teebaumöl, das sanfte kraftpaket


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAnfang der neunziger Jahres des vergangenen Jahrhunderts kam das Teebaumöl in die deutsche Aromatherapie-Szene, mit ihm einige Bücher, welche die Besonderheiten dieses ungewöhnlichen ätherischen Öles erläuterten (siehe ganz unten). Einige Bücher wurden aus dem Englischen übersetzt, andere von deutschen AutorInnen recherchiert und zusammen gestellt. Alle sind inzwischen aus den Regalen der Bücherläden verschwunden, vermutlich weil das Wissen um dieses Tausendsassa-Öl inzwischen zum Allgemeinwissen gehört, man möchte es im Falle von Infektionen nicht mehr missen.

Der Geruch, den die fein gefiederten Blättchen dieses australischen Baumes absondern, ist allerdings selten ein Duftlampen-Duft, meine KursteilnehmerInnen hier in Irland haben auch immer die Möglichkeit, einen echten Tea tree-Tee zu trinken, der allerdings nicht wirklich zu den großen Genüssen zählt. Aber wie man früher so schön sagte: Wirklich wirksame Medizin muss/darf nicht schmecken.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDer Name dieses bis zu sieben Meter hohen Baumes stammt vom in England und Australien sehr bekannten Botaniker Sir Joseph Banks (1742-1820), der um 1770 mit dem legendären Weltenumsegler Captain Cook unterwegs war und bei Ureinwohnern sah, dass sie ein teeartiges Getränk aus den zarten Zweigen machten. Nach Banks sind übrigens etliche Pflanzen benannt, unter ihm als Direktor wurde Kew Gardens bei London zum führenden Botanischen Garten weltweit. Wer so pflanzenbücherbesessen wie ich ist und englischsprachige Lektüre mag, wird sich köstlich amüsieren über ein kleines Büchlein: Sex, Botany, and Empire: The Story of Carl Linnaeus and Joseph Banks von Patricia Fara. Mindestens genau so eine schöne Zeitreise in die damalige Zeit, als Botanik noch Pornografie war und Staubgefäße zählen nur Männern vorbehalten war (bei der puscheligen Teebaum-Blüte vermutlich besonders erotisch!!! 😉 ), bietet die deutsche Übersetzung eines spannenden Romans, der leider vergriffen ist, jedoch noch antiquarisch erhältlich ist: Die Pflanzenmalerin von Martin Davies. Doch zurück zum Teebaum, der Stoff für zahlreiche Bücher bieten würde.

phenol

Phenol (Benzenol)

1925 bewies der australische Chemiker Arthur de Ramon Penfold (1890–1980), dass unverdünntes Teebaumöl 11 bis 13 Mal stärker antiseptisch wirkt als das damals fast überall verwendete Desinfektionsmittel Karbolsäure (Phenol, synthetisch). Anders als dieses scharfe Antiseptikum, das die Haut stark angreift, hatte Teebaum nicht diese schädigende Wirkung und wurde so zum beliebtesten Haushalts-Desinfektionsmittel Australiens. Das Öl wurde besonders wichtig, um Wunden im zweiten Weltkrieg zu behandeln. Es war gar so hoch angesehen, dass angeblich Menschen, die in der Teebaumöl-Produktion arbeiteten, vom Militärdienst frei gestellt wurden, bis wieder genügend Reserven davon produziert waren, so dass jeder australische Soldat in seinem Erste-Hilfe-Set ein Röhrchen Teebaumöl dabei hatte.

Das Öl aus den Zweigen dieses wunderschön cremeweiß-pfeifenputzerähnlichen blühenden Baumes namens Melaleuca alternifolia besteht aus circa 20 Inhaltsstoffen (gezählt bei einer 99,26%-Analyse, „Minis“ mit Anteilen weit unter 0,1% können freilich auch noch vorhanden sein). Jedes einzelne dieser Moleküle sind für sich genommen gar nicht so besonders. Doch das Zusammenspiel dieser natürlichen Bausteine ergibt eine seltene Kombination aus BREITBAND-WIRKUNG bei unterschiedlichsten Infektionen und doch gleichzeitig großer MILDE. Das einzige „Problem“ bei Teebaumölen ist ihre recht kurze Haltbarkeit bzw Verträglichkeit. Bei sehr empfindlicher Haut kann ein unsachgemäß gelagertes Teebaumöl bereits nach 6-9 Monaten hautreizend wirken. Von robuster, gesunder Haut kann es auch viel länger vertragen werden.

Die relativ kurze Haltbarkeit hat zum einem mit einem eher geringen Anteil an stabilisierend wirksamen Sesquiterpenen (meistens circa 4%) und Sesquiterpenolen (meistens unter 2%) zu tun. Andererseits findet durch Wärme, Licht und Sauerstoff im Teebaumöl ein chemischer Prozess statt, in dem sich Moleküle im Öl von bestens verträglich zu hautreizend verändern. Im eher realitätsfernen Experiment bei sehr ungünstiger Lagerung (hell, warm, zu kalt, unverschlossen) – kann das Öl innerhalb von wenigen Wochen stark oxidieren, es können aggressive Peroxide, Hydroperoxide und Endoperoxide aus den Monoterpenen, die im Öl enthalten sind, entstehen, u.a. hyperämisierendes (hautrötendes) Ascaridol, welches zu ernsthaften Dermatiden und Allergien führen kann (es reagiert in isolierter Form mit organischen Säuren, der weibliche Genitalbereich befindet sich im sauren pH-Bereich, also Achtung!). Jedoch keine Sorge, im lichtgeschützten dunklen Fläschchen und bei weder zu kalten noch zu warmen Temperaturen hält Teebaumöl ein gutes Jahr oder gar mehr.

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Umwandlung von Terpineol-4 zu Ascaridol

Dermatologen entdeckten ferner, dass der natürlicher- und frischerweise niedrige Gehalt an p-Cymen im Laufe der Zeit von 3 auf 11,5 Prozent steigen kann. Dieses Molekül wirkt in kleinen Mengen deutlich schmerzlindernd und zart durchblutungsanregend (Counterirritant Effect), schon eine etwas erhöhte Menge kann bei sehr feiner und empfindlicher Haut zu (leichten) Reizungen führen. Es beschädigt jedoch besonders die Zellwand von Bakterien auf eine Weise, dass antibiotische Stoffe (natürlich oder synthetisch) den Krankheitskeim schädigen können (ich berichtete hier über dieses neu entdeckte Phänomen). Umgekehrt schrumpfte der Gehalt an Alpha- und Gamma-Terpinen sowie an Terpinolen auf die Hälfte der ursprünglichen Konzentration. Das ist im Buch Dermatologie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend von B. M. Hausen (Dermatol. Klinik Buxtehude), Seiten 154-156 nachzulesen und in der Arbeit: Hausen BM, Reichling J, Harkenthal M. Degradation products of monoterpenes are the sensitizing agents in tea tree oil. Am J Contact Dermat. 1999 Jun;10(2):68-77.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie Autoren dieser Arbeit betonen ausdrücklich „Während frisch destilliertes Teebaumöl selten zu Hautveränderungen führt, induziert autoxidiertes Öl eine Kontaktallergie„. Ich kenne übrigens jemanden, der ein bei einem Discounter gekauftes Teebaumöl hat gaschromatographisch untersuchen lassen, es kam leider bereits oxidiert aus der sehr preiswerten Flasche. Geht man also behutsam mit diesem Öl um, sorgt der Inhaltsstoff Terpineol-4 (oder Terpinen-4-ol, ein Monoterpenol) für eine hervorragende antiseptische Wirkung, ohne auch nur im geringsten reizend zu wirken.

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Thymol

Wir kennen bei den üblicherweise verwendeten ätherischen Ölen noch eine zweite Gruppe von Inhaltsstoffen, die über eine ausgeprägte Breitband-Wirkung bei Infektionen verfügt: die Monoterpenphenole (meistens einfach Phenole genannt, diese sind ähnlich, jedoch nicht identisch mit dem oben erwähnten Phenol, welches korrekt ein Benzenol ist). Doch diese können bereits in kleinen Mengen hautreizend und vor allem schleimhautreizend wirken. In isolierter und synthetischer Form allerdings wesentlich schlimmer, als eingebettet in das Zusammenspiel mit anderen Molekülen. Bei manchen Anwendungen ist die heftige Wirkung okay und man nimmt vielleicht sogar minimale Reizungen in Kauf, beispielsweise bei einem hartnäckigen Fußpilz. Man muss ätherische Öle, die diese Inhaltsstoffe enthalten, sehr verantwortungsvoll verdünnen. In einem französischen Buch über Aromatherapie wurde die Hautanwendung nur für die Fußsohlen als zumutbar betrachtet (Philippe Mailhebiau: La nouvelle aromathérapie). Die ätherischen Öle folgender Pflanzen sind Beispiele für Öle, die von Natur aus reich an Phenolen sind :

  • Thymian Ct. Thymol (Thymus vulgaris)
  • Thymian Ct. Carvacrol (Thymus vulgaris)
  • Spanischer Thymian (Thymus zygis)
  • Quendel (Thymus serpyllum)
  • Oregano (Origanum vulgare)
  • Spanischer Oregano (Corydothymus capitatus)
  • Bohnenkraut (Satureja montana)
  • Gewürznelkenknospe und -blätter
  • Tulsi (Ocimum sanctum)
  • Piment und Bay (Pimenta dioica und P. racemosa)                       ABER
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durch Klicken wird diese Vergleichs-Tabelle von Teebaumöl-Analysen größer!

Teebaumöl aus Melaleuca alternifolia enthält keine Phenole, darum ist ein frisches Teebaumöl bereits bei Kleinkindern anwendbar, freilich in den dem Alter des Kindes angepassten Verdünnungen von circa 1 Prozent. Es gibt allerdings einen Öleanbieter, dessen Teebaumöl angeblich einen erheblichen Anteil an Phenolen haben soll (35-70% Monoterpene, 25-40% Phenolalkohole, 2-8% Alkohole, 8-20% Sesquiterpene, 5-18% Sesquiterpene, 1-5% Sesquiterpenole, siehe Tabelle ganz rechts). Sollte das angebotene Öl tatsächlich so zusammen gesetzt sein, würde es sich nicht um ein naturreines, frisches ätherisches Öl aus Melaleuca alternifolia handeln, es würden dann nicht die üblichen Empfehlungen gelten und es wäre möglicherweise auch nicht so hautverträglich wie normalerweise erhältliche hochqualitativen Teebaumöle.

Ich gehe jedoch davon aus, dass diese Behauptung nicht wahr ist, denn die Konkurrenz schläft nicht und es passiert jedem Ätherische-Öle-Anbieter, dass die Mitbewerber mal das eine oder andere Produkt buchstäblich unter die Lupe nehmen. Es wäre viel zu riskant, ein derart verfremdetes „Teebaumöl“ auf den Markt zu bringen. Ich vermute vielmehr, dass man mit dieser „neuartigen Inhaltsstoffe-Analyse“ für Teebaumöl versucht, passend zu machen, was nicht passt, und dieses wirklich unglaublich potente Öl in eine von diesem Anbieter erfundene/verwendete Skala zu pressen. Diese Zahlen-Skala soll das Qualitäts- und Heilungspotenzial von ätherischen Ölen auf einen Blick erkennbar machen, besonders hoch angepriesene ätherische Öle enthalten in diesem System Phenole. Im Prinzip eine prima Sache! Macht man beispielsweise auch bei Lebensmitteln*.

Laut diesem Öle-Anbieter, der stets extrem hohe Dosierungen empfiehlt, hat das Teebaumöl auf der firmeneigenen Skala 100 von 100 Punkten. An die Spitze dieser in der Branche nicht anerkannten Bewertungsskala kommt Teebaum allerdings nur, wenn man ihm einen hohen Anteil an nachweislich nicht vorhandenen Phenolen andichtet. Ebenso wie Wintergrünöl und Majoranöl Phenole enthalten sollen. Dichtung und Wahrheit: Kommerziell funktioniert diese Marketing-Prosa bestens, auch oder weil sie auf völlig falschen Grundannahmen basiert.

Quelle, Infos zur Tabelle: ATTIA, Australian Tea Tree Industry Association  http://www.teatree.org.au/
ISO http://www.iso.org/iso/iso_catalogue/catalogue_tc/catalogue_detail.htm?csnumber=37033

  • Die Teebaumöle dieser Tabelle stammen von sieben renommierten Anbietern aus Deutschland, USA, Frankreich, Brasilien. „Öl 3“ bezeichnet Mittelwerte eines Labors, das mehrere Teebaumöle analysiert hat.
  • Die grünen Zeilen enthalten Monoterpenole (Monoterpen-Alkohole), die blauen Zeilen enthalten Monoterpene (C10-Kohlenstoffketten ohne funktionelle Gruppe), die orangefarbenen Zeilen enthalten Sesquiterpene (C15-Kohlenstoffketten ohne funktionelle Gruppe), die grauen Zeilen enthalten Sesquiterpenole (Sesquiterpen-Alkohole), die gelbe Zeile enthält das Monoterpen-Oxid 1,8-Cineol (=Eukalyptol).
  • In der rechten weißen Spalte befinden sich die Angaben einer Repräsentantin des erwähnten Anbieters, der Phenole in seinem Teebaum haben soll. Diese Angaben weichen sowohl von den international geforderten Inhaltsstoffemengen ab als auch vom Durchschnitt aller von mir durchgesehenen GC-Analysen von unterschiedlichsten Teebaumölen.
  • Sp bedeutet Spuren.
  • Das Zeichen :: bedeutet, dass 2-3 minoritäre Inhaltsstoffe nicht aufgelistet sind.
  • Das Zeichen ::: bedeutet, dass mehr als 5 minoritäre Inhaltsstoffe nicht aufgelistet sind, die in den anderen Analysen nicht aufgeführt sind.
  • Die beiden Öleanbieter, unter denen in der letzten, weißen Spalte eine Zahl steht, stellten annähernd 100%-Analysen zur Verfügung.
  • Viridifloren wird in den USA oft Leden genannt.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZum Vertiefen des Wissens rund um Teebaumöle im weitesten Sinne hier noch ein Link der Universität Hamburg zu einer Dissertation (Doktorarbeit) über unterschiedliche Melaleuca- und andere Teebaumöle von Frank Christoph, sie lautet: „Chemische Zusammensetzung und antimikrobielle Eigenschaften der ätherischen Öle von Leptospermum scoparium J. R. et G. Forst. und anderer Teebaumöle der Gattungen Kunzea, Leptospermum und Melaleuca unter besonderer Berücksichtigung von Handelsölen“

Nachfolgend liste ich meine uralten Bücher zum Thema auf, falls jemand antiquarische Schätze sammeln möchte, bei den beiden schönen Büchlein von Ruth von Braunschweig tut es mir richtig Leid, dass sie vom Markt verschwunden sind:

* indem man beispielsweise den ORAC-Wert (Oxygen Radical Absorbance Capacity) angibt, der anzeigt, wie stark antioxidativ ein ‚Superfood‘ wirken soll (z.B. Kurkuma 127068, Hagebutten 96150, Gojibeeren 3290, Quelle).

wenn ätherische öle standardisiert werden


bergamot_fruits_vienna_xsKürzlich fragte mich jemand, ob Bergamotteöl, das frei von den vermeintlich gefährlichen Furocumarinen ist (FCF), noch genau so gut sei wie das naturbelassene Bergamotteöl. Viele ätherische Öle werden verändert, entweder um gesetzlichen Vorschriften zu genügen oder weil die dem Produzenten nicht gut genug sind (im Duft oder in den Wirkungen). Eukalyptusöl beispielsweise wird gerne so „eingestellt“, dass der Gehalt an Eukalyptol (=1 ,8-Cineol) möglichst hoch ist, also 80 Prozent und mehr, wenn die Natur das nicht so hinbekommt, wird nachgeholfen.

Diverse Minzeöle, vor allem Ackerminzeöl (Mentha arvensis), sollen möglichst viel Menthol enthalten, also wird nachgeholfen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieYsop- und Salbeiöl gibt es bei guten Firmen mit niedrigem Thujon-Gehalt, doch es kann auch einfach nachgeholfen werden, so dass dieser vermeintlich „böse“ Stoff entfällt oder zumindest reduziert wird. Thujon kann bei falscher Anwendung neurotoxisch wirken, bei korrekter Verdünnung und nur äußerlich aufgetragen jedoch neurotonisch, also konzentrationsanregend, thujonhaltige Öl können auch prima zur Wundheilung eingesetzt werden und helfen enorm bei Inhalationen, wenn das HNO-System verschleimt ist.

Bei Rosenölen wird seit Anfang der 2000er Jahre entweder auf Rosen-Sorten zurück gegriffen, die kaum Methyleugenol enthalten, oder man muss als Mensch das Öl manipulieren, damit die Höchstwerte dieses fein duftenden entspannend wirksamen Moleküls nicht überschritten werden. Denn bei damit überfütterten Nagetieren entwickelten sich nach Monaten der Fehlernährung damit Leberprobleme bis hin zu Leberkrebs.

Bergamotte_im_SupermarktZitrusöle dürfen so gut wie keine Furocumarine enthalten, wenn sie in Kosmetika verarbeitet werden oder als Kosmetika deklariert werden, weil sie als krebsauslösend gelten, und zumindest Pigmentflecken bilden, wenn die entsprechenden ätherischen Öle über 1%ig in der Sonne oder im Solarium auf der Haut angewendet werden. Auch Angelikawurzel- und Kreuzkümmelöl sowie einige andere Öle enthalten Furocumarine.

Ich habe zur Gedankenanregung folgende Fragen zurück gestellt: Wenn ein Inhaltsstoff starke Wirkungen hat und trotzdem (oder gerade deswegen) entfernt wird, wie soll das Öl dann noch dieselben Wirkungen haben, also die Wirkungen, die in guten Büchern nachzulesen sind? Furocumarine wirken laut einigen Studien antitumoral, sie wirken stimmungsaufhellend zumindest in dem Sinn, dass sie die Wirkung einiger Monoterpen-Ester wie Linalylacetat verstärken. Dieser kommt in Bergamotteöl und auch in Lavendel, Bergamotteminze sowie in vielen anderen fein duftenden ätherischen Ölen reichlich vor. Vermutlich wirken Furocumarine leicht antidepressiv, weil sie die „Lichtausbeute“ verstärken, das ist wichtig bei Winterdepressionen (jedoch im Sommer eher nicht so relevant). Furocumarine wirken auch haltbarkeitsfördernd auf die sowieso sehr empfindlichen Zitrusöle.

So, hat ein „amputiertes“ Bergamotteöl dann noch dieselbe Wirkung? Hochwichtige Inhaltsstoffe, auch wenn sie nur zu ein Prozent und weniger in einem Öl vorkommen, zu entfernen, kann über wichtige Wirkungen des betreffenden ätherischen Öles entscheiden. Vor allem über die psychischen Wirkungen. Das ist ein bisschen so, als würde man Ihnen ein Auge weg schneiden, es macht ja nur weniger als 1% Ihrer Körpermasse aus, doch Ihr Aussehen und auch diverse Ihrer Fähigkeiten würden sich erheblich verändern, auch wenn Sie nach gewisser Gewöhnung sicher gut damit leben könnten.

Es ist also sehr kurzsichtig und zeugt von einer sehr einseitigen Betrachtung der Natur, wenn man einem „wohl gestalteten“ Naturprodukt ein Kleinigkeit weg nimmt und dann davon ausgeht, dass es weiterhin seine wohltuenden bis heilenden Eigenschaften ausüben kann. Der Duft  von „amputiertem“ Bergamotteöl (FCF) bleibt übrigens recht gut und unterscheidet sich nicht stark vom naturbelassenen gleichnamigen Öl.

PS ich Durch die neuere Gesetzgebung, die besagt, dass so gut wie keine Furocumarine mehr in Kosmetika enthalten sein dürfen, ist es ausgeschlossen, dass gute Produkte für die Haut noch Furocumarine in nennenswerten Mengen enthalten.

nebenwirkungen von ätherischen ölen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieKönnen ätherische Öle Schaden anrichten? In diese Richtung gehen viele Diskussionen in Internetgruppen. Es gibt die verrücktesten Behauptungen, Missverständnisse und Verwirrungen. Die einen verdünnen bis zur Unkenntlichkeit während die anderen immer forscher mit unverdünnten, teils sehr hautreizenden Mengen um sich werfen. Die einen warnen oft und heftig über den Gebrauch von ätherischen Ölen, die anderen meinen „ist doch alles Natur“ und man könne bedenkenlos und ohne viel Schulung heilend unterwegs sein. Da ich in Vorbereitung auf die komplett zu renovierende Neuauflage meines Kursbuches vielerlei (Fach-)Texte lese, übrigens auch in französisch und englisch (wo derzeit ähnliche Diskussionen stattfinden), stelle ich fest, dass 99 Prozent aller Gefahrenhinweise auf die INNERE Verwendung von ätherischen Ölen zurück zu führen sind.

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Tabelle zur Toxikologie von ätherischen Ölen im Buch „Essential Oil Safety von Robert Tisserand und Rodney Young“

Auch botanische Missverständnisse kursieren gerne im Internet, beispielsweise vor einigen Tagen die Fragestellung von Robert Tisserand in seinem hervoragenden Blog (klick!), ob Bergamotteöl für Kinder gefährlich werden könne, da es schwere Krämpfe auslösen könne (das behaupten zwei in den USA anerkannte verbraucherschutz-orientierte Websites). Bei echtem Bergamotteöl, das über ein Drittel krampflösendes Linalylacetat enthält (wie Lavendelöl), ist keine Gefahr zu befürchten. In der englischen (Gärtner-)Sprache jedoch wird die Indianernessel ‚bergamot‘ genannt, diese wunderschöne Pflanze, vor allem Monarda fistulosa, gibt es in einem Chemotypen der reichlich Carvacrol enthält. Das Öl dieser ‚bergamot‘ kann also Kindern durchaus gefährlich werden.

Nach gründlichem Durchlesen des ausführlichen Kapitels über Toxikologie im fast 800 Seiten starken Wälzer Essential Oil Safety von Robert Tisserand und Rodney Young ist mir nochmals klar geworden, dass der überwiegende Teil der Warnungen aufgrund von Tierexperimenten zustande gekommen ist, mit völlig überzogenen Dosierungen, teilweise mit synthetischen Isolaten. Für viele Warnungen bezüglich Wechselwirkungen mit Medikamenten wurden vorwiegend tierische Gewebeproben für die Experimente verwendet und dann auf Wirkungen auf den lebenden Menschen geschlossen. Viele dieser „negativen Erkenntnisse“ entstanden im Zusammenhang mit „heftigen“ Medikamenten wie Antidepressiva, Immunsuppressiva, Blutdrucksenkern etc.

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Detail aus einer Tabelle im Buch „Essential Oil Safety von Robert Tisserand und Rodney Young“

So komme ich immer wieder zu den gleichen Schlussfolgerungen:

  • Wenn ätherische Öle aus seriöser Quelle verwendet werden, verringert sich das Potenzial von unerwünschten Nebenwirkungen.
  • Wenn qualitativ hochwertige ätherische Öle verdünnt werden, wie von allen seriösen KollegInnen und AutorInnen empfohlen (zwischen 0,5 und 5 Prozent; in Ausnahmefällen 10 Prozent wie beim Kopfschmerz-Roll-on oder tropfenweise pure Anwendung bei akuten Verletzungen), sind unerwünschte Nebenwirkungen bei grundsätzlich gesunden Menschen so gut wie ausgeschlossen (klar, es gibt Menschen, die so empfindlich sind, dass sie auch von etwas zu viel Kochsalz, von frischem Brot, von Ananas  etc Schäden davon tragen).
  • Wenn bei vielen ätherischen Ölen die relativ kurze „Haltbarkeit“ berücksichtigt wird, verringert sich das Potenzial von unerwünschten Nebenwirkungen, insbesondere bezüglich der Hautreizung und des Allergiepotenzials. Die „Haltbarkeit“ kann leider nicht absolut betrachtet werden, leicht oxidierte Öle können empfindliche Haut stark reizen, stark oxidierte Öle werden von robusten Naturen manchmal gar nicht zur Kenntnis genommen. Eine Übersicht und eine Tabelle zur Haltbarkeit kann hier (klick!) nachgelesen werden.
  • Wenn bei Kleinkindern bestimmte Öle vermieden werden (vor allem Pfefferminze und cineolhaltige Öle von Billigfirmen) und so genannte Erkältungsöle NUR auf den Rücken und auf die Füße (nicht jedoch in Nasennähe auf Brust und im Gesicht) aufgetragen werden, kann man auch bei dieser empfindlichen Gruppe unerwünschte Nebenwirkungen fast ausschließen.
  • Wenn schwangere Frauen „immer der Nase nach gehen“ (denn ihr Riechsinn ist in dieser Zeit extrem alert) und ätherische Öle nur ÄUSSERLICH und 1-2%ig verdünnt anwenden, ist keinerlei Schädigung ihres Babys zu befürchten. Sie dürften sonst nicht im Restaurant/Kantine essen gehen (mit Hexan gewonnene „Speiseöle“, hormonbelastete Fleischprodukte, Farbstoffe, Aromastoffe etc), sie dürften keine herkömmlichen Parfüms/Kosmetika anwende (hormonähnliche Phtalate, synthetische Duftstoffe etc), sie dürften keine Nicht-Bio-Kleidung tragen (gefährliche Farbstoffe, Agrargifte-Rückstände in Billig-Baumwolle, elektrostatische Effekte in Sythetikstoffen etc), sie dürften keinen Joghurt mit Zimt und kein Rotkraut mit Nelke mehr essen. Die Gefahrenmeldungen in Büchern beziehen sich IMMER auf Erkenntnisse durch fehlerhafte und INNERE Anwendungen (beispielsweise zu Abtreibungszwecken). Hier kann detailliert über ätherische Öle in der Schwangerschaft nachgelesen werden.
  • Wenn Menschen mit Neigung zu Krämpfen des Nervensystems/Epilepsie nur mit ketonarmen ätherischen Ölen behandelt werden, sollten keine Krämpfe vorkommen. Viele ätherische Öle wirken sogar Krämpfen entgegen (Lavendel, Mandarine, Orange, Bergamotteminze, Basilikum, Majoran, Fenchel etc) sodass bei korrekter Verdünnung eher positive Effekte zu erwarten sind. Zur Aromatherapie bei Epilepsie kann hier (klick!) nachgelesen werden.
  • Wenn Menschen, die stark in ihren Organismus eingreifende Medikamente nehmen müssen (Betablocker, Blutverdünner, Antidepressiva, Cholesterinsenker, Krebs-Behandlung etc), sind die oben stehenden Hinweise besonders zu berücksichtigen. Bei ÄUSSERER Anwendung und Verdünnungen unter 3 Prozent sind selbst bei Menschen, die Blutverdünner verwenden, keine unerwünschten Nebenwirkungen zu befürchten. Bei Unsicherheit kann heutzutage jeder Laie den Quick-Wert kontrollieren.
  • Wenn bei der Einnahme von ätherischen Ölen berücksichtigt wird, in welcher winzigen Menge die Duftstoffe in der Originalpflanze vorliegen und ob wir sie täglich oder nur im Krankheitsfalle zu uns nehmen würden, gibt es – vorausgesetzt die Qualität stimmt – auch in diesem Bereich nichts zu befürchten. Also kann von Bio-Zitrusölen 1 Tropfen täglich verspeist/getrunken werden (Hauptinhaltsstoff Limonen, dieses essen/trinken wir auch in Orangensaft, Cola-Getränken, Tomaten, Aprikosen, Orangenmarmelade, Dill, Kümmel, Pfeffer, Koriander etc), 1-2 Tropfen von Vanille- und Kakao-Extrakt sind auch täglich möglich. Tonkaextrakt, Pfeffer- , Ingwer-, Basilikum-, Thymian-, Zimt- und Nelkenöl sollten nicht täglich eingenommen werden, doch das regelt der Appetit vermutlich von selbst. Andere Öle (Bohnenkraut, Salbei) nur gelegentlich und/oder zu Krankheits-Anlässen wenn man sich gut auskennt oder exakt nach den zwei hervorragenden Kochbüchern Duftküche (klick!) von Maria Kettenring und Aromaküche (klick!) von Sabine Hönig und Ursula Kutschera. Vor genau einem Jahr habe ich zum Thema „Einnahme von ätherischen Ölen“ eine Erläuterung und eine Übersichtstabelle zusammengestellt, diese können hier (klick!) nachgelesen werden.

Auf ein gesundes und leckeres NEUES JAHR!

Übrigens sind die Pflanzen dieses neuen Jahres (alle drei sind Ätherisch-Öl-Pflanzen!):

ZWIEBEL, Heilpflanze des Jahres 2015, gewählt vom Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V, hier (klick!) gibt es Informationen dazu

JOHANNISKRAUT, Arzneipflanze des Jahres 2015, gewählt vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“, der Universität Würzburg, hier (klick!) gibt es Informationen dazu

SALBEI, Duftpflanze des Jahres 2015, gewählt von The Scented Drop, hier (klick!) gibt es Informationen dazu, bis Ende Juni kann ein Projekt über diese wertvolle einheimische Heilpflanze eingereicht werden, Infos zu hier.

verdünnung, haltbarkeit und verantwortung im umgang mit ätherischen ölen


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDurch die unschönen Meldungen über einen bekannten Versandhandels-Riesen, der mir – dank eurer Unterstützung und Mini-Provisionen – ein regelmäßiges kleines Taschengeld für das Blogschreiben ermöglicht, bin ich in eine Zwickmühle geraten*. Mir ist spätestens vor einem Jahr, seitdem wir das geplante gigantische Käfig-Lachsprojekt in unserer Bucht zu bekämpfen versuchen, klar geworden, dass wir diesem weltumspannenden menschen- und tierverachtenden Moloch kaum noch entkommen können. Selbst ein bekanntes „Naturschutzsiegel“ ist in diesen Korruptionssumpf eingebunden. Fast jedes Produkt in Supermärkten ist betroffen: Fleisch sowieso, Wasser und Getränke immer mehr, Fertiggerichte, Süßigkeiten, auch Kosmetika, Putzmittel und so vieles andere sind so gut wie nicht mehr aus ethisch korrekter Herkunft erhältlich. Noch nie gab es so viele Sklaven, also ausgebeutete und geschundene Menschen, wie heutzutage – weltweit und leider auch in mitten unter uns.** Seit einigen Jahren langt eine dieser geldgierigen expandierenden krakenartigen Riesenfirmen zunehmend auch in der deutschsprachigen Ätherische-Öle-Welt kräftig zu. (Nicht nur) mir kommt es so vor, dass sogar die Denkfähigkeit potenzieller Anwender/innen auf eine erschreckende Art vernebelt wird.

Auf mehr oder weniger großen Veranstaltungen sowie per direkte Ansprache durch Distributor/innen werden Unterstützer/innen für dieses System angeworben. Mal mehr und mal weniger penetrant, immer wieder mit Heilsversprechungen und Dosierungsempfehlungen, die langjährig geschulten und erfahrenen Personen die Haare zu Berge stehen lassen. Es wurde beispielsweise schon empfohlen, bei Kopfschmerzen einfach jeweils einen Tropfen des „besonders reinen“ Pfefferminzeöles in jedes Auge zu geben, über den Sehnerv werde genau die Stelle des Kopfschmerzes erreicht und so werde der Schmerz dann behoben. Auch bemerkenswert fand ich die Schilderung einer Behandlung, in der man einem Kind mit Schienbein-Schmerzen einige Tropfen Zimtöl eingerieben habe, worauf es angeblich keinerlei Beschwerden mehr hatte. Derzeit sind anscheinend noch einige andere Öle im Trend, die gut seien, um sie IN die Augen zu geben.

Die fachliche Kompetenz der vortragenden und beratenden Personen lässt immer wieder zu wünschen übrig: Es war beispielsweise zu hören, dass ein bestimmtes Öl die Photosynthese der Haut fördere (Photosynthese ist nur Pflanzen aufgrund ihres Gehaltes an Chlorophyll möglich). Manche lernwillige Menschen sind vielleicht auch beeindruckt von der eindrucksvoll klingenden Behauptung, Monoterpene und Sesquiterpene in ätherischen Ölen könnten falsch geschriebene Informationen in der zellulären Erinnerung (DNA) umprogrammieren. Die geäußerte Überzeugung, bis auf Zitrusöle seien alle ätherischen Öle extrem lange oder gar unbegrenzt haltbar, ist nicht nur falsch, sie kann sogar zu schweren Hautreizungen führen, sollten oxidierte Öle auf der Haut von Kund/innen angewendet werden.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieKein Wunder also, dass sich sehr regelmäßig verunsicherte Menschen an mich wenden (und auch an Kolleg/innen). Sie möchten wissen, was es mit den Vergleichen auf sich hat, welche gerne im Zusammenhang mit Verkaufsveranstaltungen geäußert werden: Die beworbenen ätherischen Öle seien reiner als die Öle der Firma XY (es werden dann konkrete Firmennamen genannt). Irritierte Menschen erkundigen sich, wie die fast immer angepriesene „besondere“ Destillationsmethode aussehen mag, sie soll für die extreme Reinheit sorgen. Warum diese hochgelobten Öle in therapeutischer Qualität angeboten werden und andere ätherische Öle deutschsprachiger Firmen nicht [diese Aussage ist nach deutscher Rechtsprechung ohnehin nicht rechtens]. Warum auf den Ölen anderer Firmen diese gefährlich anmutenden Gefahrenzeichen aufgedruckt seien, auf den beworbenen Flaschen jedoch nicht (die „braven“ deutschsprachigen Firmen richten sich nach den aktuell geltenden Gesetzen). Auch ob es wahr sei, dass die etablierten und renommierten Ölefirmen minderwertige Waren anbieten würden, welche für die Behandlung nicht geeignet seien, will so mancher Öle-Interessent wissen. Der Slogan, Geld zu verdienen und gleichzeitig Gutes zu tun, erscheint diesen fragenden Menschen reizvoll, doch verursacht er bei ihnen gleichzeitig ein mehr oder weniger ausgeprägtes Magengrummeln. Und so wenden sie sich regelmäßig und immer häufiger an uns „alte Hasen“. Ich erwidere gerne, dass schon alleine die Tatsache, dass man sich die Mühe macht, uns anzuschreiben, ein Hinweis sei, dass das Thema STINKT. Dass das verspürte Unbehagen durchaus seinen Grund hat (sonst würde man sich nicht die Mühe machen).

Unsere Branche hat es in gut 25 Jahren leider versäumt, viele der engagierten, hilfsbereiten und ehrlichen Menschen, die gerne mit den duften Helferchen arbeiten und Geld verdienen möchten, zu ernähren. Kaum jemand kann sich in Deutschland und Österreich als Aromaexpert/in oder als Aromapraktiker/in hauptberuflich selbstständig machen. In der Schweiz ist es auch nicht viel leichter. Niemand kann mehr selbst hergestellte Naturdüfte-Kosmetik verkaufen, Menschen auf dem Weg zur Genesung von Krankheiten aromatisch zu begleiten ist zu einer juristischen Gratwanderung geworden. Selbst unter uns Dozent/innen gibt es ganz wenige, die unabhängig, also ganz ohne kontinuierliche Unterstützung von Ölefirmen, sich und ihre Familie ernähren können/konnten. Veraltete Gesetze für die Praxis und immer mehr Restriktionen rund um die Beratung sowie den Verkauf von natürlichen ätherischen Ölen erlauben in vielen Fällen nur nebenberufliches „Aromatisieren“. Eher muss ein Auftreten unter dem „Deckmantel“ der Kosmetikerin und des Wellness-Masseurs in Betracht gezogen werden.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIn diese Lücke tritt nun seit einigen Jahren besagte welteroberungsfreudige Großfirma (inzwischen ergänzt durch eine abgespaltene Konkurrenzfirma) mit einer fast bewundernswerten Dreistheit. Da wird fleißig vom Heilen auch schlimmster Krankheiten gesprochen, da werden Mengen für die Behandlung empfohlen, die uns „altmodischen“ Aromamenschen eine Gästehaut allein bei der Vorstellung verursacht. Es werden Assoziationen zu christlichen Schriften und Wunderheilungen hergestellt: Jedem sei ja bekannt, dass bereits Jesus kranke Menschen salbte und mit duftenden Ölen heilte. Die ganz speziellen Öle dieser Firmen seien etwas ganz Besonderes, darum sei der Preis über einem Mehrfachen der bekannten deutschsprachigen Firmen absolut gerechtfertigt. Ein Marketingexperte kann zu dieser gelungenen Maßnahme nur gratulieren: Höchste Qualität durch marktunübliche, ja extrem hohe Preise zu suggerieren ist ein genialer Schachzug. Und wenn dann 5 ml (100 Tropfen und mehr) unverdünntes Öl (Oregano, Pfefferminze, Thymian Ct. Thymol, Wintergrün, also keine babyzarten Öle) pro Behandlung auf die Haut der Klienten gegeben werden, kann man zumindest der Gründer der Firma reich werden. Hautreaktionen wie Rötungen und Blasen werden als Erfolg umgedeutet, als eine Art Reinigungseffekt, der helfen solle, Altlasten loszuwerden.***

Was angesichts der hochgelobten angeblichen Super-Qualität und Reinheit jedoch nicht erwähnt wird, ist dass mit dem Anbau dieser Ätherische-Öle-Pflanzen keine (kleinen) Familienbetriebe unterstützt werden, wie es viele der deutschsprachigen Firmen mit viel Hingabe praktizieren. Viel mehr Öle als nötig haben zudem unnötig lange Transportwege hinter sich, sie kommen oft von jenseits des Ozeans. Doch wir haben in Mittel- und Süd-Europa großartige Zitrus-Nadel- und Kräuteröle zur Verfügung, meistens aus behutsam praktiziertem und unabhängig zertifiziertem biologischem Anbau (kbA). Seriöse deutschsprachige Firmen haben zudem sehr hohe Standards bei ihren Qualitätskontrollen, diese Selbstverständlichkeit hängt nur niemand an die große Glocke. Bei der Vermarktung von Anwendungen mit Mengen wie beispielsweise 5 ml unverdünnter ätherischer Öle auf der Haut von ahnungslosen Kund/innen, müssen freilich riesige Plantagen im Spiel sein, auch um den Expansionsdrang der Firma zu befriedigen. Wer schon einmal destilliert hat, weiß welche riesigen Mengen an Pflanzenmaterial in wenigen Tropfen ätherischen Öles stecken. Ein verschwenderischer Umgang mit den kostbaren Pflanzendüften zeichnet meiner Meinung nach eine Haltung aus, die nicht zur Naturheilkunde passt und schon gar nicht zur ganzheitlichen und ehrlichen Arbeit mit (Hilfe suchenden) Menschen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieÜbrigens sind auch die besten ätherischen Öle dieser Welt nicht vor Oxidationsschäden sicher und bergen somit – bei unsachgemäßer Anwendung – ein hautreizendes Potenzial. Egal wie sorgfältig die entsprechenden Duftpflanzen angebaut wurden oder mit welchen WunderDestillen sie gewonnen wurden. Die angebliche ungewöhnliche Haltbarkeit wird jedoch gerne angeführt, um die hohen Preise dieser Öle zu begründen (der Transport aus Übersee mit Zwischenstop in einem europäischen „Lager“ sowie die Zollgebühren werden nicht erwähnt). Bei ätherischen Ölen gilt jedoch nach wie vor: Teebaum (Melaleuca alternifolia) ist nur 6-9 Monate nach dem Öffnen „haltbar“. „Haltbarkeit“ ist bei ätherischen Ölen eine sehr relative Angabe, damit ist meistens die Verträglichkeit auf empfindlicher Haut und in vernünftiger Verdünnung umschrieben. Beispielsweise verändert der wunderbare antibakteriell wirksame Hauptinhaltsstoff Terpinen-4-ol seine Molekülkonfiguration unter Einfluss von Sauerstoff und bestimmten Wellenlängen des Lichtes und kann dann im ungünstigen Fall zu sehr hautreizenden Peroxiden wie Ascaridol „mutieren“. Selbst mit Lavendelöl muss man umsichtig umgehen, dieses Öl kann leider auch schnell oxidieren und nach einem guten Jahr empfindliche Haut reizen. Nadelöle oxidieren auch mit Vorliebe, wenn sie unter Einfluss von Sauerstoff kommen, genau so Eukalyptusöle, beide Duftgruppen sind auch nur circa anderthalb Jahre  auf der Haut benutzbar. Lemongrass und ähnlich duftende Öle wie Litsea, Zitronenmyrte und Zitronenverbene verwende ich ein Jahr nach Öffnen nicht mehr auf der Haut von Kund/innen, ich verwende sie dann lieber nur noch zur Raumbeduftung. Das enthaltene Citral kann bei empfindlicher und zu Allergien neigender Haut ernsthafte Probleme verursachen. DasThema ‚Haltbarkeit‘ hat also wirklich NICHTS mit der angeblichen Reinheit oder einer exorbitant guten und schier unbezahlbaren Qualität zu tun, sondern hängt mit der Reaktion einiger Inhaltsstoffe der Öle mit Sauerstoff und Licht zusammen. Wenn man die Öle benutzt, kommt nunmal Sauerstoff in die Fläschchen, egal wie rein der Inhalt ist. Im Gegenteil, je reiner und naturbelassener, desto empfindlicher können sie sein. Nicht umsonst wird oft der Vergleich mit teuren Weinen gezogen: Diese würde man auch nicht unbegrenzt aufbewahren, nachdem sie einmal geöffnet worden sind. Naturreine und hochwertige Produkte zeichnen sich – anders als Industrie-Massenware – im Allgemeinen durch eine begrenzte Lebensdauer aus.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich sehe mal wieder dunkle Wolken am Naturdüfte-Horizont und es macht mich unglaublich traurig, dass nun durch die oben genannten Behauptungen und Praktiken Gefahren für die Gesundheit von gutgläubigen kranken Menschen lauern. Zwei Jahrzehnte lang haben wir Dozent/innen und Autor/innen den Menschen versucht klar zu machen, dass selbst eine dreiprozentige Verdünnung für manche Patient/innen zu hoch sein kann. Wir haben vielmehr in den letzten Jahren mit 2- und 1-prozentigen Verdünnungen erfreuliche Erfahrungen gemacht (denn diese entsprechen mehr dem Vorkommen der ätherischen Öle in den Pflanzen, also bereits haut- und magenfreundlich „verpackt“). Mir graut vor der Vorstellung, dass solche brachialen Anwendungen durch medizinische Laien und minimal geschulte „Expert/innen“ gar einen Todesfall verursachen könnten, beispielsweise durch einen anaphylaktischen Schock  (ich weiß, dieser kann selbstverständlich auch bei zarten Behandlungen durch gut geschulte Personen auftreten, genau so wie bei der Anwendung von Kosmetika oder bei Verzehr von bestimmten Speisen). Zudem drohen „im Falle eines Ernstfalles“ noch mehr Restriktionen von Seiten der Gesetzgeber, schnell kann dann der freie Verkauf von unseren duften Naturhelfern der Vergangenheit angehören. Und die engagierte Arbeit von unzähligen Pflegenden wäre in ernsthafter Gefahr.

Ich würde hier nicht darüber schreiben, wenn sich die Anfragen in letzter Zeit nicht gehäuft hätten (auch bei einigen Kolleg/innen, die wir uns das nahende aromatische Unwetter mit großer Sorge anschauen). Ich habe lange gezögert, dies zu tun. Doch die geköderten und verunsicherten Menschen sollten eine Möglichkeit bekommen, sich über eine sichere Form der Anwendung und über transparente und ethisch handelnde Firmen informieren zu können. Ich habe hier allerdings ganz bewusst keine Namen genannt und werde sie auch NICHT nennen („alte Hasen“ der Aromabranche wissen warum). Wer sich über eine sichere und menschen- sowie pflanzenfreundliche Anwendung von ätherischen Ölen informieren möchte, kann dies auf dieser Seite des österreichischen Vereines ÖGwA (klick!) tun. Zudem sollte bei der Arbeit mit anderen Menschen immer der gesunde Menschenverstand beteiligt sein: Eine Körpereinreibung mit dem Inhalt vieler großer Körbe gefüllt mit Kräutern (das entspricht der Anwendung von mehreren Millilitern unverdünnter ätherischer Öle) kann nicht gesundheitsförderlich sein! Mal abgesehen von den Behandler/innen, die bei einer erfolgreichen Praxis dieser Art ständig mit unverantwortlichen Mengen an ätherischen Ölen konfrontiert sind.

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie* Für alle, die meine Arbeit weiterhin ohne den ‚Versandhausriesen‘ unterstützen möchten: Bücher können – seit Jahren – selbstverständlich auch über die beiden anderen Bücher-Links hier in der rechten Spalte bestellt werden, und mir wird eine kleine Provision gutgeschrieben; hochwertige Naturkosmetika, Naturtextilien-Mode, Öko-Putzmittel, gesunde Haushaltstextilien und andere umweltfreundliche Produkte können bei Waschbär und Hess Natur bezogen werden, deren Logos sich auch seit Langem in der rechten Spalte befinden. Einfach drauf klicken, bestellen, die Software weiß, von wo der Auftrag kommt und ich bekomme meine „Miniprovision“. 😉 Bei aller Kritik sollte jedoch auch berücksichtigt werden, dass Amazon sehr vielen ‚kleinen‘ Händler/innen, die beispielsweise mit ätherischen Ölen und Naturkosmetik handeln, wie beispielsweise Alles Natur Pur, ein gewerbliches ‚Zuhause‘ bietet. Zudem hat die Firma bereits erste Schritte zur Besserung eingeleitet.

** Wer erfahren möchte, wie viele Sklaven – also reale Menschen wie du und ich, jedoch wegen unseres Konsumverhaltens geknechtet – man durch sein Konsumverhalten beschäftigt, kann dies mit Hilfe der Website Slaveryfootprint ausrechnen lassen. Aber Achtung, das Ergebnis kann auch bei sehr bewusstem Konsumverhalten schockierend ausfallen und unglücklich machen.

*** Ich kenne und schätze selbstverständlich das (gewünschte) Phänomen der Erstverschlimmerung, auch habe ich in meiner Heilpraktikerausbildung gelernt, dass in der Naturheilkunde manchmal „verletzt“ werden muss, um die Selbstheilungskräfte anzuregen (beispielsweise beim Quaddeln). Ich weiß auch, dass man manche ätherische Öle (in bestimmten Situationen) durchaus in höherer Dosierung als üblicherweise empfohlen, einsetzen kann. Doch was ich im privaten Umfeld und mit meiner Familie mache und machen darf, entspricht nicht dem ethischen Verhaltenskodex der gewerblich ausgeübten Arbeit mit ätherischen Ölen. Entsprechend geschulte Ärzte und Ärztinnen setzen ätherische Öle in hohen Dosierungen ein (hauptsächlich in Frankreich), jedoch verfügen sie über entsprechende Erfahrungen und wissen um Gegenmaßnahmen, sollte eine unerwünschte Reaktion vorkommen, zudem sind sie haftpflichtversichert (wie übrigens auch die seriösen Aromatherapeut/innen in Großbritannien, die sich verpflichten, mit einer Verdünnung von maximal 3 Prozent zu behandeln. Und um es abschließend klarzustellen: Ich spreche mich in keinster Weise gegen die Qualität der betreffenden ätherischen Öle aus!

patchouliöl – das beste mittel bei hautproblemen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch recherchiere gerade für einen Artikel für eine japanische Fachzeitschrift, die Redaktion wünscht sich ganz viele Informationen über eines meiner Lieblingsöle. Der unscheinbare tropische Strauch mit den brennesselartigen Blättern stand Pate für mein Firmenlogo: Patchouli, Pogostemon cablin (Benth.). Dieser Name beinhaltet das griechischen Wörter pogos für Bart und stemon für Faden/Staublatt (welche leicht behaart wie viele Teile der Pflanze sind). Es gibt bis zu knapp 100 Arten in dieser Gattung der Lippenblütengewächse, sie wird auf englisch zu den „East Indian mints“ gezählt (Indische Minze). Der Name Patchouli kommt aus dem Tamil (Sprache u.a. in Sri Lanka) und bedeutet grün (pachchai) und Blatt (ilai).

Die gezahnten etwas behaarten Blätter werden getrocknet und fermentiert und zu einem dunkelbraunen, im Alter sehr zähflüssigen Öl destilliert. Aufgrund des recht deutlichen Duftes – manche empfinden ihn sogar als penetranten Gestank – findet dieses bestens haltbare und babymilde Öl leider nie den Weg in Pflegeeinrichtungen. In bester Qualität, gut gereift und verdünnt kann man jedoch viele Duftfacetten riechen: blumig, süß, balsamisch. Mit Lavendel (und Vanille) gemischt ist es ein hervorragendes und preiswertes Hautheilungsöl, das fast nie seine Wirkung verfehlt.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

In der Hippiezeit der 1968-Bewegung war dieser Duft (meistens in synthetischer Form) ein riechbarer Protest gegen das Establishment und das Spießertum. Das Thema Abgrenzung spiegelte sich in diesem „Abwehr-Parfüm“ wider, auch bei Hautkrankheiten schreit oft die Seele nach Abgrenzung. Das sanfte Patchouliöl kann dabei eine wertvolle Unterstützung sein. Auch auf anderen Gebieten steht einem dieses gutmütige Öl erfolgreich zur Seite: In einer recht neuen japanischen Studie wurde die Empfindlichkeit diverser Grippeviren-Stämme auf einen methanolischen Extrakt von Patchouliblättern untersucht. Der Hauptinhaltsstoff (auch des ätherischen Öles), ein Sesquiterpenalkohol, hat 99,8% der H1N1-Viren den Garaus gemacht (in vitro= Labortests). [Kiyohara H, Ichino C, Kawamura Y, Nagai T, Sato N, Yamada H. Patchouli alcohol: in vitro direct anti-influenza virus sesquiterpene in Pogostemon cablin Benth. J Nat Med. 2012 Jan;66(1):55-61.] Dieses Öl sollte viel mehr eingesetzt werden!

Übrigens rochen vor gut 100 Jahren edle Kaschmir- und andere Wollerzeugnisse immer nach Patchouli, es ist eines der wirksamsten Mottenabschreckungsmittel. Irgendwann wurde dieser Duft dann mit „exotisch, edel und teuer“ assoziiert (und auch Billiges damit „aufgewertet“). Zur Abschreckung der gefräßigen Larven, die demnächst wieder auf Beutezug gehen werden, kann man die getrockneten Blätter einfach im Schrank verteilen oder Stoffsäckchen nähen und mit Lavendelblüten und Patchouliblättern füllen. Es gibt sie in guter Qualität beispielsweise von Berk als Räucherware zu kaufen. Die Pflanze gibt es auch im Blumentopf bei Rühlemanns zu bestellen, sie braucht ein sehr warmes Plätzchen im Haus und im Sommer sollte sie draußen stehen dürfen und muss oft gegossen werden. Hier noch eine aktuelle Anekdote: Demnächst erscheint eine He-Man-Figur namens Stinkor, das ist eine Spielzeugfigur des Spielzeugherstellers Mattel. Diese skunk-ähnliche Kreatur wird nach Patchouli riechen….

juniperus virginiana, die edle virginiazeder


 

 

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannDas zederholzartig duftende ätherische Öl der Bleistiftzeder (oder Virginiazeder oder Rote Zeder, Juniperus virginiana) ist nicht so bekannt wie das Öl aus den Holzstückchen der Atlaszeder (Cedrus atlantica). Oder es ist nur indirekt bekannt, da es zum Verfälschen und Strecken des echten (teureren) Zedernöles verwendet wird.

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermanEs besteht fast ausschließlich aus Sesquiterpenen (Cedren) und Sesquiterpenolen (Cedrol) und gehört somit zu den besonders hautmilden oder gar bei Hautrötungen entzündungswidrig wirksamen Ölen. Wie viele andere Holzöle wirkt es regulierend und stabilisierend auf chronische Prozesse und aufbauend nach langen Krankheiten und Erschöpfungszuständen. Auch bei Haarausfall und juckenden Kopfhauterkrankungen ist es einen Versuch wert.

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermanEs ist ein idealer Zusatz in Mischungen, welche „schwere Beine“ entstauen helfen sollen, da es den Lymphfluss sanft ankurbelt. Auch hilft das Öl, das Bindegewebe zu entlasten (was beispielsweise bei Entschlackungskuren nützlich ist). Auch können damit Krampfadern und geschwollene Hämorrhoiden gepflegt werden.

  • 40 ml Jojobaöl
  • 10 ml Calophyllum inophyllum-Öl
  • 10 Tropfen Citrus limon, Zitronenschale
  • 5 Tropfen Juniperus virginiana, Virginiazeder
  • 5 Tropfen Cupressus sempervirens, Zypresse
  • evtl 5 Tropfen Mentha piperita, Pfefferminze (besonders im Sommer)

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermanIm Botanischen Garten der wunderschönen englischen Universitätsstadt Oxford lernte ich vor einigen Tagen, dass aus diesem Wacholderbaum ein Wirkstoff gewonnen wird, der in der Chemotherapie gegen bestimmte Tumore eingesetzt wird. Holzstückchen und Kleiderbügel gegen Motten werden meistens aus diesem „Zedern“holz angefertigt oder aus der nahen Verwandten Thuja. Virginiazedernöl ist ein gutes Fixativ für herb-holzig duftende Naturparfums und es ist – bei korrekter Lagerung – sozusagen ewig haltbar.

The essential oil of the red cedar (Juniperus virginiana) consists mainly of sesquiterpenes which means it is an excellent oil in mixtures to treat swollen legs, hemoroids and inflamed skin conditions. Furthermore the tree contains a molecule which is used to manufacture a medication against certain tumors. 

aroma-chemie für dödels und blondinen [teil 3] :D


Nun haben wir bereits gelernt, wie Kohlenstoff seine Bindungen eingeht. Er kann übrigens auch unter sich bleiben, also alle vier Gliedmaßen ausschließlich mit seinesgleichen beschäftigen, also einen Haufen oder eine Kugel oder ein Gitter nur aus Kohlenstoff bilden. Das nennt der Mensch dann Diamant (superharter Edelstein). Oder in einem anderen Fall Graphit (Bleistiftmine). Auch der Ruß von Kamin und Kerze ist so ein Kohlenstoff-Clübchen. Aber wir wollen es ja lieber duftend haben, weiter geht’s.

AiDA AromatherapyKohlenstoff bildet auch gerne Fünfergrüppchen, diese spielen für die belebte Natur und für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. In diesem Fall kommt etwas Gymnastik auf seine Arme und Beine hinzu, denn er bildet in dieser Fünferkette so genannte Doppelbindungen. Zwei seiner Arme verbinden sich mit zwei Armen des kettennächsten Kohlenstoffs. Die restlichen Arme und Beine greifen jedoch zum bewährten Wasserstoff H, wie wir es in der letzten Lektion gelernt haben. AiDA AromatherapyDiese Fünferkette aus Kohlenstoffatomen ist ein spezielles Molekül, das auf den Namen Isopren getauft wurde. Es heißt weltweit so, allenfalls mal mit geringen Abweichungen wie einem Akzent. Ein unter Chemikern ganz berühmter „Ahne“ ist der Entdecker der ‚Isoprenregel‘ Otto Wallach (1847-1931). Er bekam 1910 den Nobelpreis für Chemie für seine Erkenntnisse im Bereich der organischen Chemie, mit denen erstmalig Qualitätsstandards in der Parfümindustrie möglich wurden. Vieles von dem, was wir heute zum Thema ätherische Öle wissen, haben wir ihm zu verdanken. Natürlich singen auch die Hersteller von synthetischen Düften ein hohes Lied auf seine Forschungsergebnisse.

Diese speziell „zusammengestrickten“ Fünferpakete aus Kohlenstoff mit einer Doppelbindung mittendrin sind die Ausgangs-Sets für viele dem Menschen wichtigen größere Moleküle (hoffentlich ist Ihnen noch die Fünferreihe aus dem Einmaleins geläufig!!!!). Zweimal fünf ergibt, ja richtig, zehn und hat in dieser speziellen Konfiguration irgendwann einmal den Namen Monoterpen (auch einfach nur Terpen) erhalten. Weltweit und überall. Monoterpene sind Riechstoffe und werden von der Natur als Lock- und Abwehrstoffe, als antimikrobielle „Kampfstoffe“ und als Antioxidanzien eingesetzt. Neuerdings gibt es immer mehr wissenschaftliche Arbeiten, die auch eine antikanzerogene Wirkung belegen, also sind es Stoffe, die Krebs verhindern oder zumindest mindern können). AiDA AromatherapyEs handelt sich um fettlösliche (lipophil) und wasserabstoßende (hydrophob) Moleküle, die den Fetten bzw. Fettsäuren zwar in der Struktur ähnlich sind, aber eben nicht ölig sind.

Der Name Terpen stammt vom Terpentin, das der Maler und Anstreicher benutzt, es ist das destillierte Harz vieler Nadelbäume (anders als Tannennadel oder Kiefernnadelöl in unseren Koffern, welche aus den Nadeln der jeweiligen Bäume destilliert werden). Wenn unsere terpen-reichen ätherischen Öle oxidieren, also alt werden, riechen sie zunehmend nach Terpentin. Sollte also Ihr Zitronen-, Orangen-, Weißtannen- oder Fichtennadelöl irgendwie ans Maler- und Lackierergeschäft erinnern und kaum noch fruchtig oder waldig, gehört es nicht mehr auf Haut und Schleimhaut. Leider sind in natura die Ketten nicht so schön übersichtlich kettig aufgebaut, sondern man muss sie sich im dreidimensionalen Bereich und zudem verschlungen vorstellen, aber grundsätzlich kann man sie auch folgendermaßen visualisieren (und mit Tomaten oder Kastanien so nachbauen):AiDA AromatherapyDie schlauen Isopreneinheiten können aber noch mehr als sich nur zu „verdoppeln“: Fünf mal drei ist fünfzehn und heißt dann in der Fachsprache Sesquiterpen. Es sind also 15 Kohlenstoffatome und drei Doppelbindungen in dieser Kette zu verzeichnen. Alle freien Bindungsmöglichkeiten darüber hinaus sind mit „einarmigen“ Wasserstöffchen besetzt. Das ist dann schon ein recht dickes-fettes-schweres Molekül und lässt sich nicht mehr so gerne per Wasserdampf aus den Duftpflanzen raus jagen. Darum kommt es in ätherischen Ölen fast immer nur in Spuren vor, selten in großen Mengen. Viermal fünf, also eine solche Zwanzigerkette, gar ist schon fast unmöglich aus dem Grünzeug mit Hilfe von Wasserdampf zu extrahieren, es heißt Diterpen und ist in unserer Duftwelt schon eine Rarität.

Aus weiterer Multiplikation erstellt die Natur Steroide her, welche die Grundsubstanzen für unsere Geschlechtshormone und auch für die Stresshormone darstellen, sie enthalten dreissig (+/-) Kohlenstoffatome. Und wenn wir unsere Fünfermultiplikation noch weiter betreiben, kommen wir zu den Carotinoiden bzw. auf Vitamin A mit 40 Kohlenstoffatomen in der Kette, pflanzliche Farbstoffe, die genau wie die Monoterpene zu den wichtigen Sekundären Pflanzenstoffen zählen (SPS) und die genauso fettlöslich sind.

AiDA AromatherapyInsgesamt sind über 8.000 Terpene bekannt und circa 30.000 terpenartige (terpenoide) Verbindungen. Man kann als Aromainteressent erahnen, wie wichtig und grundlegend unsere Zehnerkettchen für den Weiterbau zu anderen Substanzen sind. Vielleicht hat die Natur sie deshalb (oft) so unwiderstehlich duftend gemacht, damit wir uns magisch von ihnen angezogen fühlen. Und wie gut, dass wir uns in diesem Kurs (fast) nur mit Zehnergruppen beschäftigen müssen, davon sind auch nur einige wenige für die Duft-Chemie relevant. Für heute gilt: Dritter Lernsatz der Aroma-Chemie: Kohlenstoffketten mit 10 Kohlenstoffatomen und (mindestens) zwei Doppelbindungen heißen Monoterpene. Diese wirken antimikrobiell, antioxidativ, schmerzlindernd und einige davon gegen Krebsgeschwüre. Anders als die oben abgebildete Bausteinkette handelt es sich um verzweigte Moleküle im 3-D-Raum, wie das Beispiel Limonén rechts zeigt (Betonung auf der letzten Silbe!). Davon bald mehr.

dufte schule – wertvolle bereicherung für ein humaneres lernen


Des öfteren wurden in meinen Kursen Facharbeiten zum Themenbereich „Duftes Lernen und Leben mit Kindern“ angefertigt. Jedes mal war die Resonanz, dass alle Kinder über eine olfaktorische Bereicherung ihrer Welt begeistert waren. Aber leider manchmal Eltern und/oder ErzieherInnen vorurteilsbeladen, skeptisch und sogar abweisend waren. Wie viel schöner ist die Textaufgabe mit den 10 Zitronen und den 17 Äpfeln, wenn über den Fragen ein feiner Zitrusduft schwebt! Wie viel besser geht es der Grundschullehrerin, wenn sie einer unruhigen Klasse ein paar Tropfen Lavendelöl in der elektrischen Duftlampe kredenzen kann und die Kids kommen – auch zu ihrem eigenen Vorteil – zur Ruhe. Geschichtsunterricht kann mit höhlenartig-erdigen Mischungen aus Vetiver und Patchouli untermauert werden, Geographisches lässt sich besser merken, wenn es nach Indien (Ingwer, Zimt, Kardamom) duftet und die Beschreibung des englischen Königs kann mit Pfefferminze (After Eight, Bratensoße with Peppermint) anschaulicher gestaltet werden. Wie viel schöner wäre Schule, wenn dieses einfach zu handhabende Medium mehr eingesetzt werden könnte! Jeder, der (Bio-)Zitrusfrüchte essen darf bzw. keine Allergien dagegen hat, jeder der an Blumen im Garten schnuppern kann und darf, ohne zu niesen, jeder der Kräuter in Tees und Speisen konsumieren kann, kann davon profitieren. Denn natürliche Öle (höchster Qualität) sind bestens verträglich, wenn sie in vernünftiger Dosierung und frisch eingesetzt werden (mehr dazu weiter unten).

Axel Meyer ist einer der engagierten Pioniere auf diesem Gebiet, das Projekt „Dufte Schule“ seiner Firma wurde bereits öfters in der deutschsprachigen Presse beschrieben. Kürzlich erschien sein Buch zum Projekt: Dufte Schule, Kösel Verlag, 16,95 Euro. Ein schönes Geburtstagsgeschenk oder Schulanfangs-Geschenk für Kinder und Eltern, eventuell mit dem passenden Öleset von Taoasis.

Übrigens sollte bei Beduftungsmaßnahmen auf sehr hochwertige und naturreine ätherische Öle geachtet werden, möglichst in Lebenmittelqualität, so wird die Allergiegefahr minimiert. Die Öle sollten nicht länger als ein gutes halbes Jahr nach Öffnen der Fläschchen für diesen Zweck verwendet werden und die Duftlampen/Duftsteine/Diffusoren sollten regelmäßig gründlich gereinigt werden. Probleme mit allergischen Erscheinungen treten erfahrungsgemäß vor allem bei billigen (zB von stark gespritzten Zitrusfrüchten und Kräutern), gepantschten, überalterten und synthetischen („naturidentischen“) Düften auf.

Kollegin Tina Böhm aus Nord-Deutschland hat mich in diesem Zusammenhang auf einen interessanten Artikel aufmerksam gemacht, in dem über eine erschütternde Studie von 2008 berichtet wird: Drei von vier Kindern sind heutzutage nicht in der Lage, die vier Grundgeschmacks-Arten zu identifizieren. Beim Riechen sieht es nicht besser aus.

orangenöl als lösungsmittel


Beim Ausmisten sind zwei alte Lieblings-Geschirrtuch-Aufhängungsvorrichtungen wieder aufgetaucht. Noch so, wie wir sie vor über 10 Jahren aus der alten Küche entfernt hatten: Die Rückseite war noch mit dickem schaumstoffartigem doppelseitigem Klebeband versehen (das natürlich nicht mehr klebte). Alles Ziehen und mit Messer Kratzen half nichts, das Zeug ging nicht mehr ab. Ich weichte das die schmierige Masse einfach circa 20 Minuten mit 2-3 ml (altem) Orangenöl ein und konnte die schmierige Substanz dann einfach mit dem Messer abnehmen. Mit etwas (altem) Zitronenöl nachpoliert (riecht besser als altes Orangenöl) und die Teile hängen nun wie neu in der Küche!

Umgekehrt ist das eine Lektion in Sachen Sicherheit: Orangenöl löst so genannte Thermoplasten, also eine bestimmte Art von Kunststoff (vermutlich nicht nur diese). CD-Hüllen fallen in diese Kategorie, Kühlschrankschubladen und auch viele Essensverpackungen und Kunststoffgeschirre.

  • Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS)
  • Celluloid (altes Filmmaterial)
  • Polyamide (PA)
  • Polylactat (PLA)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polycarbonat (PC)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polystyrol (PS)
  • Polyetheretherketon (PEEK)
  • Polyvinylchlorid (PVC)

Mit Hilfe der auf den meisten modernen Kunststoffverpackungen aufgebrachten Recycling-Codes kann man sich als Laie ein klein wenig durch den Kunststoffdschungel orientieren.

Zitrusöl also nie pur auf diese Gegenstände geben. Selbst in unseren üblichen Verdünnungen von circa 1 bis 3 Prozent haben wir schon Auflösungserscheinungen bei Quarkpackungen u.ä. beobachtet. Also leckere und gesunde Aroma-Speisen nur in Glas- oder Porzellangefäßen anrühren.

Und im klinischen Bereich Öle in der Nähe von Kunststoffgerätschaften (chirurgische Fäden, Intubierungsmaßnahmen, Inhalationsgeräte etc) nur einsetzen, wenn sicher ist, dass diese die Öle vertragen (es gibt Gefäße und Laborgeräte, die keine Probleme mit ätherischen Ölen haben). Bei der Mundpflege auch berücksichtigen, dass Gebisse aus Kunststoff sind! Es ist leider viel zu wenig bekannt, welche Arten von Kunststoff sich mit welchen Ölen vertragen. Als Richtlinie für Laien kann man jedoch sagen, dass Öle mit einem Anteil an über 10 -15 Prozent Monoterpenen Auflösungserscheinungen verursachen können. Also sind beispielsweise Inhalationen (in Kunststoffgeräten/-gefäßen) mit Rosen- oder Manukaöl sinnvoller als mit Fichtennadel-, Orangen- oder Teebaumöl.

wie flohminze einst die welt eroberte


Man sagt, ohne den Gebrauch von Flohminze oder Pennyroyal (Mentha pulegium) hätten die Engländer nicht ihre Triumphe als Weltumsegler und Kolonialmacht erlangen können. Das Geheimnis der erfolgreichen Seefahrer bestand in zwei heutzutage recht trivial erscheinenden Lösungen für folgende Probleme: 1. Wie kommen Matrosen und Kapitän ohne gesundheitliche Schäden durch Skorbut ans Ziel? 2. Wie kommt man möglichst weit mit möglichst frischen Süßwasservorräten?

Ersteres wurde vor allem durch Kapitän James Cook bis zum – im wahrsten Sinnes des Wortes – bitteren Ende ausprobiert und durchexerziert. Er hatte offenbar die Intuition, ascorbinsäurehaltige Pflanzen ausfindig zu machen und seiner Mannschaft deren Verzehr zu verordnen. Berüchtigt geworden sind seine schier unerträglichen „Kräuterspeisen“, sie führten sogar zu Meutereien.

Zweiteres soll durch das Einlegen von Flohminzeblättern in die mit Trinkwasservorräten gefüllten Fässer möglich geworden sein. So kam das unscheinbare lecker nach Minze duftende Wildkraut zum adligen Namen Pennyroyal, die königliche „Münze“. Flohminze enthält große Mengen des Monoterpenketons Pulegon, und kann so, in großen Mengen genossen, neurotoxisch und abortiv wirken, nicht nur auf Flöhe. Das gilt insbesondere für den Genuss des ätherisches Öles, das darum selten erhältlich ist. Es wirkt, in winzigen Mengen auf den Unterbauch einmassiert, menstruationsfördernd.

Die abgebildete Minze wächst wild in unserer Nachbarschaft, vom Aussehen und ihrem Lieblingsstandort in nassem Grund ist es sicherlich eine Wasser- oder Bachminze (Mentha aquatica hier mit dem Falter Zygaena trifolii, dem Sumpfhornklee-Widderchen), doch im Duft hat sich deutlich das Ketonige, leicht Muffige eingeschlichen, darum vermute ich, dass es sich um eine natürliche Kreuzung mit der Flohminze handelt.

PS. Da ich hier kein öffentlich-rechtliches Wikipedia betreibe, würde ich mich sehr freuen, wenn ich einige mehr meiner regelmäßigen LeserInnen kennen lernen würde. Blogschreiben ist als Medium zum Austausch erfunden worden; von den 300 bis 400 Besuchen dieser Seite pro Tag weiß ich nur von circa 30 Menschen, dass sie hier regelmäßig mitlesen. Wer seid ihr anderen? Berichtet doch mal von euren Erfahrungen mit einem ätherischen Öl oder mit der Aromapflege im Allgemeinen. Welche Themen interessieren euch? Wo macht ihr eure Ausbildungen, welche Bücher über ätherische Öle faszinieren euch? Von welcher Ölefirma seid ihr begeistert? Welche DozentInnen inspirieren und überzeugen euch? Ich möchte auch etwas von euch lernen!