insektenschutz für groß und klein


Insekt_Mücke_xsIch stellte dieser Tage verwundert fest, dass ich hier noch keinen Beitrag über ätherische Öle geschrieben habe, die diverse Insekten auf natürliche Weise (einigermaßen) vertreiben können. Dabei schreibe ich die relevanten Öle so oft an das Flipchart, in meinen Kursen ist das ein regelmäßig wiederkehrendes Thema! Also hole ich dieses Versäumnis heute nach, denn im verregneten Kontinental-Sommer haben die Biester Hochsaison und Hilfe ist gefragt!

Nun muss man wissen, dass Insekten wie auch viele Pflanzen sich mit Hilfe von ätherischen Ölen bzw. deren einzelnen Molekülen „unterhalten“. Pflanzen rufen mit flüchtigen Riechstoffen „alliierte“ Insekten bei Schädlingsbefall zu Hilfe, sie können auch mit Hilfe dieser Riechstoffe Feinde verscheuchen. Sie können sogar sich selbst bzw. Teile von sich selbst warnen, wie letztes Jahr am Beispiel  der Maispflanze festgestellt werden konnte. Mit dem frei gesetzten Stinkstoff Indol, der in Jasmin-Absolue und in zahlreichen anderen Blütendüften vorkommt, „benachrichtigt“ eine frisch angeknabberte Maispflanze ihre „unteren Etagen“, also tiefer gelegene Blätter, die dann ihren Abwehr-Stoffwechsel aktivieren [ein Artikel dazu ist hier (klick!) nachzulesen].

Insekten wiederum sind in der Lage, viele uns aus ätherischen Ölen bekannte Duftmoleküle zu bauen und sie als „Sprache“ untereinander einzusetzen.

  • Bienen beispielsweise stellen Geraniol, Citral (auch in Rosen- und Lemongrassöl enthalten) und andere Terpene her und verwenden sie als Markierungs-Pheromone.
  • Der Sterzelduft von Bienen besteht aus trans-Farnesol (auch in Ylang Ylang, römischer Kamille und Rosenöl enthalten und in Äpfeln, Erdbeere, Heidelbeeren, Trauben, Pilzen, Spinat, Tee, Tomaten).
  • Blattläuse stellen trans-beta-Farnesen als Alarm-Pheromon her (auch in Schafgarbenöl enthalten).
  • Die Wanze Eurygaster integriceps stellt Vanillin als Sexuallockstoff her (in Vanille-, Benzoe- und Toluextrakt sowie in Styraxöl enthalten) [mehr dieser Beispiele werden im Herbst in der stark erweiterten 6. Auflage meines Fachbuches ‚Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe‘ nachzulesen sein]

Und wer im Duftchemie-Unterricht aufgepasst hat 😉 weiß, dass alle diese Moleküle bei uns Menschen nachweisbare körperliche und seelische Prozesse steuern können. Ich stehe wieder einmal staunend vor diesen modernen Erkenntnissen und bewundere den Kreislauf, das Ganz-Sein, die Zusammenhänge in der Natur. Wir Menschen haben also noch Spuren der Pflanzen- und Insektenvergangenheit in uns! Zumindest sind wir mit den entsprechenden Rezeptoren ausgestattet.

Aber nun zurück zum Vertreibungsmittel, das kleine stechende und beißende und saugende Monster abstoßen und irritieren soll. Aufgrund der obigen Erkenntnisse kann man sich unschwer vorstellen, dass wir den lästigen und bisweilen sogar gefährlichen Plagetierchen mit einem Riechstoffcocktail vorgaukeln können, dass sie selbst von einer Schar von Feinden umzingelt sind, so dass sie schnellstmöglich „die Fliege“ machen, uns also in Ruhe lassen. Diverse Stechmücken können einige unserer ätherischen Öle so gar nicht leiden, ganz vorne auf der Liste stehen:

  • Citronella (Cymbopogon nardus und C. winterianus, insektifuger Inhaltsstoff: Citronellal)
  • Zitroneneukalyptus (Eucalyptus citriodora, insektifuger Inhaltsstoff: Citronellal)
  • Rosengeranie (Pelargonium asperum und P. graveolens,insektifuge Inhaltsstoffe: Geranial/Geraniol)
  • Atlas-Zeder, Himalaya-Zeder (insektifuge Inhaltsstoffe: Gemisch aus Sesquiterpenen und Sesquiterpenolen)
  • Katzenminze (Nepeta cataria, insektifuge Inhaltsstoffe: Nepetalacton und andere Lactone)

Doch durch die Zugabe von einigen anderen Ölen, die anscheinend auch nicht sonderlich beliebt beim summenden Völkchen ist, können wir die Wirkung unserer Abwehr“waffe“ verstärken. Durch Patchouliöl können wir unsere Haut schützen, was insbesondere bei Zubereitungen für Kinder wichtig ist, denn einige der insektifugen Inhaltsstoffe können minimal hautreizend wirken, insbesondere wenn die Fläschchen älter als 6-9 Monate nach erstem Anbrechen sind und auf erhitzter Haut verwendet werden:

  • Lavandin (Lavandula x Intermedia Super, besser noch Lavandula x intermedia Abrial, Lavandula x intermedia Grosso und Lavandula x intermedia Reydovan, diese enthalten mehr Campher [Bornan-2-on] als insektifugen Inhaltsstoff)
  • Patchouli (Pogostemon cablin, insektifuge Inhaltsstoffe: Gemisch aus Sesquiterpenen und Sesquiterpenolen)
  • Teebaum (Melaleuca alternifolia, insektifuge Inhaltsstoffe, nicht gesichert: Gemisch aus Monoterpenen und Sesquiterpenolen wie Globulol und Viridoflorol)
  • Gewürznelkenknospe (Syzygium aromaticum, insektifuger Inhaltsstoff: Eugenol)
  • Eukalyptus (Eucalyptus globulus, insektifuge Inhaltsstoffe: Mix aus 1,8-Cineol und einigen Monoterpen-Ketonen)

Das Ganze mit nativem Kokosfett, das reich an Laurinsäure ist, anzureichern, ist insbesondere in Zecken-Gebieten hilfreich, denn diese schmecken viel lieber die auf unserer Haut befindliche Buttersäure als die Laurinsäure! Bei den anderen fetten Ölen bitte unbedingt darauf achten, dass sie einigermaßen oxidationsstabil sind, also dass die fein auf die Haut aufgetragene Schicht in Wärme und Sonne nicht zu schnell ranzig wird. Von den bekannteren Ölen sind dies Jojobaöl (korrekt: Jojobawachs) und Olivenöl. Zwei deutlich insektenvertreibende fette Öle  müssen an dieser Stellen noch erwähnt werden:

  • Neem (Azadirachta indica): es  riecht nicht so toll, wäre jedoch als kleine Zugabe auch noch denkbar, es ist bekannt durch die starke Wirkung gegen Milben und Kopfläuse
  • Andiroba (Carapa guaianensis): ein enger Verwandter von Neem mit ähnlicher Wirkung

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieVor einigen Jahren konnte wissenschaftlich bestätigt werden, dass ein weiterer Bestandteil im zitronig duftenden Öl des Zitroneneukalyptus zur Abwehr von Mücken/Stech-Insekten eingesetzt werden kann. Man hat den Stoff identifiziert, der für diese starke Wirkung verantwortlich ist, er wird inzwischen fleißigst aus dem Pflanzenmaterial des schnell nachwachsenden hitzeliebenden Baumes isoliert und für hoch wirksame Anti-Insekten-Mittel eingesetzt. Der „Zauberstoff“, der sogar gegen Malaria-Mücken in den Tropen erfolgreich getestet wurde (mindestens 5 Stunden mit 98 Prozent Sicherheit) heißt p-Menthan-3,8-diol (oder para-menthane-diol, PMD), er wird durch einen kleinen chemischen Eingriff aus dem Haupt-Inhaltsstoff der Zitroneneukalyptusblätter (Citronellal) gewonnen und inzwischen vermehrt isoliert angeboten, um in natürliche Insektenschutzmittel eingearbeitet zu werden. In etlichen Studien konnte er sogar gegen Deet bestehen, eines der schärften (und toxischsten) Insektenschutzmittel. Und die noch bessere Nachricht: sogar Zecken finden das Zeug widerlich (zumindest für einige Stunden)! Bereits eingearbeitet wurde dieser Stoff in das in das Mückenstop-Spray von Taoasis und in das praktische Mückenstop-Tuch für unterwegs.

Ein Selbermach-Rezeptbeispiel für knapp 3%-ig verdünnten ätherischen Ölen, also für Erwachsene und Jugendliche könnte folgendermaßen aussehen:

  • 30 ml Jojobawachs
  • 20 g Kokosfett
  • 15 Tropfen Citronella und/oder Zitroneneukalyptus
  • 5 Tropfen Rosengeranie
  • 5 Tropfen Atlaszeder
  • 5 Tropfen Lavandin
  • 3 Tropfen Teebaum oder Eukalyptus oder Gewürznelkenknospe

Kokosfett ggfs im Wasserbad sehr sanft schmelzen, mit den Ölen vermischen und in Braunglasflasche, am besten mit Pumpmechanismus, füllen. Bei sommerlichen Temperaturen bleibt dieser Mix flüssig. Für Babies und Kleinkinder die Menge der ätherischen Öle halbieren! Wer den Duftmix ähnlich aber als Fertigprodukt mag, kann sich bei Feeling den ‚Insektenschutz‚ (klick!) bestellen, er ist auch als Körper- und Raumspray erhältlich. Nach Stichen und Bissen helfen Bio-Aloe vera-Gel (ohne schädliche Synthetik-Verdicker oder Konservierungsstoffe), Lavendelöl, Pfefferminzeöl und diverse Hydrolate wie Rosenhydrolat, das leicht juckreizstillend/anästhetisierend wirkt.

Zum faszinierenden Thema der Pflanzen-Unterhaltung möchte ich gerne drei wundervolle Bücher empfehlen, vielleicht als Urlaubs-Lektüre?!

PS Wer mehr Infos und wissenschaftliche Arbeiten zum Eukalyptus-Wirkstoff p-Menthan-3,8-diol sucht, kann sie sich entweder g00glen oder in meinem früheren Artikel zum Thema (klick!) aufgelistet finden. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich zu meinen Blog-Beiträgen nicht noch zusätzliche Informationen recherchieren kann. Das Suchfeld hier rechts oben ist gut dazu geeignet, in den bislang circa 650 Beiträgen, die ich seit 2008 verfasse, wirklich sehr viele Antworten auf die am meisten gefragten Fragen zu geben. Einfach einige Stichwörter, die interessieren eingeben, es kommt fast immer etwas dazu!

provence-lavendel in akuter gefahr


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyNach dem 1. Aromatherapie-in-der-Psychiatrie-Kongress in Basel, vor ziemlich genau zwei Jahren, fasste ich den Bericht (klick!) von Jean-Claude Richard (Farfalla) zusammen, dass in der Provence die Lavendelproduktion am kollabieren sei, dass eine Krankheit das „blaue Wunder“ bedrohe, dass Lavendelöl sich stark verteuern werde.

Kürzlich wurde die erschreckende Verschlechterung dieser (noch lokal wütenden) ökologischen Katastrophe in einem sehr guten Artikel in der Zeitung Die Welt (klick!) zusammengefasst. Die blau-lilafarbenen Felder des beliebten Lippenblütengewächses werden durch eine bakterielle Krankheit bedroht, welche durch winzig kleine Zikaden übertragen wird (Stolbur-Phytoplasma). Durch die Attacke der Mikroben bilden die Pflanzen nur kleine Blüten und verdörren. Das trockene Wetter der letzten Jahre verstärkte das Aufkommen der Krankheit, die im Jahr 2000  erstmals auftrat. Vielerorts mussten deshalb gesamte Bestände vernichtet werden. Danach kann jedoch nicht neu gepflanzt werden, vielmehr müssen 5 Jahre vergehen, bevor an eine Rekultivierung des Bodens mit Lavendel zu denken ist. Man rechnet mit einer weiteren Verschlimmerung der Situation, der Preis für echtes Lavendelöl ist bereits um 30 Prozent angestiegen, Tendenz steigend. Man kann keine Insektizide versprühen, da diese die bestäubenden Bienen töten würden, diese wiederum sorgten bislang für weiteres Einkommen in der kargen Region, sie produzierten reichlich des bekannten Lavendelhonigs.

Zwischen 2005 und 2010 sind auf diese Weise 50 Prozent der Anbauflächen verschwunden, 2005 wurden noch 85 Tonnen ätherisches Öl produziert, inzwischen sind es unter 30 Tonnen. Bulgarien rüstet indessen auf und produzierte im vergangenen Jahr 45 Tonnen Lavendelöl, die Ukraine und China erreichen inzwischen bereits 15 Tonnen pro Jahr.

Leider muss man befürchten, dass dies wieder eine Lektion in Sachen „gierige Plantagen-Landwirtschaft“ ist. Diese extrem art-ungerechte Art der Pflanzenkultivierung erfordert reichlichen Einsatz durch Chemikalien zum Wachsen und zum Abwehren von Beikräutern sowie von unerwünschten „Viechern“, sie schwächt die Pflanzen, fördert Resistenzen auf vielerlei Art, welche dann zu verstärkten Bemühungen mit Pestiziden führen können. Irgendwann „freut sich der Dritte“: Irgendein Mikroorganismus nutzt die Immunlücke bei den Gewächsen und labt sich daran. Die grenzenlose Gier, der Erde immer mehr als möglich abzupressen, fordert ihren Tribut.

Vielleicht sollten wir in milden Gegenden Mitteleuropas Kooperativen gründen und lokalen Lavendel destillieren, er wächst vielerorts so schön, ich habe auf der derzeitigen Reise ganz viel wunderschönen Lavendel gesehen, er wird meistens gar nicht geerntet. In Österreich gibt es jedenfalls bereits ein solches Projekt, das Projekt Berglavendel. Und vielleicht sollten wir uns angesichts dieser traurigen Lektion besinnen, auch unsere Nahrungsmittel nicht von billig produzierenden Plantagengiganten zu kaufen, sondern kleine regionale Lebensmittelerzeuger zu unterstützen. Denn BIO ist einfach LOGISCH, so tut es der Erde gut, so tut es uns gut, so tut es den Tieren und Insekten gut. Der Mensch kann ohne Lavendelöl leben, doch ohne Obst und Gemüse wird er nicht weit kommen.

Tausend Dank übrigens an all die lieben und wohlwollenden LeserInnen, die meinen letzten Blogeintrag zum 20-Jahre-Schuljubiläum so nett gewürdigt haben! Auch ansonsten stille Mitleserinnen haben sich ein Herz genommen und etwas geschrieben, das ist des Bloggers Ansporn, genau so noch besser weiter zu machen!

eucalyptus citriodora als natürlicher insektenschutz auch bei zecken


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyVor einigen Jahren war ich im August, also im brasilianischen Tief-Winter, auf einer riesigen Plantage in Brasilien (im Staat Sao Paulo) unterwegs. Die Sonne schien und der Duft der Zitroneneukalyptus-Bäume war schier umwerfend. Ich fand es interessant, dass der Life-Duft fast identisch mit dem in unserem Fläschchen ist, dass er also bei der Wasserdampfdestillation der rotangehauchten sichelförmigen Blätter kaum verändert wird. Auf dem Foto stehe ich mit der Inhaberin der brasilianischen Ölefirma BioEssencia unter den schlanken hohen Bäumen. Bis vor Kurzem erzählte ich immer, dass es sich bei Zitroneneukalyptusöl um eines der ganz preiswerten ätherischen Öle handelt. Das hat sich stark verändert seit wissenschaftlich bestätigt wurde, dass das zitronig duftende Öl zur Abwehr von Mücken/Stech-Insekten eingesetzt werden kann. Man hat nun auch den Stoff identifiziert, der für diese starke Wirkung verantwortlich ist, er wird inzwischen fleißigst aus dem Pflanzenmaterial des schnell nachwachsenden hitzeliebenden Baumes isoliert und für hoch wirksame Anti-Insekten-Mittel eingesetzt. Der „Zauberstoff“, der sogar gegen Malaria-Mücken in den Tropen erfolgreich getestet wurde (mindestens 5 Stunden mit 98 Prozent Sicherheit) heißt p-Menthan-3,8-diol (oder para-menthane-diol, PMD), er wird durch einen kleinen chemischen Eingriff aus dem Haupt-Inhaltsstoff der Zitroneneukalyptusblätter (Citronellal) gewonnnen und inzwischen vermehrt isoliert angeboten, um in natürliche Insektenschutzmittel eingearbeitet zu werden. In etlichen Studien konnte er sogar gegen Deet bestehen, eines der schärften (und toxischsten) Insektenschutzmittel. Und die noch bessere Nachricht: sogar Zecken finden das Zeug widerlich (zumindest für einige Stunden)! Bereits eingearbeitet wurde dieser Stoff in das in das Mückenstop-Spray von Taoasis und in das praktische Mückenstop-Tuch für unterwegs. AiDA Aromatherapy Eliane Zimmermann Einige Studien:

  • Moore SJ, Darling ST, Sihuincha M, Padilla N, Devine GJ. A low-cost repellent for malaria vectors in the Americas: results of two field trials in Guatemala and Peru. Malar J. 2007; 6: 101.
  • Nerio LS, Olivero-Verbel J, Stashenko E. Repellent activity of essential oils: a review. Bioresour Technol. 2010 Jan;101(1):372-8.
  • Carroll SP, Loye J. Repellency of essential oils extracted from plants in Thailand against four mosquito vectors. Southeast Asian J Trop Med Public Health. 2006 Sep;37(5):915-31.
  • Barnard DR, Bernier UR, Posey KH, Xue RD. Repellency of IR3535, KBR3023, para-menthane-3,8-diol, and deet to black salt marsh mosquitoes (Diptera: Culicidae) in the Everglades National Park. J Med Entomol. 2002 Nov;39(6):895-9
  • Tawatsin A, Asavadachanukorn P, Thavara U, Wongsinkongman P, Bansidhi J, Boonruad T, Chavalittumrong P, Soonthornchareonnon N, Komalamisra N, Mulla MS. Repellency of essential oils extracted from plants in Thailand against four mosquito vectors (Diptera: Culicidae) and oviposition deterrent effects against Aedes aegypti (Diptera: Culicidae). Southeast Asian J Trop Med Public Health. 2006 Sep;37(5):915-31.

Zwischenzeitlich wurde der Baum der Gattung der eukalyptusähnlichen Corymbias (Corymbia citriodora ssp. citriodora) zugeordnet, inzwischen scheint wieder sein alter Name zu gelten.

hydrolat }{ teebaum


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyMeiner Meinung nach ein eher überflüssiges Hydrolat – zumindest für die Behandlung von Erwachsenen: Zum Desinfizieren nimmt man besser die ätherischen Öle von Teebaum, Manuka und Thymian. Wer oft infizierte Kinder- oder Tierhaut behandeln muss, findet hiermit ein effektives jedoch gut verträgliches Mittel. Darum gehört es eher zu den Raritäten, die man nur bei spezialisierten Lieferanten findet (zB Farfalla).

  • Melaleuca alternifolia [Maid. et Bet.] Cheel, Teebaum/Teatree

Herstellung: Destillation der Zweige mit den zart-nadelähnlichen-hellgrünen Blättchen, laut Len & Shirley Price Destillation aus den getrockneten Zweigen

pH-Wert: 3,9-4,1, Haltbarkeit anderthalb Jahre*

Geruch/Geschmack: medizinisch, leicht bitter, minimal eukalyptisch

Inhaltsstoffe im lipophilen Anteil: fast nur Terpinen-4-ol, etwas 1,8-Cineol

Körperliche Wirkung und äußerliche Anwendung: zum Gurgeln (1:1 mit Melissenhydrolat) bei drohender Erkältung, zum puren Auftragen bei Lippenherpes, als Nasenspray bei Erkältung und Sinusitis, als Sitzbad (3 Esslöffel auf 4-5 Liter Wasser) bei Pilzbefall im Genitalbereich (auch bei Babys), Grundlage für Fuß- und Schuhsprays als Vorbeugung von Pilzbefall nach Sauna- und Schwimmbadbesuchen, auch einen Versuch wert bei Fußwarzen, zum Reinigen von desinfizierten Wunden von Haustieren

Seelische Wirkung und Einnahme: In ihrem Buch „L’Hydrolathérapie – Thérapie des eaux florales“ empfehlen Lydia Bosson und Guénolée Dietz eine 40-Tage-Kur zum Stabilisieren des Organismus bei häufigem Pilz- und Parasitenbefall: je 50 ml folgender Hydrolate: Teebaum, Ledum (Sumpfporst), Pfefferminze und Zimtrinde mischen, davon viermal täglich einen Teelöffel auf ein Glas Wasser trinken. Sie empfehlen Teebaumhydrolat bei schwachen Nerven und bei zuviel Vata (laut ayurvedischer Lehre).

7. Merksatz zu Hydrolaten: Hydrolate riechen oft ganz anders als die entsprechenden ätherischen Öle, da nur kleine Mengen des jeweiligen ätherischen Öles enthalten sind und da schwefelhaltige Anteile enthalten sein können. Deren kohlartiger Geruch verblasst jedoch meistens im Zuge der Reifung. Zudem sind die relativ hohen Gehalte an Estern, die man beispielsweise von Lavendelöl kennt, nicht enthalten, sie werden durch den Destillationsprozess oft aufgespalten. Im Falle von Rosenhydrolat riecht jenes wiederum oft ‚rosiger‘ als das ätherische Öl, da das Hydrolat den wunderbar duftenden wasserlöslichen Rosenalkohol namens Phenylethanol in größeren Mengen enthält.   * nach Suzanne Catty

Mehr zum Thema sowie 12 heraustrennbare Taschenkärtchen zu den wichtigsten Indikationen gibt es im Hydrolate-Buch von Eliane Zimmermann, hier (klick!) zu bestellen.

katzenminze – ein sonderling unter den ölen


KatzenminzeDieser Tage führte ich mal wieder eines meiner hochinteressanten Telefonate mit Prof. Wabner. Er ist derzeit sehr beschäftigt, weil sein Fachbuch nach einem unveränderten Nachdruck im Herbst in eine ergänzte und aktualisierte Auflage gehen wird, über 4000 Exemplare sind bereits verkauft worden. Das gibt doch Hoffnung, dass seriöse Aromatherapie Fuß inzwischen gefasst hat. Andererseits sah ich gestern eine deutsche Werbung im Fernsehen, wo ein Duschgel eines bekannten Konzerns als „Aromatherapie“ angepreist wird. Furchtbar! Sowas macht verständlich, warum Ärzte unsere Therapieform gerne mal ins Lächerliche ziehen. Mit Duschgel möchte ich auch nicht geheilt werden!

Dem Kapitel ‚Ätherische Öle gegen Krebs‘ widmet Dr. Wabner momentan besondere Aufmerksamkeit und wälzt zahlreiche wissenschaftliche Studien. Ein bislang eher unbekanntes ätherisches Öl ist der Duft der Katzenminze. Ihr Name Nepeta cataria weist bereits darauf hin, dass es sich nicht um eine Minze handelt, sie sind jedoch miteinander verwandt. Die Pflanze sieht man allerdings oft zur Bodenbegrünung (obwohl die eher graue Blättchen hat) von öffentlichen Grünflächen. Gartenbesitzer schätzen ihre attraktiven blau-lila Lippenblütchen. Allerdings finden sie das Gewächs oft plattgedrückt und ramponiert und wer aufmerksam ist, weiß dass die eigene oder Nachbars Katze sich immer wieder darin wälzen. Das ätherische Öl wirkt regelrecht halluzinogen auf die schnurrrenden Vierbeiner (nicht jedoch auf Zweibeiner). Dr. Wabner hat mir amüsiert erzählt, wie er mit der Erlaubnis eines Tierpflegers ein Taschentuch mit etwas von diesem Öl in einen Löwenkäfig werfen durfte und die Raubkatze in Wonnen durchgedreht ist!

An der Technischen Universität Dortmund wurde vom Team von Prof. Dr. Mathias Christmann kürzlich entdeckt, dass ein Stoff im ätherischen Öl der Katzenminze namens Nepetalacton einem vor Kurzem in der afrikanischen Pflanze Phyllanthus engleri entdeckten Stoff (Englerin A) sehr ähnlich ist. Es ist als hochwirksames Molekül identifiziert worden, welches etliche Zelllinien von Nierentumoren angreifen kann, ohne gesunden Zellen zu schaden. Wie man diese Erkenntnisse aus dem Labor in brauchbare Medikamente umsetzen kann, wird derzeit ausprobiert. Die Pressemeldung ist hier nachzulesen.

Ein zweites wichtiges Einsatzgebiet dieses krautig-herb-minimal-minzig und etwas muffig riechenden Öles sind Antimückenmischungen, es hat laut Prof. Wabner eine hervorragende Abwehr-Wirkung. Wegen der enthaltenen Lactone, die sehr empfindliche Haut reizen können,  und weil es selten und teuer ist (ich hatte es früher von Primavera, ich weiß nicht, wo man es heutzutage erhält), sollte man es nur mit geringem Anteil in seine sommerlichen Mosquito-Mischungen geben.

PS. Apopros Löwe und Krebs: Es sind noch Plätze frei für die Heilpflanzen-Tagung von Alcimia am 19. Februar 2011 in Berlin, Infos hier. Es geht um Kräuter und ätherische Öle, die gegen Krebs wirksam sind. Einer der Referenten heißt Stefan von Löwensprung von Weleda.

PPS. Dank an Denise, sie hat Katzenminze in Bioqualität bei Maienfelser entdeckt, ich hatte deren neuen Katalog selbstverständlich konsultiert und es nicht gefunden.

Aromatherapie bei Kopfläusen


Der Befall von Kopfläusen (Pediculus humanus capitis) ist zwar ungefährlich, jedoch überaus lästig. Die ganze Familie und ganze Schulen können befallen werden – vor allem in den kälteren Monaten. Die kleinen Plagegeister sind schwer auszurotten, es sei denn, man verwendet bedenkliche chemische Produkte, die meistens nervenschädigend wirken.
Das fette Öl des indischen Neem-Baumes (Niem, Foto) Azadirachta indica oder Antelaea/Melia azadirachta) bietet eine ungefährliche Alternative, da es sehr erfolgreich gegen viele Arten von Parasiten wirkt. Auch sein Verwandter aus Südamerika, der Andirobabaum und sein Öl (Carapa guianensis) hat ähnliche Eigenschaften. Diese fetten Pflanzenöle töten die Läuse zwar nicht ab, machen sie jedoch unfruchtbar, so dass die Plage sich nicht unnötig in die Länge zieht. Leider ist der Geruch dieser Öle gewöhnungsbedürftig, er erinnert etwas an geröstete Zwiebeln. Die folgende Mischung trägt dem Rechnung, dh die ätherischen Öle überdecken den für manche Menschen unangenehmen Duft.

  • Neem-Öl und/oder Andiroba-Öl mit Jojoba-Öl (50:50 oder 30:70) mischen, insgesamt 50 ml
  • 10 Tropfen Melaleuca alternifolia-Öl (Teebaum)
  • 10 Tropfen Eukalyptus smithii-Öl (Eukalyptusart, die sehr gut für Kinder verträglich ist, alternativ Eucalyptus radiata verwenden)
  • 10 Tropfen Lavandula latifolia-Öl (Speiklavendel, alternativ auch Lavandin-Öl)

Diese Mischung auf die Kopfhaut auftragen, eine Plastik-Duschhaube überziehen und so warm wie möglich für einige Minuten fönen. Danach wäscht man die Haare mit einem möglichst neutralen Schampoo, das auf 100 ml mit je 10 Tropfen der oben stehenden ätherischen Öle und 5 ml Neem-Öl angereichert wird. Das Schampoo etwas einziehen lassen. Diese Prozedur kann auch umgekehrt vorgenommen werden und man belässt das Öl für einige Stunden auf dem Kopf.
Sehr wichtig ist, die Nissen (Läuseeier) immer wieder mit einem speziellen Kamm auszukämmen und die Anwendungen mindestens acht Tage lang zweimal täglich machen, da man auch die allerletzte Nisse erwischen muss. Läuse befinden sich circa acht Tage im Nissenstadium, in dem sie besonders schwer abzutöten sind. Nissen sind nicht durchscheinend, sind sie bereits durchsichtig, bedeutet das, dass die Läuse bereits ausgeschlüpft sind. Gesunde Kopfläuse befinden sich übrigens laut der Biologin Lowana Veal nur in einem Umfeld von einem Zentimeter nahe der Kopfhaut, sie werden nur von Kopf zu Kopf übertragen und nicht durch Kämme, Bürsten, Möbel; sie leben auch nicht in Schulgebäuden oder heimischen Teppichen.
Die Wissenschaftlerin betont ferner, dass Kopfläuse nicht ein Zeichen von mangelnder Hygiene sind, sie leben vielmehr lieber auf sauberem Haar [Lowana Veal: Headlice; ein Artikel auf der Seite der nordamerikanischen Vereinigung von Aromatherapeuten NAHA und Veal L. The potential effectiveness of essential oils as a treatment for headlice, Pediculus humanus capitis. Complementary Therapies in Nursing and Midwifery (1996) Vol 2-4;97-101].
Sie hat verschiedene ätherische Öle gegen Kopfläuse mit wissenschaftlichen Methoden untersucht, die meisten Öle, die sehr effektiv waren, sind zu gefährlich für den Gebrauch bei Kindern, z. B. „Roter“ Thymian (84% Läuse, 92% Nissen abgetötet), Oregano (100%) und Zimtblätter (86%). Diese wurden in Haarspülungen eingearbeitet, die einige Zeit auf der Kopfhaut belassen werden. Teebaum- und Anisöl haben jedoch ähnliche Anti-Läuse-Werte.
Veal zog nach ihren Studien eine Verdünnung in 40-prozentigem Alkohol (z.B. Wodka) vor, sie schlägt 10 Tropfen ätherisches Öl auf 50 ml Wodka vor. Eine Haarspülung könnte aus 50 ml gutem Weinessig und 50 ml (Rosen-)Wasser bestehen, dazu insgesamt 20 Tropfen des oder der gewählten ätherischen Öle. Myrte und Rosengeranie könnten laut einigen AutorInnen auch in die engere Auswahl treten.
Wer englisch kann, sollte ab und zu das Blog der NAHA lesen.