chemotypen – frühe entdeckungen [teil 2]


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIm ersten Teil meiner Zusammenfassung über das Wesen der Chemotypen von einigen Ätherisch-Öl-Pflanzen ging vor allem um therapeutische und pflegerische Unterschiede (hier kann er nochmals gelesen werden klick!).

Heute geht es um die Geschichte der Entdeckung der vielgestaltigen biochemischen Zusammensetzung von Duftpflanzen, die äußerlich identisch sind, also den gleichen botanischen Namen tragen. Doch durch äußere Einflüsse liefern sie vollkommen unterschiedliche ätherische Öle. Von sanft bis hautreizend, von fein duftend bis stark riechend.

Das Prinzip der Chemotypen wurde bereits 1906 vom österreichischen Botaniker Otto Stapf (1857-1933) beobachtet. Für das ‚Bulletin Nr. 8 1906’ des britischen Botanischen Gartens in Kew bei London schrieb er einen interessanten Artikel über ein und dieselbe botanische Art, nämlich über Cymbopogon nardus (L.) Rendle (früher Andropogon), und wie sie unterschiedliche chemische Schwerpunkte, also Inhaltsstoffe ausbilden kann. Er weist auf die Ähnlichkeit mit Lemongrass (Cymbopogon citratus und C. flexuosus) hin und beleuchtet auch andere ähnliche, kaum unterscheidbare tropische Süßgräser. Er sprach von ‚physiologischen Rassen’.

Dem heute noch sehr aktiven französischen Forscher, Dozent, Fachbuchautor und Gründer des renommierten belgischen Öleanbieters Pranarôme, Pierre Franchomme (geb. 1943) haben wir das heutige Wissen und die Verfügbarkeit von gänzlich unterschiedlichen Chemotypen des Thymianöles zu verdanken.

Der komplette, recht lange Artikel ist auf meinem jährlichen Newsletter erschienen, der kürzlich an seine AbonnentInnen versendet wurde, er kann hier (klick!) gelesen werden. Soweit ich weiß sind diese historischen Fakten rund um die Entdeckung und die Vergleiche von Chemotypen bei ätherischen Ölen zum ersten Mal niedergeschrieben worden. Es sind auch einige neuere Studien im Newsletter beschrieben, beispielsweise über die ‚Stressreduktion bei Angehörigen von Pflegeberufen‘ und über ‚Orangen- und Rosengeranienduft gegen Ängste während der Entbindung‘.

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:: Ein sehr gutes Interview mit Pierre Franchomme (2015, auf französisch) kann hier angeschaut werden (klick!)
:: Ein prima Video mit einer Vorlesung über ätherische Öle bei Viren-Erkrankungen mit Pierre Franchomme (auf französisch) gibt es hier (klick!)
:: Der Titel seines neuen (französischen) unglaublich umfangreichen Fachbuches lautet La Science des Huiles Essentielles Médicinales (klick!, 35,24 €), in diesem Buch befinden sich ein paar kurze Abschnitte über die Geschichte der Chemotypen, die mir die Inspiration gaben, diesem Thema mal etwas gründlicher auf die Spur zu gehen. Merci beaucoup, Monsieur Franchomme!

eigenartige beduftung für babys


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNicht schlecht staunte ich – nein, ich geriet in Schnappatmung – als ich dieses Produkt für Babys ab drei Monaten gestern in einem Drogeriemarkt in Wien sichtete. Da liest und lernt man seit einem Vierteljahrhundert, dass der Inhaltsstoff Campher (=Bornan-2-on, nicht korrekt und der Einfachheit halber auch Borneon genannt) nicht für sehr empfindliche Menschen geeignet ist. Dazu zählen sehr junge Kinder, sehr alte und in der Atmung beeinträchtigte Menschen, Menschen mit Anfalls-Leiden. Auch Menschen mit obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma sind vorsichtig damit zu behandeln. Campher ist der relevante Inhaltsstoff in Rosmarinöl (Rosmarinus officinalis):

  • Im Campher-Chemotyp sind circa 30 Prozent davon enthalten, deswegen wirkt dieses Öl stark kreislaufanregend, den Blutdruck steigernd, durchblutungsfördernd, sekretolytisch (bei Erkältungen den Schleim verflüssigend und lösend).
  • Der etwas teurere Chemotyp 1,8-Cineol, der meistens nur von wirklichen Aromatherapie-Insider-Anbietern verkauft wird, enthält circa 10 Prozent dieses Moleküls.
  • Sehr wenige Firmen bieten den auch selteneren und teureren Chemotypen Verbenon-Myrtenylacetat (ABV) an, kaum ein Apotheker weiß um diese Rarität, die null bis 5 Prozent Campher enthalten kann.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieUnd da sehe ich einen Pad für ein medizinisches Luftbeduftungsgerät, der Rosmarinöl ausdrücklich für Säuglinge ab 3 Monaten anbietet (schwerer als 4,5 kg). Die Anwendung scheint ähnlich zu funktionieren wie in die Steckdose zu gebende elektrische Insektenvertreibungs-Geräte. Hm, ich bin irritiert. Vor allem, warum wird anregender Rosmarinduft mit beruhigendem Lavendelduft kombiniert? Sorgt das Produkt wirklich für ruhigen Schlaf, wie angepriesen? Wäre eine relevante sekretolytische Menge Rosmarinöl enthalten, so dass ein verstopftes Näschen und verschleimte Bronchien Befreiung erfahren würden, wäre ein sehr kleines Baby (zumindest rein theoretisch) gefährdet, weil es den gelösten Schleim noch nicht richtig abhusten kann, vor allem wenn es auf dem Rücken liegt.

Manche Kinderärzte, die fast hysterisch auf den Einsatz von ätherischen Ölen reagieren, begründen ihre Warnung auf genau diese schleimlösende Eigenschaft von sehr vielen Naturdüften. Ich jedenfalls wäre bei meinen Söhnen nie auf die Idee gekommen, ihnen Rosmarin bei Erkältungskrankheiten zuzumuten. Ich habe das fein duftende Öl auch noch nie Eltern mit jungen kranken Kindern empfohlen. Vielleicht ist die in diesen Pads enthaltene Menge dieses Öles auch so extrem gering, so dass sie mehr als Werbeversprechen für ‚Natürlichkeit‘ zu verstehen ist und dieses Pad sorgt tatsächlich ein beruhigend wirksame Lavendelbeduftung.

Es werden also entweder zwei Prinzipien der ganzheitlichen Aromatherapie und Aromapflege nicht beachtet oder es ist keine nennenswerte Menge Rosmarin im Produkt enthalten. Hat jemand von euch dieses Produkt bereits ausprobiert? Ich würde gerne über die Duftqualität und die Erfahrungen hören!

chemotypen – warum bescheid wissen nützlich ist [teil 1]


Thymianarten_beschrKürzlich verfolgte ich auf Facebook eine Diskussion, in der es um Chemotypen vom Thymianöl ging. Jemand meinte, es sei doch nicht wichtig, sich mit diesem Unterschied zu befassen. Hoppla, dachte ich mir, da hat jemand allenfalls eine theoretische „Ausbildung“ in Aromatherapie durchlaufen. Wer die Gelegenheit hatte, die unterschiedlichen Thymianöle ausgiebig schnuppernd zu vergleichen, wird Welten zwischen diesen Düften fest stellen können.

In Prüfungen, die ich abnehme, bekommt jede/r Proband/in zwei konträre Öle zu riechen, also beispielsweise Thymian Ct. Linalool und Thymian Ct. Thymol. Weil die Prüflingen naturgemäß immer sehr aufgeregt sind, muss gar nicht identifiziert werden, um welche Pflanze oder um welches Öl es sich handelt, schon gar nicht verlange ich den wissenschaftlichen Namen der Pflanze. Nein, ich frage ganz einfach: Welches Öl würdest du einem Kleinkind geben, welches nicht? Welches Öl passt eher zu einem robusten und ingesamt gesunden Mann (der momentan erkältet ist)? Welches Öl würdest du eher einer sehr alten zarten Frau gegen ihren Husten einreiben?

Bislang konnte jede/r diese Fragen beantworten, wenn die Nase sich beteiligen durfte/konnte. Das ist einer der Gründe, warum ich gegen Fernstudien ganz ohne Präsenzunterricht bin. Bei manchen Naturdüften geht es nicht ohne Nase (eigentlich bei allen!). Als zukünftige Fachperson für ätherische Öle, MUSS man sich mit den unterschiedlichen Gerüchen der Chemotypen mancher Öle auskennen und sie möglichst er-riechen können. Ist in einem Rosmarin besonders viel Campher enthalten, verwende ich es nicht bei Kleinkindern und schwangeren Frauen, duftet Myrtenöl eher blumig-süß statt eukalyptusartig, werde ich ersteres eher dem Asthmatiker empfehlen. Ganz zu schweigen von der Gesamtqualität von ätherischen Ölen: Diese sollte nach einiger Erfahrung gerochen werden können, also ob etwa bei Rosenöl oder Jasminabsolue tüchtig mit Labormolekülen nachgeholfen wurde oder nicht, ob Lindenblüte natürlichen Ursprungs ist oder synthetisch (letzteres duftet sogar meistens viel besser 😦 ).

Thymian_x_citriodorus_xsAuch ist die geschulte Nase beim Beurteilen, ob ein Naturduft zumutbar für die Haut ist, immens wichtig: Selbst Lavendel hält nicht ewig (strenge Stimmen sagen nur 1,5 Jahre, wenn empfindliche Haut damit behandelt werden soll), Lemongrass verliert mit der Zeit seine frisch-zitronige Note, Mandarine erinnert leider viel zu schnell an verschimmeltes Obst, Teebaum weckt Assoziationen an Pinselreiniger. Wie soll man diese immens wichtige Qualitätskontrolle per Fernstudium lernen?! Und wie soll man die tiefe innere/seelische Wirkung von Naturdüften erfahren können, wenn man nicht in Ruhe an ihnen schnuppern kann!!?? Doch nun zurück zum Thymian.

Das ätherische Öl aus den Zweiglein und Blättchen des  Thymus vulgaris wird aus (mindestens) sechs Chemotypen destilliert, also aus Thymianpflanzen mit sechs unterschiedlichen chemischen Schwerpunkten (oder Leitsubstanzen). Je nachdem wie hoch auf dem Berg oder wie nah am Meer das Heilkraut wächst, reagiert es unter anderem auf die UV-Strahlung und bildet andere Inhaltstoffe in unterschiedlichen Zusammensetzungen aus.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDas klassische, seit Jahrhunderten in der Medizin bekannte Thymianöl stammt aus Pflanzen in eher niedrigen Lagen und ist reich an Thymol und Carvacrol, das sind stark wirksame Monoterpen-Phenole (Moleküle aus 10 Kohlenstoffatomen, die sich innerhalb des Moleküls zu einer Sechserkette „verknoten“). Diese sind für fast jeden krank machenden Mikroorganismus fatal. Man nannte diese zwei streng duftenden Öle früher Thymian rot (Ct. Thymol) und Thymian schwarz (Ct. Carvacrol), da beide Moleküle die Eisendestille angreifen und sich das Öl dann entsprechend verfärbt. Heute werden jedoch fast nur noch Edelstahldestillen bei der Produktion eingesetzt, so dass das Öl transparent-hellgelb ist. Die bekanntesten Chemotypen von Thymus vulgaris L. sind:

Thymian Ct. Thymol (Thymus vulgaris L.) enthält – je nach Lieferant – zwischen 35 und 55 Prozent Thymol und ist somit eines der besten Öle bei der Abwehr von Infektionen im HNO-Bereich und bei Pilzinfektionen, vor allem der Füße. Zudem ist es hilfreich bei Schmerzen von Gelenken und Muskeln. Da die Monoterpen-Phenole jedoch auch stark haut- und schleimhautreizend wirken, darf für den Hausgebrauch immer nur eine maximal 1%-ige Verdünnung auf die Haut aufgetragen werden

Die selteneren Thymianöle gedeihen nur in hohen und mittleren Lagen (benötigen also mehr ultraviolettes Licht, um die sanften Inhaltsstoffe auszubilden), sie sind wesentlich kostenintensiver, eignen sich jedoch wegen ihres hohen Gehaltes an verschiedenen hautfreundlichen Monoterpenalkoholen Linalool, Thujanol-4 und Geraniol besser für die Selbstbehandlung.

Thymian Ct. Linalool (Thymus vulgaris L.) findet man fast immer bei gut sortierten Ölefirmen, dieses fein duftende Öl beeinflusst den Atemtrakt positiv bei Erkältung, Husten, Bronchitis, Ohrenschmerzen und Stirnhöhlenentzündung – insbesondere sehr empfindlichen (älteren) oder beeinträchtigten Menschen und bei Kindern.

Thymian Ct. Thujanol-4 (Thymus vulgaris L.) ist schwer zu kultivieren und darum eher eine seltene und kostenintensive Rarität (das Öl kann über 30 Euro für 5 ml kosten!). Es wirkt stark antiviral und zeigt insbesondere bei gynäkologischen Clamydien-Infektionen gute Erfolge.

Thymian Ct. Paracymen [auch p-Cymen] (Thymus vulgaris L.) ist in der französischen Aromatherapie beliebt als starkes Mittel bei Gelenk- und Muskelschmerzen, das Öl kann je nach Gehalt an p-Cymen bei empfindlicher Haut irritierend wirken.

Thymus_serpyllum_Sandthymian_xs

Andere Thymian-Arten, die also keine Thymus vulgaris L. sind, können auch gut in der Aromatherapie eingesetzt werden, auch unter ihnen sind Chemotypen bekannt.

  • Thymus mastichina (L.) L. enthält bis zu 75 Prozent 1,8-Cineol, duftet also eukalyptusartig-frisch. Da das Öl in seiner Heimat Spanien als mejorana bekannt ist, ist es im deutschsprachigen Bereich oft als (Wald-)Majoran zu finden, es setzt sich jedoch völlig anders als das Öl des echten Majoran (Origanum majorana) zusammen. Es ist ein ausgezeichnetes Anti-Erkältungsöl, das auch Kinder gut vertragen, da es weder stechend noch medizinisch riecht.
  • Thymus serpyllum L. ist der in ganz Europa auch wild wachsende Quendel, sein Öl kann in Zusammensetzung und Duft sehr unterschiedlich ausfallen.
  • Thymus zygis L. aus Spanien gilt gegenüber dem Thymian Ct. Thymol-Öl aus der Provence als nicht so hochwertig, seine bis zu 75 Prozent an hautreizendem Thymol machen die Anwendung für Laien schwierig. Diese Pflanze kann auch einen seltenen milden Linalool-Chemotyp hervorbringen.
  • Thymus capitatus (L.) Hoff. et Link. (oder Coridothymus capitatus) wird auch Spanischer Oregano genannt, durch den Gehalt von bis zu 70 Prozent hautreizendem Carvacrol ist es nicht für den Hausgebrauch geeignet.
  • Thymus citriodora ist eine unkorrekte Bezeichnung für Thymus x citriodorus (Pers.) Schreb., das ist der Zitronenthymian, oft wird jedoch der Linalool-Typ auch
    als Zitronenthymian bezeichnet.

Achtung: Die phenolhaltigen Thymianöle, also Chemotyp Thymol und Chemotyp Carvacrol sollten niemals unverdünnt auf der Haut verwendet werden und nicht dauerhaft bei sehr hohem Blutdruck im Einsatz sein, sie gehören nicht in die Hände von medizinischen Laien.

Studie: Eine nützliche wissenschaftliche Arbeit zu Thymianöl und seine Wirkung gegen vielfach resistente Bakterienstämme, die im klinischen Bereich vorkommen: Sienkiewicz M, Lysakowska M, Denys P, Kowalczyk E: The Antimicrobial Activity of Thyme Essential Oil Against Multidrug Resistant Clinical Bacterial Strains. Microb Drug Resist. Microb Drug Resist. 2012 Apr;18(2):137-48.

Thymus_mastichina_webAusprobieren: Zwei Öleanbieter führen jeweils etliche Thymianöle: Maienfelser hat derzeit 17 (!) unterschiedliche Thymianöle im Angebot, Oshadhi und Ronald Reike bieten immerhin jeweils acht unterschiedliche Thymiandüfte.

Abbildung T. mastichina: Vielen Dank an Patrizia Wyler Cassani, die extra für mich in den Botanischen Garten zum Fotografieren ging, damit auch ich mal lerne, wie die Rarität des hübschen Thymus mastichina aussieht!

myrtenöle und ihre chemotypen


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Myrtenblüte (Myrtus communis L.)

Myrte (Myrtus communis L.) ist ein Mittelmeer-Strauch, der kleine weiße puschelige Blüten trägt. Er kann nicht mit dem in der heißen trockenen Wüstengegend Somalias beheimateten kargen Baum namens Myrrhe verwechselt werden (ich schrieb im vorherigen Blog-Beitrag (klick!) über das Myrrhe-Harz).

Je nachdem wo die auch Brautmyrte genannte Pflanze wächst und wie sie nach der Ernte verarbeitet wird, wird das nach der Wasserdampf-Destillation entstehende ätherische Öl unterschiedlich duften und sogar unterschiedlich gefärbt sein. Anders als die sehr medizinisch duftenden Anti-Erkältungsöle wie Eukalyptus, Cajeput und Ravintsara enthalten Myrtenöle meistens Spuren von Butyraten, das sind Ester der Buttersäure, die den Ölen fein-fruchtig duftende Untertöne verleihen. Diese an Ananasduft erinnernden Duftmoleküle sind auch in diversen Obstsorten enthalten: Äpfel, Bananen, Birnen, Erdbeeren u.v.a. Butyrate tragen auch zum feinen Duft des teuren ätherischen Öles der Römischen Kamille bei und tragen zur ungewöhnlich angstlösenden und entspannenden Wirkung bei.

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Myrtenstrauch

In der TÜRKEI werden die Myrtenzweige nach dem Beschneiden der auch gut als immergrüne Hecke wachsenden Gewächse sofort destilliert. Das Ergebnis ist ein frisch-medizinisch duftendes ätherisches Öl, das an Eukalyptus und Cajeput erinnert, jedoch durch seinen geringeren Gehalt an Eukalyptol (Fachbegriff 1,8-Cineol) milder ist. Das farblose oder ganz wenig gelbliche Öl eignet sich gut für Hals-Nasen-Ohren-Probleme von empfindlichen Menschen wie Kindern ab circa zwei Jahren und auch für sehr empfindliche Senioren oder Menschen mit allerlei Beeinträchtigungen.

Monoterpene

  • 24,5 % α-Pinen
  • 3 % andere Monoterpene

Sesquiterpene

  • 0,8 % β-Caryophyllen

Monoterpenole

  • 9,5 % Linalool
  • 4 % α-Terpineol und andere Monoterpenole

Monoterpen-Ester

  • 4,6 % Myrtenylacetat
  • 3 % andere Monoterpen-Ester

Oxide

  • 43,7 % 1,8-Cineol

Quelle: Primavera Life (Myrte türkisch), hier (klick!) erhältlich, ein ähnliches Öl auch in Bioqualität ist bei Maienfelser erhältlich.

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Myrtenzweig

In NORD-AFRIKA (Tunesien, Marokko) werden die Myrtenzweige nach dem Schneiden traditionell angetrocknet, so intensiviert sich das Aroma des destillierten ätherischen Öles, der ‚medizinische‘ Duft wird verringert und der Gehalt an entspannungsfördernden Monoterpen-Estern ist erhöht. Der Anteil an 1,8-Cineol ist immer noch hoch genug, um bei Hals-Nasen-Ohren-Beschwerden hilfreich zu sein, zusätzlich sorgt der erhöhte Anteil an Estern für Entspannung und besseren Schlaf. Dieses Öl ist optimal für die Behandlung von sehr empfindlichen Menschen geeignet. Leider ist dieser fein duftende Chemotyp des leicht rötlich bis zart dunkel-orangefarben gefärbten Myrtenöles nicht sehr häufig erhältlich, bei Feeling (klick!) und bei Neumond (klick!) bin ich fündig geworden, Farfalla (klick!) hat ein ähnliches Öl aus Frankreich.

Idealerweise setzt man die türkische Myrte tagsüber ein, denn das Öl fördert einen klaren Kopf und hilft auch bei Konzentrationsproblemen, die nord-afrikanische Myrte wäre der perfekte Begleiter für das Schlafzimmer, da sie nicht nur beim Durchatmen hilft, sondern auch unruhige und ungeduldige PatientInnen in Morpheus‘ Arme schicken kann.

Monoterpene

  • 27,6 % Limonen
  • 19,8 % α-Pinen

Sesquiterpene

  • 0,8 % β-Elemen
  • 0,4 % β-Caryophyllen

Monoterpenole

  • 3,2 % α-Terpineol
  • 2,1 % Linalool 1,2 % Myrtenol

Monoterpenester

  • 19,2 % Myrtenylacetat
  • 2,4 % Geranylacetat

Oxide

  • 15,9 % 1,8-Cineol

Quelle: Primavera Life (Myrte marokkanisch)

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Myrtendestillation in Peru

Eine Rarität, die es nur bei Primavera gibt, ist das Myrtenöl aus PERU. Der deutsche Marktführer unterstützt dieses Projekt seit Jahren. Die Myrtenpflanze entwickelt durch die extreme Höhenluft ganz andere Inhaltsstoffe und einen komplett anderen Duft. Ihr Anteil an schmerzlinderndem Pinen ist sehr hoch, so dass dieses Öl prima in Schmerzzubereitungen verarbeitet werden kann. Ich mag es in winziger Konzentration in Raumdüften auf Grapefruit- oder Orangenölbasis, sie bekommen durch diese Rarität das „gewisse Etwas“.

Monoterpene

  • 63,7 % α-Pinen
  • 6,8 % β-Pinen

Sesquiterpene

  • 0,4 % α-Selinen
  • 0,3 % β-Caryophyllen

Monoterpenole

  • 5 % Linalool

Oxide

  • 9,8 % 1,8-Cineol

Andere

  • 0,3 % Ethyl-2-methylbutyrat

Quelle: Primavera Life (Myrte Anden, hier [klick!] erhältlich)

Mein Lieblings-Raum- und Autospray

  • 50 ml Wodka
  • 20 Tropfen Grapefruitöl
  • 20 Tropfen Orangenöl
  • 1-2 Tropfen Myrte Anden
  • 1-2 Tropfen Gewürznelkenöl (oder Zimtblätter)

In einer Braunglas-Sprühflasche vermischen und vor jeder Anwendung gut durchschütteln.

Myrtenhydrolat ist in der englischsprachigen Duftwelt für die Behandlung von Konjunktivitis (Augen-Bindehautentzündung) bekannter als Rosenhydrolat, es ist in alkoholfreier Qualität bei Maienfelser (klick!) und in der Bahnhof-Apotheke (klick!) bestellbar, letzteres steril abgefüllt und mit dem hygienischen Sterilfilter ausgestattet, so dass es auch für entzündete Augen von Säuglingen eingesetzt werden kann.

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Luma apiculata (Myrtus luma, Amomyrtus luma)

Es gibt viele Dutzend Myrtenarten, manche tragen jedoch inzwischen andere botanische Namen. Während der Duftwochen, die hier bei mir in Irland stattfinden (für Infos hier klicken!), führen uns unsere Wege nicht nur zu einer in unserer Region überall wuchernden chilenischen Andenmyrte namens Luma apiculata (deren schwarzrote Früchte wir im Frühwinter essen können und deren zimtfarbenes eisenhartes Holz gelegentlich in unserem Kamin landet)…

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Myrtus lechleriana

…sondern auch zur bereits im April/Mai bezaubernd blühenden und duftenden Myrtus lechleriana (Miq.) Sealy, die auch aus Chile stammt.

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Myrtus obcordata (Lophomyrtus obcordata)

Auch die neuseeländische Myrtus obcordata (Raoul) Hook. f., die hübsche herzchen-förmige Blätter hat, kann bestaunt werden.

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Myrtus bullata (Lophomyrtus bullata)

Besonders witzig sieht Myrtus bullata Salisb. mit ihren ‚verbeulten‘ Blättern aus, auch sie stammt aus Neuseeland.

Ugni_Beeren_CollageNoch eine ganz enge Verwandte steht bei uns im Garten und liefert uns derzeit ausgesprochen lecker nach Erdbeeren schmeckende Früchte: die Chilenische Guave, früher Myrtus ugni genannt, heute heißt sie Ugni molinae Turcz. Sie war die Lieblingsfrucht von Königin Victoria und ist gelegentlich unter dem Namen Tazziberry zu finden.

Die wundervoll duftende ‚Zitronenmyrte‘ (Backhousia citriodora F.Muell.) ist übrigens keine Myrte, der deutsche Name ist irreführend, ich habe sie hier (klick!) vorgestellt. Wer sich noch mehr mit der riesigen Familie der echten Myrten beschäftigen möchte, wird auf der Seite des engagierten Sammlers Jens Rathke fündig: myrtus-communis.de

Foto Peru: © Monika Volkmann

wir essen täglich ätherische öle


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Ätherische Öle in bekannten Lebensmitteln. Auf die Tabelle klicken zum Vergrößern!

Während ich mir heute ein feines Süppchen aus Bio-Lauch – liebevoll gehegt und gepflegt von unserem deutschen Nachbarn Stefan – zubereitete, dachte ich über die täglichen Portionen an ätherischen Ölen, die wir zu uns nehmen sollten, nach. Ich weihte für das einfache Gericht auch unsere neue hervorragende Muskat-Reibe ein und gab damit nochmals ätherisches Öl ins Essen. Wie viele Lebensmittel und Gewürze/Kräuter, die reich an ätherischen Ölen sind, leiden Muskat und Lauch/Porree extrem an vorzeitiger Zubereitung: Man sollte also Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Bärlauch nie auf Vorrat klein schneiden (und gar tagelang aufbewahren). Auch Muskat will frisch gerieben werden und sofort in die Speisen gegeben werden.

Beim Kochen also dachte ich mir, dass ich mal eine „kleine Tabelle“ zusammenstellen könnte, damit auch Aroma-AnfängerInnen sich davon überzeugen können, dass es viele Ätherisch-Öl-Lebensmittel gibt, von denen wir alle sicherlich jeden Tag zumindest einige verspeisen. So, und nun sind wieder einige Stunden vergangen und eine kleine Doktorarbeit ist erstellt! Knoblauch & Co habe ich übrigens nicht in die Tabelle gepackt, da es deren ätherische Öle selten zu kaufen gibt und sie auch in der Aromatherapie keine Rolle spielen. deren ätherische Öle enthalten vor allem Diallyltrisulphid und Diallyldisulphid sowie deren Derivate, schwefelige Verbindungen also. Wer ätherisches Öl vom Knoblauch kaufen möchte, kann es hier in einer küchenfertigen Verdünnung bestellen (pur ist es ohnehin kaum zu ertragen!)

Ich habe inzwischen für die Neuauflage meines Fachbuches weit über hundert wissenschaftliche Arbeiten gewälzt, die sich mit der antitumoralen Wirkung von ätherischen Ölen (oder deren Bestandteilen) befassen. Mir ist dabei klar geworden (und später durch drei Wissenschaftler bestätigt worden), dass eine der biologischen Aufgaben von ätherischen Ölen in der Prävention von amoklaufenden Zellen, sprich der Tumorvorsorge, liegt. Es gibt leider nur wenige Studien, die sich mit lebenden Menschen, die an Krebserkrankungen leiden, befassen. Und wenn, dürfen nur solche Patienten an den Experimenten teilnehmen, die bereits als austherapiert gelten (irgendwie unfair diesen duften natürlichen Medikamenten gegenüber, dann helfen die meisten Chemotherapeutika auch nicht mehr). Doch Zellkulturen (und leider auch viele Tierstudien) zeigen eine eindeutige Richtung. Freilich ist der menschliche Körper ein kompliziertes Gebilde aus unterschiedlichsten Zellen und Geweben, so dass man diese einfachen Experimente nicht ohne weiteres aus den kranken Körper übertragen kann (schade!).

Dennoch bekommt durch diese Erkenntnisse die Empfehlung, dass man frische und möglichst lokale erzeugte Lebensmittel verspeisen sollte, eine neue Dimension. Denn bei allem, was tage- oder gar wochenlang herbei gekarrt wird und das dann womöglich noch „ewig“ in Lagerhallen* auf den Verkauf wartet, verflüchtigen sich die ätherischen Öle, sie sind nunmal stark flüchtig, winzige Moleküle, die sich in „jede Windung“ unseres Körpers begeben können, um dort zu regulieren und der Gesundheit auf die Sprünge zu helfen.

Es gibt KollegInnen, die lehren (sollen), dass man ätherische Öle NIEMALS innerlich einnehmen darf. Dieses Thema sollte jedoch endlich differenziert betrachtet werden. Wir MÜSSEN aus gesundheitlichen Gründen ätherische Öle essen! Wir dürfen jedoch NICHT wahllos und ohne Schulung das konzentrierte Ergebnis einer Kräuter- oder Gewürzedestillation in unser Essen geben. Also der Umgang – insbesondere die Einnahme – mit den ätherischen Ölen in der braunen Fläschchen muss gelernt sein und verantwortungsvoll durchgeführt werden. Selbst beim Umgang mit Zitrusschalenölen (die ja nicht destilliert sind, sondern abgeraspelt) muss mit viel Fingerspitzengefühl gewürzt werden (oder würden Sie die Schalen von 10 Zitronen in eine Nachspeise für 4 Personen raspeln? das könnte einem Tropfen Zitronenöl entsprechen).

  • Für den öffentlichen (Koch/Gastronomie)-Bereich zugelassene Öle gibt es bei Vegaroma.
  • Essbare Mischungen und ein Rezeptbüchlein gibt es bei Feeling.
  • Das Kochbuch der Ätherisch-Öl-Speisenzubereitung-Pionierin Maria Kettenring heißt Duftküche.
  • Das Kochbuch aus Österreich für die Alltagsküche von Sabine Hönig und Ursula Kutschera heißt Aromaküche.

Quellen für die Tabelle: George A. Burdock: Encyclopedia of Food & Color Additives und Robert Tisserand: Essential Oil Safety

*Mir haben mal zwei Personen unabhängig voneinander erklärt, dass sowohl Orangen als auch Bananen bis zu drei Jahren gelagert werden dürfen, bevor sie in den Verkauf gelangen! Weiß jemand mehr oder kennt zuverlässige Literatur dazu?

aromatherapie bei bauchschmerzen und seelentiefs


AiDA Schule für Aromatherapie Eliane Zimmermann1-Methoxy-4-(2-Propenyl)-Benzen: Wenn ich in meinen Kursen dieses Wort verwenden würde, käme vermutlich niemand mehr. 1-Allyl-4-Methoxybenzen würde vermutlich auch nicht zu einem großen Publikum führen. Nehme ich das Wort Methylchavicol in den Mund, schmunzeln zumindest die „alten Hasen“ und erfreuen sich an den wunderbar entkrampfend wirksamen Eigenschaften dieses Moleküls. In den meisten Aromatherapie-Büchern ist der Einfachheit halber von Estragol die Rede. Alle vier Wörter meinen den gleichen estragon-artig-würzigen Duft, benennen dieses Phenylpropan. Es ist der Hauptbestandteil des namensgebenden ätherischen Öles (bzw. Würzkrautes), es kann auch der Hauptinhaltsstoff von einigen Basilikumölen sein (je nach Herkunft und Chemotyp), diese werden in der Aromatherapie viel mehr eingesetzt als Estragonöl.

Weil dieser Stoff so wunderbar bei Stresszuständen und stressbedingten Symptomen einzusetzen ist, nenne ich mein Lieblings-Basilikumöl (aus CO2-Extraktion) gerne „Scheiß-Egal-Öl“, das hört sich flapsig-respektlos-unanständig an und nicht annähernd so kompliziert wie obige Begriffe, doch können es sich fast alle Kursteilnehmer auf Anhieb merken 😉 . Es ist ein Öl, das bereits in winzigen Konzentrationen der überlasteten Seele hilft und somit immer stark verdünnt eingesetzt werden sollte (1% und weniger), mehr würde ohnehin eher stinken. Die Kombination mit Bergamotte, Mandarine und/oder Orangenschalenöl duftet und wirkt besonders gut.

Der Einfluss dieses Moleküls auf die Reiz-Weiterleitung im Nervensystem (insbesondere auf die Natriumkanäle) wird in dieser ganz neuen brasilianischen wissenschaftlichen Arbeit beschrieben: Silva-Alves KS, Ferreira-da-Silva FW, Peixoto-Neves D, Viana-Cardoso KV, Moreira-Júnior L, Oquendo MB, Oliveira-Abreu K, Albuquerque AA, Coelho-de-Souza AN, Leal-Cardoso JH. Estragole blocks neuronal excitability by direct inhibition of Na+ channels. Braz J Med Biol Res. 2013 Dec 2;46(12):1056-1063, man kann diese Studie hier kostenlos runterladen (in englischer Sprache). Allerdings sollte man sich gut mit Zellphysiologie auskennen, um diesen Text zu verstehen 😦 man kann jedoch aus der Quintessenz dieser Studie schließen, dass ätherische Öle, die reich an Estragol sind, eine lokalanästhetische Wirkung haben müssten.

Methylchavicol ist übrigens ein chemischer (zweieiiger) Zwilling (Isomer) von Anethol, dem Hauptbestandteil von Fenchelöl, Anisöl, Ravensaraöl (nicht zu verwechseln mit Ravintsara!) und manchen Agastacheölen (Anisysop). Beide oben abgebildeten Öle (Basilikum und Fenchel) sind unschlagbar bei krampfhaften Bauchbeschwerden, vor allem wenn sie durch eine Wärmflasche unterstützt werden. In meinem Aromachemie-Rap heißt es dazu – auch leicht zu merken: Estragol und Anethol die sind nicht arm, vertreiben jede Luft aus deinem Darm. Zudem kann Basilikumöl Wunder wirken bei unspezifischer Anosmie, d.h. wenn jemand nicht mehr riechen kann, ist es möglich durch mehrmals tägliches Schnuppern an diesem Duft irgendwelche stockenden Nervenübertragungen zwischen Nase und Gehirn/Riecharealen wieder zu aktivieren (mehr dazu habe ich bereits hier und hier klick! geschrieben, auch über die vermeintlichen Gefahren des isolierten Inhaltsstoffes gibt es dort Informationen und Links). Wer auf Facebook unterwegs ist, kann sich hier mit Anosmie-Betroffenen austauschen.

PS Wer meinem Musikstudenten-Sohnemann einen riesigen Gefallen tun möchte, schaut und hört mal sein erstes Musikvideo an und schenkt ihm ein ‚like‘ (wenn’s gefällt, Achtung, Ohrwurm-Gefahr!), hier geht’s zum Youtube-Video (gerne auch weitergeben an Musikfreunde).

die moleküle, die angst und der nobelpreis


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyWie schon vielfach erlebt (und darüber gelächelt und immer wieder geschätzt), konnten die KursteilnehmerInnen der vergangenen zwei Tage meine Faszination über die duften Moleküle gegen Ende der Veranstaltung nachvollziehen. Sie waren überrascht, dass einige davon, die man fast „pflanzliches Serotonin“ nennen könnte, uns glücklich stimmen können (beispielsweise Methyl-N-Methylanthranilat und 4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd, Abbildung). Wie andere dufte Moleküle Schmerzen lindern können (beispielsweise p-Cymen und Myrcen), Krebszellen zum Schrumpfen bringen können (beispielsweise Limonen und Ionon) und Viren schachmatt setzen können (beispielsweise Citronellal). Wie die wunderbar duftenden Gemische daraus uns Menschen in so vielen Bereichen helfen können. Gerade weil sie  Vielstoffgemische sind (von der modernen Pharmazie gerne beschimpft) und somit immer unterschiedliche Ziele (targets) im Körper gleichzeitig ansteuern können.

Und während ich das große Orchester der natürlichen Duftstoffe präsentierte und die KursteilnehmerInnen Ketten malten, Moleküle bauten und in Aufstellungen visualisierten („Chemie-Gymnastik“), ging der Telefonanruf des Nobelpreis-Kommitees in die USA, zu zwei Forschern, die bestimmte Moleküle in unserem Körper erforscht und entschlüsselt haben, welche es uns überhaupt erst ermöglichen, Düfte und Geschmäcker (und viele andere Sinneswahrnehmungen) wahrzunehmen.

Die Angst vor dem Wort „Chemie“ und „Molekül“ ist riesig, wie ich immer wieder vor meinen Kursen „Tanzende Moleküle“ (auch „Freundliche Moleküle“) feststelle. Chemielehrer sind wohl weltweit darauf spezialisiert, Kindern die Faszination über viele Wunder der Natur auszutreiben. Oder sie sind einfach nicht in der Lage, dieses Thema lebensnah und verständlich rüber zu bringen. Wie damals mein wirklich lieber Chemielehrer, der mir regelmäßig zu einer glatten 5 (in Deutschland die zweitschlechteste Note) verhalf. Ich bin so froh, dass ich mit Hilfe der ätherischen Öle, meiner Nähe zu den Duftpflanzen in unserem Garten und in meiner paradiesischen Umgebung in Irland, dennoch den Zugang zu dieser vielschichtigen Materie fand.

Aufgrund meiner anfänglichen Schwierigkeiten damit, scheine ich nun in der Lage zu sein, mit vielen Bildern, Bastelübungen, Eselsbrücken und sogar dem gereimten Aroma-Rap, diese faszinierende Materie allgemein verständlich weiterzugeben. Denn wir Menschen sind auch ein kompliziertes Chemie-Labor, in dem jede Sekunde wundersame Umwandlungen stattfinden. Moleküle machen es erst möglich, dass wir denken, fühlen, atmen, beten und riechen können. Und mit Pflanzen und ihren zu uns passenden „Pflanzenhormonen“ interagieren können, sie uns zunutze machen können. Das alles ist Chemie (und noch viel mehr – welches mit Messungen nicht erfassbar ist).

Ein deutschsprachiger Artikel über die komplizierte Arbeit der beiden Chemie-Nobelpreisträger Robert Lefkowitz und Brian Kobilka mit GPRC (G-Protein gekoppelte Rezeptoren) ist hier nachzulesen (man erfährt, dass Kobilka verbissen weiter forschte, obwohl ihm vor einigen Jahren die Forschungsgelder gestrichen worden waren).

2013-Termine für meine Kurse, welche unter anderem von den faszinierenden „Freundlichen Molekülen“ in Duftpflanzen handeln:

  • 20. und 21. April 2013, bei Zürich
  • 5. Juli 2013, bei München
  • 6. und 7. Juli 2013, bei Zürich
  • 13. bis 20. Juli 2013, in Glengarriff, Südwest-Irland
  • 27. und 28. August 2013, in Bern
  • 27. bis 29. September 2013, in Konstanz
  • 5. und 6. Oktober 2013, bei Zürich

Nähere Infos hier auf der Termine-Seite. Vielen Dank an Dr. Häringer für die Info zum Nobelpreis!

atmen und schnuppern bei der parkinson-krankheit


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEin wunderbares Buch zur Selbsthilfe von Parkinson-Patienten hat Heilpraktikerin und Qigong-Übungsleiterin Annette Köhler aus Kassel verfasst: Richtig atmen bei Parkinson (bei Interesse auf diesen und die nächsten gefetteten Links klicken!). Das Buch zeigt in vielen Schritten, wie sich Betroffene durch effektive Atemübungen länger mobil und „lebendig“ halten können. Unglaublich viele Tipps und Hinweise die alltäglichen Beschwernisse dieser Menschen werden angesprochen und einfach umzusetzende Lösungen aufgezeigt. Dazu ist alles in verständlicher Sprache verfasst, fast jeder Schritt ist mit anschaulichen Fotos illustriert und der Preis unter 20 Euro kann sich auch sehen lassen.

Ein beigefügtes Heft hilft dem Leser und auch den Pflegenden der betroffenen Personen bewusst zu werden, was einem wichtig ist, was einem gut tut, was einen stresst, in welchen Situationen das Zittern gehäuft auftritt etc. Ein kleiner Abschnitt zeigt auch die Möglichkeit, die Atmung mit Eukalyptusöl zu stärken auf.

In einer neuen Auflage dieses Buches würde ich mir noch ein paar mehr Hinweise auf ätherische Öle wünschen, welche die Verkrampfung und die vielfältigen Beschwernisse lindern können, so wie weiter unten beschrieben.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Man weiß heute, dass die Ätherisch-Öl-Pflanze Agnus castus (Keuschlamm) und auch das Öl aus Syzygium aromaticum (Gewürznelke) eine dopaminartige Wirkung aufweisen. Wenn man sich die Formeln anschaut, kann sogar der chemische Laie eine gewisse Verwandtschaft zwischen dem Hauptinhaltsstoff der Gewürznelke namens Eugenol und dem bei dieser Erkrankung defekten Stoffwechsel von Dopamin erkennen. Da dieser Inhaltsstoff auch in anderen ätherischen Ölen enthalten ist, hat man als aromapflegende Person vielfältige Möglichkeiten zur Hilfe.

Morbus Parkinson zählt zu den fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankungen, sie wurde früher Schüttellähmung genannt. Durch ein Absterben entsprechender  Nervenzellen steht nicht mehr genug des Botenstoffes Dopamin zur Verfügung und die Bewegungen des erkrankten Menschen werden immer zittriger, wackliger und starrer. In der Frühdiagnose stellt der Neurologe meistens eine (erhebliche) Störung des Geruchssinnes fest (ich habe hier darüber berichtet).

Shirley Price hat 1996 eine kleine Studie mit 60 Aromatherapeutinnen und 60 Parkinson-Patienten durchgeführt, in der diese MenschenEliane Zimmermann AiDA Aromatherapy regelmäßig über einen Zeitraum von neuen Monaten mit Aromamassagen behandelt worden sind, zunächst einmal wöchentlich (3 Monate) dann einmal monatlich (6 Monate). Es wurden vor allem ester-reiche Öle zwecks körperlicher und seelischer Entkrampfung eingesetzt:

  • Salvia sclarea, Muskatellersalbei
  • Origanum majorana, Echter Majoran
  • Lavandula angustifolia, Echter Lavendel

Auch wenn es sich nicht um eine Studie nach streng wissenschaftliche Kriterien handelte, geben die Verbesserungen bei etlichen Beschwerden doch Anlass zur Nachahmung bei der Pflege von betroffenen Menschen. Es gab drei Gruppen à 20 Personen, in der einen wurde wie oben beschrieben behandelt, in der zweiten gab es entsprechende Produkte zum Anwenden zu Hause (im Bad und als Körperlotion) und die 20 Patienten der dritten Gruppe wurden ohne ätherische Öle massiert. Bei der zweiten Gruppe wurden folgende Verbesserungen fest gehalten:

  • 83% Verbesserung bei Obstipation (Verstopfung)
  • 75% Verbesserung bei depressiver Stimmung
  • 85% Verbesserung bei Schlaflosigkeit
  • 50% Verbesserung bei Steifheit der Körperglieder
  • 28% Verbesserung bei schleppender Sprache
  • 33% Verbesserung bei Zittern
  • 62% Verbesserung bei kraftlosen Körpergliedern

Den Bericht in englischer Sprache kann man hier nachlesen. Zwei wissenschaftliche Tierstudien konnten belegen, dass Ashwagandha-Extrakt (Withania somnifera, Schlafbeere oder Winterkirsche, eine wichtige Heilpflanze im Ayurveda bei vielen Formen von „Altersgebrechen“ sowie Schlaflosigkeit und Impotenz) bei an Parkinsonismus leidenden Ratten und Mäusen die Symptome zu verbessern vermag. [Ahmad M, Saleem S, Ahmad AS, Ansari MA, Yousuf S, Hoda MN, Islam F. Neuroprotective effects of Withania somnifera on 6-hydroxydopamine induced Parkinsonism in rats. Hum Exp Toxicol. 2005 Mar;24(3):137-47] und [RajaSankar S, Manivasagam T, Sankar V, Prakash S, Muthusamy R, Krishnamurti A, Surendran S. Withania somnifera root extract improves catecholamines and physiological abnormalities seen in a Parkinson’s disease model mouse. J Ethnopharmacol. 2009 Sep 25;125(3):369-73]. Leider gibt es wohl keine Belege, dass man diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen kann.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Ich bekomme immer wieder Anfragen, ob man mit ätherischen Ölen etwas GEGEN die zunehmende Beeinträchtigung der täglichen Verrichtungen der betroffenen Menschen tun kann. Mir gefällt die Formulierung „ich tue etwas FÜR“ den Patientin/die Patientin besser. In diesem konkreten Fall habe ich einige Hinweise hier aufgeschrieben, ergänzt um einen wertvollen Hinweis eines Arztes. Wer die Autorin und Heilpraktikerin Annette Köhler kontaktieren möchte, kann das über ihre Website tun.

paraffine in destilliertem rosenöl


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch bin noch auf Reisen und möchte dennoch eine Frage beantworten, die immer wieder mal gestellt wird. Im Fachbuch Aromatherapie – Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis von Prof. Dr. Dietrich Wabner stünde geschrieben, dass in natürlichem (destilliertem) Rosenöl Mineralöl enthalten sei. Das steht nicht im Buch! Herr Wabner führt lediglich die (natürlichen) Paraffine bei der Inhaltsstoffe-Liste auf, die tatsächlich im Öl enthalten sind und zumindest früher ein wichtiges Indiz für die Authenzität des Öles sind. Denn bei Kühlschranktemperaturen flocken diese Pflanzenwachse aus und das Öl ‚geliert‘. Das haben die Duft-Fälscher inzwischen jedoch auch bemerkt und reichern ihre Synthetiköle mit irgendwelchen billigen Paraffinen an, so dass diese auch bei kalten Temperaturen wackelpudding-artig werden.

Paraffin ist das alte Wort für Gemische aus Alkanen und ein Sammelbegriff für Ketten aus gesättigten Kohlenwasserstoffen (mit der die Summenformel CnH2n+2). Die Übersetzung lautet parum affinis und bedeutet „wenig reaktionsfähig“, also chemisch träge (weil keine Doppelbindungen enthalten sind). Im Gegensatz zu den hoch reaktionsfreudigen Alkenen (die früher Olefine hießen und die Summenformel CnH2n), welche mit ihren vielen Doppelbindung immer auf der Suche nach Reaktionspartnern sind. Monoterpene und Sesquiterpene gehören zu den Alkenen. Es gibt Paraffine in Pflanzen (beispielsweise auch für hochwertige Kerzen eingesetzt), die meisten Paraffine begegnen uns jedoch in billiger Kosmetik (also in fast allen Cremes) und auch im technischen Bereich als Schmier- und Korrosionsschutzmittel.

Einige wundervolle Rosenöle und Mischungen damit kann man im Shop von Professor Wabner (anklicken) kaufen, er kennt seine bulgarischen Lieferanten persönlich, sein Rosenwasser ist eines der aromatischsten Hydrolate, die man weit und breit erwerben kann.

eucalyptus citriodora als natürlicher insektenschutz auch bei zecken


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyVor einigen Jahren war ich im August, also im brasilianischen Tief-Winter, auf einer riesigen Plantage in Brasilien (im Staat Sao Paulo) unterwegs. Die Sonne schien und der Duft der Zitroneneukalyptus-Bäume war schier umwerfend. Ich fand es interessant, dass der Life-Duft fast identisch mit dem in unserem Fläschchen ist, dass er also bei der Wasserdampfdestillation der rotangehauchten sichelförmigen Blätter kaum verändert wird. Auf dem Foto stehe ich mit der Inhaberin der brasilianischen Ölefirma BioEssencia unter den schlanken hohen Bäumen. Bis vor Kurzem erzählte ich immer, dass es sich bei Zitroneneukalyptusöl um eines der ganz preiswerten ätherischen Öle handelt. Das hat sich stark verändert seit wissenschaftlich bestätigt wurde, dass das zitronig duftende Öl zur Abwehr von Mücken/Stech-Insekten eingesetzt werden kann. Man hat nun auch den Stoff identifiziert, der für diese starke Wirkung verantwortlich ist, er wird inzwischen fleißigst aus dem Pflanzenmaterial des schnell nachwachsenden hitzeliebenden Baumes isoliert und für hoch wirksame Anti-Insekten-Mittel eingesetzt. Der „Zauberstoff“, der sogar gegen Malaria-Mücken in den Tropen erfolgreich getestet wurde (mindestens 5 Stunden mit 98 Prozent Sicherheit) heißt p-Menthan-3,8-diol (oder para-menthane-diol, PMD), er wird durch einen kleinen chemischen Eingriff aus dem Haupt-Inhaltsstoff der Zitroneneukalyptusblätter (Citronellal) gewonnnen und inzwischen vermehrt isoliert angeboten, um in natürliche Insektenschutzmittel eingearbeitet zu werden. In etlichen Studien konnte er sogar gegen Deet bestehen, eines der schärften (und toxischsten) Insektenschutzmittel. Und die noch bessere Nachricht: sogar Zecken finden das Zeug widerlich (zumindest für einige Stunden)! Bereits eingearbeitet wurde dieser Stoff in das in das Mückenstop-Spray von Taoasis und in das praktische Mückenstop-Tuch für unterwegs. AiDA Aromatherapy Eliane Zimmermann Einige Studien:

  • Moore SJ, Darling ST, Sihuincha M, Padilla N, Devine GJ. A low-cost repellent for malaria vectors in the Americas: results of two field trials in Guatemala and Peru. Malar J. 2007; 6: 101.
  • Nerio LS, Olivero-Verbel J, Stashenko E. Repellent activity of essential oils: a review. Bioresour Technol. 2010 Jan;101(1):372-8.
  • Carroll SP, Loye J. Repellency of essential oils extracted from plants in Thailand against four mosquito vectors. Southeast Asian J Trop Med Public Health. 2006 Sep;37(5):915-31.
  • Barnard DR, Bernier UR, Posey KH, Xue RD. Repellency of IR3535, KBR3023, para-menthane-3,8-diol, and deet to black salt marsh mosquitoes (Diptera: Culicidae) in the Everglades National Park. J Med Entomol. 2002 Nov;39(6):895-9
  • Tawatsin A, Asavadachanukorn P, Thavara U, Wongsinkongman P, Bansidhi J, Boonruad T, Chavalittumrong P, Soonthornchareonnon N, Komalamisra N, Mulla MS. Repellency of essential oils extracted from plants in Thailand against four mosquito vectors (Diptera: Culicidae) and oviposition deterrent effects against Aedes aegypti (Diptera: Culicidae). Southeast Asian J Trop Med Public Health. 2006 Sep;37(5):915-31.

Zwischenzeitlich wurde der Baum der Gattung der eukalyptusähnlichen Corymbias (Corymbia citriodora ssp. citriodora) zugeordnet, inzwischen scheint wieder sein alter Name zu gelten.