im dschungel der paragraphen rund um ätherische öle


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Diese Musiknoten sind von Johann Sebastian Bach, er ist mehr als 70 Jahre tot, sie sind also nicht mehr geschützt. Doch eine Grafik, die daraus gemacht wurde, unterliegt dem Urheberrecht des Grafikers der sie angefertigt hat, er oder sie bestreitet sogar seinen Unterhalt durch die Herstellung solcher Arbeiten, wie auch solcher anatomischer Zeichnungen. Beides darf also nicht „einfach so“, also ohne Erlaubnis des Urhebers, für eigene Websites, Werbemittel und Unterrichtsmaterialien verwendet werden.

Es ist mal wieder an der Zeit, dass ich mich mit dem juristischen Umfeld der Aromapflege, der Aromatherapie und der ätherischen Öle auseinander setze. Und auch mit dem immer krasser werdenden Märchen-Marketing, das sich in unserer Branche breit macht. Einst war ich im Paragraphen-Bereich ziemlich fit, mittlerweile finde ich die Beschäftigung mit §§§ nur noch nervig. In meinem Studium waren mindestens zwei Semester Urheberrecht zu belegen, das waren äußerst unbeliebte Vorlesungen und Tests, das meiste davon hatte ich ganz schnell vergessen.

Doch in unserer Branche gehen einerseits wilde Gerüchte und Unwahrheiten um, andererseits kommen mir immer wieder Urheberrechts-Verletzungen zu Ohren, so dass ich an dieser Stelle ein paar Stückchen Aufklärung verteilen möchte (und bitte um freundliche Korrekturen, wenn ich in Teilbereichen nicht ganz auf dem Laufenden sein sollte 😉 ). [[Wer nichts dagegen hat, dass Pflanzen, Tiere und Menschen ausgebeutet werden, sollte heute nicht weiter lesen.]]

Immer mehr Interessent/innen Anhänger/innen einiger US-amerikanischer Ätherische-Öle-„Schüttgut-Anbieter“ lassen sich von vermeintlichen Siegeln und Analysen blenden, werfen dann sogar langjährigen und erfahrenen Ätherisch-Öle-Fachmenschen mangelnde Recherche sowie Nicht-Wissen und Ähnliches vor. Interessanterweise wird alle paar Jahre „eine andere Sau durchs Dorf getragen“, also gibt es regelmäßig neuartige Behauptungen. Diese werden dann mit der Zeit doch durch Fakten widerlegt und dann schwirren eines Tages wieder neue „Qualitätsaussagen“ durch die Welt der Naturdüfte.

Vor ein paar Jahren waren das die AFNOR-zertifizierten Öle, die angeblich so unglaublich viel besser als alle anderen ätherischen Öle sein sollten. Dieses französische Zertifikat der ‚Association Française de Normalisation‘ sollte gemäß den Anhängern dieser „Duft-Konzerne“ (es gibt im deutschsprachigen Bereich inzwischen mindestens drei davon) wesentlich bessere Öle auszeichnen, als jene von seit zwei bis drei Jahrzehnten etablierten deutschsprachigen Öleanbietern, die hervorragende und ehrliche Qualitäten anbieten. Dieses Industrie-Siegel sagt jedoch rein gar nichts über die wirkliche Qualität aus: Das N im Namen bedeutet ’normalisation‘ und das bedeutet soviel wie Standardisierung und Normierung. Es regelt beispielsweise den Mindesthalt und Maximalgehalt bestimmter Inhaltsstoffe (ich habe über einige Siegel hier [klick!] beschrieben). Jedoch genau das wollen wir FreundInnen vom respektvollen Umgang mit unserer Erde, Pflanzen und Bauern nicht. Das wäre so, als würde man behaupten, dass ein Blatt Papier, das vom deutschen DIN-Institut normiert wurde, also beispielsweise exakt DIN-A-4 entspricht, eine wesentlich höhere Qualität gegenüber einem frei zugeschnittenen Blatt Papier, vielleicht sogar handgeschöpft, aufweisen würde.

gefahrensymbole_a%cc%88therische_o%cc%88le_u%cc%88bersicht

Fast alle ätherischen Öle, welche als Bedarfsgegenstände (oder ‚Bedarfsmittel‘, beispielsweise zur Raumbeduftung) deklariert sind, müssen mit mindestens einem dieser Gefahren-Piktogramme versehen sein, Ausnahmen: Benzoe, Myrrhe, Mimose, Patchouli und Sandelholz. Ätherische Öle, welche als Lebensmittel zertifiziert sind, benötigen diese Deklaration nicht, auch nicht solche, welche als Kosmetika oder Lebensmittel in Verkehr gebracht werden (diese dürfen jedoch bestimmte Inhaltsstoffe nicht oder kaum enthalten).

Neuerdings wird von besagten  US-amerikanischen-Öleanbietern behauptet, ihre Öle seien ganz besonders rein und könnten (und sollten) darum in recht großen Mengen eingenommen werden. Sie stammen jedoch nicht aus von neutraler und anerkannter Stelle zertifiziertem kontrolliert biologischem Anbau. Die angebliche Reinheit wird damit „bewiesen“, dass die vorgeschriebenen Gefahrensymbole, die auf „Bedarfsgegenständen“ (wie Düfte zur Raumbeduftung) zu erscheinen haben, bei ihnen nicht aufgedruckt sind. Wer eine wirklich gute und ausreichend lange Basisausbildung mit ätherischen Ölen (ÄÖ) genießen durfte (nicht nur an einem Abend oder zwei Wochenenden), sollte sich mit den aktuell in Europa geltenden Gefahrensymbolen und korrekten Kennzeichnungen auskennen. Mehr zu den Gefahrstoffen und ihren Piktogrammen findet man auch auf Wikipedia.

Nach deutschem wie europäischem Recht sind kosmetische Mittel von den Pflichten zur Kennzeichnung nach dem Chemikalienrecht ausgenommen, d.h. sie tragen KEINE Gefahrensymbole, MÜSSEN jedoch u.a. mit der Liste der Bestandteile (INCI) gekennzeichnet sein. So haben die meisten Firmen ihre ÄÖ auf die Anforderungen der Kosmetik-Verordnung umgestellt (auch die besagten Firmen mit den „besonderen“ Ölen) und die Gefahrensymbole sind damit von den Etiketten der meisten Fläschchen verschwunden.

Also bitte auf den bestimmungsgemäßen Verwendungszweck des ÄÖ schauen und dann ist die Kennzeichnung kein Problem mehr! Bei ÄÖ mit „therapeutischen“ Qualitätsmerkmalen, wäre zu prüfen, ob diese ÄÖ nicht unter das Arzneimittelgesetz fallen und damit dann ein entsprechendes langes und kostenintensives Zulassungsverfahren durchlaufen müssten. Anbieter ätherischer Öle haben also die Freiheit, ihre Öle nach einer von vier Kategorien in Vertrieb zu bringen:

  • Kosmetikum
  • Lebensmittel
  • Bedarfsgegenstand/Bedarfsmittel
  • Arzneimittel

Auf den Fläschchen bzw beim Verkauf der Öle, die nach den drei ersten Kategorien gekennzeichnet sind, dürfen KEINERLEI therapeutische Aussagen gemacht werden.

Von den Hochdosierer-Firmen wird auch behauptet, dass ’nur unberührter Boden  bepflanzt wird‘. Wie viel unberührten Boden braucht es, für die Mengen an ÄÖ, die wie „Schüttgut“ verwendet werden (manchmal über 100 Tropfen unverdünntes ÄÖ für eine Rückenbehandlung)?! Wie viel Pflanzenmenge wird da tatsächlich verbraucht und wie viel ‚jungfräuliche‘ Erde muss dafür bereit stehen? Geschäft und Umsatz sollen kontinuierlich gesteigert werden, wie ist das vereinbar mit behutsam bewirtschafteter Erde? In einem Vertriebssystem, das auf Empfehlungsmarketing und Gewinnstufen basiert, ist nun mal das Streben nach maximalem Gewinn ein entscheidender Faktor. Viel Verbrauch – viele Dollar/Euro!

Inzwischen werden etliche ätherische Öle nach dem Lebensmittelgesetz zugelassen, diese unterliegen dann wieder anderen Vorschriften, diese brauchen beispielsweise auch nicht die Warnhinweise zu zeigen.

Zu diesem Themenbereich der Siegel und Warnhinweise kann auch auf Sabrinas Blog nachgelesen werden. Je besser und vielfältiger man sich informiert, desto mehr wird man zur/m mündigen Verbraucher/in und fällt nicht auf teures Märchenmarketing rein. Sabrina hat auch eine schöne (nicht vollständige!) Übersicht eingefügt, bei welchen ethisch denkenden und agierenden Anbietern wir einkaufen können.

Wie können wir unterscheiden lernen, was Märchenmarketing und was Tatsachen sind? Ja, beispielsweise durch ein klein wenig das Hirn einschalten und einer Destillation im Original, nicht im Labor oder Vorführraum, beiwohnen. Dann kommt ein natürlicher Respekt gegenüber dem Inhalt der kleinen ÄÖ Fläschchen und auch hinsichtlich der Dosierungen von ganz alleine. Hat man einmal miterlebt, wie viel Pflanzenmaterial für das ÄÖ benötigt wird und wie viel WASSER für die Destillation erforderlich ist (und das ist eine Größenordnung, da schluckt das ökologische Gewissen erst einmal sehr kräftig, vom Stromverbrauch ganz zu schweigen), schaut man mit viel mehr Respekt auf die ätherischen Öle. Wenn man sogar das Glück (und das Interesse) hat, sich anzuschauen, was vor der Destillation geschieht, nämlich aufwändiges pflanzen, jäten, beobachten und ggfs mit natürlichen Pflanzenschutzmitteln stärken, ohne abgasverbreitende Maschinen oder gar von Hand ernten, dann sollte jedem/r Anwender/in mit gesundem Menschenverstand ganz klar werden, wie wenig ätherisches Öl benötigt wird, um effektiv und menschenfreundlich beHANDeln zu können.

Auch das Bauchgefühl reden lassen ist eine Hilfe. Nicht nur ich werde häufig angeschrieben und angerufen von tief verunsicherten Menschen, die gerne ätherische Öle anwenden würden, denen jedoch auf Verkaufsveranstaltungen (mit vermeintlich naturheilkundlichem Hintergrund) mehrere „Bären aufgebunden“ wurden. Tief drinnen spüren sie, dass sie angelogen worden sind, und womöglich mit „preisgünstigen“ Einsteigersets oder gar Knebelverträgen in eine ungute Richtung gelockt worden sind. Auf Christines Blog kann ein fast amüsanter Beitrag zu dieser Duft-Benebelung (klick!) nachgelesen werden.

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In manchen Ländern dürfen Gebäude und Kunstwerke im öffentlichen Raum nicht auf gewerblich genutzten Fotos, auch wenn man sie selbst fotografiert hat, gezeigt werden. In Deutschland heisst das ‚Panoramafreiheit‘ und diese gilt NOCH. Ein Kunstwerk (egal ob aus Stoff, aus Ton, Bronze, auf Leinwand etc) darf selbst, wenn es von einem selbst fotografiert wurde, nicht im kommerziellen Rahmen abgebildet werden.

Das zweite große Jura-Thema rund um die Naturdüfte sind Abmahnungen und wilde Verletzungen des Urheberrechtes. Jeder Mensch, der ein Lesestück oder ein Musikstück schreibt, ein Foto macht, sich eine Zeichnung ausdenkt und zu Papier bringt, eine Melodie komponiert, eine Grafik anfertigt u.s.w. sollte auch im Zeitalter des Internet darauf vertrauen können, dass er das Recht als Urheber des Werkes hat und behält. Er/sie sollte sich darauf verlassen können, vor einem Klau seiner geistigen Idee geschützt zu sein.  So dass mit dem eigenen Werk auch Geld verdient werden kann.

Doch leider tendiert die eher nicht ganz so kreative Hälfte der Menschheit gerne mal dazu, das World Wide Web als Selbstbedienungsladen für geistiges Eigentum anderer zu sehen. Es ist beispielsweise haarsträubend, wenn ein recht großer Online-Shop (laut eigenen Angaben 2 Millionen Kunden und über 450 Mitarbeiter) sich – ohne jemals angefragt zu haben – eines Fotos aus meinem Blog bedient (oder von der Webagentur bedienen lässt), die abgebildete Pflanze für eine andere ausgibt, die Daten im digitalen Hintergrund des Fotos „ausradiert“ (beispielsweise meine Kameramarke und das Datum, an dem ich mein Bild geschossen habe), das Foto in seinen Shop einstellt und dann noch nicht einmal auf meinen Namen als Urheberin oder wenigstens auf meine Website als Quelle verweist. Geschweige denn, dass ich ein paar „Groschen“ dafür erhalten hätte.

So ähnlich ist es bereits mehrfach mit Fotos von mir passiert und auch schon mit Texten. Einmal wurde ein Text für einen Fernkurs ‚Aromatherapie für Hunde‘ sogar „kreativ“ 😦 umgestrickt: aus ‚Mensch‘ wurde ‚Tier‘, aus ‚Patient‘ wurde in dem kommerziell angebotenen Lehrgang ‚Hund‘. Einmal konnte ich eine „Ausbildung zur Aromatherapeutin“ bei Ebay kaufen, in der sich ein Text von mir befand, die „Ausbildung“ kostete unter 20 Euro, inklusive „Diplom“. Die oben stehende Übersicht von Piktogrammen ist auch ein Beispiel, von Urheberrecht: Die Piktogramme sind frei einzusetzen (denn sie wurden für möglichst viele Produkte in Auftrag gegeben), doch die Recherche der Beispiele aus unserer Branche habe ich zusammen getragen, die tabellenartige Zusammenstellung des Textes ist also mein geistiges Eigentum, wie auch dieser gesamte Artikel, den Sie gerade lesen,.

Auch als „kleine(r) Aromatherapeut/in“ sollte man keine Texte, (Pflanzen)Fotos oder Diagramme von KollegInnen übernehmen, ohne die AutorInnen bzw. UrheberInnen um Erlaubnis zu fragen (nur die Quelle anzugeben reicht nicht!). Streng genommen, also nach dem Urheberrecht, muss sogar mit jedem Urheber, also Copyright-Inhaber, ein Vertrag geschlossen werden. So macht es auch mein Verlag, wenn ich in meinem Fachbuch Pflanzen- oder Menschenabbildungen zeige, die nicht von mir fotografiert wurden: Jeder dieser Urheber wird angeschrieben und muss schriftlich seine/ihre Einwilligung für den Abdruck geben.

Es gibt keine absoluten Geldbeträge an die Urheber eines Werkes zu zahlen, vielmehr richtet sich der Preis nach Verbreitung (soll das Logo, die Grafik, das Foto, die Werbung oder die Website 100 Menschen, 10.000 Menschen oder möglichst die ganze Weltbevölkerung ansprechen (wie bei bekannten Limonademarken oder bei berühmten Fast-Food-Burgern), nach Art der Medien (nur auf Visitenkarten, auch auf Websites, dazu im Lokalblättchen, im Fernsehen etc), nach Länge des Zeitraumes der Verwendung und sogar nach Bekanntheitsgrad des Auftraggebers. Letztendlich ist jeder einzelne Posten Verhandlungssache.

Natürlich kann mir keiner verbieten, ein Foto oder eine Grafik aus dem Internet auszudrucken und an meine Wohnzimmerwand zu hängen, das ist private Nutzung. Aber ich darf diese eben nicht für geschäftliche Zwecke verwenden, ohne sie zu bezahlen und die Quelle vorschriftsmäßig anzugeben. Übrigens können Rezepte – sowohl für Kosmetik- und Ölemischungen als auch für kulinarische Schlemmereien, und auch körperliche Übungsabfolgen, etwa zur Muskelstärkung oder im Sinne von Yoga, nicht geschützt werden, diese unterliegen also nicht dem Copyright (Auskunft von einem meiner Verlage).

Freilich kann es passieren, dass man aus Versehen das Urheberrecht verletzt. Beispielsweise weil man nicht bemerkt hat, dass man durch eine technische Panne, etwa durch einen Computerabsturz und dem Löschen einer Quellenangabe, einen juristischen Fauxpas begeht. Oder man hat ein eher unsortiertes Archiv, in dem viele eigene, aber auch für den Privatgebrauch herunter geladene Dateien lagern. Man nimmt ganz arglos eine falsche Datei und veröffentlicht diese auf seiner Website oder auf seiner Shopseite. Solche Fälle sind ein gefundenes Fressen für inzwischen darauf spezialisierte „Urheberrechtsverletzungen-Jäger/innen“. Damit lässt sich übrigens gut Geld verdienen. Wenn man so eine geldpflichtige Abmahnung erhält, muss diese gar nicht vom Urheber ausgelöst sein: Es gibt Juristen, die sich auf das Abgrasen des WWW spezialisiert haben, manchmal unterstützt von Branchen-Insidern. Ich kenne KollegInnen, die wegen solcher Versehen auf ihren Websites viel Geld lassen mussten, einmal ging es sogar um mehrere Monatsgehälter. Darum warne ich regelmäßig vor dem gedankenlosen Umgang mit Fotos, Grafiken und anderen Infos, die einem nicht gehören. Es gibt auch keine Gnade, wenn man den Urheber nicht kennt. Dann einfach die Finger vom Werk lassen!

Infos zur Reduzierung der Panoramafreiheit können hier (klick!) nachgelesen werden, Infos zum Urheberrecht bezüglich der eigenen Website befinden sich auf einer kostenlosen Broschüre (Wert 12,90 €), die hier bei eRecht24 angefordert werden kann.

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ätherische öle zur zeckenabwehr


Eliane Zimmermann Schule für AromatherapieIn Deutschland sind circa zwanzig Zeckenarten bekannt, einige davon sind selten und sogar lediglich vorübergehend „zu Besuch“. In dieser Vielfalt könnte ein Grund liegen, dass hausgemachte Anti-Zeckenmittel mal sehr gut schützen und dann wieder gar nicht.

Zecken benutzen circa 100 Chemorezeptoren an ihren Beinen zum Erriechen von Duftmolekülen, so dass sie wissen: Hier ist ein leckerer Wirt zum Anstechen gefunden. Buttersäure als Bestandteil unseres Schweißes, auch Ammoniak, Kohlendioxid und Milchsäure finden die winzigen Tierchen besonders appetitlich. Diese Gerüche verströmen wir besonders intensiv, wenn wir eine Tendenz zur Übersäuerung haben, also eher ungesund leben. Laurinsäure in nativem Kokosfett dagegen scheinen sie abscheulich zu finden, darum ist es eines der verträglichsten und hautpflegendsten Abwehrmittel, es kann pur oder mit maximal 3 Prozent ätherischen Ölen angereichert werden.

Etwa ein Viertel der Zecken in Deutschland tragen Borrelien (schraubenförmige, gramnegative Bakterien aus der Gruppe der Spirochäten) in sich, jedoch nicht alle Erreger lösen die gefürchtete Borreliose aus.

Am häufigsten befällt die Schildzecke Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) den Menschen. Wenn dieser Winzling ein Opfer gerochen hat, spaziert er bisweilen noch einige Stunden auf ihm herum – bis ihm eine Stelle passt, die so richtig fein für seine vampirische Tätigkeit gut geeignet ist, oft handelt es sich um dünnhäutige und weiche Körperstellen. Dann gräbt der Holzbock mit seinem verlängerten, hakenbewehrten Kopfteil regelrecht – er beißt nicht und er sticht auch nicht. Er gibt gerinnungshemmend und narkotisch wirksamen Speichel in die entstehende Gewebegrube ab, so dass Mensch und Tier die Attacke oft gar nicht erst bemerken. Die beschädigten Blutgefäße sondern Blut ab, das dem unappetitlichen Tierchen als Mahlzeit dient.

Recht häufige Schildzeckenarten sind auch die Igelzecke (Ixodes hexagonus) und die Schafzecke (Dermacentor marginatus). Im Süden Deutschlands kann uns auch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) lästig werden. Andere Zecken-Arten leben vorwiegend an Vögeln und interessieren sich nicht besonders für den Menschen.

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) ist weltweit die am häufigsten anzutreffende Art, die beim Menschen „anbeißt“, ihr ist es in Deutschland jedoch nicht warm genug, so dass sie nicht dauerhaft aktiv ist. Viele Zeckenarten vertragen Frost bis zu minus 20 Grad; ab fünf bis sechs Grad plus werden sie gerne aktiv. Früher belästigten uns diese Viecher nicht im Winter, da sie dann Ruhe hielten, nun sind sie leider ganzjährig eine Gefahr – bedingt durch die Erderwärmung.

Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist in Europa auch eine verbreitete Krankheitsüberträgerin. Darum untersuchten Forscher der Coventry University in Großbritannien mit Wissenschaftlern aus Slowakien elf ätherische Öle zur Verschreckung dieser Milbentierchen, sie wurden auf ein und drei Prozent runter verdünnt.

  • Basilikum (Ocimum basilicum)
  • Bergamotte (Citrus bergamia)
  • Gewürznelke (Syzygium aromaticum)
  • Citronella (Cymbopogon winterianus)
  • Quendel (Kriechender Thymian) (Thymus serpyllum)
  • Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Zitroneneukalptus (Eucalyptus/Corymbia citriodora)
  • Majoran (Origanum majorana)
  • Pfefferminze (Mentha piperita)
  • Spearmint (Mentha spicata)
  • Thymian (phenolische Chemotypen von Thymus vulgaris)

Gewürznelkenöl, Quendelöl und das phenolische Öl des Thymians waren die effektivsten Mittel: 83, 82 und 68% der Zecken wurden abgehalten. Die Mischung aus Quendel und Citronella (je 1,5%) zeigte eine stärkere Abwehrwirkung (91%) als einzelne ätherische Öle bei einer Verdünnung von 3% [Štefanidesová K, Škultéty Ľ, Sparagano OAE, Špitalská E. The repellent efficacy of eleven essential oils against adult Dermacentor reticulatus ticks. Ticks Tick Borne Dis. 2017 Jun 15].

Mehr Informationen, Tipps und Rezepte gibt es hier bei Vivere. In den Seiten der Aromatherapie-Facharbeit ‚Anwendung ätherischer Öle bei Schmerzpatienten mit Spät-Borreliose – drei Fallbeispiele‘ (Oktober 2013) meiner Kollegin Anja Maurer kann hier bei Aromacampus geblättert werden. Übrigens: NIEMALS eine in der Haut fest steckende Zecke mit Pflanzenöl, Butter oder gar Pfefferminzeöl beträufeln. Sie wird sich wehren und im Todeskampf ihren möglicherweise infizierten Speichel verstärkt abgeben. Also Finger weg von solchen Ammenmärchen!

hilfen für demenziell veränderte menschen


Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Im Verlauf einer demenziellen Erkrankung kommt es bei den Betroffenen immer mehr zu Einschränkungen in den kommunikativen Fähigkeiten wie auch in den Alltagskompetenzen.
Persönliche Bedürfnisse, Ängste, Gefühle der Überforderung wie häufig auch Schmerzen des Erkrankten können nicht mehr verbal mitgeteilt werden, sondern finden ihren Ausdruck in einem veränderten Verhalten.
Dieses kann sich in abwehrenden, agitierten oder auch als aggressiv bezeichneten Verhaltensweisen äußern und das Miteinander im Pflegealltag stark belasten. 
Das gezeigte herausfordernde Verhalten der Patienten führt  in stationären Einrichtungen  oft zum Einsatz von Psychopharmaka.

Doch gerade diese Patientengruppe reagiert sehr sensibel auf den Einsatz von Neuroleptika, ernste gesundheitliche Beeinträchtigungen können die Folge sein. Was lässt sich im Gegenzug tun? 
Die Arbeit mit ätherischen Ölen findet in der Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz immer mehr Beachtung. 
Studien und Erfahrungsberichte können heute bestätigen, dass der Einsatz unterschiedlicher aromapflegerischer Anwendungen bei Unruhe und Erregtheit sehr positiven Einfluss auf die psychische Befindlichkeit des an Demenz erkrankten Menschen nimmt und ihm/ihr zu deutlich mehr Wohlbefinden und seelischer Entspannung verhilft (Eva Maria Anslinger)
.

Einfühlsamer Kontakt auf Augenhöhe bei Menschen mit Demenz, kann den Alltag sowohl in der häuslichen, als auch in der stationären Pflege einfacher machen. Solche Gespräche können eine verblüffenden Wirkung erzielen, denn es ist nicht immer einfach, den richtigen Zugang zu Menschen mit einer demenziellen Erkrankung zu finden. Wenn der Vater die eigene Tochter nicht mehr erkennt, nicht mehr zeitlich und örtlich orientiert ist, Angehörige des Diebstahls bezichtigt ist es schwierig die richtigen Worte zu finden, damit die Situation nicht eskaliert.

Wertschätzendes Verhalten und eine sensible Kommunikation ermöglicht den Zugang zu Menschen mit Demenz. Wir Gesunde können nicht erwarten, dass der an Demenz erkrankte Mensch uns versteht, vielmehr müssen wir uns in seine derzeitige Situation versetzen, um ihn und sein Verhalten besser zu verstehen und um damit umgehen zu können.

Weiterbildung

Sowohl Pflegende, als auch betroffene Angehörige können an einem 2-tägigen Workshop im gemütlichen und landschaftlich wunderschön gelegenen Blockhaus der Vivere-Schule für Aromatherapie und Aromapflege (westlich von Koblenz, bei Idar Oberstein, nah beim Flughafen Frankfurt-Hahn, auch nicht allzu weit von Luxemburg) viel über die einfühlsame Kommunikation erfahren und in Übungsbeispielen erlernen. Auch die Aromapflege bietet sowohl den Pflegenden, als auch den an Demenz erkrankten Menschen eine Vielzahl an Möglichkeiten um in Kommunikation zu treten. Es ist den beiden erfahrenen Referentinnen eine Herzensangelegenheit, dass die Arbeit für Pflegende mit demenziell erkrankten Menschen nicht nur als Belastung, sondern auch als Bereicherung empfunden werden kann, dass Pflegende besser das Verhalten von diesen Patienten verstehen und lernen, damit umgehen zu können, dass für alle am Pflegeprozess Beteiligten (Patienten, Angehörige, Pflegende) ein Gefühl von gegenseitigem Vertrauen und Verständnis entsteht.

Inhalte

  • Grundlagen und Grundprinzipien für einen wertschätzenden Umgang
  • Non-verbale Kommunikation bei Menschen mit Demenz
  • Die gute Kontaktaufnahme am Krankenbett /Aspekte von Vertrauen und Sicherheit
  • Richtig kommunizieren bei altersbedingten Einschränkungen und Erkrankungen der Sinnesorgane
  • Die Bedeutung generationsspezifischer Prägungen für den kommunikativen Umgang in der Pflege
  • Verständnisvoller Umgang bei Realitätsverlusten des Patienten
  • Einfühlsam kommunizieren mit anderen Erlebenswirklichkeiten

Anwendungen aus der Aromapflege

  • Duftbiografie/ Duftanker setzen
  • Hilfen bei Hilfen bei Unruhe, Erregtheit, Wut,
  • Hilfen bei Angst und Ängstlichkeit
  • Hilfen bei Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, depressiven Verstimmungen, Traurigkeit
  • Einreibungen, Auflagen, Duftkompressen,
  • Teilbäder wie Hand- und Fußbäder
  • Hilfen aus der MediAkupressur ® 

Pflegekonzept bei alten und demenziell erkrankten Menschen
Alte Menschen leiden oft unter vielen unterschiedlichen Erkrankungen oder auch Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität), bekommen viele unterschiedliche Medikamente (Polymedikation) und sind durch vorhandene funktionelle Einschränkungen belastet. Gerade dadurch treten nicht-medikamentöse Therapien bei an Demenz Erkrankten immer öfter in den Vordergrund. Die Wirkung der Aromatherapie konnte in einigen Studien belegt werden, beispielsweise:

  • Mit dem Einreiben von verdünntem Melissenöl konnte in einer placebokontrollierten Studie an 72 Menschen mit schwerer Demenz gezeigt werden, dass bei 60% der Patienten nach vier Wochen dieser Anwendung auf Gesicht und Arme eine 30%ige Verbesserung der Unruhezustände zu verzeichnen war.  [Ballard, C.G.; O’Brien, J.T.; Reichelt, K., Perry, E.K.: Aromatherapy as a safe and effective treatment for the management of agitation in severe dementia: the results of a double-blind, placebo-controlled trial with Melissa. in J Clin Psychiatry. 63/7, Juli 2002].
  • Bei Senioren mit Schlafmedikation wurde der Schlaf untersucht. Danach beobachtete man, wie sie ohne die  Medikamente schliefen (schlecht), anschließend inhalierten sie mit Lavendelöl. Der Schlaf war wieder genau so gut wie mit den Schlafmedikamenten. [Hardy M, Kirk-Smith M, Strech D: Replacement of drug treatment for insomnia by ambient odour. Lancet 346:701· 1995]

Zu den sehr häufig verabreichten Medikamenten bei alten Menschen zählen Benzoediazepine, diese werden eingesetzt als Antidepressiva, Neuroleptika und bei der Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen. Sie haben jedoch erhebliche Nebenwirkungen, z.B. unterdrücken sie die Tiefschlafphase, was wiederum verhindert, dass der Schlaf als erholsam  empfunden wird. Daraus resultiert, das der Patient sich müde fühlt, traurig (depressive Verstimmungen) ist, Schwindelgefühle können auftreten, diese wiederum begünstigen das Sturzrisiko ………

Bei Schlafstörungen bietet uns die Aromatherapie viele Möglichkeiten der Unterstützung. In einem von mir betreuten Pflegeheim in Andernach berichteten mir die Pflegekräfte bei der letzten Schulung von schönen Erfolgen mit Lavendel-Waschungen, Einreibungen und warmen Handwickeln. Bei einer Bewohnerin wurde die Schlafmedikation vom Hausarzt sogar abgesetzt. Die Bewohnerin nimmt wieder am Leben teil, fühlt sich ausgeschlafen und ausgeglichen.

Lavandula angustifolia zählt zu den ätherischen Ölen, die am besten erforscht sind.
Ätherische Öle, welche Ester, Linalool (Monoterpenalkohol) oder Sesquiterpenverbindungen enthalten wirken unter anderem entspannend, beruhigend und schlaffördernd. Sie können als Badezusatz, Einreibung oder Inhalation angewendet werden und das (bei richtiger Dosierung) ganz ohne Nebenwirkungen!

5 Kopie

Pflegeöl bei Schlafstörungen:

  • 50 ml Johanniskrautöl
  • 5 Tropfen Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
  • 4 Tropfen Melisse (Melissa officinalis)
  • 3 Tropfen Narde (Nardostachys jatamansi)
  • 2 Tropfen Majoran (Origanum majorana)
  • 3 Tropfen Mandarine rot (Citrus reticulata)

 Sinnesbiographie

In Alten- und Pflegeheimen in Deutschland werden immer mehr Angebote für demenziell erkrankte Menschen geschaffen, um ihnen ihre Würde und ihre Selbständigkeit so lange wie möglich zu erhalten und zu verbessern.

Mit ätherischen Ölen haben Pflegekräfte eine wundervolle Möglichkeit die Erkrankten auf „sinnliche“ Weise vielfältig zu „berühren“. Das Leben der Bewohner besteht nicht nur aus ihrer Akte und Pflegeplanung, aus Daten und Fakten, die Vergangenheit wird oftmals erst wieder lebendig durch die verschiedensten Sinneseindrücke.

Zu einem der wichtigsten Sinneseindrücke gehört das Riechen, denn in unserem „Riechhirn“ dem limbischen System, werden alle „Geruchserinnerungen“ gespeichert. So kommt es auch, dass wir z.B. beim Geruch von Zimt, Mandarine, Vanille & Co. unweigerlich an die Weihnachtszeit erinnert werden. Viele Kindheitserinnerungen werden geweckt und ein wohliges Gefühl ausgelöst.
Umgekehrt kann es sein, dass der Duft von Lavendel uns an die Seife der ungeliebten Tante erinnert, die bei jedem Besuch ein Küsschen wollte…….

Biographiearbeit in Verbindung mit ätherischen Ölen – duftende Erinnerungen

… Nichts ist drinnen, nichts ist draußen: Denn was innen, das ist außen. So ergreifet ohne Säumnis Heilig öffentlich Geheimnis… (J.W. Goethe)

Naturreine ätherische Öle wirken auch, wenn sie nicht bewusst wahrgenommen werden: Prof. Hildebert Wagner (Direktor des Instituts für pharmazeutische Biologie an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität) wies in Versuchen mit gesunden Personen und Probanden ohne Geruchssinn (Anosmie) nach, dass z.B.  durch Einatmen von Rosmarinöl bei beiden Gruppierungen die Durchblutung des Gehirns gesteigert wurde.

Im Rahmen der Aromapflege bei demenziell Erkrankten ist eine „gute“ Biographie Arbeit durchaus sinnvoll – hierbei kann herausgefunden werden, welche Gerüche der Patient besonders gerne gerochen, bzw. welche er abgelehnt hat. Diese Kenntnisse können im Rahmen der Pflegeplanung mit einbezogen werden. Dadurch kann auch die Stimmung des Patienten positiv beeinflusst werden.

Anwendungsmöglichkeiten bei:
•   Ängsten
•   Unruhe
•   Schlafstörungen
•   Herausforderndes Verhalten
•   zur Steigerung des Wohlbefindens
•   als Duftanker -> in Verbindung z.B. mit Basaler Stimulation oder der Duftkommunikation
•   in der Sterbebegleitung

Handbäder

die „einfache“ alternative zu aufwändigen Fußbädern
Durchführung: einfach; Zeitaufwand: mäßig 
:: aktivierend: Rosmarin cineol, Lavandin, Pfefferminze, Wacholderbeere
:: beruhigend: Lavendel fein, Rose, Rosengeranie, Kamille römisch, Palmarosa, Neroli 10 %, Melisse 10 %
:: erwärmend: Ingwer, Benzoe, Tonkaextrakt, Vanilleextrakt
stärkend: Zeder, Narde Vetiver, Patchouli, AngelikawurzelFolie2

Kompressen

  • zur Schlafförderung mit Lavendel fein, Melisse 10 %, Rose, Petit Grain
  • bei Ängsten und Unruhe mit Melisse 10 %, Lavendel fein, Kamille römisch, Neroli 10 %

Rezeptur für eine Ölkompresse bei Unruhe

  • 1 Eßl. Pflanzenöl (z.B. Johanniskrautöl)
  • 2 gtt. Melisse 10 % (Melissa officinalis)
  • 1 gtt. Neroli 10 % (Citrus aurantium ssp aurantium)

Dieser Text und die Rezepte stammen vom sehr empfehlenswerten Blog von Sabrina Herber (klick!), die in ihrer Schule für Aromatherapie und Aromapflege regelmäßig Fortbildungen zu unterschiedlichsten Themen rund um die ätherischen Öle anbietet. Mehr Infos zu diesen zwei Tagen (28. und 29. August 2017) gibt es hier (klick!).

keimsanierung durch raumbeduftung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieNeben fast zwei Dutzend anderen Beratungswünschen bekam ich vor einigen Tagen die Frage, ob ich Studien zur Raumbeduftung kenne, die belegen, dass die Raumluft mit ätherischen Ölen eher gesundheitsförderlich ist statt gefährlich und die Menschen schädigend. Prompt bekomme ich „zufällig“ und ohne danach zu fragen von einer meiner kompetentesten englischsprachigen Kolleginnen den Link zu einer neuen wissenschaftlichen Arbeit von einem Team von Forschern von der Universität Milano (Mailand, Italien).

Ich habe bislang allerdings nur das vielversprechende Abstract (Zusammenfassung) und noch nicht die volle Studie vorliegen. In einer Pflegeeinrichtung mit 112 auf zwei Etagen verteilten Betten (circa 1060 qm) wurde fünf Monate lang beobachtet, wie sich das Standard-Hygiene-Protokoll und dieses zusammen mit Beduftung durch ätherische Öle kombiniert auswirkt. Vor und nach der Raumduft-Maßnahme wurden mikrobiologische Abstriche (von Oberflächen) gemacht. Die Ergebnisse zeigten, dass in beiden Varianten die Keimlast (Pilze und Bakterien) sich um durchschnittlich 90 Prozent reduzierte (gesamt p < 0.01 und p < 0.05 für Hefen und Pilze).

Spannend ist die Reduktion von benötigten Medikamenten:

  • 70% weniger Antibiotika-Einnahmen
  • 100% weniger Einnahmen von schleimlösenden Produkten
  • 100% weniger Einnahmen von bronchienerweiternden Mitteln
  • 67% weniger Bedarf an steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten
  • 33% weniger Bedarf an nichtsteroidalen entzündungshemmenden Medikamenten

Es wird zudem wird angemerkt, dass keine unerwünschten Nebenwirkungen auftraten. Die Autoren folgern, dass die von ihnen gewählte Mischung von ätherischen Ölen sowohl effektiv bei der Verminderung der Keimlast in der Umgebung von Patienten in einer klinisch-pflegerischen Umgebung ist als auch sinnvoll, um bei ihnen die Einnahme von chemischen Medikamenten zu reduzieren.

So schön diese Ergebnisse klingen, bitte daran denken: Diese Maßnahmen erfolgten ZUSAMMEN mit konventionellen Hygiene-Maßnahmen. Zudem wird eine Reduktion von Medikamenten nicht immer willkommen geheißen, denn das hieße weniger Geld in die Kassen bestimmter Groß-Konzerne. Da ich jedoch stark dafür bin, dass die Gesundheit eines jeden einzelnen Menschen so schonend wie möglich unterstützt werden wollte, werde ich noch recherchieren, welche ätherischen Öle auf welche Weise eingesetzt wurden. [Gelmini F, Belotti L, Vecchi S: Air dispersed essential oils combined with standard sanitization procedures for environmental microbiota control in nosocomial hospitalization rooms, diese Studie kann für 31.50 $ bei Elsevier erworben werden]

Ätherische Öle in der Wissenschaft – alte Beobachtungen und neue Erkenntnisse


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Wie oft liest man in der Publikums- und auch Fachpresse, dass Aromapflege und Aromatherapie „ja nicht bewiesen“ oder als „esoterischer Unsinn“ nicht ernst zu nehmen sei. Auch Worte wie „Quacksalberei“ und Sätze wie „man muss halt dran glauben“ fallen gerne. Das ist sehr erstaunlich in Anbetracht der unzähligen wissenschaftlichen Studien, die weltweit jedes Jahr unternommen werden. In manchen Artikeln spürt man, dass irgendwie gerne über die Unseriösität geschrieben werden möchte, dass man inzwischen jedoch zur Kenntnis nehmen musste, dass die Arbeit mit ätherischen Ölen durchaus einer wissenschaftlichen Prüfung stand halten könnte, beispielsweise in diesem Artikel in der Frankfurter Neuen Presse (klick!).

Baser_second-editionKürzlich ist die zweite Auflage des wissenschaftlichen Wälzers Handbook of Essential Oils: Science, Technology, and Applications (klick!) vom kompetenten Ätherischen-Öle-Wissenschaftler K. Husnu Can Baser herausgegeben (auf englisch) erschienen. Das 1128 Seiten dicke Werk beschäftigt sich vor allem mit der Pharmakologie, der Chemie und den biologischen Wirkungsmechanismen von ätherischen Ölen. Unzählige Tabellen, die Dutzende von Seiten lang sind, zeigen Studien über Studien, welche die vielfältige antibakteriellen Wirkung von ätherischen Ölen belegen.

Und dennoch stoßen Angehörige von Pflegeberufen immer wieder auf taube Ohren, wenn es darum geht, ihre Vorgesetzten von der Wichtigkeit und Richtigkeit der Aromapflege zu überzeugen.

Um Hilfe bei der Überzeugungsarbeit zu leisten, fliege ich regelmäßig von Irland (wo ich seit über anderthalb Jahrzehnten lebe) auf den Kontinent, um über die Welt der Wissenschaftler und der Experimente mit ätherischen Ölen zu berichten. Auf den kurzweiligen Seminaren – von der wissensbegierigen Laien-Frau für wissenschaftliche Laien – gibt es immer reichlich nachgewiesene Fakten und Argumente. Diese können helfen, bei der nächsten Besprechung „mehr in der Hand“ zu haben und auch selbst tiefer von der Richtigkeit der begleitenden Arbeit mit ätherischen Ölen überzeugt aufzutreten.

Mörser_FlascheZu meinen Lieblingsthemen gehören die vielen In vitro-Studien, die belegen, dass die Natur ätherische Öle nicht nur als Signalstoffe zwischen Pflanzen und Insekten vorgesehen hat, sondern das Riechstoffe auch Signalwege zwischen unseren Zellen sein können. Jeden Monat können wir neue Belege bei seriösen und geprüften Datenbanken nachlesen, dass viele Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen antitumoral wirken, weil sie eben Signalwege, die ein Gewebe beeinflussen, um das vielschichtige Geschehen für den Aufbau eines Tumors, im Sinne eines gesunden Ablaufes „manipulieren“ können.

Ich werde auch über die in den letzten 10 Jahren entdeckten Wege berichten, wie Riechstoffe das so genannte Schwarmverhalten von Bakterien durcheinander bringen können – das ist ein hochspannendes Themengebiet, das im Zuge der Erforschung einer neuen Antibiotika-Generation faszinierende Erkenntnisse zutage brachte. Das bedeutet, dass Bakterien in einer Umgebung, in der Aromapflege praktiziert wird, nicht mehr so angriffslustig sein können, weil sie sich sozusagen nicht mehr so effektiv „absprechen“ können. Somit gewinnt das Immunsystem von erkrankten Menschen Zeit, selbst etwas aktiver gegen die „Bösewichte“ anzutreten. Gleichzeitig könnten zusätzlich auch Bakterienkiller-Öle eingesetzt werden und solche, die aktiv das Immunsystem modulieren. Das klingt fast zu schön um wahr zu sein! Jedoch belegen diese noch wenigen wissenschaftlichen Experimente, was unzählige Aroma-Pflegende seit 20 Jahren in ihrem Arbeitsalltag erleben konnten.

Salvia_blatt_ausschnitt_xsMein dritter Schwerpunkt sind spannende Arbeiten mit lebenden Menschen, vor allem mit „älteren Semestern“, die zeigen, wie wertvoll ätherische Öle bei Gedächtnisstörungen und bei herausforderndem Verhalten bei demenziellen Veränderungen sein können. Eigentlich liegt hier eine gut nachvollziehbare Logik zugrunde, denn ätherische Öle bestehen aus sehr kleinen Molekülen, welche die Nervenzellen und ihre lipophile Schutzschicht gut ansprechen können. Zudem werden Gerüche unter anderem im Hippocampus im Gehirn verarbeitet, dort wo auch Erinnerungen und Gedächtnis „verdrahtet“ sind. Riechübungen mit obendrein noch antioxidativ wirkenden Substanzen wie den ätherischen Ölen können also helfen, die „Erinnerungszentrale“ länger funktional zu erhalten.

In diesem Zusammenhang stelle ich auch ein paar spannende Arbeiten aus Japan vor, welche belegen, das ein ätherisches Öl das Schluckvermögen und den Gang von älteren Menschen positiv beeinflussen kann, so dass es dadurch zu weniger Stürzen und zu weniger Brüchen, Operationen und Wundheilungsstörungen kommen kann. Ich freue mich sehr, die Wissenschaftlerin, die diese Experimente und Beobachtungen macht, auf der Botanica2016-Konferenz (klick!) im September in Brighton hören zu können (wer noch viele andere internationale hochkarätige Referenten wie Jane Buckle und Mark Moss, der viele Gedächtnis-Experimente leitete, kennen lernen möchte, dem sei dieses Symposium an diesem wunderschönen englischen Seebad sehr ans Herz gelegt).

Ich selbst werde in Zukunft als Referentin etwas kürzer treten, denn ich möchte nicht mehr so viel Zeit auf Flughäfen und in Flugzeugen verbringen und mehr zwischen meinen Pflanzen unterrichten sowie weiter über diese wichtige Therapieform recherchieren und (noch mehr!) Bücher dazu schreiben. Darum wird es nicht mehr „unendliche“ Möglichkeiten geben, diese Kurse in Österreich, der Schweiz und in Deutschland zu besuchen. Die nächste Termine sind:

>   11. und 12. März 2016
Ort: Wien, Infos: Evelyn Deutsch Aromapflege

>   21. März 2016
Ort: Uster bei Zürich, Infos: Farfalla

>   24. Oktober 2016
Ort: Uster bei Zürich, Infos: Farfalla

Wer nicht kommen kann oder möchte, findet viele Infos über wissenschaftliche Studien in meinem gut 50-seitigen Buchbeitrag über Studien im Buch von Evelyn Deutsch (Infos hier) sowie im späten Frühjahr in der sechsten völlig überarbeiteten Auflage meines Fachbuches Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe.

Gutschein_AiDA2016_Muster_xsDie Termine in Österreich und in der Schweiz für meine beliebten Seminare „Tanzende Moleküle“ und „Hydrolate“, in denen sowohl der Aufbau der natürlichen Duftstoffe spielerisch und anschaulich vermittelt wird sowie auch etliche wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt werden, sind hier (klick!) nachzulesen. Die Termine für die Duft-Erlebnis-Wochen inmitten der subtropischen Duft- und Heilpflanzenwelt im Südwest Irlands sind hier (klick!) nachzulesen. Wie wäre es mit einem Geschenk-Gutschein, beispielsweise zu einem runden Geburtstag oder Jubiläum?

haut- und seelenpflege bei demenziell veränderten menschen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Wir gestalteten die mündliche Prüfung mit vielen frischen und getrockneten aromatischen Pflanzen sowie Fette-Öle-Pflanzen, welche die Teilnehmerinnen identifizieren sollten, Inhaltsstoffe sollten genannt werden, dazu Wirkungen, mögliche Nebenwirkungen, Anwendungsvorschläge. Wer erkennt einige der Prüfungspflanzen?

Nach einer anspruchsvollen Aromatherapie-Ausbildung folgt immer eine Abschlussprüfung. So war ich für zwei Tage zu Gast in Bern, um die mündliche Prüfung in Sachen heilende Düfte und ätherische Öle an der Aromatherapie-Schule Sela mit Sibylle Broggi abzunehmen. Ich hatte die Ehre, neun Präsentationen von Diplomarbeiten anschauen zu dürfen, das war eine großartige Sache! Das Engagement dieser neun Frauen und die professionelle Art, wie sie ihre Arbeiten per Powerpoint und teilweise mit selbst gemachten Mischungen, vorführten, haben mich sehr berührt.

Eine der Pflegefachfrauen (Alters- und Pflegeheim, 43 Bewohner) durfte in ihrem Pflegebereich acht Frauen und einen Mann mit demenziellen Veränderungen mit Naturdüften betreuen. Sie entscheid sich für ein Raumspray und für ein Körperöl, die jeweils Bergamotte (Citrus bergamia), Neroli (Citrus aurantium flos) und Römische Kamille (Chamaemelum nobile) enthalten. Sie selbst war sehr überrascht, wie offensichtlich die Wirkung der ätherischen Öle sich auf das Befinden der Heimbewohner auswirkte. Eine Frau, die aufgrund der Demenz nachmittags immer unruhig wurde und „einkaufen gehen“ wollte, zeigte während der 5-wöchigen Anwendungsphase keinen Drang mehr, das Heim zu verlassen. Eine Frau, die sogar die anderen Bewohner mit ihrem ständigen Klopfen auf den Tisch nervte, hörte damit auf. Eine Frau, die oft weinte und sich isoliert hatte, weinte seltener und nahm Kontakt zu einigen anderen Bewohnern auf. Andere Betroffene wurden ruhiger, ausgeglichener, ausgeschlafener, umgänglicher. Der männliche Teilnehmer des Experiments reagierte nur in den ersten zwei Wochen positiv, danach verfiel er wieder in alte eher mürrische Muster. Nach Abschluss des Experiments verschlechterte sich der Zustand der Bewohner wieder, so dass nun überlegt wird, ob und wie man diese wertvolle Arbeit fortsetzen könnte. Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Ähnlich deutlich verlief die kleine Studie einer anderen Teilnehmerin, die in einem Pflegezentrum arbeitet. Sie fand heraus, dass die Bewohner am meisten unter ihrem schlechten Schlaf leiden. Sie arbeitete mit fünf sehr alten Personen (vier weit über 80-jährig mit jeweils einer demenziellen Entwicklung, eine depressive Frau mit 79 Jahren), die nach einem kleinen Riechtest aus vier angebotenen ätherischen Öle wählen durften. Entweder bekamen sie acht Wochen lang Bergamotte (1 Pers.) auf eine unsterile Kompresse, oder Lavendel fein (3 Pers.) oder Rosengeranie (Foto links, 1 Pers.); niemand konnte sich für Baldrianöl erwärmen. Die Düfte wurden gegen 20 Uhr verteilt. Vier der Probanden überraschten damit, dass sie seltener nachts wach wurden, um auf die Toilette zu gehen. Sie läuteten nachts weniger. Tagsüber waren sie ruhiger und ausgeglichener. Die Frau mit der Rosengeranie war zwar zunächst skeptisch, doch zeigte sich bereits nach der ersten Anwendung ein verbesserter Schlaf, ihre Angststörung reduzierte sich bemerkenswert und sie konnte die Einnahme ihres anxiolytisch wirksames Benzodiazepin-Medikament Temesta (in D: Lorazepam) reduzieren. Bei zwei Personen trat die schlafverbessernde Wirkung erst nach der ersten Anwendungs-Woche ein.

Eine andere Pflegefachfrau konnte in ihrer Institution (circa 70 Personen um die 80 Jahre) den Wechsel von Pflegeprodukten auf der Basis von Mineralölen zu natürlichen Pflegeprodukten bewirken. Es wurde mit einer ganz sanften neutralen Waschemulsion von Phytomed, welche mit Lavendel (Lavandula angustifolia), Rosengeranie (Pelargonium graveolens) und Petit Grain (Citrus aurantium fol.) angereichert worden war, gewaschen. Anschließend wurde die Haut mit einem Gemisch aus Olivenöl, Mandelöl, Lavendel, Rosengeranie und Myrte (Myrtus communis) eingeölt. Nach vier Wochen der Umstellung, an denen erwartete Hautschuppungen zu beobachten waren, hat sich das Hautbild der betagten BewohnerInnen extrem verändert. Schulleiterin Sibylle Broggi hatte sich persönlich davon überzeugt und traute ihren Augen kaum, wie regenerationsfähig eine so alte Haut sein kann und wie samtig sie bei sehr vielen Bewohnern wurde. Auch Geruchserscheinungen wurden extrem verbessert, so dass die Pflegenden nun ihre Arbeit mit weniger unappetitlichen Begleiterscheinungen ausüben können.

Eine der Pflegenden ließ für ihre Arbeit einer gut 50-jährigen Frau, die an der sich schnell verschlechternden Chorea-Huntington-Krankheit leidet, ganz besondere dufte Pflege angedeihen. Diese erbliche Degeneration des gesamten Nervensystems macht es kaum noch möglich, dass die Bewohnerin sich ausführlich zu den Anwendungen äußern kann, es ist jedoch für ihre BetreuerInnen sehr klar ersichtlich, dass sie die dufte Pflege geniesst, dass sie sogar auf das ohnehin mühsame Essen verzichten wollte zugunsten einer Aroma-Behandlung. Sie kann beispielsweise kaum noch schlucken, dennoch konnte nach der dreimal pro Woche stattfindenden duften Pflege beobachtet werden, dass sie ihr Becherchen Joghurt statt in 45 Minuten in 30 Minuten verspeisen konnte und das ganz ohne das ständige Verschlucken (was zu den schlimmsten Symptomen der Krankheit zählt und sehr schnell zu künstlicher Ernährung führt). Ihre zu Fäusten verkrampften Hände konnten geöffnet und gereinigt werden und blieben sogar einige Zeit nach der Handmassage offen (wir bekamen Fotos zu sehen). Die Bewohnerin bekam auch aromatische Streichungen auf die unaufhörlich heftig zuckenden Beine und das Zucken hörte auf! Eine fast nicht vorstellbare Verbesserung bei dieser unerbittllichen Krankheit, die den schlecht essenden Patienten viel Kraft und Kalorien nimmt. Eine weitere erfreuliche erwünschte Nebenwirkung der ätherischen Öle war ein erleichterter Stuhlgang. Diese Beispiele zeigen mir einmal mehr, dass man mit ätherischen Ölen zwar keine Wunderheilungen vollbringen kann, dennoch ist es für mich ein Wunder, dass man die Lebensqualität von schwerst erkrankten Menschen deutlich verbessern und ihnen etwas mehr Würde zurück geben kann. Wenn sich solche erfreulichen Ergebnisse doch mehr herum sprechen würden und nicht nur die geldorientierte Chemie-Medizin regieren würde! Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Eine weitere Diplomarbeit befasste sich mit der Implementierung eines Aromapflegekonzeptes in einem großen Altersheim inklusive der kompletten rechtlichen Abklärung aller juristischen Rahmenbedingungen. Eine Kursabsolventin untersuchte ätherische Öle bei schweren Symptomen einer Histaminintoleranz und eine andere Teilnehmerin beleuchtete unterschiedliche Angelika-Arten samt ihrer ätherischen Öle, (gekaufter und selbst gemachter) Hydrolate und einem Angelika-Likör! Eine andere Teilnehmerin hatte einige Menschen durch den Winter begleitet, damit ihr Immunsystem Erkältungskrankheiten besser abwehren konnte.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieEine Drogistin hatte ein Mittel gegen Blasenentzündungen entwickelt und erprobt, es darf jetzt in der Drogerie, in der sie arbeitet, gemischt und für knapp 9 Schweizer Franken verkauft werden! [mit Zitroneneukalyptus (Eucalyptus citriodora), Wacholder (Juniperus communis) Lavendel und Cistrose (Cistus ladaniferus)] Sie hatte einige Studien gefunden, welche zeigten, dass ätherische Öle typische Blasenentzündungs-Situationen besserten, bemerkenswert finde ich eine wissenschaftliche Arbeit von 2011, die belegt, dass Rosengeranienöl (Pelargonium graveolens) die Wirkung des Reserve-Antibiotikums Ciprofloxacin verstärken kann [Malik T, Singh P, Pant S, Chauhan N, Lohani H. Potentiation of antimicrobial activity of ciprofloxacin by Pelargonium graveolens essential oil against selected uropathogens. Phytother Res. 2011 Aug;25(8):1225-8]. Ich habe sie daran erinnert, dass auch die Einnahme von Natron extrem hilfreich bei den ersten Symptomen einer Blasenentzündung sein kann (hier habe ich im Jahr 2011 darüber geschrieben).

Faktoren, welche die Chemie in der Pflanze beeinflussen [Chemotypen Teil 2]


Manukablüte, Leptospermum scoparium

Die Pflanze als lebendiges Wesen reagiert auf ihre Umgebung. Neben vom Menschen gemachten Faktoren, beispielsweise durch den Einsatz von Pestiziden, können folgende Faktoren die Zusammensetzung von ätherischen Öle aus namentlich gleichen Pflanzenarten mehr oder weniger stark beeinflussen.

Faktor Geographie

Der Standort der öleliefernden Pflanze spielt eine entscheidende Rolle bei der Zusammensetzung des entsprechenden ätherischen Öles. Im Fall vom ätherischen Öl aus den Zweigen des neuseeländischen Manukabaumes (Foto oben) sind sich die erfahrenen Aromatherapeuten einig, dass der Chemotyp, der in der East Cape-Region Neuseelands wächst, den höchstmöglichen therapeutischen Nutzen aufweist. Die Öle aus dieser Region bestehen zu circa einem knappen Drittel aus beta-Triketonen (zyklische Polyketone), die für die starke keimtötende Wirkung verantwortlich sind (Christoph 2001).

Ob ein Eukalyptusöl (Eucalyptus globulus) aus Portugal oder aus Brasilien kommt, ein Lavendelöl (Lavandula angustifolia) aus Frankreich oder England, ein Rosmarinöl (Rosmarinus officinalis) aus Tunesien oder Frankreich, ein Weihrauchöl (Boswellia) aus Somalia oder Tunesien, ein Salbeiöl (Salvia officinalis) aus Italien oder Kroatien, ein Lemongrasöl (Cymbopogon flexuosus) aus Indien oder Guatemala, ein Benzoe-Resinoid (Styrax benzoe) aus Sumatra oder Siam – der unterschiedliche Boden, die Klimaverhältnisse sowie die Menge und der Winkel der Bestrahlung mit dem ultravioletten Anteil des Lichtes spielen bei der Qualität der daraus gewonnenen Öle eine Rolle.Teilweise sind diese Qualitätsunterschiede rein subjektiv, werden also nach dem persönlichen Geruchsempfinden beurteilt, teilweise sind sie jedoch objektiver Natur, da je nach therapeutischem Einsatzgebiet bestimmte Ansprüche an das Spektrum der Inhaltsstoffe gestellt werden. Bei oben genannten Beispielen wird oft jeweils die erstgenannte Herkunft bevorzugt.

Ein Öl aus Thymian, der in Meereshöhe wächst, weist einen erheblich höheren Anteil an Carvacrol auf als das Öl von einer etwas höher gewachsenen Thymianpflanze, die mehr Thymol enthält. Je höher sie an Berghängen wächst, desto mehr der Monoterpenole Thujanol und – noch etwas höher – Geraniol kann sich entwickeln. Auf 1500 m wächst schließlich der begehrte hautfreundliche Thymian Ct. Linalool (Wabner 1997/1998).

Faktor Herstellungs-Tradition

Jedoch nicht nur der Ort als solcher spielt bei ätherischen Ölen eine Rolle. In manchen Ländern werden alten Traditionen entsprechend spezielle Methoden bei der Destillation angewendet, die das Ergebnis wiederum beeinflussen können. Beispielsweise werden die Zweige der Myrte [Myrtus communis] in türkischen Betrieben sofort nach dem Schnitt destilliert. Das Ergebnis ist ein frisch duftendes, ganz helles Öl mit fast fünfzig Prozent 1,8-Cineol-Anteil. In Marokko und Tunesien dagegen lässt man die Zweige leicht antrocknen, das daraus hergestellte ätherische bräunlich-rötliche Öl enthält nur minimal Cineol. Es ist somit besser für Kinder und empfindliche Menschen geeignet, da Cineol die Schleimhäute der Atemwege reizen kann.

Faktor Zeit

Im Laufe der Jahreszeiten – und bei einigen Pflanzen wie Melisse [Melissa officinalis] sogar der Tageszeiten – kann die Menge eines bestimmten Inhaltsstoffes stark variieren, siehe Grafik*, zum Vergrößern drauf klicken. Neben dem Entwicklungsstand der Pflanze spielt die Menge des einwirkenden Sonnenlichtes und die Lufttemperatur eine entscheidende Rolle. Zum Beispiel enthält Bergbohnenkraut (Satureja montana) im Winter hauptsächlich Monoterpene, im Spätsommer dominieren die Phenole (Carvacrol). Das gleiche gilt für Thymian: Bei der Frühjahrsernte finden wir circa 30% Thymol, bei der Herbsternte schon 60–70% (Carle 1993).

Faktor Verarbeitung

Jedoch nicht nur der Zeitpunkt der Ernte entscheidet über die Verteilung der Inhaltsstoffe eines ätherischen Öles, auch der Verlauf der anschließenden Destillation beeinflusst dessen biochemisches Profil. Bei der Destillation eines therapeutisch wirksamen Schafgarbenblüten-Öles [Achillea millefolium] ist es beispielsweise wichtig, den Höhepunkt des Chamazulen-Gehaltes abzuwarten, denn dieser Inhaltsstoff ist für die antiinflammatorische Wirkung verantwortlich. Gleichzeitig ist nach dieser Destillationszeit von 60 Minuten der anfangs erhöhte Anteil an potenziell hautreizendem Sabinen wieder um mehr als die Hälfte gesunken (Wagner & al.).

Literaturnachweis für beide Artikelteile

Aquel MB: Relaxant effect of the volatile oil of Rosmarinus officinalis on tracheal smooth muscle. J Ethnopharmacol. 1991 May-Jun;33(1-2):57-62

Belaiche, P: Traité de Phytotherapie et d’Aromathérapie Band 1-3. Paris 1979

Carle, R: Ätherische Öle – Anspruch und Wirklichkeit. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 1993

Christoph F: Chemische Zusammensetzung und antimikrobielle Eigenschaften der ätherischen Öle von Leptospermum scoparium J. R. et G. Forst. und anderer Teebaumöle der Gattungen Kunzea, Leptospermum und Melaleuca unter besonderer Berücksichtigung von Handelsölen. Dissertation zur Erlangung des naturwissenschaftlichen Doktorgrades des Fachbereiches Chemie der Universität Hamburg. Hamburg 2001

Franchomme, P; Pénoël, D: L’ Aromathérapie Exactement. Edition Roger Jollois, Limoges 1990

Price S, Price L: Aromatherapy for Health Professionals. Churchill Livingstone 1995

Wabner D, Häringer E: Vorlesungsmanuskript Etherische Öle in Therapie, Kosmetik und Parfumerie, Wintersemester 1997/1998. Eigenverlag Garching bei München

Wagner S, Mandl M, Hans H and Boechzelt H: Changes in the qualitative and quantitative chemical composition during steam distillation in pilot plant scale of essential oils of Achillea millefolium L., Salvia sclarea L. and Melissa officinalis L.; poster for Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH, Graz

Zimmermann E: Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, 3. Auflage Sonntag Verlag 2011