blutverdünnung und ätherische öle


Aufgrund der immer wiederkehrenden Frage „Darf ich bei Menschen, die blutverdünnende Medikamente nehmen müssen, bestimmte ätherische Öle einsetzen?“ möchte ich heute zwei wichtige Artikel wiederholen. Zwei unserer in der Schmerztherapie gerne eingesetzten Naturdüfte sind nach wie vor umrankt von Gerüchten und falschen Warnungen. Eines ist das stimmungsaufhellende und stark analgetisch wirksame Wintergrünöl, das andere ist der wundervoll nach Vanille und Waldmeister duftende Tonkabohnen-Extrakt, dieser wirkt genauso perfekt in der Schmerztherapie, vor allem, wenn es um chronische Schmerzen geht, insbesondere wenn sie eine starke seelische Komponente aufweisen.

Bitte daran denken: Vorausgesetzt wir verwenden Naturdüfte allerhöchster Qualität, also nicht gepantscht oder sonstwie „aufgehübscht“, und wir arbeiten mit einer gut verträglichen physiologischen Verdünnung (0,5 bis maximal 5%), dann haben wir es mit Molekülen zu tun, die regulierend wirken. Sie weisen keinesfalls so „gnadenlose“ und gezielte Eigenschaften wie die diversen vom Menschen als lebensrettend designten Moleküle bzw Medikamente auf. Sie sind so gebaut, dass sie sehr konkrete Ziele im Organismus ansprechen, oft nach dem Motto „Friss oder stirb“. In der Naturheilkunde haben wir es meistens mit Multi-Target-Substanzen zu tun, es werden damit also unterschiedliche Ziele angesprochen und über einen gewissen Zeitraum dazu angeregt, sich selbst wieder ins Lot zu bringen. Darum kann man mit Naturheilkunde bei lebensbedrohlichen Krankheiten und Zuständen meistens nicht viel bewirken (so haben beide Richtungen im besten Sinne komplementär ihren Platz in der Medizin).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieTONKABOHNEN-EXTRAKT [Dipteryx odorata (Aubl) Willd.] :: Sein Hauptinhaltsstoff sind bestimmte Cumarine. Das ist eine recht große Molekülegruppe mit kleinen Variationen. Etliche sind natürlichen Ursprungs und kommen in diversen Leckereien wie Aprikosen (Marillen), Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen, in den Heilkräutern Salbei, Dill und Kamille vor sowie auch in dem bei uns Aroma-Fachleuten beliebtem und äußerst fein duftendem Tonkaextrakt. Es handelt sich meistens um 7-Hydroxycumarine (mit einer OH-Gruppe am SIEBTEN Kohlenstoff-Atom der Kette). Die licht-sensitivierenden und stimmungsaufhellenden sowie antitumoral wirkendenden Fur(an)ocumarine (wir kennen sie von Zitrusschalenölen, von Angelikawurzelöl und von Kreuzkümmelöl) und Dihydropyranocumarine gehören auch zu den Cumarinen. Eine weitere Bezeichnung für Cumarin lautet 2H-1-Benzopyran-2-on, es handelt sich um das zyklische Lakton einer entsprechenden Hydroxyzimtsäure-Verbindung.

Andere Cumarine werden von Chemikern gebaut bzw das Grundgerüst des in der Natur vorkommenden Cumarin-Moleküls wird verändert. Solche mit der OH-Gruppe am VIERTEN Kohlenstoff-Atom der Kette werden sowohl in der Medizin als auch bei der Schädlingsbekämpfung eingesetzt, sie wirken je nach Dosierung leicht oder stark blutverdünnend bzw antikoagolierend.

Die Fachautoren Dieter Loew, Hermann Hauer und Egon Koch erläutern Verwechslungen dieser zwei grundsätzlich unterschiedlich wirksamen „Designs“ von Cumarinen und halten fest: „Im Gegensatz zu den in der Natur weit verbreiteten an Position 3 und 4 nicht substituierten Cumarinderivaten besitzen Antikoagulanzien vom Cumarintyp eine OH-Gruppe an C-4, die die Voraussetzung für die antikoagulatorische Wirkung bildet, sowie eine lipophile Seitenkette an C-3, die verantwortlich für die Resorption und hohe Bioverfügbarkeit ist. Trotz dieser eindeutigen Erkenntnisse werden 3,4-unsubstituierten Cumarinderivaten aber immer wieder ähnliche gerinnungshemmende Effekte wie den oralen Antikoagulanzien vom Cumarintyp unterstellt.“ [Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung ist zwar nicht mehr taufrisch, da von 2009, doch wirklich sehr lesenswert.]

Weil das später Warfarin getaufte Molekül in den frühen 1920er Jahren zum Tod von tausenden von Rindern in Nordamerika führte – sie verendeten an inneren Blutungen, wurde dieser Stoff erst einmal verteufelt. Man fand dann nach längerer Zeit heraus, dass der „sweet clover“ (süße Klee) durch Lagerung und die Infektion mit einem Pilz am Drama schuld war. Im verschimmelten Heu hatte eine Umwandlung des ungiftigen Cumarin im Heu in das gerinnungshemmende Dicoumarol statt gefunden, die Kühe konnten kein Prothrombin für die Blutgerinnung mehr bilden. Diesen Stoff stellte man dann im Labor her und er wurde als Antithrombotikum verschrieben, er hemmt die Verarbeitung von Vitamin K.

Noch größeren Erfolg hatte diese Substanz als Rattengift namens Warfarin und hatte dann ihren Negativ-Stempel weg. Am Menschen wurde sie erst wieder eingesetzt und für sicher befunden, nachdem ein Navy-Soldat versucht hatte, sich damit das Leben zu nehmen, jedoch durch die einfache Gabe von Vitamin K gerettet werden konnte. Der Name Warfarin kommt übrigens von WARF, der Wisconsin Alumni Research Foundation, diese finanzierte die Erforschung von synthetischen Blutgerinnungshemmern auf Cumarin-Basis, sie erhielten dann auch das Patent auf die Warfarin-Herstellungsmethode (drei schöne pharmazeutische Zufalls-Entdeckungs-Geschichten sind hier in Phlebologie 2/2014 nachzulesen, teils in deutsch, größtenteils in englisch).

Wir brauchen also in der verantwortungsvoll praktizierten Aromapflege, also mit Ölen und Extrakten bester (Bio-)Qualität, in physiologischen Verdünnungen (0,5-3%) sowie bei äußerer Anwendung keinerlei Angst haben, dass wir unsere PatientInnen schädigen. Und wir dürfen auch PatientInnen, die Marcumar und Warfarin einnehmen, mit den fein duftenden Tonka-Wölkchen umhüllen. Denn damit können wir helfen, körperliche und seelische Schmerzen deutlich zu lindern. Tonka ist erhältlich beispielsweise hochkonzentriert (50:50 in Alkohol) bei Feeling und 30-ig-prozentig in Alkohol bei Aromapflege-Farfalla [Auch der wundervoll marzipanig duftenden jedoch stark hautaggressive Cassiazimt enthält Cumarine, das ätherische Öl daraus auch, es wird jedoch höchst selten in der Aromapflege eingesetzt.]

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieWINTERGRÜNÖL [Gaultheria fragrantissima Wall. und Gaultheria procumbens L.]: Bei der ersten Veröffentlichung dieses Artikels erinnerte Dr. Erwin Häringer, Allgemeinarzt aus München daran: Die Acetylgruppe (in ASS-Schmerzmitteln) hat einen Einfluss darauf, wie und ob die Thrombozyten (Blutplättchen=Gerinnungszellen im Blut) verklumpen oder nicht, NICHT die Salicylsäure.

Wintergrünöl ist ein wirksames Schmerzmittel, es besteht fast nur aus Methylsalicylat. Dieser Stoff ist auch in vielen Schmerzsalben enthalten. Und doch gibt es einen Unterschied in der Anwendung. Erstens verwendet die Natur bei der „Herstellung“ von natürlichem Methylsalicylat keine (mindestens) drei Prozent an Trägerstoffen, wie sie im Labor meistens eingesetzt werden. Diese oft chlorierten Moleküle können bei sehr empfindlichen Menschen zu Unverträglichkeiten führen. Zweitens besteht natürliches Wintergrünöl aus einigen weiteren Inhaltsstoffen, welche auch eine Anti-Schmerz-Wirkung aufweisen, so dass man dieses therapeutischste aller üblicherweise erhältlichen ätherischen Öle nicht sehr hoch dosieren muss:

  • Alpha-Pinen 0,40%
    Myrcen 0,20%
    delta-3-Caren 0,90%
    Limonen 0,50%
    Methylsalicylat 97,40%
    3,7-Guaiaden 0,10%
    delta-Cadinen 0,30%

Man SOLL ES GAR NICHT HOCH dosieren, man darf sich als medizinischer Laie immer im Verdünnungsbereich um 1 Prozent bewegen, denn Methylsalicylat kann sehr leicht durch die Haut eindringen und sich im Körper anreichern. Dennoch wird eine großzügige Anwendung des unverdünnten Öles regelmäßig von zwei us-amerikanischen Ätherisch-Öl-„Konzernen“, die auch in Europa immer mehr Fuß fassen, empfohlen und für die Anwendung durch Laien verharmlost. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieLange Jahre schreckten us-amerikanische Warnungen bezüglich Methylsalicylat in Wintergrünöl AromatherapeutInnen vom Gebrauch dieses nützlichen Öles ab. 14 g Wintergrünöl – innerlich verwendet – können bereits tödlich wirken, für ein Kind wirken geschluckte 4 ml tödlich. Die IFRA (International Fragrance Research Association) lehnt es für die Parfümherstellung ab. Dennoch ist es für den menschlichen Konsum zugelassen. Der medizinisch-frische Geschmack und Geruch von Wintergrün bzw.(synthetischem) Methylsalicylat ist in den USA fast omnipräsent. Fast allen Zahnpastamarken, dazu Mundwässern, Softgetränken (beispielsweise Root Beer, Foto links), Kaugummis und vielen anderen Süßigkeiten verleiht Wintergrün den typischen Geschmack. Man könnte sagen, dass diese Geschmacksnote der europäischen Vorliebe für Menthol in Zahnpasten, Mundwässern, Kaugummis, Zigaretten und vielen anderen Dingen entspricht. Meistens wird das süßlich-frische Aroma den Produkten in synthetischer Form beigemischt. So dass es viele dokumentierte Vergiftungsfälle gibt, in denen eine Überdosierung von Methylsalicylat eine Rolle spielt. Wintergreen_poisoning_Arielle_NewmanInsbesondere wenn immer wieder über 40% der Körperoberfläche mit diesem starken Wirkstoff bedeckt sind (beispielsweise durch regelmäßige und großzügige Anwendung einer Salbe), besteht Vergiftungsgefahr. 2007 erlangte die 17-jährige us-amerikanische Sportlerin Arielle Newman traurige Schlagzeilen, weil sie an einer Überdosis einer bekannten Schmerzsalbe verstarb. Man muss bedenken, dass 1 Teelöffel (5 ml) Wintergrünöl etlichen Aspirintabletten entspricht (wenn sich auch die Hauptinhaltsstoffe nicht gleichen, sondern nur ähnlich sind).

Der Wirkstoff Methylsalicylat liegt übrigens in der frischen Pflanze so nicht vor, er entsteht erst durch Antrocknen der Blättchen und anschließender Wasserdampfdestillation aus dem Molekül Gaultherin.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNun aber endlich zur guten Nachricht: Wendet man Wintergrünöl in einer in der Aromatherapie üblichen Verdünnung von 0,5-1 Prozent bei akuten Schmerzzuständen an, hat man damit eines der schmerzstillendsten Öle überhaupt zur Verfügung. Es ist aus der natürlichen Therapie von Fibromyalgie (Weichteilrheumatismus) kaum noch weg zu denken. Denn es hat gleichzeitig eine seelisch entspannende Komponente, die bei dieser Erkrankung, welche durch psychogene Faktoren verstärkt wird, für die ganzheitliche Therapie wichtig ist. Auch aus der Seniorenpflege ist dieses Öl nicht wegzudenken. Denn es kann bei vielen altersbedingten „Zipperlein“ schnelle Hilfe geben. Man mischt in diesem Fall beispielsweise 10 ml Johanniskrautmazerat mit 1-2 Tropfen Wintergrünöl, 1-2 Tropfen Lavendel und 1-2 Tropfen Cajeput (je nach Empfindlichkeit des älteren Menschen). Hier bei Feeling (klick!) kann man Wintergrünöl pur bestellen. Wer nicht mischen mag oder kann und eine perfekte Mischung sucht, kann die feine „Gelenkeinreibung“ von Primavera hier (klick!) bestellen. Handelsübliche (nicht-bio) Apotheken-Präparate sind mit fünf bis sogar dreissig Prozent deutlich höher dosiert und wirken aufgrund ihres Counter-Irritant-Effektes: die Haut wird gereizt und stark durchblutet und es kommt zu einer verminderten Wahrnehmung der Schmerzen. Aspirin und ähnliche Medikamente mit Acetylsalicylsäure haben eine stark schleimhautschädigende Wirkung, so dass sie für viele Menschen nicht magenverträglich sind. Sie können auch nicht durch die Haut aufgenommen werden. Die kleine Methylgruppe am Molekül macht den Unterschied. Dadurch, dass sie das Molekül um ein C-Atom und um drei H-Atome „bereichert“, wird es fettlöslicher und kann dann von der Haut resorbiert werden. Enzyme in der Haut können diese Methylgruppe wieder abspalten, so dass die schmerzlindernde Salicylsäure in Aktion treten kann. Ich habe bereits hier (klick!) ausführlich über das Öl berichtet. Vergiftungserscheinungen wegen einer zu hohen (vor allem inneren) Aufnahme: Verwirrtheit, Erbrechen, schnelle Atmung, Fieber, hoher Blutdruck, epilepsie-artige Krämpfe, Koma.

Ich hoffe, ich konnte mit dieser erläuternden Wiederholung, etwas Licht in dieses aromapflegerische Dunkel bringen. So dass wir Schmerzpatienten, egal was sie für sonstige Medikamente nehmen müssen, etwas Gutes tun können, indem wir ihnen diese zwei wundervoll hilfreichen und fein duftenden Stoffe nicht vorenthalten. Danke D. für die Inspiration!!!!!

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cumarine in aromapflege und schulmedizin


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie gibt eine große Vielfalt einer Molekülegruppe namens Cumarine. Etliche sind natürlichen Ursprungs und kommen in diversen Leckereien wie Aprikosen (Marillen), Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen, in den Heilkräutern Salbei, Dill und Kamille vor sowie auch in dem bei uns Aroma-Fachleuten beliebtem und äußerst fein duftendem Tonkaextrakt. Es handelt sich meistens um 7-Hydroxycumarine (mit einer OH-Gruppe am SIEBTEN Kohlenstoff-Atom der Kette). Die licht-sensitivierenden und stimmungsaufhellenden sowie antitumoral wirkendenden Fur(an)ocumarine (wir kennen sie von Zitrusschalenölen, von Angelikawurzelöl und von Kreuzkümmelöl) und Dihydropyranocumarine gehören auch zu den Cumarinen. Eine weitere Bezeichnung für Cumarin lautet 2H-1-Benzopyran-2-on, es handelt sich um das zyklische Lakton einer entsprechenden Hydroxyzimtsäure-Verbindung.

Andere Cumarine werden von Chemikern gebaut bzw das Grundgerüst des in der Natur vorkommenden Cumarin-Moleküls wird verändert. Solche mit der OH-Gruppe am VIERTEN Kohlenstoff-Atom der Kette werden sowohl in der Medizin als auch bei der Schädlingsbekämpfung eingesetzt, sie wirken je nach Dosierung leicht oder stark blutverdünnend bzw antikoagolierend.

Die Fachautoren Dieter Loew, Hermann Hauer und Egon Koch erläutern Verwechslungen dieser zwei grundsätzlich unterschiedlich wirksamen „Designs“ von Cumarinen und halten fest: „Im Gegensatz zu den in der Natur weit verbreiteten an Position 3 und 4 nicht substituierten Cumarinderivaten besitzen Antikoagulanzien vom Cumarintyp eine OH-Gruppe an C-4, die die Voraussetzung für die antikoagulatorische Wirkung bildet, sowie eine lipophile Seitenkette an C-3, die verantwortlich für die Resorption und hohe Bioverfügbarkeit ist. Trotz dieser eindeutigen Erkenntnisse werden 3,4-unsubstituierten Cumarinderivaten aber immer wieder ähnliche gerinnungshemmende Effekte wie den oralen Antikoagulanzien vom Cumarintyp unterstellt.“ [Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung ist zwar nicht mehr taufrisch, da von 2009, doch wirklich sehr lesenswert.]

Weil das später Warfarin getaufte Molekül in den frühen 1920er Jahren zum Tod von tausenden von Rindern in Nordamerika führte – sie verendeten an inneren Blutungen, wurde dieser Stoff erstmal verteufelt. Man fand dann nach längerer Zeit heraus, dass der „sweet clover“ (süße Klee) durch Lagerung und die Infektion mit einem Pilz am Drama schuld war. Im verschimmelten Heu hatte eine Umwandlung des ungiftigen Cumarin im Heu in das gerinnungshemmende Dicoumarol statt gefunden, die Kühe konnten kein Prothrombin für die Blutgerinnung mehr bilden. Diesen Stoff stellte man dann im Labor her und er wurde als Antithrombotikum verschrieben, er hemmt die Verarbeitung von Vitamin K.

Noch größeren Erfolg hatte diese Substanz als Rattengift namens Warfarin und hatte dann seinen Negativ-Stempel weg. Am Menschen wurde es erst wieder eingesetzt und für sicher befunden, nachdem ein Navy-Soldat versucht hatte, sich damit das Leben zu nehmen, jedoch durch die einfache Gabe von Vitamin K gerettet werden konnte. Der Name Warfarin kommt übrigens von WARF, der Wisconsin Alumni Research Foundation, diese finanzierte die Erforschung von synthetischen Blutgerinnungshemmern auf Cumarin-Basis, sie erhielten dann auch das Patent auf die Warfarin-Herstellungsmethode (drei schöne pharmazeutische Zufalls-Entdeckungs-Geschichten sind hier in Phlebologie 2/2014 nachzulesen, teils in deutsch, größtenteils in englisch).

Wir brauchen also in der verantwortungsvoll praktizierten Aromapflege, also mit Ölen und Extrakten bester (Bio-)Qualität, in physiologischen Verdünnungen (0,5-3%) sowie bei äußerer Anwendung keinerlei Angst haben, dass wir unsere PatientInnen schädigen. Und wir dürfen auch PatientInnen, die Marcumar und Warfarin einnehmen, mit den fein duftenden Tonka-Wölkchen umhüllen. Denn damit können wir helfen, körperliche und seelische Schmerzen deutlich zu lindern. Tonka ist erhältlich beispielsweise hochkonzentriert (50:50 in Alkohol) bei Feeling und 30-ig-prozentig in Alkohol bei Aromapflege-Farfalla [Auch der wundervoll marzipanig duftenden jedoch stark hautaggressive Cassiazimt enthält Cumarine, das ätherische Öl daraus auch, es wird jedoch höchst selten in der Aromapflege eingesetzt.]

reizdarm und ätherische öle


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas Reizdarm-Syndrom gilt inzwischen als eine Art „Depression“ des Darmes, in dem sich ja mindestens so viele Nervenzellen wie das Gehirn befinden und der auf einen funktionieren Stoffwechsel von Botenstoffen wie dem Serotonin angewiesen ist. Möglicherweise werden die sehr sensiblen Eingeweide durch Aroma- und Riechstoffe irritiert, denn viele (natürliche) Riechmoleküle sind „Buchstaben“ der Pflanzen und der Insekten. Manche dienen ausdrücklich der Warnung: Die Maispflanze warnt mit Hilfe von Indol eigene „Körperteile“, wenn erste Blätter von Fraßfeinden angeknabbert werden. Eine tropische stachellose Biene  produziert Neral und Geranial, um Feinde im Nest zu desorientieren, Blattläuse produzieren Farnesen als Alarmsubstanz: Es wird in für sie brenzeligen Situationen abgesondert, um „Kollegen“ zu warnen.

Da diese Funktionen von Riechmolekülen bislang nur rudimentär erforscht sind, wäre es denkbar, dass synthetisch  „parfümiertes“ Essen aber auch alles andere aus den Laboren, was heutzutage zum olfaktorischen Großangriff auf uns Menschen abgefeuert wird, für konstante Irritationsgefühle und Angst mit Fluchtgedanken führt. Mir geht es jedenfalls manchmal so: Erst kürzlich machte ich eine Tüte eines Reis-Fertiggerichtes auf, das uns geschenkt worden war. Ich wollte es unseren Hunden verfüttern, bereite es vorschriftsmäßig zu und fiel fast in Ohnmacht, als ich die stark nach Synthetik-Gewürzen riechende Pampe in der Nase verspürte. Ich spülte und spülte und spülte es, damit der Reis einigermaßen zu Reis wurde. Da ich sowas sonst nie esse, hat es mich schier erschlagen und ich wäre NIE auf die Idee gekommen, sowas zu verspeisen. Doch ich denke, sehr viele Menschen nehmen jeden Tag mehrere Produkte zu sich, die ähnliche Geschmacksstoffe enthalten, wir alle haben es mal eilig und greifen dann gerne zu Convenience-Food. Doch in den allermeisten Fällen besteht es aus bedenklichen Stoffen. Gerade gestern entdeckte ich 0reo-Kekse in einer neuen Geschmacksrichtung: Erdnuss. Beim genauen Studieren der Inhaltsstoffe bemerkte ich, dass keine einzige Erdnuss enthalten ist.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieSo wird unser Darm täglich „an der Nase herumgeführt“. Kein Wunder, dass er gereizt reagiert! Und die Lebensqualität kann erheblich beeinträchtigt werden, wenn starke Schmerzen, heftige Blähungen und häufige Durchfälle den Alltag begleiten. Interessanterweise kann man ihn mit Riechstoffen aus der Natur beruhigen, wir Menschen sind mit diesen Molekülen seit Jahrtausenden vertraut und sollten sie mal schädlich gewesen sein, haben wir uns mit ihnen bestens arrangiert.

Nun belegt eine kleiner wissenschaftliche Studie aus Essen und Duisburg die Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen (Bauchkompressen mit Kümmelöl). In diesem randomisierten kontrollierten Cross-over-Experiment wurden 48 PatientInnen mit Riezdarm-Symptomen (IBS) beobachtet (40 Frauen, 8 Männer, durchschnittlich 53,9 ± 14,4 Jahre). Während drei unterschiedlicher Behandlungszeiträume, die je drei Wochen dauerten, wurden entweder 2%-ig in Olivenöl verdünntes Kümmelöl (Carum carvi) mit einer warmen Moorauflage eingesetzt, oder nur erwärmtes Olivenöl oder nur körperwarmes Olivenöl. Erstere Anwendung war signifikant wirksamer (p = 0,033) als die anderen beiden ohne Kümmelöl. Auch die Anzahl der Personen, die überhaupt auf die Anwendungen ansprachen war in der Kümmelgruppe signifikant höher (43,9%) als in beiden Olivenölgruppen (maximal 20%). Es wird betont, dass es keine unerwünschten Nebenwirkungen bei der Anwendung von Kümmelöl gab und dass ein Großteil der PatientInnen vorhatten, diese Anwendung auch nach Beendigung der Studie weiter zu führen.

Die  Arzneipflanze des Jahres 2016, gewählt vom ‘Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde’ der Universität Würzburg, wird von den Wissenschaftlern dieser kleinen Studie im Rahmen von ‚Selbstmanagementstrategien‘ von chronischen Erkrankungen oder Beschwerden empfohlen (das heißt zur Selbstbehandlung).

carmenthin-kapselnWenn der Bauch besonders drückt, kann Kümmelöl in Kombination mit Pfefferminzeöl in den praktischen Carmenthin-Kapseln (klick!) eingenommen werden. Kümmelöl kann beispielsweise von Feeling (klick!) oder von der über 100 Jahre alten ur-deutschen Firma Bombastus (klick!) gekauft werden, für Kleinkinder mit Bauchschmerzen gibt es ein fertig verdünntes Produkt: das Baby-Bäuchleinöl von Weleda (klick!).

Lauche R, Janzen A, Lüdtke R, Cramer H, Dobos G, Langhorst J. Efficacy of Caraway Oil Poultices in Treating Irritable Bowel Syndrome – A Randomized Controlled Cross-Over Trial. Digestion. 2015;92(1):22-31.

Lauche R, Langhorst J: Studie zur Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen bei Patienten mit Reizdarmsyndrom. Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36: 244-246

aromatherapie bei (kreisrundem) haarausfall (alopezie)


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieHaarausfall, kann ich mit ätherischen Ölen etwas dagegen tun? Das ist eine der häufigen Fragen, die an mich gestellt werden. Ich muss mit ja und nein antworten, denn Haarwurzeln sind extrem empfindliche Gesellen, sie reagieren auf kleinste hormonelle Schwankungen, auf Übersäuerung, auf die ersten Attacken vieler Chemotherapien. Viele Jahre lang habe ich Indian Head Massage unterrichtet und gespürt, dass Verspannungen, welche durch die vielen Anforderungen unseres modernen Lebens entstehen, insbesondere die Kopfhaut verhärten. Nur ist sich kaum jemand dessen bewusst.

Insofern können tägliche kleine Massagegriffe mit entspannend wirksamen ätherischen Ölen durchaus eine Wirkung zeigen, indem das „Übel“ buchstäblich an der Wurzel gepackt wird. Welche Öle dabei ausgewählt werden, entscheidet der spezifische Zustand der jeweiligen Person, ihre Nase sollte wohltuende Düfte auswählen und zusammenstellen. Wichtig wäre das eine oder andere ätherische Öl, das aufgrund seines Estergehaltes entkrampfend und lösend wirkt, beispielsweise

  • Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Petit Grain (Citrus aurantium foliae)
  • Kamille römisch (Chamaemelum nobile)
  • Bergamottminze (Mentha citrata)
  • Ylang Ylang (Cananga odorata)
  • Rosengeranie (Pelargonium graveolens, P. asperum)
  • Bergamotte (Citrus bergamia, nur abends)
  • Muskatellersalbei (Salvia sclarea)

Entspannung alleine reicht jedoch nicht unbedingt, obwohl sich eine Kopfmassage sofort auf den ganzen Körper wohltuend auswirkt. Es muss zusätzlich ein ätherisches Öl gewählt werden, das die Durchblutung anregt, damit „Schlacken“ abtransportiert werden können und damit (vor allem im Falle von Immunreaktionen) körpereigene Verteidigungsstoffe herbei geschafft werden. Der Klassiker ist

  • Rosmarin Ct. Campher oder Ct. Cineol (Rosmarinus officinalis)

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannPfefferminze (Mentha piperita) wäre auch denkbar. Für den Fall, dass Mikroorganismen (Pilze, Bakterien oder Hautflechten) am Haarausfall beteiligt sind, nimmt man einen geringen Anteil an Ölen, die „antibiotische“ Phenole enthalten zur Mischung, sie fördern auch gleichzeitig die Durchblutung und helfen dem Immunsysten wieder auf die Sprünge (hinter Alopezie steckt eine Autoimmun-Reaktion). Der Klassiker ist Pimentöl (Pimenta dioica), es gibt sogar eine Patentanmeldung (klick!) auf ein Haarwasser mit Piment. Im traditionellen Haar- und Pflegewasser aus Jamaika Trumper’s Bay Rum (klick!), das auch Gentlemen in Europa schätzen, ist dieses nach Gewürznelken duftende Gewürz enthalten. Das ätherische Öl ist leider nicht überall erhältlich.

  • Piment (Pimenta dioica, Foto, hier erhältlich)
  • Bay (Pimenta racemosa, hier erhältlich)
  • Thymian Ct Thymol (Thymus vulgaris Ct Thymol)
  • Nelkenblätter oder etwas milder Nelkenknospe (Syzygium aromaticum)
  • Tulsi/Heiliges Basilikum (Ocimum sanctum)

Last not least muss man dem Körper helfen, diesen chronisch-entzündliche Prozesse (evtl sogar Abstossungsprozesse) zu regulieren, dabei helfen ihm insbesondere Sesquiterpenverbindungen, besonders bewährt hat sich Zedernöl:

  • Atlaszeder (Cedrus atlantica)
  • Himalajazeder (Cedrus deodara, hier erhältlich)
Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

INCI eines bekannten deutschen Haarwassers

Aus diesen vier Komponenten wird nun ein Haaröl oder ein Haarwasser gemischt und es wird somit wesentlich wirkungsintensiver als die meisten Haarwässer, die man in Drogeriemärkten findet. Diese bestehen hauptsächlich aus Wasser (billig), sehr viel Alkohol (durchblutungsanregend, antiseptisch und billig) und manchmal einem Antischuppen-Wirkstoff (Pirocton-Olamin).

Ein Beispiel für ein selbst gemachtes Haarwasser könnte sein:

  • 25 ml Wodka 40%-ig mit
  • 6 Tropfen Rosmarin
  • 5 Tropfen Atlaszeder
  • 4 Tropfen Ylang Ylang
  • 3 Tropfen Piment (oder Thymian Ct. Thymol) gut verschütteln, mit
  • 25 ml Rosmarinhydrolat mischen (hier erhältlich)

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieJeden Morgen mit kreisenden Massagegriffen auftragen, für eine Abendmischung den Rosmarin weg lassen. Nach dem Auftragen mit einem Handtuch abdecken, dann verflüchtigen sich die ätherischen Öle nicht so schnell. Wer besser mit Öl zurecht kommt (oder als nächtliche Haarkur), mischt diese ätherischen Öle in 50 ml eines guten nativen fetten Pflanzenöles wie beispielsweise Olivenöl, Mandelöl oder Johanniskrautmazerat.

Professor Dr. Wabner hat vor vielen Jahren auf eine schottische wissenschaftliche Arbeit mit 86 PatientInnen hingewiesen. In der randomisierten Doppelblindstudie wurden 86 PatientInnen mit Alopecia areata (kreisrundem Haarausfall) sieben Monate lang entweder mit ätherischen Ölen in Traubenkernöl und Jojobaöl und einer 2-minütigen Kopfhautmassage sieben Monate lang behandelt

  • Thymus vulgaris (Thymian, Chemotyp nicht angegeben, 2 Tropfen, 88 mg)
  • Lavandula angustifolia (3 Tropfen, 108 mg)
  • Rosmarinus officinalis (Chemotyp nicht angegeben, 3 Tropfen, 114 mg)
  • Cedrus atlantica (2 Tropfen, 94 mg)
  • 20 ml Traubenkernöl
  • 3 ml Jojobaöl

oder nur mit dem Traubenkernöl-Jojobaöl-Mix. In der Aromatherapie-Gruppe zeigten sich signifikante Verbesserungen im Vergleich zur Fette-Öle-Gruppe [Hay IC, Jamieson M, Ormerod AD. Randomized trial of aromatherapy. Successful treatment for alopecia areata. Arch Dermatol. 1998 Nov;134(11):1349-52]. Die fertige Mischung ist bei WADI (klick!) erhältlich.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFrüher hat man Klettenwurzelöl in die Kopfhaut einmassiert, es ist wirksam bei Haarausfall und bei juckenden Hautekzemen. Heute ist es kaum noch in guter Qualität erhältlich (hier geht es zu einem Klettenwurzelöl, klick!), besser man stellt es demnächst her, indem man getrocknete und klein geschnittene Wurzelstückchen drei Wochen lang in einem guten Olivenöl einlegt und dann abseiht. Die große Klette, Arctium lappa, wird heute ohnehin als Unkraut betrachtet, dabei ist ihre lange Wurzel sehr heilkräftig (sie ist auch im „Anti-Krebs“-Produkt Essiac enthalten).

Unterstützend sollte auf eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten geachtet werden, damit die Übersäuerung des Körpers und damit der Kopfhaut reguliert werden kann, so dass die Haarwurzeln sich in einem gesünderen Umfeld neu entfalten können. Eventuell sollte ein Hormonspiegel vorgenommen werden und es sollte unbedingt auf eine Reduktion von stressauslösenden Situationen geachtet werden.

wir essen täglich ätherische öle


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Ätherische Öle in bekannten Lebensmitteln. Auf die Tabelle klicken zum Vergrößern!

Während ich mir heute ein feines Süppchen aus Bio-Lauch – liebevoll gehegt und gepflegt von unserem deutschen Nachbarn Stefan – zubereitete, dachte ich über die täglichen Portionen an ätherischen Ölen, die wir zu uns nehmen sollten, nach. Ich weihte für das einfache Gericht auch unsere neue hervorragende Muskat-Reibe ein und gab damit nochmals ätherisches Öl ins Essen. Wie viele Lebensmittel und Gewürze/Kräuter, die reich an ätherischen Ölen sind, leiden Muskat und Lauch/Porree extrem an vorzeitiger Zubereitung: Man sollte also Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Bärlauch nie auf Vorrat klein schneiden (und gar tagelang aufbewahren). Auch Muskat will frisch gerieben werden und sofort in die Speisen gegeben werden.

Beim Kochen also dachte ich mir, dass ich mal eine „kleine Tabelle“ zusammenstellen könnte, damit auch Aroma-AnfängerInnen sich davon überzeugen können, dass es viele Ätherisch-Öl-Lebensmittel gibt, von denen wir alle sicherlich jeden Tag zumindest einige verspeisen. So, und nun sind wieder einige Stunden vergangen und eine kleine Doktorarbeit ist erstellt! Knoblauch & Co habe ich übrigens nicht in die Tabelle gepackt, da es deren ätherische Öle selten zu kaufen gibt und sie auch in der Aromatherapie keine Rolle spielen. deren ätherische Öle enthalten vor allem Diallyltrisulphid und Diallyldisulphid sowie deren Derivate, schwefelige Verbindungen also. Wer ätherisches Öl vom Knoblauch kaufen möchte, kann es hier in einer küchenfertigen Verdünnung bestellen (pur ist es ohnehin kaum zu ertragen!)

Ich habe inzwischen für die Neuauflage meines Fachbuches weit über hundert wissenschaftliche Arbeiten gewälzt, die sich mit der antitumoralen Wirkung von ätherischen Ölen (oder deren Bestandteilen) befassen. Mir ist dabei klar geworden (und später durch drei Wissenschaftler bestätigt worden), dass eine der biologischen Aufgaben von ätherischen Ölen in der Prävention von amoklaufenden Zellen, sprich der Tumorvorsorge, liegt. Es gibt leider nur wenige Studien, die sich mit lebenden Menschen, die an Krebserkrankungen leiden, befassen. Und wenn, dürfen nur solche Patienten an den Experimenten teilnehmen, die bereits als austherapiert gelten (irgendwie unfair diesen duften natürlichen Medikamenten gegenüber, dann helfen die meisten Chemotherapeutika auch nicht mehr). Doch Zellkulturen (und leider auch viele Tierstudien) zeigen eine eindeutige Richtung. Freilich ist der menschliche Körper ein kompliziertes Gebilde aus unterschiedlichsten Zellen und Geweben, so dass man diese einfachen Experimente nicht ohne weiteres aus den kranken Körper übertragen kann (schade!).

Dennoch bekommt durch diese Erkenntnisse die Empfehlung, dass man frische und möglichst lokale erzeugte Lebensmittel verspeisen sollte, eine neue Dimension. Denn bei allem, was tage- oder gar wochenlang herbei gekarrt wird und das dann womöglich noch „ewig“ in Lagerhallen* auf den Verkauf wartet, verflüchtigen sich die ätherischen Öle, sie sind nunmal stark flüchtig, winzige Moleküle, die sich in „jede Windung“ unseres Körpers begeben können, um dort zu regulieren und der Gesundheit auf die Sprünge zu helfen.

Es gibt KollegInnen, die lehren (sollen), dass man ätherische Öle NIEMALS innerlich einnehmen darf. Dieses Thema sollte jedoch endlich differenziert betrachtet werden. Wir MÜSSEN aus gesundheitlichen Gründen ätherische Öle essen! Wir dürfen jedoch NICHT wahllos und ohne Schulung das konzentrierte Ergebnis einer Kräuter- oder Gewürzedestillation in unser Essen geben. Also der Umgang – insbesondere die Einnahme – mit den ätherischen Ölen in der braunen Fläschchen muss gelernt sein und verantwortungsvoll durchgeführt werden. Selbst beim Umgang mit Zitrusschalenölen (die ja nicht destilliert sind, sondern abgeraspelt) muss mit viel Fingerspitzengefühl gewürzt werden (oder würden Sie die Schalen von 10 Zitronen in eine Nachspeise für 4 Personen raspeln? das könnte einem Tropfen Zitronenöl entsprechen).

  • Für den öffentlichen (Koch/Gastronomie)-Bereich zugelassene Öle gibt es bei Vegaroma.
  • Essbare Mischungen und ein Rezeptbüchlein gibt es bei Feeling.
  • Das Kochbuch der Ätherisch-Öl-Speisenzubereitung-Pionierin Maria Kettenring heißt Duftküche.
  • Das Kochbuch aus Österreich für die Alltagsküche von Sabine Hönig und Ursula Kutschera heißt Aromaküche.

Quellen für die Tabelle: George A. Burdock: Encyclopedia of Food & Color Additives und Robert Tisserand: Essential Oil Safety

*Mir haben mal zwei Personen unabhängig voneinander erklärt, dass sowohl Orangen als auch Bananen bis zu drei Jahren gelagert werden dürfen, bevor sie in den Verkauf gelangen! Weiß jemand mehr oder kennt zuverlässige Literatur dazu?

anis – die heilpflanze des jahres 2014


Schule für Aromatherapie Eliane ZimmermannNachdem diese hocharomatische und ästhetische Pflanze vom  Verein NHV Theophrastus ausgezeichnet wurde, ist es mal wieder an der Zeit, dass ich mich ihrem ätherischen Öl zuwende. Es hat hier dem meinem Blog bislang wenig Beachtung gefunden, jedoch weil ich den feinen würzigen Duft durchaus sehr schätze, bekam es bereits vor langer Zeit ein ausführliches Portrait hier auf meiner Website (klick!).

Neben Limettenduft, der bei mir sofort Erinnerungen an sorglose Strandtage in Brasilien weckt, erinnert mich das Aroma von Anis an sonnige Tage in Griechenland. Neben Anisauszügen enthält der dort so viel verwendete Schnaps Ouzo übrigens eine ganze Palette an ätherischen Ölen (Koriander, Gewürznelke, Mastix, je nach Rezeptur vermutlich auch noch Kamille und Angelikawurzel).

Bei der Pflanzenfamilie der Apiaceae/Doldenblütengewächse, zu denen Anis zählt,  spricht man nicht von ‚Samen‘, aus denen die Teedroge gewonnen wird, sondern von ‚Früchten‘. Deutsche Lieferanten verkaufen entweder die destillierten Früchte der zarten Heilkrautes Pimpinella anisum L. oder die destillierten Samen und Samenhüllen des 20 Meter hohen tropischen Baumes Illicium verum Hook. F. (Sternanis, Familie der Schisandraceae). Aus Illicium anisatum kann auch ätherisches Öl gewonnen werden, es enthält jedoch toxisches Isosafrol. Aus der Shikimisäure der Illiciumbäume wird übrigens das während der Vogelgrippenpanik gepriesene antivirale Medikament gewonnen, ich schrieb hier darüber.

Schule für Aromatherapie Eliane ZimmermannAnisöl wird in der Aromatherapie kaum verwendet, vielleicht weil es so nach Essen und Trinken duftet, vielleicht weil das ähnlich wirkende und duftende Fenchelöl besser erhältlich ist, vielleicht auch weil in alten Büchern vor der Toxizität gewarnt wird. Wer abschalten möchte, Entspannung und tiefen Schlaf sucht, den Alltag etwas vergessen möchte, wird jedoch mit diesem Duft seine helle (aufhellende) Freude haben. Auch eignet sich dieses Öl wunderbar für Menschen, denen Ereignisse auf den Magen schlagen. Wenn man zu viel „Unverdauliches“ erleben musste, kann eine Ölauflage auf dem Bauch samt Wärmflasche Wunder wirken (1 Tropfen Anisöl auf einen großen Esslöffel mit Olivenöl, sanft auf schmerzenden Bauch einreiben. Ergänzend dazu (oder alternativ) kann Basilikum eingesetzt werden, ich schrieb im letzten Blogbeitrag ausführlich darüber.

Tisserand_Safety_CoverDas ätherische Öl des wärmeliebenden Aniskrautes kommt meistens aus Frankreich oder Spanien, es enthält 75 bis 96 Prozent trans-Anethol, ein Phenylether. Da diese Gruppe von Molekülen eine deutliche psychische Wirkung ausüben können, kann die Raumbeduftung mit diesem Öl einerseits stark entspannend wirken, kann bei sensiblen Menschen angeblich auch Träume intensiver und bunter werden lassen. Vermutlich ist ein Cocktail aus Spuren von Anisketon, Anisaldehyd und Estragol für diese spannende Eigenschaft verantwortlich. Tisserand warnt in seinem neuen supergroßen, superschweren, superinformativen Buch „Essential Oil Safety“ (klick! unter 50 Euro für über 4000 Referenzen zu Studien mit ätherischen Ölen!) vor oxidierten Ölen, die reich an Anethol sind, also das angebrochene Fläschchen bitte innerhalb von 1,5 bis 2 Jahren verbrauchen oder es nicht mehr für Hautanwendungen einsetzen. Dieser Stoff kann – zumindest innerlich verwendet – auch die Blutgerinnung verzögern, also Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten. Bei Experimenten mit Ratten beobachtete man zudem eine antidiuretische Wirkung, dh der Leitstoff von Anis fördert eventuell Wasseranlagerungen bei entsprechend vorbelasteten Personen. Untersuchungen bezüglich der östrogenähnlichen Wirkung zeigen nach wie vor unterschiedliche Ergebnisse, bei vernünftiger Verdünnung und bei nur äußerlicher Anwendung scheint keine Gefahr für schwangere und stillende Frauen zu bestehen, bei hormonabhängigen Krebserkrankungen sollten jedoch Fenchel- und Anistees nicht ständig und in großen Mengen getrunken werden.

Und nun noch ein paar andere Pflanzen, denen ab morgen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte:

Ich wünsche allen meinen LeserInnen einen guten Start in eine neue Zeit und bedanke mich insbesondere bei allen, die hier ab und zu  mitmachen und die mich mit Kommentaren, Informationen und Anregungen begleiten, unterstützen und anspornen. (So eine kostenlose Informationsseite macht sich nicht ganz alleine.) Ein besonderer Dank geht auch nochmals an die UnterstützerInnen, die mir (und euch) durch Buch- und Sach-Bestellungen dieses Projekt seit über 5 Jahren (finanziell) möglich machen (vor allem geht ein dicker Knuddel an Patrick, dem Mega-Unterstützer!).

Eine BITTE noch habe ich zum Schluss dieses Beitrages und dieses Jahres an Euch/Sie: Nach wunderbaren Bewertungen der ersten Auflagen haben auf Amazon inzwischen ein paar fiese, neidische und dümmliche Kritiken die wichtige Sternchenzahl meines Fachbuches (klick!) auf ein unansehliches Maß rutschen lassen. Nun hat es leider die schlechteste Bewertung auf Seite 1 der Aromatherapie-Bücher, schade und wie ich meine, wirklich unverdient).

Schule für Aromatherapie Eliane ZimmermannIch würde mich sehr freuen, wenn sich das Lob, das mir in Life-Begegnungen ausgesprochen wird, sich auch bei Amazon widerspiegeln würde. Könnten einige von euch, geschätzte LeserInnen, ein paar Worte der Wertschätzung, gerne auch von konstruktiver Kritik, als Bewertung verfassen? Vielleicht auch den Sinn der oft kritisierten lateinischen Namensgebung der Pflanzennamen erläutern? Denn wenn man beispielsweise unterschiedliche Pfefferminzeöle vergleichen möchte (was man als Student und Dozent der Aromatherapie durchaus immer wieder mal machen sollte), muss man nicht unter A wie Ackerminze, B wie Bergamotteminze, F wie Flohminze, P wie Pfefferminze und W wie Wasserminze nachschlagen, sondern hat sie alle unter M wie Mentha beisammen. Ähnliches gilt für Thymianöle, Eukalyptusöle, Zitrusöle und noch einige mehr. Zudem gibt es das Lesezeichen mit lateinischen und deutschen Namen zum kostenlosen Download auf meiner Website (klick!). Dass Farbe und bunte Grafiken fehlen, habe nicht ich zu verantworten, ich erhielt nicht die Unterstützung einer einzelnen Ölefirma, die beim Mitbewerberbuch die Zusatzkosten für den Vierfarbdruck getragen hat. Die nächste (völlig zu überarbeitende Auflage) wird jedoch bunt, endlich :-)!

studien zur verringerung von übelkeit mit hilfe von ätherischen ölen


Schule für Aromatherapie Eliane ZimmermannÜbelkeit lässt sich in vielen Fällen sehr gut verringern, indem ätherische Öle inhaliert (tief eingeatmet) werden. Dazu gibt es einige wissenschaftliche Erkenntnisse. Übelkeit ist eine schreckliche Nebenwirkung von vielen Krebsbehandlungen, sie kommt auch vor nach chirurgischen Eingriffen, oder auch als besonders lästiger Begleiter bei „normalen“ Kopfschmerzen und Migräne.

Pfefferminze- und Ingweröl wirken optimal gegen die Übelkeit nach der Narkose oder auch bei starker Medikation (beispielsweise 50 ml Pfefferminzehydrolat und/oder etwas Wodka mit 8 Tropfen Pfefferminzeöl und 2 Tropfen Ingweröl verschütteln und in der Nähe des Gesichtsbereiches zum Einatmen versprühen (nicht in der Nähe der Augen!). Oder Pfefferminze- mit Zitronenöl verwenden, diese Mischung erfrischt und klärt den benebelten Geist, sie ist auch gut als Handspray zu verwenden. Auch das stark krampflösende Basilikumöl kann helfen, eventuell auch mit Zitronen oder Limettenöl gemischt. Man gibt ein bis zwei Tropfen ätherisches Öl auf ein Papiertaschentuch oder Vlies, optimal wäre in der Pflege von verwirrten und sehr kranken Menschen auch der Aromastick (Abbildung oben, Bestellmöglichkeiten für Deutschland, Österreich und die Schweiz habe ich hier aufgeführt). Dieser ist aus der englischsprachigen Palliativpflege nicht mehr wegzudenken. sAuch ein regelmäßige Besprühen des Gesichts-/Nasenbereiches mit Pfefferminzehydrolat kann hilfreich sein.

Es gibt etliche wissenschaftliche Studien zu ätherischen Ölen (und Kräuteranwendungen) bei Übelkeit, die neueste ist von letztem Jahr und aus Malaysia. Sie ist ein Review, also eine Übersichtsarbeit über vorhandene Studien. Darin werden fünf Studien vorgestellt, welche 328 Patienten umfassten, diese erfüllten die Kriterien von seriösen wissenschaftlichen Arbeiten. Die Inhalation von Pfefferminze- und Ingweröl reduzierten Vorkommen und Stärke von Übelkeit und reduzierten antiemetische (Medikamente gegen Übelkeit) Maßnahmen. Lua PL, Zakaria NS. A Brief Review of Current Scientific Evidence Involving Aromatherapy Use for Nausea and Vomiting. J Altern Complem Med 2012, 18(6): 534-40 

Auch in 2012 wurde eine Studie aus den USA veröffentlicht, in der eine Mischung aus ätherischen Ölen bei Übelkeit angewendet wurde: Ingwer, Spearmint, Pfefferminze und Cardamom; Isopropylalkohol wurde als Placebo verwendet. 1151 Personen wurden erfasst, davon entwickelten 303 Personen postoperative Übelkeit. Nach Inhalation der Ölmischung und des Ingweröles alleine zeigten sich signifikante Verbesserungen, jedoch nicht nach Einatmen des Alkohols. Hunt R, Dienemann J, Norton HJ, Hartley W, Hudgens A, Stern T, Divine G. Aromatherapy as Treatment for Postoperative Nausea: A Randomized Trial. Anesth Analg. 2012 Mar 5

eine etwas andere bohne: tonka


Aromatherapie-Kurse Eliane ZimmermannIch verwende Tonkaabsolue (Dipteryx odorata, bei meinen Lieblingsfirmen extrahiert mit Trinkalkohol=Ethanol) das ganze Jahr über, doch in der Adventszeit kommt man nicht drumherum, über diesen traumhaft vanillig-karamelligen Duft zu schreiben. Nachdem dieses fast verbotene Gewürz (der wichtigste Inhaltsstoff verursacht bei Ratten bereits in kleinen Mengen extreme Blutgerinnungsstörungen, jedoch NICHT beim Menschen, wie man inzwischen weiß) wieder in Leckereien verarbeitet wird (ich schrieb hier darüber), kann man mit besserem Gewissen die Anwendung in selbst gemachtem Weihnachtsgebäck empfehlen. Mit viel Freude las ich kürzlich im wunder-wunder-wunderschönen Backbuch Die wunderbare Welt von Fräulein Klein einer inspierenden Bloggerin, dass auch die junge Generation von dieser zauberhaften und stimmungsaufhellenden Zutat weiß.Fräulein_Klein

Noch vor dem zweiten Weltkrieg gehörte die Tonkabohne in die (weihnachtliche) Küche – genau wie die Muskatnuss. Ein Stollen ohne dieses waldmeisterartig schmeckende Gewürz war wie Glühwein ohne Zimt und Nelke. Eine Prise der schrumpeligen südamerikanischen Samen sorgt für tolle vanilleähnliche Würze und wirkt gegen den Dezember-Blues. Tabak wird seit uralten Zeiten damit aromatisiert, der berühmte deutsche Entdecker und Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 -1859) berichtete, dass man in Caracas (Venezuela) die Wäsche damit beduftete. Der bis zu 25 Meter hohe, robinienartige Tonkabaum [Dipteryx odorata (Aubl.) Willd.] wächst im feuchtwarmen, gemäßigten Klima des nördlichen Amazonas in Brasilien, Guayana und Venezuela. Er kommt auch in Nigeria vor und ist ein Verwandter von Erbse und Bohne, gehört also in die Familie der Fabaceae (Hülsenfruchtgewächse).
Wenn die Früchte reif sind, werden sie 24 Stunden in Alkohol (z.B. Rum) eingelegt und anschließend getrocknet. Ich wollte mal von einer deutsch-brasilianischen Freundin einige der sehr keimwilligen Samen per Post geschickt bekommen, um sie in meinem durchaus mild temperierten Duftgarten (oder im Gewächshaus) zu ziehen, doch sie ließ mich wissen, dass es sehr streng verboten sei, keimfähige Ware außer Landes zu bringen!
Nach dem alkoholischen Vollbad werden die braunen Samen fermentiert und werden schwarz, dann steigt der Cumaringehalt auf circa 10 Prozent. Dieser Stoff liegt als 2-O-(β-D-Glucosyl)cumarsäure in der Pflanze gylcosidisch gebunden vor, also sozusagen an ein Zuckermolekül gekettet. Dieses Glykosid wird während des Trockungs-und Welkprozesses unter dem Einfluss einer Glukosidase gespalten und die freie Cumarsäure zyklisiert anschließend zum Lactonring des Cumarins. Cumarin (2H-1-Benzopyran-2-on) ist ein zyklisches Lacton und wurde bereits 1822 aus den Tonkabohnen isoliert. Es ist in kleinen Spuren in diversen Lebensmitteln (Aprikosen/Marillen, Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen) und heimischen Kräutern (Salbei, Dill, Kamille) und auch im Lavendel (-Absolue) enthalten [Loew D, Koch E: Cumarine – Differenzierte Risikobetrachtung mit dem Beispiel eines pflanzlichen Arzneimittels. Zeitschrift für Phytotherapie 2008; 29: 28–36 und Differenzierte Risikobetrachtung: Cumarine in pflanzlichen Arzneimitteln, von Dieter Loew, Hermann Hauer und Egon Koch. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 07/2009].

Eliane Zimmermann AromatherapieWährend der Fermentation entwickelt sich also der köstliche Cumarinduft nach Waldmeister und gemähten Almwiesen. Wer Tonkabohnen besitzt, kann das weißliche auskristallisierte Cumarin in den „Falten“ erkennen. Doch dieser Stoff, ein Phenolabkömmling, welcher vom portugiesischen volkstümlichen Namen der Bohne ‚Cumarú‘ abgeleitet wurde, war den Gesetzgebern schon sehr früh ein Dorn im Auge und wurde lange Zeit in Lebensmitteln verboten. Er kann – zumindest im Tierexperiment und sicherlich bei Überdosierung in synthetisch-isolierter Form, bei kontinuierlicher Anwendung Leberschäden bis hin zu Leberkrebs verursachen. Ein ähnliches Problem wie die derzeit immer wieder angeprangerten Zimtsterne mit chinesischem Zimt, der auch Cumarin enthält (dazu gibt es seit September eine aktualisierte Stellungnahme vom BfR).
Das witterungsbeständige rotbraune Holz wird übrigens als Cumaru gehandelt und im Schiff- und Terrassenbau eingesetzt. In Brasilien wird die gemahlene Bohne als Hausmedizin bei Darmkoliken und Menstruationsschmerzen eingesetzt, Indianer aus der Region der Tonkabäume verwenden den alkoholischen Extrakt bei Migräne undMagenschmerzen. In der deutschen Aromatherapie werden schmerz- und krampflindernde Mischungen mit etwas Tonkaextrakt angereichert, insbesondere bei der Behandlung von „aussichtslosen“ Krankheiten, um gleichzeitig die Stimmung der Betroffenen etwas aufzuheitern.
Doch zurück zum Weihnachtsgebäck: eine Prise Tonkabohne (sie wird wie eine Muskatnuss auf feiner Reibe gerieben) oder drei bis fünf Tropfen alkoholischer Tonkaextrakt pro 2,5-kg-Stollen darf man getrost als ungefährlich betrachten. Wenn man zu hoch dosiert, schmeckt’s bitter, die Pflanze sagt uns also selbst, wie hoch man gehen darf. Alle Rezepte, in denen (künstliches) Bittermandelaroma vorkommt, können von Tonkaextrakt profitieren, Mohn-, Kokos- und Nusszubereitungen auch. Wer noch das (vergriffene) schöne Buch von Monika Werner „Ätherische Öle“ aus dem G&U-Verlag hat, findet ein Stollenrezept auf Seite 168 und 169. Sie beschreibt darin so nett, wie sie jedes Jahr bei Herrn Trautner, einem Konditor in München, ihren ganz besonderen Weihnachtsstollen kaufte, bis er sein Geschäft altersbedingt aufgab und ihr, nachdem sie all ihren Charme spielen ließ, das Rezept übergab. TonkagewürzSie bekam dazu ein mit einem Pulver gefülltes Glas, welches das Geheimnis seines besonderen Stollens enthielt: geriebene Tonkabohne. Das vergessene Gewürz, das auch zum Aromatisieren von feinen Tomatensoßen geeignet ist, war damals so gut wie nicht erhältlich. Heute bekommt man oft preiswerte Tonkabohnen zum Räuchern, diese sind aber nicht unbedingt zum Verzehr geeignet (jedoch als Talisman im Geldbeutel, sie sollen nach brasilianischem Volkglauben dafür sorgen, dass das Geld nie ausgeht). Besser, man kauft sie bei einem Gewürzhändler oder bestellt sie hier. Tonkaextrakt ist in den letzten Jahren sehr teuer geworden, man kann ihn auch kinderleicht selbst herstellen (noch ist Zeit, um so ein Geschenk herzustellen):

  • 50 ml hochprozentiger Alkohol (Rum, Wodka oder ganz geschmacksneutral: Bio-Ethanol)
  • 4-5 Tonkabohnen, evtl leicht angestoßen

in ein Braunglas (Apotheke) geben und drei bis vier Wochen ziehen lassen, danach durch Kaffeefilter seihen, pronto.

PS Hier noch eine wichtige Erläuterung zur häufig gestellten Frage nach Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten von Dr. Erwin Häringer, Arzt für Naturheilkunde in München: Das 7 Dihydroxy-cumarin hat keine Interaktion mit anderen gerinnungshindernden Medikamenten (Marcumar, Warfarin etc.); beim Nagetier und Hund entstehen unter epoxidbildung reaktive Aldehyde, die bei diesen Tieren und nur bei ihnen! leberschädigend wirken. Abbildungen dazu im guten Artikel von Loew in der Zeitschrift für Phytotherapie (siehe Link oben). Danke!

PPS Sabrina hat auch über Tonka & Co geschrieben, vor allem über ihre Kuschelzucker-Rezeptur, hmmmm, hier geht’s zum Artikel.

die fotos – die auflösung


Elane Zimmermann_Aromatherapie_KurseVielen Dank für die vielen Sprüche, Empfindungen, Eindrücke (für die Vergrößerung der Tabelle auf das Bild klicken!)! Ich denke, das erste Bild – übrigens mein Favorit – hat die passendsten Assoziationen bekommen.

Es ist Salvia sclarea, der Muskatellersalbei (in der Schweiz ein weibliches Kraut: die Muskatellersalbei). Das ätherische Öl ist auf der körperlichen Ebene ein(e) wichtiger Helfer(in) bei Menstruationsschmerzen und -Unregelmäßigkeiten, zudem macht es fröhlich, entspannt, fördert die Kreativität, ja es wirkt bei manchen Menschen sogar stark euphorisierend, wie Tisserand in einem Buch warnt. Ich assoziiere mit diesem Bild immer ganz viele ganz helle Comic-Stimmchen, sowas wie Außerirdische, die sich tierisch und ganz lautstark auf einem Jahrmarkt vergnügen.

Foto B zeigt unser Allrounder-Öl, der Helfer für alle Lebenslagen, der Retter in der Not: Lavandula angustifolia, der Lavendel. Die feinen Haare, die auf diesem durch ein Spezialmikroskop aufgenommenem Foto (die anderen Bilder natürlich auch, es sind freilich keine herkömmlichen Makrofotos) fast bedrohlich aussehen, haben zu einigen Irritationen geführt. Jedoch auch das schützende Element des Lavendel wurde mehrfach erwähnt, und die Ruhe und das Zuhause passend zu diese Duft. Auch das schlafende Dornröschen passt gut und natürlich die Schutzfunktion. Der Begriff ‚Symbiose‘ drückt vielleicht aus, dass dieses Öl sich mit allen und allem verträgt.

Foto C gibt es im Buch auch in einer Variation, wo die Hülle intakt ist, die Duftmoleküle geschützt und gut verpackt sind. Es handelt sich um Origanum vulgare, Oregano. Etliche Kommentare kann man gut in die Richtung interpretieren, dass es sich um ein mächtiges Öl handelt, es schützt und stärkt, es ist sogar ein wertvoller Kämpfer bei schweren Infektionen (Eiter und Schimmel/Pilzbefall). Es wirkt wärmend, durchblutungsfördernd und anregend (Kaffeebohnen…).

Foto D hat durch die intensive Färbung etwas für Irritation gesorgt, das sehr grüne Heilkraut ist jedoch oft zwischen all dem Grün rötlich, burgund, weinrot gefärbt. Es gibt Kraft, Mut und stärkt Hirn und Konzentrationsfähigkeit (und Fantasie und Entscheidungsfähigkeit). Es handelt sich um Mentha piperita, Pfefferminze. Sicherlich manchmal (bei Überdosierung) wie ein Nashorn, das einem schnell mal die Empfindlichkeit unserer Haut zeigt. Die ersten vier Motive zeigen übrigens recht enge Verwandte, alles Mitglieder der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae).

Foto E wurde öfters mit Geborgenheit, Stärkung und Struktur assoziiert. Auch mit Leckereien und Naschwerk. Es zeigt Zingiber officinale, den stark wärmenden Ingwer, der eine beliebte Zutat für edle Süßwaren ist, der zur ayurvedischen Küche gehört, der in der Erde wächst (Rhizom) und der wegen seiner Schärfe vorsichtig dosiert werden muss, sollte das Öl aus CO2-Extraktion stammen (destillierte Ingwer-Öle sind hautfreundlich, die Scharfstoffe gehen nicht mit Hilfe des Wasserdampfes über in das Öl). In einem alten Buch wurde er, wenn ich mich recht erinnere, zur Vorbeugung von Osteoporose zugeordnet.

Übrigens: da die Adresse der Dame, die das Buch verkauft, nicht zu bekommen ist, werde ich Frau Svoboda bitten, ob die gewünschten Bücher bei ihr direkt bestellt werden können. Ich gebe Bescheid, wenn die Antwort positiv ausfüllt.

unterschätztes ätherisches öl: koriandersamen


Eliane Zimmermann Eliane ZimmermannSowohl in großen Teilen der asiatischen als auch der mexikanischen Küche ist das Kraut des Koriander eine wichtige geschmackliche und dekorative Ergänzung zahlreicher Speisen. Es heißt auch Arabische Petersilie oder Cilantro (nicht wirklich korrekt jedoch weltweit gebräuchlich) und wie bei dem gebräuchlicheren Gewürzkraut können auch die Wurzeln und Samen eingesetzt werden. Der eher abschätzige Name „Wanzenkraut“ bezieht sich auf den oft als eigenartig bis ekelerregend-abstoßend empfundenen Duft der Blätter, koris im wissenschaftlichen Namen heißt sogar ‚Wanze‘. Die Tierchen riechen anscheinend wie das Kraut und umgekehrt (unter den heute herrschenden Bedingungen hat kaum noch jemand Kontakt mit (Bett-)Wanzen….). Möglicherweise besitzen wir Menschen einen (genetisch verankerten) Abwehrmechanismus auf diesen Insektengeruch, so dass uns die ähnlich gestalteten Duftmoleküle im Korianderkraut in eine Art Alarmzustand versetzen.

In der Aromatherapie haben wir zwei sehr unterschiedliche Düfte zur Verfügung: Einerseits das sehr stechend riechende Öl aus den Blättern dieses Krautes aus der Familie der Apiaceae (Doldenblütengewächse), es enthält vorwiegend aromatische (‚phenolische‘) Aldehyde und kann somit hautreizend wirken. Andererseits das ätherische Öl aus den kleinen kugeligen Samen (korrekt: Früchte), es erinnert im Duft eher an Lavendel, da es sogar mehr als jenes reichlich Linalool (75%) enthält. Es wird noch viel zu wenig in der Aromapflege eingesetzt, ja es wird richtig gehend unterschätzt. Dabei ist es relativ preiswert, die Gewinnung zerstört keine wertvollen pflanzlichen Ressourcen, denn das wärmeliebende Heil- und Küchenkraut wächst reichlich und dankbar und es gibt sogar etliche wissenschaftliche Studien zu Wirkungen jenseits der hauptsächlich bekannten carminativen Wirkungen (blähungswidrig).

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyEine vor einem Jahr veröffentliche In vitro-Studie aus Portugal konnte zeigen, dass das ätherische Öl aus Coriandrum sativum gegen etliche gram-negative und gram-positive Bakterien einsetzbar ist. Insbesondere dem gefürchteten MRSA kann das Öl zusetzen, aber auch Bakterien, die durch Lebensmittel zu Vergiftungen führen können. Es wirkte lediglich nicht gegen Bacillus cereus und Enterococcus faecalis. Interessant für die ganzheitlich denkenden und pflegenden Menschen ist die Erkenntnis, dass das komplette Öl besser wirkte als der Haupt-Inhaltsstoff Linalool (der im Labor meistens in synthetischer Form vorliegt).

Die per Durchflusszytometrie mit Propidiumiodid vorgenommene Untersuchung der betroffenen bakteriellen Zellmembranen zeigte, dass diese unter Einfluss des ätherischen Öles ihre Zellatmung einstellten. Die elektrische Spannung der Membran (das so genannte Potenzial) war genauso gestört wie die Transporterfunktionen. [Silva F, Ferreira S, Queiroz JA, Domingues FC: Coriander (Coriandrum sativum L.) essential oil: its antibacterial activity and mode of action evaluated by flow cytometry. J Med Microbiol. 2011 Oct;60(Pt 10):1479-86.]  The Journal of Medical Microbiology

In einer im März 2011 veröffentlichten brasilianischen In vitro-Studie konnte gezeigt werden, dass Korianderöl eine deutliche Wirkung gegen Candida albicans-Befall in der Mundhöhle aufweist. Es zeigte die beste Wirkung im Vergleich zu den ätherischen Ölen von Allium tuberosum (Knoblauch), Cymbopogon martini (Palmarosa), Cymbopogon winterianus (Java-Citronella) und Santolina chamaecyparissus (Heiligenkraut). Furletti VF & al. Action of Coriandrum sativum L. Essential Oil upon Oral Candida albicans Biofilm Formation. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Vol 2011

Die Zeitschrift für Phytotherapie widmete den Schwerpunkt ihrer ersten Ausgabe 2012 dieser vernachlässigten Heilpflanze, darin wird unter anderem berichtet über die Wirkungen von Koriandersamen gegen

  • MRSA (methycillinresistenter Staphylococcus aureus)
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Bacillus subtilis
  • Salmonella typhosa
  • Campylobacter jejuni
  • Mycobacterium avium
  • β-hämolysierende Streptokokken
  • Staphylococcus aureus

Korianderöl kann auch gegen pathogene (krankmachende) Pilze eingesetzt werden, im Fall von Candida albicans „hemmte das Öl die Biofilm-Bildung durch den fakultativ pathogenen Hefepilz genauso wirksam wie Nystatin und Fluconazol.“ Weitere Pilze, welche das Öl gar nicht leiden können sind beispielsweise

  • Aspergillus aegypticus
  • Penicillium cyclopium
  • Penicillium interdigitatum
  • Trichoderma viride
  • Epidermophyton interdigitale
  • Microsporum canis

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIn der aktuellen (Sonder-)Ausgabe der Zeitschrift für Phytotherapie wird von einer Studie berichtet, in welcher es bei 1200 Personen mit Kontaktallergien eine 5%-ige Mischung des ätherischen Öles mit Vaseline (!!!)  zu keiner allergischen Reaktion kam, was aufgrund der 75% Linalool im Öl hätte erwartet werden können, wenn man der aktuellen vorgeschriebenen Deklaration auf Kosmetika glauben würde. (Es wird für Kosmetika die Linalool enthalten gefordert, dass Linalool als Allergen aufgelistet wird.) Bei 40 Probanden wurde 1%-iges Korianderöl im okklusiven Patchtest untersucht und es kam auch nicht zu Unverträglichkeitsreaktionen. Das süßlich-holzig duftende und äußerst verträgliche Öl wird also für Anwendungen bei folgenden Indikationen empfohlen:

Casetti F, Wölfle U, Augustin M, Frank U, Schempp C: Einsatz von Korianderöl in der Dermatologie. Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33 (Suppl. 1). Eine weitere neue Studie aus der Universitäts-Hautklinik Freiburg befasst sich der antimikrobiellen Wirkung von Korianderöl: Casetti F, Bartelke S, Biehler K, Augustin M, Schempp CM, Frank U (2011) Antimicrobial activity against bacteria with dermatological relevance and skin tolerance of the essential oil from Coriandrum sativum L. fruits. Phytother Res 25: 2011 Aug 4., auch ein Artikel der Forscher um Professor Dr. Christoph Schempp vom letzten Jahr zeigt die Heilmöglichkeiten mit diesem Öl auf: Schempp CM, Wölfle U, Rispens JA, Schaette R (2011) Koriander (Coriandrum sativum L.) – ein heilkräftiger und antimikrobiell wirksamer mediterraner Doldenblütler. Der Merkurstab 64 (4):339-345.

Besonders fein duftend finde ich eine Rarität, die durch CO2-Extraktion gewonnen wird, manchmal wird sie bei Feeling angeboten, derzeit befindet sich „nur“ das destillierte Korianderöl (Klick auf gefettetes Wort!) im Web-Shop, nachfragen lohnt sich jedoch, da es auch als feines, antioxidativ wirksames Gewürz in der Aromaküche eingesetzt werden kann. Bei der nächsten Amazonbestellung kann auch das feine Korianderöl von Taoasis mitbestellt werden (danke für die kleinen Provisionen an all die engagierten BestellerInnen der letzten Wochen!!! 🙂 )

Es ist also an der Zeit, diesem wohltätigen „Lavendel auf der Familie der Sellerie-Fenchel-Kümmelgewächsefamilie“ mehr Beachtung zu schenken!