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Die Verwendung von ätherischen Ölen wird oft in eine recht egoistische Richtung gelehrt: Was tut dir weh? Dagegen nimmst du dieses Öl. Punkt. Erfahrene Menschen wissen, dass in den meisten Fällen von Unwohlbefinden Verdünnungen zwischen 1 und 3 Prozent wirksam sind. Nun werden Rezepturen, die ein Vielfaches an kostbaren ätherischen Ölen enthalten, empfohlen. Viel hilft viel? Das stimmt das beim Umgang mit ätherischen Ölen nur selten.

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Rosenholz-Baum: Der Amazonas Baumriese, der vorm Aussterben bedroht ist [Foto: ©Sigrun Scherneck]

Umsatzsteigerung und Gleichgültigkeit gegenüber der Natur und den öleliefernden Pflanzen stehen inzwischen immer mehr im Vordergrund. Es sollte sich von selbst verstehen, dass bei Wildsammlung von Duft- und Heilpflanzen nur soweit geerntet werden sollte, dass ihr Bestand nicht gefährdet wird. Für Standards und Vorsichtsmaßnahmen in diesem Bereich setzen sich unter anderem die Organisationen Fairwild und Fair Trade ein (dazu ist ein bebilderter Artikel über die unterschiedlichsten Siegel hier nachzulesen).

Mittlerweile gelten etliche öleliefernde Baumarten aus Wildbeständen laut CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) als stark gefährdet bzw. dezimiert, wie beispielsweise Santalum album (Ostindisches Sandelholz), Amyris balsamifera (Westindisches Sandelholz), alle Aniba-Arten in Südamerika (Rosenholz) sowie Cedrus atlantica in Nordafrika (Atlaszeder). Aquilaria malaccensis (Oud, Adlerholz) in Laos, Vietnam und Kambodscha wird vermutlich noch zu unserer Lebenszeit ausgerottet sein. Nardostachys jatamansi (Nardenwurzel) wurde aufgrund der extremen Verknappung und Bestandsgefährdung von Farfalla aus dem Programm genommen (schade, so ein wichtiges Schlaf- und Beruhigungsöl).

Europäische Öleanbieter, die sich der Erhaltung unserer so ausgebeuteten und zerbrechlichen schönen Welt verpflichtet fühlen, beachten diese Prinzipien der Nachhaltigkeit und treiben ihre Umsatzsteigerung nicht „auf Teufel komm raus“. Immer wieder passiert es, dass Öle aus gefährdeten Pflanzen ausgelistet werden. Auch betreuen sie oft Plantagen, in denen Versuche des Anbaus von stark gefährdeten Pflanzen unternommen werden. So wurde beispielsweise bereits untersucht, ob man ein hochwertiges Rosenholzöl aus den Zweigen und Blättern gewinnen kann, diese Art der Gewinnung zerstört den Baum nicht. Doch soweit mir bekannt ist, wird das daraus destillierte Öl lange nicht so „voll“ und „blumig“ wie das Öl aus dem Holz (für dieses muss der ausgewachsene Amazonas-Baum gefällt werden). Auch wird fleißig daran gearbeitet, diverse Baumarten zu infizieren, so dass sich im Schnelltempo der wundervolle Oud-Duft gewinnen lässt.

Vor genau einer Woche, am 18. September 2017, wurde die Pressemeldung 17-1023 des us-amerikanischen Justizministeriums veröffentlicht. Sie beschreibt in Kürze die Hintergründe des illegalen Handels mit Rosenholz im Marktwert zwischen 3,5 und 9 Millionen Dollar, entsprechend etwa 1 900 Litern Rosenholzöles, durch einen großen us-amerikanischen Ätherisch-Öl-Anbieter. Auch der illegale Handel mit Nardenwurzel ist Bestandteil dieser Anklage. Dieser weltweit agierende Anbieter wurde verurteilt, insgesamt 760 000 US-Dollar an Strafen und kommunaler Arbeit zu entrichten, in diesem Betrag ist auch die Beschlagnahme von Gütern enthalten. Zudem muss diese Firma einen Plan abliefern, durch den garantiert wird, dass bestimmte Auflagen eingehalten werden; das alles auf fünf Jahre Bewährung.

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Pressemeldung des US Justizministeriums vom 18. September 2017

„Der Import von illegal geerntetem Holz und Holzprodukten schadet gesetzestreuen Amerikanischen Unternehmen und Arbeitern, zudem bedroht er weltweite Wald-Ressourcen“ verlautet es aus dem Justizministerium bzw von der Generalstaatsanwaltschaft um Jeffrey H. Wood (Abteilung Umwelt und natürliche Ressourcen). Während die Vergehen gegen den Schutz von natürlichen Ressourcen durch gewisse Mitarbeiter des angeklagten Öleanbieters absichtlich und substantiell erfolgten, wird in der Pressemeldung hervorgehoben, dass diese Firma kooperativ eine interne Untersuchung und auch freiwillig die Offenlegung der Verstöße ankündigte.

„Dieses Strafmaß spiegelt die Schwere der Vergehen und das Akzeptieren der Verantwortung durch die Firma“ erläuterte der Staatsanwalt vom Distrikt Utah John W. Huber for the District of Utah.

Von Juni 2010 bis Oktober 2014 ernteten, transportierten und destillierten etliche Angestellte dieses Anbieters Rosenholz (Aniba roseaodora) in Peru und importierten Teile des gewonnenen Öles über Ecuador in die USA. Die Peruanische Gesetzgebung verbietet die nicht genehmigte Ernte und den Transport von Holz, einschließlich Rosenholz. Peru verbietet zudem den Export von Arten, die nach CITES geschützt sind (Convention on International Trade in Endangered Species), wenn die erforderlichen Genehmigungen nicht vorliegen. Weder der angeklagte Öleanbieter noch seine Lieferanten, Angestellten oder Mittelspersonen waren in Besitz einer gültigen Genehmigung der Peruanischen Regierung. Die Firma erhielt also keine CITES-Export-Papiere von Peru. Es wurden circa 86 Tonnen illegales Rosenholz gefällt und geerntet, es sollte destilliert werden und in die USA exportiert werden, ein Teil davon war bereits ins Land gebracht worden.

Die Öle-Firma konnte nicht nachweisen, dass sie ein Programm zur Einhaltung von formellen Prozeduren vorliegen hatte, auch Training and anderweitige Fachkenntnisse zur Vermeidung von möglichen Vergehen gab es nicht. Am 20. Juli 2015, als die internen Untersuchungen vollständig waren, legte die Firma der Regierung unterschiedliche Fakten, welche die illegalen Übertretungen aufzeigte, offen.

Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde auch offenkundig, dass Nardenöl (Nardostachys jatamansi) von Nepal nach Großbritannien exportiert wurde, auch ohne CITES-Genehigung. Das Nardenöl war zunächst durch eine Firma importiert, die eine CITES-Genehigung hatte. Beim US-Anbieter wurde das Öl jedoch als nicht zufriedenstellend eingestuft, und zurück nach Großbritannien geschickt. Nachträglich, am 23. März 2016 wurde von einem Mitarbeiter des US-Anbieters ein Cites-Genehmigungsantrag gestellt.

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osmanthus, das absolue bei angst


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIch bin eine bekennende Osmanthus-Fannin. Jeden unserer Duftwochen-Gäste hier im Südwesten Irlands mit seiner beeindruckenden subtropischen Flora führe ich zu den zahlreichen Osmanthus-Sträuchern. Diese sind allerdings wesentlich kleiner als der schattenspendende gigantische Osmanthus-Baum, unter dem ich jahrelang als Kind in Brasilien spielte (leider inzwischen gefällt wegen eines Parkplatzes). Der fruchtig-getrocknete-aprikosen-ähnliche Duft enthält auch eine Spur Jasminduft und sogar Iris-Noten). Dieses Parfum der winzigen Blüten muss sich tief in meine Neuronen eingebrannt haben. Die zahlreichen als Sträucher und Bäume wachsenden Osmanthusarten heißen auf deutsch ‚Duftblüte‘. Auf der Insel Mainau sind drei oder vier Arten zu bewundern.

In China, von wo die Pflanze stammt, werden die getrockneten Blüten mit ihrem fruchtigen Aroma eingesetzt, um edle Grüntees zu beduften (Gui Hua), auch manche Weine sollen sie aufwerten. Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDas nicht mehr überall erhältliche Absolue {•} WERBUNG: zum Bestellen bei Amazon klicken, danke für den kleinen Beitrag, der Sie nicht mehr kostet 😉 {•} muss stark verdünnt werden, damit der feine Blütenduft sich entfalten kann. Dem ätherischen Irisöl gar nicht unähnlich, kann dieses kostbare Kunstwerk unmittelbar auf die inneren Welten wirken. Hexenylbutanoat und Alpha-Ionon tragen zum fruchtigen Charakter dieses ungewöhnlichen Duftes bei.

Klar, dass er auf einer meiner 40 Psychoaromatherapie-Karten vorgestellt wird! (Einige Rest-Sets sind noch über Vivere erhältlich). Die Affirmation für diese Karte: „Ich wandle fröhlich und inspiriert auf kreativen Pfaden.“ Denn dieser Duft kann lockern, wenn es im Kreativitätszentrum klemmt, wenn eine Prise Heiterkeit das Leben bereichern soll, wenn Appetit auf Leben (und Süßigkeiten) lockt. Er passt wunderbar zu Zitrusdüften, insbesondere zu Mandarinenöl und zu Grapefruitöl. Umso erfreuter war ich, dass es eine nagelneue kleine wissenschaftliche Arbeit aus Japan dazu gibt.

In dieser randomisierten kontrollierten Studie erhielten 361 PatientInnen unterschiedliche Düfte vor einer als schmerzhaft, peinlich und unangenehm erlebten Darmspiegelung als Inhalation zu riechen: Lavendelöl, Grapefruitöl, Osmanthusabsolue, oder keinen Duft (Kontrollgruppe). Nach der Koloskopie, die bei keinem der PatientInnen Komplikationen hervorrief, sollten diese auf einer Skala Werte für ihre Angst und für ihr Gefühl von Unangenehmsein eintragen.
LeffingwellAls Ergebnis notieren die Autoren, dass der Osmanthusduft die Stärke der Angst signifikant reduzierte. Bei denen, wo starke Angst mit Unwohlsein vorhanden war, halfen Osmanthusduft und Grapefruitduft signifikant. [Hozumi H, Hasegawa S, Tsunenari T, Sanpei N, Arashina Y, Takahashi K, Konnno A, Chida E, Tomimatsu S. Aromatherapies using Osmanthus fragrans oil and grapefruit oil are effective complementary treatments for anxious patients undergoing colonoscopy: A randomized controlled study. Complement Ther Med. 2017 Oct;34:165-169]

Es gibt übrigens passend zum Absolue noch drei weitere Produkte von Primavera, die diesen Duft enthalten (allerdings kaum wahrnehmbar): Ein wunderbar cremiger Verwöhnender Duschbalsam, dazu passend ein Duschgel und eine Körpercreme. Gute-Laune-Luxus ohne Kalorien und gut zum Körper und zur Umwelt, man gönnt sich ja sonst nix zu wenig! Ein selbst gemachtes so richtig lecker duftendes Körperöl für die kühlere Jahreszeit könnte so aussehen und duften:

  • 40 ml Jojobaöl
  • 10 ml Arganöl
  • 8 Tropfen Osmanthus 5%
  • 8 Tropfen Grapefruitöl
  • 5 Tropfen Bio-Vanilleextrakt
  • 2-3 Tropfen Tonka-Extrakt

{•} Diese fetten und ätherischen Öle können beispielsweise bei Feeling (klick!) bestellt werden, danke für den kleinen Beitrag, der Sie nicht mehr kostet, der jedoch zur derzeit laufenden dringend notwendigen Renovierung dieser Seite eingesetzt wird {•}

Da es sich bei dieser neuen Studie um eine Hilfe für den eher seelischen Bereich der PatientInnen handelt, fallen mir noch Experimente ein, die den körperlichen Schmerz während dieses intimen und mit Scham belegten Eingriffs, lindern können. Vier Stunden vorab eingenommene Colpermin-Kapseln mit Pfefferminzöl (187 mg pro Kapsel) reduzierten in einem iranischen Versuch mit 65 PatientInnen Krämpfe und Schmerzen während der rektalen Einführung des Schlauches und verbesserten dadurch die Bildaufnahmen. [Shavakhi A, Ardestani SK, Taki M, Goli M, Keshteli AH. Premedication with peppermint oil capsules in colonoscopy: a double blind placebo-controlled randomized trial study. Acta Gastroenterol Belg. 2012 Sep;75(3):349-53]

Eine ähnliche Arbeit wurde bereits 2006 mit 205 PatientInnen in Japan durchgeführt.  Die Ergebnisse mit dem eingenommenen Pfefferminzöl waren signifikant besser als in der Kontrollgruppe ohne Pfefferminzöl (P < 0.001). [Mizuno S, Kato K, Ono Y, Yano K, Kurosaka H, Takahashi A, Abeta H, Kushiro T, Miyamoto S, Kurihara R, Hiki N, Kaminishi M, Iwasaki A, Arakawa Y. Oral peppermint oil is a useful antispasmodic for double-contrast barium meal examination. J Gastroenterol Hepatol. 2006 Aug;21(8):1297-301]

Während diese „Von-oben“-Maßnahme von dem Patienten notfalls selbst vorgenommen werden kann (beispielsweise mit der Einnahme von Carmenthin-Kapseln), können die Endoskopie-Profis auch „von unten“ arbeiten: Fünf Jahre vorher erhielten 409 PatientInnen circa 20 ml einer Lösung aus 1 Liter Wasser, 8 ml Pfefferminzöl und 0,2 ml des Lösungsvermittlers Tween 80 rektal eingeführt. Die Kontrollgruppe (bestehend aus 36 PatientInnen) erhielt nur Wasser mit Lösungsvermittler. Bei 88, 5 % der PatientInnen der Pfefferminzegruppe wurde ein mindestens 20 Minuten andauernder zufriedenstellender spasmolytischer (krampflösender) Effekt notiert, auch bei 33,3 % der Ohne-Pfefferminze-Gruppe war eine krampflösende Wirkung zu beobachten (p<0.0001). Bei PatientInnen mit Reizdarm (IBS) war die Wirksamkeit signifikant niedriger (p < 0.0001). Es gab keine negativen Nebenwirkungen. [Asao T, Mochiki E, Suzuki H, Nakamura J, Hirayama I, Morinaga N, Shoji H, Shitara Y, Kuwano H. An easy method for the intraluminal administration of peppermint oil before colonoscopy and its effectiveness in reducing colonic spasm. Gastrointest Endosc. 2001 Feb;53(2):172-7].

Mein Artikel von 2013 zur Duftblüte ist hier und hier nachzulesen. Inhaltsstoffe (Abb. oben rechts) und mehr Infos: Leffingwell

chemotypen – warum bescheid wissen nützlich ist [teil 1]


Thymianarten_beschrKürzlich verfolgte ich auf Facebook eine Diskussion, in der es um Chemotypen vom Thymianöl ging. Jemand meinte, es sei doch nicht wichtig, sich mit diesem Unterschied zu befassen. Hoppla, dachte ich mir, da hat jemand allenfalls eine theoretische „Ausbildung“ in Aromatherapie durchlaufen. Wer die Gelegenheit hatte, die unterschiedlichen Thymianöle ausgiebig schnuppernd zu vergleichen, wird Welten zwischen diesen Düften fest stellen können.

In Prüfungen, die ich abnehme, bekommt jede/r Proband/in zwei konträre Öle zu riechen, also beispielsweise Thymian Ct. Linalool und Thymian Ct. Thymol. Weil die Prüflingen naturgemäß immer sehr aufgeregt sind, muss gar nicht identifiziert werden, um welche Pflanze oder um welches Öl es sich handelt, schon gar nicht verlange ich den wissenschaftlichen Namen der Pflanze. Nein, ich frage ganz einfach: Welches Öl würdest du einem Kleinkind geben, welches nicht? Welches Öl passt eher zu einem robusten und ingesamt gesunden Mann (der momentan erkältet ist)? Welches Öl würdest du eher einer sehr alten zarten Frau gegen ihren Husten einreiben?

Bislang konnte jede/r diese Fragen beantworten, wenn die Nase sich beteiligen durfte/konnte. Das ist einer der Gründe, warum ich gegen Fernstudien ganz ohne Präsenzunterricht bin. Bei manchen Naturdüften geht es nicht ohne Nase (eigentlich bei allen!). Als zukünftige Fachperson für ätherische Öle, MUSS man sich mit den unterschiedlichen Gerüchen der Chemotypen mancher Öle auskennen und sie möglichst er-riechen können. Ist in einem Rosmarin besonders viel Campher enthalten, verwende ich es nicht bei Kleinkindern und schwangeren Frauen, duftet Myrtenöl eher blumig-süß statt eukalyptusartig, werde ich ersteres eher dem Asthmatiker empfehlen. Ganz zu schweigen von der Gesamtqualität von ätherischen Ölen: Diese sollte nach einiger Erfahrung gerochen werden können, also ob etwa bei Rosenöl oder Jasminabsolue tüchtig mit Labormolekülen nachgeholfen wurde oder nicht, ob Lindenblüte natürlichen Ursprungs ist oder synthetisch (letzteres duftet sogar meistens viel besser 😦 ).

Thymian_x_citriodorus_xsAuch ist die geschulte Nase beim Beurteilen, ob ein Naturduft zumutbar für die Haut ist, immens wichtig: Selbst Lavendel hält nicht ewig (strenge Stimmen sagen nur 1,5 Jahre, wenn empfindliche Haut damit behandelt werden soll), Lemongrass verliert mit der Zeit seine frisch-zitronige Note, Mandarine erinnert leider viel zu schnell an verschimmeltes Obst, Teebaum weckt Assoziationen an Pinselreiniger. Wie soll man diese immens wichtige Qualitätskontrolle per Fernstudium lernen?! Und wie soll man die tiefe innere/seelische Wirkung von Naturdüften erfahren können, wenn man nicht in Ruhe an ihnen schnuppern kann!!?? Doch nun zurück zum Thymian.

Das ätherische Öl aus den Zweiglein und Blättchen des  Thymus vulgaris wird aus (mindestens) sechs Chemotypen destilliert, also aus Thymianpflanzen mit sechs unterschiedlichen chemischen Schwerpunkten (oder Leitsubstanzen). Je nachdem wie hoch auf dem Berg oder wie nah am Meer das Heilkraut wächst, reagiert es unter anderem auf die UV-Strahlung und bildet andere Inhaltstoffe in unterschiedlichen Zusammensetzungen aus.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDas klassische, seit Jahrhunderten in der Medizin bekannte Thymianöl stammt aus Pflanzen in eher niedrigen Lagen und ist reich an Thymol und Carvacrol, das sind stark wirksame Monoterpen-Phenole (Moleküle aus 10 Kohlenstoffatomen, die sich innerhalb des Moleküls zu einer Sechserkette „verknoten“). Diese sind für fast jeden krank machenden Mikroorganismus fatal. Man nannte diese zwei streng duftenden Öle früher Thymian rot (Ct. Thymol) und Thymian schwarz (Ct. Carvacrol), da beide Moleküle die Eisendestille angreifen und sich das Öl dann entsprechend verfärbt. Heute werden jedoch fast nur noch Edelstahldestillen bei der Produktion eingesetzt, so dass das Öl transparent-hellgelb ist. Die bekanntesten Chemotypen von Thymus vulgaris L. sind:

Thymian Ct. Thymol (Thymus vulgaris L.) enthält – je nach Lieferant – zwischen 35 und 55 Prozent Thymol und ist somit eines der besten Öle bei der Abwehr von Infektionen im HNO-Bereich und bei Pilzinfektionen, vor allem der Füße. Zudem ist es hilfreich bei Schmerzen von Gelenken und Muskeln. Da die Monoterpen-Phenole jedoch auch stark haut- und schleimhautreizend wirken, darf für den Hausgebrauch immer nur eine maximal 1%-ige Verdünnung auf die Haut aufgetragen werden

Die selteneren Thymianöle gedeihen nur in hohen und mittleren Lagen (benötigen also mehr ultraviolettes Licht, um die sanften Inhaltsstoffe auszubilden), sie sind wesentlich kostenintensiver, eignen sich jedoch wegen ihres hohen Gehaltes an verschiedenen hautfreundlichen Monoterpenalkoholen Linalool, Thujanol-4 und Geraniol besser für die Selbstbehandlung.

Thymian Ct. Linalool (Thymus vulgaris L.) findet man fast immer bei gut sortierten Ölefirmen, dieses fein duftende Öl beeinflusst den Atemtrakt positiv bei Erkältung, Husten, Bronchitis, Ohrenschmerzen und Stirnhöhlenentzündung – insbesondere sehr empfindlichen (älteren) oder beeinträchtigten Menschen und bei Kindern.

Thymian Ct. Thujanol-4 (Thymus vulgaris L.) ist schwer zu kultivieren und darum eher eine seltene und kostenintensive Rarität (das Öl kann über 30 Euro für 5 ml kosten!). Es wirkt stark antiviral und zeigt insbesondere bei gynäkologischen Clamydien-Infektionen gute Erfolge.

Thymian Ct. Paracymen [auch p-Cymen] (Thymus vulgaris L.) ist in der französischen Aromatherapie beliebt als starkes Mittel bei Gelenk- und Muskelschmerzen, das Öl kann je nach Gehalt an p-Cymen bei empfindlicher Haut irritierend wirken.

Thymus_serpyllum_Sandthymian_xs

Andere Thymian-Arten, die also keine Thymus vulgaris L. sind, können auch gut in der Aromatherapie eingesetzt werden, auch unter ihnen sind Chemotypen bekannt.

  • Thymus mastichina (L.) L. enthält bis zu 75 Prozent 1,8-Cineol, duftet also eukalyptusartig-frisch. Da das Öl in seiner Heimat Spanien als mejorana bekannt ist, ist es im deutschsprachigen Bereich oft als (Wald-)Majoran zu finden, es setzt sich jedoch völlig anders als das Öl des echten Majoran (Origanum majorana) zusammen. Es ist ein ausgezeichnetes Anti-Erkältungsöl, das auch Kinder gut vertragen, da es weder stechend noch medizinisch riecht.
  • Thymus serpyllum L. ist der in ganz Europa auch wild wachsende Quendel, sein Öl kann in Zusammensetzung und Duft sehr unterschiedlich ausfallen.
  • Thymus zygis L. aus Spanien gilt gegenüber dem Thymian Ct. Thymol-Öl aus der Provence als nicht so hochwertig, seine bis zu 75 Prozent an hautreizendem Thymol machen die Anwendung für Laien schwierig. Diese Pflanze kann auch einen seltenen milden Linalool-Chemotyp hervorbringen.
  • Thymus capitatus (L.) Hoff. et Link. (oder Coridothymus capitatus) wird auch Spanischer Oregano genannt, durch den Gehalt von bis zu 70 Prozent hautreizendem Carvacrol ist es nicht für den Hausgebrauch geeignet.
  • Thymus citriodora ist eine unkorrekte Bezeichnung für Thymus x citriodorus (Pers.) Schreb., das ist der Zitronenthymian, oft wird jedoch der Linalool-Typ auch
    als Zitronenthymian bezeichnet.

Achtung: Die phenolhaltigen Thymianöle, also Chemotyp Thymol und Chemotyp Carvacrol sollten niemals unverdünnt auf der Haut verwendet werden und nicht dauerhaft bei sehr hohem Blutdruck im Einsatz sein, sie gehören nicht in die Hände von medizinischen Laien.

Studie: Eine nützliche wissenschaftliche Arbeit zu Thymianöl und seine Wirkung gegen vielfach resistente Bakterienstämme, die im klinischen Bereich vorkommen: Sienkiewicz M, Lysakowska M, Denys P, Kowalczyk E: The Antimicrobial Activity of Thyme Essential Oil Against Multidrug Resistant Clinical Bacterial Strains. Microb Drug Resist. Microb Drug Resist. 2012 Apr;18(2):137-48.

Thymus_mastichina_webAusprobieren: Zwei Öleanbieter führen jeweils etliche Thymianöle: Maienfelser hat derzeit 17 (!) unterschiedliche Thymianöle im Angebot, Oshadhi und Ronald Reike bieten immerhin jeweils acht unterschiedliche Thymiandüfte.

Abbildung T. mastichina: Vielen Dank an Patrizia Wyler Cassani, die extra für mich in den Botanischen Garten zum Fotografieren ging, damit auch ich mal lerne, wie die Rarität des hübschen Thymus mastichina aussieht!

duftwochen preiswert erreichen


Relax_Gudrun_Carmen.jpgWer mit dem Gedanken spielen sollte, an einer der diesjährigen Duft-Erlebnis-Wochen inmitten von subtropischen Duftpflanzen teilzunehmen: Meine Lieblings-Airline Aer Lingus (klick!) bietet bei Buchung bis zum 18. Januar Preisvorteile an („bis zu 50% günstiger nach Irland“).

Einfach mal schauen, was vom nächsten Flughafen ein Flug nach Dublin kostet! Weiter geht es dann mit dem bequem zu erreichenden AirCoach (direkt nach der Kofferausgabe im Flughafen-Terminal) nach Cork (zweitgrößte Stadt Irlands), jede Stunde einmal, die Fahrt im Komfort-Bus mit Internetzugang und Toilette kostet je nach Buchungsmodalität 15 Euro pro Richtung und dauert 3 bis 3,5 Stunden. Von dort kann unser Abhol-Service in Anspruch genommen werden oder der öffentliche Bus (spätestens Abfahrt 18:30 Uhr). Eventuell macht auch ein Flug über Amsterdam Sinn, je nach Umsteige- und Ankunftszeit kann diese Zwei-Flüge-Kombination beispielsweise ab Wien oder Zürich auch gut funktionieren.

Ich habe in den fast 16 Jahren des „Pendelns“ zwischen Irland und dem Kontinent so positive Erlebnisse mit dieser Airline gehabt, dass ich den MitarbeiterInnen einen eigenen Abschnitt in unserem Buch 111 Gründe Irland zu lieben (für Infos klick!) gewidmet habe:

„6. GRUND von 111: Weil die Fluggesellschaft mit dem hellgrünen Kleeblatt eine besonders menschliche Airline ist

Ich fliege oft zwischen meiner Inselheimat und vielen unterschiedlichen Orten auf dem Kontinent hin und her. Manchmal geht es nicht anders, da muss ich mich in die Flugzeuge einer Fluggesellschaft zwängen, in deren Fliegern es bisweilen sehr ruppig zugeht und wo die Freundlichkeit des vermutlich unterbezahlten und gestressten Kabinenpersonals sehr einstudiert wirkt.

Anders bei der Airline mit dem hellgrünen Kleeblatt auf der Heckflosse. Schon am Schalter fühle ich mich willkommen (meistens, wenn nicht gerade der Flug wegen eines Sturmes am Vortag annulliert wird). Ob im Terminal oder in der Luft, fast alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind ehrlich und pausenlos bemüht, einem in jeder nur erdenklichen Situation zu helfen.

MAer_Lingus_Airbus_A319-100_(EI-EPT)_departs_London_Heathrow_Airport,_England,_on_2ndJuly2014_arpeine Liebe zu dieser Fluggesellschaft begann kurz nach unserem Umzug auf die Grüne Insel. Ich befand mich mit zwei kleinen Söhnen auf dem Rückweg vom Oma-Opa-Besuch in Deutschland. Der Jüngere schlief auf dem knapp zwei Stunden langen Spätflug ein und war durch nichts wach zu bekommen. Keine laute Ansage, keine Landungsgeräusche, auch kein Schütteln konnten ihn aus Morpheus’ Armen locken. So taumelte ich mit diversen Handgepäckstücken und einem verschlafenem, aber immerhin selbstständig gehenden zweiten Kind an der Hand, zum Ausgang des Fliegers. Obwohl den Kabinen-Mitarbeitern anzusehen war, dass sie ungeduldig und froh dem wohl verdienten Feierabend entgegen fieberten, bot mir ein Flugbegleiter an, das schlafende Kind zu übernehmen. Er begleitete uns zur Passkontrolle, wartete geduldig das Anspringen des ewig schweigenden Gepäckbandes ab und trug den selig schlummernden Buben bis in unser Auto, das dort einige Tage auf dem Langzeitparkplatz auf uns gewartet hatte. Soviel Menschenliebe war ich nicht gewohnt und so denke ich heute noch dankbar an diese enorme Geste zurück.

Ähnlich erging es unseren Gästen mit Kleinkind, die eine Woche bei uns verbracht hatten. Der von uns am Vorabend bestellte Taxifahrer hatte dummerweise verschlafen und brummelte nach Sturmklingeln, er hätte 4 Uhr nachmittags und nicht 4 Uhr morgens verstanden, fuhr dann aber doch noch vor. Nun versuchte er den der englischen Sprache nicht so wirklich kundigen Besuchern klar zu machen, dass er nicht genügend Benzin im Tank habe, um damit die knapp 80 Kilometer zum Flughafen zu schaffen. So sprang mein Mann ein und fuhr angesichts der fortgeschrittenen Zeit schier um sein Leben. Zum Glück befindet ich so früh am Morgen in Irland so gut wie niemand auf den Straßen.

Man kam hechelnd am Flughafenschalter an und erfuhr, dass die Abfertigung vor wenigen Minuten abgeschlossen worden sei. Doch da war dann dieser süße kleine Junge auf dem Arm seiner verzweifelten Mutter. Keiner hat gesehen, ob Tim seine klugen Äuglein hat aufblitzen lassen, doch die Mitarbeiterin der netten Airline besann sich blitzschnell eines Besseren und wies die Eltern an, möglichst schnell zum Abflug-Gate zu flitzen. Keine Frage, sie wurden noch mitgenommen.

Ein ähnliches Einsehen hatte man genau an jenem Schalter kürzlich mit einem Freund, der die per Handy mitgeteilte Abflug-Änderung nicht richtig interpretiert hatte. Dummerweise verwechselte er die Flugnummer und die Abflugszeit und verpasste deswegen den Flieger. Keine Frage, man bot ihm an, am nächsten Tag (zur richtigen Zeit) doch noch seine Reise antreten zu dürfen, ohne Aufschlag, ohne Bürokratie.

Auch ein erstaunlich kulantes Entgegenkommen erfuhr unser Aupair-Mädchen Mara. Im Jahrhundertwinter 2010 konnte kein Auto mehr unsere steile Straße hochfahren. Der eine Kilometer war über eine Woche nicht mehr zu überwinden. Nun hätte man ihr raten können, doch vorsichtig zu Fuß zur Hauptstraße zu gehen. Doch es fuhren auch keine Busse mehr (Räumdienst und Winterreifen sind in Irland nahezu unbekannt). Schon gar nicht nach Dublin, von wo ihre Weihnachtsreise nach Hause an den Bodensee hätte fortgeführt werden sollen.

Traurig saß Mara zu Hause, nicht nur weil sie die Feiertage ohne ihre große Familie verbringen musste, sondern auch, weil sie ein Großteil ihres Taschengeldes vernichtet wähnte. Nicht schlecht staunte sie einige Zeit später, als sie den Flugpreis ohne jeden Kampf erstattet bekam. Jede andere Firma hätte sich vermutlich auf den Standpunkt gestellt, dass sie erstens selbst dran schuld war, nicht den Weg nach Dublin irgendwie bewerkstelligt zu haben, zweitens wäre vermutlich „höhere Gewalt“ angeführt worden. Nicht so bei der Airline mit dem hellgrünen Kleeblatt.“

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Termine der Duftreisen 2016 mit Schwerpunkt Ätherische Öle

  • 14.05.-21.05. Aromatherapie und Wildkräuter für Sie
  • 28.05.-04.06. Aromapflege – sanfte und wirksame Begleitung bei Schmerzen und chronischen Erkrankungen, mit Heilpraktikerin Gisela Cordes, wir üben Griffe nach der Dorn-Breuss-Selacor-Methode (Schmerzen schnell und wirksam beheben)
  • 18.06.-25.06. Aromatherapie und Wildkräuter für Sie
  • 09.07.-16.07. Happy Düfte: Öle die dem Seelenleben gut tun, mit Osmologin Christine Lamontain
  • 13.08.-20.08. Aromatherapie und Wildkräuter für Sie

Naturparfüm komponieren & subtropische Traum-Gärten erkunden 

  • 16.04.-23.04.2016
  • 21.05.-28.05.2016
  • 11.06.-18.06.2016
  • 25.06.-02.07.2016

Kosten: Je nach Termin und Buchungsmodalität zwischen 990 und 1190 € für 6 Tage inkl. Übernachtung im Zweibettzimmer, Vollpension, Ölemischungen-Rohstoffe, Exkursionen, Eintritten und Bootsfahrt. Begleitpersonen willkommen (790 €, Kinder unter 5 J. kostenlos, bis 12 J. halber Preis, deutschsprachiger Babysitter kann gebucht werden). Die Duftwochen beginnen jeweils am Anreise-Samstag um 19 Uhr* mit einem gemeinsamen warmen Abendessen, der darauf folgende Samstag ist der Abreisetag.

Gutschein_AiDA2016_Muster_xsDie Details und Preise sind hier (klick!) nachzulesen, das Übersichts- und Anmeldeformular befindet sich hier (klick!), die beiden bebilderten Broschüren können in der rechten Spalte zum Runterladen angeklickt werden. (* bei Verspätung unseres Abhol-Services auch schon mal um 19:30 Uhr)

Wie wäre es mit einem Duftreisen-Gutschein zum Verschenken, beispielsweise zu einem „runden“ Geburtstag?

Foto Aer Lingus: Wikimedia Commons by Adrian Pingstone

aromatherapie bei (kreisrundem) haarausfall (alopezie)


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieHaarausfall, kann ich mit ätherischen Ölen etwas dagegen tun? Das ist eine der häufigen Fragen, die an mich gestellt werden. Ich muss mit ja und nein antworten, denn Haarwurzeln sind extrem empfindliche Gesellen, sie reagieren auf kleinste hormonelle Schwankungen, auf Übersäuerung, auf die ersten Attacken vieler Chemotherapien. Viele Jahre lang habe ich Indian Head Massage unterrichtet und gespürt, dass Verspannungen, welche durch die vielen Anforderungen unseres modernen Lebens entstehen, insbesondere die Kopfhaut verhärten. Nur ist sich kaum jemand dessen bewusst.

Insofern können tägliche kleine Massagegriffe mit entspannend wirksamen ätherischen Ölen durchaus eine Wirkung zeigen, indem das „Übel“ buchstäblich an der Wurzel gepackt wird. Welche Öle dabei ausgewählt werden, entscheidet der spezifische Zustand der jeweiligen Person, ihre Nase sollte wohltuende Düfte auswählen und zusammenstellen. Wichtig wäre das eine oder andere ätherische Öl, das aufgrund seines Estergehaltes entkrampfend und lösend wirkt, beispielsweise

  • Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Petit Grain (Citrus aurantium foliae)
  • Kamille römisch (Chamaemelum nobile)
  • Bergamottminze (Mentha citrata)
  • Ylang Ylang (Cananga odorata)
  • Rosengeranie (Pelargonium graveolens, P. asperum)
  • Bergamotte (Citrus bergamia, nur abends)
  • Muskatellersalbei (Salvia sclarea)

Entspannung alleine reicht jedoch nicht unbedingt, obwohl sich eine Kopfmassage sofort auf den ganzen Körper wohltuend auswirkt. Es muss zusätzlich ein ätherisches Öl gewählt werden, das die Durchblutung anregt, damit „Schlacken“ abtransportiert werden können und damit (vor allem im Falle von Immunreaktionen) körpereigene Verteidigungsstoffe herbei geschafft werden. Der Klassiker ist

  • Rosmarin Ct. Campher oder Ct. Cineol (Rosmarinus officinalis)

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannPfefferminze (Mentha piperita) wäre auch denkbar. Für den Fall, dass Mikroorganismen (Pilze, Bakterien oder Hautflechten) am Haarausfall beteiligt sind, nimmt man einen geringen Anteil an Ölen, die „antibiotische“ Phenole enthalten zur Mischung, sie fördern auch gleichzeitig die Durchblutung und helfen dem Immunsysten wieder auf die Sprünge (hinter Alopezie steckt eine Autoimmun-Reaktion). Der Klassiker ist Pimentöl (Pimenta dioica), es gibt sogar eine Patentanmeldung (klick!) auf ein Haarwasser mit Piment. Im traditionellen Haar- und Pflegewasser aus Jamaika Trumper’s Bay Rum (klick!), das auch Gentlemen in Europa schätzen, ist dieses nach Gewürznelken duftende Gewürz enthalten. Das ätherische Öl ist leider nicht überall erhältlich.

  • Piment (Pimenta dioica, Foto, hier erhältlich)
  • Bay (Pimenta racemosa, hier erhältlich)
  • Thymian Ct Thymol (Thymus vulgaris Ct Thymol)
  • Nelkenblätter oder etwas milder Nelkenknospe (Syzygium aromaticum)
  • Tulsi/Heiliges Basilikum (Ocimum sanctum)

Last not least muss man dem Körper helfen, diesen chronisch-entzündliche Prozesse (evtl sogar Abstossungsprozesse) zu regulieren, dabei helfen ihm insbesondere Sesquiterpenverbindungen, besonders bewährt hat sich Zedernöl:

  • Atlaszeder (Cedrus atlantica)
  • Himalajazeder (Cedrus deodara, hier erhältlich)
Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

INCI eines bekannten deutschen Haarwassers

Aus diesen vier Komponenten wird nun ein Haaröl oder ein Haarwasser gemischt und es wird somit wesentlich wirkungsintensiver als die meisten Haarwässer, die man in Drogeriemärkten findet. Diese bestehen hauptsächlich aus Wasser (billig), sehr viel Alkohol (durchblutungsanregend, antiseptisch und billig) und manchmal einem Antischuppen-Wirkstoff (Pirocton-Olamin).

Ein Beispiel für ein selbst gemachtes Haarwasser könnte sein:

  • 25 ml Wodka 40%-ig mit
  • 6 Tropfen Rosmarin
  • 5 Tropfen Atlaszeder
  • 4 Tropfen Ylang Ylang
  • 3 Tropfen Piment (oder Thymian Ct. Thymol) gut verschütteln, mit
  • 25 ml Rosmarinhydrolat mischen (hier erhältlich)

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieJeden Morgen mit kreisenden Massagegriffen auftragen, für eine Abendmischung den Rosmarin weg lassen. Nach dem Auftragen mit einem Handtuch abdecken, dann verflüchtigen sich die ätherischen Öle nicht so schnell. Wer besser mit Öl zurecht kommt (oder als nächtliche Haarkur), mischt diese ätherischen Öle in 50 ml eines guten nativen fetten Pflanzenöles wie beispielsweise Olivenöl, Mandelöl oder Johanniskrautmazerat.

Professor Dr. Wabner hat vor vielen Jahren auf eine schottische wissenschaftliche Arbeit mit 86 PatientInnen hingewiesen. In der randomisierten Doppelblindstudie wurden 86 PatientInnen mit Alopecia areata (kreisrundem Haarausfall) sieben Monate lang entweder mit ätherischen Ölen in Traubenkernöl und Jojobaöl und einer 2-minütigen Kopfhautmassage sieben Monate lang behandelt

  • Thymus vulgaris (Thymian, Chemotyp nicht angegeben, 2 Tropfen, 88 mg)
  • Lavandula angustifolia (3 Tropfen, 108 mg)
  • Rosmarinus officinalis (Chemotyp nicht angegeben, 3 Tropfen, 114 mg)
  • Cedrus atlantica (2 Tropfen, 94 mg)
  • 20 ml Traubenkernöl
  • 3 ml Jojobaöl

oder nur mit dem Traubenkernöl-Jojobaöl-Mix. In der Aromatherapie-Gruppe zeigten sich signifikante Verbesserungen im Vergleich zur Fette-Öle-Gruppe [Hay IC, Jamieson M, Ormerod AD. Randomized trial of aromatherapy. Successful treatment for alopecia areata. Arch Dermatol. 1998 Nov;134(11):1349-52]. Die fertige Mischung ist bei WADI (klick!) erhältlich.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFrüher hat man Klettenwurzelöl in die Kopfhaut einmassiert, es ist wirksam bei Haarausfall und bei juckenden Hautekzemen. Heute ist es kaum noch in guter Qualität erhältlich (hier geht es zu einem Klettenwurzelöl, klick!), besser man stellt es demnächst her, indem man getrocknete und klein geschnittene Wurzelstückchen drei Wochen lang in einem guten Olivenöl einlegt und dann abseiht. Die große Klette, Arctium lappa, wird heute ohnehin als Unkraut betrachtet, dabei ist ihre lange Wurzel sehr heilkräftig (sie ist auch im „Anti-Krebs“-Produkt Essiac enthalten).

Unterstützend sollte auf eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten geachtet werden, damit die Übersäuerung des Körpers und damit der Kopfhaut reguliert werden kann, so dass die Haarwurzeln sich in einem gesünderen Umfeld neu entfalten können. Eventuell sollte ein Hormonspiegel vorgenommen werden und es sollte unbedingt auf eine Reduktion von stressauslösenden Situationen geachtet werden.

boronia megastigma – ein kostbarer feiner duft


Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyNochmals schicke ich ein paar duftende Grüße aus dem sonnigen Südwest-Irland, die Duft-Erlebnis-Woche-Gruppe, die heute abreiste, hatte wundervolle Tage, wir schnupperten und fotografierten super-seltene Duftpflanzen. Die unten abgebildete Boronia megastigma (Duftende Korallenraute) aus der Familie der Rautengewächse (wie die Zitruspflanzen) liefert ein traumhaft-blumiges, jedoch sehr kostenintensives Absolue. Es kostet bei Maienfelser Naturkosmetik 79 Euro für 1 ml! Ähnlich wie Irisöl enthält es hauptsächlich Ionon (und Dodecylacetat).

Eliane Zimmermann AiDA AromatherapyÜberhaupt haben wir noch einige andere sehr seltene duftende Verwandte der Zitrusfrüchte kennen gelernt, sie alle blühen derzeit: Choisya ternata (Mexikanische Orangenblume), Poncirus trifoliata (Chinesische Dreiblättrige Orange) und der hübsche tasmanische Großstrauch Acradenia frankliniae. Wir haben dazu viele fein duftende Vertreter der Myrtengewächse studiert (oben eine wunderschön blühende enge Verwandte des australischen Teebaums), in der Sonne gefaulenzt, acht Schwäne am Seminar- und Gästehaus bewundert und das besondere Öl der Japanischen Sicheltanne (Cryptomeria japonica) ausführlich, mit Hilfe von diversen Übungen, auf uns wirken lassen, mit und ohne den Baum zu sehen und zu spüren.

Ich kann derzeit kaum Mails und sonstige Anfragen beantworten, also nicht böse sein! Für die zwei kommenden (deutschsprachigen) Duft-Erlebnis-Wochen vom 7. bis 14. Juni und 12. bis 19. Juli sind übrigens noch Plätze frei!

pflanzen, die fette und ätherische öle liefern


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDen meisten Aromatherapie-KennerInnen ist vermutlich nicht bewusst, dass viele Pflanzen, die uns mit ätherischen Ölen versorgen, auch fette Pflanzenöle liefern. Ich muss gestehen, bei manchen der folgenden Gewächse war sogar ich überrascht, dass sich beides aus ihnen gewinnen lässt. Ich wurde fündig in der zweiten Auflage des wunderbar umfassenden Nachschlagewerkes von Sabine Krist Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle:

  • Basilikum
  • Calendula
  • Fenchel
  • Hanf
  • Johannisbeere
  • Johanniskraut
  • Kaffee
  • Kakao
  • Karotte
  • Kokos
  • Koriander
  • Krambe (Crambe abyssinica, Meerkohl)
  • Kroton (Croton tiglium, C. penduliflorus)
  • Kümmel
  • Lorbeer
  • Muskat
  • Niem
  • Perilla
  • Petersilie
  • Pfeffer
  • Pinie (Pinus pinea, pinaster, sylvestris)
  • Schwarzkümmel
  • Tabak
  • Zedernuss (Pinus sibirica, Sibirische Zirbelkiefer)

Im riesigen und vielfältigen Fette-Öle-Angebot von Maienfelser Naturkosmetik findet man neben einigen der oben erwähnten Öle beispielsweise auch fette Öle aus den winzigen Kernchen der Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Cranberrys, Holunderbeeren, Passionsfrucht und Kiwis, auch aus dem Inneren von Kirschkernen, Pfirsichkernen, Pflaumenkernen (mit herrlichem Duft nach Amaretto) und Zitronenkernen, dazu Samenöle aus Brokkoli (als „Silikonersatz“ in der Haarpflege ideal), Gartenkresse, Gurke, Kopfsalat, Radieschen, Rucola, Tomate und Zucchini. Dort gibt es auch die zwei wunderbaren vegetarischen Omega-3-„Bomben“ aus Chiasamen (eine Salbeiart) und Perillasamen (auch Shiso genannt, ein Würzkraut aus der japanischen Küche). Prima ist, das viele dieser Produkte in ausprobier-freundlichen Flaschengrößen von 20ml angeboten werden.

PS. Wir hatten aufgrund des Orkans ‚Darwin“ einige Tage und Nächte weder Strom, noch Wasser (Tiefbrunnen-Pumpe benötigt Strom), noch Heizung (springt nur mit Strom an); das Internet funktioniert bislang nur zwischendrin mal und Telefon geht bereits seit dem vorletzten Sturm (von den zehn mehr als außergewöhnlich heftigen Winterstürmen in dieser Saison, hier eine Schilderung wie es uns derzeit ergeht) nicht. Bei Anfragen nach Kursen also bitte eher Mail schreiben als anrufen! Danke!

schatzkästchen und duftorgel


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieEigentlich wollte ich schon längst einen „richtigen“ Artikel schreiben, doch es kam immer etwas dazwischen, er liegt jetzt angefangen im Archiv. Dann wollte ich euch kurz ein wunderbares Buch vorstellen, für das ich einen großen Beitrag über wissenschaftliche Studien verfasst habe und das demnächst erscheinen wird – ich kann es kaum erwarten. Dessen Cover sollte ich eigentlich schon längst bekommen haben, um es euch zu zeigen. Aber auch bei der Buchherstellung kommt erfahrungsgemäß meistens etwas dazwischen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieSo zeige ich euch nur ein paar Bilderchen eines schwer verstaubten Schatzkästchens, das mir in den Tiefen unseres gut gekühlten Gartenschuppens „über den Weg gelaufen“ ist. Ich bekam einst (circa 1986/87) von einer Wiesbadener Nachbarin einen mysteriösen Attachékoffer angeboten. Den hätte ein Bekannter ihr gegeben, da der Inhalt „zu alt“ sei.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDer wäre doch ‚was für mich. Beim Öffnen kam mir eine riesige Duftwolke entgegen. Das Schatzkästchen war offensichtlich sowas wie der Vertreterkoffer eines Parfüm-Rohstoffe-Fachmannes gewesen.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieAuch heute noch hat das geöffnete Teil alle Räume rund um unsere Veranda beduftet. Vor allem die diversen Galbanum-Fläschchen stechen zusammen mit einigen synthetischen Aldehyden deutlich raus.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieBesonders gefreut hatte ich mich über die größeren Mengen an Iriswurzel-Concréte, doch leider hat diese weiße kristallartige Substanz als erstes ihren Duft ab- und aufgegeben. Besonders gut und intensiv duften immer noch die Fläschchen mit Veilchenblätter-Absolue.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieFür jeden Duft gibt es ein Datenblatt, so erfährt man, welche Rohstoffe natürlichen Ursprungs ist, welche Düfte der Fantasie ihrer menschlichen Schöpfer entsprungen sind und welche Rohstoffe eine Mischung aus beidem sind. Ich habe übrigens ein nettes Interview auf der Duft-Community-Seite Osmoz mit dem Parfümeur Bertrand Duchaufour gefunden, der mal für die Herstellerfirma dieser Düfte gearbeitet hat.

Mit dieser Kiste kann ich mir ganz gut ein olfaktorisches Bild davon machen, wie lange bestimmte ätherische Öle haltbar sind bzw. gut riechen. Denn das Wort ‚Haltbarkeit‘ ist sehr relativ zu betrachten. ‚Leicht oxidiert‘ bedeutet nicht zwangsläufig ’schlecht geworden‘, sondern kann bei einem ätherischen Öl sogar bedeuten, dass die schmerzlindernde und keimtötende Wirkung erhöht ist. Jedoch geht dieser Wandlungsprozess meistens mit einer Verschlechterung der Hautverträglichkeit einher. Darum gebe ich in meinen Büchern lieber eine kurze Haltbarkeit von ätherischen Ölen an (beispielsweise Teebaum circa ein halbes Jahr nach Öffnen, Mandarine circa ein dreiviertel Jahr nach Öffnen), damit die Verträglichkeit auch auf empfindlichster Haut noch gewährleistet ist.

frühe duftblüten mit erhebender wirkung: osmanthus und skimmia


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIm dschungelartigen Park hinter unserem Gäste- und Seminarhaus blühen zwei unscheinbare Sträucher, deren betörender Duft nur bei näherer Betrachtung (und Beriechung) in die Nase springt, doch kein Mensch bemerkt sie derzeit, niemand vermutet trotz Frühlingsatmosphäre solche Naturparfüms im Februar-Garten. Der Osmanthusstrauch (Osmanthus fragrans) liefert ein natürliches Tee-Aroma für aprikosige und pfirsichartige Noten. Er kommt ursprünglich vermutlich aus China. [Die farbig hervor gehobenen Wörter sind übrigens aktive Links, welche zu mehr Informationen oder Bezugsquellen führen – für die LeserInnen, die immer mal wieder nachfragen 😉 ]

LeffingwellDer Namensbestandteil ‚Osm‚ hat mit ‚Riechen‘ zu tun (Osmologie, die Lehre des Riechens) und ‚anthus‚ bedeutet ‚Blüte‘, es handelt sich also um den „Duftblüten-Strauch“ (bei uns hier in Irland gibt es fast nur die Art Osmanthus delavayi, sie hält etwas Frost aus, die anderen Arten brauchen sehr viel Sommer-Wärme, können beispielsweise am Bodensee wachsen). Dieses Pflanzenparfüm, das aus Dutzenden von Duftmolekülen besteht, gehört zur Grundausstattung der (konventionellen) Parfümherstellung. Kürzlich habe ich die links abgebildete Analyse des Duftes bei der Parfüm-Rohstoffe-Seite Leffingwell gefunden, sie zeigt uns beispielhaft, wie komplex Blütendüfte sind, mit wie vielen Inhaltsstoffen wir in der Aromatherapie zu tun haben. Absolues sind aufgrund des Gewinnungsverfahrens komplexer zusammengesetzt als Destillate, denn auch größere Moleküle werden aus dem Pflanzenmaterial gelöst. Ganze Orchester an fein duftenden Inhaltsstoffen beglücken also unser Nase, die ‚Mini-Moleküle‘, die unter einem Prozent vertreten sind, haben höchstwahrscheinlich eine starke Wirkung auf die Psyche, sind sie doch oft Lockstoffe, welche die Insekten betören. Die Anteile unseres „Insektengehirnes“ verstehen diese Sprache durchaus noch.

Ich liebe den fruchtigen Duft des kostbaren Absolues des Osmanthus ganz besonders, denn – wie ich erst als Erwachsene entdeckte – lieferte er eines der prägenden Aromen meiner Kindheit in Brasilien. Ich suchte Schatten und spielte unter so einem sehr großen und ausladenden Baum mit meinen Geschwistern, den ich rückblickend eher als eine riesige breitkronige Eiche oder Kastanie einschätzen würde. Das Absolue ist eine psychoaromatische Rarität, das stimmungsaufhellend wirkt, der Fantasie Flügel verleihen kann, Leichtigkeit vermittelt und irgendwie eine Prise farbenfrohen Schillerns in Mischungen hineinzaubern kann. Der ungewöhnliche Duft passt hervorragend zu Vanille, Tonka und fruchtigen Zitrusnoten wie Grapefruit und Mandarine. Interessanterweise besteht Osmanthus-Duft aus circa einem Viertel Ionon, das ist das prägende Molekül des destillierten Irisduftes, der schillernde Regenbogen schwingt also deutlich mit. Zudem weist das auf eine antitumorale Wirkung hin. Auch der so gut verträgliche  stimmungsregulierende und antibakteriell wirksame ‚Lavendelalhohol‘ Linalool macht circa 25 Prozent des Duftes aus.

Das Motto dieses Öles in der Psycho-Aromatherapie kann lauten: Ich wandle fröhlich, unbeschwert und inspiriert auf kreativen Pfaden. Bei Maienfelser erhält man übrigens ein Osmanthusblütenwasser (Hydrolat) und bei Oshadhi gibt es ein wundervolles Attar of Osmanthus (Osmanthusblüten in Sandelholzöl hinein destilliert), das ich bereits seit circa 20 Jahren besitze, es ist sozusagen „ewig“ haltbar. In dieser Baumschule kann man übrigens eine Pflanze bestellen, Samen gibt es hier.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDer zweite „unauffällige“ momentane Blüher hier in Südwest-Irland ist der Skimmiastrauch (Skimmia japonica) aus der Familie der Zitrusgewächse (Rutaceae), dessen weiße Blüten ‚maiglöckiger‘ duften als Maiglöckchen-Blüten. Das ätherische Öl wird allerdings aus den Blättern des im Himalaja beheimateten Strauches (Skimmia laureola)  gewonnen, es duftet eigenartig grün-harzig-minimal-zitrusartig und ist meines Wissens nach nur bei Maienfelser erhältlich. Es enthält gut 55 Prozent Linalylacetat (der entkrampfend wirkende Monoterpen-Ester aus Lavendel), dazu 17% zweier unterschiedlicher Geijeren-Verbindungen, 2,5% Geranylacetat 2% Geraniol sowie etwas Nerol und Citronellol (hier ist eine GC-Analyse zu finden). Das seltene Öl könnte also für antibakteriell wirksame Maßnahmen eingesetzt werden. Den Strauch haben übrigens viele Menschen im Kübel an der Haustür stehen oder wegen der giftroten Beeren auch im Wohnzimmer, allerdings braucht man dafür je ein männliches und ein weibliches Exemplar, da die Pflanze zweihäusig ist. (Abbildung Tabelle links: Leffingwell)

PS Vielen Dank übrigens für die vielen Kommentare und E-Mails zum Beitrag über den ethischen Umgang mit ätherischen Ölen. Da möglicherweise seitens der Eurokraten noch mehr Naturdüfte als Allergene als jetzt schon eingestuft oder gar verboten werden sollen, ist eine risikoarme Verdünnung von ätherischen Ölen (unter 3 Prozent) wichtiger denn je!

eine etwas andere bohne: tonka


Aromatherapie-Kurse Eliane ZimmermannIch verwende Tonkaabsolue (Dipteryx odorata, bei meinen Lieblingsfirmen extrahiert mit Trinkalkohol=Ethanol) das ganze Jahr über, doch in der Adventszeit kommt man nicht drumherum, über diesen traumhaft vanillig-karamelligen Duft zu schreiben. Nachdem dieses fast verbotene Gewürz (der wichtigste Inhaltsstoff verursacht bei Ratten bereits in kleinen Mengen extreme Blutgerinnungsstörungen, jedoch NICHT beim Menschen, wie man inzwischen weiß) wieder in Leckereien verarbeitet wird (ich schrieb hier darüber), kann man mit besserem Gewissen die Anwendung in selbst gemachtem Weihnachtsgebäck empfehlen. Mit viel Freude las ich kürzlich im wunder-wunder-wunderschönen Backbuch Die wunderbare Welt von Fräulein Klein einer inspierenden Bloggerin, dass auch die junge Generation von dieser zauberhaften und stimmungsaufhellenden Zutat weiß.Fräulein_Klein

Noch vor dem zweiten Weltkrieg gehörte die Tonkabohne in die (weihnachtliche) Küche – genau wie die Muskatnuss. Ein Stollen ohne dieses waldmeisterartig schmeckende Gewürz war wie Glühwein ohne Zimt und Nelke. Eine Prise der schrumpeligen südamerikanischen Samen sorgt für tolle vanilleähnliche Würze und wirkt gegen den Dezember-Blues. Tabak wird seit uralten Zeiten damit aromatisiert, der berühmte deutsche Entdecker und Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 -1859) berichtete, dass man in Caracas (Venezuela) die Wäsche damit beduftete. Der bis zu 25 Meter hohe, robinienartige Tonkabaum [Dipteryx odorata (Aubl.) Willd.] wächst im feuchtwarmen, gemäßigten Klima des nördlichen Amazonas in Brasilien, Guayana und Venezuela. Er kommt auch in Nigeria vor und ist ein Verwandter von Erbse und Bohne, gehört also in die Familie der Fabaceae (Hülsenfruchtgewächse).
Wenn die Früchte reif sind, werden sie 24 Stunden in Alkohol (z.B. Rum) eingelegt und anschließend getrocknet. Ich wollte mal von einer deutsch-brasilianischen Freundin einige der sehr keimwilligen Samen per Post geschickt bekommen, um sie in meinem durchaus mild temperierten Duftgarten (oder im Gewächshaus) zu ziehen, doch sie ließ mich wissen, dass es sehr streng verboten sei, keimfähige Ware außer Landes zu bringen!
Nach dem alkoholischen Vollbad werden die braunen Samen fermentiert und werden schwarz, dann steigt der Cumaringehalt auf circa 10 Prozent. Dieser Stoff liegt als 2-O-(β-D-Glucosyl)cumarsäure in der Pflanze gylcosidisch gebunden vor, also sozusagen an ein Zuckermolekül gekettet. Dieses Glykosid wird während des Trockungs-und Welkprozesses unter dem Einfluss einer Glukosidase gespalten und die freie Cumarsäure zyklisiert anschließend zum Lactonring des Cumarins. Cumarin (2H-1-Benzopyran-2-on) ist ein zyklisches Lacton und wurde bereits 1822 aus den Tonkabohnen isoliert. Es ist in kleinen Spuren in diversen Lebensmitteln (Aprikosen/Marillen, Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen) und heimischen Kräutern (Salbei, Dill, Kamille) und auch im Lavendel (-Absolue) enthalten [Loew D, Koch E: Cumarine – Differenzierte Risikobetrachtung mit dem Beispiel eines pflanzlichen Arzneimittels. Zeitschrift für Phytotherapie 2008; 29: 28–36 und Differenzierte Risikobetrachtung: Cumarine in pflanzlichen Arzneimitteln, von Dieter Loew, Hermann Hauer und Egon Koch. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 07/2009].

Eliane Zimmermann AromatherapieWährend der Fermentation entwickelt sich also der köstliche Cumarinduft nach Waldmeister und gemähten Almwiesen. Wer Tonkabohnen besitzt, kann das weißliche auskristallisierte Cumarin in den „Falten“ erkennen. Doch dieser Stoff, ein Phenolabkömmling, welcher vom portugiesischen volkstümlichen Namen der Bohne ‚Cumarú‘ abgeleitet wurde, war den Gesetzgebern schon sehr früh ein Dorn im Auge und wurde lange Zeit in Lebensmitteln verboten. Er kann – zumindest im Tierexperiment und sicherlich bei Überdosierung in synthetisch-isolierter Form, bei kontinuierlicher Anwendung Leberschäden bis hin zu Leberkrebs verursachen. Ein ähnliches Problem wie die derzeit immer wieder angeprangerten Zimtsterne mit chinesischem Zimt, der auch Cumarin enthält (dazu gibt es seit September eine aktualisierte Stellungnahme vom BfR).
Das witterungsbeständige rotbraune Holz wird übrigens als Cumaru gehandelt und im Schiff- und Terrassenbau eingesetzt. In Brasilien wird die gemahlene Bohne als Hausmedizin bei Darmkoliken und Menstruationsschmerzen eingesetzt, Indianer aus der Region der Tonkabäume verwenden den alkoholischen Extrakt bei Migräne undMagenschmerzen. In der deutschen Aromatherapie werden schmerz- und krampflindernde Mischungen mit etwas Tonkaextrakt angereichert, insbesondere bei der Behandlung von „aussichtslosen“ Krankheiten, um gleichzeitig die Stimmung der Betroffenen etwas aufzuheitern.
Doch zurück zum Weihnachtsgebäck: eine Prise Tonkabohne (sie wird wie eine Muskatnuss auf feiner Reibe gerieben) oder drei bis fünf Tropfen alkoholischer Tonkaextrakt pro 2,5-kg-Stollen darf man getrost als ungefährlich betrachten. Wenn man zu hoch dosiert, schmeckt’s bitter, die Pflanze sagt uns also selbst, wie hoch man gehen darf. Alle Rezepte, in denen (künstliches) Bittermandelaroma vorkommt, können von Tonkaextrakt profitieren, Mohn-, Kokos- und Nusszubereitungen auch. Wer noch das (vergriffene) schöne Buch von Monika Werner „Ätherische Öle“ aus dem G&U-Verlag hat, findet ein Stollenrezept auf Seite 168 und 169. Sie beschreibt darin so nett, wie sie jedes Jahr bei Herrn Trautner, einem Konditor in München, ihren ganz besonderen Weihnachtsstollen kaufte, bis er sein Geschäft altersbedingt aufgab und ihr, nachdem sie all ihren Charme spielen ließ, das Rezept übergab. TonkagewürzSie bekam dazu ein mit einem Pulver gefülltes Glas, welches das Geheimnis seines besonderen Stollens enthielt: geriebene Tonkabohne. Das vergessene Gewürz, das auch zum Aromatisieren von feinen Tomatensoßen geeignet ist, war damals so gut wie nicht erhältlich. Heute bekommt man oft preiswerte Tonkabohnen zum Räuchern, diese sind aber nicht unbedingt zum Verzehr geeignet (jedoch als Talisman im Geldbeutel, sie sollen nach brasilianischem Volkglauben dafür sorgen, dass das Geld nie ausgeht). Besser, man kauft sie bei einem Gewürzhändler oder bestellt sie hier. Tonkaextrakt ist in den letzten Jahren sehr teuer geworden, man kann ihn auch kinderleicht selbst herstellen (noch ist Zeit, um so ein Geschenk herzustellen):

  • 50 ml hochprozentiger Alkohol (Rum, Wodka oder ganz geschmacksneutral: Bio-Ethanol)
  • 4-5 Tonkabohnen, evtl leicht angestoßen

in ein Braunglas (Apotheke) geben und drei bis vier Wochen ziehen lassen, danach durch Kaffeefilter seihen, pronto.

PS Hier noch eine wichtige Erläuterung zur häufig gestellten Frage nach Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten von Dr. Erwin Häringer, Arzt für Naturheilkunde in München: Das 7 Dihydroxy-cumarin hat keine Interaktion mit anderen gerinnungshindernden Medikamenten (Marcumar, Warfarin etc.); beim Nagetier und Hund entstehen unter epoxidbildung reaktive Aldehyde, die bei diesen Tieren und nur bei ihnen! leberschädigend wirken. Abbildungen dazu im guten Artikel von Loew in der Zeitschrift für Phytotherapie (siehe Link oben). Danke!

PPS Sabrina hat auch über Tonka & Co geschrieben, vor allem über ihre Kuschelzucker-Rezeptur, hmmmm, hier geht’s zum Artikel.