bei asthma: bronchienerweiternde wirkung durch riechstoffe


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Immer mehr wird von Wissenschaftlern erkannt, dass nicht nur die Riechrezeptoren, die unserer Nase zugeordnet sind, auf Riechinformationen regieren können, sondern dass auch andere menschliche Gewebe diese Fähigkeit besitzen (Haut, Blut, Leber, Herz, Prostata und Spermien).

Vor einigen Tagen hat die in dieser Forschungsrichtung bahnweisende Ruhr-Universität Bochum wieder ein spannendes Untersuchungsfeld auf einer Pressemeldung bekannt gegeben: Die Forscher rund um Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt entdeckten, wie manche Riechstoffe die Bronchien erweitern können und bei somit bei Asthma gut tun. Andere Riechstoffe wiederum bewirken genau das Gegenteil und könnten im praktischen Leben die Schuldigen daran sein, dass manche Menschen auf penetrante synthetische Weichspül-Gerüche, Waschmittel, Kosmetika und Parfüms mit Atemnot reagieren. Möglicherweise wird es sogar einmal eine Bestätigung der Vermutung von vielen Heilpraktikern geben, dass (künstliche) Aromastoffe in Fertignahrungsmitteln, zu asthmatischen Reaktionen führen können. Hier ein Auszug aus der Pressemeldung vom 8. August 2016:

>> Riechrezeptoren in den Bronchien entdeckt
Die Muskelzellen der Bronchien nehmen Düfte wahr, zum Beispiel einen speziellen nach Bananen und Aprikosen. Das könnte eine gute Nachricht für Asthmatiker sein.
In den Muskelzellen der menschlichen Bronchien haben Forscher zwei Typen von Riechrezeptoren entdeckt. Aktivieren die passenden Düfte diese Rezeptoren, erweitern oder verengen sich die Bronchien – ein potenzieller Ansatz für die Asthmatherapie.

Zu diesem Ergebnis kam ein Team um Prof. Dr. Dr. Dr. habil Hanns Hatt und Dr. Benjamin Kalbe vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie. Gemeinsam mit Kollegen verschiedener Kliniken in Bochum, Köln und Herne berichten die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift „Frontiers in Physiology“.

Bananen-Aprikosen-Duft erweitert Bronchien
Die neu auf den Muskelzellen entdeckten Rezeptoren tragen die Bezeichnungen OR2AG1 und OR1D2. Die Forscher identifizierten auch die zu den Riechrezeptoren passenden Düfte sowie die Signalwege, die diese in der Zelle auslösen.

Amylbutyrat, ein fruchtiger Duft mit Bananen- und Aprikosennoten, aktiviert den Rezeptor OR2AG1. Bindet der Riechstoff, entspannt und erweitert das die Bronchien. Der Effekt war im Experiment so stark, dass er die Wirkung von Histamin aufheben konnte. Diesen Stoff schüttet der Körper bei allergischem Asthma aus, wodurch sich die Bronchien verengen.

Ansatz für die Asthmatherapie
„Amylbutyrat könnte bei Asthma helfen, die Luftzufuhr zu verbessern“, folgert Hanns Hatt. „Vermutlich kann es nicht nur den Effekten von Histamin entgegenwirken, sondern ebenso denen von anderen Allergenen, die das Atmen behindern.“ Auch für die Behandlung anderer Krankheiten, etwa der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, könne der Rezeptor interessant sein.

Die Forscher zeigten außerdem, dass Amylbutyrat in den Muskelzellen die gleichen Signalwege in Gang setzt wie in den Riechzellen der Nase.

Zweiter Rezeptor mit gegenteiligem Effekt
Der zweite Rezeptor OR1D2 ist empfänglich für Düfte mit blumigen, öligen Noten, etwa Lilial oder Bourgeonal. Bindet der Riechstoff an den Rezeptor, passiert das Gegenteil wie beim Rezeptor OR2AG1: Die Bronchialmuskeln kontrahieren. Außerdem werden in den Zellen entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt.

Für die Studie untersuchten die Forscher menschliche Zellkulturen, die das Team um Privatdozent Dr. Jürgen Knobloch vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil zur Verfügung stellte. Dabei handelte es sich um glatte Muskulatur, die im Gegensatz zur quergestreiften Muskulatur nicht der willentlichen Kontrolle unterliegt. << 

Die komplette (englischsprachige) wissenschaftliche Arbeit kann hier runtergeladen werden.

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Römische Kamille, Chamaemelum nobile

Bei den ätherischen Ölen sticht in Sachen Bronchien-Erweiterung das eher noch unbekannte, fruchtig duftende Öl der Khella (Zahnstocherkraut, Ammi visnaga) besonders hervor und siehe da, es enthält fast 30% natürliche Butyrate, also Ester der Buttersäure. Das als stark entkrampfend wirksame ätherische Öl der römischen Kamille kann sogar noch mit einem höheren Anteil an diesen Buttersäure-Verbindungen aufwarten (gut 50 Prozent). Myrtenöle, Immortelle, Lavendel und Palmarosa enthalten kleine Mengen davon. Erfahrungsgemäß genügen kleine Anteile dieser Verbindungen, um ein ätherisches Öl entkrampfend wirken zu lassen.

Das seltene ätherische Öl aus den Samen der Khella (des Bischofkrauts) können die Schweizer bei Florentia bestellen, alle anderen bekommen es bei Maienfelser Naturkosmetik.

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schmerzlinderung und parfüm-workshop


'Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAuch bei starken Schmerzen kann die Aromatherapie helfen. Mal wieder hat sich jemand aufgemacht, einen schönen Erfahrungsbericht zusammenzufassen: meine ehemalige Schülerin Katrin Sumser aus Österreich. „Liebe Eliane! Ich muss dir das jetzt schreiben, bin sooooo erfreut, erstaunt, überrascht etc… Ich hatte einem 68-jährigen Mann ein Öl mit den Empfehlungen von dir gemischt, weil er unter so starken Schmerzen an einem Bein litt. Er hat früher stark geraucht, doch inzwischen damit aufgehört. Ich habe mir sogar zum ersten Mal das Rezept aufgeschrieben! Nun habe ich, nach nur vier Tagen der Anwendung, die Rückmeldung bekommen, dass er erstmalig seit vier Jahren schmerzfrei ist, in der ersten Nacht nach dem Auftragen hat er durchgeschlafen… inzwischen konnte das Morphium abgesetzt werden. Er selbst findet diesen Erfolg so sensationell und ich bin soooo happy dass ich soo gut helfen konnte!!! Also ich hoffe, der Fortschritt geht weiter…er ist jetzt mal schmerzfrei und die Entzündungen sind auch wesentlich zurückgegangen!!! Ich habe folgende ätherischen Öle circa 1,5 bis max 2%-ig gemischt (Anmerkung: circa 3 Tropfen pro Öl):

  • 20ml Arganöl (sehr hautpflegend, extrem viele „Hautvitamine“)
  • 80 ml Johanniskrautöl (deutlich schmerzlindernd und hautregenerierend)
  • Cistrose (bei Wunden, Blutungen, schmerzlindernd durch über 50% Monoterpene inkl. p-Cymen)
  • Cajeput (schmerzlindernd durch circa 40% Monoterpene, entzündungshemmend durch 6% beta-Caryophyllen )
  • Pfeffer (schmerzlindernd durch circa 50% Monoterpene inkl. p-Cymen und Myrcen, leicht durchblutungsfördernd)
  • Ingwer (leicht durchblutungsfördernd, schmerzlindernd)
  • Lavendel (extrem hautregenerierend, desinfizierend durch Linalool, schmerzlindernd)
  • Immortelle (bei stumpfen Verletzungen, positiver Einfluss auf die Gerinnungseigenschaften des Blutes durch beta-Dione)
  • Schafgarbe (stark entzündungshemmend vor allem durch Azulen, hautaufbauend durch Mono- und Sesquiterpenketone)
  • Kanuka (schmerzlindernd durch circa 70% Monoterpene inkl. p-Cymen)
  • Niaouli (antiinfektiös, positiver Effekt auf eitrige Prozesse, Hautschutz)
  • Weihrauch (entzündungshemmend, schmerzlindernd durch über 50% Monoterpene, leicht adstringierend)

Erst habe ich Rosmarinhydrolat auf das Bein gesprüht und dann die Ölmischung aufgetragen. Das Bein wurde dann verbunden und drei Tage lang wurde täglich ein Verbandswechsel gemacht, bis die Haut schön glatt war. Dann fanden die Pflegerinnen, dass der Vaerbandwechsel nur mehr alle drei Tage nötig war. Danach haben sie das Bein nur mehr mit der Ölmischung gepflegt…ohne Verband…auf alle Fälle konnte der Mann schon in der ersten Nacht seit vier Jahren nunmal endlich schmerzfrei durchschlafen….abgesehen davon, dass die Wunde ganz super verheilt ist und er nach wie vor schmerzfrei ist…er nennt es das Wunderöl:-)))“

Vielen Dank für diesen schönen Erfahrungsbericht, liebe Katrin!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Zwei Jahre ist es schon wieder her, dass der Parfümeur Stephen V. Dowthwaite einen Workshop in Deutschland gehalten hat. Auf vielfachen Wunsch kommt er jetzt wieder: Für die „alten“ Teilnehmer eine Chance zum Auffrischen und Fortsetzen der Ausbildung, für Neueinsteiger ein wunderbarer Start in die hohe Kunst der Parfümentwicklung.

Stephen V. Dowthwaite ist einer der Pioniere der modernen Parfümentwicklung und ein herausragender Lehrer für Parfümeure. Er lebt normalerweise in Bangkok und ist unter anderem Berater des thailändischen Ätherische-Öle-Projekts von Thai-China Flavours and Fragrances. Mindestens 300 Parfums, die derzeit auf dem Markt sind, stammen aus seiner „Küche“.

Der Workshop vor zwei Jahren fand in Baden statt, der neue ist nur ein kleines bisschen weiter nach Westen gewandert: Ein Erlebnisworkshop an einem der mystischsten und kraftvollsten Orte, im südlichen Elsass gelegen, zwischen Straßburg und Colmar, im Naturparadies Hochvogesen.

Der 5-tägige Workshop vermittelt ein neues Verständnis zum individuellen Parfüm. Grundlage sind das neue Fachbuch von Stephen Dowthwaite: „ZEN & Art and Technology of Perfumery“ sowie sein patentiertes Ausbildungskonzept „The ABC’s of Perfumery“. Einzelheiten kann man dem Flyer (klick!) zum Workshop entnehmen.

veilchenduft in aromatherapie und küche


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyVeilchen und Iris sorgen gerne für Verwirrung bei Aroma-NovizInnen. Veilchenduft wird aus Iriswurzeln gewonnen und Veilchenblätter-Absolue duftet weder nach Veilchenblüte noch nach Iriswurzel. Das Absolue aus den herzförmigen Blättern duftet eher schwer erdig-grasig-grün. Es wird nur hoch verdünnt eingesetzt, dann entfaltet der Duft seine stimmungsaufhellende und gar erotisierende Wirkung am besten. Wer derzeit stark duftende Veilchen im Garten oder in der Umgebung hat, kann sogar ein Mazerat wagen, die Blüten also in Sesamöl oder Kokosfett einlegen.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyMan kann Veilchenblüten hervorragend kandieren und zur Deko auf Süßspeisen verwenden. Sie machen auch „einfach so“ eine gute Figur in einem frühlingsfrischen Salat. Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyZwei wundervolle Bücher zum Thema Blütenküche wurden von zwei Kennerinnen verfasst. Das kleine aber sehr informative Büchlein von Ursel Bühring passt zum schmaleren Budget: Blütenküche (für mehr Infos auf fett gedruckte Wörter klicken!) Martina Kabitzsch hat ein traumhaftes, ja opulentes Werk zusammengestellt: Von Blüten und Blythen – Der Garten bittet zu Tisch (29,90 Euro), sie gibt auch reichlich und wertvolle Tipps zum Anbau, da sie für ihre Manufaktur für Essbare Blütenprodukte in der Nähe von Berlin vielerlei Blumen anbaut: Von Blythen Manufaktur, wo am kommenden Sonntag  der Tag der offenen Tür statt finden wird (hier hatte ich das Buch schon ausführlicher vorgestellt).

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyAn Straßenrändern und in eher halbschattigen, feuchten Gartenecken geht es momentan ganz viele Veilchen, man muss sich allerdings bücken, um in den Genuss des überaus feinen Duftes zu kommen und auch Stellen auswählen, die nicht zu den Hunde-Gassi-Autobahnen zählen. Die winzige Blüte offenbart ihre malerische Perfektion erst bei sehr nahem Betrachten oder gar eine Vergrößerung am Bildschirm.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Frühlings-Geburstagskindern kann man edles fertig gekauftes Veilchenkonfekt oder Veilchensirup verschenken und wenn das nicht genug ist auch Veilchenpastillen lutschen…Oder sich mit einer weitestgehend natürlichen Parfümkomposition von Florascent umgeben: Aromatica Violetta. Etliche Veilchenarten duften übrigens nicht, Viola odorata ist die Duftkönigin unter den unscheinbaren blauen Mini-Blüten.

Babys die Schmerzen und wundes Zahnfleisch in der Zahnungsphase haben, bekommen übrigens von aufmerksamen Eltern oft ein Kettchen mit  einer „Veilchenwurzel“ umgehängt, beim daran Kauen und Beißen entsteht ein kühlender zarter Schleim, der die Beschwerden besser lindert als das Nagen an Holzbauklötzen, Schnullern und Plastikspielzeug. Diese Ketten werden jedoch aus Iriswurzeln hergestellt.

limettenöl als aroma und gesundheitsschutz


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch bin ja ein gnadenloser Fan von Limettenöl (Citrus aurantifolia Swingle). Keines meiner ätherischen Öle kann so lebendige und farbige Sommer-Sonne-Urlaubs-Bilder in mir wecken wie dieses! Meistens ist die kalt  aus den grünen Schalen geraspelte Version der „brasilianischen Zitrone“ im europäischen Handel, manchmal erhält man auch die furokumarinfreie destillierte Version, die zwar anders riecht jedoch für Anwendungen auf der Haut geeigneter ist, da sie nicht photosensitivierend wirkt. In meiner brasilianischen Heimat kennt man nicht die gelbe ovale Zitrone wie sie nach Europa importiert wird, ich habe schon amüsiertes Lächeln dort geerntet: „Was, Zitronen sind bei euch gelb? und so groß? und oval?“ In Caipirinhas und Cola-Getränken befinden sich Limettenscheiben, Shrimps und Lachs werden mit Limettensaft dekoriert, Kuchen und Puddings werden mit dem erfrischend-säuerlichen Fruchtgeschmack aufgepeppt.

Ich fand kürzlich eine recht neue Studie, in der die hervorragenden antioxidativen Eigenschaften von ätherischem Limettenöl vergleichen wurden mit Bergamotte- und Bitterorangenöl verglichen wurden. Auch wenn alle drei Schalenöle ähnliche Inhaltsstoffe aufweisen – Limonen, α-Pinen, β-Pinen, γ-Terpinen und Linalylacetat (vor allem im Bergamotteöl) – war Limettenöl der Renner, insbesondere bei der Unterdrückung des „Alzheimer-Enzyms“ Acetylcholinesterase, welches bei dieser Krankheit zu aktiv ist. Die Empfehlung in der Studie lautet:

Obtained data suggest a potential use of Citrus oils as a valuable new flavor with functional properties for food or nutraceutical products with particular relevance to supplements for the elderly.  …  Citrus essential oils suggested their use as a new potential source of natural antioxidant to added as extra-nutrient for using in food industries as a valuable new flavor with functional properties for food or nutraceutical products with particular relevance to supplements for the elderly.

Auf gut Deutsch und frei übersetzt: Limettenöl (und andere echte Zitrusöle) wären ideale Geschmacksstoffe (Aromen) für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel für ältere Menschen, da sie gleichzeitig ‚funktionale Eigenschaften‘ aufweisen wie eine Anti-Demenz-Wirkung. [Tundis R, Loizzo MR, Bonesi M, Menichini F, Mastellone V, Colica C, Menichini F. Comparative study on the antioxidant capacity and cholinesterase inhibitory activity of Citrus aurantifolia Swingle, C. aurantium L., and C. bergamia Risso and Poit. peel essential oils. J Food Sci. 2012 Jan;77(1):H40-6.]

Ich jedenfalls gebe Limettenöl in fast jedes Smoothie, in Joghurtspeisen, in Limonaden, in Avocadosalsas und vieles mehr. Und ich sprühe mich, gerade wenn schlechte Laune oder winterliche Durchhänger drohen, mit dem traumhaften ‚Aquaroma‘ Limette von Neumond ein, diese Produktserie ist zwar offiziell als Raumbedufter deklariert, jedoch nur mit bestem ätherischen Ölen, Salz und Trinkalkohol in einem speziellen Verfahren hergestellt, so dass es mein persönliches Lieblingsparfümspray geworden ist (wenn ich nicht in die Sonne gehe). Die im kalt geraspelten Limettenöl enthaltenen Furocumarine (ähnlich wie im Bergamotteöl zu circa 1 Prozent oder sogar etwas mehr) sind nämlich wahre Stimmungsaufheller! Und sie sorgen für etwas mehr Haltbarkeit in den nur circa 1 Jahr haltbaren Zitrusschalenölen (manche etwas mehr, manche etwas weniger und je nach Lagerung und Firma).

die zweiklassen-gesellschaft der duftstoffe


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDiese „Petition“ hat viele Reaktionen, Fragen und Unsicherheiten hervor gerufen. „Petition“ in Anführungsstrichen, weil es sich um eine simple Online-Unterschriftenliste handelt. Das Wort Petition ist irreführend verwendet worden, denn dieses suggeriert eine Eingabe an offizielle Behörden/Regierungsstellen. Da ich, wie erwähnt, die Anfrage aus verlässlicher Quelle erhielt, habe ich das nicht hinterfragt, Monika Volkmann ist jedoch dem Impressum mal auf den Grund gegangen. Ich finde es dennoch okay, Dr. Dietrich Wabner mit seinem Verein N.O.R.A. International eine kleine Unterstützung in Form einer Unterschriftenliste zukommen zu lassen, denn er ist einer der wenigen Aroma-Leute, der sich für den Erhalt von „bedrohten“ ätherischen Ölen einsetzt und der – gegen Windmühlen kämpfend – auch bemüht ist, diesem bürokratischen Unsinn die Stirn zu bieten. Es scheint jedoch nicht möglich, selbst für einen zweifachen Doktor und Chemiker, die Eurokraten und nicht in dieser Materie beheimateten Schutzwächter davon zu überzeugen, dass synthetische, also menschengemachte Moleküle anders beschaffen sind, als ihre kopierten Vorbilder (nicht Ebenbilder) aus der Natur.

Dazu eine kleine Fantasiereise: Stellen Sie sich einen Teppich vor, weich und wuschelig, das Etikett sagt „100 Prozent Wolle“. Dann schauen Sie unter den Teppich und sehen ein feinmaschiges Netz, das eindeutig aus Nylon/Plastik ist, es trägt die Wollfasern und gibt dem Teppich Zusammenhalt und Haltbarkeit, ist hauchdünn, ist fast nicht vorhanden, macht nur 1 Prozent des Teppichgewichtes aus. Doch der eigentliche, der sichtbare Teppich besteht aus reiner Wolle. So ähnlich verhält es sich mit synthetischem Geraniol, Citral, Linalylacetat, Menthol. Wir riechen diese auch in billigen Aromaölen, doch die geschulte Nase schaut automatisch auch unter den Teppich, sie erkennt sofort, da sticht etwas, da fehlt etwas, das ist nicht rund. Was die Laiennase auf den ersten Blick Schnupperer nicht merkt, erkennt jedoch ein anderer Teil des komplexen Systems Mensch und sagt „Halt! Hier stimmt etwas nicht, hier ist etwas drin, was nicht rein gehört“ und löst beispielsweise einen Niesattacke aus oder rote Hautpusteln. Geschieht der Kontakt mit dem Chemiegeruch zu oft, kann sich auch das Immunsystem empören und löst dann irgendwann schlimmere Symptome aus, eben eine Allergie. Das kann selbstverständlich auch mit Naturdüften passieren wie mit allem, was uns im Leben so begegnet auch.

Der Chemiker sagt stolz: „Ach, dieses eine Prozent („im Teppich“ oder „im Aromaöl“) kann man wirklich vernachlässigen, es hat mit dem tollen von mir geschaffenen Duftmolekül eigentlich nichts zu tun, es dient lediglich als Trägersubstanz.“ Je billiger so ein „Parfümöl“ oder „Aromaöl“, desto größer ist dieses „Trägernetz“ und desto wahrscheinlich ist es, dass es aus chlorierten Substanzen besteht. Wer jemals im Schwimmbad, in der Sauna, in öffentlichen Toiletten penetranten Chlorgeruch wahrgenommen hat, weiß was ich meine. Diese ach so minimalen Anteile an chlorierten Substanzen scheinen insbesondere für ungewollte Reaktionen wie Kopfschmerzen, Unverträglichkeiten und sogar Allergie verantwortlich zu sein. Eigentlich muss man entsprechenden Immunsystemen nun geradezu gratulieren, dass sie auf sowas überhaupt noch reagieren, und dankbar sein, dass sie Alarm schlagen. So degeneriert und dumm ist der menschliche Körper auch heute nicht, dass er nicht bemerkt: „Da stimmt etwas nicht, da muss ich mich wehren, da ist Gift mit im Spiel.“

Die natürlichen „Zwillinge“ kommen nicht nur ohne Chlor aus, sie sind auch eingebettet in ein Meer von anderen Inhaltsstoffen im jeweiligen Öl. Ein schönes Beispiel ist ein hochwertiges Öl der Gewürznelkenknospe. Es enthält zwar reichlich das potenziell hautreizenden, durchblutungsfördernden und anregenden Phenols Eugenol (bis zu 80%), doch in den verbleibenden 20 bis 30 Prozent finden wir auch andere Goodies, welche entkrampfen/entspannen (bis 22% Eugenylacetat), entzündungshemmend wirken (13% beta-Caryophyllen) und schmerzlindernd wirken (Methylsalicylat). Eugenol an sich hat nicht nur negative Eigenschaften, wie so gerne behauptet wird, sondern wirkt als Breitbandmittel stark keimtötend und auch schmerzlindernd. Man muss also die ganze Symphonie der Inhaltsstoffe betrachten und nicht nur einen einzelnen schrillen und schrägen Flötenton, der im Gesamtkonzert vielleicht gerade das i-Tüpfelchen ausmacht, jeder Klassik-Konzertgänger weiß das.

Doch das heute geltende Paradigma will uns mit erschreckend roher Gewalt und gesetzlichen Vorschriften wirklich ins Gehirn einhämmern, dass wir mit ganzheitlichem Denken und Betrachten falsch liegen, dass wir Einzelstoffe anzuerkennen haben, dass diese einfach und schnell und billig von Menschenhand herzustellen seien (gerne als „naturidentisch“ bezeichnet). Und dass viele Naturstoffe unvollkommen, schlecht, böse, fehlerbehaftet seien. Darum sind, aus Kosmetikgesetzgeber-Sicht und zugespritzt gesagt, Fenchel und Anis, Basilikum und Estragon, Zimt und Rose, „böse Pflanzen“, denn sie produzieren „gefährliche Stoffe“, welche hautschädigend und leberschädigend (durch die Haut???) wirken. Die wissenschaftlichen Experimente, die zu diesen Erkenntnissen führten, werden jedoch einerseits oft mit menschengemachten Laborduftstoffen an (Nage-)Tieren mit anders arbeitendem Stoffwechselsystem gemacht. Dazu werden diese Tiere damit zwangsernährt, obwohl Rose, Fenchel, Basilikum vielleicht nicht zu ihrem Beute- und Nahrungsschema gehören und ihr Metabolismus nicht jahrtausende Jahre lang Zeit hatte, sich auf den Abbau dieser Pflanzeninhaltsstoffe einzustellen. Diesen Tieren wird zudem das Fell wegrasiert, bevor sie mit den fraglichen Substanzen eingeschmiert werden (wer sich als Mensch rasiert, wird sich an diesen Stellen nicht anschließend mit scharfen und reizenden Kosmetika einreiben, weil das Rasieren immer Mikroverletzungen zur Folge hat). Und damit man wirklich nachweisen kann, wie gefährlich diese „Pflanzenstoffe“ (aus dem Labor, hm) sind, werden sie hoch/überdosiert und über lange Zeiträume an den Tieren verwendet. Wenn ein menschliches „Versuchskaninchen“ wochenlang ausschließlich mit Heu gefüttert werden würde, könnte man beweisen, dass Heu unverdaulich ist, zu Giftgasen in den Eingeweiden führt und schließlich zum Tod durch Darmverschluss.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Der Faktor Mensch wird dabei völlig vernachlässigt: Dass der Mensch recht schnell „die Nase voll“ hat von einem Duft, dass er vergesslich ist, selbst wenn er sich jeden Tag mit etwas einschmieren wollte, dass ihm nach kurzer Zeit penetrante Überdosierungen stinken, dass er einen komplexeren Stoffwechsel als ein Meerschweinchen hat, dass er Kleidung trägt, die das Kosmetikum abreibt, dass er Milch trinkt, die zu viel gegessene Duftstoffe emulgiert und resorbieren helfen kann, dass er andere und viel mehr Auswahl an Dingen isst, die mit dem Duftstoff interagieren werden…. all das, also das „wahre Leben“, findet im Labor nicht statt. Wie sollte es auch! Dazu kommt, dass beispielsweise Rosen- und Lavendelöl aus jeweils einigen hundert Inhaltsstoffen bestehen! Dies kann und will man nicht separat untersuchen. Und diese kann oder will man nicht herstellen, um ein „naturidentisches“ Aromaöl auf den Markt zu bringen (man könnte es – technisch gesehen – zu 99,5% herstellen, doch dann wäre das billige Aromaöl vermutlich viel teurer als seine natürliche Variante).

Und weil man an technische und vor allem an preisliche Grenzen stößt, reduziert man beispielsweise Lavendelöl auf drei „böse Inhaltsstoffe“ (Linalool, Linalylacetat, Geraniol), die kunstvoll zusammengemischt sicherlich fast wie Lavendelöl riechen würden) und will den naiven Verbrauchern suggerieren, dass man sie vor diesen negativen Komponenten schützt. Damit zurück zur Petition und zur Kosmetikverordnung: Bei einigen, wie diesen Lavendelstoffen, schreibt man „nur“ die Deklaration vor (was für Allergiker natürlich hilfreich beim Einkauf ist), obwohl laut Duftstoffe-Fachmann Erich Schmidt  bei etlichen der gebranntmarkten deklarierungspflichtigen Stoffe nachgewiesen werden konnte, dass sie nicht allergener wirken als tausend andere Dinge des täglichen Lebens. Bei anderen Naturdüften wie Rosenöl muss verdünnt werden, damit der eine „böse Stoff“ (Methyleugenol) kaum noch im Kosmetikum enthalten ist, bei anderen muss verdünnt werden, um bestimmte Gefahrenhinweise auf dem Etikett zu vermeiden (ich hatte hier eine Liste zusammengetragen). Man kann als Laie wirklich nicht mehr mitkommen, Öle-Firmen müssen Anwälte anheuern.

Volkmar Heitmann hat mir und euch netterweise den Link zu diesem „behördlichen Duftkrimi“ geschickt, hier kann er gelesen werden (auf englisch und ellenlang, die meisten EU-Bürger haben somit keinen Zugang zu diesem „Meinungspapier“ (opinion), ich wüsste zu gerne, wer die am Anfang namentlich aufgeführten Meinungsgeber sind bzw. für wen sie arbeiten. Für solche Recherchen bedürfte es eines eigens eingerichteten und bezahlten Arbeitsplatzes. Hallo Ätherische-Öle-Firmen, hat jemand da draußen Zeit und Kapazitäten dafür frei?! Immerhin wird ganz demokratisch auch eine Meinungsseite für die EU-Bürger eingerichtet, wenn man sich also durch diesen englisch verfassten Fachtext gewühlt haben sollte, kann man seine Meinung auch kundgeben. (Selbst mir mit Fließend-Englisch-Fähigkeiten graut vor dieser Seite).

Ich war jedenfalls vergangene Woche – sehr schön passend zum Thema – zweimal mehr oder weniger freiwillig mit Chemieduftbomben konfrontiert. Einmal stand der Wäscheständer mit zu trocknender Wäsche im Schlafzimmer, sie war mit „eben mal ganz schnell“ gekauftem Waschmittel („mit ätherischen Ölen“) gewaschen worden, weil das Biowaschmittel leer war. Kaum zu glauben, was für Emissionen da im Zimmer umher waberten, sie lösten ein starkes Irritation im Sinne von „Achtung, Störung, hier stimmt etwas nicht, weg laufen!“ aus. Beim zweiten Mal führte der Besuch des Schweden-Kaufhauses bzw. zum Glück erst ganz am Ende die Kerzenabteilung, zu einem über 24 Stunden währendem leisen Kopfschmerz. Auf diesen beiden Produkten würde ich gerne die neue Etikettenvorschrift sehen: Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein. Aber diese ist für solche Produkte, die man unter Umständen tagelang und wochenlang einatmet, nicht vorgesehen. Ein typisches Beispiel für den Zwei-Klassen-Duft.

PS Ähnlich wie beim Beispiel „100 Prozent Wolle“ des Teppichs verhält es sich übrigens mit sehr vielen Kleidungsstücken und sonstigen Textilien aus „100% Baumwolle“, diese bestehen immer öfter aus einigen Prozenten an anderen Stoffen.

wie mache ich ein naturparfüm – ein workshop


Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Mein Kollege Volkmar Heitmann bat mich, ein bisschen die Werbetrommel für einen ganz besonderen Naturparfüm-Workshop im wunderschönen Ort Inzlingen ganz in der Nähe von Basel zu rühren (ich habe dort im Schlösschen geheiratet). Volkmar schreibt:

Ein befreundeter Parfümeur hält im kommenden April einen Workshop zum Thema Naturparfüm. Da ich weiß, dass das wirklich tolle Seminare sind, rühre ich gern ein wenig die Werbetrommel für die Veranstaltung. Ich habe keinerlei finanzielle Interessen an dem Workshop, würde aber gern selbst daran teilnehmen, kann’s aber leider nicht, weil ich dann schon verplant bin.

Der in Insider-Kreisen bekannte Parfümeur Stephen V. Dowthwaite hält vom 28. April 2012 bis 01. Mai 2012 einen 4-tägigen Workshop über „Ein neues Verständnis zum individuellen Naturparfüm“. Stephen V. Dowthwaite ist neben Edmond Roudnitska und Paul Jellinek einer der Pioniere der modernen Parfümentwicklung und ein herausragender Lehrer für Parfümeure. Er lebt normalerweise in Bangkok und ist unter anderem Berater des thailändischen Ätherische-Öle-Projekts von Thai-China Flavours and Fragrances. Mindestens 300 Parfums, die derzeit auf dem Markt sind, stammen aus seiner „Küche“. Details und Anmeldung zum Workshop können hier kostenlos runterladen werden. Wer lernen möchte, wie seine eigenen Mischungen aus ätherischen Ölen nicht mehr nur „therapeutisch“ riechen, sondern Düfte zum Verlieben werden, sollte sich das mal näher anschauen.

Die Kursgebühr scheint auf den ersten Blick „nicht ohne“ – doch bitte bedenken: Wenn man aber die Kosten pro Tag betrachtet (4-Tage-Seminar mit Verpflegung), kommt man wieder in preislich sehr gemäßigte Regionen. Nicht zu vergessen: Ein Workshop wie dieser findet nur alle Jubeljahre so dicht vor der Haustür statt. Und vielleicht ergibt sich aus einem Hobby mal ein wunderschöner Beruf, dass man beispielsweise mit seinen Kunden zusammen ein „therapeutisches Parfüm“ entwirft oder der Klientin einen Traumduft, hunderprozentig auf ihre Stimmungslage und Konstitution, komponiert.

iriswurzel – betörend, erdig und blumig zugleich


Der ultimative Superduft von Erik ist angekommen. Fein, absolut fein, wenn auch superstark, noch feiner wird der „Veilchenduft“, wenn der Rohstoff stark verdünnt wird. Mein Koffer duftet wunderbar nach Iriswurzel (korrekter: Iris-Rhizom). Ich muss andauernd dran schnuppern. Da es sich um ein hochkonzentriertes Concrète, also „Irisbutter“ handelt, wird man bereits mit 10 Gramm (in etwas Ethylalkohol oder wie Erik vorschlägt [Di]propylene Glycol [DPG], ggfs auch Jojoba) jahrelang auskommen. Ursprünglich waren wir ja von 50 g pro Person ausgegangen. Da ich natürlich keine Cremedosen dabei habe, werde ich die Verteilung Ende nächster Woche zu Hause vornehmen.

Bis dahin erde, entspanne und erfreue ich mich in und an der Duftwolke, die selbst aus der fest verschlossenen Dose austritt! Schlaffördernd oder -vertiefend scheint der kostbare Duft auf alle Fälle zu wirken. Und noch zur Erinnerung: der Hauptduftstoff beta-Ionon wirkt laut Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt gegen Prostatakrebs, die Zellen dieses Organs erkennen und reagieren auf dieses Duftmolekül.

dufte kosmetik selber machen und verkaufen


Ein heiß diskutiertes Thema steht ins Haus, denn ab morgen läuft der letzte Ausbildungblock eines Zweijahreskurses, in dem dieses Thema erläutert wird: Darf ich selbst gemachte Kosmetik verkaufen? Ein bisschen über diesen Bereich steht auf den Seiten 128 und 279 meines Fachbuches (ich werde das für die neue Auflage, die für 2011 angekündigt ist, mal vervollständigen, obwohl sich in diesem Gebiet alle paar Jahre, manchmal auch alle paar Monate, Veränderungen ergeben):

Wer Kosmetik herstellt, muss sich nach den strengen Richtlinien der Verordnung über kosmetische Mittel richten. Diese fordert bestimmte Maßnahmen zu Wahrung der Sterilität (was bei allen Produkten, in denen Wasser enthalten ist, sehr wichtig ist), sogar bestimmte Fußbödenmaterialien, die Art der Fließenfugen, Chargenvergabe, Aufheben von Mustern etc. werden reglementiert. Das kann keine kleine Rühr-oder Seifensiederin leisten. Wenn sie jedoch diese eu-weit geltenden Bedingungen erfüllen würde, könnte sie natürlich auch Mischungen herstellen. Alles andere ist – offiziell – illegal. Bei reinem Seifenherstellen mit anschließendem Verkauf mag es Sonderregelungen geben, die ich nicht kenne, denn bei Seife gibt es kaum Gefahr der schnellen Verkeimung.

Wenn man einen Gewerbeschein hat, darf man EINE Mischung zur direkten Anwendung herstellen und verkaufen. Im Rahmen eines Ladens könnte man beispielsweise hübsche  Rezeptkarten zu Cremes, Deos und Duftwässerchen  gestalten und verkaufen und dieses Rezept – als EINMALIGE Dienstleistung – verkaufen. Was eben nicht erlaubt ist, ist die Herstellung auf Vorrat, also mehr als eine Dosen/Gläser/Flaschen.Wenn die Creme verbraucht ist, muss die Kundin eine neue Dose bestellen und wir sie neu herstellen.

Eine liebe Kollegin hat vor geraumer Zeit ein Seminar zum Thema besucht und versucht, mir das Fachchinesisch zu erläutern: Zum Thema Verkauf von selbstgerührten Produkten gilt folgender juristischer Grundsatz: Der Preis für die Serviceleistung (also das Ölemischung-Herstellen o. ä.) muss eindeutig höher sein als der Materialpreis (der Öle), denn es wird im Auftrag des Kunden gemischt nach einer bekannten Rezeptur.

Man muss allerdings als Kosmetikmischerin Rezepte irgendwie veröffentlichen, beispielsweise auf einer Website, auf einer Broschüre, auf hübschen Karten. Die Kundin/derKunde „kaufen“ das Rezept und die Zutaten und eine Dienstleistung. Sie geben euch also den offiziellen Auftrag, die Rezeptur zu mischen (weil sie es nicht können oder weil sie keine Lust auf die Matscherei haben oder weil sie sich nicht so viele Rohstoffe ins regal stellen können/wollen).

Für eine Dienstleistung müssen drei Merkmale erfüllt sein:
1) Nicht-Greifbarkeit, Nicht-be-Greifbarkeit
2) Gleichzeitigkeit von Herstellung und Verbrauch (das Produkt darf nicht auf Lager sein bzw. aus einem Lager stammen)
3) Der Kunde/die Kundin bringt sich oder etwas von sich ein.

Uuuiiii, fragt sich der Laie, was heißt denn das bitteschön? Ein Versuch der Erläuterung:

  • Nichtgreifbarkeit: Die Dienstleistung ist weder transport- oder ausstellungsfähig, noch lager- oder greifbar (z.B.: der Akt des Rührens, die Prozedur des Haareschneidens, die Weitergabe von Wissen im Seminar)
  • Nicht-be-greifbarkeit: die „Leistung ist schwer begreifbar und damit auch schwer bewertbar“ (ich brauche ein gewisses Vertrauen zur fachlichen Kompetenz des Dienstleisters oder „Empfehlungen“ von anderen Personen)
  • Der Kunde….: Der Kunde leistet seinen Beitrag, er/sie bringt sich am Dienstleistungsprozess selbst ein. Das gilt auch für Teile von ihm, beispielsweise beim Frisör bringt er seine Haare ein. Er kann auch ein ihm gehörendes Objekt, beispielsweise seine zu reparierende Uhr oder sein kaputtes Auto in den Dienstleistungsprozess einbringen.

Alles klar? Das könnte auf gut deutsch beim Ölemischung-Herstellen bedeuten, dass der Kunde seine Materialien, die er zuvor zusammen mit dem Rezept erworben/gekauft hat, zu Aromafrau „bringt“ und ihr den Auftrag gibt: Bitte Rühren, ich kann das nicht und ich will mich auch nicht damit beschäftigen! Entscheidend ist, dass eindeutig eine Dienstleistung erkennbar ist. Und dass das „Produkt“ nicht in lagerfähigen Mengen produziert wird und auch nicht für Jedermann, sondern konkret für Kunde X in dessen Auftrag.

Wenn Ätherisch-Öle-Mischungen verkauft werden sollen, werden sie von (mindestens) drei großen Gesetzesbereichen geregelt:

  • Das lokal geltende Arzneimittelgesetz (dürfen wir AromapraktikerInnen nicht)
  • Die europäische Kosmetikverordnung (dürften wir im oben beschrieben Rahmen)
  • Das Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Gesetz (das heißt neuerdings – glaube ich – etwas anders)

Am unkompliziertesten wäre die Herstellung und der Verkauf von Raumsprays. Wobei in diesem Bereich beispielsweise Sicherheitsvorschriften wie „nicht toxisch“ etc – gelten. Das ist auch einer der Gründe, warum ätherische Öle als Bedarfsgegenstände deklariert werden. Sie werden aber aus anderen Gründen immer strenger reglementiert. Beispielsweise wurde der Verkauf von reinen Zimtblätteröl vor einiger Zeit verboten, es muss verdünnt werden, kürzlich hat es Thymian erwischt: Thymian Ct. Thymol darf nur noch 19-prozentig angeboten werden, Thymian Ct. Carvacrol darf die 31-Prozent-Marke nicht überschreiten.

Wer die ätherische Öle mit medizinischen Indikationen verlaufen möchte, muss in Deutschland bei der lokalen Industrie- und Handelkammer (IHK) eine Prüfung ablegen: den Sachkundenachweis für freiverkäufliche Arzneimittel. In diesem Rahmen sind jedoch nur drei oder vier handvoll ätherische nach DAB verfügbar, man darf also nicht ein Pfefferminzöl beispielsweise von Primavera oder Farfalla verkaufen und dem Kunden sagen, dass es gegen seine Reizdarmbeschwerden oder gegen seinen Spannungskopfschmerzen hilft. Ich habe diesen so genannten „Drogenschein“ vor gut 20 Jahren erworben, seitdem hat sich vieles verändert.

PS zum letzten Post: Cinnamomum camphora erscheint je nach Bedingungen in der Umwelt in unterschiedlichen Chemotypen, in China und Nachbarschaft einerseits als der klassisch bekannte Kampferbaum, dessen Blätter das Kampferöl liefern, er kommt in dieser Region auch als Linalool-Chemotyp vor, dann dominiert dieser Monoterpenol in den Blättern. Er wurde einst von Missionaren nach Madagskar exportiert und bildet dort vermehrt Eukalyptol in seinen Blättern. Der als Ravensara bekannte madegassische Baum bildet in Blättern und in seiner Rinde hauptsächlich Methylchavicol, er ist nicht mit dem Ravintsara-Baum verwandt.

Einschränkungen der EU-Bürokraten betreffen nicht nur unsere ätherischen Öle


In Das Magazin [Nr. 14 Wochenbeilage des Schweizer Tages-Anzeigers vom 04.04.2009] fand ich ein höchst amüsantes Interview mit dem Parfüm-Kritiker Luca Turin, der kürzlich ein ungewöhnliches Buch* zur unerschöpflichen Welt der Duftwässerchen geschrieben hat. Knapp 1500 Parfüms werden auf unterhaltsame Weise rezensiert mit einem (awful) bis fünf Sternen (Masterpiece) à la Meisterköche bewertet.
Von Shalimar (Guerlain) behauptet er, es könne wegen des Vanilleduftes gut auf Dinnerpartys getragen werden.
Zu den neuen Düften von Comme des Garcons, die wie Fotokopierer, Benzin oder Teer riechen: „ …wenn es ein wirklich großartiger Fotokopierer ist, dann will ich am Ende vielleicht auch so riechen?“
Auf die Frage “Welches Parfum ist das Schlechteste aller Zeiten?“ antwortet er: „Michael“ von Kors! Sehr erfolgreich, Gott allein weiß warum. Ich halte es für ein Verhütungsmittel.“
Zu „Polo“ (Ralph Lauren): „Das Zeug riecht fantastisch. Es fühlt sich beruhigend und konservativ an, wie kurzes Haar, das in einem sauberen Seitenscheitel frisiert ist, an einem Mann, der ansonsten charmant verwahrlost ist.“
Zum schokoladigen „Angel“, das heutzutage so viele junge Frauen übertrieben und belästigend tragen: „Früher glaubte ich naiverweise, Frauen sollten entweder nach Blumen oder nach Bonbons riechen. … Da vermischen sich zwei Tonarten, die aber auch gar nichts miteinander zu tun haben. Es ist unfassbar dissonant – aber es funktioniert.“
Wie in der Aromatherapie haben die Synthetikduft-Mischer zur Zeit schwer zu leiden. Luca Turin zu den neuestens Einschränkungen von Duftstoffen:

„Die EU ist ein komplettes Desaster für Parfüms. Das hat mich zu einem richtigen Anti-Europäer gemacht. Wenn es um Parfüms geht, finde ich mich plötzlich auf einer Seite mit Margaret Thatcher wieder. Dass diese bescheuerten Bürokraten unser Leben zerstören. Wie auch immer: Man sollte alle Dermatologen erschießen. Das mal zuerst. Ab Juni wird as größte Parfum aller Zeiten (Mitsouko) in seiner bisherigen Form nicht mehr zu kaufen sein. Der 1. Juni bedeutet das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen. Das ist als würde man die Farbe Grün für Gemälde verbieten. … und wenn diese Schmocks so weitermachen, ist das erst der Anfang. Es mag Klavierkonzerte für eine Hand geben, aber keine, die man ohne Hand spielen kann.“

Wer Luca Turin im Film erleben möchte, sollte sich die klasse DVD „Parfum“ für knapp 30 Euro bei der NZZ gönnen, man kann ihn darauf 18 Minuten erleben, dazu den weltberühmten Duftsucher und Parfümeur Roman Kaiser und das Hauptthema der silbernen Scheibe ist ein Film über Grasse und die Kunst des Parfüm-Herstellens.
*Luca Turin, Tania Sanchez „Perfumes: The Guide“. Viking London 2008, Euro 19.90

Vanille – schöne Reise auf informativer DVD


Es nahen ungemütliche Wochenenden, man kann sich nicht so recht für das Fernsehprogramm erwärmen, plant jedoch entspannende Novemberabende auf dem Sofa. Also dringend ein paar herzerwärmende Duft-DVDs bestellen und mit den Reportern von der Neuen Züricher Zeitung in die weite bunte Welt reisen. Und dabei noch lernen! Ich liebe den Film über die Herstellung von Vanille, mein Lieblingsduft. Man sieht tolle Landschaften, die Mühsal der Gewinnung, man lernt auch einiges über ökologische Probleme und Arbeitsbedingungen der engagierten Menschen, die uns mit Wohlgerüchen versorgen. Sehenswert sind ist auch die DVDs „Vom Kakao zur Schokolade“ und „Rose“ sowie ganz beeindruckend „Parfum„, auf der sich spannende Interviews mit Parfumeuren wie Roman Kaiser und inspirierende Bilder von Grasse befinden.