInnen aus Österreich oder andern Ländern, zu denen Amazon nicht liefert. Ich habe inzwischen ein langes Gespräch mit Toke geführt und sie bat mich darauf hinzuweisen, dass bei Bestellungen ab 5 Stück, etwas für Kurse über Wickel und Kompressen, ein Rabatt gewährt wird (danke Toke!).

Nur eines vermisse ich am neuen Buch: Das niederländische Wörtchen ‘Lavendelbloempjes‘, es hört sich einfach entzückend an und viel schöner als nur trocken-deutsch: ‚Lavendel‘! 😉

reizdarm und ätherische öle


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas Reizdarm-Syndrom gilt inzwischen als eine Art „Depression“ des Darmes, in dem sich ja mindestens so viele Nervenzellen wie das Gehirn befinden und der auf einen funktionieren Stoffwechsel von Botenstoffen wie dem Serotonin angewiesen ist. Möglicherweise werden die sehr sensiblen Eingeweide durch Aroma- und Riechstoffe irritiert, denn viele (natürliche) Riechmoleküle sind „Buchstaben“ der Pflanzen und der Insekten. Manche dienen ausdrücklich der Warnung: Die Maispflanze warnt mit Hilfe von Indol eigene „Körperteile“, wenn erste Blätter von Fraßfeinden angeknabbert werden. Eine tropische stachellose Biene  produziert Neral und Geranial, um Feinde im Nest zu desorientieren, Blattläuse produzieren Farnesen als Alarmsubstanz: Es wird in für sie brenzeligen Situationen abgesondert, um „Kollegen“ zu warnen.

Da diese Funktionen von Riechmolekülen bislang nur rudimentär erforscht sind, wäre es denkbar, dass synthetisch  „parfümiertes“ Essen aber auch alles andere aus den Laboren, was heutzutage zum olfaktorischen Großangriff auf uns Menschen abgefeuert wird, für konstante Irritationsgefühle und Angst mit Fluchtgedanken führt. Mir geht es jedenfalls manchmal so: Erst kürzlich machte ich eine Tüte eines Reis-Fertiggerichtes auf, das uns geschenkt worden war. Ich wollte es unseren Hunden verfüttern, bereite es vorschriftsmäßig zu und fiel fast in Ohnmacht, als ich die stark nach Synthetik-Gewürzen riechende Pampe in der Nase verspürte. Ich spülte und spülte und spülte es, damit der Reis einigermaßen zu Reis wurde. Da ich sowas sonst nie esse, hat es mich schier erschlagen und ich wäre NIE auf die Idee gekommen, sowas zu verspeisen. Doch ich denke, sehr viele Menschen nehmen jeden Tag mehrere Produkte zu sich, die ähnliche Geschmacksstoffe enthalten, wir alle haben es mal eilig und greifen dann gerne zu Convenience-Food. Doch in den allermeisten Fällen besteht es aus bedenklichen Stoffen. Gerade gestern entdeckte ich 0reo-Kekse in einer neuen Geschmacksrichtung: Erdnuss. Beim genauen Studieren der Inhaltsstoffe bemerkte ich, dass keine einzige Erdnuss enthalten ist.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieSo wird unser Darm täglich „an der Nase herumgeführt“. Kein Wunder, dass er gereizt reagiert! Und die Lebensqualität kann erheblich beeinträchtigt werden, wenn starke Schmerzen, heftige Blähungen und häufige Durchfälle den Alltag begleiten. Interessanterweise kann man ihn mit Riechstoffen aus der Natur beruhigen, wir Menschen sind mit diesen Molekülen seit Jahrtausenden vertraut und sollten sie mal schädlich gewesen sein, haben wir uns mit ihnen bestens arrangiert.

Nun belegt eine kleiner wissenschaftliche Studie aus Essen und Duisburg die Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen (Bauchkompressen mit Kümmelöl). In diesem randomisierten kontrollierten Cross-over-Experiment wurden 48 PatientInnen mit Riezdarm-Symptomen (IBS) beobachtet (40 Frauen, 8 Männer, durchschnittlich 53,9 ± 14,4 Jahre). Während drei unterschiedlicher Behandlungszeiträume, die je drei Wochen dauerten, wurden entweder 2%-ig in Olivenöl verdünntes Kümmelöl (Carum carvi) mit einer warmen Moorauflage eingesetzt, oder nur erwärmtes Olivenöl oder nur körperwarmes Olivenöl. Erstere Anwendung war signifikant wirksamer (p = 0,033) als die anderen beiden ohne Kümmelöl. Auch die Anzahl der Personen, die überhaupt auf die Anwendungen ansprachen war in der Kümmelgruppe signifikant höher (43,9%) als in beiden Olivenölgruppen (maximal 20%). Es wird betont, dass es keine unerwünschten Nebenwirkungen bei der Anwendung von Kümmelöl gab und dass ein Großteil der PatientInnen vorhatten, diese Anwendung auch nach Beendigung der Studie weiter zu führen.

Die  Arzneipflanze des Jahres 2016, gewählt vom ‘Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde’ der Universität Würzburg, wird von den Wissenschaftlern dieser kleinen Studie im Rahmen von ‚Selbstmanagementstrategien‘ von chronischen Erkrankungen oder Beschwerden empfohlen (das heißt zur Selbstbehandlung).

carmenthin-kapselnWenn der Bauch besonders drückt, kann Kümmelöl in Kombination mit Pfefferminzeöl in den praktischen Carmenthin-Kapseln (klick!) eingenommen werden. Kümmelöl kann beispielsweise von Feeling (klick!) oder von der über 100 Jahre alten ur-deutschen Firma Bombastus (klick!) gekauft werden, für Kleinkinder mit Bauchschmerzen gibt es ein fertig verdünntes Produkt: das Baby-Bäuchleinöl von Weleda (klick!).

Lauche R, Janzen A, Lüdtke R, Cramer H, Dobos G, Langhorst J. Efficacy of Caraway Oil Poultices in Treating Irritable Bowel Syndrome – A Randomized Controlled Cross-Over Trial. Digestion. 2015;92(1):22-31.

Lauche R, Langhorst J: Studie zur Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen bei Patienten mit Reizdarmsyndrom. Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36: 244-246

ätherische öle einnehmen in kapseln, kugeln und smoothies


Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy„Welche ätherischen Öle gibt es in verkapselter Form als Fertig-Medikament zu kaufen?“ so ähnlich lautete vor einiger Zeit die interessante Anfrage auf meiner Aromapraxis-Facebook-Seite, deren (vollständigere) Beantwortung ich an meine LeserInnen weitergeben möchte. Mir sind folgende Produkte bekannt, größtenteils habe ich sie bereits selbst eingenommen.

  • Lasea (Lavendel) [bei Angststörungen und Schlafproblemen]
  • Medacalm oder Colpermin (Pfefferminze) [bei Reizdarm]
  • Enteroplant (Kümmel, Pfefferminze) [bei Magen-Darm-Beschwerden]
  • Soledum [bei Sinusitis, Erkältungsbeschwerden, COPD]
  • Gelomyrtol (Myrtol=25% Limonen, 6,7% alpha-Pinen, 25% 1,8-Cineol) [bei Sinusitis, Erkältungsbeschwerden]
  • Rowachol (Mischung aus Inhaltsstoffen) [bei Gallensteinen]
  • Rowatinex (Mischung aus Inhaltsstoffen) [bei Nierensteinen]
  • Oreganokapseln [antioxidativ, antibiotikum-ähnliche Wirksweise]
  • Pranarom Kapseln [verschiedene Indikationsgebiete wie Reiseübelkeit, Halsschmerzen, von einer renommierten Ätherisch-Öl-Firma in Belgien]
  • Tavipek, Speiklavendel [bei Sinusitis, Erkältungsbeschwerden]

In der Literatur werden Kapseln mit Rosenöl (Girosital und Rosanol) genannt, diese sind meines Wissens nach nicht in Deutschland erhältlich. Ratiopharm hatte Eukalyptusöl-Erkältungskapseln auf dem Markt, es scheint sie jedoch nicht mehr zu geben. In den DM-Drogeriemärkten gibt es solche Kapseln (‚Das gesunde Plus‘). Es gibt auch etliche Kapseln, die mit (getrockneten) Ätherisch-Öl-Drogen gefüllt sind wie Thymian-, Ingwer- und Weihrauchkapseln.

Nun könnte man sein hochwertiges ätherisches Öl selbst in Zellulose-Kapseln (oder Hartgelatine) abfüllen, werden einige LeserInnen einwenden. Kann man, doch diese werden von der Magensäure angegriffen, geöffnet und das darin befindliche ätherische Öl wird dann größtenteils verdaut/zerstört. Den kommerziell erhältlichen Weichgelatinekapseln kann das saure Milieu nichts anhaben, sie öffnen sich erst in der alkalischen Umgebung des Dünndarmes („dünndarmlösliche Kapseln“) und erreichen somit den Blutstrom und die anzusteuernden Organe ohne große Verluste. Es soll inzwischen solche dünndarmlöslichen Kapseln, die man fest zuschrauben kann (also nicht stecken, so dass die Magensäure nicht rein kann) zu kaufen geben, weiß jemand wo?

Wenn der/die Selbstabfüller das ätherische Öl in einem fetten Öl auflösen, erhöhen sie – soweit ich informiert bin – sowohl die Resorptionsrate als auch die Verträglichkeit für die empfindliche Schleimhaut des Verdauungstraktes. Freilich ist beim „Basteln“ darauf zu achten, dass weder überdosiert wird noch dass potenziell toxische Öle eingenommen werden, also ist vom Experimentieren durch Menschen, die nicht gut in Aromatherapie geschult sind, dringend abzuraten.

Für alle anderen gilt: nicht mehr als jeweils 1 Tropfen (ganz grob 25 mg) pro Kapsel abfüllen, nicht mehr als 3 Tropfen pro Tag einnehmen und nur Öle einsetzen, die man aus der Aromaküche kennt (Zitrusöle sowie Thymian, Bohnenkraut, Zimt und Nelke nur hochverdünnt oder oben aufgeführte Öle, die bereits in Medikamenten verarbeitet werden). Bitte ausschließlich ätherische Öle aus zertifiziert kontrolliert biologischem Anbau verwenden! Denn die fettlöslichen ätherischen Öle ziehen fettlösliche Agrargifte aus konventionellem Anbau geradezu magisch an. Und bitte keine Öle einnehmen, die ein von einer Firma selbst erfundenes „Siegel“ tragen! Es gibt nur wenige Institutionen und Verbände, die solche verlässlichen Siegel unter recht strengen Bedingungen vergeben!

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapyGanz neu und wirklich innovativ, made in Österreich: Es gibt seit Kurzem die Aromuli (gesprochen Arómuli). Das sind Kügelchen aus zahnfreundlichem Birkenzucker (Xylit oder Xylitol), die mit leckeren Mischungen aus ätherischen Ölen überzogen sind. Sie können zum Würzen, zum Naschen und zum Verbessern der Stimmung, Konzentration, des Schlafes etc eingesetzt werden. Hier (klick!) gibt es Infos zu den Geschmacks- und Wirkungsvarianten und die Möglichkeit, sie zu bestellen. Sie sind auch neutral, also zum Selberbeduften erhältlich. Die Namen sind sehr originell!
KAMINKUGELN – für die Wintersonne in dir
KLUGES KUGERL‘ – für den Einstein in dir
SONNENKUGELN – für das Glückskind in dir
KUSSBEREIT – für die Frische in dir
SCHLUMMERKUGELN – für die Schlafmütze in dir
HALLO SÜSSE! – für die Femme fatale in dir
HALLO SÜSSER! – für den Casanova in dir

Zum Schluss noch eine wissenschaftliche Arbeit, die den feinen Geschmack einer gut zubereiteten Duftmahlzeit untermauert: Limettenöl (und andere echte Zitrusöle) wären ideale Geschmacksstoffe (Aromen) für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel für ältere Menschen, da sie gleichzeitig ‘funktionale Eigenschaften’ aufweisen wie eine Anti-Demenz-Wirkung. [Tundis R, Loizzo MR, Bonesi M, Menichini F, Mastellone V, Colica C, Menichini F. Comparative study on the antioxidant capacity and cholinesterase inhibitory activity of Citrus aurantifolia Swingle, C. aurantium L., and C. bergamia Risso and Poit. peel essential oils. J Food Sci. 2012 Jan;77(1):H40-6.] Jedoch bitte niemals „einfach so“ mit ätherischen Ölen würzen, wenn nicht ausreichend Erfahrung damit vorhanden ist! Zwei gute Bücher liefern Anleitungen, Ideen und Rezepte: Maria Kettenring: Duftküche und Sabine Hönig & Ursula Kutschera:  Aromaküche – Gaumenfreuden mit ätherischen Ölen .

Hier (klick!) habe ich bereits einmal über die Einnahme von ätherischen Ölen geschrieben und meinen geliebten Smoothie-Maker vorgestellt (der inzwischen eifrig vom Sohnemann benutzt wird). Hier (klick!) habe ich auf einer Tabelle gezeigt, dass wir in ganz vielen frischen und nicht-industriellen Lebensmitteln (hoffentlich) täglich ätherische Öle essen. Meine engagierte Kollegin Monika Volkmann kennt sich damit auch bestens aus und schreibt den Blog Aroma-Smoothie (klick!) zum Thema und hat ein E-Book über Aroma-Smoothies veröffentlicht.

haut- und seelenpflege bei demenziell veränderten menschen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Wir gestalteten die mündliche Prüfung mit vielen frischen und getrockneten aromatischen Pflanzen sowie Fette-Öle-Pflanzen, welche die Teilnehmerinnen identifizieren sollten, Inhaltsstoffe sollten genannt werden, dazu Wirkungen, mögliche Nebenwirkungen, Anwendungsvorschläge. Wer erkennt einige der Prüfungspflanzen?

Nach einer anspruchsvollen Aromatherapie-Ausbildung folgt immer eine Abschlussprüfung. So war ich für zwei Tage zu Gast in Bern, um die mündliche Prüfung in Sachen heilende Düfte und ätherische Öle an der Aromatherapie-Schule Sela mit Sibylle Broggi abzunehmen. Ich hatte die Ehre, neun Präsentationen von Diplomarbeiten anschauen zu dürfen, das war eine großartige Sache! Das Engagement dieser neun Frauen und die professionelle Art, wie sie ihre Arbeiten per Powerpoint und teilweise mit selbst gemachten Mischungen, vorführten, haben mich sehr berührt.

Eine der Pflegefachfrauen (Alters- und Pflegeheim, 43 Bewohner) durfte in ihrem Pflegebereich acht Frauen und einen Mann mit demenziellen Veränderungen mit Naturdüften betreuen. Sie entscheid sich für ein Raumspray und für ein Körperöl, die jeweils Bergamotte (Citrus bergamia), Neroli (Citrus aurantium flos) und Römische Kamille (Chamaemelum nobile) enthalten. Sie selbst war sehr überrascht, wie offensichtlich die Wirkung der ätherischen Öle sich auf das Befinden der Heimbewohner auswirkte. Eine Frau, die aufgrund der Demenz nachmittags immer unruhig wurde und „einkaufen gehen“ wollte, zeigte während der 5-wöchigen Anwendungsphase keinen Drang mehr, das Heim zu verlassen. Eine Frau, die sogar die anderen Bewohner mit ihrem ständigen Klopfen auf den Tisch nervte, hörte damit auf. Eine Frau, die oft weinte und sich isoliert hatte, weinte seltener und nahm Kontakt zu einigen anderen Bewohnern auf. Andere Betroffene wurden ruhiger, ausgeglichener, ausgeschlafener, umgänglicher. Der männliche Teilnehmer des Experiments reagierte nur in den ersten zwei Wochen positiv, danach verfiel er wieder in alte eher mürrische Muster. Nach Abschluss des Experiments verschlechterte sich der Zustand der Bewohner wieder, so dass nun überlegt wird, ob und wie man diese wertvolle Arbeit fortsetzen könnte. Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Ähnlich deutlich verlief die kleine Studie einer anderen Teilnehmerin, die in einem Pflegezentrum arbeitet. Sie fand heraus, dass die Bewohner am meisten unter ihrem schlechten Schlaf leiden. Sie arbeitete mit fünf sehr alten Personen (vier weit über 80-jährig mit jeweils einer demenziellen Entwicklung, eine depressive Frau mit 79 Jahren), die nach einem kleinen Riechtest aus vier angebotenen ätherischen Öle wählen durften. Entweder bekamen sie acht Wochen lang Bergamotte (1 Pers.) auf eine unsterile Kompresse, oder Lavendel fein (3 Pers.) oder Rosengeranie (Foto links, 1 Pers.); niemand konnte sich für Baldrianöl erwärmen. Die Düfte wurden gegen 20 Uhr verteilt. Vier der Probanden überraschten damit, dass sie seltener nachts wach wurden, um auf die Toilette zu gehen. Sie läuteten nachts weniger. Tagsüber waren sie ruhiger und ausgeglichener. Die Frau mit der Rosengeranie war zwar zunächst skeptisch, doch zeigte sich bereits nach der ersten Anwendung ein verbesserter Schlaf, ihre Angststörung reduzierte sich bemerkenswert und sie konnte die Einnahme ihres anxiolytisch wirksames Benzodiazepin-Medikament Temesta (in D: Lorazepam) reduzieren. Bei zwei Personen trat die schlafverbessernde Wirkung erst nach der ersten Anwendungs-Woche ein.

Eine andere Pflegefachfrau konnte in ihrer Institution (circa 70 Personen um die 80 Jahre) den Wechsel von Pflegeprodukten auf der Basis von Mineralölen zu natürlichen Pflegeprodukten bewirken. Es wurde mit einer ganz sanften neutralen Waschemulsion von Phytomed, welche mit Lavendel (Lavandula angustifolia), Rosengeranie (Pelargonium graveolens) und Petit Grain (Citrus aurantium fol.) angereichert worden war, gewaschen. Anschließend wurde die Haut mit einem Gemisch aus Olivenöl, Mandelöl, Lavendel, Rosengeranie und Myrte (Myrtus communis) eingeölt. Nach vier Wochen der Umstellung, an denen erwartete Hautschuppungen zu beobachten waren, hat sich das Hautbild der betagten BewohnerInnen extrem verändert. Schulleiterin Sibylle Broggi hatte sich persönlich davon überzeugt und traute ihren Augen kaum, wie regenerationsfähig eine so alte Haut sein kann und wie samtig sie bei sehr vielen Bewohnern wurde. Auch Geruchserscheinungen wurden extrem verbessert, so dass die Pflegenden nun ihre Arbeit mit weniger unappetitlichen Begleiterscheinungen ausüben können.

Eine der Pflegenden ließ für ihre Arbeit einer gut 50-jährigen Frau, die an der sich schnell verschlechternden Chorea-Huntington-Krankheit leidet, ganz besondere dufte Pflege angedeihen. Diese erbliche Degeneration des gesamten Nervensystems macht es kaum noch möglich, dass die Bewohnerin sich ausführlich zu den Anwendungen äußern kann, es ist jedoch für ihre BetreuerInnen sehr klar ersichtlich, dass sie die dufte Pflege geniesst, dass sie sogar auf das ohnehin mühsame Essen verzichten wollte zugunsten einer Aroma-Behandlung. Sie kann beispielsweise kaum noch schlucken, dennoch konnte nach der dreimal pro Woche stattfindenden duften Pflege beobachtet werden, dass sie ihr Becherchen Joghurt statt in 45 Minuten in 30 Minuten verspeisen konnte und das ganz ohne das ständige Verschlucken (was zu den schlimmsten Symptomen der Krankheit zählt und sehr schnell zu künstlicher Ernährung führt). Ihre zu Fäusten verkrampften Hände konnten geöffnet und gereinigt werden und blieben sogar einige Zeit nach der Handmassage offen (wir bekamen Fotos zu sehen). Die Bewohnerin bekam auch aromatische Streichungen auf die unaufhörlich heftig zuckenden Beine und das Zucken hörte auf! Eine fast nicht vorstellbare Verbesserung bei dieser unerbittllichen Krankheit, die den schlecht essenden Patienten viel Kraft und Kalorien nimmt. Eine weitere erfreuliche erwünschte Nebenwirkung der ätherischen Öle war ein erleichterter Stuhlgang. Diese Beispiele zeigen mir einmal mehr, dass man mit ätherischen Ölen zwar keine Wunderheilungen vollbringen kann, dennoch ist es für mich ein Wunder, dass man die Lebensqualität von schwerst erkrankten Menschen deutlich verbessern und ihnen etwas mehr Würde zurück geben kann. Wenn sich solche erfreulichen Ergebnisse doch mehr herum sprechen würden und nicht nur die geldorientierte Chemie-Medizin regieren würde! Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Eine weitere Diplomarbeit befasste sich mit der Implementierung eines Aromapflegekonzeptes in einem großen Altersheim inklusive der kompletten rechtlichen Abklärung aller juristischen Rahmenbedingungen. Eine Kursabsolventin untersuchte ätherische Öle bei schweren Symptomen einer Histaminintoleranz und eine andere Teilnehmerin beleuchtete unterschiedliche Angelika-Arten samt ihrer ätherischen Öle, (gekaufter und selbst gemachter) Hydrolate und einem Angelika-Likör! Eine andere Teilnehmerin hatte einige Menschen durch den Winter begleitet, damit ihr Immunsystem Erkältungskrankheiten besser abwehren konnte.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieEine Drogistin hatte ein Mittel gegen Blasenentzündungen entwickelt und erprobt, es darf jetzt in der Drogerie, in der sie arbeitet, gemischt und für knapp 9 Schweizer Franken verkauft werden! [mit Zitroneneukalyptus (Eucalyptus citriodora), Wacholder (Juniperus communis) Lavendel und Cistrose (Cistus ladaniferus)] Sie hatte einige Studien gefunden, welche zeigten, dass ätherische Öle typische Blasenentzündungs-Situationen besserten, bemerkenswert finde ich eine wissenschaftliche Arbeit von 2011, die belegt, dass Rosengeranienöl (Pelargonium graveolens) die Wirkung des Reserve-Antibiotikums Ciprofloxacin verstärken kann [Malik T, Singh P, Pant S, Chauhan N, Lohani H. Potentiation of antimicrobial activity of ciprofloxacin by Pelargonium graveolens essential oil against selected uropathogens. Phytother Res. 2011 Aug;25(8):1225-8]. Ich habe sie daran erinnert, dass auch die Einnahme von Natron extrem hilfreich bei den ersten Symptomen einer Blasenentzündung sein kann (hier habe ich im Jahr 2011 darüber geschrieben).