angstlösendes orangenöl (bei ratten) – ein wissenschaftlicher vergleich mit teebaumöl


Das ätherische Öl von Citrus sinensis (Orangenschalenöl) wurde in einer brasilianischen Verhaltensstudie an männlichen Ratten auf seine anxiolytische (angstlösende) Wirkung untersucht. Den Tieren wurde jeweils 5 Minuten lang Orangenduft (100, 200 or 400 μl) in die Käfigluft gegeben (Plexiglaskäfig), danach mussten sie unterschiedliche standardisierte Verhaltentests durchlaufen. Die anxiolytische Wirkung zeigte sich in allen Dosierungen in jeweils wenigstens einem Test, die hohe Dosierung wurde sogar als „signifikant“ wirksam beschrieben. Um beurteilen zu können, ob dieser Effekt allgemeiner Natur ist bzw. einfach mit allgemeinen Eigenschaften von ätherischen Ölen zu tun haben könnte, hat man die gleichen Tests mit dem ätherischen Öl von Melaleuca alterifolia (Teebaum) vorgenommen. Die anxiolytische Wirkung konnte nicht nachgewiesen werden. [Faturi CB, Leite JR, Alves PB, Canton AC, Teixeira-Silva F. Anxiolytic-like effect of sweet orange aroma in Wistar rats. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2010 May 30;34(4):605-9.]

Besinnen wir uns des Tieres in Menschen und schnuppern im Herbst tüchtig an den Orangenschalen fürs Müsli! Jeweils ein oder zwei Tropfen von guten Bio-Orangenöl bereichern auch viele Süßspeisen. Vielleicht überstehen wir den dunklen Winter ohne Ängste und Depressionen! Isst jemand Bio-Zitrusfrüchte? Man kann die Schalen im Tiefkühler in einem Plastikbeutel sammeln und später bei ausreichender Menge (nach dem Auftauen klein schneiden) in einem „altmodischen“ kleinen Expresso-Gerät (das man direkt auf den Herd stellt) zu einem leckeren Hydrolat destillieren. Wieder mal vielen Dank an Leserin Ursula für diese Studie aus meinem Heimatland, wo die Orangen mangels kühler Nachttemperaturen grün und nicht orangefarben sind! So oder so ergeben sie ein Öl aus nachhaltigem Anbau, denn meistens wird es als Beiprodukt der Saftherstellung und/oder Orangeatherstellung (Fotos unten bei der Firma Dierberger in São Paulo) gewonnen.

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der kampferbaum und seine chemotypen


Gestern war ich mit meiner besuchenden Kollegin Sabrina auf der wunderbaren Blumeninsel Garinish Island, die nun mit den Folgen des fürchterlich kalten Winters kämpft – vielleicht der kälteste seit Bestehen des subtropischen Parks, also seit genau 100 Jahren.

Ich hatte eine Kartenskizze angefertigt, wo nun die besonderen Pflanzen nach und nach eingetragen werden sollen und mit Geodaten für technikverliebte Besucher versehen werden. Das kommt dann alles in unser Buch über die besonderen Gärten der Umgebung.

Wir haben einige Kampferblätter zum Pressen gesammelt, um sie unseren jeweiligen KursteilnehmerInnen zeigen zu können. Und um daran zu erinnern, dass dieser große Baum namens Cinnamomum camphora in ganz unterschiedlichen Chemotypen je nach Herkunft vorkommen kann:

  • Cinnamomum camphora Ct. Borneon – Kampfer-Chemotyp, der bekannte Kampfer der einst als Mottenkugel eingesetzt wurde, das ätherische Öl aus den Blättern wirkt extrem neurotonisch, regt also Denkfähigkeit und Kreislauf stark an, kann aber bei Überdosierung neurotoxisch wirken, ist also bedenklich für die empfindlichen Zielgruppe wie Schwangere, Babys und Epileptiker
  • Cinnamomum camphora Ct. 1,8-Cineol – Eukalyptol-Chemotyp, genannt Ravintsara, wächst nur auf Madagaskar, ausgezeichnet verträglich trotz des hohen Cineolanteils, stark antiviral wirksam, auch für Kinder verträglich, wenn sie nicht unter asthmatischen Beschwerden leiden (für französischsprechende hier ein Artikel von Olivier Behra, der die Namenskonfusion vor einigen Jahren aufklärte)
  • Cinnamomum camphora Ct. Linalool – Linalool-Chemotyp, genannt Ho-Blätter, kommt auch wie erstgenannter Baum aus China, das Öl aus den Blättern enthält fast nur den blumig duftenden und ausgezeichnet verträglichen Monoterpenol Linalool („Lavendelalkohol“), wunderbar bei Infektionen von Groß und Klein und auch von Tieren einsetzbar. Es wird als nachhaltiger „Ersatz“ für das Holzöl aus der bedrohten Art Rosenholzbaum (Aniba rosaeodora) in der Aromatherapie verwendet.

Der Baum ist ein ganz enger Verwandter der Zimtbäume Cinnamomum zeylanicum und Cinnamomum aromaticum, deren Blätter sehr ähnlich aussehen. Hier sind wirklich nur einige aus einer riesigen Gattung dieser vielfältigen Lorbeergewächse erwähnt.

destillieren (fast immer) verboten


Ich hatte in meinem Online-Magazin 22 (2007) bereits darüber geschrieben: Es ist Blumengarten-, Kräutergarten- und Obstgartenbesitzern nicht so ohne Weiteres erlaubt, die eigene aromatische Ernte zu destillieren. Der Privatbesitz von Destillen jenseits einer dekorativen Größe ist an strenge Auflagen gebunden und offiziell muss JEDER Destillationsgang bei der zuständigen Zollbehörde angemeldet werden (also wäre beispielsweise keine Spontan-Destillation am Wochenende möglich). Es könnte ja illegal Schnaps gebrannt werden, daran wollen fast alle Staaten kräftig mitverdienen. So stehen etliche private Hydrolat- und Ätherische-Öl-Kleinst-DestillateurInnen immer mit einem Fuß im Gefängnis.

Nach dem Motto Destillieren ist ein Hobby – kein Verbrechen haben es die Versender von tollen Kupferdestillen gewagt, eine Petition beim Deutschen Bundestag einzureichen (heute erst ab 14 Uhr zugänglich die Bundestags-Website wird gerade gewartet), damit diese Vorschriften gelockert werden.

Es werden noch viiiiiiele Unterschriften benötigt! Kai und Cosima Möller eröffnen zudem übermorgen ein einmaliges Aromamuseum, das Destillen präsentieren wird und alles rund um die Gewinnung von echten und natürlichen Düften zeigen wird. Wer also in den Osterferien einen Abstecher von der A7 im Raum Fulda machen möchte, sollte sich den kleinen Ausflug nach Buchenau gönnen! (Foto: Aromamuseum)

ätherische öle auf der biofach-messe


Heute endet die größte Messe für umwelt-, tier-, pflanzen- und menschenfreundlich hergestellte Waren: Biofach. Alle paar Jahre schaue ich mich dort um. Naturkosmetik und ätherische Öle sind seit letztem Jahr in eine eigene kleine Messe ausgegliedert worden: Vivaness. Dieses Jahr fiel als erstes auf, dass die sonst riesigen Stände von Primavera, Dr. Hauschka und Weleda fehlten (ich habe nicht exakt erfahren können warum, nur einige Gerüchte hier und da). Von den größeren Ätherisch-Öle-Firmen waren Farfalla, Florame, Neumond und Oshadhi vertreten, dazu viele kleinere oder mir noch nicht vertraute Firmen, auch etliche aus dem Ausland.

Ich habe an einem brasilianischen Stand wieder ein paar Kapitel zum grässlichen Rosenholz-Krimi gehört. Diese Amazonas-Baumriesen (Aniba rosaeodora) sind wegen ihres fein duftenden Holzes und dem daraus hergestellten ätherischen Öles sehr begehrt, und so bekommen Umweltschützer auch schon mal eine Knarre an die Schläfe gedrückt. Verbunden mit der dringen Empfehlung, ihre Aktivitäten einzustellen (ich berichtete in meinem Online-Magazin 11 vor circa sechs Jahren darüber).

Farfalla hat die wunderbare Edelstein-Serie um ein leuchtend gelbes Mitglied erweitert: Bernsteinöl und Bernstein-Spray mit fein frisch-warm-zitronigem Duft. Wirklich ein Lichtbringer und Energetisierer in dieser imer noch recht finsteren Jahreszeit (aber natürlich nicht nur in den dunklen Monaten) –  dieses Fläschchen wird meine Naturparfümkollektion erweitern.

Florame hat die früher altbacken wirkende Kosmetikserie optisch aufgepeppt und überhaupt frischen Frühlingswind in das Äußere von vielen Produkten gebracht.

Neumond feiert das 25-Jahre-Firmenjubiläum mit einem (T)Raumspray aus warmen Mandarinen/Zitrustönen und einer ganz besonderen und kostbaren Vanille aus Fair-Trade. Bereits andere Sprays aus dieser Serie verwende ich auch gerne als Parfüm, da sie aus hochwertigem Alkohol hergestellt sind – mir sind sie für die Raumbeduftung einfach zu schade.

Die Sammel-Leidenschaft und Lust am Weltreisen des Gründers von Oshadhi Malte Hozzel hat dazu geführt, die bereits letztes Jahr unglaubliche Menge an 450 ätherischen Ölen auf über 500 unterschiedliche Düfte ansteigen zu lassen.

Wir Aromatherapie-DozentInnen erzählen in unseren Kursen ganz oft, dass eine der Wiegen der Duftkultur der Menschheit in Ägypten liegt, denn die Pharaonen benutzten duftende Salben und Öle und räucherten mit dem Harz der dort wachsenden Weihrauch-Bäume. Ich erfreute  mich über ein inspirierendes Gespräch mit einer ägyptischen Aromatherapeutin, die ihre Bio-Öle vorgestellt hat.

Natürlich konnte ich mir einen Spaziergang durch die vielen Food-Hallen nicht verkneifen und bin beeindruckt, wie viel Innovation in der Bio-Branche immer noch möglich ist. Das Trockenmüsli-Image ist inzwischen fast aus der Branche verschwunden und fast alle Produkte sehen modern und zeitgemäß aus und egal wo man probiert, es schmeckt einfach gut und vollmundig.

Therapie und Ordnung


Irgendwie traurig, dass sich die Tätigkeit des Therapierens immer mehr von dieser Ordnung entfernt. Viele ätherische Öle wirken ‚regulativ‘ und können auf wirklich wundersame Weise wieder zu dieser Ordnung verhelfen. Wenn dann noch helfende Hände die Öle in diesem Sinne zur Verfügung stellen, kann ein bisschen mehr Ordnung, Frieden und auch ZuFRIEDENheit verbreitet werden. Pflanzliche Heilmittel benötigen allerdings meistens viel mehr Zeit, um wieder für Ordnung zu sorgen als moderne Hauruck-Medikamente (die für akute Zuständige auch ganz wichtig sind). Etwas, das sich durch jahrelanges Leben außerhalb der Ordnung langsam zusammengbraut hat, benötigt – trotz naturheilkundlicher Unterstützung oft recht lange, bis die Ordnung wieder hergestellt ist. Man sagt in der Naturheilkunde, dass etwas, das beispielsweise nach 10 Jahren ‚Unordnung‘ zu einer chronischen Erkrankungen führte, mindestens 10 Monate benötigt, um auszuheilen (wenn überhaupt). Nach fünf Jahren der Dysbalancen werden trotz tollster begleitender Pflanzenmittel fünf Monate benötigt, um die Balance wieder herzustellen. Pflanzenheilkunde ist also etwas für Geduldige. In diesem Sinne gilt für die AromaTHERAPIE: Pflanzendüfte führen zu innerer und zu kosmischer Ordnung (zum Vergrößern das Bild anklicken!).

PS Wer eine interessante Vorlesung an der Uni Hamburg über den Sekundärstoffwechsel der Pflanzen nachlesen möchte und was Terpene und Phenole für Pflanze, Tier und Mensch bedeuten, sollte hier reinschauen (nicht von den Formeln verschrecken lassen und unten auf Fortsetzung klicken!).

Chia-Samenöl – nachhaltige Omega-3-Versorgung



Ich hatte an anderer Stelle bereits über die Wichtigkeit einer regelmäßigen Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren geschrieben. In der Presse wird oft behauptet, dass dies nur mit Fischölen möglich sei. Das ist jedoch nicht korrekt, neben dem einheimischen Leinsamenöl stehen und einige pflanzliche Öle zur Verfügung, welche weder fischig-tranig schmecken (sofern sie frisch sind) und die nachhaltig aus rasch nachwachsenden Pflanzen gewonnen werden. Zudem greift diese Art der Gewinnung nicht in das mittlerweile sehr wacklige Ökosystem der Meere ein.

Eines davon ist das Öl der Samen der in Mexiko ganz populären Nahrungspflanze Salvia hispanica. Chiasamen enthalten knapp 40 Prozent Chiaöl, 18 bis 23 Prozent hochwertiges Protein und Vitamin A, Niacin, Thiamin, Riboflavin sowie die Mineralien Kalzium, Phosphor, Kalium, Zink und Kupfer. Dazu Antioxidantien und reichlich Ballaststoffe, die in Wasser teilweise zu Schleim werden. Das in Deutschland noch ziemlich unbekannte Samenöl wird aus den 2 mm langen Samen einer mexikanischen Salbeiart durch CO2-Extraktion gewonnen. Bereits die Azteken und andere Völker Mittelamerikas bauten Chia an, dessen Blätter als Gewürz benutzt wurden, die Samen wurden geröstet und zu Mehl verarbeitet in Pfannkuchen genossen. Sie enthalten 20 Prozent Proteine mit einem besonders hochwertigen Aminosäurespektrum, mehr als Weizen, Hafer und Gerste. Chiasamen-Öl enthält mehr als 60 Prozent wertvoller Omega-3 Linolensäure, einem der höchsten Gehalte im Pflanzenreich. Es ist darum ein ideales Nahrungsergänzungsmittel für Vegetarier, da die meisten Omega-3-Kapseln mit Fischölen einen mehr oder weniger unangenehmen Nachgeschmack verursachen.
In der Hautpflege eingesetzt, verbessert das kostbare Öl die Elastizität der Haut und ist auch zur Behandlung angegriffener Schleimhäute geeignet. Es hat entzündungshemmende Eigenschaften und ist ein sehr gut verträgliches und allergenfreies Öl. Innerlich eingenommen hat dieses Öl, wie alle omega-3-reichen Pflanzenöle, antientzündliche und antithrombotische (blutverdünnende) Eigenschaften, es pflegt somit die Blutgefäße. Erhältlich ist das WERT-volle Öl – ein paar Tropfen täglich auf Müsli oder Salat genügen – bei Ronald Reike und bei Maienfelser. Es ist nach dem Öffnen nicht allzu lange haltbar, in unserer kühlen Speisekammer bemerkte ich den leicht tranigen Geschmack der oxidierten Linolensäure nach circa einem halben Jahr. Danach wird das Öl schnell bitterer und auch stinkender – ähnlich wie Leinöl, es sollte dann nicht mehr verwendet werden. Also: zügig-regelmäßig einsetzen! Foto Samen: wikipedia · Paul Henjum

Die Erde ist eine Scheibe und Pflanzen sind dumm wie Bohnenstroh



Seit Mai wird ein erbitterter Kampf unter Botanikern auch in den öffentlichen Medien ausgefochten. Es geht nicht nur um das Wort „Pflanzenneurobiologie“ sondern auch um die Konsequenzen, die dahinter stecken. Unter anderem immer wieder die alte Frage: „Sind Pflanzen intelligent?“.
Einige Forscher vergleichen diverse Zellstrukturen und ihre Reaktionen auf die Umwelt mit den nervlichen Möglichkeiten, die Tier und Mensch zur Verfügung haben. Sie haben nachweisen können, dass in der Pflanze so genannte Aktionspotenziale ausgelöst werden können, bislang laut Lehrmeinung nur möglich bei Kreaturen mit Nervensystem.
Der Forscher Eric Brenner vom Botanischen Garten in New York konnte nachweisen, dass sich diese „Nervenimpulse“ über 30 Zentimenter weit innerhalb einer Sonnenblume ausbreiten können. Er ist sich sicher, dass Pflanzen als Gesamtorganismus auf Umweltreize reagieren können, und nicht – wie bislang angenommen – nur in einzelnen voneinander getrennten Bereichen. Er und seine Forschergruppe wollen das Informationsnetzwerk innerhalb von Pflanzen entschlüsseln.
Nicht nur er sondern auch einige andere aufgeschlossene Wissenschaftler werden darum für esoterisch oder sonstwie „verwirrt“ erklärt: In einem Brief im Fachblatt Trends in Plant Biology (Bd.12, S.135, 2007) drückten kürzlich über dreissig Wissenschaftler – unter anderem David Robinson vom Heidelberger Institut für Pflanzenwissenschaften und Gerhard Thiel von der TU Darmstadt ihre Bedenken und ihre Verärgerung aus.
Die Pflanzenneurobiologen wünschen sich von den Kritikern, dass sie weniger dogmatisch sein sollten. „Der Begriff Plant Neurobiology ist eine Metapher“, erläutert Anthony Trewavas, ein Pflanzenneurobiologe der Uni Edinburgh. Auch Frantisek Baluska und Dietmar Volkmann von der Uni Bonn sind der Meinung, dass Metaphern sehr nützlich sein können, denn sie öffnen den menschlichen Geist für erweiterte Denkansätze. Sie wünschen sich, dass man auf eine neue Art und Weise über Pflanzen nachdenkt.
Seit zwanzig Jahren untersuchen sie, wie Pflanzen auf Signale aus deren Umwelt reagieren, insbesondere im Wurzelbereich. „Wir wissen, dass Pflanzen unter der Erde intensiv miteinander kommunizieren“, sagt Dieter Volkmann. „Sie reden miteinander und auch mit bestimmten Pilzen. Dieses unterirdische Kommunikationsnetz ist mindestens so gross wie das World Wide Web, es ist ein riesiges dynamisches Netz.“
„Diese Arbeitsweise unterscheidet sich kaum von einem Gehirn in der Tierwelt“, meint Baluska. Im Pflanzenreich gäbe es also eine dem Nervensystem vergleichbare Struktur. Sie hat die gleichen Aufgaben, ist aber ganz anders aufgebaut.
Selbst der sehr viel zurückhaltendere Botaniker Hubert Felle von der Universität Gießen, der seit Jahren elektrische Aktivitäten in pflanzlichen Zellkulturen misst, bestätigt, dass Pflanzen elektrische Signale benutzen, um auf die Außenwelt zu reagieren. Diese Signale befähigen Pflanzen auf Feinde wie Blattläuse oder Raupen mit Abwehrmechanismen zu reagieren.
Besonders spannend ist die Kommunikation der Pflanzen – auch mit Tieren – mit Hilfe von Duftstoffen. Sie sind sozusagen die Buchstaben eines ungeheuer komplexen Alphabets. Wenn beispielsweise bestimmte Raupen Tomatengewächse angreifen, bilden sie einerseits Abwehrstoffe, aber mit dem Duftstoff Methyljasmonat warnen sie gleichzeitig ihre Nachbarpflanzen. Dieser Duftstoff ist in der Parfümindustrie nicht nur bekannt sondern auch äußerst beliebt.
Kiefern „erkennen“ den Kleber der gefährlichen Kiefernblattwespe, deren Larven ganze Wälder kahl fressen können, und „rufen“ bald nach deren Eiablage eine andere Wespenart, welche die Eier schädigt. Diese „Buschtrommel“ erfolgt mit dem Ätherisch-Öl-Duftstoff trans-beta-Farnesen und nur die „gute“ Wespe versteht den „Hilferuf“, selbst wenn er aus bis zu zwei Kilometern Entfernung ausgesendet wird.
Ähnlich macht es (naturbelassener) Mais: Wird er von Raupen angefressen, sendet auch er Moleküle aus, welche Schlupfwespen anlocken. Diese legen Eier in die Raupen und die sich daraus entwickelnden Larven fressen die Raupen von innen auf! Nordamerikanischer Mais lockte in guten alten Zeit noch mit Hilfe von beta-Caryophyllen, das uns von ganz vielen ätherischen Ölen bestens vertraut ist, die für ihn wichtigen Fadenwürmer an. Deren Job ist es nämlich, den für die Maispflanze fatalen Maiswurzelbohrer in Schach zu halten.
Diese Abwehrmechanismen kosten die Pflanze jedoch viel Energie und auch Zeit: Sie wachsen in solchen Abwehrsituationen weniger. Das mag aber die moderne Landwirtschaft gar nicht, alles muss schnellstens und scheinbar effizient vonstatten gehen. Und so werden Pflanzen diese altmodisch anmutenden und wachstumshemmenden Kommunikationmechanismen erstens weg gezüchtet. Zweitens leiden die grünen Wesen erheblichen unter Smog, Ozon und sonstwie verschmutzter Luft, denn ihre „Buschtrommeln“ sind auf das saubere Transportmedium Luft und Wind angewiesen. Zudem „schwitzen“ Pflanzen als Reaktion auf Sitzestress Isopren aus (ein halbes Monoterpenmolekül), welches stärker als die chemisch-duftenden „Hilferufe“ riecht, welche die Nützlinge sowie andere „angesprochene“ Pflanzen dann nicht mehr vernehmen können.
Und so kommen kommen unsere grünen Freunde und Freundinnen ohne die kostspielige Unterstützung der Agrargifte nicht mehr aus. Was diese Industrie natürlich auch hoch erfreut, denn ihre Umsätze können sich sehen lassen: 2007 machte allein ein Agrargifte-Riese 5,8 Milliarden Euro Umsatz. Mit dem innovativen Wirkstoff Clothianidin, der in diversen Produkten enthalten ist, setzte man immerhin 600 Millionen Euro um. Klar, dass einem das energieraubende „Gequatsche“ der Pflanzen nur Konkurrenz macht und ausgeknipst werden muss.
Die Hoffnung, dass Pflanzen böse Absichten von geldgierigen Menschen mit ihren eigenen Giftstoffen rächen, habe ich freilich nicht. Auch wenn der Forscher Axel Mithöfer vom Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena aufdecken konnte, dass Limabohnen aus Südamerika auf die raspelnden Kaubewegungen ihrer Feinde, den Baumwolleulenraupen reagieren können. Man baute einen Roboter-Wurm namens MecWorm, der am Bohnenlaub knusperte. Das beeindruckte das Leguminosengewächs nicht die Bohne. Erst das Nachahmen eines ganz bestimmten Kautaktes der gefräßigen Raupe ließ die Pflanze reagieren.
Die Rache der Pflanzen ist subtiler und betrifft leider vor allem die Unschuldigen: Babys und Kinder, deren Immunsystem oft nicht mit den veränderten Strukturen der Pflanzen umgehen kann. Was uns bleibt: möglichst nur echte und ehrlich zertifizierte Bioware aus der eigenen Region, am besten aus dem eigenen Garten, als LEBENSmittel verwenden. Und der vollständige Verzicht von billig-abstoßendem Agrargiftgiganten-Fraß vom Discounter. Fangen wir heute damit an!
Mehr zum Thema im Buch von Florianne Koechlin: Pflanzenpalaver. Belauschte Geheimnisse der botanischen Welt. Und in der Ausgabe Juni 2009 von natur + kosmos.

Rosenblütenduft



Eine liebe KursteilnehmerIn hat mir ihre Fotos von der Rosenernte 2008 in Bulgarien zur Verfügung gestellt (danke, liebe Eva). Im Tal der Rosen, circa 150 km östlich von der Landeshauptstadt Sofia, wächst, die kostbarste aller Rosen, die Rosa x damascena; sie wird dort von Hand geerntet. Eine geübte Erntehelferin muss dort 278 ganze Tage arbeiten, damit aus ihrem Ertrag circa 1 Kilo Rosenöl hergestellt werden kann. Dazu verwendet sie keine Werkzeuge, die Rosenblüten werden vielmehr gebrochen, also mit geübter Hand an einer „Sollbruchstelle“ flink abgeknickt. Das Kilo bringt bis zu 8500 Euro auf dem Weltmarkt (bei Bioqualität, sonst kann es auch etwas preiswerter sein). Die fleißigen Menschen, die diese dornige Arbeit vor Tagesanbruch machen, erhalten circa 6 Euro pro Tag.
Der eine Euro für einen Tropfen besten Rosenöles enthält den konzentrierten Duft von circa 30 Rosen. Inklusive der Erntearbeit, der Energie zum Destillieren, dem Transport, dem Abfüllen, den chemischen und physikalischen Echtheits- und Qualitätskontrollen, den Fläschchen, den Etiketten usw. Nicht teuer, oder?
Das echte bulgarische Rosenöl geliert bei circa 17 Grad Celsius, früher war das ein Qualitätsmerkmal. Leider haben Fälscher das gemerkt und fügen nun Paraffine in gefälschtes, gepantschtes oder synthetisiertes „Rosen“öl. Das Echte enthält bis zu zwanzig Prozent hochmolekularer Wachse, die dieses Erstarren bei kühlen Temperaturen verursachen.
Der typische Rosenduft in der frischen Blüte kommt unter anderem von den Rosenalkoholen Geraniol, Citronellol und Phenylethanol. Letzterer geht bei der Destillation größtenteils verloren, im Rosenabsolue dagegen riecht man noch köstliche über 50 Prozent. Dieser Alkohol wirkt lokal schmerzlindernd und antiseptisch, dazu auch stimmungsaufhellend. Gleichzeitig reizt er nicht die Haut.
Rosenöl als ganzes ist wirklich ein Gesamtkunstwerk, ein Fläschchen, am besten in 10 ml Jojobalöl aufgelöst zur sparsameren Dosierbarkeit, hilft für und gegen fast alle Beschwerden. Ganz anders als synthetisches „Rosenöl“, das nur aus ganz wenigen Duftstoffen aus dem Labor gemixt wird. Diese enthalten zudem einige Prozente an chlorierten Trägerstoffen, welche unnötige Reizungen und sogar ein höheres Allergierisiko in sich bergen. In Russland und Bulgarien ist Rosenöl übrigens ein wichtiges Medikament gegen schwere Lebererkrankungen. Warum der wahre Duft der Rose aus verschiedenen Komponenten besteht (mehr als 400 Inhaltsstoffe) und was das mit den Bienen zu tun hat, ist auf meiner Website nachzulesen.


PS Heute erscheint „Bild der Frau“ Ausgabe 16 mit einem Artikel über Aromatherapie, für den ich als Expertin fungierte, Foto auf meinem anderen Blog. Auf der Website der Süddeutschen Zeitung ist ein interessanter Artikel über Männer, ihre Duftvorlieben und ihr Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht nachzulesen.

Weitersagen und mitmachen!


Hallo Leute, nutzt eure Blogs um diese tolle Idee weiterzugeben: am kommenden Samstag ist Earth Hour, also am 28.3. um 20:30 Uhr (jeweils lokaler Zeit) werden weltweit die Lichter und andere Stromfresser für eine Stunde ausgeknipst. Letztes Jahr machten bereits viele internationale Konzerne mit, Prominente sowieso und viele kleine Privatleute über den ganzen Globus verstreut. Ladet Freunde ein, werft Kerzen und Duftlampen an und redet mal wieder statt SMS zu schreiben! Mehr Infos habe ich in meinem anderem Blog beschrieben. Ihr dürft auch gerne diesen meinen text hier rauskopieren und per E-Mail verschicken, Hauptsache es wird so richtig dunkel am Samstag Abend (ob es dann Ende Dezember auch einen Anstieg der Weltbevölkerung geben wird???).

Haltbarkeit von ätherischen Ölen



Ich musste es selbst in meine Bücher schreiben, doch so genau stimmt das einfach nicht: „Zitrusöle halten circa ein Jahr“. Denn man kann sich in Büchern nicht in epischer Breite über die Wenns und Abers eines jeden Öles aufhalten. Eben öffnete ich ein recht neues Fläschchen Orangenöl des Marktführers, es stand fast vorbildlich temperiert in unserem eher schlecht geheizten Haus, also nie über 20 Grad (meistens eher um die 15 Grad oder kälter) und dunkel im Küchenschrank (nicht im Kühlschrank). Ich hatte es erst im Spätherbst erstmalig benutzt. Also müsste es nach Schema F noch „frisch“ sein. Doch meine empfindliche Nase meldete eben „Recycling-Alarm“, also keine Verwendung mehr für „edle Zwecke“ wie Speisen, Duftlampe und Bad, sondern für schnöde Einsätze wie Etikettenentfernen, Kloputzen und Schuhschrank entkeimen. Und altes Orangenöl reinigt hervorragend verkleisterte Duftlampen: einfach ein paar Tropfen mit etwas Klarspüler der Geschirrspülmaschine mischen und etwas einziehen lassen. Hier meine Haltbarkeits-Hitliste (nach erstmaligem Öffnen der Fläschen) für Zitrusöle, das sind Erfahrungs- und Mittelwerte von Ölen der unten rechts aufgelisteten Firmen, die ich seit fast 20 Jahren abwechselnd verwende:

  • Ultrakurz (3 bis 6 Monate): Orange, Bitterorange, Blutorange und Mandarine
  • Kurz (3 bis 9 Monate): Limette und Zedrat
  • Mittelkurz (bis zu 1,5 Jahre): Zitrone und Grapefruit
  • Relativ lang (circa 3 bis 4 Jahre): Bergamotte

„Haltbarkeit“ bezieht sich auf die Frische und Schönheit des Duftes und auf die Verträglichkeit auf normaler Haut. Die Öle sind nach diesem Zeitraum nicht zwangsläufig schlecht oder verkeimt (vermutlich, laut einer Studie mit „alten“ Nadelölen sogar sehr keimtötend, also ideal zum Toilettenputzen), aber auf alle Fälle hautreizend und ggfs. stinkend. Beim Putzeinsatz immer bedenken, dass Monoterpene (in Zitrus- und Nadelölen) Thermoplasten angreifen, also Hartkunststoffe, das sind jene, die „knacken“, wie CD-Hüllen und Kühlschrankschubladen.