der jubiläumskongress der ÖGwA


ÖGwA_Kongress_2017_TaschenDie Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie feierte im vergangenen Monat in Wien ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Kongress. Am Samstag, den 4. März, trafen sich im Europahaus zahlreiche Koryphäen der wissenschaftlich orientierten Arbeit mit ätherischen Ölen.

Da ich nicht anwesend sein konnte, bat ich meine liebe Kollegin Christine Steiner, die in Wien zu Hause ist und dadurch einen Heimvorteil hatte, für uns die spannendsten und neuesten Erkenntnisse zu notieren:

Univ. Prof. Dr. Johannes Saukel sprach über pharmakognostische Grundlagen der Verwendung von Aromen natürlichen Ursprungs in der Aromatherapie. Er beleuchtete die Vielfalt der Aromastoffe aus dem Pflanzenreich und bot einen Einblick in die chemischen Stoffklassen, denen die unterschiedlichen Aromen zugeordnet werden.

Evelyn Deutsch-Grasl sprach über ‚Aromapflege am Puls der Zeit‘ und rief im Sinne einer zukunftsorientierten, ganzheitlichen Betrachtung mit ihrem Vortrag zur natürlichen Hautpflege auf. Sie spannte den Bogen von den grundlegenden Aufgaben der Haut bis zur gesunden Erhaltung und Stärkung dieser unserer Schutzhülle mit vielfältigen Funktionen. Besonders kam in ihrem Beitrag die Wichtigkeit der professionellen Berührung im Rahmen der Pflege zum Ausdruck.

Dabei erläuterte sie, welche entscheidende Rolle hierbei qualitativ hochwertige fette Öle spielen, da diese die regulationsphysiologischen Prozesse unterstützen. Sie arbeitete die enorme Wichtigkeit heraus, bei bettlägerigen Menschen die Pflege mit natürlichen Produkten verstärkt in den Fokus des pflegerischen Handelns zu rücken. Denn deren Haut ist oft durch verabreichte Medikamente bzw. durch verschiedene Erkrankungen in höchstem Maße strapaziert.

Sie nannte das erfolgreiche Beispiel, zur prophylaktischen Mundpflege vor einer Chemotherapie verdünntes Sanddornöl in die pflegerische Maßnahme einzubauen. Denn seit vielen Jahren gibt es inzwischen die Erfahrung, dass auf diese Weise Mukositis der Mundschleimhaut wesentlich verringert werden kann, so dass die oft geschwächten PatientInnen weiterhin ohne starke Schmerzen Nahrung zu sich nehmen können. Ebenso erläuterte sie, dass Kanuka und Manuka bei Strahlentherapie-induzierter Mukositis deren Beginn verzögert, auch kommt es laut der entsprechenden Studie zu weniger Schmerzen und weniger Gewichtsverlust in Folge.

Aber nicht nur bei bettlägerigen Menschen ist die natürliche Hautpflege von immenser Bedeutung, so gibt es auch Erkenntnisse, dass Babymassage mit Kokosfett bei Frühchen die Hautintegrität fördert und es somit zu weniger nosokomialen Infektionen („Krankenhausinfektion“) kommt. Auch zur atopischen Dermatitis gibt es eine Studie, derzufolge Kokosöl und Olivenöl antibakteriell und weichmachend wirkten und die Haut somit weniger durch Trockenheit und die daraus resultierenden Probleme strapaziert ist.

ÖGwA_Kongress_2017_Buchbauer

Gerhard Buchbauer und Evelyn Deutsch

Univ. Prof. Mag. pharm. Dr. Gerhard Buchbauer sprach über die vielfältigen Wirkungen einiger Inhaltsstoffe ätherischer Öle. Aus einer Ätherische-Öl-Pflanze wird seltener das ätherische Öl gewonnen, sondern es werden pharmazeutisch hoch aktive Extrakte hergestellt, also Phytotherapeutika. Dieser Johanniskrautextrakt kann stark in den Metabolismus des Menschen eingreifen und ungünstige Wechselwirkungen hervorrufen. Er kann beispielsweise die Wirksamkeit der Antibaby-Pille reduzieren (wobei dieses Thema nicht abschließend geklärt ist), sowie von Antikoagulantien und auch von Medikamenten, die zur lebenswichtigen Verhinderung von Abstoßreaktionen bei Spenderorganen gegeben werden. In diesem Fall kann es bedrohlich sein, wenn dies unkontrolliert passiert.

Der Haupt-Inhaltsstoff Anethol im Anisöl interagiert mit Codein derart, dass die schmerzreduzierende Wirkung dadurch gesteigert wird. Bitterorangenöl hemmt beispielsweise das P-Glycoprotein bei Verabreichung von Dextromorphan in Hustenstillern. Hier wurde eine vierfache Verzögerung des Abbaus und somit ein vierfacher Anstieg der Bioverfügbarkeit und somit Wirksamkeit des Arzneistoffes festgestellt.

Weiters führte Dr. Buchbauer aus, dass +(-)Limonen die Gluthation-S-Transferase fördert und somit die Apoptose einleiten kann (der natürliche programmierte Zelltod einer jeden Zelle unseres Körpers) – was sehr vielversprechend in der onkologischen Therapie ist.

Er berichtete von der Chamomilla recutita, welche das Enzym Cytochrom P450 (wichtig zum Um-und Abbau bestimmter Medikamente) hemmt und schilderte einen Fall, wo eine Dame, welche Blutverdünnungsmittel nehmen musste und plötzlich innere Blutungen bekam. Es stellte sich heraus, dass die Dame täglich gerne mehrere Tassen Kamillentee genoss und Hautpflegeprodukte mit Kamille liebte. Die Wirkstoffe der Kamille hemmten die Enzyme, die das Medikament abbauen sollen und so kam es zu einer extremen Anreicherung mit den Nebenwirkungen.

Die Wirkung von Midazolam, ein Mittel zur Narkosevorbereitung und Sedierung wird durch gleichzeitige Verabreichung von Pfefferminze gefördert und verlängert.

Bei einer Antibiotikabehandlung sehen naturgemäß die Bakterien dieses als Fremdstoff und bilden Beta-Lactamasen, welche die Wirkung der Antibiotika verhindern. Ätherische Öle hemmen die Produktion der Beta-Lactamasen und unterstützen somit die Wirkung von Antibiotika. Als Beispiel nannte er Cefazolin, welche unter gleichzeitiger Anwendung von Lavendelöl eine verstärkte Wirkung gegen MRSA aufweist. Rosmarin bildet mit Ciprofloxacin zusammen eine erfolgreiche Synergie gegen Klebsiella pneumoniae (Lunge, Urogenitaltrakt). Bei Candida albicans erwies sich die Kombination aus Nystatin und den ätherischen Ölen von Oregano, Teebaum und Rosengeranie als hochwirksam.

Bakterien kommunizieren chemisch  über Pheromone (Quorum sensing) und bilden so einen Biofilm, eine dünne Schicht auf anorganischen (beispielsweise Intubierungsschläuche) und organischen Oberflächen (Haut, Schleimhaut). Dieser Film bildet die Lebensgrundlage der Bakterien und erhöht deren Ausbreitung und Schwarmbeweglichkeit, somit sind Behandlungen erschwert. Ätherische Öle agieren als natürliche Quorum Sensing-Inhibitoren (z.B. Linalool, Terpen-4-ol, Geranial, Neral, Farnesol), sie stören die „Manöver-Absprachen“ der Krankheitskeime erheblich.

ÖGwA_Kongress_2017_Buchmayr

Bärbl Buchmayr im Open Space

Prof. Mag. pharm. Dr. Walter Jäger ging in seinem überaus lebendigen und kurzweiligen Vortrag auf den Einfluss der Wirksamkeit von Resorption, Verteilung, Metabolismus und Ausscheidung bei Terpenen ein. Er zeigte eine Aufstellung, mit welcher Geschwindigkeit Hydrocortison an verschiedenen Körperstellen über die Haut resorbiert wird:

  • Unterarm 1
  • Fußsohle 0,14
  • Rücken 1,7
  • Achselhöhle 3,6
  • Kopfhaut 3,5
  • Stirn 6
  • Hinterohrregion 13

Er merkte an, dass damit bestätigt sei, warum viele Frauen sich Parfum hinters Ohr geben – weil es schneller „reingeht“.

Ebenso erläuterte er, dass die Verteilung eines Stoffes im Körper sehr unterschiedlich ist – manche Regionen weisen eine 200 mal höhere Konzentration auf, als andere Körperstellen. Auch die Ausscheidung von Stoffen ist sehr unterschiedlich und somit deren Wirk-Zeitfenster – er brachte das Beispiel von Aspirin bei Kopfschmerzen  – die Wirkdauer beträgt hier nur etwa 2 Stunden.

Auch Dr. Jäger ging kurz auf die antitumorale Wirkung des Inhaltsstoffes d-Limonen ein – dieser ist in vielen ätherisches Öle enthalten, insbesondere in Zitrusschalenölen – und erläuterte eine Studie, die belegte, dass 12 Kapseln zu je 8g Tumorzellen bekämpften. Er berichtete zudem, dass Oreganoöl als ein natürliches „Antibiotikum“ bei Harnwegsinfekten interessanterweise keinen Nachweis von Thymol oder Carvacrol im Harn zeigt. Ausserdem sei generell zu sehen, dass der Spiegel von Stoffen im Harn bei Menschen mit hohem Body Mass Index geringer ist, als bei Menschen mit weniger Fettanteil, weil offenbar die Stoffe im Fettgewebe gespeichert werden und somit der Übergang in Blut und Harn geringer ist.

Univ.-Prof. PD Mag. pharm. Dr. rer. nat. Dr. phil Sabine Krist sprach über flüchtige Verbindungen in kaltgepressten pflanzlichen Fetten und Ölen – eine Tatsache die weniger bekannt ist. So finden sich z.B. Hexanal, 2-Pentylfuran, Terpene (alpha-Pinen, Limonen und viele weitere), kurzkettige Alkane und Monocarbonsäuren in kaltgepressten Fetten und Ölen. Neben der Tatsache, dass diese zum charakteristischen Aroma und Geruch der pflanzlichen Fette und Öle beitragen, können diese unter Zuhilfenahme modernster analytischer Techniken zur Entdeckung von Verfälschungen beitragen. So brachte sie das Beispiel, dass Mohnöl sehr oft mit Sonnenblumenöl verschnitten ist. Aufgrund der ähnlichen Fettsäureverbindungen ist selbst für hochgeschultes Personal dieser Schwindel erst ab ca. 40% Sonnenblumenölzugabe erkennbar!

ÖGwA_Kongress_2017_Steflitsch

Wolfgang Steflitsch

Mag. Dr. rer. nat. Elisabeth Oberzaucher referierte über das spannende Thema „Der Mensch ist doch ein Nasentier – geruchliche Kommunikation beim Menschen“. Pheromone, wichtige Geruchsbotenstoffe sind wichtige nonverbale Kommunikationsmittel zwischen uns Menschen. Hier ist zu unterscheiden, zwischen Stoffen, wir unsere Körper selbst produziert und jene Geruchsstoffe, die als Stoffwechselprodukte von Hautparasiten entstehen. Erst durch enzymatische Aktivität von Bakterien entstehen die männlichen Pheromone Androstenon und Androstenol. Allerdings können sich nicht alle Bakterien gleichermassen ansiedeln, dies hängt von Immunsystem jedes Einzelnen ab, was verdeutlicht, dass Parasiten, die vom Immunsystem erkannt werden, infolgedessen erfolgreich bekämpft werden können und somit im Spektrum dieses Menschen keine Chance haben und daher im „Bukett“ fehlen. Dies wiederum erklärt, dass das Körpergeruch eines Menschen sehr stark an das Immunsystem gekoppelt ist.

Weibliche Pheromone kommen z.B. im Schweiß und im Vaginalsekret vor. Zur Zeit des Eisprunges werden auch weniger attraktive Frauen durch die im Sekret enthaltenen Copuline von Männern als äußerst attraktiv empfunden. Androstenon verleiht Aggressivität und Männlichkeit, soll andere Männern einschüchtern und auf Frauen stark und verlocken wirken. Frau Dr. Oberzaucher sprach die zwielichtigen Pheromonparfums an, die unter Umständen sich gegen den Verwender selbst richten können. Denn der „beduftete“ Anwender setzt sich selbst der größten „Einschüchterungsdosis“ aus, hat somit selbst den höchsten Androstenonspiegel hat und ist dann im „Erfolgsfall“ nicht mehr wirklich „handlungsfähig“ 😉  Bei Frauen steigert Androstenon die Fruchtbarkeit und reguliert den Zyklus. Aber nicht nur Frauen, auch homosexuelle Männer werden von Andostrenon angezogen. Auch ein Geschäftszweig soll sich der einschüchternden, dominanten Wirkung von Androstenon bedienen: So erzählte Frau Dr. Oberzaucher, dass Inkassobüros ihre Forderungsschreiben an Kunden mit Androstenon besprühen. Derart präparierte Rechnungen werden angeblich eher bezahlt! Mittlerweile wenden dies angeblich auch schon andere Firmen bei der Ausstellung von Rechnungen an.

Damit dies alles überhaupt funktioneren kann, wirken Pheromone bereits unterhalb der bewußten Wahrnehmungsschwelle. Vermutlich würde man sonst aufgrund des zuweilen ekelhaften Geruches dieser Stoffe in höheren Konzentrationen diese auch gar nicht aushalten können.

Auch erklärte Frau Dr. Oberzaucher die bekannte Tatsache, dass Menschen vordringlich sich Partner mit einem unähnlichen Körpergeruch unbewusst suchen, um den Nachfahren ein breiteres Genspektrum zu bieten. Dieses stattet den Menschen mit einem möglichst variablen Immunsystem aus, welches die Fähigkeit, auf parasitäre Störungen zu reagieren, verbessert. Aber dem gegenüber steht dann doch wieder die Tatsache, dass gleich und gleich sich gern gesellt, weil ein gewisses Maß an Ähnlichkeit von Gerüchen als attraktiv empfunden wird. Bei der Ähnlichkeit wird z.B. die Ebene der Alltagstauglichkeit einer Partnerschaft angesprochen, ein harmonisches Miteinander. So kann umrissen werden, dass sich die Partnerwahl im Spannungsfeld zwischen „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“ abspielt. Diese einander entgegenwirkende Kräfte haben im Laufe der Evolution eine Präferenz für ähnliche, aber nicht zu ähnliche Körpergerüche entwickelt, sodass optimalerweise ein genetisch komplementär zum eigenen ausgestattetes Immunsystem das Ziel ist.

ÖGwA_Kongress_2017_Dorfinger

Gerda Dorfinger

Der Kongress bot am Nachmittag den Teilnehmern dann auch noch die Möglichkeit im Rahmen eines OPEN SPACE sich verschiedene Stationen anzuschauen. Es wurden folgende Möglichkeiten geboten:

Ätherische Öle und Mikrobiologie – Frau Dr. Gerda Dorfinger brachte den Teilnehmern das Aromatogramm näher. Die TeilnehmerInnen konnten gezüchtete Kulturen unter dem Mikroskop betrachten und unterschiedliche Erreger sehen.

Frau Mag. pharm. Dr. Barbara Nasel ging auf das Thema „Düfte für Kinder“ ein.

Über „Psychodynamische Wirkmechanismen ätherischer Öle“ konnten man bei Frau Mag. pharm. Dr. rer. nat. Iris Stappen etwas erfahren.

Herr Dr. med. Wolfgang Steflitsch zeigte live Reflexzonentherapie am Fuß.

Bärbl Buchmayr zeigte sehr praxisnah, wie man eine „Duftende Ölkompresse“ bereitet und anlegt.

Wer mehr über die wichtige Arbeit der ÖGwA erfahren möchte, kann sich auf deren Website (klick!) informieren. In Zeiten, in denen jeden Tag mehr wissenschaftliche Erkenntnisse rund um ätherische Öle verdreht oder gar negiert werden (beispielsweise die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe), in denen völlig unkritische Menschen mit erfundenen „Fakten“ und unsachgemäß durchzuführenden Anwendungen angeworben werden, um den schnellen Euro zu machen, können von den Wissenschaftlern dieses Verbandes seriöse Antworten erhalten werden.

Danke für diesen kurzweiligen Bericht, liebe Christine! Wer in Wien eine verantwortungsvolle Beratung rund um ätherische Öle sucht, ist bei der „ewig“ erfahrenen Autorin dieses Berichtes, Christine Steiner, bestens aufgehoben, ein Blick auf Ihre Website (klick!) verrät mehr.              Alle Fotos: ÖGwA

Edit: In der ursprünglichen Version dieses Artikels bezogen sich die Wechselwirkungen des Johanniskraut auf das ätherische Öl. Das ist nicht korrekt. Die Wechselwirkungen entstehen bei hochkonzentrierten Extrakten aus Hypericum, also bei der Einnahme von Phytopharmaka mit hoch dosierten Johanniskrautauszügen. Diese unerwünschten Wirkungen entstehen NICHT bei der äußerlichen Anwendung von Johanniskrautölmazerat (Rotöl). Vielen Dank Dr. Häringer und Dr. Buchbauer für die Korrektur.

auch darmkrebszellen reagieren auf riechmoleküle


RUB Duftforschung - neue Riechrezeptoren in menschlichen Hautzellen

Prof. Dr. Hatt ist regelmäßig ein spannend vortragender Gast auf Aromatherapie-Konferenzen, hier schnuppert sich durch Düfte

Regelmäßig hören wir von neuen Erkenntnissen vom kreativen Team von Zellphysiologen rund um Professor Hanns Hatt. Zusammen mit Dr. Lea Weber ging es um Darmkrebszellen, welche durch die Begegnung mit dem Riechstoff des Lisgusterstrauches anfangen zu schrumpfen (viele haben den Liguster zu Hause als Hecke, alle Harry Potter-Fans wissen, dass er im Ligusterweg 4 wohnt 😉 ) [im Dezember 2016 ging es hier um die Entdeckung dieses Teams von Wissenschaftlern, dass Caspaicin das Wachstum von Bruskrebszellen dämpft]. Die aktuelle Pressemeldung der Ruhr-Universität Bochum:

RIECHREZEPTOREN
Neue Angriffsziele in Darmkrebszellen entdeckt

Diese Ergebnisse aus der Riechforschung könnten zu einem weiteren Therapieansatz verhelfen.
Das Wachstum von Darmkrebszellen lässt sich mit dem Duftstoff Troenan bremsen. Das berichten Forscher um Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt und Dr. Lea Weber von der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift „PLOS One“. Die Wissenschaftler entdeckten in Tumorzellen aus dem Enddarm den Riechrezeptor OR51B4. Sie analysierten, welcher Duftstoff den Rezeptor aktiviert und wie sich die Aktivierung auf die Zellen auswirkt.

Das Team vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie kooperierte für die Studie mit der Abteilung für Molekulare Gastroenterologische Onkologie der Ruhr-Universität, die Prof. Dr. Stephan Hahn leitet. Die erforderlichen Gensequenzierungen führte das Team vom Cologne Center for Genomics durch.

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Die Blüte von Ligustrum vulgare

Blütenduft aktiviert Rezeptor
Riechrezeptoren wurden bereits in verschiedenen gesunden Geweben und Krebsgeweben nachgewiesen. Nun fanden die Bochumer Forscher den Rezeptor OR51B4 in großen Mengen in Darmkrebszellen. Sie identifizierten das Molekül Troenan als Aktivator für OR51B4. Es duftet nach Liguster, einer Strauchpflanze, die häufig als Hecke genutzt wird.

Im nächsten Schritt behandelten die Wissenschaftler Krebszellen der Zelllinie HCT116 und Tumorgewebeproben von Patienten mit Troenan. Das Ergebnis: Die Zellen wuchsen nicht mehr so schnell und bewegten sich langsamer als zuvor – ein Hindernis für die Bildung von Metastasen. Außerdem starben durch die Troenan-Behandlung vermehrt Krebszellen ab. In weiterführenden Experimenten mit Mäusen, die den menschlichen Tumor ausbildeten, konnten die Duftwirkungen inzwischen bestätigt werden.

Potenzieller Ansatz für Therapie
Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung, an der mehr als sechs Prozent aller Deutschen im Laufe ihres Lebens leiden. Bei dem in der vorliegenden Studie verwendeten Material handelte es sich um kolorektale Tumoren, die 95 Prozent der bösartigen Darmtumoren ausmachen und die häufigste Ursache für Todesfälle durch Darmkrebs sind. Die Heilungschancen, wenn Ärzte einen solchen Tumor chirurgisch entfernen, liegen bei 50 Prozent. Sie hängen entscheidend vom Krankheitsstadium ab, in dem der Darmkrebs entdeckt wird. Eine gezielte pharmakologische Behandlung gibt es bisher nicht, nur die allgemeine Chemotherapie.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Ergebnisse einen neuen Ansatz für die Darmkrebstherapie ermöglichen könnten“, sagt Hanns Hatt. Die Tumoren seien häufig vom inneren Hohlraum des Darms zu erreichen. „Daher ist denkbar, dass eine orale oder rektale Aufnahme den Duftstoff Troenan in den wirksamen Konzentrationen direkt an den Tumor bringen würde. Hierzu sind allerdings noch klinische Studien mit Patienten notwendig“, so Hatt weiter.

Die Originalveröffentlichung vom 8. März 2017 in PLOS One: Lea Weber, Klaudia Al-Refae, Juliane Ebbert, Peter Jägers, Janine Altmüller, Christian Becker, Stephan Hahn, Günter Gisselmann, Hanns Hatt: Activation of odorant receptor in colorectal cancer cells leads to inhibition of cell proliferation and apoptosis (hier kann sie gelesen und runtergeladen werden). Abbildung Prof. Hatt: Ruhr-Universität, Abbildung Liguster: Andrew Butko

ätherische öle bei vermindertem speichelfluss wegen karzinombehandlung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIn einer kleinen randomisierten, kontrollierten Studie bei Patienten die an differenzierten Schilddrüsenkarzinomen litten, konnte gezeigt werden, dass die Inhalation mit einer Mischung aus Zitronenschalenöl (destilliert) und Ingweröl den gestörten Speichelfluss anregen konnte. Somit konnte sich die Ernährungssituation der Patienten verbessern.

Es handelte sich um 71 japanische PatientInnen, die Probleme mit dem Speichelfluss nach der der Entfernung der Schilddrüse und der danach üblicherweise folgenden Radiojodtherapie (RJT/RIT) hatten. Diese unangenehme bis sehr schmerzhafte Folge der Behandlung tritt bei 11 bis 67 Prozent der erkrankten und behandelten Menschen auf (Sialadenitis).

Die zufällig ausgewählten PatientInnen wurden zwischen Juni 2014 und März 2016 rekrutiert und dann in zwei Gruppen eingeteilt (35 bzw 36 Personen;25 Frauen, 10 Männer). Statistisch gesehen erkranken mehr Frauen als Männer an diesen Tumoren der Schilddrüse (in drei von vier Fällen erwischt es Frauen), die jedoch insgesamt sehr gute Heilungschancen haben. Allerdings erwartete man für 2016 Neudiagnosen bei 64.300 Menschen allein in den USA (warum schreiben die japanischen Forscher nicht über Erkrankungen in ihrem Land, in dem Teile aufgrund des Nuklearunglücks von Fukushima radioaktiv verseucht sind?…).

Die aktive Gruppe (Alter: 35-78 Jahre) inhalierte das Ätherisch-Öl-Gemisch 14 Tage lang für 10 Minuten jeweils vor den Mahlzeiten. Die Kontrollgruppe inhalierte Wasser (Alter 30-86 Jahre;30 Frauen, 6 Männer). Die Aktivität und Effektivität der Ohrspeicheldrüsen und der Unterkieferspeicheldrüsen wurde vor und nach den Interventionen ermittelt, diese verbesserte sich bei der „Duftgruppe“ signifikant (𝑃 < 0,05). Die Autoren dieses Experiments, was nicht sehr befriedigend beschrieben ist (man erfährt nicht, ob jeweils mit 1 ml Zitronenöl und 0,5 ml Ingweröl oder nur einem Teil davon inhaliert wurde), diskutieren am Ende ihrer Arbeit, dass auch Pfefferöl die gewünschten Ergebnisse liefern könnte.

Dennoch meine ich, erhalten wir durch diese kleineStudie eine nützliche Anregung, welche die bereits durchgeführte Anwendung von Zitronensaft zur Anregung des Speichelflusses, ergänzen könnte. Die Arbeit: Nakayama M, Okizaki A, Takahashi K. A Randomized Controlled Trial for the Effectiveness of Aromatherapy in Decreasing Salivary Gland Damage following Radioactive Iodine Therapy for Differentiated Thyroid Cancer. Biomed Res Int. 2016;2016:9509810 ; sie kann hier (klick) kostenlos runter geladen werden.

PS. Heute sind 1500 Abonnenten dieser Informations-Seite erreicht, und noch ein ‚like‘ fehlt zur Zahl 4500 auf meiner Aromatherapie-Facebook-Seite. Vielen Dank für die vielen treuen LeserInnen und ein ganz besonderer Dank geht an die Personen, die auch ab und zu kommentieren und meine Arbeit mit Tipps, Adressen und Erfahrungen ergänzen (dann stehe ich nicht so alleine da!).

schlafen auf der intensivstation


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNach dem vorherigen Artikel über verbesserten Schlaf für Pflegende, die im Schichtdienst arbeiten, bekam ich die Info über eine erst kürzlich veröffentlichte Studie, in der man sich mit dem Schlaf von PatientInnen auf einer Intensivstation beschäftigte. Danke, liebe Heike; für diese ergänzende Arbeit.

Es überrascht sicher niemanden, dass Menschen, die ein gesundheitliches Trauma durchmachen, möglicherweise mit dem Tod ringen müssen, von Ängsten geplagt sind und schwere Schmerzen durchleiden, nicht an erholsamen Schlaf denken können. Dazu die Medikamente, die Schläuche, die Elektroden, die piependen und blinkende Apparate, das Kommen und Gehen der Betreuer.

So wurde in diesem türkischen Experiment geschaut, wie 60 HerzpatientInnen auf Lavendelöl reagieren. Die Schlafqualität wurde nach zwei standardisierten und anerkannten Skalen bewertet [Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und Beck Anxiety Inventory (BAI) scale]. 15 Tage lang bekam die Hälfte der vorher informierten TeilnehmerInnen 2%ig verdünntes Lavendelöl zum Einatmen. Die Kontrollgruppe bekam kein Lavendelöl zu riechen. Nach diesen zwei Wochen wurde in beiden Gruppen die Schlafqualität wieder bewertet.

Die Lavendelgruppe zeigte signifikant bessere Ergebnisse (p < 0·05), was die Qualität des Schlafes und auch was die Stärke der Angstsymptome anbelangte. Die Autoren schließen daraus, das diese nicht-invasive und kostengünstige Maßnahme für die Intensivpflege-Betreuung von HerzpatientInnen sinnvoll ist, denn sie kann von den Pflegenden selbstständig vorgenommen werden und ist einfach anwendbar.
[Karadag E, Samancioglu S, Ozden D, Bakir E. Effects of aromatherapy on sleep quality and anxiety of patients. Nurs Crit Care. 2017 Mar;22(2):105-112]

glas_aluminium_inhalierstift_blau_xsWenn jemand diese hilfreiche Anwendung ausprobieren möchte, bitte darauf achten, dass Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) eingesetzt wird, denn billigerer Lavandin kann relativ viel Campher (Kampfer oder Bornan-2-on) enthalten, dieser aktiviert und macht wach. Nur das ätherische Öl aus der Lavandin-Züchtung Lavandula × intermedia Super kommt dem Echten Lavendel in der beruhigend wirksamen Zusammensetzung recht nahe. Idealerweise gibt man 1-2 Tropfen des Lavendelöles auf einen Tupfer, der in der Nähe der Nase des Patienten gelegt wird, oder – zunächst teurer jedoch langfristig preisgünstiger, weil wochenlang benutzbar – auf einen Inhalier-Stick, wie sie inzwischen von mehreren Anbietern erhältlich sind, auch schöner und hygienischer aus Glas (in der Schweiz bei Florentia und für Österreich und Deutschland bei Sabine Nachbauer). Der beruhigend und angstlindernd wirksame Inhaltsstoff Linalylacetat ist auch reichlich in folgenden ätherischen Ölen enthalten:

  • Mentha x citrata, Bergamottminze: 34–63 % Linalylacetat
  • Citrus x bergamia, Bergamotte: 35% Linalylacetat
  • Salvia sclarea, Muskatellersalbei: 75% Linalylacetat
  • Lavandula × intermedia Super: +/- 35% Linalylacetat
  • Citrus x aurantium flos, Neroli: 3-16 % Linalylacetat
  • Citrus x aurantium fol, Petit Grain: 50-70 % Linalylacetat
  • Bursera delpechiana, Linaloe-Früchte: 22% Linalylacetat (und fast die doppelte Menge im sehr seltenen Öl aus den Samen und Samenhülsen)

Abbildung Inhalierstifte: Sabine Nachbauer

schärfemolekül bremst wachstum von brustkrebszellen


RUB;  RiechforschungEinige Tage vor Weihnachten veröffentlichte ein Team um den sicher vielen meiner LeserInnen bekannten Professor Hanns Hatt der Ruhr-Universität Bochum folgende spannende Pressemeldung:

„Der Geschmacksstoff Capsaicin macht Peperoni scharf. Ein feuriges Geschmackserlebnis ist aber längst nicht die einzige Wirkung, die er auf den Körper haben kann. Capsaicin, ein Inhaltsstoff von scharfen Substanzen wie Peperoni oder Pfeffer, hemmt das Wachstum von Brustkrebszellen. Das berichtet ein Team um den Bochumer Duftforscher Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt und Dr. Lea Weber nach Experimenten an kultivierten Zellen. In der Zeitschrift „Breast Cancer – Targets and Therapy“ stellen die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum ihre Ergebnisse vor, gemeinsam mit Kollegen der Augusta-Kliniken Bochum, des Herz-Jesu-Krankenhauses Dernbach sowie dem Kölner Zentrum für Genomik.

Die Versuche erfolgten mit der Zelllinie SUM149PT, die ein Modellsystem für eine besonders aggressive Brustkrebsform ist, den Triple-negative-Typ. Für diese Krebsart ist die Chemotherapie derzeit die einzige mögliche Behandlung.

Besonders häufiger Rezeptor

In den kultivierten Zellen fand das Team eine Reihe klassischer Riechrezeptoren. Besonders häufig vertreten war aber vor allem ein Rezeptor, der sonst im fünften Hirnnerv, dem Nervus trigeminus, vorkommt. Er gehört zu den sogenannten Transient-Receptor-Potential-Kanälen und trägt den Namen TRPV1. Neben dem Schärfemolekül Capsaicin aktiviert auch Helional – ein Duft nach frischer Meeresbrise – diesen Rezeptor.

In Kooperation mit Privatdozentin Dr. Gabriele Bonatz vom Brustzentrum der Augusta-Kliniken Bochum bestätigte Hatts Team die Existenz von TRPV1 in Tumorzellen in neun verschiedenen Burstkrebsproben.

Krebszellen sterben ab

Die Forscher aktivierten den TRPV1-Rezeptor in Zellkultur mit Capsaicin oder Helional, indem sie die Stoffe für mehrere Stunden oder Tage zu der Kultur hinzugaben. Dadurch vermehrten sich die Krebszellen langsamer. Außerdem starben durch die Behandlung verstärkt Tumorzellen ab. Die überlebenden Zellen waren zudem nicht mehr in der Lage, sich so schnell zu bewegen wie zuvor; das lässt darauf schließen, dass sie im Körper schlechter Metastasen bilden könnten.

„Wenn wir den TRPV1-Rezeptor gezielt durch Medikamente anschalten könnten, könnte sich ein neuer Ansatz für die Behandlung dieser Krebsform ergeben“, sagt Hanns Hatt. Eine Aufnahme über die Nahrung oder durch Einatmen reicht dazu nicht aus.

Wirksam in Mäusen

Die Chemikalie Arvanil – chemisch ähnlich zum Schärfemolekül Capsaicin – hatte sich in früheren Studien anderer Gruppen bereits als wirksam gegen Hirntumoren bei Mäusen erwiesen; sie reduzierte das Tumorwachstum in den Tieren. Aufgrund zu starker Nebenwirkungen ist diese Substanz aber nicht für Menschen zugelassen. Neben Capsaicin und Helional aktivieren auch die körpereigenen Endovanilloide den TRPV1-Rezeptor.“

Die komplette Veröffentlichung: Lea V. Weber, Klaudia Al-Refae, Gerhard Wölk, Gabriele Bonatz, Janine Altmüller, Christian Becker, Günter Gisselmann, Hanns Hatt: Expression and functionality of TRPV1 in breast cancer cells, in: Breast Cancer – Targets and Therapy, 2016. © des Fotos: Ruhr-Universität Bochum

PS. Es kann noch zwei Tage an der Verlosung der drei kostbaren Roll-on’s der Firma Tazeka mitgemacht werden, zum Teilnehmen kann der ansprechendste Name der Roll-on’s  als Kommentar zum Verlosungstext (klick!) aufgeschrieben werden.

rosenhydrolat lindert angst bei hämodialyse


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAngst ist ein steter Begleiter bei schweren Krankheiten, Angst befindet sich meistens im Gepäck, wenn jemand ins Krankenhaus „einziehen“ muss und erst recht, wenn jemand aufgrund eines Notfalles eingeliefert werden muss. Die Angst ist manchmal fast riechbar (Angstschweiß), dazu kommen Gerüche, die nach Operation, Desinfektion, Medikamenten, Ausscheidungen, Verkeimung und gar Verwesung riechen.

In einem der Ur-Heimatländer der Rosendestillation Iran untersuchte man bei Patienten mit Nierenversagen im Endstadium, wie sich Rosenhydrolat auf deren Ängste auswirkt. In einer randomisierten Arbeit wurden 46 Hämodialyse-PatientInnen in zwei Gruppen aufgeteilt: In der einen Gruppe wurde vier Wochen lang Rosenhydrolat eingeatmet, in der Kontrollgruppe wurde nichts in diese Richtung unternommen. Vor dem Experiment, nach zwei Wochen und nach vier Wochen wurde das Ausmaß der Angstsymptome anhand einer international anerkannten standardisierten Skala protokolliert (Spielberger Angstskala).

In der „Rosengruppe“ leitete man die PatientInnen an, drei Tropfen eines auf 25% verdünntes Rosenhydrolat auf ein sauberes und saugfähiges Baumwolltaschentuch zu geben. Dieser Duft sollte vier Wochen lang vor dem Schlafengehen 15 bis 20 Minuten eingeatmet werden und auch jeweils 15 bis 20 Minuten vor jeder Dialyse-Sitzung.

rose_phenylethanol_beschrDie regelmäßige Inhalation von Rosenwasser führte zu einer signifikanten Reduktion (P < 0.001) sowohl der „Angst als Zustand“ (in diesem Moment > STATE) als auch der „Angst als Eigenschaft“ (im Allgemeinen > TRAIT) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Wissenschaftler schlussfolgern daraus, dass Rosenhydrolat den emotionalen und spirituellen Zustand von Patienten während der Hämodialyse verbessern kann.

Diese Wirkung hat sicherlich nicht nur einen psychologisch-placebomäßigen, sondern auch einen rationalen Hintergrund, denn gutes Rosenhydrolat enthält einen nicht unerheblichen Anteil an stimmungsaufhellendem Phenylethanol (Phenylethylalkohol). Synthetisches „Rosenwasser“, das oft in Apotheken erhältlich ist, hat vermutlich nicht diese deutliche Wirkung. Diese Studie, die im September 2016 veröffentlicht wurde, kann hier (klick!) kostenlos herunter geladen werden.

PS. Es kann noch einige Tage an der Verlosung der drei kostbaren Roll-on’s der Firma Tazeka mitgemacht werden, zum Teilnehmen kann der ansprechendste Name der Roll-on’s  als Kommentar zum Verlosungstext (klick!) aufgeschrieben werden.

basilikumöl bei demenz und riechstörungen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZwei Artikel über Riechstörungen (Anosmie) und die oft überraschend hilfreiche Wirkung von Basilikumöl habe ich bereits geschrieben: Riechtraining bei Anosmie (klick!) und Aromatherapie wirkt auch bei Anosmie (klick!). Inzwischen ist man noch einen Schritt weiter: Es wurde herausgefunden, zumindest in Gewebestudien, dass einige Basilikumöle eine Anti-Acetylcholinesterase-Wirkung haben. Ein wahrer Zungenbrecher, nicht wahr??? Für Menschen mit demenziellen Veränderungen kann diese Medikamenten-Gruppe jedoch den Verlauf der Erkrankung etwas aufhalten. Bei Morbus Alzheimer bilden die Neuronen (Nervenzellen) zu wenig Acetylcholin, unser Botenstoff, der für Motivation, Ideen, Vorankommen und vieles mehr sorgt. Der uns zum am Leben teilhabenden Menschen macht. Dieser Stoff also wird zu wenig gebildet. Als wäre das nicht schon schlimm genug, überreagiert der hemmende Stoff Acetylcholinesterase, der beim gesunden Menschen für die Fein-Regulierung von Acetylcholin zu sorgen hat. Das Zuwenig an Acetylcholin wird also auch noch ausgebremst. Darum verwendet die Schulmedizin Acetylcholinesterase-Inhibitoren (also Hemmstoffe, um das körpereigene Hemm-Enzym auszubremsen), um den Verlauf der Erkrankung etwas abzufedern.

Vor einigen Tagen wurde also eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, welche diese Wirkung auch bei vier Ocimum-Arten belegt: O. basilicum, O. africanum, O. americanum, and O. minimum. Der Haupt-Inhaltsstoff vieler Basilikumöle (auch von Estragonöl) wurde als der stärkste Hemmstoff gegenüber der Acetylcholinesterase identifiziert (IC50 0.337 µM), danach folgt 1,8-Cineol, der Haupt-Inhaltsstoff vieler Eukalyptusöle, und von Myrte (türkisch), Ravintsara, Cajeput, Niaouli und vielen mehr (IC50 2.27 µM), gefolgt von Campher (IC50 21.43 µM) und Eugenol (IC50 40.32 µM). Diese duften Inhaltsstoffe docken an wichtige Aminosäuren des Acetylcholin-Stoffwechsels an, ganz ähnlich wie die heutzutage eingesetzten Standard-Medikamente [Farag MA, Ezzat SM, Salama MM, Tadros MG, Serya RA. Anti-acetylcholinesterase activity of essential oils and their major constituents from four Ocimum species. Z Naturforsch C. 2016 Nov 1;71(11-12):393-402].

Spannend finde ich, dass der unmerkliche Verlust des Riechsinns bei Morbus Alzheimer und der Lewykörperchen-Demenz zu den typischen Symptomen dieser Erkrankungen gehört. Basilikumöl hat sich wiederum als guter Helfer erwiesen, den schwindenden Geruchssinn wieder auf die Sprünge zu helfen. Tägliche Übungen (am besten 2x täglich jeweils 1-2 Minuten), insbesondere mit dem sehr schön duftenden und intensiv wirkenden CO2-Extrakt aus Ocimum basilicum (klick!) sind also einen Versuch wert. Wichtig ist, beim tiefen Einatmen des Duftes (winzige Mengen genügen völlig) an das Aussehen von Basilikum zu denken, sich Speisen, Restaurants, Urlaubsszenen etc mit Basilikum vorzustellen, also Verknüpfungen mit gesunden Hirnarealen, wie den visuellen Neuronen, herzustellen. Wer weiß, möglicherweise kann so auch der Verlauf dieser schweren neurodegenerativen Erkrankungen ein wenig gemildert werden. Sozusagen als ‚Dünger‘ für die grauen Zellen, wie ich es mal im Blog-Beitrag über Salbeiöle (klick!) beschrieb.

bei asthma: bronchienerweiternde wirkung durch riechstoffe


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Immer mehr wird von Wissenschaftlern erkannt, dass nicht nur die Riechrezeptoren, die unserer Nase zugeordnet sind, auf Riechinformationen regieren können, sondern dass auch andere menschliche Gewebe diese Fähigkeit besitzen (Haut, Blut, Leber, Herz, Prostata und Spermien).

Vor einigen Tagen hat die in dieser Forschungsrichtung bahnweisende Ruhr-Universität Bochum wieder ein spannendes Untersuchungsfeld auf einer Pressemeldung bekannt gegeben: Die Forscher rund um Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt entdeckten, wie manche Riechstoffe die Bronchien erweitern können und bei somit bei Asthma gut tun. Andere Riechstoffe wiederum bewirken genau das Gegenteil und könnten im praktischen Leben die Schuldigen daran sein, dass manche Menschen auf penetrante synthetische Weichspül-Gerüche, Waschmittel, Kosmetika und Parfüms mit Atemnot reagieren. Möglicherweise wird es sogar einmal eine Bestätigung der Vermutung von vielen Heilpraktikern geben, dass (künstliche) Aromastoffe in Fertignahrungsmitteln, zu asthmatischen Reaktionen führen können. Hier ein Auszug aus der Pressemeldung vom 8. August 2016:

>> Riechrezeptoren in den Bronchien entdeckt
Die Muskelzellen der Bronchien nehmen Düfte wahr, zum Beispiel einen speziellen nach Bananen und Aprikosen. Das könnte eine gute Nachricht für Asthmatiker sein.
In den Muskelzellen der menschlichen Bronchien haben Forscher zwei Typen von Riechrezeptoren entdeckt. Aktivieren die passenden Düfte diese Rezeptoren, erweitern oder verengen sich die Bronchien – ein potenzieller Ansatz für die Asthmatherapie.

Zu diesem Ergebnis kam ein Team um Prof. Dr. Dr. Dr. habil Hanns Hatt und Dr. Benjamin Kalbe vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie. Gemeinsam mit Kollegen verschiedener Kliniken in Bochum, Köln und Herne berichten die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift „Frontiers in Physiology“.

Bananen-Aprikosen-Duft erweitert Bronchien
Die neu auf den Muskelzellen entdeckten Rezeptoren tragen die Bezeichnungen OR2AG1 und OR1D2. Die Forscher identifizierten auch die zu den Riechrezeptoren passenden Düfte sowie die Signalwege, die diese in der Zelle auslösen.

Amylbutyrat, ein fruchtiger Duft mit Bananen- und Aprikosennoten, aktiviert den Rezeptor OR2AG1. Bindet der Riechstoff, entspannt und erweitert das die Bronchien. Der Effekt war im Experiment so stark, dass er die Wirkung von Histamin aufheben konnte. Diesen Stoff schüttet der Körper bei allergischem Asthma aus, wodurch sich die Bronchien verengen.

Ansatz für die Asthmatherapie
„Amylbutyrat könnte bei Asthma helfen, die Luftzufuhr zu verbessern“, folgert Hanns Hatt. „Vermutlich kann es nicht nur den Effekten von Histamin entgegenwirken, sondern ebenso denen von anderen Allergenen, die das Atmen behindern.“ Auch für die Behandlung anderer Krankheiten, etwa der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, könne der Rezeptor interessant sein.

Die Forscher zeigten außerdem, dass Amylbutyrat in den Muskelzellen die gleichen Signalwege in Gang setzt wie in den Riechzellen der Nase.

Zweiter Rezeptor mit gegenteiligem Effekt
Der zweite Rezeptor OR1D2 ist empfänglich für Düfte mit blumigen, öligen Noten, etwa Lilial oder Bourgeonal. Bindet der Riechstoff an den Rezeptor, passiert das Gegenteil wie beim Rezeptor OR2AG1: Die Bronchialmuskeln kontrahieren. Außerdem werden in den Zellen entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt.

Für die Studie untersuchten die Forscher menschliche Zellkulturen, die das Team um Privatdozent Dr. Jürgen Knobloch vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil zur Verfügung stellte. Dabei handelte es sich um glatte Muskulatur, die im Gegensatz zur quergestreiften Muskulatur nicht der willentlichen Kontrolle unterliegt. << 

Die komplette (englischsprachige) wissenschaftliche Arbeit kann hier runtergeladen werden.

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Römische Kamille, Chamaemelum nobile

Bei den ätherischen Ölen sticht in Sachen Bronchien-Erweiterung das eher noch unbekannte, fruchtig duftende Öl der Khella (Zahnstocherkraut, Ammi visnaga) besonders hervor und siehe da, es enthält fast 30% natürliche Butyrate, also Ester der Buttersäure. Das als stark entkrampfend wirksame ätherische Öl der römischen Kamille kann sogar noch mit einem höheren Anteil an diesen Buttersäure-Verbindungen aufwarten (gut 50 Prozent). Myrtenöle, Immortelle, Lavendel und Palmarosa enthalten kleine Mengen davon. Erfahrungsgemäß genügen kleine Anteile dieser Verbindungen, um ein ätherisches Öl entkrampfend wirken zu lassen.

Das seltene ätherische Öl aus den Samen der Khella (des Bischofkrauts) können die Schweizer bei Florentia bestellen, alle anderen bekommen es bei Maienfelser Naturkosmetik.

ätherische öle zur raucherentwöhnung


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Pfeffer (Piper nigrum) ist eine hitzeliebende Kletterpflanze

Nein, ich kenne keine Aromen für moderne Lösungen wie die E-Zigarette! Vielmehr möchte ich das Ergebnis einer kleinen wissenschaftlichen Pilotstudie vorstellen, welche von der wunderbaren Dr. Jane Buckle aus Großbritannien geleitet wurde. Ich werde sie übrigens in knapp 4 Wochen wieder life erleben, auf der Botanica2016-Konferenz in Brighton. Dort wird ein Zusammentreffen von zahlreichen, wirklich hochkarätigen Aromatherapie- und Phytotherapie-Fachleuten stattfinden, Infos zu den vielen Vorträgen und Workshops befinden sich auf der Website von Botanica2016.

An einer us-amerikanischen Universität wurden die ätherischen Öle des schwarzen Pfeffers und der Angelikawurzel auf ihre Wirkung untersucht, die Spitzen des dringenden Verlangens nach Nikotin bzw. Zigaretten abzumildern (in den meisten Glimmstengeln ist ja meistens noch allerlei Synthetikzeugs enthalten). Dafür machten die 20 ProbandInnen eine 2-minütige Trockeninhalation (auf einem Papiertuch), wann immer das Bedürfnis heftig wurde (Zigarette, Schnupftabak, Kautabak).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Das ätherische Öl der Angelika wird meistens aus den Wurzeln gewonnen, kann auch aus den Samen destilliert werden

Beide Öle ermöglichten ein verzögertes Greifen zum nächsten „Kick“, wobei Pfefferöl den „Yeaper“ besser reduzieren und kontrollieren konnte, Angelikaöl dagegen verhalf besser zu einer Verzögerung bis zum nächsten Nikotinschub. Die Folgerung der Autorinnen Barbara Cordell und Dr. Jane Buckle lautet: „Aromatherapie kann hilfreich beim Nikotinentzug sein“. [Cordell B, Buckle J: The effects of aromatherapy on nicotine craving on a U.S. campus: a small comparison study. J Altern Complement Med. 2013 Aug;19(8):709-13]

  • Das inzwischen sehr kostbare Angelikaöl gibt es beispielsweise bei Feeling (klick!) oder in Bio-Qualität bei Farfalla (klick!)
  • Pfefferöl gibt es auch bei Feeling und in Bio-Qualität bei Farfalla sowie bei fast allen guten Öleanbietern wie Primavera, Neumond, Wadi etc, siehe die Liste mit Links von Ölefirmen, mit denen ich zusammen arbeite(te).

Ich habe noch nie in meinem Leben auch nur einen Zug geraucht, doch ich kann mir vorstellen, dass ein Inhalierstift für dieses Ablenkungsmanöver besonders geeignet ist, weil bei Süchten meistens eine Ersatztätigkeit vorgenommen werden sollte. Der dufte Stift kann fast wie eine Zigarette gehandhabt werden. Sie sind erhältlich bei:

In ÖSTERREICH:

Feeling (klick!), das Dreierset (weiße Stifte) kostet 4,80 Euro. Hier lohnt sich die Bestellung, wenn man die seltenen und so überaus wohlriechenden CO2-Extrakte diverser Duftpflanzen kennen lernen möchte (Flieder, Kaffee, Ingwer, Lindenblüte, Basilikum etc). Und auch sonst alles, was die Aromapflege und Aromatherapie schön macht.

Die Rührwerkstatt (klick!) in der Nähe von Graz (Steiermark) liefert auch Inhalierstifte.

In DEUTSCHLAND:

Sabine Nachbauer Inhalierstifte (klick!) bietet neun unterschiedliche Farben und Großpackungen (für Kliniken etc). Warum nicht die entspannenden Düfte in blau oder grün verpacken und anregende Nuancen in rot, lila, rosa oder gelb? Ein Stift kostet 1,25 €, der 10er Pack 12,00 € und der Großpack (100 Stk) kostet 110,00 € (auch in gemischten Farben). Sabine wohnt zwar in Österreich, doch sie arbeitet jeden Tag in ihrem Duft-Studio (klick!) in Lindau und kann somit sowohl die deutsche Post als auch die österreichische Post mit entsprechenden Portogebühren bedienen.

inhalierstifte_bunt_glas_xsIn der SCHWEIZ:

In ihrem Online-Shop Allerlei Praktisches (klick!) bietet Margarete Fieguth-Jacot (klick!) aus Biel (nicht nur) Inhalierstifte in sieben Farben an, das Stück kostet 1 Schweizer Franken. Margarete ist offizielle Vertreterin von Aroma-Zone in der Schweiz, so dass man auch viele andere Dinge dieser französischen Firma ohne Zoll-Dramen bei ihr bestellen kann. Aus bürokratisch-steuerlichen Gründen (durch Umwandlung in eine Schweizer GmbH) kann Margarete übrigens keine Kunden in der EU mehr beliefern.

Mit Florentia (klick!) hat sich die schon sehr lange als Aromafachfrau tätige Sibylle Broggi-Läubli (klick!) aus Bern bereits 1996 einen Namen für handverlesene ätherische Öle und Zubehör gemacht. Nun führt sie auch Inhalationsstifte für 1 chFR das Stück. Die Bestellung lohnt sich bei ihr, wenn man einige sehr „exotische“ ätherische Öle kennen lernen möchte. Sie hat das bronchien-erweiternde Bischofskraut (Ammi visnaga) und auch das mega-seltene Kaffirlimetten-Petit Grain-Öl (es duftet ähnlich wie Lemongras). Und sie hat – yeah – mein geliebtes Zitronenmyrtenöl (Backhousia). Auch die drei immer seltener erhältlichen Öle von Eucalyptus staigeriana, destillierter Magnolienblüte und der super-feinen roten Myrte sind bei ihr erhältlich.

pfefferminzöl wirkt schmerzlindernd bei reizdarm: natur trifft auf technik


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIn der aktuellen Ausgabe vom ‚International Journal of Clinical Aromatherapy‘ (Juni 2016, klick!), dessen Schwerpunkt-Themen sich mit Magen-Darm-Themen in der Aromatherapie befassen, las ich ein interessantes Interview mit dem us-amerikanischen Wissenschaftler Dr. Brooks D. Cash, der eine neuartige galenische Form von Pfefferminzöl in einer vier Wochen langen randomisierten Doppelblind-Studie untersucht hat. Es ging um 72 PatientInnen mit Schmerz-Symptomen, die dem Reizdarm-Syndrom zugeordnet wurden. Ausgeschlossen wurden Menschen mit entzündlichen oder immun-assoziierten Symptomen und solche die an Obstipation (Stuhlverstopfung) litten.

Dreifach verkapseltes und langsam im Dünndarm freigesetztes Pfefferminzöl konnte eine durchschnittliche 40%-ige Verminderung der Symptome erreichen (Verringerung durch Placebo 24,3%, p = 0.0246). Die Wirkung wird dem Haupt-Inhaltsstoff von Pfefferminzöl l-Menthol (Levomenthol) zugesprochen, dieser wirkt als Kalziumantagonist auf die glatte (unwillkürliche) Muskulatur, also krampfmindernd.

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Die Homepage von IBgard® mit einer Abbildung der Kapseln

Das in den USA erhältliche Produkt IBgard® wird als „medizinisches Nahrungsprodukt“ klassifiziert (registered medical food product), das unter Überwachung durch einen Arzt eingenommen werden sollte, auch wenn es frei verkäuflich ist. Es gilt als besser verträglich als die in Europa oft erhältlichen einfachen dünndarmlöslichen Kapseln mit Pfefferminzöl, die Aufstoßen verursachen können und zu Magenirritationen auslösen können. Infos zum Produkt IBgard® können auf der Website des Herstellers nachgelesen werden. Dr. Cash betont, dass auch Nahrungsumstellungen vorgenommen werden müssen, beispielsweise eine zeitlang die Aufnahme von Kohlenhydraten stark zu reduzieren oder diese ganz zu meiden.

Die kostenlos erhältliche Studie von Dr. Cash und seinem Team kann hier herunter geladen werden. In Deutschland können  Carmenthin-Kapseln (klick!) eingenommen werden, wenn der Bauch besonders drückt, sie enthalten Kümmelöl in Kombination mit Pfefferminzeöl. Wer mehr über das Thema Reizdarm lesen möchte, kann hier (klick!) mehr in meinem früheren Artikel darüber erfahren.