duftkommunikation – eine olfaktorische entdeckungsreise


Christine LamontainIch habe vergangene Woche eine ausführliche Übersicht angefertigt, in welcher verdeutlicht ist, wie sich die Aromatherapie in den deutschsprachigen Ländern geformt und entwickelt hat. Zwar ist dieses Material für den Vortrag, den ich im März in Tokyo halten werde, doch war es auch eine persönliche und teilweise überaus witzige Zeitreise zu meinen aromatischen Wurzeln. Leider weiß ich es nicht mehr genau: Irgendwann um 1987 hörte ich einen Vortrag von Martin Henglein in Frankfurt, darin wurde der olfaktorische Duftkreis erläutert. Das klang zwar alles hoch interessant, aber so richtig verstanden hatte ich es nicht. So buchte ich ein 2-Tage-Seminar in München bei ihm.

Martin_Henglein_Duftkreisversionen

Die sehr rudimentären Arbeitsunterlagen von Martin Henglein haben uns Mitte und Ende der achtziger Jahre ganz neue Dimensionen der Duftarbeit eröffnet. Die gedruckte Abbildung seines Duftkreises erschien in einem Buchbeitrag von Prof. Dr. Hatt über das Riechen (Alfred Maelicke: Vom Reiz der Sinne 1990)

Es war ein Feuerwerk der Düfte (Martins Ölekoffer war mit den traumhaftesten Duft-Kostbarkeiten aus aller Welt gefüllt) und die symbolisch-archaisch anmutende Arbeit mit dem damals rautenförmigen Duftkreis war sehr überzeugend. Anhand von den vier Eckpunkten mit den zugeordneten ätherischen Ölen der Bergamotte, der Rosengeranie, des Patchouli und des Rosmarin wird die grundsätzliche Lebenssituation und der momentane Zustand der Psyche der schnuppernden Person heraus kristallisiert (welchen dieser Düfte mag sie am ehesten, welchen lehnt sie möglicherweise ab). Der geschulte Osmologe kann dann anhand von Abneigungs- und Vorliebe-Reaktionen (Körpersprache, Gesten, Redewedendungen etc) heraus arbeiten, welche Seelenthemen eventuell bearbeitet werden könnten und kann dem/r Klient/in Ratschläge und vor allem die passenden sowie stärkenden ätherischen Öle mitgeben (das kann einfach ein Riechstreifen mit dem ausgesuchten Duft in einem Glasfläschchen sein). In der aktuellen Ausgabe von Forum Essenzia (42) hat Christine Lamontain, eine seiner (und meiner!) überaus begabten und engagierten Ausbildungs-Teilnehmerinnen, einen sehr anschaulichen Bericht veröffentlicht, in dem man die wichtige Dimension dieser Arbeit erkennen kann: Eine Klientin, die vermeintlich nicht mehr riechen konnte, erkannte durchaus einige Gerüche, die wiederum für ihre weitere Entwicklung sehr wichtig wurden. Spannend zu erfahren ist, dass es analog zum stressbedingten Hörsturz auch sowas wie einen Riechsturz gibt. Riechstörungen sind zwar nicht lebensbedrohlich, doch können sie das tägliche Leben der betroffenen Menschen stark beeinträchtigen. Die Arbeit mit der Duftkommunikation kann einerseits bei ganz alltäglichen Fragen nach Stabilisierung, Veränderung und persönlichem Wachstum, jedoch auch begleitend bei allerlei Symptomen enorm hilfreich sein. Auch kann sie in der Pflege von Menschen die medizinische Versorgung optimal ergänzen.

Ölekasten_Varianten_Eliane_ZimmermannChristine Lamontain versteht es auf eine einzigartige Weise, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Riechprozess sowie zur Zusammensetzung und Wirkung ätherischer Öle mit seelischen Prozessen zu verknüpfen. Sie wird im Rahmen meiner Happy-Düfte-Woche am Meer (24. bis 31. Mai) InteressentInnen diese spannende Arbeit näher bringen, unter den circa 200 ätherischen Ölen, Absolues und Extrakten aus meinen Koffern und Kästchen (links) müsste für jede Nase die passende „Antwort“ dabei sein, nicht zu reden von den unglaublichen Blütensymphonien, die wir auf unseren Exkursionen erleben werden. Lassen wir Christine selbst zu Wort kommen:

Mit der Duftkommunikation betreten wir die Welt der osmologischen Betrachtung von Duft(Reaktions)-Phänomenen.

  • Weshalb mag jemand z.B. den balsamischen vanilligen Duft von Benzoe siam aber nicht den der Vanille?
  • Weshalb finde ich mit dem Lavendelsäckchen keinen Schlaf?
  • Kann mir der Duft von Karottensamen zeigen wie der Stand meines „Projektes (Lebens)Neuorientierung“ ist?

Gemeinsam tauchen wir ein in diese Welt der Duftinformationen und unserer eigenen Duftwahrnehmungsreaktionen. Wir begeben uns auf olfaktorische Entdeckungsreise in die Weiten unserer Seelenlandschaft und der Pflanzendüfte.

Die Pflanzen, die lange vor uns da waren, haben erfolgreiche „Strategien“ entwickelt, die ihr Überleben und Wachstum sicherstellen. In ihrem Pflanzenzyklus bewältigen sie „Geburt“, Durchsetzung, Kommunikation, Befruchtung, Reifung, Frucht- und Samenbildung, Rückzug, Auflösen, Beginn eines neuen Zyklus. Ähnliche Situationen gibt es auch in unserem Leben.

In der Integralen Osmologie (Martin Henglein) spricht man von „12 Biostrategien“. Die biochemische Zusammensetzung der ätherischen Öle ist der Ausdruck morphologischer Einflüsse auf die Pflanze. Biochemische Signalstoffe der Pflanze stellen ihr Wachstum sicher und begleiten sie durch ihren „Lebenszyklus“. Der Duft, als Informationsträger dieser erfolgreichen Biostrategie der Pflanze, tritt in der Duftkommunikation in Verbindung mit dem Menschen. Sobald ein Riechkontakt mit dem Duft stattgefunden hat, erfolgt über die Wahrnehmung eine Auseinandersetzung zwischen der Duftinformation des ätherischen Öles und der persönlichen Erfahrungs- und Erlebniswelt.

Der Duftkreis (nach Martin Henglein) dient uns dabei als Modell zur Erforschung der Pflanzen-Biostrategien im Kontext unseres eigenen Lebenszyklus. In dieser Duftarbeit spielt das persönliche Erleben und die Wahrnehmung eine wesentliche Rolle. Das Wissen um die psychischen Wirkmechanismen der ätherischen Öle wird mit dieser Form der Duftkommunikation erweitert. Duftreaktions-Phänomene werden durch die osmologische Betrachtung verständlich. Osmologische Arbeit ist Aromapflege für die Seele. Inhalt:

  • Duft- und Pflanzenbegegnungen
  • Duftwahrnehmung und Selbstwahrnehmung
  • Einstieg in den Duftkreis nach Martin Henglein
    • die vier Ecköle und ihre Bedeutung
    • Biostrategien und Lebenszyklus
    • die bio-seelischen Themen wichtiger ätherischer Öle im Duftkreis
  • Kurzriechtest
    • Mein Duftbegleiter (Duft zum Mit-nach-Hause-nehmen).

Es gibt die Möglichkeit zum erweiterten Duftriechtest.

Die Broschüre liegt hier, die Preise stehen hier, das Anmeldeformular zum Direkt-am-PC-ausfüllen befindet sich hier, die sehr ausführliche Broschüre für die zwei „Gärten & Naturparfüm-Wochen“ kann hier runtergeladen werden.

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lasea lavendelölkapseln behaupten sich bei posttraumatischen störungen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEs gibt sie doch: Wissenschaftliche Ätherisch Öl-Studien mit und an Menschen! Ich sortiere derzeit meine Berge von wissenschaftlichen Arbeiten zu ätherischen Ölen. Die vorläufige Tabelle mit Studien, welche die antitumorale Wirkung von ätherischen Ölen und/oder ihren Inhaltsstoffen belegen, hat mich selbst überrascht, sie enthält mehr als das Doppelte von dem was ich erwartet hatte. Als wissenschaftlicher Laie und ohne Finanzierung durch eine Firma oder ein Institut, ist es mir (bislang) gelungen, über 120 Studien zusammen zu tragen. Sie wurden alle in renommierten und anerkannten Fachzeitschriften veröffentlicht. Ich erwarte noch mehr, denn ich habe noch gar nicht in den Tiefen meines Archivs gewühlt!

Nun möchte ich auch dem ständigen Vorwurf begegnen, es gäbe ja noch keine Doppelblind-Studien mit und an Menschen, darum sei die Aromapflege/Aromatherapie so unseriös! Auch hier bin ich wieder überrascht, was mein Laien-Archiv hergibt. Auch wenn es ein aufwändigeres Suchen nach der Nadel im Heuhaufen ist als bei den Anti-Krebs-Studien (bei diesem Thema gibt es bereits viel Klarheit), so bin ich auch auf diesem Gebiet bereits bei weit über 100 Studien angelangt. Viele davon sind wirklich so wie ein Wissenschaftler es sich wünscht: randomisiert, doppelblind und kontrolliert – alles gleichzeitig. Viele allerdings auch nur das eine oder das andere – oder nur Einzelfall-Beschreibungen.  Und selbst wenn kein nennenswertes Ergebnis nachzulesen ist, findet man immerhin schwarz auf weiß belegt, dass die Naturduftstoffe zumindest keine unerwünschten Nebenwirkung haben – oft von Vorgesetzten von engagierten Pflegenden befürchtet. Alle wissenschaftlichen Arbeiten gemeinsam betrachtet zeigen – trotz immer wieder zu findender Unzulänglichkeiten – das so überaus wichtige und wertvolle Potenzial der Arbeit mit natürlichen ätherischen Ölen.

Eine der ganz wichtigen Studien mit Lavendelöl ist kürzlich – passend zur beginnenden Lavendelblüte – veröffentlicht worden: Lasea ist in einer Phase II-Untersuchung an 50 weiblichen und männlichen Patienten als Medizin bei posttraumatischen Belastungsstörungen identifiziert worden. Die betroffenen Menschen litten an Unruhezuständen (96%), depressiver Verstimmung (98%), Schlafstörungen (92%) oder Ängsten (72%). Die Verbesserungsrate nach 6 Wochen Einnahme einer Lasea-Lavendelölkapsel (80mg) pro Tag betrug: 62 Prozent bei den Unruhezuständen, 57 Prozent bei den depressiven Verstimmungen, 51 Prozent bei den Schlafstörungen und 62 Prozent bei den Ängsten. Somit können diese in jeder deutschen Apotheke erhältlichen Kapseln auch bei Neurasthenie genommen werden, das ist ein extremer Belastungs- und Erschöpfungszustand (im Prinzip ein Burnout). Bei manchen Menschen führt diese Anwendung von Lavendelöl zu milden bis moderaten Magenproblemen wie Aufstoßen. [Uehleke B, Schaper S, Dienel A, Schlaefke S, Stange R. Phase II trial on the effects of Silexan in patients with neurasthenia, post-traumatic stress disorder or somatization disorder. Phytomedicine. 2012 Jun 15;19(8-9):665-71]

Ich persönlich kenne dieses „Aufstoßen von ganzen Lavendelfeldern“ auch, es störte mich jedoch nicht besonders und nachdem ich die Kapsel erst einige Minuten vor dem Schlafen einnahm, hat sich das Thema erledigt.

Mein Artikel zur Einführung dieses Medikamentes im Februar 2010 ist übrigens der meist besuchte und meist kommentierte Text dieses Blogs, er ist hier (klick!) nachzulesen. Die dort aufgelisteten Preise beziehen sich auf die unverbindlichen Preisempfehlungen, bei Versandapotheken wie hier (klick!) und sogar bei Amazon (klick!) können die Preise deutlich geringer sein, die Produkte werden oft auch portofrei geliefert, zumindest bei der ersten Bestellung und ab 20 Euro.

aromapflege bei parkinson


AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannImmer wieder erreichen mich Anfragen nach ätherischen Ölen GEGEN eine bestimmte Symptomatik oder Krankheit. Doch genau wie seinerzeit bei meiner NLP-Ausbildung bei Mitbegründer Richard Bandler, habe ich die Anwendung der ätherischen Öle lieben gelernt, weil sie FÜR den Menschen arbeitet. Im NLP (Neurolinguistik) hilft man Menschen mit seelischen „Problemen“, indem man ihre Stärken stärker macht und nicht auf ihren Schwächen herum reitet. Man lässt sich auch nicht von medizinisch-psychologischen Fachbegriffen blenden, sondern schaut, wo der Rat suchende Mensch in diesem Augenblick gerade steht. Genau so begreife ich die Aromatherapie.

Sie sollte im Idealfall eine ganzheitliche Arbeit am Menschen sein und nicht eine Waffe GEGEN einen Zustand. Darum kann ich keine Fragen per E-Mail oder Telefon beantworten, wenn es etwa heißt: Meine Oma hat Lungenkrebs, was kann ich dagegen tun? Mein Mann hat Parkinson, gibt es Öle dagegen? Meinem Bruder wurde die Leber transplantiert, kann ich Aromatherapie bei ihm machen? Doch jeder Mensch ist anders, jede Situation ist anders, jeden Tag fühlt sich der Patient/die Patientin anders. Ohne die Person genau anzuschauen und sie zu befragen (oder wenn sie nicht mehr kann, nahe Angehörige), kann man meiner Ansicht nach keine gute und individuell ausgerichtete Aromatherapie machen.

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannBei der Anfrage nach Morbus Parkinson konnte ich nur generell antworten: Insgesamt entkrampfend wirken Öle, die reich an bestimmten Estern und Ethern sind, wie Muskatellersalbei [Salvia sclarea; Foto links] (wenn der Patient Weichheit und Sanftheit vermisst), Mandarine [Citrus reticulata] (wenn er das Kind in sich berühren möchte [Erinnerungen an unbesorgte Zeiten etc], Petit Grain [Citrus aurantium fol.; Foto rechts] (wenn er mehr Geradlinigkeit und Konzentration benötigt), Kamille römisch [Chamaemelum nobile ] (wenn er starke [Zukunfts-]Ängste hat), Lavendel [Lavandula angustifolia] (wenn er nicht mehr abschalten kann), Basilikum [Ocimum basilicum Ct. Linalool] (wenn der ganze Körper verkrampft), Tonka [Dipteryx odorata] (wenn mehr Süße ins Leben gelassen werden soll) etc. Alle Blütenöle gehen auch in diese Richtung. Lassen Sie die betreffende Person an einer Vorauswahl schnuppern, deren Nase wird entscheiden können, was in diesem Moment benötigt wird und gut tut. Eine Mischung aus zwei oder drei Ölen wäre natürlich auch okay, vielleicht wie folgende, von der einige Tropfen zweimal täglich sanft auf die Unterarme aufgetragen werden können (sie wirkt auch bei „harmlos“ verspannten Menschen, bei Schlafstörungen, bei Prüfungsangst):

  • 20 ml Macadamianussöl (oder ein anderes natives fettes Bio-Öl)
  • 2 Tropfen Muskatellersalbei
  • 2 Tropfen Mandarine
  • 1 Tropfen Petit Grain

Dr. Erwin Häringer, Arzt für Allgemeinmedizin, schrieb diese wertvolle Ergänzung, die mir durch den Unterricht bei zwar seit Langem bekannt ist, die ich jedoch vergessen hatte zu erwähnen: das ätherische öl von mönchspfeffer(keuschlamm) vitex agnus castus enthält- wie auch die getrockneten samen dieser verbenaceenart bestimmte diterpene, sog. clerodadienole. diese können zu etwa 50% l-dopa ersetzen, welches ja beim niedergang der nigro-striatalen systeme fehlt. diese inhaltsstoffe binden sehr stark an d2 rezeptoren.
darüber (also über den einsatz von einem phytopharmakon, welches traditionell bei der hyperprolaktinämie, z.b. bei pms eingesetzt wird) gibt es studien und info u.a. bei bionorica etc. für die adjuvante therapie bei parkinson und lewy-body demenz.(für therapeuten!)

Petit Grain Clementier – stimmungsaufhellendes Öl


Mit dieser Überschrift plante ich den heutigen Text und fotografierte die gut sichtbaren Duftbehälter in den Clementinenblättern.

Das seltene Petit Grain-Öl aus dem Grünzeug des Clementinenbaumes duftet fein und hat stark stimmungsaufhellende Wirkung, unter anderem durch den Gehirn-Power-Stoff Methylanthranilat, eine kleine aber feine Stickstoffverbindung. Momentan kann man die Blätter kostenlos bekommen, Viele Früchtehändler schmeißen sie weg. Man kann sie zerdrücken, so dass der Duft freigesetzt wird, und auf die Heizung legen, ein Gratis-Raumduft sozusagen.

Dann fotografierte ich diese wunderschönen Früchte. Und aß einige. Sprich: schälte, gab die Fruchtstückchen in den Mund, schälte, gab wieder Fruchtstückchen auf die Zunge, schälte und aß die dritte wirklich leckere Clementine (ich habe sie nicht in Bio-Qualität gefunden).

Dann fielen mir die Gifte auf Zitrusschalen ein, diese habe ich ja vermutlich auf die Frucht weiter gegeben. Die sehr unaufällige Verpackung mit kaum lesbarem „Etikett“ hatte ich schon weg geschmissen und holte sie aus dem Mülleimer wieder raus.

Dort entdeckte ich ein mir gänzlich unbekanntes Wort (sonst bin ich recht fit im Etiketten-Übersetzen): Imazilil. Was sich da so schamhaft fast versteckt ist ein „wunderbarer“ Stoff:

Von der amerikanischen Umweltbehörde EPA wird Imazalil als wahrscheinlich krebserregend eingestuft, weil im Tierversuch Adenome der Leber sowie Adenome kombiniert mit Karzinomen aufgetreten waren….schützt Imazalil Zitrusfrüchte vor Schimmelbildung. …Soweit sie der EU-Vermarktungsnorm unterliegen, müssen mit Imazalil behandelte Zitrusfrüchte gekennzeichnet werden. In Deutschland ist Imazalil ausschließlich zur Beizung von Getreidesaatgut zugelassen. Imazalil – INN Enilconazol – ist ein systemisches Fungizid aus der Gruppe der Imidazole… In der Tiermedizin wird Imazalil unter dem Markennamen Imaverol ad us. vet. als Breitspektrumantimykotikum gegen Pilzerkrankungen der Haut (Dermatomykosen) und der Nase, bei Vögeln auch gegen Luftsackmykose eingesetzt. Quelle: Wikipedia

Na klasse, sowas dürfen Kinder und Allergiker schälen, auf Händchen und Gesicht verschmieren und essen. Eine Clementine nach der anderen. Keiner warnt davor. Das Etikett können sie nicht lesen oder interpretieren (ich auch nur mit meiner gestern neu erstandenen Brille). Vielleicht sollte ich ein Säckchen Schalen trocknen und aufheben, falls mal wieder ein Fußpilzausbruch bei den Kids zu bekämpfen ist…. Oder ich lege Schalen in sämtliche Schuhe – zur Vorsorge….

Aber grundsätzlich kann das bewusste Einatmen von Mandarinen- oder Clementinenduft (auch während des Schälens) dunkle Winterstimmung etwas aufhellen. Nur eben ohne Beigaben aus dem Giftlabor.

Duftstoffmoleküle als Regler der menschlichen Gefühle Psycho-Aromatherapie wird erklärbar


Man braucht kein Chemiker zu sein, um zu erkennen, dass bestimmte Duftstoffe, welche wir in ätherischen Ölen in Spuren finden, sehr ähnlich gebaut sind wie die Moleküle, die vor allem in unserem Gehirn die (Glücks-)Gefühle steuern. Indolverbindungen ([1H-Benzo(b)pyrrol] pur stinkend, in allerhöchster Verdünnung duftend, zB in den Absolues von Ginster, Jasmin, Orangenblüten, Tuberose) spielen beim Umbau von der „Neuro“-Aminosäure Tryptophan in den Neurotransmitter Serotonin und das Hormon Melatonin eine Rolle. Tryptophan gilt als „Happylizer“ und als „Antidepressions-Aminosäure“.

Wenn die Aminosäure Dihydrophenylalanin, genannt L-Dopa in den Neurotransmitter Dopamin und dann in Adrenalin/Noradrenalin umgebaut wird, entsteht in einer metabolischen Rückkopplung der Duftstoff Vanillin-Mandelsäure.

Ätherische Öle, deren Inhaltsstoffe Stickstoff (N-Atom) enthalten, wirken besonders neurotrop, die entsprechende funktionelle Gruppe ist  –NH2 (Amine). Der neroliartige Duftstoff Methylanthranilat gehört dazu, er beglückt AnwenderInnen in Zitrusschalenölen, auch im Tuberoseabsolue und vor allem im Petit Grain Mandarinier.

  • Methylanthranilat=Methyl 2-Aminobenzoat [C8H9NO2]
  • Methyl N-Methylanthranilat=Dimethylanthanilat=Methyl 2-Methylaminobenzoat  [C9H11NO2]

Anthranilsäure [C7H7NO2] ist eine Zwischenstufe der Biosynthese von Tryptophan. 4-Hydroxy-3-Methoxybenzaldehyd ist ein bekannter „Glücksstoff“, den die meisten von euch in der Küche verwenden: der Duftstoff der Vanille auch genannt Vanillin. Viel und schlecht kopiert in fast allen süßen Lebensmitteln zu finden, zudem süchtig machend ab der ersten Mahlzeit. Denn er befindet sich in Spuren in der Muttermilch und in größeren Mengen – in synthetischer Form – in so ziemlich allen Babyersatzmilchen und Breien und eigentlich in so ziemlich allen Süßspeisen und Süßigkeiten. Er wird aus schwefelig-stinkenden Zellulosemassen hergestellt, wie ich bereits hier beschrieb. Natürlicherweise ist Vanillin in Spuren sogar in Olivenöl, Butter, Himbeeren, Haferflocken und fassgereiften Weinen zu finden.

Etliche Riechstoffe  sind also unentbehrlich beim „Aufbau“ von Glücksgefühlen, sie entstehen im Gehirn des Menschen. Andere Riechstoffe können die Blut-Hirn-Schranke passieren (Buchbauer & al 1993) und an Rezeptoren für „Gefühlsstoffe“ andocken:

  • GABA-Rezeptoren (Aoshima & Hamamoto 1999)
  • Glutamat-Rezeptoren (Elisabetsky & al 1999)
  • Dopamin D2-Rezeptoren (Okugawa & al 1999)
  • Serotonin 5-HT2A-Rezeptoren  (Okugawa & al 1999)

Die antidepressive Botschaft dieser (und anderer Düfte) lautet: Lass die Seele baumeln! Darüber werde ich nächste Woche (06./07. Oktober 2010) in einem Seminar im bislang nicht besonders aromatherapie-verwöhnten mittleren Westen Deutschlands referieren (von wegen, es findet immer nur alles im Süden statt!), in der Nähe der Edelstein-Stadt Idar-Oberstein; es sind noch zwei Plätze zu haben!

Psycho-Aromatherapie vom Alltag bis zur Palliativpflege – Wie ätherische Öle unsere Glückshormone ankurbeln können

Der Mensch ist mehr „Nasentier“ als ihm bewusst ist. Pflanzen mit ihren vielfältigen Geruchsstoffen begleiten ihn seit Anbeginn der Zeit. Düfte entscheiden nachweislich über Emotionen, Reaktion, Appetit und sogar Partnerwahl – auch heute noch. Viele Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen entsprechen in ihrem molekularen Aufbau unseren Gehirnbotenstoffen und können sie entscheidend beeinflussen. In diesem Workshop lernen Sie, wie Sie viele „Psycho Öle“ für Ihr persönliches Wohlbefinden anwenden können und wie gezielte Duftarbeit von Konzentrationsstörungen bis zu demenziellen Veränderungen wertvolle Unterstützung bieten kann. Info und Anmeldung: Vivere Aromapflege

angstlösendes orangenöl (bei ratten) – ein wissenschaftlicher vergleich mit teebaumöl


Das ätherische Öl von Citrus sinensis (Orangenschalenöl) wurde in einer brasilianischen Verhaltensstudie an männlichen Ratten auf seine anxiolytische (angstlösende) Wirkung untersucht. Den Tieren wurde jeweils 5 Minuten lang Orangenduft (100, 200 or 400 μl) in die Käfigluft gegeben (Plexiglaskäfig), danach mussten sie unterschiedliche standardisierte Verhaltentests durchlaufen. Die anxiolytische Wirkung zeigte sich in allen Dosierungen in jeweils wenigstens einem Test, die hohe Dosierung wurde sogar als „signifikant“ wirksam beschrieben. Um beurteilen zu können, ob dieser Effekt allgemeiner Natur ist bzw. einfach mit allgemeinen Eigenschaften von ätherischen Ölen zu tun haben könnte, hat man die gleichen Tests mit dem ätherischen Öl von Melaleuca alterifolia (Teebaum) vorgenommen. Die anxiolytische Wirkung konnte nicht nachgewiesen werden. [Faturi CB, Leite JR, Alves PB, Canton AC, Teixeira-Silva F. Anxiolytic-like effect of sweet orange aroma in Wistar rats. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2010 May 30;34(4):605-9.]

Besinnen wir uns des Tieres in Menschen und schnuppern im Herbst tüchtig an den Orangenschalen fürs Müsli! Jeweils ein oder zwei Tropfen von guten Bio-Orangenöl bereichern auch viele Süßspeisen. Vielleicht überstehen wir den dunklen Winter ohne Ängste und Depressionen! Isst jemand Bio-Zitrusfrüchte? Man kann die Schalen im Tiefkühler in einem Plastikbeutel sammeln und später bei ausreichender Menge (nach dem Auftauen klein schneiden) in einem „altmodischen“ kleinen Expresso-Gerät (das man direkt auf den Herd stellt) zu einem leckeren Hydrolat destillieren. Wieder mal vielen Dank an Leserin Ursula für diese Studie aus meinem Heimatland, wo die Orangen mangels kühler Nachttemperaturen grün und nicht orangefarben sind! So oder so ergeben sie ein Öl aus nachhaltigem Anbau, denn meistens wird es als Beiprodukt der Saftherstellung und/oder Orangeatherstellung (Fotos unten bei der Firma Dierberger in São Paulo) gewonnen.

aromatherapie und duftstoffe in der wissenschaft: jasminduft gegen ängste und für verbesserten schlaf


Ich habe an dieser Stelle bereits öfters über die Erkenntnisse der Forschergruppe rund um Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns hat berichtet. Mich erreichte fast zeitgleich eine frische Information (von Ursula und Patricia, vielen Dank! Es geht nichts über ein gut funktionierendes Netzwerk von nicht-profitorientierten Menschen!) Vergangene Woche wurden neue Forschungsergebnisse über die physiologische Wirkung von Riechstoffen veröffentlicht. Doch fast noch bemerkenswerter als die eigentliche Pressemeldung finde ich allerdings einen Satz in einem Artikel im Ärzteblatt zum Thema: „Die Aromatherapie, die Befindlichkeits- und Gemütsstörungen durch unterschiedliche Düfte behandelt, wird von der Schulmedizin nicht ernst genommen. Vielleicht zu Unrecht, denn die eingeatmeten Duftstoffe gelangen über den Kreislauf auch in das Gehirn, wo sie durchaus eine Wirkung entfalten könnten.“

Die Ergebnisse einer streng wissenschaftlich durchgeführten Untersuchungsreihe an mehreren hundert  Duftstoffen bestätigt wieder einmal, was wir PraktikerInnen seit Jahrzehnten wissen und lehren: „Bochumer Forscher um Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt haben in Kooperation mit Dr. Olga Sergeeva und Prof. Helmut Hass von der Heinrich Heine Universität Düsseldorf entdeckt, dass die beiden Duftstoffe Vertacetal-coeur (VC) und die chemische Variante (PI24513) den gleichen molekularen Wirkmechanismus haben und genauso stark wirken wie die häufig verschriebenen Barbiturate oder das Propofol. Sie beruhigen, lösen Angst und fördern Schlaf.“ Die Duftstoffe aus der hierzulande als stark duftende Zimmerpflanze bekannten Gardenie (Gardenia jasminoides, Foto oben) konnten die GABA-Wirkung um mehr als das fünffache steigern und wirken somit ähnlich stark wie die bekannten Medikamente. Die Pressemeldung beschreibt weiter: „Verhaltens-Tests mit Mäusen am Labor von Prof. Lübbert, Lehrstuhl für Tierphysiologie der RUB beseitigten dann letzte Zweifel an den Qualitäten der Düfte als Sedativum. Gespritzt oder inhaliert, entfalteten die Duftstoffe eine beruhigende Wirkung: In einem Plexiglaskäfig, dessen Luft eine hohe Konzentration des Dufts enthielt, stellten die Mäuse jede Aktivität ein und saßen ruhig in der Ecke. Über die Atemluft gelangen die Duftmoleküle von der Lunge ins Blut und werden von dort dann ins Gehirn transportiert. Elektrophysiologische Messungen an Neuronen aus für den Schlaf/Wach-Rhythmus verantwortlichen Hirnbereichen zeigten, dass die GABA-Wirkung auf die „schlafaktiven“ Nervenzellen durch die Duftstoffe potenziert wurde.“

Barbiturate, Benzodiazepine und auch Narkosemittel wirken dosisabhängig über spezifische Haftstellen an Rezeptoren im Gehirn, sie verstärken die entspannende und beruhigende Wirkung des  körpereigenen Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure). „Um selbst wie GABA zu wirken“ wird berichtet, „müssten die Medikamente sehr hoch dosiert werden, aber schon geringere Dosierungen genügen, um die Wirkung der körpereigenen GABA um das zwei- bis dreifache zu steigern.“

Kürzlich wurde das pflanzliche Anxiolyticum Lasea („angstlösend“) auf Basis von Lavendelöl in die deutschen Apotheken gebracht, auch dieser Wirkmechanismus lässt sich durch eine GABA-Wirkung an den entsprechenden Rezeptoren im Gehirn erklären.

Die Pressemeldung samt PDF-Datei ist bei der Ruhr-Universität Bochum abrufbar. Die Forscher haben sich ihre Erkennisse inzwischen als Patent sichern lassen.

Wer Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt life erleben möchte, kann dies am 2. Oktober auf dem Farfalla-Jubiläumskongress tun (Vortrag: Niemand riecht so gut wie du: Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt) und auf der Fachtagung „Ätherische Öle in der Psychiatrie“ an der Uni Basel am 15.10. Wer nicht reisen kann oder möchte, sollte sich den amüsanten Mitschnitt von „Pelzig unterhält sich“ mit dem Professor zu Gemüte führen.

Gardenienöl ist es meines Wissens nach nicht in reiner natürlicher Form kommerziell erhältlich, doch als fein duftendes Mazerat in Kokosöl erhält man es in vielen Bioläden oder direkt online für zwischen knapp 9 bis 12 Euro (auf Fotos klicken). Achtung vor „Duftölen“, diese gibt es öfters, es handelt sich jedoch um synthetische Düfte (auch wenn das Apothekenzeichen noch so deutlich dabei steht!!!).

riechtraining bei anosmie


Ich bekomme regelmäßig Anfragen nach Trainingsmöglichkeiten, wenn der Geruchsinn beeinträchtigt ist oder ganz abhanden gekommen ist (Anosmie). In einem Fall war ich sogar einst Sachverständige, weil eine praktizierende Aromatherapeutin nach einem nicht verschuldeten Unfall nicht mehr riechen konnte und somit nicht mehr sicher praktizieren konnte.

Generell wird diese Symptomatik oft nicht ernst genommen, denn Nicht-Riechen-Können ist oberflächlich betrachtet nicht so schlimm wie Nicht-Sehen-Können. HNO-Ärzte lassen die geplagten PatientInnen im Regen stehen: „Da kann man nichts mehr machen!“ Subjektiv kann eine Anosmie und das damit verbundene reiz- und „farb“lose Leben zu Depressionen führen und zum wahren Alptraum im Alltag der/des Betroffenen: Brennt oder tritt irgendwo Gas aus, es wird nicht wahrgenommen. Falsch gewürztes oder angebranntes Essen führt zu Magenproblemen oder Essen wird nur noch zur lästigen Pflichtübung. Schweißele ich oder dünste sonstwie sozial abträgliche Emissionen aus, ich bemerke es nicht. Stinkt die Bettwäsche, der Spüllappen oder der Pullover, ich bekomme es nicht mit. Hat das Kind in die Windel gemacht, der Partner ein fremdes Parfüm am Kragen oder die Milch im Kühlschrank gammelt vor sich hin, es entgeht der Anosmikerin/dem Anosmiker.

Chronische Beschwerden der Nasennebenhöhlen und Antibiotikaeinnahmen können den Riechsinn abschalten, auf Unfälle – vor allem des Kopfbereiches – folgt manchmal eine Anosmie und auch manche Formen der Demenz beginnen mit dem Verlust der Riechzellen.

Erfahrungsgemäß kann ein hochwertiges ätherisches Basilikumöl (klick! Ocimum basilicum) manchen Menschen gut beim Riechtraining helfen. Keiner kann jedoch erklären, warum. Möglicherweise wegen der generell sehr deutlichen Wirkung des Haupt-Inhaltsstoffes Methylchavicol (Estragol) auf das Zentrale Nervensystem. Also jeden Tag circa 2-3x dran bewusst riechen, sich vorstellen, wie Basilikum im Salat mal gerochen haben könnte, vielleicht auch die Pflanze visualisieren. Regelmäßigkeit ist wichtig.

Estragol ist zwar seit einigen Jahren auf der „Schwarzen Liste“ des BfR, nachdem in Tierversuchen mit dem isolierten Stoff Krebsgefahr festgestellt wurde. Wenn man diese Ergebnisse jedoch wortwörtlich nehmen würde, müsste auch der sommerliche Konsum von Pesto mit erheblichen Gefahren verbunden sein und die Italiener wären schon fast ausgestorben 😉 Das regelmäßige maximal einminütige Schnuppern an einem guten Basilikum-Öl von einem vertrauenswürdigen Händler (eine Liste von zuverlässigen Firmen finden Sie hier, klick!) stellt eine geringere Belastung dar als die „innere Einnahme“ mehrerer Löffel Pestos. Eine spezielle Reiztherapie mit Procain kann in manchen Fällen auch helfen. Ein umfassender Artikel vom Spezialisten der HNO-Klinik Dresden Prof. Dr. Thomas Hummel kann hier nachgelesen werden.

ergänzung und korrekturen zu lavendelöl-kapseln


Da ich weiß, dass etliche meiner LeserInnen meine Artikel ausdrucken und archivieren, möchte ich an dieser Stelle auf Ergänzungen und Korrekturen, die ich von T. Schneider von der Uni Kiel zum Artikel über die Lavendelkapseln Lasea erhielt, hinweisen (vielen Dank!). Es ging vor allem um die Teilnehmerzahlen der Studien und um den Wirkmechanismus, letztere Falsch-Information hatte ich aus der Deutschen Apotheker Zeitung. Obwohl mir aus zahlreichen Studien von Professor Dr. Buchbauer (Wien), die er sowohl mit Lavendelöl als auch mit den zwei mengenmäßig in der Mehrheit vorkommenden Inhaltsstoffen (‚aktive Inhaltsstoffe‘) Linalool und Linalyacetat gemacht hatte, bekannt war, dass Lavendelöl eine GABA-Wirkung aufweist. Ich hatte mich also zu sehr auf die Fachpresse verlassen ;-). Auch die Kritik von T. Schneider und die Befürwortung von standardisierten Mitteln im Kommentarefeld ist lesenswert, der Einfachheit halber stelle ich sie hier ein:

Sehr geehrte Frau Zimmermann,

ich habe gerade Ihren Eintrag zum Lasea-Präparat gelesen.
Hierzu ein paar Anmerkungen:

–> „Die Wirkung beider Produkte erklärt sich über eine Hemmung der präsynaptischen spannungsabhängigen Kalziumkanäle an der Zellmembran.“

Das ist leider nicht korrekt. Beide Präparate (Lavendelöl, sowie die Benzodiazepine) wirken über den GABA-Rezeptor, d.h. sie verstärken/modullieren die Wirkung des körpereigenen GABA (GammaAminoButterSäure = ein dämpfender/inhibitorischer Neurotransmitter).

–> „Laut Prof. Kasper wurde diese Zubereitung an 700 Erwachsenen getestet und mit Lorazepan, ein Benzodiazepin, verglichen.“

Die (Gesamt-)Zahl 700 kann sicherlich richtig sein, jedoch ist sie in diesem Satz nicht korrekt. Die Studie, in der Lasea und Lorazepam vergleichen wurden, umfasste 77 Probanden (59 Frauen, 18 Männer; Alter 21-65) und die andere (Phase II) Studie, die sie erwähnen, umfasste 47 Probanden (39 Frauen, 8 Männer; Alter 18-70).

und zu guter Letzt ein kleiner Tippfehler:

–> „Beruhigungs-Hämmer“ …falls das keine Metapher sein soll :-)

Das Internet stellt sicherlich eine sehr gute und schnell verfügbare Möglichkeit dar, eine breite Masse mit aufbereiteten und leicht verständlichen Informationen zu versorgen. Die Kernaussagen (z.B. Lasea als Phyto-Alternative zu Benzodiazepinen) sind richtig, dass Sie den Preis mit kostenintensiven klinischen Studien am Menschen und dem umfangreichen Zulassungsverfahren für ein neues Arzneimittel belegen ist sehr lobenswert (wird oft meist etwas unterschlagen wenn es um „Apothekenpreise“ geht). Ihre Empfehlung Lavendelöl selbst in Hartgelatinekapseln abzufüllen steht da leider in einem scharfen Widerspruch: Ein Fertig-Arzneimittel zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass es standadisiert hergestellt und mit immer gleicher Dosis in eine Tablette bzw. hier Weichgelatinekapsel „verpackt“ wird. Der Rat „irgendein Lavendelöl selbst abfüllen“ (bei 80 mg gar nicht möglich) ist nicht unmöglich, aber mit Vorsicht zu genießen.

Im Großen und Ganzen würde ich mir wünschen, dass sie in Zukunft eine etwas genauere Recherche durchführen und die Studien, auf die sie sich beziehen vielleicht auch zu lesen. Werden Sie Ihrer Verantwortung den Lesern gegenüber gerecht.

Mit freundlichem Gruß, T. Schneider

PS vom 15. Juli 2010: Leserbrief vom Hersteller von Lasea

Sehr geehrte Frau Zimmermann,

als wissenschaftlicher Leiter der Firma Spitzner Arzneimittel, die Zulassungsinhaberin und pharmazeutische Herstellerin von Lasea ist, halte ich es für erforderlich, mich an dieser Stelle einzuschalten.

Der Kommentar von Herrn T. Schneider ist inhaltlich leider an einigen Stellen nicht ganz korrekt und bedarf daher einiger Berichtigungen bzw. Ergänzungen.
So schreibt er: „Beide Präparate (Lavendelöl, sowie die Benzodiazepine) wirken über den GABA-Rezeptor, d.h. sie verstärken/modullieren die Wirkung des körpereigenen GABA (GammaAminoButterSäure = ein dämpfender/inhibitorischer Neurotransmitter).“

Mein Kommentar:
Es wäre sehr interessant zu wissen, auf welche Erkenntnisse Herr Schneider seine Aussage zu Lavendelöl stützt. Silexan (das spezielle Lavendelöl in Lasea) wirkt in seinen therapeutischen Dosen (bestimmungsgemäßer Gebrauch) nicht über das GABA-System. Es wirkt ganz offensichtlich, ähnlich dem synthetischen, bei generalisierter Angststörung zugelassenen Wirkstoff Pregabalin, über eine Hemmung präsynaptischer Calcium-Kanäle, wie Prof. Dr. Walter Müller vom Biozentrum am Pharmakologischen Institut für Naturwissenschaftler in Frankfurt a. M. in seinen Untersuchungen festgestellt hat. Es zeigten sich auch klinisch keinerlei Hinweise für eine Beeinflussung des GABA-Systems.
Insofern muss ich Herrn Schneider hier korrigieren. Die Aussage in der Deutschen Apotheker-Zeitung ist somit korrekt!

Zwar gibt es einige Hinweise für Interaktionen von Lavendelöl und Linalool mit GABA-A-Rezeptoren, die wohl in erster Linie durch eine Modulation der Aktivität und weniger durch eine direkte Bindung verursacht werden. Diese wurden aber grundsätzlich nur bei Konzentrationen deutlich oberhalb von 10 Mikrogramm / Milliliter beobachtet. Zum Vergleich: die maximalen Plasmakonzentrationen von Linalool bei der therapeutischen Anwendung von Lasea liegen bei durchschnittlich etwa 40 Nanogramm / Milliliter und somit 250fach unterhalb dieser Konzentration.

Weiterhin schreibt Herr Schneider: „Laut Prof. Kasper wurde diese Zubereitung an 700 Erwachsenen getestet und mit Lorazepan, ein Benzodiazepin, verglichen.“Die (Gesamt-)Zahl 700 kann sicherlich richtig sein, jedoch ist sie in diesem Satz nicht korrekt. Die Studie, in der Lasea und Lorazepam vergleichen wurden, umfasste 77 Probanden (59 Frauen, 18 Männer; Alter 21-65) und die andere (Phase II) Studie, die sie erwähnen, umfasste 47 Probanden (39 Frauen, 8 Männer; Alter 18-70).“

Mein Kommentar:
Die Probandenzahl liegt im Rahmen unseres nach wie vor laufenden Studienprogramms bei inzwischen ca. 1500 Patienten. Die referenzkontrollierte Studie gegen Lorazepam umfasste insgesamt 78 Patienten. Die erwähnte Phase II – Studie umfasste insgesamt 50 Probanden zwischen 28 und 65 Jahren mit den Diagnosen Neurasthenie (ICD 10 F48.0), posttraumatische Stresserkrankung (PSE; F43.1) oder Somatisierungsstörung (F45.0, F45.1)“.
Ich bitte um entsprechende Berücksichtigung und Korrektur in Ihrem Blog, von dem Sie sicher den Anspruch haben, dass alles wissenschaftlich korrekt dargestellt ist.

Vielen Dank! Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Thomas Weber, Wissenschaftlicher Leiter, Spitzner Arzneimittel

Schweben auf des Adlers Schwingen


Heute kam ein „Care-Paket“ aus Deutschland, wunderbare Naturkosmetik, ohne die ich nicht gerne auskommen möchte. In einer wunderschönen Rosenserviette lag dazu ein Geschenk an mich. Drei unscheinbare Stückchen eines dunkel-gefleckten Holzes, vielleicht 20 Gramm schwer. Da ich gerade am Vorabend Sägemehl und Holzstückchen von der Baustelle unserer Veranda zusammen gekehrt hatte, musste ich schmunzeln: Diese Holzstückchen hätte jeder andere mit in den Feuerholz-Korb gegeben.
Dann wären jedoch viele zig Euro mit verbrannt. Vielleicht wäre nur ein eigenartiger Duft aus unserem geschlossenen Bollerofen entwichen. Denn es handelt sich um Adlerholz, Aquilaria malaccensis Lam. [früher: Aquilaria agallocha Roxb.], dessen beste Qualitäten einen höheren Grammpreis als Gold erzielen. Das ätherische Öl ist nur bei gut sortierten Firmen erhältlich, inzwischen meistens verdünnt. Das daumennagelgroße Fläschchen hat mich vor Jahren bereits ein kleines Vermögen gekostet!
Dieses auch unter dem geheimnisvoll klingenden Namen Oud bekannte ätherische Öl ist sicherlich auch der ungewöhnlichste Duft, den wir für die Aromatherapie zur Verfügung haben. Gleichzeitig ist es eines der teuersten ätherischen Öle der Welt: 1 ml kostet je nach Firma 70 Euro und mehr. In der Bibel wird diese Pflanze unter oft unter dem Namen Aloeholz oder Aloth (Agarwood) als Kostbarkeit erwähnt.
Der begehrte Duftstoff kann nur gewonnen werden, wenn dieser bis zu 40 Meter hohe Tropenbaum aus der Familie der Seidelbastgewächse (Thymelaeaceae) von einem Pilz (u. a. Aspergillus niger) befallen wird und wenn anschließend über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte entsprechende Abwehr- und/oder Heilungs-Reaktionen im Holz stattfinden, die zur Absonderung dieses schweren rauchig-erdigen Duftstoffes führen. Spezialisierte Duftstoffjäger dringen immer tiefer in die Regenwälder Vietnams, Kambodschas, Koreas oder von Laos ein, um infizierte Bäume zu finden. Dabei werden auch (noch) nicht-infizierte Bäume zerstört, da man den Befall nicht unbedingt von außen sieht.
Da das heiß begehrte Agarwood sowohl für die Herstellung von hochwertigem japanischen Räucherwerk unentbehrlich ist als auch – bis zur Erfindung des pharmazeutischen Produktes – als hoch wirksames pflanzliches „Viagra“ galt, muss Aquilaria malaccensis und auch etliche andere Aquilaria-Arten als fast ausgerottet eingestuft werden. Ausführliche Informationen dazu (in englisch) vom britischen Nachhaltigkeitsspezialisten Tony Burfield von Cropwatch.
Aufzucht der Bäume in Plantagen und die Infektion durch Menschenhand haben noch nicht zu befriedigendem Ersatz geführt, der Faktor Zeit kann eben nicht beschleunigt werden. Zudem kann man die Bäume nicht „einfach so“ mit dem Pilz „impfen“, nur 10 Prozent der Bäume erzeugen diese harzartige Substanz.
Aus den Holzstückchen von infizierten und gereiften Bäumen wird mit Wasser eine Maische gebildet und diese dann – oft vor Ort mitten im Wald – destilliert.
Wenige ätherische Öle berühren Menschen so tief wie dieser Duft. Er hat so viele Facetten wie Inhaltsstoffe, die meisten davon im Einprozent-Bereich oder gar weniger. Die Beschreibungen reichen von verbrannt, modrig, erdig über pudrig, balsamisch, warm-einhüllend. Ich habe ihn in meinem zweiten Buch „Das Zugang-zur-Tiefe-der-Seele-Öl“ genannt. Eine meiner Kursteilnehmerinnen brach in der Sekunde des ersten Schnupperns an diesem Duft in Tränen aus. Nach einer Räucherung mit „Eaglewood“ passieren in Träumen oft seltsame oder wenigstens auffällige Dinge. Euphorie und Hochgefühle (Fliegen wie ein Adler) ergreifen manche Menschen, je nachdem, in welchem Seelenzustand sie sich gerade befinden.
Schon auf Grund des hohen Preises ist Adlerholz kein Alltagsöl, es wird wohl auch kaum für die körperlichen Indikationen wie Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt werden. Es schenkt einem vielmehr eine kleine Auszeit aus dem Alltagstrott, es führt in einen Besinnungsmoment auf das Wesentliche und kann als Verwöhnöl für sich oder seine(n) Liebste(n) das sprichwörtliche Hohe Lied der Liebe olfaktorisch untermalen. Dafür verdünnt man es maximal 0,5-prozentig und mischt es mit feinen Lieblingsölen wie Champaca, Jasmin oder Vanille in Jojobaöl. Oder ganz biblisch mit Myrrhe, Weihrauch und Rose sowie jeweils einer Spur Kalmuswurzel und Cassiazimt. Eine solch biblisch inspirierte Mischung kann man in Deutschland als Körperöl oder auch pur für die Räucherlampe bei Professor Wabner’s Ätherische-Öle-Firma Wadi erwerben.
In Japan, dem eigentlich recht westlich orientierten Land, spielt die Räucher-Zeremonie des Duft-Lauschens noch einen hohen Stellenwert: Kodo. Sie ist ohne Adlerholzduft nicht denkbar. Die abgebildeten Räucherstäbchen der Firma japanischen Traditionsmanufaktur Shoyeido duften deutlich nach Oud und laden zur Achtsamkeit und Sparsamkeit ein: Das Päckchen hat mich mal fast 60 DM gekostet! Aber sie sind es wert, man benötigt ohnehin nur wenige Zentimeter für einen wundervollen Duft im Zimmer.
Wer englisch lesen kann, sollte sich auf folgenden zwei Websites die Artikel über die Hintergründe der Gewinnung von Adlerholz lesen: Trygve Harris, ein Fachfrau für erlesene ätherische Öle aus New York berichtet über eine Reise in die Adlerholz-Wälder und zeigt auch sehr informative Fotos. Der Duftexperte und Indien-Reisende Christopher McMahon beschreibt auf seiner sehr informativen Website den Duft und alles Drumherum auch ausführlich.
„Narde und Safran, Kalmus und Zimt, mit allerlei Bäumen des Weihrauchs, Myrrhen und Aloe mit allen besten Würzen.“ Hohelied 4:14