über uns, die welt, artenschutz und gewinnmaximierung


Die Verwendung von ätherischen Ölen wird oft in eine recht egoistische Richtung gelehrt: Was tut dir weh? Dagegen nimmst du dieses Öl. Punkt. Erfahrene Menschen wissen, dass in den meisten Fällen von Unwohlbefinden Verdünnungen zwischen 1 und 3 Prozent wirksam sind. Nun werden Rezepturen, die ein Vielfaches an kostbaren ätherischen Ölen enthalten, empfohlen. Viel hilft viel? Das stimmt das beim Umgang mit ätherischen Ölen nur selten.

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Rosenholz-Baum: Der Amazonas Baumriese, der vorm Aussterben bedroht ist [Foto: ©Sigrun Scherneck]

Umsatzsteigerung und Gleichgültigkeit gegenüber der Natur und den öleliefernden Pflanzen stehen inzwischen immer mehr im Vordergrund. Es sollte sich von selbst verstehen, dass bei Wildsammlung von Duft- und Heilpflanzen nur soweit geerntet werden sollte, dass ihr Bestand nicht gefährdet wird. Für Standards und Vorsichtsmaßnahmen in diesem Bereich setzen sich unter anderem die Organisationen Fairwild und Fair Trade ein (dazu ist ein bebilderter Artikel über die unterschiedlichsten Siegel hier nachzulesen).

Mittlerweile gelten etliche öleliefernde Baumarten aus Wildbeständen laut CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) als stark gefährdet bzw. dezimiert, wie beispielsweise Santalum album (Ostindisches Sandelholz), Amyris balsamifera (Westindisches Sandelholz), alle Aniba-Arten in Südamerika (Rosenholz) sowie Cedrus atlantica in Nordafrika (Atlaszeder). Aquilaria malaccensis (Oud, Adlerholz) in Laos, Vietnam und Kambodscha wird vermutlich noch zu unserer Lebenszeit ausgerottet sein. Nardostachys jatamansi (Nardenwurzel) wurde aufgrund der extremen Verknappung und Bestandsgefährdung von Farfalla aus dem Programm genommen (schade, so ein wichtiges Schlaf- und Beruhigungsöl).

Europäische Öleanbieter, die sich der Erhaltung unserer so ausgebeuteten und zerbrechlichen schönen Welt verpflichtet fühlen, beachten diese Prinzipien der Nachhaltigkeit und treiben ihre Umsatzsteigerung nicht „auf Teufel komm raus“. Immer wieder passiert es, dass Öle aus gefährdeten Pflanzen ausgelistet werden. Auch betreuen sie oft Plantagen, in denen Versuche des Anbaus von stark gefährdeten Pflanzen unternommen werden. So wurde beispielsweise bereits untersucht, ob man ein hochwertiges Rosenholzöl aus den Zweigen und Blättern gewinnen kann, diese Art der Gewinnung zerstört den Baum nicht. Doch soweit mir bekannt ist, wird das daraus destillierte Öl lange nicht so „voll“ und „blumig“ wie das Öl aus dem Holz (für dieses muss der ausgewachsene Amazonas-Baum gefällt werden). Auch wird fleißig daran gearbeitet, diverse Baumarten zu infizieren, so dass sich im Schnelltempo der wundervolle Oud-Duft gewinnen lässt.

Vor genau einer Woche, am 18. September 2017, wurde die Pressemeldung 17-1023 des us-amerikanischen Justizministeriums veröffentlicht. Sie beschreibt in Kürze die Hintergründe des illegalen Handels mit Rosenholz im Marktwert zwischen 3,5 und 9 Millionen Dollar, entsprechend etwa 1 900 Litern Rosenholzöles, durch einen großen us-amerikanischen Ätherisch-Öl-Anbieter. Auch der illegale Handel mit Nardenwurzel ist Bestandteil dieser Anklage. Dieser weltweit agierende Anbieter wurde verurteilt, insgesamt 760 000 US-Dollar an Strafen und kommunaler Arbeit zu entrichten, in diesem Betrag ist auch die Beschlagnahme von Gütern enthalten. Zudem muss diese Firma einen Plan abliefern, durch den garantiert wird, dass bestimmte Auflagen eingehalten werden; das alles auf fünf Jahre Bewährung.

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Pressemeldung des US Justizministeriums vom 18. September 2017

„Der Import von illegal geerntetem Holz und Holzprodukten schadet gesetzestreuen Amerikanischen Unternehmen und Arbeitern, zudem bedroht er weltweite Wald-Ressourcen“ verlautet es aus dem Justizministerium bzw von der Generalstaatsanwaltschaft um Jeffrey H. Wood (Abteilung Umwelt und natürliche Ressourcen). Während die Vergehen gegen den Schutz von natürlichen Ressourcen durch gewisse Mitarbeiter des angeklagten Öleanbieters absichtlich und substantiell erfolgten, wird in der Pressemeldung hervorgehoben, dass diese Firma kooperativ eine interne Untersuchung und auch freiwillig die Offenlegung der Verstöße ankündigte.

„Dieses Strafmaß spiegelt die Schwere der Vergehen und das Akzeptieren der Verantwortung durch die Firma“ erläuterte der Staatsanwalt vom Distrikt Utah John W. Huber for the District of Utah.

Von Juni 2010 bis Oktober 2014 ernteten, transportierten und destillierten etliche Angestellte dieses Anbieters Rosenholz (Aniba roseaodora) in Peru und importierten Teile des gewonnenen Öles über Ecuador in die USA. Die Peruanische Gesetzgebung verbietet die nicht genehmigte Ernte und den Transport von Holz, einschließlich Rosenholz. Peru verbietet zudem den Export von Arten, die nach CITES geschützt sind (Convention on International Trade in Endangered Species), wenn die erforderlichen Genehmigungen nicht vorliegen. Weder der angeklagte Öleanbieter noch seine Lieferanten, Angestellten oder Mittelspersonen waren in Besitz einer gültigen Genehmigung der Peruanischen Regierung. Die Firma erhielt also keine CITES-Export-Papiere von Peru. Es wurden circa 86 Tonnen illegales Rosenholz gefällt und geerntet, es sollte destilliert werden und in die USA exportiert werden, ein Teil davon war bereits ins Land gebracht worden.

Die Öle-Firma konnte nicht nachweisen, dass sie ein Programm zur Einhaltung von formellen Prozeduren vorliegen hatte, auch Training and anderweitige Fachkenntnisse zur Vermeidung von möglichen Vergehen gab es nicht. Am 20. Juli 2015, als die internen Untersuchungen vollständig waren, legte die Firma der Regierung unterschiedliche Fakten, welche die illegalen Übertretungen aufzeigte, offen.

Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde auch offenkundig, dass Nardenöl (Nardostachys jatamansi) von Nepal nach Großbritannien exportiert wurde, auch ohne CITES-Genehigung. Das Nardenöl war zunächst durch eine Firma importiert, die eine CITES-Genehigung hatte. Beim US-Anbieter wurde das Öl jedoch als nicht zufriedenstellend eingestuft, und zurück nach Großbritannien geschickt. Nachträglich, am 23. März 2016 wurde von einem Mitarbeiter des US-Anbieters ein Cites-Genehmigungsantrag gestellt.

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zwei grundlagenkurse am bodensee


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

In den Seminarpausen einen Spaziergang am Bodensee genießen…

Alles neu macht der Mai! Wer einen kurzweiligen und kurz entschlossenen Einstieg in die Aromatherapie in wirklich wunderschöner Umgebung erleben möchte, dazu vielleicht auch einen Ausflug  zur momentan traumhaften Insel Mainau machen möchte (dort können zahlreiche exotische Ätherisch-Pflanzen besichtigt werden, auch schönste große Zitrusbäume), ist bei Doris Ilg richtig: am 6. und 7. Mai 2017 bietet sie das Seminar „Grundlagen der Aromatherapie an. Für Teil 1 der Aromamassage (18. und 19. Mai) ist allerdings nur noch ein Platz zu vergeben.

Die unabhängigen Kurse (ohne Druck, bestimmte ätherische Öle mögen oder gar kaufen zu müssen!!) finden in wunderschöner Umgebung im Seemuseum in Kreuzlingen statt, direkt am Bodensee und in einem weitläufigen Park mit Kräutergarten, ich hatte dort auch kürzlich unterrichtet.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

… und im Kräutergarten Aromatherapie- und Homöopathiepflanzen bewundern.

Dieses Seminar richtet sich an alle Interessierten der Naturheilkunde mit dem Schwerpunkt ätherische Öle und fette Öle. Sie haben nach diesem 2 Tagesseminar Ideen, die Sie in Ihren beruflichen und privaten Alltag  umsetzen können und eine Grundlage für die Entscheidung, ob Sie an der Ausbildung zum „Aromaexperte AiS – ärztlich geprüft“ teilnehmen möchten.

Einführung in die Aromatherapie

  • Geschichte der Aromatherapie
  • Stellenwert der Aromatherapie in der Naturheilkunde und in der Krankenpflege
  • Möglichkeiten und Grenzen der Aromatherapie im Vergleich zur konventionellen Medizin
  • Definition der ätherischen Öle und ihre Gewinnungsverfahren
  • Qualitätsbestimmungen, Chemotypen
  • Einführung in die Chemie der ätherischen Öle
  • Monographien der wichtigsten ätherische Öle im Klinikalltag Teil 1
  • Die fetten Öle und ihre allgemeine Anwendung und Wirkungsweisen Teil1
  • Praktischer Übungsteil (Handmassage)
  • Physiologie des Riechens
  • Anatomische Grundlagen der drei großen Riechsysteme

Mehr Infos: Aromainstitut am See (klick!)

der jubiläumskongress der ÖGwA


ÖGwA_Kongress_2017_TaschenDie Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie feierte im vergangenen Monat in Wien ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Kongress. Am Samstag, den 4. März, trafen sich im Europahaus zahlreiche Koryphäen der wissenschaftlich orientierten Arbeit mit ätherischen Ölen.

Da ich nicht anwesend sein konnte, bat ich meine liebe Kollegin Christine Steiner, die in Wien zu Hause ist und dadurch einen Heimvorteil hatte, für uns die spannendsten und neuesten Erkenntnisse zu notieren:

Univ. Prof. Dr. Johannes Saukel sprach über pharmakognostische Grundlagen der Verwendung von Aromen natürlichen Ursprungs in der Aromatherapie. Er beleuchtete die Vielfalt der Aromastoffe aus dem Pflanzenreich und bot einen Einblick in die chemischen Stoffklassen, denen die unterschiedlichen Aromen zugeordnet werden.

Evelyn Deutsch-Grasl sprach über ‚Aromapflege am Puls der Zeit‘ und rief im Sinne einer zukunftsorientierten, ganzheitlichen Betrachtung mit ihrem Vortrag zur natürlichen Hautpflege auf. Sie spannte den Bogen von den grundlegenden Aufgaben der Haut bis zur gesunden Erhaltung und Stärkung dieser unserer Schutzhülle mit vielfältigen Funktionen. Besonders kam in ihrem Beitrag die Wichtigkeit der professionellen Berührung im Rahmen der Pflege zum Ausdruck.

Dabei erläuterte sie, welche entscheidende Rolle hierbei qualitativ hochwertige fette Öle spielen, da diese die regulationsphysiologischen Prozesse unterstützen. Sie arbeitete die enorme Wichtigkeit heraus, bei bettlägerigen Menschen die Pflege mit natürlichen Produkten verstärkt in den Fokus des pflegerischen Handelns zu rücken. Denn deren Haut ist oft durch verabreichte Medikamente bzw. durch verschiedene Erkrankungen in höchstem Maße strapaziert.

Sie nannte das erfolgreiche Beispiel, zur prophylaktischen Mundpflege vor einer Chemotherapie verdünntes Sanddornöl in die pflegerische Maßnahme einzubauen. Denn seit vielen Jahren gibt es inzwischen die Erfahrung, dass auf diese Weise Mukositis der Mundschleimhaut wesentlich verringert werden kann, so dass die oft geschwächten PatientInnen weiterhin ohne starke Schmerzen Nahrung zu sich nehmen können. Ebenso erläuterte sie, dass Kanuka und Manuka bei Strahlentherapie-induzierter Mukositis deren Beginn verzögert, auch kommt es laut der entsprechenden Studie zu weniger Schmerzen und weniger Gewichtsverlust in Folge.

Aber nicht nur bei bettlägerigen Menschen ist die natürliche Hautpflege von immenser Bedeutung, so gibt es auch Erkenntnisse, dass Babymassage mit Kokosfett bei Frühchen die Hautintegrität fördert und es somit zu weniger nosokomialen Infektionen („Krankenhausinfektion“) kommt. Auch zur atopischen Dermatitis gibt es eine Studie, derzufolge Kokosöl und Olivenöl antibakteriell und weichmachend wirkten und die Haut somit weniger durch Trockenheit und die daraus resultierenden Probleme strapaziert ist.

ÖGwA_Kongress_2017_Buchbauer

Gerhard Buchbauer und Evelyn Deutsch

Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Gerhard Buchbauer sprach über die vielfältigen Wirkungen einiger Inhaltsstoffe ätherischer Öle. Aus einer Ätherische-Öl-Pflanze wird seltener das ätherische Öl gewonnen, sondern es werden pharmazeutisch hoch aktive Extrakte hergestellt, also Phytotherapeutika. Dieser Johanniskrautextrakt kann stark in den Metabolismus des Menschen eingreifen und ungünstige Wechselwirkungen hervorrufen. Er kann beispielsweise die Wirksamkeit der Antibaby-Pille reduzieren (wobei dieses Thema nicht abschließend geklärt ist), sowie von Antikoagulantien und auch von Medikamenten, die zur lebenswichtigen Verhinderung von Abstoßreaktionen bei Spenderorganen gegeben werden. In diesem Fall kann es bedrohlich sein, wenn dies unkontrolliert passiert.

Der Haupt-Inhaltsstoff Anethol im Anisöl interagiert mit Codein derart, dass die schmerzreduzierende Wirkung dadurch gesteigert wird. Bitterorangenöl hemmt beispielsweise das P-Glycoprotein bei Verabreichung von Dextromorphan in Hustenstillern. Hier wurde eine vierfache Verzögerung des Abbaus und somit ein vierfacher Anstieg der Bioverfügbarkeit und somit Wirksamkeit des Arzneistoffes festgestellt.

Weiters führte Dr. Buchbauer aus, dass +(-)Limonen die Gluthation-S-Transferase fördert und somit die Apoptose einleiten kann (der natürliche programmierte Zelltod einer jeden Zelle unseres Körpers) – was sehr vielversprechend in der onkologischen Therapie ist.

Er berichtete von der Chamomilla recutita, welche das Enzym Cytochrom P450 (wichtig zum Um-und Abbau bestimmter Medikamente) hemmt und schilderte einen Fall, wo eine Dame, welche Blutverdünnungsmittel nehmen musste und plötzlich innere Blutungen bekam. Es stellte sich heraus, dass die Dame täglich gerne mehrere Tassen Kamillentee genoss und Hautpflegeprodukte mit Kamille liebte. Die Wirkstoffe der Kamille hemmten die Enzyme, die das Medikament abbauen sollen und so kam es zu einer extremen Anreicherung mit den Nebenwirkungen.

Die Wirkung von Midazolam, ein Mittel zur Narkosevorbereitung und Sedierung wird durch gleichzeitige Verabreichung von Pfefferminze gefördert und verlängert.

Bei einer Antibiotikabehandlung sehen naturgemäß die Bakterien dieses als Fremdstoff und bilden Beta-Lactamasen, welche die Wirkung der Antibiotika verhindern. Ätherische Öle hemmen die Produktion der Beta-Lactamasen und unterstützen somit die Wirkung von Antibiotika. Als Beispiel nannte er Cefazolin, welche unter gleichzeitiger Anwendung von Lavendelöl eine verstärkte Wirkung gegen MRSA aufweist. Rosmarin bildet mit Ciprofloxacin zusammen eine erfolgreiche Synergie gegen Klebsiella pneumoniae (Lunge, Urogenitaltrakt). Bei Candida albicans erwies sich die Kombination aus Nystatin und den ätherischen Ölen von Oregano, Teebaum und Rosengeranie als hochwirksam.

Bakterien kommunizieren chemisch  über Pheromone (Quorum sensing) und bilden so einen Biofilm, eine dünne Schicht auf anorganischen (beispielsweise Intubierungsschläuche) und organischen Oberflächen (Haut, Schleimhaut). Dieser Film bildet die Lebensgrundlage der Bakterien und erhöht deren Ausbreitung und Schwarmbeweglichkeit, somit sind Behandlungen erschwert. Ätherische Öle agieren als natürliche Quorum Sensing-Inhibitoren (z.B. Linalool, Terpen-4-ol, Geranial, Neral, Farnesol), sie stören die „Manöver-Absprachen“ der Krankheitskeime erheblich.

ÖGwA_Kongress_2017_Buchmayr

Bärbl Buchmayr im Open Space

Prof. Mag. pharm. Dr. Walter Jäger ging in seinem überaus lebendigen und kurzweiligen Vortrag auf den Einfluss der Wirksamkeit von Resorption, Verteilung, Metabolismus und Ausscheidung bei Terpenen ein. Er zeigte eine Aufstellung, mit welcher Geschwindigkeit Hydrocortison an verschiedenen Körperstellen über die Haut resorbiert wird:

  • Unterarm 1
  • Fußsohle 0,14
  • Rücken 1,7
  • Achselhöhle 3,6
  • Kopfhaut 3,5
  • Stirn 6
  • Hinterohrregion 13

Er merkte an, dass damit bestätigt sei, warum viele Frauen sich Parfum hinters Ohr geben – weil es schneller „reingeht“.

Ebenso erläuterte er, dass die Verteilung eines Stoffes im Körper sehr unterschiedlich ist – manche Regionen weisen eine 200 mal höhere Konzentration auf, als andere Körperstellen. Auch die Ausscheidung von Stoffen ist sehr unterschiedlich und somit deren Wirk-Zeitfenster – er brachte das Beispiel von Aspirin bei Kopfschmerzen  – die Wirkdauer beträgt hier nur etwa 2 Stunden.

Auch Dr. Jäger ging kurz auf die antitumorale Wirkung des Inhaltsstoffes d-Limonen ein – dieser ist in vielen ätherisches Öle enthalten, insbesondere in Zitrusschalenölen – und erläuterte eine Studie, die belegte, dass 12 Kapseln zu je 8g Tumorzellen bekämpften. Er berichtete zudem, dass Oreganoöl als ein natürliches „Antibiotikum“ bei Harnwegsinfekten interessanterweise keinen Nachweis von Thymol oder Carvacrol im Harn zeigt. Ausserdem sei generell zu sehen, dass der Spiegel von Stoffen im Harn bei Menschen mit hohem Body Mass Index geringer ist, als bei Menschen mit weniger Fettanteil, weil offenbar die Stoffe im Fettgewebe gespeichert werden und somit der Übergang in Blut und Harn geringer ist.

Univ.-Prof. PD Mag. pharm. Dr. rer. nat. Dr. phil Sabine Krist sprach über flüchtige Verbindungen in kaltgepressten pflanzlichen Fetten und Ölen – eine Tatsache die weniger bekannt ist. So finden sich z.B. Hexanal, 2-Pentylfuran, Terpene (alpha-Pinen, Limonen und viele weitere), kurzkettige Alkane und Monocarbonsäuren in kaltgepressten Fetten und Ölen. Neben der Tatsache, dass diese zum charakteristischen Aroma und Geruch der pflanzlichen Fette und Öle beitragen, können diese unter Zuhilfenahme modernster analytischer Techniken zur Entdeckung von Verfälschungen beitragen. So brachte sie das Beispiel, dass Mohnöl sehr oft mit Sonnenblumenöl verschnitten ist. Aufgrund der ähnlichen Fettsäureverbindungen ist selbst für hochgeschultes Personal dieser Schwindel erst ab ca. 40% Sonnenblumenölzugabe erkennbar!

ÖGwA_Kongress_2017_Steflitsch

Wolfgang Steflitsch

Mag. Dr. rer. nat. Elisabeth Oberzaucher referierte über das spannende Thema „Der Mensch ist doch ein Nasentier – geruchliche Kommunikation beim Menschen“. Pheromone, wichtige Geruchsbotenstoffe sind wichtige nonverbale Kommunikationsmittel zwischen uns Menschen. Hier ist zu unterscheiden, zwischen Stoffen, wir unsere Körper selbst produziert und jene Geruchsstoffe, die als Stoffwechselprodukte von Hautparasiten entstehen. Erst durch enzymatische Aktivität von Bakterien entstehen die männlichen Pheromone Androstenon und Androstenol. Allerdings können sich nicht alle Bakterien gleichermassen ansiedeln, dies hängt von Immunsystem jedes Einzelnen ab, was verdeutlicht, dass Parasiten, die vom Immunsystem erkannt werden, infolgedessen erfolgreich bekämpft werden können und somit im Spektrum dieses Menschen keine Chance haben und daher im „Bukett“ fehlen. Dies wiederum erklärt, dass das Körpergeruch eines Menschen sehr stark an das Immunsystem gekoppelt ist.

Weibliche Pheromone kommen z.B. im Schweiß und im Vaginalsekret vor. Zur Zeit des Eisprunges werden auch weniger attraktive Frauen durch die im Sekret enthaltenen Copuline von Männern als äußerst attraktiv empfunden. Androstenon verleiht Aggressivität und Männlichkeit, soll andere Männern einschüchtern und auf Frauen stark und verlocken wirken. Frau Dr. Oberzaucher sprach die zwielichtigen Pheromonparfums an, die unter Umständen sich gegen den Verwender selbst richten können. Denn der „beduftete“ Anwender setzt sich selbst der größten „Einschüchterungsdosis“ aus, hat somit selbst den höchsten Androstenonspiegel hat und ist dann im „Erfolgsfall“ nicht mehr wirklich „handlungsfähig“ 😉  Bei Frauen steigert Androstenon die Fruchtbarkeit und reguliert den Zyklus. Aber nicht nur Frauen, auch homosexuelle Männer werden von Andostrenon angezogen. Auch ein Geschäftszweig soll sich der einschüchternden, dominanten Wirkung von Androstenon bedienen: So erzählte Frau Dr. Oberzaucher, dass Inkassobüros ihre Forderungsschreiben an Kunden mit Androstenon besprühen. Derart präparierte Rechnungen werden angeblich eher bezahlt! Mittlerweile wenden dies angeblich auch schon andere Firmen bei der Ausstellung von Rechnungen an.

Damit dies alles überhaupt funktioneren kann, wirken Pheromone bereits unterhalb der bewußten Wahrnehmungsschwelle. Vermutlich würde man sonst aufgrund des zuweilen ekelhaften Geruches dieser Stoffe in höheren Konzentrationen diese auch gar nicht aushalten können.

Auch erklärte Frau Dr. Oberzaucher die bekannte Tatsache, dass Menschen vordringlich sich Partner mit einem unähnlichen Körpergeruch unbewusst suchen, um den Nachfahren ein breiteres Genspektrum zu bieten. Dieses stattet den Menschen mit einem möglichst variablen Immunsystem aus, welches die Fähigkeit, auf parasitäre Störungen zu reagieren, verbessert. Aber dem gegenüber steht dann doch wieder die Tatsache, dass gleich und gleich sich gern gesellt, weil ein gewisses Maß an Ähnlichkeit von Gerüchen als attraktiv empfunden wird. Bei der Ähnlichkeit wird z.B. die Ebene der Alltagstauglichkeit einer Partnerschaft angesprochen, ein harmonisches Miteinander. So kann umrissen werden, dass sich die Partnerwahl im Spannungsfeld zwischen „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“ abspielt. Diese einander entgegenwirkende Kräfte haben im Laufe der Evolution eine Präferenz für ähnliche, aber nicht zu ähnliche Körpergerüche entwickelt, sodass optimalerweise ein genetisch komplementär zum eigenen ausgestattetes Immunsystem das Ziel ist.

ÖGwA_Kongress_2017_Dorfinger

Gerda Dorfinger

Der Kongress bot am Nachmittag den Teilnehmern dann auch noch die Möglichkeit im Rahmen eines OPEN SPACE sich verschiedene Stationen anzuschauen. Es wurden folgende Möglichkeiten geboten:

Ätherische Öle und Mikrobiologie – Frau Dr. Gerda Dorfinger brachte den Teilnehmern das Aromatogramm näher. Die TeilnehmerInnen konnten gezüchtete Kulturen unter dem Mikroskop betrachten und unterschiedliche Erreger sehen.

Frau Mag. pharm. Dr. Barbara Nasel ging auf das Thema „Düfte für Kinder“ ein.

Über „Psychodynamische Wirkmechanismen ätherischer Öle“ konnten man bei Frau Mag. pharm. Dr. rer. nat. Iris Stappen etwas erfahren.

Herr Dr. med. Wolfgang Steflitsch zeigte live Reflexzonentherapie am Fuß.

Bärbl Buchmayr zeigte sehr praxisnah, wie man eine „Duftende Ölkompresse“ bereitet und anlegt.

Wer mehr über die wichtige Arbeit der ÖGwA erfahren möchte, kann sich auf deren Website (klick!) informieren. In Zeiten, in denen jeden Tag mehr wissenschaftliche Erkenntnisse rund um ätherische Öle verdreht oder gar negiert werden (beispielsweise die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe), in denen völlig unkritische Menschen mit erfundenen „Fakten“ und unsachgemäß durchzuführenden Anwendungen angeworben werden, um den schnellen Euro zu machen, können von den Wissenschaftlern dieses Verbandes seriöse Antworten erhalten werden.

Danke für diesen kurzweiligen Bericht, liebe Christine! Wer in Wien eine verantwortungsvolle Beratung rund um ätherische Öle sucht, ist bei der „ewig“ erfahrenen Autorin dieses Berichtes, Christine Steiner, bestens aufgehoben, ein Blick auf Ihre Website (klick!) verrät mehr.              Alle Fotos: ÖGwA

Edit: In der ursprünglichen Version dieses Artikels bezogen sich die Wechselwirkungen des Johanniskraut auf das ätherische Öl. Das ist nicht korrekt. Die Wechselwirkungen entstehen bei hochkonzentrierten Extrakten aus Hypericum, also bei der Einnahme von Phytopharmaka mit hoch dosierten Johanniskrautauszügen. Diese unerwünschten Wirkungen entstehen NICHT bei der äußerlichen Anwendung von Johanniskrautölmazerat (Rotöl). Vielen Dank Dr. Häringer und Dr. Buchbauer für die Korrektur.

die französische „schule“ der aromatherapie & viele missverständnisse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

René Liardet in Sault

In den letzten Jahren hören wir immer wieder von der „französischen Schule der Aromatherapie“: Es wird gerne behauptet, sie lehre die einzig richtige Anwendung von ätherischen Ölen. In jüngster Vergangenheit werden auch hämische Rufe laut – vor allem auf Facebook (sowohl im deutschsprachigen Bereich als auch in den USA), dass die „etwas dümmlichen“ VertreterInnen der „deutsch-englischen Schule der Aromatherapie“ ja überhaupt keine Ahnung vom wahren Umgang mit ätherischen Ölen hätten.

Ich möchte etwas Aufklärung in diesen verwirrenden Bereich bringen, denn seit Anfang der neunziger Jahre bin ich mit beiden Richtungen gut vertraut. Zwar erhielt ich mein Diplom in Aromatherapie im Mai 1990 vom College von Shirley Price (SPICA) – also von einer „englischen Schule“, doch weitere Kurse brachten mich mit dem französischen Umgang mit ätherischen Ölen in Kontakt. Spannende Informationen von Martin Henglein, der nicht nur einen englischen, sondern auch ein französischen aromatischen Hintergrund hat und viele Gespräche mit Inge Andres, die damals (ab 1985) die kleine aber sehr feine Firma La Balance in Leutkirch hatte, machten mich auf den Ursprung der medizinischen Disziplin Aromatherapie neugierig. Inge lernte ihre „aromatische Kunst“ in Frankreich, gab Kurse im Allgäu und organisierte wundervolle Duftreisen in die Provence. Ihr wundervolles Buch Die ganzheitliche Duftberatung (klick!) gibt es schon lange nur noch antiquarisch (auch die zweite Auflage war damals bald vergriffen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Laien lernen, Thymian mit der Sichel zu schneiden, für Destillateurin Marie-Claire in der Drome

In der Provence, besser im Département Alpes-de-Haute-Provence, durfte ich in frühen Jahren meines „Handwerks“ an Erntetagen und Destillationen teilnehmen. Gespräche mit Bauern über ihre harte Arbeit, lehrten mich hohen Respekt vor ihnen, den eigentlichen ProduzentInnen im Feld und an der Destille. Ich erinnere mich noch sehr gut an das enttäuschte Gesicht von uns bienenzerstochenen Erntehelfern, dass nach einem ganzen heißen Nachmittag des mühsamen Schneidens von Bio-Thymian, nur circa ein halber Liter ätherisches Öl gewonnen worden war. Wer mein Fachbuch hat, kennt einen dieser Bauern, Monsieur René aus Sault und unser geerntetes Thymiankraut von Seite 24, oben seht ihr die Farbversion, die auch in die 6. Neuauflage meines Fachbuches wandern wird. [Monsieur Renés Sohn Guillaume von hat inzwischen die Firma Aroma’plantes (klick!) ausgebaut, man kann dort wundervolle Bio-Produkte online bestellen – also direkt vom Erzeuger und somit einen kleinen Familienbetrieb, der seit 1978 im biologischen Anbau tätig ist, unterstützen].

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im September 1995 auf dem 3. Schweizer Aromatreffen „Aspekte der Französischen Aromatherapie“ in Zürich, organisiert von Martin Henglein und Veroma

Irgendwann in dieser Zeit, Mitte der neunziger Jahre, leistete ich mir das entsetzlich teure Buch von Pierre Franchomme, Dr. Daniel Pénoël und Roger Jollois L’Aromathérapie exactement (klick! ich staunte nicht schlecht, dass so ein Paperback damals weit über 100 DM gekostet hatte!!!). Dieses Werk war die „Bibel“ aller Menschen, die sich jenseits der eher kosmetisch und vor allem der esoterisch orientierten Aromatherapie informieren wollten – sogar für KollegInnen, die kaum französisch lesen konnten! (Ich machte damals meine Heilpraktiker-Ausbildung und war ganz heiß auf medizinische Fakten rund um die Naturdüfte).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im August 2006

Dieses Fachbuch ist ein eher trocken und dennoch abwechslungsreich zusammengestelltes Werk vor allem über pharmakologische Wirkungen von ätherischen Ölen, mit „leckeren“ Fotos von kranken Menschen, Röntgenbildern, mit spannenden Tabellen, Grafiken, Fallbeispielen und einem riesigen wissenschaftlichen Quellenverzeichnis. Erstmals lernten wird daraus Details über Chemotypen, Gaschromatogramme wurden erläutert, reichlich chemische Formeln der wichtigen Inhaltsstoffe konnten studiert werden, und auch die fantastischen Wirkungen vieler Öle gegen Mikroorganismen wurden ausführlich vorgestellt. Also alles sehr pharmazeutisch-medizinisch orientiert, sowas gab es damals in keinem deutschsprachigen Buch in dieser Ausführlichkeit.

Erstmals waren die wichtigsten Inhaltsstoffe von circa 270 ätherischen Ölen auf fast 100 Seiten aufgelistet, dazu kompakt und übersichtlich die wichtigsten Eigenschaften, Indikationen und ggfs. auch Kontraindikationen. Eine Fundgrube, in der ich viel geschmökert habe und die ich auch heute noch öfters zu Rate ziehe! Als ich 1994 anfing, an meinem eigenen Fachbuch zu arbeiten, waren diese Informationen mein großes Vorbild, ich erhielt von einigen deutschsprachigen Öleanbietern ordnerweise Gaschromatogramme mit den Analysen der bekanntesten ätherischen Öle und trug möglichst viele Erkenntnisse aus französischen und englischsprachigen Quellen zu meinen eigenen Erfahrungen mit ätherischen Ölen zusammen. Es versteht sich von selbst, dass Dr. Pénoël ein Exemplar bekam!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Jean Valnet

Die Art der Anwendungen dieses französischen Arztes und seiner Wissenschaftler-Co-Autoren, und auch vom Arzt Jean Valnet (1920-1995), der mit seinem ins Deutsche übersetzte Buch Aromatherapie recht bekannt wurde, begründeten die neuere „Schule der französischen Aromatherapie“. Es handelt sich nicht um eine Schule im Sinne des Wortes, sondern dieser Begriff wird zur Abgrenzung von den englischsprachigen Empfehlungen verwendet. Ätherische Öle wurden und werden gemäß den allermeisten seriösen englischsprachigen Schulen und Büchern nur äußerlich angewendet und in niedrigen Dosierungen um maximal 3% eingesetzt. Die guten Ausbildungen umfassen circa 300 Stunden (und mehr!), will man Mitglied eines ernst zu nehmenden Berufsverbandes werden, beispielsweise bei der IFA oder der ISPA. Man erneuert seine Mitgliedschaft durch jährliche Fortbildungspunkte, die nachgewiesen werden müssen. Als Mitglied bekommt man Anspruch auf eine gute Haftpflichtversicherung und kann sich bewerben als Leistungsanbieter im britischen Gesundheitssystem NHS, so dass PatientInnen kostenlose Behandlungen buchen können. Die englischsprachige Richtung wurde von der Österreicherin Margerite Maury (1885-1968) gestartet, sie war Krankenschwester und Ehefrau eines homöopathisch arbeitenden Arztes. Die deutsche Übersetzung ihres Buches Die Geheimnisse der Aromatherapie gibt es nur noch antiquarisch. Nachzulesen sind diese Entwicklungen anhand von konkreten Pionieren auch auf meiner Website (klick!).

Ärzte und Pharmakologen in Frankreich und Belgien dagegen werden viel ausführlicher in den Themenbereichen des Franchomme-Pénoël-Buches und ähnlicher Bücher geschult, das Curriculum ist wissenschaftlich orientiert und sehr anspruchsvoll. Medizinische Anwendungen bilden den Mittelpunkt. So ist es kein Wunder, dass ätherische Öle bei klar diagnostizierten Beschwerden und sogar Krankheiten eingesetzt werden, teilweise mit bei uns als „toxisch“ deklarierten Ölen und oft auch in recht hohen Dosierungen. In manchen Fällen werden auch kaum oder unverdünnte Öle eingesetzt. Dahingegen dürfen in Frankreich etliche ätherische Öle, die man im deutschsprachigen Raum bei jedem Anbieter findet, nur auf Rezept verkauft werden, oder verdünnt, dazu gehören Salbei (Salvia officinalis) und Ysop (Hyssopus officinalis).

Einige Vertreter der „französischsprachigen Schule“ der Aromatherapie (Aromathérapie médicale):

  • Pierre Franchomme, Pharmazeut, Frankreich Kurse Videos
  • Dr. Daniel Pénoël, Arzt, Frankreich Schule
  • Dr. Dominique Baudoux,Pharmazeut, Belgien Schule Firma
  • Dr. Jean-Michel Beghin, Arzt, Frankreich und Belgien Schule
  • Philippe Mailhebiau, Frankreich, Infos
  • Dr. Kurt Schnaubelt, Chemiker, San Rafael/USA, Schule Blog Firma

Gattefossé_Buchseite_xsPassend zur französischen Richtung der Aromatherapie wiederhole ich an dieser Stelle nochmals die oft falsch zitierte Story vom Chemiker, Parfümeur und Destillateur René Maurice Gattefossé, der seine Hand bei einem Chemieunfall verbrannte. Er soll sie in einem Pott Lavendelöl „gelöscht“ und gekühlt haben, woraufhin sein Schmerzen verschwunden sein sollen und die Heilung einsetzte. Mit diesem „Wunder“ habe er die Aromatherapie „wiederentdeckt“. Wer lesen kann ist immer eindeutig im Vorteil 😉 und so finden wir auf Seite seines ins Deutsche übersetzten Buches Gattefossés Aromatherapie die korrekte Version dieses Mythos. Der Pionier der „neuzeitlichen“ Aromatherapie (seit den 70er-Jahren) Robert Tisserand – der die Übersetzung von Gattefossés französischsprachigem Buch „Aromathérapie“ (1937) ins Englische (1993) vornahm und kommentierte – weist darauf hin, dass sich sich die Sache völlig anders verhielt. Der genaue Wortlaut ist auf seiner Blog-Seite nachzulesen. Demnach war Gattefossé, dessen Körper wegen einer Chemikalienexplosion im Jahr 1910 (oder nur die Arme? „after a laboratory explosion covered me with burning substances“) richtig brannte, ins Freie gestürzt und sich auf einem Rasen gewälzt, um die Flammen zu löschen. Danach entwickelte sich an beiden Händen ein Wundbrand (der durch das Bakterium Clostridium perfringens ausgelöst wird – es kommt beispielsweise im Boden vor). Seinerzeit verstarben noch ein Viertel der infizierten Menschen an der sich sehr rasch ausbreitenden Gangrän, zumindest war sie ein Grund zur Amputation der befallenen Gliedmaßen in den Kriegen vor dem zweiten Weltkrieg.
Gattefossé vermerkte in seinem Buch, dass „nur eine Spülung mit Lavendelöl“ die übliche Gasbildung im Gewebe stoppte. Es hatte sich bereits begleitend zur gefährlichen Infektion ein übermäßiges Schwitzen entwickelt, doch am nächsten Tag setzte die Heilung ein. Und nur dank des Lavendelöles konnte er weitere Pioniere wie Jean Valnet und Marguerite Maury in dieser duftenden Wissenschaft unterrichten, deren Bücher in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Aromatherapy-Boom in Großbritannien auslösten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wundervolle bewegte Bilder aus der frühen Jahren von Monsieur Gattefossé und der Aromatherapie kann man übrigens in diesem dreiteiligen Film auf Youtube anschauen. Das Ernten von Lavendel wurde 1907 schon gefilmt! Viele alte Fotos aus einem (seinen?) Fotoalbum sind zu sehen. Er ist viel gereist um gute ätherische Öle zu finden. Ein wirklich wertvolles Zeitdokument für alle, die sich mit der Entwicklung dieses duften Berufes beschäftigen möchten!

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Dieses 2500 qm große Feld mit Bio-Pfefferminze-Pflanzen ergibt 2500 Kilo geerntetes Kraut und ergibt, wenn alles gejätet, geerntet, destilliert und abgefüllt ist, 10 Kilo ätherisches Öl (12 Liter) und gerade mal 100 Euro! Die vielen Bio-Pflanzen müssen davor gekauft oder vermehrt werden und in das urbar gemacht Feld gepflanzt werden.

Und damit spanne ich den Bogen zur aktuellen Zeit. Es wird also neuerdings, wie eingangs erwähnt, behauptet, dass nur die französische „Schule der Aromatherapie“ wirklich wirksam sei. Leider behaupten das nicht ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen, sondern fast ausschließlich Menschen, die in irgendwelchen Schnell-Lehrgängen oder gar nach Infoabenden à la Plastikschüssel, Aloe vera-Wundermittel, Küchenmaschine und Nahrungsergänzung „Aromatherapie“ glauben „erlernt“ zu haben. Sie blicken in den allermeisten Fällen nicht auf einen pflegerischen oder gar medizinischen Hintergrund, sondern gehen allerlei unterschiedlichen Berufen nach und möchten sich mit Hilfe der nun zu Nahrungsergänzungs- und Lifestylemitteln ‚modernisierten‘ ätherischen Öle Geld dazu verdienen.

Sie haben jedoch oft keinerlei Vorstellungen von physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper. Sie können mit der Pharmakologie der ätherischen Öle nichts anfangen, verwechseln recht harmlose Monoterpenole mit den heftig wirksamen Phenolen. Stattdessen erfinden Sie immer neue kuriose Attribute zu den Ölen wie ‚Kamphoride‘ (sollen in Lemongrass, Myrte und Citronella enthalten sein). Sie haben auch wenig Vorstellung davon, wie viel Pflanzenmaterial sich in einem einzigen Tropfen ätherischen Öles befindet, denn Pflanzen hegen und pflegen, sie zu ernten und schließlich zu destillieren gehört in den wenigstens Fällen zu deren „Ausbildungen“. Sie sind stattdessen felsenfest davon überzeugt, „viel hilft viel“, „ist ja alles Natur“, „Natur schadet nicht“, „laut der französischen Schule wird es ja auch so gemacht“. Der Umsatz, der Gewinn und das Bilden von lukrativen „Schneeball-MitmacherInnen“ stehen im Vordergrund, ähnlich wie bei vielen modischen Nahrungsergänzungsmittel-Firmen.

Eine Kollegin musste beispielsweise mit ansehen, wie aus gut gemeinter Unkenntnis einer Brustkrebs-Patientin empfohlen wurde, mehrere Tropfen unverdünntes Pfefferminzeöl auf die bestrahlte Haut zu geben (es ergab sich eine schlimme Strahlendermatitis, der behandelnde Arzt schlug die Hände über dem Kopf zusammen). Eine naturheilkundlich interessierte Ärztin wandte sich an mich, weil ihr empfohlen wurde, bei Kopfschmerzen jeweils einen Tropfen Pfefferminze ins Auge zu geben, das Öl würde über den Sehnerv zum Kopfschmerz gelangen und diesen dann ausschalten (sie rief nicht etwa an, weil ihre Augen höllisch brannten, sondern weil ihr Kopfschmerz einfach nicht weg ging). Einem Elternteil wurde – durchaus sicher nett gemeint – empfohlen, dass das Kind mit Krupphusten mit einigen Tropfen Wintergrünöl inhalieren solle (wer findet die zwei Fehler??!!!), ein anderes Elternteil bekam den Tipp, bei den Wachstumsschmerzen des Kindes einfach einige Tröpfchen reines Zimtrindenöl auf die Schienbeine einzureiben. Auf fest sitzende Zecken solle reines Pfefferminzeöl gegeben werden. Das sind nur einige Beispiele, die an mich heran getragen wurden.

Arglose, vermeintlich in „französischer Aromatherapie“ „geschulte“ Personen geben solche Empfehlungen meistens wohlmeinend an Menschen mit Beschwerden ab, gerne auch mal mit Hinweisen auf die „böse Pharmaindustrie“, man könne viel besser mit ätherischen Ölen helfen (was bei nicht-akuten Beschwerden sicher auch häufig stimmt!). Noch arglosere Kunden fallen darauf rein und erleiden in nicht wenigen Fällen schwere Hautreizungen. Diese werden manchmal, gerne wieder mit Hinweis auf die „französische Aromatherapie“, vorausgesagt: Die betreffende Person solle sich dann freuen, Rötungen und Blasen seien willkommene Zeichen der Entgiftung. Zu diesem Thema hat sich eine Mitarbeiterin auf Robert Tisserands hervorragender Seite ausführlich geäußert (auf englisch).

Also, mein Fazit ist: JEDE der beiden Richtungen – hochprozentige Anwendung oder Verdünnung wie Kosmetika – haben jeweils ihre Berechtigung. Medizinisch gut geschulte, erfahrene und professionell versicherte Menschen wie ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen können in vielen Fällen durch kurzzeitige und hoch dosierte Anwendungen bei akuten Beschwerden viel erreichen. Die hoch dosierte und regelmäßige innere Anwendung (beispielsweise in Kapseln) sollte auch diesem Berufsfeld vorbehalten werden. Oder zumindest unter Aufsicht und Verantwortung eines Mediziners.

Zur Begleitung bei chronischen Beschwerden oder von Begleitumständen von „schulmedizinisch“ notwendigen Maßnahmen und auch zur Krankenpflege, haben sich 0,5-3%ige Verdünnungen von ätherischen Ölen über die letzten 30-40 Jahre bestens bewährt. Werden Speisen und Getränke mit ätherischen Ölen zubereitet, sollte das nach den zwei bewährten Kochbüchern Duftküche und Aromaküche erfolgen und immer so verdünnt, wie es die Natur uns zeigt: Beispielsweise statt der abgeriebenen Schale einer Zitrone gibt man 2 Tropfen Zitronenöl in den Kuchenteig, statt mehrerer Stängel Basilikum gibt man 0,5%ig in Olivenöl verdünntes Basilikumöl an den Tomatensalat. Wenn also BefürworterInnen jeder Richtung entsprechend ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Umfeld ätherische Öle behutsam, verantwortungsvoll und nachhaltig einsetzen würden, gäbe es weniger Grabenkämpfe und Platzhirsch-Getue in unserer duften Branche, dazu vielleicht weniger Allergien bzw Sensibilisierungen und allen Beteiligten wäre (wirklich) geholfen. 🙂

Wieviel ml Melissenöl stecken in diesem Feld?

Hier wird in muskelzehrender Arbeit Bio-Melisse geerntet

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Und aus dem Inhalt dieses Sackes werden 5 ml Kamillenöl destilliert

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

zum tod von klaus dürbeck


duerbeck_todesanzeigeEliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieMit grosser Betroffenheit sah ich heute auf der Seite von Fairwild, dass Klaus Dürbeck aus Raubling bei Rosenheim vor wenigen Tagen gestorben ist. Am 13. November hatte er noch seinen Vortrag beim Kongress von Forum Essenzia gehalten. Er war den „alten Hasen“ der Aromatherapie-Szene bekannt als ehemaliger Vorsitzender des Vereines. Er wurde nur 60 Jahre alt, und war einer der Jüngsten der ersten Generation der deutschsprachigen „Naturdüfte-Gemeinde“.
Klaus war auch einer der Gründer der Fairwild-Zertifizierung von Naturprodukten. Mit diesem strengen Siegel sind auch manche ätherische Öle zertifiziert. Seine vielen Reisen kreuz und quer von Land zu Land brachten ihn zu unzähligen Anbaugebieten von Ätherisch-Öl-Pflanzen.

Die Bestattung fand am 22.Dezember 2016 statt, ihm erwiesen circa 200 Menschen die letzte Ehre. Ein ausführlicher Nachruf ist auf der Homepage von Forum Essenzia nachzulesen.

hochkarätige weiterbildung in wien


o%cc%88gwa_kongress_programm2017Frau Dr. Gerda Dorfinger ist die Präsidentin des österreichischen gemeinnützigen Vereines ÖGwA, der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie. Sie, dazu Evelyn Deutsch und ein ganzes Team von engagierten MitmacherInnen planen derzeit am Jubiläumskongress zum 10-jährigen Bestehen des Vereins. Das Motto wird lauten:

Aromatherapie und Aromapflege: „Die Zukunft beginnt heute!“
Samstag, 04. März 2017, 09:00 bis 18:00 Uhr
Europahaus, 1140 Wien, Linzer Straße 429

 

Seit der Gründung im Juni 2006 erlebte die ÖGwA im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens, eine turbulente Zeit des Auf- und Umbruchs. Die ÖGwA widmete sich mit ganzer Kraft den wissenschaftlichen, praktischen und rechtlichen Grundlagen der Aromatherapie und Aromapflege sowie der österreichweiten und internationalen Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit.

Der Jubiläumskongress 2017 bietet ein breites Spektrum von Botanik über Metabolismus ätherischer Öle, Neues aus der Welt der Aromapflege, Wissenswertes über pflanzliche Fette und Öle, sowie wertvolle Hilfestellungen für den Praxisalltag bis hin zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Eine „Open Space-Konferenz“ soll den BesucherInnen die Möglichkeit zu direktem Kontakt mit den Experten in Kleingruppen geben und Gelegenheit für einen anregenden Erfahrungsaustausch bieten. Bei einem Publikumsquiz dürfen diese Ihr Wissen unter Beweis stellen und können spannende Preise gewinnen.

Für den Abschlussvortrag konnte ein Stargast aus der Schweiz, Herrn Univ. Prof. Dr. Claus Wedekind, gewinnen, der aus zahlreichen Medienauftritten bekannt ist und dann endlich auch in Österreich live zu erleben sein wird. Mich haben seine Forschungen ganz am Anfang meiner duften Laufbahn überaus zum Staunen gebracht: Es gehörte zur Faszination der frühen Tage der deutschsprachigen Aromatherapie, dass Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen, einen „schwangeren Geruchssinn“ haben, der nicht in der Lage ist, den (genetisch) geeigneten Partner auszusuchen (um gesunde Nachfahren mit einer ‚guten‘ Ausstattung an Genen zu zeugen). Inzwischen ist die Forschung in diese Richtung ein ganzes Stück weiter voran geschritten, so dass der Vortrag von Prof. Wedekind mit Spannung erwartet werden darf.

Den überaus innovativen Ansatz von Dr. Sabine Krist durfte ich bereits letztes Jahr kennenlernen, sie erkennt Verfälschungen von fetten Ölen an winzigen Spuren von Ätherisch-Öl-Molekülen, die in diesen jeweils ganz individuell enthalten sind. Diese Erkenntnisse gibt uns Aromapflegenden die wissenschaftliche Evidenz, dass fette Öle viel mehr als reine Trägersubstanzen sind, dass sie Stoffe enthalten, welche üblicherweise nur den ätherischen Ölen zugeschrieben werden (wenn auch nur in winzigen Mengen). Neben den wertvollen Fettsäuren, und den haut-heilenden Fettbegleitstoffen rücken nun auch diese Inhaltsstoffe in den Fokus und zeigen einmal mehr, dass Pflanzenöle viel mehr können als ‚tote‘ Mineralöle [in diesem Artikel – ziemlich weit unten – vom vergangenen Jahr beschreibe ich das Thema kurz und dort befinden sich auch Links zu zwei Büchern von Frau Dr. Krist].

Die beiden „Super-Forscher“ und eingefleischten Kenner der ätherischen Öle Dr. Gerhard Buchbauer und Dr. Walter Jäger sollte man unbedingt einmal live erlebt haben!

o%cc%88gwa_seite„Die Zukunft der ÖGwA beginnt heute“. In diesem Sinne soll gemeinsam mit den BesucherInnen eine zukunftsweisende Weiterentwicklung von Aromatherapie und Aromapflege mit hohen Qualitätsstandards erarbeitet werden. Frau Dr. Dorfinger fordert auf:“Lassen Sie uns diesen Start in das zweite Jahrzehnt der ÖGwA miteinander feiern. Wir freuen uns auf einen interessanten und vielseitigen Kongress!“

Das Programm ist folgendermaßen geplant (Änderungen vorbehalten):

08:15 – 09:00 Uhr Einlass und Registrierung

09:00 – 09:15 Uhr Begrüssung, Eröffnung

09:15 – 09:50 Uhr Zur Botanik von Aromapflanzen: Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Johannes Saukel, Wien

09:50 – 10:25 Uhr Aromapflege am Puls der Zeit: Evelyn Deutsch-Grasl, Wien

10:25 – 10:55 Uhr Pause

10:55 – 11:30 Uhr Wechselwirkung ätherischer Öle mit Arzneimitteln: Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Gerhard Buchbauer, Wien

11:30 – 12:05 Uhr Resorption, Verteilung, Metabolismus und Ausscheidung von Terpenen: Einfluss auf die Wirksamkeit: Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Walter Jäger, Wien

12:05 – 13:30 Uhr Mittagspause

13:30 – 15:00 Uhr OPEN SPACE: Fünf Aktions- und Diskussions-Points

  • Ätherische Öle und Mikrobiologie: Dr. med. Gerda Dorfinger, Wien
  • Vom Zauber des Duftes: Ingrid Kleindienst-John, Buchbach
  • Düfte für Kinder: Mag. pharm. Dr. Barbara Nasel, Wien
  • Ätherische Öle in der Welt der Wissenschaft: Ass. Prof. Mag. pharm. Dr. Iris Stappen, Wien
  • Reflexzonenarbeit am Fuß nach Hanne Marquardt: Dr. med. Wolfgang Steflitsch, Wien

15:05 – 15:40 Uhr Verfälschungen von ätherischen Ölen: Dr. Jürgen Wanner, Wallerstein, D

15:40 – 16:15 Uhr Flüchtige Verbindungen in kaltgepressten pflanzlichen Fetten und Ölen: PD Mag. pharm. DDr. Sabine Krist, Wien

16:15 – 16:45 Uhr Pause

16:45 – 17:20 Uhr Der Einfluss von Körperdüften auf Partnerwahl und Schwangerschaft: Univ. Prof. Dr. Claus Wedekind, Lausanne, CH

17:20 – 17:45 Uhr Preisverleihung des Publikumsquiz, Abschiedsworte

Die Teilnahme am Kongress kostet ab 145 Euro inklusive Mittagessen, Pausengetränken und Snacks. Das Programm zum Kongress kann hier (klick!) runter geladen werden, mehr Infos befinden sich auf der Website der ÖGWA (klick!).

botanica2016 – ein erster rundgang


Gut vier wissensreiche Tage auf der sensationellen Aromatherapie- und Phytotherapie-Konferenz Botanica2016 im wunderschönen Seebad Brighton (keine Stunde südlich von London) liegen hinter mir. Anschließend wurde ich noch zu einer Gin-Destillation bei Bombay Sapphire in der Nähe von London eingeladen, ein Drink voll mit aromatischen Kräutern, Wurzeln und Fruchtschalen.

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Das berühmte Pier von Brighton, die schöne Stadt mit einer Art Taj Mahal, einer fast französisch anmutenden Strand-Promenade, mit einem gläsernen Fahrstuhl „in den Himmel“, wurde einst das „London am Meer“ genannt

Ich habe 48 voll geschriebene Seiten vor mir, muss die vielen Themen und Erkenntnisse erst einmal sortieren. Die Gespräche mit etlichen der engagierten KollegInnen aus 46 Ländern waren hoch inspirierend. Es waren insgesamt fast 400 Menschen dort, 25 Sprecher berichteten uns von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. 12 BewerberInnen für ein „Stipendium“ konnten angenommen werden und konnten kostenlos an der großen Veranstaltung auf dem sehr sympathischen Campus der Universität Sussex teilnehmen. Auch konnten wieder VertreterInnen von drei kleinen Destillationsbetrieben aufgrund vorher eingesammelter großzügiger Spenden anreisen und sowohl ihre wertvolle Arbeit als auch ihre Düfte vorstellen.

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Brighton: Geheime Gärten, Häuser und Mauern aus Feuerstein und Sinn für Humor

Was mir in der englischsprachen Aromatherapie-Welt sehr gut gefällt, ist dass die Pflanzen fast immer im Mittelpunkt stehen. Im deutschsprachigen Bereich schleicht sich leider immer mehr ein allopathisches Denken ein, man will die schnelle Lösung gegen eine Krankheit oder gegen einen Zustand, man besteht auf konkrete Rezepturen, Tropfen aus braunen Fläschchen werden abgezählt und angewendet. Die Pflanze(n), von der der entsprechende Duftstoff gewonnen wird, interessiert oft nicht besonders, man hat sich selten ausführlich damit befasst, man weiß sehr häufig gar nicht, ob das verwendete ätherische Öl von einem Baum, aus Blüten oder aus Zweigen destilliert wird. [Freilich gibt es Ausnahmen!]

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Rhiannon Lewis

Veranstalterin und Gastgeberin Rhiannon Lewis, sie ist Herausgeberin des International Journal of Aromatherapy und betreibt eine Schule für Klinische Aromatherapie im Süden Frankreichs, betont regelmäßig, dass mit dieser Veranstaltung, die zum dritten Mal statt fand, die Pflanzen gefeiert und geehrt werden sollen. So hat sie viele international anerkannte ReferentInnen eingeladen, die dieses Thema aus unterschiedlichen Disziplinen vertiefen und beleuchten. Rhiannon betonte ganz zu Beginn der Konferenz, an diesen drei Tagen gehe es nicht um’s Ego. Ich finde es spannend, wie gut das Miteinander und das immer sehr bescheidene Auftreten aller Beteiligten einmal wieder funktioniert hat.

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Shirley Price

Und so ehrte Rhiannon gleich zu Beginn ihre „alten“ Lehrer Shirley und Len Price, die sicherlich zu den herausragendsten, engagiertesten und prägendsten Persönlichkeiten unserer Branche gehören. Fit wie eine Libelle erzählte Shirley dann aus ihrem langen Leben: Wie sie nach einer Zeit als Koch-Lehrerin und Friseurin aufgrund der schweren Arthritis ihrer Mutter zu den heilenden Düften kam. Es gab standing ovations (alle standen zum Beifall auf). Ich selbst machte übrigens mein Diplom ihrer Schule SPICA im Jahr 1990, lernte sie erst etwas später persönlich kennen und durfte vor einigen Jahren für ihr und Len’s Fachbuch einen Abschnitt über deutschsprachige Aromatherapie beitragen.

Der Freitag Vormittag widmete sich in eindrücklicher und teils sehr bewegender Weise den Heilpflanzen. Die sympathische Phytotherapeutin Alex Laird eröffnete diese Reihe von Vorträgen, sie hat die gemeinnützige Organisation Living Medicine mit gegründet, um Menschen aufzuzeigen, wie sie täglich Pflanzen als Nahrung verwenden können und möglichst oft als Medizin. Die engagierte Phytotherapeutin mit wissenschaftlichem Hintergrund ist gerade auf dem Weg, eine Art „Garten der Kulturen“ in London zu verwirklichen, wo Menschen möglichst preiswert oder gar kostenfrei lernen können, wie sie die Vielfalt der Pflanzenwelt nutzen und schützen können.

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Website mit sehr ästhetischen Fotos von AS Apothecary

Die nächste Vortragende war die lokale Destillateurin Amanda Saurin von AS Apothecary, die den anschaulichsten Vortrag über das, was wir uns jeden Tag mit chemischer „Kosmetik“ antun, den ich je hörte, hielt. Sie ließ einfach 21 Personen auf die Bühne kommen, diese repräsentierten die 21 Produkte, die sich jeder Mensch jeden Morgen auf die Haut gibt: Duschgel, Zahnpasta, Lippenstift, Haargel, Deo etc. Jeder bekam eine Liste der Inhaltsstoffe von jeweils einem wohl bekannte Beauty- und Pflege-Produkt eines großen Kosmetikkonzerns in die Hand und auf ein Kommando wurden diese INCI-Wörter laut vorgelesen. Dieser grauenhafte Wortsalat stand für die vielen Moleküle, mit denen unser Körper sich NUR in einem Bereich auseinander setzen muss (von Waschmitteln, Nahrungsmittel-Zusatzstoffen und anderen Chemikalien ganz zu schweigen). Nach diesen zwei Minuten brauchte die sympathische Amanda nicht mehr viel zu erklären! Sie erinnerte uns jedoch daran, dass wir heutzutage ein Leben durch die Linse und durch den Bildschirm leben, wir sind ziel-orientiert und leben zu wenig im Moment. Wir müssen uns wieder mit der Natur verbinden und vor allem in die Kraft der Pflanzen vertrauen lernen. Auch appellierte sie an die Verwendung von lokal und in kleinen Mengen erzeugte Heilpflanzen, denn „wenn Produkte durch eine Maschine entworfen und produziert werden, sind sie für eine Maschine gedacht. Wenn du Produkte mit den Händen erschaffst, dann sind sie hilfreich für menschliche Wesen. Setze dich gegen die Uniformität von Produkten und Menschen ein, traue dich, anders zu sein!“ Ihre sehr ästhetische Website und erst recht ihre traumhafte Galerie bei Instagram untermauern diesen den Natur ehrenden und individuellen Manufaktur-Gedanken, die künstlerischen Fotos werden von zwei Fotografinnen beigesteuert, beispielsweise hier von einer Rosendestillation.

Die nächste Vortragende kam nicht „live“ sondern in Form eines Videos und erklärte warum. Jane Bucke, die zweite „Grande Dame“ der Aromatherapie steht nicht mehr für Veranstaltungen der Aromatherapie-Welt zur Verfügung, sie möchte nur noch leben und vor allem für ihre Enkel da sein. Ihr Vortrag „lessons learnt“ beschreibt ihren Weg, ihre Fehler, ihre Herausforderungen, ihre Forschungen und ihre Pionierarbeit in Sachen klinischer Forschung mit ätherischen Ölen. Jane hat ihre Schule R J Buckle sowie die Rechte an ihrer hilfreichen Anwendungs-Technik für ätherische Öle bei ganz fragilen PatientInnen namens M-Technique im März 2016 verkauft, beides wird nun von ihrer langjährigen Dozentin Carol Scheidel geleitet und organisiert. Ein bisschen traurig und wehmütig betrachtete ich die letzte originelle Szene der Videobotschaft, in der Jane auf einer Art Kinderkarussel sitzt und davon reitet.

Wir bekamen vor der Teepause ein kurzes bewegendes Video der deutsch-französischen Phytotherapeutin Julia Graves zu sehen, sie hatte auf der vergangenen Botanica2o14 über die katastrophalen Nach-Erdbeben-Zustände auf Haiti berichtet und wie sie und ihr Team völlig unbürokratisch regelmäßig dort eine „Busch-Sprechstunde“ abhalten. Inzwischen hat sich die Situation sogar verschärft, so dass es immer schwieriger wird, die nach der 2014-Konferenz großzügig gespendeten ätherischen Öle, Pflanzenheilmittel und Fläschchen überhaupt an den Ort des Geschehens zu bringen. Als Weißer ist man dort nicht mehr sicher, so dass Julias gut instruierte dunkelhäutige Mitarbeiter die dringend NOT-wendige Hilfsarbeit irgendwie fortführen. Einige meiner LeserInnen sind meinem Spendenaufruf von vor zwei Jahren wohl gefolgt und so wurde uns auf einer Folie gedankt: „Eliane Zimmermann und ihre Studentinnen“ stand drauf. Hier steht mein Artikel von 2014 über die Arbeit von Julia Graves zum Nachlesen und Erinnern.

Die Gründerin der vielleicht bekanntesten Aromatherapie-Schule der USA, Andrea Butje von Aromahead, präsentierte im Folgenden drei engagierte kleinere Destillateure, denn es ging bereits in den vergangenen Konferenzen insbesondere darum, diesen kleinen Manufakturen eine Chance zu geben, bekannter zu werden. Und freilich auch damit die VerwenderInnen der Öle und Hydrolate die Möglichkeit erhalten, an sehr authentische und genuine ätherische Öle und an unverfälsche Hydrolate – ohne dass die ätherischen Öle abgezogen werden – zu kommen. Alle drei bekamen die Reise nach Brighton gesponsert und all drei waren überaus sympathische und bescheidene Persönlichkeiten. Zunächst sprach Claire Licher von PhiBee Aromatics aus Sedona im heißen Süden der USA. Ihr Mann Max ist nicht nur Botaniker und Farmer, sondern auch passionierter Pflanzen-Fotograf, und so bekamen wir einen wundervollen Rundgang durch den Alltag der beiden, sie destillierten bereits 80 unterschiedliche Pflanzen. Allein sieben unterschiedliche Wacholder-Öle konnte man an Claires Stand schnuppern (viele zederartige Bäume gehören der Gattung der Wacholder an). Die beiden haben eine Lizenz der lokalen Forstbehörden, ressourcenschonend wild wachsende Pflanzen zu sammeln und zu verarbeiten.

Die nächste Vortragende Janina Soronsen von Wild Herbs of Crete (auf Kreta) hat sehr eindrucksvoll an die Verwendung von wild gesammelten Heilpflanzen appelliert, mir sind ihre unter die Haut gehenden Worte noch sehr lebendig im Gedächtnis. Sie zeigte eine eintönige Landschaft mit unendlich vielen geklonten und zum Bald-Wegwerfen gezogenen Lavandin-Pflanzen in Süd-Frankreich und stellte dafür die Landschaft vor, in der sie und ihr Mann Babis die hier und da sowie dick und gesund wachsenden Heilkräuter sammelt. Diese Massen-Monokulturen versklaven die Pflanzen, sie können nicht mehr miteinander kommunizieren und sich helfen, brauchen darum viel Chemie , um sie in diesen „Intensivstationen“ einigermaßen lebendig zu halten und für eine viel zu kurze Lebensspanne hoch produktiv. Sie dürfen ausschließlich für menschliche Bedürfnisse leben und nicht für sich selbst. Und der Mensch bemerkt in de meisten Fällen noch nicht einmal, dass dieser Raubbau an der Natur schon bald  (oder schon jetzt) zu einer erschreckenden Verarmung von Vielfalt führt, auch klimatische Veränderungen hat er zu verantworten und laut Janina sogar psychische Störungen.

Auch diese engagierte Pflanzen-Liebhaberin appellierte daran, sich gegen die Eintönigkeit und Uniformität Massen-„Heilmitteln“ einzusetzen, Pflanzen nicht millionenfach zu klonen, sie zu achten und zu ehren, ihnen Raum zu geben sich zu entfalten, Heilmittel von kleinen Produzenten zu verwenden. Janina Sorensen: „Wir müssen mehr über Pflanzen-Ethik nachdenken, denn sie sind eine Lebensform, mit der wir diesen Planeten teilen! Wir müssen uns aktiv für Pflanzen einsetzen und für ihr Recht, wild und frei zu wachsen, kämpfen! Wir sind NICHTS ohne Pflanzen“ Ihr kleiner Webshop ist nicht mit den letzten technischen Schnickschnacks ausgestattet, doch es lohnt sich, mal rein zu schauen, man wird mit einzigartigen ätherischen Ölen belohnt. Vor allem bekommt man bei Janina und Babis das seltene, dopaminerg wirkende ätherische Öl des Mönchspfeffer PMS, Menopausen-Symptome, Restless legs etc) und das sensationell adstringierend wirksame Öl der Zweiges des Mastix-Strauchs (bei Krampfadern, Hämorrhoiden, Zahnfleischproblemen etc).

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Weihrauchbaum in Somalia, aus dem Film über Boswellness

Bei der letzten Referentin des Freitags Jamie Garvey und ihrem somalischen Ehemann Mahadi Ibrahim von Boswellness in den USA geht es vor allem um mehr Verantwortung und fairere Bezahlung der Ärmsten unter den Armen im Weihrauch- und-Myrrhe-Business in Somalia. Die lokale Bevölkerung wird für die mühsame Arbeit des Sammelns der Harztränen dieser Bäume schlecht behandelt und bezahlt, dadurch sind die Bäume immer mehr gefährdet. Denn sie werden regelrecht ausgeblutet, um etwas mehr Gewinn zu bringen. Die jungen Destillateure klären die somalischen Sammler auf, die Bäume ihrer Region wieder wie deren Ahnen zu achten, sie nur behutsam anzuzapfen, damit auch spätere Generationen noch davon leben können. Jamie und Mahadi sind die ersten, die in der USA eine biozertifiziertes Weihrauchöl- und Hydrolat anbieten, auch wenn Weihrauch- und Myrrhebäume nicht tauglich für Plantagenanbau sind, sie können so gut wie nicht umgepflanzt werden (das ist sicher auch gut so und macht beide Öle so wertvoll!). Das junge Team, es arbeitet bereits mit einigen Wissenschaftlern zusammen, sieht sich als Brücke zwischen den eigentlichen Bewahrern dieser somalischen Kostbarkeiten und dem Handel mit diesen hoch wichtigen ätherischen Ölen, beide beherbergen ein unglaublich wichtiges Potenzial wie die Reduktion von Tumoren; die Leute von Boswellness suchen noch mehr Unterstützer und Investoren, sie würden gerne auch direkt in Somalia eine Destille aufbauen. Bäume in Somalia, die Ernte und der Hintergrund der kleinen Firma ist auf einem sympathischen kleinen Video zu sehen.

PS. Ich werde noch mehr über die zwei weiteren Tage der Konferenz berichten.

aromapflege-kurse der besonderen art


P1000218Oft wird beklagt, dass alle spannenden Kurse und Kongresse über Aromapflege und Aromatherapie im Süden stattfinden. Tatsächlich herrscht ein nicht nachzuvollziehbares Nord-Süd-Gefälle, dass seit circa 10 Jahren noch viel ausgeprägter als zur Zeit meiner ersten aromatischen Tätigkeiten vor bald 30 Jahren geworden ist. Denn in Österreich konnte nach Zeiten vieler Verbote und Einschränkungen die Aromapflege gemäß §64 GuKG in vielen Pflegeinstitutionen erfolgreich etabliert werden, seitdem boomen Ausbildungsangebote, kleine Praxen und auch Ölebieter mit eigenartigen Produkten tummeln sich inzwischen dort vermehrt.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere2In Deutschland gibt es nach wie vor nur eine winzige Anzahl von Menschen, die unabhängig und in selbstständiger Tätigkeit ausschließlich von der Arbeit mit ätherischen Ölen leben. Die meisten KollegInnen sind entweder als Angestellte (oder feste freie MitarbeiterInnen) in Ölefirmen oder Schulen tätig oder gehen sogar völlig anderen Brotberufen nach. Einige liebe KollegInnen sind inzwischen im „Ruhestand“, widmen sich jedoch nun endlich ganz der duften Tätigkeit und genießen eine gewisse finanzielle Grundabsicherung durch ihre Rente.

Nicht so Sabrina Herber, sie ist jung und arbeitet seit 2002 ausschließlich für die Erfüllung ihres duften Traumes. Als keines Mädchen bereits erlernte sie von ihrer Mutter, die Altenpflegerin ist, was das Kümmern um gebrechliche oder kranke Menschen bedeutet. Ihr Interesse für naturheilkundliche Betreuung führte sie ins Allgäu und sie wurde Aromaexpertin im Fachbereich Pflege. Inzwischen ist sie auch Gesundheitspraktikerin BfG, die sich auf Duftkommunikation spezialisiert hat, dazu auch Hospizbegleiterin und MediAkupresspraktikerin nach dem Konzept „Begleitende Hände“. In den letzten 13 Jahren betreute die engagierte Mutter von drei Kindern ein Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser und Hospize im Bereich der Aromapflege und der Schulung der Mitarbeiter. Sie legt Wert auf eine Auswahl an Öleanbietern mit denen sie behandelt und schult, so dass die KursteilnehmerInnen immer selbst entscheiden können, welche Öle und Angebote am besten jeweils zu ihnen passen

sabrina_herber_seminarhaus_vivereIm Jahr 2008 konnte sie dann ihr kleines, aber feines Seminarhaus in Schwollen im schönen Hunsrück eröffnen, die Vivere Schule für Aromatherapie und Aromapflege. Dort werden seitdem umfangreiche Fachweiterbildungen angeboten. Schnell erweiterte Sabrina das Seminarangebot auch mit anderen erfolgreichen komplementären Pflegemethoden wie z.B. der MediAkupressur. Die Seminarteilnehmer kamen und kommen aus ganz Deutschland, aus dem nahen Luxemburg und Belgien, sogar aus Österreich und der Schweiz.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere_edelsteinweg

Man wandelt durch den Kies, schaut vielleicht nach unten und siehe da, dort funkeln kleine Halb-Edelsteine in der Sonne!

Die kleine Schule ist stetig gewachsen und platzte bald aus allen Nähten, so stand Anfang Mai der Umzug in ein neues Gebäude an: ein Blockhaus aus Holz mit mehr Bewegungsfreiheit, nach und nach pflanzt Sabrina auch wieder einem tollen Kräutergarten an (im früheren Garten hat mich ihr origineller Edelsteinweg toootal begeistert). Sabrina freut sich, dass sie einen wirklich ganz besonderen Ort gefunden hat (oder hat der Ort sie gefunden???)

Sie hat nun die Möglichkeit, parallel in zwei gemütlichen Räumen Seminare, Workshops, Beratungen und Schulungen durchzuführen. Das naturnahe Gebäude ist großzügig und trotzdem sehr gemütlich gestaltet. Ihr Referenten Team besteht inzwischen aus drei ViVere-Team Dozenten und derzeit sieben Gastreferenten (zu denen ich auch gelegentlich gehöre!). Dies macht es ihr möglich, auch die Fachweiterbildung zur ViVere-Praktikerin für komplementäre und naturheilkundliche Pflege anzubieten.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere_außenIm Außenbereich des schönen Holzhauses hat die talentierte Hobbygärtnerin und Sammlerin von schönen teils antiken Deko-Stücken bereits wieder begonnen, einen Kräuter- und Duftgarten anzulegen. Eine Wildblumenwiese, sowie Beerensträucher zum Naschen werden sich dazu gesellen. Die großzügige Holzterrasse lädt dazu ein, die Seminarpausen draußen zu verbringen. Ganz besonders freut sie sich, dass sie jetzt auch Übernachtungsmöglichkeiten für Referentinnen und Seminarteilnehmer zur Verfügung stellen kann. Ihre sympathische Teamkollegin Gertrud Schneider bietet nach Terminvereinbarung gesundheitspraktische Beratung, auch für pflegende Angehörige, Massagen, Wärmepackungen, Wickel, Auflagen, MediAkupress-Anwendungen und gesundheitspraktische Duftkommunikation in ihrem wunderschön gestalteten Raum an.

Sabrina gehört zu den fleißigen Blog-Schreiberinnen, hier kann man aus einem inzwischen riesigen Fundus an Rezepturen und Ideen schöpfen. Und wer all die tollen Sachen life erleben möchte: 2014 hat sie mit ihren Kolleginnen Gertrud Schneider und Sarah Schütz den 1. Fachkongress für komplementäre Aromapflege und Prävention im Gesundheitswesen organisiert. Sie durften am Umwelt Campus in Birkenfeld 180 Gäste begrüßen. Der nächste Fachkongress wird im Jahre 2017 stattfinden. Über Kurse, Termine und die genaue Lage ihrer Schule im beschaulchen Hunsrück (das Edelsteinstädchen Idar-Oberstein liegt um die Ecke, Koblenz, Trier, Mainz, Saarbrücken und die Stadt Luxemburg sind nicht weit entfernt, die Adresse lautet Am Geissler 10, 55767 Leisel), informiert man sich auf Sabrinas neu gestalteter Website. Sie gibt auch auf zahlreichen sozialen Netzwerken Infos und kostenlosen Rat [Facebook und Instagram]

sabrina_herber_seminarhaus_vivere3Ach ja, HAPPY BIRTHDAY liebe Sabrina, mögen die feinen Düfte dir noch viel Freude, Erfolg und Gesundheit bringen.

keimsanierung durch raumbeduftung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNeben fast zwei Dutzend anderen Beratungswünschen bekam ich vor einigen Tagen die Frage, ob ich Studien zur Raumbeduftung kenne, die belegen, dass die Raumluft mit ätherischen Ölen eher gesundheitsförderlich ist statt gefährlich und die Menschen schädigend. Prompt bekomme ich „zufällig“ und ohne danach zu fragen von einer meiner kompetentesten englischsprachigen Kolleginnen den Link zu einer neuen wissenschaftlichen Arbeit von einem Team von Forschern von der Universität Milano (Mailand, Italien).

Ich habe bislang allerdings nur das vielversprechende Abstract (Zusammenfassung) und noch nicht die volle Studie vorliegen. In einer Pflegeeinrichtung mit 112 auf zwei Etagen verteilten Betten (circa 1060 qm) wurde fünf Monate lang beobachtet, wie sich das Standard-Hygiene-Protokoll und dieses zusammen mit Beduftung durch ätherische Öle kombiniert auswirkt. Vor und nach der Raumduft-Maßnahme wurden mikrobiologische Abstriche (von Oberflächen) gemacht. Die Ergebnisse zeigten, dass in beiden Varianten die Keimlast (Pilze und Bakterien) sich um durchschnittlich 90 Prozent reduzierte (gesamt p < 0.01 und p < 0.05 für Hefen und Pilze).

Spannend ist die Reduktion von benötigten Medikamenten:

  • 70% weniger Antibiotika-Einnahmen
  • 100% weniger Einnahmen von schleimlösenden Produkten
  • 100% weniger Einnahmen von bronchienerweiternden Mitteln
  • 67% weniger Bedarf an steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten
  • 33% weniger Bedarf an nichtsteroidalen entzündungshemmenden Medikamenten

Es wird zudem wird angemerkt, dass keine unerwünschten Nebenwirkungen auftraten. Die Autoren folgern, dass die von ihnen gewählte Mischung von ätherischen Ölen sowohl effektiv bei der Verminderung der Keimlast in der Umgebung von Patienten in einer klinisch-pflegerischen Umgebung ist als auch sinnvoll, um bei ihnen die Einnahme von chemischen Medikamenten zu reduzieren.

So schön diese Ergebnisse klingen, bitte daran denken: Diese Maßnahmen erfolgten ZUSAMMEN mit konventionellen Hygiene-Maßnahmen. Zudem wird eine Reduktion von Medikamenten nicht immer willkommen geheißen, denn das hieße weniger Geld in die Kassen bestimmter Groß-Konzerne. Da ich jedoch stark dafür bin, dass die Gesundheit eines jeden einzelnen Menschen so schonend wie möglich unterstützt werden wollte, werde ich noch recherchieren, welche ätherischen Öle auf welche Weise eingesetzt wurden. [Gelmini F, Belotti L, Vecchi S: Air dispersed essential oils combined with standard sanitization procedures for environmental microbiota control in nosocomial hospitalization rooms, diese Studie kann für 31.50 $ bei Elsevier erworben werden]

seriöse siegel und zertifizierungen für ätherische öle


Wir „alte Hasen“ kriegen regelmäßig Augen- und Gehirnschmerzen, wenn wir sehen, was sich in der Ätherische-Öle-Szene so an kuriosen Versprechungen, abstrusen „Therapie“-Empfehlungen und vor allem an Qualitätssiegel-Prosa tummelt. Sabrina hat hier auf ihrem Blog  (klick!) dieser Tage über AusbilderInnen und BeraterInnen geschrieben und über den Unsinn, Aromatherapie und Aromapflege per reinem Fernstudium (ohne Präsenzzeiten) erlernen zu wollen (und sich dies von entsprechenden Instituten für teures Geld andrehen zu lassen).

Arglose und begeisterte Neu-EinsteigerInnen werden manchmal wirklich unverschämt buchstäblich an der Nase herum geführt. Darum hier schonmal ein kleiner Blick in die sehr erweiterte und aktualisierte Neuauflage meines Fachbuches Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, die im Herbst 2017 erscheinen wird. Die Erläuterungen zu den Siegeln kann ich hier nicht verraten, das kann jedoch heutzutage jeder selbst im Internet nachlesen (oder eben später in meinem Buch!). Es lohnt sich wirklich, mit diesen Siegeln vertraut zu sein und sich diese einzuprägen, auch um beim Einkaufen von ehrlicher Naturkosmetik und von einigermaßen naturbelassenen Lebensmitteln den Durchblick zu behalten.

Es ist sehr ratsam, ausschließlich ätherische Öle auf Haut und Schleimhäute zu verwenden, die mit einem anerkannten Bio-Siegel ausgezeichnet sind, das gilt ganz besonders für Öle, die – wie im letzten Blog-Beitrag (klick!) erwähnt – eingenommen werden (bitte nur wenn entsprechender Ausbildungshintergrund vorhanden ist und in winzigen Mengen, nicht bei Kindern herum experimentieren!). Allerdings gibt er hier wie dort schwarze Schafe, so dass ein Bio-Siegel für Pflanzen, aus denen ein Öl produziert wurde, sinnlos werden kann, weil beispielsweise das Endprodukt unfachmännisch destilliert, beim Transport zu stark erhitzt wurde oder falsch (und „ewig“) gelagert.

Von Firmen selbst erfundene vermeintliche Siegel sollten misstrauisch machen, auch Werbung mit Industrie-Siegeln sollte mit Vorsicht genossen werden: mit letzteren werden Produktions-Abläufe, Größen, Gewichte etc zertifiziert und nicht zwangsläufig hervorragende Qualitätsstandards für Produkte. Die folgende Liste stellt wichtige Qualitätssiegel vor, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Biosiegel_Agriculture-biologiqueAB Agriculture Biologique: höchstmögliche Bio-Qualität, nur für Öle aus der EU

AFNOR Association Francaise de Normalisation: Normierung von industriellen Produkten, kein Zusammenhang mit Bio-Qualität

Bio_BDIH_NaturkosmetikBDIH Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel: Qualitätsrichtlinien u. a. für Naturkosmetik

bs_4c_posBio Suisse: einer der höchsten Biostandards der Welt

Bio_Demeter_LogoDemeter: höchstmögliche Bio-Qualität, Pflanzen aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft

Bio-Siegel_DeutschlandBIO Deutsches staatliches Bio-Siegel: Mindest-Kriterien, die der EG-Öko-Verordnung genügen

bio-ecocertecocert (Siegel Biokosmetik & Siegel Naturkosmetik): einst erste Zertifizierungsstelle mit Standards für Natur- und Biokosmetik

Biosiegel_EuropaLogoEU-Bio-Logo: seit Juli 2010, gilt EU-weit als verbindliches Bio-Siegel

Bio_FairTrade-Logo

Fair Trade: kann, muss jedoch nicht Bio-Qualität sein

Bio_FairwildFairwild: seit 2008 an den WWF angegliedert; kann, muss jedoch nicht Bio-Qualität sein

Bio_Logo_IFOAMIFOAM International Federation of Organic Agriculture Movement: Dachverband internationaler Organisationen der biologischen Landwirtschaft

ISO International Standardization Organisation: Normierung von industriellen Produkten, kein Zusammenhang mit Bio-Qualität

Bio_NATRUE_miniNatrue: sehr strenge Richtlinien für naturkosmetische Produkte

Bio_Nature_et_progrèsNature & Progrès: höchstmögliche Bio-Qualität für Kosmetika und Lebensmittel

Das  Copyright © der Siegel liegt bei dem jeweiligen Verein/Verband, das Copyright © dieser Zusammenstellung liegt bei Eliane Zimmermann.