dufte interviews für einsteigerInnen


Doris_Karadar_Welt-im-WandelWer gerne mal ein ansprechendes Interview über grundsätzlich zu beachtende Dinge bei der Aromatherapie und Aromapflege anschauen möchte, wird seine Freude mit Doris Karadar haben. Die langjährige Gründerin und Inhaberin eines gut gehenden großen Reformhauses in Süd-Tirol gehört wie ich zu den „alten Hasen“ unserer duften Materie, sie hat bereits eigene schwere gesundheitliche Katastrophen erfolgreich naturheilkundlich behandeln können und sprüht nun nur so vor Lebensfreude. Zum 32-Minuten-Video „Welt-im-Wandel“ mit Wulfing von Rohr, dem ich auch schon einmal begegnet bin, geht es hier, zu Doris‘ Website geht es hier.

Anja_Ahl_NDR_Video.jpgEine weitere sehr engagierte Bekannte, die Heilpraktikerin und Krankenpflegende Anja Ahl aus Hamburg, darf in der NDR-Sendung ‚Visite‘ auch kurz etwas zur korrekten Anwendung von ätherischen Öle berichten. Klar, dass so ein Beitrag im Mainstream-Fernsehen erstmal mit Befragungen startet: „Man muss halt dran glauben…“ Danach berichtet jedoch der Berliner Professor und Arzt für Naturheilkunde Dr. Andreas Michalsen zur studienbelegten Wirkung von Pfefferminzeöl. Das 7-Minuten-Video ist leider nicht mehr verfügbar [„Das mit diesem Video verbundene YouTube-Konto wurde aufgrund mehrerer Meldungen Dritter über Urheberrechtsverletzungen gekündigt. Das tut uns leid.“] Zu Anjas Website geht es hier. Prima, ihr zwei Damen, gut gemacht!

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puder selbst herstellen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Reispulver

Wie versprochen, geht es weiter mit Mitbringseln aus meiner „Fliegenden Wundertüte“. Ich war auf meiner Seminarereise begeistert von einer klasse Möglichkeit, feinsten Körper- oder Babypuder herzustellen. Nichts ist einfacher! Noch angenehmer, als Mais- oder Kartoffelstärke zu verarbeiten, wie ich es bislang kannte, ist Reispulver zu Puder zu verarbeiten. Ich kannte bislang allerdings eher eine etwas miefige Bio-Qualität, die schon beim Eintreffen etwas ranzig roch, dafür habe ich ein viel zu feines Näschen. Umso begeisterter war ich, als Evelyn Deutsch mir das samtige Reispulver (klick!) zeigte, das man in zwei Minuten in einen Luxuspuder verwandeln kann. Ich bin so eine Pudertante, vor allem seit ich keine Chemiedeos mehr verwende, ist Puder eine wunderbare Möglichkeit, sich nach schweißtreibenden Tätigkeiten auf die Schnelle wieder frisch zu machen.

Man gibt einfach einige Tropfen ätherisches Öl in eine gebrauchte oder neue Puderdose (notfalls tut es sogar ein gläserner ausgedienter Kräuter- oder Gewürzstreuer mit feinen Öffnungen), beispielsweise 15 Tropfen Iris 1%ig, oder 2 Tropfen Rose mit 2 Tropfen Rosengeranie/Palmarosa. Auch 5 Tropfen Lavendel und 2 Tropfen Vetiver sind fein, sie duften wesentlich herber. Für ein Baby reicht 1 Tropfen Rosenöl, eventuell noch mit 2-3 Tropfen Bio-Vanilleextrakt. Die Wände der Dose oder des Glases gleichmäßig mit den Naturdüften benetzen, Reispulver einfüllen, gut vermischen, einige Tage ziehen lassen.

Das Reispulver ist prima geeignet, wenn man die Haut von krebsauslösender Mineralöl-„Kosmetik“ auf Naturkosmetik umstellen möchte, es bindet Haut-Ausscheidungen wie Fett, Feuchtigkeit und eventuell nicht verträgliche Übersäuerungs-Ausscheidungsprodukte. Mineralöle und die sie begleitenden MOAHs, die Hautbestandteile von konventionellen Pflegeprodukten, stehen immer mehr im Verdacht, sich im Körper anzureichern (vor allem wenn sie wie bei Lippenpflegestiften und Lippenstiften „gegessen“ werden, dazu kann auch hier nachgelesen werden).

Das fein-samtige Reispulver wirkt leicht kühlend, beruhigend und kann helfen, kleine Entzündungen auf der Haut zu reduzieren. Das ist ein ideales Einsatzgebiet für bettlägerige PatientInnen, vor allem wenn sie stark schwitzen, heftige Medikamente nehmen müssen und intertrigo-gefährdet sind (Hautprobleme an Stellen, wo Haut auf Haut scheuert wie in Fettfalten oder unter der weiblichen Brust). Mit Rosenhydrolat kann man die Reste später schonend reinigen und die Pflegewirkung unterstützen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Bärlapp-Sporen

Wenn entzündliche und ekzematische Haut mit Puder gepflegt wird, kann die Wirkung durch den Zusatz von einem Teelöffel der seidenweichen Bärlapp-Sporen (klick! Lycopodium clavatum), welche etwas Schwefel enthalten, verstärkt werden.

Die meisten konventionellen Puder werden aus Talkum hergestellt, dieser steht im Verdacht, vor allem wenn er im Intimbereich ständig eingesetzt wird, Eierstockkrebs auszulösen. Talkum wird aus Talkgestein gewonnen und nach der Reinigung feinst vermahlen, die winzigen Partikel werden als ähnlich toxisch wie Asbest eingestuft, insbesondere, wenn sie eingeatmet werden. Eine Zumutung für Babys und auch für deren junge Eltern. Wer englisch lesen kann, findet auf der Seite der American Association for Cancer Research (klick!) einige wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Risiko von krebs durch Talkum befassen.

So oder so ein guter Grund, bei Groß und Klein auf pflanzlichen Puder aus Reispulver umzusteigen!

chemotypen – frühe entdeckungen [teil 2]


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIm ersten Teil meiner Zusammenfassung über das Wesen der Chemotypen von einigen Ätherisch-Öl-Pflanzen ging vor allem um therapeutische und pflegerische Unterschiede (hier kann er nochmals gelesen werden klick!).

Heute geht es um die Geschichte der Entdeckung der vielgestaltigen biochemischen Zusammensetzung von Duftpflanzen, die äußerlich identisch sind, also den gleichen botanischen Namen tragen. Doch durch äußere Einflüsse liefern sie vollkommen unterschiedliche ätherische Öle. Von sanft bis hautreizend, von fein duftend bis stark riechend.

Das Prinzip der Chemotypen wurde bereits 1906 vom österreichischen Botaniker Otto Stapf (1857-1933) beobachtet. Für das ‚Bulletin Nr. 8 1906’ des britischen Botanischen Gartens in Kew bei London schrieb er einen interessanten Artikel über ein und dieselbe botanische Art, nämlich über Cymbopogon nardus (L.) Rendle (früher Andropogon), und wie sie unterschiedliche chemische Schwerpunkte, also Inhaltsstoffe ausbilden kann. Er weist auf die Ähnlichkeit mit Lemongrass (Cymbopogon citratus und C. flexuosus) hin und beleuchtet auch andere ähnliche, kaum unterscheidbare tropische Süßgräser. Er sprach von ‚physiologischen Rassen’.

Dem heute noch sehr aktiven französischen Forscher, Dozent, Fachbuchautor und Gründer des renommierten belgischen Öleanbieters Pranarôme, Pierre Franchomme (geb. 1943) haben wir das heutige Wissen und die Verfügbarkeit von gänzlich unterschiedlichen Chemotypen des Thymianöles zu verdanken.

Der komplette, recht lange Artikel ist auf meinem jährlichen Newsletter erschienen, der kürzlich an seine AbonnentInnen versendet wurde, er kann hier (klick!) gelesen werden. Soweit ich weiß sind diese historischen Fakten rund um die Entdeckung und die Vergleiche von Chemotypen bei ätherischen Ölen zum ersten Mal niedergeschrieben worden. Es sind auch einige neuere Studien im Newsletter beschrieben, beispielsweise über die ‚Stressreduktion bei Angehörigen von Pflegeberufen‘ und über ‚Orangen- und Rosengeranienduft gegen Ängste während der Entbindung‘.

Wer den Newsletter abonnieren möchte, kann sich auf der linken Spalte ganz unten auf meiner Aromapraxis-Website (klick!) eintragen. Und wer alle hier folgenden Blog-Artikel wie einen Newsletter sofort nach Erscheinen per E-Mail erhalten möchte, kann hier oben rechts durch Drücken des grauen Knopfes ‚Bestellen‘ seine/ihre E-Mail-Adresse eintragen (sie wird nur von mir gesehen!).

:: Ein sehr gutes Interview mit Pierre Franchomme (2015, auf französisch) kann hier angeschaut werden (klick!)
:: Ein prima Video mit einer Vorlesung über ätherische Öle bei Viren-Erkrankungen mit Pierre Franchomme (auf französisch) gibt es hier (klick!)
:: Der Titel seines neuen (französischen) unglaublich umfangreichen Fachbuches lautet La Science des Huiles Essentielles Médicinales (klick!, 35,24 €), in diesem Buch befinden sich ein paar kurze Abschnitte über die Geschichte der Chemotypen, die mir die Inspiration gaben, diesem Thema mal etwas gründlicher auf die Spur zu gehen. Merci beaucoup, Monsieur Franchomme!

aromatherapie, aromapflege und palliative care


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieJedes Jahr aufs Neue wundere ich mich, wie der Gedenkabend ‚Halloween‘ zur Faschingsfeier mutiert. Einst in Irland als der Abend vor Allerheiligen zelebriert (All Hallow’s Eve[ening]), gedachte man der lieben Menschen, die im Laufe des Jahres (oder der letzten Jahre) von einem gegangen sind, man zündete ihnen (und sich selbst?) ein Lichtlein in der zunehmenden Dunkelheit des Jahreslaufes an. Dann nahm der Brauch seltsame Wege. Die wegen der Großen Hungersnot (Great Famine: einige Jahre ab 1845) und Armut in die USA ausgewanderten Iren nahmen ihren Gedenktag mit, statt ausgehöhlten Rübengesichtern entstand die beleuchtete Fratzenlaterne aus Kürbissen – Jack O’Lantern. Kinder gehen Trick-or-treting von Haus zu Haus, entweder bekommen sie Süßigkeiten (treat = Süßigkeit, bedeutet auch Belohnung, Bewirtung, heutzutage gibt es auch Geld) oder sie spielen dem „Geizhals“ einen Streich (trick). Die Zeit der an den Tod erinnernden Gruselverkleidungen scheint nun vorbei, man geht nun als Pirat oder als Prinzessin. Nun ja, das ist nun also das Faschingsfest am Winteranfang, wer weiß schon noch, warum Fasching einst gefeiert wurde?).

Doch zurück zum Ursprung, zu den Toten, zum Sterben. Im Sommer versprach ich, dass ich hier den Vortrag von der Schweizer Aromatologin und Autorin Barbara Bernath-Frei wiedergeben werde (nochmals vielen Dank, liebe Barbara!). Sie sorgt für hervorragende Aufklärung im Bereich der ‘Aromapflege und Sterbebegleitung’.  Denn mit gekonnter und wohlduftender Aromapflege kann so viel Hilfe geleistet werden, wenn Menschen den letzten Weg gehen müssen! Oft funktioniert im müden Körper fast gar nichts mehr, doch vertraute Düfte können meistens noch wahrgenommen werden. Und wenn es nicht über den Weg der Nase geht, so doch über die Haut (denn Hautzellen können Riechinformationen wahrnehmen, wie ich beispielsweise hier beschrieben habe).

In Großbritannien ist Palliative Care ohne Aromatherapie inzwischen gar nicht mehr denkbar! Barbara erläuterte in ihrem Vortrag auf der Konferenz von Farfalla die hervorragende Aufklärungsarbeit des Arztes Gian Domenico Borasio, der den einzigen Lehrstuhl in Palliativmedizin in der Schweiz, Lausanne inne hat (bis 2011 Universität München). Ich habe daraufhin sein Buch Über das Sterben: Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen. (9,90 €, klick!) verschlungen. Meiner Meinung nach ist dieses mit dem Preis ‘Wissensbuch des Jahres 2012‘ (Kategorie ‘Zündstoff’) eine wichtige Pflichtlektüre für jedermann und jederfrau, denn diesen Weg werden wir ALLE gehen müssen, warum also nicht vorher einigermaßen informiert und vorbereitet sein! Diese wertvolle Empfehlung hört man auch auf dem Interview mit diesem engagierten Arzt, der hier beim SR zu sehen ist. Genau wie Barbara im Folgenden schreibt, habe auch ich bereits als unter Zwanzigjährige das Buch von Raymond Moody verschlungen und wenige Zeit später habe ich mich mit Elisabeth Kübler-Ross beschäftigt. Hier nun die Zusammenfassung des Vortrags über:

PALLIATIVE AROMATHERAPIE

von Barbara Bernath-Frei

Ich erinnere mich gut, wie ich als junge Frau mit höchstem Interesse Elisabeth Kübler-Ross‘ Buch Interviews mit Sterbenden las; damals eine Sensation, dass ein solches Thema überhaupt aufgegriffen wurde. In diesem Buch schrieb die Schweizer Ärztin, die fast ihr ganzes Leben lang in den USA praktizierte, dass es damals in den amerikanischen Spitälern als Schande galt, wenn Patienten starben. Schliesslich war das Spital da, um Kranke gesund zu machen. Starb dennoch jemand, was zwangsläufig immer wieder vorkam, wurde das stillschweigend unter den Tisch gekehrt und die notwendigen Massnahmen so durchgeführt, dass möglichst niemand etwas davon erfahren sollte. 20 Jahre später, anfangs der 90er Jahre, erschien dann das von Lama Sogyal Rinpoche geschriebene Standardwerk: Das tibetische Buch vom Leben und Sterben, das in interessierten Kreisen Kultstatus erlangte. Im tibetischen Buddhismus ging man ganz anders mit dem Tod um als in unserer vermeintlich zivilisierten Welt. Für mich damals Anlass, an Retreats zum Thema Sterben und Tod mit Sogyal Rinpoche teilzunehmen.

Seither sind wiederum zwei Jahrzehnte vergangen, und endlich haben Sterben und Tod auch in unserem Land zunehmend Beachtung gefunden und sind zu einem öffentlich und intensiv diskutierten Thema geworden. Zunächst interessierten sich vor allem die Medien für Sterbehilfsorganisationen wie Exit und Dignitas, die polarisierten und entsprechend für Gesprächsstoff sorgten und sorgen. Erst nach und nach sickerte dann ein neuer, aus den USA und Kanada importierter Begriff auch hier ins öffentliche Bewusstsein: die Palliative Care, also die pflegerische Begleitung sehr kranker Menschen, bei denen es nicht mehr um das Wiedererlangen der Gesundheit ging, sondern um ein möglichst unbelastetes Sterben in angenehmer Umgebung. Sterbehospize wurden gegründet, und einer der Referenten bei Farfalla, der Pflegefachmann Ueli Morgenthaler, war unter den Pionieren im Ankerhuus in Zürich, wo vorwiegend AIDS-kranke Menschen gepflegt und in der letzten Lebensphase begleitet wurden. Er hat damals bereits mit ätherischen Ölen gearbeitet und viel Erfahrung gesammelt in der aromapflegerischen Betreuung sterbenskranker Menschen.

Schliesslich entstand auch in der westlichen Medizin eine neue Disziplin: die Palliativ-Medizin. Bis heute gibt es in der Schweiz nur einen einzigen Lehrstuhl für dieses Studium an der Universität Lausanne. Leiter ist Professor Gian Domenico Borasio, der zugleich auch Leiter des Dienstes Palliative Care am Universitätsspital Lausanne ist. Dr. Borasio hat mit seinem ersten Buch Über das Sterben offensichtlich einen Nerv der Zeit getroffen: Dieses Buch, das einfühlend, klar und nachvollziehbar das Sterben aus medizinischer, menschlicher, sozialer und spiritueller Sicht betrachtet, ist für viele interessierte Menschen wegweisend.

Soeben haben wir [Anmerkung von E.Z.: im Vortrag von Dr. Roland Kunz, Chefarzt für Geriatrie und Palliativ Care am Spital Affoltern, er hat 2010 den Palliativ-Care-Preis erhalten] gehört, was die Palliativmedizin den Menschen in ihrer letzten Lebensphase an Belastungen abnehmen kann. Ich gehe davon aus, dass die Palliativmedizin in den nächsten Jahren zusätzlich an Bedeutung gewinnen wird, da sie in einer wichtigen Übergangsphase viel zum Wohlbefinden der sterbenden Menschen beitragen kann.

Auch die Palliative Care, die Pflege im letzten Lebensabschnitt, kann ihrerseits Beschwerden lindern und das Hinübergleiten in den Tod merklich erleichtern. Es hat sich gezeigt, dass die meisten Patientinnen und Patienten die Pflege mit ätherischen Ölen sehr schätzen und sich diese oft auch wünschen. Die Pflegenden wiederum greifen dankbar auf die natürlichen Düfte zurück, weil sie mit diesen nicht nur ein Angebot zur Linderung von Leiden machen können, sondern zugleich einen sinnlichen, oft körperlichen Kontakt zu den Kranken aufnehmen können. Nachfolgend gehe ich auf einige Themen ein, bei denen die Aromapflege ausgesprochen hilfreich ist:

Mundpflege

Eliane Zimmermann AiDA Aromatherapy

Limetten

Durch fehlende Speichelproduktion, die auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist, leiden manche Schwerkranke an einer trockenen Schleimhaut in der Mundhöhle, was irritiert und schmerzt. Hier haben sich verschiedene Massnahmen bewährt:

  • Befeuchten mit Rosenhydrolat. Angenehm, schmerzlindernd, zugleich gegen Bakterien, Viren und Pilze wirksam.
  • Kühlen und erfrischen mit Pfefferminzhydrolat.
  • Beimischung ätherischer Öle wie Limette, Ingwer, Pfefferminze, die als Düfte dem Mund nicht „fremd“ sind die Schleimhaut nachhaltig befeuchten und pflegen.
  • Wer imstande ist, kann mit diesen ätherischen Ölen gurgeln.
  • Zudem hat sich das Auspinseln mit Mandelöl als sehr hilfreich erwiesen.

Hautpilze

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Palmarosagras in Blüte

Hier ist die Aromapflege einfach spitze, da unzählige ätherische Öle über antimykotische Eigenschaften verfügen! Zahlreiche Erfahrungen haben gezeigt, dass Hydrolate und ätherische Öle sanfte, aber sehr effektive Möglichkeiten sind, Hautpilze loszuwerden und gleichzeitig die Haut zu pflegen. Pilze siedeln sich gerne in der Leiste, in Bauchfalten oder unter der Brust an; bei stark verringertem Immunsystem auch in allen Körperöffnungen, was für die Betroffenen besonders schwer erträglich ist. Teebaum- oder Rosen-Hydrolat zur Reinigung und Erfrischung sind hier ideal. Regelmässige Waschungen mit ä.Ö. wie

  • Lavendel
  • Manuka
  • Rosengeranie
  • Patschuli
  • Palmarosa

bringen den Pilz relativ schnell unter Kontrolle. Wer zusätzlich einölen möchte, nimmt mit Vorteil Johanniskraut-Mazerat als Grundlage.

Juckreiz

Patchouliblätter

Patchuli


Juckreiz entsteht oft als Nebenwirkung von Opiaten, Chemotherapie, Nieren-/Leberinsuffizienz etc. Vor dem Einreiben einer Ölmischung sollte die Haut mit Rosenhydrolat oder Sandelholzhydrolat angefeuchtet oder gewaschen werden. Juckreiz lindernde ätherische Öle wie

  • Atlas-Zeder (Selbstwertgefühl)
  • Cistrose (zerknittertes Seelchen)
  • Rosengeranie (Gelassenheit)
  • Kamille blau (Akzeptanz)
  • Patschuli (Verankerung)
  • Sandelholz (Zentrierung)

sind hier sehr hilfreich.

Chronische Schmerzen

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Tonkabohnen

Gerade bei diesem Thema ist es besonders wertvoll, dass bestimmte ätherische Öle nicht nur nachweislich den Schmerz eindämmen helfen, sondern zugleich die Seele streicheln. Bekanntlich nimmt man subjektiv den Schmerz weniger dramatisch wahr, wenn man sich einigermassen im seelischen Gleichgewicht fühlt. Wenn immer möglich wird mit den Patientinnen abgesprochen, welche Düfte sie bevorzugen. So lindern beispielsweise

  • Lavendel
  • Tonkabohne oder
  • Vanille

nicht nur den Schmerz, sondern wirken psychisch entspannend, beruhigend und im Falle der Vanille auch einhüllend und Geborgenheit spendend. Eine temperierte Ölkompresse auf die schmerzende Stelle kann hier Wunder wirken; ebenso eine Einreibung oder sanfte Massage mit einer Öl-Mischung. In der Kemptner Bahnhof-Apotheke wird beispielsweise das Saligen-Öl hergestellt, das nebst der schmerzlindernden Effekten auch einen sanften, weichen Duft nach Tonka, Orange und Melisse verströmt.

Bei viszeralen Schmerzen bewähren sich ausser

  • Basilikum auch
  • Ingwer und
  • Majoran, manchmal
  • Pfeffer schwarz
  • Wintergrün oder
  • Weihrauch.

Zum Glück verfügen wir über ein sehr breites Spektrum an ätherischen Ölen, so dass für jeden Geschmack auch etwas gefunden werden kann.

Üble Gerüche

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Weißtanne

Manche Tumore, Harnwegs- oder Darminfekte mit Durchfall sorgen für schwer zu ertragende Geruchsbildung in einem Patientenzimmer. Von den Patienten selbst wird dies leider oft als beschämend empfunden. Sie, die Pflegenden und die Besucher kämpfen deshalb oft mit Übelkeit und Abwehr. Was bei der Bekämpfung übler Gerüche besonders wichtig ist, ist das Mischen: Es dürfen nie einzelne Düfte verwendet werden, da sich sonst im Erinnerungsvermögen der Duft mit dem üblen Geruch verbindet und so dafür sorgt, dass man das entsprechende ätherische Öl nicht mehr riechen mag. Eine unaufdringliche Raumbeduftung mit Mischungen aus

  • Weisstanne
  • Lavandin
  • Petitgrain
  • Zimtrinde
  • Zirbelkiefer

und verschiedenen andern Aromen haben sich bewährt, um der geplagten Nase eine angenehme Alternative zu bieten.

Übelkeit

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Douglastanne

Übelkeit kann überaus kräftezehrend und subjektiv ganz schlimm sein. Ätherische Öle, die eine frische Ausstrahlung haben, können entweder auf einen Tupfer in einen Medi-Becher gegeben werden, so dass der oder die Sterbende genau dann einen Atemzug nehmen kann, wenn Frische gebraucht wird. Als sehr hilfreich gegen Übelkeit haben sich

  • Bitterorange
  • Pfefferminze
  • Zitrone sowie
  • Douglasie

erwiesen.

Atemnot

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Cajeputblätter

Nebst einer eingeschränkten Lungenfunktion können auch ALS, seelische Nöte und Ängste als Verursacher genannt werden. Ganz wichtig ist hier, dass jemand etwas unternimmt und tätig wird, die Fenster öffnet, da ist. Offensichtlich trägt die Erinnerung an Walddüfte zu einer hilfreichen Assoziation bei, was

  • Fichte
  • Zirbelkiefer oder
  • Weisstanne

zu unschätzbaren Helfern macht. Als ebenso wohltuend erweisen sich immer wieder

  • Lavendel oder
  • Cajeput.

Durch das Umsorgtwerden kann sich die Angst verringern – Nasenatmung trägt ebenfalls stark zur Beruhigung bei. Manchmal ist eine temperierte Ölkompresse auf der Brust sehr willkommen, die ja dann die Inhaltsstoffe permanent und kontinuierlich über die Haut abgibt.

Von innerer Unruhe zur Gelassenheit

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Benzoeharz

Benzoe siam ist einer der schützenden und wohltuenden Harze, der entspannt, vertrauensfördernd wirkt und einen zur Ruhe kommen lässt. Gemischt mit

  • Rosengeranie oder
  • Orange süss

streichelt er die Seele so liebevoll, dass sich Gelassenheit einstellen kann. Bei manchen Menschen, die einen guten Bezug zur Religion, vor allem zum Katholizismus haben, ist Weihrauchöl sehr willkommen. Vorsicht bei Menschen, deren Einstellung zur Religion unbekannt ist; Weihrauchöl gefällt nicht allen und stösst auch immer wieder auf Ablehnung. Generell spielt hier die Duft-Biografie der zu begleitenden Menschen ein wichtige Rolle: Welche Düfte haben sie gerne gemocht? Was hat schon früher zur Beruhigung und friedvollen Entspannung beigetragen?

Vom Hadern zur Akzeptanz

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Duft-Rose

Seit vielen Jahren wird die Rose als Klassikerin der Sterbebegleitung mit viel Erfolg eingesetzt.

  • Rosa damascena

harmonisiert, hilft beim Akzeptieren des Sterbeprozesses und ermöglicht es Sterbenden und Angehörigen, vertrauensvoll loszulassen. Wichtig ist, dass die Rose in allerkleinsten Mengen verwendet wird. Gute Erfahrungen werden gemacht mit dem sogenannten Zelt, bei dem ein feuchtes Leintuch – erleichtet die Atmung – über den Bügel oberhalb des Bettes gelegt wird. Dieses Tuch wird gerne mit Rosenhydrolat besprüht, was einen ganz feinen, zarten Duft ergibt.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Rosenduft nicht alleine eingesetzt werden sollte, sondern gerne in Kombination mit andern ätherischen Ölen wie

  • Melisse
  • Grapefruit oder
  • Lavendel,

damit sich in der Assoziation der Pflegenden nicht Rosen = Sterben zementiert.

Von der Angst zum Vertrauen

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Orangenblüte (Neroli)

Angst ist sehr häufig anzutreffen und kann enorm quälend sein.

  • Neroli
  • Orange oder
  • Muskatellersalbei

wirken stark angstlösend und helfen damit, dass auch körperliche Beschwerden wie Schmerzen weniger stark wahrgenommen werden. Gerade Neroli, dieser sanfte Duft mit dem stimmungserhellenden Aspekt, der Zuversicht und Vertrauen verspricht, kann ängstliche Menschen in einen entspannten Zustand bringen, der dem Sterbeprozess förderlich ist. Auch bei Neroli ist die sehr starke Verdünnung wichtig; wiederum ist das Orangenblüten-Hydrolat eine wunderbare Alternative zum ätherischen Öl.

Vom Dunkel zum Licht

Iris pallida

Irisblüte (das Öl wird aus dem Rhizom gewonnen)

Die Angelika-Wurzel ist die eine der grossen Lichtbringer! Als Schutzöl hüllt sie den sterbenden Menschen in ein unsichtbares Geflecht, lässt die Seele sich mit Licht füllen und die Bodenhaftung aufgeben. Gemischt mit

  • Bergamotte oder
  • Mandarine

entfaltet sie einen wunderbaren Duft, dem man sich gerne anvertrauen möchte. Die kostbare

  • Iris

mit ihrem veilchenartigen, pudrigen Duft ist genauso eine feinstoffliche Hilfe, um den Körper sorgsam aus seiner Verankerung zu lösen und der Seele Flügel zu verleihen. Ihr ausgeprägt spiritueller Charakter öffnet den Menschen für den Übergang. Iris ist ja der Name der Göttin des Regenbogens. Bieten wir also diesen Regenbogen an, sozusagen als umgekehrte Rutschbahn von der Erde zum Himmel.

Leicht wie ein Schmetterling

Immer öfter wünschen sich Sterbende leichte, helle, strahlende Zitrusdüfte, die von selbst gegen den Himmel streben und den sterbenden Menschen auf diese Reise mitnehmen. Hier schliesst sich der Kreis: Leicht wie ein Schmetterlingleggera come una farfalla.

Quellenangaben:

© BBF Barbara Bernath-Frei 13.3.2015

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapiePS: Sogyal Rinpoche ist der spirituelle Direktor des traumhaft schön gelegenen Meditations- und Retreat-Zentrums Dzogchen Beara, das hier in meiner Nähe liegt, sehr viele KursteilnehmerInnen waren bereits mit mir dort. Auf der Facebook-Seite von Dzogchen Beara wird jemand gesucht, die/der ab Anfang Dezember für mindestens zwei Monate gegen Kost (super-gute Küche) und Logis (einer der schönsten Orte Irlands hoch über wunderschönen Klippen) dort hilft. Infos und Bewerbung per E-Mail: workexchange@dzogchenbeara.org (dort arbeiten auch deutsch sprechende MitarbeiterInnen).

impressionen vom aromatherapie-kongress ’30 jahre farfalla’ – teil 2


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDer zweite Tag des Aromatherapie-Kongresses ’30 Jahre Farfalla‘ im schwül-heißen Zürich am ersten Juni-Wochenende startete mit meinem Vortrag über Hydrolate. Ich wies zunächst darauf hin, dass wir nicht nur noch in den Kinderschuhen stecken, was das Wissen um diese wertvollen Pflanzenwässer anbelangt, sondern dass die Babysöcken gerade erst gestrickt werden – so sehr am Anfang befindet sich die Informationslage. Insofern habe ich mehr über Indizien und über Fragezeichen berichtet, als über wissenschaftlich abgesicherte Tatsachen. Und ich habe betont, dass der Einsatz der duften Tropfen die perfekte Aromapflege und Aromatherapie komplett macht, alle drei Teile tragen enorm zur Stabilisierung von Gesundheit und Schönheit bei. Zudem sind diese Fläschchen wertvoll für AnfängerInnen, die sich noch nicht ans Verdünnen von ätherischen Ölen trauen, denn die Verdünnung ist bereits perfekt. Mit Hydrolaten können ganz besonders die sehr empfindlichen Menschen gepflegt werden: Babys, Kleininder, sehr alte Menschen, sterbende Menschen und nicht zu vergessen Tiere.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Sicher ist, dass Hydrolate wichtige Pflanzensäuren enthalten. Das macht sie sehr hautfreundlich und sogar hautheilend. Zudem wirken einige der in Hydrolaten vorkommenden Säuren wie die Rosmarinsäure, die Ellagsäure, die Gallussäure sehr antioxidativ und sie liefern einen hohen Anti-Ageing-Faktor. So sind sie als Gesichts- und Rasierwasser hoch interessant. [In Kürze stelle ich ein großartiges neues Kosmetikum vor, das ausschließlich mit Rosenhydrolat statt mit Wasser hergestellt wurde, möglicherweise erstmalig in der Naturkosmetik-Szene]. Besonders förderlich für die Heilung von wunder und ekzematischer Haut sind die in etlichen Hydrolaten in völlig ungefährlicher Menge vorkommenden Monoterpenketone wie beispielsweise Italidion, Menthon und Bornan-2-on (Campher). Der im Rosenhydrolat anteilsmäßig recht hoch vorkommenden aromatische Alkohol Phenylethanol besitzt unglaublich wertvolle schmerzlindernde, entzündungshemmende und juckreizstillende Wirkungen, zudem wirkt er bakteriostatisch, kann also gut für selbstgemachte, brustfreundliche Deos verwendet werden.

Wissenschaftliche Studien finden wir fast nur im Bereich der Lebensmittelforschung, Hydrolate können beispielsweise als Eiswürfel gefroren den Frisch-Fisch-Verkauf erleichtern, der Fisch hält etwas länger.

In den letzten drei Jahren sind vier wertvolle Bücher über Hydrolate erschienen:

  • Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIch bin mit einem 24-teiligen Adventskalender-Beitrag hier auf dem Blog als Erste ins Rennen gegangen (Dezember 2011), daraus wurde zunächst ein E-Book und dann ein „richtiges“ Buch mit 12 heraus trennbaren Karten: Hydrolate – Die vergessene Dimension der Aromatherapie und Aromapflege (klick!).
  • Kurz auf mein E-Book folgte Ingrid Kleindienst-John, die bereits „ewig“ destilliert: Hydrolate – Dufte Helfer aus dem Pflanzenreich (klick!).
  • Die Pionierin auf dem Gebiet der duften Medizin Susanne Fischer-Rizzi gab bald darauf ein dickes, schönes und sehr umfassendes Werk heraus: Das große Buch der Pflanzenwässer (klick!)
  • Eine „Bibel“ der Hydrolate Harvest to Hydrosol (klick!) folgte von der us-amerikanischen Pionierin Ann Barker-Harman, sie kommt nicht aus dem Heilkunde-Bereich, sondern baut Bio-Pflanzen an und destilliert sie selbst. Sie vergleicht beispielsweise Haltbarkeiten der jeweiligen Hydrolate, je nachdem ob sie in einer Kupferdestille oder in einer Edelstahldestille hergestellt worden sind. Ann sucht derzeit mit ihrem Circle H (klick!) Sponsoren, um ihre Forschungsarbeit mit und an Hydrolaten finanzieren und veröffentlichen zu können, beispielsweise durch den Verkauf ihres Buches und durch ihr schönes Poster.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIn diesem Blogbeitrag (klick!) kann noch einiges über den Kauf von Destillen und über die Bücher nachgelesen werden. Nach meinem Vortrag gab es einige Fragen zur Haltbarkeit, das ist das negativste Thema im Bereich der Hydrolate, sie neigen mehr oder weniger schnell zur Kontamination mit Schimmel, sie sollten also – wie manche Lebensmittel – innerhalb von wenigen Monaten aufgebraucht werden. Ich wurde gelobt, dass ich zum Hydrolate-Selbermachen aufforderte, denn ätherische Öle lassen sich durch Heimdestillation nur in Tröpfchenmengen gewinnen, sehr hochwertige Hydrolate jedoch in ausreichender Menge. Vielleicht könnte sich also eine kleine Destille auf den Weihnachtswunschzettel schleichen??? 😉 Infos dazu, auch zu den herben rechtlichen Beschränkungen der Heimdestillation, gibt es bei destillatio.de. Eine neue Erkenntnis über die sonnenschützende Wirkung von Lavendelhydrolat kann im aktuellen Blog-Beitrag (klick!) von Christine Lamontain nachgelesen werden.

Roland_Kunz_Palliative_CareDer nächste Vortrag war ein Doppelvortrag: Zunächst hielt der erfahrene Palliativmediziner Dr. med. Roland Kunz vom Spital Affoltern den Vortrag ‚Medizinische Begleitung im Sterbeprozess‘, anschließend rundete die Aromatologin und Autorin Barbara Bernath-Frei die hervorragende Aufklärung durch Praxisbeispiele und Rezeptideen ab in ihrer Präsentation ‚Aromapflege und Sterbebegleitung‘. Dr. Kunz wies darauf hin, dass weder der Begriff Palliativpflege noch der Einsatz von Morphium bedeuten müssen, dass bereits der Todesengel seine Kreise über einem zieht. Er verwendet den Begriff Palliative Care, der sich inzwischen langsam einbürgert, weil dieser wesentlich mehr als die reine Krankenpflege umfasst, sondern auch das soziale Umfeld, die persönliche Biographie und den spirituellen Hintergrund der Betroffenen in die Betreuung mit einbezieht.

Der Ursprung des Wortes ‚palliativ‘ bedeutet ‚einen Mantel umlegen‘, also eine Person schützend begleiten, sie umsorgen, ihr Leben so angenehm und schmerzfrei wie möglich zu gestalten, auch wenn sie an einer unheilbaren Krankheit leidet. Der erkrankte Mensch kann mit diesem „Mantel“ durchaus noch sehr lange leben, gar Jahrzehnte. Wir bekamen berührende Fotos von Bewohnern der Villa Sonnenberg zu sehen. Menschen, die teilweise ein bis zwei Wochen nach den Aufnahmen der Bilder verstorben waren, die jedoch Fröhlichkeit und Lebensfreude ausstrahlten. Dr. Kunz betonte, dass es überaus wichtig ist, die Betroffenen immer wieder nach ihren Wünschen, Bedürfnissen und momentanen Befindlichkeiten zu befragen, damit möglichst viel für sie getan werden dann. Das betrifft auch, manchmal sogar vor allem, nicht-medizinische Bereiche: Vielleicht müssen persönliche Dinge erledigt werden oder Versicherungen und juristische Papiere geklärt werden. All das umfasst eine runde Palliativ-Versorgung und erfordert ganzheitliches Denken von Seiten des Betreuungsteams und dazu viel Flexibilität sowie Engagement.

Barbara_Bernath-Frei_Zürich2015Barbara erläuterte dann neben den Rezepturen die hervorragende Aufklärungsarbeit des „Sterbespezialisten“ Gian Domenico Borasio (einziger Lehrstuhl in Palliativmedizin in der Schweiz, Lausanne) dessen Bücher im Bücherverkauf auslagen, eines davon habe ich daraufhin gleich verschlungen, da es mit den Gedanken und Empfehlungen von Dr. Kunz und von Barbara Bernath-Frei übereinstimmt: Über das Sterben: Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen. (9,90 €, klick!). Meiner Meinung nach ist dieses mit dem Preis ‚Wissensbuch des Jahres 2012‚ (Kategorie ‚Zündstoff‘) eine wichtige Pflichtlektüre für jedermann und jederfrau, denn diesen Weg werden wir ALLE gehen müssen, warum also nicht vorher einigermaßen informiert und vorbereitet sein! Danke Barbara für diesen wertvollen Tipp!

An anderer Stelle habe ich bereits folgendes Buch von dem Mitarbeiter von Prof. Dr. Wabner, dem Krankenpfleger Stefan Theierl empfohlen, es bietet eine Übersicht für Anfänger der Aromapflege, insbesondere der aromatischen Palliativpflege: Aromapflege Palliative Care für Einsteiger (29,99 € klick!). Ein mega-ausführliches Buch dagegen, ja eine „Bibel“ zur aromatischen Palliativpflege, ist vor zwei Wochen in einer englischsprachigen Übersetzung (aus dem Niederländischen) von Fachfrau Madeleine Kerkhof-Knapp Hayes erschienen, ich wälze mich noch durch die 400 großen Seiten von Complementary Nursing in End of Life Care (klick!) und stelle es demnächst an dieser Stelle ausführlicher vor. Auch die Präsentation von Barbara werde ich mit ihrer Erlaubnis demnächst ausführlicher zeigen, denn mit gekonnter und wohlduftender Aromapflege kann so viel Hilfe geleistet werden! In Großbritannien ist Palliative Care ohne Aromatherapie inzwischen gar nicht mehr denkbar!

Maja_Dal_Cero_2015In der kurzen Pause konnten diese ernsten, jedoch wichtigen Erkenntnisse etwas sacken, bevor es mit der fröhlichen Ethnobotanikerin, Umweltnaturwissenschaftlerin und Autorin Maja Dal Cero (klick!) weiter ging. Sie entführte uns mit wunderschönen Fotos in den Mikro- und Makrokosmos der Pflanzen, streifte kurz die Evolution und die Auswirkungen davon auf unsere heutige Flora. Viele Vorgänge wie die Kommunikation zwischen Pflanzen und mit Insekten mit Hilfe von ätherischen Ölen wurden uns anschaulich und lebendig nahe gebracht und bereiteten auf den späteren Vortrag einer Kollegin vor. Majas Buch Unsere Heilpflanzen (klick!) erläutert die 150 wichtigsten Heilpflanzen, die in der Schweiz wachsen.

Regula_Rudolf_von_RohrNach der Mittagspause berichtete die engagierte Aromatherapeutin und Psychiatrie-Pflegende am Universitätsspital Basel Regula Rudolf von Rohr (klick!) über ihre Erfahrungen und ihren Einsatz von ätherischen Ölen bei Menschen mit psychiatrischen Störungen. Es ist wirklich beeindruckend, wie fortschrittlich man dort arbeitet und wie erfahren man in der Begleitung mit den duften Helfern ist. Das Ziel des ‚Basler Modells‘ ist der Auf- und Ausbau von Selbstfürsorge, möglichst über den stationären Aufenthalt der PatientInnen hinaus, es soll eine Erweiterung des eigenverantwortlichen Handlungsraumes (Empowerment) aufgebaut werden, also Hilfe zur Selbsthilfe mit gegeben werden.

Besonders schön ist ihr neuer Therapiegarten, dessen Entwicklungsschritte Regula uns in Fotos gezeigt hat: vom ersten Entwurf, an dem einiges verworfen oder geändert werden musste über die noch kahle Anlage mit frisch gepflanztem Grünzeug bis zum wuchernden Duftgarten mit Bänkli zum Genießen und Gesundwerden. Nicht nur das Schnuppern wird den PatientInnen nahe gelegt, mit Hilfe der Pflanzen sollen die eher abstrakten Düfte in den Fläschli sozusagen ein Gesicht bekommen und können dazu noch helfen bei folgenden Tätigkeiten:

  • Trockensträusse binden zum Mitnehmen
  • Kräuter ernten für Tees, inkl. Zubereitung
  • Ernten für Potpourris
  • Bei der Pflege des Gartens mithelfen
  • Lernen, wie Duftpflanzen zu Hause auf dem Balkon oder im Garten angepflanzt und gepflegt werden

Regula hat ein gut funktionierendes Netzwerk für Pflegende mit aufgebaut, das DreiLänderSymposium (klick!), das einmal im Jahr einen spannenden Fortbildungs-Kongress entweder in der Schweiz, in Österreich oder in Deutschland anbietet. Im Übergang zum nächsten Vortrag stellte Ingeborg Stadelmann kurz ihre Arbeit beim Aromatherapie- und Aromapflege-Verein Forum Essenzia (klick!) vor.

Farfalla_Team_Zürich2015Anschließend amüsierten die vier GründerInnen von Farfalla (klick!) mit Bildern und Anekdoten aus der Vergangenheit, sie haben ihre damals vor 30 Jahren gesteckten Ziele im Großen und Ganzen erreicht, sie bleiben sich nach wie vor treu, indem sie kompromisslos für höchste Bio-Qualität, für Umweltschutz und fairen Handel eintreten. Wir hatten in den letzten Jahren viele Gespräche zum Thema, ich konnte mir Lager und Labor anschauen, ich habe viele MitarbeiterInnen kennen lernen dürfen und habe einen Großteil des umfangreichen Sortiments ausprobiert.

Nach wie vor reisen die Farfalla-Menschen gerne zu den vielen Orten, an denen ihre Duftpflanzen gedeihen und von wo sie ihre kostbaren ätherischen Öle beziehen und tauschen sich mit denen aus, die die „Drecksarbeit“ rund um die Felder machen. Den Ärmsten der Armen wird unter die Arme gegriffen, beispielsweise auf Madagaskar, von wo 20 feinste ätherische Öle kommen. Was sich seit den Hippie-Tagen mit langen Haaren und Rauschebärten verändert hat: Sie können inzwischen auch auf ein gut sortiertes Angebot von sehr hochwertiger Naturkosmetik stolz sein, diese wird im eigenen Labor produziert. Zudem bekam das eine Starter-Ladengeschäft in Zürich-Seefeld nach und nach Geschwister in mehreren Orten der Schweiz und Farfalla-Produkte sind nun auch außerhalb der eidgenössischen Grenzen erhältlich und beliebt. Derzeit ist das „alte“ (jedoch sehr jung gebliebene) Team dabei, ihre Arbeit in jüngere Hände zu geben.

Zum Abschluss dieses gelungenen Kongresses referierte – wie bereits vor fünf Jahren – die Biologin und Chemikerin Florianne Koechlin über ‚Feigen flüstern, Weiden wispern‘. Wir lernten spannende neue Erkenntnisse aus dem Bereich des ‚Pflanzenpalavers‘, also der Kommunikation zwischen Pflanzen, zu der sie bereits vor einigen Jahren ein wundervoll zu lesendes kleines Buch (klick!) herausgegeben hat. In Erstaunen versetzte die Forschung mit dem vorhandenen ‚Gedächtnis‘ von grünen Wesen, wie man an Mimosenpflanzen, die man fallen ließ, beobachten konnte. Es kostet die ’sensible‘ Pflanze Energie, immer wieder ihre gefiederten Blättchen zusammenzuklappen und zu öffenen. Nach mehreren Malen des Fallens taten die beobachteten Pflanzen dies nicht mehr. Klar, denkt sich der Forscher, die Power ist verbraucht, das Pflänzlein ist irgendwie müde. Doch auch in den nächsten Tagen reagierten die im Fall nun geübten Gewächse, dass es keinen Grund zum Zuklappen gibt, sie müssen sich das also irgendwie „gemerkt“ haben.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFrau Koechlin informierte uns auch über das WWW der Pflanzenwelt, das Wide Wood Web: Man kommt sich als Mensch schon ein wenig erbärmlich vor, wenn man erläutert bekommt, dazu auf so unterhaltsame Weise, welche Kommunikationsprozesse in der Pflanzenwelt unterirdisch abgehen. Nur weil wir die Klopfgeräusche einer Pflanze nicht hören können, heißt das nicht, dass es sich um stumme und dumme Kreaturen handelt! Jedes Jahr gibt es neue faszinierende technische Möglichkeiten, diese Ausdrucksweisen der Pflanzen so umzuwandeln, dass wir sie mit unseren doch recht armseligen Sinnen erfassen können. Und siehe da, wer offen dafür ist, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich war nicht nur vom kurzweiligen Vortragsstil von Frau Koechlin mitgerissen, mir haben ihre vielen kleinen erläuternden Aquarelle besonders gut gefallen: Sie ist nicht nur forschend, sondern auch künstlerisch tätig und illustriert ihre Folien mit entzückenden leicht kolorierten Strichzeichnungen. Ein neues Buch, das Frau Koechlin mit herausgegeben hat, soll inspirieren und aufklären, so dass wir Menschen Pflanzen mehr ernst nehmen können und mehr Achtung vor ihren Fähigkeiten aufbauen können: Jenseits der Blattränder (klick!). Das Buch schildert Eigenheiten der Pflanzen und beschreibt ihre Kommunikationskünste und Beziehungsnetze, die sie mit anderen Lebewesen und uns Menschen knüpfen. Auszug aus der Buchbeschreibung vom Lenos Verlag April 2014: „So erfahren wir, wie Pflanzen mit Duftstoffen kommunizieren oder dass das Wurzelsystem einer jungen Roggenpflanze fast fünf Kilometer pro Tag wächst und wie es mit Pilzfäden ein dichtes unterirdisches Netz bildet, über das auch Nährstoffe und Informationen ausgetauscht werden. Ein weiteres Fragment berichtet aus der neuesten Forschung: Pflanzen erinnern sich an vergangene Ereignisse – und vererben diese Erinnerungen sogar an ihren Nachwuchs. So können sich Tomaten, die einmal von Raupen attackiert wurden, beim zweiten Mal viel effizienter wehren. Und auch deren Nachkommen sind gegen Fraßfeinde besser gewappnet – sie haben die Erinnerungen an den Raupenangriff von ihren Eltern geerbt. Pflanzen sind also keine passiven und isolierten Objekte. Sie sind Subjekte im großen Beziehungsgeflecht der Natur, in das auch wir eingebunden sind. Da stellt sich die Frage unserer Verantwortung ihnen gegenüber neu.“

Es war ein rundherum gelungener und abwechslungsreicher Kongress, wir haben viel gelernt und auch viel gelacht. Bleibt nur noch zu sagen: MERCI, Farfalla, auf die nächsten 10 oder 20 oder 30 Jahre! Danke auch, dass ich moderieren durfte, es war mir eine freudige Ehre! Es folgt zum Abschluss noch die erste Folie aus meiner Präsentation:

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieSo umschrieb ich auf einem selbst gebastelten T-Shirt meine Tätigkeit als relativ frisch gebackene Aromatherapeutin, ausgebildet bei und ausgestattet mit dem Diplom von SPICA, dem College der englischsprachigen Pionierin Shirley Price: Aromatherapeuten tun es mit Duft und Liebe. Das war nicht vor 30 Jahren, jedoch vor circa 27 oder 28 Jahren.

Fotos: © Volkmar Heitmann (Zimmermann, Kunz, Bernath-Frei, Rudolf von Rohr, Farfalla-Team), Maja Dal Cero (Dal Cero)

hydrolate – pflanzenwässer und ihre destillation


hydrolate_fischer-rizzi_coverHydrolate destillieren, mit Hydrolaten gesund bleiben, Hydrolate als Schönheits- und Pflegemittel: Diese Themen und noch ganz viel mehr hat die Aromatherapie-Pionierin Susanne Fischer-Rizzi auf sage und schreibe 400 fast A4 großen Seiten zusammen getragen. Nicht umsonst heißt diese „Bibel“ der Blüten- und Kräuterwässer Das grosse Buch der Pflanzenwässer (klick!). Wer also ein Scheinchen zu Weihnachten bekommen hat und sich für diesen vergessenen Bereich der Aromatherapie und Aromapflege interessiert, sollte sich das übersichtliche und wunderschön bebilderte Standardwerk gönnen.

Jedes Hydrolat ist auf einer oder gar zwei der großen Seiten vorgestellt, dann folgt ein ausführliches Pflanzenporträt (Synonyme, Vorkommen, Beschreibung, Pflanzenteil, Gewinnungsverfahren, Inhaltsstoffe, pH-Wert, Haltbarkeit, Duftbeschreibung). Mindestens zwei Seiten widmen sich anschließend der Anwendung des jeweiligen Hydrolats in der (Kranken)Pflege, im kosmetischen Bereich und in der Küche. Immer sind ganz klasse Rezepte mit dabei, beispielsweise „Schlaf über den Wolken“ mit Lavendelhydrolat, „Sanfte Berührung Pflegebalsam“ mit Karottensamenhydrolat, „Wasser der Venus“ mit Frauenhaarfarnwasser, „Creme der schönen Kaiserin Tang Fei“ mit Maulbeerbaumwasser, „Die Seele baumeln lassen“ mit Vanillewasser, „Weißtannen-Rescue-Spray“ mit Weißtannenhydrolat.

Ja, richtig, Susanne Fischer-Rizzi stellt neben den kommerziell erhältlichen Hydrolaten total spannend klingende selbst destillierte Pflanzenwässer vor: Apfelblütenwasser, Gänseblümchenwasser, Johannisbeerknospenwasser, Limettenwasser, Mammutbaumwasser, Palo-Santo-Wasser, Quittenwasser, Stiefmütterchenwasser, Wundkleewasser und viele mehr, insgesamt 76 Pflanzenwässer auf über 300 großen Seiten! Das inspiriert zum Nachmachen!

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas schwere Buch bietet auch eine Fundgrube an geschichtlichem Wissen, ganz viele Anwendungsbereiche von Raumluftsanierung über Küche, Tierpflege und Hospizarbeit werden erläutert. Viele einfach umzusetzende Rezepte für Schönheitsmittel wie die „Second Skin-Lotion“ (Schüttel-Lotion) machen Lust auf Experimente. Sogar an Hinweise zum Herstellen von veganen Cremes (ohne Bienenwachs) hat die super-kreative Autorin gedacht. Und auch juristische Möglichkeiten bzw. Einschränkungen zum Besitz einer Destille sind erläutert. In Deutschland ist beispielsweise für Privatpersonen nur eine 0,5-Liter-Destille erlaubt, die Schweizer (3 Liter) und Österreichischen Zollbehörden (2 Liter) erlauben größere Destillen ohne Anmeldung. Für gewerbliche Destillationen gelten andere Höchstgrenzen und entsprechende Zulassungs-/Anmeldeverfahren. Am Ende des Buches findet man einen sehr nützlichen Sammel- und Destillationskalender sowie drei eng bedruckte Seiten mit den vielfältigsten Indikationen und den wichtigsten Hydrolaten dafür/dagegen (beispielsweise Abstillen, Angst, Asthma, Dekubitus, Ekzem, Erkältung, Halsschmerzen, Haut nach Bestrahlung, Lidödem, Menstruationsbeschwerden, Neurodermitis, Ohrenschmerzen, Schürfwunden, Übelkeit, Zahnfleischblutungen). Auf der nächsten ähnlich voll gepackten Seite werden noch sämtliche kosmetische Anwendungsgebiete aufgeführt.

Mein Fazit: Ein rundherum gelungenes Kunstwerk, in dem man sicherlich jahrelang blättern und entdecken kann! Es ist ähnlich „rund“ und vollständig wie „Himmlische Düfte“ (vielleicht sogar besser), Inspiration pur und Sucht-Gefahr! 😉 Dieses Standardwerk aus dem großartigen Schweizer AT-Verlag kostet 39,90 Euro (hier kann man es bestellen). Wer die Vorstellung des Buches in einem Video anschauen und die engagierte vielfache Autorin Susanne Fischer-Rizzi „kennen lernen“ möchte, kann bei Youtube (klick!) reinschauen. pelikan destilleGefilmt wurde an einem Sommertag Anfang Juni diesen Jahres in der wunderschönen Staudengärtnerei Gaissmayer (klick!). Georg Effner, den viele meiner SchülerInnen von den Exkursionen im Rahmen meiner Ausbildungen kennen lernen konnten, zeigt eine Destillation im Kupferkessel.

destille_alquitaraZurück zum Weihnachtsgeld: Wer eine einfache jedoch sehr solide Traditions-Destille kaufen möchte, könnte für 79 Euro die Pelikandestille aus Borsilikatglas (Made in Germany! für knapp 30 Euro kann noch ein Liebig-Kühler dazu erworben werden) hier bestellen, für 119 Euro gibt es eine (fast) komplette kleine Glas-Destillationsanlage namens Fortuna (ohne Thermometer) hier (klick!). Für 116,62 Euro gibt es die 0,5-Liter-Destille aus Kupfer namens Alquitara hier (klick!). Bei Alpmed in der Schweiz bekommt man ein handliches gläsernes so genanntes Taschendestillationsgerät (klick! 200 Schweizer Franken = 167 Euro), mit dem man mitten auf der Blumenwiese mit Teelichtern destillieren kann. In Österreich kann man die praktische Leonardo-Destille kaufen, hier (klick!) wird eine Schritt-für-Schritt-Fotoanleitung einer Destillation damit gezeigt.

Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieBuch-Hydrolate-Eliane-Zimmermann_xsWer jedoch erst einmal in die Materie der Pflanzenwässer hinein schnuppern möchte, kann dies im Buch von Ingrid Kleindienst-John Hydrolate -Helfer aus dem Pflanzenreich (klick! 19,90 Euro) oder in meinem Buch Hydrolate – Pflanzenwässer, die vergessene Dimension der Aromatherapie und Aromapflege (klick! 24,90 Euro inklusive Porto, dort kann man auch diverses Zubehör wie Laborgläser und eine Fein-Waage für die Herstellung von Salben/Cremes bestellen [0,01-500g für vernünftige 39,50 €], dafür hier rein schauen).

aromatherapie für die ärmsten der armen


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Julia und Jinpa bei der Arbeit in Haiti (© Fotos Julia Hoffman-Graves)

Aromatherapie-Einsatz in einem Krisengebiet. Mein achter Beitrag zu Vorträgen, die auf der inspirierenden Konferenz Aromatherapie-Botanica2014 zu hören waren, ist fast nicht in Worte zu fassen. Ähnlich wie bei den Worten und beim berührenden Video der südafrikanischen Krankenschwester Linda-Anne O’Flaherty, gab es auf dem Vortrag von Julia Hoffman Graves ’standing ovations‘. Die engagierte deutsche Phytotherapeutin und Buchautorin, die in Frankreich lebt, bekam aus erster Hand mit, wie es um die Gesundheit der ohnehin sehr, sehr armen Bevölkerung in Haiti stand, nachdem im Januar 2010 ein verheerendes Erdbeben über 300.000 Menschen getötet hatte. 300.000 Menschen wurden darüber hinaus teils schwer verletzt, eine Million Menschen wurden obdachlos, das Wasser war größtenteils verseucht.

Julia_Graves_Jinpa_Haiti

Julia, Jinpa und geduldig wartende Menschen auf Haiti

Sie überlegte quasi nur rasch, dass ätherische Öle und homöopathische Globuli besser in ihr Fluggepäck passen würden, als große Mengen der von ihr üblicherweise verwendeten getrockneten Heilkräuter und Tinkturen, Aromatherapie ist sozusagen eine sehr kompakte Version der traditionellen Phytotherapie. Sie fragte im Bekannten- und Freundeskreis nach überflüssigen, unbenutzten und ungeliebten ätherischen und fetten Ölen sowie Homöopathika, packte ihre Siebensachen und flog nach Haiti, um rasch und unbürokratisch Erste Hilfe zu leisten. Was sie bei ihrer ersten Anreise vorfand, war ein unvorstellbares Chaos aus Nichts, Schmutz und Leid. Selbst ein Tisch, um ihre Sprechstunde abzuhalten, stand zunächst nicht zur Verfügung.

Sie ließ uns in ihrem Vortrag an diesem Vakuum nach der grausamen Naturkatastrophe mit Hilfe einer Diashow teilhaben. Sie schilderte in wenigen Worten, wie sie mit wenigen Tropfen ätherischer Öle große Erfolge verzeichnen konnte. Seitdem hat sie zweimal im Jahr jeweils drei Wochen lang, tausende von Tütchen mit aromatischen Kräutern und Fläschchen mit Ätherisch-Öl-Mischungen ausgegeben.

Julia_Graves_Botanica2014Mit Hilfe von lokalen Freiwilligen, die übersetzten, Wartenummern an Menschen in endlosen Warteschlangen verteilten, Öle nach Julias Anweisung mischten und abfüllten und die sie auch sonst tatkräftig unterstützten, konnte man circa 300 Menschen pro Tag behandeln. Ihre Initiative ‚Naturopathic Relief Clinic for Haitian Earth Quake Survivors‘ konnte bis heute 18.000 verarmten und Not leidenden Menschen helfen. Sie schilderte das ganze Unternehmen als ‚zufällige Feldstudie‘ und war selbst erstaunt, wie ätherische Öle, teilweise in kleinsten Mengen, Infektionen mit Mikroorganismen und Parasiten reduzieren konnten. Ja, dass sogar die Gesundheit der Bevölkerung stabilisiert werden konnte, vermutlich durch eine erfolgreiche Modulierung des Immunsystems der betroffenen Menschen.

Über 50 Prozent der Bevölkerung in Haiti sind Jugendliche und Kinder. Demzufolge zählten die Jüngsten (samt ihren Müttern) zu den häufigsten Besuchern der Heilpflanzen-Sprechstunde. Aber auch verwaiste Kinder kamen und mussten behandelt werden. Eine der schlimmsten Plagen speziell in dieser jungen Altersgruppe sind Würmer, so dass Tee aus Wermutblättern (Artemisia absinthum) verteilt wurde und der trotz des immens bitteren Geschmacks gut angenommen wurde, auch Gemeiner Beifuss (Artemisia vulgaris) und Einjähriger Beifuss (Artemisia annua) als Droge (getrocknetes Kraut) oder Tinktur kamen zum Einsatz. Bei Kindern, die vermutlich ihre Eltern verloren hatten, so dass keine konstante Gabe der Heilkräuter gewährleistet war, wurde das homöopathische Präparat Cina (Artemisia maritima) verabreicht. Die Zuckerkügelchen waren auch von Vorteil, wenn sauberes Wasser für die Zubereitungen nicht zur Verfügung stand – was oft der Fall war.

An ätherischen Ölen wählte Julia die Mittel aus, die möglichst breitgefächert wirken und preiswert zu bekommen waren: Lavendel, Teebaum, Eukalyptus und Zitrone. Sie wurden in lokal erhältlichem Baumwollsamenöl verdünnt (10 Tropfen auf 30 ml), in Fläschchen gegeben, an die Bevölkerung verteilt und für allerlei Beschwerden eingesetzt: Hautverletzungen, Geschwüre, Juckreiz (beispielsweise am After wegen der Würmer), vaginaler Ausfluss, Ohrenschmerzen und vereiterte Augen. Mit einem Tropfen der Mischung wurde auch die tägliche Flasche mit Trinkwasser „gereinigt“.

Bei der dritten und vierten Reise nach Haiti waren Julia und ihr Team mit einer kniffligen Situation konfrontiert, denn UNO-Soldaten aus Nepal hatten die Cholera ins geplagte Land importiert. Um Vorsorge gegen Ansteckungen zu betreiben, wurde das Trinken des lokalen Zitronensaftes empfohlen und ätherisches Zitronenöl verteilt. 2-3 Tropfen Zitronenöl entkeimten offenbar 6 Kubikmeter der heran gekarrten Wasserkanister, so dass es in der Region rund um Julias Sprechstunden keine Cholerausbrüche gab. Für diesen Bereich sowie bei Lungenbeschwerden verwendete das Team auch Thymiankraut, Thymianöl und Nelkenknospenöl. Sie schilderte einige regelrechte Wunderheilungen und wie dankbar die Bevölkerung auf die helfenden Menschen, auf die Kräuter und die Öle reagierte, man empfand das Team als von Gott gesendete Helfer.

Nach diesem bewegenden Vortrag war es zunächst mucksmäuschenstill im Saal, dann kam stehender tosender Applaus, hier und da flossen Tränen und jemand stand auf und rief in den Saal: Wir müssen helfen! Julia, mach‘ eine Facebook-Seite auf! Worauf Julia erwiderte, dass sie ihre Zeit lieber mit dem Helfen von Not leidenden Menschen verbringt als im Internet. Sie will auch ein Einpersonen-Hilfsunternehmen (mit ein paar Helfern) bleiben, damit kein Cent an Hilfsgeldern durch Bürokratie verloren geht. In der folgenden Pause wurden dann hinter den Kulissen „Rädchen gedreht“ und anschließend erfuhren wir im Publikum, dass alle ausstellenden Firmen im Foyer ihre Tester und restlichen Öle nach dem Ende der Dreitage-Konferenz für Julia zusammen packen würden. So dass sie wieder pflanzliche Heilmittel auf ihrer nächste Reise nach Haiti im Gepäck haben wird.

Graves_Julia_CoverVielleicht gibt es LeserInnen meines Blogs, die auch ätherische und fette Öle besitzen, die sie nicht so mögen oder von denen sie schlicht zu viel gekauft haben, Julia kann solche Spenden bestens gebrauchen. Also ab damit in ein Päckchen und zur Post! Sie und ihr Team haben derzeit ausreichend Zitronenöl, Teebaumöl, Eukalyptusöl und Lavendelöl. Sie schrieb mir, dass sie sehr gerne Nadelöle (Fichte, Tanne, Kiefer) mitnehmen würde und sie benötigt dringend kleine Fläschchen, so eine Art Probenfläschchen (gerne nur circa 1 cm hoch), diese möchte sie mit unverdünnten Ölen an die Bevölkerung ausgeben, wenn Trinkwasser zu dekontaminieren ist. Auch stehen einige Kunststoffflaschen (ätherisch-öl-beständig) auf ihrer Wunschliste, damit sie die Öle, die sie derzeit in größeren Aluflaschen (mit Explosivzeichen) hat, aufteilen kann und sicherer im Flugzeug transportieren kann. Geldspenden sind freilich auch sehr, sehr willkommen, der Paypal-Knopf (Stichwort Haiti-Hilfe) und sonstige Infos sind auf ihrer Haiti-Hilfs-Website (klick!) zu finden. Für Menschen, die ihr homöopatische Mittel zukommen lassen möchten, gibt es hier (klick!) eine Wunschliste an Mitteln, die auf Haiti am meisten benötigt werden. Die (hoffentlich zahlreichen!) Spendenpäckchen werden am besten nach New York geschickt an:
Michelle LaDue
c/o Bradley Grossmann
455 West 23rd Street, Suite 1E
New York, NY, 10011
USA

Julia hat übrigens ein wundervolles Buch geschrieben, auf englisch, über die Signatur der Pflanzen: The Language of Plants (klick!). Und hier ist die Adresse für Sachspenden, die man lieber innerhalb Europas verschicken möchte (statt an oben stehende Adresse in die USA):
Julia Graves
Peyrissaguet
19370 Chamberet
Frankreich

jasminöl bei knötchen in der brust


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieMogra (Jasminum sambac) ist ein exzellentes Absolue (durch Lösungsmittel extrahiertes „ätherisches Öl“) bei einer Neigung zu Knötchen in der Brust, berichtete auf der Aromatherapie-Konferenz Botanica2014 (klick!) die temperamentvolle Ayurveda-Fachfrau aus Australien Farida Irani. „Knötchen“ in der Brust meint nicht bösartigen Brustkrebs, sondern kleine (gutartige jedoch oft schmerzhafte) Verhärtungen, Zysten, die so genannte Mastopathie, verursacht durch hormonelles Ungleichgewicht. Da ich vor einigen Tagen zwei Fotos meiner Jasmin sambac-Pflanze auf Facebook gepostet hatte und unglaublich viele „Likes“ bekam (so viel mehr Zustimmung als hier auf meinem guten alten Blog 😉 ), würdige ich diese wundervoll duftende Pflanze auch hier. Frau Irani sprüht nur so vor Leben und man kam gar nicht dazu, alles aufzuschreiben, beispielsweise was sie bei den Defiziten von Vata empfiehlt (Kreuzkümmel, Davana, Tulsi/Heiliges Basilikum). Bei mangelndem Pitta müssen Blütendüfte her, vor allem das Absolue aus Kewda (Schraubenbaum, Pandanus odoratissimus, hier beim „Gewürzepapst Gernot Katzer (klick!) findet man klasse Infos über dieses Gewürz).  Bei einem Mangel an Kapha empfiehlt sich vor allem Gewürznelke, Cardamom und wieder Tulsi (eines der wichtigen indischen Alleskönner-Öle). Für Menschen, die keine ätherischen Öle vertragen, empfahl sie das Mazerat von Brahmi (Bacopa monnieri) in Sesamöl. Dieses fette Öl gibt sie auch allen Menschen mit, die sich einer Bestrahlungstherapie unterziehen müssen. Für Frauen, die unbedingt schwanger werden wollen, der Klapperstorch jedoch ausbleibt, empfiehlt sie Davanaöl (klick! Artemisia pallens, es duftet wunderbar fruchtig-süßlich und etwas nach Whiskey! und bestimmt den Duft der Granatapfelserie einer großen deutschen anthroposophischen Kosmetikfirma mit dem Anfangsbuchstaben W). Bei diversen Tumoren gibt sie Ashwagandha (klick!), ein ganz wichtiges Stärkungsmittel in der traditionellen indischen Medizin. Es hilft bei Schwächezuständen, bei seelischen Durchhängern und laut einigen Studien schützt es Nervenzellen vor noch mehr degenerativem Zerfall wie bei Morbus Alzheimer. Sie gibt es auch Menschen die an Fibromyalgie leiden (Weichteilrheumatismus mit psychischen Krisen). Auch Safran-Attar (in Sandelholzöl hinein destilliert) empfiehlt sie bei Krebs. Bei Angstzuständen empfiehlt Frau Irani das ätherische Öl von Curcuma longa, einem Verwandten der Gelbwurz, die das Currygewürz gelb färbt. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZurück zum Jasmin-Absolue, das seine rote Farbe vom Indol-Anteil erhält. Das ist der Fäkal-Riechstoff, der speziell weißen Blüten, welche Nachtinsekten anziehen, einen manchmal eher unangenehmen Unterton gibt. Im Gewächshaus hinter unserem Seminarhaus konnten das viele TeilnehmerInnen meiner Kurse bestätigen (dort blüht immer noch Jasminum officinalis). Als tausende von Blüten geöffnet waren, war der schwere Duft/Geruch rund ums Gewächshaus kaum auszuhalten. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDieser Riechstoff (Stinkstoff?) macht – in raffinierten Spuren eingesetzt – Parfüms für uns Menschen ziemlich unwiderstehlich. Kein Wunder, er ist ein Bestandteil unseres Gehirnstoffwechsels. Als ich diese Tatsache vor einigen Jahren in einem Fachbuch fand, war ich doch etwas erstaunt, dass sich dieses anrüchige Molekül sowohl „da unten“ als auch in unserem Kopf befindet. Und dort für Wohlbefinden sorgt. So ist es kein Wunder dass Frau Irani Jasmin sambac-Absolue (klick!) bei depressiven Zuständen und Ängsten empfiehlt. Anscheinend reguliert es unseren aus der Balance geratenen „Happylizer“-Stoffwechsel (also die Botenstoffe, die für Wohlbefinden sorgen sollen). Sie empfiehlt, Ätherische-Öle-Mischungen für die Seele auch immer rund um den Bauchnabel einzureiben, dem Zentrum unserer Ausgeglichenheit und Balance. Sie rät zudem dazu, diesen schweren Duft auch als Deo einzusetzen, als kühlende Gesichtspflege und sogar bei Geschwüren. Sie schloss ihr unglaubliches Feuerwerk an Tipps und Rezepturen mit obigem Spruch von Paramahansa Yogananda und überreichte der Gastgeberin Rhiannon Harris (klick!) als Zeichen des Dankes und der Anerkennung einen großen Schal (eher eine Stola). Frau Irani hat es übrigens geschafft, in ihrer Heimat Australien eine staatliche Anerkennung für ihre Kurse in Ayurvedischer Aromatherapie zu erhalten. Dazu mehr auf ihrer Website Subtle Energies (klick!). Die gesammelten Vorträge dieser Konferenz kann man bis zum 30. September mit 25 Euro Ermäßigung hier (klick!) als Download-Datei erwerben (75 Euro statt 100 Euro).

aromatherapie bei phantomschmerzen


Linda_Anne_O_Flaherty_burnsWenn ein Körperteil amputiert wurde und es dennoch höllische Schmerzen verursacht, können sanfte Aroma-Massagen sehr hilfreich sein. Das zeigte die engagierte Aromatherapeutin Linda-Anne O’Flaherty in einem Video, das bei vielen ZuhörerInnen der Botanica2014-Konferenz rote Augen oder gar Tränen verursachte. Linda-Anne arbeitet am The Red Cross War Memorial Children’s Hospital in Cape Town in Südafrika, es ist das größte spezialisierte Kinder-Krankenhaus im südlichen Afrika. Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIhr kleiner Patient klagte ganz fürchterlich über höllische Schmerzen im linken Arm, der leider aufgrund seiner durch einen heftigen Stromschlag erfolgten Verbrennungen amputiert werden musste (auf dem Foto oben existiert der Arm noch). Linda-Anne arbeitet bei all ihren kleinen VerbrennungspatientInnen mit der sehr sanften „Massage“ namens M-Technique (klick!), die von der großen britischen Aromatherapeutin und Pflegewissenschaftlerin Dr. Jane Buckle entwickelt wurde (Foto rechts, sie war als Gast auf der Konferenz anwesend). Die M-Technique ist inzwischen in englischsprachigen Ländern sehr gut bekannt und beliebt, sie wird manchmal „Physikalische Hypnotherapie“ genannt. Im großen Krankenhaus/Hospiz, in dem Linda-Anne beschäftigt ist, kann meistens nicht mit individuellen Mischungen gearbeitet werden. So wurde der nicht mehr vorhandene Arm, der laut ihrem kleinen Patienten aufgrund der sehr verkrampften, zur Faust geballten Phantom-Hand so extrem schmerzte, mit folgender Standardmischung [1% ätherische Öle in Traubenkernöl (Vitis vinifera)] behandelt:

  • Kamille deutsch (Matricaria recutita, vor allem gegen den beim Verheilen von Verbrennungen entstehenden starken Juckreiz)
  • Lavendel (Lavandula angustifolia, schmerzlindernd, beruhigend, sanft antiseptisch)
  • Neroli (Citrus aurantium var. amara, beruhigend/anti-traumatisch, schmerzlindernd, sanft antiseptisch)

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieÜbrigens wird nur intakte oder zumindest gut verheilte Haut mit ätherischen Ölen und Streichungen behandelt, niemals verbrannte Haut. Wenn sehr kleine Kinder sich zu stark gegen diese Anwendungen wehren (strampeln, schreien, unaufhörlich weinen), werden sie nicht weiter behandelt. Auf dem Video sah man, wie Linda-Anne genaue Instruktionen des Jungen erhielt, wo genau der (nicht vorhandene) Arm sich befand, wo die Faust, wo die einzelnen Finger. Sie „massierte“ ganz so, als läge der kindliche Arm in ihrer Hand, wie ein Pantomime. Die erfahrene Aromatherapeutin schaute sich ständig seinen Gesichtsausdruck an, sie fragte zwischendrin ganz zart, ob ihre Streichungen so richtig seien. Sie muss seine Schmerzen hervorragend erfasst haben, der Junge wirkte sehr konzentriert, etwas überrascht, vielleicht sogar leicht ungläubig. Sie widmete sich insbesondere seiner „Faust“ und berichtete uns, dass der Junge bei und nach der ersten Behandlung regelrecht in seinem Rollstuhl zusammensackte, vermutlich war seine schmerzangefüllte sehr hohe Grundspannung gewichen. Das Video, das wir uns anschauten, entstand erst bei einer späteren Behandlung, war dennoch sehr bewegend. Der Junge war nach der vierten Behandlung mit der M-Technique ganz beglückt, dass die „Faust“ sich geöffnet hatte und der schlimme Schmerz vergangen war. Man kann auf der Blog-Seite des International Journal of Professional Holistic Aromatherapy (klick!) mehr über Linda-Annes Arbeit nachlesen. Ihre Studie an 71 ganz jungen VerbrennungspatientInnen (Durchschnitts-Alter 3 Jahre) ist 2012 in der renommierten internationalen Fachzeitschrift Burns veröffentlicht worden, sie kann für 31,50$ hier (klick!) gekauft werden. Die DVD mit den Schritten der M-Technique kann man bei Jane Buckle für gut 30 Euro hier (klick!) bestellen. [Foto ganz oben: Linda-Anne O’Flaherty]

aromatherapie bei (kreisrundem) haarausfall (alopezie)


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieHaarausfall, kann ich mit ätherischen Ölen etwas dagegen tun? Das ist eine der häufigen Fragen, die an mich gestellt werden. Ich muss mit ja und nein antworten, denn Haarwurzeln sind extrem empfindliche Gesellen, sie reagieren auf kleinste hormonelle Schwankungen, auf Übersäuerung, auf die ersten Attacken vieler Chemotherapien. Viele Jahre lang habe ich Indian Head Massage unterrichtet und gespürt, dass Verspannungen, welche durch die vielen Anforderungen unseres modernen Lebens entstehen, insbesondere die Kopfhaut verhärten. Nur ist sich kaum jemand dessen bewusst.

Insofern können tägliche kleine Massagegriffe mit entspannend wirksamen ätherischen Ölen durchaus eine Wirkung zeigen, indem das „Übel“ buchstäblich an der Wurzel gepackt wird. Welche Öle dabei ausgewählt werden, entscheidet der spezifische Zustand der jeweiligen Person, ihre Nase sollte wohltuende Düfte auswählen und zusammenstellen. Wichtig wäre das eine oder andere ätherische Öl, das aufgrund seines Estergehaltes entkrampfend und lösend wirkt, beispielsweise

  • Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Petit Grain (Citrus aurantium foliae)
  • Kamille römisch (Chamaemelum nobile)
  • Bergamottminze (Mentha citrata)
  • Ylang Ylang (Cananga odorata)
  • Rosengeranie (Pelargonium graveolens, P. asperum)
  • Bergamotte (Citrus bergamia, nur abends)
  • Muskatellersalbei (Salvia sclarea)

Entspannung alleine reicht jedoch nicht unbedingt, obwohl sich eine Kopfmassage sofort auf den ganzen Körper wohltuend auswirkt. Es muss zusätzlich ein ätherisches Öl gewählt werden, das die Durchblutung anregt, damit „Schlacken“ abtransportiert werden können und damit (vor allem im Falle von Immunreaktionen) körpereigene Verteidigungsstoffe herbei geschafft werden. Der Klassiker ist

  • Rosmarin Ct. Campher oder Ct. Cineol (Rosmarinus officinalis)

AiDA Aromatherapy Eliane ZimmermannPfefferminze (Mentha piperita) wäre auch denkbar. Für den Fall, dass Mikroorganismen (Pilze, Bakterien oder Hautflechten) am Haarausfall beteiligt sind, nimmt man einen geringen Anteil an Ölen, die „antibiotische“ Phenole enthalten zur Mischung, sie fördern auch gleichzeitig die Durchblutung und helfen dem Immunsysten wieder auf die Sprünge (hinter Alopezie steckt eine Autoimmun-Reaktion). Der Klassiker ist Pimentöl (Pimenta dioica), es gibt sogar eine Patentanmeldung (klick!) auf ein Haarwasser mit Piment. Im traditionellen Haar- und Pflegewasser aus Jamaika Trumper’s Bay Rum (klick!), das auch Gentlemen in Europa schätzen, ist dieses nach Gewürznelken duftende Gewürz enthalten. Das ätherische Öl ist leider nicht überall erhältlich.

  • Piment (Pimenta dioica, Foto, hier erhältlich)
  • Bay (Pimenta racemosa, hier erhältlich)
  • Thymian Ct Thymol (Thymus vulgaris Ct Thymol)
  • Nelkenblätter oder etwas milder Nelkenknospe (Syzygium aromaticum)
  • Tulsi/Heiliges Basilikum (Ocimum sanctum)

Last not least muss man dem Körper helfen, diesen chronisch-entzündliche Prozesse (evtl sogar Abstossungsprozesse) zu regulieren, dabei helfen ihm insbesondere Sesquiterpenverbindungen, besonders bewährt hat sich Zedernöl:

  • Atlaszeder (Cedrus atlantica)
  • Himalajazeder (Cedrus deodara, hier erhältlich)
Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

INCI eines bekannten deutschen Haarwassers

Aus diesen vier Komponenten wird nun ein Haaröl oder ein Haarwasser gemischt und es wird somit wesentlich wirkungsintensiver als die meisten Haarwässer, die man in Drogeriemärkten findet. Diese bestehen hauptsächlich aus Wasser (billig), sehr viel Alkohol (durchblutungsanregend, antiseptisch und billig) und manchmal einem Antischuppen-Wirkstoff (Pirocton-Olamin).

Ein Beispiel für ein selbst gemachtes Haarwasser könnte sein:

  • 25 ml Wodka 40%-ig mit
  • 6 Tropfen Rosmarin
  • 5 Tropfen Atlaszeder
  • 4 Tropfen Ylang Ylang
  • 3 Tropfen Piment (oder Thymian Ct. Thymol) gut verschütteln, mit
  • 25 ml Rosmarinhydrolat mischen (hier erhältlich)

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieJeden Morgen mit kreisenden Massagegriffen auftragen, für eine Abendmischung den Rosmarin weg lassen. Nach dem Auftragen mit einem Handtuch abdecken, dann verflüchtigen sich die ätherischen Öle nicht so schnell. Wer besser mit Öl zurecht kommt (oder als nächtliche Haarkur), mischt diese ätherischen Öle in 50 ml eines guten nativen fetten Pflanzenöles wie beispielsweise Olivenöl, Mandelöl oder Johanniskrautmazerat.

Professor Dr. Wabner hat vor vielen Jahren auf eine schottische wissenschaftliche Arbeit mit 86 PatientInnen hingewiesen. In der randomisierten Doppelblindstudie wurden 86 PatientInnen mit Alopecia areata (kreisrundem Haarausfall) sieben Monate lang entweder mit ätherischen Ölen in Traubenkernöl und Jojobaöl und einer 2-minütigen Kopfhautmassage sieben Monate lang behandelt

  • Thymus vulgaris (Thymian, Chemotyp nicht angegeben, 2 Tropfen, 88 mg)
  • Lavandula angustifolia (3 Tropfen, 108 mg)
  • Rosmarinus officinalis (Chemotyp nicht angegeben, 3 Tropfen, 114 mg)
  • Cedrus atlantica (2 Tropfen, 94 mg)
  • 20 ml Traubenkernöl
  • 3 ml Jojobaöl

oder nur mit dem Traubenkernöl-Jojobaöl-Mix. In der Aromatherapie-Gruppe zeigten sich signifikante Verbesserungen im Vergleich zur Fette-Öle-Gruppe [Hay IC, Jamieson M, Ormerod AD. Randomized trial of aromatherapy. Successful treatment for alopecia areata. Arch Dermatol. 1998 Nov;134(11):1349-52]. Die fertige Mischung ist bei WADI (klick!) erhältlich.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFrüher hat man Klettenwurzelöl in die Kopfhaut einmassiert, es ist wirksam bei Haarausfall und bei juckenden Hautekzemen. Heute ist es kaum noch in guter Qualität erhältlich (hier geht es zu einem Klettenwurzelöl, klick!), besser man stellt es demnächst her, indem man getrocknete und klein geschnittene Wurzelstückchen drei Wochen lang in einem guten Olivenöl einlegt und dann abseiht. Die große Klette, Arctium lappa, wird heute ohnehin als Unkraut betrachtet, dabei ist ihre lange Wurzel sehr heilkräftig (sie ist auch im „Anti-Krebs“-Produkt Essiac enthalten).

Unterstützend sollte auf eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten geachtet werden, damit die Übersäuerung des Körpers und damit der Kopfhaut reguliert werden kann, so dass die Haarwurzeln sich in einem gesünderen Umfeld neu entfalten können. Eventuell sollte ein Hormonspiegel vorgenommen werden und es sollte unbedingt auf eine Reduktion von stressauslösenden Situationen geachtet werden.