aromapflege bei riechenden tumoren


Eukalyptusblüte

Eukalyptusblüten: Die Deckel einiger Kapseln öffnen sich

Kann man in der Palliativmedizin etwas gegen den üblen Geruch, den zerfallende Tumore abgeben, unternehmen? Gestern und heute lief mir diese Frage über den Weg, darum hole ich diesen sieben Jahre alten Blog-Artikel hoch. Betroffene, Angehörige und vor allem Pflegende leiden sehr unter Tumorgerüchen und fühlen sich gar abgestoßen. Die Belastung ist enorm, denn Geruchsekel gehört zu den ältesten Emotionen, die den Menschen vor Gefahren, vor Tod, Verwesung, gefährlichem Zerfall durch Mikroorganismen sollen. Der Mensch, der sowas riechen muss, ist ständig in Abwehrstress, das Unbewusste befindet sich im Alarm-Bereitschafts-Modus. Neben einer oder zwei breitflächigen Schalen mit Kaffeebohnen, die den Geruch ein wenig absorbieren und neutralisieren, könnte man eine ähnliche Mischung wie das unten beschriebene Fertigprodukt herstellen (lassen).

Diese Frage nach der Linderung von Tumorgerüchen wurde nämlich bereits wissenschaftlich beleuchtet, als sich vor circa 15 Jahren auch ein Team von Wissenschaftlern rund um PD Dr. Dr. Patrick Warnke von der Universität Kiel und der Bond University In Australien (Robina, Queensland) damit beschäftigten. Sie kreierten und testeten eine Ätherisch-Öl-Mischung namens Kielmix®. (Leider ist das Produkt nicht mehr auf der australischen hersteller-Seite gelistet, es scheint gänzlich aus dem Internet verschwunden).

Diese Mischung wurde von Medizinern auf stinkende Krebstumore gegeben. Die Idee war zunächst, einfach die Gerüche zu reduzieren, indem die Ausbreitung der Zerfallsbakterien eingedämmt werden sollte. Die erfreuliche Nebenwirkung war, dass die Wunden begannen, Zeichen von Heilung zu zeigen, der Bakterienbefall ging wirklich zurück (auch MRSA) und dass sogar bei einigen Patienten das Tumorwachstum sich verlangsamte. Kielmix® enthält laut Herstellerfirma:

  • Eukalyptusöl 136mg
  • Teebaumöl 131mg
  • Lemongrassöl 86mg
  • Zitronenöl 71mg
  • Gewürznelkenöl 73mg
  • Thymianöl 26mg
  • Ethanol (Weingeist) 347mg

Es wäre mit etwas mehr gesundem Menschenverstand und vor allem mit mehr Aufgeschlossenheit so einfach, in der heutigen Zeit einfach ein paar Labore zu bemühen, um diese Rezepturen und Fallbeschreibungen zu verifizieren, die Mischungen ggfs. den betreffenden Umständen anzupassen, sie beispielsweise mit Jojobaöl und Johanniskrautöl anzufertigen. So könnte man den betroffenen MENSCHEN wirklich helfen, ihre ohnehin oft höllenmäßig empfundene Situation besser zu ertragen. Welcher Mensch ist schon gerne pflegebedürftig und muss sich obendrein auch noch für eklige Ausdünstungen schämen… Die obigen ätherischen Öle sind übrigens allesamt preiswert, selbst wenn sie von hervorragender Quelle stammen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Lemongrass in Brasilien

[Stephan T. Becker, Eugene Sherry, Sureshan Sivananthan, Harald Essig, Jörg Wiltfang, Ingo N. Springer, Joachim Bredée, Patrick H. Warnke. Behandlung fötider Tumorulzerationen mit ätherischen Ölen (KIELMIX®) in der Palliativmedizin · Zeitschrift für Phytotherapie 06/2006] Probeheft dieser Fachzeitschrift aus dem Hippokrates Verlag: MVS Medizinverlage Stuttgart. Ein kleiner Bericht aus der renommierten Onkologie-Fachzeitschrift ‚Journal of Clinical Oncology‘ ist hier (in englischer Sprache) nachzulesen. Der gesamte Artikel in deutscher Sprache ist für knapp 30 britische Pfund hier online zu bestellen und runterzuladen.

Inzwischen haben Prof. Warnke und sein Team auch eine Reihe von ätherischen Ölen gegen diverse krankenhausübliche und antibiotikaresistente Bakterien- und Hefestämme durchgetestet und für eine preiswerte, effektive und „vielversprechende Kraft“ befunden. Sie testen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian (weiß ?), Lavendel, Zitrone, Lemongrass, Zimt, Grapefruit, Nelkenknospe, Sandelholz, Pfefferminze, Kunzea und Salbei  [Warnke PH, Becker ST, Podschun R, Sivananthan S, Springer IN, Russo P A, Wiltfang, J, Fickenscher H, Sherry E (2009). The battle against multi-resistant strains: Renaissance of antimicrobial essential oils as a promising force to fight hospital-acquired infections. Journal of craniomaxillofacial surgery, 37(7), 392-397

PS Wer ein kritisches, jedoch sehr lesenswertes  Buch eines Gynäkologen lesen möchte: Wirtschaftfaktor Brustkrebs von Prof. Dr. Franz Fischl der seine Ordination nach etlichen Jahren an der Uni Mainz in Wien (am AKH) hat.

schlafen auf der intensivstation


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNach dem vorherigen Artikel über verbesserten Schlaf für Pflegende, die im Schichtdienst arbeiten, bekam ich die Info über eine erst kürzlich veröffentlichte Studie, in der man sich mit dem Schlaf von PatientInnen auf einer Intensivstation beschäftigte. Danke, liebe Heike; für diese ergänzende Arbeit.

Es überrascht sicher niemanden, dass Menschen, die ein gesundheitliches Trauma durchmachen, möglicherweise mit dem Tod ringen müssen, von Ängsten geplagt sind und schwere Schmerzen durchleiden, nicht an erholsamen Schlaf denken können. Dazu die Medikamente, die Schläuche, die Elektroden, die piependen und blinkende Apparate, das Kommen und Gehen der Betreuer.

So wurde in diesem türkischen Experiment geschaut, wie 60 HerzpatientInnen auf Lavendelöl reagieren. Die Schlafqualität wurde nach zwei standardisierten und anerkannten Skalen bewertet [Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und Beck Anxiety Inventory (BAI) scale]. 15 Tage lang bekam die Hälfte der vorher informierten TeilnehmerInnen 2%ig verdünntes Lavendelöl zum Einatmen. Die Kontrollgruppe bekam kein Lavendelöl zu riechen. Nach diesen zwei Wochen wurde in beiden Gruppen die Schlafqualität wieder bewertet.

Die Lavendelgruppe zeigte signifikant bessere Ergebnisse (p < 0·05), was die Qualität des Schlafes und auch was die Stärke der Angstsymptome anbelangte. Die Autoren schließen daraus, das diese nicht-invasive und kostengünstige Maßnahme für die Intensivpflege-Betreuung von HerzpatientInnen sinnvoll ist, denn sie kann von den Pflegenden selbstständig vorgenommen werden und ist einfach anwendbar.
[Karadag E, Samancioglu S, Ozden D, Bakir E. Effects of aromatherapy on sleep quality and anxiety of patients. Nurs Crit Care. 2017 Mar;22(2):105-112]

glas_aluminium_inhalierstift_blau_xsWenn jemand diese hilfreiche Anwendung ausprobieren möchte, bitte darauf achten, dass Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) eingesetzt wird, denn billigerer Lavandin kann relativ viel Campher (Kampfer oder Bornan-2-on) enthalten, dieser aktiviert und macht wach. Nur das ätherische Öl aus der Lavandin-Züchtung Lavandula × intermedia Super kommt dem Echten Lavendel in der beruhigend wirksamen Zusammensetzung recht nahe. Idealerweise gibt man 1-2 Tropfen des Lavendelöles auf einen Tupfer, der in der Nähe der Nase des Patienten gelegt wird, oder – zunächst teurer jedoch langfristig preisgünstiger, weil wochenlang benutzbar – auf einen Inhalier-Stick, wie sie inzwischen von mehreren Anbietern erhältlich sind, auch schöner und hygienischer aus Glas (in der Schweiz bei Florentia und für Österreich und Deutschland bei Sabine Nachbauer). Der beruhigend und angstlindernd wirksame Inhaltsstoff Linalylacetat ist auch reichlich in folgenden ätherischen Ölen enthalten:

  • Mentha x citrata, Bergamottminze: 34–63 % Linalylacetat
  • Citrus x bergamia, Bergamotte: 35% Linalylacetat
  • Salvia sclarea, Muskatellersalbei: 75% Linalylacetat
  • Lavandula × intermedia Super: +/- 35% Linalylacetat
  • Citrus x aurantium flos, Neroli: 3-16 % Linalylacetat
  • Citrus x aurantium fol, Petit Grain: 50-70 % Linalylacetat
  • Bursera delpechiana, Linaloe-Früchte: 22% Linalylacetat (und fast die doppelte Menge im sehr seltenen Öl aus den Samen und Samenhülsen)

Abbildung Inhalierstifte: Sabine Nachbauer

cumarine in aromapflege und schulmedizin


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie gibt eine große Vielfalt einer Molekülegruppe namens Cumarine. Etliche sind natürlichen Ursprungs und kommen in diversen Leckereien wie Aprikosen (Marillen), Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen, in den Heilkräutern Salbei, Dill und Kamille vor sowie auch in dem bei uns Aroma-Fachleuten beliebtem und äußerst fein duftendem Tonkaextrakt. Es handelt sich meistens um 7-Hydroxycumarine (mit einer OH-Gruppe am SIEBTEN Kohlenstoff-Atom der Kette). Die licht-sensitivierenden und stimmungsaufhellenden sowie antitumoral wirkendenden Fur(an)ocumarine (wir kennen sie von Zitrusschalenölen, von Angelikawurzelöl und von Kreuzkümmelöl) und Dihydropyranocumarine gehören auch zu den Cumarinen. Eine weitere Bezeichnung für Cumarin lautet 2H-1-Benzopyran-2-on, es handelt sich um das zyklische Lakton einer entsprechenden Hydroxyzimtsäure-Verbindung.

Andere Cumarine werden von Chemikern gebaut bzw das Grundgerüst des in der Natur vorkommenden Cumarin-Moleküls wird verändert. Solche mit der OH-Gruppe am VIERTEN Kohlenstoff-Atom der Kette werden sowohl in der Medizin als auch bei der Schädlingsbekämpfung eingesetzt, sie wirken je nach Dosierung leicht oder stark blutverdünnend bzw antikoagolierend.

Die Fachautoren Dieter Loew, Hermann Hauer und Egon Koch erläutern Verwechslungen dieser zwei grundsätzlich unterschiedlich wirksamen „Designs“ von Cumarinen und halten fest: „Im Gegensatz zu den in der Natur weit verbreiteten an Position 3 und 4 nicht substituierten Cumarinderivaten besitzen Antikoagulanzien vom Cumarintyp eine OH-Gruppe an C-4, die die Voraussetzung für die antikoagulatorische Wirkung bildet, sowie eine lipophile Seitenkette an C-3, die verantwortlich für die Resorption und hohe Bioverfügbarkeit ist. Trotz dieser eindeutigen Erkenntnisse werden 3,4-unsubstituierten Cumarinderivaten aber immer wieder ähnliche gerinnungshemmende Effekte wie den oralen Antikoagulanzien vom Cumarintyp unterstellt.“ [Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung ist zwar nicht mehr taufrisch, da von 2009, doch wirklich sehr lesenswert.]

Weil das später Warfarin getaufte Molekül in den frühen 1920er Jahren zum Tod von tausenden von Rindern in Nordamerika führte – sie verendeten an inneren Blutungen, wurde dieser Stoff erstmal verteufelt. Man fand dann nach längerer Zeit heraus, dass der „sweet clover“ (süße Klee) durch Lagerung und die Infektion mit einem Pilz am Drama schuld war. Im verschimmelten Heu hatte eine Umwandlung des ungiftigen Cumarin im Heu in das gerinnungshemmende Dicoumarol statt gefunden, die Kühe konnten kein Prothrombin für die Blutgerinnung mehr bilden. Diesen Stoff stellte man dann im Labor her und er wurde als Antithrombotikum verschrieben, er hemmt die Verarbeitung von Vitamin K.

Noch größeren Erfolg hatte diese Substanz als Rattengift namens Warfarin und hatte dann seinen Negativ-Stempel weg. Am Menschen wurde es erst wieder eingesetzt und für sicher befunden, nachdem ein Navy-Soldat versucht hatte, sich damit das Leben zu nehmen, jedoch durch die einfache Gabe von Vitamin K gerettet werden konnte. Der Name Warfarin kommt übrigens von WARF, der Wisconsin Alumni Research Foundation, diese finanzierte die Erforschung von synthetischen Blutgerinnungshemmern auf Cumarin-Basis, sie erhielten dann auch das Patent auf die Warfarin-Herstellungsmethode (drei schöne pharmazeutische Zufalls-Entdeckungs-Geschichten sind hier in Phlebologie 2/2014 nachzulesen, teils in deutsch, größtenteils in englisch).

Wir brauchen also in der verantwortungsvoll praktizierten Aromapflege, also mit Ölen und Extrakten bester (Bio-)Qualität, in physiologischen Verdünnungen (0,5-3%) sowie bei äußerer Anwendung keinerlei Angst haben, dass wir unsere PatientInnen schädigen. Und wir dürfen auch PatientInnen, die Marcumar und Warfarin einnehmen, mit den fein duftenden Tonka-Wölkchen umhüllen. Denn damit können wir helfen, körperliche und seelische Schmerzen deutlich zu lindern. Tonka ist erhältlich beispielsweise hochkonzentriert (50:50 in Alkohol) bei Feeling und 30-ig-prozentig in Alkohol bei Aromapflege-Farfalla [Auch der wundervoll marzipanig duftenden jedoch stark hautaggressive Cassiazimt enthält Cumarine, das ätherische Öl daraus auch, es wird jedoch höchst selten in der Aromapflege eingesetzt.]

sanfte starke helfer – fette pflanzenöle und hydrolate


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFette Pflanzenöle haben es in sich und werden dennoch meistens unterschätzt, sowohl in Büchern, in Kursen als auch bei vielen Öleanbietern! Oft werden ein paar wenige davon zu ‚Trägerölen‘  reduziert. Dabei können sie so viel mehr als nur als Verdünnungsmedien zu dienen. Die darin enthaltenen ungesättigten Fettsäuren können in vielen Bereichen kleine Wunder bewirken: Manche haben venenstraffende Wirkung, andere helfen bei eitrigen Wunden, reduzieren Cellulite, schrecken Zecken ab, lassen Narben verschwinden. Ja, ein Öl kann sogar demenz-anfällige Nervenzellen umhüllen und ein anderes schützt nachweislich gesunde Haut und Schleimhaut rund um Gebiete, die durch Bestrahlungstherapien gehen müssen. Fette Pflanzenöle sind besonders für sehr sensible Haut geeignet, für Menschen die durch schwerwiegende medizinische Therapien gehen müssen und die ätherische Öle nicht gut vertragen. Und klar, sie sind ideale Helfer in der Hausapotheke für Kinder und Haustiere. An diesem Wochenend-Workshop werden wir zahlreiche dieser wichtigen natürlichen Heil- und Pflegemittel kennen lernen, sie riechen, schmecken, spüren, vergleichen.

Auch Hydrolate sind kleine Powerpakete – wer ahnt, dass sich hinter diesem eigenartigen Wort wahre kleine Wunder der Therapie und Hautpflege verbergen! Sie sind sehr viel mehr als nur die „Nebenprodukte“ der Destillation von Duft-Pflanzen. Ihre heilsamen Inhaltsstoffe und ihr meistens leicht saurer pH-Wert – durch stark ‚anti-ageing‘ wirksame Pflanzensäuren – wirken nicht nur hautfreundlich, sondern gleichzeitig entzündungshemmend, keimtötend, blutstillend und schmerzlindernd. Streng genommen sind Hydrolate die „Aromatherapie für Einsteiger“, denn sie sind ideal verdünnt und man kann darum fast nichts damit falsch machen. Wir werden von diesen „Wunderwässern“ einige riechen, schmecken und einsprühen, ihre therapeutische Wirkung als wertvolle Begleiter von Krebstherapien besprechen und ihren Einsatz als natürliche Luxuskosmetik kennen lernen. Am schönsten ist es, wenn man beide kombiniert, beispielsweise in einem wohltuenden und sehr hautpflegenden Schüttel-Elixier, wie auf dem Foto links zu sehen. Je nach gewählten Rohstoffen eignet es sich bei Gürtelrose, bei Schuppenflechte, bei zu Rötungen neigender Haut, bei chemo-strapzierter Haut und auch ganz trivial als Bodylotion und/oder Abschmink-Lotion.

aromapflege bei schmerzen und anderen chronischen erkrankungen


Manuka - das Pflanzen-Antibiotikum

Das Öl (und der Honig) des Manuka-Baumes sind wundervolle Unterstützer zur Heilung von (chronischen) Infektionen

Da zwei angemeldete Personen nicht zur Duft-Erlebnis-Woche Ende Mai (28. Mai bis 04. Juni) kommen werden, möchte ich gerne zwei (oder mehr) kurz entschlossenen InteressentInnen die preisreduzierte Gelegenheit zu diesen schönen Tagen rund um die Manukablüte anbieten (hoffentlich, die Nächte sind noch sehr kalt, doch ab Montag soll sich endlich ein richtiger Frühling einstellen). Wer für eine der Personen einspringt, erhält den Frühbucher-Rabatt von 50 Euro, sollten beide Plätze wieder besetzt werden, gibt es einen Rabatt von 150 Euro (also pro Person 75 Euro).

Manukabaum

In Südwest-Irland wachsen die höchsten Manuka-Bäume Europas, die Pflanze ist in Neuseeland heimisch und dort ein sehr wichtiges Heilmittel

Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert, wie man sich in sehr vielen Fällen von chronischen Wehwehchen, sei es Hautgeschichten, Migräneattacken, Wadenkräpfen, MRSA-Infektionen, immer wieder kehrenden Hexenschuss-Überfällen und Blasenentzündungen, sowie vielem mehr mit ätherischen und fetten Ölen sowie mit Hydrolaten und einfachen Mitteln, die (fast) jeder im Haushalt hat, helfen kann. Darum widme ich seit einigen Jahren eine meiner Duft-Erlebnis-Wochen in unserem schönen Seminar- und Gästehaus am Meer diesem Thema. Ich erläutere wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema, berichte von wunderschönen Erfahrungen mit diesen einfachen Hausmitteln, zeige auch neue Produkte wie das prima schmerzlindernde Magnesiumöl, führe auf „Expeditionen  ins Grüne“ zu heilenden Wild- und Duftpflanzen. Klar dass ich im Laufe dieser Woche auch viele Rezeptideen vorstelle und dass wir zusammen einfache und wirksame Mittel für unsere Hausapotheke rühren werden.

Manukabaum

Wir fahren mit dem Boot nach Garinish Island, vorbei an vielen dösenden Seehunden, dort auf der Garteninsel blühen besonders schöne Exemplare von Leptospermum scoparium, meistens in den letzten Maitagen und in der erste Junihälfte. Dort hats die Wildform, weiß blühend und ungefüllt und einige der Zierformen, knallpink und gefüllt.

Heute in drei Wochen ist es also wieder soweit, und dieses Mal konnte ich Heilpraktikerin Gisela Cordes zu meiner Ergänzung dazu gewinnen, ihre fantastischen einfachen Griffe aus der SelaCor-Methode nach Breuss und Dorn zu zeigen und mit uns zu üben. Man kann diese einfachen, doch fast wundersam wirkenden Griffe prima bei sich selbst und bei seinen Lieben im Falle von Hexenschuss und Co. anwenden und sich möglicherweise auf diese Art viel Leid und reichlich Schmerzmittel ersparen. Die sympathische Gisela ist so gut in ihrer weiterentwickelten Dorn-Methode (dort habe ich diese einst erlernt), dass ich jede Anreise, jeden Flug auf mich nehme, um von ihr liebevoll be-HAND-elt zu werden. Meistens reichen ein bis zwei Sitzungen, um langanhaltenden Erfolg zu erzielen. Sie wird uns also in ihr HANDwerk schauen lassen.

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

  • 28.05.-04.06. Aromapflege – sanfte und wirksame Begleitung bei Schmerzen und chronischen Erkrankungen, mit Heilpraktikerin Gisela Cordes, wir üben Griffe nach der Dorn-Breuss-Selacor-Methode (Schmerzen schnell und wirksam beheben)
  • Kosten für die zwei kurzentschlossenen ErsatzteilnehmerInnen (es gilt die Reihenfolge der Anmeldung): 940 € (eine Person) bzw 915 € (je Person bei zwei zusammen anreisenden Personen) für 6 Tage inkl. Übernachtung im Zweibettzimmer, Vollpension, Rohstoffe für die Ölemischungen der Hausapotheke, Exkursionen, Eintritte und Bootsfahrt. Begleitpersonen, die nur an den Exkursionen teilnehmen möchten sind willkommen (790 €, Kinder unter 5 J. kostenlos, bis 12 J. halber Preis, deutschsprachiger Babysitter kann gebucht werden). Die Duftwochen beginnen jeweils am Anreise-Samstag um 19 Uhr* mit einem gemeinsamen warmen Abendessen, der darauf folgende Samstag ist der Abreisetag.
  •  

    Der Flug erfolgt am besten mit Aer Lingus nach Dublin, vom Flughafen-Terminal fährt stündlich der bequeme Aircoach-Bus nach Cork (circa 16 Euro, 3 bis 3,5 Stunden), wo unser Abholservice oder der öffentliche Bus zu uns abfährt. Gutschein_AiDA2016_Muster_xsEs gibt auch entweder einen Direktflug (ab München, jedoch nicht samstags) oder über Amsterdam nach Cork, das ist die charmante zweitgrößte Stadt Irlands. Die Details und Preise sind hier (klick!) nachzulesen, das Übersichts- und Anmeldeformular befindet sich hier (klick!), die beiden bebilderten Broschüren zu allen Aromatherapie- und Gartenwochen-Veranstaltungen können in der rechten Spalte zum Runterladen angeklickt werden. (* bei Verspätung unseres Abhol-Services auch schon mal um 19:30 Uhr)

aromapflege-kurse der besonderen art


P1000218Oft wird beklagt, dass alle spannenden Kurse und Kongresse über Aromapflege und Aromatherapie im Süden stattfinden. Tatsächlich herrscht ein nicht nachzuvollziehbares Nord-Süd-Gefälle, dass seit circa 10 Jahren noch viel ausgeprägter als zur Zeit meiner ersten aromatischen Tätigkeiten vor bald 30 Jahren geworden ist. Denn in Österreich konnte nach Zeiten vieler Verbote und Einschränkungen die Aromapflege gemäß §64 GuKG in vielen Pflegeinstitutionen erfolgreich etabliert werden, seitdem boomen Ausbildungsangebote, kleine Praxen und auch Ölebieter mit eigenartigen Produkten tummeln sich inzwischen dort vermehrt.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere2In Deutschland gibt es nach wie vor nur eine winzige Anzahl von Menschen, die unabhängig und in selbstständiger Tätigkeit ausschließlich von der Arbeit mit ätherischen Ölen leben. Die meisten KollegInnen sind entweder als Angestellte (oder feste freie MitarbeiterInnen) in Ölefirmen oder Schulen tätig oder gehen sogar völlig anderen Brotberufen nach. Einige liebe KollegInnen sind inzwischen im „Ruhestand“, widmen sich jedoch nun endlich ganz der duften Tätigkeit und genießen eine gewisse finanzielle Grundabsicherung durch ihre Rente.

Nicht so Sabrina Herber, sie ist jung und arbeitet seit 2002 ausschließlich für die Erfüllung ihres duften Traumes. Als keines Mädchen bereits erlernte sie von ihrer Mutter, die Altenpflegerin ist, was das Kümmern um gebrechliche oder kranke Menschen bedeutet. Ihr Interesse für naturheilkundliche Betreuung führte sie ins Allgäu und sie wurde Aromaexpertin im Fachbereich Pflege. Inzwischen ist sie auch Gesundheitspraktikerin BfG, die sich auf Duftkommunikation spezialisiert hat, dazu auch Hospizbegleiterin und MediAkupresspraktikerin nach dem Konzept „Begleitende Hände“. In den letzten 13 Jahren betreute die engagierte Mutter von drei Kindern ein Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser und Hospize im Bereich der Aromapflege und der Schulung der Mitarbeiter. Sie legt Wert auf eine Auswahl an Öleanbietern mit denen sie behandelt und schult, so dass die KursteilnehmerInnen immer selbst entscheiden können, welche Öle und Angebote am besten jeweils zu ihnen passen

sabrina_herber_seminarhaus_vivereIm Jahr 2008 konnte sie dann ihr kleines, aber feines Seminarhaus in Schwollen im schönen Hunsrück eröffnen, die Vivere Schule für Aromatherapie und Aromapflege. Dort werden seitdem umfangreiche Fachweiterbildungen angeboten. Schnell erweiterte Sabrina das Seminarangebot auch mit anderen erfolgreichen komplementären Pflegemethoden wie z.B. der MediAkupressur. Die Seminarteilnehmer kamen und kommen aus ganz Deutschland, aus dem nahen Luxemburg und Belgien, sogar aus Österreich und der Schweiz.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere_edelsteinweg

Man wandelt durch den Kies, schaut vielleicht nach unten und siehe da, dort funkeln kleine Halb-Edelsteine in der Sonne!

Die kleine Schule ist stetig gewachsen und platzte bald aus allen Nähten, so stand Anfang Mai der Umzug in ein neues Gebäude an: ein Blockhaus aus Holz mit mehr Bewegungsfreiheit, nach und nach pflanzt Sabrina auch wieder einem tollen Kräutergarten an (im früheren Garten hat mich ihr origineller Edelsteinweg toootal begeistert). Sabrina freut sich, dass sie einen wirklich ganz besonderen Ort gefunden hat (oder hat der Ort sie gefunden???)

Sie hat nun die Möglichkeit, parallel in zwei gemütlichen Räumen Seminare, Workshops, Beratungen und Schulungen durchzuführen. Das naturnahe Gebäude ist großzügig und trotzdem sehr gemütlich gestaltet. Ihr Referenten Team besteht inzwischen aus drei ViVere-Team Dozenten und derzeit sieben Gastreferenten (zu denen ich auch gelegentlich gehöre!). Dies macht es ihr möglich, auch die Fachweiterbildung zur ViVere-Praktikerin für komplementäre und naturheilkundliche Pflege anzubieten.

sabrina_herber_seminarhaus_vivere_außenIm Außenbereich des schönen Holzhauses hat die talentierte Hobbygärtnerin und Sammlerin von schönen teils antiken Deko-Stücken bereits wieder begonnen, einen Kräuter- und Duftgarten anzulegen. Eine Wildblumenwiese, sowie Beerensträucher zum Naschen werden sich dazu gesellen. Die großzügige Holzterrasse lädt dazu ein, die Seminarpausen draußen zu verbringen. Ganz besonders freut sie sich, dass sie jetzt auch Übernachtungsmöglichkeiten für Referentinnen und Seminarteilnehmer zur Verfügung stellen kann. Ihre sympathische Teamkollegin Gertrud Schneider bietet nach Terminvereinbarung gesundheitspraktische Beratung, auch für pflegende Angehörige, Massagen, Wärmepackungen, Wickel, Auflagen, MediAkupress-Anwendungen und gesundheitspraktische Duftkommunikation in ihrem wunderschön gestalteten Raum an.

Sabrina gehört zu den fleißigen Blog-Schreiberinnen, hier kann man aus einem inzwischen riesigen Fundus an Rezepturen und Ideen schöpfen. Und wer all die tollen Sachen life erleben möchte: 2014 hat sie mit ihren Kolleginnen Gertrud Schneider und Sarah Schütz den 1. Fachkongress für komplementäre Aromapflege und Prävention im Gesundheitswesen organisiert. Sie durften am Umwelt Campus in Birkenfeld 180 Gäste begrüßen. Der nächste Fachkongress wird im Jahre 2017 stattfinden. Über Kurse, Termine und die genaue Lage ihrer Schule im beschaulchen Hunsrück (das Edelsteinstädchen Idar-Oberstein liegt um die Ecke, Koblenz, Trier, Mainz, Saarbrücken und die Stadt Luxemburg sind nicht weit entfernt, die Adresse lautet Am Geissler 10, 55767 Leisel), informiert man sich auf Sabrinas neu gestalteter Website. Sie gibt auch auf zahlreichen sozialen Netzwerken Infos und kostenlosen Rat [Facebook und Instagram]

sabrina_herber_seminarhaus_vivere3Ach ja, HAPPY BIRTHDAY liebe Sabrina, mögen die feinen Düfte dir noch viel Freude, Erfolg und Gesundheit bringen.

puder selbst herstellen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Reispulver

Wie versprochen, geht es weiter mit Mitbringseln aus meiner „Fliegenden Wundertüte“. Ich war auf meiner Seminarereise begeistert von einer klasse Möglichkeit, feinsten Körper- oder Babypuder herzustellen. Nichts ist einfacher! Noch angenehmer, als Mais- oder Kartoffelstärke zu verarbeiten, wie ich es bislang kannte, ist Reispulver zu Puder zu verarbeiten. Ich kannte bislang allerdings eher eine etwas miefige Bio-Qualität, die schon beim Eintreffen etwas ranzig roch, dafür habe ich ein viel zu feines Näschen. Umso begeisterter war ich, als Evelyn Deutsch mir das samtige Reispulver (klick!) zeigte, das man in zwei Minuten in einen Luxuspuder verwandeln kann. Ich bin so eine Pudertante, vor allem seit ich keine Chemiedeos mehr verwende, ist Puder eine wunderbare Möglichkeit, sich nach schweißtreibenden Tätigkeiten auf die Schnelle wieder frisch zu machen.

Man gibt einfach einige Tropfen ätherisches Öl in eine gebrauchte oder neue Puderdose (notfalls tut es sogar ein gläserner ausgedienter Kräuter- oder Gewürzstreuer mit feinen Öffnungen), beispielsweise 15 Tropfen Iris 1%ig, oder 2 Tropfen Rose mit 2 Tropfen Rosengeranie/Palmarosa. Auch 5 Tropfen Lavendel und 2 Tropfen Vetiver sind fein, sie duften wesentlich herber. Für ein Baby reicht 1 Tropfen Rosenöl, eventuell noch mit 2-3 Tropfen Bio-Vanilleextrakt. Die Wände der Dose oder des Glases gleichmäßig mit den Naturdüften benetzen, Reispulver einfüllen, gut vermischen, einige Tage ziehen lassen.

Das Reispulver ist prima geeignet, wenn man die Haut von krebsauslösender Mineralöl-„Kosmetik“ auf Naturkosmetik umstellen möchte, es bindet Haut-Ausscheidungen wie Fett, Feuchtigkeit und eventuell nicht verträgliche Übersäuerungs-Ausscheidungsprodukte. Mineralöle und die sie begleitenden MOAHs, die Hautbestandteile von konventionellen Pflegeprodukten, stehen immer mehr im Verdacht, sich im Körper anzureichern (vor allem wenn sie wie bei Lippenpflegestiften und Lippenstiften „gegessen“ werden, dazu kann auch hier nachgelesen werden).

Das fein-samtige Reispulver wirkt leicht kühlend, beruhigend und kann helfen, kleine Entzündungen auf der Haut zu reduzieren. Das ist ein ideales Einsatzgebiet für bettlägerige PatientInnen, vor allem wenn sie stark schwitzen, heftige Medikamente nehmen müssen und intertrigo-gefährdet sind (Hautprobleme an Stellen, wo Haut auf Haut scheuert wie in Fettfalten oder unter der weiblichen Brust). Mit Rosenhydrolat kann man die Reste später schonend reinigen und die Pflegewirkung unterstützen.

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Bärlapp-Sporen

Wenn entzündliche und ekzematische Haut mit Puder gepflegt wird, kann die Wirkung durch den Zusatz von einem Teelöffel der seidenweichen Bärlapp-Sporen (klick! Lycopodium clavatum), welche etwas Schwefel enthalten, verstärkt werden.

Die meisten konventionellen Puder werden aus Talkum hergestellt, dieser steht im Verdacht, vor allem wenn er im Intimbereich ständig eingesetzt wird, Eierstockkrebs auszulösen. Talkum wird aus Talkgestein gewonnen und nach der Reinigung feinst vermahlen, die winzigen Partikel werden als ähnlich toxisch wie Asbest eingestuft, insbesondere, wenn sie eingeatmet werden. Eine Zumutung für Babys und auch für deren junge Eltern. Wer englisch lesen kann, findet auf der Seite der American Association for Cancer Research (klick!) einige wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Risiko von krebs durch Talkum befassen.

So oder so ein guter Grund, bei Groß und Klein auf pflanzlichen Puder aus Reispulver umzusteigen!

palliativpflege mit wärme, düften und mehr


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieVor gut vier Jahren, im Januar 2012, habe ich hier ein wundervolles und nützliches Buch für Pflegende, die im Bereich der komplementären, ganzheitlichen Palliativpflege tätig sind, vorgestellt. Der Haken war nur: Das Buch ist für uns nicht so gut zu lesen, da die engagierte Verfasserin Niederländerin ist. Ich wurde gefragt, ob es eine Übersetzung gibt, und ich musste leider verneinen. Irgendwann schrieb mir Toke Bezuijen, die liebenswerte Autorin, die eine Duft-Erlebniswoche hier bei mir in Irland besucht hatte, dass sie diesen Kraftakt begonnen hatte. Denn die heimatsprachliche Auflage hat sie im Eigenverlag gestaltet (viel Arbeit, viel Zeit, kein Einkommen).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieVor einigen Tagen flatterte der wunderbar gelungene Schmetterling nun zu mir, wieder ein Kraftakt, noch mehr Arbeit, noch mehr Zeit, wieder kein Einkommen. Doch herausgekommen ist eine Version, die meiner Meinung noch schöner und übersichtlicher als die niederländische Ausgabe geworden ist. Ich finde, dieses Werk ist eine „Bibel“ für Menschen, die Patient/innen in sehr schmerzhaften und angsterfüllten Phasen pflegen müssen und möchten. Der Titel „Berührt werden durch äußere Anwendungen“ zeigt den Ursprung in der anthroposophischen Medizin und Pflege, in der Toke zu Hause ist. Seit 1978 kombiniert die engagierte Pflegefachfrau ihre Liebe zur Natur mit ihrem Einsatz für menschenwürdige Pflege. Sie wurde an der bekannten Ita Wegman Klinik ausgebildet, ist in den Niederlanden eine der Pionierinnen der anthroposophischen Krankenpflege und arbeitete 18 Jahre in der Eltern- und Kindersprechstunde einer therapeutischen Einrichtung. Sie liebt es, Kinder wie auch Erwachsene mit wärmenden und wohltuenden Wickeln, Kompressen, Einreibungen in schweren Zeiten zu verwöhnen. Darum entwirft sie auch naturbelassene Wickel-Materialien und verkauft sie in ihrem Shop Wikkelfee.nl.

Toke empfiehlt vor allem viele bekannte Fertig-Produkte (mit und ohne ätherische Öle), beispielsweise von Dr. Hauschka und Weleda, als Heil- und Pflegemittel. So kann auch in Pflege-Institutionen, in den das Selber-Mischen mit ätherischen Ölen (noch) nicht erwünscht oder durchsetzbar ist, mit schönen Düften und wirksamen Pflegemöglichkeiten gepflegt werden. Dieses onkologische Pflegekonzept sieht eine höchstmögliche Betreuung der krebskranken Menschen vor, sie sollen berührt werden, sie sollen sich soweit es geht kuschelig und warm fühlen, angenommen, bestens betreut, ernst genommen. Ihnen wird mit Achtung begegnet.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas sehr handliche Buch hat 130 Seiten, ist angenehm zweispaltig gestaltet und mit zart-pastelligen Hintergrund-Illustrationen versehen, die Kapitel werden mit ansprechenden Pflanzenfoto eröffnet. Es beginnt mit einem sehr schönen Vorwort des Oberarztes der Onkologischen Tagesklinik Arlesheim (früher Ita Wegman Klinik) Maurice Orange MSc Clinical Oncology. Die nächsten 20 Seiten widmen sich der Geschichte der äußeren Anwendungen im Speziellen und der Anthroposophischen Pflege im Allgemeinen.

Im zweiten Kapitel beschreibt Toke die Misteltherapie und ihr besonderes Verhältnis bei Tumorerkrankungen. Auf Seite 32 folgt eine Exkursion in die Arbeit mit Wärme: so wichtig, so wohltuend, so sehr vergessen in der Welt der technologisierten Fließband-Medizin. Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Haut und mit dem Kokon-Feeling von Wärme und Umhülltwerden, welches so wichtig für die Heilung ist. Ab Seite 49 geht es „auf die Reise“: So fühlen sich PatientInnen während der beHANDlungen, manche dösen oder schlafen gar („Tempelschlaf“), sie schalten ihren Kopf ab, vergessen ihre Ängste und Sorgen, kommen ein Stück entlasteter wieder im Alltag an. Toke empfiehlt, Sie mit einer Tasse Tee oder einem Glas Wasser willkommen zu heißen, sie werden buchstäblich ent-wickelt, bekommen mit diesen Äußeren Anwendungen die Chance, sich aus ihrem krankmachenden Geschehen raus-zu-entwickeln.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAb Kapitel 6 werden die Phasen einer Krebserkrankung erläutert und unterschiedliche Ansätze vorgestellt, wie in Würde und Achtung begleitet werden kann. In der Schockphase nach der Diagnose begegnet man dem Menschen anders als einige Wochen oder Monate später. Sollten alle Behandlungsansätze nicht anschlagen, kann in der palliativen Phase (‚einen Mantel umlegen‘) immer noch genügend getan werden, damit der betroffene Mensch seinen Abschied vorbereiten kann und sich noch so wohl in seiner Haut fühlen kann wie möglich.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieBemerkenswert finde ich das 7. Kapitel, in dem Toke sich auch um die Angehörigen kümmert. Das ist möglicherweise sogar der wichtigste Teil der Palliativpflege, denn die Erkrankten können sich oft eher mit ihrem Weg versöhnen als die Familie. Danach, auf Seite 68, startet der Repertorium-Teil des Buches, den übrigens die deutsche Pflegefachfrau Gisela Blaser begleitet hat: Das sind übersichtliche seitenfüllende Tabellen für alle vorher erwähnten Phasen der Krebserkrankung mit klaren Anweisungen und Dosierungsempfehlungen. Mir gefällt, dass Toke ihr Buch so knapp wie möglich und doch so ausführlich wie nötig geschrieben hat. Sie schließt ihr Werk mit einem Zitat des Künstlers Joseph Beuys: „die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt„. Sie versteht seine Worte so, dass Mysterien (kleine Wunder) in der Öffentlichkeit stattfinden, wir uns jedoch nicht getrauen, sie als Mysterien anzuerkennen.

http://www.lenmedhealth.com/news/entry/international-nurses-day-2015Toke schreibt, dass es an der Zeit ist, in der Pflege vieles zu ändern. Getreu dem Motto des International Nurses Day 2015: „Nurses: a force for change. Care effective, Cost effective, improving Health and Wellbeing“ (Krankenpflegende – eine Kraft die Veränderung bewirken kann. Effektiv in der Pflege, kosteneffektiv und sowohl Gesundheit als auch Wohlbefinden verbessernd). Ich wünsche diesem ästhetischen Buch, dass es eine ganz große Verbreitung findet, dass möglichst viele von den wunderbaren Anwendungen umgesetzt werden können, dass sterbende Menschen in Frieden und von Düften und Wärme umhüllt gehen dürfen und dass vielleicht jemand zu Toke sagen wird (wie ich es auf einem meiner Kurse vernahm): „Bei dir haben es die Menschen gut, zu dir möchte ich zum Sterben kommen!“

Das wichtige Werk kann bei Amazon (klick!) für knapp 33 Euro bestellt werden. Auch direkt im Verlag ist es erhältlich, vor allem für InteressentInnen aus Österreich oder andern Ländern, zu denen Amazon nicht liefert. Ich habe inzwischen ein langes Gespräch mit Toke geführt und sie bat mich darauf hinzuweisen, dass bei Bestellungen ab 5 Stück, etwas für Kurse über Wickel und Kompressen, ein Rabatt gewährt wird (danke Toke!).

Nur eines vermisse ich am neuen Buch: Das niederländische Wörtchen ‘Lavendelbloempjes‘, es hört sich einfach entzückend an und viel schöner als nur trocken-deutsch: ‚Lavendel‘! 😉

restless legs und hämodialyse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Fuß- und Beinstreichungen können auch selbst vorgenommen werden, am besten 1 Stunde vor Schlafengehen oder vor „bedenklichen“ Situationen wie einem Kinobesuch.

Egal ob jemand „einfach so“ unter dem Symptom der ‚restless legs‘ (RLS) leidet, oder weil die Ursache am chronischen Versagen der Niere liegt: Es ist ein scheußliches Gefühl, dass sicherlich viele Menschen schonmal irgendwie und kurz erleben ‚durften‘.

Man kann nicht still liegen, die Beine – vor allem die Unterschenkel – kribbeln, sie müssen ständig bewegt werden, Ruhe und Ausruhen werden unmöglich. Ja, beim Versuch der Ruhe tritt das Phänomen erst recht auf, gerne noch gepaart mit Verkrampfungen und Krämpfen. Vor allem Menschen der älteren Semester sind betroffen, aber auch jüngere Personen können von den ‚unruhigen Beinen‘ überfallen werden. Der Schlaf wird immer unerquicklicher, aus Angst, nicht schlafen zu können, kann man nicht mehr entspannen, ein Teufelskreis ist zugange. Darum zählt man diese neurologische Erkrankungen zu den schlafbezogenen Bewegungsstörungen.

Statistiken besagen, dass jede(r) zwanzigste Person unter RLS leidet, das Problem gilt als nicht heilbar. Die Lebensqualität der Betroffenen kann schwer beeinträchtig sein, jedoch medizinisch gesehen gilt RLS als eher harmlos. Medikamente, die den mutmaßlich gestörten Dopamin-Stoffwechsel ansprechen, wie L-Dopa, bringen oft Besserung, können andererseits heftige Nebenwirkungen entwickeln. Dopamin ist ein Botenstoff des Nervensystems. Es wird eine mangelnde Versorgung mit Sauerstoff als Ursache diskutiert. Leichte Bewegung bessert die Symptome meistens sofort.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZunächst sollte mal der Eisenstatus überprüft werden, insbesondere bei Frauen und bei Menschen, die auf das Essen von toten Tieren verzichten und dazu noch wenig Grünzeug verspeisen, können der Eisenhaushalt und auch der Magnesiumhaushalt aus der Balance geraten sein. Billigpräparate sind zu meiden, viele Eisenzubereitungen machen Verstopfung und Bauchschmerzen, simple und billige Sprudeltabletten mit Magnesiumoxid haben keine „Tiefenwirkung“. Wenn kein extremer Eisenmangel vorliegt, kann eine Kur mit dem recht angenehm schmeckende Floradix mit Eisen (klick!) sinnvoll sein, dieses Natur-Mittel kann auch bei Frühjahresmüdigkeit hilfreich sein. Magnesiumcitrat kostet ein Vielfaches von Billigmagnesium vom Discounter, dafür wirkt es erfahrungsgemäß nachhaltiger, es ist beispielsweise als Magnesium Verla Dragees oder als Granulat zum Auflösen und Trinken in jeder Apotheke sowie unter verschiedenen Namen in fast allen Drogeriemärkten erhältlich (man muss das Kleingedruckte auf den Packungen studieren, in den überwiegenden Fällen handelt es sich um Magnesiumoxid). Als auch gut bioverfügbar gelten Magnesiumaspartat und Magnesiumorotat sowie Magnesiumöl*.

Ein Abbauprodukt des Dopamin heißt Homovanillinsäure und damit sind wir schon beim ersten ätherischen Öl (Vanille gibt es korrekterweise gesprochen nur als Extrakt, denn die braunen Schoten werden nicht destilliert). Mit einigen weiteren Molekülen aus Naturdüften, welche in der Pflanzen- und Insektenwelt als Signal- und Botenstoffe eingesetzt werden, kann man bei RLS-Patienten leichte bis enorme Linderung erreichen. Zu den ätherischen Ölen, die mutmaßlich den Dopaminhaushalt regulieren helfen, gehören:

  • Zimtblätter (Cinnamomum zeylanicum)
  • Gewürznelkenknospe (Syzygium aromaticum)
  • Tulsi (Ocimum sanctum)
  • Piment (Pimenta dioica)
  • Bay (Pimenta racemosa)
  • Muskatellersalbei (Salvia sclarea)
  • Ingwer (Zingiber officinalis)
  • Vitex agnus castus (Mönchspfeffer, Keuschlamm)

Studien zur dopamin-modulierenden Wirkung dieser ätherischen Öle:

  • Kabuto H, Yamanushi TT: Effects of zingerone [4-(4-hydroxy-3-methoxyphenyl)-2-butanone] and eugenol [2-methoxy-4-(2-propenyl)phenol] on the pathological progress in the 6-hydroxydopamine-induced Parkinson’s disease mouse model. Neurochem Res. 2011 Dec;36(12):2244-9.
  • Seol GH, Shim HS, Kim PJ, Moon HK, Lee KH, Shim I, Suh SH, Min SS: Antidepressant-like effect of Salvia sclarea is explained by modulation of dopamine activities in rats. J Ethnopharmacol. 2010 Jul 6;130(1):187-90.
  • Kabuto H, Tada M, Kohno M: Eugenol[2-methoxy-4-(2-propenyl)phenol] prevents 6-hydroxydopamine-induced dopamine depression and lipid peroxidation inductivity in mouse striatum. Biol Pharm Bull. 2007 Mar;30(3):423-7.
  • Meier B, Berger D, Hoberg E, Sticher O, Schaffner W: Pharmacological activities of Vitex agnus-castus extracts in vitro. Phytomedicine. 2000 Oct;7(5):373-81.

Eine ganz neue klinische Studie wurde im Dezember veröffentlicht: Man hat 70 PatientInnen zwischen 18 und 65 Jahren, die aufgrund von Nierenversagen dialysepflichtig waren (mindestens seit einem halben Jahr und mindestens zweimal wöchentlich) und gleichzeitig an RLS litten, in zwei Gruppen geteilt. Die Hälfte der Personen erhielt Lavendelöl-Streichungen, die andere Hälfte die übliche Pflege und Beachtung. Bei der Lavendel-Gruppe wurden drei Wochen lang, zweimal pro Woche 10 Minuten lang beide Beine von der Fußsohle bis zum Knie mit sanften Streichungen behandelt (immer eine Stunde nachdem mit der Dialyse begonnen wurde). Das Lavendelöl wurde 1.5%ig in Trägeröl verdünnt. Am Start des Experimentes war der Beschwerde-Index bezüglich RLS nicht sehr unterschiedlich (p = 0.76). Am Ende der Studie nahmen in der Lavendelgruppe die RLS-Symptome signifikant ab (p < 0.0001), im Gegensatz zur nicht behandelten Gruppe. Die iranischen Autoren folgern: Lavendelölmassage ist sinnvoll um RLS-Symptome von Hämodialyse-PatientInnen zu verbessern. Es gibt keine unerwünschten Nebeneffekte, die Behandlung ist gut und einfach durchzuführen und sie ist kostengünstig.

  • Hashemi SH, Hajbagheri A, Aghajani M: The Effect of Massage With Lavender Oil on Restless Leg Syndrome in Hemodialysis Patients: A Randomized Controlled Trial. Nurs Midwifery Stud. 2015 December; 4(4): e29617.
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Echter Majoran (Origanum majorana)

Die Original-Arbeit kann hier kostenlos herunter geladen werden. Da auch schwangere Frauen zeitweilig unter diesen Symptomen leiden können, wären die in der Studie erwähnten Streichungen nur mit Lavendelöl empfehlenswert. Oder es wird zusätzlich Vanille-Extrakt in das Massageöl gegeben. Rosengeranie und Lemongrass sind auch einen Versuch wert. Wenn die Neigung zur Verkrampfung der Beine und richtige Krämpfe vorliegen, kann ein Tropfen des echten Majoranöles (Origanum majorana) unverdünnt oder wenig verdünnt in Johanniskraut-Mazerat oder Olivenöl aufgetragen wertvolle Erste Hilfe leisten. Es wird von empfindlichen Menschen und schwangeren Frauen gut vertragen, sollte jedoch nicht mit ‚Spanischem Majoran‘ verwechselt werden, der ein Thymian ist (Thymus mastichina).

Wem das Mischen zu umständlich ist, kann sein Glück mit einem Fertigprodukt versuchen: Professor Dr. Dietrich Wabner hat zusammen mit einem Apotheker eine Ölemischung entwickelt, die bereits an einigen Kliniken angewendet wird: ‚Silent Legs‘ kann hier (klick!) bestellt werden. Dieser Mix enthält Immortelle, Lavendel, Rosengeranie, Schafgarbe und Zypresse in Johanniskraut-Mazerat (Rotöl).

magnesium_oil_better_you*PS. Im deutschsprachigen Raum fast noch nicht angekommen ist die Anwendung von Magnesiumöl (auch Zechstein Magnesiumchlorid genannt), das äußerlich auf die Haut aufgetragen wird und so besonders intensiv wirken soll. Seit ich deutlich weniger Schokolade esse (die in guten und dunklen Qualitäten eine sinnvolle Quelle von Magnesium ist), neige ich zu gelegentlichen Wadenkrämpfen. Ich fand dieses Magnesiumöl von der britischen Firma BetterYou (klick! deutsche Bestellmöglichkeit) in unserem lokalen (irischen) Bioladen und verwende es nun seit fast einem Jahr fast täglich. Es ist dezent mit beruhigend wirksamen ätherischen Ölen angereichert (Muskatellersalbei, Kamille und Bergamotte). Da ich das eigenartige etwas stumpfe, nicht wirklich ölige Gefühl auf der Haut nicht mag, sprühe ich es einfach in eine Portion Bio-Bodylotion auf meiner Hand, verrühre mit beiden Händen und trage die Mixtur auf beiden Beinen auf. Die 100-ml-Flasche reicht laut Hersteller für 800 Anwendungen, also für 2 Jahre, wenn man es täglich einreibt, das glaube ich gerne, meine Flasche ist noch fast halb voll. Es gibt interessanterweise schon Bücher zum Thema auf deutsch, beispielsweise von der Ärztin und Salzspezialistin Dr. Barbara Hendel: Das Magnesium Buch (klick!).

aromatherapie, aromapflege und palliative care


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieJedes Jahr aufs Neue wundere ich mich, wie der Gedenkabend ‚Halloween‘ zur Faschingsfeier mutiert. Einst in Irland als der Abend vor Allerheiligen zelebriert (All Hallow’s Eve[ening]), gedachte man der lieben Menschen, die im Laufe des Jahres (oder der letzten Jahre) von einem gegangen sind, man zündete ihnen (und sich selbst?) ein Lichtlein in der zunehmenden Dunkelheit des Jahreslaufes an. Dann nahm der Brauch seltsame Wege. Die wegen der Großen Hungersnot (Great Famine: einige Jahre ab 1845) und Armut in die USA ausgewanderten Iren nahmen ihren Gedenktag mit, statt ausgehöhlten Rübengesichtern entstand die beleuchtete Fratzenlaterne aus Kürbissen – Jack O’Lantern. Kinder gehen Trick-or-treting von Haus zu Haus, entweder bekommen sie Süßigkeiten (treat = Süßigkeit, bedeutet auch Belohnung, Bewirtung, heutzutage gibt es auch Geld) oder sie spielen dem „Geizhals“ einen Streich (trick). Die Zeit der an den Tod erinnernden Gruselverkleidungen scheint nun vorbei, man geht nun als Pirat oder als Prinzessin. Nun ja, das ist nun also das Faschingsfest am Winteranfang, wer weiß schon noch, warum Fasching einst gefeiert wurde?).

Doch zurück zum Ursprung, zu den Toten, zum Sterben. Im Sommer versprach ich, dass ich hier den Vortrag von der Schweizer Aromatologin und Autorin Barbara Bernath-Frei wiedergeben werde (nochmals vielen Dank, liebe Barbara!). Sie sorgt für hervorragende Aufklärung im Bereich der ‘Aromapflege und Sterbebegleitung’.  Denn mit gekonnter und wohlduftender Aromapflege kann so viel Hilfe geleistet werden, wenn Menschen den letzten Weg gehen müssen! Oft funktioniert im müden Körper fast gar nichts mehr, doch vertraute Düfte können meistens noch wahrgenommen werden. Und wenn es nicht über den Weg der Nase geht, so doch über die Haut (denn Hautzellen können Riechinformationen wahrnehmen, wie ich beispielsweise hier beschrieben habe).

In Großbritannien ist Palliative Care ohne Aromatherapie inzwischen gar nicht mehr denkbar! Barbara erläuterte in ihrem Vortrag auf der Konferenz von Farfalla die hervorragende Aufklärungsarbeit des Arztes Gian Domenico Borasio, der den einzigen Lehrstuhl in Palliativmedizin in der Schweiz, Lausanne inne hat (bis 2011 Universität München). Ich habe daraufhin sein Buch Über das Sterben: Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen. (9,90 €, klick!) verschlungen. Meiner Meinung nach ist dieses mit dem Preis ‘Wissensbuch des Jahres 2012‘ (Kategorie ‘Zündstoff’) eine wichtige Pflichtlektüre für jedermann und jederfrau, denn diesen Weg werden wir ALLE gehen müssen, warum also nicht vorher einigermaßen informiert und vorbereitet sein! Diese wertvolle Empfehlung hört man auch auf dem Interview mit diesem engagierten Arzt, der hier beim SR zu sehen ist. Genau wie Barbara im Folgenden schreibt, habe auch ich bereits als unter Zwanzigjährige das Buch von Raymond Moody verschlungen und wenige Zeit später habe ich mich mit Elisabeth Kübler-Ross beschäftigt. Hier nun die Zusammenfassung des Vortrags über:

PALLIATIVE AROMATHERAPIE

von Barbara Bernath-Frei

Ich erinnere mich gut, wie ich als junge Frau mit höchstem Interesse Elisabeth Kübler-Ross‘ Buch Interviews mit Sterbenden las; damals eine Sensation, dass ein solches Thema überhaupt aufgegriffen wurde. In diesem Buch schrieb die Schweizer Ärztin, die fast ihr ganzes Leben lang in den USA praktizierte, dass es damals in den amerikanischen Spitälern als Schande galt, wenn Patienten starben. Schliesslich war das Spital da, um Kranke gesund zu machen. Starb dennoch jemand, was zwangsläufig immer wieder vorkam, wurde das stillschweigend unter den Tisch gekehrt und die notwendigen Massnahmen so durchgeführt, dass möglichst niemand etwas davon erfahren sollte. 20 Jahre später, anfangs der 90er Jahre, erschien dann das von Lama Sogyal Rinpoche geschriebene Standardwerk: Das tibetische Buch vom Leben und Sterben, das in interessierten Kreisen Kultstatus erlangte. Im tibetischen Buddhismus ging man ganz anders mit dem Tod um als in unserer vermeintlich zivilisierten Welt. Für mich damals Anlass, an Retreats zum Thema Sterben und Tod mit Sogyal Rinpoche teilzunehmen.

Seither sind wiederum zwei Jahrzehnte vergangen, und endlich haben Sterben und Tod auch in unserem Land zunehmend Beachtung gefunden und sind zu einem öffentlich und intensiv diskutierten Thema geworden. Zunächst interessierten sich vor allem die Medien für Sterbehilfsorganisationen wie Exit und Dignitas, die polarisierten und entsprechend für Gesprächsstoff sorgten und sorgen. Erst nach und nach sickerte dann ein neuer, aus den USA und Kanada importierter Begriff auch hier ins öffentliche Bewusstsein: die Palliative Care, also die pflegerische Begleitung sehr kranker Menschen, bei denen es nicht mehr um das Wiedererlangen der Gesundheit ging, sondern um ein möglichst unbelastetes Sterben in angenehmer Umgebung. Sterbehospize wurden gegründet, und einer der Referenten bei Farfalla, der Pflegefachmann Ueli Morgenthaler, war unter den Pionieren im Ankerhuus in Zürich, wo vorwiegend AIDS-kranke Menschen gepflegt und in der letzten Lebensphase begleitet wurden. Er hat damals bereits mit ätherischen Ölen gearbeitet und viel Erfahrung gesammelt in der aromapflegerischen Betreuung sterbenskranker Menschen.

Schliesslich entstand auch in der westlichen Medizin eine neue Disziplin: die Palliativ-Medizin. Bis heute gibt es in der Schweiz nur einen einzigen Lehrstuhl für dieses Studium an der Universität Lausanne. Leiter ist Professor Gian Domenico Borasio, der zugleich auch Leiter des Dienstes Palliative Care am Universitätsspital Lausanne ist. Dr. Borasio hat mit seinem ersten Buch Über das Sterben offensichtlich einen Nerv der Zeit getroffen: Dieses Buch, das einfühlend, klar und nachvollziehbar das Sterben aus medizinischer, menschlicher, sozialer und spiritueller Sicht betrachtet, ist für viele interessierte Menschen wegweisend.

Soeben haben wir [Anmerkung von E.Z.: im Vortrag von Dr. Roland Kunz, Chefarzt für Geriatrie und Palliativ Care am Spital Affoltern, er hat 2010 den Palliativ-Care-Preis erhalten] gehört, was die Palliativmedizin den Menschen in ihrer letzten Lebensphase an Belastungen abnehmen kann. Ich gehe davon aus, dass die Palliativmedizin in den nächsten Jahren zusätzlich an Bedeutung gewinnen wird, da sie in einer wichtigen Übergangsphase viel zum Wohlbefinden der sterbenden Menschen beitragen kann.

Auch die Palliative Care, die Pflege im letzten Lebensabschnitt, kann ihrerseits Beschwerden lindern und das Hinübergleiten in den Tod merklich erleichtern. Es hat sich gezeigt, dass die meisten Patientinnen und Patienten die Pflege mit ätherischen Ölen sehr schätzen und sich diese oft auch wünschen. Die Pflegenden wiederum greifen dankbar auf die natürlichen Düfte zurück, weil sie mit diesen nicht nur ein Angebot zur Linderung von Leiden machen können, sondern zugleich einen sinnlichen, oft körperlichen Kontakt zu den Kranken aufnehmen können. Nachfolgend gehe ich auf einige Themen ein, bei denen die Aromapflege ausgesprochen hilfreich ist:

Mundpflege

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Limetten

Durch fehlende Speichelproduktion, die auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist, leiden manche Schwerkranke an einer trockenen Schleimhaut in der Mundhöhle, was irritiert und schmerzt. Hier haben sich verschiedene Massnahmen bewährt:

  • Befeuchten mit Rosenhydrolat. Angenehm, schmerzlindernd, zugleich gegen Bakterien, Viren und Pilze wirksam.
  • Kühlen und erfrischen mit Pfefferminzhydrolat.
  • Beimischung ätherischer Öle wie Limette, Ingwer, Pfefferminze, die als Düfte dem Mund nicht „fremd“ sind die Schleimhaut nachhaltig befeuchten und pflegen.
  • Wer imstande ist, kann mit diesen ätherischen Ölen gurgeln.
  • Zudem hat sich das Auspinseln mit Mandelöl als sehr hilfreich erwiesen.

Hautpilze

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Palmarosagras in Blüte

Hier ist die Aromapflege einfach spitze, da unzählige ätherische Öle über antimykotische Eigenschaften verfügen! Zahlreiche Erfahrungen haben gezeigt, dass Hydrolate und ätherische Öle sanfte, aber sehr effektive Möglichkeiten sind, Hautpilze loszuwerden und gleichzeitig die Haut zu pflegen. Pilze siedeln sich gerne in der Leiste, in Bauchfalten oder unter der Brust an; bei stark verringertem Immunsystem auch in allen Körperöffnungen, was für die Betroffenen besonders schwer erträglich ist. Teebaum- oder Rosen-Hydrolat zur Reinigung und Erfrischung sind hier ideal. Regelmässige Waschungen mit ä.Ö. wie

  • Lavendel
  • Manuka
  • Rosengeranie
  • Patschuli
  • Palmarosa

bringen den Pilz relativ schnell unter Kontrolle. Wer zusätzlich einölen möchte, nimmt mit Vorteil Johanniskraut-Mazerat als Grundlage.

Juckreiz

Patchouliblätter

Patchuli


Juckreiz entsteht oft als Nebenwirkung von Opiaten, Chemotherapie, Nieren-/Leberinsuffizienz etc. Vor dem Einreiben einer Ölmischung sollte die Haut mit Rosenhydrolat oder Sandelholzhydrolat angefeuchtet oder gewaschen werden. Juckreiz lindernde ätherische Öle wie

  • Atlas-Zeder (Selbstwertgefühl)
  • Cistrose (zerknittertes Seelchen)
  • Rosengeranie (Gelassenheit)
  • Kamille blau (Akzeptanz)
  • Patschuli (Verankerung)
  • Sandelholz (Zentrierung)

sind hier sehr hilfreich.

Chronische Schmerzen

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Tonkabohnen

Gerade bei diesem Thema ist es besonders wertvoll, dass bestimmte ätherische Öle nicht nur nachweislich den Schmerz eindämmen helfen, sondern zugleich die Seele streicheln. Bekanntlich nimmt man subjektiv den Schmerz weniger dramatisch wahr, wenn man sich einigermassen im seelischen Gleichgewicht fühlt. Wenn immer möglich wird mit den Patientinnen abgesprochen, welche Düfte sie bevorzugen. So lindern beispielsweise

  • Lavendel
  • Tonkabohne oder
  • Vanille

nicht nur den Schmerz, sondern wirken psychisch entspannend, beruhigend und im Falle der Vanille auch einhüllend und Geborgenheit spendend. Eine temperierte Ölkompresse auf die schmerzende Stelle kann hier Wunder wirken; ebenso eine Einreibung oder sanfte Massage mit einer Öl-Mischung. In der Kemptner Bahnhof-Apotheke wird beispielsweise das Saligen-Öl hergestellt, das nebst der schmerzlindernden Effekten auch einen sanften, weichen Duft nach Tonka, Orange und Melisse verströmt.

Bei viszeralen Schmerzen bewähren sich ausser

  • Basilikum auch
  • Ingwer und
  • Majoran, manchmal
  • Pfeffer schwarz
  • Wintergrün oder
  • Weihrauch.

Zum Glück verfügen wir über ein sehr breites Spektrum an ätherischen Ölen, so dass für jeden Geschmack auch etwas gefunden werden kann.

Üble Gerüche

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Weißtanne

Manche Tumore, Harnwegs- oder Darminfekte mit Durchfall sorgen für schwer zu ertragende Geruchsbildung in einem Patientenzimmer. Von den Patienten selbst wird dies leider oft als beschämend empfunden. Sie, die Pflegenden und die Besucher kämpfen deshalb oft mit Übelkeit und Abwehr. Was bei der Bekämpfung übler Gerüche besonders wichtig ist, ist das Mischen: Es dürfen nie einzelne Düfte verwendet werden, da sich sonst im Erinnerungsvermögen der Duft mit dem üblen Geruch verbindet und so dafür sorgt, dass man das entsprechende ätherische Öl nicht mehr riechen mag. Eine unaufdringliche Raumbeduftung mit Mischungen aus

  • Weisstanne
  • Lavandin
  • Petitgrain
  • Zimtrinde
  • Zirbelkiefer

und verschiedenen andern Aromen haben sich bewährt, um der geplagten Nase eine angenehme Alternative zu bieten.

Übelkeit

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Douglastanne

Übelkeit kann überaus kräftezehrend und subjektiv ganz schlimm sein. Ätherische Öle, die eine frische Ausstrahlung haben, können entweder auf einen Tupfer in einen Medi-Becher gegeben werden, so dass der oder die Sterbende genau dann einen Atemzug nehmen kann, wenn Frische gebraucht wird. Als sehr hilfreich gegen Übelkeit haben sich

  • Bitterorange
  • Pfefferminze
  • Zitrone sowie
  • Douglasie

erwiesen.

Atemnot

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Cajeputblätter

Nebst einer eingeschränkten Lungenfunktion können auch ALS, seelische Nöte und Ängste als Verursacher genannt werden. Ganz wichtig ist hier, dass jemand etwas unternimmt und tätig wird, die Fenster öffnet, da ist. Offensichtlich trägt die Erinnerung an Walddüfte zu einer hilfreichen Assoziation bei, was

  • Fichte
  • Zirbelkiefer oder
  • Weisstanne

zu unschätzbaren Helfern macht. Als ebenso wohltuend erweisen sich immer wieder

  • Lavendel oder
  • Cajeput.

Durch das Umsorgtwerden kann sich die Angst verringern – Nasenatmung trägt ebenfalls stark zur Beruhigung bei. Manchmal ist eine temperierte Ölkompresse auf der Brust sehr willkommen, die ja dann die Inhaltsstoffe permanent und kontinuierlich über die Haut abgibt.

Von innerer Unruhe zur Gelassenheit

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Benzoeharz

Benzoe siam ist einer der schützenden und wohltuenden Harze, der entspannt, vertrauensfördernd wirkt und einen zur Ruhe kommen lässt. Gemischt mit

  • Rosengeranie oder
  • Orange süss

streichelt er die Seele so liebevoll, dass sich Gelassenheit einstellen kann. Bei manchen Menschen, die einen guten Bezug zur Religion, vor allem zum Katholizismus haben, ist Weihrauchöl sehr willkommen. Vorsicht bei Menschen, deren Einstellung zur Religion unbekannt ist; Weihrauchöl gefällt nicht allen und stösst auch immer wieder auf Ablehnung. Generell spielt hier die Duft-Biografie der zu begleitenden Menschen ein wichtige Rolle: Welche Düfte haben sie gerne gemocht? Was hat schon früher zur Beruhigung und friedvollen Entspannung beigetragen?

Vom Hadern zur Akzeptanz

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Duft-Rose

Seit vielen Jahren wird die Rose als Klassikerin der Sterbebegleitung mit viel Erfolg eingesetzt.

  • Rosa damascena

harmonisiert, hilft beim Akzeptieren des Sterbeprozesses und ermöglicht es Sterbenden und Angehörigen, vertrauensvoll loszulassen. Wichtig ist, dass die Rose in allerkleinsten Mengen verwendet wird. Gute Erfahrungen werden gemacht mit dem sogenannten Zelt, bei dem ein feuchtes Leintuch – erleichtet die Atmung – über den Bügel oberhalb des Bettes gelegt wird. Dieses Tuch wird gerne mit Rosenhydrolat besprüht, was einen ganz feinen, zarten Duft ergibt.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Rosenduft nicht alleine eingesetzt werden sollte, sondern gerne in Kombination mit andern ätherischen Ölen wie

  • Melisse
  • Grapefruit oder
  • Lavendel,

damit sich in der Assoziation der Pflegenden nicht Rosen = Sterben zementiert.

Von der Angst zum Vertrauen

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Orangenblüte (Neroli)

Angst ist sehr häufig anzutreffen und kann enorm quälend sein.

  • Neroli
  • Orange oder
  • Muskatellersalbei

wirken stark angstlösend und helfen damit, dass auch körperliche Beschwerden wie Schmerzen weniger stark wahrgenommen werden. Gerade Neroli, dieser sanfte Duft mit dem stimmungserhellenden Aspekt, der Zuversicht und Vertrauen verspricht, kann ängstliche Menschen in einen entspannten Zustand bringen, der dem Sterbeprozess förderlich ist. Auch bei Neroli ist die sehr starke Verdünnung wichtig; wiederum ist das Orangenblüten-Hydrolat eine wunderbare Alternative zum ätherischen Öl.

Vom Dunkel zum Licht

Iris pallida

Irisblüte (das Öl wird aus dem Rhizom gewonnen)

Die Angelika-Wurzel ist die eine der grossen Lichtbringer! Als Schutzöl hüllt sie den sterbenden Menschen in ein unsichtbares Geflecht, lässt die Seele sich mit Licht füllen und die Bodenhaftung aufgeben. Gemischt mit

  • Bergamotte oder
  • Mandarine

entfaltet sie einen wunderbaren Duft, dem man sich gerne anvertrauen möchte. Die kostbare

  • Iris

mit ihrem veilchenartigen, pudrigen Duft ist genauso eine feinstoffliche Hilfe, um den Körper sorgsam aus seiner Verankerung zu lösen und der Seele Flügel zu verleihen. Ihr ausgeprägt spiritueller Charakter öffnet den Menschen für den Übergang. Iris ist ja der Name der Göttin des Regenbogens. Bieten wir also diesen Regenbogen an, sozusagen als umgekehrte Rutschbahn von der Erde zum Himmel.

Leicht wie ein Schmetterling

Immer öfter wünschen sich Sterbende leichte, helle, strahlende Zitrusdüfte, die von selbst gegen den Himmel streben und den sterbenden Menschen auf diese Reise mitnehmen. Hier schliesst sich der Kreis: Leicht wie ein Schmetterlingleggera come una farfalla.

Quellenangaben:

© BBF Barbara Bernath-Frei 13.3.2015

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapiePS: Sogyal Rinpoche ist der spirituelle Direktor des traumhaft schön gelegenen Meditations- und Retreat-Zentrums Dzogchen Beara, das hier in meiner Nähe liegt, sehr viele KursteilnehmerInnen waren bereits mit mir dort. Auf der Facebook-Seite von Dzogchen Beara wird jemand gesucht, die/der ab Anfang Dezember für mindestens zwei Monate gegen Kost (super-gute Küche) und Logis (einer der schönsten Orte Irlands hoch über wunderschönen Klippen) dort hilft. Infos und Bewerbung per E-Mail: workexchange@dzogchenbeara.org (dort arbeiten auch deutsch sprechende MitarbeiterInnen).