der jubiläumskongress der ÖGwA


ÖGwA_Kongress_2017_TaschenDie Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie feierte im vergangenen Monat in Wien ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Kongress. Am Samstag, den 4. März, trafen sich im Europahaus zahlreiche Koryphäen der wissenschaftlich orientierten Arbeit mit ätherischen Ölen.

Da ich nicht anwesend sein konnte, bat ich meine liebe Kollegin Christine Steiner, die in Wien zu Hause ist und dadurch einen Heimvorteil hatte, für uns die spannendsten und neuesten Erkenntnisse zu notieren:

Univ. Prof. Dr. Johannes Saukel sprach über pharmakognostische Grundlagen der Verwendung von Aromen natürlichen Ursprungs in der Aromatherapie. Er beleuchtete die Vielfalt der Aromastoffe aus dem Pflanzenreich und bot einen Einblick in die chemischen Stoffklassen, denen die unterschiedlichen Aromen zugeordnet werden.

Evelyn Deutsch-Grasl sprach über ‚Aromapflege am Puls der Zeit‘ und rief im Sinne einer zukunftsorientierten, ganzheitlichen Betrachtung mit ihrem Vortrag zur natürlichen Hautpflege auf. Sie spannte den Bogen von den grundlegenden Aufgaben der Haut bis zur gesunden Erhaltung und Stärkung dieser unserer Schutzhülle mit vielfältigen Funktionen. Besonders kam in ihrem Beitrag die Wichtigkeit der professionellen Berührung im Rahmen der Pflege zum Ausdruck.

Dabei erläuterte sie, welche entscheidende Rolle hierbei qualitativ hochwertige fette Öle spielen, da diese die regulationsphysiologischen Prozesse unterstützen. Sie arbeitete die enorme Wichtigkeit heraus, bei bettlägerigen Menschen die Pflege mit natürlichen Produkten verstärkt in den Fokus des pflegerischen Handelns zu rücken. Denn deren Haut ist oft durch verabreichte Medikamente bzw. durch verschiedene Erkrankungen in höchstem Maße strapaziert.

Sie nannte das erfolgreiche Beispiel, zur prophylaktischen Mundpflege vor einer Chemotherapie verdünntes Sanddornöl in die pflegerische Maßnahme einzubauen. Denn seit vielen Jahren gibt es inzwischen die Erfahrung, dass auf diese Weise Mukositis der Mundschleimhaut wesentlich verringert werden kann, so dass die oft geschwächten PatientInnen weiterhin ohne starke Schmerzen Nahrung zu sich nehmen können. Ebenso erläuterte sie, dass Kanuka und Manuka bei Strahlentherapie-induzierter Mukositis deren Beginn verzögert, auch kommt es laut der entsprechenden Studie zu weniger Schmerzen und weniger Gewichtsverlust in Folge.

Aber nicht nur bei bettlägerigen Menschen ist die natürliche Hautpflege von immenser Bedeutung, so gibt es auch Erkenntnisse, dass Babymassage mit Kokosfett bei Frühchen die Hautintegrität fördert und es somit zu weniger nosokomialen Infektionen („Krankenhausinfektion“) kommt. Auch zur atopischen Dermatitis gibt es eine Studie, derzufolge Kokosöl und Olivenöl antibakteriell und weichmachend wirkten und die Haut somit weniger durch Trockenheit und die daraus resultierenden Probleme strapaziert ist.

ÖGwA_Kongress_2017_Buchbauer

Gerhard Buchbauer und Evelyn Deutsch

Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Gerhard Buchbauer sprach über die vielfältigen Wirkungen einiger Inhaltsstoffe ätherischer Öle. Aus einer Ätherische-Öl-Pflanze wird seltener das ätherische Öl gewonnen, sondern es werden pharmazeutisch hoch aktive Extrakte hergestellt, also Phytotherapeutika. Dieser Johanniskrautextrakt kann stark in den Metabolismus des Menschen eingreifen und ungünstige Wechselwirkungen hervorrufen. Er kann beispielsweise die Wirksamkeit der Antibaby-Pille reduzieren (wobei dieses Thema nicht abschließend geklärt ist), sowie von Antikoagulantien und auch von Medikamenten, die zur lebenswichtigen Verhinderung von Abstoßreaktionen bei Spenderorganen gegeben werden. In diesem Fall kann es bedrohlich sein, wenn dies unkontrolliert passiert.

Der Haupt-Inhaltsstoff Anethol im Anisöl interagiert mit Codein derart, dass die schmerzreduzierende Wirkung dadurch gesteigert wird. Bitterorangenöl hemmt beispielsweise das P-Glycoprotein bei Verabreichung von Dextromorphan in Hustenstillern. Hier wurde eine vierfache Verzögerung des Abbaus und somit ein vierfacher Anstieg der Bioverfügbarkeit und somit Wirksamkeit des Arzneistoffes festgestellt.

Weiters führte Dr. Buchbauer aus, dass +(-)Limonen die Gluthation-S-Transferase fördert und somit die Apoptose einleiten kann (der natürliche programmierte Zelltod einer jeden Zelle unseres Körpers) – was sehr vielversprechend in der onkologischen Therapie ist.

Er berichtete von der Chamomilla recutita, welche das Enzym Cytochrom P450 (wichtig zum Um-und Abbau bestimmter Medikamente) hemmt und schilderte einen Fall, wo eine Dame, welche Blutverdünnungsmittel nehmen musste und plötzlich innere Blutungen bekam. Es stellte sich heraus, dass die Dame täglich gerne mehrere Tassen Kamillentee genoss und Hautpflegeprodukte mit Kamille liebte. Die Wirkstoffe der Kamille hemmten die Enzyme, die das Medikament abbauen sollen und so kam es zu einer extremen Anreicherung mit den Nebenwirkungen.

Die Wirkung von Midazolam, ein Mittel zur Narkosevorbereitung und Sedierung wird durch gleichzeitige Verabreichung von Pfefferminze gefördert und verlängert.

Bei einer Antibiotikabehandlung sehen naturgemäß die Bakterien dieses als Fremdstoff und bilden Beta-Lactamasen, welche die Wirkung der Antibiotika verhindern. Ätherische Öle hemmen die Produktion der Beta-Lactamasen und unterstützen somit die Wirkung von Antibiotika. Als Beispiel nannte er Cefazolin, welche unter gleichzeitiger Anwendung von Lavendelöl eine verstärkte Wirkung gegen MRSA aufweist. Rosmarin bildet mit Ciprofloxacin zusammen eine erfolgreiche Synergie gegen Klebsiella pneumoniae (Lunge, Urogenitaltrakt). Bei Candida albicans erwies sich die Kombination aus Nystatin und den ätherischen Ölen von Oregano, Teebaum und Rosengeranie als hochwirksam.

Bakterien kommunizieren chemisch  über Pheromone (Quorum sensing) und bilden so einen Biofilm, eine dünne Schicht auf anorganischen (beispielsweise Intubierungsschläuche) und organischen Oberflächen (Haut, Schleimhaut). Dieser Film bildet die Lebensgrundlage der Bakterien und erhöht deren Ausbreitung und Schwarmbeweglichkeit, somit sind Behandlungen erschwert. Ätherische Öle agieren als natürliche Quorum Sensing-Inhibitoren (z.B. Linalool, Terpen-4-ol, Geranial, Neral, Farnesol), sie stören die „Manöver-Absprachen“ der Krankheitskeime erheblich.

ÖGwA_Kongress_2017_Buchmayr

Bärbl Buchmayr im Open Space

Prof. Mag. pharm. Dr. Walter Jäger ging in seinem überaus lebendigen und kurzweiligen Vortrag auf den Einfluss der Wirksamkeit von Resorption, Verteilung, Metabolismus und Ausscheidung bei Terpenen ein. Er zeigte eine Aufstellung, mit welcher Geschwindigkeit Hydrocortison an verschiedenen Körperstellen über die Haut resorbiert wird:

  • Unterarm 1
  • Fußsohle 0,14
  • Rücken 1,7
  • Achselhöhle 3,6
  • Kopfhaut 3,5
  • Stirn 6
  • Hinterohrregion 13

Er merkte an, dass damit bestätigt sei, warum viele Frauen sich Parfum hinters Ohr geben – weil es schneller „reingeht“.

Ebenso erläuterte er, dass die Verteilung eines Stoffes im Körper sehr unterschiedlich ist – manche Regionen weisen eine 200 mal höhere Konzentration auf, als andere Körperstellen. Auch die Ausscheidung von Stoffen ist sehr unterschiedlich und somit deren Wirk-Zeitfenster – er brachte das Beispiel von Aspirin bei Kopfschmerzen  – die Wirkdauer beträgt hier nur etwa 2 Stunden.

Auch Dr. Jäger ging kurz auf die antitumorale Wirkung des Inhaltsstoffes d-Limonen ein – dieser ist in vielen ätherisches Öle enthalten, insbesondere in Zitrusschalenölen – und erläuterte eine Studie, die belegte, dass 12 Kapseln zu je 8g Tumorzellen bekämpften. Er berichtete zudem, dass Oreganoöl als ein natürliches „Antibiotikum“ bei Harnwegsinfekten interessanterweise keinen Nachweis von Thymol oder Carvacrol im Harn zeigt. Ausserdem sei generell zu sehen, dass der Spiegel von Stoffen im Harn bei Menschen mit hohem Body Mass Index geringer ist, als bei Menschen mit weniger Fettanteil, weil offenbar die Stoffe im Fettgewebe gespeichert werden und somit der Übergang in Blut und Harn geringer ist.

Univ.-Prof. PD Mag. pharm. Dr. rer. nat. Dr. phil Sabine Krist sprach über flüchtige Verbindungen in kaltgepressten pflanzlichen Fetten und Ölen – eine Tatsache die weniger bekannt ist. So finden sich z.B. Hexanal, 2-Pentylfuran, Terpene (alpha-Pinen, Limonen und viele weitere), kurzkettige Alkane und Monocarbonsäuren in kaltgepressten Fetten und Ölen. Neben der Tatsache, dass diese zum charakteristischen Aroma und Geruch der pflanzlichen Fette und Öle beitragen, können diese unter Zuhilfenahme modernster analytischer Techniken zur Entdeckung von Verfälschungen beitragen. So brachte sie das Beispiel, dass Mohnöl sehr oft mit Sonnenblumenöl verschnitten ist. Aufgrund der ähnlichen Fettsäureverbindungen ist selbst für hochgeschultes Personal dieser Schwindel erst ab ca. 40% Sonnenblumenölzugabe erkennbar!

ÖGwA_Kongress_2017_Steflitsch

Wolfgang Steflitsch

Mag. Dr. rer. nat. Elisabeth Oberzaucher referierte über das spannende Thema „Der Mensch ist doch ein Nasentier – geruchliche Kommunikation beim Menschen“. Pheromone, wichtige Geruchsbotenstoffe sind wichtige nonverbale Kommunikationsmittel zwischen uns Menschen. Hier ist zu unterscheiden, zwischen Stoffen, wir unsere Körper selbst produziert und jene Geruchsstoffe, die als Stoffwechselprodukte von Hautparasiten entstehen. Erst durch enzymatische Aktivität von Bakterien entstehen die männlichen Pheromone Androstenon und Androstenol. Allerdings können sich nicht alle Bakterien gleichermassen ansiedeln, dies hängt von Immunsystem jedes Einzelnen ab, was verdeutlicht, dass Parasiten, die vom Immunsystem erkannt werden, infolgedessen erfolgreich bekämpft werden können und somit im Spektrum dieses Menschen keine Chance haben und daher im „Bukett“ fehlen. Dies wiederum erklärt, dass das Körpergeruch eines Menschen sehr stark an das Immunsystem gekoppelt ist.

Weibliche Pheromone kommen z.B. im Schweiß und im Vaginalsekret vor. Zur Zeit des Eisprunges werden auch weniger attraktive Frauen durch die im Sekret enthaltenen Copuline von Männern als äußerst attraktiv empfunden. Androstenon verleiht Aggressivität und Männlichkeit, soll andere Männern einschüchtern und auf Frauen stark und verlocken wirken. Frau Dr. Oberzaucher sprach die zwielichtigen Pheromonparfums an, die unter Umständen sich gegen den Verwender selbst richten können. Denn der „beduftete“ Anwender setzt sich selbst der größten „Einschüchterungsdosis“ aus, hat somit selbst den höchsten Androstenonspiegel hat und ist dann im „Erfolgsfall“ nicht mehr wirklich „handlungsfähig“ 😉  Bei Frauen steigert Androstenon die Fruchtbarkeit und reguliert den Zyklus. Aber nicht nur Frauen, auch homosexuelle Männer werden von Andostrenon angezogen. Auch ein Geschäftszweig soll sich der einschüchternden, dominanten Wirkung von Androstenon bedienen: So erzählte Frau Dr. Oberzaucher, dass Inkassobüros ihre Forderungsschreiben an Kunden mit Androstenon besprühen. Derart präparierte Rechnungen werden angeblich eher bezahlt! Mittlerweile wenden dies angeblich auch schon andere Firmen bei der Ausstellung von Rechnungen an.

Damit dies alles überhaupt funktioneren kann, wirken Pheromone bereits unterhalb der bewußten Wahrnehmungsschwelle. Vermutlich würde man sonst aufgrund des zuweilen ekelhaften Geruches dieser Stoffe in höheren Konzentrationen diese auch gar nicht aushalten können.

Auch erklärte Frau Dr. Oberzaucher die bekannte Tatsache, dass Menschen vordringlich sich Partner mit einem unähnlichen Körpergeruch unbewusst suchen, um den Nachfahren ein breiteres Genspektrum zu bieten. Dieses stattet den Menschen mit einem möglichst variablen Immunsystem aus, welches die Fähigkeit, auf parasitäre Störungen zu reagieren, verbessert. Aber dem gegenüber steht dann doch wieder die Tatsache, dass gleich und gleich sich gern gesellt, weil ein gewisses Maß an Ähnlichkeit von Gerüchen als attraktiv empfunden wird. Bei der Ähnlichkeit wird z.B. die Ebene der Alltagstauglichkeit einer Partnerschaft angesprochen, ein harmonisches Miteinander. So kann umrissen werden, dass sich die Partnerwahl im Spannungsfeld zwischen „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“ abspielt. Diese einander entgegenwirkende Kräfte haben im Laufe der Evolution eine Präferenz für ähnliche, aber nicht zu ähnliche Körpergerüche entwickelt, sodass optimalerweise ein genetisch komplementär zum eigenen ausgestattetes Immunsystem das Ziel ist.

ÖGwA_Kongress_2017_Dorfinger

Gerda Dorfinger

Der Kongress bot am Nachmittag den Teilnehmern dann auch noch die Möglichkeit im Rahmen eines OPEN SPACE sich verschiedene Stationen anzuschauen. Es wurden folgende Möglichkeiten geboten:

Ätherische Öle und Mikrobiologie – Frau Dr. Gerda Dorfinger brachte den Teilnehmern das Aromatogramm näher. Die TeilnehmerInnen konnten gezüchtete Kulturen unter dem Mikroskop betrachten und unterschiedliche Erreger sehen.

Frau Mag. pharm. Dr. Barbara Nasel ging auf das Thema „Düfte für Kinder“ ein.

Über „Psychodynamische Wirkmechanismen ätherischer Öle“ konnten man bei Frau Mag. pharm. Dr. rer. nat. Iris Stappen etwas erfahren.

Herr Dr. med. Wolfgang Steflitsch zeigte live Reflexzonentherapie am Fuß.

Bärbl Buchmayr zeigte sehr praxisnah, wie man eine „Duftende Ölkompresse“ bereitet und anlegt.

Wer mehr über die wichtige Arbeit der ÖGwA erfahren möchte, kann sich auf deren Website (klick!) informieren. In Zeiten, in denen jeden Tag mehr wissenschaftliche Erkenntnisse rund um ätherische Öle verdreht oder gar negiert werden (beispielsweise die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe), in denen völlig unkritische Menschen mit erfundenen „Fakten“ und unsachgemäß durchzuführenden Anwendungen angeworben werden, um den schnellen Euro zu machen, können von den Wissenschaftlern dieses Verbandes seriöse Antworten erhalten werden.

Danke für diesen kurzweiligen Bericht, liebe Christine! Wer in Wien eine verantwortungsvolle Beratung rund um ätherische Öle sucht, ist bei der „ewig“ erfahrenen Autorin dieses Berichtes, Christine Steiner, bestens aufgehoben, ein Blick auf Ihre Website (klick!) verrät mehr.              Alle Fotos: ÖGwA

Edit: In der ursprünglichen Version dieses Artikels bezogen sich die Wechselwirkungen des Johanniskraut auf das ätherische Öl. Das ist nicht korrekt. Die Wechselwirkungen entstehen bei hochkonzentrierten Extrakten aus Hypericum, also bei der Einnahme von Phytopharmaka mit hoch dosierten Johanniskrautauszügen. Diese unerwünschten Wirkungen entstehen NICHT bei der äußerlichen Anwendung von Johanniskrautölmazerat (Rotöl). Vielen Dank Dr. Häringer und Dr. Buchbauer für die Korrektur.

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auch darmkrebszellen reagieren auf riechmoleküle


RUB Duftforschung - neue Riechrezeptoren in menschlichen Hautzellen

Prof. Dr. Hatt ist regelmäßig ein spannend vortragender Gast auf Aromatherapie-Konferenzen, hier schnuppert sich durch Düfte

Regelmäßig hören wir von neuen Erkenntnissen vom kreativen Team von Zellphysiologen rund um Professor Hanns Hatt. Zusammen mit Dr. Lea Weber ging es um Darmkrebszellen, welche durch die Begegnung mit dem Riechstoff des Lisgusterstrauches anfangen zu schrumpfen (viele haben den Liguster zu Hause als Hecke, alle Harry Potter-Fans wissen, dass er im Ligusterweg 4 wohnt 😉 ) [im Dezember 2016 ging es hier um die Entdeckung dieses Teams von Wissenschaftlern, dass Caspaicin das Wachstum von Bruskrebszellen dämpft]. Die aktuelle Pressemeldung der Ruhr-Universität Bochum:

RIECHREZEPTOREN
Neue Angriffsziele in Darmkrebszellen entdeckt

Diese Ergebnisse aus der Riechforschung könnten zu einem weiteren Therapieansatz verhelfen.
Das Wachstum von Darmkrebszellen lässt sich mit dem Duftstoff Troenan bremsen. Das berichten Forscher um Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt und Dr. Lea Weber von der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift „PLOS One“. Die Wissenschaftler entdeckten in Tumorzellen aus dem Enddarm den Riechrezeptor OR51B4. Sie analysierten, welcher Duftstoff den Rezeptor aktiviert und wie sich die Aktivierung auf die Zellen auswirkt.

Das Team vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie kooperierte für die Studie mit der Abteilung für Molekulare Gastroenterologische Onkologie der Ruhr-Universität, die Prof. Dr. Stephan Hahn leitet. Die erforderlichen Gensequenzierungen führte das Team vom Cologne Center for Genomics durch.

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Die Blüte von Ligustrum vulgare

Blütenduft aktiviert Rezeptor
Riechrezeptoren wurden bereits in verschiedenen gesunden Geweben und Krebsgeweben nachgewiesen. Nun fanden die Bochumer Forscher den Rezeptor OR51B4 in großen Mengen in Darmkrebszellen. Sie identifizierten das Molekül Troenan als Aktivator für OR51B4. Es duftet nach Liguster, einer Strauchpflanze, die häufig als Hecke genutzt wird.

Im nächsten Schritt behandelten die Wissenschaftler Krebszellen der Zelllinie HCT116 und Tumorgewebeproben von Patienten mit Troenan. Das Ergebnis: Die Zellen wuchsen nicht mehr so schnell und bewegten sich langsamer als zuvor – ein Hindernis für die Bildung von Metastasen. Außerdem starben durch die Troenan-Behandlung vermehrt Krebszellen ab. In weiterführenden Experimenten mit Mäusen, die den menschlichen Tumor ausbildeten, konnten die Duftwirkungen inzwischen bestätigt werden.

Potenzieller Ansatz für Therapie
Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung, an der mehr als sechs Prozent aller Deutschen im Laufe ihres Lebens leiden. Bei dem in der vorliegenden Studie verwendeten Material handelte es sich um kolorektale Tumoren, die 95 Prozent der bösartigen Darmtumoren ausmachen und die häufigste Ursache für Todesfälle durch Darmkrebs sind. Die Heilungschancen, wenn Ärzte einen solchen Tumor chirurgisch entfernen, liegen bei 50 Prozent. Sie hängen entscheidend vom Krankheitsstadium ab, in dem der Darmkrebs entdeckt wird. Eine gezielte pharmakologische Behandlung gibt es bisher nicht, nur die allgemeine Chemotherapie.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Ergebnisse einen neuen Ansatz für die Darmkrebstherapie ermöglichen könnten“, sagt Hanns Hatt. Die Tumoren seien häufig vom inneren Hohlraum des Darms zu erreichen. „Daher ist denkbar, dass eine orale oder rektale Aufnahme den Duftstoff Troenan in den wirksamen Konzentrationen direkt an den Tumor bringen würde. Hierzu sind allerdings noch klinische Studien mit Patienten notwendig“, so Hatt weiter.

Die Originalveröffentlichung vom 8. März 2017 in PLOS One: Lea Weber, Klaudia Al-Refae, Juliane Ebbert, Peter Jägers, Janine Altmüller, Christian Becker, Stephan Hahn, Günter Gisselmann, Hanns Hatt: Activation of odorant receptor in colorectal cancer cells leads to inhibition of cell proliferation and apoptosis (hier kann sie gelesen und runtergeladen werden). Abbildung Prof. Hatt: Ruhr-Universität, Abbildung Liguster: Andrew Butko

aromapflege bei riechenden tumoren


Eukalyptusblüte

Eukalyptusblüten: Die Deckel einiger Kapseln öffnen sich

Kann man in der Palliativmedizin etwas gegen den üblen Geruch, den zerfallende Tumore abgeben, unternehmen? Gestern und heute lief mir diese Frage über den Weg, darum hole ich diesen sieben Jahre alten Blog-Artikel hoch. Betroffene, Angehörige und vor allem Pflegende leiden sehr unter Tumorgerüchen und fühlen sich gar abgestoßen. Die Belastung ist enorm, denn Geruchsekel gehört zu den ältesten Emotionen, die den Menschen vor Gefahren, vor Tod, Verwesung, gefährlichem Zerfall durch Mikroorganismen sollen. Der Mensch, der sowas riechen muss, ist ständig in Abwehrstress, das Unbewusste befindet sich im Alarm-Bereitschafts-Modus. Neben einer oder zwei breitflächigen Schalen mit Kaffeebohnen, die den Geruch ein wenig absorbieren und neutralisieren, könnte man eine ähnliche Mischung wie das unten beschriebene Fertigprodukt herstellen (lassen).

Diese Frage nach der Linderung von Tumorgerüchen wurde nämlich bereits wissenschaftlich beleuchtet, als sich vor circa 15 Jahren auch ein Team von Wissenschaftlern rund um PD Dr. Dr. Patrick Warnke von der Universität Kiel und der Bond University In Australien (Robina, Queensland) damit beschäftigten. Sie kreierten und testeten eine Ätherisch-Öl-Mischung namens Kielmix®. (Leider ist das Produkt nicht mehr auf der australischen hersteller-Seite gelistet, es scheint gänzlich aus dem Internet verschwunden).

Diese Mischung wurde von Medizinern auf stinkende Krebstumore gegeben. Die Idee war zunächst, einfach die Gerüche zu reduzieren, indem die Ausbreitung der Zerfallsbakterien eingedämmt werden sollte. Die erfreuliche Nebenwirkung war, dass die Wunden begannen, Zeichen von Heilung zu zeigen, der Bakterienbefall ging wirklich zurück (auch MRSA) und dass sogar bei einigen Patienten das Tumorwachstum sich verlangsamte. Kielmix® enthält laut Herstellerfirma:

  • Eukalyptusöl 136mg
  • Teebaumöl 131mg
  • Lemongrassöl 86mg
  • Zitronenöl 71mg
  • Gewürznelkenöl 73mg
  • Thymianöl 26mg
  • Ethanol (Weingeist) 347mg

Es wäre mit etwas mehr gesundem Menschenverstand und vor allem mit mehr Aufgeschlossenheit so einfach, in der heutigen Zeit einfach ein paar Labore zu bemühen, um diese Rezepturen und Fallbeschreibungen zu verifizieren, die Mischungen ggfs. den betreffenden Umständen anzupassen, sie beispielsweise mit Jojobaöl und Johanniskrautöl anzufertigen. So könnte man den betroffenen MENSCHEN wirklich helfen, ihre ohnehin oft höllenmäßig empfundene Situation besser zu ertragen. Welcher Mensch ist schon gerne pflegebedürftig und muss sich obendrein auch noch für eklige Ausdünstungen schämen… Die obigen ätherischen Öle sind übrigens allesamt preiswert, selbst wenn sie von hervorragender Quelle stammen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Lemongrass in Brasilien

[Stephan T. Becker, Eugene Sherry, Sureshan Sivananthan, Harald Essig, Jörg Wiltfang, Ingo N. Springer, Joachim Bredée, Patrick H. Warnke. Behandlung fötider Tumorulzerationen mit ätherischen Ölen (KIELMIX®) in der Palliativmedizin · Zeitschrift für Phytotherapie 06/2006] Probeheft dieser Fachzeitschrift aus dem Hippokrates Verlag: MVS Medizinverlage Stuttgart. Ein kleiner Bericht aus der renommierten Onkologie-Fachzeitschrift ‚Journal of Clinical Oncology‘ ist hier (in englischer Sprache) nachzulesen. Der gesamte Artikel in deutscher Sprache ist für knapp 30 britische Pfund hier online zu bestellen und runterzuladen.

Inzwischen haben Prof. Warnke und sein Team auch eine Reihe von ätherischen Ölen gegen diverse krankenhausübliche und antibiotikaresistente Bakterien- und Hefestämme durchgetestet und für eine preiswerte, effektive und „vielversprechende Kraft“ befunden. Sie testen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian (weiß ?), Lavendel, Zitrone, Lemongrass, Zimt, Grapefruit, Nelkenknospe, Sandelholz, Pfefferminze, Kunzea und Salbei  [Warnke PH, Becker ST, Podschun R, Sivananthan S, Springer IN, Russo P A, Wiltfang, J, Fickenscher H, Sherry E (2009). The battle against multi-resistant strains: Renaissance of antimicrobial essential oils as a promising force to fight hospital-acquired infections. Journal of craniomaxillofacial surgery, 37(7), 392-397

PS Wer ein kritisches, jedoch sehr lesenswertes  Buch eines Gynäkologen lesen möchte: Wirtschaftfaktor Brustkrebs von Prof. Dr. Franz Fischl der seine Ordination nach etlichen Jahren an der Uni Mainz in Wien (am AKH) hat.

schärfemolekül bremst wachstum von brustkrebszellen


RUB;  RiechforschungEinige Tage vor Weihnachten veröffentlichte ein Team um den sicher vielen meiner LeserInnen bekannten Professor Hanns Hatt der Ruhr-Universität Bochum folgende spannende Pressemeldung:

„Der Geschmacksstoff Capsaicin macht Peperoni scharf. Ein feuriges Geschmackserlebnis ist aber längst nicht die einzige Wirkung, die er auf den Körper haben kann. Capsaicin, ein Inhaltsstoff von scharfen Substanzen wie Peperoni oder Pfeffer, hemmt das Wachstum von Brustkrebszellen. Das berichtet ein Team um den Bochumer Duftforscher Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt und Dr. Lea Weber nach Experimenten an kultivierten Zellen. In der Zeitschrift „Breast Cancer – Targets and Therapy“ stellen die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum ihre Ergebnisse vor, gemeinsam mit Kollegen der Augusta-Kliniken Bochum, des Herz-Jesu-Krankenhauses Dernbach sowie dem Kölner Zentrum für Genomik.

Die Versuche erfolgten mit der Zelllinie SUM149PT, die ein Modellsystem für eine besonders aggressive Brustkrebsform ist, den Triple-negative-Typ. Für diese Krebsart ist die Chemotherapie derzeit die einzige mögliche Behandlung.

Besonders häufiger Rezeptor

In den kultivierten Zellen fand das Team eine Reihe klassischer Riechrezeptoren. Besonders häufig vertreten war aber vor allem ein Rezeptor, der sonst im fünften Hirnnerv, dem Nervus trigeminus, vorkommt. Er gehört zu den sogenannten Transient-Receptor-Potential-Kanälen und trägt den Namen TRPV1. Neben dem Schärfemolekül Capsaicin aktiviert auch Helional – ein Duft nach frischer Meeresbrise – diesen Rezeptor.

In Kooperation mit Privatdozentin Dr. Gabriele Bonatz vom Brustzentrum der Augusta-Kliniken Bochum bestätigte Hatts Team die Existenz von TRPV1 in Tumorzellen in neun verschiedenen Burstkrebsproben.

Krebszellen sterben ab

Die Forscher aktivierten den TRPV1-Rezeptor in Zellkultur mit Capsaicin oder Helional, indem sie die Stoffe für mehrere Stunden oder Tage zu der Kultur hinzugaben. Dadurch vermehrten sich die Krebszellen langsamer. Außerdem starben durch die Behandlung verstärkt Tumorzellen ab. Die überlebenden Zellen waren zudem nicht mehr in der Lage, sich so schnell zu bewegen wie zuvor; das lässt darauf schließen, dass sie im Körper schlechter Metastasen bilden könnten.

„Wenn wir den TRPV1-Rezeptor gezielt durch Medikamente anschalten könnten, könnte sich ein neuer Ansatz für die Behandlung dieser Krebsform ergeben“, sagt Hanns Hatt. Eine Aufnahme über die Nahrung oder durch Einatmen reicht dazu nicht aus.

Wirksam in Mäusen

Die Chemikalie Arvanil – chemisch ähnlich zum Schärfemolekül Capsaicin – hatte sich in früheren Studien anderer Gruppen bereits als wirksam gegen Hirntumoren bei Mäusen erwiesen; sie reduzierte das Tumorwachstum in den Tieren. Aufgrund zu starker Nebenwirkungen ist diese Substanz aber nicht für Menschen zugelassen. Neben Capsaicin und Helional aktivieren auch die körpereigenen Endovanilloide den TRPV1-Rezeptor.“

Die komplette Veröffentlichung: Lea V. Weber, Klaudia Al-Refae, Gerhard Wölk, Gabriele Bonatz, Janine Altmüller, Christian Becker, Günter Gisselmann, Hanns Hatt: Expression and functionality of TRPV1 in breast cancer cells, in: Breast Cancer – Targets and Therapy, 2016. © des Fotos: Ruhr-Universität Bochum

PS. Es kann noch zwei Tage an der Verlosung der drei kostbaren Roll-on’s der Firma Tazeka mitgemacht werden, zum Teilnehmen kann der ansprechendste Name der Roll-on’s  als Kommentar zum Verlosungstext (klick!) aufgeschrieben werden.

ätherische öle zur raucherentwöhnung


Pfefferranken_xs

Pfeffer (Piper nigrum) ist eine hitzeliebende Kletterpflanze

Nein, ich kenne keine Aromen für moderne Lösungen wie die E-Zigarette! Vielmehr möchte ich das Ergebnis einer kleinen wissenschaftlichen Pilotstudie vorstellen, welche von der wunderbaren Dr. Jane Buckle aus Großbritannien geleitet wurde. Ich werde sie übrigens in knapp 4 Wochen wieder life erleben, auf der Botanica2016-Konferenz in Brighton. Dort wird ein Zusammentreffen von zahlreichen, wirklich hochkarätigen Aromatherapie- und Phytotherapie-Fachleuten stattfinden, Infos zu den vielen Vorträgen und Workshops befinden sich auf der Website von Botanica2016.

An einer us-amerikanischen Universität wurden die ätherischen Öle des schwarzen Pfeffers und der Angelikawurzel auf ihre Wirkung untersucht, die Spitzen des dringenden Verlangens nach Nikotin bzw. Zigaretten abzumildern (in den meisten Glimmstengeln ist ja meistens noch allerlei Synthetikzeugs enthalten). Dafür machten die 20 ProbandInnen eine 2-minütige Trockeninhalation (auf einem Papiertuch), wann immer das Bedürfnis heftig wurde (Zigarette, Schnupftabak, Kautabak).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Das ätherische Öl der Angelika wird meistens aus den Wurzeln gewonnen, kann auch aus den Samen destilliert werden

Beide Öle ermöglichten ein verzögertes Greifen zum nächsten „Kick“, wobei Pfefferöl den „Yeaper“ besser reduzieren und kontrollieren konnte, Angelikaöl dagegen verhalf besser zu einer Verzögerung bis zum nächsten Nikotinschub. Die Folgerung der Autorinnen Barbara Cordell und Dr. Jane Buckle lautet: „Aromatherapie kann hilfreich beim Nikotinentzug sein“. [Cordell B, Buckle J: The effects of aromatherapy on nicotine craving on a U.S. campus: a small comparison study. J Altern Complement Med. 2013 Aug;19(8):709-13]

  • Das inzwischen sehr kostbare Angelikaöl gibt es beispielsweise bei Feeling (klick!) oder in Bio-Qualität bei Farfalla (klick!)
  • Pfefferöl gibt es auch bei Feeling und in Bio-Qualität bei Farfalla sowie bei fast allen guten Öleanbietern wie Primavera, Neumond, Wadi etc, siehe die Liste mit Links von Ölefirmen, mit denen ich zusammen arbeite(te).

Ich habe noch nie in meinem Leben auch nur einen Zug geraucht, doch ich kann mir vorstellen, dass ein Inhalierstift für dieses Ablenkungsmanöver besonders geeignet ist, weil bei Süchten meistens eine Ersatztätigkeit vorgenommen werden sollte. Der dufte Stift kann fast wie eine Zigarette gehandhabt werden. Sie sind erhältlich bei:

In ÖSTERREICH:

Feeling (klick!), das Dreierset (weiße Stifte) kostet 4,80 Euro. Hier lohnt sich die Bestellung, wenn man die seltenen und so überaus wohlriechenden CO2-Extrakte diverser Duftpflanzen kennen lernen möchte (Flieder, Kaffee, Ingwer, Lindenblüte, Basilikum etc). Und auch sonst alles, was die Aromapflege und Aromatherapie schön macht.

Die Rührwerkstatt (klick!) in der Nähe von Graz (Steiermark) liefert auch Inhalierstifte.

In DEUTSCHLAND:

Sabine Nachbauer Inhalierstifte (klick!) bietet neun unterschiedliche Farben und Großpackungen (für Kliniken etc). Warum nicht die entspannenden Düfte in blau oder grün verpacken und anregende Nuancen in rot, lila, rosa oder gelb? Ein Stift kostet 1,25 €, der 10er Pack 12,00 € und der Großpack (100 Stk) kostet 110,00 € (auch in gemischten Farben). Sabine wohnt zwar in Österreich, doch sie arbeitet jeden Tag in ihrem Duft-Studio (klick!) in Lindau und kann somit sowohl die deutsche Post als auch die österreichische Post mit entsprechenden Portogebühren bedienen.

inhalierstifte_bunt_glas_xsIn der SCHWEIZ:

In ihrem Online-Shop Allerlei Praktisches (klick!) bietet Margarete Fieguth-Jacot (klick!) aus Biel (nicht nur) Inhalierstifte in sieben Farben an, das Stück kostet 1 Schweizer Franken. Margarete ist offizielle Vertreterin von Aroma-Zone in der Schweiz, so dass man auch viele andere Dinge dieser französischen Firma ohne Zoll-Dramen bei ihr bestellen kann. Aus bürokratisch-steuerlichen Gründen (durch Umwandlung in eine Schweizer GmbH) kann Margarete übrigens keine Kunden in der EU mehr beliefern.

Mit Florentia (klick!) hat sich die schon sehr lange als Aromafachfrau tätige Sibylle Broggi-Läubli (klick!) aus Bern bereits 1996 einen Namen für handverlesene ätherische Öle und Zubehör gemacht. Nun führt sie auch Inhalationsstifte für 1 chFR das Stück. Die Bestellung lohnt sich bei ihr, wenn man einige sehr „exotische“ ätherische Öle kennen lernen möchte. Sie hat das bronchien-erweiternde Bischofskraut (Ammi visnaga) und auch das mega-seltene Kaffirlimetten-Petit Grain-Öl (es duftet ähnlich wie Lemongras). Und sie hat – yeah – mein geliebtes Zitronenmyrtenöl (Backhousia). Auch die drei immer seltener erhältlichen Öle von Eucalyptus staigeriana, destillierter Magnolienblüte und der super-feinen roten Myrte sind bei ihr erhältlich.

dufter lernen im schlaf mit rosen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieKurz vor dem Schlafen Lerninhalte zu wiederholen, galt schon lange als effektiv, man sprach ja gerne vom Schulbuch unter dem Kopfkissen, es sollte vor Klassenarbeiten eine gute Hilfe sein.

Nun hat sich die Wissenschaft eines weiteren Faktors des „Lernens im Schlaf“ angenommen: Wenn der Duft von Rosen in einer bestimmten Schlafphase eingeatmet wird, verbessert sich die Leistung des Gedächtnisse noch einmal. Dieser Versuch wurde an der Universität Tübingen mit ProbandInnen gemacht, die sich Memorykarten-Paare samt deren Position einprägen sollten, sie schnupperten beim Lernen Rosenduft. Anschließend gingen alle TeilnehmerInnen schlafen, die eine Hälfte bekam im Schlaf Rosenduft zu riechen, die andere roch ein Placebo.

Der Bericht von Dr. Susanne Diekelmann von der Uni Tübingen ist hier (klick!) nachzulesen, sie stellt fest: „In einer weiteren Studie mit Kernspintomographie führte die Präsentation des Rosendufts im Tiefschlaf zu einer Aktivierung des Hippokampus sowie kortikaler Bereiche. Der Geruch scheint also die neuen Erinnerungen zu reaktivieren und damit den Transfer der neu gelernten Inhalte in den kortikalen Langzeitspeicher anzustoßen.“ Foto: Antje Wendel

neues erinnert man anders, wenn es riecht forscher untersuchen das gedächtnis


NaseVon der Ruhr-Universität Bochum werden wir regelmäßig mit spannenden Erkenntnissen rund um das Riechen versorgt. Erst letzte Woche sah ich im deutschen Fernsehen, wie für einen Produkt-Test einer großen Schuhkette lange getragene Schuhe von Riechexperten auf den gespeicherten Geruch hin untersucht wurden, also mit der Nase beschnuppert. Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt wurde in diesem Zusammenhang zu neu gefundenen Geruchsrezeptoren befragt (eher gegen Ende der Sendung in der ARD). Wie überraschend, diese Signal-Empfangs-Organe riechen Käsegeruch 😉 .

Vor ein paar Tagen wurde eine Pressemeldung veröffentlicht, in der über neue interessante Vorgänge im menschlichen Gehirn, vor allem in der ‚Erinnerungs- und Riechzentrale‘ unseres Gehirns, dem Hippocampus, berichtet wird. Dieses kleine Nervenorgan ist auch eine der ersten Strukturen, die bei einer Alzheimer-Erkrankungen sozusagen kaputt gehen, das nicht mehr Riechen-Können kann also ein Indiz für diese und einige andere neurodegenerative Erkrankungen sein (muss aber nicht!).

Die im Folgenden zusammen gefassten Experimente an der Uni Bochum und an der Uni Düsseldorf untermauern meine Empfehlung, beim Lernen von umfangreichen Themen, wie etwa ‚Chemie der Düfte‘, Wirtschafts-Englisch, Physik-Klassenarbeit oder auch Theaterrollen unbedingt die Nase zu beteiligen und jedem Fach beim Pauken einen speziellen Duftmix zuzuordnen. Bei der Prüfung oder der Vorstellung hilft dieser Geruch dann, das betreffende gespeicherte Gedankengut besser „anzuzapfen“. Ein befreundeter Schauspieler und Regisseur, Peter Bamler, nutzt diese Erkenntnisse, um sich auf ganz unterschiedliche Stücke und Rollen vorzubereiten. Insbesondere wenn er parallel mehrere Projekte in sein Hirn dreschen muss, hilft die Begleitung mit Düften enorm. Doch lesen Sie selbst, was man nun in Bochum und Düsseldorf heraus gefunden hat:

‘‘ Die Nase denkt mit.
Unser Geruchssinn beeinflusst, wie unser Gehirn die Informationen über neuartige Objekte abspeichert. Ein bestimmter Bereich im Hippocampus spielt dabei eine besondere Rolle.

Aus Kinderspielzeug Versuchsobjekte gebaut
Wenn wir Neues kennenlernen, nehmen wir die Informationen darüber mit allen Sinnen auf. Wie das Gehirn diese Eindrücke abspeichert, haben jetzt Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersucht. Dabei bedienten sie sich einer besonderen Methode.

Mit einem Konstruktionsspielzeugsystem für Kinder kreierten sie neuartige Objekte, die den Probanden vorher nicht bekannt waren. So konnten sie untersuchen, wie die Testpersonen Objekte wahrnehmen, ohne die Ergebnisse durch vorherige Erfahrung zu verfälschen.

Geruchssinn ist wenig erforscht
Das Team um Prof. Dr. Boris Suchan von der Abteilung für klinische Neuropsychologie der RUB und Prof. Dr. Christian Bellebaum vom Institut für Experimentelle Psychologie der Heinrich-Heine-Universität ist besonders an der Rolle des Geruchssinns interessiert, da dieser im Vergleich zu anderen Sinnen noch wenig erforscht ist.

In der Trainingsphase zeigten die Forscher den Probanden verschiedene unbekannte Objekte und setzten gleichzeitig einen jeweils spezifischen Geruch frei. Zum Vergleich stellten sie den Testpersonen andere Objekte ohne Geruch vor. Die Probanden durften die Objekte anschauen, jedoch nicht anfassen.

In der anschließenden Untersuchung im Magnetresonanztomografen (MRT) mussten die Versuchspersonen auf Bildern erkennen, ob es sich um ihnen bekannte oder unbekannte Objekte handelt. Die Wissenschaftler beobachteten derweil, welche Regionen dabei im Gehirn aktiv waren.

hippocampus_Gray

Hippocampus integriert verschiedene Sinneseindrücke
„Die Analyse der Gehirnaktivität hat uns gezeigt, dass der rechte vordere Hippocampus stärker aktiviert ist, wenn die Objekte mit einem Geruch verbunden waren“, erklärt Suchan. Über die Ergebnisse berichten die Forscher in der Zeitschrift „Behavioural Brain Research“.

Als Schaltzentrale für Erinnerungen ist der Hippocampus an vielen Gedächtnisprozessen beteiligt. Die Studie zeigt, dass es innerhalb dieser Gehirnregion einen speziellen Bereich gibt, der involviert ist, wenn Erinnerungen an Gerüche verarbeitet werden.

Die Forscher vermuten zudem, dass an dieser Stelle auch die Informationen verschiedener Sinneseindrücke zusammengeführt werden. Ob dies nur für Sehen und Riechen gilt oder auch für andere Sinne, muss nun weiter erforscht werden.

Förderung
Mit der Frage, wie Sinneseindrücke im Gehirn abgebildet werden und zu Gedächtnis führen, beschäftigt sich seit 2010 der Sonderforschungsbereich (SFB) 874 an der Ruhr-Universität Bochum, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Die aktuelle Studie entstand im von Prof. Dr. Boris Suchan geleiteten Teilprojekt B8 des SFB 874, das sich mit der perzeptuellen Funktion des Hippocampus beschäftigt. ‘‘

Originalveröffentlichung. M. Ghio, P. Schulze, B. Suchan, C. Bellebaum (2016): Neural representation of novel objects associated with olfactory experience, Behavioural Brain Research, DOI: 10.1016/j.bbr.2016.04.013   Text: Annegret Kalus   ::   Abbildung Hippocampus: Henry Vandyke Carter, Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body

aromapflege bei der sterbe-begleitung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Blüte eines Bitterorangenbaumes, Citrus aurantium, daraus wird Neroli-Öl gewonnen

Bevor ich zum letzten Gegenstand in meiner ‚fliegenden Wundertüte‘ komme, muss ich noch kurz die Antwort auf eine Frage, die dieser Tage an mich gerichtet wurde, loswerden. Ich finde, dieses Thema ist immens wichtig und ich möchte auch anderen LeserInnen diesen Denkanstoß mitgeben.

Ich bin zu einer in einem (nicht von mir gehaltenen) Kurs empfohlenen Mischung zur Sterbebegleitung befragt worden, ob ich einen bestimmten Mix aus eher schweren Ölen wie Harzen, Hölzern und Rose ‚richtig‘ finden würde.

Ich meine, man MUSS in der Sterbebegleitung noch individueller arbeiten als bei nicht-sterbenden Menschen. Es gibt kein ‚richtig‘, jedoch unter Umständen ein gravierendes ‚falsch‘. Wenn die betreffende Person ihren Wunschduft nicht mehr mitteilen kann, muss man ihre Duftvorlieben anhand der Biografie heraus finden (Verwandte fragen, Hobbys erfragen, Berufsvorlieben herausfinden, Themen wie Lieblingsessen, Wald, Garten, ferne Ländern, Kirche, süße Düfte etc. versuchen, herauszufinden).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Weihrauch, das Harz der Boswellia-Bäumchen aus den kärgsten Wüsten der Welt

Was für den einen Menschen wundervoll riecht, kann für den anderen ekelhaft sein. So oft wird beispielsweise Weihrauchöl empfohlen, ich jedoch würde beim Riechen von Weihrauch im Sterbeprozess vermutlich ganz schreckliche Erinnerungen an die als bösartig empfundenen Nonnen in einer meiner frühen Schulen bekommen. Auch Rosenduft als Öl passt mir nicht immer (frische Rosen ja), bin eher der Iris-Typ, auch Jasmin- und Magnolienduft sind so richtig meine Wohlfühldüfte. Ob diese Duftrichtung mir bei Sterben helfen würde, ich kann ich freilich momentan nicht abschätzen, das müsste dann in der konkreten Situation  getestet werden.

Mich erinnert dieses Thema an Erfahrungen aus dem Kreißsaal. Frau hört, dass dieses oder jenes Öl ganz toll sein soll bei der Entbindung, diesen Duft haut frau dann jedoch eventuell den GeburtshelferInnen um die Ohren, weil er in genau dieser Situation ganz und gar nicht passt.

Iris pallida

Das sehr kostenaufwändige Iris-Öl kann aus den dicken Rhizomen von Iris pallida gewonnen werden

Also bitte in der Sterbehilfe keine vorgefertigten oder von fremden Personen empfohlenen Mischungen anwenden. Oder diese zumindest sehr behutsam an der betreffenden Person testen. Wenn sie es nicht mehr sagen kann, spürt man als Pflegeperson vielleicht ein Zucken der Lippen, der Hände oder eine veränderte (vertiefte oder stockende) Atmung. Fertige Mischungen duften für uns oder für die Angehörigen vielleicht supergut, doch müssen sie nicht für jedermann und jederfrau passen. Es muss nicht Weihrauch sein, auch die gerne empfohlene Iris kann nicht für jeden Menschen, der sich auf Abschiedsreise befindet, ‚richtig‘ sein. Wenn beispielsweise jemand feinste Erinnerungen an seine Reise nach Sizilien in sich trägt, könnte beispielsweise ganz einfach ein frischer Zitronen- und/oder Neroliduft für diese letzte Reise perfekt sein!

Wer sein Leben lang Pfefferminzbonbons bei sich trug und vielleicht auf Urlaubsreisen lutschte, wird möglicherweise die befreiende und lösende Wirkung von einem Hauch Pfefferminzöl beim Loslassen zu schätzen wissen. Wer die schönste Zeit seines Lebens in Australien verbrachte, erfreut sich vielleicht sogar über den „schnöden“ Teebaum- oder Eukalyptusduft beim Überschreiten der Regenbogenbrücke.

Also ist mein Rat, in diesem letzten Lebensabschnitt ganz besonders behutsam mit der Auswahl von Düften zu sein und die Dosierung sehr niedrig zu halten, man orientiere sich an Baby-Verdünnungen von 0,5 bis 1 Prozent, eventuell sogar darunter. (Die Verdünnungstabelle im Scheckkartenformat zum kostenlosen Runterladen und Laminieren befindet sich hier, klick! auf meiner Website, sie wird demnächst renoviert).

innovative inhalation von naturdüften


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIch bin noch nicht durch mit den vielen feinen Dingen, die sich in der „fliegenden Wundertüte“, also in meinem Koffer, nach meiner langen Seminare-Reise befanden. Heute zeige ich euch eine unglaublich moderne und praktische Form der Riechstoff-Aufnahme. Ich habe den Aspiraclip® inzwischen ausführlich getestet habe, denn ich bin geflogen und Zug gefahren, musste mich konzentrieren und hatte sogar eine fette klimaanlage-bedingte Erkältung. Es handelt sich um einen sehr kleinen, ganz weichen hufeisenförmigen Halb-Ring aus farblosem Silikon, den man sich an den Eingang der Nasenöffnungen hängt, er zwickt kein bisschen und bleibt dennoch gut dort befestigt.

aspira_clip_websiteDas Foto auf der Website der jungen innovativen Firma, die 2015 in Berlin-Brandenburg gegründet wurde, zeigt wie es geht, ein kleiner Film erläutert die Anwendungsmöglichkeiten. An beiden Endes des „Hufeisens“ ist das Silikon röhrenförmig, in beiden Öffnungen befinden sich jeweils ein winziger Zellstoff“tampon“, der mit den ätherischen Ölen Eukalyptus und Pfefferminze getränkt ist. Laut Firmen-Website enthält der Mini-Inhalator  ein Gemisch aus 20% Eukalyptusöl (Ph. Eur. 7.0) und 80% Pfefferminzöl (Ph. Eur 7.5). Der kleine Clip wird in einem transparenten Döschen geliefert, nach erstmaligem Öffnen kann man 21 Tage lang damit inhalieren, je nach Bedarf bis zu 2 Stunden täglich.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieMeine Erkenntnis ist: Bei meiner häufig mehr oder weniger verstopften Nase (chronische Tendenz zur Sinusitis), wirkt der von mir als eher zu zart empfundene Duft leicht befreiend. Nach einer längeren Zeit der Anwendung (ab 15 Minuten) macht er meinen Kopf klar, was bei Arbeiten, die Konzentration erfordern, sehr hilfreich sein kann. Einer meiner Probanden fand den cleveren Clip auch beim nächtlichen Arbeiten als gute Unterstützung. Mein jüngster Sohn klagt auch oft über eine verstopfte Nase, er fand den Clip nicht hilfreich, weil zu schwach. Ich habe für mich selbst zu einem verstärkenden Trick gegriffen und habe die zwei Zellstoffteile aus den Röhrchen gedrückt, und alle paar Tage mit Lieblings-Bio-Ölen nachgeladen, beispielsweise mit Ravintsaraöl. Auch jeweils einen Tropfen meines Pfefferminz-Roll-Ons (Bio-Pfefferminzeöl zehnprozentig in fast reinem Äthanol) hatte ich unterwegs mal rein gefüllt, diese Anwendung empfand ich als prima erfrischend in öffentlichen miefigen Verkehrsmitteln. Und so wirkte das Teilchen auch etwas überzeugender, als ich eine mega-verschnupfte Nase hatte. Auf meinem Foto sind Mentholkristalle zu sehen, dieser Inhaltsstoff aus echtem Mentha piperita-Öl (knapp 50 Prozent) wirkt konzentrationsfördernd und bei manchen Menschen anregend, so dass ich das Produkt abends vorm Einschlafen nicht unbedingt empfehlen würde, zumindest muss man drauf achten, ob man dennoch gut schlafen kann.

Mein Fazit ist: Ein geniales, innovatives und praktisches Produkt mit dem Qualitätsversprechen ‚Made in Germany‘ (also kein billiger China-Kram)! Man hätte selbst drauf kommen können 😉 ! Bei heftigem Schnupfen mag der Mini-Inhalator nicht stark genug sein, doch das wird sicher individuell sehr unterschiedlich empfunden. Bei häufigen Sinusitis-Beschwerden kann er ein prima Begleiter sein. Ich würde es begrüßen, wenn man als Profi auch unbeduftete Aspiraclips bekommen könnte, um diese mit Bio-Ölen seiner Wahl befüllen zu können, denkbar wäre beispielsweise auch eine Variante mit Bio-Vanilleextrakt und Bio-Mandarinenöl, die sicherlich ein Knaller bei Unruhe und Einschlafstörungen wäre. Ein Mix aus Basilkum und Rosengeranie würde sicherlich stark beanspruchte und gestresste Menschen aus ihrem Hamsterrad befreien helfen. Ich würde den leeren Clip nach einigen Tagen jeweils für ein paar Stunden in hochprozentigem Alkohol einlegen, um ihn zu desinfizieren und ihn dann mit neuen Füllungen bestücken. Mit so einer Müllverringerungs-Strategie würde ich mich besser fühlen, anstatt das kleine Ding alle drei Wochen wegwerfen zu müssen.

Der Aspiraclip® ist in jeder Apotheke erhältlich, aber auch beim großen Versand-Buchhändler (klick!) und kostet circa 10 Euro.

chemotypen – warum bescheid wissen nützlich ist [teil 1]


Thymianarten_beschrKürzlich verfolgte ich auf Facebook eine Diskussion, in der es um Chemotypen vom Thymianöl ging. Jemand meinte, es sei doch nicht wichtig, sich mit diesem Unterschied zu befassen. Hoppla, dachte ich mir, da hat jemand allenfalls eine theoretische „Ausbildung“ in Aromatherapie durchlaufen. Wer die Gelegenheit hatte, die unterschiedlichen Thymianöle ausgiebig schnuppernd zu vergleichen, wird Welten zwischen diesen Düften fest stellen können.

In Prüfungen, die ich abnehme, bekommt jede/r Proband/in zwei konträre Öle zu riechen, also beispielsweise Thymian Ct. Linalool und Thymian Ct. Thymol. Weil die Prüflingen naturgemäß immer sehr aufgeregt sind, muss gar nicht identifiziert werden, um welche Pflanze oder um welches Öl es sich handelt, schon gar nicht verlange ich den wissenschaftlichen Namen der Pflanze. Nein, ich frage ganz einfach: Welches Öl würdest du einem Kleinkind geben, welches nicht? Welches Öl passt eher zu einem robusten und ingesamt gesunden Mann (der momentan erkältet ist)? Welches Öl würdest du eher einer sehr alten zarten Frau gegen ihren Husten einreiben?

Bislang konnte jede/r diese Fragen beantworten, wenn die Nase sich beteiligen durfte/konnte. Das ist einer der Gründe, warum ich gegen Fernstudien ganz ohne Präsenzunterricht bin. Bei manchen Naturdüften geht es nicht ohne Nase (eigentlich bei allen!). Als zukünftige Fachperson für ätherische Öle, MUSS man sich mit den unterschiedlichen Gerüchen der Chemotypen mancher Öle auskennen und sie möglichst er-riechen können. Ist in einem Rosmarin besonders viel Campher enthalten, verwende ich es nicht bei Kleinkindern und schwangeren Frauen, duftet Myrtenöl eher blumig-süß statt eukalyptusartig, werde ich ersteres eher dem Asthmatiker empfehlen. Ganz zu schweigen von der Gesamtqualität von ätherischen Ölen: Diese sollte nach einiger Erfahrung gerochen werden können, also ob etwa bei Rosenöl oder Jasminabsolue tüchtig mit Labormolekülen nachgeholfen wurde oder nicht, ob Lindenblüte natürlichen Ursprungs ist oder synthetisch (letzteres duftet sogar meistens viel besser 😦 ).

Thymian_x_citriodorus_xsAuch ist die geschulte Nase beim Beurteilen, ob ein Naturduft zumutbar für die Haut ist, immens wichtig: Selbst Lavendel hält nicht ewig (strenge Stimmen sagen nur 1,5 Jahre, wenn empfindliche Haut damit behandelt werden soll), Lemongrass verliert mit der Zeit seine frisch-zitronige Note, Mandarine erinnert leider viel zu schnell an verschimmeltes Obst, Teebaum weckt Assoziationen an Pinselreiniger. Wie soll man diese immens wichtige Qualitätskontrolle per Fernstudium lernen?! Und wie soll man die tiefe innere/seelische Wirkung von Naturdüften erfahren können, wenn man nicht in Ruhe an ihnen schnuppern kann!!?? Doch nun zurück zum Thymian.

Das ätherische Öl aus den Zweiglein und Blättchen des  Thymus vulgaris wird aus (mindestens) sechs Chemotypen destilliert, also aus Thymianpflanzen mit sechs unterschiedlichen chemischen Schwerpunkten (oder Leitsubstanzen). Je nachdem wie hoch auf dem Berg oder wie nah am Meer das Heilkraut wächst, reagiert es unter anderem auf die UV-Strahlung und bildet andere Inhaltstoffe in unterschiedlichen Zusammensetzungen aus.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieDas klassische, seit Jahrhunderten in der Medizin bekannte Thymianöl stammt aus Pflanzen in eher niedrigen Lagen und ist reich an Thymol und Carvacrol, das sind stark wirksame Monoterpen-Phenole (Moleküle aus 10 Kohlenstoffatomen, die sich innerhalb des Moleküls zu einer Sechserkette „verknoten“). Diese sind für fast jeden krank machenden Mikroorganismus fatal. Man nannte diese zwei streng duftenden Öle früher Thymian rot (Ct. Thymol) und Thymian schwarz (Ct. Carvacrol), da beide Moleküle die Eisendestille angreifen und sich das Öl dann entsprechend verfärbt. Heute werden jedoch fast nur noch Edelstahldestillen bei der Produktion eingesetzt, so dass das Öl transparent-hellgelb ist. Die bekanntesten Chemotypen von Thymus vulgaris L. sind:

Thymian Ct. Thymol (Thymus vulgaris L.) enthält – je nach Lieferant – zwischen 35 und 55 Prozent Thymol und ist somit eines der besten Öle bei der Abwehr von Infektionen im HNO-Bereich und bei Pilzinfektionen, vor allem der Füße. Zudem ist es hilfreich bei Schmerzen von Gelenken und Muskeln. Da die Monoterpen-Phenole jedoch auch stark haut- und schleimhautreizend wirken, darf für den Hausgebrauch immer nur eine maximal 1%-ige Verdünnung auf die Haut aufgetragen werden

Die selteneren Thymianöle gedeihen nur in hohen und mittleren Lagen (benötigen also mehr ultraviolettes Licht, um die sanften Inhaltsstoffe auszubilden), sie sind wesentlich kostenintensiver, eignen sich jedoch wegen ihres hohen Gehaltes an verschiedenen hautfreundlichen Monoterpenalkoholen Linalool, Thujanol-4 und Geraniol besser für die Selbstbehandlung.

Thymian Ct. Linalool (Thymus vulgaris L.) findet man fast immer bei gut sortierten Ölefirmen, dieses fein duftende Öl beeinflusst den Atemtrakt positiv bei Erkältung, Husten, Bronchitis, Ohrenschmerzen und Stirnhöhlenentzündung – insbesondere sehr empfindlichen (älteren) oder beeinträchtigten Menschen und bei Kindern.

Thymian Ct. Thujanol-4 (Thymus vulgaris L.) ist schwer zu kultivieren und darum eher eine seltene und kostenintensive Rarität (das Öl kann über 30 Euro für 5 ml kosten!). Es wirkt stark antiviral und zeigt insbesondere bei gynäkologischen Clamydien-Infektionen gute Erfolge.

Thymian Ct. Paracymen [auch p-Cymen] (Thymus vulgaris L.) ist in der französischen Aromatherapie beliebt als starkes Mittel bei Gelenk- und Muskelschmerzen, das Öl kann je nach Gehalt an p-Cymen bei empfindlicher Haut irritierend wirken.

Thymus_serpyllum_Sandthymian_xs

Andere Thymian-Arten, die also keine Thymus vulgaris L. sind, können auch gut in der Aromatherapie eingesetzt werden, auch unter ihnen sind Chemotypen bekannt.

  • Thymus mastichina (L.) L. enthält bis zu 75 Prozent 1,8-Cineol, duftet also eukalyptusartig-frisch. Da das Öl in seiner Heimat Spanien als mejorana bekannt ist, ist es im deutschsprachigen Bereich oft als (Wald-)Majoran zu finden, es setzt sich jedoch völlig anders als das Öl des echten Majoran (Origanum majorana) zusammen. Es ist ein ausgezeichnetes Anti-Erkältungsöl, das auch Kinder gut vertragen, da es weder stechend noch medizinisch riecht.
  • Thymus serpyllum L. ist der in ganz Europa auch wild wachsende Quendel, sein Öl kann in Zusammensetzung und Duft sehr unterschiedlich ausfallen.
  • Thymus zygis L. aus Spanien gilt gegenüber dem Thymian Ct. Thymol-Öl aus der Provence als nicht so hochwertig, seine bis zu 75 Prozent an hautreizendem Thymol machen die Anwendung für Laien schwierig. Diese Pflanze kann auch einen seltenen milden Linalool-Chemotyp hervorbringen.
  • Thymus capitatus (L.) Hoff. et Link. (oder Coridothymus capitatus) wird auch Spanischer Oregano genannt, durch den Gehalt von bis zu 70 Prozent hautreizendem Carvacrol ist es nicht für den Hausgebrauch geeignet.
  • Thymus citriodora ist eine unkorrekte Bezeichnung für Thymus x citriodorus (Pers.) Schreb., das ist der Zitronenthymian, oft wird jedoch der Linalool-Typ auch
    als Zitronenthymian bezeichnet.

Achtung: Die phenolhaltigen Thymianöle, also Chemotyp Thymol und Chemotyp Carvacrol sollten niemals unverdünnt auf der Haut verwendet werden und nicht dauerhaft bei sehr hohem Blutdruck im Einsatz sein, sie gehören nicht in die Hände von medizinischen Laien.

Studie: Eine nützliche wissenschaftliche Arbeit zu Thymianöl und seine Wirkung gegen vielfach resistente Bakterienstämme, die im klinischen Bereich vorkommen: Sienkiewicz M, Lysakowska M, Denys P, Kowalczyk E: The Antimicrobial Activity of Thyme Essential Oil Against Multidrug Resistant Clinical Bacterial Strains. Microb Drug Resist. Microb Drug Resist. 2012 Apr;18(2):137-48.

Thymus_mastichina_webAusprobieren: Zwei Öleanbieter führen jeweils etliche Thymianöle: Maienfelser hat derzeit 17 (!) unterschiedliche Thymianöle im Angebot, Oshadhi und Ronald Reike bieten immerhin jeweils acht unterschiedliche Thymiandüfte.

Abbildung T. mastichina: Vielen Dank an Patrizia Wyler Cassani, die extra für mich in den Botanischen Garten zum Fotografieren ging, damit auch ich mal lerne, wie die Rarität des hübschen Thymus mastichina aussieht!