schlafen auf der intensivstation


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNach dem vorherigen Artikel über verbesserten Schlaf für Pflegende, die im Schichtdienst arbeiten, bekam ich die Info über eine erst kürzlich veröffentlichte Studie, in der man sich mit dem Schlaf von PatientInnen auf einer Intensivstation beschäftigte. Danke, liebe Heike; für diese ergänzende Arbeit.

Es überrascht sicher niemanden, dass Menschen, die ein gesundheitliches Trauma durchmachen, möglicherweise mit dem Tod ringen müssen, von Ängsten geplagt sind und schwere Schmerzen durchleiden, nicht an erholsamen Schlaf denken können. Dazu die Medikamente, die Schläuche, die Elektroden, die piependen und blinkende Apparate, das Kommen und Gehen der Betreuer.

So wurde in diesem türkischen Experiment geschaut, wie 60 HerzpatientInnen auf Lavendelöl reagieren. Die Schlafqualität wurde nach zwei standardisierten und anerkannten Skalen bewertet [Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und Beck Anxiety Inventory (BAI) scale]. 15 Tage lang bekam die Hälfte der vorher informierten TeilnehmerInnen 2%ig verdünntes Lavendelöl zum Einatmen. Die Kontrollgruppe bekam kein Lavendelöl zu riechen. Nach diesen zwei Wochen wurde in beiden Gruppen die Schlafqualität wieder bewertet.

Die Lavendelgruppe zeigte signifikant bessere Ergebnisse (p < 0·05), was die Qualität des Schlafes und auch was die Stärke der Angstsymptome anbelangte. Die Autoren schließen daraus, das diese nicht-invasive und kostengünstige Maßnahme für die Intensivpflege-Betreuung von HerzpatientInnen sinnvoll ist, denn sie kann von den Pflegenden selbstständig vorgenommen werden und ist einfach anwendbar.
[Karadag E, Samancioglu S, Ozden D, Bakir E. Effects of aromatherapy on sleep quality and anxiety of patients. Nurs Crit Care. 2017 Mar;22(2):105-112]

glas_aluminium_inhalierstift_blau_xsWenn jemand diese hilfreiche Anwendung ausprobieren möchte, bitte darauf achten, dass Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) eingesetzt wird, denn billigerer Lavandin kann relativ viel Campher (Kampfer oder Bornan-2-on) enthalten, dieser aktiviert und macht wach. Nur das ätherische Öl aus der Lavandin-Züchtung Lavandula × intermedia Super kommt dem Echten Lavendel in der beruhigend wirksamen Zusammensetzung recht nahe. Idealerweise gibt man 1-2 Tropfen des Lavendelöles auf einen Tupfer, der in der Nähe der Nase des Patienten gelegt wird, oder – zunächst teurer jedoch langfristig preisgünstiger, weil wochenlang benutzbar – auf einen Inhalier-Stick, wie sie inzwischen von mehreren Anbietern erhältlich sind, auch schöner und hygienischer aus Glas (in der Schweiz bei Florentia und für Österreich und Deutschland bei Sabine Nachbauer). Der beruhigend und angstlindernd wirksame Inhaltsstoff Linalylacetat ist auch reichlich in folgenden ätherischen Ölen enthalten:

  • Mentha x citrata, Bergamottminze: 34–63 % Linalylacetat
  • Citrus x bergamia, Bergamotte: 35% Linalylacetat
  • Salvia sclarea, Muskatellersalbei: 75% Linalylacetat
  • Lavandula × intermedia Super: +/- 35% Linalylacetat
  • Citrus x aurantium flos, Neroli: 3-16 % Linalylacetat
  • Citrus x aurantium fol, Petit Grain: 50-70 % Linalylacetat
  • Bursera delpechiana, Linaloe-Früchte: 22% Linalylacetat (und fast die doppelte Menge im sehr seltenen Öl aus den Samen und Samenhülsen)

Abbildung Inhalierstifte: Sabine Nachbauer

schlafqualität bei pflegenden in schichtarbeit


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch spreche und verstehe zwar zum Glück etliche Sprachen, aber mit meinen Koreanisch-Kenntnissen hapert es doch ziemlich 🙂 Ich habe eine viel versprechende Studie von Ende 2016 genau in dieser Sprache vorliegen, doch kann ich nur die englischsprachige Zusammenfassung (Abstract) lesen. Vielleicht können sich Pflegende daraus dennoch eine kleine Inspiration holen.

Es ging in dieser kleinen Arbeit mit  60 gesunden TeilnehmerInnen darum, ob das Einatmen von ätherischen Ölen die Schlafqualität von Krankenpflegenden, die in Schichtarbeit arbeiten, verbessern kann. Die Hälfte der TeilnehmerInnen atmeten 3 Minuten vor dem Schlafengehen einen Duft ein, circa 10 cm von ihrer Nase entfernt. Dann wurden sie gebeten zu Bett zu gehen und einen Aromastone (auch ‚Thermo-Duftstein‘ * mit Duft) circa 30 cm von ihrem Kopf laufen zu lassen. Das sind aus Keramik oder Porzellan angefertigte Gefäße oder steinartige, kugelige kleine Geräte, die leicht erwärmt werden (durch Strom) und völlig ohne Geräusche arbeiten. Leider werden in der englischen Zusammenfassung nicht die Öle genannt, es handelt sich jedoch vermutlich um Lavendelöl, da es sowohl bei den Suchkriterien aufgelistet ist als auch bei den Quellen genannt wird. Im Text war noch die römische Kamille und die Bitterorange zu finden, danke für’s aufmerksame „Lesen“, liebe Frauke!

Viermal wurde die Qualität des Schlafes der TeilnehmerInnen erfasst: vor der Studie, sowie an den Tagen 1, 2 und 3 während der Studie, gemessen nach anerkannten international bekannten Skalen (Perceived QOS und Verran & Synder-Halpern [VSH]), die Anzahl der Wachwerde-Vorkommnisse wurde mit einem nicht-invasivem Gerät gezählt (Aktigraph).

Vor dem Experiment waren keine signifikanten Unterschiede zwischen der „Duftgruppe“ und der Kontrollgruppe feststellbar, nach dem dritten Tag des Experimentes war eine signifikante Verbesserung der Qualität des Schlafes bei TeilnehmerInnen der „Duftgruppe“ zu verzeichnen (VSH: F=6.39, p =.002). Das Autorenteam schließt daraus, dass das Einatmen von ätherischen Ölen den Schlaf von schichtarbeitenden Menschen im Pflegebereich verbessern kann. [Kim W, Hur MH. Inhalation Effects of Aroma Essential Oil on Quality of Sleep for Shift Nurses after Night Work. J Korean Acad Nurs. 2016 Dec;46(6):769-779]

Thermo-Duftsteine gibt es von folgenden Anbietern für zwischen 22 und 50 Euro, einfach anklicken!

Feeling

Farfalla

Neumond

Taoasis

FRAGE: Ist unter meinen LeserInnen jemand, der/die koreanisch lesen und verstehen kann, so dass wir etwas über die verwendeten Öle erfahren können? Der volle Text dieser Studie kann hier nachgelesen werden, eben auf koreanisch!

dufter lernen im schlaf mit rosen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieKurz vor dem Schlafen Lerninhalte zu wiederholen, galt schon lange als effektiv, man sprach ja gerne vom Schulbuch unter dem Kopfkissen, es sollte vor Klassenarbeiten eine gute Hilfe sein.

Nun hat sich die Wissenschaft eines weiteren Faktors des „Lernens im Schlaf“ angenommen: Wenn der Duft von Rosen in einer bestimmten Schlafphase eingeatmet wird, verbessert sich die Leistung des Gedächtnisse noch einmal. Dieser Versuch wurde an der Universität Tübingen mit ProbandInnen gemacht, die sich Memorykarten-Paare samt deren Position einprägen sollten, sie schnupperten beim Lernen Rosenduft. Anschließend gingen alle TeilnehmerInnen schlafen, die eine Hälfte bekam im Schlaf Rosenduft zu riechen, die andere roch ein Placebo.

Der Bericht von Dr. Susanne Diekelmann von der Uni Tübingen ist hier (klick!) nachzulesen, sie stellt fest: „In einer weiteren Studie mit Kernspintomographie führte die Präsentation des Rosendufts im Tiefschlaf zu einer Aktivierung des Hippokampus sowie kortikaler Bereiche. Der Geruch scheint also die neuen Erinnerungen zu reaktivieren und damit den Transfer der neu gelernten Inhalte in den kortikalen Langzeitspeicher anzustoßen.“ Foto: Antje Wendel

aromapflege bei schmerzen nach verbrennungen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAus dem Land der Erzählungen der zauberhaften Sheherazadevon in ‚Tausendundeiner Nacht‘, also dem Iran, lesen wir regelmäßig schöne Erkenntnisse zur lindernden Wirkung von ätherischen Ölen bei Frauenleiden rund um die Monatsblutung und rund um Geburt und Stillzeit.

In einer aktuellen Arbeit aus der Universität Hamadan geht es um Schmerzlinderung bei und nach dem regelmäßig erforderlichen Verbandswechsel, wenn die PatientInnen an starkenVerbrennungen leiden. Die einfach verblindete, randomisierte klinische Studie erfolgte an 50 PatientInnen zwischen 18 und 65 Jahren mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Sie atmeten an zweit Tagen jeweils für 20 Minuten entweder fünf Tropfen 40%-ig in Wasser verschütteltes ätherisches Rosenöl (Rosa damascena) ein oder – in der Placebogruppe – reines Wasser. Beide Substanzen wurden jeweils auf ein Gazestück gegeben, das 20 cm von der Nase entfernt an der Kleidung der TeilnehmerInnen befestigt wurde. Die Pflegeperson, die die Gazestücke anbrachte, trug eine Atemmaske und konnte somit nicht riechen, was sie verabreichte. Die Schmerzwerte der PatientInnen wurden eine halbe Stunde vor dem Verbandswechsel ermittelt und jeweils 15 und 30 Minuten nach der schmerzhaften Prozedur.

Es wurde ein signifikanter Unterschied vor und nach dem Verbandswechsel notiert (P < 0.001), auch wurde ein signifikanter Unterschied (P < 0.05) der Schmerzintensität vor und nach der aromatherapeutischen Anwendung registriert. Zudem wurde die Schmerzintensität bei der Placebogruppe und der „Duftgruppe“ verglichen und als signifikant errechnet (P < 0.05).

Die Autoren dieser Arbeit folgern, dass die ergänzend zur Schmerzmedikation erfolgende Inhalation von Damaszener-Rosenöl hilfreich sein könnte, um die Schmerzen beim Verbandswechsel nach Verbrennungen zu reduzieren. [Bikmoradi A, Harorani M, Roshanaei G, Moradkhani S, Falahinia GH: The effect of inhalation aromatherapy with damask rose (Rosa damascena) essence on the pain intensity after dressing in patients with burns: A clinical randomized trial. Iran J Nurs Midwifery Res. 2016 May-Jun;21(3):247-54]. Diese neue Studie kann kostenfrei hier (klick!) herunter geladen werden.

aromapflege bei der sterbe-begleitung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Blüte eines Bitterorangenbaumes, Citrus aurantium, daraus wird Neroli-Öl gewonnen

Bevor ich zum letzten Gegenstand in meiner ‚fliegenden Wundertüte‘ komme, muss ich noch kurz die Antwort auf eine Frage, die dieser Tage an mich gerichtet wurde, loswerden. Ich finde, dieses Thema ist immens wichtig und ich möchte auch anderen LeserInnen diesen Denkanstoß mitgeben.

Ich bin zu einer in einem (nicht von mir gehaltenen) Kurs empfohlenen Mischung zur Sterbebegleitung befragt worden, ob ich einen bestimmten Mix aus eher schweren Ölen wie Harzen, Hölzern und Rose ‚richtig‘ finden würde.

Ich meine, man MUSS in der Sterbebegleitung noch individueller arbeiten als bei nicht-sterbenden Menschen. Es gibt kein ‚richtig‘, jedoch unter Umständen ein gravierendes ‚falsch‘. Wenn die betreffende Person ihren Wunschduft nicht mehr mitteilen kann, muss man ihre Duftvorlieben anhand der Biografie heraus finden (Verwandte fragen, Hobbys erfragen, Berufsvorlieben herausfinden, Themen wie Lieblingsessen, Wald, Garten, ferne Ländern, Kirche, süße Düfte etc. versuchen, herauszufinden).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Weihrauch, das Harz der Boswellia-Bäumchen aus den kärgsten Wüsten der Welt

Was für den einen Menschen wundervoll riecht, kann für den anderen ekelhaft sein. So oft wird beispielsweise Weihrauchöl empfohlen, ich jedoch würde beim Riechen von Weihrauch im Sterbeprozess vermutlich ganz schreckliche Erinnerungen an die als bösartig empfundenen Nonnen in einer meiner frühen Schulen bekommen. Auch Rosenduft als Öl passt mir nicht immer (frische Rosen ja), bin eher der Iris-Typ, auch Jasmin- und Magnolienduft sind so richtig meine Wohlfühldüfte. Ob diese Duftrichtung mir bei Sterben helfen würde, ich kann ich freilich momentan nicht abschätzen, das müsste dann in der konkreten Situation  getestet werden.

Mich erinnert dieses Thema an Erfahrungen aus dem Kreißsaal. Frau hört, dass dieses oder jenes Öl ganz toll sein soll bei der Entbindung, diesen Duft haut frau dann jedoch eventuell den GeburtshelferInnen um die Ohren, weil er in genau dieser Situation ganz und gar nicht passt.

Iris pallida

Das sehr kostenaufwändige Iris-Öl kann aus den dicken Rhizomen von Iris pallida gewonnen werden

Also bitte in der Sterbehilfe keine vorgefertigten oder von fremden Personen empfohlenen Mischungen anwenden. Oder diese zumindest sehr behutsam an der betreffenden Person testen. Wenn sie es nicht mehr sagen kann, spürt man als Pflegeperson vielleicht ein Zucken der Lippen, der Hände oder eine veränderte (vertiefte oder stockende) Atmung. Fertige Mischungen duften für uns oder für die Angehörigen vielleicht supergut, doch müssen sie nicht für jedermann und jederfrau passen. Es muss nicht Weihrauch sein, auch die gerne empfohlene Iris kann nicht für jeden Menschen, der sich auf Abschiedsreise befindet, ‚richtig‘ sein. Wenn beispielsweise jemand feinste Erinnerungen an seine Reise nach Sizilien in sich trägt, könnte beispielsweise ganz einfach ein frischer Zitronen- und/oder Neroliduft für diese letzte Reise perfekt sein!

Wer sein Leben lang Pfefferminzbonbons bei sich trug und vielleicht auf Urlaubsreisen lutschte, wird möglicherweise die befreiende und lösende Wirkung von einem Hauch Pfefferminzöl beim Loslassen zu schätzen wissen. Wer die schönste Zeit seines Lebens in Australien verbrachte, erfreut sich vielleicht sogar über den „schnöden“ Teebaum- oder Eukalyptusduft beim Überschreiten der Regenbogenbrücke.

Also ist mein Rat, in diesem letzten Lebensabschnitt ganz besonders behutsam mit der Auswahl von Düften zu sein und die Dosierung sehr niedrig zu halten, man orientiere sich an Baby-Verdünnungen von 0,5 bis 1 Prozent, eventuell sogar darunter. (Die Verdünnungstabelle im Scheckkartenformat zum kostenlosen Runterladen und Laminieren befindet sich hier, klick! auf meiner Website, sie wird demnächst renoviert).

jasminduft reduziert schokoladen-heißhunger


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDas Schnuppern am blumig-schweren Duft des Jasmins kann beim Abnehmen helfen: In einer australischen Verhaltensstudie wurden 67 Studentinnen appetitanregende Farbfotos präsentiert, sie schnupperten dazu an drei Gerüchen: Grüner Apfel, Jasmin und (zur Kontrolle) Wasser. Jasminduft reduzierte signifikant Gelüste auf Schokolade. Die Autorinnen schließen daraus, dass kalorienfreie Riechimpulse aus Nicht-Lebensmitteln unerwünschte Appetitattacken drosseln können [Kemps E, Tiggemann M, Bettany S: Non-food odorants reduce chocolate cravings. Appetite. 2012 Jun;58(3):1087-90]. Das ist eine kleine Kostprobe aus meinen immer noch anhaltenden Recherchearbeiten für die stark erweiterte 6. Neuauflage meines Fachbuches Aromatherapie für Pflege und Heilberufe, die nächstes Jahr erscheinen wird.

Meiner Erfahrung nach kann Bio-Vanille-Extrakt (klick!) und Grapefruitöl (klick! abwechselnd oder dazu) diese appetitregulierende Wirkung verstärken. Übrigens kann Grapefruitduft, am Körper getragen, laut einer Studie aus dem Jahr 2005 eine jüngere Anmutung „zaubern“, also zumindest in der Einbildung. Dr. Alan Hirsch ließ im Jahr 2005 Frauen mit den Düften von Brokkoli, Banane, Spearmintblättern, Lavendel und Grapefruitschale parfümieren und Männer sollten jeweils ihr Alter einschätzen. Die grapefruitduftenden Frauen wurden durchweg wesentlich jünger eingeschätzt als sie tatsächlich waren. In einer ähnlichen Studie zeigte sich, dass Damen, die ein blumiges Parfüm trugen, schlanker als sie tatsächlich waren, eingeschätzt wurden. Riech-Experte Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt nannte den Blütenduft scherzhaft: das Äquivalent zu längsgestreifter Kleidung – macht schlank….

In Jojoba verdünntes Jasminum sambac-Öl kann bei Feeling (klick!) bestellt werden, es duftet etwas süßer und ist minimal preiswerter als das ebenfalls verdünnte Jasminum grandiflorum-Öl (klick!). Man kann beide schweren Düfte so verwenden, als wären sie ein unverdünntes „normales“ Öl, also 1-3 Tropfen in eine 10-ml-Massageölmischung geben oder einen Tropfen auf einen Klecks einer unbedufteten Bodylotion oder eines Körperöles, um sich gleich damit einzureiben.

jasminöl bei knötchen in der brust


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieMogra (Jasminum sambac) ist ein exzellentes Absolue (durch Lösungsmittel extrahiertes „ätherisches Öl“) bei einer Neigung zu Knötchen in der Brust, berichtete auf der Aromatherapie-Konferenz Botanica2014 (klick!) die temperamentvolle Ayurveda-Fachfrau aus Australien Farida Irani. „Knötchen“ in der Brust meint nicht bösartigen Brustkrebs, sondern kleine (gutartige jedoch oft schmerzhafte) Verhärtungen, Zysten, die so genannte Mastopathie, verursacht durch hormonelles Ungleichgewicht. Da ich vor einigen Tagen zwei Fotos meiner Jasmin sambac-Pflanze auf Facebook gepostet hatte und unglaublich viele „Likes“ bekam (so viel mehr Zustimmung als hier auf meinem guten alten Blog 😉 ), würdige ich diese wundervoll duftende Pflanze auch hier. Frau Irani sprüht nur so vor Leben und man kam gar nicht dazu, alles aufzuschreiben, beispielsweise was sie bei den Defiziten von Vata empfiehlt (Kreuzkümmel, Davana, Tulsi/Heiliges Basilikum). Bei mangelndem Pitta müssen Blütendüfte her, vor allem das Absolue aus Kewda (Schraubenbaum, Pandanus odoratissimus, hier beim „Gewürzepapst Gernot Katzer (klick!) findet man klasse Infos über dieses Gewürz).  Bei einem Mangel an Kapha empfiehlt sich vor allem Gewürznelke, Cardamom und wieder Tulsi (eines der wichtigen indischen Alleskönner-Öle). Für Menschen, die keine ätherischen Öle vertragen, empfahl sie das Mazerat von Brahmi (Bacopa monnieri) in Sesamöl. Dieses fette Öl gibt sie auch allen Menschen mit, die sich einer Bestrahlungstherapie unterziehen müssen. Für Frauen, die unbedingt schwanger werden wollen, der Klapperstorch jedoch ausbleibt, empfiehlt sie Davanaöl (klick! Artemisia pallens, es duftet wunderbar fruchtig-süßlich und etwas nach Whiskey! und bestimmt den Duft der Granatapfelserie einer großen deutschen anthroposophischen Kosmetikfirma mit dem Anfangsbuchstaben W). Bei diversen Tumoren gibt sie Ashwagandha (klick!), ein ganz wichtiges Stärkungsmittel in der traditionellen indischen Medizin. Es hilft bei Schwächezuständen, bei seelischen Durchhängern und laut einigen Studien schützt es Nervenzellen vor noch mehr degenerativem Zerfall wie bei Morbus Alzheimer. Sie gibt es auch Menschen die an Fibromyalgie leiden (Weichteilrheumatismus mit psychischen Krisen). Auch Safran-Attar (in Sandelholzöl hinein destilliert) empfiehlt sie bei Krebs. Bei Angstzuständen empfiehlt Frau Irani das ätherische Öl von Curcuma longa, einem Verwandten der Gelbwurz, die das Currygewürz gelb färbt. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZurück zum Jasmin-Absolue, das seine rote Farbe vom Indol-Anteil erhält. Das ist der Fäkal-Riechstoff, der speziell weißen Blüten, welche Nachtinsekten anziehen, einen manchmal eher unangenehmen Unterton gibt. Im Gewächshaus hinter unserem Seminarhaus konnten das viele TeilnehmerInnen meiner Kurse bestätigen (dort blüht immer noch Jasminum officinalis). Als tausende von Blüten geöffnet waren, war der schwere Duft/Geruch rund ums Gewächshaus kaum auszuhalten. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDieser Riechstoff (Stinkstoff?) macht – in raffinierten Spuren eingesetzt – Parfüms für uns Menschen ziemlich unwiderstehlich. Kein Wunder, er ist ein Bestandteil unseres Gehirnstoffwechsels. Als ich diese Tatsache vor einigen Jahren in einem Fachbuch fand, war ich doch etwas erstaunt, dass sich dieses anrüchige Molekül sowohl „da unten“ als auch in unserem Kopf befindet. Und dort für Wohlbefinden sorgt. So ist es kein Wunder dass Frau Irani Jasmin sambac-Absolue (klick!) bei depressiven Zuständen und Ängsten empfiehlt. Anscheinend reguliert es unseren aus der Balance geratenen „Happylizer“-Stoffwechsel (also die Botenstoffe, die für Wohlbefinden sorgen sollen). Sie empfiehlt, Ätherische-Öle-Mischungen für die Seele auch immer rund um den Bauchnabel einzureiben, dem Zentrum unserer Ausgeglichenheit und Balance. Sie rät zudem dazu, diesen schweren Duft auch als Deo einzusetzen, als kühlende Gesichtspflege und sogar bei Geschwüren. Sie schloss ihr unglaubliches Feuerwerk an Tipps und Rezepturen mit obigem Spruch von Paramahansa Yogananda und überreichte der Gastgeberin Rhiannon Harris (klick!) als Zeichen des Dankes und der Anerkennung einen großen Schal (eher eine Stola). Frau Irani hat es übrigens geschafft, in ihrer Heimat Australien eine staatliche Anerkennung für ihre Kurse in Ayurvedischer Aromatherapie zu erhalten. Dazu mehr auf ihrer Website Subtle Energies (klick!). Die gesammelten Vorträge dieser Konferenz kann man bis zum 30. September mit 25 Euro Ermäßigung hier (klick!) als Download-Datei erwerben (75 Euro statt 100 Euro).

aromatherapie bei leichtem bluthochdruck


Beide im letzten Blogbeitrag beschriebenen ätherischen Öle, die so wunderbar zur Reduzierung von Menstruationskrämpfen beitragen können, zeigten in einer weiteren wissenschaftlichen Arbeit aus Korea vom vergangenem Jahr, dass sie sich auch positiv auf den (erhöhten) Blutdruck auswirken können. Inhalationen mit Lavandula angustifolia (Lavendel fein) und Salvia sclarea (Muskatellersalbei) wurden in einer randomisierten, kontrollierten Doppelblind-Studie an 34 Frauen (Durchschnittsalter: 65,2 Jahre), die an Blasen-Inkontinenz litten, getestet. Diese Art der Untersuchung mit entblößtem Unterleib wird allgemein als stressig und als beschämend empfunden (Urodynamik). Nach Inhalation von Muskatellersalbeiöl wurden sowohl signifikant niedrigere systolische als auch diastolische Blutdruck-Werte gemessen als nach Inhalation von Lavendelöl oder des Kontrollmittels Mandelöl. Lavendelöl erhöhte den Blutdruck leicht.

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Die klebrigen, stark riechenden Duftdrüsen sind mit bloßem Augen an den Blüten des Muskatellersalbei zu erkennen.

Es wird vermutet, dass der Inhaltsstoff Linalylacetat verantwortlich für die stark entspannende Wirkung zeichnet (knapp 65% im verwendeten Muskatellersalbeiöl), doch er ist auch zu einem relativ großen Anteil in guten Lavendelölen (im untersuchten Öl knapp 40%) enthalten. Es wird daher vermutet, dass die leicht aquaretische (wasser-abführende) Wirkung des Lavendelöles zu vermehrtem Stress bei genau dieser Blasen-Untersuchung führte, weil die Blase sozusagen gerne loslassen möchte. [Seol GH, Lee YH, Kang P, You JH, Park M, Min SS. Randomized controlled trial for Salvia sclarea or Lavandula angustifolia: differential effects on blood pressure in female patients with urinary incontinence undergoing urodynamic examination. J Altern Complement Med. 2013 Jul;19(7):664-70].

In der englischsprachigen Naturheilkunde gibt man PatientInnen mit Bluthochdruck den gut verträglichen Eiweißbaustein Arginin, da er die natürliche Blutdruckregulation unterstützt und die Ausschüttung des körpereigenen Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) freisetzen hilft, dadurch werden die Gefäße elastischer und lassen das Blut besser durchfließen. [Dong JY, Qin LQ, Zhang Z, Zhao Y, Wang J, Arigoni F, Zhang W. Effect of oral L-arginine supplementation on blood pressure: A meta-analysis of randomized, double-blind, placebo-controlled trials. Am Heart J, 2011] (siehe dazu das interessante Interview meiner Berliner Kollegin Natascha von Ganski mit dem Arteriosklerose-Forscher Prof. Dr. Robenek hier kick!). Durch das Essen von Buchweizen und diversen Nussarten/Nussmusen (insbesondere Erdnüsse), kann man seinen Argininspiegel auf natürliche Weise erhöhen. In Europa hat sich die kurmäßige Verabreichung einer guten Weißdorntinktur bewährt. Wir verwenden in der Aromatherapie noch zwei weitere ätherische Öle, um Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck (ärztlich überprüft und niemals lebensgefährlich hoch) zu begleiten:

Mit welchen ätherischen Ölen habt Ihr Erfolge bei der Senkung des Blutdrucks?

tempelblume oder frangipani


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch bin für ein paar Tage im heißem Süden unterwegs und war besonders erfreut über eine (welkende) Blüte, die mir buchstäblich vor die Füße fiel: Frangipani – einige Menschen kennen sie auch als Tempelblume (Plumeria alba L. und Plumeria rubra L.). Die hitzeliebende Schönheit ist eng verwandt mit dem bekannteren Oleander, dessen Blüten ja bekanntlich auch entzückend duften können, beide gehören zur Familie der Apocynaceae (Hundsgiftgewächse). Der wissenschaftliche Name wurde zu Ehren des französischen Botanikers Charles Plumier (1646-1704) vergeben, er war Pflanzenjäger und Forschungsreisender unter König Ludwig XIV.

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Frangipani-Absolue (klick!) duftet zwar nicht annähernd so fein wie die betörenden Blüten des manchmal etwas knorrig wirkenden Strauches, doch es hat eine enorme psychische Wirkung. Der Duft erinnert entfernt an Jasmin mit einem Hauch von Vanille, Mandel/Amaretto und doch etwas Frische von geriebener Zitronenschale. In einer Verhaltens-Beobachtungs-Studie mit Mäusen konnte festgestellt werden, dass ein ethanolischer Extrakt der Blüten (Auszug mit Weingeist) deutlich angstlindernd wirkt. [Chatterjee M1, Verma R, Lakshmi V, Sengupta S, Verma AK, Mahdi AA, Palit G. Anxiolytic effects of Plumeria rubra var. acutifolia (Poiret) L. flower extracts in the elevated plus-maze model of anxiety in mice. Asian J Psychiatr. 2013 Apr;6(2):113-8] Ich kann mir gut vorstellen, dass aufgrund der enthaltenen aromatischen Ester – „psychische Power-Moleküle“ – diese Erkenntnis auf manche Menschen übertragbar ist. Einige Inhaltsstoffe (auf-/abgerundet u.a. nach Aroma-Zone):

  • 31% Lupeol (Triterpen)
  • 8% Amyrin-Isomer (Triterpenalkohol)
  • 7,3% Benzylsalicylat (aromatischer Ester)
  • 4% (E)-Nerolidol (Sesquiterpenol)
  • 3% Geranylbenzoat (aromatischer Ester)
  • 0,9% Geraniol (Monoterpenol)
  • 1,3% Benzylalkohol (phenolischer Alkohol)
  • 1,3% Benzylbenzoat (aromatischer Ester)
  • Spuren Farnesol (Sesquiterpenol)
  • Spuren von Iris-Duftstoffen (1-α-Plumierid, Plumierid p-Z-Coumarat, Plumierid-p-E-Coumarat)

kann man düfte sehen?


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieWas blüht denn da? Was riiiiecht denn da so eigenartig? Igitt, das mieft! Unterhosen, Socken, Schmutzwäschebeutel! So oder so ähnlich sind meistens die Reaktionen auf den sicht- und fühlbaren (klebrigen) Duft einer Salbeiart, die uns mit einem der stimmungshebendsten ätherischen Öle beliefert.

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Die Rede ist von Salvia sclarea, dem Muskateller-Salbei. Fotografiert heute in der Schweiz, also spricht man korrekter von DIE Muskateller-Salbei. In Österreich wiederum, genauer gesagt im Joanneum in Graz in der Steiermark, hat man vor 10 Jahren genau untersucht, aufgrund welcher Anbaufaktoren und Destillationszeiten die Zusammensetzung dieses eigenwillig riechenden Öles so stark variieren. Der Gehalt an Linalylacetat (auch der Hauptinhaltsstoff in Lavendelöl, circa 35 Prozent) ist jedenfalls am höchsten (circa 70 Prozent), wenn die Blüten und weniger das Kraut destilliert werden. Die Blütendestillation bringt auch den höchsten Ertrag an ätherischem Öl. Die zart-lila blühenden Rispen sind wirklich ziemlich klebrig und für das bloße Auge sichtbar besetzt mit der deutlich (und fast verblüffend) den Menstruationszyklus regulierenden Duftsubstanz. Laut dem Grazer Forschungsbericht (klick!) schwanken die Inhaltsstoffe wie folgt:

  • Linalylacetat: 16.7 – 69.7%
  • Germacren D: 2.2 – 31.2%
  • Beta-Caryophyllen: 1.2 – 10.7%
  • Bicyclogermacren: 0.6 – 9.1%
  • Linalool: 0.6 – 8.9%)
  • Alpha-Copaen: 0.5 – 6.1%
  • transA/B-Sclareoloxid: 0.5 – 5.7%
  • Sclareol: 1.6 – 6.9%

Letzterer ist der Diterpenol (mit 20 C-Atomen), der vor allem für die hormon-modulierende Eigenschaft des Öles verantwortlich gemacht wird. Er kann bei zu kurzer Destillation auch gar nicht im Öl enthalten sein. Ob es der Stoff ist, der bei manchen Menschen, die gleichzeitig Alkohol trinken, zu einem stärkeren Rausch führt, ist nicht bekannt. In Anbetracht der obigen Bandbreiten an Inhaltsstoffen heißt es bei diesem Öl noch mehr als bei anderen Ölen: Auf gute Qualität achten und Duftvergleiche anstellen.

Lesen Sie bei Christine Lamontain (klick!) ergänzende Betrachtungen zu diesem kontrovers empfundenen Duft, auch ihre Makro-Fotos sind wunderbar gelungen.