die französische „schule“ der aromatherapie & viele missverständnisse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

René Liardet in Sault

In den letzten Jahren hören wir immer wieder von der „französischen Schule der Aromatherapie“: Es wird gerne behauptet, sie lehre die einzig richtige Anwendung von ätherischen Ölen. In jüngster Vergangenheit werden auch hämische Rufe laut – vor allem auf Facebook (sowohl im deutschsprachigen Bereich als auch in den USA), dass die „etwas dümmlichen“ VertreterInnen der „deutsch-englischen Schule der Aromatherapie“ ja überhaupt keine Ahnung vom wahren Umgang mit ätherischen Ölen hätten.

Ich möchte etwas Aufklärung in diesen verwirrenden Bereich bringen, denn seit Anfang der neunziger Jahre bin ich mit beiden Richtungen gut vertraut. Zwar erhielt ich mein Diplom in Aromatherapie im Mai 1990 vom College von Shirley Price (SPICA) – also von einer „englischen Schule“, doch weitere Kurse brachten mich mit dem französischen Umgang mit ätherischen Ölen in Kontakt. Spannende Informationen von Martin Henglein, der nicht nur einen englischen, sondern auch ein französischen aromatischen Hintergrund hat und viele Gespräche mit Inge Andres, die damals (ab 1985) die kleine aber sehr feine Firma La Balance in Leutkirch hatte, machten mich auf den Ursprung der medizinischen Disziplin Aromatherapie neugierig. Inge lernte ihre „aromatische Kunst“ in Frankreich, gab Kurse im Allgäu und organisierte wundervolle Duftreisen in die Provence. Ihr wundervolles Buch Die ganzheitliche Duftberatung (klick!) gibt es schon lange nur noch antiquarisch (auch die zweite Auflage war damals bald vergriffen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Laien lernen, Thymian mit der Sichel zu schneiden, für Destillateurin Marie-Claire in der Drome

In der Provence, besser im Département Alpes-de-Haute-Provence, durfte ich in frühen Jahren meines „Handwerks“ an Erntetagen und Destillationen teilnehmen. Gespräche mit Bauern über ihre harte Arbeit, lehrten mich hohen Respekt vor ihnen, den eigentlichen ProduzentInnen im Feld und an der Destille. Ich erinnere mich noch sehr gut an das enttäuschte Gesicht von uns bienenzerstochenen Erntehelfern, dass nach einem ganzen heißen Nachmittag des mühsamen Schneidens von Bio-Thymian, nur circa ein halber Liter ätherisches Öl gewonnen worden war. Wer mein Fachbuch hat, kennt einen dieser Bauern, Monsieur René aus Sault und unser geerntetes Thymiankraut von Seite 24, oben seht ihr die Farbversion, die auch in die 6. Neuauflage meines Fachbuches wandern wird. [Monsieur Renés Sohn Guillaume von hat inzwischen die Firma Aroma’plantes (klick!) ausgebaut, man kann dort wundervolle Bio-Produkte online bestellen – also direkt vom Erzeuger und somit einen kleinen Familienbetrieb, der seit 1978 im biologischen Anbau tätig ist, unterstützen].

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im September 1995 auf dem 3. Schweizer Aromatreffen „Aspekte der Französischen Aromatherapie“ in Zürich, organisiert von Martin Henglein und Veroma

Irgendwann in dieser Zeit, Mitte der neunziger Jahre, leistete ich mir das entsetzlich teure Buch von Pierre Franchomme, Dr. Daniel Pénoël und Roger Jollois L’Aromathérapie exactement (klick! ich staunte nicht schlecht, dass so ein Paperback damals weit über 100 DM gekostet hatte!!!). Dieses Werk war die „Bibel“ aller Menschen, die sich jenseits der eher kosmetisch und vor allem der esoterisch orientierten Aromatherapie informieren wollten – sogar für KollegInnen, die kaum französisch lesen konnten! (Ich machte damals meine Heilpraktiker-Ausbildung und war ganz heiß auf medizinische Fakten rund um die Naturdüfte).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Daniel Pénoël im August 2006

Dieses Fachbuch ist ein eher trocken und dennoch abwechslungsreich zusammengestelltes Werk vor allem über pharmakologische Wirkungen von ätherischen Ölen, mit „leckeren“ Fotos von kranken Menschen, Röntgenbildern, mit spannenden Tabellen, Grafiken, Fallbeispielen und einem riesigen wissenschaftlichen Quellenverzeichnis. Erstmals lernten wird daraus Details über Chemotypen, Gaschromatogramme wurden erläutert, reichlich chemische Formeln der wichtigen Inhaltsstoffe konnten studiert werden, und auch die fantastischen Wirkungen vieler Öle gegen Mikroorganismen wurden ausführlich vorgestellt. Also alles sehr pharmazeutisch-medizinisch orientiert, sowas gab es damals in keinem deutschsprachigen Buch in dieser Ausführlichkeit.

Erstmals waren die wichtigsten Inhaltsstoffe von circa 270 ätherischen Ölen auf fast 100 Seiten aufgelistet, dazu kompakt und übersichtlich die wichtigsten Eigenschaften, Indikationen und ggfs. auch Kontraindikationen. Eine Fundgrube, in der ich viel geschmökert habe und die ich auch heute noch öfters zu Rate ziehe! Als ich 1994 anfing, an meinem eigenen Fachbuch zu arbeiten, waren diese Informationen mein großes Vorbild, ich erhielt von einigen deutschsprachigen Öleanbietern ordnerweise Gaschromatogramme mit den Analysen der bekanntesten ätherischen Öle und trug möglichst viele Erkenntnisse aus französischen und englischsprachigen Quellen zu meinen eigenen Erfahrungen mit ätherischen Ölen zusammen. Es versteht sich von selbst, dass Dr. Pénoël ein Exemplar bekam!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dr. Jean Valnet

Die Art der Anwendungen dieses französischen Arztes und seiner Wissenschaftler-Co-Autoren, und auch vom Arzt Jean Valnet (1920-1995), der mit seinem ins Deutsche übersetzte Buch Aromatherapie recht bekannt wurde, begründeten die neuere „Schule der französischen Aromatherapie“. Es handelt sich nicht um eine Schule im Sinne des Wortes, sondern dieser Begriff wird zur Abgrenzung von den englischsprachigen Empfehlungen verwendet. Ätherische Öle wurden und werden gemäß den allermeisten seriösen englischsprachigen Schulen und Büchern nur äußerlich angewendet und in niedrigen Dosierungen um maximal 3% eingesetzt. Die guten Ausbildungen umfassen circa 300 Stunden (und mehr!), will man Mitglied eines ernst zu nehmenden Berufsverbandes werden, beispielsweise bei der IFA oder der ISPA. Man erneuert seine Mitgliedschaft durch jährliche Fortbildungspunkte, die nachgewiesen werden müssen. Als Mitglied bekommt man Anspruch auf eine gute Haftpflichtversicherung und kann sich bewerben als Leistungsanbieter im britischen Gesundheitssystem NHS, so dass PatientInnen kostenlose Behandlungen buchen können. Die englischsprachige Richtung wurde von der Österreicherin Margerite Maury (1885-1968) gestartet, sie war Krankenschwester und Ehefrau eines homöopathisch arbeitenden Arztes. Die deutsche Übersetzung ihres Buches Die Geheimnisse der Aromatherapie gibt es nur noch antiquarisch. Nachzulesen sind diese Entwicklungen anhand von konkreten Pionieren auch auf meiner Website (klick!).

Ärzte und Pharmakologen in Frankreich und Belgien dagegen werden viel ausführlicher in den Themenbereichen des Franchomme-Pénoël-Buches und ähnlicher Bücher geschult, das Curriculum ist wissenschaftlich orientiert und sehr anspruchsvoll. Medizinische Anwendungen bilden den Mittelpunkt. So ist es kein Wunder, dass ätherische Öle bei klar diagnostizierten Beschwerden und sogar Krankheiten eingesetzt werden, teilweise mit bei uns als „toxisch“ deklarierten Ölen und oft auch in recht hohen Dosierungen. In manchen Fällen werden auch kaum oder unverdünnte Öle eingesetzt. Dahingegen dürfen in Frankreich etliche ätherische Öle, die man im deutschsprachigen Raum bei jedem Anbieter findet, nur auf Rezept verkauft werden, oder verdünnt, dazu gehören Salbei (Salvia officinalis) und Ysop (Hyssopus officinalis).

Einige Vertreter der „französischsprachigen Schule“ der Aromatherapie (Aromathérapie médicale):

  • Pierre Franchomme, Pharmazeut, Frankreich Kurse Videos
  • Dr. Daniel Pénoël, Arzt, Frankreich Schule
  • Dr. Dominique Baudoux,Pharmazeut, Belgien Schule Firma
  • Dr. Jean-Michel Beghin, Arzt, Frankreich und Belgien Schule
  • Philippe Mailhebiau, Frankreich, Infos
  • Dr. Kurt Schnaubelt, Chemiker, San Rafael/USA, Schule Blog Firma

Gattefossé_Buchseite_xsPassend zur französischen Richtung der Aromatherapie wiederhole ich an dieser Stelle nochmals die oft falsch zitierte Story vom Chemiker, Parfümeur und Destillateur René Maurice Gattefossé, der seine Hand bei einem Chemieunfall verbrannte. Er soll sie in einem Pott Lavendelöl „gelöscht“ und gekühlt haben, woraufhin sein Schmerzen verschwunden sein sollen und die Heilung einsetzte. Mit diesem „Wunder“ habe er die Aromatherapie „wiederentdeckt“. Wer lesen kann ist immer eindeutig im Vorteil 😉 und so finden wir auf Seite seines ins Deutsche übersetzten Buches Gattefossés Aromatherapie die korrekte Version dieses Mythos. Der Pionier der „neuzeitlichen“ Aromatherapie (seit den 70er-Jahren) Robert Tisserand – der die Übersetzung von Gattefossés französischsprachigem Buch „Aromathérapie“ (1937) ins Englische (1993) vornahm und kommentierte – weist darauf hin, dass sich sich die Sache völlig anders verhielt. Der genaue Wortlaut ist auf seiner Blog-Seite nachzulesen. Demnach war Gattefossé, dessen Körper wegen einer Chemikalienexplosion im Jahr 1910 (oder nur die Arme? „after a laboratory explosion covered me with burning substances“) richtig brannte, ins Freie gestürzt und sich auf einem Rasen gewälzt, um die Flammen zu löschen. Danach entwickelte sich an beiden Händen ein Wundbrand (der durch das Bakterium Clostridium perfringens ausgelöst wird – es kommt beispielsweise im Boden vor). Seinerzeit verstarben noch ein Viertel der infizierten Menschen an der sich sehr rasch ausbreitenden Gangrän, zumindest war sie ein Grund zur Amputation der befallenen Gliedmaßen in den Kriegen vor dem zweiten Weltkrieg.
Gattefossé vermerkte in seinem Buch, dass „nur eine Spülung mit Lavendelöl“ die übliche Gasbildung im Gewebe stoppte. Es hatte sich bereits begleitend zur gefährlichen Infektion ein übermäßiges Schwitzen entwickelt, doch am nächsten Tag setzte die Heilung ein. Und nur dank des Lavendelöles konnte er weitere Pioniere wie Jean Valnet und Marguerite Maury in dieser duftenden Wissenschaft unterrichten, deren Bücher in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Aromatherapy-Boom in Großbritannien auslösten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wundervolle bewegte Bilder aus der frühen Jahren von Monsieur Gattefossé und der Aromatherapie kann man übrigens in diesem dreiteiligen Film auf Youtube anschauen. Das Ernten von Lavendel wurde 1907 schon gefilmt! Viele alte Fotos aus einem (seinen?) Fotoalbum sind zu sehen. Er ist viel gereist um gute ätherische Öle zu finden. Ein wirklich wertvolles Zeitdokument für alle, die sich mit der Entwicklung dieses duften Berufes beschäftigen möchten!

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Dieses 2500 qm große Feld mit Bio-Pfefferminze-Pflanzen ergibt 2500 Kilo geerntetes Kraut und ergibt, wenn alles gejätet, geerntet, destilliert und abgefüllt ist, 10 Kilo ätherisches Öl (12 Liter) und gerade mal 100 Euro! Die vielen Bio-Pflanzen müssen davor gekauft oder vermehrt werden und in das urbar gemacht Feld gepflanzt werden.

Und damit spanne ich den Bogen zur aktuellen Zeit. Es wird also neuerdings, wie eingangs erwähnt, behauptet, dass nur die französische „Schule der Aromatherapie“ wirklich wirksam sei. Leider behaupten das nicht ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen, sondern fast ausschließlich Menschen, die in irgendwelchen Schnell-Lehrgängen oder gar nach Infoabenden à la Plastikschüssel, Aloe vera-Wundermittel, Küchenmaschine und Nahrungsergänzung „Aromatherapie“ glauben „erlernt“ zu haben. Sie blicken in den allermeisten Fällen nicht auf einen pflegerischen oder gar medizinischen Hintergrund, sondern gehen allerlei unterschiedlichen Berufen nach und möchten sich mit Hilfe der nun zu Nahrungsergänzungs- und Lifestylemitteln ‚modernisierten‘ ätherischen Öle Geld dazu verdienen.

Sie haben jedoch oft keinerlei Vorstellungen von physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper. Sie können mit der Pharmakologie der ätherischen Öle nichts anfangen, verwechseln recht harmlose Monoterpenole mit den heftig wirksamen Phenolen. Stattdessen erfinden Sie immer neue kuriose Attribute zu den Ölen wie ‚Kamphoride‘ (sollen in Lemongrass, Myrte und Citronella enthalten sein). Sie haben auch wenig Vorstellung davon, wie viel Pflanzenmaterial sich in einem einzigen Tropfen ätherischen Öles befindet, denn Pflanzen hegen und pflegen, sie zu ernten und schließlich zu destillieren gehört in den wenigstens Fällen zu deren „Ausbildungen“. Sie sind stattdessen felsenfest davon überzeugt, „viel hilft viel“, „ist ja alles Natur“, „Natur schadet nicht“, „laut der französischen Schule wird es ja auch so gemacht“. Der Umsatz, der Gewinn und das Bilden von lukrativen „Schneeball-MitmacherInnen“ stehen im Vordergrund, ähnlich wie bei vielen modischen Nahrungsergänzungsmittel-Firmen.

Eine Kollegin musste beispielsweise mit ansehen, wie aus gut gemeinter Unkenntnis einer Brustkrebs-Patientin empfohlen wurde, mehrere Tropfen unverdünntes Pfefferminzeöl auf die bestrahlte Haut zu geben (es ergab sich eine schlimme Strahlendermatitis, der behandelnde Arzt schlug die Hände über dem Kopf zusammen). Eine naturheilkundlich interessierte Ärztin wandte sich an mich, weil ihr empfohlen wurde, bei Kopfschmerzen jeweils einen Tropfen Pfefferminze ins Auge zu geben, das Öl würde über den Sehnerv zum Kopfschmerz gelangen und diesen dann ausschalten (sie rief nicht etwa an, weil ihre Augen höllisch brannten, sondern weil ihr Kopfschmerz einfach nicht weg ging). Einem Elternteil wurde – durchaus sicher nett gemeint – empfohlen, dass das Kind mit Krupphusten mit einigen Tropfen Wintergrünöl inhalieren solle (wer findet die zwei Fehler??!!!), ein anderes Elternteil bekam den Tipp, bei den Wachstumsschmerzen des Kindes einfach einige Tröpfchen reines Zimtrindenöl auf die Schienbeine einzureiben. Auf fest sitzende Zecken solle reines Pfefferminzeöl gegeben werden. Das sind nur einige Beispiele, die an mich heran getragen wurden.

Arglose, vermeintlich in „französischer Aromatherapie“ „geschulte“ Personen geben solche Empfehlungen meistens wohlmeinend an Menschen mit Beschwerden ab, gerne auch mal mit Hinweisen auf die „böse Pharmaindustrie“, man könne viel besser mit ätherischen Ölen helfen (was bei nicht-akuten Beschwerden sicher auch häufig stimmt!). Noch arglosere Kunden fallen darauf rein und erleiden in nicht wenigen Fällen schwere Hautreizungen. Diese werden manchmal, gerne wieder mit Hinweis auf die „französische Aromatherapie“, vorausgesagt: Die betreffende Person solle sich dann freuen, Rötungen und Blasen seien willkommene Zeichen der Entgiftung. Zu diesem Thema hat sich eine Mitarbeiterin auf Robert Tisserands hervorragender Seite ausführlich geäußert (auf englisch).

Also, mein Fazit ist: JEDE der beiden Richtungen – hochprozentige Anwendung oder Verdünnung wie Kosmetika – haben jeweils ihre Berechtigung. Medizinisch gut geschulte, erfahrene und professionell versicherte Menschen wie ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen können in vielen Fällen durch kurzzeitige und hoch dosierte Anwendungen bei akuten Beschwerden viel erreichen. Die hoch dosierte und regelmäßige innere Anwendung (beispielsweise in Kapseln) sollte auch diesem Berufsfeld vorbehalten werden. Oder zumindest unter Aufsicht und Verantwortung eines Mediziners.

Zur Begleitung bei chronischen Beschwerden oder von Begleitumständen von „schulmedizinisch“ notwendigen Maßnahmen und auch zur Krankenpflege, haben sich 0,5-3%ige Verdünnungen von ätherischen Ölen über die letzten 30-40 Jahre bestens bewährt. Werden Speisen und Getränke mit ätherischen Ölen zubereitet, sollte das nach den zwei bewährten Kochbüchern Duftküche und Aromaküche erfolgen und immer so verdünnt, wie es die Natur uns zeigt: Beispielsweise statt der abgeriebenen Schale einer Zitrone gibt man 2 Tropfen Zitronenöl in den Kuchenteig, statt mehrerer Stängel Basilikum gibt man 0,5%ig in Olivenöl verdünntes Basilikumöl an den Tomatensalat. Wenn also BefürworterInnen jeder Richtung entsprechend ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Umfeld ätherische Öle behutsam, verantwortungsvoll und nachhaltig einsetzen würden, gäbe es weniger Grabenkämpfe und Platzhirsch-Getue in unserer duften Branche, dazu vielleicht weniger Allergien bzw Sensibilisierungen und allen Beteiligten wäre (wirklich) geholfen. 🙂

Wieviel ml Melissenöl stecken in diesem Feld?

Hier wird in muskelzehrender Arbeit Bio-Melisse geerntet

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Und aus dem Inhalt dieses Sackes werden 5 ml Kamillenöl destilliert

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

zum tod von klaus dürbeck


duerbeck_todesanzeigeEliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieMit grosser Betroffenheit sah ich heute auf der Seite von Fairwild, dass Klaus Dürbeck aus Raubling bei Rosenheim vor wenigen Tagen gestorben ist. Am 13. November hatte er noch seinen Vortrag beim Kongress von Forum Essenzia gehalten. Er war den „alten Hasen“ der Aromatherapie-Szene bekannt als ehemaliger Vorsitzender des Vereines. Er wurde nur 60 Jahre alt, und war einer der Jüngsten der ersten Generation der deutschsprachigen „Naturdüfte-Gemeinde“.
Klaus war auch einer der Gründer der Fairwild-Zertifizierung von Naturprodukten. Mit diesem strengen Siegel sind auch manche ätherische Öle zertifiziert. Seine vielen Reisen kreuz und quer von Land zu Land brachten ihn zu unzähligen Anbaugebieten von Ätherisch-Öl-Pflanzen.

Die Bestattung fand am 22.Dezember 2016 statt, ihm erwiesen circa 200 Menschen die letzte Ehre. Ein ausführlicher Nachruf ist auf der Homepage von Forum Essenzia nachzulesen.

hochkarätige weiterbildung in wien


o%cc%88gwa_kongress_programm2017Frau Dr. Gerda Dorfinger ist die Präsidentin des österreichischen gemeinnützigen Vereines ÖGwA, der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie. Sie, dazu Evelyn Deutsch und ein ganzes Team von engagierten MitmacherInnen planen derzeit am Jubiläumskongress zum 10-jährigen Bestehen des Vereins. Das Motto wird lauten:

Aromatherapie und Aromapflege: „Die Zukunft beginnt heute!“
Samstag, 04. März 2017, 09:00 bis 18:00 Uhr
Europahaus, 1140 Wien, Linzer Straße 429

 

Seit der Gründung im Juni 2006 erlebte die ÖGwA im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens, eine turbulente Zeit des Auf- und Umbruchs. Die ÖGwA widmete sich mit ganzer Kraft den wissenschaftlichen, praktischen und rechtlichen Grundlagen der Aromatherapie und Aromapflege sowie der österreichweiten und internationalen Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit.

Der Jubiläumskongress 2017 bietet ein breites Spektrum von Botanik über Metabolismus ätherischer Öle, Neues aus der Welt der Aromapflege, Wissenswertes über pflanzliche Fette und Öle, sowie wertvolle Hilfestellungen für den Praxisalltag bis hin zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Eine „Open Space-Konferenz“ soll den BesucherInnen die Möglichkeit zu direktem Kontakt mit den Experten in Kleingruppen geben und Gelegenheit für einen anregenden Erfahrungsaustausch bieten. Bei einem Publikumsquiz dürfen diese Ihr Wissen unter Beweis stellen und können spannende Preise gewinnen.

Für den Abschlussvortrag konnte ein Stargast aus der Schweiz, Herrn Univ. Prof. Dr. Claus Wedekind, gewinnen, der aus zahlreichen Medienauftritten bekannt ist und dann endlich auch in Österreich live zu erleben sein wird. Mich haben seine Forschungen ganz am Anfang meiner duften Laufbahn überaus zum Staunen gebracht: Es gehörte zur Faszination der frühen Tage der deutschsprachigen Aromatherapie, dass Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen, einen „schwangeren Geruchssinn“ haben, der nicht in der Lage ist, den (genetisch) geeigneten Partner auszusuchen (um gesunde Nachfahren mit einer ‚guten‘ Ausstattung an Genen zu zeugen). Inzwischen ist die Forschung in diese Richtung ein ganzes Stück weiter voran geschritten, so dass der Vortrag von Prof. Wedekind mit Spannung erwartet werden darf.

Den überaus innovativen Ansatz von Dr. Sabine Krist durfte ich bereits letztes Jahr kennenlernen, sie erkennt Verfälschungen von fetten Ölen an winzigen Spuren von Ätherisch-Öl-Molekülen, die in diesen jeweils ganz individuell enthalten sind. Diese Erkenntnisse gibt uns Aromapflegenden die wissenschaftliche Evidenz, dass fette Öle viel mehr als reine Trägersubstanzen sind, dass sie Stoffe enthalten, welche üblicherweise nur den ätherischen Ölen zugeschrieben werden (wenn auch nur in winzigen Mengen). Neben den wertvollen Fettsäuren, und den haut-heilenden Fettbegleitstoffen rücken nun auch diese Inhaltsstoffe in den Fokus und zeigen einmal mehr, dass Pflanzenöle viel mehr können als ‚tote‘ Mineralöle [in diesem Artikel – ziemlich weit unten – vom vergangenen Jahr beschreibe ich das Thema kurz und dort befinden sich auch Links zu zwei Büchern von Frau Dr. Krist].

Die beiden „Super-Forscher“ und eingefleischten Kenner der ätherischen Öle Dr. Gerhard Buchbauer und Dr. Walter Jäger sollte man unbedingt einmal live erlebt haben!

o%cc%88gwa_seite„Die Zukunft der ÖGwA beginnt heute“. In diesem Sinne soll gemeinsam mit den BesucherInnen eine zukunftsweisende Weiterentwicklung von Aromatherapie und Aromapflege mit hohen Qualitätsstandards erarbeitet werden. Frau Dr. Dorfinger fordert auf:“Lassen Sie uns diesen Start in das zweite Jahrzehnt der ÖGwA miteinander feiern. Wir freuen uns auf einen interessanten und vielseitigen Kongress!“

Das Programm ist folgendermaßen geplant (Änderungen vorbehalten):

08:15 – 09:00 Uhr Einlass und Registrierung

09:00 – 09:15 Uhr Begrüssung, Eröffnung

09:15 – 09:50 Uhr Zur Botanik von Aromapflanzen: Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Johannes Saukel, Wien

09:50 – 10:25 Uhr Aromapflege am Puls der Zeit: Evelyn Deutsch-Grasl, Wien

10:25 – 10:55 Uhr Pause

10:55 – 11:30 Uhr Wechselwirkung ätherischer Öle mit Arzneimitteln: Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Gerhard Buchbauer, Wien

11:30 – 12:05 Uhr Resorption, Verteilung, Metabolismus und Ausscheidung von Terpenen: Einfluss auf die Wirksamkeit: Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Walter Jäger, Wien

12:05 – 13:30 Uhr Mittagspause

13:30 – 15:00 Uhr OPEN SPACE: Fünf Aktions- und Diskussions-Points

  • Ätherische Öle und Mikrobiologie: Dr. med. Gerda Dorfinger, Wien
  • Vom Zauber des Duftes: Ingrid Kleindienst-John, Buchbach
  • Düfte für Kinder: Mag. pharm. Dr. Barbara Nasel, Wien
  • Ätherische Öle in der Welt der Wissenschaft: Ass. Prof. Mag. pharm. Dr. Iris Stappen, Wien
  • Reflexzonenarbeit am Fuß nach Hanne Marquardt: Dr. med. Wolfgang Steflitsch, Wien

15:05 – 15:40 Uhr Verfälschungen von ätherischen Ölen: Dr. Jürgen Wanner, Wallerstein, D

15:40 – 16:15 Uhr Flüchtige Verbindungen in kaltgepressten pflanzlichen Fetten und Ölen: PD Mag. pharm. DDr. Sabine Krist, Wien

16:15 – 16:45 Uhr Pause

16:45 – 17:20 Uhr Der Einfluss von Körperdüften auf Partnerwahl und Schwangerschaft: Univ. Prof. Dr. Claus Wedekind, Lausanne, CH

17:20 – 17:45 Uhr Preisverleihung des Publikumsquiz, Abschiedsworte

Die Teilnahme am Kongress kostet ab 145 Euro inklusive Mittagessen, Pausengetränken und Snacks. Das Programm zum Kongress kann hier (klick!) runter geladen werden, mehr Infos befinden sich auf der Website der ÖGWA (klick!).

botanica2016 – ein erster rundgang


Gut vier wissensreiche Tage auf der sensationellen Aromatherapie- und Phytotherapie-Konferenz Botanica2016 im wunderschönen Seebad Brighton (keine Stunde südlich von London) liegen hinter mir. Anschließend wurde ich noch zu einer Gin-Destillation bei Bombay Sapphire in der Nähe von London eingeladen, ein Drink voll mit aromatischen Kräutern, Wurzeln und Fruchtschalen.

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Das berühmte Pier von Brighton, die schöne Stadt mit einer Art Taj Mahal, einer fast französisch anmutenden Strand-Promenade, mit einem gläsernen Fahrstuhl „in den Himmel“, wurde einst das „London am Meer“ genannt

Ich habe 48 voll geschriebene Seiten vor mir, muss die vielen Themen und Erkenntnisse erst einmal sortieren. Die Gespräche mit etlichen der engagierten KollegInnen aus 46 Ländern waren hoch inspirierend. Es waren insgesamt fast 400 Menschen dort, 25 Sprecher berichteten uns von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. 12 BewerberInnen für ein „Stipendium“ konnten angenommen werden und konnten kostenlos an der großen Veranstaltung auf dem sehr sympathischen Campus der Universität Sussex teilnehmen. Auch konnten wieder VertreterInnen von drei kleinen Destillationsbetrieben aufgrund vorher eingesammelter großzügiger Spenden anreisen und sowohl ihre wertvolle Arbeit als auch ihre Düfte vorstellen.

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Brighton: Geheime Gärten, Häuser und Mauern aus Feuerstein und Sinn für Humor

Was mir in der englischsprachen Aromatherapie-Welt sehr gut gefällt, ist dass die Pflanzen fast immer im Mittelpunkt stehen. Im deutschsprachigen Bereich schleicht sich leider immer mehr ein allopathisches Denken ein, man will die schnelle Lösung gegen eine Krankheit oder gegen einen Zustand, man besteht auf konkrete Rezepturen, Tropfen aus braunen Fläschchen werden abgezählt und angewendet. Die Pflanze(n), von der der entsprechende Duftstoff gewonnen wird, interessiert oft nicht besonders, man hat sich selten ausführlich damit befasst, man weiß sehr häufig gar nicht, ob das verwendete ätherische Öl von einem Baum, aus Blüten oder aus Zweigen destilliert wird. [Freilich gibt es Ausnahmen!]

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Rhiannon Lewis

Veranstalterin und Gastgeberin Rhiannon Lewis, sie ist Herausgeberin des International Journal of Aromatherapy und betreibt eine Schule für Klinische Aromatherapie im Süden Frankreichs, betont regelmäßig, dass mit dieser Veranstaltung, die zum dritten Mal statt fand, die Pflanzen gefeiert und geehrt werden sollen. So hat sie viele international anerkannte ReferentInnen eingeladen, die dieses Thema aus unterschiedlichen Disziplinen vertiefen und beleuchten. Rhiannon betonte ganz zu Beginn der Konferenz, an diesen drei Tagen gehe es nicht um’s Ego. Ich finde es spannend, wie gut das Miteinander und das immer sehr bescheidene Auftreten aller Beteiligten einmal wieder funktioniert hat.

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Shirley Price

Und so ehrte Rhiannon gleich zu Beginn ihre „alten“ Lehrer Shirley und Len Price, die sicherlich zu den herausragendsten, engagiertesten und prägendsten Persönlichkeiten unserer Branche gehören. Fit wie eine Libelle erzählte Shirley dann aus ihrem langen Leben: Wie sie nach einer Zeit als Koch-Lehrerin und Friseurin aufgrund der schweren Arthritis ihrer Mutter zu den heilenden Düften kam. Es gab standing ovations (alle standen zum Beifall auf). Ich selbst machte übrigens mein Diplom ihrer Schule SPICA im Jahr 1990, lernte sie erst etwas später persönlich kennen und durfte vor einigen Jahren für ihr und Len’s Fachbuch einen Abschnitt über deutschsprachige Aromatherapie beitragen.

Der Freitag Vormittag widmete sich in eindrücklicher und teils sehr bewegender Weise den Heilpflanzen. Die sympathische Phytotherapeutin Alex Laird eröffnete diese Reihe von Vorträgen, sie hat die gemeinnützige Organisation Living Medicine mit gegründet, um Menschen aufzuzeigen, wie sie täglich Pflanzen als Nahrung verwenden können und möglichst oft als Medizin. Die engagierte Phytotherapeutin mit wissenschaftlichem Hintergrund ist gerade auf dem Weg, eine Art „Garten der Kulturen“ in London zu verwirklichen, wo Menschen möglichst preiswert oder gar kostenfrei lernen können, wie sie die Vielfalt der Pflanzenwelt nutzen und schützen können.

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Website mit sehr ästhetischen Fotos von AS Apothecary

Die nächste Vortragende war die lokale Destillateurin Amanda Saurin von AS Apothecary, die den anschaulichsten Vortrag über das, was wir uns jeden Tag mit chemischer „Kosmetik“ antun, den ich je hörte, hielt. Sie ließ einfach 21 Personen auf die Bühne kommen, diese repräsentierten die 21 Produkte, die sich jeder Mensch jeden Morgen auf die Haut gibt: Duschgel, Zahnpasta, Lippenstift, Haargel, Deo etc. Jeder bekam eine Liste der Inhaltsstoffe von jeweils einem wohl bekannte Beauty- und Pflege-Produkt eines großen Kosmetikkonzerns in die Hand und auf ein Kommando wurden diese INCI-Wörter laut vorgelesen. Dieser grauenhafte Wortsalat stand für die vielen Moleküle, mit denen unser Körper sich NUR in einem Bereich auseinander setzen muss (von Waschmitteln, Nahrungsmittel-Zusatzstoffen und anderen Chemikalien ganz zu schweigen). Nach diesen zwei Minuten brauchte die sympathische Amanda nicht mehr viel zu erklären! Sie erinnerte uns jedoch daran, dass wir heutzutage ein Leben durch die Linse und durch den Bildschirm leben, wir sind ziel-orientiert und leben zu wenig im Moment. Wir müssen uns wieder mit der Natur verbinden und vor allem in die Kraft der Pflanzen vertrauen lernen. Auch appellierte sie an die Verwendung von lokal und in kleinen Mengen erzeugte Heilpflanzen, denn „wenn Produkte durch eine Maschine entworfen und produziert werden, sind sie für eine Maschine gedacht. Wenn du Produkte mit den Händen erschaffst, dann sind sie hilfreich für menschliche Wesen. Setze dich gegen die Uniformität von Produkten und Menschen ein, traue dich, anders zu sein!“ Ihre sehr ästhetische Website und erst recht ihre traumhafte Galerie bei Instagram untermauern diesen den Natur ehrenden und individuellen Manufaktur-Gedanken, die künstlerischen Fotos werden von zwei Fotografinnen beigesteuert, beispielsweise hier von einer Rosendestillation.

Die nächste Vortragende kam nicht „live“ sondern in Form eines Videos und erklärte warum. Jane Bucke, die zweite „Grande Dame“ der Aromatherapie steht nicht mehr für Veranstaltungen der Aromatherapie-Welt zur Verfügung, sie möchte nur noch leben und vor allem für ihre Enkel da sein. Ihr Vortrag „lessons learnt“ beschreibt ihren Weg, ihre Fehler, ihre Herausforderungen, ihre Forschungen und ihre Pionierarbeit in Sachen klinischer Forschung mit ätherischen Ölen. Jane hat ihre Schule R J Buckle sowie die Rechte an ihrer hilfreichen Anwendungs-Technik für ätherische Öle bei ganz fragilen PatientInnen namens M-Technique im März 2016 verkauft, beides wird nun von ihrer langjährigen Dozentin Carol Scheidel geleitet und organisiert. Ein bisschen traurig und wehmütig betrachtete ich die letzte originelle Szene der Videobotschaft, in der Jane auf einer Art Kinderkarussel sitzt und davon reitet.

Wir bekamen vor der Teepause ein kurzes bewegendes Video der deutsch-französischen Phytotherapeutin Julia Graves zu sehen, sie hatte auf der vergangenen Botanica2o14 über die katastrophalen Nach-Erdbeben-Zustände auf Haiti berichtet und wie sie und ihr Team völlig unbürokratisch regelmäßig dort eine „Busch-Sprechstunde“ abhalten. Inzwischen hat sich die Situation sogar verschärft, so dass es immer schwieriger wird, die nach der 2014-Konferenz großzügig gespendeten ätherischen Öle, Pflanzenheilmittel und Fläschchen überhaupt an den Ort des Geschehens zu bringen. Als Weißer ist man dort nicht mehr sicher, so dass Julias gut instruierte dunkelhäutige Mitarbeiter die dringend NOT-wendige Hilfsarbeit irgendwie fortführen. Einige meiner LeserInnen sind meinem Spendenaufruf von vor zwei Jahren wohl gefolgt und so wurde uns auf einer Folie gedankt: „Eliane Zimmermann und ihre Studentinnen“ stand drauf. Hier steht mein Artikel von 2014 über die Arbeit von Julia Graves zum Nachlesen und Erinnern.

Die Gründerin der vielleicht bekanntesten Aromatherapie-Schule der USA, Andrea Butje von Aromahead, präsentierte im Folgenden drei engagierte kleinere Destillateure, denn es ging bereits in den vergangenen Konferenzen insbesondere darum, diesen kleinen Manufakturen eine Chance zu geben, bekannter zu werden. Und freilich auch damit die VerwenderInnen der Öle und Hydrolate die Möglichkeit erhalten, an sehr authentische und genuine ätherische Öle und an unverfälsche Hydrolate – ohne dass die ätherischen Öle abgezogen werden – zu kommen. Alle drei bekamen die Reise nach Brighton gesponsert und all drei waren überaus sympathische und bescheidene Persönlichkeiten. Zunächst sprach Claire Licher von PhiBee Aromatics aus Sedona im heißen Süden der USA. Ihr Mann Max ist nicht nur Botaniker und Farmer, sondern auch passionierter Pflanzen-Fotograf, und so bekamen wir einen wundervollen Rundgang durch den Alltag der beiden, sie destillierten bereits 80 unterschiedliche Pflanzen. Allein sieben unterschiedliche Wacholder-Öle konnte man an Claires Stand schnuppern (viele zederartige Bäume gehören der Gattung der Wacholder an). Die beiden haben eine Lizenz der lokalen Forstbehörden, ressourcenschonend wild wachsende Pflanzen zu sammeln und zu verarbeiten.

Die nächste Vortragende Janina Soronsen von Wild Herbs of Crete (auf Kreta) hat sehr eindrucksvoll an die Verwendung von wild gesammelten Heilpflanzen appelliert, mir sind ihre unter die Haut gehenden Worte noch sehr lebendig im Gedächtnis. Sie zeigte eine eintönige Landschaft mit unendlich vielen geklonten und zum Bald-Wegwerfen gezogenen Lavandin-Pflanzen in Süd-Frankreich und stellte dafür die Landschaft vor, in der sie und ihr Mann Babis die hier und da sowie dick und gesund wachsenden Heilkräuter sammelt. Diese Massen-Monokulturen versklaven die Pflanzen, sie können nicht mehr miteinander kommunizieren und sich helfen, brauchen darum viel Chemie , um sie in diesen „Intensivstationen“ einigermaßen lebendig zu halten und für eine viel zu kurze Lebensspanne hoch produktiv. Sie dürfen ausschließlich für menschliche Bedürfnisse leben und nicht für sich selbst. Und der Mensch bemerkt in de meisten Fällen noch nicht einmal, dass dieser Raubbau an der Natur schon bald  (oder schon jetzt) zu einer erschreckenden Verarmung von Vielfalt führt, auch klimatische Veränderungen hat er zu verantworten und laut Janina sogar psychische Störungen.

Auch diese engagierte Pflanzen-Liebhaberin appellierte daran, sich gegen die Eintönigkeit und Uniformität Massen-„Heilmitteln“ einzusetzen, Pflanzen nicht millionenfach zu klonen, sie zu achten und zu ehren, ihnen Raum zu geben sich zu entfalten, Heilmittel von kleinen Produzenten zu verwenden. Janina Sorensen: „Wir müssen mehr über Pflanzen-Ethik nachdenken, denn sie sind eine Lebensform, mit der wir diesen Planeten teilen! Wir müssen uns aktiv für Pflanzen einsetzen und für ihr Recht, wild und frei zu wachsen, kämpfen! Wir sind NICHTS ohne Pflanzen“ Ihr kleiner Webshop ist nicht mit den letzten technischen Schnickschnacks ausgestattet, doch es lohnt sich, mal rein zu schauen, man wird mit einzigartigen ätherischen Ölen belohnt. Vor allem bekommt man bei Janina und Babis das seltene, dopaminerg wirkende ätherische Öl des Mönchspfeffer PMS, Menopausen-Symptome, Restless legs etc) und das sensationell adstringierend wirksame Öl der Zweiges des Mastix-Strauchs (bei Krampfadern, Hämorrhoiden, Zahnfleischproblemen etc).

frankincense_tree_by_boswellness

Weihrauchbaum in Somalia, aus dem Film über Boswellness

Bei der letzten Referentin des Freitags Jamie Garvey und ihrem somalischen Ehemann Mahadi Ibrahim von Boswellness in den USA geht es vor allem um mehr Verantwortung und fairere Bezahlung der Ärmsten unter den Armen im Weihrauch- und-Myrrhe-Business in Somalia. Die lokale Bevölkerung wird für die mühsame Arbeit des Sammelns der Harztränen dieser Bäume schlecht behandelt und bezahlt, dadurch sind die Bäume immer mehr gefährdet. Denn sie werden regelrecht ausgeblutet, um etwas mehr Gewinn zu bringen. Die jungen Destillateure klären die somalischen Sammler auf, die Bäume ihrer Region wieder wie deren Ahnen zu achten, sie nur behutsam anzuzapfen, damit auch spätere Generationen noch davon leben können. Jamie und Mahadi sind die ersten, die in der USA eine biozertifiziertes Weihrauchöl- und Hydrolat anbieten, auch wenn Weihrauch- und Myrrhebäume nicht tauglich für Plantagenanbau sind, sie können so gut wie nicht umgepflanzt werden (das ist sicher auch gut so und macht beide Öle so wertvoll!). Das junge Team, es arbeitet bereits mit einigen Wissenschaftlern zusammen, sieht sich als Brücke zwischen den eigentlichen Bewahrern dieser somalischen Kostbarkeiten und dem Handel mit diesen hoch wichtigen ätherischen Ölen, beide beherbergen ein unglaublich wichtiges Potenzial wie die Reduktion von Tumoren; die Leute von Boswellness suchen noch mehr Unterstützer und Investoren, sie würden gerne auch direkt in Somalia eine Destille aufbauen. Bäume in Somalia, die Ernte und der Hintergrund der kleinen Firma ist auf einem sympathischen kleinen Video zu sehen.

PS. Ich werde noch mehr über die zwei weiteren Tage der Konferenz berichten.

aromapflege-kurse der besonderen art


P1000218Oft wird beklagt, dass alle spannenden Kurse und Kongresse über Aromapflege und Aromatherapie im Süden stattfinden. Tatsächlich herrscht ein nicht nachzuvollziehbares Nord-Süd-Gefälle, dass seit circa 10 Jahren noch viel ausgeprägter als zur Zeit meiner ersten aromatischen Tätigkeiten vor bald 30 Jahren geworden ist. Denn in Österreich konnte nach Zeiten vieler Verbote und Einschränkungen die Aromapflege gemäß §64 GuKG in vielen Pflegeinstitutionen erfolgreich etabliert werden, seitdem boomen Ausbildungsangebote, kleine Praxen und auch Ölebieter mit eigenartigen Produkten tummeln sich inzwischen dort vermehrt.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere2In Deutschland gibt es nach wie vor nur eine winzige Anzahl von Menschen, die unabhängig und in selbstständiger Tätigkeit ausschließlich von der Arbeit mit ätherischen Ölen leben. Die meisten KollegInnen sind entweder als Angestellte (oder feste freie MitarbeiterInnen) in Ölefirmen oder Schulen tätig oder gehen sogar völlig anderen Brotberufen nach. Einige liebe KollegInnen sind inzwischen im „Ruhestand“, widmen sich jedoch nun endlich ganz der duften Tätigkeit und genießen eine gewisse finanzielle Grundabsicherung durch ihre Rente.

Nicht so Sabrina Herber, sie ist jung und arbeitet seit 2002 ausschließlich für die Erfüllung ihres duften Traumes. Als keines Mädchen bereits erlernte sie von ihrer Mutter, die Altenpflegerin ist, was das Kümmern um gebrechliche oder kranke Menschen bedeutet. Ihr Interesse für naturheilkundliche Betreuung führte sie ins Allgäu und sie wurde Aromaexpertin im Fachbereich Pflege. Inzwischen ist sie auch Gesundheitspraktikerin BfG, die sich auf Duftkommunikation spezialisiert hat, dazu auch Hospizbegleiterin und MediAkupresspraktikerin nach dem Konzept „Begleitende Hände“. In den letzten 13 Jahren betreute die engagierte Mutter von drei Kindern ein Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser und Hospize im Bereich der Aromapflege und der Schulung der Mitarbeiter. Sie legt Wert auf eine Auswahl an Öleanbietern mit denen sie behandelt und schult, so dass die KursteilnehmerInnen immer selbst entscheiden können, welche Öle und Angebote am besten jeweils zu ihnen passen

sabrina_herber_seminarhaus_vivereIm Jahr 2008 konnte sie dann ihr kleines, aber feines Seminarhaus in Schwollen im schönen Hunsrück eröffnen, die Vivere Schule für Aromatherapie und Aromapflege. Dort werden seitdem umfangreiche Fachweiterbildungen angeboten. Schnell erweiterte Sabrina das Seminarangebot auch mit anderen erfolgreichen komplementären Pflegemethoden wie z.B. der MediAkupressur. Die Seminarteilnehmer kamen und kommen aus ganz Deutschland, aus dem nahen Luxemburg und Belgien, sogar aus Österreich und der Schweiz.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere_edelsteinweg

Man wandelt durch den Kies, schaut vielleicht nach unten und siehe da, dort funkeln kleine Halb-Edelsteine in der Sonne!

Die kleine Schule ist stetig gewachsen und platzte bald aus allen Nähten, so stand Anfang Mai der Umzug in ein neues Gebäude an: ein Blockhaus aus Holz mit mehr Bewegungsfreiheit, nach und nach pflanzt Sabrina auch wieder einem tollen Kräutergarten an (im früheren Garten hat mich ihr origineller Edelsteinweg toootal begeistert). Sabrina freut sich, dass sie einen wirklich ganz besonderen Ort gefunden hat (oder hat der Ort sie gefunden???)

Sie hat nun die Möglichkeit, parallel in zwei gemütlichen Räumen Seminare, Workshops, Beratungen und Schulungen durchzuführen. Das naturnahe Gebäude ist großzügig und trotzdem sehr gemütlich gestaltet. Ihr Referenten Team besteht inzwischen aus drei ViVere-Team Dozenten und derzeit sieben Gastreferenten (zu denen ich auch gelegentlich gehöre!). Dies macht es ihr möglich, auch die Fachweiterbildung zur ViVere-Praktikerin für komplementäre und naturheilkundliche Pflege anzubieten.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere_außenIm Außenbereich des schönen Holzhauses hat die talentierte Hobbygärtnerin und Sammlerin von schönen teils antiken Deko-Stücken bereits wieder begonnen, einen Kräuter- und Duftgarten anzulegen. Eine Wildblumenwiese, sowie Beerensträucher zum Naschen werden sich dazu gesellen. Die großzügige Holzterrasse lädt dazu ein, die Seminarpausen draußen zu verbringen. Ganz besonders freut sie sich, dass sie jetzt auch Übernachtungsmöglichkeiten für Referentinnen und Seminarteilnehmer zur Verfügung stellen kann. Ihre sympathische Teamkollegin Gertrud Schneider bietet nach Terminvereinbarung gesundheitspraktische Beratung, auch für pflegende Angehörige, Massagen, Wärmepackungen, Wickel, Auflagen, MediAkupress-Anwendungen und gesundheitspraktische Duftkommunikation in ihrem wunderschön gestalteten Raum an.

Sabrina gehört zu den fleißigen Blog-Schreiberinnen, hier kann man aus einem inzwischen riesigen Fundus an Rezepturen und Ideen schöpfen. Und wer all die tollen Sachen life erleben möchte: 2014 hat sie mit ihren Kolleginnen Gertrud Schneider und Sarah Schütz den 1. Fachkongress für komplementäre Aromapflege und Prävention im Gesundheitswesen organisiert. Sie durften am Umwelt Campus in Birkenfeld 180 Gäste begrüßen. Der nächste Fachkongress wird im Jahre 2017 stattfinden. Über Kurse, Termine und die genaue Lage ihrer Schule im beschaulchen Hunsrück (das Edelsteinstädchen Idar-Oberstein liegt um die Ecke, Koblenz, Trier, Mainz, Saarbrücken und die Stadt Luxemburg sind nicht weit entfernt, die Adresse lautet Am Geissler 10, 55767 Leisel), informiert man sich auf Sabrinas neu gestalteter Website. Sie gibt auch auf zahlreichen sozialen Netzwerken Infos und kostenlosen Rat [Facebook und Instagram]

sabrina_herber_seminarhaus_vivere3Ach ja, HAPPY BIRTHDAY liebe Sabrina, mögen die feinen Düfte dir noch viel Freude, Erfolg und Gesundheit bringen.

keimsanierung durch raumbeduftung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNeben fast zwei Dutzend anderen Beratungswünschen bekam ich vor einigen Tagen die Frage, ob ich Studien zur Raumbeduftung kenne, die belegen, dass die Raumluft mit ätherischen Ölen eher gesundheitsförderlich ist statt gefährlich und die Menschen schädigend. Prompt bekomme ich „zufällig“ und ohne danach zu fragen von einer meiner kompetentesten englischsprachigen Kolleginnen den Link zu einer neuen wissenschaftlichen Arbeit von einem Team von Forschern von der Universität Milano (Mailand, Italien).

Ich habe bislang allerdings nur das vielversprechende Abstract (Zusammenfassung) und noch nicht die volle Studie vorliegen. In einer Pflegeeinrichtung mit 112 auf zwei Etagen verteilten Betten (circa 1060 qm) wurde fünf Monate lang beobachtet, wie sich das Standard-Hygiene-Protokoll und dieses zusammen mit Beduftung durch ätherische Öle kombiniert auswirkt. Vor und nach der Raumduft-Maßnahme wurden mikrobiologische Abstriche (von Oberflächen) gemacht. Die Ergebnisse zeigten, dass in beiden Varianten die Keimlast (Pilze und Bakterien) sich um durchschnittlich 90 Prozent reduzierte (gesamt p < 0.01 und p < 0.05 für Hefen und Pilze).

Spannend ist die Reduktion von benötigten Medikamenten:

  • 70% weniger Antibiotika-Einnahmen
  • 100% weniger Einnahmen von schleimlösenden Produkten
  • 100% weniger Einnahmen von bronchienerweiternden Mitteln
  • 67% weniger Bedarf an steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten
  • 33% weniger Bedarf an nichtsteroidalen entzündungshemmenden Medikamenten

Es wird zudem wird angemerkt, dass keine unerwünschten Nebenwirkungen auftraten. Die Autoren folgern, dass die von ihnen gewählte Mischung von ätherischen Ölen sowohl effektiv bei der Verminderung der Keimlast in der Umgebung von Patienten in einer klinisch-pflegerischen Umgebung ist als auch sinnvoll, um bei ihnen die Einnahme von chemischen Medikamenten zu reduzieren.

So schön diese Ergebnisse klingen, bitte daran denken: Diese Maßnahmen erfolgten ZUSAMMEN mit konventionellen Hygiene-Maßnahmen. Zudem wird eine Reduktion von Medikamenten nicht immer willkommen geheißen, denn das hieße weniger Geld in die Kassen bestimmter Groß-Konzerne. Da ich jedoch stark dafür bin, dass die Gesundheit eines jeden einzelnen Menschen so schonend wie möglich unterstützt werden wollte, werde ich noch recherchieren, welche ätherischen Öle auf welche Weise eingesetzt wurden. [Gelmini F, Belotti L, Vecchi S: Air dispersed essential oils combined with standard sanitization procedures for environmental microbiota control in nosocomial hospitalization rooms, diese Studie kann für 31.50 $ bei Elsevier erworben werden]

seriöse siegel und zertifizierungen für ätherische öle


Wir „alte Hasen“ kriegen regelmäßig Augen- und Gehirnschmerzen, wenn wir sehen, was sich in der Ätherische-Öle-Szene so an kuriosen Versprechungen, abstrusen „Therapie“-Empfehlungen und vor allem an Qualitätssiegel-Prosa tummelt. Sabrina hat hier auf ihrem Blog  (klick!) dieser Tage über AusbilderInnen und BeraterInnen geschrieben und über den Unsinn, Aromatherapie und Aromapflege per reinem Fernstudium (ohne Präsenzzeiten) erlernen zu wollen (und sich dies von entsprechenden Instituten für teures Geld andrehen zu lassen).

Arglose und begeisterte Neu-EinsteigerInnen werden manchmal wirklich unverschämt buchstäblich an der Nase herum geführt. Darum hier schonmal ein kleiner Blick in die sehr erweiterte und aktualisierte Neuauflage meines Fachbuches Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, die im Herbst 2017 erscheinen wird. Die Erläuterungen zu den Siegeln kann ich hier nicht verraten, das kann jedoch heutzutage jeder selbst im Internet nachlesen (oder eben später in meinem Buch!). Es lohnt sich wirklich, mit diesen Siegeln vertraut zu sein und sich diese einzuprägen, auch um beim Einkaufen von ehrlicher Naturkosmetik und von einigermaßen naturbelassenen Lebensmitteln den Durchblick zu behalten.

Es ist sehr ratsam, ausschließlich ätherische Öle auf Haut und Schleimhäute zu verwenden, die mit einem anerkannten Bio-Siegel ausgezeichnet sind, das gilt ganz besonders für Öle, die – wie im letzten Blog-Beitrag (klick!) erwähnt – eingenommen werden (bitte nur wenn entsprechender Ausbildungshintergrund vorhanden ist und in winzigen Mengen, nicht bei Kindern herum experimentieren!). Allerdings gibt er hier wie dort schwarze Schafe, so dass ein Bio-Siegel für Pflanzen, aus denen ein Öl produziert wurde, sinnlos werden kann, weil beispielsweise das Endprodukt unfachmännisch destilliert, beim Transport zu stark erhitzt wurde oder falsch (und „ewig“) gelagert.

Von Firmen selbst erfundene vermeintliche Siegel sollten misstrauisch machen, auch Werbung mit Industrie-Siegeln sollte mit Vorsicht genossen werden: mit letzteren werden Produktions-Abläufe, Größen, Gewichte etc zertifiziert und nicht zwangsläufig hervorragende Qualitätsstandards für Produkte. Die folgende Liste stellt wichtige Qualitätssiegel vor, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Biosiegel_Agriculture-biologiqueAB Agriculture Biologique: höchstmögliche Bio-Qualität, nur für Öle aus der EU

AFNOR Association Francaise de Normalisation: Normierung von industriellen Produkten, kein Zusammenhang mit Bio-Qualität

Bio_BDIH_NaturkosmetikBDIH Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel: Qualitätsrichtlinien u. a. für Naturkosmetik

bs_4c_posBio Suisse: einer der höchsten Biostandards der Welt

Bio_Demeter_LogoDemeter: höchstmögliche Bio-Qualität, Pflanzen aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft

Bio-Siegel_DeutschlandBIO Deutsches staatliches Bio-Siegel: Mindest-Kriterien, die der EG-Öko-Verordnung genügen

bio-ecocertecocert (Siegel Biokosmetik & Siegel Naturkosmetik): einst erste Zertifizierungsstelle mit Standards für Natur- und Biokosmetik

Biosiegel_EuropaLogoEU-Bio-Logo: seit Juli 2010, gilt EU-weit als verbindliches Bio-Siegel

Bio_FairTrade-Logo

Fair Trade: kann, muss jedoch nicht Bio-Qualität sein

Bio_FairwildFairwild: seit 2008 an den WWF angegliedert; kann, muss jedoch nicht Bio-Qualität sein

Bio_Logo_IFOAMIFOAM International Federation of Organic Agriculture Movement: Dachverband internationaler Organisationen der biologischen Landwirtschaft

ISO International Standardization Organisation: Normierung von industriellen Produkten, kein Zusammenhang mit Bio-Qualität

Bio_NATRUE_miniNatrue: sehr strenge Richtlinien für naturkosmetische Produkte

Bio_Nature_et_progrèsNature & Progrès: höchstmögliche Bio-Qualität für Kosmetika und Lebensmittel

Das  Copyright © der Siegel liegt bei dem jeweiligen Verein/Verband, das Copyright © dieser Zusammenstellung liegt bei Eliane Zimmermann.

ein kongress und elf themen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieEin buntes Feuerwerk mit vielen abwechslungsreichen Themen wurde knapp 200 Gästen aus acht unterschiedlichen Ländern vom Team des österreichischen Aromatherapie-Vereines VAGA am vergangenen Wochenende kredenzt. Folgende Themen boten wohl für jeden und jede TeilnehmerInnen etwas Passendes:

  • wissenschaftliche Details über die „Gewohnheiten“ von Lippen-Herpes-Viren und wie ätherische Öle ihnen „das Leben schwer“ machen können (Prof. Dr. Jürgen Reichling)
  • Vorzüge von Oxymel (Sauerhonig), Bärlauchblütenessig und anderen heimischen Heil- und Wildpflanzenspezialitäten (Heilpflanzenpädagogin Helga Tenne)
  • Zusammenhänge zwischen Angst- und Depressionskrankheiten mit dem Riechsinn bzw. begleitende Riechstörungen (Dr. Eva Heuberger)
  • Implementierung der Aromapflege in einer Klinik (MSc Nadja Bischof)
  • Ekel vor bestimmten Gerüchen und seine Rolle bei der Entwicklung von Burnout bei Angehörigen von Pflegeberufen (Dipl.-Ing. Christine Lamontain)
  • Gesetze, die bei der Kosmetikentwicklung (Mag. Wolfgang Lederhaas) oder Verbreitung von ätherischen Ölen (Univ.-Doz. Dr. Reinhard Länger) zu beachten sind
  • fette Öle, die in der gesunden Ernährung (Ingrid Karner) und zur Stärkung des Haut-Immunssystems (Ruth von Braunschweig) perfekte Helfer sein können
  • Marketing-Tipps zur erfolgreicheren Vermarktung unseres schönen Berufes

Ich selbst habe einen „Schnelldurchgang“ über 100 Jahre alte und etliche neuere wissenschaftliche Erkenntnisse gegeben. Das Wetter startete am Samstag mäßig nett, zeigte sich jedoch am Sonntag von seiner feinsten Seite, so dass die Pausen im schönen Park des Kongresshotels am Rande des Wiener Waldes so richtig genossen werden konnten.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZwischendrin gab es feinste Snacks, leckere und vielfältige Mittagsmahlzeiten und viel Gelegenheit, die zahlreichen Messestände zu besuchen und sich mit den Eigentümer oder Vertretern von besonderen Ätherische-Öle-Anbieter-Firmen zu unterhalten.

In drei Tagen fängt meine Aromatherapie-am-Meer-Fortbildungen-Saison an, so dass ich derzeit im Vorbereitung-Modus bin, doch ich werde das eine oder andere Thema in der nächsten Zeit ausführlicher vorstellen. Ein großer Dank geht an all die „fleißigen Bienen“, die für das Gelingen sorgten, insbesondere an Mag. Sabine Hönig (Mitte) für die kurzweilige und präzise Moderation, an Päivi Blöchl (links) für die unglaublich gute „Choreographie“ der Vorbereitungen und des Ablaufs der Veranstaltungen und an Ingrid Karner (rechts) für ihre vielen Initiativen und ihre kreative Ausdauer.

grüsse aus tokyo


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieJa, girls, hier geht es vielleicht aromatisch zu! Der Berufsverband AEAJ hat tatsächlich 50.000 Mitglieder, im Büro sitzen circa 30 Damen und lassen das Organisationsbüro laufen, zwei oder mehr Dutzend von anerkannten Öleanbietern (darunter selbstverständlich auch der deutsche Marktführer!) gibt es in Japan.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDie Ankündigung, bevor der Kongress mit 500 angemeldeten Personen startet. Alles klar?

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDer Saal: Alles ist extrem professionell hergerichtet und trotzdem cool und ruhig organisiert, jeder Platz ist mit Kopfhörern ausgestattet, damit mein englischsprachiger Vortrag von zwei tüchtigen Damen simultan übersetzt wird. Ich bekomme die japanischen Einlagen ins Englische übersetzt.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieZum Frühstück, zwischendrin und nach der Arbeit gibt es die interessantesten Speisen, teilweise glibberig, seetangig, würzig, scharf, neuartig, oft mit kuriosen Kräutern wie Sancho (Xanthoxylon piperitum), Perillablätter (weiter unten abgebildet), Pestwurz und Salat-Chrysanthemenblättern, in Salz eingelegten Kirschblüten und Kirschblättern, fremdartigen Zitrusfrüchten wie Yuzu, Pseudobrokkoli der einfach nur ein sprossender Raps-Stängel ist, Lotus-Wurzeln wie Kartoffelchips zubereitet oder auch gekocht, Lilienzwiebelchen, panierte leckere Bambussprossen (kein Vergleich zu dem Zeug aus der Dose!) und Süßspeisen aus Bohnen. Und immer Grüntee dazu oder Bancha-Tee (geröstet). Immer sehr vielfältig und sehr leicht, hier kann man nicht fett werden! Und immer mit extremen sensorischen Erlebnissen verbunden!

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch komme mir vor wie Alice im Wunderland, höre gar nicht mehr auf zu staunen! Die Reise um den Globus lohnt sich unbedingt, auch wenn 9 Stunden Zeitverschiebung nicht von Pappe sind! Wenn ich es richtig verstanden habe, wartet noch ein ganz besonderes olfaktorisches Erlebnis auf mich.

auch heilpflanzen stehen auf mobil-info


PhytoApp_Einstieg_Ursel_BühringWer mich etwas kennt, weiß dass ich ein Telefon -und Handymuffel bin. Seit ich das I-Phone besitze, weist mein Blutdruck sogar höhere Werte auf, so sehr stresst mich das nützliche Ding, das meine Reisen vereinfachen soll. Doch gerade deswegen kann ich nicht immer dort ins Internet, wo ich gerade unterwegs bin, beispielsweise ab Freitag in Japan.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDoch es gibt einige moderne technische Dinge, die wirklich umwerfend sind. Dazu gehören meine fast 300 Nachlagewerke, Aromabücher und Romane auf dem kleinen Kindle-Lesegerät, die ich immer im Handgepäck mit mir herum tragen kann. Und dazu gehören nützliche Apps, die mir im Ausland mit Übersetzungs- und Währungsrechner-Diensten behilflich sind und auch solche, die mir auf einen Blick Inhaltsstoffe, wissenschaftliche Namen und Besonderheiten zu Duft- und Heilpflanzen verschaffen.

Keine geringere als eine der ganz großen und gut bekannten Heilpflanzenschule-Pionierinnen und Heilpflanzenbücher-Autorinnen, die überaus engagierte Ursel Bühring (klick!), hat eine übersichtliche PhytoApp (klick!) herausgegeben. Ich durfte sie testen, ganz handymuffel-bequem am heimischen Bildschirm 😉 , freilich ist sie auch für Smartphones und Tablets erhältlich (5,99€). Unter dem eher trocken anmutenden Einstiegs-Bild von hier oben über dem Artikel verbergen sich unglaubliche Schätze:

  • Verantwortungsvolle Selbsthilfe mit Heilkräutern – Möglichkeiten und Grenzen
  • Einfaches, praxisnahes Lernen: über Heilpflanzen, deren Inhaltsstoffe und Zubereitung
  • Ich habe…. (Halsweh, Blasenentzündung..): was tun?
  • weit über 100 Pflanzen werden vorgestellt (Inhaltsstoffe, Wirkungen, Indikationen, Hinweise, Anwendungen)
  • Indikationen (Ursachen, Symptome, Naturheilkunde, Heilpflanzen-Phytotherapie)
  • Grundlagen: Herstellung, Wirkstoffe-Wirkweisen, Quiz u.a.
  • Selbsterklärender Aufbau, leichte Handhabung
  • Umfangreiche Bildergalerie – schauen Sie mit Ursel Bühring durch die Kamera

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieEtliche der vielen Heilpflanzen sind auch für uns Aromafachleute von Interesse, beispielsweise Anis, Baldrian, Fenchel, Kamille u.s.w., man findet auch eine Seite mit einer Beschreibung, was ätherische Öle sind und was sie auszeichnet. Andere Pflanzen sind für uns interessant, wenn wir Heilpflanzen in fetten Ölen mazerieren, beispielsweise Gänseblümchen und Ringelblume, oder sie für Tees einsetzen möchten. Dann findet man eine exakte Beschreibung. Da ich in der Phytotherapie einigermaßen zu Hause bin, habe ich mir mal einige Pflanzen angeschaut, die mir noch nicht sonderlich vertraut sind, beispielsweise die Ballonrebe (Cardiospermum), das sieht dann folgendermaßen aus (man kann alle Überschriften-Balken aufklappen, unterschiedliche Fotos wandern als kleine Diashow):

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieWer bislang nur mit kostenlosen Apps arbeitet, dem mag die Investition von knapp 6 Euro teuer erscheinen, jedoch kann ich diese handlichere Form eines dicken Buches wärmstens empfehlen, vor allem wenn man schnell im Falle von Beschwerden oder beim Fund einer Heilpflanze nachschlagen möchte und wenn man absolut zuverlässige Pflanzenabbildungen benötigt (wie oft habe ich in Facharbeiten völlig falsche Pflanzenfotos anschauen müssen, die Mister Goggle geliefert hat und die von den Lernenden der Heilpflanzenwelt nicht zuverlässig beurteilt werden werden konnten).

Als App-Neuling bin ich total fasziniert, wie man hin und her klappen und schalten kann, wie sehr man bei manchen Gebieten in die Tiefe gehen kann. Ich stelle mir das für (junge!) AnfängerInnen der Heilpflanzenkunde wunderbar vor. Man findet auf dieser App wirklich alles Wissenswerte, je nachdem, was man anklickt und wird nicht von einer frustrierend wirkenden Flut von gedruckten Seiten erschlagen. Zudem kann man sich „Fachchinesisch“ erläutern lassen und man kann sogar eigene Ergänzungen dazu schreiben! In einer kleinen Slideshow (klick!) kann man sich die Details erläutern lassen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieJetzt wünsche ich mir nur noch eines: Bei den jeweiligen Pflanzen hätte ich liebend gerne ein oder zwei oder drei Präparate aus der Apotheke aufgeführt, in denen die Pflanzenzubereitung enthalten ist, also beispielsweise Euminz bei Pfefferminze (kommt übrigens zweimal im Menü vor) oder Kamillosan bei Kamille (sofern rechtlich erlaubt). Das Einloggen nach 15 Minuten Unaktivität (man wird – angekündigt – rausgeschmissen) funktioniert – zumindest bei mir am Computer – nicht zuverlässig (egal ob bei „starte PhytoApp“ geklickt oder auf „folgenden Link klicken“ geklickt, ich bleibe draußen), da könnte man sicherlich für mehr Klarheit sorgen.

Jetzt aber geht’s los: Hier geht’s zur relevanten Seite im AppStore (klick!), hier (klick!) schauen Andoid- und Tablet-Besitzer nach, und die Web-Ausgabe für den guten alten Computer gibt es hier (klick!). Viel Spaß! Und nicht vergessen, Ursel ein paar Sternchen/Bewertungen zu schicken!