die französische „schule“ der aromatherapie & viele missverständnisse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

René Liardet in Sault

In den letzten Jahren hören wir immer wieder von der „französischen Schule der Aromatherapie“: Es wird gerne behauptet, sie lehre die einzig richtige Anwendung von ätherischen Ölen. In jüngster Vergangenheit werden auch hämische Rufe laut – vor allem auf Facebook (sowohl im deutschsprachigen Bereich als auch in den USA), dass die „etwas dümmlichen“ VertreterInnen der „deutsch-englischen Schule der Aromatherapie“ ja überhaupt keine Ahnung vom wahren Umgang mit ätherischen Ölen hätten.

Ich möchte etwas Aufklärung in diesen verwirrenden Bereich bringen, denn seit Anfang der neunziger Jahre bin ich mit beiden Richtungen gut vertraut. Zwar erhielt ich mein Diplom in Aromatherapie im Mai 1990 vom College von Shirley Price (SPICA) – also von einer „englischen Schule“, doch weitere Kurse brachten mich mit dem französischen Umgang mit ätherischen Ölen in Kontakt. Spannende Informationen von Martin Henglein, der nicht nur einen englischen, sondern auch ein französischen aromatischen Hintergrund hat und viele Gespräche mit Inge Andres, die damals (ab 1985) die kleine aber sehr feine Firma La Balance in Leutkirch hatte, machten mich auf den Ursprung der medizinischen Disziplin Aromatherapie neugierig. Inge lernte ihre „aromatische Kunst“ in Frankreich, gab Kurse im Allgäu und organisierte wundervolle Duftreisen in die Provence. Ihr wundervolles Buch Die ganzheitliche Duftberatung (klick!) gibt es schon lange nur noch antiquarisch (auch die zweite Auflage war damals bald vergriffen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Laien lernen, Thymian mit der Sichel zu schneiden, für Destillateurin Marie-Claire in der Drome

In der Provence, besser im Département Alpes-de-Haute-Provence, durfte ich in frühen Jahren meines „Handwerks“ an Erntetagen und Destillationen teilnehmen. Gespräche mit Bauern über ihre harte Arbeit, lehrten mich hohen Respekt vor ihnen, den eigentlichen ProduzentInnen im Feld und an der Destille. Ich erinnere mich noch sehr gut an das enttäuschte Gesicht von uns bienenzerstochenen Erntehelfern, dass nach einem ganzen heißen Nachmittag des mühsamen Schneidens von Bio-Thymian, nur circa ein halber Liter ätherisches Öl gewonnen worden war. Wer mein Fachbuch hat, kennt einen dieser Bauern, Monsieur René aus Sault und unser geerntetes Thymiankraut von Seite 24, oben seht ihr die Farbversion, die auch in die 6. Neuauflage meines Fachbuches wandern wird. [Monsieur Renés Sohn Guillaume von hat inzwischen die Firma Aroma’plantes (klick!) ausgebaut, man kann dort wundervolle Bio-Produkte online bestellen – also direkt vom Erzeuger und somit einen kleinen Familienbetrieb, der seit 1978 im biologischen Anbau tätig ist, unterstützen].

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im September 1995 auf dem 3. Schweizer Aromatreffen „Aspekte der Französischen Aromatherapie“ in Zürich, organisiert von Martin Henglein und Veroma

Irgendwann in dieser Zeit, Mitte der neunziger Jahre, leistete ich mir das entsetzlich teure Buch von Pierre Franchomme, Dr. Daniel Pénoël und Roger Jollois L’Aromathérapie exactement (klick! ich staunte nicht schlecht, dass so ein Paperback damals weit über 100 DM gekostet hatte!!!). Dieses Werk war die „Bibel“ aller Menschen, die sich jenseits der eher kosmetisch und vor allem der esoterisch orientierten Aromatherapie informieren wollten – sogar für KollegInnen, die kaum französisch lesen konnten! (Ich machte damals meine Heilpraktiker-Ausbildung und war ganz heiß auf medizinische Fakten rund um die Naturdüfte).

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Dr. Daniel Pénoël im August 2006

Dieses Fachbuch ist ein eher trocken und dennoch abwechslungsreich zusammengestelltes Werk vor allem über pharmakologische Wirkungen von ätherischen Ölen, mit „leckeren“ Fotos von kranken Menschen, Röntgenbildern, mit spannenden Tabellen, Grafiken, Fallbeispielen und einem riesigen wissenschaftlichen Quellenverzeichnis. Erstmals lernten wird daraus Details über Chemotypen, Gaschromatogramme wurden erläutert, reichlich chemische Formeln der wichtigen Inhaltsstoffe konnten studiert werden, und auch die fantastischen Wirkungen vieler Öle gegen Mikroorganismen wurden ausführlich vorgestellt. Also alles sehr pharmazeutisch-medizinisch orientiert, sowas gab es damals in keinem deutschsprachigen Buch in dieser Ausführlichkeit.

Erstmals waren die wichtigsten Inhaltsstoffe von circa 270 ätherischen Ölen auf fast 100 Seiten aufgelistet, dazu kompakt und übersichtlich die wichtigsten Eigenschaften, Indikationen und ggfs. auch Kontraindikationen. Eine Fundgrube, in der ich viel geschmökert habe und die ich auch heute noch öfters zu Rate ziehe! Als ich 1994 anfing, an meinem eigenen Fachbuch zu arbeiten, waren diese Informationen mein großes Vorbild, ich erhielt von einigen deutschsprachigen Öleanbietern ordnerweise Gaschromatogramme mit den Analysen der bekanntesten ätherischen Öle und trug möglichst viele Erkenntnisse aus französischen und englischsprachigen Quellen zu meinen eigenen Erfahrungen mit ätherischen Ölen zusammen. Es versteht sich von selbst, dass Dr. Pénoël ein Exemplar bekam!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Jean Valnet

Die Art der Anwendungen dieses französischen Arztes und seiner Wissenschaftler-Co-Autoren, und auch vom Arzt Jean Valnet (1920-1995), der mit seinem ins Deutsche übersetzte Buch Aromatherapie recht bekannt wurde, begründeten die neuere „Schule der französischen Aromatherapie“. Es handelt sich nicht um eine Schule im Sinne des Wortes, sondern dieser Begriff wird zur Abgrenzung von den englischsprachigen Empfehlungen verwendet. Ätherische Öle wurden und werden gemäß den allermeisten seriösen englischsprachigen Schulen und Büchern nur äußerlich angewendet und in niedrigen Dosierungen um maximal 3% eingesetzt. Die guten Ausbildungen umfassen circa 300 Stunden (und mehr!), will man Mitglied eines ernst zu nehmenden Berufsverbandes werden, beispielsweise bei der IFA oder der ISPA. Man erneuert seine Mitgliedschaft durch jährliche Fortbildungspunkte, die nachgewiesen werden müssen. Als Mitglied bekommt man Anspruch auf eine gute Haftpflichtversicherung und kann sich bewerben als Leistungsanbieter im britischen Gesundheitssystem NHS, so dass PatientInnen kostenlose Behandlungen buchen können. Die englischsprachige Richtung wurde von der Österreicherin Margerite Maury (1885-1968) gestartet, sie war Krankenschwester und Ehefrau eines homöopathisch arbeitenden Arztes. Die deutsche Übersetzung ihres Buches Die Geheimnisse der Aromatherapie gibt es nur noch antiquarisch. Nachzulesen sind diese Entwicklungen anhand von konkreten Pionieren auch auf meiner Website (klick!).

Ärzte und Pharmakologen in Frankreich und Belgien dagegen werden viel ausführlicher in den Themenbereichen des Franchomme-Pénoël-Buches und ähnlicher Bücher geschult, das Curriculum ist wissenschaftlich orientiert und sehr anspruchsvoll. Medizinische Anwendungen bilden den Mittelpunkt. So ist es kein Wunder, dass ätherische Öle bei klar diagnostizierten Beschwerden und sogar Krankheiten eingesetzt werden, teilweise mit bei uns als „toxisch“ deklarierten Ölen und oft auch in recht hohen Dosierungen. In manchen Fällen werden auch kaum oder unverdünnte Öle eingesetzt. Dahingegen dürfen in Frankreich etliche ätherische Öle, die man im deutschsprachigen Raum bei jedem Anbieter findet, nur auf Rezept verkauft werden, oder verdünnt, dazu gehören Salbei (Salvia officinalis) und Ysop (Hyssopus officinalis).

Einige Vertreter der „französischsprachigen Schule“ der Aromatherapie (Aromathérapie médicale):

  • Pierre Franchomme, Pharmazeut, Frankreich Kurse Videos
  • Dr. Daniel Pénoël, Arzt, Frankreich Schule
  • Dr. Dominique Baudoux,Pharmazeut, Belgien Schule Firma
  • Dr. Jean-Michel Beghin, Arzt, Frankreich und Belgien Schule
  • Philippe Mailhebiau, Frankreich, Infos
  • Dr. Kurt Schnaubelt, Chemiker, San Rafael/USA, Schule Blog Firma

Gattefossé_Buchseite_xsPassend zur französischen Richtung der Aromatherapie wiederhole ich an dieser Stelle nochmals die oft falsch zitierte Story vom Chemiker, Parfümeur und Destillateur René Maurice Gattefossé, der seine Hand bei einem Chemieunfall verbrannte. Er soll sie in einem Pott Lavendelöl „gelöscht“ und gekühlt haben, woraufhin sein Schmerzen verschwunden sein sollen und die Heilung einsetzte. Mit diesem „Wunder“ habe er die Aromatherapie „wiederentdeckt“. Wer lesen kann ist immer eindeutig im Vorteil 😉 und so finden wir auf Seite seines ins Deutsche übersetzten Buches Gattefossés Aromatherapie die korrekte Version dieses Mythos. Der Pionier der „neuzeitlichen“ Aromatherapie (seit den 70er-Jahren) Robert Tisserand – der die Übersetzung von Gattefossés französischsprachigem Buch „Aromathérapie“ (1937) ins Englische (1993) vornahm und kommentierte – weist darauf hin, dass sich sich die Sache völlig anders verhielt. Der genaue Wortlaut ist auf seiner Blog-Seite nachzulesen. Demnach war Gattefossé, dessen Körper wegen einer Chemikalienexplosion im Jahr 1910 (oder nur die Arme? „after a laboratory explosion covered me with burning substances“) richtig brannte, ins Freie gestürzt und sich auf einem Rasen gewälzt, um die Flammen zu löschen. Danach entwickelte sich an beiden Händen ein Wundbrand (der durch das Bakterium Clostridium perfringens ausgelöst wird – es kommt beispielsweise im Boden vor). Seinerzeit verstarben noch ein Viertel der infizierten Menschen an der sich sehr rasch ausbreitenden Gangrän, zumindest war sie ein Grund zur Amputation der befallenen Gliedmaßen in den Kriegen vor dem zweiten Weltkrieg.
Gattefossé vermerkte in seinem Buch, dass „nur eine Spülung mit Lavendelöl“ die übliche Gasbildung im Gewebe stoppte. Es hatte sich bereits begleitend zur gefährlichen Infektion ein übermäßiges Schwitzen entwickelt, doch am nächsten Tag setzte die Heilung ein. Und nur dank des Lavendelöles konnte er weitere Pioniere wie Jean Valnet und Marguerite Maury in dieser duftenden Wissenschaft unterrichten, deren Bücher in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Aromatherapy-Boom in Großbritannien auslösten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wundervolle bewegte Bilder aus der frühen Jahren von Monsieur Gattefossé und der Aromatherapie kann man übrigens in diesem dreiteiligen Film auf Youtube anschauen. Das Ernten von Lavendel wurde 1907 schon gefilmt! Viele alte Fotos aus einem (seinen?) Fotoalbum sind zu sehen. Er ist viel gereist um gute ätherische Öle zu finden. Ein wirklich wertvolles Zeitdokument für alle, die sich mit der Entwicklung dieses duften Berufes beschäftigen möchten!

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Dieses 2500 qm große Feld mit Bio-Pfefferminze-Pflanzen ergibt 2500 Kilo geerntetes Kraut und ergibt, wenn alles gejätet, geerntet, destilliert und abgefüllt ist, 10 Kilo ätherisches Öl (12 Liter) und gerade mal 100 Euro! Die vielen Bio-Pflanzen müssen davor gekauft oder vermehrt werden und in das urbar gemacht Feld gepflanzt werden.

Und damit spanne ich den Bogen zur aktuellen Zeit. Es wird also neuerdings, wie eingangs erwähnt, behauptet, dass nur die französische „Schule der Aromatherapie“ wirklich wirksam sei. Leider behaupten das nicht ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen, sondern fast ausschließlich Menschen, die in irgendwelchen Schnell-Lehrgängen oder gar nach Infoabenden à la Plastikschüssel, Aloe vera-Wundermittel, Küchenmaschine und Nahrungsergänzung „Aromatherapie“ glauben „erlernt“ zu haben. Sie blicken in den allermeisten Fällen nicht auf einen pflegerischen oder gar medizinischen Hintergrund, sondern gehen allerlei unterschiedlichen Berufen nach und möchten sich mit Hilfe der nun zu Nahrungsergänzungs- und Lifestylemitteln ‚modernisierten‘ ätherischen Öle Geld dazu verdienen.

Sie haben jedoch oft keinerlei Vorstellungen von physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper. Sie können mit der Pharmakologie der ätherischen Öle nichts anfangen, verwechseln recht harmlose Monoterpenole mit den heftig wirksamen Phenolen. Stattdessen erfinden Sie immer neue kuriose Attribute zu den Ölen wie ‚Kamphoride‘ (sollen in Lemongrass, Myrte und Citronella enthalten sein). Sie haben auch wenig Vorstellung davon, wie viel Pflanzenmaterial sich in einem einzigen Tropfen ätherischen Öles befindet, denn Pflanzen hegen und pflegen, sie zu ernten und schließlich zu destillieren gehört in den wenigstens Fällen zu deren „Ausbildungen“. Sie sind stattdessen felsenfest davon überzeugt, „viel hilft viel“, „ist ja alles Natur“, „Natur schadet nicht“, „laut der französischen Schule wird es ja auch so gemacht“. Der Umsatz, der Gewinn und das Bilden von lukrativen „Schneeball-MitmacherInnen“ stehen im Vordergrund, ähnlich wie bei vielen modischen Nahrungsergänzungsmittel-Firmen.

Eine Kollegin musste beispielsweise mit ansehen, wie aus gut gemeinter Unkenntnis einer Brustkrebs-Patientin empfohlen wurde, mehrere Tropfen unverdünntes Pfefferminzeöl auf die bestrahlte Haut zu geben (es ergab sich eine schlimme Strahlendermatitis, der behandelnde Arzt schlug die Hände über dem Kopf zusammen). Eine naturheilkundlich interessierte Ärztin wandte sich an mich, weil ihr empfohlen wurde, bei Kopfschmerzen jeweils einen Tropfen Pfefferminze ins Auge zu geben, das Öl würde über den Sehnerv zum Kopfschmerz gelangen und diesen dann ausschalten (sie rief nicht etwa an, weil ihre Augen höllisch brannten, sondern weil ihr Kopfschmerz einfach nicht weg ging). Einem Elternteil wurde – durchaus sicher nett gemeint – empfohlen, dass das Kind mit Krupphusten mit einigen Tropfen Wintergrünöl inhalieren solle (wer findet die zwei Fehler??!!!), ein anderes Elternteil bekam den Tipp, bei den Wachstumsschmerzen des Kindes einfach einige Tröpfchen reines Zimtrindenöl auf die Schienbeine einzureiben. Auf fest sitzende Zecken solle reines Pfefferminzeöl gegeben werden. Das sind nur einige Beispiele, die an mich heran getragen wurden.

Arglose, vermeintlich in „französischer Aromatherapie“ „geschulte“ Personen geben solche Empfehlungen meistens wohlmeinend an Menschen mit Beschwerden ab, gerne auch mal mit Hinweisen auf die „böse Pharmaindustrie“, man könne viel besser mit ätherischen Ölen helfen (was bei nicht-akuten Beschwerden sicher auch häufig stimmt!). Noch arglosere Kunden fallen darauf rein und erleiden in nicht wenigen Fällen schwere Hautreizungen. Diese werden manchmal, gerne wieder mit Hinweis auf die „französische Aromatherapie“, vorausgesagt: Die betreffende Person solle sich dann freuen, Rötungen und Blasen seien willkommene Zeichen der Entgiftung. Zu diesem Thema hat sich eine Mitarbeiterin auf Robert Tisserands hervorragender Seite ausführlich geäußert (auf englisch).

Also, mein Fazit ist: JEDE der beiden Richtungen – hochprozentige Anwendung oder Verdünnung wie Kosmetika – haben jeweils ihre Berechtigung. Medizinisch gut geschulte, erfahrene und professionell versicherte Menschen wie ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen können in vielen Fällen durch kurzzeitige und hoch dosierte Anwendungen bei akuten Beschwerden viel erreichen. Die hoch dosierte und regelmäßige innere Anwendung (beispielsweise in Kapseln) sollte auch diesem Berufsfeld vorbehalten werden. Oder zumindest unter Aufsicht und Verantwortung eines Mediziners.

Zur Begleitung bei chronischen Beschwerden oder von Begleitumständen von „schulmedizinisch“ notwendigen Maßnahmen und auch zur Krankenpflege, haben sich 0,5-3%ige Verdünnungen von ätherischen Ölen über die letzten 30-40 Jahre bestens bewährt. Werden Speisen und Getränke mit ätherischen Ölen zubereitet, sollte das nach den zwei bewährten Kochbüchern Duftküche und Aromaküche erfolgen und immer so verdünnt, wie es die Natur uns zeigt: Beispielsweise statt der abgeriebenen Schale einer Zitrone gibt man 2 Tropfen Zitronenöl in den Kuchenteig, statt mehrerer Stängel Basilikum gibt man 0,5%ig in Olivenöl verdünntes Basilikumöl an den Tomatensalat. Wenn also BefürworterInnen jeder Richtung entsprechend ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Umfeld ätherische Öle behutsam, verantwortungsvoll und nachhaltig einsetzen würden, gäbe es weniger Grabenkämpfe und Platzhirsch-Getue in unserer duften Branche, dazu vielleicht weniger Allergien bzw Sensibilisierungen und allen Beteiligten wäre (wirklich) geholfen. 🙂

Wieviel ml Melissenöl stecken in diesem Feld?

Hier wird in muskelzehrender Arbeit Bio-Melisse geerntet

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Und aus dem Inhalt dieses Sackes werden 5 ml Kamillenöl destilliert

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cumarine in aromapflege und schulmedizin


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie gibt eine große Vielfalt einer Molekülegruppe namens Cumarine. Etliche sind natürlichen Ursprungs und kommen in diversen Leckereien wie Aprikosen (Marillen), Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen, in den Heilkräutern Salbei, Dill und Kamille vor sowie auch in dem bei uns Aroma-Fachleuten beliebtem und äußerst fein duftendem Tonkaextrakt. Es handelt sich meistens um 7-Hydroxycumarine (mit einer OH-Gruppe am SIEBTEN Kohlenstoff-Atom der Kette). Die licht-sensitivierenden und stimmungsaufhellenden sowie antitumoral wirkendenden Fur(an)ocumarine (wir kennen sie von Zitrusschalenölen, von Angelikawurzelöl und von Kreuzkümmelöl) und Dihydropyranocumarine gehören auch zu den Cumarinen. Eine weitere Bezeichnung für Cumarin lautet 2H-1-Benzopyran-2-on, es handelt sich um das zyklische Lakton einer entsprechenden Hydroxyzimtsäure-Verbindung.

Andere Cumarine werden von Chemikern gebaut bzw das Grundgerüst des in der Natur vorkommenden Cumarin-Moleküls wird verändert. Solche mit der OH-Gruppe am VIERTEN Kohlenstoff-Atom der Kette werden sowohl in der Medizin als auch bei der Schädlingsbekämpfung eingesetzt, sie wirken je nach Dosierung leicht oder stark blutverdünnend bzw antikoagolierend.

Die Fachautoren Dieter Loew, Hermann Hauer und Egon Koch erläutern Verwechslungen dieser zwei grundsätzlich unterschiedlich wirksamen „Designs“ von Cumarinen und halten fest: „Im Gegensatz zu den in der Natur weit verbreiteten an Position 3 und 4 nicht substituierten Cumarinderivaten besitzen Antikoagulanzien vom Cumarintyp eine OH-Gruppe an C-4, die die Voraussetzung für die antikoagulatorische Wirkung bildet, sowie eine lipophile Seitenkette an C-3, die verantwortlich für die Resorption und hohe Bioverfügbarkeit ist. Trotz dieser eindeutigen Erkenntnisse werden 3,4-unsubstituierten Cumarinderivaten aber immer wieder ähnliche gerinnungshemmende Effekte wie den oralen Antikoagulanzien vom Cumarintyp unterstellt.“ [Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung ist zwar nicht mehr taufrisch, da von 2009, doch wirklich sehr lesenswert.]

Weil das später Warfarin getaufte Molekül in den frühen 1920er Jahren zum Tod von tausenden von Rindern in Nordamerika führte – sie verendeten an inneren Blutungen, wurde dieser Stoff erstmal verteufelt. Man fand dann nach längerer Zeit heraus, dass der „sweet clover“ (süße Klee) durch Lagerung und die Infektion mit einem Pilz am Drama schuld war. Im verschimmelten Heu hatte eine Umwandlung des ungiftigen Cumarin im Heu in das gerinnungshemmende Dicoumarol statt gefunden, die Kühe konnten kein Prothrombin für die Blutgerinnung mehr bilden. Diesen Stoff stellte man dann im Labor her und er wurde als Antithrombotikum verschrieben, er hemmt die Verarbeitung von Vitamin K.

Noch größeren Erfolg hatte diese Substanz als Rattengift namens Warfarin und hatte dann seinen Negativ-Stempel weg. Am Menschen wurde es erst wieder eingesetzt und für sicher befunden, nachdem ein Navy-Soldat versucht hatte, sich damit das Leben zu nehmen, jedoch durch die einfache Gabe von Vitamin K gerettet werden konnte. Der Name Warfarin kommt übrigens von WARF, der Wisconsin Alumni Research Foundation, diese finanzierte die Erforschung von synthetischen Blutgerinnungshemmern auf Cumarin-Basis, sie erhielten dann auch das Patent auf die Warfarin-Herstellungsmethode (drei schöne pharmazeutische Zufalls-Entdeckungs-Geschichten sind hier in Phlebologie 2/2014 nachzulesen, teils in deutsch, größtenteils in englisch).

Wir brauchen also in der verantwortungsvoll praktizierten Aromapflege, also mit Ölen und Extrakten bester (Bio-)Qualität, in physiologischen Verdünnungen (0,5-3%) sowie bei äußerer Anwendung keinerlei Angst haben, dass wir unsere PatientInnen schädigen. Und wir dürfen auch PatientInnen, die Marcumar und Warfarin einnehmen, mit den fein duftenden Tonka-Wölkchen umhüllen. Denn damit können wir helfen, körperliche und seelische Schmerzen deutlich zu lindern. Tonka ist erhältlich beispielsweise hochkonzentriert (50:50 in Alkohol) bei Feeling und 30-ig-prozentig in Alkohol bei Aromapflege-Farfalla [Auch der wundervoll marzipanig duftenden jedoch stark hautaggressive Cassiazimt enthält Cumarine, das ätherische Öl daraus auch, es wird jedoch höchst selten in der Aromapflege eingesetzt.]

chemotypen – frühe entdeckungen [teil 2]


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIm ersten Teil meiner Zusammenfassung über das Wesen der Chemotypen von einigen Ätherisch-Öl-Pflanzen ging vor allem um therapeutische und pflegerische Unterschiede (hier kann er nochmals gelesen werden klick!).

Heute geht es um die Geschichte der Entdeckung der vielgestaltigen biochemischen Zusammensetzung von Duftpflanzen, die äußerlich identisch sind, also den gleichen botanischen Namen tragen. Doch durch äußere Einflüsse liefern sie vollkommen unterschiedliche ätherische Öle. Von sanft bis hautreizend, von fein duftend bis stark riechend.

Das Prinzip der Chemotypen wurde bereits 1906 vom österreichischen Botaniker Otto Stapf (1857-1933) beobachtet. Für das ‚Bulletin Nr. 8 1906’ des britischen Botanischen Gartens in Kew bei London schrieb er einen interessanten Artikel über ein und dieselbe botanische Art, nämlich über Cymbopogon nardus (L.) Rendle (früher Andropogon), und wie sie unterschiedliche chemische Schwerpunkte, also Inhaltsstoffe ausbilden kann. Er weist auf die Ähnlichkeit mit Lemongrass (Cymbopogon citratus und C. flexuosus) hin und beleuchtet auch andere ähnliche, kaum unterscheidbare tropische Süßgräser. Er sprach von ‚physiologischen Rassen’.

Dem heute noch sehr aktiven französischen Forscher, Dozent, Fachbuchautor und Gründer des renommierten belgischen Öleanbieters Pranarôme, Pierre Franchomme (geb. 1943) haben wir das heutige Wissen und die Verfügbarkeit von gänzlich unterschiedlichen Chemotypen des Thymianöles zu verdanken.

Der komplette, recht lange Artikel ist auf meinem jährlichen Newsletter erschienen, der kürzlich an seine AbonnentInnen versendet wurde, er kann hier (klick!) gelesen werden. Soweit ich weiß sind diese historischen Fakten rund um die Entdeckung und die Vergleiche von Chemotypen bei ätherischen Ölen zum ersten Mal niedergeschrieben worden. Es sind auch einige neuere Studien im Newsletter beschrieben, beispielsweise über die ‚Stressreduktion bei Angehörigen von Pflegeberufen‘ und über ‚Orangen- und Rosengeranienduft gegen Ängste während der Entbindung‘.

Wer den Newsletter abonnieren möchte, kann sich auf der linken Spalte ganz unten auf meiner Aromapraxis-Website (klick!) eintragen. Und wer alle hier folgenden Blog-Artikel wie einen Newsletter sofort nach Erscheinen per E-Mail erhalten möchte, kann hier oben rechts durch Drücken des grauen Knopfes ‚Bestellen‘ seine/ihre E-Mail-Adresse eintragen (sie wird nur von mir gesehen!).

:: Ein sehr gutes Interview mit Pierre Franchomme (2015, auf französisch) kann hier angeschaut werden (klick!)
:: Ein prima Video mit einer Vorlesung über ätherische Öle bei Viren-Erkrankungen mit Pierre Franchomme (auf französisch) gibt es hier (klick!)
:: Der Titel seines neuen (französischen) unglaublich umfangreichen Fachbuches lautet La Science des Huiles Essentielles Médicinales (klick!, 35,24 €), in diesem Buch befinden sich ein paar kurze Abschnitte über die Geschichte der Chemotypen, die mir die Inspiration gaben, diesem Thema mal etwas gründlicher auf die Spur zu gehen. Merci beaucoup, Monsieur Franchomme!

tropfen pro milliliter in der aromapflege


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZu den Mythen in der Aromatherapie und Aromapflege gehört die Falschzählung, was die Tropfen und Verdünnungen anbelangt. Das würde mich als passionierte Dyskalkulie-Leidende (so eine Art Legasthenie mit Zahlen) nicht weiter stören, doch führt es oft zu wilden Diskussionen. Ich bin immer wieder für’s Ausprobieren statt sich theoretisch den Kopf heiß zu reden. Schon vor vielen Jahren, als ich mein Reiseset mit 100 2ml-Fläschchen ätherischen Ölen füllte, wunderte ich mich, dass ich meistens mindestens 50, wenn nicht sogar 60 oder mehr Tropfen einfüllen konnte. Dann füllte ich über die Jahre viele unterschiedliche Reiseset und immer wieder dasselbe Ergebnis. Doch das kann doch nicht sein, auch ich lehr(t)e doch, dass 20 Tropfen eines ätherischen Öles einen Milliliter ergeben!

Dieser Satz war sicherlich wahr, als ich noch Lernende der Aromatherapie war (Mitte bis Ende der achtziger Jahre) und sicher auch noch, als ich anfing zu unterrichten (1992). Damals gab es wirklich fürchterliche Tropfer, die dicke, fette Tropfen rausließen, teilweise ganz schnell, man konnte sie manchmal kaum abbremsen. Doch Dinge ändern sich. Inzwischen haben die meisten Firmen auf Tropfer umgestellt, die viel feinere Tropfen raus lassen, manchmal ist es dazu je nach Viskosität (zähflüssig oder nicht) eines ätherischen Öle sogar richtig nervig, weil man so lange auf das ersehnte Tröpfchen warten muss.

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So wie es verschiedene Hersteller und Modelle von Tropfern gibt, so können die Tropfer von Öleanbieter zu Öleanbieter minimal variieren. Doch insgesamt sind die Tropfen tatsächlich kleiner geworden. Den meisten guten Anbietern kommt es nicht auf maximale Gewinne und maximale Verschwendung von Seiten der Anwender an. Vielmehr wünschen sie sich alle Inhabern/Geschäftsführer der Firmen, die ich gut kenne und schätze (die Liste steht hier), einen behutsamen und vor allem sicheren Umgang mit den pflanzlichen Kostbarkeiten (die ja teilweise in unverdünnter und/oder oxidierter Form hautreizend sein können).

Erleichert war ich, als ich im Buch Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis des Herausgebers Dr. Wolfgang Steflitsch die seitenlange Tabelle von Gerlinde Engelhardt von der Bahnhof Apotheke in Kempten und von Ingeborg Stadelmann sah, wo die korrekten Tropfenmengen einem Milliliter zugeordnet sind (Seiten 447 bis 451*). Den Auszug aus diesem dicken Buch, dass ich im Oktober 2013 rezensierte, habe ich mal als kleine Tabelle zum ausdrucken (und laminieren) rausgezogen (durch anklicken wird sie etwas größer):

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas Schöne bei unserer traditionellen Falschzählung ist, dass sich fast alle seriösen Aromapflegenden und AromatherapeutInnen im stark unterdosierten Bereich bewegen, das ist gut so. Demzufolge braucht nie jemand Panik zu schieben, wenn ein oder zwei Tropfen eines Öles mehr in die Mischung hüpfen (bis auf bei Zimtöl und anderen phenoligen Ölen oder im Falle von sehr kostenaufwändigen Ölen wie Rose). Ich habe für mein Verdünnungs-Kapitel für die 6. Neuauflage meines Fachbuches in einem dicken französischen Lehrbuch der Aromatherapie nachgeschlagen und noch wesentlich höhere Angaben gefunden: In Frankreich wie auch hier in Irland verwendet man meistens noch viel feinere Tropfeinsätze als im deutschsprachigen Bereich. Ich bleibe in meinem Unterricht bei der veralteten „Formel 20 Tropfen = 1 ml“, schon alleine weil ich mich dran gewöhnt habe und weil es sich auch als Dyskalkulikerin ganz gut rechnen lässt, erläutere jedoch seit einigen Jahren die hier vorgestellte Veränderung.

Wer also seine Rezepturen ganz korrekt herstellen möchte und insbesondere reproduzierbar arbeiten möchte, muss sich einer fein einstellbaren Waage mit Milligramm-Bereich bedienen. Diese sind heutzutage sehr preiswert erhältlich, knapp 15 Euro inklusive eines Kalibriergewichts bei bis zu 100 g zu wiegender Ware und unter 20 Euro, will man Rohstoffe bis 500 g wiegen. Auch prima zum Abwiegen von getrockneten Kräutern, denn für diesen Zweck sind normale Küchenwaagen oft zu grob eingestellt. Im privaten Rühr- und Mixbereich ist so ein Gerät prima, wenn es offizieller wird, muss wohl eher eine teurere Apothekerwaage her. Dann kann man auch besser abwiegen, wie schwer ein einzelner Tropfen ätherisches Öl wiegt, ansonsten schätzt man ganz grob 25 mg

*immer bezogen auf die Tropfeinsätze der Bahnhof-Apotheke in Kempten.

märchenhafte düfte und ein duftmärchen


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Vom Grau ins duftende Naturparadies: Primavera in Oy-Mittelberg

Es war einmal… Wie eingetaucht in ein ganz persönliches Märchen fühlte ich mich, als ich im „Zauber-Palast“ von Primavera ankam. Durch ein riesiges hellgrünes Portal fährt man eine Anderswelt, in dieser Jahreszeit von dicken Nebelschwaden umwabert (es sollen gelegentlich im Hintergrund Berge zu sehen sein 😉 ). Die großzügigen und hellen Räume sind voller feinster Naturdüfte sowie schönster Dekorationen: Glas, Licht, Spiegel, Feng Shui-Elemente befinden sich sogar an den Deckenlampen. Zwischen schönen Treffen mit „alten“ WeggefährtInnen, ehemaligen SchülerInnen und inspirierenden LehrerInnen wurde ich immer wieder in meinen eigenen aromatischen Werdegang katapultiert. Ja, es war einmal kurz nach Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Ich war eine recht frisch gebackene Studiumsabsolventin und jobbte in einem kleinen Esoterik-Laden in Wiesbaden, um die Inhaber, Eltern von einem schwerstbehinderten Kind, etwas zu entlasten. Dort gab es Düfte in kleinen Fläschchen. Ich kannte bis dahin entweder Parfüms (spannend und verlockend) oder Räucherstäbchen und Räucherkegel (zu rauchig, allenfalls für Weihnachten) und war fasziniert von der Möglichkeit, naturreine Raumbeduftung damit hinzubekommen. DAS Buch von Robert Tisserand erschien bald in deutscher Übersetzung – die Bibel der frühen AromaenthusiastInnen. Ich konnte es kaum fassen, dass etwas so Simples und Immaterielles wie ‚Duft‘ vielfältige Heilwirkungen haben soll. Im Ladensortiment folgten Schlag auf Schlag Bücher von vielen deutschen Autoren. Die wichtigsten waren und blieben sicherlich das Mammutwerk von der Primavera-Gründerin Susanne Fischer-Rizzi (welches damals in den ersten Auflagen wunderbar originell illustriert war) „Himmlische Düfte“ und das Buch vom Inhaber der damaligen Öle-Firma Aradia sowie Erfinder des archetypischen Duftkreises Martin Henglein „Die heilende Kraft der Wohlgerüche und Essenzen„. Ich liebe meine beiden Ur-Bücher immer noch heiß und innig, entsprechend sehen sie aus!

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Das Herz aus Filz – eine große Gemeinschaftsarbeit von vielen Filzerinnen

Da die mysteriösen Öle im Esoterik-Laden nicht sonderlich vertrauenserweckend wirkten (und sich nicht gut verkaufen ließen), fragte ich die Inhaberin, ob wir nicht Primavera-Öle ins Sortiment nehmen könnten, ich hatte sie irgendwo gesehen. Doch sie verneinte vehement: Zu teuer und außerdem müsse man an einer Schulung teilnehmen, um sie verkaufen zu dürfen. Das wurmte mich und so fragte ich nach einigen Tagen schüchtern nach, ob ich nicht zur Schulung dürfe, quasi unter dem Vorwand, dass wir uns sehr für den Verkauf dieser ätherischen Öle interessieren. Sie gab mir nach einigen Bedenken die Genehmigung, wenn ich alle Kosten für den weiten Weg nach Hamburg und die Übernachtung übernehmen würde, dort fand die nächste Veranstaltung statt. Am Vorabend der Reise beschloss sie plötzlich, doch mitzukommen. Wundersam für mich war, dass sie bereits beim Betreten des eher unscheinbaren Gebäudes verkündete: „Diese Düfte nehmen wir ins Sortiment“. Unnötig zu sagen, dass sie in den nächsten Monaten und Jahren kaum mit dem Nachbestellen nachkam, so sehr hatte sich der Umsatz von ätherischen Ölen in ihrem kleinen Laden vervielfacht.

Es war der Beginn einer „Karriere“, die als Hobby anfing, dazu eine Haupt-Ausbildung und nicht mehr zählbare Fortbildungen mit sich brachte. Dazu waren viele wertvolle internationale Begegnungen und Besichtigungen, kleine „Wunderheilungen“, und vor allem die Leidenschaft für das Erklären und Beschreiben dieses so wichtigen, effektiven und doch so vernachlässigten Zweiges der Phytotherapie Begleiterscheinungen auf diesem Weg. All dies ging mir durch den Kopf, als ich durch das Naturparadies in Oy-Mittelberg wandelte.

Für die Firmengründer muss diese Entwicklung von einem Wenige-Fläschen-Anbieter zu einer ausgewachsenen großen Firma mit fast 200 MitarbeiterInnen und einem Firmengebäude, das nach ökologischen und Feng-Shui-Kriterien erbaut wurde, auch märchenhaft vorkommen. Diese Liebe zur Sache, die Achtung der Erde und der ProduzentInnen in Nah und Fern war in den Begrüßungsworten von Ute Leube und Kurt Nübling auch gut zu spüren. So manches Tränchen wurde gar gesichtet, nachdem ein kleiner Filmbeitrag aus Bhutan die 8. Primavera Fachakademie eingeläutet hatte. Kurt war mehrfach dort (ursprünglich auf Empfehlung von Heinrich Harrer, dem berühmten Bergsteiger und Autor von ‚Sieben Jahre in Tibet‚), und berichtete, wie er den Gedanken von nachhaltiger und respektvoller Landwirtschaft (und Wirtschaft) in dieses wundervolle kleine Land transportieren konnte. Bhutan arbeitet seit vergangenem Jahr am Plan, bis 2020 ein pestizidfreies Bio-Land zu sein. Über Kurts Vision, seine Begegnung mit dem König von Bhutan und die dortigen Projekte erzählt er auch in diesem kleinen Film und auf diesem kleinen Werbespot (klick!). In Bhutan spricht man übrigens nicht vom Bruttosozialprodukt (= Bruttonationaleinkommen), sondern vom Bruttosozialglück, das Wohlbefinden des Volkes gilt somit als relevanter als wirtschaftliche Erfolgszahlen.

Ute_Leube_Eliane_Erwin_Häringer

Ute Leube, Mitgründerin von Primavera, Eliane Zimmermann und Dr. Erwin Häringer, Arzt für Allgemeinmedizin in München und engagierter Kenner der Aromatherapie

Ich hatte die Ehre, den Kongresstag mit dem Thema „Duft und Psyche – ätherische Öle für das Wohlbefinden“ zu eröffnen. In einem Potpourri aus Erkenntnissen, Fragestellungen und kleinen Provokationen erinnerte ich daran, dass ätherische Öle flüchtige Signalstoffe in der Pflanzen- und Insektenwelt sind. Wir Menschen wiederum sind mit Rezeptoren ausgestattet, welche viele dieser Signale und Informationen „verstehen“ können. Beispielsweise enthalten alle Zitrusöle und fast alle Blüten-Absolues N-Methylanthranilat: Dieses Ester-Molekül enthält Stickstoff und sieht dem Anti-ADHS-Medikament Ritalin (Methylphenidat) verblüffend ähnlich. Denkbar wäre also, dass insbesondere die ätherischen Öle aus der Mandarinenschale und aus den Mandarinenblättern (Mandarinen-Petit Grain, 50% N-Methylanthranilat), welche wunderbar beruhigend und entkrampfend auf (kleine) Menschen wirken, wirksam bei Hyperaktivität und entsprechenden motorischen Störungen eingesetzt werden könnten (ich habe diese Überlegungen hier einmal aufgeschrieben). Im menschlichen Gehirn ist Anthranilsäure bei Stoffwechselprozessen von Neuro-Botenstoffen beteiligt, warum sollte also diese gebundene Anthranilsäure aus unseren Duftfläschchen nicht auf die Sprünge helfen, wenn solche Abläufe unserer Nervenzellen nicht so fließen wie sie sollten?

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Anusati Thumm führte durch den abwechslungsreichen Tag, hier mit Referentin Christine Lamontain

In den folgenden Referaten ging es um ähnliche Themen: Christine Lamontain berichtete über Gerüche am Arbeitsplatz, insbesondere im Pflegebereich, wo unausgesprochener Ekel, eine angeborene Basis-Emotion, für Mobbing, Burnout und andere schlimme Ärgernisse sorgen kann. Mit bewusster Selbst-Pflege und feinen Naturdüften kann wertvolle Hilfe sowohl für PatientInnen, BewohnerInnen, BesucherInnen und nicht zuletzt für Beschäftigte geschaffen werden. Heilpraktikerin und Krankenschwester Sabine Maucker berichtete von zahlreichen Ölen und Ölemischungen, die sie in ihrer Praxis in Süd-Deutschland für kleine und erwachsene Menschen mit ADHS verwendet. Marion Keller-Hanischdörfer erzählte von zwei spannenden Klassenzimmer-Projekten: eines mit Zitrus- und anderen Ölen, eines mit der neuen Duftmischung von Primavera namens ‚Leichter lernen‘ (u. a. aus Grapefruit, Zitrone und Orange, Öl, Roll-on und Raumspray, klick!) durchgeführt worden sind. Immerhin sind in einem der Projekte 87,5 Prozent der Schüler im Klassenraum ruhiger geworden.

Zeit zum Auftanken: Selbst das bunte Mittagessen und alle Snacks passten zum nachhaltigen und ökologischen Konzept der Primavera-Leitung, die feinen und farbenfrohen Leckereien wurden vom Cateringteam der Speisgirls aus Kempten zusammengestellt, das Zwetschgen-Tiramisu war der Hammer!!!!

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Der neue konzentrationsfördernde Zitrusmix von Primavera

Die Sozialpädagogin Petra Kiesel berichtete von ihrer Arbeit mit Sucht- und Onkologie-Patienten, auch sie betonte die Wichtigkeit der Selbstfürsorge und wie mit angenehmen Düften verschlossene (seelische) Türen geöffnet werden können. Sie betonte, dass ätherische Öle zum Ankern von erwünschten psychischen Zuständen wertvolle Werkzeuge sein können. Diplom-Pädagogin Eva Maria Anslinger las ein Referat über die wundersamen Fähigkeiten unseres Geruchssinnes vor – sie beleuchtete das Riechen in den unterschiedlichen Phasen des Menschseins, vom Fötus, der im aromatisierten Lebenswasser schwimmt, bis zum demenziell veränderten älteren Menschen, dem mit Hilfe von Düften schöne Momente des Lebens zurück gebracht werden können. Anschließend verriet Gesundheits- und Krankenschwester Claudia Arbeithuber aus Österreich in ihrer Präsentation viele bewährte Rezepte, die sie bei Depressionen, Angst und Traumatisierung entwickelt hat – teilweise zusammen mit ihren PatientInnen aus der Psychiatrie.

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Barbara Rütting

Die Abschlussrunde des bunten Tages gestaltete die inzwischen bereits 88-jährige Schauspielerin, Autorin und Ex-Politikerin der Grünen Barbara Rütting. Lebendig, humorvoll und erfrischend frech verriet sie uns viele kleine Tricks von A bis Z: ‚Was mir immer wieder auf die Beine hilft‘, sie stammen aus ihrem gleichnamigen Buch. Die fast lebenslange Vegetarierin konnte durch entsprechende Ernährung ihre geerbten Rheuma-Symptome gut in den Griff kriegen, sie berichtete auch von Höhen und Tiefen ihrer Umstellung auf vegane Ernährung vor einigen Jahren. Wenn man diesen zierlichen Wirbelwind life erleben darf, weiß man, warum ihre Biografie ‚Durchs Leben getobt‚ heißt! Sie hat für viele herzhafte Lachsalven gesorgt.

Als ich wieder Zuhause ankam, zückte ich mein vergilbtes und wie verkocht aussehendes Kochbuch von ihr aus dem Regal und musste schmunzeln: Es ist von 1986 und damit nur ein wenig älter als meine Arbeit mit naturreinen Düften. Damals übte ich bereits gesundes und tierfreies Kochen und war begeistert von den einfachen und abwechslungsreichen Rezepten von Frau Rütting (allerdings wurde das Buch ziemlich hässlich, um nicht zu sagen unappetitlich, layoutet, schade!).

duft-und-naturkosmetikshop_Primavera

Die großzügige und verführerische Einkaufswelt von Primavera

Leider gab es keine Zeit, die duftende Erlebniswelt ausgiebig zu erkunden, ich konnte nur mal eben kurz ein paar Mitbringsel für meine Familie erstehen (hmmmm, der grapefruitige Duftmix namens Frühlingserwachen, nach einer Woche sind die 5 ml bereits aufgebraucht!!!). Wer mal im schönen Allgäu rund um Kempten vorbei kommt, sollte unbedingt im Laden vorbeischauen, montags bis samstags ist bis 18 Uhr geöffnet (Infos hier).

Fotos: Primavera Laden und Airspray Leichter Lernen: © Primavera; Ute Leube & Erwin Häringer: © Christine Lamontain; die anderen Motive: © Eliane Zimmermann

duftkommunikation – eine olfaktorische entdeckungsreise


Christine LamontainIch habe vergangene Woche eine ausführliche Übersicht angefertigt, in welcher verdeutlicht ist, wie sich die Aromatherapie in den deutschsprachigen Ländern geformt und entwickelt hat. Zwar ist dieses Material für den Vortrag, den ich im März in Tokyo halten werde, doch war es auch eine persönliche und teilweise überaus witzige Zeitreise zu meinen aromatischen Wurzeln. Leider weiß ich es nicht mehr genau: Irgendwann um 1987 hörte ich einen Vortrag von Martin Henglein in Frankfurt, darin wurde der olfaktorische Duftkreis erläutert. Das klang zwar alles hoch interessant, aber so richtig verstanden hatte ich es nicht. So buchte ich ein 2-Tage-Seminar in München bei ihm.

Martin_Henglein_Duftkreisversionen

Die sehr rudimentären Arbeitsunterlagen von Martin Henglein haben uns Mitte und Ende der achtziger Jahre ganz neue Dimensionen der Duftarbeit eröffnet. Die gedruckte Abbildung seines Duftkreises erschien in einem Buchbeitrag von Prof. Dr. Hatt über das Riechen (Alfred Maelicke: Vom Reiz der Sinne 1990)

Es war ein Feuerwerk der Düfte (Martins Ölekoffer war mit den traumhaftesten Duft-Kostbarkeiten aus aller Welt gefüllt) und die symbolisch-archaisch anmutende Arbeit mit dem damals rautenförmigen Duftkreis war sehr überzeugend. Anhand von den vier Eckpunkten mit den zugeordneten ätherischen Ölen der Bergamotte, der Rosengeranie, des Patchouli und des Rosmarin wird die grundsätzliche Lebenssituation und der momentane Zustand der Psyche der schnuppernden Person heraus kristallisiert (welchen dieser Düfte mag sie am ehesten, welchen lehnt sie möglicherweise ab). Der geschulte Osmologe kann dann anhand von Abneigungs- und Vorliebe-Reaktionen (Körpersprache, Gesten, Redewedendungen etc) heraus arbeiten, welche Seelenthemen eventuell bearbeitet werden könnten und kann dem/r Klient/in Ratschläge und vor allem die passenden sowie stärkenden ätherischen Öle mitgeben (das kann einfach ein Riechstreifen mit dem ausgesuchten Duft in einem Glasfläschchen sein). In der aktuellen Ausgabe von Forum Essenzia (42) hat Christine Lamontain, eine seiner (und meiner!) überaus begabten und engagierten Ausbildungs-Teilnehmerinnen, einen sehr anschaulichen Bericht veröffentlicht, in dem man die wichtige Dimension dieser Arbeit erkennen kann: Eine Klientin, die vermeintlich nicht mehr riechen konnte, erkannte durchaus einige Gerüche, die wiederum für ihre weitere Entwicklung sehr wichtig wurden. Spannend zu erfahren ist, dass es analog zum stressbedingten Hörsturz auch sowas wie einen Riechsturz gibt. Riechstörungen sind zwar nicht lebensbedrohlich, doch können sie das tägliche Leben der betroffenen Menschen stark beeinträchtigen. Die Arbeit mit der Duftkommunikation kann einerseits bei ganz alltäglichen Fragen nach Stabilisierung, Veränderung und persönlichem Wachstum, jedoch auch begleitend bei allerlei Symptomen enorm hilfreich sein. Auch kann sie in der Pflege von Menschen die medizinische Versorgung optimal ergänzen.

Ölekasten_Varianten_Eliane_ZimmermannChristine Lamontain versteht es auf eine einzigartige Weise, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Riechprozess sowie zur Zusammensetzung und Wirkung ätherischer Öle mit seelischen Prozessen zu verknüpfen. Sie wird im Rahmen meiner Happy-Düfte-Woche am Meer (24. bis 31. Mai) InteressentInnen diese spannende Arbeit näher bringen, unter den circa 200 ätherischen Ölen, Absolues und Extrakten aus meinen Koffern und Kästchen (links) müsste für jede Nase die passende „Antwort“ dabei sein, nicht zu reden von den unglaublichen Blütensymphonien, die wir auf unseren Exkursionen erleben werden. Lassen wir Christine selbst zu Wort kommen:

Mit der Duftkommunikation betreten wir die Welt der osmologischen Betrachtung von Duft(Reaktions)-Phänomenen.

  • Weshalb mag jemand z.B. den balsamischen vanilligen Duft von Benzoe siam aber nicht den der Vanille?
  • Weshalb finde ich mit dem Lavendelsäckchen keinen Schlaf?
  • Kann mir der Duft von Karottensamen zeigen wie der Stand meines „Projektes (Lebens)Neuorientierung“ ist?

Gemeinsam tauchen wir ein in diese Welt der Duftinformationen und unserer eigenen Duftwahrnehmungsreaktionen. Wir begeben uns auf olfaktorische Entdeckungsreise in die Weiten unserer Seelenlandschaft und der Pflanzendüfte.

Die Pflanzen, die lange vor uns da waren, haben erfolgreiche „Strategien“ entwickelt, die ihr Überleben und Wachstum sicherstellen. In ihrem Pflanzenzyklus bewältigen sie „Geburt“, Durchsetzung, Kommunikation, Befruchtung, Reifung, Frucht- und Samenbildung, Rückzug, Auflösen, Beginn eines neuen Zyklus. Ähnliche Situationen gibt es auch in unserem Leben.

In der Integralen Osmologie (Martin Henglein) spricht man von „12 Biostrategien“. Die biochemische Zusammensetzung der ätherischen Öle ist der Ausdruck morphologischer Einflüsse auf die Pflanze. Biochemische Signalstoffe der Pflanze stellen ihr Wachstum sicher und begleiten sie durch ihren „Lebenszyklus“. Der Duft, als Informationsträger dieser erfolgreichen Biostrategie der Pflanze, tritt in der Duftkommunikation in Verbindung mit dem Menschen. Sobald ein Riechkontakt mit dem Duft stattgefunden hat, erfolgt über die Wahrnehmung eine Auseinandersetzung zwischen der Duftinformation des ätherischen Öles und der persönlichen Erfahrungs- und Erlebniswelt.

Der Duftkreis (nach Martin Henglein) dient uns dabei als Modell zur Erforschung der Pflanzen-Biostrategien im Kontext unseres eigenen Lebenszyklus. In dieser Duftarbeit spielt das persönliche Erleben und die Wahrnehmung eine wesentliche Rolle. Das Wissen um die psychischen Wirkmechanismen der ätherischen Öle wird mit dieser Form der Duftkommunikation erweitert. Duftreaktions-Phänomene werden durch die osmologische Betrachtung verständlich. Osmologische Arbeit ist Aromapflege für die Seele. Inhalt:

  • Duft- und Pflanzenbegegnungen
  • Duftwahrnehmung und Selbstwahrnehmung
  • Einstieg in den Duftkreis nach Martin Henglein
    • die vier Ecköle und ihre Bedeutung
    • Biostrategien und Lebenszyklus
    • die bio-seelischen Themen wichtiger ätherischer Öle im Duftkreis
  • Kurzriechtest
    • Mein Duftbegleiter (Duft zum Mit-nach-Hause-nehmen).

Es gibt die Möglichkeit zum erweiterten Duftriechtest.

Die Broschüre liegt hier, die Preise stehen hier, das Anmeldeformular zum Direkt-am-PC-ausfüllen befindet sich hier, die sehr ausführliche Broschüre für die zwei „Gärten & Naturparfüm-Wochen“ kann hier runtergeladen werden.

zitronenmyrte oder backhousia


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIrgendwann einmal hatte ich geschrieben, dass Zitronenmyrte (Backhousia citriodora F. Muell ) eines der wenigen Duft-Gewächse sei, das ich noch nicht ‚life‘ kennen lernen konnte. Tja, was soll ich sagen, seit heute kann ich zumindest einige halbtrockene Blätter des zitronen-duftenden Strauches mein Eigen nennen: Meine treue Leserin ‚Bastelfee‘ mailte mir nicht nur Fotos ihrer Pflanze, sondern schickte gleich noch einen Umschlag mit einigen der lorbeer-ähnlichen Blätter auf die Reise. Sie duften zart wie abgeriebene Zitronenschale. In der Heimat der wärmeliebenden Pflanze, im südlichen Osten Australiens (dort wo auch der Verwandte Teebaum zu Hause ist), werden die Blätter zur Verfeinerung von süßen und herzhaften Speisen verwendet.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDer wissenschaftliche Name erinnert an den britischen Botaniker, Missionar und Pflanzenhändler James Backhouse, der am 8. Juli 1794 geboren wurde.  Sein Großvater, auch James Backhouse (1757-1804), war durch die Gründung einer bekannten Bank ‚Backhouse Bank‘ in Darlington, Co. Durham, die er zusammen mit seinen Söhnen Jonathan und James (1757-1804) betrieb, zu Reichtum gekommen. Die Familie  war zudem im Leinenhandel tätig. Der kleine James war Asthmatiker und wurde oft zu befreundeten Quakern geschickt, auf deren Farm er half und wo er viel Zeit an der frischen Luft verbrachte. Er hatte Cousins und zwei Onkel, die sich mit Botanik befassten. Der frühe Tod seines Bruders Nathan mit 17 Jahren ergab den entscheidenden Einfluss auf das kurzatmige neunjährige Kind, das nämlich dessen Herbarium erbte. So studierte James später Botanik.

wiki commons.wikimedia BotBlnIm November 1922 heiratete er Deborah Lowe (1793-1827), die vier Jahre zuvor schwer erkrankte, sich nur mühsam erholte und auch nach der Eheschließung  von schwächlicher Konstitution blieb (Bluthusten, vermutlich Tuberkulose).  Sie starb – kurz nach dem Tod ihres dritten Babys, das nur 5 Wochen alt wurde – mit 34 Jahren am 10. Dezember 1827. Nachdem er eine 58-seiten-starke Gedenkschrift über ihr überaus frommes Leben und über ihr langsames und mühsames Sterben verfasst hatte, vertraute er 1831 seine zwei kleinen Kinder Familienangehörigen an und begab sich auf eine Pflanzensammel-Expedition, die auch als Missions-Reise gedacht war. James Backhouse ging nach Australien, Mauritius und ins südliche Afrika. Sein Bruder Thomas (1792-1845) kümmerte sich in den 10 Jahren Abwesenheit um die 1815 gemeinsam gegründete Pflanzenschule ‚James Backhouse & Son of York‘.

1851 reiste er mit seinem Sohn James (1825-1890, Botaniker, Geologe und Archäologe) nach Norwegen. Sie waren auch in der Arktis unterwegs und auf Pflanzen-Entdeckung in Großbritannien. Der Sohn wurde Korrespondent von Charles Darwin (1809-1882).

An den einst asthmatischen Jungen, der 1869 mit über 75 Jahren starb, erinnern neun Arten des Myrtengewächses der Gattung Backhousia, darunter unser wundervoll frisch-zitronig duftendes Zitronenmyrtenöl (klick!), das ein wertvoller Unterstützer in antiviralen Raumsprays sein kann. Die Anwendung auf der Haut sollte nur in 1%-iger Verdünnung erfolgen und nur mit Öl, das jünger als ein Jahr nach erstmaligem Öffnen der Flasche ist, zu Allergien neigende Haut kann mit dem Hauptinhaltsstoff Citral, wenn er oxidiert ist, Probleme bekommen. Ich möchte diesen feinen Duft dennoch nicht mehr missen und deshalb habe ihn in meinem Buch ‚Aromatherapie für Sie‘ – in dem ich nur 15 ätherische Öle vorstellen durfte, mit einigen Rezepturen gewürdigt und es ist somit auch Bestandteil des Ölesets von Feeling geworden. Die einzige nennenswerte Studie, die für unseren Bereich interessant sein könnte, befasst sich mit Dellwaren bei Kindern aus dem Jahr 2004, ich hatte bereits hier darüber geschrieben.

Abbildung oben: Bastelfee, Abbildung unten: Wiki Commons BotBln

drei wichtige fortbildungen für aromapflege und osmologie


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDieses Jahr wird vollgepackt sein mit besuchenswerten Fortbildungen über den verantwortungsvollen Umgang mit ätherischen Ölen – sowohl in der Krankenpflege als auch im seelisch-unbewussten Bereich und beides zusammen. Weitere Veranstaltungen (im Mai bei München, in Wien und in Großbritannien, im September der ganz große internationale Kongress Botanica 2012 in Dublin) sind auf der rechten Spalte durch Anklicken auf das grüne Fortbildungs-Signet zu finden oder direkt hier. Meine drei Botanikwochen für dieses Jahr sind nun bis auf einen Platz (letzte Maiwoche) ausgebucht.

Fachtagung Aromapflege – Kompetenz bei Wunden an Körper und Seele

25. April 2012, ab 8:30 Uhr
Bildungszentrum Gesundheit und Pflege
Ostalb-Klinikum, Aalen
Teilnahmegebühr, inkl. Imbiss, Pausengetränke 68 Euro

Ermäßigter Preis für DBfK-Mitglieder, Auszubildende, Studenten und je Abonnement der Pflegezeitschrift Kohlhammer 58 Euro.

Sinnvoll berühren 
In vielen Pflegesituationen erweist es sich als wertvoll, wenn Wunden an Körper und
Seele indirekt und sanft angesprochen werden können.
Die Aromapflege eröffnet dafür zahlreiche Möglichkeiten, präventiv wie therapeutisch.
Sie kann – je nach Indikation – manuell oder sensuell berühren, positive Prozesse anstoßen und sie fördern. Die Fachtagung vermittelt ein aktuelles Bild praktischer Anwendungsmöglichkeiten. Sie beleuchtet Aspekte der Aromapflege aus ärztlicher Sicht ebenso wie unter dem Blickwinkel ihrer Erfolge. Der Flyer zum Ausdrucken befindet sich hier, auch befinden sich Infos auf der Blog-Seite der Mit-Initiatorin Monika Volkmann.
Das Programm:

Begrüßung
Günter Schneider, Pflegedirektor
Prof. Dr. Ulrich Solzbach, Ärztlicher Direktor

Chronische Wunden – Bedeutung der Aromapflege aus ärztlicher Sicht
Dr. Peter Wirsing

Behandlung chronischer Wunden – Aromapflege als Prävention und Therapie
Monika Volkmann, Fachkrankenschwester Anästhesie/Intensivpflege, Aromatologin, Integrale Osmologie, Modernes Wundmanagement

Pause

Natürliche Hautpflege – Sanft und wirkungsvoll durch Pflanzenöle 
Cornelia Mögel, Krankenschwester, Wundmanagementbeauftragte,
Aromakologin (Forum Essenzia e. V.), Referentin und Seminarleiterin, Leitung Münchner Arbeitskreis Naturaromen

MRSA – Erfolge der Aromapflege 
Monika Volkmann

Mittagspause

Innere Wunden – Gibt die Naturheilkunde neue Orientierung?!
Monika Volkmann

Wenn Düfte die Seele berühren – Akute und chronische, seelische Befindlichkeitsstörungen – Praktikable Anwendung im Alltag
Sabine Maucker, Krankenschwester, klassische Homöopathieausbildung, eigene
Naturheilpraxis seit 1999

Integrale Osmologie Basiskurs mit Martin Henglein

Eine einmalige Gelegenheit, den Pionier der deutschsprachigen Aromawelt und ‚Erfinder‘ des faszinierenden Archetypischen Duftkreises life zu erleben und sein faszinierendes Wissen in die eigene Arbeit einzubauen. Martin war der erste Autor eines deutschen Aromatherapiebuches, welches fast zeitgleich mit Patrick Süßkinds ‚Das Parfüm‘ erschien. Da sie zusammen recherchiert wurden, sind darin spannende Informationen über vergangene Zeiten in den Duftwelten nachzulesen. Ein Klassiker, der leider nicht mehr aufgelegt wird, jedoch eben sah ich, dass bei Amazon noch neun Exemplare zu ergattern sind. Ich erinnere mich noch genau, wie ich Mitte der achtziger Jahre dieses recht dicke Buch in einem sonnigen Hof am Garda-See liegend verschlungen habe.

Datum: 19./20./21. Oktober 2012 in Freital bei Dresden
Zeit: 09.00 – 17.00 h
Kosten: 440,00 Euro /3 Tage, Anmeldeschluss: 08.10.2012
Seminarbeschreibung:Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

· Düfte als lebendige Pflanzenbilder – in der Interaktion von Geruchssinn und dem Riechstoff

· Die seelische Befindlichkeit im Zusammenhang mit dem natürlichen Duftstoff

· Aspekte: – psychologisch – energetisch

· Der archetypische Duftkreis

· Die persönliche Entwicklung, erfolgreiche Lebensstrategien, spirituelle Wandlung

· Die Duftplanzensignatur

· Psychoneuroimmunologische Aspekte der ätherischen Öle

· Erkenntnisse aus der Chronobiologie

· Osmologische Erkenntnisse in der praktischen Arbeit

· Differenzierung der verschiedenen osmologischen Ebenen

· Z.B. Stressabbau, Selbst-Regulation, Genießen, Wandlung und spirituelles Wachstum, die Innere Mitte – das Selbst erfahren, …

Infos auf dieser Website und Anmeldung bei Monika Volkmann: info ät integrale-osmologie.de (Spamschutz: bitte Leerzeichen entfernen und das korrekte Zeichen einsetzen)

2. Kongress Ätherische Öle in der Psychiatrie

am 29. September 2012 in BaselEliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Türöffnung: 8.30 Uhr

Beginn Kongress: 9.30 Uhr

Die Website psycharoma.ch ist eingerichtet und wird nach und nach ergänzt.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEinen Flyer als pdf  kann man runterladen.

Kosten:
CHF 150.- / Euro 120.-
inkl. Mittagessen und Zwischenverpflegung.

Bei Anmeldungseingang ab 28. August:
CHF 175.- / Euro 140.-
Ermässigung für Studierende: CHF 25.- / Euro 20.-

himmlische düfte – alt und neu


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDie Weihnachtszeit brachte zwei Bücher-Überraschungen zu mir.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapySusanne Fischer-Rizzi, DIE Pionierin der deutschsprachigen Aromatherapie, schickte mir die 25ste Auflage (!) ihrer wundervollen Himmlischen Düfte, weil ich noch das Cover einer älteren Auflage hier auf dem Blog zeigte. Nun bin ich aber bei manchen Büchern erzkonservativ: Mein erstes Exemplar (1. Auflage von 1989) von Himmlische Düfte war eines meiner ersten Duftbücher und ich habe es fast totgeliebt wie einen alten Teddybären. Es hat einen (zu) weichen Einband und ist auf relativ rauem Papier gedruckt, die Farben sind dezent, es hatte bereits damals ein sehr besonderes, individuelles und künstlerisches Aussehen.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyErkennen die Jüngeren unter euch (oder die Aroma-Beginnerinnen) den Zusammenhang? 😉 Dieses Fresko aus der Villa der Arianna in Stabiae bei Pompeji (1. Jh. v. / 1. Jh. n. Chr., Museo Archeologico Nazionale in Neapel) haben die beiden Firmen-Gründerinnen seinerzeit als Signet ausgewählt (zum Vergrößern auf das Bild klicken). Es zeigt die Göttin oder Muse Primavera (der Frühling) wie sie an einer Pflanze mit weißen Blüten zupft, die sie offenbar in ihr Füllhorn verfrachtet. Der grüne Mauernhintergrund zierte früher das ganze Etikett der Fläschchen.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Jasmin in meinem alten Buch.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Jasmin im neuen Buch.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Neroli in meinem alten Buch.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Neroli im neuen Buch.

Über die zweite Buchüberraschung, eine wahre Besonderheit, werde ich nächstes Mal berichten. Vielen Dank übrigens für den guten Zuspruch für mein ‚rosa Buch‘. Ich hoffe, die zuständigen Menschen bei Irisiana lassen sich überzeugen, schließlich ist es das Nachfolge-Buch von den ‚Himmlischen Düften‘ im Verlag, denn Susanne Fischer-Rizzi ist mit ihrem Werk schon vor langer Zeit zum AT-Verlag gegangen.

marguerite maury – die pionierin der „englischen schule“ der aromatherapie


Marguerite Maury ist heute vor 42 Jahren gestorben. Ich habe dieser Tage den Friedhof in der Nähe von Sankt Gallen besucht, in dem sie damals begraben wurde. Ihre Schülerin Daniele Ryman hat mir freundlicherweise ein nettes Foto zur Verfügung gestellt, denn in meinem Buch befindet sich nur meine ziemlich dilettantische Zeichnung nach einer kleinen und unterbelichteten Vorlage.

Marguerite Maury, meistens Madame Maury genannt, wurde als Marguerite König 1895 in Österreich geboren, sie wuchs in Wien auf. Schon in ihrer Internatszeit war Musik ihre ganz große Leidenschaft, doch sie wollte Biochemie und Botanik studieren. Stattdessen heiratete sie mit 17 Jahren. Im folgenden Jahr wurde sie Mutter, sie verlor ihr Söhnchen im Alter von zwei Jahren an Meningitis. Ihr Mann starb im ersten Weltkrieg und als auch noch ihr Vater Selbstmord beging, ließ sie sich zur Krankenschwester ausbilden. Während ihrer Zeit als chirurgische Assistentin im Elsass bekam sie das Buch „Les Grandes Possibilités par les Matières Odoriferantes“, das bereits 1838 erschienen war, geschenkt. Dessen Autor Dr. Chabenes wurde später der Lehrer von René-Maurice Gattefossé. Bei der Lektüre begann ihre Liebe zu den duftenden Ölen.

In den frühen dreißiger Jahren traf sie den homöopathischen Arzt Dr. Maury, der ihre Interessen mit ihr teilte: von Musik, Kunst, Literatur über Homöopathie, Akupunktur und Zen. Sie forschten und schrieben zusammen Bücher.

In den vierziger Jahren versuchte sie nachzuweisen, wie ätherische Öle auf das Nervensystem wirken, wie ihr seelisch ausgleichender und verjüngender Effekt zustande kam. Sie gab Seminare in ganz Europa und eröffnete Aromatherapie-Kliniken in Paris, in der Schweiz und in Großbritannien.

1961 erschien ihr bekanntestes Buch „Le Capital Jeunesse“. Sie beschreibt ihre Erkenntnisse aus ihrer medizinisch-kosmetischen Arbeit mit ätherischen Ölen und plädiert für eine sorgfältige Schulung, um für jeden individuellen Menschen die richtigen „verjüngenden“ Öle einsetzen zu können.

Zusammen mit Danièle Ryman war sie die erste Frau, die die gesundheitlichen und schönheitsfördernden Eigenschaften der ätherischen Öle dem interessierten Publikum vorstellte. Bühnen- und Leinwandstars ließen sich von ihnen behandeln. (Auszug aus „Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe„, copyright Sonntag Verlag)

Wer mehr erfahren möchte und englisch kann, sollte auf Daniele Rymans Seite gehen. Ihr Buch auf deutsch gibt es nur noch antiquarisch. Das Foto von Marguerite Maury stellte sie mir freundlicherweise zur Verfügung. Copyright photograph of M. Maury: Daniele Ryman, thank you for the kind permission to use it.