schärfemolekül bremst wachstum von brustkrebszellen


RUB;  RiechforschungEinige Tage vor Weihnachten veröffentlichte ein Team um den sicher vielen meiner LeserInnen bekannten Professor Hanns Hatt der Ruhr-Universität Bochum folgende spannende Pressemeldung:

„Der Geschmacksstoff Capsaicin macht Peperoni scharf. Ein feuriges Geschmackserlebnis ist aber längst nicht die einzige Wirkung, die er auf den Körper haben kann. Capsaicin, ein Inhaltsstoff von scharfen Substanzen wie Peperoni oder Pfeffer, hemmt das Wachstum von Brustkrebszellen. Das berichtet ein Team um den Bochumer Duftforscher Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt und Dr. Lea Weber nach Experimenten an kultivierten Zellen. In der Zeitschrift „Breast Cancer – Targets and Therapy“ stellen die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum ihre Ergebnisse vor, gemeinsam mit Kollegen der Augusta-Kliniken Bochum, des Herz-Jesu-Krankenhauses Dernbach sowie dem Kölner Zentrum für Genomik.

Die Versuche erfolgten mit der Zelllinie SUM149PT, die ein Modellsystem für eine besonders aggressive Brustkrebsform ist, den Triple-negative-Typ. Für diese Krebsart ist die Chemotherapie derzeit die einzige mögliche Behandlung.

Besonders häufiger Rezeptor

In den kultivierten Zellen fand das Team eine Reihe klassischer Riechrezeptoren. Besonders häufig vertreten war aber vor allem ein Rezeptor, der sonst im fünften Hirnnerv, dem Nervus trigeminus, vorkommt. Er gehört zu den sogenannten Transient-Receptor-Potential-Kanälen und trägt den Namen TRPV1. Neben dem Schärfemolekül Capsaicin aktiviert auch Helional – ein Duft nach frischer Meeresbrise – diesen Rezeptor.

In Kooperation mit Privatdozentin Dr. Gabriele Bonatz vom Brustzentrum der Augusta-Kliniken Bochum bestätigte Hatts Team die Existenz von TRPV1 in Tumorzellen in neun verschiedenen Burstkrebsproben.

Krebszellen sterben ab

Die Forscher aktivierten den TRPV1-Rezeptor in Zellkultur mit Capsaicin oder Helional, indem sie die Stoffe für mehrere Stunden oder Tage zu der Kultur hinzugaben. Dadurch vermehrten sich die Krebszellen langsamer. Außerdem starben durch die Behandlung verstärkt Tumorzellen ab. Die überlebenden Zellen waren zudem nicht mehr in der Lage, sich so schnell zu bewegen wie zuvor; das lässt darauf schließen, dass sie im Körper schlechter Metastasen bilden könnten.

„Wenn wir den TRPV1-Rezeptor gezielt durch Medikamente anschalten könnten, könnte sich ein neuer Ansatz für die Behandlung dieser Krebsform ergeben“, sagt Hanns Hatt. Eine Aufnahme über die Nahrung oder durch Einatmen reicht dazu nicht aus.

Wirksam in Mäusen

Die Chemikalie Arvanil – chemisch ähnlich zum Schärfemolekül Capsaicin – hatte sich in früheren Studien anderer Gruppen bereits als wirksam gegen Hirntumoren bei Mäusen erwiesen; sie reduzierte das Tumorwachstum in den Tieren. Aufgrund zu starker Nebenwirkungen ist diese Substanz aber nicht für Menschen zugelassen. Neben Capsaicin und Helional aktivieren auch die körpereigenen Endovanilloide den TRPV1-Rezeptor.“

Die komplette Veröffentlichung: Lea V. Weber, Klaudia Al-Refae, Gerhard Wölk, Gabriele Bonatz, Janine Altmüller, Christian Becker, Günter Gisselmann, Hanns Hatt: Expression and functionality of TRPV1 in breast cancer cells, in: Breast Cancer – Targets and Therapy, 2016. © des Fotos: Ruhr-Universität Bochum

PS. Es kann noch zwei Tage an der Verlosung der drei kostbaren Roll-on’s der Firma Tazeka mitgemacht werden, zum Teilnehmen kann der ansprechendste Name der Roll-on’s  als Kommentar zum Verlosungstext (klick!) aufgeschrieben werden.

rosenhydrolat lindert angst bei hämodialyse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAngst ist ein steter Begleiter bei schweren Krankheiten, Angst befindet sich meistens im Gepäck, wenn jemand ins Krankenhaus „einziehen“ muss und erst recht, wenn jemand aufgrund eines Notfalles eingeliefert werden muss. Die Angst ist manchmal fast riechbar (Angstschweiß), dazu kommen Gerüche, die nach Operation, Desinfektion, Medikamenten, Ausscheidungen, Verkeimung und gar Verwesung riechen.

In einem der Ur-Heimatländer der Rosendestillation Iran untersuchte man bei Patienten mit Nierenversagen im Endstadium, wie sich Rosenhydrolat auf deren Ängste auswirkt. In einer randomisierten Arbeit wurden 46 Hämodialyse-PatientInnen in zwei Gruppen aufgeteilt: In der einen Gruppe wurde vier Wochen lang Rosenhydrolat eingeatmet, in der Kontrollgruppe wurde nichts in diese Richtung unternommen. Vor dem Experiment, nach zwei Wochen und nach vier Wochen wurde das Ausmaß der Angstsymptome anhand einer international anerkannten standardisierten Skala protokolliert (Spielberger Angstskala).

In der „Rosengruppe“ leitete man die PatientInnen an, drei Tropfen eines auf 25% verdünntes Rosenhydrolat auf ein sauberes und saugfähiges Baumwolltaschentuch zu geben. Dieser Duft sollte vier Wochen lang vor dem Schlafengehen 15 bis 20 Minuten eingeatmet werden und auch jeweils 15 bis 20 Minuten vor jeder Dialyse-Sitzung.

rose_phenylethanol_beschrDie regelmäßige Inhalation von Rosenwasser führte zu einer signifikanten Reduktion (P < 0.001) sowohl der „Angst als Zustand“ (in diesem Moment > STATE) als auch der „Angst als Eigenschaft“ (im Allgemeinen > TRAIT) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Wissenschaftler schlussfolgern daraus, dass Rosenhydrolat den emotionalen und spirituellen Zustand von Patienten während der Hämodialyse verbessern kann.

Diese Wirkung hat sicherlich nicht nur einen psychologisch-placebomäßigen, sondern auch einen rationalen Hintergrund, denn gutes Rosenhydrolat enthält einen nicht unerheblichen Anteil an stimmungsaufhellendem Phenylethanol (Phenylethylalkohol). Synthetisches „Rosenwasser“, das oft in Apotheken erhältlich ist, hat vermutlich nicht diese deutliche Wirkung. Diese Studie, die im September 2016 veröffentlicht wurde, kann hier (klick!) kostenlos herunter geladen werden.

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basilikumöl bei demenz und riechstörungen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZwei Artikel über Riechstörungen (Anosmie) und die oft überraschend hilfreiche Wirkung von Basilikumöl habe ich bereits geschrieben: Riechtraining bei Anosmie (klick!) und Aromatherapie wirkt auch bei Anosmie (klick!). Inzwischen ist man noch einen Schritt weiter: Es wurde herausgefunden, zumindest in Gewebestudien, dass einige Basilikumöle eine Anti-Acetylcholinesterase-Wirkung haben. Ein wahrer Zungenbrecher, nicht wahr??? Für Menschen mit demenziellen Veränderungen kann diese Medikamenten-Gruppe jedoch den Verlauf der Erkrankung etwas aufhalten. Bei Morbus Alzheimer bilden die Neuronen (Nervenzellen) zu wenig Acetylcholin, unser Botenstoff, der für Motivation, Ideen, Vorankommen und vieles mehr sorgt. Der uns zum am Leben teilhabenden Menschen macht. Dieser Stoff also wird zu wenig gebildet. Als wäre das nicht schon schlimm genug, überreagiert der hemmende Stoff Acetylcholinesterase, der beim gesunden Menschen für die Fein-Regulierung von Acetylcholin zu sorgen hat. Das Zuwenig an Acetylcholin wird also auch noch ausgebremst. Darum verwendet die Schulmedizin Acetylcholinesterase-Inhibitoren (also Hemmstoffe, um das körpereigene Hemm-Enzym auszubremsen), um den Verlauf der Erkrankung etwas abzufedern.

Vor einigen Tagen wurde also eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, welche diese Wirkung auch bei vier Ocimum-Arten belegt: O. basilicum, O. africanum, O. americanum, and O. minimum. Der Haupt-Inhaltsstoff vieler Basilikumöle (auch von Estragonöl) wurde als der stärkste Hemmstoff gegenüber der Acetylcholinesterase identifiziert (IC50 0.337 µM), danach folgt 1,8-Cineol, der Haupt-Inhaltsstoff vieler Eukalyptusöle, und von Myrte (türkisch), Ravintsara, Cajeput, Niaouli und vielen mehr (IC50 2.27 µM), gefolgt von Campher (IC50 21.43 µM) und Eugenol (IC50 40.32 µM). Diese duften Inhaltsstoffe docken an wichtige Aminosäuren des Acetylcholin-Stoffwechsels an, ganz ähnlich wie die heutzutage eingesetzten Standard-Medikamente [Farag MA, Ezzat SM, Salama MM, Tadros MG, Serya RA. Anti-acetylcholinesterase activity of essential oils and their major constituents from four Ocimum species. Z Naturforsch C. 2016 Nov 1;71(11-12):393-402].

Spannend finde ich, dass der unmerkliche Verlust des Riechsinns bei Morbus Alzheimer und der Lewykörperchen-Demenz zu den typischen Symptomen dieser Erkrankungen gehört. Basilikumöl hat sich wiederum als guter Helfer erwiesen, den schwindenden Geruchssinn wieder auf die Sprünge zu helfen. Tägliche Übungen (am besten 2x täglich jeweils 1-2 Minuten), insbesondere mit dem sehr schön duftenden und intensiv wirkenden CO2-Extrakt aus Ocimum basilicum (klick!) sind also einen Versuch wert. Wichtig ist, beim tiefen Einatmen des Duftes (winzige Mengen genügen völlig) an das Aussehen von Basilikum zu denken, sich Speisen, Restaurants, Urlaubsszenen etc mit Basilikum vorzustellen, also Verknüpfungen mit gesunden Hirnarealen, wie den visuellen Neuronen, herzustellen. Wer weiß, möglicherweise kann so auch der Verlauf dieser schweren neurodegenerativen Erkrankungen ein wenig gemildert werden. Sozusagen als ‚Dünger‘ für die grauen Zellen, wie ich es mal im Blog-Beitrag über Salbeiöle (klick!) beschrieb.

bei asthma: bronchienerweiternde wirkung durch riechstoffe


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Immer mehr wird von Wissenschaftlern erkannt, dass nicht nur die Riechrezeptoren, die unserer Nase zugeordnet sind, auf Riechinformationen regieren können, sondern dass auch andere menschliche Gewebe diese Fähigkeit besitzen (Haut, Blut, Leber, Herz, Prostata und Spermien).

Vor einigen Tagen hat die in dieser Forschungsrichtung bahnweisende Ruhr-Universität Bochum wieder ein spannendes Untersuchungsfeld auf einer Pressemeldung bekannt gegeben: Die Forscher rund um Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt entdeckten, wie manche Riechstoffe die Bronchien erweitern können und bei somit bei Asthma gut tun. Andere Riechstoffe wiederum bewirken genau das Gegenteil und könnten im praktischen Leben die Schuldigen daran sein, dass manche Menschen auf penetrante synthetische Weichspül-Gerüche, Waschmittel, Kosmetika und Parfüms mit Atemnot reagieren. Möglicherweise wird es sogar einmal eine Bestätigung der Vermutung von vielen Heilpraktikern geben, dass (künstliche) Aromastoffe in Fertignahrungsmitteln, zu asthmatischen Reaktionen führen können. Hier ein Auszug aus der Pressemeldung vom 8. August 2016:

>> Riechrezeptoren in den Bronchien entdeckt
Die Muskelzellen der Bronchien nehmen Düfte wahr, zum Beispiel einen speziellen nach Bananen und Aprikosen. Das könnte eine gute Nachricht für Asthmatiker sein.
In den Muskelzellen der menschlichen Bronchien haben Forscher zwei Typen von Riechrezeptoren entdeckt. Aktivieren die passenden Düfte diese Rezeptoren, erweitern oder verengen sich die Bronchien – ein potenzieller Ansatz für die Asthmatherapie.

Zu diesem Ergebnis kam ein Team um Prof. Dr. Dr. Dr. habil Hanns Hatt und Dr. Benjamin Kalbe vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie. Gemeinsam mit Kollegen verschiedener Kliniken in Bochum, Köln und Herne berichten die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift „Frontiers in Physiology“.

Bananen-Aprikosen-Duft erweitert Bronchien
Die neu auf den Muskelzellen entdeckten Rezeptoren tragen die Bezeichnungen OR2AG1 und OR1D2. Die Forscher identifizierten auch die zu den Riechrezeptoren passenden Düfte sowie die Signalwege, die diese in der Zelle auslösen.

Amylbutyrat, ein fruchtiger Duft mit Bananen- und Aprikosennoten, aktiviert den Rezeptor OR2AG1. Bindet der Riechstoff, entspannt und erweitert das die Bronchien. Der Effekt war im Experiment so stark, dass er die Wirkung von Histamin aufheben konnte. Diesen Stoff schüttet der Körper bei allergischem Asthma aus, wodurch sich die Bronchien verengen.

Ansatz für die Asthmatherapie
„Amylbutyrat könnte bei Asthma helfen, die Luftzufuhr zu verbessern“, folgert Hanns Hatt. „Vermutlich kann es nicht nur den Effekten von Histamin entgegenwirken, sondern ebenso denen von anderen Allergenen, die das Atmen behindern.“ Auch für die Behandlung anderer Krankheiten, etwa der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, könne der Rezeptor interessant sein.

Die Forscher zeigten außerdem, dass Amylbutyrat in den Muskelzellen die gleichen Signalwege in Gang setzt wie in den Riechzellen der Nase.

Zweiter Rezeptor mit gegenteiligem Effekt
Der zweite Rezeptor OR1D2 ist empfänglich für Düfte mit blumigen, öligen Noten, etwa Lilial oder Bourgeonal. Bindet der Riechstoff an den Rezeptor, passiert das Gegenteil wie beim Rezeptor OR2AG1: Die Bronchialmuskeln kontrahieren. Außerdem werden in den Zellen entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt.

Für die Studie untersuchten die Forscher menschliche Zellkulturen, die das Team um Privatdozent Dr. Jürgen Knobloch vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil zur Verfügung stellte. Dabei handelte es sich um glatte Muskulatur, die im Gegensatz zur quergestreiften Muskulatur nicht der willentlichen Kontrolle unterliegt. << 

Die komplette (englischsprachige) wissenschaftliche Arbeit kann hier runtergeladen werden.

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Römische Kamille, Chamaemelum nobile

Bei den ätherischen Ölen sticht in Sachen Bronchien-Erweiterung das eher noch unbekannte, fruchtig duftende Öl der Khella (Zahnstocherkraut, Ammi visnaga) besonders hervor und siehe da, es enthält fast 30% natürliche Butyrate, also Ester der Buttersäure. Das als stark entkrampfend wirksame ätherische Öl der römischen Kamille kann sogar noch mit einem höheren Anteil an diesen Buttersäure-Verbindungen aufwarten (gut 50 Prozent). Myrtenöle, Immortelle, Lavendel und Palmarosa enthalten kleine Mengen davon. Erfahrungsgemäß genügen kleine Anteile dieser Verbindungen, um ein ätherisches Öl entkrampfend wirken zu lassen.

Das seltene ätherische Öl aus den Samen der Khella (des Bischofkrauts) können die Schweizer bei Florentia bestellen, alle anderen bekommen es bei Maienfelser Naturkosmetik.

ätherische öle zur raucherentwöhnung


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Pfeffer (Piper nigrum) ist eine hitzeliebende Kletterpflanze

Nein, ich kenne keine Aromen für moderne Lösungen wie die E-Zigarette! Vielmehr möchte ich das Ergebnis einer kleinen wissenschaftlichen Pilotstudie vorstellen, welche von der wunderbaren Dr. Jane Buckle aus Großbritannien geleitet wurde. Ich werde sie übrigens in knapp 4 Wochen wieder life erleben, auf der Botanica2016-Konferenz in Brighton. Dort wird ein Zusammentreffen von zahlreichen, wirklich hochkarätigen Aromatherapie- und Phytotherapie-Fachleuten stattfinden, Infos zu den vielen Vorträgen und Workshops befinden sich auf der Website von Botanica2016.

An einer us-amerikanischen Universität wurden die ätherischen Öle des schwarzen Pfeffers und der Angelikawurzel auf ihre Wirkung untersucht, die Spitzen des dringenden Verlangens nach Nikotin bzw. Zigaretten abzumildern (in den meisten Glimmstengeln ist ja meistens noch allerlei Synthetikzeugs enthalten). Dafür machten die 20 ProbandInnen eine 2-minütige Trockeninhalation (auf einem Papiertuch), wann immer das Bedürfnis heftig wurde (Zigarette, Schnupftabak, Kautabak).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Das ätherische Öl der Angelika wird meistens aus den Wurzeln gewonnen, kann auch aus den Samen destilliert werden

Beide Öle ermöglichten ein verzögertes Greifen zum nächsten „Kick“, wobei Pfefferöl den „Yeaper“ besser reduzieren und kontrollieren konnte, Angelikaöl dagegen verhalf besser zu einer Verzögerung bis zum nächsten Nikotinschub. Die Folgerung der Autorinnen Barbara Cordell und Dr. Jane Buckle lautet: „Aromatherapie kann hilfreich beim Nikotinentzug sein“. [Cordell B, Buckle J: The effects of aromatherapy on nicotine craving on a U.S. campus: a small comparison study. J Altern Complement Med. 2013 Aug;19(8):709-13]

  • Das inzwischen sehr kostbare Angelikaöl gibt es beispielsweise bei Feeling (klick!) oder in Bio-Qualität bei Farfalla (klick!)
  • Pfefferöl gibt es auch bei Feeling und in Bio-Qualität bei Farfalla sowie bei fast allen guten Öleanbietern wie Primavera, Neumond, Wadi etc, siehe die Liste mit Links von Ölefirmen, mit denen ich zusammen arbeite(te).

Ich habe noch nie in meinem Leben auch nur einen Zug geraucht, doch ich kann mir vorstellen, dass ein Inhalierstift für dieses Ablenkungsmanöver besonders geeignet ist, weil bei Süchten meistens eine Ersatztätigkeit vorgenommen werden sollte. Der dufte Stift kann fast wie eine Zigarette gehandhabt werden. Sie sind erhältlich bei:

In ÖSTERREICH:

Feeling (klick!), das Dreierset (weiße Stifte) kostet 4,80 Euro. Hier lohnt sich die Bestellung, wenn man die seltenen und so überaus wohlriechenden CO2-Extrakte diverser Duftpflanzen kennen lernen möchte (Flieder, Kaffee, Ingwer, Lindenblüte, Basilikum etc). Und auch sonst alles, was die Aromapflege und Aromatherapie schön macht.

Die Rührwerkstatt (klick!) in der Nähe von Graz (Steiermark) liefert auch Inhalierstifte.

In DEUTSCHLAND:

Sabine Nachbauer Inhalierstifte (klick!) bietet neun unterschiedliche Farben und Großpackungen (für Kliniken etc). Warum nicht die entspannenden Düfte in blau oder grün verpacken und anregende Nuancen in rot, lila, rosa oder gelb? Ein Stift kostet 1,25 €, der 10er Pack 12,00 € und der Großpack (100 Stk) kostet 110,00 € (auch in gemischten Farben). Sabine wohnt zwar in Österreich, doch sie arbeitet jeden Tag in ihrem Duft-Studio (klick!) in Lindau und kann somit sowohl die deutsche Post als auch die österreichische Post mit entsprechenden Portogebühren bedienen.

inhalierstifte_bunt_glas_xsIn der SCHWEIZ:

In ihrem Online-Shop Allerlei Praktisches (klick!) bietet Margarete Fieguth-Jacot (klick!) aus Biel (nicht nur) Inhalierstifte in sieben Farben an, das Stück kostet 1 Schweizer Franken. Margarete ist offizielle Vertreterin von Aroma-Zone in der Schweiz, so dass man auch viele andere Dinge dieser französischen Firma ohne Zoll-Dramen bei ihr bestellen kann. Aus bürokratisch-steuerlichen Gründen (durch Umwandlung in eine Schweizer GmbH) kann Margarete übrigens keine Kunden in der EU mehr beliefern.

Mit Florentia (klick!) hat sich die schon sehr lange als Aromafachfrau tätige Sibylle Broggi-Läubli (klick!) aus Bern bereits 1996 einen Namen für handverlesene ätherische Öle und Zubehör gemacht. Nun führt sie auch Inhalationsstifte für 1 chFR das Stück. Die Bestellung lohnt sich bei ihr, wenn man einige sehr „exotische“ ätherische Öle kennen lernen möchte. Sie hat das bronchien-erweiternde Bischofskraut (Ammi visnaga) und auch das mega-seltene Kaffirlimetten-Petit Grain-Öl (es duftet ähnlich wie Lemongras). Und sie hat – yeah – mein geliebtes Zitronenmyrtenöl (Backhousia). Auch die drei immer seltener erhältlichen Öle von Eucalyptus staigeriana, destillierter Magnolienblüte und der super-feinen roten Myrte sind bei ihr erhältlich.

pfefferminzöl wirkt schmerzlindernd bei reizdarm: natur trifft auf technik


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIn der aktuellen Ausgabe vom ‚International Journal of Clinical Aromatherapy‘ (Juni 2016, klick!), dessen Schwerpunkt-Themen sich mit Magen-Darm-Themen in der Aromatherapie befassen, las ich ein interessantes Interview mit dem us-amerikanischen Wissenschaftler Dr. Brooks D. Cash, der eine neuartige galenische Form von Pfefferminzöl in einer vier Wochen langen randomisierten Doppelblind-Studie untersucht hat. Es ging um 72 PatientInnen mit Schmerz-Symptomen, die dem Reizdarm-Syndrom zugeordnet wurden. Ausgeschlossen wurden Menschen mit entzündlichen oder immun-assoziierten Symptomen und solche die an Obstipation (Stuhlverstopfung) litten.

Dreifach verkapseltes und langsam im Dünndarm freigesetztes Pfefferminzöl konnte eine durchschnittliche 40%-ige Verminderung der Symptome erreichen (Verringerung durch Placebo 24,3%, p = 0.0246). Die Wirkung wird dem Haupt-Inhaltsstoff von Pfefferminzöl l-Menthol (Levomenthol) zugesprochen, dieser wirkt als Kalziumantagonist auf die glatte (unwillkürliche) Muskulatur, also krampfmindernd.

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Die Homepage von IBgard® mit einer Abbildung der Kapseln

Das in den USA erhältliche Produkt IBgard® wird als „medizinisches Nahrungsprodukt“ klassifiziert (registered medical food product), das unter Überwachung durch einen Arzt eingenommen werden sollte, auch wenn es frei verkäuflich ist. Es gilt als besser verträglich als die in Europa oft erhältlichen einfachen dünndarmlöslichen Kapseln mit Pfefferminzöl, die Aufstoßen verursachen können und zu Magenirritationen auslösen können. Infos zum Produkt IBgard® können auf der Website des Herstellers nachgelesen werden. Dr. Cash betont, dass auch Nahrungsumstellungen vorgenommen werden müssen, beispielsweise eine zeitlang die Aufnahme von Kohlenhydraten stark zu reduzieren oder diese ganz zu meiden.

Die kostenlos erhältliche Studie von Dr. Cash und seinem Team kann hier herunter geladen werden. In Deutschland können  Carmenthin-Kapseln (klick!) eingenommen werden, wenn der Bauch besonders drückt, sie enthalten Kümmelöl in Kombination mit Pfefferminzeöl. Wer mehr über das Thema Reizdarm lesen möchte, kann hier (klick!) mehr in meinem früheren Artikel darüber erfahren.

ätherische öle zur linderung von beschwerden bei älteren menschen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieGenau dieses Thema treibt mich derzeit um: Ich bin vergangene Woche vielfach zwischen zwei Senioren-Pflegeheimen hin und her gependelt. Wechselduschen der Gefühle, schöne Augenblicke, furchtbare Anblicke, heftige Gerüche, krächzende Klänge, Leid und Vergnügen lagen stets ganz nah beieinander.

In einer schönen wissenschaftlichen Arbeit von 2014 wird geschildert, wie über achtzig Senioren zwischen 65 und 80 Jahren mit länger als drei Monate anhaltenden Schmerzen, die leider im hohen Alter fast unumgänglich sind, mittels Inhalation mit ätherischen Ölen behandelt wurden. 82 Menschen nahmen an der vierwöchigen Beobachtungsstudie teil, 44 Senioren (37 weiblich, 7 männlich) kamen in der Genuss von ätherischen Ölen und 38 TeilnehmerInnen (30 weiblich, 8 männlich) erhielten als Kontrollgruppe das gängige Protokoll, das in den jeweiligen Betreuungs-Einrichtungen in Hong Kong üblich war (Schmerzbekämpfung vorwiegend mit Paracetamol).

Sowohl die Schmerzstärke als auch die sonstigen Parameter wurden mit anerkannten Skalen erarbeitet. Jede(r) TeilnehmerIn erhielt zusätzlich zu den vier in ihren Betreuungsinstitutionen durchgeführten „aromatischen Sitzungen“ eine Sprühflasche, um in den eigenen vier Wänden die Duftanwendung weiter zu führen. Das Spray enthielt Lavendel- und Bergamotteöl in etwas Lavendelhydrolat verdünnt [2 : 1 : 2.5, durch die Aromatherapie-Fachperson so vorgeschlagen, mir selbst erscheint die Konzentration der Öle etwas hoch, doch der Text ist nicht genau genug, es kann sein, dass dieser Mix noch in einem anderen Medium wie Wasser verdünnt wurde].

Die Reduktion der Schmerzen war zwar nur leicht, doch die negative Stimmungslage verbesserte sich signifikant in der Interventionsgruppe (p < 0,05). Die Autoren schließen aus ihren Erkenntnissen, dass Aromatherapie ein effektives und sinnvolles Werkzeug ist, um Schmerzen, Depression, Ängste und Stresssymptome bei älteren Menschen, die in Institutionen untergebracht sind, ist. Die Studie ist hier, klick! nachzulesen. [Anmerkung: Schmerzen lassen sich erfahrungsgemäß besser reduzieren, wenn zusätzlich die schmerzenden Stellen mit schmerzlindernden ätherischen Ölen eingerieben werden, ich habe bereits öfters über entsprechende Öle geschrieben, beispielsweise hier, oder einfach hier auf dieser Seite rechts unten die Kategorie ‚Schmerzen‘ anklicken].

Für FrühplanerInnen kann ich heute bereits die Termine für 2017 bekannt geben, die Verteilung der Themen-Schwerpunkte mit meinen Co-DozentInnen mache ich allerdings erst in den nächsten Wochen (drei der Wochen sind sehr breit gefächert und perfekt für EinsteigerInnen und interessierte Hausapotheken-Selbstrührerinnen, zwei der Wochen werden sich mit speziellen Themen wie Schmerzen, Krebs, Demenz etc beschäftigen, in denen findet weniger Rühren statt, sondern mehr Unterricht an evidenzbasiertem Wissen, in beiden Arten von Duft-Erlebnis-Wochen finden jedoch immer mehrere Exkursionen sowie drei Unterrichtsmodule statt, Erleben und Entspannen gehören einfach dazu!).

Aromatherapie & Kräuterwandern Duft-Erlebnis-Wochen

in der subtropischen Natur Südwest-Irlands (Augentrost, Manukabäume, Erd-Kastanie, Teebaum, Osmanthus, Wilde Karotte, Duftrhododendren, leckerer Glöckchenlauch, Meertäubel, Harzeibe etc, einige davon verarbeiten wir zu einfachen Speisen, aktuelle Broschüre hier)

  • 06.05.-13.05.2017
  • 27.05.-03.06.2017
  • 17.06.-24.06.2017
  • 15.07.-22.07.2017
  • 12.08.-19.08.2017

Traumhafte Gärten im Südwesten Irlands und Naturparfüm herstellen (aktuelle Broschüre hier)

  • 22.04.-29.04.2017
  • 13.05.-20.05.2017
  • 10.06.-17.06.2017
  • 01.07.-08.07.2017
  • 26.08.-02.09.2017

Deutschsprachig, allein oder mit Begleitpersonen (PartnerInnen, Kinder, Eltern). Möglichkeit zur Abholung vom Flughafen oder Busterminal Cork, Zweibettzimmer oder bei rechtzeitiger Anmeldung auch einige Einzel- sowie Familienzimmer (gegen Aufschlag), Vollpension im Preis eingeschlossen, vegetarisch ohne Aufschlag, vegane und besondere Ernährungswünsche gerne nach vorheriger Anmeldung. Unser gemütliches Gästehaus Ballylickey House & Chalets, die Zimmer und der Garten am Meer können hier angeschaut werden.

Der Preis pro Woche inklusive 7 Übernachtungen, Vollpension, Duft-Rohstoffen/Gefässen, Eintritten, Busfahren zu den Exkursionen beträgt je nach Anmeldetermin und Saison zwischen 950 und 990 Euro, die Infos für 2016 sind hier nachzulesen,  sie werden demnächst aktualisiert. Bei rechtzeitiger Buchung gibt es Flugreisen für circa 100 Euro pro Richtung, Infos und Links befinden sich hier. Auch ein Geschenk-Gutschein für eine dieser Wochen kann bei uns erworben werden.

aromapflege bei schmerzen nach verbrennungen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAus dem Land der Erzählungen der zauberhaften Sheherazadevon in ‚Tausendundeiner Nacht‘, also dem Iran, lesen wir regelmäßig schöne Erkenntnisse zur lindernden Wirkung von ätherischen Ölen bei Frauenleiden rund um die Monatsblutung und rund um Geburt und Stillzeit.

In einer aktuellen Arbeit aus der Universität Hamadan geht es um Schmerzlinderung bei und nach dem regelmäßig erforderlichen Verbandswechsel, wenn die PatientInnen an starkenVerbrennungen leiden. Die einfach verblindete, randomisierte klinische Studie erfolgte an 50 PatientInnen zwischen 18 und 65 Jahren mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Sie atmeten an zweit Tagen jeweils für 20 Minuten entweder fünf Tropfen 40%-ig in Wasser verschütteltes ätherisches Rosenöl (Rosa damascena) ein oder – in der Placebogruppe – reines Wasser. Beide Substanzen wurden jeweils auf ein Gazestück gegeben, das 20 cm von der Nase entfernt an der Kleidung der TeilnehmerInnen befestigt wurde. Die Pflegeperson, die die Gazestücke anbrachte, trug eine Atemmaske und konnte somit nicht riechen, was sie verabreichte. Die Schmerzwerte der PatientInnen wurden eine halbe Stunde vor dem Verbandswechsel ermittelt und jeweils 15 und 30 Minuten nach der schmerzhaften Prozedur.

Es wurde ein signifikanter Unterschied vor und nach dem Verbandswechsel notiert (P < 0.001), auch wurde ein signifikanter Unterschied (P < 0.05) der Schmerzintensität vor und nach der aromatherapeutischen Anwendung registriert. Zudem wurde die Schmerzintensität bei der Placebogruppe und der „Duftgruppe“ verglichen und als signifikant errechnet (P < 0.05).

Die Autoren dieser Arbeit folgern, dass die ergänzend zur Schmerzmedikation erfolgende Inhalation von Damaszener-Rosenöl hilfreich sein könnte, um die Schmerzen beim Verbandswechsel nach Verbrennungen zu reduzieren. [Bikmoradi A, Harorani M, Roshanaei G, Moradkhani S, Falahinia GH: The effect of inhalation aromatherapy with damask rose (Rosa damascena) essence on the pain intensity after dressing in patients with burns: A clinical randomized trial. Iran J Nurs Midwifery Res. 2016 May-Jun;21(3):247-54]. Diese neue Studie kann kostenfrei hier (klick!) herunter geladen werden.

rosmarinöl und pfefferminzetee zur verbesserung der gedächtnisleistung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieÜber den Forscher Dr. Mark Moss der britischen Northumbria University habe ich bereits geschrieben (zB hier), ich habe ihn auf einem beeindruckenden Vortrag auf der Botanica2014-Konferenz in Dublin erlebt. Anfang September (2.-5.9.2016) wird er wieder auf der Botanica2016-Konferenz in Brighton über neue Erkenntnisse in Sachen Heilkräuter und Gedächtnisverbesserung berichten, ich freue mich schon drauf!

Vor zwei Wochen stellten die Studentinnen Lauren Bussey, Lucy Moss und er die Ergebnisse einer neuen Studie an der jährlichen Konferenz der British Psychological Society’s in Nottingham vor.

Jeweils 4 Tropfen der ätherischen Öle von Rosmarin und Lavendel wurden per Aromastream-Gerät (für Infos zum Gerät klicken!) in einem von zwei Testräumen verbreitet. 150 gesunde Personen, die älter als 65 Jahren waren, nahmen an diesem Experiment teil, sie wurden zufällig der einen oder anderen Duftgruppe oder einem unbedufteten Raum zugeordnet.

Sie mussten diverse Gedächtnistests machen, unter anderem jemandem eine bestimmte Nachricht zu einem späteren fest gelegten Zeitraum überbringen und beim Stattfinden eines bestimmten Ereignisses eine bestimmte Aufgabe erledigen. Auf diese Art wird das prospektive Gedächtnis überprüft, also wie Dinge erinnert werden, die in der Zukunft liegen bzw die durch ein äußeres Ereignis ausgelöst werden. Als Beispiele nennen die Forscher, dass man daran denkt, eine Fernsehsendung (in der Zukunft) anzuschauen, oder einen Brief einzuwerfen, wenn man am Briefkasten vorbei kommt.

Auch die Stimmungslage der TeilnehmerInnen wurde vor und nach den Tests erfasst. Rosmarinduft verbesserte das prospektive Gedächtnis signifikant gegenüber einer unbedufteten Umgebung. Rosmarin verbesserte zudem signifikant die Wachheit, Lavendelduft verbesserte das Ruhegefühl und die Zufriedenheit gegenüber der Stimmungslage der Menschen im nicht-bedufteten Raum. Mildes Rosmarinöl Ct. Cineol kann in Bio-Qualität bei FeelingFarfalla, NeumondPrimavera und Wadi bestellt werden. Feeling hat auch das noch stärker auf die grauen Zellen wirksame Rosmarin Ct. Borneon im Programm. Rosmarin Ct. Verbenon wirkt bei den meisten Menschen nicht sehr stark auf die Gedächnisleitung.

Einen englischsprachigen Bericht gibt es beispielsweise im The Telegraph.

Die Forschergruppe untersuchte auch an 180 Personen, wie sich Pfefferminztee oder Kamillentee auf die verschiedenen Gedächtnis-Arten und auf die Wachheit auswirken. Pfefferminztee verbesserte das Langzeitgedächtnis während Kamillentee das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit-Geschwindigkeit signifikant verlangsamte, darum ist er ein guter Entspannungstee.

hautzellen können nicht nur riechen sondern auch schmecken


Enziantee ohne Text-1Es war Ende des Jahres 2010, ein Professor, der sich seit Jahren für eine naturheilkundlich orientierte Dermatologie stark macht, sitzt im ICE von Berlin nach Freiburg. Er befand sich auf der Rückfahrt vom Europäischen Kongress für Integrative Medizin (ECIM). Der Arzt und Biologe Christoph Schempp hatte dort zwei Vorträge über die Wirkung von Birkenrinde und Johanniskraut auf die Haut gehalten, und saß jetzt auf der Rückfahrt im Zug.

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Prof. Dr. Christoph Schempp

Er blätterte gedankenverloren in der „Neuen Zürcher Zeitung“. Plötzlich durchzuckte es ihn wie ein Blitz, als er die Seite „Wissen“ aufschlug und dort die Überschrift las: „Bittere Medizin hilft gegen Asthma. Bitterstoffe führen zu einer Entspannung der Muskulatur in den Atemwegen“. Sofort war seine Aufmerksamkeit wiederhergestellt.

Bitterstoffe sollten gegen Asthma helfen? Der Artikel in der NZZ berichtete über neue Forschungsergebnisse amerikanischer Wissenschaftler, die herausgefunden hatten, dass Bitterstoffe die Beweglichkeit von Flimmerhärchen im Nasenepithel und in der Lunge anregen und so zu einer verstärkten Reinigung der Atemwege führen. Der Dermatologe fand jedoch den Bericht über eine Publikation in der führenden medizinischen Zeitschrift „Nature Medicine“, die im Oktober 2010 publiziert worden war, besonders interessant.

Das Team um den Wissenschaftler Steve Liggett von der Universität Baltimore hatte herausgefunden, dass glatte Muskelzellen in den Atemwegen Rezeptoren für Bitterstoffe besitzen, und dass die Anwendung von Bitterstoffen zu einer Entspannung dieser Muskelzellen und Atemwege führt (zum Bericht in der renommierten Fachzeitschrift Nature geht es hier). Prof. Schempp erinnert sich: „Wir hatten schon früher einmal mit Bitterstoffen experimentiert und antibakterielle Wirkungen von Enzian, Bitterklee und Tausendgüldenkraut nachgewiesen. In weiteren Screenings waren die Bitterstoffe aber nicht besonders aufgefallen.“ Nun fragte er sich, ob sie nicht damals etwas übersehen hatten.

Könnte es sein, dass Bitterstoffrezeptoren nicht nur in der Nase und in der Lunge vorkommen, sondern auch in der Haut, und dort eine bisher unentdeckte Rolle spielten? „Zurück in Freiburg besorgte ich mir sofort die bis jetzt vorhandene Literatur über Bitterstoffrezeptoren, und auch die in der NZZ erwähnte Publikation. Am nächsten Tag diskutierten wir in unserer Arbeitsgruppe den Bericht aus der NZZ, und alle waren sogleich fasziniert von der Idee, dass die Haut auch schmecken kann. Unser neues Forschungsprojekt ‚Bitterstoffrezeptoren in der Haut‘ war geboren.“ Bisher hatte noch niemand diese Frage bearbeitet, deshalb galt es keine Zeit zu verlieren und den Vorsprung zu nutzen.

Ab jetzt arbeiteten die Freiburger Wissenschaftler daran, Bitterstoffrezeptoren in Haut und Schleimhaut zu finden. Die Freude war groß, als es mit Hilfe monoklonaler Antikörper gelang, das Vorhandensein von verschiedenen Bitterstoffrezeptoren sowohl in der Schleimhaut, als auch in der Haut eindeutig nachzuweisen. Es gelang den Wissenschaftlern sogar, mit verschiedenen Bitterstoffen und einem Extrakt aus Enzian diese Bitterstoffrezeptoren zu stimulieren. Zu ihrer Überraschung führte die Aktivierung der Bitterstoffrezeptoren in der Haut zu einem Einstrom von Kalzium und zu einer Synthese verschiedener Lipide und Eiweiße, die wichtige Bausteine beim Aufbau der Hautbarriere sind.

Velan_Serie KopieAußerdem konnte das Team um Prof. Schempp und Dr. Wölfle antiallergische und stoffwechselanregende Wirkungen von Bitterstoffen in der Haut nachweisen. „Nun war es an der Zeit, diese Entdeckung zum Patent anzumelden, um damit eine neuartige Hautpflege mit Bitterstoffen entwickeln zu können“ so Schempp. Am 28.Oktober 2013 wurde die Patentanmeldung beim Europäischen Patentamt eingereicht und die Entwicklung der Hautpflegeserie VELAN mit Bitterstoffen nahm ihren Weg.
Velare (lat.) heißt einhüllen, umhüllen. Ein Velum (lat.) ist eine Hülle, ein Tuch, das uns einhüllt und schützt, so wie unsere Haut. „Es war nicht einfach, geeignete Rohstoffe und Extrakte zu finden“, erinnert sich Schempp.

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Gelber Enzian (Gentiana lutea L.) by © Ursel Bühring

„Schliesslich stiessen wir auf einen Familienbetrieb im Allgäu, von dem wir biologisch angebaute Enzianwurzeln beziehen konnten. Der Extrakt aus diesen Wurzeln ist heute in allen Produkten der von uns entwickelten Pflegeserie enthalten.“ Nach dreijähriger Entwicklungsarbeit waren die sechs Velan-Produkte endlich fertig und konnten über die Universität Freiburg auslizensiert werden. Eine klare und übersichtliche Website mit Shopfunktionen wurde kreiiert. „Es waren aufregende fünf Jahre seit dieser Zugfahrt von Berlin nach Freiburg“, sagt Schempp. „Derzeit untersuchen wir, welche Rolle die Bitterstoffrezeptoren der Haut im Alter und bei Neurodermitis spielen“. Man darf gespannt sein, was die Wissenschaftler noch alles über die Bitterstoffrezeptoren der Haut entdecken werden.

Ich durfte die sechs Produkte der absolut innovativen Velan-Serie testen, es befinden sich keinerlei synthetisch-chemische Substanzen in diesen Produkten, die zudem strengen NaTrue-Siegel zertifiziert sind (mehr zu seriösen Siegeln für Naturkosmetik und ätherische Öle befindet sich hier). Klar, dass ich zunächst zur roten Serie mit den hautstraffenden Produkten griff, schließlich bin ich nicht mehr die Jüngste. Neben den Bitterstoffen aus der Bio-Enzianwurzel tragen lichtschützender und antiallergisch wirksamer Schisandra-Extrakt und Granatapfel zur Pflegewirkung bei. Das Serum ist ganz leicht und trotzdem wunderbar nährend, obwohl es sich extrem sparsam auftragen lässt. Eigentlich brauche ich darüber kein anderes Produkt, vielleicht mal im Winter. Serum und und die prima einziehende Bodylotion duften ganz zart und fast pudrig nach Palmarosa und einem Hauch Lemongrass.

Mein ‚Pubertier‘ (17 Jahre) setzt in Notfällen (Party steht an) das Reine Haut Akut-Gel aus der grünen Serie ein. Dieses Gel kam wie gerufen, als er eine antibiotische Salbe „unbedingt brauchte“, die würde jeder besitzen und benutzen. Ich war froh, dass ich ihm auf der Stelle eine Alternative reichen konnte. Weidenrinde in diesen zwei Produkten enthält Polyphenole (Gerbstoffe, Flavonoide), Salicylsäure und Salicin (Weidenbitter). Manuka und Ackerminze erfrischen und klären das Hautbild, Manuka rückt zudem den lästigen Akne-Bakterien auf den Leib. Für das Testen der Peelingmaske werde ich demnächst ein weibliches ‚Pubertier‘ anheuern. Die blaue Serie kommt ganz ohne ätherische Öle aus und ist damit ideal für Menschen mit problematischer, juckender, schuppender Haut geeignet. Zudem ist denkbar, dass man den samtigen Körperbalsam und die beruhigende Gesichtscreme mit eigenen Lieblingsdüften anreichert.

Velan_Produkte_WebsiteDiese sechs Produkte kosten zwischen 5,95 € (Akut-Gel) bis 24,95 € (Pflegelotion zum Straffen), das mag zwar zunächst nicht preiswert erscheinen, doch die Produkte sind wirklich sehr ergiebig und beinhalten nur pflegende Substanzen und keinerlei mineralische Träger- oder Verlängerungsstoffe, sind also pure Naturpflege vom Feinsten. Sowas wie zartschmelzende Schoki-Trüffel für die Haut – aber garantiert kalorienfrei (wer weiß, es handelt sich ja um notfalls essbare Kosmetik… 😉 ) Zu bestellen auf der Velan Shop-Seite (klick!)

Der wissenschaftliche Hintergrund

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Dr. Ute Wölfle

Die Erforschung der hautpflegenden und hautregenerierenden Inhaltsstoffe dieser kleinen aber sehr feinen Kosmetikserie  wurde am Forschungszentrum skinitial an der Klinik für Dermatologie und Venerologie der Uni Freiburg durchgeführt. Dort widmet sich ein Team um Dr. Christoph Schempp und Dr. Ute Wölfle (die übrigens schon mal bei mir hier in Irland an einer Duft-Erlebnis-Woche teilnahm) der wissenschaftlichen Erforschung der Wirkung von Pflanzen und Licht auf die Haut.

Standardisierte Pflanzenextrakte enthalten eine Vielzahl therapeutisch interessanter sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe und Naturstoffe, z.B. Antioxidanzien, entzündungshemmende und antimikrobielle Substanzen (siehe Velan Website). Die dermatologische Nutzbarkeit vieler solcher Stoffe ist erst ansatzweise erforscht.

Methodenspektrum :: Bei der Prüfung von Wirksamkeit und Verträglichkeit von Naturstoffen kommt der Dermopharmazie, die sich mit geeigneten Darreichungsformen (Galenik), der Wirkstoff-Freisetzung und der Penetration in die Haut beschäftigt, eine besondere Bedeutung zu. Dermatologisch verwendete Naturstoffe sollten kein sensibilisierendes oder phototoxisches Potenzial besitzen. Im Labor sind verschiedene Zellkultur-Modelle und molekularbiologische Methoden etabliert.

Klinisch werden die Substanzen in Hauttests (Patchtest, Ultraviolett-Erythemtest) und in Pilotstudien, z.B. bei Neurodermitis, untersucht. Zum klinischen Methodenspektrum gehören hautphysiologische Untersuchungen wie Messung der Hauthydratation, des transepidermalen Wasserverlustes, der Hautdurchblutung, des Hautfettgehaltes und der Pigmentierung. In das Forschungszentrum integriert ist ein Studienzentrum für entzündliche Hauterkrankungen, in dem zertifizierte Prüfärzte und eine Study nurse klinische Studien nach GCP (good clinical practice) durchführen.

Kooperationen :: Der integrative Ansatz des Zentrums kommt durch interdisziplinäre Forschungsprojekte mit naturwissenschaftlichen Fachrichtungen wie Allergologie, Biologie und Pharmazie zum Ausdruck, aber auch durch Einbeziehung alternativer Forschungs- und Therapieansätze wie der anthroposophischen Medizin und die Kooperation mit dem Unizentrum für Naturheilkunde.

Forschungsprojekt || Wirkung von Bitterstoffen an der Haut :: In den letzten Jahren wurde entdeckt, dass bestimmte Geschmacksrezeptoren, die Bitterstoffrezeptoren (T2Rs), nicht nur im Mund und Rachenraum vorhanden sind, sondern auch in den Bronchien der Lunge vorkommen. Die Bindung von Bitterstoffen an Bitterstoffrezeptoren in der Lunge führt zu einer Erweiterung der Bronchien, was eventuell für die Behandlung des Asthma bronchiale genutzt werden kann. Das Forschungszentrum skinitial konnte zeigen, dass auch die Haut Bitterstoffrezeptoren besitzt.

Pflanzliche Bitterstoffe aus dem Enzian oder Weidenbitter (Salicin aus der Weidenrinde) binden an diese Bitterstoffrezeptoren und bewirken einen Calciumeinstrom in die Hautzellen. Dies stimuliert die Lipidsynthese und die Produktion von bestimmten Proteinen, die entscheidend am Aufbau der Haut beteiligt sind (Keratine, Filaggrin). Bitterstoffe regen dadurch den Stoffwechsel der Haut an. Darüber hinaus besitzen sie antiallergische Wirkungen. Antiallergische Wirkung von Amarogentin.

Forschungsprojekt || Gerbstoffe bei der Behandlung von Hautentzündungen :: Gerbstoffe, zum Beispiel aus der Eiche, der Zaubernuss und der Blutwurz sind eine Gruppe von pflanzlichen Polyphenolen mit adstringierender und entzündungshemmender Wirkung. Darüber hinaus gehen Gerbstoffe chemische Bindungen mit Eiweißen ein und wurden deshalb zum Gerben von Leder verwendet. Im molekularen Bereich wirken Gerbstoffe auch als Immunmodulatoren und gegen Krebszellen. Gerbstoffe werden heute vor allem in der anthroposophischen Medizin als regulierende Therapeutika eingesetzt, um überschießende Proliferation, Ödembildung und atopische Erkrankungen zu behandeln. Die verwendeten Gerbstoff-haltigen Arzneimittel werden u.a. aus der Eichenrinde und aus dem Rhizom der Blutwurz (Potentilla officinalis) hergestellt. Das Forschungszentrum skinitial führt klinische und experimentelle Untersuchungen zu gerbstoffhaltigen Pflanzen durch.

Forschungsprojekt || Wirkung von Antioxidanzien auf die Haut :: Oxidativer Stress spielt eine wichtige Rolle bei der Hautalterung, aber auch bei Entzündungen der Haut und bei der Entstehung bestimmter Hautkrebs-Arten. Deshalb sind Antioxidanzien interessante Wirkstoffe für die Prävention und Behandlung dieser Hautprobleme. Antioxidanzien neutralisieren schädliche Sauerstoff-Radikale, wie sie z.B. durch UV-Bestrahlung entstehen. Neben Vitamin E und C und Ubichinon (Coenzym Q10) sind Carotinoide und pflanzliche Polyphenole die wichtigsten Antioxidanzien. Zu den Polyphenolen gehören das Resveratrol, die Tannine und die Flavonoide. Bekannte Flavonoide sind Quercetin und Luteolin, die wegen ihrer antioxidativen Wirkung häufig in Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden. Das Forschungszentrum skinitial erforscht insbesondere das Flavonoid Luteolin und die Pflanze Reseda luteola, und deren Wirkung auf UV-induzierte Entzündungen der Haut.

Forschungsprojekt || Wirkung von Birkenkorkextrakt auf die Haut :: Das Forschungszentrum skinitial beteiligte sich in den letzten Jahren an der klinischen und experimentellen Erforschung von Betulinen aus der Birkenrinde und deren Wirkung auf die Haut. Es wurden explorative Anwendungsbeobachtungen durchgeführt, bei denen sich zeigte, dass insbesondere Hauterkrankungen mit einer geschädigten Barrierefunktion gut auf die äusserliche Anwendung von Betulin ansprechen (Intertrigo, Verbrennungen, akute Ekzeme, oberflächliche Wunden). In experimentellen Untersuchungen wurde von skinitial gezeigt, dass Birkenkorkextrakt differenzierungsfördernde Wirkungen auf Hautzellen hat.