die französische „schule“ der aromatherapie & viele missverständnisse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

René Liardet in Sault

In den letzten Jahren hören wir immer wieder von der „französischen Schule der Aromatherapie“: Es wird gerne behauptet, sie lehre die einzig richtige Anwendung von ätherischen Ölen. In jüngster Vergangenheit werden auch hämische Rufe laut – vor allem auf Facebook (sowohl im deutschsprachigen Bereich als auch in den USA), dass die „etwas dümmlichen“ VertreterInnen der „deutsch-englischen Schule der Aromatherapie“ ja überhaupt keine Ahnung vom wahren Umgang mit ätherischen Ölen hätten.

Ich möchte etwas Aufklärung in diesen verwirrenden Bereich bringen, denn seit Anfang der neunziger Jahre bin ich mit beiden Richtungen gut vertraut. Zwar erhielt ich mein Diplom in Aromatherapie im Mai 1990 vom College von Shirley Price (SPICA) – also von einer „englischen Schule“, doch weitere Kurse brachten mich mit dem französischen Umgang mit ätherischen Ölen in Kontakt. Spannende Informationen von Martin Henglein, der nicht nur einen englischen, sondern auch ein französischen aromatischen Hintergrund hat und viele Gespräche mit Inge Andres, die damals (ab 1985) die kleine aber sehr feine Firma La Balance in Leutkirch hatte, machten mich auf den Ursprung der medizinischen Disziplin Aromatherapie neugierig. Inge lernte ihre „aromatische Kunst“ in Frankreich, gab Kurse im Allgäu und organisierte wundervolle Duftreisen in die Provence. Ihr wundervolles Buch Die ganzheitliche Duftberatung (klick!) gibt es schon lange nur noch antiquarisch (auch die zweite Auflage war damals bald vergriffen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Laien lernen, Thymian mit der Sichel zu schneiden, für Destillateurin Marie-Claire in der Drome

In der Provence, besser im Département Alpes-de-Haute-Provence, durfte ich in frühen Jahren meines „Handwerks“ an Erntetagen und Destillationen teilnehmen. Gespräche mit Bauern über ihre harte Arbeit, lehrten mich hohen Respekt vor ihnen, den eigentlichen ProduzentInnen im Feld und an der Destille. Ich erinnere mich noch sehr gut an das enttäuschte Gesicht von uns bienenzerstochenen Erntehelfern, dass nach einem ganzen heißen Nachmittag des mühsamen Schneidens von Bio-Thymian, nur circa ein halber Liter ätherisches Öl gewonnen worden war. Wer mein Fachbuch hat, kennt einen dieser Bauern, Monsieur René aus Sault und unser geerntetes Thymiankraut von Seite 24, oben seht ihr die Farbversion, die auch in die 6. Neuauflage meines Fachbuches wandern wird. [Monsieur Renés Sohn Guillaume von hat inzwischen die Firma Aroma’plantes (klick!) ausgebaut, man kann dort wundervolle Bio-Produkte online bestellen – also direkt vom Erzeuger und somit einen kleinen Familienbetrieb, der seit 1978 im biologischen Anbau tätig ist, unterstützen].

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im September 1995 auf dem 3. Schweizer Aromatreffen „Aspekte der Französischen Aromatherapie“ in Zürich, organisiert von Martin Henglein und Veroma

Irgendwann in dieser Zeit, Mitte der neunziger Jahre, leistete ich mir das entsetzlich teure Buch von Pierre Franchomme, Dr. Daniel Pénoël und Roger Jollois L’Aromathérapie exactement (klick! ich staunte nicht schlecht, dass so ein Paperback damals weit über 100 DM gekostet hatte!!!). Dieses Werk war die „Bibel“ aller Menschen, die sich jenseits der eher kosmetisch und vor allem der esoterisch orientierten Aromatherapie informieren wollten – sogar für KollegInnen, die kaum französisch lesen konnten! (Ich machte damals meine Heilpraktiker-Ausbildung und war ganz heiß auf medizinische Fakten rund um die Naturdüfte).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im August 2006

Dieses Fachbuch ist ein eher trocken und dennoch abwechslungsreich zusammengestelltes Werk vor allem über pharmakologische Wirkungen von ätherischen Ölen, mit „leckeren“ Fotos von kranken Menschen, Röntgenbildern, mit spannenden Tabellen, Grafiken, Fallbeispielen und einem riesigen wissenschaftlichen Quellenverzeichnis. Erstmals lernten wird daraus Details über Chemotypen, Gaschromatogramme wurden erläutert, reichlich chemische Formeln der wichtigen Inhaltsstoffe konnten studiert werden, und auch die fantastischen Wirkungen vieler Öle gegen Mikroorganismen wurden ausführlich vorgestellt. Also alles sehr pharmazeutisch-medizinisch orientiert, sowas gab es damals in keinem deutschsprachigen Buch in dieser Ausführlichkeit.

Erstmals waren die wichtigsten Inhaltsstoffe von circa 270 ätherischen Ölen auf fast 100 Seiten aufgelistet, dazu kompakt und übersichtlich die wichtigsten Eigenschaften, Indikationen und ggfs. auch Kontraindikationen. Eine Fundgrube, in der ich viel geschmökert habe und die ich auch heute noch öfters zu Rate ziehe! Als ich 1994 anfing, an meinem eigenen Fachbuch zu arbeiten, waren diese Informationen mein großes Vorbild, ich erhielt von einigen deutschsprachigen Öleanbietern ordnerweise Gaschromatogramme mit den Analysen der bekanntesten ätherischen Öle und trug möglichst viele Erkenntnisse aus französischen und englischsprachigen Quellen zu meinen eigenen Erfahrungen mit ätherischen Ölen zusammen. Es versteht sich von selbst, dass Dr. Pénoël ein Exemplar bekam!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Jean Valnet

Die Art der Anwendungen dieses französischen Arztes und seiner Wissenschaftler-Co-Autoren, und auch vom Arzt Jean Valnet (1920-1995), der mit seinem ins Deutsche übersetzte Buch Aromatherapie recht bekannt wurde, begründeten die neuere „Schule der französischen Aromatherapie“. Es handelt sich nicht um eine Schule im Sinne des Wortes, sondern dieser Begriff wird zur Abgrenzung von den englischsprachigen Empfehlungen verwendet. Ätherische Öle wurden und werden gemäß den allermeisten seriösen englischsprachigen Schulen und Büchern nur äußerlich angewendet und in niedrigen Dosierungen um maximal 3% eingesetzt. Die guten Ausbildungen umfassen circa 300 Stunden (und mehr!), will man Mitglied eines ernst zu nehmenden Berufsverbandes werden, beispielsweise bei der IFA oder der ISPA. Man erneuert seine Mitgliedschaft durch jährliche Fortbildungspunkte, die nachgewiesen werden müssen. Als Mitglied bekommt man Anspruch auf eine gute Haftpflichtversicherung und kann sich bewerben als Leistungsanbieter im britischen Gesundheitssystem NHS, so dass PatientInnen kostenlose Behandlungen buchen können. Die englischsprachige Richtung wurde von der Österreicherin Margerite Maury (1885-1968) gestartet, sie war Krankenschwester und Ehefrau eines homöopathisch arbeitenden Arztes. Die deutsche Übersetzung ihres Buches Die Geheimnisse der Aromatherapie gibt es nur noch antiquarisch. Nachzulesen sind diese Entwicklungen anhand von konkreten Pionieren auch auf meiner Website (klick!).

Ärzte und Pharmakologen in Frankreich und Belgien dagegen werden viel ausführlicher in den Themenbereichen des Franchomme-Pénoël-Buches und ähnlicher Bücher geschult, das Curriculum ist wissenschaftlich orientiert und sehr anspruchsvoll. Medizinische Anwendungen bilden den Mittelpunkt. So ist es kein Wunder, dass ätherische Öle bei klar diagnostizierten Beschwerden und sogar Krankheiten eingesetzt werden, teilweise mit bei uns als „toxisch“ deklarierten Ölen und oft auch in recht hohen Dosierungen. In manchen Fällen werden auch kaum oder unverdünnte Öle eingesetzt. Dahingegen dürfen in Frankreich etliche ätherische Öle, die man im deutschsprachigen Raum bei jedem Anbieter findet, nur auf Rezept verkauft werden, oder verdünnt, dazu gehören Salbei (Salvia officinalis) und Ysop (Hyssopus officinalis).

Einige Vertreter der „französischsprachigen Schule“ der Aromatherapie (Aromathérapie médicale):

  • Pierre Franchomme, Pharmazeut, Frankreich Kurse Videos
  • Dr. Daniel Pénoël, Arzt, Frankreich Schule
  • Dr. Dominique Baudoux,Pharmazeut, Belgien Schule Firma
  • Dr. Jean-Michel Beghin, Arzt, Frankreich und Belgien Schule
  • Philippe Mailhebiau, Frankreich, Infos
  • Dr. Kurt Schnaubelt, Chemiker, San Rafael/USA, Schule Blog Firma

Gattefossé_Buchseite_xsPassend zur französischen Richtung der Aromatherapie wiederhole ich an dieser Stelle nochmals die oft falsch zitierte Story vom Chemiker, Parfümeur und Destillateur René Maurice Gattefossé, der seine Hand bei einem Chemieunfall verbrannte. Er soll sie in einem Pott Lavendelöl „gelöscht“ und gekühlt haben, woraufhin sein Schmerzen verschwunden sein sollen und die Heilung einsetzte. Mit diesem „Wunder“ habe er die Aromatherapie „wiederentdeckt“. Wer lesen kann ist immer eindeutig im Vorteil 😉 und so finden wir auf Seite seines ins Deutsche übersetzten Buches Gattefossés Aromatherapie die korrekte Version dieses Mythos. Der Pionier der „neuzeitlichen“ Aromatherapie (seit den 70er-Jahren) Robert Tisserand – der die Übersetzung von Gattefossés französischsprachigem Buch „Aromathérapie“ (1937) ins Englische (1993) vornahm und kommentierte – weist darauf hin, dass sich sich die Sache völlig anders verhielt. Der genaue Wortlaut ist auf seiner Blog-Seite nachzulesen. Demnach war Gattefossé, dessen Körper wegen einer Chemikalienexplosion im Jahr 1910 (oder nur die Arme? „after a laboratory explosion covered me with burning substances“) richtig brannte, ins Freie gestürzt und sich auf einem Rasen gewälzt, um die Flammen zu löschen. Danach entwickelte sich an beiden Händen ein Wundbrand (der durch das Bakterium Clostridium perfringens ausgelöst wird – es kommt beispielsweise im Boden vor). Seinerzeit verstarben noch ein Viertel der infizierten Menschen an der sich sehr rasch ausbreitenden Gangrän, zumindest war sie ein Grund zur Amputation der befallenen Gliedmaßen in den Kriegen vor dem zweiten Weltkrieg.
Gattefossé vermerkte in seinem Buch, dass „nur eine Spülung mit Lavendelöl“ die übliche Gasbildung im Gewebe stoppte. Es hatte sich bereits begleitend zur gefährlichen Infektion ein übermäßiges Schwitzen entwickelt, doch am nächsten Tag setzte die Heilung ein. Und nur dank des Lavendelöles konnte er weitere Pioniere wie Jean Valnet und Marguerite Maury in dieser duftenden Wissenschaft unterrichten, deren Bücher in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Aromatherapy-Boom in Großbritannien auslösten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wundervolle bewegte Bilder aus der frühen Jahren von Monsieur Gattefossé und der Aromatherapie kann man übrigens in diesem dreiteiligen Film auf Youtube anschauen. Das Ernten von Lavendel wurde 1907 schon gefilmt! Viele alte Fotos aus einem (seinen?) Fotoalbum sind zu sehen. Er ist viel gereist um gute ätherische Öle zu finden. Ein wirklich wertvolles Zeitdokument für alle, die sich mit der Entwicklung dieses duften Berufes beschäftigen möchten!

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Dieses 2500 qm große Feld mit Bio-Pfefferminze-Pflanzen ergibt 2500 Kilo geerntetes Kraut und ergibt, wenn alles gejätet, geerntet, destilliert und abgefüllt ist, 10 Kilo ätherisches Öl (12 Liter) und gerade mal 100 Euro! Die vielen Bio-Pflanzen müssen davor gekauft oder vermehrt werden und in das urbar gemacht Feld gepflanzt werden.

Und damit spanne ich den Bogen zur aktuellen Zeit. Es wird also neuerdings, wie eingangs erwähnt, behauptet, dass nur die französische „Schule der Aromatherapie“ wirklich wirksam sei. Leider behaupten das nicht ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen, sondern fast ausschließlich Menschen, die in irgendwelchen Schnell-Lehrgängen oder gar nach Infoabenden à la Plastikschüssel, Aloe vera-Wundermittel, Küchenmaschine und Nahrungsergänzung „Aromatherapie“ glauben „erlernt“ zu haben. Sie blicken in den allermeisten Fällen nicht auf einen pflegerischen oder gar medizinischen Hintergrund, sondern gehen allerlei unterschiedlichen Berufen nach und möchten sich mit Hilfe der nun zu Nahrungsergänzungs- und Lifestylemitteln ‚modernisierten‘ ätherischen Öle Geld dazu verdienen.

Sie haben jedoch oft keinerlei Vorstellungen von physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper. Sie können mit der Pharmakologie der ätherischen Öle nichts anfangen, verwechseln recht harmlose Monoterpenole mit den heftig wirksamen Phenolen. Stattdessen erfinden Sie immer neue kuriose Attribute zu den Ölen wie ‚Kamphoride‘ (sollen in Lemongrass, Myrte und Citronella enthalten sein). Sie haben auch wenig Vorstellung davon, wie viel Pflanzenmaterial sich in einem einzigen Tropfen ätherischen Öles befindet, denn Pflanzen hegen und pflegen, sie zu ernten und schließlich zu destillieren gehört in den wenigstens Fällen zu deren „Ausbildungen“. Sie sind stattdessen felsenfest davon überzeugt, „viel hilft viel“, „ist ja alles Natur“, „Natur schadet nicht“, „laut der französischen Schule wird es ja auch so gemacht“. Der Umsatz, der Gewinn und das Bilden von lukrativen „Schneeball-MitmacherInnen“ stehen im Vordergrund, ähnlich wie bei vielen modischen Nahrungsergänzungsmittel-Firmen.

Eine Kollegin musste beispielsweise mit ansehen, wie aus gut gemeinter Unkenntnis einer Brustkrebs-Patientin empfohlen wurde, mehrere Tropfen unverdünntes Pfefferminzeöl auf die bestrahlte Haut zu geben (es ergab sich eine schlimme Strahlendermatitis, der behandelnde Arzt schlug die Hände über dem Kopf zusammen). Eine naturheilkundlich interessierte Ärztin wandte sich an mich, weil ihr empfohlen wurde, bei Kopfschmerzen jeweils einen Tropfen Pfefferminze ins Auge zu geben, das Öl würde über den Sehnerv zum Kopfschmerz gelangen und diesen dann ausschalten (sie rief nicht etwa an, weil ihre Augen höllisch brannten, sondern weil ihr Kopfschmerz einfach nicht weg ging). Einem Elternteil wurde – durchaus sicher nett gemeint – empfohlen, dass das Kind mit Krupphusten mit einigen Tropfen Wintergrünöl inhalieren solle (wer findet die zwei Fehler??!!!), ein anderes Elternteil bekam den Tipp, bei den Wachstumsschmerzen des Kindes einfach einige Tröpfchen reines Zimtrindenöl auf die Schienbeine einzureiben. Auf fest sitzende Zecken solle reines Pfefferminzeöl gegeben werden. Das sind nur einige Beispiele, die an mich heran getragen wurden.

Arglose, vermeintlich in „französischer Aromatherapie“ „geschulte“ Personen geben solche Empfehlungen meistens wohlmeinend an Menschen mit Beschwerden ab, gerne auch mal mit Hinweisen auf die „böse Pharmaindustrie“, man könne viel besser mit ätherischen Ölen helfen (was bei nicht-akuten Beschwerden sicher auch häufig stimmt!). Noch arglosere Kunden fallen darauf rein und erleiden in nicht wenigen Fällen schwere Hautreizungen. Diese werden manchmal, gerne wieder mit Hinweis auf die „französische Aromatherapie“, vorausgesagt: Die betreffende Person solle sich dann freuen, Rötungen und Blasen seien willkommene Zeichen der Entgiftung. Zu diesem Thema hat sich eine Mitarbeiterin auf Robert Tisserands hervorragender Seite ausführlich geäußert (auf englisch).

Also, mein Fazit ist: JEDE der beiden Richtungen – hochprozentige Anwendung oder Verdünnung wie Kosmetika – haben jeweils ihre Berechtigung. Medizinisch gut geschulte, erfahrene und professionell versicherte Menschen wie ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen können in vielen Fällen durch kurzzeitige und hoch dosierte Anwendungen bei akuten Beschwerden viel erreichen. Die hoch dosierte und regelmäßige innere Anwendung (beispielsweise in Kapseln) sollte auch diesem Berufsfeld vorbehalten werden. Oder zumindest unter Aufsicht und Verantwortung eines Mediziners.

Zur Begleitung bei chronischen Beschwerden oder von Begleitumständen von „schulmedizinisch“ notwendigen Maßnahmen und auch zur Krankenpflege, haben sich 0,5-3%ige Verdünnungen von ätherischen Ölen über die letzten 30-40 Jahre bestens bewährt. Werden Speisen und Getränke mit ätherischen Ölen zubereitet, sollte das nach den zwei bewährten Kochbüchern Duftküche und Aromaküche erfolgen und immer so verdünnt, wie es die Natur uns zeigt: Beispielsweise statt der abgeriebenen Schale einer Zitrone gibt man 2 Tropfen Zitronenöl in den Kuchenteig, statt mehrerer Stängel Basilikum gibt man 0,5%ig in Olivenöl verdünntes Basilikumöl an den Tomatensalat. Wenn also BefürworterInnen jeder Richtung entsprechend ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Umfeld ätherische Öle behutsam, verantwortungsvoll und nachhaltig einsetzen würden, gäbe es weniger Grabenkämpfe und Platzhirsch-Getue in unserer duften Branche, dazu vielleicht weniger Allergien bzw Sensibilisierungen und allen Beteiligten wäre (wirklich) geholfen. 🙂

Wieviel ml Melissenöl stecken in diesem Feld?

Hier wird in muskelzehrender Arbeit Bio-Melisse geerntet

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Und aus dem Inhalt dieses Sackes werden 5 ml Kamillenöl destilliert

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

chemotypen – frühe entdeckungen [teil 2]


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIm ersten Teil meiner Zusammenfassung über das Wesen der Chemotypen von einigen Ätherisch-Öl-Pflanzen ging vor allem um therapeutische und pflegerische Unterschiede (hier kann er nochmals gelesen werden klick!).

Heute geht es um die Geschichte der Entdeckung der vielgestaltigen biochemischen Zusammensetzung von Duftpflanzen, die äußerlich identisch sind, also den gleichen botanischen Namen tragen. Doch durch äußere Einflüsse liefern sie vollkommen unterschiedliche ätherische Öle. Von sanft bis hautreizend, von fein duftend bis stark riechend.

Das Prinzip der Chemotypen wurde bereits 1906 vom österreichischen Botaniker Otto Stapf (1857-1933) beobachtet. Für das ‚Bulletin Nr. 8 1906’ des britischen Botanischen Gartens in Kew bei London schrieb er einen interessanten Artikel über ein und dieselbe botanische Art, nämlich über Cymbopogon nardus (L.) Rendle (früher Andropogon), und wie sie unterschiedliche chemische Schwerpunkte, also Inhaltsstoffe ausbilden kann. Er weist auf die Ähnlichkeit mit Lemongrass (Cymbopogon citratus und C. flexuosus) hin und beleuchtet auch andere ähnliche, kaum unterscheidbare tropische Süßgräser. Er sprach von ‚physiologischen Rassen’.

Dem heute noch sehr aktiven französischen Forscher, Dozent, Fachbuchautor und Gründer des renommierten belgischen Öleanbieters Pranarôme, Pierre Franchomme (geb. 1943) haben wir das heutige Wissen und die Verfügbarkeit von gänzlich unterschiedlichen Chemotypen des Thymianöles zu verdanken.

Der komplette, recht lange Artikel ist auf meinem jährlichen Newsletter erschienen, der kürzlich an seine AbonnentInnen versendet wurde, er kann hier (klick!) gelesen werden. Soweit ich weiß sind diese historischen Fakten rund um die Entdeckung und die Vergleiche von Chemotypen bei ätherischen Ölen zum ersten Mal niedergeschrieben worden. Es sind auch einige neuere Studien im Newsletter beschrieben, beispielsweise über die ‚Stressreduktion bei Angehörigen von Pflegeberufen‘ und über ‚Orangen- und Rosengeranienduft gegen Ängste während der Entbindung‘.

Wer den Newsletter abonnieren möchte, kann sich auf der linken Spalte ganz unten auf meiner Aromapraxis-Website (klick!) eintragen. Und wer alle hier folgenden Blog-Artikel wie einen Newsletter sofort nach Erscheinen per E-Mail erhalten möchte, kann hier oben rechts durch Drücken des grauen Knopfes ‚Bestellen‘ seine/ihre E-Mail-Adresse eintragen (sie wird nur von mir gesehen!).

:: Ein sehr gutes Interview mit Pierre Franchomme (2015, auf französisch) kann hier angeschaut werden (klick!)
:: Ein prima Video mit einer Vorlesung über ätherische Öle bei Viren-Erkrankungen mit Pierre Franchomme (auf französisch) gibt es hier (klick!)
:: Der Titel seines neuen (französischen) unglaublich umfangreichen Fachbuches lautet La Science des Huiles Essentielles Médicinales (klick!, 35,24 €), in diesem Buch befinden sich ein paar kurze Abschnitte über die Geschichte der Chemotypen, die mir die Inspiration gaben, diesem Thema mal etwas gründlicher auf die Spur zu gehen. Merci beaucoup, Monsieur Franchomme!

provence-lavendel in akuter gefahr


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyNach dem 1. Aromatherapie-in-der-Psychiatrie-Kongress in Basel, vor ziemlich genau zwei Jahren, fasste ich den Bericht (klick!) von Jean-Claude Richard (Farfalla) zusammen, dass in der Provence die Lavendelproduktion am kollabieren sei, dass eine Krankheit das „blaue Wunder“ bedrohe, dass Lavendelöl sich stark verteuern werde.

Kürzlich wurde die erschreckende Verschlechterung dieser (noch lokal wütenden) ökologischen Katastrophe in einem sehr guten Artikel in der Zeitung Die Welt (klick!) zusammengefasst. Die blau-lilafarbenen Felder des beliebten Lippenblütengewächses werden durch eine bakterielle Krankheit bedroht, welche durch winzig kleine Zikaden übertragen wird (Stolbur-Phytoplasma). Durch die Attacke der Mikroben bilden die Pflanzen nur kleine Blüten und verdörren. Das trockene Wetter der letzten Jahre verstärkte das Aufkommen der Krankheit, die im Jahr 2000  erstmals auftrat. Vielerorts mussten deshalb gesamte Bestände vernichtet werden. Danach kann jedoch nicht neu gepflanzt werden, vielmehr müssen 5 Jahre vergehen, bevor an eine Rekultivierung des Bodens mit Lavendel zu denken ist. Man rechnet mit einer weiteren Verschlimmerung der Situation, der Preis für echtes Lavendelöl ist bereits um 30 Prozent angestiegen, Tendenz steigend. Man kann keine Insektizide versprühen, da diese die bestäubenden Bienen töten würden, diese wiederum sorgten bislang für weiteres Einkommen in der kargen Region, sie produzierten reichlich des bekannten Lavendelhonigs.

Zwischen 2005 und 2010 sind auf diese Weise 50 Prozent der Anbauflächen verschwunden, 2005 wurden noch 85 Tonnen ätherisches Öl produziert, inzwischen sind es unter 30 Tonnen. Bulgarien rüstet indessen auf und produzierte im vergangenen Jahr 45 Tonnen Lavendelöl, die Ukraine und China erreichen inzwischen bereits 15 Tonnen pro Jahr.

Leider muss man befürchten, dass dies wieder eine Lektion in Sachen „gierige Plantagen-Landwirtschaft“ ist. Diese extrem art-ungerechte Art der Pflanzenkultivierung erfordert reichlichen Einsatz durch Chemikalien zum Wachsen und zum Abwehren von Beikräutern sowie von unerwünschten „Viechern“, sie schwächt die Pflanzen, fördert Resistenzen auf vielerlei Art, welche dann zu verstärkten Bemühungen mit Pestiziden führen können. Irgendwann „freut sich der Dritte“: Irgendein Mikroorganismus nutzt die Immunlücke bei den Gewächsen und labt sich daran. Die grenzenlose Gier, der Erde immer mehr als möglich abzupressen, fordert ihren Tribut.

Vielleicht sollten wir in milden Gegenden Mitteleuropas Kooperativen gründen und lokalen Lavendel destillieren, er wächst vielerorts so schön, ich habe auf der derzeitigen Reise ganz viel wunderschönen Lavendel gesehen, er wird meistens gar nicht geerntet. In Österreich gibt es jedenfalls bereits ein solches Projekt, das Projekt Berglavendel. Und vielleicht sollten wir uns angesichts dieser traurigen Lektion besinnen, auch unsere Nahrungsmittel nicht von billig produzierenden Plantagengiganten zu kaufen, sondern kleine regionale Lebensmittelerzeuger zu unterstützen. Denn BIO ist einfach LOGISCH, so tut es der Erde gut, so tut es uns gut, so tut es den Tieren und Insekten gut. Der Mensch kann ohne Lavendelöl leben, doch ohne Obst und Gemüse wird er nicht weit kommen.

Tausend Dank übrigens an all die lieben und wohlwollenden LeserInnen, die meinen letzten Blogeintrag zum 20-Jahre-Schuljubiläum so nett gewürdigt haben! Auch ansonsten stille Mitleserinnen haben sich ein Herz genommen und etwas geschrieben, das ist des Bloggers Ansporn, genau so noch besser weiter zu machen!

aromatherapie bei colitis: kunzea ambigua


AiDA AromatherapyIch hatte in meinem Online-Magazin (Nr. 17 | 2006) bereits über ein hoffnungsvolles ätherisches Öl geschrieben, dessen (relative) Bekanntheit in Europa den Erfolgsberichten des französischen Arztes Dr. Daniel Pénoël zu verdanken ist. Die Weiße Honigmyrte [Kunzea ambigua (Smith) Druce, Tick bush, White cloud] wächst in den kühleren Küstengegenden Südost-Australiens (im Süden von New South Wales, Victoria und Tasmanien) und ist sowohl mit Teebaum als auch mit Manuka verwandt. Der Duft des Öles liegt auch irgendwo dazwischen, etwas medizinisch-eukalyptisch, krautig mit subtilen blumig-fruchtigen Untertönen. Der engagierte Arzt hatte dieses Öl 2006 auf einer Tagung von Forum Essenzia vorgestellt.

Die ganz stark antioxidative Wirkung des kleinen Baumes oder großen Strauches mit den „puscheligen“ weißen Blüten (Oktober bis Dezember) wurde von einem Farmer namens John Hood entdeckt, der einen alten Stacheldrahtzaun von 1958 auf seinem Land hatte. Das Metall war teilweise kein bisschen verrostet (wir bekamen Fotos davon zu sehen), genau an den Stellen, wo diese Kunzea-Bäume (bis 4 Meter) drüber wuchsen. Mit dem ätherischen Öl wurde der Farmer seine langjährige Sinusitis los. Dr. Pénoël hat selbst einige Jahre in Australien gelebt und dort etliche besondere ätherische Öle kennen und schätzen gelernt.

Durch einen hohen Anteil an Sesquiterpenen wirkt es deutlich antiphlogistisch (entzündungshemmend), es hat sich auch bei der Linderung von akuten rheumatischen Schmerzen bewährt. Für Grippe-Symptome und Schmerzen allgemein sowie bei Angst und Frustration setzt Pénoël es mit Begeisterung ein.


An antimikrobieller Wirkung erwähnte er Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Pseudomonas und Candida albicans, die wichtigsten Inhaltsstoffe sind folgende:

  • 39% beider Pinene (Monoterpene)
  • 16% 1,8-Cineol (Monoterpenoxid)
  • 11% Globulol (Sesquiterpenalkohol)
  • 4% Bicyclogermacrol (Sesquiterpenalkohol)

AiDA AromatherapyLetztere betrachtet Dr.  Pénoël als eine sehr wichtige Sesquiterpenverbindung. Insgesamt hat man circa 300 Bestandteile im ätherischen Öl gefunden. Er zeigte ganz neue Fotos von einer jungen Patientin, welche seit 15 Jahren an Morbus Crohn (eine unheilbare chronisch-entzündliche Erkrankung des Darmes) gelitten hatte, sie nimmt das Öl in Kapseln ein (6 Tr. in Basisöl, 3 x tägl. = 18 Tr). Er berichtet, dass er selber über die sehr schnelle Linderung erstaunt war –nicht nur der Darmbeschwerden, sondern auch der kalten steifen Gelenke. Auch ihre psychische Labilität auf Grund einer schon länger vorhandenen Bulimie hatte sich enorm gewandelt. Pénoël schilderte amüsiert in seinem unnachahmlichen Hand-Fuß-Deutsch, dass sie sich in kürzester Zeit von superschlapp auf ein ausgezeichnetes Joggingvermögen hocharbeiten konnte. Des weiteren ist es ein wichtiges Öl bei der Behandlung von HNO-Erkrankungen, also vor allem Erkältungssymptome. Der australische Aromatherapeut Marc Webb berichtet auch über gute Erfolge bei  Ekzemen, Gürtelrose, Verstauchungen, Zerrungen und Hämatomen.

Der englische Name Tick Bush bezieht sich auf Beobachtungen von Weidevieh, dass sich gerne unter große Kunzeasträucher legt, um sich vor Zecken zu schützen (tick=Zecke). Das Öl hat auch eine ähnliche mückenabweisende Wirkung (auf Aedes aegypti L.) wie Citronellaöl, wie eine Studie aus dem Jahr 2009 zeigen konnte. Beide Öle werden jedoch nicht für Gegenden empfohlen, wo lebensbedrohliche Krankheiten durch Mücken übertragen werden. Das ätherische Öl ist über die (französisch/englische) Website seines französischen „Entdeckers“ erhältlich und auch bei Ronald Reike (klick zum bestellen!)

PS. Ich wurde letzte Woche wieder einmal gefragt, wo es preiswerte Tester-Sets mit den wichtigsten ätherischen Ölen gibt, oder auch aromatische Hausapotheken. Seit gestern bzw. diesen Monat (März 2011) gibt es die zwei Grundsets von Wadi (Dr. Dietrich Wabner) zu einem unschlagbaren Sonderpreis: 24 wichtige ätherische Öle für 105 Euro (auch getrennt erhältlich). Auch eine absolute Besonderheit, das exotisch-schwer-würzig duftende Song of Salomon-Öl ist preisreduziert, ich benutze es gerne als Winterparfüm. Foto Ölekästen: Wadi

marguerite maury – die pionierin der „englischen schule“ der aromatherapie


Marguerite Maury ist heute vor 42 Jahren gestorben. Ich habe dieser Tage den Friedhof in der Nähe von Sankt Gallen besucht, in dem sie damals begraben wurde. Ihre Schülerin Daniele Ryman hat mir freundlicherweise ein nettes Foto zur Verfügung gestellt, denn in meinem Buch befindet sich nur meine ziemlich dilettantische Zeichnung nach einer kleinen und unterbelichteten Vorlage.

Marguerite Maury, meistens Madame Maury genannt, wurde als Marguerite König 1895 in Österreich geboren, sie wuchs in Wien auf. Schon in ihrer Internatszeit war Musik ihre ganz große Leidenschaft, doch sie wollte Biochemie und Botanik studieren. Stattdessen heiratete sie mit 17 Jahren. Im folgenden Jahr wurde sie Mutter, sie verlor ihr Söhnchen im Alter von zwei Jahren an Meningitis. Ihr Mann starb im ersten Weltkrieg und als auch noch ihr Vater Selbstmord beging, ließ sie sich zur Krankenschwester ausbilden. Während ihrer Zeit als chirurgische Assistentin im Elsass bekam sie das Buch „Les Grandes Possibilités par les Matières Odoriferantes“, das bereits 1838 erschienen war, geschenkt. Dessen Autor Dr. Chabenes wurde später der Lehrer von René-Maurice Gattefossé. Bei der Lektüre begann ihre Liebe zu den duftenden Ölen.

In den frühen dreißiger Jahren traf sie den homöopathischen Arzt Dr. Maury, der ihre Interessen mit ihr teilte: von Musik, Kunst, Literatur über Homöopathie, Akupunktur und Zen. Sie forschten und schrieben zusammen Bücher.

In den vierziger Jahren versuchte sie nachzuweisen, wie ätherische Öle auf das Nervensystem wirken, wie ihr seelisch ausgleichender und verjüngender Effekt zustande kam. Sie gab Seminare in ganz Europa und eröffnete Aromatherapie-Kliniken in Paris, in der Schweiz und in Großbritannien.

1961 erschien ihr bekanntestes Buch „Le Capital Jeunesse“. Sie beschreibt ihre Erkenntnisse aus ihrer medizinisch-kosmetischen Arbeit mit ätherischen Ölen und plädiert für eine sorgfältige Schulung, um für jeden individuellen Menschen die richtigen „verjüngenden“ Öle einsetzen zu können.

Zusammen mit Danièle Ryman war sie die erste Frau, die die gesundheitlichen und schönheitsfördernden Eigenschaften der ätherischen Öle dem interessierten Publikum vorstellte. Bühnen- und Leinwandstars ließen sich von ihnen behandeln. (Auszug aus „Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe„, copyright Sonntag Verlag)

Wer mehr erfahren möchte und englisch kann, sollte auf Daniele Rymans Seite gehen. Ihr Buch auf deutsch gibt es nur noch antiquarisch. Das Foto von Marguerite Maury stellte sie mir freundlicherweise zur Verfügung. Copyright photograph of M. Maury: Daniele Ryman, thank you for the kind permission to use it.

aromatherapie bei schnittwunden


„Die meisten Unfälle passieren im häuslichen Bereich“ kann man immer wieder lesen. Stürze von Leitern und Stühlen, Verbrennungen beim Kochen und Handwerkeln sowie Schnittwunden in Küche und Garten gehören sicherlich zu den unfallträchtigsten Meisterleistungen des Menschen. Gestern Abend hat es eine meiner Fingerkuppen erwischt. Beim Unkrautjäten ohne schützende Handschuhe, in einem Gartenbereich, der von unseren Vorgängern vermutlich als Müllhalde verwendet wurde, wie selbst heutzutage bei unzuverlässiger Müllabfuhr im ländlichen Irland noch üblich. Eine Glasscherbe schnitt mir also ein rechtes Stückchen einer Fingerspitze ab. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es fürchterlich blutete und sofort das schmerzende Pochen einsetzte.

In solchen misslichen Situationen freue ich mich immer wie eine Schneekönigin, dass ich ätherische Öle zur Hand habe. Höchstens  zwei Minuten nach Beträufeln der Wunde mit einigen Tropfen Cistrosenöl (Cistus ladanifer, circa 47% alpha-Pinen, 5% Viridiflorol) pur aufgetragen stoppte die Blutung fast komplett. Von Pochen war bald auch fast nichts mehr zu spüren. Heute früh beim Aufstehen habe ich mich aus Versehen leicht auf die Wunde gestützt, so dass sie ganz leicht blutete, noch zwei Tropfen Pfefferminzeöl (Mentha piperita, 45- 50% Menthol, circa 15% Menthon) sowie ein schützendes Pflaster drauf und die Sache ist erst einmal erledigt.

Für die Hausapotheke bitte dran denken, die Öle immer von bester Qualität und für solche direkten Hautanwendungen auch stets „frisch“ zur Verfügung zu haben. In diesem Falle sollte das Pfefferminzeöl maximal anderthalb Jahre alt sein und das Cistrosenöl maximal ein Jahr (da es zu circa 60 Prozent aus oxidationsanfälligen Monoterpenen besteht).

Das stark duftende Öl, welches aus den harzig-klebrigen Zweigen dieser hitzeliebenden Mittelmeer-Pflanze gewonnen wird (die nicht mit der Rose verwandt ist), hat eine stark blutstillende und zusammenziehende Wirkung (in Frankreich „la suture aromatique“ genannt, die „aromatische Naht“), es kann auch bei übermäßigen Monatsblutungen (3%-ig in Traubenkern- oder Mandelöl verdünnt) auf Tampons gegeben werden. Innerlich eingenommenes Cistrosenhydrolat (circa 10-20 Tropfen auf etwas Wasser oder Saft, 3x täglich, Geschmack sehr gewöhnungsbedürftig) kann bei derartigen chronischen Beschwerden, beispielsweise im Klimakterium, auch kurmäßig drei Wochen lang eingenommen werden. Pfefferminzeöl (nicht zu verwechseln mit „Japanischem Minzeöl“ aus Mentha arvensis) hat eine stark epithelisierende, also wundheilende Wirkung. Es brennt übrigens kein bisschen aus Schnittwunden.

Analysen zu ätherischen Ölen


In meinen Kursen wird Wert darauf gelegt, dass die zukünftigen AromapraktikerInnen ihre Pflegeentscheidungen nicht nur intuitiv tätigen können, sondern auch anhand der Inhaltsstoffe des zu verwendeten Öles bestimmen können, ob es für diese oder jene Zielgruppe geeignet ist. Auch können solche Inhaltsstoffe-Analysen hilfreich beim Herstellen von pflegenden Mischungen sein, beispielsweise um zu entscheiden, ob ich die Verwendung eines bestimmten Thymian Ct. Thymol verantworten kann oder nicht, da je nach Menge dieses Stoffes die Mischung hautreizend werden könnte oder weniger. Und ob für die Anwendung bei einem Duftstoffallergiker dieses oder jenes Öl besser in Frage kommen könnte. Auch ob für eine stark psychisch aufhellende Anwendung überhaupt der wertvolle Inhaltsstoff Methylanthranilat in einer der Zutaten enthalten ist.

Leider ist die Verfügbarkeit solcher Analysen noch Mangelware im deutschsprachigen Raum und Listen wie in meinem Fachbuch stellen nur zufällige Momentaufnahmen bzw. idealtypische Zusammensetzungen dar. Besser ist es, zu genau dem Öl, welches ich verwenden werde, die jeweilige Analyse zur Verfügung zu haben. Sei es durch einen (eventuell kostenpflichtigen) Zugang zur Analysen-Datenbank des jeweiligen Lieferanten, sei es durch eine Art Beispackzettel. Dr. Albrecht von Keyserlingk hat genau diese Forderung einst auf einem Aromatherapie-Kongress geäußert: „Jedem Öleverbraucher sollte die Kenntnis über die Inhaltsstoffe des eingesetzten Öles ermöglicht werden.

Erstmalig sah ich nun diese wichtige Hilfe bei bio-zertifizierten (Ecocert und/oder AB) ätherischen Ölen der französischen Firma Nature et Decouvertes. Ein aromatischer Traum von mir ist bei dieser Firma in Erfüllung gegangen. Bliebe zu wünschen übrig, dass sich eine deutschsprachige Firma der professionellen AnwenderInnen erbarmt und diese gute Idee übernimmt!

Immortelle als „göttlicher“ Anti-Ageing-Star


Es sieht so aus, als bekäme eines „unserer“ eher therapeutisch eingesetzten ätherischen Öl kosmetischen Modestatus. Das stark würzig-maggi-curry-artig duftende Öl aus Helichrysum italicum (Helios=Sonne, Chrysum=Gold), genannt Immortelle (die Unsterbliche) oder Katzenpfötchen, wird von einer weltbekannte Kosmetikfirma, die auch natürliche Substanzen einsetzt, als „ein Tresor/Schatz der Langlebigkeit bezeichnet. Die Blüten (im Foto die Knospen, gestern fotografiert) sollen die Synthese von Kollagen aktivieren und damit die Konturen neu designen sowie den Teint zum Leuchten bringen. Man beruft sich auf Tests an fast 50 zufriedenen Frauen sowie In-vitro-Tests. Interessant finde ich, dass man den strengen Duft des Öles in dieses Luxuscreme nicht wahrnehmen kann. Eine andere Kosmetikfirma bewirbt die Beauty-Talente des kleinen gelben Strohblümchens vor allem mit der Stärkung des Bindegewebes.

In der klinisch orientierten Aromapflege kennen wird das Öl als mächtiges Mittel gegen Hämatome („blaue Flecken“), es ist grundsätzlich ein bewährter wertvoller Helfer bei kleinen häuslichen Unfällen, vor allem wenn es mit Cistrosen– und Lavendelöl gemischt wird:

Grundmischung „Unfallhelfer“:

  • 4 ml Lavandula angustifolia
  • 3 ml Helichrysum italicum
  • 3 ml Cistus ladanifer

Nach stumpfen oder blutenden Verletzungen einige (3-5) Tropfen von dieser Mischung pur auf die betroffenen Stellen geben, wenn nötig alle 15 Minuten wiederholen, bis die Blutung gestillt ist oder andere Hilfe eingetroffen ist, bei frischen Prellungen stündlich wiederholen und je nach Schwere einige Tage 3-4 Mal täglich auftragen. Bitte daran denken, dass bei der Anwendung unverdünnter ätherischer Öle diese von höchstmöglicher Qualität sein müssen, nicht viel länger als ein Jahr nach Öffnen der Fläschchen auf der (empfindlichen) Haut angewendet werden sollten und möglichst auch aus kontrolliert biologischem Anbau stammen sollten.

Die besondere Wirkung des Öles wird vor allem den seltenen Diketonen, das sind Sesquiterpenketone mit zwei „ketonigen“ funktionellen Gruppen (Ketogruppen), die Italidione, zugeschrieben. Aufgrund dieser Wirkungen wird das Öl in der französichen Aromatherapie gerne als „Super-Arnika“ bezeichnet, beide Pflanzen sind übrigens auch eng miteinander verwandt, sie sind beide Korbblütengewächse (Asteraceae, früher Compositae). Auch in zarten Mischungen nach seelischen Verletzungen ist dieses kostbare Öl eine wertvolle Unterstützung. Es wird dann nur in Spuren in fein duftende Mischungen mit beispielsweise Mandarine rot, Petit Grain, Rose, Kamille römisch gegeben.

PS Vielen Dank an Agita, ich wollte es geschrieben haben, vergaß es dann: das Immortelle-Öl für diese Luxus-Kosmetik-Firma wird von Albrecht von Keyserlingk auf über 500 Hektar auf Korsika angebaut und destilliert. Seine Firma liefert auch das besondere Rosmarin Ct. Verbenon und die Korsische Kiefer (Pinus nigra ssp. laricio), besondere Öle, die nur bei wenigen deutschsprachigen Firmen erhältlich sind. Und hier auf Wunsch einer Leserin eine Übersetzung ins Portugiesische:

Parece que um dos óleos essenciais que nós usamos para fins terapêuticos vai ganhar o status de uma moda cosmética. O óleo de Helichrysum italicum (hélios = sol, Chrysum = ouro) com o nome de “imortal” ou “patinha de gato”, que tem um forte cheiro de curry-maggi recebeu de uma produtora mundial de cosméticos (L’Occitane) que usa também substancias naturais, a designação de “tesouro da longevidade“. Diz-se que suas flores activam a síntese de colágeno formando novos contornos e aumentando a luminosidade da tez. Se referem a testes com perto de 50 mulheres satisfeitas assim como que a testes in-vitro. Mas acho esquisito, que o cheiro forte do óleo não se sente nesse creme de luxo. Outra produtora de cosméticos baseia sua propaganda sobre os talentos de beleza da florzinha amarela, em primeiro lugar sobre o fortalecimento do tecido conjuntivo.
Nas aplicações clinicas da aromaterapia conhecemos o óleo como um forte remédio contra hematomas (“manchas azuis”); em principio é um remédio comprovado para pequenos acidentes domiciliares, principalmente quando é misturado com óleos do cistus e da alfazema.

Mistura “Pronto Socorro“ (Recurso para acidentes)

  • 4 ml Lavandula angustifólia (Lavandula)
  • 3 ml Helichrysum italicum  (Imortal)
  • 3 ml Cistus ladanifer (Cistrose)

Em caso de lesões embotadas ou sangrentas aplicar algumas gotas (3-5) desta mistura nos lugares afetados, se necessário repetir de 15 em 15 minutos, até estancar aa hemorragia ou outra ajuda haja chegado, em caso de contusões recentes repetir de hora em hora, e dependendo da gravidade repetir as aplicações 3 a 4 vezes por dia.
Favor sempre lembrar que aplicando óleos etéreos concentrados estes devem ter a melhor qualidade possível,  não devem ser aplicadas a pele (sensível) muito mais de um ano depois de  abrir o frasquinho e, se possível, devem provir de uma cultura biológica garantida.
O efeito especial do óleo se atribui aos raros dicetonas, que são cetonas sesquiterpenas com dois grupos funcionais (grupos cetonicos) – os italidionos. Em virtude destes efeitos o óleo se chama tambem “Super –Arnika” na terapia aromática francesa; as duas plantas tem um alto grau de parentesco, as duas são calatidiflores (Asteraceae, na terminologia ântiga Compositae). Misturas finas deste óleo precioso servem bem no tratamento de „lesões psíquicas“. Nestes casos este óleo se usa em misturas com outros óleos essenciais como por exemplo o óleo de casca de tangerina, o óleo de folhas de laranja, óleo de rosas e/ou óleo da camomila romana (Chamaemelum nobile).

Mastix, das ‚grüne‘ Harz



Heute erläutere ich euch aromatisches schmückendes Blattgrün in herbstlichen Blumensträußen. Denn kaum jemand ist sich dessen bewusst, dass es sich bei diesen Blättern mit den eigentümlich ‚plattgedrückten‘ Stielen um eine Duft- und Räucherpflanze handelt, welche seit biblischen Zeiten bekannt ist. Deren Harz liefert das kostbare, grün-frisch-herb duftende Mastix- oder Pistacheöl. Sie heißt Pistacia lentiscus und ist mit den leckeren Knabber-Pistazien verwandt.
Diese hübschen Sträucher wachsen rund um das Mittelmehr, die Blätter und noch mehr das Harz wirken sehr adstringierend (zusammenziehend), wenn man sie kaut. Im ländlichen Griechenland wird das Harz wie Kaugummi gekaut, es regeneriert und desinfiziert wundes Zahnfleisch und erfrischt den Atem. Es wird auch als Abdichtungsmittel für Weinfässer eingesetzt und gibt so dem griechischen Retsina seinen unverwechselbaren Charakter (Retsina bedeutet Harz/Geharzter). Schauspieler kennen das Harz als Klebstoff für künstliche Bärte (Dank an Peter und Helge), auch für viele andere technische Zwecke wird es eingesetzt.
In pharmakologischen Untersuchungen konnte ein Schutz vor Magengeschwüren gezeigt werden, vermutlich durch eine Reduzierung der Produktion von Magensäure und einen ergänzenden Puffereffekt. Aber auch eine Wirkung gegen den ‚Magenschreck‘ Helicobacter pylori, der sogar für Magenkarzinome verantwortlich sein könnte, wird diskutiert. In entsprechenden Tests führte eine Mastix-Konzentration von 125 µg/ml zu einer 50-prozentigen und 500 µg/ml zu einer 90prozentigen Vernichtung des Magenkeims.
Desweiteren wurde – wie bei vielen monoterpenreichen ätherischen Ölen auch – eine antiarteriosklerotische Eigenschaft gefunden, diese wird mit verminderten Oxidationswerten des ‚bösen‘ Cholesterin LDL erklärt. In einer kleinen randomisierten Doppelblindstudie mit 20 Teilnehmern wurde das Kauen eines Mastix-haltigen Kaugummis und die Entwicklung von Zahnplaque untersucht. Durch vierstündiges Kauen dieses Kaugummis reduzierte sich die Menge der plaqueverursachenden Bakterien signifikant. Untersuchungen an isolierten Bakterienkulturen belegen nicht nur eine bakteriostatische Wirkung bei Helicobacter pylori sondern auch bei Staphylococcus aureus, Lactobacillus plantarum, Pseudomonas fragi und Salmonella enteridis Quelle: Heike Lück-Knobloch.
Das ätherische Öl, das nach senkrechtem Anritzen der Rinde des 3 bis 4 Meter hohen Strauches aus dem austretenden Harz destilliert wird, enthält bis zu 50 Prozent Monoterpene, welche für die schmerzlindernde und entzündungshemmende und kortisonähnliche Wirkung verantwortlich sind:
  • 6,5–20 % alpha-Pinen
  • 7-10% Limonen
  • 4–15 % beta-Myrcen
  • 1,5–15 % Sabinen
  • 0,2–0,8 % delta-Caren
Dazu Spuren von Sesquiterpenen sowie Sesquiterpenolen und folgende Monoterpenole und Monoterpenester:
  • 33-44% Terpineol-4 (antibakteriell und aquaretisch wirksam)
  • 7-10% Bornylacetat (entkrampfend wirksam)
In meinem Fachbuch habe ich folgende Indikationen aufgeführt:
  • Varizen, Hämorrhoiden
  • Thrombophlebitis
  • Prostatitis
  • Sinusitis
  • spastische Kolitis
  • Ulcus ventriculi
Ich wende dieses recht teure, sehr milde und schleimhautverträgliche ätherische Öl fast ausschließlich für Salben und Zäpfchen gegen Beschwerden durch schmerzende Hämorriden an. Die zusammenziehende und entzündungshemmende Wirkung entfaltet sich bereits bei ganz hohen Verdünnungen von ein bis zwei Prozent. Schwangere sind für diese Hilfe oft sehr dankbar. In Frankreich werden Männer mit Problemen der Vorsteherdrüse mit entsprechenden Zäpfchen versorgt. Die magenschützende Wirkung wird im englischsprachigen Bereich durch einzunehmende Kapseln mit dem Harz erreicht.
In frisch-herbe Rasierwässer oder Eau de Colognes kann man mit Spuren dieses Duftes eine fein-herb-grüne Komponente zaubern. Ideal mit Zitrusdüften und Zedernholzöl.

Video zur Destillation von Lavandin


Ich bin auf Reisen, zur Zeit in der Nähe von Basel, das Wetter ist hier auch nicht besser als zur Zeit zu Hause in Irland. Wer Lust auf ein bisschen Sommer-Lavendelduft-Flair hat, kann sich das Lehrvideo des ACHS (Australasian College of Health Sciences, diese renommierte Schule lehrt unter anderem Aromatherapie) zur Destillation von Lavandin (Lavandula x intermedia) anschauen. Es besteht aus zwei Teilen und Robert Seidel führt in 18 Minuten (in englischer Sprache) durch die wesentlichen Aspekte einer traditionellen Destillation auf der Sherwood Lavender Farm in Sherwood Oregon.

Wer es noch südlicher mag, kann sich nach Florida „beamen“ und ein kurzes Filmchen über einen Ylang Ylang Baum mit seinen bezaubernden grünlich-gelben Blüten zu Gemüte führen, viel Spaß: