chemotypen – frühe entdeckungen [teil 2]


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIm ersten Teil meiner Zusammenfassung über das Wesen der Chemotypen von einigen Ätherisch-Öl-Pflanzen ging vor allem um therapeutische und pflegerische Unterschiede (hier kann er nochmals gelesen werden klick!).

Heute geht es um die Geschichte der Entdeckung der vielgestaltigen biochemischen Zusammensetzung von Duftpflanzen, die äußerlich identisch sind, also den gleichen botanischen Namen tragen. Doch durch äußere Einflüsse liefern sie vollkommen unterschiedliche ätherische Öle. Von sanft bis hautreizend, von fein duftend bis stark riechend.

Das Prinzip der Chemotypen wurde bereits 1906 vom österreichischen Botaniker Otto Stapf (1857-1933) beobachtet. Für das ‚Bulletin Nr. 8 1906’ des britischen Botanischen Gartens in Kew bei London schrieb er einen interessanten Artikel über ein und dieselbe botanische Art, nämlich über Cymbopogon nardus (L.) Rendle (früher Andropogon), und wie sie unterschiedliche chemische Schwerpunkte, also Inhaltsstoffe ausbilden kann. Er weist auf die Ähnlichkeit mit Lemongrass (Cymbopogon citratus und C. flexuosus) hin und beleuchtet auch andere ähnliche, kaum unterscheidbare tropische Süßgräser. Er sprach von ‚physiologischen Rassen’.

Dem heute noch sehr aktiven französischen Forscher, Dozent, Fachbuchautor und Gründer des renommierten belgischen Öleanbieters Pranarôme, Pierre Franchomme (geb. 1943) haben wir das heutige Wissen und die Verfügbarkeit von gänzlich unterschiedlichen Chemotypen des Thymianöles zu verdanken.

Der komplette, recht lange Artikel ist auf meinem jährlichen Newsletter erschienen, der kürzlich an seine AbonnentInnen versendet wurde, er kann hier (klick!) gelesen werden. Soweit ich weiß sind diese historischen Fakten rund um die Entdeckung und die Vergleiche von Chemotypen bei ätherischen Ölen zum ersten Mal niedergeschrieben worden. Es sind auch einige neuere Studien im Newsletter beschrieben, beispielsweise über die ‚Stressreduktion bei Angehörigen von Pflegeberufen‘ und über ‚Orangen- und Rosengeranienduft gegen Ängste während der Entbindung‘.

Wer den Newsletter abonnieren möchte, kann sich auf der linken Spalte ganz unten auf meiner Aromapraxis-Website (klick!) eintragen. Und wer alle hier folgenden Blog-Artikel wie einen Newsletter sofort nach Erscheinen per E-Mail erhalten möchte, kann hier oben rechts durch Drücken des grauen Knopfes ‚Bestellen‘ seine/ihre E-Mail-Adresse eintragen (sie wird nur von mir gesehen!).

:: Ein sehr gutes Interview mit Pierre Franchomme (2015, auf französisch) kann hier angeschaut werden (klick!)
:: Ein prima Video mit einer Vorlesung über ätherische Öle bei Viren-Erkrankungen mit Pierre Franchomme (auf französisch) gibt es hier (klick!)
:: Der Titel seines neuen (französischen) unglaublich umfangreichen Fachbuches lautet La Science des Huiles Essentielles Médicinales (klick!, 35,24 €), in diesem Buch befinden sich ein paar kurze Abschnitte über die Geschichte der Chemotypen, die mir die Inspiration gaben, diesem Thema mal etwas gründlicher auf die Spur zu gehen. Merci beaucoup, Monsieur Franchomme!

provence-lavendel in akuter gefahr


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyNach dem 1. Aromatherapie-in-der-Psychiatrie-Kongress in Basel, vor ziemlich genau zwei Jahren, fasste ich den Bericht (klick!) von Jean-Claude Richard (Farfalla) zusammen, dass in der Provence die Lavendelproduktion am kollabieren sei, dass eine Krankheit das „blaue Wunder“ bedrohe, dass Lavendelöl sich stark verteuern werde.

Kürzlich wurde die erschreckende Verschlechterung dieser (noch lokal wütenden) ökologischen Katastrophe in einem sehr guten Artikel in der Zeitung Die Welt (klick!) zusammengefasst. Die blau-lilafarbenen Felder des beliebten Lippenblütengewächses werden durch eine bakterielle Krankheit bedroht, welche durch winzig kleine Zikaden übertragen wird (Stolbur-Phytoplasma). Durch die Attacke der Mikroben bilden die Pflanzen nur kleine Blüten und verdörren. Das trockene Wetter der letzten Jahre verstärkte das Aufkommen der Krankheit, die im Jahr 2000  erstmals auftrat. Vielerorts mussten deshalb gesamte Bestände vernichtet werden. Danach kann jedoch nicht neu gepflanzt werden, vielmehr müssen 5 Jahre vergehen, bevor an eine Rekultivierung des Bodens mit Lavendel zu denken ist. Man rechnet mit einer weiteren Verschlimmerung der Situation, der Preis für echtes Lavendelöl ist bereits um 30 Prozent angestiegen, Tendenz steigend. Man kann keine Insektizide versprühen, da diese die bestäubenden Bienen töten würden, diese wiederum sorgten bislang für weiteres Einkommen in der kargen Region, sie produzierten reichlich des bekannten Lavendelhonigs.

Zwischen 2005 und 2010 sind auf diese Weise 50 Prozent der Anbauflächen verschwunden, 2005 wurden noch 85 Tonnen ätherisches Öl produziert, inzwischen sind es unter 30 Tonnen. Bulgarien rüstet indessen auf und produzierte im vergangenen Jahr 45 Tonnen Lavendelöl, die Ukraine und China erreichen inzwischen bereits 15 Tonnen pro Jahr.

Leider muss man befürchten, dass dies wieder eine Lektion in Sachen „gierige Plantagen-Landwirtschaft“ ist. Diese extrem art-ungerechte Art der Pflanzenkultivierung erfordert reichlichen Einsatz durch Chemikalien zum Wachsen und zum Abwehren von Beikräutern sowie von unerwünschten „Viechern“, sie schwächt die Pflanzen, fördert Resistenzen auf vielerlei Art, welche dann zu verstärkten Bemühungen mit Pestiziden führen können. Irgendwann „freut sich der Dritte“: Irgendein Mikroorganismus nutzt die Immunlücke bei den Gewächsen und labt sich daran. Die grenzenlose Gier, der Erde immer mehr als möglich abzupressen, fordert ihren Tribut.

Vielleicht sollten wir in milden Gegenden Mitteleuropas Kooperativen gründen und lokalen Lavendel destillieren, er wächst vielerorts so schön, ich habe auf der derzeitigen Reise ganz viel wunderschönen Lavendel gesehen, er wird meistens gar nicht geerntet. In Österreich gibt es jedenfalls bereits ein solches Projekt, das Projekt Berglavendel. Und vielleicht sollten wir uns angesichts dieser traurigen Lektion besinnen, auch unsere Nahrungsmittel nicht von billig produzierenden Plantagengiganten zu kaufen, sondern kleine regionale Lebensmittelerzeuger zu unterstützen. Denn BIO ist einfach LOGISCH, so tut es der Erde gut, so tut es uns gut, so tut es den Tieren und Insekten gut. Der Mensch kann ohne Lavendelöl leben, doch ohne Obst und Gemüse wird er nicht weit kommen.

Tausend Dank übrigens an all die lieben und wohlwollenden LeserInnen, die meinen letzten Blogeintrag zum 20-Jahre-Schuljubiläum so nett gewürdigt haben! Auch ansonsten stille Mitleserinnen haben sich ein Herz genommen und etwas geschrieben, das ist des Bloggers Ansporn, genau so noch besser weiter zu machen!

aromatherapie bei colitis: kunzea ambigua


AiDA AromatherapyIch hatte in meinem Online-Magazin (Nr. 17 | 2006) bereits über ein hoffnungsvolles ätherisches Öl geschrieben, dessen (relative) Bekanntheit in Europa den Erfolgsberichten des französischen Arztes Dr. Daniel Pénoël zu verdanken ist. Die Weiße Honigmyrte [Kunzea ambigua (Smith) Druce, Tick bush, White cloud] wächst in den kühleren Küstengegenden Südost-Australiens (im Süden von New South Wales, Victoria und Tasmanien) und ist sowohl mit Teebaum als auch mit Manuka verwandt. Der Duft des Öles liegt auch irgendwo dazwischen, etwas medizinisch-eukalyptisch, krautig mit subtilen blumig-fruchtigen Untertönen. Der engagierte Arzt hatte dieses Öl 2006 auf einer Tagung von Forum Essenzia vorgestellt.

Die ganz stark antioxidative Wirkung des kleinen Baumes oder großen Strauches mit den „puscheligen“ weißen Blüten (Oktober bis Dezember) wurde von einem Farmer namens John Hood entdeckt, der einen alten Stacheldrahtzaun von 1958 auf seinem Land hatte. Das Metall war teilweise kein bisschen verrostet (wir bekamen Fotos davon zu sehen), genau an den Stellen, wo diese Kunzea-Bäume (bis 4 Meter) drüber wuchsen. Mit dem ätherischen Öl wurde der Farmer seine langjährige Sinusitis los. Dr. Pénoël hat selbst einige Jahre in Australien gelebt und dort etliche besondere ätherische Öle kennen und schätzen gelernt.

Durch einen hohen Anteil an Sesquiterpenen wirkt es deutlich antiphlogistisch (entzündungshemmend), es hat sich auch bei der Linderung von akuten rheumatischen Schmerzen bewährt. Für Grippe-Symptome und Schmerzen allgemein sowie bei Angst und Frustration setzt Pénoël es mit Begeisterung ein.


An antimikrobieller Wirkung erwähnte er Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Pseudomonas und Candida albicans, die wichtigsten Inhaltsstoffe sind folgende:

  • 39% beider Pinene (Monoterpene)
  • 16% 1,8-Cineol (Monoterpenoxid)
  • 11% Globulol (Sesquiterpenalkohol)
  • 4% Bicyclogermacrol (Sesquiterpenalkohol)

AiDA AromatherapyLetztere betrachtet Dr.  Pénoël als eine sehr wichtige Sesquiterpenverbindung. Insgesamt hat man circa 300 Bestandteile im ätherischen Öl gefunden. Er zeigte ganz neue Fotos von einer jungen Patientin, welche seit 15 Jahren an Morbus Crohn (eine unheilbare chronisch-entzündliche Erkrankung des Darmes) gelitten hatte, sie nimmt das Öl in Kapseln ein (6 Tr. in Basisöl, 3 x tägl. = 18 Tr). Er berichtet, dass er selber über die sehr schnelle Linderung erstaunt war –nicht nur der Darmbeschwerden, sondern auch der kalten steifen Gelenke. Auch ihre psychische Labilität auf Grund einer schon länger vorhandenen Bulimie hatte sich enorm gewandelt. Pénoël schilderte amüsiert in seinem unnachahmlichen Hand-Fuß-Deutsch, dass sie sich in kürzester Zeit von superschlapp auf ein ausgezeichnetes Joggingvermögen hocharbeiten konnte. Des weiteren ist es ein wichtiges Öl bei der Behandlung von HNO-Erkrankungen, also vor allem Erkältungssymptome. Der australische Aromatherapeut Marc Webb berichtet auch über gute Erfolge bei  Ekzemen, Gürtelrose, Verstauchungen, Zerrungen und Hämatomen.

Der englische Name Tick Bush bezieht sich auf Beobachtungen von Weidevieh, dass sich gerne unter große Kunzeasträucher legt, um sich vor Zecken zu schützen (tick=Zecke). Das Öl hat auch eine ähnliche mückenabweisende Wirkung (auf Aedes aegypti L.) wie Citronellaöl, wie eine Studie aus dem Jahr 2009 zeigen konnte. Beide Öle werden jedoch nicht für Gegenden empfohlen, wo lebensbedrohliche Krankheiten durch Mücken übertragen werden. Das ätherische Öl ist über die (französisch/englische) Website seines französischen „Entdeckers“ erhältlich und auch bei Ronald Reike (klick zum bestellen!)

PS. Ich wurde letzte Woche wieder einmal gefragt, wo es preiswerte Tester-Sets mit den wichtigsten ätherischen Ölen gibt, oder auch aromatische Hausapotheken. Seit gestern bzw. diesen Monat (März 2011) gibt es die zwei Grundsets von Wadi (Dr. Dietrich Wabner) zu einem unschlagbaren Sonderpreis: 24 wichtige ätherische Öle für 105 Euro (auch getrennt erhältlich). Auch eine absolute Besonderheit, das exotisch-schwer-würzig duftende Song of Salomon-Öl ist preisreduziert, ich benutze es gerne als Winterparfüm. Foto Ölekästen: Wadi

Marguerite Maury – die Pionierin der „englischen Schule“ der Aromatherapie


Marguerite Maury ist heute vor 42 Jahren gestorben. Ich habe dieser Tage den Friedhof in der Nähe von Sankt Gallen besucht, in dem sie damals begraben wurde. Ihre Schülerin Daniele Ryman hat mir freundlicherweise ein nettes Foto zur Verfügung gestellt, denn in meinem Buch befindet sich nur meine ziemlich dilettantische Zeichnung nach einer kleinen und unterbelichteten Vorlage.

Marguerite Maury, meistens Madame Maury genannt, wurde als Marguerite König 1895 in Österreich geboren, sie wuchs in Wien auf. Schon in ihrer Internatszeit war Musik ihre ganz große Leidenschaft, doch sie wollte Biochemie und Botanik studieren. Stattdessen heiratete sie mit 17 Jahren. Im folgenden Jahr wurde sie Mutter, sie verlor ihr Söhnchen im Alter von zwei Jahren an Meningitis. Ihr Mann starb im ersten Weltkrieg und als auch noch ihr Vater Selbstmord beging, ließ sie sich zur Krankenschwester ausbilden. Während ihrer Zeit als chirurgische Assistentin im Elsass bekam sie das Buch „Les Grandes Possibilités par les Matières Odoriferantes“, das bereits 1838 erschienen war, geschenkt. Dessen Autor Dr. Chabenes wurde später der Lehrer von René-Maurice Gattefossé. Bei der Lektüre begann ihre Liebe zu den duftenden Ölen.

In den frühen dreißiger Jahren traf sie den homöopathischen Arzt Dr. Maury, der ihre Interessen mit ihr teilte: von Musik, Kunst, Literatur über Homöopathie, Akupunktur und Zen. Sie forschten und schrieben zusammen Bücher.

In den vierziger Jahren versuchte sie nachzuweisen, wie ätherische Öle auf das Nervensystem wirken, wie ihr seelisch ausgleichender und verjüngender Effekt zustande kam. Sie gab Seminare in ganz Europa und eröffnete Aromatherapie-Kliniken in Paris, in der Schweiz und in Großbritannien.

1961 erschien ihr bekanntestes Buch „Le Capital Jeunesse“. Sie beschreibt ihre Erkenntnisse aus ihrer medizinisch-kosmetischen Arbeit mit ätherischen Ölen und plädiert für eine sorgfältige Schulung, um für jeden individuellen Menschen die richtigen „verjüngenden“ Öle einsetzen zu können.

Zusammen mit Danièle Ryman war sie die erste Frau, die die gesundheitlichen und schönheitsfördernden Eigenschaften der ätherischen Öle dem interessierten Publikum vorstellte. Bühnen- und Leinwandstars ließen sich von ihnen behandeln. (Auszug aus „Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe„, copyright Sonntag Verlag)

Wer mehr erfahren möchte und englisch kann, sollte auf Daniele Rymans Seite gehen. Ihr Buch auf deutsch gibt es nur noch antiquarisch. Das Foto von Marguerite Maury stellte sie mir freundlicherweise zur Verfügung. Copyright photograph of M. Maury: Daniele Ryman, thank you for the kind permission to use it.

aromatherapie bei schnittwunden


„Die meisten Unfälle passieren im häuslichen Bereich“ kann man immer wieder lesen. Stürze von Leitern und Stühlen, Verbrennungen beim Kochen und Handwerkeln sowie Schnittwunden in Küche und Garten gehören sicherlich zu den unfallträchtigsten Meisterleistungen des Menschen. Gestern Abend hat es eine meiner Fingerkuppen erwischt. Beim Unkrautjäten ohne schützende Handschuhe, in einem Gartenbereich, der von unseren Vorgängern vermutlich als Müllhalde verwendet wurde, wie selbst heutzutage bei unzuverlässiger Müllabfuhr im ländlichen Irland noch üblich. Eine Glasscherbe schnitt mir also ein rechtes Stückchen einer Fingerspitze ab. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es fürchterlich blutete und sofort das schmerzende Pochen einsetzte.

In solchen misslichen Situationen freue ich mich immer wie eine Schneekönigin, dass ich ätherische Öle zur Hand habe. Höchstens  zwei Minuten nach Beträufeln der Wunde mit einigen Tropfen Cistrosenöl (Cistus ladanifer, circa 47% alpha-Pinen, 5% Viridiflorol) pur aufgetragen stoppte die Blutung fast komplett. Von Pochen war bald auch fast nichts mehr zu spüren. Heute früh beim Aufstehen habe ich mich aus Versehen leicht auf die Wunde gestützt, so dass sie ganz leicht blutete, noch zwei Tropfen Pfefferminzeöl (Mentha piperita, 45- 50% Menthol, circa 15% Menthon) sowie ein schützendes Pflaster drauf und die Sache ist erst einmal erledigt.

Für die Hausapotheke bitte dran denken, die Öle immer von bester Qualität und für solche direkten Hautanwendungen auch stets „frisch“ zur Verfügung zu haben. In diesem Falle sollte das Pfefferminzeöl maximal anderthalb Jahre alt sein und das Cistrosenöl maximal ein Jahr (da es zu circa 60 Prozent aus oxidationsanfälligen Monoterpenen besteht).

Das stark duftende Öl, welches aus den harzig-klebrigen Zweigen dieser hitzeliebenden Mittelmeer-Pflanze gewonnen wird (die nicht mit der Rose verwandt ist), hat eine stark blutstillende und zusammenziehende Wirkung (in Frankreich „la suture aromatique“ genannt, die „aromatische Naht“), es kann auch bei übermäßigen Monatsblutungen (3%-ig in Traubenkern- oder Mandelöl verdünnt) auf Tampons gegeben werden. Innerlich eingenommenes Cistrosenhydrolat (circa 10-20 Tropfen auf etwas Wasser oder Saft, 3x täglich, Geschmack sehr gewöhnungsbedürftig) kann bei derartigen chronischen Beschwerden, beispielsweise im Klimakterium, auch kurmäßig drei Wochen lang eingenommen werden. Pfefferminzeöl (nicht zu verwechseln mit „Japanischem Minzeöl“ aus Mentha arvensis) hat eine stark epithelisierende, also wundheilende Wirkung. Es brennt übrigens kein bisschen aus Schnittwunden.

Analysen zu ätherischen Ölen


In meinen Kursen wird Wert darauf gelegt, dass die zukünftigen AromapraktikerInnen ihre Pflegeentscheidungen nicht nur intuitiv tätigen können, sondern auch anhand der Inhaltsstoffe des zu verwendeten Öles bestimmen können, ob es für diese oder jene Zielgruppe geeignet ist. Auch können solche Inhaltsstoffe-Analysen hilfreich beim Herstellen von pflegenden Mischungen sein, beispielsweise um zu entscheiden, ob ich die Verwendung eines bestimmten Thymian Ct. Thymol verantworten kann oder nicht, da je nach Menge dieses Stoffes die Mischung hautreizend werden könnte oder weniger. Und ob für die Anwendung bei einem Duftstoffallergiker dieses oder jenes Öl besser in Frage kommen könnte. Auch ob für eine stark psychisch aufhellende Anwendung überhaupt der wertvolle Inhaltsstoff Methylanthranilat in einer der Zutaten enthalten ist.

Leider ist die Verfügbarkeit solcher Analysen noch Mangelware im deutschsprachigen Raum und Listen wie in meinem Fachbuch stellen nur zufällige Momentaufnahmen bzw. idealtypische Zusammensetzungen dar. Besser ist es, zu genau dem Öl, welches ich verwenden werde, die jeweilige Analyse zur Verfügung zu haben. Sei es durch einen (eventuell kostenpflichtigen) Zugang zur Analysen-Datenbank des jeweiligen Lieferanten, sei es durch eine Art Beispackzettel. Dr. Albrecht von Keyserlingk hat genau diese Forderung einst auf einem Aromatherapie-Kongress geäußert: „Jedem Öleverbraucher sollte die Kenntnis über die Inhaltsstoffe des eingesetzten Öles ermöglicht werden.

Erstmalig sah ich nun diese wichtige Hilfe bei bio-zertifizierten (Ecocert und/oder AB) ätherischen Ölen der französischen Firma Nature et Decouvertes. Ein aromatischer Traum von mir ist bei dieser Firma in Erfüllung gegangen. Bliebe zu wünschen übrig, dass sich eine deutschsprachige Firma der professionellen AnwenderInnen erbarmt und diese gute Idee übernimmt!

Immortelle als „göttlicher“ Anti-Ageing-Star


Es sieht so aus, als bekäme eines „unserer“ eher therapeutisch eingesetzten ätherischen Öl kosmetischen Modestatus. Das stark würzig-maggi-curry-artig duftende Öl aus Helichrysum italicum (Helios=Sonne, Chrysum=Gold), genannt Immortelle (die Unsterbliche) oder Katzenpfötchen, wird von einer weltbekannte Kosmetikfirma, die auch natürliche Substanzen einsetzt, als „ein Tresor/Schatz der Langlebigkeit bezeichnet. Die Blüten (im Foto die Knospen, gestern fotografiert) sollen die Synthese von Kollagen aktivieren und damit die Konturen neu designen sowie den Teint zum Leuchten bringen. Man beruft sich auf Tests an fast 50 zufriedenen Frauen sowie In-vitro-Tests. Interessant finde ich, dass man den strengen Duft des Öles in dieses Luxuscreme nicht wahrnehmen kann. Eine andere Kosmetikfirma bewirbt die Beauty-Talente des kleinen gelben Strohblümchens vor allem mit der Stärkung des Bindegewebes.

In der klinisch orientierten Aromapflege kennen wird das Öl als mächtiges Mittel gegen Hämatome („blaue Flecken“), es ist grundsätzlich ein bewährter wertvoller Helfer bei kleinen häuslichen Unfällen, vor allem wenn es mit Cistrosen– und Lavendelöl gemischt wird:

Grundmischung „Unfallhelfer“:

  • 4 ml Lavandula angustifolia
  • 3 ml Helichrysum italicum
  • 3 ml Cistus ladanifer

Nach stumpfen oder blutenden Verletzungen einige (3-5) Tropfen von dieser Mischung pur auf die betroffenen Stellen geben, wenn nötig alle 15 Minuten wiederholen, bis die Blutung gestillt ist oder andere Hilfe eingetroffen ist, bei frischen Prellungen stündlich wiederholen und je nach Schwere einige Tage 3-4 Mal täglich auftragen. Bitte daran denken, dass bei der Anwendung unverdünnter ätherischer Öle diese von höchstmöglicher Qualität sein müssen, nicht viel länger als ein Jahr nach Öffnen der Fläschchen auf der (empfindlichen) Haut angewendet werden sollten und möglichst auch aus kontrolliert biologischem Anbau stammen sollten.

Die besondere Wirkung des Öles wird vor allem den seltenen Diketonen, das sind Sesquiterpenketone mit zwei „ketonigen“ funktionellen Gruppen (Ketogruppen), die Italidione, zugeschrieben. Aufgrund dieser Wirkungen wird das Öl in der französichen Aromatherapie gerne als „Super-Arnika“ bezeichnet, beide Pflanzen sind übrigens auch eng miteinander verwandt, sie sind beide Korbblütengewächse (Asteraceae, früher Compositae). Auch in zarten Mischungen nach seelischen Verletzungen ist dieses kostbare Öl eine wertvolle Unterstützung. Es wird dann nur in Spuren in fein duftende Mischungen mit beispielsweise Mandarine rot, Petit Grain, Rose, Kamille römisch gegeben.

PS Vielen Dank an Agita, ich wollte es geschrieben haben, vergaß es dann: das Immortelle-Öl für diese Luxus-Kosmetik-Firma wird von Albrecht von Keyserlingk auf über 500 Hektar auf Korsika angebaut und destilliert. Seine Firma liefert auch das besondere Rosmarin Ct. Verbenon und die Korsische Kiefer (Pinus nigra ssp. laricio), besondere Öle, die nur bei wenigen deutschsprachigen Firmen erhältlich sind. Und hier auf Wunsch einer Leserin eine Übersetzung ins Portugiesische:

Parece que um dos óleos essenciais que nós usamos para fins terapêuticos vai ganhar o status de uma moda cosmética. O óleo de Helichrysum italicum (hélios = sol, Chrysum = ouro) com o nome de “imortal” ou “patinha de gato”, que tem um forte cheiro de curry-maggi recebeu de uma produtora mundial de cosméticos (L’Occitane) que usa também substancias naturais, a designação de “tesouro da longevidade“. Diz-se que suas flores activam a síntese de colágeno formando novos contornos e aumentando a luminosidade da tez. Se referem a testes com perto de 50 mulheres satisfeitas assim como que a testes in-vitro. Mas acho esquisito, que o cheiro forte do óleo não se sente nesse creme de luxo. Outra produtora de cosméticos baseia sua propaganda sobre os talentos de beleza da florzinha amarela, em primeiro lugar sobre o fortalecimento do tecido conjuntivo.
Nas aplicações clinicas da aromaterapia conhecemos o óleo como um forte remédio contra hematomas (“manchas azuis”); em principio é um remédio comprovado para pequenos acidentes domiciliares, principalmente quando é misturado com óleos do cistus e da alfazema.

Mistura “Pronto Socorro“ (Recurso para acidentes)

  • 4 ml Lavandula angustifólia (Lavandula)
  • 3 ml Helichrysum italicum  (Imortal)
  • 3 ml Cistus ladanifer (Cistrose)

Em caso de lesões embotadas ou sangrentas aplicar algumas gotas (3-5) desta mistura nos lugares afetados, se necessário repetir de 15 em 15 minutos, até estancar aa hemorragia ou outra ajuda haja chegado, em caso de contusões recentes repetir de hora em hora, e dependendo da gravidade repetir as aplicações 3 a 4 vezes por dia.
Favor sempre lembrar que aplicando óleos etéreos concentrados estes devem ter a melhor qualidade possível,  não devem ser aplicadas a pele (sensível) muito mais de um ano depois de  abrir o frasquinho e, se possível, devem provir de uma cultura biológica garantida.
O efeito especial do óleo se atribui aos raros dicetonas, que são cetonas sesquiterpenas com dois grupos funcionais (grupos cetonicos) – os italidionos. Em virtude destes efeitos o óleo se chama tambem “Super –Arnika” na terapia aromática francesa; as duas plantas tem um alto grau de parentesco, as duas são calatidiflores (Asteraceae, na terminologia ântiga Compositae). Misturas finas deste óleo precioso servem bem no tratamento de „lesões psíquicas“. Nestes casos este óleo se usa em misturas com outros óleos essenciais como por exemplo o óleo de casca de tangerina, o óleo de folhas de laranja, óleo de rosas e/ou óleo da camomila romana (Chamaemelum nobile).

Mastix, das ‚grüne‘ Harz



Heute erläutere ich euch aromatisches schmückendes Blattgrün in herbstlichen Blumensträußen. Denn kaum jemand ist sich dessen bewusst, dass es sich bei diesen Blättern mit den eigentümlich ‚plattgedrückten‘ Stielen um eine Duft- und Räucherpflanze handelt, welche seit biblischen Zeiten bekannt ist. Deren Harz liefert das kostbare, grün-frisch-herb duftende Mastix- oder Pistacheöl. Sie heißt Pistacia lentiscus und ist mit den leckeren Knabber-Pistazien verwandt.
Diese hübschen Sträucher wachsen rund um das Mittelmehr, die Blätter und noch mehr das Harz wirken sehr adstringierend (zusammenziehend), wenn man sie kaut. Im ländlichen Griechenland wird das Harz wie Kaugummi gekaut, es regeneriert und desinfiziert wundes Zahnfleisch und erfrischt den Atem. Es wird auch als Abdichtungsmittel für Weinfässer eingesetzt und gibt so dem griechischen Retsina seinen unverwechselbaren Charakter (Retsina bedeutet Harz/Geharzter). Schauspieler kennen das Harz als Klebstoff für künstliche Bärte (Dank an Peter und Helge), auch für viele andere technische Zwecke wird es eingesetzt.
In pharmakologischen Untersuchungen konnte ein Schutz vor Magengeschwüren gezeigt werden, vermutlich durch eine Reduzierung der Produktion von Magensäure und einen ergänzenden Puffereffekt. Aber auch eine Wirkung gegen den ‚Magenschreck‘ Helicobacter pylori, der sogar für Magenkarzinome verantwortlich sein könnte, wird diskutiert. In entsprechenden Tests führte eine Mastix-Konzentration von 125 µg/ml zu einer 50-prozentigen und 500 µg/ml zu einer 90prozentigen Vernichtung des Magenkeims.
Desweiteren wurde – wie bei vielen monoterpenreichen ätherischen Ölen auch – eine antiarteriosklerotische Eigenschaft gefunden, diese wird mit verminderten Oxidationswerten des ‚bösen‘ Cholesterin LDL erklärt. In einer kleinen randomisierten Doppelblindstudie mit 20 Teilnehmern wurde das Kauen eines Mastix-haltigen Kaugummis und die Entwicklung von Zahnplaque untersucht. Durch vierstündiges Kauen dieses Kaugummis reduzierte sich die Menge der plaqueverursachenden Bakterien signifikant. Untersuchungen an isolierten Bakterienkulturen belegen nicht nur eine bakteriostatische Wirkung bei Helicobacter pylori sondern auch bei Staphylococcus aureus, Lactobacillus plantarum, Pseudomonas fragi und Salmonella enteridis Quelle: Heike Lück-Knobloch.
Das ätherische Öl, das nach senkrechtem Anritzen der Rinde des 3 bis 4 Meter hohen Strauches aus dem austretenden Harz destilliert wird, enthält bis zu 50 Prozent Monoterpene, welche für die schmerzlindernde und entzündungshemmende und kortisonähnliche Wirkung verantwortlich sind:
  • 6,5–20 % alpha-Pinen
  • 7-10% Limonen
  • 4–15 % beta-Myrcen
  • 1,5–15 % Sabinen
  • 0,2–0,8 % delta-Caren
Dazu Spuren von Sesquiterpenen sowie Sesquiterpenolen und folgende Monoterpenole und Monoterpenester:
  • 33-44% Terpineol-4 (antibakteriell und aquaretisch wirksam)
  • 7-10% Bornylacetat (entkrampfend wirksam)
In meinem Fachbuch habe ich folgende Indikationen aufgeführt:
  • Varizen, Hämorrhoiden
  • Thrombophlebitis
  • Prostatitis
  • Sinusitis
  • spastische Kolitis
  • Ulcus ventriculi
Ich wende dieses recht teure, sehr milde und schleimhautverträgliche ätherische Öl fast ausschließlich für Salben und Zäpfchen gegen Beschwerden durch schmerzende Hämorriden an. Die zusammenziehende und entzündungshemmende Wirkung entfaltet sich bereits bei ganz hohen Verdünnungen von ein bis zwei Prozent. Schwangere sind für diese Hilfe oft sehr dankbar. In Frankreich werden Männer mit Problemen der Vorsteherdrüse mit entsprechenden Zäpfchen versorgt. Die magenschützende Wirkung wird im englischsprachigen Bereich durch einzunehmende Kapseln mit dem Harz erreicht.
In frisch-herbe Rasierwässer oder Eau de Colognes kann man mit Spuren dieses Duftes eine fein-herb-grüne Komponente zaubern. Ideal mit Zitrusdüften und Zedernholzöl.

Video zur Destillation von Lavandin


Ich bin auf Reisen, zur Zeit in der Nähe von Basel, das Wetter ist hier auch nicht besser als zur Zeit zu Hause in Irland. Wer Lust auf ein bisschen Sommer-Lavendelduft-Flair hat, kann sich das Lehrvideo des ACHS (Australasian College of Health Sciences, diese renommierte Schule lehrt unter anderem Aromatherapie) zur Destillation von Lavandin (Lavandula x intermedia) anschauen. Es besteht aus zwei Teilen und Robert Seidel führt in 18 Minuten (in englischer Sprache) durch die wesentlichen Aspekte einer traditionellen Destillation auf der Sherwood Lavender Farm in Sherwood Oregon.

Wer es noch südlicher mag, kann sich nach Florida „beamen“ und ein kurzes Filmchen über einen Ylang Ylang Baum mit seinen bezaubernden grünlich-gelben Blüten zu Gemüte führen, viel Spaß:

Das Öl mit den 5 Vokalen, seit über 100 Jahren im medizinischen Einsatz


Wie sein enger Verwandter, der Cajeputbaum, wird der bis zu fünfzehn Meter hohe Niaouli- Baum (Melaleuca viridiflora Sol. ex Gaertn.) auf englisch „paperbark-tree“ genannt, da sich seine Rinde wie hauchdünne Papierfetzen schält. Eine Eigenschaft von vielen Myrtaceen. Der Niaoulibaum ist extrem robust, in Florida ist die Art Melaleuca quinquenervia (Cav.) S. T. Blake sogar ein invasives Unkraut (auf Link klicken, interessante Fotos!), das die lokale Flora gefährdet. In seiner Heimat Neukaledonien stehen ausgedehnte Niaouliwälder, die möglicherweise die Ausbreitung der Malaria verhindern, da Mücken von den duftenden Ausdünstungen der Bäume verscheucht werden.
Aus den lanzettförmigen Blättern wird das ätherische Öl in einer recht hohen Ausbeute von zwei bis drei Prozent destilliert. In Frankreich heißt das dort sehr hoch geschätzte Heilmittel seit den ersten Importen aus Gomène in Neukaledonien Mitte des 19. Jahrhunderts auch „Goménol“.
Die Wirkungen des Öles sind denen des Cajeputöles grundsätzlich sehr ähnlich. Es ist sehr mild, nicht toxisch und wird von den meisten Menschen gut vertragen – auch unverdünnt auf der Haut. Im Unterschied zum Cajeputöl enthält es neben reichlich entzündungshemmendem und schleimlösendem Eukalyptol bis zu 15 Prozent Sesquiterpenole, die vor allem für die Behandlung von chronisch wiederkehrenden Krankheiten wichtig sind. Ungewöhnliche Schwefelverbindungen, die dem Duft manchmal einen leicht käsigen Unterton geben, wirken wie eine Zugsalbe bei Vereiterungen.
Niaouliöl ist hilfreich bei Erkältungen und bei Hautkrankheiten aller Art. Seine gewebestraffenden Eigenschaften helfen bei Krampfadern und Hämorrhoiden. Als ölige Einreibung oder warme Kompresse hilft es bei Blasenentzündungen (mit Eukalyptusöl). Es wird auch als antiallergisch wirksames Mittel eingesetzt.
Aus der komplementären Strahlenmedizin ist es nicht mehr wegzudenken, da es zusammen mit fettem Sanddorn-Öl ungewöhnlich gut vorbeugend gegen Schäden durch Bestrahlungsbehandlungen (beispielsweise bei Brust- und Gehirntumoren) eingesetzt wird. Diese „radioprotektive“ Wirkung wurde in einer Studie dokumentiert: Giraud-Robert A M: L’huile essentielle de niaouli (Melaleuca quinquenervia) dans la prévention des radiodermites du cancer du sein. Phytothérapie , Volume 2, Number 3, May 2004 , pp. 72-76(5). Diese Studie ist für $ 42 plus MwSt. bei Springer erhältlich.
Übrigens wird bereits 1912 in einer Ausgabe des einflussreichen British Medical Journal (Ausgabe vom 21. Dezember 1912) vermeldet, dass 20-prozentiges Goménol-Öl (in Olivenöl) bei Tuberkulose mit Erfolg gespritzt wurde (auf Bild klicken zum Vergrößern).