zitronenöl enthält KEIN vitamin C


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZitrusschalenfrüchte stammen ursprünglich aus Asien. Die Öle daraus werden in der Regel durch Raspeln/Pressen, Wässern, Zentrifugierung gewonnen. Das weiß mittlerweile auch jede DuftanfängerIn. Gute Zitrusschalenöle enthalten Furocumarine, diese verstärken die Lichtausbeute im Menschen bzw auf seiner Haut. Das führt bei nicht sachgemäßer Anwendung (Auftragen vor Sonnenbad oder Solariumbesuch) zu Pigmentflecken oder gar zu schlimmen Verbrennungen (Berloque Dermatitis), insbesondere wenn sie mit Mineralölen gemischt sind. Auch das weiß mittlerweile fast jede DuftanfängerIn.

Jedoch können genau diese ganz besonderen minoritären Inhaltsstoffe (also nur circa 1 Prozent oder gar weniger) auch die Lichtausbeute im Winter beeinflussen, erfahrungsgemäß zumindest (leider habe ich dazu noch keine Studien gefunden). Damit wird ihre stark stimmungsaufhellende Wirkung erklärt, insbesondere bei SAD (Seasonal Affective Disorder), der Lichtmangel-Depression.

Orangenölherst_Collage_xs

Lieferung, Waschen, Reiben von Zitrusfrüchten, Zentrifugieren von Orangenöl in Brasilien

Beide Öle also, die sehr lichtempfindlich machen, wirken auch antidepressiv (vorausgesetzt sie bleiben naturbelassen, also weder durch Natronlauge furocumarinfrei [FCF] gemacht noch durch Nachdestillation): Bergamotte (Citrus x bergamia Risso u. Poit.), das ist eine enge Verwandte der Zitrone und heißt darum auf englisch bergamot lemon und Limette (Citrus aurantiifolia (Christm.) Swingle.

Leider geistert neuerdings wieder der alte Fehler durch die Ätherische-Öle-Welt, dass Zitronenschalenöl angeblich Vitamin C, also L-(+)-Ascorbinsäure, enthält (allerdings ist im Labor hergestellte isolierte Ascorbinsäure nicht hundertprozentig identisch mit dem natürlich vorkommenden Vitamin C). Auf gewissen Verkaufsveranstaltungen und Videos von Ätherische-Öle-Anbietern wird das jedoch gerne behauptet und dann ständig weiter gebetet. Ätherische Öle enthalten jedoch – wenn überhaupt – nur Spürchen von freien Säuren, denn diese sind wasserlöslich, sie können gar nicht in relevanten Mengen in den fettöslichen /lipophilen ätherischen Ölen enthalten sein. Ascorbinsäure=Vitamin C kann also aufgrund der chemischen Eigenschaften NICHT im naturbelassenen Zitronenduft im Fläschchen enthalten sein.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFlavonoide, diese Jungbrunnen- und Reparatur-Moleküle sind dagegen in Fruchtfleisch UND Schale, damit auch im ätherischen Öl, welches durch Raspeln/Pressung gewonnen wird, enthalten. Es handelt sich um polymethoxylierte Flavone, sie geben den mechanisch gewonnenen Zitrusölen ihre schönen Farben, die wichtigsten Vertreter sind Nobiletin, Tangeritin, Sinensetin und Tetra-O -methylscutellarein*.

Die Zusammensetzung eines typischen Zitronenschalenöles:

Monoterpene

  • 64 % D-(+)-Limonen
  • 15 % β-Pinen
  • 10,5 % γ-Terpinen
  • 2,9 % α-Pinen
  • 0,7 % α-Thujen
  • 1,9 % β-Myrcen
  • Camphen
  • trans-Ocimen
  • Sabinen

Sesquiterpene

  • β-Caryophyllen
  • 0,35 % β-Bisabolen

Monoterpenole

  • Geraniol
  • Nerol
  • Linalool
  • Terpineol-4
  • 0,05 % α-Terpineol

Aldehyde

  • 0,82 % Geranial
  • 0,48 % Neral
  • Citronellal
  • Nonanal, Octanal, Decanal

Monoterpenester

  • 0,27 % Nerylacetat
  • 0,25 % Geranylacetat
  • Citronellylacetat

Andere

  • 1,5 % Cumarine und Furocumarine, z.B.
    0,6 % Bergapten, 0,2 % Bergamottin
  • (farblose) Carotinoide, polymethoxylierte Flavone

insgesamt circa 100 unterschiedliche Moleküle

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie Urahnin der heute bekannten Zitrone ist übrigens die größere Ur-Zitrone oder Zedrat (Citrus medica), die als Medizinalpflanze ein hohes Ansehen genoss. Das ätherische Öle daraus riecht himmlisch zitronig, es wird nur von wenigen Anbietern verkauft. Ich habe in Brasilien Zedratfrüchte geerntet, die groß wie Honigmelonen waren, ihre Schale ist oft zerfurcht und superdick, es ist so gut wie kein Fruchtfleisch mit Saft enthalten. Das zur Weihnachtszeit beliebte Zitronat wird aus diesen dicken, wochenlang in Salzlake eingelegten Fruchtschalen hergestellt.

Auf diesem kleinen Video vom großen italienischen Zitrusöl- und Zitrussafthersteller Fratelli Indelicato (klick!) kann man das Abraspeln der Schalen gut sehen. Auch auf Wikipedia findet man Interessantes zur alten Medizinalzitrone.

* laut Prof. Dr. Elisabeth Stahl-Biskup, Universität Hamburg: ‚Die Chemische Extravaganz der Zitrusfrüchte‘ in Forum Essenzia, Heft Nr. 26 (2004); für Mitglieder von Forum Essenzia gibt es dieses hervorragende Heft als E-Paper, als „echte“Ausgabe ist es leider vergriffen.

auch preiswerte öle machen arbeit


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieNachdem die PC-User trotz meiner bewusst vorgenommenen Abänderung des Fotonamens die alte Bildbezeichnung sehen konnten (auf meinem Apple-Mac geht das nicht), gibt’s heute noch das Nachbarfeld zum raten. Neben der Kamille (dort wo links oben im Feld die Menschen ernten) wuchsen seinerzeit die Pfeffer- und die Bergamotteminze (das mit den strohfarbenen Blüten sind Angelikastauden). SchülerInnen von mir haben die Pfefferminzestecklinge hergestellt, im nächsten Jahr konnte die nächste Gruppe sie einsetzen und irgendwann später wieder eine andere Gruppe hat bei der Ernte geholfen und die Destillation beobachtet. Wenn die 2500 Quadratmeter abgeerntet und die 2500 kg Minzekraut destilliert sind: Was schätzt ihr, wie viel bestes Bio-Öl aus Mentha piperita wird abzufüllen sein? (Kein Dreisatz am Abend!).

von der kunst, kostbarkeiten zu würdigen: viel pflanze ergibt wenig ätherisches öl


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDiese Männer tragen den Sack aus gutem Grund zusammen. Er ist schwer und recht unhandlich. Er ist gefüllt mit Kamillenblüten und -Kraut. Dieses wuchs auf einem Acker, der respektvoll gepflegt und gejätet wurde und nicht der Einfachheit halber mit Agrargiften gedüngt und insektenfrei gemacht wurde. Die zarten Pflänzchen wurden mit Rosenscheren behutsam von Hand geschnitten. Nach der Destillation wird der Landwirt ätherisches Kamillenöl in seiner Destillationsblase vorfinden. Wie viel Öl wird es sein? Wie viele Aroma-Massagen werden nach Abfüllen in braune Glasfläschchen mit diesem Öl durchgeführt werden können, was meint ihr?

die schüttelsalbe


AiDA Aromatherapy Eliane Zimmermann

Ich gehöre ja nicht zu den geduldigen Zeitgenossen. Und Nein Sagen fällt mir schwer (obwohl ich kürzlich ein Angebot eines kurzen super bezahlten Vortrages in Japan abgesagt habe: einen gaaaanzen Tag im Flieger sitzen – 40 Minuten reden – einen gaaaanzen Tag im Flieger sitzen). So kam dieser Tage die Bitte nach einer Zaubersalbe bei einem seit Jahren vorkommenden Hautproblem. Immer bei größeren Temperatur-Umschwüngen wird die Haut an einigen Stellen, vor allem der Hände, bräunlich, extrem schmerzempfindlich, platzt eventuell sogar auf. Ich war schon fast auf dem Weg nach Prag. Also schnell eine Schüttelsalbe gemacht.

aromasalbe selbermachen AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannIn einer gut schließenden Creme/salbendose naturbelassene Sheabutter (Bezugsquelle hier klicken!), zwei erbsengroße Tupfer Aloe vera-Gel und drei Spritzer Rosenhydrolat schmelzen – wir heizen tagsüber nicht, also machte ich es geschwind im Wasserbad, auf dem Heizkörper ginge es noch schneller. Mit Jojobaöl und Rosa mosqueta-Öl (Wildrose) auffüllen (circa 1/3 der Gesamtmenge). Gut schütteln, vorher Deckel gut drauf schrauben!!!! Sonst gibt es Flugsalbe! Ans Beschriften denken!

naturkosmetik selber machen eliane zimmermann

Ätherische Öle hinzufügen, wichtig erschienen mir vor allem Karottensamen (hallo Christine!!! klick für mehr Infos über die Wilde Möhre), Patchouli und Rose (für undefinierbare Hautprobleme fast immer erfolgreich):

  • 3 gtt Daucus carota, Karottensamen
  • 3 gtt Pogostemon cablin, Patchouli
  • 1 gt Rosa damascena, Rose türkisch destilliert
  • 1 gt. Lavandula angustifolia, Lavendel
  • 1 gt. Helichrysum italicum, Immortelle

Das ganze hat keine 10 Minuten gedauert, schneller als in die Apotheke fahren ist das allemal. Und möglicherweise effektiver, das wird sich aber noch zeigen.

PS Die Abkürzungen gt und gtt kommen aus der alten Apotheker-Rezeptursprache und beziehen sich auf den lateinischen Begriff gutta (Einzahl) und guttae (Mehrzahl). Handschriftlich und mit alten Bleilettern wurden die beiden tt als so genannte Ligatur geschrieben/gesetzt, wie ein einziger Buchstabe. Wenn Rezepturen zum Herstellen von Medikamenten notiert wurden – vor noch gar nicht so langer Zeit gab es keine oder kaum Fertigmedikamente – wurden sie schnell und einfach statt des oft wiederkehrenden langen Wortes ‚Tropfen‘ aufgeschrieben.

PPS: Eine Variation dieser Salbe ist bei Christine entstanden: hier klicken.

abnehmen und samthaut mit vanille- und kaffeemazerat


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyPassend zum Artikel über Mazerate gibt es heute zwei Rezeptideen, die sowohl zur Schönheitspflege als auch für die feine Küche verwendet werden können. Zudem sind sie schöne Geschenkideen. Kaffeemazerat für Cellulite-Massagen 250 g Bio-Kaffeebohnen (ungemahlen) in einem schönen Schraubglas mit soviel  nativem Sesamöl (ungeröstet) übergießen, dass die Bohnen ganz bedeckt sind. Jeden Tag vorsichtig schwenken und nach zwei Wochen die Bohnen mit einer Schaumkelle entnehmen und wegwerfen (oder zerstampfen, in 10 Liter Wasser einige Tage ziehen lassen und als Spritzmittel gegen Läuse im Garten verwenden).
Eine prima durchblutungsfördernde und „entschlackende“ Anti-Cellulite-Rezeptur kann auch mit dem wundervollen CO2-Extrakt aus Kaffeebohnen in Sekundenschnelle hergestellt werden.

Wer empfindliche Haut hat, sollte die Tropfenanzahl halbieren (und peinlich genau darauf achten, dass das Orangenöl nicht älter als 1 Jahr nach Öffnen ist und auch das destillierte Ingweröl sollte nicht älter als zwei Jahre nach Öffnen sein). Jeden Tag ein- oder zweimal auf die (feuchte) Haut der betroffenen Stellen einmassieren. Vorher Trockenbürsten erhöht den straffenden Effekt beträchtlich, da der „reinigende“ Lymphfluss angeregt wird. Wer kein Centella-Mazerat bestellen möchte, kann freilich jedes gute fette Pflanzenöl für diese Rezeptur verwenden. Centella hat einen reparierende Einfluss auf beschädigtes Bindegewebe und ist ein mächtiges Anti-Ageing-Kraut. Es wird in herkömmlichen Narbensalben verarbeitet und befindet sich auch im oral einzunehmenden Mittel gegen juckende Hauausschläge Ekzevowen.

Wer gerne Kakao trinkt, kann sich eine Prise (mit Zahnstocher entnehmen und das Getränk damit umrühren) des Kaffeebohnenextraktes in den warmen Kakao geben oder vorab das Kakaopulver aromatisieren – auch mit Orangenöl köstlich. (Kakao möglichst aus Fairtrade, es werden zu viele afrikanische Kinder für die Schoko-Industrie entführt und versklavt, um den Hunger des Westens nach Kakao und Schokolade zu stillen, der Film dazu ist hier zu finden). Der Kaffeebohnenextrakt passt auch prima zu Schlagsahne (Schlagobers) und um Torten sowie Tiramisu fast koffeinfrei zu aromatisieren.

Vanillemazerat für Massagemischungen und zum Kochen:

  • 2 kleine oder eine große Vanillestange(n) (kbA) klein schneiden und in
  • 100 g nativem Kokosfett oder in 100 ml Sesamöl ausziehen.

Es können bereits ausgekratzte, für Süßspeisen „ausgeschlachtete“ Stangen verwendet werden. Nach circa 14 Tagen die Stangenstückchen (mit peinlich sauberer Gabel) entfernen, eventuell noch in Kompott oder Apfelmus auskochen. Dieses Hautpflegeöl ist sehr reichhaltig und sollte nur auf feuchter Haut dünn aufgetragen werden. Da es eine eher kühlende Wirkung hat und zudem sehr wohltuend und ausgleichend für die verstimmte Seele wirkt, ist es ein gutes Mittel bei Neurodermitis. Zudem kann es appetitregulierend wirken, da der Inhaltsstoff Vanillin, ein aromatisches Aldehyd, vermutlich das Belohnungszentrum im Gehirn anspricht; es wirkt innerlich (durch Süßigkeiten) und auch äußerlich aufgetragen beispielsweise in Form eines speziellen Abnehm-Pflasters (ich hatte 2009 bereits hier darüber geschrieben).

Dieser Vanilleauszug kann tropfenweise zum Abrunden von Kuchen, Süßspeisen, Zuckerguss, Kompott etc verwendet werden.

PS Nach Veröffentlichung des Artikel über Mazerate in Facebook kam ein Einwand zum Ausdruck ‚köcheln‘, den ich bislang offenbar falsch verwendet habe. Ich meine damit langsames und schonendes Simmern, also keinesfalls kochen im Sinne von 100 Grad oder mehr, vielmehr weit unter dieser Temperatur, welche hochwertige Öle zerstört. Der korrekte Ausdruck war mir nicht geläufig, er heißt ‚digerieren‚.

mazerate – ölauszüge mit heilwirkung


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch bin immer wieder überrascht, wie beim Blog-Schreiben ein Thema zum nächsten führen kann bzw. dass ich durch meine Texte manchmal Fragen entstehen lasse. Zur Frage nach Veilchenmazerat sind die gleichen Regeln zu beachten wie bei vielen anderen Mazeraten; doch zunächst eine Begriffsklärung:

Mazerate sind fette Pflanzenöle, in denen Pflanzen eingelegt beziehungsweise „ausgezogen“ worden sind und die somit mit ihren fettlöslichen Wirkstoffen angereichert sind. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn man relativ große Moleküle lösen möchte, welche bei der Wasser(damp)destillation nicht in das ätherische Öl übergehen, da sie nicht flüchtig sind.
Diese Art der Extraktion kann grundsätzlich von Laien vorgenommen werden, vorausgesetzt es wird peinlich sauber und aufmerksam gearbeitet, so dass das Endprodukt lange hält und ein größtmögliches Wirkungsspektrum enthält.

Da sowohl das Auszugsmedium – das fette Pflanzenöl – als auch das auszuziehende Pflanzenmaterial nicht standardisiert sind, also je nach Ort des Wachstums und Wetterverhältnissen sehr unterschiedlich sein können, benötigt man etwas Fingerspitzengefühl. Drei Grundregeln sind zu beachten:

  1. Man nimmt soviel Pflanzenöl, so dass die auszuziehenden Pflanzenteile komplett bedeckt sind. Es darf nichts aus der Öloberfläche heraus schauen, da es sonst unter der Einwirkung des Sauerstoffs zu unerwünschten Fäulnis- und sogar Schimmelvorgängen kommen kann.
  2. Die Pflanzen müssen zwar frisch und sauber sein, jedoch möglichst trocken. Also wird nur bei trockenem Wetter geerntet und nicht zu früh im Morgen(tau). Wenn möglich, Erde, Steinchen und Schmutz nur durch Schütteln, Abbürsten oder Abpinseln entfernen. Muss gewaschen werden, auf sorgfältiges Trocknen achten.
  3. Der Ansatz muss mindestens einmal täglich bewegt werden, so dass sich Pflanzen und Öl neu durchmischen.

Manche Pflanzen können nach einer gewissen Trocknungszeit eingelegt werden, manche sollten so frisch wie möglich sein. Manche Pflanzen(teile) sollten zerkleinert werden, manche kann man ganz direkt frisch vom Feld/Garten nehmen. Nach der Mazerationszeit von zwischen zwei und sechs Wochen werden die festen Bestandteile abgefiltert, beispielsweise durch ein feines Gazetuch, eine Babywindel aus Stoff oder ein Stück breiter Mullbinde.
Traditionell entstehen diese Auszüge mit Hilfe von starkem sommerlichem Sonnenlicht, dieses kann jedoch das Öl unnötig schnell angreifen, so dass das Mazerat nicht lange hält. Darum nimmt man grundsätzlich stabile Pflanzenöle wie Olivenöl oder Kokosfett, da beide keinen nennenswerten Anteil an oxidationsanfälligen mehrfachen Doppelbindungen in ihren Fettsäuren aufweisen, also weitestgehend aus einfach ungesättigter Ölsäure (Olivenöl) oder Laurinsäure (Kokosfett) bestehen. Der Nachteil ist, dass beide, wenn sie eine hochwertige Qualität aufweisen, jeweils eine starken Eigenduft besitzen.
Natives Sonnenblumenöl ist recht unstabil, Canolaöl (Raps) gehört je nach Qualität auch zu den nicht so ganz stabilen Ölen, Sesamöl enthält zwar genügend mehrfach ungesättigte Fettsäuren, enthält jedoch gleichzeitig etliche selbst erhaltende Antioxidanzien.
Neuerdings wird empfohlen, Mazerate ohne Sonnenlicht auszuziehen, also im Dunkeln. Manche können auch durch einige Stunden währendes schonendes Köcheln hergestellt werden.
Ein wundervolles Buch zum Thema, das mich seit über 20 Jahren inspiriert, ist „Medizin der Erde“ von Susanne Fischer-Rizzi. Sie hat es liebevoll zusammengestellt, bevor sie zur Pionierin der Aromatherapie wurde, es ist also inzwischen ein Klassiker.
Im nächsten Beitrag stelle ich einige Rezeptideen für sehr einfach herzustellende Mazerate vor.

destillation von ätherischen ölen als winterbeschäftigung


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyAls mir kürzlich beim Frühjahresputz zwei Kilo (getrocknete) Alantwurzel in die Hand fielen, dachte ich, dass der Winter eigentlich die ideale Zeit ist, um so genannte Drogen, also getrocknete Gewürze und auch Kräuter zu destillieren: Gewürznelken, Zimt, Piment, Muskatnüsse, Sternanis, Fenchel, Kümmel, Koriander  und auch Lavendelfrüchtchen sowie alle hochwertigen und schonend getrockneten Küchenkräuter. Ich muss demnächst meinen riesigen frisch-grünen Rosmarin tüchtig schneiden, auch der darf dann in den Kupferkessel wandern.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyHeilpraktikerin und Leserin Susanne M. stellte mir netterweise einige Fotos ihrer Küchendestillation in der ‚Leonardo‘ zur Verfügung. Sie erhielt nicht nur ausreichend Lavendel- und Salbeihydrolat dabei, sondern eine erstaunliche Menge an ätherischem Öl. Das zu destillierende Gut muss erst sorgfältig zerkleinert werden, am besten mit einem sehr scharfen Messer. Getrocknete Drogen kann man gut mörsern, notfalls mit einer Kaffeemühle ganz kurz grobkörnig mahlen.

https://blog.aromapraxis.de/2011/12/20/hydrolat-piment

Bei den ersten Heim-Destillationen ist es wirklich unglaublich aufregend, wenn nach einiger Zeit der erste Tropfen Hydrolat ins Auffanggefäß tropft.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Wenn dann am Ende der Prozedur auch noch ätherisches Öl auf dem Hydrolat schwimmt (hier Salbeiöl), kann man sein Glück kaum fassen! Die Sonne am Bodensee hat Susannes Salbeipflanze sichtlich gut getan! Vielen Dank für diese schönen Fotos! Ähnliche Kupfer-Destillen kann man übrigens bei Destillatio in der Nähe von Fulda bestellen, am besten auch bei der Protestaktion mitmachen, denn ungenehmigte Destillation von heimischen Kräutern und auch von Obst in größeren Destillen als 0,5 Liter wird in Deutschland (und vielen anderen Ländern) als kriminelle Tat geahndet. In der Schweiz darf man als Hobby-Destillateur immerhin Brennkessel bis zu 3 Litern einsetzen. Bücher zur Destillation: Ätherische Öle selbst herstellen von Bettina Malle und Helge Schmickl sowie   Destillatio von Kai Möller (letzteres behandelt auch das Herstellen von Schnäpsen und Alkohol für kosmetische Zwecke).

absolues vs. destillierte ätherische öle


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyZum Irisöl-Text kam die Frage nach den Kosten der unterschiedlichen Irisöle auf. Wie auch bei Rosenölen ist das durch Lösungsmittel hergestellte „Öl“ (korrekt bezeichnet man es als Absolue oder englisch Absolute) preiswerter, da die Ausbeute wesentlich höher sein kann. Diese toxischen Lösungsmittel muss man sich ähnlich wie Nagellackentferner vorstellen, sie lösen nicht nur die Duftmoleküle aus der Pflanze, sondern auch Farbstoffe, Blütenwachse und andere größere Moleküle. Sie werden nach dem Extraktionsprozess abgedampft (da sie sehr flüchtig sind, geht das recht einfach), es können je nach Anbieter Rückstände davon im Öl sein. Das üblicherweise verwendete Mittel ist Hexan, mit dem auch Billig-Speiseöle gewonnen werden. Wenn man Hexanrückstände gänzlich aus seinem Leben verbannen wollte, dürfte man nicht mehr außerhäusig essen gehen, denn es kann nicht nur in Fritten enthalten sein, sondern auch in Salatsoßen und sonstigen Speisen, die mit „neutral schmeckenden“ Ölen zubereitet werden.

Für die destillierte Variante des Irisöles werden die knolligen „Wurzeln“ (korrekt: Rhizome; an denen hängen wiederum die feinen Wurzeln) zunächst per Hand supervorsichtig und fein geschält und anschließend mehrere Jahre lange getrocknet. Dabei fermentieren sie und erst so entwickelt sich der typisch-pudrige Duft. Während dieses mindestens drei Jahre währenden Umwandlungsprozesses (ähnlich wie bei Kraut, das zu Sauerkraut wird) kann immer auch ein Teil der Ernte kaputt gehen. In dieser Zeit verdient der Landwirt kein Geld mit seiner wertvollen Ware. Aus 100 Kilo der getrockneten Iriswurzeln können anschließend keine 100 g ätherisches Öl destilliert werden, da zunächst ein butterartiges Produkt gewonnen wird, dem durch Ausfrieren und durch Zugabe von Branntwein die Pflanzenwachse entzogen werden(Foto oben). Nach diesem langjährigen und aufwändigen Prozess darf man nicht verwundert sein, dass 1 Milliliter dieses in hoher Verdünnung wunderbar blumig-pudrig-holzig-süß duftende Öl mehr als 150 Euro kostet. Übrigens hat mein erstes Fläschchen vor Urzeiten genau 240 DM gekostet, das sind ’nur‘ 120 Euro! Nicht wundern, das pure Destillat duftet nicht besonders, es MUSS verdünnt werden, nicht nur um Geld zu sparen, sondern zur Entwicklung des feinen Duftes.

Die oft nicht so pudrig duftenden Absolues (beispielsweise bei Feeling) sind deutlich preiswerter, deren Duft ist jedoch meistens nicht vergleichbar mit dem ätherischen Öl (Ausnahmen bestätigen die Regel! auch die richtige Verdünnung spielt eine Rolle bei der Duftentfaltung). Es gibt auch noch Extrakte, die durch Kohlendioxid hergestellt sind, sie sind ab 10 Euro erhältlich (eher flach duftend; bis 25 Euro, wenn die duftprägenden „Puder-Moleküle“ Irone in höherer Konzentration enthalten sind), beispielsweise bei Maienfelser und bei Ronald Reike. Irisöle sind übrigens ein typisches Fixativ für Naturparfums.

urtinkturen herstellen und die ehrfurcht vor heilpflanzen lernen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyJahrelang habe ich selbst keine für mich neuen Firmenbesichtigungen mehr genossen und vor drei Wochen gab’s die zweite für dieses Jahr (zur ersten Schutzkleidungsmodenshow geht es hier). In der Nähe von Konstanz und Kreuzlingen, über dem Bodensee gelegen, befindet sich der kleine aber sehr feine Hersteller von pflanzlichen Urtinkturen Ceres Heilmittel.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyHerr Plath führte uns ausführlich und geduldig durch die Produktion von ganz besonderen Pflanzenheilmitteln, von denen man aufgrund ihrer speziellen Herstellungsweise nur wenige Tropfen täglich einnehmen muss. So dass der zunächst hoch erscheinende Preis von gut 20 Euro nicht mehr ist als 3 x 20-30 Tropfen bei herkömmlichen Mitteln, welche die Hälfte kosten.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDer Herstellungsprozess beginnt mit dem händischen Schneiden mit speziellen hochwertigen Messer (Abbildung ganz oben) der Heilpflanze. Anders als bei anderen Urtinkturen wird nicht maschinell gequetscht und gerissen, so dass die Oxidation an den Schnittstellen minimal ist. Die Stücke der Kräuter bleiben auch größer, so dass sie laut der Philosophie von Ceres noch genügend Lebenskraft enthalten. Das Pfefferminze-Zweiglein am unteren Bildrand beispielsweise könnte noch zum Bewurzeln verwendet werden, die kleingehäckselte Masse am oberen Bildrand würde allenfalls noch für laborgezogene Pflanzenzombies herhalten können. Selbst schwer schneidbare Pflanzen bleiben bei der maschinellen Unterstützung des Vorganges immer mit der respektvollen menschlichen Hand verbunden. Dann wird das klein geschnittene Pflanzengut mit einer speziell von Dr. Roger Kalbermatten entwickelten einzigartigen Maschine gemörsert – einige Minuten und immer mit der menschlichen Herzschlagfrequenz von circa 60 ‚Schlägen‘ pro Minute. Die genauen Feinheiten entscheidet die Art der jeweiligen Pflanze und die Institution eines des wenigen Mitarbeiter der innovativen Firma.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyNach diversen Filtrier-  und Zwischenlagerungsvorgängen, ruhen die wertvollen Mittel für mindestens zwei Jahre in einer Art Weinkeller. Sie werden dort weder durch Tageslicht, noch durch Lampen und auch nicht durch fotografierende Besucher gestört.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyViele der Urtinkturen werden aus aromatischen Heilpflanzen gewonnen – übrigens aus Demeter-Anbau oder sorgfältig ausgesuchten Wildpflanzen, beispielsweise die wunderbar beruhigend wirksame Lavendeltinktur und auch Angelika-, Kamille-, Melisse-, Pfefferminze-, Rosmarin- und Salbeitinktur. Eine Übersicht über die Tinkturen gibt es hier, die Wirkweise erfährt man im wunderschönen, neu aufgelegten und erweiterten Buch Pflanzliche Urtinkturen von Dr. Kalbermatten.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapySo konnten die Teilnehmerinnen meines Chemiekurses, der den neuen Aromapflege-Lehrgang am  Aromainstitut am See in Konstanz einläutete, nicht nur Moleküle basteln und verstehen lernen, sondern auch dem Wunderwerk (Heil-)Pflanze eine ganz neue Achtung schenken.

This is about an excursion to a Swiss company which manufactures homoeopathic remedies of an unusual high quality only using organic healing plants or such from wild collection in the cleanest areas. 

natürliche raumbeduftung – einfach und schön


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyAls ich heute früh – wieder zu Hause nach langer Vortragstournee – beim Kaffeetrinken in der Zeitschrift ‚Freundin‘ blätterte, staunte ich nicht schlecht, als ich auf Seite 196 Rezepturen für natürliche Raumbeduftungsmöglichkeiten entdeckte. Steht die bekannte Frauenzeitschrift ja nicht gerade für Naturkosmetik oder nachhaltigen Lebenstil. Ich hatte auf meiner Reise viele grässliche Zimmerparfüms gefunden und wundere mich nun immer weniger, dass die Allergien gegen jene immer mehr zunehmen. Ich hatte sogar meinen ersten Niesanfall beim Umherwandeln in einem entsprechenden Geschäft, ich musste es fluchtartig verlassen; sowas ist mir noch nie passiert. Umso schöner, wenn es nun ein neues Buch mit vielen hübsch bebilderten Rezepturen und Verpackungs-Tipps für einfach herzustellende Raumdüfte gibt. Die Mischungen wurden von meiner Wiener Kollegin Waltraud Reischer konzipiert und das Buch heißt „Wohlfühlen mit Raumdüften – Die kreative Manufaktur“ (Topp Verlag, 14,99 Euro). [Wer das Porto sparen möchte kann noch einige Tage warten, denn in genau einer Woche erscheint mein neues Buch Aromatherapie für Sie, ich bin selbst gespannt wie ein Flitzebogen 😉 ]

Ich habe unterwegs übrigens einen ganz neuartigen Raumduft für die kalte Jahreszeit kennen gelernt: Kerzenschein von Farfalla, es duftet wirklich nach diesen wunderschön altmodischen Bienenwachskerzen und verbreitet eine wahrlich festliche Atmosphäre. Das neue Raumspray ‚Weihnachtsstern‘ ist eine besondere Freude für Zimt-Liebhaber und hilft vielleicht sogar, die Heizung um ein oder zwei Grad zu drosseln und somit Heizöl einzusparen: In einer Studie mit zwei unmerklich mit Zimt bedufteten Räumen, wurde das Temperaturempfinden der Probanden abgefragt und den Zimt-Raum empfanden sie wärmer als er tatsächlich war.