zitronenmyrte oder backhousia


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIrgendwann einmal hatte ich geschrieben, dass Zitronenmyrte (Backhousia citriodora F. Muell ) eines der wenigen Duft-Gewächse sei, das ich noch nicht ‚life‘ kennen lernen konnte. Tja, was soll ich sagen, seit heute kann ich zumindest einige halbtrockene Blätter des zitronen-duftenden Strauches mein Eigen nennen: Meine treue Leserin ‚Bastelfee‘ mailte mir nicht nur Fotos ihrer Pflanze, sondern schickte gleich noch einen Umschlag mit einigen der lorbeer-ähnlichen Blätter auf die Reise. Sie duften zart wie abgeriebene Zitronenschale. In der Heimat der wärmeliebenden Pflanze, im südlichen Osten Australiens (dort wo auch der Verwandte Teebaum zu Hause ist), werden die Blätter zur Verfeinerung von süßen und herzhaften Speisen verwendet.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDer wissenschaftliche Name erinnert an den britischen Botaniker, Missionar und Pflanzenhändler James Backhouse, der am 8. Juli 1794 geboren wurde.  Sein Großvater, auch James Backhouse (1757-1804), war durch die Gründung einer bekannten Bank ‚Backhouse Bank‘ in Darlington, Co. Durham, die er zusammen mit seinen Söhnen Jonathan und James (1757-1804) betrieb, zu Reichtum gekommen. Die Familie  war zudem im Leinenhandel tätig. Der kleine James war Asthmatiker und wurde oft zu befreundeten Quakern geschickt, auf deren Farm er half und wo er viel Zeit an der frischen Luft verbrachte. Er hatte Cousins und zwei Onkel, die sich mit Botanik befassten. Der frühe Tod seines Bruders Nathan mit 17 Jahren ergab den entscheidenden Einfluss auf das kurzatmige neunjährige Kind, das nämlich dessen Herbarium erbte. So studierte James später Botanik.

wiki commons.wikimedia BotBlnIm November 1922 heiratete er Deborah Lowe (1793-1827), die vier Jahre zuvor schwer erkrankte, sich nur mühsam erholte und auch nach der Eheschließung  von schwächlicher Konstitution blieb (Bluthusten, vermutlich Tuberkulose).  Sie starb – kurz nach dem Tod ihres dritten Babys, das nur 5 Wochen alt wurde – mit 34 Jahren am 10. Dezember 1827. Nachdem er eine 58-seiten-starke Gedenkschrift über ihr überaus frommes Leben und über ihr langsames und mühsames Sterben verfasst hatte, vertraute er 1831 seine zwei kleinen Kinder Familienangehörigen an und begab sich auf eine Pflanzensammel-Expedition, die auch als Missions-Reise gedacht war. James Backhouse ging nach Australien, Mauritius und ins südliche Afrika. Sein Bruder Thomas (1792-1845) kümmerte sich in den 10 Jahren Abwesenheit um die 1815 gemeinsam gegründete Pflanzenschule ‚James Backhouse & Son of York‘.

1851 reiste er mit seinem Sohn James (1825-1890, Botaniker, Geologe und Archäologe) nach Norwegen. Sie waren auch in der Arktis unterwegs und auf Pflanzen-Entdeckung in Großbritannien. Der Sohn wurde Korrespondent von Charles Darwin (1809-1882).

An den einst asthmatischen Jungen, der 1869 mit über 75 Jahren starb, erinnern neun Arten des Myrtengewächses der Gattung Backhousia, darunter unser wundervoll frisch-zitronig duftendes Zitronenmyrtenöl (klick!), das ein wertvoller Unterstützer in antiviralen Raumsprays sein kann. Die Anwendung auf der Haut sollte nur in 1%-iger Verdünnung erfolgen und nur mit Öl, das jünger als ein Jahr nach erstmaligem Öffnen der Flasche ist, zu Allergien neigende Haut kann mit dem Hauptinhaltsstoff Citral, wenn er oxidiert ist, Probleme bekommen. Ich möchte diesen feinen Duft dennoch nicht mehr missen und deshalb habe ihn in meinem Buch ‚Aromatherapie für Sie‘ – in dem ich nur 15 ätherische Öle vorstellen durfte, mit einigen Rezepturen gewürdigt und es ist somit auch Bestandteil des Ölesets von Feeling geworden. Die einzige nennenswerte Studie, die für unseren Bereich interessant sein könnte, befasst sich mit Dellwaren bei Kindern aus dem Jahr 2004, ich hatte bereits hier darüber geschrieben.

Abbildung oben: Bastelfee, Abbildung unten: Wiki Commons BotBln

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patchouliöl – das beste mittel bei hautproblemen


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyIch recherchiere gerade für einen Artikel für eine japanische Fachzeitschrift, die Redaktion wünscht sich ganz viele Informationen über eines meiner Lieblingsöle. Der unscheinbare tropische Strauch mit den brennesselartigen Blättern stand Pate für mein Firmenlogo: Patchouli, Pogostemon cablin (Benth.). Dieser Name beinhaltet das griechischen Wörter pogos für Bart und stemon für Faden/Staublatt (welche leicht behaart wie viele Teile der Pflanze sind). Es gibt bis zu knapp 100 Arten in dieser Gattung der Lippenblütengewächse, sie wird auf englisch zu den „East Indian mints“ gezählt (Indische Minze). Der Name Patchouli kommt aus dem Tamil (Sprache u.a. in Sri Lanka) und bedeutet grün (pachchai) und Blatt (ilai).

Die gezahnten etwas behaarten Blätter werden getrocknet und fermentiert und zu einem dunkelbraunen, im Alter sehr zähflüssigen Öl destilliert. Aufgrund des recht deutlichen Duftes – manche empfinden ihn sogar als penetranten Gestank – findet dieses bestens haltbare und babymilde Öl leider nie den Weg in Pflegeeinrichtungen. In bester Qualität, gut gereift und verdünnt kann man jedoch viele Duftfacetten riechen: blumig, süß, balsamisch. Mit Lavendel (und Vanille) gemischt ist es ein hervorragendes und preiswertes Hautheilungsöl, das fast nie seine Wirkung verfehlt.

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

In der Hippiezeit der 1968-Bewegung war dieser Duft (meistens in synthetischer Form) ein riechbarer Protest gegen das Establishment und das Spießertum. Das Thema Abgrenzung spiegelte sich in diesem „Abwehr-Parfüm“ wider, auch bei Hautkrankheiten schreit oft die Seele nach Abgrenzung. Das sanfte Patchouliöl kann dabei eine wertvolle Unterstützung sein. Auch auf anderen Gebieten steht einem dieses gutmütige Öl erfolgreich zur Seite: In einer recht neuen japanischen Studie wurde die Empfindlichkeit diverser Grippeviren-Stämme auf einen methanolischen Extrakt von Patchouliblättern untersucht. Der Hauptinhaltsstoff (auch des ätherischen Öles), ein Sesquiterpenalkohol, hat 99,8% der H1N1-Viren den Garaus gemacht (in vitro= Labortests). [Kiyohara H, Ichino C, Kawamura Y, Nagai T, Sato N, Yamada H. Patchouli alcohol: in vitro direct anti-influenza virus sesquiterpene in Pogostemon cablin Benth. J Nat Med. 2012 Jan;66(1):55-61.] Dieses Öl sollte viel mehr eingesetzt werden!

Übrigens rochen vor gut 100 Jahren edle Kaschmir- und andere Wollerzeugnisse immer nach Patchouli, es ist eines der wirksamsten Mottenabschreckungsmittel. Irgendwann wurde dieser Duft dann mit „exotisch, edel und teuer“ assoziiert (und auch Billiges damit „aufgewertet“). Zur Abschreckung der gefräßigen Larven, die demnächst wieder auf Beutezug gehen werden, kann man die getrockneten Blätter einfach im Schrank verteilen oder Stoffsäckchen nähen und mit Lavendelblüten und Patchouliblättern füllen. Es gibt sie in guter Qualität beispielsweise von Berk als Räucherware zu kaufen. Die Pflanze gibt es auch im Blumentopf bei Rühlemanns zu bestellen, sie braucht ein sehr warmes Plätzchen im Haus und im Sommer sollte sie draußen stehen dürfen und muss oft gegossen werden. Hier noch eine aktuelle Anekdote: Demnächst erscheint eine He-Man-Figur namens Stinkor, das ist eine Spielzeugfigur des Spielzeugherstellers Mattel. Diese skunk-ähnliche Kreatur wird nach Patchouli riechen….

iris germanica var. florentina: kostbarer duft


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyGenau am Tag, als die erste Irisblüte im AiDA-Garten die Sonne anblinzelte, kam eine Anfrage bezüglich der verwirrenden Namensgebungen des ätherischen Öles der Iris (mal Iris germanica, mal Iris florentina, mal Iris germanica var. florentina, mal Iris pallida). Auch wollte meine Buchleserin wissen, ob die körperliche Wirkung jener des Rosenöles gleichzusetzen sei und warum in manchen Büchern das hochgiftige Naphtalin als Inhaltsstoff angegeben sei.

Eigentlich habe ich momentan gar keine Zeit, Fragen zu beantworten, doch da Iris mein Lieblings-Duft ist, habe ich mal in meinen Botanik-Büchern geforscht und herausgefunden, dass die Antwort nicht eindeutig ist. Es scheint so, dass Iris florentina eine Unterart der Iris germanica ist (Florentiner Schwertlilie), also korrekt Iris germanica var. florentina geschrieben wird. In meinem seriösesten Nachschlagewerk von der Royal Horticultural Society wird Iris florentina gar nicht aufgeführt. In Wikipedia wird sie als Synonym zu Iris pallida geführt.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDie sehr geschätzte Apothekerin und Autorin des wundervollen Buches „Iris“ (Abbildung, gibt es leider nur noch antiquarisch) Christina Kiehs-Glos beschreibt sie allerdings mit Berufung auf Dr. Erny-Rodmann vom Botanischen Garten der Uni Basel als unterschiedliche Arten:

„Iris germanica, Iris florentina und Iris pallida zeichnen sich durch den rhizomartigen Wurzelstock aus, die Ausbildung des Bartes auf den Hängeblättern und den hohen Wuchs. Alle drei gehören daher zur Barbata-Elatior-Gruppe, den hohen Bartiris-Arten.“

Feststeht, dass es unzählige Iris germanica-Hybriden und -Züchtungen gibt, dann also immer ein dritter Name dazugeschrieben wird. Iris pallida könnte laut Christina Kiehs-Glos die „Ur-Mutter“ dieser Iris-Gruppe sein. Ihre unscheinbaren Rhizome (Abbildung unten) duften alle, vor allem nach Fermentation. Irisöl wird zwar als ‚Blütenduft‘ bezeichnet, ist jedoch ein aus dem knolligen Rhizom gewonnener Duft. Man kann dieses erdige Element neben dem pudrig-blumigen Anteil auch gut riechen. Der Duftstoff Ionon (oder Jonon) wird auch Veilchenduft genannt, auf ihn reagieren Prostatakrebszellen mit Rückzug (zumindest im Laborversuch) – ich habe es an anderer Stelle hier beschrieben. Geraniol in Rosenöl hat jedoch auch antitumorale Eigenschaften.

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyDie körperliche Wirkung von (destilliertem) Irisöl ist anders als die Wirkung von Rosenöl. Während Rosenöl vor allem aus Monoterpenalkoholen und dem duftprägenden Phenylethanol besteht, ist Irisöl fast nur aus Sesquiterpen-Verbindungen zusammengesetzt. Rose wirkt stark schmerzlindernd (vor allem wenn man das Absolue einsetzt), ausgleichend bis leicht belebend und antibakteriell, Iris wirkt eher auf chronische Probleme, leicht entzündungswidrig, erdend-beruhigend, schleimlösend. Auf der seelischen Ebene sind sie möglicherweise vergleichbar einzusetzen, beide gelten als stark spirituell einzustimmende Düfte und werden darum gerne in der Sterbebegleitung angeboten.

Botanische Namen werden oft nicht korrekt aufgeschrieben, meine Bücher sind da keine Ausnahme. Es gibt ständig Änderungen (alle 5 Jahre), es gibt viele Synonyme, weder wir Autoren noch bei den Ölefirmen kann man immer auf dem Laufenden sein. Es müsste beispielsweise immer Mentha x piperita für Pfefferminze heißen und Rosa x damascena für Rose, das ist jedoch für uns botanische Laien zu umständlich. Auch Lavandula hybrida ist übrigens nicht korrekt.

Zu guter Letzt: Ich habe noch nie gelesen, dass Irisöl Naphtalin enthalten soll (hat jemand bereits davon gelesen? wenn ja, wo?) Jedenfalls sicherlich nicht in einem seriösen Buch. Aromatherapeuten und -Pflegende im deutschsprachigen Raum setzen nur das (extrem teure) Destillat der Iriswurzel ein. Vielleicht enthält das nicht besonders fein riechende, jedoch viel preisgünstigere Absolue bei Billigfirmen diesen mottenabwehrenden Giftstoff als Lösungsmittel???? Kann ich mir jedoch nicht vorstellen. Man sollte und kann das destillierte Irisöl circa 1%-ig dosieren, dann duftet es unglaublich fein-pudrig nach Veilchen. Manche Firmen (Farfalla, Neumond, Primavera) verkaufen es in dieser Verdünnung mit Alkohol, das ist dann bezahlbar. Ansonsten kostet 1 ml (circa 22 Tropfen) beim Marktführer fast 170 Euro!

Sabrina hat in ihrem neuen Vivere-Shop eine wundervolle Mischung aus einem besonderen Lavendel, Mandarine, Vanille und einer Prise Irisöl, das ist derzeit mein Lieblings-Abendöl zum Einschlummern. Ich benütze selten kommerzielle Parfums, doch ein sehr ungewöhnlicher Herrenduft hat es mir vor einigen Jahren angetan, er duftet zunächst interessant holzig und nach Atlaszeder, dann entwickelt sich eine wunderbar pudrige Note nach Iris- und Vanille/Ambratönen: Es ist Dior Homme, meiner Meinung nach eines der Parfüms, die wirklich den Namen verdienen und aus dem Einheitsbrei von „Männerdüften“ heraus leuchten, eben mit der ‚Göttin des Regenbogens‘, der Iris.

PS Die erste Abbildung aus meinem Garten zeigt eine Iris reticulata; die Bartiris blüht auch im frühlingsmilden Irland erst im Mai und Juni! Übrigens habe ich eben drei antiquarische Exemplare vom wunderschön samtig illustrierten Buch Iris von Hermann Hesse entdeckt, wahre Bücherfreaks, die ein poetisch-spirituelles Märchen schätzen, sollten es sich zulegen! Ich habe seinerzeit, als ich in einem Buchladen arbeitete, einige Original-Zeichnungen von Peter Dorn anschauen dürfen, einfach wundervoll!

holzöle aus atlaszeder und ihren „verwandten“


Dieser Tage lief mir beim vormittäglichen Aufräumen eine beträchtliche Menge eines fast 10 Jahre alten Zedernholzöles über die rechte Hand. Meine angebrochene 500ml-Flasche war nicht richtig verschlossen, ich hatte das Öl einst in riesigen Mengen in die Haus-Isolierung aus echter Schafwolle gesprüht. Ich wischte und schmierte und wusch, doch der schwere Duft hatte sich sofort in sämtlichen Hautporen „verewigt“. Im Laufe des Nachmittags wurde ich ungemein bleischwer müde… das war wohl die Wirkung dieses „erdenden“ ätherischen Öles.

Beim Lehren und Abfragen von botanischem Grundwissen stolpern wir DozentInnen immer wieder mal über Verwirrungen bezüglich der Familienzugehörigkeit diverser Zedern (und der dazugehörigen „Zedern“öle). Zudem gibt es manchmal Verwirrung, denn wenn wir von Nadelölen sprechen, meinen wir meistens die Kieferngewächse als Sammelbegriff. Das wunderbar holzig-balsamische ätherische Öl aus der Atlaszeder, die auch zu den Kieferngewächsen/Pinaceae gehört, ist jedoch fast immer ein Holzöl, denn es wird aus den zerkleinerten Holzstückchen aus Stämmen und Ästen destilliert. Wie bei allen Holzölen besteht bei der Gewinnung die Gefahr der Ausrottung der jeweiligen Spezies bzw. des unnachhaltigen Umgangs mit der Natur. Die südfranzösische Atlaszeder gehört bereits zu den bedrohten Arten, wie Tony Burfield in Cropwatch beschreibt.

Ich finde, es ist eine zweifelhafte Art der Gewissensberuhigung, wenn man nun auf nordafrikanische Zedern zurückgreift und munter weiter verschwendet. Ähnlich verhält es sich mit Rosenholzöl und Sandelholzöl, in beiden Fällen wird meistens der Baum gefällt/abgetötet. Im Fall von Sandelholz muss der Baum sogar extrem sorgfältig „gehoben“ werden (früher mit der Hilfe von Elefanten), da sich das wertvolle ätherische Öl auch in den Wurzeln befindet. Wenn man nun als vermeintlicher Umweltschützer reichlich Rosenholzöl statt aus Aniba rosaeodora aus anderen, ähnlich duftenden Amazonasbäumen wie Ocotea verwendet und statt im „Echten Sandelholzöl“ nun in Amyrisöl oder kaledonisch-australischen Sandelholzölen schwelgt, sollte man an die nächsten Generationen denken. So gierig wie die heutige Industrie und Wirtschaft agiert, ist denkbar, dass auch diese „alternativen“ Ressourchen bald ausgeschöpft sind.

Ich meine, dass man nicht unbedingt gänzlich auf die knappen Öle verzichten muss, wenn man sie aus verantwortungsvoll handelnder Quelle erhalten kann. Rosenholzöl kann sowohl einigermaßen baumschonend aus dicken Ästen, als auch (in nicht ganz so wundervoll duftender Qualität) aus den Blättern des Amazonas-Riesen gewonnen werden, zudem vermutlich auch in kleinen Mengen aus Abfällen der Möbelindustrie (eine brasilianische Expertin vor Ort zweifelt diese Aussage jedoch an). Auf Atlaszedernöl kann man in der anspruchsvollen Therapiearbeit fast nicht verzichten, man sollte es jedoch sparsam einsetzen, der schwere Duft verlangt ohnehin eine hohe Verdünnung. Ich verzichte inzwischen fast gänzlich auf Sandelholzöl, verwende es nur für ganz ausgewählte Beschwerden und/oder Menschen. Gleiches sollte für den „Ersatz“ aus Neu-Kaledonien und Australien gelten.

Nun zum Lernen. Folgende ätherische Öle werden aus dem Holz der jeweiligen Pflanze destilliert (es gibt ganz selten auch Nadelöle aus Cedrus und den nordamerikanischen Juniperus-Arten):

  • Adlerholz (oder Oud oder Ut), Aquilaria malacchensis oder A. agallocha
  • Amyris, Amyris balsamifera
  • Atlaszeder, Cedrus atlantica
  • Blaue Zypresse, Callitris intratropica
  • Dacrydium/Harzeibe, Dacrydium pierrei
  • Himalajazeder, Cedrus deodara (Foto links)
  • Libanonzeder, Cedrus libani (extrem selten, extrem gefährdet)
  • Linaloe, Bursera delpechiana (geleg. auch Öl aus Früchten)
  • Mexikozeder, Juniperus mexicana
  • Muschelzypresse/Hinoki, Chamaecyparis obtusa
  • Rosenholz Brasilien, Aniba rosaeodora var. amazonica (Foto rechts: Sigrun Scherneck)
  • Rosenholz Peru, Ocotea caudata, O. cernua
  • Sandelholz, Santalum album
  • Virginiazeder, Juniperus virginiana (Bleistift-Zeder, keine Zeder!)
  • Palo Santo, Bursera graveolens (Foto ganz oben)

Weitere Sandelholzöle:

  • Eucarya spicatum, Fusanus spicatus (Australisches Sandelholz)
  • Osyris tenuifolia (Ostafrikanisches Sandelholz)
  • Pterocarpus santolinus (Roter Sandelbaum)
  • Santalum austrocaledonicum (‚Sandelholz Südsee‘, aus Neukaledonien und Vanuatu)
  • Santalum spicatum (Westaustralisches Sandelholz)
  • Santalum yassi (Fidschi Sandelholz)

Viel Verwirrung herrschte in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren über „Zedernöle“, Zedernöl wird in Büchern aus dieser Zeit meistens als giftig oder zumindest gefährlich bezeichnet. Das lag daran, dass im englischen Sprachgebrauch erstens viele Nadelbäume umgangsprachlich als ‚Cedar‘ bezeichnet werden (ähnlich wie wir fälschlicherweise Tannenzapfen zu Kiefernzapfen sagen). Ganz speziell die Thuja, ein Zypressengewächs, wird ‚Red cedar‘ genannt (fast alle Anti-Motten-Holzstückchen und auch gut haltbare Gartengegenstände werden daraus gefertigt). Ätherisches Thujaöl wird meistens aus den aromatisch-apfelartig duftenden Zweigen dieser großen Bäume destilliert und enthält einen sehr hohen Anteil an neurotoxisch wirksamen Thujon.

Anders die meisten der oben genannten Holzöle, die jeweils interessante Mischungen aus unterschiedlichen Sesquiterpenverbindungen enthalten. Sie wirken dadurch alle mehr oder weniger entzündungshemmend und regulierend auf das Immunsystem. Zudem stark stabilisierend auf chronische Zustände und wie eingangs berichtet, beruhigend, erdend, zentrierend. Auch wirken die meisten Holzöle insektenabweisend, so dass sie – bereits in kleinen Mengen –  eine wertvolle Ergänzung für sommerliche Abwehrmischungen sind.

Auf der Duftreise zu den Botanik-Kursen hier in Irland führen unsere Exkursionen zu einigen ganz besonderen Exemplaren von Dacrydium-Bäumen, zu Callitrisbäumen, zu einem uralten Bonsai einer Muschelzypresse und zur oben abgebildeten Himalayazeder (begleitet von den jeweiligen Öle-Fläschchen).

PS. Es gibt ein „neues Rosenholzöl“ von Tisserand, das aus den Samen eines nepalesischen Strauches namens Zanthoxylum armatum gewonnen wird.

Immortelle als „göttlicher“ Anti-Ageing-Star


Es sieht so aus, als bekäme eines „unserer“ eher therapeutisch eingesetzten ätherischen Öl kosmetischen Modestatus. Das stark würzig-maggi-curry-artig duftende Öl aus Helichrysum italicum (Helios=Sonne, Chrysum=Gold), genannt Immortelle (die Unsterbliche) oder Katzenpfötchen, wird von einer weltbekannte Kosmetikfirma, die auch natürliche Substanzen einsetzt, als „ein Tresor/Schatz der Langlebigkeit bezeichnet. Die Blüten (im Foto die Knospen, gestern fotografiert) sollen die Synthese von Kollagen aktivieren und damit die Konturen neu designen sowie den Teint zum Leuchten bringen. Man beruft sich auf Tests an fast 50 zufriedenen Frauen sowie In-vitro-Tests. Interessant finde ich, dass man den strengen Duft des Öles in dieses Luxuscreme nicht wahrnehmen kann. Eine andere Kosmetikfirma bewirbt die Beauty-Talente des kleinen gelben Strohblümchens vor allem mit der Stärkung des Bindegewebes.

In der klinisch orientierten Aromapflege kennen wird das Öl als mächtiges Mittel gegen Hämatome („blaue Flecken“), es ist grundsätzlich ein bewährter wertvoller Helfer bei kleinen häuslichen Unfällen, vor allem wenn es mit Cistrosen– und Lavendelöl gemischt wird:

Grundmischung „Unfallhelfer“:

  • 4 ml Lavandula angustifolia
  • 3 ml Helichrysum italicum
  • 3 ml Cistus ladanifer

Nach stumpfen oder blutenden Verletzungen einige (3-5) Tropfen von dieser Mischung pur auf die betroffenen Stellen geben, wenn nötig alle 15 Minuten wiederholen, bis die Blutung gestillt ist oder andere Hilfe eingetroffen ist, bei frischen Prellungen stündlich wiederholen und je nach Schwere einige Tage 3-4 Mal täglich auftragen. Bitte daran denken, dass bei der Anwendung unverdünnter ätherischer Öle diese von höchstmöglicher Qualität sein müssen, nicht viel länger als ein Jahr nach Öffnen der Fläschchen auf der (empfindlichen) Haut angewendet werden sollten und möglichst auch aus kontrolliert biologischem Anbau stammen sollten.

Die besondere Wirkung des Öles wird vor allem den seltenen Diketonen, das sind Sesquiterpenketone mit zwei „ketonigen“ funktionellen Gruppen (Ketogruppen), die Italidione, zugeschrieben. Aufgrund dieser Wirkungen wird das Öl in der französichen Aromatherapie gerne als „Super-Arnika“ bezeichnet, beide Pflanzen sind übrigens auch eng miteinander verwandt, sie sind beide Korbblütengewächse (Asteraceae, früher Compositae). Auch in zarten Mischungen nach seelischen Verletzungen ist dieses kostbare Öl eine wertvolle Unterstützung. Es wird dann nur in Spuren in fein duftende Mischungen mit beispielsweise Mandarine rot, Petit Grain, Rose, Kamille römisch gegeben.

PS Vielen Dank an Agita, ich wollte es geschrieben haben, vergaß es dann: das Immortelle-Öl für diese Luxus-Kosmetik-Firma wird von Albrecht von Keyserlingk auf über 500 Hektar auf Korsika angebaut und destilliert. Seine Firma liefert auch das besondere Rosmarin Ct. Verbenon und die Korsische Kiefer (Pinus nigra ssp. laricio), besondere Öle, die nur bei wenigen deutschsprachigen Firmen erhältlich sind. Und hier auf Wunsch einer Leserin eine Übersetzung ins Portugiesische:

Parece que um dos óleos essenciais que nós usamos para fins terapêuticos vai ganhar o status de uma moda cosmética. O óleo de Helichrysum italicum (hélios = sol, Chrysum = ouro) com o nome de “imortal” ou “patinha de gato”, que tem um forte cheiro de curry-maggi recebeu de uma produtora mundial de cosméticos (L’Occitane) que usa também substancias naturais, a designação de “tesouro da longevidade“. Diz-se que suas flores activam a síntese de colágeno formando novos contornos e aumentando a luminosidade da tez. Se referem a testes com perto de 50 mulheres satisfeitas assim como que a testes in-vitro. Mas acho esquisito, que o cheiro forte do óleo não se sente nesse creme de luxo. Outra produtora de cosméticos baseia sua propaganda sobre os talentos de beleza da florzinha amarela, em primeiro lugar sobre o fortalecimento do tecido conjuntivo.
Nas aplicações clinicas da aromaterapia conhecemos o óleo como um forte remédio contra hematomas (“manchas azuis”); em principio é um remédio comprovado para pequenos acidentes domiciliares, principalmente quando é misturado com óleos do cistus e da alfazema.

Mistura “Pronto Socorro“ (Recurso para acidentes)

  • 4 ml Lavandula angustifólia (Lavandula)
  • 3 ml Helichrysum italicum  (Imortal)
  • 3 ml Cistus ladanifer (Cistrose)

Em caso de lesões embotadas ou sangrentas aplicar algumas gotas (3-5) desta mistura nos lugares afetados, se necessário repetir de 15 em 15 minutos, até estancar aa hemorragia ou outra ajuda haja chegado, em caso de contusões recentes repetir de hora em hora, e dependendo da gravidade repetir as aplicações 3 a 4 vezes por dia.
Favor sempre lembrar que aplicando óleos etéreos concentrados estes devem ter a melhor qualidade possível,  não devem ser aplicadas a pele (sensível) muito mais de um ano depois de  abrir o frasquinho e, se possível, devem provir de uma cultura biológica garantida.
O efeito especial do óleo se atribui aos raros dicetonas, que são cetonas sesquiterpenas com dois grupos funcionais (grupos cetonicos) – os italidionos. Em virtude destes efeitos o óleo se chama tambem “Super –Arnika” na terapia aromática francesa; as duas plantas tem um alto grau de parentesco, as duas são calatidiflores (Asteraceae, na terminologia ântiga Compositae). Misturas finas deste óleo precioso servem bem no tratamento de „lesões psíquicas“. Nestes casos este óleo se usa em misturas com outros óleos essenciais como por exemplo o óleo de casca de tangerina, o óleo de folhas de laranja, óleo de rosas e/ou óleo da camomila romana (Chamaemelum nobile).

der kampferbaum und seine chemotypen


Gestern war ich mit meiner besuchenden Kollegin Sabrina auf der wunderbaren Blumeninsel Garinish Island, die nun mit den Folgen des fürchterlich kalten Winters kämpft – vielleicht der kälteste seit Bestehen des subtropischen Parks, also seit genau 100 Jahren.

Ich hatte eine Kartenskizze angefertigt, wo nun die besonderen Pflanzen nach und nach eingetragen werden sollen und mit Geodaten für technikverliebte Besucher versehen werden. Das kommt dann alles in unser Buch über die besonderen Gärten der Umgebung.

Wir haben einige Kampferblätter zum Pressen gesammelt, um sie unseren jeweiligen KursteilnehmerInnen zeigen zu können. Und um daran zu erinnern, dass dieser große Baum namens Cinnamomum camphora in ganz unterschiedlichen Chemotypen je nach Herkunft vorkommen kann:

  • Cinnamomum camphora Ct. Borneon – Kampfer-Chemotyp, der bekannte Kampfer der einst als Mottenkugel eingesetzt wurde, das ätherische Öl aus den Blättern wirkt extrem neurotonisch, regt also Denkfähigkeit und Kreislauf stark an, kann aber bei Überdosierung neurotoxisch wirken, ist also bedenklich für die empfindlichen Zielgruppe wie Schwangere, Babys und Epileptiker
  • Cinnamomum camphora Ct. 1,8-Cineol – Eukalyptol-Chemotyp, genannt Ravintsara, wächst nur auf Madagaskar, ausgezeichnet verträglich trotz des hohen Cineolanteils, stark antiviral wirksam, auch für Kinder verträglich, wenn sie nicht unter asthmatischen Beschwerden leiden (für französischsprechende hier ein Artikel von Olivier Behra, der die Namenskonfusion vor einigen Jahren aufklärte)
  • Cinnamomum camphora Ct. Linalool – Linalool-Chemotyp, genannt Ho-Blätter, kommt auch wie erstgenannter Baum aus China, das Öl aus den Blättern enthält fast nur den blumig duftenden und ausgezeichnet verträglichen Monoterpenol Linalool („Lavendelalkohol“), wunderbar bei Infektionen von Groß und Klein und auch von Tieren einsetzbar. Es wird als nachhaltiger „Ersatz“ für das Holzöl aus der bedrohten Art Rosenholzbaum (Aniba rosaeodora) in der Aromatherapie verwendet.

Der Baum ist ein ganz enger Verwandter der Zimtbäume Cinnamomum zeylanicum und Cinnamomum aromaticum, deren Blätter sehr ähnlich aussehen. Hier sind wirklich nur einige aus einer riesigen Gattung dieser vielfältigen Lorbeergewächse erwähnt.

Palo Santo: Heiliges Holz


Ich liebe das Internet (wenn weder Leitung noch Computer verrückt spielen). Vor Kurzem ‚unterhielten‘ sich Cristina von Aromandina in den USA und ich per Facebook und E-Mail. Am 29.12. kündigte sie mir Öleproben ihrer Firma an. Heute wurden sie bereits vom Postboten – trotz Glatteis auf unserem abschüssigen Sträßchen – geliefert. Er muss sie gerochen haben, denn bereits beim Öffnen kam mir ein balsamisch-eukalyptischer Duft entgegen.

Cristina stammt aus Ecuador, besuchte dort zwischen Kolumbien und Peru die deutsche Schule (so dass sie das hier gut lesen kann!!! 😉 und lebt nun in den USA, wo sie ätherische Öle aus der Andenregion vertreibt.

Da ich ja in den Anden geboren wurde, kamen wir ins ‚elektronische Gespräch‘.

Sie fragte, ob ich das ätherische Öl von Palo Santo kenne. Ich habe natürlich schon öfters davon gehört, es ist als Räucherware bekannt. Doch das Öl kannte ich bis heute nicht. Es gibt in der spanischsprachigen Welt viele unterschiedliche Bäume mit dem Volksnamen Palo Santo, so dass wir uns erst mal über den wissenschaftlichen Namen der von ihr gemeinten Pflanze verständigen mussten.
 
Der Baum Bursera graveolens ist mit dem Weihrauch- und dem Linaloebaum verwandt (Abb: wiki commons by Haplochromis). Für die Herkunft des Gattungsnamens Bursera gibt es zwei Erklärungen: Höchstwahrscheinlich ist er eine Ehrung für den Lausitzer (östliches Deutschland) Arzt und Botaniker Joachim Burser (auch Burscher), er galt als der bedeutendste ‚Florist‘ im Europa des 17. Jahrhunderts, sein Geburtsjahr lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, es wird 1583 angenommen (+/- ein Jahr), er verstarb am 26. August 1639 in Sorø in Dänemark, wo er eine Professur für Medizin und Naturwissenschaften inne hatte. Nicht nur die Gattung Burseraceae ist nach ihm benannt, sondern auch zahlreiche Pflanzen (circa 18) [Quelle]. Manchmal liest man auch, dass der Name von dem lateinischen Wort für Tasche/Beutel ‚bursa‘ stamme und sich auf die Behälter in der Pflanze, in denen sich die aromatischen Substanzen befinden, beziehe. Diese Annahme ist vermutlich nicht korrekt. Graveolens, diesen beschreibenden Artnamen kennen wir beispielsweise auch von Pelargonium, der Duftgeranie, er bedeutet „stark riechend/duftend“ (gravis=stark/schwer/heftig und olere=riechen, Eselsbrücken: Gravitation, die Schwerkraft, Odol gegen Mundgeruch ;-).
 

Er wächst in eher trockenen Wäldern und sieht etwas knorrig und gabelig aus. Die beiden Fotos stammen von den Galapagos-Inseln, welche zu Ecuador gehören und durch Charles Darwin berühmt wurden. Das ätherische Öl aus dem zerkleinerten Holz hat eine ungewöhnliche Zusammensetzung: Limonen,β-Bisabolen, Carvon, trans- und cis-Carveol. Dazu vier bislang recht unbekannte Substanzen: (-)-Juneol, Dihydrojuneol, sowie eine seltene Eudesmen-Verbindung und eine ebenso seltene Eudesman-Verbindung (Sesquiterpenoide).

Monoterpene

  • 69 % D-(+)-Limonen
  • in Spuren α-Phellandren, α-Pinen, β-Myrcen, β-Phellandren, p-Cymen

Sesquiterpene

  • 1,16 % Germacrene D
  • jeweils unter 1 %: α-Cedrene, α-Farnesen, β-Bisabolen, β-Cubenen, β-Elemen, γ-Cadinen, γ-Muurolen, α-Cubeben, α-Copaen, α-Muurolen, β-Selinen, Thujopsen, Ylangen

Monoterpenole

  • 6,91 % α-Terpineol
  • in Spuren jeweils von:
  • cis-Carveol, cis-β-Terpineol, Linalool, trans-Carveol

Monoterpenketone

  • 1,37 % Carvon
  • 0,85 % Pulegon
  • 0,22 % cis-Dihydrocarvon

Andere

  • 8,2 % Menthofuran

Quelle: Stillpoint Aromatics

Der Duft ist irgendwie unbeschreiblich, er erinnert mich an südamerikanische Gerüche in Häusern, vermutlich war ein Teil der Inneneinrichtung sie aus diesem begehrten Möbelbau-Holz hergestellt: etwas Pfefferminze, ein Hauch Lavendel, etwas Sandelholz, etwas Kümmel, etwas Zeder (Abb: wiki commons by balabiot).
Aromafachfrau Gabriela Stark beschreibt hier die Wirkung des Heiligen Holzes als Räucherware. Wer hat bereits Erfahrungen mit diesem ätherischen Öl?

Heilpflanze 2010: Gewürznelke



Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim (genannt Paracelsus) hat das bei uns gut etablierte Gewürz aus der Familie der Myrtengewächse mit dem Zungenbrechernamen Syzygium aromaticum (L.) Merr & Perry zur Heilpflanze des Jahres 2010 gekürt. Somit werden nun auch mal ihre medizinischen Eigenschaften ins Bewusstsein gerückt, die bislang hauptsächlich Zahnärzte zu würdigen wussten. Darum ist der Duft dieser exotischen Blütenknospen in unseren Breiten leider auch oft negativ besetzt. Es wird also Zeit, andere ihrer Tugenden kennen zu lernen.
Der aus dem griechischen stammende wissenschaftliche „Vorname“ bezieht sich auf die Worte syn (zusammen) und zygon (Joch), damit beschreiben Botaniker die haubenartig-spitz zusammengewachsenen Blütenblätter, siehe Zeichnung unten, Detail ganz links oben. Der deutsche Name Nelke kommt von Nagel, da die getrockneten Blütenknospen an Nägel erinnern. Mehr zu den Namen dieses faszinierenden Baumes, der von den Molukken stammt, auf den tollen Gewürzseiten von Gernold Katzer.
Der einstige wissenschaftliche Name Eugenia erzählt von der traditionellen Anwendung der leicht angetrockneten Blütenknospen des großen Baumes aus den Molukken. Eu kommt von „gut, wohl“ und die Wortfamilie genia/genus umfasst Wörter wie Gattung, Geschlecht, Geburt und Erbinformation. Das Menschengeschlecht kann nur fortbestehen, wenn es gute Geburten gibt, diese fördert bis heute das ätherische Öl der Gewürznelke. Ein anderer alter Name ist: Caryophyllus aromaticus.

Der ganze Baum ist aromatisch bis zu den Wurzelspitzen. Im deutschsprachigen Handel befinden sich meistens ’nur‘ zwei leicht unterschiedliche Öle: aus den Nelkenknospen und aus den Blättern. Haupt-Exporteur ist heutzutage Sansibar, die Insel hat sich auf die Produktion des weltweit verwendetetn Gewürzes spezialisiert.
Nelkenknospenöl (meine folgenden Infos und Rezepte beziehen sich darauf) duftet durch einen Anteil von bis zu einem Viertel an aromatischen Estern (u. a. Eugenylactetat) besonders fein und blumig. Nelkenblätteröl duftet etwas stechender, ist auch preiswerter, jedoch weniger gut verträglich. Sowohl Knospen- als auch Blätteröl wirken durch einen hohen Gehalt des Phenols Eugenol (bis 90%) stark antibakteriell, jedoch auch stark hautreizend, deshalb ist es wichtig, auf eine starke Verdünnung achten. Der Anteil an β-Caryophyllen kann beim beim Knospenöl circa 15 Prozent ausmachen, dieses Sesquiterpen verleiht dem Öl entzündungshemmende und antiallergische Eigenschaften, es hilft, ein aus den Fugen geratenes Immunssystem zu regulieren. Viele Insekten mögen diesen Duft gar nicht und werden in die Flucht getrieben, so dass Nelkenöl zu den insektifugen Mitteln zählt, traditionell spikt der Metzger damit Zitronen um Fliegen zu vertreiben.
Die Ergiebigkeit bei der Destillation der Nelkenknospen ist ungewöhnlich hoch (15-18%),  aus circa 50 kg erhält man circa 1 Liter Öl (aus den Blättern kann man circa 2 Prozent destillieren). Dennoch wird es oft mit dem billigeren Blätter- oder Stieleöl verschnitten. Synthetisches Eugenol und Isoeugenol ist laut Maria Lis-Balchin, einer bekannte britische Aromaforscherin, zu teuer, um damit zu fälschen und zu strecken.
Bekannt ist die Anwendung dieser fast pfeffrig duftenden Öle in der Zahnheilkunde, da sie – nicht nur – im Mund sehr anästhetisch wirken. Nelkenknospenöl wirkt stark schmerzlindernd und erwärmend bei rheumatischen Schmerzen und verhärteter Muskulatur. Auch bei Bronchitis, Fieber, Erkältung und Halsschmerzen und vor allen Dingen bei Mandelentzündungen wird es gerne verwendet. In selbst hergestellten Mundwässern wird der Duft/Geschmack, der gleichzeitig Bakterien reduziert, geschätzt.
Nelkenknospen- und Nelkenblätteröl wirken anregend und stärkend auf die Gebärmuttermuskulatur. Darum dürfen beide Öle in der Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen und unter fachlicher Anleitung verwendet werden. In Aromatherapie erfahrene Hebammen nutzen diese Wirkung jedoch gerne zur Einleitung einer verzögerten Geburt – als Gewürznelkentampons und/oder in einem ‚Wehencocktail‘. Bei vielen Geburten gibt es den Zeitpunkt, wo Gebärende für diesen schmerzhemmenden Kick und die damit verbundene seelische Unterstützung wirklich dankbar sind.
Ätherische Gewürznelkenöle müssen immer stark verdünnt angewendet werden, da sie stark haut- und schleimhautreizend sind und sollten streng genommen nur von gut geschulten oder zumindest in Aromatherapie erfahrenen Menschen verwendet werden.
Gewürznelkenöl ist ein generell kräftigendes und stimulierendes Öl, das bei physischer und psychischer Erschöpfung sehr gut einsetzbar ist.
Rezept für eine Grundmischung zur Prophylaxe von Heuschnupfenbeschwerden, ab sofort anzuwenden, damit im Frühling die Tränen-schnief-Saison besser überstanden wird (auch für Kinder ab 3 Jahre, dann Ätherisch-Öl-Anteil halbieren):

  • 4 ml  (80 Tropfen) Cedrus atlantica oder C. deodara, Atlaszeder oder Himalajazeder
  • 4 ml  (80 Tropfen) Cupressus sempervirens, Zypresse
  • 1 ml (20 Tropfen) Citrus limon, Zitronenschale
  • 0,5 ml (10 Tropfen) Myrtus communis Ct. alpha-Pinen, Myrte Anden
  • 0,5 ml (10 Tropfen) Syzygium aromaticum, Gewürznelke

Gut in 10-ml-Braunglasfläschchen mischen. Von dieser Grundmischung jeden oder jeden zweiten Tag ein wenig in unterchiedlichen Anwendungen verwenden: 5 Tr. in der Duftlampe, zwei bis drei Tropfen auf feuchtem Handtuch auf der Heizung, 6 bis 8 Tropfen in etwas Honig oder Sahne (Obers) vermischt in der Badewanne, 30 Tr. in 50 ml Wodka als Raumspray oder Decolleté-Spray (indirekt in die Nähe von Kragen, Schal etc sprühen), 5 Tropfen in etwas Honig oder Sahne (Obers) vermischt in 5 l Fußbad, 5 Tr. in 10 ml Jojobaöl auf Pulsgegend am Handgelenk.
Ganz vereinzelt findet man übrigens ein Absolue der Gartennelke auf dem Markt, meistens jedoch sind Nelkendüfte synthetischer Herkunft.
Wie ich kürzlich hier berichtete, spricht der Bestandteil Eugenol Sensoren im menschlichen Darm an, so dass vermehrt der „Happylizer“ Serotonin ausgeschieden wird. Ist doch eine tolle Erfindung, in der dunklen Jahreszeit Gebäck und auch herzhafte Gerichte (zB Rotkohl, Braten) mit dem Nelkengewürz abzuschmecken, so dass die Stimmung steigt.

PS Viele (der ausgezeichneten circa 400) Botanik-Zeichnungen findet ihr im Köhler’s Atlas der Medizinal-Pflanzen und auch auf der Seite von Thomas Schöpke. Da sie so alt sind (1887 erschienen), dass sie ohne Copyright belegt sind, könnt ihr sie zur Illustration eurer Unterlagen verwenden. Zeichnung: Köhler’s Atlas der Medizinal-Pflanzen

Duftender Pfeifenputzer


…oder Flaschenbürste, wie dieser momentan blühende aromatische Strauch aus der Familie der Myrtaceae auf englisch heißt (bottlebrush), sein wissenschaftlicher Name lautet (noch) Callistemon (schöne Staubblätter, Betonung auf dem i). 
Der australische Strauch wird seit 2007 eher den Melaleucas zugeordnet, anscheinend sind sich Botaniker jedoch noch nicht so ganz darüber einig. Er sieht dem Teebaum ganz stark ähnlich, Teebaum blüht fast genau so aussehend wie die gelbe Variante (C. pallidus, Abbildung unten). Die ledrigen Blätter vom Pfeifenputzer schmecken und riechen stark nach Eukalyptus. 
Die Samenkapseln vom Vorjahr bilden urige Gebilde am Strauch. Je nach Art enthalten die spitz zulaufenden Blätter 60 bis 80 Prozent 1,8-Cineol. Dazu mal etwas mehr und mal etwas weniger als 10 Prozent alpha-Pinen. Phellandren, Limonen und Terpineol sind um die 5 Prozent enthalten.

Das ultra-seltene ätherische Öl aus den Blättern wirkt antibakteriell gegen unterschiedliche Bakterienstämme [Ovedeji OO & al: Chemical composition and antibacterial activity of the essential oils of Callistemon citrinus and Callistemon viminalis from South Africa. Molecules 2009 14(6):1990-1998], antimykotisch und sogar gegen Würmer (anthelmintisch) [Garg SC und Kasera HL: Anthelmintic activity of the essential oil of Callistemon viminalis. Fitoterapia 53, 5/6:179-181 1982]

Bei den untersuchten Ölepflazen handelt es sich meistens um  Callistemon lanceolatus (Syn. C. citrinus) und C. viminalis.

Körbchen mit wertvollem Rhizom



Das ist auch ein Körbchen voller Blüten.


Es ist die Blüte der fast 2 Meter hohen Alantstaude Inula. Möglicherweise Inula helenium, aber so genau weiß ich das nicht mehr, vielleicht auch Inula graveolens, sie sehen zum Verwechseln ähnlich, habe ich mir sagen lassen.


Alant ist mit der Sonnenblume verwandt, das sieht man.


Das ätherische Öl wird aus dem dicken Rhizom destilliert. Wenn man in die frische Wurzel beißt, duftet sie wie Irisöl, doch Alantöl duftet irgendwie grün-grasig-erdig. Es ist eines der besten Mittel bei völlig verschleimten Nebenhöhlen und Bronchien und sowohl für Inhalationen als auch für Salben gut geeignet. Neuere Studien von der Cork University hier in Irland lassen auf eine gute Wirksamkeit gegen MRSA (Krankenhauskeim) hoffen. Allerdings ist es ganz selten erhältich und wenn, dann sehr teuer!

PS Google hat mir eben beim Abschicken dieses Posts die folgende sicherlich automatisch übersetzte Anzeige eingespielt: Aromatherapy Mundgebrauch.

Chemisch abgesonderte ätherischen öle. Wissenschaftlich vorgerückt.