ätherische öle bei vermindertem speichelfluss wegen karzinombehandlung


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIn einer kleinen randomisierten, kontrollierten Studie bei Patienten die an differenzierten Schilddrüsenkarzinomen litten, konnte gezeigt werden, dass die Inhalation mit einer Mischung aus Zitronenschalenöl (destilliert) und Ingweröl den gestörten Speichelfluss anregen konnte. Somit konnte sich die Ernährungssituation der Patienten verbessern.

Es handelte sich um 71 japanische PatientInnen, die Probleme mit dem Speichelfluss nach der der Entfernung der Schilddrüse und der danach üblicherweise folgenden Radiojodtherapie (RJT/RIT) hatten. Diese unangenehme bis sehr schmerzhafte Folge der Behandlung tritt bei 11 bis 67 Prozent der erkrankten und behandelten Menschen auf (Sialadenitis).

Die zufällig ausgewählten PatientInnen wurden zwischen Juni 2014 und März 2016 rekrutiert und dann in zwei Gruppen eingeteilt (35 bzw 36 Personen;25 Frauen, 10 Männer). Statistisch gesehen erkranken mehr Frauen als Männer an diesen Tumoren der Schilddrüse (in drei von vier Fällen erwischt es Frauen), die jedoch insgesamt sehr gute Heilungschancen haben. Allerdings erwartete man für 2016 Neudiagnosen bei 64.300 Menschen allein in den USA (warum schreiben die japanischen Forscher nicht über Erkrankungen in ihrem Land, in dem Teile aufgrund des Nuklearunglücks von Fukushima radioaktiv verseucht sind?…).

Die aktive Gruppe (Alter: 35-78 Jahre) inhalierte das Ätherisch-Öl-Gemisch 14 Tage lang für 10 Minuten jeweils vor den Mahlzeiten. Die Kontrollgruppe inhalierte Wasser (Alter 30-86 Jahre;30 Frauen, 6 Männer). Die Aktivität und Effektivität der Ohrspeicheldrüsen und der Unterkieferspeicheldrüsen wurde vor und nach den Interventionen ermittelt, diese verbesserte sich bei der „Duftgruppe“ signifikant (𝑃 < 0,05). Die Autoren dieses Experiments, was nicht sehr befriedigend beschrieben ist (man erfährt nicht, ob jeweils mit 1 ml Zitronenöl und 0,5 ml Ingweröl oder nur einem Teil davon inhaliert wurde), diskutieren am Ende ihrer Arbeit, dass auch Pfefferöl die gewünschten Ergebnisse liefern könnte.

Dennoch meine ich, erhalten wir durch diese kleineStudie eine nützliche Anregung, welche die bereits durchgeführte Anwendung von Zitronensaft zur Anregung des Speichelflusses, ergänzen könnte. Die Arbeit: Nakayama M, Okizaki A, Takahashi K. A Randomized Controlled Trial for the Effectiveness of Aromatherapy in Decreasing Salivary Gland Damage following Radioactive Iodine Therapy for Differentiated Thyroid Cancer. Biomed Res Int. 2016;2016:9509810 ; sie kann hier (klick) kostenlos runter geladen werden.

PS. Heute sind 1500 Abonnenten dieser Informations-Seite erreicht, und noch ein ‚like‘ fehlt zur Zahl 4500 auf meiner Aromatherapie-Facebook-Seite. Vielen Dank für die vielen treuen LeserInnen und ein ganz besonderer Dank geht an die Personen, die auch ab und zu kommentieren und meine Arbeit mit Tipps, Adressen und Erfahrungen ergänzen (dann stehe ich nicht so alleine da!).

aromapflege – effektiv und wohltuend


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZwei wertvolle Bücher über den Einsatz von naturbelassenen ätherischen Ölen in der Pflege und Begleitung von leicht erkrankten oder schwer kranken Menschen sind 2015 und 1016 erschienen:

Ich werde gelegentlich gefragt, welches denn „das Bessere“ Buch sei. Wie so oft, kann man diese Frage nicht beantworten. Denn beide Bücher sind von renommierten und wirklich sehr erfahrenen KollegInnen zusammengestellt worden. Ich möchte an dieser Stelle eher auf einige Unterschiede und auch auf Gemeinsamkeiten eingehen, so dass jeder für sein individuelles Interesse und für ihren beruflichen Schwerpunkt eine Entscheidung fällen kann.

Als erstes fällt auf, dass das Buch von Ingeborg Stadelmann handlich, biegsam mit einem eher femininen Look in Lila und Aquarellfarben ausgestattet ist (mit angenehm abgerundeten Ecken), das Buch der beiden Männer sieht etwas mehr nach Fachbuch aus, ist dick, schwer, mit festem Einband ausgestattet, die Grundfarbe ist ein gesund aussehendes Frühlingsgrün, dazu ein Foto eines Braunglasfläschchens und einer tropfenden Pipette.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas Inhaltsverzeichnis von Ingeborg Stadelmann ist sechs Seiten lang, das vom Team Wabner-Theierl ist auf einer Seite zusammen gefasst, der jeweilige Kapiteleinstieg auf zwei ganz in dunkelgrün und hellgrün gehaltenen Seiten listet dann die Themen des jeweils folgenden Kapitels auf. Die Sortierung der einzelnen Kapitel bzw. Abschnitte erfolgt nach Pflegegebieten bzw medizinischen Bereichen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieIm Buch von Ingeborg Stadelmann sind über siebzig ätherische Öle ganz kurz (zwei bis vier Zeilen) vorgestellt,…

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie…das männliche Autorenteam hat 11 wichtige pflegerelevante ätherische Öle recht ausführlich, inklusive der Inhaltsstoffe des jeweiligen Öles, auf jeweils circa einer Buchseite vorgestellt.

Beide Bücher enthalten jeweils einen kurzen, jedoch völlig ausreichenden Einsteig in die Welt der ätherischen Öle: Gewinnung, Qualität, Verdünnungen, Chemie, wissenschaftliche Situation, juristische Hintergründe, Haltbarkeit, Anwendungsmöglichkeiten, Vorsichtsmaßnahmen, Riechsinn u.v.m., also alles, um loslegen zu können, ohne andere Bücher (der Autoren) zu Rate ziehen zu müssen. Etliche fette Öle und Hydrolate sind bei Ingeborg Stadelmann mit mindestens vier Zeilen beschrieben, sie beschreibt auch andere Rohstoffe wie Bienenwachs und Wollwachs. Bei Dietrich Wabner und Stefan Theierl werden fette Öle und Hydrolate auf einer Doppelseite eher kurz abgehandelt. Es fällt auf, dass sich viele Hinweise in den Einstiegskapiteln und auch später zahlreiche Anwendungsempfehlungen im Buch auf die in der Bahnhof-Apotheke Kempten erhältliche Stadelmann®-Aromamischungen beziehen.

Bei Dietrich Wabner und Stefan Theierl wird ausführlich auf die Implementierung der Aromapflege und auf klinische Standards samt gesetzlichen Hintergründen eingegangen (arbeits- und standesrechliche Aspekte). Die Arbeitsteilung zwischen Pflegenden und Ärzten wird angesprochen und der Einsatz von ätherischen Ölen im ganzen Versorgungsspektrum von Pflegeberufen wird erläutert. Es ist darum aufgrund dieser wertvollen Informationen für mich nicht nachvollziehbar, warum der Buchtitel nicht „Klinikhandbuch Aromapflege“ lautet, denn „Aromatherapie“ darf im beschrieben Kontext, also in Pflegeinstitutionen nur von Ärzten und HeilpraktikerInnen durchgeführt werden, das ist im deutschsprachigen Gebiet noch die Ausnahme.

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Wabner & Theierl Seiten 146 und 147 (Neurodermitis und Schuppenflechte)

Im Klinikhandbuch Aromatherapie geht es auf Seite 87 dann so richtig los mit Lösungen für die unterschiedlichsten Indikationen, angefangen mit dem Bereich der Chirurgie und einer entstauenden Rezeptur bei Analprolaps. Operationsbegleitung, Maßnahmen im Aufwachraum und die Nachbehandlung von chirurgischen Eingriffen sind meines Erachtens nach überaus wichtige Gebiete einer institutionellen Aromapflege, da das Wohlergehen der leicht oder traumatisierten PatientInnen im „steril“ und befremdlich riechender Umgebung mit einfachen Maßnahmen stark gefördert werden.

Das Problem im Pflegealltag ist jedoch zunehmend – vor allem in Deutschland und in Österreich, weniger in der Schweiz, dass immer seltener Mischungen durch Pflegende hergestellt werden dürfen, vielmehr sind die jeweiligen Krankenhaus- oder Heim-Apotheken nun fast immer dafür zuständig. Ich höre oft von den „Kämpfen“ an der Überzeugungsfront, von kaum überwindbaren Widerständen der stark engagierten Pflegenden, die ihren Schützlingen Gutes zukommen lassen möchten, und die durch immer restriktivere Gesetze an ihrem Idealismus verzweifeln. Ganzheitliche und individuelle Pflege wird immer mehr an den Rand gedrängt.

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Ingeborg Stadelmann Seiten 146 und 147 (Schuppenflechte und Juckreiz)

Dieses Dilemma kann viel einfacher gelöst werden, wenn auf hochwertige Fertigmischungen zurück gegriffen wird. Das ist das wiederum die Stärke vom Ingeborg Stadelmanns Buch: Sie stellt ab Seite 75 für unzählige Indikationen die zahlreichen von ihr entwickelten Stadelmann®-Aromamischungen vor und gibt hier und da noch zusätzliche Tipps mit einzelnen Hydrolaten, Heilwolle, Quarkanwendungen, Heilkräuteraufgüsse, Ernährungsveränderung etc. und beschreibt auch Mischungen für so genannte „Rezepturarzneimittel“, die also vom Arzt rezeptiert werden und in einer Apotheke hergestellt werden müssen.

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Ingeborg Stadelmann Seite 296 und 297 (Anregen des Lymphflusses)

Mein Fazit: Der ganz grundsätzliche Unterschied dieser beiden hervorragenden Bücher ist also, dass Pflegende, die nicht selbst mischen wollen oder dürfen (oder es sich noch nicht zutrauen), im Buch von Ingeborg Stadelmann genaueste Hinweise für die Anwendungsbereiche der inzwischen so zahlreichen und qualitativ sehr hoch stehenden Stadelmann®-Aromamischungen nachschlagen können und diese dann (hoffentlich) relativ unkompliziert in ihrem Pflegebereich einführen können.

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Wabner & Theierl Seiten 336 und 337 (Anregen des Lymphflusses)

Mit dem Buch von Dietrich Wabner und Stefan Theierl wiederum kann auf über 600 dosierte Rezeptideen für mehr als 250 Einzelindikationen mit den eigenen vorhandenen (oder noch anzuschaffenden ätherischen Ölen) zurück gegriffen werden. Die Dosierungen bewegen sich im absolut sicheren und verträglichen Bereich, sind also sanft und zart duftend [oft weniger als 20 Tropfen ätherisches Öl auf 50 ml Basisöl, gelegentlich, wie bei „Restless Legs“ oder „schmerzhaftem Stuhlgang“ deutlich höher, jedoch immer noch im sicheren Bereich, wenn man bedenkt, dass durch moderne Tropfeinsätze über 30 Tropfen ein Milliliter ätherisches Öl ergeben, ich habe hier (klick!) darüber geschrieben und Beispiele aufgelistet]. Laut Vorwort sind alle vorgestellten Rezepturen in der Praxis des Klinikalltags erprobt. Dieses Buch hilft also Aromapflege-Fachkräften, die durch engagierte, geschulte und manchmal auch mutige Vorgesetzte grünes Licht erhalten, entweder selbst auf Station zu mischen (das ist in Deutschland offiziell nicht mehr erlaubt) oder durch einen guten Kontakt zur jeweiligen Apotheke passend zu ihrem „Fall“ zugeschnittene Rezepturen herstellen zu lassen. Wenn man es nicht weiß, ahnt man beim Schmökern in diesem Buch nicht, dass Herr Wabner eine eigene Ätherische-Öle-Firma namens Wadi (klick!) betreibt und übrigens auch ganz hervorragende Pflegemischungen sowie therapeutische Mixturen (eher für den Privatbereich) anbietet.Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDas Buch von Dietrich Wabner und Stefan Theierl ist vom Platzverbrauch etwas großzügiger gestaltet, die Zeilen sind also etwas lockerer und lesefreundlich zweispaltig umbrochen. Das Buch von Ingeborg Stadelmann mag für manche LeserIn eine Brille erfordern, ist jedoch durch kalligrafische Symbole, Fotos, farbig unterlegte Kästen, Trennungslinien und gut strukturierte Überschriften trotz allem sehr augenfreundlich. Ich könnte mich nicht zwischen beiden Werken entscheiden und bin froh, dass ich auf beide Nachschlagewerke zurück greifen kann!

Wo gibt es sonst noch hochwertige Aromapflege-Produkte (alle gemischt aus ätherischen und fetten Ölen aus [von neutraler/unabhängiger Stelle zertifiziertem] biologischem Anbau, keine Mineralölprodukte)?

Aromapflege Evelyn Deutsch (klick!)

Feeling (klick!)

Jophiel (klick!)

Neumond und Neumond-Flyer (klick!)

Primavera Aromapflege (neu!) und Primavera Aroma Health Care (klick!)

aromapflege bei riechenden tumoren


Eukalyptusblüte

Eukalyptusblüten: Die Deckel einiger Kapseln öffnen sich

Kann man in der Palliativmedizin etwas gegen den üblen Geruch, den zerfallende Tumore abgeben, unternehmen? Gestern und heute lief mir diese Frage über den Weg, darum hole ich diesen sieben Jahre alten Blog-Artikel hoch. Betroffene, Angehörige und vor allem Pflegende leiden sehr unter Tumorgerüchen und fühlen sich gar abgestoßen. Die Belastung ist enorm, denn Geruchsekel gehört zu den ältesten Emotionen, die den Menschen vor Gefahren, vor Tod, Verwesung, gefährlichem Zerfall durch Mikroorganismen sollen. Der Mensch, der sowas riechen muss, ist ständig in Abwehrstress, das Unbewusste befindet sich im Alarm-Bereitschafts-Modus. Neben einer oder zwei breitflächigen Schalen mit Kaffeebohnen, die den Geruch ein wenig absorbieren und neutralisieren, könnte man eine ähnliche Mischung wie das unten beschriebene Fertigprodukt herstellen (lassen).

Diese Frage nach der Linderung von Tumorgerüchen wurde nämlich bereits wissenschaftlich beleuchtet, als sich vor circa 15 Jahren auch ein Team von Wissenschaftlern rund um PD Dr. Dr. Patrick Warnke von der Universität Kiel und der Bond University In Australien (Robina, Queensland) damit beschäftigten. Sie kreierten und testeten eine Ätherisch-Öl-Mischung namens Kielmix®. (Leider ist das Produkt nicht mehr auf der australischen hersteller-Seite gelistet, es scheint gänzlich aus dem Internet verschwunden).

Diese Mischung wurde von Medizinern auf stinkende Krebstumore gegeben. Die Idee war zunächst, einfach die Gerüche zu reduzieren, indem die Ausbreitung der Zerfallsbakterien eingedämmt werden sollte. Die erfreuliche Nebenwirkung war, dass die Wunden begannen, Zeichen von Heilung zu zeigen, der Bakterienbefall ging wirklich zurück (auch MRSA) und dass sogar bei einigen Patienten das Tumorwachstum sich verlangsamte. Kielmix® enthält laut Herstellerfirma:

  • Eukalyptusöl 136mg
  • Teebaumöl 131mg
  • Lemongrassöl 86mg
  • Zitronenöl 71mg
  • Gewürznelkenöl 73mg
  • Thymianöl 26mg
  • Ethanol (Weingeist) 347mg

Es wäre mit etwas mehr gesundem Menschenverstand und vor allem mit mehr Aufgeschlossenheit so einfach, in der heutigen Zeit einfach ein paar Labore zu bemühen, um diese Rezepturen und Fallbeschreibungen zu verifizieren, die Mischungen ggfs. den betreffenden Umständen anzupassen, sie beispielsweise mit Jojobaöl und Johanniskrautöl anzufertigen. So könnte man den betroffenen MENSCHEN wirklich helfen, ihre ohnehin oft höllenmäßig empfundene Situation besser zu ertragen. Welcher Mensch ist schon gerne pflegebedürftig und muss sich obendrein auch noch für eklige Ausdünstungen schämen… Die obigen ätherischen Öle sind übrigens allesamt preiswert, selbst wenn sie von hervorragender Quelle stammen.

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Lemongrass in Brasilien

[Stephan T. Becker, Eugene Sherry, Sureshan Sivananthan, Harald Essig, Jörg Wiltfang, Ingo N. Springer, Joachim Bredée, Patrick H. Warnke. Behandlung fötider Tumorulzerationen mit ätherischen Ölen (KIELMIX®) in der Palliativmedizin · Zeitschrift für Phytotherapie 06/2006] Probeheft dieser Fachzeitschrift aus dem Hippokrates Verlag: MVS Medizinverlage Stuttgart. Ein kleiner Bericht aus der renommierten Onkologie-Fachzeitschrift ‚Journal of Clinical Oncology‘ ist hier (in englischer Sprache) nachzulesen. Der gesamte Artikel in deutscher Sprache ist für knapp 30 britische Pfund hier online zu bestellen und runterzuladen.

Inzwischen haben Prof. Warnke und sein Team auch eine Reihe von ätherischen Ölen gegen diverse krankenhausübliche und antibiotikaresistente Bakterien- und Hefestämme durchgetestet und für eine preiswerte, effektive und „vielversprechende Kraft“ befunden. Sie testen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian (weiß ?), Lavendel, Zitrone, Lemongrass, Zimt, Grapefruit, Nelkenknospe, Sandelholz, Pfefferminze, Kunzea und Salbei  [Warnke PH, Becker ST, Podschun R, Sivananthan S, Springer IN, Russo P A, Wiltfang, J, Fickenscher H, Sherry E (2009). The battle against multi-resistant strains: Renaissance of antimicrobial essential oils as a promising force to fight hospital-acquired infections. Journal of craniomaxillofacial surgery, 37(7), 392-397

PS Wer ein kritisches, jedoch sehr lesenswertes  Buch eines Gynäkologen lesen möchte: Wirtschaftfaktor Brustkrebs von Prof. Dr. Franz Fischl der seine Ordination nach etlichen Jahren an der Uni Mainz in Wien (am AKH) hat.

gedanken-geplapper


Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Dieser (etwas frei übersetzte) Name eines der feinen Duft-Roll-ons der Firma Tazeka, die ich kürzlich verloste, hat in der Produktwahl einen extremen Vorsprung vor anderen Duftmischungen erhalten. Die Kommentare dazu waren teilweise sehr lustig. Diese mentalen Monologe plagen also viele Menschen. Sie sind auch ein lästiger Begleiter, wenn man meditiert oder versucht zu meditieren! Oder ganz einfach mal auszuspannen, loszulassen und abzuschalten. Wer auf der verlinkten Website nachgeschaut hat, hat gesehen, dass das Produkt „Nonstop Thoughts“ von Tazeka  laut der INCI-Deklaration folgende ätherische Öle enthält:

  • Cardamom (Elettaria cardamomum)
  • Sandelholz Hawaii (Santalum paniculatum)
  • Myrrhe (Comminphora myrrha)
  • Majoran (Origanum majorana)
  • Weihrauch (Boswellia sacra)
  • Römische Kamille (Chamaemelum nobile)
  • Grapefruit (Citrus paradisi)

Dazu Jojobaöl sowie Tocopherol (Vitamin E) zum Stabilisieren.

Der fein-würzige Duft des Cardamom sticht sozusagen als erster aus diesem Roll-on hervor, die anderen Düfte bilden eine feine, minimal zitrusartig duftende Einheit. Wenn man also so einen Roll-on nachempfinden möchte, nimmt man beispielsweise 2 Tropfen dieses wirklich ganz besonderen Gewürzöles, das aus den Samen einer ingwerähnlichen Pflanze gewonnen wird, auf 10 ml Jojobaöl. Cardamom enthält nämlich je nach Herkunft knapp 50% 1,8-Cineol, das eine sehr positive Wirkung auf unsere „grauen Zellen“ hat, also auf Denkvorgänge: tendenziell eher anregend, jedoch ohne hektisch zu machen. Dazu enthält das Öl jedoch auch stark beruhigende Monoterpen-Ester, um die 40 Prozent. Die restlichen knapp 10 Prozent werden von Monoterpenolen bestimmt, sie runden den Duft fein ab, sie wirken wie ein Gläschen Sekt: bei Bedarf beruhigend, aber ebenso umgekehrt, also heiter-aktiv machend.

Wir haben schon alleine mit dem kostbaren Cardamomöl eine gute Grundlage, um unserem wild gewordenen Gedanken-Affen, der sich durch die Gehirnwindungen schaukelt, zu mehr Manieren zu verhelfen. Mit einer kleinen Beigabe weiterer Öle, kann die Mischung abgerundet werden, also:

  • 10 ml Jojobaöl
  • 2 Tropfen Cardamom (Elettaria cardamomum)
  • 2 Tropfen Grapefruit (Citrus paradisi)
  • 1 Tropfen Sandelholz Hawaii (Santalum paniculatum)
  • 1 Tropfen Römische Kamille (Chamaemelum nobile)
  • 1 Tropfen Weihrauch (Boswellia sacra)
  • 1/2 bis 1 Tropfen Majoran (Origanum majorana) [duftet sehr stark heraus]

Alles in eine hübschen Roll-on-Flasche geben, sehr sanft mischen. Bei Bedarf auf Schläfen, Stirn, Nacken und unter der Nase auftragen, in ganz schlimmen Fällen von mentaler Achterbahn kann dieser Mix alle 10 Minuten aufgetragen werden: zum Lernen, zum Fokussieren, zur Verbesserung der Konzentration, zum besseren Loslassen und Einschlafen.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAus der energetischen Arbeit kennen wir zwei Blütenpräparate, die noch unterstützend eingenommen werden können: White Chestnut (35, die Gedankenblüte) von den Bach-Blüten und Boronia von den Australischen Busch-Blüten Essenzen.

Hochwertiges Cardamom/Kardamom gibt es beispielsweise bei Neumond (klick!), bei Primavera (klick!), bei Farfalla, bei Feeling und bei Wadi (jeweils auf die Namen klicken für Infos und Preise!).

teebaumöl, das sanfte kraftpaket


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieAnfang der neunziger Jahres des vergangenen Jahrhunderts kam das Teebaumöl in die deutsche Aromatherapie-Szene, mit ihm einige Bücher, welche die Besonderheiten dieses ungewöhnlichen ätherischen Öles erläuterten (siehe ganz unten). Einige Bücher wurden aus dem Englischen übersetzt, andere von deutschen AutorInnen recherchiert und zusammen gestellt. Alle sind inzwischen aus den Regalen der Bücherläden verschwunden, vermutlich weil das Wissen um dieses Tausendsassa-Öl inzwischen zum Allgemeinwissen gehört, man möchte es im Falle von Infektionen nicht mehr missen.

Der Geruch, den die fein gefiederten Blättchen dieses australischen Baumes absondern, ist allerdings selten ein Duftlampen-Duft, meine KursteilnehmerInnen hier in Irland haben auch immer die Möglichkeit, einen echten Tea tree-Tee zu trinken, der allerdings nicht wirklich zu den großen Genüssen zählt. Aber wie man früher so schön sagte: Wirklich wirksame Medizin muss/darf nicht schmecken.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDer Name dieses bis zu sieben Meter hohen Baumes stammt vom in England und Australien sehr bekannten Botaniker Sir Joseph Banks (1742-1820), der um 1770 mit dem legendären Weltenumsegler Captain Cook unterwegs war und bei Ureinwohnern sah, dass sie ein teeartiges Getränk aus den zarten Zweigen machten. Nach Banks sind übrigens etliche Pflanzen benannt, unter ihm als Direktor wurde Kew Gardens bei London zum führenden Botanischen Garten weltweit. Wer so pflanzenbücherbesessen wie ich ist und englischsprachige Lektüre mag, wird sich köstlich amüsieren über ein kleines Büchlein: Sex, Botany, and Empire: The Story of Carl Linnaeus and Joseph Banks von Patricia Fara. Mindestens genau so eine schöne Zeitreise in die damalige Zeit, als Botanik noch Pornografie war und Staubgefäße zählen nur Männern vorbehalten war (bei der puscheligen Teebaum-Blüte vermutlich besonders erotisch!!! 😉 ), bietet die deutsche Übersetzung eines spannenden Romans, der leider vergriffen ist, jedoch noch antiquarisch erhältlich ist: Die Pflanzenmalerin von Martin Davies. Doch zurück zum Teebaum, der Stoff für zahlreiche Bücher bieten würde.

phenol

Phenol (Benzenol)

1925 bewies der australische Chemiker Arthur de Ramon Penfold (1890–1980), dass unverdünntes Teebaumöl 11 bis 13 Mal stärker antiseptisch wirkt als das damals fast überall verwendete Desinfektionsmittel Karbolsäure (Phenol, synthetisch). Anders als dieses scharfe Antiseptikum, das die Haut stark angreift, hatte Teebaum nicht diese schädigende Wirkung und wurde so zum beliebtesten Haushalts-Desinfektionsmittel Australiens. Das Öl wurde besonders wichtig, um Wunden im zweiten Weltkrieg zu behandeln. Es war gar so hoch angesehen, dass angeblich Menschen, die in der Teebaumöl-Produktion arbeiteten, vom Militärdienst frei gestellt wurden, bis wieder genügend Reserven davon produziert waren, so dass jeder australische Soldat in seinem Erste-Hilfe-Set ein Röhrchen Teebaumöl dabei hatte.

Das Öl aus den Zweigen dieses wunderschön cremeweiß-pfeifenputzerähnlichen blühenden Baumes namens Melaleuca alternifolia besteht aus circa 20 Inhaltsstoffen (gezählt bei einer 99,26%-Analyse, „Minis“ mit Anteilen weit unter 0,1% können freilich auch noch vorhanden sein). Jedes einzelne dieser Moleküle sind für sich genommen gar nicht so besonders. Doch das Zusammenspiel dieser natürlichen Bausteine ergibt eine seltene Kombination aus BREITBAND-WIRKUNG bei unterschiedlichsten Infektionen und doch gleichzeitig großer MILDE. Das einzige „Problem“ bei Teebaumölen ist ihre recht kurze Haltbarkeit bzw Verträglichkeit. Bei sehr empfindlicher Haut kann ein unsachgemäß gelagertes Teebaumöl bereits nach 6-9 Monaten hautreizend wirken. Von robuster, gesunder Haut kann es auch viel länger vertragen werden.

Die relativ kurze Haltbarkeit hat zum einem mit einem eher geringen Anteil an stabilisierend wirksamen Sesquiterpenen (meistens circa 4%) und Sesquiterpenolen (meistens unter 2%) zu tun. Andererseits findet durch Wärme, Licht und Sauerstoff im Teebaumöl ein chemischer Prozess statt, in dem sich Moleküle im Öl von bestens verträglich zu hautreizend verändern. Im eher realitätsfernen Experiment bei sehr ungünstiger Lagerung (hell, warm, zu kalt, unverschlossen) – kann das Öl innerhalb von wenigen Wochen stark oxidieren, es können aggressive Peroxide, Hydroperoxide und Endoperoxide aus den Monoterpenen, die im Öl enthalten sind, entstehen, u.a. hyperämisierendes (hautrötendes) Ascaridol, welches zu ernsthaften Dermatiden und Allergien führen kann (es reagiert in isolierter Form mit organischen Säuren, der weibliche Genitalbereich befindet sich im sauren pH-Bereich, also Achtung!). Jedoch keine Sorge, im lichtgeschützten dunklen Fläschchen und bei weder zu kalten noch zu warmen Temperaturen hält Teebaumöl ein gutes Jahr oder gar mehr.

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Umwandlung von Terpineol-4 zu Ascaridol

Dermatologen entdeckten ferner, dass der natürlicher- und frischerweise niedrige Gehalt an p-Cymen im Laufe der Zeit von 3 auf 11,5 Prozent steigen kann. Dieses Molekül wirkt in kleinen Mengen deutlich schmerzlindernd und zart durchblutungsanregend (Counterirritant Effect), schon eine etwas erhöhte Menge kann bei sehr feiner und empfindlicher Haut zu (leichten) Reizungen führen. Es beschädigt jedoch besonders die Zellwand von Bakterien auf eine Weise, dass antibiotische Stoffe (natürlich oder synthetisch) den Krankheitskeim schädigen können (ich berichtete hier über dieses neu entdeckte Phänomen). Umgekehrt schrumpfte der Gehalt an Alpha- und Gamma-Terpinen sowie an Terpinolen auf die Hälfte der ursprünglichen Konzentration. Das ist im Buch Dermatologie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend von B. M. Hausen (Dermatol. Klinik Buxtehude), Seiten 154-156 nachzulesen und in der Arbeit: Hausen BM, Reichling J, Harkenthal M. Degradation products of monoterpenes are the sensitizing agents in tea tree oil. Am J Contact Dermat. 1999 Jun;10(2):68-77.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie Autoren dieser Arbeit betonen ausdrücklich „Während frisch destilliertes Teebaumöl selten zu Hautveränderungen führt, induziert autoxidiertes Öl eine Kontaktallergie„. Ich kenne übrigens jemanden, der ein bei einem Discounter gekauftes Teebaumöl hat gaschromatographisch untersuchen lassen, es kam leider bereits oxidiert aus der sehr preiswerten Flasche. Geht man also behutsam mit diesem Öl um, sorgt der Inhaltsstoff Terpineol-4 (oder Terpinen-4-ol, ein Monoterpenol) für eine hervorragende antiseptische Wirkung, ohne auch nur im geringsten reizend zu wirken.

thymol_molekul

Thymol

Wir kennen bei den üblicherweise verwendeten ätherischen Ölen noch eine zweite Gruppe von Inhaltsstoffen, die über eine ausgeprägte Breitband-Wirkung bei Infektionen verfügt: die Monoterpenphenole (meistens einfach Phenole genannt, diese sind ähnlich, jedoch nicht identisch mit dem oben erwähnten Phenol, welches korrekt ein Benzenol ist). Doch diese können bereits in kleinen Mengen hautreizend und vor allem schleimhautreizend wirken. In isolierter und synthetischer Form allerdings wesentlich schlimmer, als eingebettet in das Zusammenspiel mit anderen Molekülen. Bei manchen Anwendungen ist die heftige Wirkung okay und man nimmt vielleicht sogar minimale Reizungen in Kauf, beispielsweise bei einem hartnäckigen Fußpilz. Man muss ätherische Öle, die diese Inhaltsstoffe enthalten, sehr verantwortungsvoll verdünnen. In einem französischen Buch über Aromatherapie wurde die Hautanwendung nur für die Fußsohlen als zumutbar betrachtet (Philippe Mailhebiau: La nouvelle aromathérapie). Die ätherischen Öle folgender Pflanzen sind Beispiele für Öle, die von Natur aus reich an Phenolen sind :

  • Thymian Ct. Thymol (Thymus vulgaris)
  • Thymian Ct. Carvacrol (Thymus vulgaris)
  • Spanischer Thymian (Thymus zygis)
  • Quendel (Thymus serpyllum)
  • Oregano (Origanum vulgare)
  • Spanischer Oregano (Corydothymus capitatus)
  • Bohnenkraut (Satureja montana)
  • Gewürznelkenknospe und -blätter
  • Tulsi (Ocimum sanctum)
  • Piment und Bay (Pimenta dioica und P. racemosa)                       ABER
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durch Klicken wird diese Vergleichs-Tabelle von Teebaumöl-Analysen größer!

Teebaumöl aus Melaleuca alternifolia enthält keine Phenole, darum ist ein frisches Teebaumöl bereits bei Kleinkindern anwendbar, freilich in den dem Alter des Kindes angepassten Verdünnungen von circa 1 Prozent. Es gibt allerdings einen Öleanbieter, dessen Teebaumöl angeblich einen erheblichen Anteil an Phenolen haben soll (35-70% Monoterpene, 25-40% Phenolalkohole, 2-8% Alkohole, 8-20% Sesquiterpene, 5-18% Sesquiterpene, 1-5% Sesquiterpenole, siehe Tabelle ganz rechts). Sollte das angebotene Öl tatsächlich so zusammen gesetzt sein, würde es sich nicht um ein naturreines, frisches ätherisches Öl aus Melaleuca alternifolia handeln, es würden dann nicht die üblichen Empfehlungen gelten und es wäre möglicherweise auch nicht so hautverträglich wie normalerweise erhältliche hochqualitativen Teebaumöle.

Ich gehe jedoch davon aus, dass diese Behauptung nicht wahr ist, denn die Konkurrenz schläft nicht und es passiert jedem Ätherische-Öle-Anbieter, dass die Mitbewerber mal das eine oder andere Produkt buchstäblich unter die Lupe nehmen. Es wäre viel zu riskant, ein derart verfremdetes „Teebaumöl“ auf den Markt zu bringen. Ich vermute vielmehr, dass man mit dieser „neuartigen Inhaltsstoffe-Analyse“ für Teebaumöl versucht, passend zu machen, was nicht passt, und dieses wirklich unglaublich potente Öl in eine von diesem Anbieter erfundene/verwendete Skala zu pressen. Diese Zahlen-Skala soll das Qualitäts- und Heilungspotenzial von ätherischen Ölen auf einen Blick erkennbar machen, besonders hoch angepriesene ätherische Öle enthalten in diesem System Phenole. Im Prinzip eine prima Sache! Macht man beispielsweise auch bei Lebensmitteln*.

Laut diesem Öle-Anbieter, der stets extrem hohe Dosierungen empfiehlt, hat das Teebaumöl auf der firmeneigenen Skala 100 von 100 Punkten. An die Spitze dieser in der Branche nicht anerkannten Bewertungsskala kommt Teebaum allerdings nur, wenn man ihm einen hohen Anteil an nachweislich nicht vorhandenen Phenolen andichtet. Ebenso wie Wintergrünöl und Majoranöl Phenole enthalten sollen. Dichtung und Wahrheit: Kommerziell funktioniert diese Marketing-Prosa bestens, auch oder weil sie auf völlig falschen Grundannahmen basiert.

Quelle, Infos zur Tabelle: ATTIA, Australian Tea Tree Industry Association  http://www.teatree.org.au/
ISO http://www.iso.org/iso/iso_catalogue/catalogue_tc/catalogue_detail.htm?csnumber=37033

  • Die Teebaumöle dieser Tabelle stammen von sieben renommierten Anbietern aus Deutschland, USA, Frankreich, Brasilien. „Öl 3“ bezeichnet Mittelwerte eines Labors, das mehrere Teebaumöle analysiert hat.
  • Die grünen Zeilen enthalten Monoterpenole (Monoterpen-Alkohole), die blauen Zeilen enthalten Monoterpene (C10-Kohlenstoffketten ohne funktionelle Gruppe), die orangefarbenen Zeilen enthalten Sesquiterpene (C15-Kohlenstoffketten ohne funktionelle Gruppe), die grauen Zeilen enthalten Sesquiterpenole (Sesquiterpen-Alkohole), die gelbe Zeile enthält das Monoterpen-Oxid 1,8-Cineol (=Eukalyptol).
  • In der rechten weißen Spalte befinden sich die Angaben einer Repräsentantin des erwähnten Anbieters, der Phenole in seinem Teebaum haben soll. Diese Angaben weichen sowohl von den international geforderten Inhaltsstoffemengen ab als auch vom Durchschnitt aller von mir durchgesehenen GC-Analysen von unterschiedlichsten Teebaumölen.
  • Sp bedeutet Spuren.
  • Das Zeichen :: bedeutet, dass 2-3 minoritäre Inhaltsstoffe nicht aufgelistet sind.
  • Das Zeichen ::: bedeutet, dass mehr als 5 minoritäre Inhaltsstoffe nicht aufgelistet sind, die in den anderen Analysen nicht aufgeführt sind.
  • Die beiden Öleanbieter, unter denen in der letzten, weißen Spalte eine Zahl steht, stellten annähernd 100%-Analysen zur Verfügung.
  • Viridifloren wird in den USA oft Leden genannt.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZum Vertiefen des Wissens rund um Teebaumöle im weitesten Sinne hier noch ein Link der Universität Hamburg zu einer Dissertation (Doktorarbeit) über unterschiedliche Melaleuca- und andere Teebaumöle von Frank Christoph, sie lautet: „Chemische Zusammensetzung und antimikrobielle Eigenschaften der ätherischen Öle von Leptospermum scoparium J. R. et G. Forst. und anderer Teebaumöle der Gattungen Kunzea, Leptospermum und Melaleuca unter besonderer Berücksichtigung von Handelsölen“

Nachfolgend liste ich meine uralten Bücher zum Thema auf, falls jemand antiquarische Schätze sammeln möchte, bei den beiden schönen Büchlein von Ruth von Braunschweig tut es mir richtig Leid, dass sie vom Markt verschwunden sind:

* indem man beispielsweise den ORAC-Wert (Oxygen Radical Absorbance Capacity) angibt, der anzeigt, wie stark antioxidativ ein ‚Superfood‘ wirken soll (z.B. Kurkuma 127068, Hagebutten 96150, Gojibeeren 3290, Quelle).

basilikumöl bei demenz und riechstörungen


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieZwei Artikel über Riechstörungen (Anosmie) und die oft überraschend hilfreiche Wirkung von Basilikumöl habe ich bereits geschrieben: Riechtraining bei Anosmie (klick!) und Aromatherapie wirkt auch bei Anosmie (klick!). Inzwischen ist man noch einen Schritt weiter: Es wurde herausgefunden, zumindest in Gewebestudien, dass einige Basilikumöle eine Anti-Acetylcholinesterase-Wirkung haben. Ein wahrer Zungenbrecher, nicht wahr??? Für Menschen mit demenziellen Veränderungen kann diese Medikamenten-Gruppe jedoch den Verlauf der Erkrankung etwas aufhalten. Bei Morbus Alzheimer bilden die Neuronen (Nervenzellen) zu wenig Acetylcholin, unser Botenstoff, der für Motivation, Ideen, Vorankommen und vieles mehr sorgt. Der uns zum am Leben teilhabenden Menschen macht. Dieser Stoff also wird zu wenig gebildet. Als wäre das nicht schon schlimm genug, überreagiert der hemmende Stoff Acetylcholinesterase, der beim gesunden Menschen für die Fein-Regulierung von Acetylcholin zu sorgen hat. Das Zuwenig an Acetylcholin wird also auch noch ausgebremst. Darum verwendet die Schulmedizin Acetylcholinesterase-Inhibitoren (also Hemmstoffe, um das körpereigene Hemm-Enzym auszubremsen), um den Verlauf der Erkrankung etwas abzufedern.

Vor einigen Tagen wurde also eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, welche diese Wirkung auch bei vier Ocimum-Arten belegt: O. basilicum, O. africanum, O. americanum, and O. minimum. Der Haupt-Inhaltsstoff vieler Basilikumöle (auch von Estragonöl) wurde als der stärkste Hemmstoff gegenüber der Acetylcholinesterase identifiziert (IC50 0.337 µM), danach folgt 1,8-Cineol, der Haupt-Inhaltsstoff vieler Eukalyptusöle, und von Myrte (türkisch), Ravintsara, Cajeput, Niaouli und vielen mehr (IC50 2.27 µM), gefolgt von Campher (IC50 21.43 µM) und Eugenol (IC50 40.32 µM). Diese duften Inhaltsstoffe docken an wichtige Aminosäuren des Acetylcholin-Stoffwechsels an, ganz ähnlich wie die heutzutage eingesetzten Standard-Medikamente [Farag MA, Ezzat SM, Salama MM, Tadros MG, Serya RA. Anti-acetylcholinesterase activity of essential oils and their major constituents from four Ocimum species. Z Naturforsch C. 2016 Nov 1;71(11-12):393-402].

Spannend finde ich, dass der unmerkliche Verlust des Riechsinns bei Morbus Alzheimer und der Lewykörperchen-Demenz zu den typischen Symptomen dieser Erkrankungen gehört. Basilikumöl hat sich wiederum als guter Helfer erwiesen, den schwindenden Geruchssinn wieder auf die Sprünge zu helfen. Tägliche Übungen (am besten 2x täglich jeweils 1-2 Minuten), insbesondere mit dem sehr schön duftenden und intensiv wirkenden CO2-Extrakt aus Ocimum basilicum (klick!) sind also einen Versuch wert. Wichtig ist, beim tiefen Einatmen des Duftes (winzige Mengen genügen völlig) an das Aussehen von Basilikum zu denken, sich Speisen, Restaurants, Urlaubsszenen etc mit Basilikum vorzustellen, also Verknüpfungen mit gesunden Hirnarealen, wie den visuellen Neuronen, herzustellen. Wer weiß, möglicherweise kann so auch der Verlauf dieser schweren neurodegenerativen Erkrankungen ein wenig gemildert werden. Sozusagen als ‚Dünger‘ für die grauen Zellen, wie ich es mal im Blog-Beitrag über Salbeiöle (klick!) beschrieb.

cumarine in aromapflege und schulmedizin


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieDie gibt eine große Vielfalt einer Molekülegruppe namens Cumarine. Etliche sind natürlichen Ursprungs und kommen in diversen Leckereien wie Aprikosen (Marillen), Brombeeren, Erdbeeren, Datteln, Kirschen, in den Heilkräutern Salbei, Dill und Kamille vor sowie auch in dem bei uns Aroma-Fachleuten beliebtem und äußerst fein duftendem Tonkaextrakt. Es handelt sich meistens um 7-Hydroxycumarine (mit einer OH-Gruppe am SIEBTEN Kohlenstoff-Atom der Kette). Die licht-sensitivierenden und stimmungsaufhellenden sowie antitumoral wirkendenden Fur(an)ocumarine (wir kennen sie von Zitrusschalenölen, von Angelikawurzelöl und von Kreuzkümmelöl) und Dihydropyranocumarine gehören auch zu den Cumarinen. Eine weitere Bezeichnung für Cumarin lautet 2H-1-Benzopyran-2-on, es handelt sich um das zyklische Lakton einer entsprechenden Hydroxyzimtsäure-Verbindung.

Andere Cumarine werden von Chemikern gebaut bzw das Grundgerüst des in der Natur vorkommenden Cumarin-Moleküls wird verändert. Solche mit der OH-Gruppe am VIERTEN Kohlenstoff-Atom der Kette werden sowohl in der Medizin als auch bei der Schädlingsbekämpfung eingesetzt, sie wirken je nach Dosierung leicht oder stark blutverdünnend bzw antikoagolierend.

Die Fachautoren Dieter Loew, Hermann Hauer und Egon Koch erläutern Verwechslungen dieser zwei grundsätzlich unterschiedlich wirksamen „Designs“ von Cumarinen und halten fest: „Im Gegensatz zu den in der Natur weit verbreiteten an Position 3 und 4 nicht substituierten Cumarinderivaten besitzen Antikoagulanzien vom Cumarintyp eine OH-Gruppe an C-4, die die Voraussetzung für die antikoagulatorische Wirkung bildet, sowie eine lipophile Seitenkette an C-3, die verantwortlich für die Resorption und hohe Bioverfügbarkeit ist. Trotz dieser eindeutigen Erkenntnisse werden 3,4-unsubstituierten Cumarinderivaten aber immer wieder ähnliche gerinnungshemmende Effekte wie den oralen Antikoagulanzien vom Cumarintyp unterstellt.“ [Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung ist zwar nicht mehr taufrisch, da von 2009, doch wirklich sehr lesenswert.]

Weil das später Warfarin getaufte Molekül in den frühen 1920er Jahren zum Tod von tausenden von Rindern in Nordamerika führte – sie verendeten an inneren Blutungen, wurde dieser Stoff erstmal verteufelt. Man fand dann nach längerer Zeit heraus, dass der „sweet clover“ (süße Klee) durch Lagerung und die Infektion mit einem Pilz am Drama schuld war. Im verschimmelten Heu hatte eine Umwandlung des ungiftigen Cumarin im Heu in das gerinnungshemmende Dicoumarol statt gefunden, die Kühe konnten kein Prothrombin für die Blutgerinnung mehr bilden. Diesen Stoff stellte man dann im Labor her und er wurde als Antithrombotikum verschrieben, er hemmt die Verarbeitung von Vitamin K.

Noch größeren Erfolg hatte diese Substanz als Rattengift namens Warfarin und hatte dann seinen Negativ-Stempel weg. Am Menschen wurde es erst wieder eingesetzt und für sicher befunden, nachdem ein Navy-Soldat versucht hatte, sich damit das Leben zu nehmen, jedoch durch die einfache Gabe von Vitamin K gerettet werden konnte. Der Name Warfarin kommt übrigens von WARF, der Wisconsin Alumni Research Foundation, diese finanzierte die Erforschung von synthetischen Blutgerinnungshemmern auf Cumarin-Basis, sie erhielten dann auch das Patent auf die Warfarin-Herstellungsmethode (drei schöne pharmazeutische Zufalls-Entdeckungs-Geschichten sind hier in Phlebologie 2/2014 nachzulesen, teils in deutsch, größtenteils in englisch).

Wir brauchen also in der verantwortungsvoll praktizierten Aromapflege, also mit Ölen und Extrakten bester (Bio-)Qualität, in physiologischen Verdünnungen (0,5-3%) sowie bei äußerer Anwendung keinerlei Angst haben, dass wir unsere PatientInnen schädigen. Und wir dürfen auch PatientInnen, die Marcumar und Warfarin einnehmen, mit den fein duftenden Tonka-Wölkchen umhüllen. Denn damit können wir helfen, körperliche und seelische Schmerzen deutlich zu lindern. Tonka ist erhältlich beispielsweise hochkonzentriert (50:50 in Alkohol) bei Feeling und 30-ig-prozentig in Alkohol bei Aromapflege-Farfalla [Auch der wundervoll marzipanig duftenden jedoch stark hautaggressive Cassiazimt enthält Cumarine, das ätherische Öl daraus auch, es wird jedoch höchst selten in der Aromapflege eingesetzt.]

sanfte starke helfer – fette pflanzenöle und hydrolate


Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieFette Pflanzenöle haben es in sich und werden dennoch meistens unterschätzt, sowohl in Büchern, in Kursen als auch bei vielen Öleanbietern! Oft werden ein paar wenige davon zu ‚Trägerölen‘  reduziert. Dabei können sie so viel mehr als nur als Verdünnungsmedien zu dienen. Die darin enthaltenen ungesättigten Fettsäuren können in vielen Bereichen kleine Wunder bewirken: Manche haben venenstraffende Wirkung, andere helfen bei eitrigen Wunden, reduzieren Cellulite, schrecken Zecken ab, lassen Narben verschwinden. Ja, ein Öl kann sogar demenz-anfällige Nervenzellen umhüllen und ein anderes schützt nachweislich gesunde Haut und Schleimhaut rund um Gebiete, die durch Bestrahlungstherapien gehen müssen. Fette Pflanzenöle sind besonders für sehr sensible Haut geeignet, für Menschen die durch schwerwiegende medizinische Therapien gehen müssen und die ätherische Öle nicht gut vertragen. Und klar, sie sind ideale Helfer in der Hausapotheke für Kinder und Haustiere. An diesem Wochenend-Workshop werden wir zahlreiche dieser wichtigen natürlichen Heil- und Pflegemittel kennen lernen, sie riechen, schmecken, spüren, vergleichen.

Auch Hydrolate sind kleine Powerpakete – wer ahnt, dass sich hinter diesem eigenartigen Wort wahre kleine Wunder der Therapie und Hautpflege verbergen! Sie sind sehr viel mehr als nur die „Nebenprodukte“ der Destillation von Duft-Pflanzen. Ihre heilsamen Inhaltsstoffe und ihr meistens leicht saurer pH-Wert – durch stark ‚anti-ageing‘ wirksame Pflanzensäuren – wirken nicht nur hautfreundlich, sondern gleichzeitig entzündungshemmend, keimtötend, blutstillend und schmerzlindernd. Streng genommen sind Hydrolate die „Aromatherapie für Einsteiger“, denn sie sind ideal verdünnt und man kann darum fast nichts damit falsch machen. Wir werden von diesen „Wunderwässern“ einige riechen, schmecken und einsprühen, ihre therapeutische Wirkung als wertvolle Begleiter von Krebstherapien besprechen und ihren Einsatz als natürliche Luxuskosmetik kennen lernen. Am schönsten ist es, wenn man beide kombiniert, beispielsweise in einem wohltuenden und sehr hautpflegenden Schüttel-Elixier, wie auf dem Foto links zu sehen. Je nach gewählten Rohstoffen eignet es sich bei Gürtelrose, bei Schuppenflechte, bei zu Rötungen neigender Haut, bei chemo-strapzierter Haut und auch ganz trivial als Bodylotion und/oder Abschmink-Lotion.

wissenschaftler belegen und warnen


Es geht weiter mit der Zusammenfassung der vielen wundervollen und hochkarätigen Vorträge, die auf der Botanica2016 in Brighton zu hören waren.

1_valerie_edwards_jones_xsDie den Insidern unserer Branche bekannte Professorin für Mikrobiologie Valerie Edwards-Jones (Universität Manchester, GB) eröffnete den Samstag-Vormittag. Sie ist Spezialistin für resistente Mikroorganismen, ein Thema, das jedes Jahr bedrohlicher wird. Seit 1987 gab es keine Neuentdeckungen mehr auf dem Feld der Antibiotika, allenfalls nur Modifikationen der bekannten Mittel. Sie erinnerte daran, dass der Entdecker des ersten Antibiotikums (Penicillin 1928) Sir Alexander Fleming (1818-1955) kurz nachdem er 1945 dafür den Nobelpreis erhielt warnte: „The time may come when penicillin can be bought by anyone in the shops. Then there is the danger that the ignorant man may easily underdose himself and by exposing his microbes to non-lethal quantities of the drug make them resistant.“ („Es könnte die Zeit kommen, in der Penicillin für jedermann in den Geschäften erhältlich sein wird. Dann besteht die Gefahr, dass der ungebildete Mensch es unterdosiert anwenden wird und somit seine Mikroben nicht-tödlichen Mengen des Medikamentes aussetzt und sie dadurch resistent macht.“) [Seine Rede zur Verleihung des Preises ist hier runterzuladen]

Val Edwards-Jones geht davon aus, dass wenn nicht ganz bald hoch wirksame neue bakterienhemmende Mittel entdeckt werden, sehr viele medizinische Errungenschaften wie Transplantationen und Krebstherapien nicht mehr möglich sein werden, denn diese konnten nur so erfolgreich werden, weil sie unter dem Schutz von Antibiotika stattfanden. Sie berichtet, dass die momentane Situation bereits fatal sei („dire“) und dass sie deswegen nach neuen Wegen suche, sie sei ein bisschen ein „Hippie“ und würde jenseits der abgetretenen Wege denken. Darum beschäftige sie sich seit vielen Jahren mit ätherischen Ölen, über deren antimikrobielle Wirksamkeit sie bereits zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht hat. Sie arbeitet an einer Kampagne, die folgende Ziele hat:

  • Das Wissen zu diesem Themenbereich zu vertiefen und die mikrobiellen Resistenzen besser zu verstehen
  • Erhalten und verwalten der Wirkung der existierenden Behandlungsmöglichkeiten
  • Die Entwicklung neuer Antibiotika, der Diagnosen und neuer Behandlungsansätze fördern

Sie hatte sich bereits ausführlich mit den vielfältigen antimikrobiellen Wirkungen von Teebaumöl beschäftigt, doch kam sie nicht weiter, da die Finanzierung nicht ausgebaut werden konnte, man benötigt circa 1 Million Pfund (Dollar, Euro etc), um ein schlüssiges Experiment bis zur Veröffentlichung durchzuführen. Ähnlich wie manche andere Wissenschaftler erwähnt sie, dass Einzelstoffe aus Teebaumöl toxischer wirken als das gesamte ätherische Öl. Aus ihrer Erfahrung

  • wirken Mischungen besser als Einzelöle
  • wirken Dämpfe der ätherischen Öle in vielen Fällen genau so gut wie direkt aufgetragene Öle

Sie führte beispielsweise 2009 eine Studie zur erfolgreichen keim-sanierenden Raumbeduftung mit Lemongrass- und Rosengeranienöl durch [Vapour-phase activities of essential oils against antibiotic sensitive and resistant bacteria including MRSA, diese Arbeit kann hier kostenlos herunter geladen werden]. Demnächst erscheint dazu als eine Art Neuauflage die Studie ‚Reducing airborne bacteriae in a hospital burns unit using essential oil vapours‘. Interessant fand ich ihre zusammenfassende Feststellung, dass der intensiv mit ätherischen Ölen beduftete Raum ganz drei Monate brauchte, um wieder in dem ursprünglichen verkeimten Zustand zu sein. Was wir jedoch eher nicht tun: Sie lässt die Beduftungsmaßnahmen mehr oder weniger nonstop laufen, die Geräte werden nur ausgestellt, wenn die PatientInnen mit den Gerüchen ganz und gar nicht klar kommen. Ähnliche Erfahrungen hat sie auch bereits aus Gewächshäusern, wo auf diese Weise die Tomatenfäule unterbunden werden konnte.

Sie erläuterte auch kurz ihre MRSA-Arbeit von 2004, die ich bereits in meinem Fachbuch und im Kapitel über Studien im Aromapflege Handbuch erläuterte, die verwendeten Öle waren Lavendel, Patchouli, Teebaum, Rosengeranie und Grapefruitkern-Extrakt [The effect of essential oils on methicillin-resistant Staphylococcus aureus using a dressing model].

1_sandy_vanvuurenDie nächste Sprecherin Sandy van Vuuren ist Professorin der Pharmazie an der Universität Witwatersrand in Südafrika. Auch sie präsentierte antiinfektiöse Eigenschaften von ätherischen Ölen, vor allem in Kombination miteinander. Sie unterscheidet dabei synergistische und additive Effekte, sowie nicht-interaktive und antagonistische Wirkungen. Da sie unglaublich viele komplexe Grafiken schnell aufeinander folgend zeigte, war ich etwas überfordert, doch zwei wichtige Dinge habe ich notiert:

  • Der Haupt-Inhaltsstoff (Leitsubstanz) eines ätherischen Öles ist NICHT immer für die Hauptwirkung verantwortlich, das hat ihr Team ausgiebig nachgewiesen.
  • Einige Trägeröle verstärken die therapeutische Wirkung von ätherischen Ölen, besonders bei Infektionen der Haut, beispielsweise Aloe vera-Öl, Calendulaöl (Ringelblume), Johanniskrautöl, Aprikosenkernöl, Jojobaöl (Wachs) und insbesondere Avocadoöl. Die ätherischen Öle von Patchouli (Pogostemon cablin), Melisse (Melissa officinalis) und Ylang Ylang (Cananga odorata) wirkten in diesem dermatologischen Bereich besonders gut.

Sandy van Vuuren stellte noch etliche südafrikanische Pflanzen vor, vor allem Lippia javanica (Fever tea) mit 62% Linalool und Artemisia afra, eine lokale „Allheilpflanze“, die unserem Wermut sehr ähnlich ist, die bei Erkältungen, Husten und Magenbeschwerden eingesetzt wird. Ihr Team hat herausgefunden, dass diese Artemisia-Art gut zur Ergänzung mit Tetracyclinen (Breitband-Antibiotikum) geeignet ist, jedoch die Wirkung von Amphotericin B (Antimykotikum) aufhebt.

1_Takae_Ebihara.jpgÜber die sensationellen Erkenntnisse der folgenden Wissenschaftlerin, Takae Ebihara aus Japan, berichtete ich bereits in den Urzeiten dieser meiner Blog-Seite (2009). Sie ist Ärztin und Professorin für Geriatrische Medizin an der Tohoku Universität in Tokyo. Ich schrieb damals über die Vorsorge vor Lungenentzündungen (Aspirations-Pneumonie) bei sehr alten Menschen mit Schluckstörungen (teils aufgrund von neurologischen Ausfallserscheinungen), freilich nicht ahnend, dass ich vor einigen Tagen – nach dieser Konferenz in Brighton – nach Deutschland fliegen musste, um die sterblichen Überreste meines Vaters beizusetzen, der sehr alt an Lungenentzündung gestorben war, kein Antibiotikum hatte mehr helfen können. Insofern berührte mich das Kennenlernen dieser engagierten Wissenschaftlerin ganz besonders. Capsaicin, Pfefferöl und Pfefferminzeöl (bzw. Menthol) helfen, beispielsweise vor dem Essen  sanft dosiert in Form eines Gelatine-Puddings eingenommen, den Schluckreflex dahin gehend zu stimulieren, dass er wieder zuverlässiger arbeitet. Menthol stimuliert die TRPM8-Rezeptoren, das haben einige von uns bereits bei Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt gelernt. Die „Reizung“ mit Pfefferöl, das in der destillierten Form keinerlei Scharfstoffe enthält, wird auch für Kinder mit Schluckstörungen empfohlen. Man hat eine Art Duft-Schmuck entwickelt, der um den Hals der alten Bewohner gehängt wird, der duftende „Kettenanhänger“ sondert die hilfreichen Duftmoleküle kontinuierlich ab.

Lavendel und Grapefruit verhalfen alten Menschen im international standardisierten ‚Timed up and go test‘ (TUG), sich koordinierter zu bewegen und somit weniger sturzgefährdet zu sein, damit können fatale Brüche wie des Oberschenkelhalses vermieden bzw reduziert werden. Bei der anschließenden Frage-Runde der begeisterten Zuhörer, fragte jemand, ob sie diese sensationellen (und doch so einfachen) Anwendungen bereits weit in Japan verbreiten konnte. Als sie dies – sehr bescheiden – verneinte, und sagte: „I struggled to spread my method in Japan“ (ich kämpfe [dafür], meine Methode in Japan zu verbreiten), sagte die fragende Person laut und anerkennend „You are a pioneer!“ (Sie sind ein Pionier!)

Der Psychologe Dr. Mark Moss von der Northumbria University (GB) sprach vor der Mittagspause über Rosmarinöl und das prospektive Gedächtnis, ich schrieb über seine Arbeiten im Mai dieses Jahres (hier). Vor ihm berichtete der französische Kinderarzt Luc Marlier über den Einfluss von Gerüchen auf das Wohlbefinden und die Überlebensrate von früh geborenen Babys. Er zeigte einen Videoclip in dem wir  erkennen konnten, dass ein Frühchen eindeutig auf einen schlechten Geruch reagieren kann (Buttersäure), dem das Kind für 10 Sekunden (auf einem Wattestäbchen wenige cm vor der Nase) exponiert war. Der Gesichtausdruck zeigte Missempfinden, vielleicht sogar Entsetzen, jedenfalls Unruhe. Ganz anders reagiert das winzige Menschlein, wenn es einen Hauch echter Vanille zu schnuppern bekommt. Entspannung der Gesichtszüge und kleine Schmatzerchen sind die nonverbale Sprache. Leider bekommen hospitalisierte Babies täglich, ggfs über wochenlang, einen erschreckenden Cocktail an chemischen, teils stechenden Gerüchen, zugemutet. Dahingegen konnte beobachtet werden, dass ein zarter Wohlgeruch die Gefahr der Atemaussetzer (Apnoe) deutlich reduzieren kann. Ganz ohne die üblichen Gaben an Koffein/Theophyllin. Da ich letztes Jahr darüber in der Neuauflage meines Fachbuches geschrieben habe, möchte ich hier noch nicht allzu viel verraten (leider verzögert sich die Fertigstellung immer noch).

bei asthma: bronchienerweiternde wirkung durch riechstoffe


Ammi_visnaga_CL_xs

Immer mehr wird von Wissenschaftlern erkannt, dass nicht nur die Riechrezeptoren, die unserer Nase zugeordnet sind, auf Riechinformationen regieren können, sondern dass auch andere menschliche Gewebe diese Fähigkeit besitzen (Haut, Blut, Leber, Herz, Prostata und Spermien).

Vor einigen Tagen hat die in dieser Forschungsrichtung bahnweisende Ruhr-Universität Bochum wieder ein spannendes Untersuchungsfeld auf einer Pressemeldung bekannt gegeben: Die Forscher rund um Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt entdeckten, wie manche Riechstoffe die Bronchien erweitern können und bei somit bei Asthma gut tun. Andere Riechstoffe wiederum bewirken genau das Gegenteil und könnten im praktischen Leben die Schuldigen daran sein, dass manche Menschen auf penetrante synthetische Weichspül-Gerüche, Waschmittel, Kosmetika und Parfüms mit Atemnot reagieren. Möglicherweise wird es sogar einmal eine Bestätigung der Vermutung von vielen Heilpraktikern geben, dass (künstliche) Aromastoffe in Fertignahrungsmitteln, zu asthmatischen Reaktionen führen können. Hier ein Auszug aus der Pressemeldung vom 8. August 2016:

>> Riechrezeptoren in den Bronchien entdeckt
Die Muskelzellen der Bronchien nehmen Düfte wahr, zum Beispiel einen speziellen nach Bananen und Aprikosen. Das könnte eine gute Nachricht für Asthmatiker sein.
In den Muskelzellen der menschlichen Bronchien haben Forscher zwei Typen von Riechrezeptoren entdeckt. Aktivieren die passenden Düfte diese Rezeptoren, erweitern oder verengen sich die Bronchien – ein potenzieller Ansatz für die Asthmatherapie.

Zu diesem Ergebnis kam ein Team um Prof. Dr. Dr. Dr. habil Hanns Hatt und Dr. Benjamin Kalbe vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie. Gemeinsam mit Kollegen verschiedener Kliniken in Bochum, Köln und Herne berichten die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift „Frontiers in Physiology“.

Bananen-Aprikosen-Duft erweitert Bronchien
Die neu auf den Muskelzellen entdeckten Rezeptoren tragen die Bezeichnungen OR2AG1 und OR1D2. Die Forscher identifizierten auch die zu den Riechrezeptoren passenden Düfte sowie die Signalwege, die diese in der Zelle auslösen.

Amylbutyrat, ein fruchtiger Duft mit Bananen- und Aprikosennoten, aktiviert den Rezeptor OR2AG1. Bindet der Riechstoff, entspannt und erweitert das die Bronchien. Der Effekt war im Experiment so stark, dass er die Wirkung von Histamin aufheben konnte. Diesen Stoff schüttet der Körper bei allergischem Asthma aus, wodurch sich die Bronchien verengen.

Ansatz für die Asthmatherapie
„Amylbutyrat könnte bei Asthma helfen, die Luftzufuhr zu verbessern“, folgert Hanns Hatt. „Vermutlich kann es nicht nur den Effekten von Histamin entgegenwirken, sondern ebenso denen von anderen Allergenen, die das Atmen behindern.“ Auch für die Behandlung anderer Krankheiten, etwa der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, könne der Rezeptor interessant sein.

Die Forscher zeigten außerdem, dass Amylbutyrat in den Muskelzellen die gleichen Signalwege in Gang setzt wie in den Riechzellen der Nase.

Zweiter Rezeptor mit gegenteiligem Effekt
Der zweite Rezeptor OR1D2 ist empfänglich für Düfte mit blumigen, öligen Noten, etwa Lilial oder Bourgeonal. Bindet der Riechstoff an den Rezeptor, passiert das Gegenteil wie beim Rezeptor OR2AG1: Die Bronchialmuskeln kontrahieren. Außerdem werden in den Zellen entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt.

Für die Studie untersuchten die Forscher menschliche Zellkulturen, die das Team um Privatdozent Dr. Jürgen Knobloch vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil zur Verfügung stellte. Dabei handelte es sich um glatte Muskulatur, die im Gegensatz zur quergestreiften Muskulatur nicht der willentlichen Kontrolle unterliegt. << 

Die komplette (englischsprachige) wissenschaftliche Arbeit kann hier runtergeladen werden.

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Römische Kamille, Chamaemelum nobile

Bei den ätherischen Ölen sticht in Sachen Bronchien-Erweiterung das eher noch unbekannte, fruchtig duftende Öl der Khella (Zahnstocherkraut, Ammi visnaga) besonders hervor und siehe da, es enthält fast 30% natürliche Butyrate, also Ester der Buttersäure. Das als stark entkrampfend wirksame ätherische Öl der römischen Kamille kann sogar noch mit einem höheren Anteil an diesen Buttersäure-Verbindungen aufwarten (gut 50 Prozent). Myrtenöle, Immortelle, Lavendel und Palmarosa enthalten kleine Mengen davon. Erfahrungsgemäß genügen kleine Anteile dieser Verbindungen, um ein ätherisches Öl entkrampfend wirken zu lassen.

Das seltene ätherische Öl aus den Samen der Khella (des Bischofkrauts) können die Schweizer bei Florentia bestellen, alle anderen bekommen es bei Maienfelser Naturkosmetik.